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[Baumann] Unsere Mutter...
Na ja, du kennst sie ja.
Als Vater genug hatte, nahm er mich mit in den Westen,
und du bist bei Mutter geblieben.
Mutti...
Ich bin nie wieder zurück in den Osten. Bäh!
[er hustet]
Aber ich habe meine komplette akademische Laufbahn
der Ost-Psyche gewidmet.
Musste wohl ein paar Dinge verarbeiten.
Warum schickt mich die HVA mit deiner Identität nach Frankfurt?
-Die müssen gewusst haben... -Oder?
Das hat mich auch verwundert.
Entweder haben die einen Riesenfehler gemacht...
...oder...
...die wollten dir eins auswischen.
Genosse Fuchs!
Walter! Wie geht's Ihnen?
-Also, ich bin ein bisschen... -Sind Sie außer Atem?
Ich komme direkt aus Frankfurt am Main.
Was machen Sie denn in Frankfurt am Main?
Ich arbeite da. Für Sie.
Nur die Sache mit Herrhausen, die... macht mir Sorgen.
Ich muss gestehen, ich vermisse mein Büro.
Sie wissen, dass es verboten ist,
feindliches Gebiet ohne Reisegenehmigung zu betreten.
Was erzählen Sie denn da?
Seit die Mauer weg ist,
kann jeder feindliches Gebiet betreten.
Die Mauer.
Walter, wir haben diese Mauer gemeinsam gebaut.
Sie wird uns, unsere Kinder und unsere Enkelkinder überleben.
Wir werden hier bald blühende Landschaften sehen.
Verfallene Städte
wie Leipzig werden im alten Glanz erstrahlen.
-Ich rufe den Arzt. -Nein!
Meinst du, die kommen wirklich?
Er hat's mir versprochen.
Martin hat durch sein Auftauchen hier unsere Mission gefährdet.
Ich werde seinen Besuch melden müssen.
-Melden? -Ja. Der Zentrale.
Also, wie bitte?
Beate, ich habe schon genug Albträume.
[entferntes Klingeln]
Das Telefon.
[Martin] Wie heißen die noch mal?
Roman und Oleg.
Und Roman war der, der in dich verliebt ist?
Verliebt ist vielleicht ein bisschen übertrieben.
Da wäre ich mir nicht so sicher. Er hat das da für dich geklaut.
Und... Oleg?
Ist der auch in dich verliebt?
Nee. Dieser Oleg, der macht das nur fürs Geld.
Ach so.
-Welches Geld? -20.000 Dollar.
Welche 20.000 Dollar?
Du hast gesagt, dass du 20.000 Dollar hast.
Das ist weg.
-Wie? -Ich hab das nicht.
Ich hab denen das Geld versprochen.
-Wie? -Wir müssen abhauen. Komm.
Nee. Wir bleiben hier. Wir nehmen den Lastwagen.
Wir kriegen das schon hin.
Das ist dann wohl Oleg?
Weißt du, wen ich in der Leitung hatte?
Die Zentrale.
Hast du deine Meldung doch abgesetzt?
Nein.
Fuchs und Dietrich sind auf dem Weg hierher.
Und die sind sogar schon in Frankfurt.
Die wollen mich jetzt gleich
beim Italiener um die Ecke treffen.
[auf Russisch] Hallo, Nicole.
Roman.
[auf Deutsch] Du siehst super gut aus.
Du auch.
Hier. Für dich.
-Rilke? -Mhm.
Ich liebe Rilke.
Ich auch.
[auf Russisch] Los, macht schon!
Los!
[Roman] Steigt ein, wir fahren.
Na los.
Macht voran!
[auf Englisch] Unfassbar, dass Martin in Frankfurt war.
Was hatte er da zu suchen?
Solche Operationen
sind so organisiert,
dass niemand den ganzen Plan kennt.
Du kennst nur deinen Part, sonst nichts.
Warum lassen wir uns wie Ameisen behandeln,
wo wir doch in Wahrheit Löwen sind?
Du meinst Parasiten?
Nein.
Löwen.
[er brüllt]
[auf Englisch] Und beeilen Sie sich!
[sie sprechen englisch]
Das ganze Land ist in Aufruhr wegen Frankfurt.
Natürlich.
Wir müssen Brentwood womöglich sagen,
dass wir einen HVA-Mann in der Gruppe hatten.
Noch nicht.
Erst müssen wir Lenora finden. Er kann uns zu ihr führen.
Selbst wenn wir sie finden,
wissen wir nicht, was Martin tun wird.
-Du hast ihm genug vertraut... -Ich habe dir genug vertraut.
Du hast ihn dort eingesetzt.
Wenn Martin Lenora findet, wirst du sehen,
wie sehr er sie hasst.
Vertrau mir.
Na schön.
Wie wär's damit,
da du sonst jeden meiner Vorschläge ablehnst:
Ich führe dich zum Essen aus,
spendiere uns eine Flasche Wein,
und dann reden wir.
In Ordnung?
Und jetzt verschwinde.
Klingt verlockend.
[Titelmusik]
[Peter Schilling singt "Major Tom" auf Englisch]
Der Robo-Phönix!
[elektronische Klänge]
Der Robo-Phönix.
Es gibt eine ganz neue technische Entwicklung,
die es erlaubt, Computer miteinander zu vernetzen.
Wissen Sie, wer das schon heute erkannt hat?
Er. Und ich.
Das war der letzte von unserer Liste.
Vielleicht können wir das Ding
in eine Videospiel-Konsole umbauen.
Quatsch!
Sie müssen mal lernen, wie man richtig verkauft!
Ich kann das beste Produkt der Welt haben,
aber wenn Sie nicht wissen, wie man's verkauft,
dann kann mein Geschäft nicht wachsen.
Sie sind immer schüchtern.
Und es geht immer nur um diese Beziehung.
Aber das ist doch was Gutes.
Nein! Das ist nichts Gutes!
Wenn Sie mein Produkt verkaufen wollen,
dann müssen Sie mein Produkt lieben.
Wie soll man denn bitte ein Produkt lieben?
Das ist kindisch.
Ich wollte Sie nicht verärgern.
Ach, du meine Güte.
Ich hab das hier die ganze Zeit falsch gedacht.
Ich muss das Unternehmen nicht auf einer guten Idee aufbauen.
Ich brauche einfach nur dieses russische Juwel.
Wie wollen Sie denn daraus ein Unternehmen aufbauen?
Das werden Sie niemals erfahren.
Sie sind gefeuert.
[Conny] Wie soll der uns denn feuern?
Wir haben doch noch nicht mal einen Arbeitsvertrag.
Pass auf, der ist schwer.
Einer noch.
Haben wir alles.
So.
Nee, hier fehlt einer.
Das ist aber eine tolle Überraschung.
Willkommen.
Walter, hast du 20 Mark? Die nehmen keine großen Scheine.
-Wofür? -Taxi.
Ah ja.
[Walter] 20?
Genosse Fuchs.
Ist lange her.
Natürlich. Gazelle.
Ach, darf ich dir meine neue Lebensgefährtin vorstellen.
-Frau D. -Hm. "Frau D."
-Freut mich. -Angenehm.
Jetzt haben wir den schönen Teil von Berlin verloren.
Walter, wir haben doch nur eine Schlacht verloren,
keinen Krieg.
[Fuchs] Sehr zum Wohl.
[Walter] Zum Wohl.
Weiß man denn,
wer bei dem Herrhausen-Attentat die Hände im Spiel hat?
Lenora?
Ich weiß von nix.
Ändert dieses Attentat etwas
an unserem Auftrag hier in Frankfurt?
-Nein. -Nein, nein.
Aber wir brauchen eure Hilfe für eine andere Sache.
Wir brauchen eine diskrete Anlage mit internationalen
Zugangsmöglichkeiten, natürlich geschützt vor Steuern.
Wir wollen ja das Geld
und das Gold von den Bürgern nicht verschwenden.
Gold?
Wie viel haben Sie dabei?
Ach, Walter, wir werden uns ins Ausland absetzen,
bis sich dieser Staub in Berlin gelegt hat.
Werden von da aus Einfluss nehmen auf unser Land.
-Unser Volk braucht uns. -Gut.
[räuspert sich] Ist gut. Sehr gut.
Dann werden Sie gewiss eine glaubwürdige Geschichte
zur Herkunft des Geldes finden, oder?
Selbstverständlich.
So wie Sie uns das Bett in Frankfurt gebaut haben,
baue ich Ihnen das Bett bei der Deutschen Bank.
Ich muss da auch noch was loswerden.
Und ich möchte auch kein Spaßverderber sein.
Bitte.
Aber ich...
Ich kann mehr. Ich kann viel mehr.
Ich kann alles, was ihr braucht.
[Fuchs] Das weiß ich doch.
Es wird langsam Zeit. Ich muss los.
Warum?
Der Meisten von der Staatsbank, den treffe ich heute.
-Sehr gut. -Wir drücken Ihnen die Daumen.
[fröhliche Balkanmusik]
Danke.
[er singt die Melodie mit]
Hopsassa!
Hey-sam!
Hopsassa!
[Musik stoppt]
[Nicole] Weißt du, was mein Problem ist?
Ich kenne nur die halbe Welt
und die halbe Wahrheit.
Was meinst du?
Ja, bis jetzt war die Welt geteilt in zwei Hälften.
Wenn du auf der einen Seite groß geworden bist, dann...
...hast du die andere nicht kennengelernt oder gebraucht.
Ich...
Ich hab mich in der DDR immer als Außenseiter gefühlt.
Und jetzt...
Jetzt gerade erst merke ich, dass...
Dass es mein Zuhause war.
Weißt du, da...
Da weiß ich, wie was funktioniert.
Da kenne ich die Regeln.
Ich weiß genau, was du meinst.
Jetzt gibt's keine Regeln mehr.
Ja.
Das macht mir Angst.
Mir auch.
"Doch alles, was uns anrührt Dich und mich
Hält uns zusammen Wie ein Bogenstrich
Der aus zwei Saiten Eine Stimme zieht
Auf welches Instrument Sind wir gespannt?
Und welcher Geiger Hält uns in der Hand?"
[Tür öffnet sich]
Horst Meisten kommt heute Nachmittag an.
Ich konnte den Termin nicht verschieben.
Ich konnte, Gott sei Dank, ein paar Eckpunkte recherchieren.
Meisten ist aufgewachsen im Kinderheim Makarenko.
Diese Einrichtung ist für strengste Disziplin bekannt,
und es ist sehr, sehr anzunehmen,
dass diese Erfahrung auf seine persönlichen Vorlieben
abgefärbt hat.
-Oh. -Mhm.
Sie meinen, er steht auf SM?
Na ja, die statistische Korrelation
ist jedenfalls sehr hoch.
Bitte schön.
Hätte ich früher gewusst, wozu die psychologische Anthropologie
alles hilfreich sein kann.
Dann werden wir das komplette Abendprogramm
für Herrn Meisten arrangieren.
-Mhm. -Mit Peitschen? Masken?
Das sollen andere machen.
Ich bräuchte Ihre Expertise in Sachen Geldanlage.
Bin ganz Ohr.
Meine Großtante ist vor Kurzem verstorben
und hat mir ein Erbe hinterlassen.
Sie war sehr exzentrisch,
und sie hat ihr gesamtes Vermögen in Bargeld...
-Und Anleihen? -Nein.
In Bargeld und Gold angelegt.
Unzertifiziertes, nicht dokumentiertes Gold.
Die Compliance. Die Compliance. Tut mir leid.
Keine Chance, dass wir das hier sauber durchkriegen.
Schade. Das ist wirklich sehr schade.
Gäbe es vielleicht...
...irgendwo einen anderen Abnehmer?
Na ja, irgendwo gibt's immer jemanden.
Ich kenne da jemanden in der Schweiz.
Die Schweizer, die können machen, was sie wollen.
Wie sollen wir denn da jemals mithalten, was?
Vielen Dank.
Im Gegenzug möchte ich mein persönliches Vermögen
bei Ihnen investieren.
-Ah ja? -Ja.
20.000 Dollar.
Zahlen Sie's doch einfach auf Ihr Girokonto ein.
Nein, nein. Ich dachte da an etwas Riskanteres.
Diesen Leipziger Immobilienfonds?
Gerne.
Schön.
Gut, dann sehen wir uns heute Abend.
[er imitiert Peitschenhieb] Witsch!
Ach, und die Karte haben Sie nicht von mir.
Ja, ja.
[auf Italienisch] Leider verliert der Kommunismus
in der DDR gerade stark an Boden,
während er bei Ihnen in Italien
immer stärker wird.
La mia famiglia seit vier Generationen in der Partei.
[Fuchs] Mhm.
Walter hat alles geklärt.
Das ist eine Reihe von anonymen Nummernkonten in Zürich,
und das sind die Zugangsdaten.
Danke, Gazelle.
Emilio?
"Una Sekt".
-Limoncello. -[Dietrich] Mhm. Kein Sekt.
Viel besser.
Und kommen direttamente da qui.
Ah, von dort kommt der Limoncello.
[auf Italienisch] Woher kommen Sie?
-Aus Sorrent. -Sorrent?
Was... feiern Sie?
Ja, ein neues Kapitel des deutschen Kommunismus.
[auf Italienisch]
Er sagt, du müsstest unbedingt seine Familie kennenlernen.
Ihr würdet euch sehr gut verstehen.
Gern. Gern.
Ähm, ich hab noch mal nachgedacht.
Es gibt hier in Frankfurt einen hochinteressanten Betrieb.
Den würde ich gerne infiltrieren.
Genossin, ich glaube, in diesem Umfeld
würden Sie sehr herausfallen als berufstätige Ehefrau.
Markus.
Ich kann mich nicht auf die Tätigkeit
einer westdeutschen Hausfrau reduzieren.
Gazelle.
[auf Italienisch] Emilio? Entschuldigen Sie.
Der war ganz hervorragend. Kommt Ihre Familie von dort?
-Ja. -Ja.
Dieses Haus gehört seit Generationen unserer Familie.
Seit vier Generationen wohnt seine Familie in diesem Haus.
Nehmen Sie auch Mieter?
[auf Italienisch] Nein, das machen wir nicht, aber...
[auf Deutsch] Gesinnungsgenossen, si.
Sie vermieten das nicht an jeden,
aber an Gesinnungsgenossen.
Ah. Sehr gut.
[italienisches Chanson, Meeresrauschen]
[Russisch] Wir sind in Rumänien. Ihr könnt uns das Geld geben.
[Nicole] Wir haben das Geld nicht.
Was?
Raus!
Beide!
Geh da rüber!
Was ist jetzt mit dem Geld?
Ich hab doch gesagt, ich habe es nicht.
Ich habe gelogen.
Und was sollen wir jetzt machen? Hm? Was jetzt?
Wegen dir haben wir die Truppe verlassen.
Wir haben sogar für dich diesen beschissenen Laster gestohlen.
Ihr verdammten Arschlöcher!
Wegen mir?
Du vertraust einer Fremden und kommst hier an wie ein Idiot.
Du kennst mich doch gar nicht. Du bist selbst schuld.
Sag das noch mal, und du läufst, du Schlampe.
Oleg, bist du verrückt geworden?
-Entschuldige, Nicole. -Halt die Klappe, Romeo!
Sie kann dir das Geld nicht geben.
-Was? -Aber ich.
Was?
Ich arbeite für die CIA und den BND.
Ich habe einen Auftrag.
Du wirst von beiden Seiten bezahlt?
Das würde mir auch gefallen.
Und was ist das für ein Auftrag?
Ich bin hinter einer Frau her.
Wenn wir sie kriegen,
bekomme ich alles, was ihr wollt.
Geld, neue Pässe...
Und wenn wir sie nicht kriegen?
[auf Deutsch] Dann landen wir alle im Graben!
Wir alle vier. Keiner von uns kann zurück.
Dann sind wir alle tot.
[auf Russisch] Ich riskiere hier auch alles.
Du sagst, du bist CIA-Agent?
-CIA? -Ja.
[sie flüstern]
Okay. Gut.
Wo finden wir diese Frau?
Sie ist mit einem Securitate-Agenten unterwegs.
Sie fahren nach Timisoara.
[spannungsvolle Musik]
LANG LEBE TÖKÉS LÁSZLÓ
[auf Rumänisch] Nehmt sofort den Dreck ab.
Jawohl.
[auf Englisch] Siehst du?
In Rumänien ist die Welt noch in Ordnung.
Und ich sterbe vor Hunger.
Hier gibt's das beste Essen der Stadt.
[sie sprechen rumänisch]
-Guten Abend, Genossen. -Willkommen, Genossen.
-Wie sieht's aus? -Wir können nicht klagen.
-Bitte sehr. -Danke.
-Die Karte, bitte. -Danke.
Wein?
Liebend gern.
-Rachiu? -Nein.
-Schnaps? -Nein.
-Sliwowitz? -Nein.
Sauerkirschlikör?
Was soll denn das?
[unverständlich]
[Rufe von draußen]
[Menge ruft draußen]
-Wer ist das? -Magyaren.
-Wer? -Ungarn.
Sie klammern sich an ihre verfluchten Kirchen.
Wir hätten sie vor Jahren schließen sollen.
Kirchen?
Ich dachte, Ceausescu ginge hart gegen Religion vor.
Das dachte ich auch.
So hat es in Leipzig auch angefangen.
NIEDER MIT DEM KOMMUNISMUS!
Was ist das?
Sie haben nichts zu... essen.
Und sonst auch nichts.
Warum haben sie dann geöffnet?
Das ist ein staatliches Restaurant.
Sie müssen geöffnet haben.
Der Kellner versucht, Wein aufzutreiben.
Wir können unten auf ihn warten.
-Unten? -Mhm.
Voll eingerichtet, rundum gesichert,
mit sicheren Leitungen für Telefon und Fernschreiber
und bestens bestückt mit Waffen.
Die Kellner gehören zu einer Sondereinheit.
Das ist ein geheimer Securitate-Stützpunkt.
Mit etwas Verpflegung
wäre das der perfekte Ort, um einen Sturm auszusitzen.
Oder um einen zu entfachen.
Sollen wir?
[bedrohliche Musik]
[Mann] Guten Abend.
[Frau] Mein herzliches Beileid.
Danke.
[zögerlich] Ich nehme an, Sie sind Frau Meisten?
In der DDR werden Frauen
nicht auf ihre Rolle als Ehefrau reduziert, Herr Hollweg.
89 Prozent der Frauen in der DDR sind Vollzeit berufstätig.
Sie sind also Frau Meisten.
Dr. Margarete Müller.
Herr Meisten hat heute andere wichtige Termine.
Ich vertrete ihn.
Ah. Dann herzlich willkommen.
Tag. Darf ich?
Wer ist das?
[Walter] Beate? Dieter ist da!
[Lachen] Wo bist du denn? Beate?
Ach, hier.
Beate, kennst du eine Frau Dr. Margarete Müller
von der Staatsbank?
Der Meisten ist heute einfach nicht aufgetaucht.
Stattdessen kam diese Margarete Müller.
Ich weiß nicht, wer das ist. Ich brauche Informationen.
Wir müssen doch eine Akte von der haben.
Ja, klar.
[Walter] Scheiße!
Scheiße, scheiße, scheiße!
Nein... Haben wir nicht.
Walter.
Was... ist... der... Sinn?
Hä? Was für ein Sinn?
Was... ist... der... Sinn... von... dem... allen?
Es gibt keinen Sinn. Es gibt nur den Auftrag.
Und dein Auftrag ist heute, Margarete Müller zu unterhalten.
Wir sollten doch verhindern,
dass die Staatsbank der DDR übernommen wird.
-Das ist unser Auftrag. -Ja. Richtig.
Und jetzt helfen wir der Deutschen Bank,
die Staatsbank der DDR zu schlucken.
Wir helfen nicht der Deutschen Bank.
Das sind vertrauensbildende Maßnahmen
für den Tag der Entscheidung.
Und dann spielen wir die Staatsbank
zurück in die Hände der HVA.
Mach dich bitte frisch.
Und zieh dir was Schönes an.
Los! Margarete Müller...
Ich bin so hungrig, ich kann kaum denken.
Also gut...
Es gibt Schweinefleisch.
-Ja! -Es gibt Fisch.
-Noch mehr Schweinefleisch. -[lacht] Ja.
Und...
Das...
Das ist Sakuska.
Das besteht aus Tomaten und Paprika und Knoblauch.
Und es wird stundenlang eingekocht.
Das ist...
Wie kann ich es beschreiben?
...himmlisch.
-Alles. -Alles.
Alles? In Ordnung. Kommt sofort.
[Frau] Diese zeitlosen Pumps sind elegant und verführerisch.
Dazu dieses farbenfrohe und aufsehenerregende
Blousonjäckchen.
Komplettiert wird dieses Ensemble
mit dieser fliederfarbenen Handtasche mit goldenen Details.
Diese Jacke macht einen ganz anderen Typ aus Ihnen.
Wunderschön.
Ich habe da noch ein Unikat in der Trendfarbe Ocker
und mit dem besonderen Augenmerk auf der Schulterpartie.
Ich würde jetzt gerne zurück ins Hotel.
Sie müssen wenigstens diesen schönen Mantel anprobieren.
In diesem einzigartigen Pelz
ist Ihnen ein atemberaubender Auftritt gewiss.
Göttlich. Wie die Garbo.
Darf ich Sie was fragen?
Ist das das Leben einer westdeutschen Frau?
Na ja, das ist hier ein wenig über dem Durchschnitt,
aber im Prinzip, ja.
Mögen Sie dieses Leben?
Ja.
Warum?
Ich versorge meinen Mann und mein Haus.
Also, mir fehlt es an nichts.
Und ich habe Zeit für mich, für meine Hobbys.
Für den Buchclub. Fürs Museum. Aerobic.
Haben Sie nie von etwas Größerem geträumt?
Nein.
Frau Baumann, sagen Sie doch bitte Ihrem Mann,
dass ich ihn morgen früh um 5.30 Uhr
in der Bank zum Abschlussgespräch erwarte.
Früh um 5.30 Uhr?
Ja, mein Leben ist nicht so privat wie Ihres.
Ich muss mich um die Zukunft unseres Landes kümmern.
-Wiedersehen. -Opa!
Das ist der Mann, den du suchst.
Der Ring!
Tatsächlich. Das ist er. Wirklich.
-Hast du toll gemacht. -Was macht der auf dem Foto?
Ach, weißt du, der macht ganz schlimme Sachen.
[auf Englisch] Was rufen sie?
"Wir sind das Volk."
Natürlich.
Ich würde so gern etwas tun, um diesen Irrsinn zu beenden.
Keine Sorge. Das Militär ist unterwegs.
Und ihre Gewehre sind geladen.
Leute zu erschießen, hat noch nie geholfen.
Bist du jetzt Pazifistin?
Überhaupt nicht. Ich suche mir nur bessere Ziele aus.
Der Kapitalismus ist eine Krankheit, die um sich greift.
Wie du gesagt hast: Man muss die Führung ausschalten.
Dann werden die Leute aufwachen und damit aufhören,
Unsinn zu skandieren.
Nein.
Die Menschen müssen Angst haben.
Wer Hunger hat, kennt keine Furcht.
Wenn Ceausescu sein Land weiter so regiert,
sind seine Tage gezählt.
Vielleicht können sich die Ameisen
nicht von ihrem Parasiten befreien.
Aber Menschen können sich von den Ideen befreien,
die sie kontrollieren.
Wir Rumänen sind...
...sehr skeptisch,
was Versprechungen auf eine bessere Zukunft angeht.
Wir Deutschen...
...sind voll davon.
Ich habe noch nie jemanden wie dich getroffen.
Ich auch nicht.
Schön, mal rauszukommen, nicht wahr?
Ich weiß nicht.
Das wirkt alles sehr ostig hier.
Als würde die Mauer noch stehen.
Meine Frau hat immer gesagt, es erinnere sie an das...
...wahre Europa.
So stellt sich also eine Ehefrau aus Amerika Europa vor?
So in etwa.
Aber ich kann dir sagen...
Auf Ostberlin war sie nicht vorbereitet.
Sie kam einfach nicht klar damit.
Mein Ehemann kam nicht mal mit Westberlin klar.
Wir sind durch ganz Europa gezogen...
...bevor er...
Witwe zu sein, ist sicher hart.
Ja.
Aber es macht es leichter, sich mit anderen Männern einzulassen.
Wow.
Das war ein Witz.
Du bist eine gute Schauspielerin.
Ich bin Agentin.
Ich kann jeden um den Finger wickeln.
Na dann...
...bin ich sehr stolz darauf,
einer der anderen Männer zu sein.
[bedrohliche Musik] [Polizeisirenen]
[auf Rumänisch] Guten Abend.
Wir haben wegen Inventur geschlossen.
Er hat gesagt, sie haben geschlossen.
Rumänisch verstehe ich ein bisschen.
[auf Russisch] Sag ihm, sie sollen öffnen.
Ich hab verstanden. Was wollen Sie?
Das kann ich dir sagen.
Das Schnitzel hier soll gut sein.
Könnten wir die Speisekarte sehen?
Danke.
Nicole.
[Telefonklingeln]
Wie dick sind diese Wände?
[Klopfzeichen]
[auf Rumänisch] Was gibt's?
Das Militär widersetzt sich den Befehlen.
Sie schießen mit Platzpatronen auf die Demonstranten.
Sie müssen mit dem General reden.
Und eine Nachricht für Genossin Rauch.
Okay, danke.
Das ist für dich von der HVA.
Ich bin bald zurück.
[auf Deutsch] Warte auf mich.
[pulsierende spannungsvolle Musik]
Hallo?
Wer ist da?
[Beate lacht] Lenora, endlich.
Ich habe mir schon Sorgen gemacht.
Beate.
Wie ist es in Rumänien?
Nicht so sicher, wie man gerne behauptet.
Hast du nicht gesagt, das ist ein Securitate-Haus.
-Ist es auch. -Ja?
Ja. Alle Räume sind gesichert. Die Türen, selbst die zur Küche.
Du glaubst doch nicht, dass du Lenora
hier einfach so mitnehmen kannst?
Die werden froh sein, sie los zu sein.
[auf Russisch] Sprecht Russisch.
Und was macht deine "Ehe" in Frankfurt?
Nadeschda Krupskaja mit Lenin in Bern.
Die Langeweile der bürgerlichen Ehe bringt mich um.
Aber Walter ist doch nicht Lenin!
Nee. Entschuldige. Übrigens mag ich ihn.
Verstehe.
[auf Russisch] Roman und Oleg, ihr bleibt hier.
Kümmert euch um Nicole.
Ich seh mich hier mal um.
Okay?
Bin gleich wieder da.
Warte.
[auf Deutsch] Du brauchen Waffe.
Hör mal, ich hab mit Fuchs gesprochen.
Der zieht mit der HVA ins Exil,
um vorerst von dort aus zu operieren.
Und der braucht Unterstützung.
Der braucht echte Kämpfer.
So wie dich.
Wie finde ich ihn?
Villa Jovis.
Via Cocumella 5,
Sorrent.
Gib mir die Waffe, Roman!
Roman! Das Gewehr!
-Ja. -Mach schon.
Und da ist noch eine Sache.
Nimm dich vor Martin in Acht.
Der hat's auf dich abgesehen.
-Vielen Dank, meine Liebe. -Ja.
Gut. Hören Sie.
Er ist ein amerikanischer Spion,
der nach Timisoara geschickt wurde,
um hier Unruhe zu stiften.
Ich bin hier, um ihn euren Vorgesetzten zu übergeben.
Warum hast du deinen Freund niedergeschlagen?
Er ist ein Heuchler und dumm.
Und die Deutsche?
Macht mit ihr, was ihr wollt.
Sie arbeitet sicher auch für irgendjemanden.
Was ist hier los?
Gut gemacht, Genosse. Hurra! Hurra! Hurra!
Dir gebührt der Dank Rumäniens.
Und Geld?
Rumänien dankt dir.
[Martin auf Russisch] Ich habe nur noch eine Bitte.
Lasst sie laufen.
Sie hat mit der Sache nichts zu tun.
[auf Deutsch] Du bist verliebt.
[auf Russisch] Willst du sie? Dann nimm sie mit.
Nein. Ich will Geld.
Es gibt kein Geld für dich.
Nimm das Mädchen und verschwinde.
Komm her.
Na gut.
Nein...
Zurück. Zurück, zurück, zurück. Los!
-Na los, mach schon. -Nicole, Nicole!
[auf Russisch] Wo ist Lenora?
Sie ist hier.
Aber du wirst sie nicht finden.
Sag mir, wo sie ist, oder ich finde sie ohne dich.
Sieh dich ruhig um.
[schmerzvoller Schrei]
Wo ist Lenora?
Das ist deine letzte Chance, am Leben zu bleiben.
Sieht so aus...
...als hätte deine Tante...
...recht mit dir gehabt...
...Kolibri.
[sie schreit]
[bedrohliche Musik]
[die Menge skandiert]
Deine Sachen. Schnell!
Wir müssen hier weg! Los!
Scheiße. Wohin?
Die Küche. Los!
Links! Rein da!
[tragische Klänge]
-Es gibt Proteste in Rumänien. -Mhm.
Beeindruckend, wie unaufhaltsam Demokratie und Freiheit
auf dem Vormarsch sind.
Die Ära der Autokraten ist ein für alle Mal vorbei.
Ja. Da ist sie.
Hoffen wir, dass das Unterhaltungsprogramm
Ihrer Frau Wirkung gezeigt hat.
Da bin ich ganz optimistisch. Guten Morgen, Frau Dr. Müller.
Guten Morgen.
Herr Meisten lässt ausrichten, dass er sich ab nächster Woche
für den Beginn der Verhandlungen bereit hält.
Alles Weitere läuft nun über ihn.
Großartig. Wunderbar.
Möchten Sie was trinken?
Kaffee? Tee? Eine Limo?
Tee.
Moment, bitte.
Ich habe es hinreichend deutlich gemacht,
dass ich keine Geschenke annehme, Herr Prof. Baumann.
Bitte. Eine kleine Aufmerksamkeit.
Das wäre nicht nötig gewesen.
Schauen Sie rein.
Ich hab's ganz speziell auf Sie abgestimmt.
Mir ist klar geworden, dass Sie nicht korrumpierbar sind...
Das ist richtig, ich...
...aber die Zukunft der Staatsbank
gern selbst mitgestalten wollen.
Ich hoffe, wir setzen unsere Verhandlungen fort,
wenn Sie bereit sind.
Sagen Sie, was haben Sie noch mal studiert?
-Psychologische Anthropologie. -Spannendes Fach.
-Auf Wiedersehen, meine Herren. -Auf Wiedersehen.
Aber was ist denn mit dem Abschlussgespräch?
Tolle Frau.
Can't find what you're looking for?
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