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[Türklingeln]
Dawai!
[bedrohliche Klänge]
Wo ist dein Sohn?
Mein Sohn?
Er kommt jetzt mit nach Moskau.
Mein Sohn wurde schon abgeholt. Vom KGB. An der Schule. Gestern.
Max' Lehrerin hat uns die gleiche Scheiße erzählt.
Aber wir haben jeden Stein umgedreht.
Max ist nicht abgeholt worden, und in Moskau ist er auch nicht.
Sie wissen nicht, wo mein Sohn ist?
Annett Schneider wird außer sich sein.
-[Russisch] Er ist nicht da? -Nein, verdammt.
[zu sich, leise] Becker hat seine Frau denunziert.
Meisten.
Leicht verführbar.
Auf Ring hinweisen.
[Wecker piept]
[sie stöhnt verschlafen]
Guten Morgen, Schatz.
Hast du gut geschlafen?
Äh...
Ja. Und du?
Ich hab wunderbar geschlafen.
Unser Bett hier ist fast noch bequemer als das in München, hm?
Wie bitte?
Na, so eine schöne feste Matratze.
Sicher gut für deinen Rücken.
Ich hab doch keine Rückenschmerzen.
Wegen der guten Matratze?
Ah... Ja, du hast recht.
Also, ich spür schon fast gar nichts mehr.
[Titelmusik]
[Peter Schilling singt "Major Tom" auf Englisch]
[undeutliche Stimmen]
Wie lang hab ich geschlafen?
Sehr lang.
Ich wollte nicht los, bevor du aufwachst.
Das ist Grigore.
Hier... für dich.
Du brauchst was zum Anziehen.
Danke.
Und jetzt musst du schon los?
Ich sollte dich nur aus dem Knast holen.
[Englisch] Sie ist fertig. Ab jetzt gibt es nur noch uns.
-Uns? -Mhm.
[auf Deutsch] Aber... wie soll ich dich denn finden?
[auf Afrikaans] Ich werde dich finden, wenn die Zeit reif ist.
Aber jetzt fahre ich erst einmal zu meiner Tochter.
Falls du dich nicht meldest, werde ich dich finden.
Das reicht.
Das hoffe ich sehr.
Was hat sie gesagt?
Dass sie mich liebt.
[auf Afrikaans] Lass mich erst mal...
...einen Kaffee machen.
[Conny] Die geben uns die Wohnung jetzt doch nicht.
Hm?
Wie bitte? Wieso nicht?
Wieso, haben sie nicht gesagt.
Das tut mir leid.
Und hier? Gab's irgendwelche Interessenten aus dem Westen?
Nein. Ähm, doch. Gestern.
Nein. Der wollte nur einen Computer kaufen.
Super. Das ist doch was.
Da draußen steht ein Typ mit einem Fellmantel.
Wenn der reinkommt: Ich bin nach Hause und hab irgendwas gesucht.
Ich muss telefonieren.
[Telefonklingeln]
-Hallo? Zangen. -Fräulein Zangen.
Hier ist Martin Rauch. Geht's Max gut?
Ist alles bestens.
Es tut mir wahnsinnig leid.
Ich schaff's heute Morgen leider nicht.
Was mach ich, wenn die vor der Tür stehen?
Nee. Die wissen nicht, dass Max bei Ihnen ist.
Die kennen Ihre Adresse nicht.
-Sicher? -Ja. Sicher.
Aber wir sollten auflegen,
damit der Anruf nicht zurückverfolgt werden kann.
[bedrohliche Klänge] [leise] Was...
Scheiße.
Hey, mir geht's übrigens auch gut.
Ja.
Ja, ich bin Ihnen wahnsinnig dankbar.
Gut, Herr Rauch.
Auf Wiederhören.
[spannungsvolle Musik]
[Englisch] Rose meinte:
"Wenn du das Unmögliche möglich machen willst,
musst du mit Lenora Rauch zusammenarbeiten."
Sie meinte auch,
dass du die Beziehungen hast,
um mir zu besorgen, was ich brauche.
Glaubst du alles, was Rose sagt?
Selbst ohne die Beziehungen
kommst du sicher an die richtigen Waffen.
Ich muss wissen, worauf ich mich einlasse.
Rose wusste auch nichts Genaueres.
Falls du es noch nicht bemerkt hast: Ich bin nicht Rose.
Hast du schon mal eine Ameise gesehen,
die einen Grashalm hochklettert,
runterfällt
und wieder hinaufklettert?
Was hat die Ameise davon?
Eine bessere Aussicht von da oben?
Bessere Chancen bei der Partnersuche?
Die Ameise hat gar nichts davon.
Ihr Hirn wurde von einem winzigen Parasiten gekidnappt.
Und sie folgt nur seinem Willen.
Ophiocordyceps
unilateralis.
Geschieht ständig in der Natur.
Selbst bei Menschen.
Vor allem jetzt gerade,
wo sich der Parasit namens Kapitalismus
der Menschen bemächtigt.
Und wenn man diesen Parasiten töten will...
...dann muss man auch die Ameise töten.
Herr Professor Baumann, kann ich Ihnen einen Kaffee anbieten?
Ja, danke.
-Einen Cappuccino? -Warum nicht.
Aber bitte mit Milch.
Milch?
Ich bin immer überrascht, wie viele Leute nicht wissen,
was wirklich in einen Cappuccino gehört.
In einen Cappuccino gehört Kaffee, Schlagsahne
und Kakaopulver.
-Das weiß doch jeder. -Genau.
[düstere Klänge]
[Mann] Professor Baumann?
Professor Baumann?
[er räuspert sich]
Entschuldigung.
Dieter Hollweg, Privat- und Firmenkunden.
Wir sind so froh,
dass Sie uns mit Ihrer Expertise bereichern werden.
Danke schön.
Ein Glück, dass die anthropologische Fakultät
Sie entbehren kann.
Tja, wir haben eben einen großzügigen Dekan.
Ich weiß. Meine Alma Mater.
Ach.
Ihr Cappuccino.
Oh! Ja, das ist aber mal ein richtiger Cappuccino.
Danke.
Wollen wir?
Ja, gerne.
Ich habe dort vier Semester Anthropologie studiert,
bevor meine Eltern mir rieten, etwas Anständiges zu lernen.
-Bankwirtschaftslehre, ja? -Genau.
Herr Professor Baumann, wir sind auf der Suche
nach vertrauenswürdigen Staatsbank-Mitarbeitern
mit einer offenen Einstellung dem Westen gegenüber.
Ich verstehe.
Dann fangen wir an mit Holger Schultz
aus der Fremdwährungsabteilung.
Fremdwährung klingt schon mal ganz gut.
Sollte man meinen, aber sehen Sie die Brille?
Dieses Modell gibt es in der DDR nicht.
Dieser Mann ist auf dem Schwarzmarkt aktiv.
Er hat sicher keine Probleme mit westlicher Fremdberührung,
aber der ist nicht zuverlässig.
Als nächstes Werner Becker.
Ist Herr Becker vertrauenswürdig?
Was meinen Sie, meine Herren?
Aber haben Sie's bemerkt?
Das Bonbon?
Das SED-Parteiabzeichen. Im Volksmund "Bonbon" genannt.
Es ist auch etwas größer als gewöhnlich.
Dieser Mann ist ein Hardliner. Ein treuer Parteisoldat.
Ich fürchte...
...für Ihre Bedürfnisse ist das nichts.
Faszinierend, was Sie aus einem so einfachen Foto
innerhalb weniger Sekunden alles herauslesen können.
Wenige Sekunden.
Aber wie Picasso schon sagte: ein lebenslanges Studium.
Ja. Ja.
Ich habe in meiner ersten Arbeit
"Die Ostdeutsche Politik-Elite: Selbstbilder und Einstellungen
zu Tabus und moralischen Verfehlungen"
einige Hilfsmittel für diese Art der Analyse zusammengestellt.
Herr Professor, ähm...
Nehmen Sie auch körperliche Eigenschaften
wie Schädelgröße und Augenstand in Ihre Analyse auf?
Unser Fachbereich wurde nach dem Zweiten Weltkrieg
erfolgreich entnazifiziert.
Mit anderen Worten: nein.
Ja, ich weiß.
War nur ein Scherz.
Natürlich war das ein Scherz.
[sie brechen in Gelächter aus]
[lockere Rockmusik]
Stoß dir nicht den Kopf hier.
Also, dieser Junge, der ist ein Genie.
Was der da oben gebastelt hat, unglaublich.
Warum konnte Arno das nicht?
Wir im Osten, wir können halt improvisieren.
Wir müssen!
Was glaubst du, was jetzt mit der DDR passiert?
Sie wird in sich...
...zusammenbrechen.
Wie würd's dir gefallen, wenn dein Land, wenn unser Land...
...von Kapitalisten aus dem Westen regiert wird?
Ich würde nicht wollen,
dass mein Sohn in einem Land ohne Solidarität aufwächst.
Komm, wir gehen rüber. Komm.
-Willst du einen Wein, Martin? -Oh ja. Gerne.
[Gespräch auf Englisch]
[Valdez] Was meinst du?
Er hat Max erwähnt.
Ich wette, das bereut er schon.
Du magst ihn, nicht wahr?
Ich brauche hier einen Erfolg, genauso wie du.
[Walter] Horst Meisten, ja? Der Mann wirkt sehr zuverlässig.
Also, kein Bonbon, kein Hardliner.
Meisten wirkt wie ein guter Kandidat.
Wie Sie ja alle wissen,
ist die männliche Bevölkerung in der DDR einer außerordentlich
emanzipierten weiblichen Bevölkerung ausgeliefert.
Dadurch ergeben sich in Teilen der männlichen Population
systemische Minderwertigkeitskomplexe,
die unbewusst auf zwei verschiedenen Wegen
bearbeitet werden können:
Der erste ist eine gewisse passive Verwahrlosung.
Also, mangelnde Körperhygiene,
gar keine Fitness, Alkohol, Zigaretten.
Auf der anderen Seite entsteht das wachsende Bedürfnis,
ein klassisch männliches Rollenbild auszufüllen.
Also, Macho sein zu dürfen, meine Herren.
Den materiellen Beweis für diesen unterschwelligen Prozess
haben wir hier direkt vor uns: den Ring.
Könnte dieser Ring also eine Sehnsucht ausdrücken
nach etwas vielleicht Extravagantem?
Herr Hollweg!
Ihr Studium hat sich doch gelohnt.
Was meinen Sie konkret?
Ich meine, könnte es Herrn Meisten
eventuell gefallen, wenn wir ihn etwas... verwöhnen?
"Verwöhnen"?
Also, meine Herren, Sie müssen für Herrn Meisten
mal richtig die Puppen tanzen lassen!
Das ist Ihr Mann.
[Mann] Also, Herr Meisten.
Herr Professor.
Politisch aktiv bin ich jetzt nicht direkt,
Aber, ich glaub, ich sollte mich mehr einbringen.
Wenn nicht jetzt, wann dann?
Nicht oft muss sich ein Land komplett neu erfinden.
Nicht nur das Land, auch die Leute.
Ja.
Das ist wahnsinnig lecker.
Danke schön.
Iss ruhig auf. Ich hab noch mehr.
Aber die Vorstellung,
dass der Westen unser Vorbild sein soll,
ist völliger Schwachsinn.
Als ich an der Uni war, da kam raus,
dass mein Prof KZ-Wächter in Auschwitz war.
Auweia.
Und weißt du, was daraufhin passiert ist?
-Nee, was? -Nichts.
Absolut gar nichts.
Die haben's unter den Teppich gekehrt.
Dass der Markt moralisch agiert, ist kompletter Schwachsinn.
Der Kapitalismus versklavt die Menschen und ganze Länder.
Das mag ja sein, aber Westdeutschland
ist nicht komplett kapitalistisch.
-Doch. -Nein, die verteilen auch Geld.
Die haben hohe Steuereinnahmen.
Die gehen in soziale Absicherungen.
-Der Chef der Deutschen Bank... -Herrhausen?
[lallt] Ja, der hat gesagt, er würde sich
für einen Schuldenerlass sowohl für die...
Hat Martin gerade gelallt?
...lateinamerikanischen Länder
als auch für den Ostblock aussprechen.
Da ist durchaus Moral.
Weißt du, wer auch viel über Moral gesprochen hat damals?
Der Professor an meiner Uni.
Boah. Ach, Carl.
Du willst aber nicht Herrhausen mit einem Nazi vergleichen?
Nee, der führt nur 'ne Bank,
die den Bau von Auschwitz mitfinanziert hat.
[schlingerndes Echo]
Wo ist die Alternative?
Sag jetzt nicht Kommunismus.
Kommunismus, da könnt ihr bei mir bei Robotron vorbei...
[schlingerndes Echo]
Das ist jetzt lustig gemeint.
Also, ich meine, es geht ja auch schlimmer.
Gulags, Hungersnöte.
Die ganzen Leute, die damals bei Stalin "verschwunden" sind?
Irgendwas stimmt da nicht.
Wer hat die Voraussetzungen für Stalins Brutalität geschaffen?
Der Westen.
Nee.
Ja. Gleich nach dem Ersten Weltkrieg sind Amerika, England,
Frankreich und fünf andere Länder in Russland eingefallen,
um die Bolschewiken zu besiegen.
[lallt] Eingefallen? Was redest du denn da?
Die hatten Heidenangst, die hatten Heidenangst,
dass der Kommunismus die Welt erobern könnte.
Wenn du von allen Seiten angegriffen wirst,
hast du am Ende ein Arschloch wie Stalin an der Macht.
Wow, der Typ liebt seine verdrehte Sicht der Geschichte.
Und den Klang seiner Stimme.
Kann Martin jetzt schon betrunken sein?
[Conny] Du weißt schon, wovon...
Wollen Sie noch einen Computer kaufen?
Nein. Ich brauch Platz.
Für meine neue Firma.
Davon haben Sie hier mehr als genug.
Jedenfalls mehr als Kundschaft.
Na ja, heute ist aber auch außergewöhnlich ruhig,
muss man sagen.
Das war gelogen.
Aber überzeugend gelogen.
Ich brauche noch ein Verkaufsteam.
Wir haben schon 'ne Arbeit. Danke.
Das hier?
Wie lange noch? Und dann mit dem Kind?
Okay, ähm... Was bieten Sie uns denn an?
Was ich Ihnen das letzte Mal gesagt habe.
Gleiche Anteile an meiner Firma.
Wir kriegen das gleiche Geld wie Sie als Chef?
Ja.
Wir werden ein echter Volksbetrieb sein,
der uns, den Arbeitern, gehört.
Okay, das klingt ein bisschen merkwürdig,
aber wir denken dadrüber nach, okay?
Denken Sie drüber nach.
Aber nicht zu lange. Time is moving fast.
[Carl] Martin.
Wer bist du wirklich?
Oh, das ist eine schwere Frage.
Bist du wirklich ein Funker?
Ja.
Hat dich jemand geschickt?
Ja.
-[Sabine] Wer? -Martin?
[Carl] Martin, wer?
CIA.
[Sabine] Ernsthaft?
Du bist CIA?
Nee, ich bin BND.
Was macht er da?
BND?
Oder KGB.
Ist so schwer.
Ich glaube, ich kann mir das einfach aussuchen.
Bond. James Bond. Mit der Lizenz zum Töten.
Hey, hey, hey.
Dein Typ erschreckt mich noch zu Tode.
Er ist nicht mein Typ.
Wo ist denn das Bad?
Den Flur runter.
Vielleicht hab ich's mit den Mushrooms übertrieben.
Mushrooms!
[spannungsvolle Musik]
[lautes Würgen]
[Carl] Ey, mein Sohn.
Hey, da ist ein Typ im Bad. Der kotzt wie irre.
Er hat das Salz mitgenommen.
Komm schon.
Reiß dich zusammen.
[Stimmen]
Oh, hey. Wer seid ihr denn?
[undeutliche Stimmen, Wortfetzen]
Reiß dich zusammen jetzt.
[in Gedanken] Martin, du hast andere Sachen durchgemacht.
[breit gezogen] Hey.
[lacht] Alles in Ordnung?
Ich hab irgendwie so Lust zu tanzen.
[lateinamerikanische Musik]
[Musik stoppt]
[Musik geht weiter]
Wir schauen ihn uns noch ein bisschen an.
Und wenn wir ihn mitnehmen,
dann nur mit 'ner echten Sicherheit.
Die haben irgendwas geplant.
Aber wir wissen nicht wo, wann oder was.
Was meinen die mit "Sicherh..."? Oh nein.
Er hat ja Max erwähnt.
Ich glaube, wir sollten das beenden
und sie zur Vernehmung herbringen.
Wir haben nichts. Das geht nicht.
Ja, aber was ist mit Martin?
-Was ist mit seinem Sohn? -Valdez?
Ich brauche von Ihnen einen Bericht
über die neuesten politischen Entwicklungen in Ostberlin.
-Für den Botschafter. -Klar.
Ja? Danke.
Alles in Ordnung?
-Sie wirken besorgt. -Ja...
Nein, wir haben nur Angst, die große Mauerparty zu verpassen.
Wie läuft's eigentlich in der HVA?
Wie kommen die mit dem ganzen Chaos klar?
Witzig, dass Sie das fragen.
Wir rekrutieren gerade einige HVA-Topleute.
Wen denn so?
Von ganz oben.
Ich brauche den Bericht bis morgen früh.
Hör du weiter zu.
Ich kontaktiere Martin und sag ihm, dass sie an ihm dran sind.
-Hey, danke. -Gerne.
[rasante Rockmusik]
[Sänger] Ich war schon überall
Ich hab alles schon erlebt
Ich hab alles schon gespürt
Es hat zu nix geführt
Ich hab alles schon gespürt
Es hat zu nix geführt
Alles, was ich kenne Taugt mir nix
Ich brauche neue
Kicks!
[Rockmusik stoppt, ruhige Klaviermusik]
[melancholische Klaviermusik]
Wir machen Fortschritte mit unserer Treuhand-Idee.
Die Zeitungen greifen sie auf, berichten darüber.
Ich hab jetzt schon mehrere Einladungen für Talkshows.
Und meine Partei wird die Treuhand-Idee
für die kommende Wahl lancieren.
Hat Ingrid sonst noch irgendwas gesagt,
was genau sie über Christoph rausgefunden hat?
Nein.
Aber...
Tina...
[Tür öffnet sich]
Da kommt sie schon.
Setz dich.
Ich habe Dokumente aus verschiedenen Quellen gesammelt.
Tobias hat mir geholfen.
Und? Was steht drin?
Er war im Gefängnis.
Und...
Und er ist da gestorben.
Am 15. April '88.
Sie schreiben "natürlicher Tod", aber...
Geht schon. Ist alles in Ordnung.
Na ja, dann wär das auch geklärt.
Ich hab komischerweise nichts darüber gefunden,
was mit Christoph passiert ist.
Es gibt aber viele Berichte über dich.
Es geht mir gut.
Aber ich muss los, die Mädchen abholen, und...
[aufgeregtes Schluchzen]
[Mann 1 auf Russisch] Matroschkas.
[Mann 2] Echte Matroschkas.
-Genau. -Drei Stück. Drei Stück.
Ist Birke. Russische Birke.
Sehen Sie die Sowjetsoldaten, die da ihre Uniformen verkaufen?
Wenn mir das jemand vor einem Monat erzählt hätte...
Ich hab etwas viel Wertvolleres als sowjetische Uniformen.
Die wollen das gesamte DDR-Eigentum sozialisieren
und zu gleichen Teilen unter den Bürgern verteilen.
Wenn Sie von Eigentum sprechen, was genau meinen Sie da?
Alle Betriebe, alle Immobilien, alles.
-Die Staatsbank? -Natürlich die Staatsbank!
-Wie viel wollen Sie? -Das Übliche.
Verdienen Sie nicht genug als Bundestagsabgeordneter?
Nicht ganz.
Sie bekommen es, aber Ihre Luxuswohnung in Westberlin
zahlen wir nicht mehr.
Warum das denn?
Das können wir uns nicht mehr leisten.
Sie können jetzt nach Ostberlin ziehen.
Prenzlauer Berg, zum Beispiel.
Sehr billig.
-Ihr Kaffee. -Danke schön.
Worüber sprechen denn die Aktivisten noch so?
Ich bekomme viele Anfragen von den Opfern des Unrechtsstaats.
Die wollen alte Stasi- und HVA-Mitarbeiter rankriegen.
Ja, kann man sie nicht davon abbringen?
Wenn Sie mich lassen, ja.
Gut.
Aber der Führungsriege...
...wollen sie unbedingt an den Kragen.
Wer sind Sie wirklich, Tobias Tischbier?
Sind Sie noch unserer Sache verschrieben?
Oder sind Sie ein linker Idealist,
der irgendwelche windigen Treuhand-Ideen unterstützt
und unsere Kronjuwelen an das Volk geben will?
Tragen Sie Ihre Uniform noch, oder verkaufen Sie die schon?
So wie die Russen da draußen.
Kaum ist die Mauer auf...
Verrückt, oder?
Man könnte fast glauben,
dass du was mit meinem Ausbruch zu tun hattest.
Ja.
Ich brauche deinen Zugangscode zum IMES-Waffenlager.
Sachte, sachte.
Wofür denn?
Du weißt nicht, wofür?
Nein.
Das glaub ich dir nicht.
Schau dich doch mal um. Die Welt ist aus den Fugen.
Da behält man kaum den Überblick.
Alles verändert sich so schnell.
Ich hab mich nicht verändert im Gefängnis.
Ich bin drei Jahre hart geblieben.
Ich hab kein einziges westliches Angebot angenommen.
Ich kämpfe weiter für unsere Sache.
Und du?
Ich auch.
Du bist der geborene Kämpfer, Markus.
Immer gewesen.
Ja, das bin ich.
Und ich weiß, dass du für unsere Sache töten könntest.
Natürlich.
Gib mir deinen Zugangscode.
[spannungsvolle Musik]
[Gespräch auf Englisch]
Erledigt.
Sehr gut.
Holen wir uns die Waffen, und dann los.
Wohin?
Frankfurt.
[rasante Rockmusik]
[Mann] Hey, Kleiner.
Hey. Ich mach das schon.
Martin?
Hey, Martin.
Carl! Wie schön, dich zu sehen!
Erwischt. Es waren Magic Mushrooms in deinem Essen.
Wir wollten, dass du ein bisschen Spaß hast.
Magic...
Ich bring dich nach Hause.
Weißt du, die Band war echt toll.
[Carl lacht] Ja.
Eigentlich will ich gar nicht nach Hause.
[Valdez auf Englisch] Ich bin da.
[laute Rockmusik]
Schlafen kann ich auch noch Wenn ich tot bin
[Brigitte] Ja?
Hier bei Carl ist er nicht. Ich muss ihn verpasst haben.
Ich fahre zu Martins Haus.
Okay, pass gut auf dich auf. Draußen könnten Posten sein.
[Martin singt] Schlafen kann ich Auch noch, wenn ich tot bin
Ich wünschte, ich wäre Schon längst mit dir verreist
-Danke schön. -Hey, gerne.
[Schritte]
Tür-zu-Tür-Service.
Oh Carl, das ist so lieb von dir.
[Türsummer]
Carl, ich bin so aufgeregt.
Komm, komm, komm. Ganz ruhig.
-Du musst dich benehmen. -Hallo.
Hallo, Fräulein Zangen. Das ist Fräulein Zangen.
Abend. Und Sie sind?
-Ich bin nur der Fahrer. -Nee, das ist Carl.
Das ist mein neuer Freund.
Ich lass euch allein. Der Kleine liegt im Bett.
-Wow, ist das geräumig hier. -Pscht. Hey.
Max schläft schon.
Tschüss. Hat mich gefreut. Schönen Abend noch.
Ja. Den werden wir haben.
Hallo.
Hey.
[spannungsvolle Musik]
-[Brigitte] KGB? -[Valdez] Ich glaub schon.
Warte mal. Carl ist gerade nach Hause gekommen.
Ich stell's laut für dich.
Martin ist in Friedrichshain bei seinem Sohn und seiner Freundin.
[Sabine] Freundin?
Ja. Die Lehrerin von Max.
Dann nehmen wir die jetzt auch mit.
-Valdez, kannst du mich hören? -Ja.
Hast du alles mitbekommen?
Ja. Was ist in Friedrichshain?
Sicher die Wohnung der Lehrerin.
Wir müssen rausfinden, wo genau sie in Friedrichshain wohnt.
Verschaff dir Zugang zu Martins Wohnung.
Schau nach allem, was mit Schule zu tun hat:
Zeugnisse, Fotos, was auch immer.
Ich fahre nach Friedrichshain.
Melde dich, wenn du irgendwas hast.
Und sei vorsichtig.
[spannungsvolle Musik]
Bin ich dran?
Ja. Seit drei Zügen.
Ist alles okay?
Ich hab noch nie jemanden auf Pilzen gesehen.
Nee?
Es ist eigentlich ganz einfach zu erklären.
Aha?
An sich hast du ganz normale, ganz klare Momente,
in denen ich genau weiß, was ich tue.
Weiß, ne?
Ähm, Sie sind schwarz.
Ah.
Dann wieder seh ich das ganze Universum und die Erde von oben.
Ich sehe alle Menschen und ich sehe, dass wir alle gleich sind.
Also so, wie im Kommunismus?
Oh wow.
Ich glaub, ich mag Sie richtig gerne.
Ich glaub, das sagen Sie nur, weil Sie jetzt auf Pilzen sind.
Nein, ich mag Sie richtig dolle gerne.
Gut, dann müssen Sie aber auch ehrlich zu mir sein.
Mhm.
Sie sind ja nicht einfach nur ein Robotron-Verkäufer, oder?
Stimmt. Ich war eigentlich mal ein Grenzer.
Aber dann hat mein Vater mir den Finger gebrochen,
weil ich kein Klavier spielen kann.
Meine Tante hat mich vergiftet und in den Westen gebracht.
Aber dann hab ich einen Atomkrieg verhindert.
Aber dann musste ich mich natürlich verstecken.
In Angola. Da gab's ein Klavier, da hab ich ziemlich viel geübt.
Mögen Sie Tschaikowski?
Tschaikowski? Ich liebe Tschaikowski.
Dann wollte ich wieder in mein altes Leben zurück,
ein richtig normales Leben führen.
Mhm.
Und das war schön, aber es war auch irgendwie langweilig.
Und irgendwie lassen die mich auch alle gar nicht.
Alle Geheimdienste wollen irgendwas von mir.
Kennen Sie das, wenn alle was von einem wollen?
-Man weiß nichts mehr. -Ich kenne das...
Nee, lassen Sie mich ausreden.
Ich wollte so gerne wieder wirklich wichtige Dinge tun
und gefährliche Dinge.
Verstehen Sie, was ich meine?
Sie...
Sind Sie so was wie ein Spion?
Ja.
Glauben Sie an die Liebe?
Bedingungslose Liebe?
Was denkst du denn?
[sanfte Musik]
[düstere Musik]
[Englisch] Ich hab's. Die Lehrerin heißt Nicole Zangen.
Ihre Adresse ist Straße der Pariser Kommune 18.
Gut, das ist ganz in der Nähe.
[Klopfen]
[Carl] Martin?
[Klopfen] Nicole?
Wer ist das denn jetzt?
Hier ist Carl.
Ich gehe.
Ey, ich hab Neuigkeiten. [Klopfen]
-Hey. Du hier? -Hab ich euch geweckt?
-Na ja... -Carl, komm rein!
-Das tut mir leid. -Komm rein!
Bombenneuigkeiten.
Es gibt eine Riesendemo im Westen,
und wir sind eingeladen, mit der Band zu spielen!
-Nee! -Ja.
Unser erstes Konzert im Westen.
Oh mein Gott. Der Wahnsinn! Da müssen wir unbedingt hin!
-Aber doch nicht jetzt? -Doch.
Ich will das mit dir erleben. Bitte, bitte, bitte!
Sabine und Cassian kommen auch mit.
Okay.
Zieht euch in Ruhe um. Ich warte im Wagen.
-Zieh dir was an. -Wir warten im Bus.
-Okay, okay. -Max?
[Sabine] Es hat angefangen, nach Kotze zu stinken.
Martin hat in die Wäschetrommel gekotzt.
Da ist er übrigens.
Wow. Mein lieber Scholli.
-Der ist groß. -Ich hab Fante vergessen.
-Was? -Ich hab Fante vergessen!
Oh nee.
Max, was ist denn los mit dir heute?
[leise] Der Elefant ist total wertvoll.
20.000.
Fräulein Zangen, darf ich noch mal den Schlüssel?
-Komm, mach auf. -Die gehen wieder.
-Was machen die denn jetzt? -Ich will jetzt losfahren.
[Hupen] Aus dem Weg!
[Sabine] Die ist sehr hübsch.
Ja. Fräulein Zangen. Komm rein, Fräulein Zangen.
Komm. Ja, komm.
Die sind noch drin.
Ja, sie traut sich nicht.
Einmal fangen, Fräulein Zangen.
Hinten sitzen die Coolen.
-Hey! -Carl.
[Cassian] Du bist Max, oder?
Hallo. Nicole. Hallo.
-So, Leute. Alle bereit? -Ja!
Dann kann's ja losgehen!
[düstere Rockmusik]
Dieses Konzert oder der Protest, wo ist denn das eigentlich?
Frankfurt am Main.
-In Frankfurt am Main? -[Sabine] Ja.
Verdammt!
[TV-Sprecherin] Guten Abend, verehrte Zuschauer.
Es ist wieder so weit.
Um 20 Uhr öffnet der Kapitän des Traditionsdampfers Berlin
sein Logbuch und nimmt Sie mit auf eine Kreuzfahrt...
[Telefonklingeln]
-Baumann? -Herr Professor!
Dieter Hollweg hier.
Ich war sehr beeindruckt von Ihren Analysen heute.
Das freut mich.
Ja, also, ich dachte,
dass ich Sie morgen dem Chef vorstellen sollte.
Hallo? Hallo? Professor?
Wie finden Sie das?
Das ist nett.
Ich möchte ihm aber auf keinen Fall
irgendwelche Umstände bereiten.
Ich bin mir sicher, das Feld der psychologischen Anthropologie
wird ihn faszinieren.
Wenn das so ist,
dann fühle ich mich dadurch sehr geehrt.
[Musik von Das Traumschiff]
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