All language subtitles for ZDFzoom-ZDFzoom_ Auf der Spur des rechten Terrors - Die sieben Geheimnisse des NSU - Film von Ra

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Original subtitles

* bedrohliche Musik *

Rechtsextreme Terroristen morden, überfallen Banken.

Jahrelang wurde ermittelt.

Doch viele Fragen sind noch immer ungelöst.

Die These der Bundesanwaltschaft,

dass der NSU völlig losgelöst von Helfern

von potenziellen Mittätern gemordet habe, gilt als widerlegt.

Der NSU – nur drei Mitglieder?

Alles, was drum rum war, alles, was für ein Netzwerk sprach,

was für weitere involvierte V-Personen sprach,

wurde systematisch ausgeblendet.

Haben die Ermittler tatsächlich alles ans Licht gebracht?

Der Eindruck ist der, dass bestimmte Strukturen

eben wirklich nicht aufgeklärt werden sollen.

Seit fünf Jahren verhandelt das Münchener Oberlandesgericht

die Verbrechen des NSU.

Zigtausende Akten, Aussagen und Beweise.

Doch wie groß war der NSU wirklich? Und welche Rolle spielte der Staat?

Auf dieser Waldlichtung mordet der NSU das erste Mal.

Eine Ausfallstraße am Stadtrand von Nürnberg.

Am 9. Dezember 2000 wird hier

der türkische Blumenhändler Enver Simsek erschossen.

Acht Schüsse aus zwei Pistolen.

Ist Enver Simsek ein zufälliges Opfer?

Oder wird er gezielt ausgesucht?

Wie kommen die Täter aus Zwickau

ausgerechnet auf den Blumenhändler aus Nürnberg?

Aktuelle Recherchen weisen auf eine Art Netzwerk hin.

Auf ein System von Mittätern und Zuträgern.

Es gibt viele Tatorte, wo man sich nicht erklären kann,

wie sind Mundlos und Böhnhardt auf diese Tatorte gekommen,

wenn sie nicht vor Ort irgendwelche Helfer haben.

Wenn man das durchgeht, das ist bei Herrn Simsek so,

das war ganz außerhalb von Nürnberg.

Wann fährt man da vorbei, wie baldowert man das aus?

Die Ankläger im Münchener NSU-Prozess

wollen nichts wissen von einem Netzwerk.

Für sie sind Beate Zschäpe, Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos

die allein verantwortlichen Täter.

Aber: Es gibt Auffälligkeiten und Besonderheiten.

Waren die drei wirklich in der Lage,

Tatorte und Opfer in der ganzen Bundesrepublik auszuspähen?

Waren wirklich nur sie die Schuldigen

an den willkürlichen und systematisch wiederholten Angriffen,

von denen die Anklage spricht?

Was aber das Besondere noch ist:

Dieser Blumenstand, der ist immer nur samstags betrieben worden.

Das heißt, unter der Woche gab's da gar keine Blumen zum Verkauf.

Und ich finde es sozusagen sehr unwahrscheinlich,

dass Mundlos und Böhnhardt plus X, sag ich mal,

in Nürnberg 'ne Woche verbracht haben,

um dann rauszufinden, der Blumenstand war immer nur samstags.

Unwahrscheinlich, dass die Mörder aus Zwickau

von alleine auf den türkischen Blumenhändler in Nürnberg kommen.

Neue Fakten legen nahe:

Die regionale Nazi-Szene in Nürnberg könnte geholfen haben.

Was wir mittlerweile herausgefunden haben, ist,

dass ein für die damalige Zeit noch relativ hochrangiger NPD-Funktionär

beispielsweise im Vorfeld der Ermordung Enver Simseks

dort mehrfach Blumen gekauft hat.

Eine neue Spur. Sie führt ins Umfeld des NSU.

Speziell zu einer Fluchthelferin des Trios, Mandy S.

Sie hatte eine Liebesbeziehung zu jenem NPD-Funktionär,

der Blumen beim Opfer kaufte.

Gegenüber dem BKA gibt der Mann zu,

bei Simseks Blumenstand eingekauft zu haben.

Von der Mordserie aber habe er nichts gewusst.

Spurensuche nach mehr als 17 Jahren.

Wie fanden die ortsfremden Täter ihre Opfer und geeignete Tatorte,

ohne aufzufallen?

Ich gehe generell davon aus, dass Mundlos und Böhnhardt

natürlich zu allen Tatorten

irgendeinen konkreteren Bezug vorher hatten.

Es ist ja völlig ausgeschlossen,

dass die zufällig dorthin gefahren sind und gesagt haben,

"Jetzt bringen wir dort welche um".

Beate Zschäpe gilt heute als letzte Überlebende des NSU.

Einige ihrer Helfer sind bekannt.

Sie beschaffen Waffen und Papiere,

angeblich ohne über die Taten Bescheid zu wissen.

Dennoch heißt es in der Anklage,

der NSU sei "zu keinem Zeitpunkt ein Netzwerk",

sondern nur "eine singuläre Vereinigung aus drei Personen".

Aber stimmt das wirklich?

Belegt sind Kontakte

zum rechtsextremen "Blood and Honour"-Netzwerk,

zu deutsch "Blut und Ehre".

Bilder eines Propagandavideos.

* aufwühlende Musik *

Es zeigt militante Skinheads,

die zu Gewalt gegen Ausländer und Andersdenkende aufrufen.

Das NSU-Trio konnte sich nach dem Abtauchen

auf "Blood and Honour" verlassen.

Das "Blood and Honour"-Netzwerk

war erwiesenermaßen Helfer der ersten Stunde.

Nachdem Mundlos und Böhnhardt und Zschäpe aus Jena weg sind,

sind sie nach Chemnitz.

Sie wurden dort im Umfeld des "Blood and Honour"-Netzwerks

versorgt mit Wohnung, mit Hilfe, mit Logistik, mit Geld.

Das ist relativ sicher belegt.

Januar 1998.

* bedrohliche Musik *

Die letzten Bilder von Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe,

bevor sie in den Untergrund abtauchen.

Rechtsradikale Kundgebung in Dresden.

Im neuen Wohnort Chemnitz bekommt das Trio Hilfe

von einer militanten Skinheadkameradschaft.

Fast alle aus "Blood and Honour".

Fotos bestätigen die Nähe.

Antje P., nach Zeugenaussagen eine Befürworterin

des militanten Untergrundes.

Thomas S. hilft dem Trio zuerst mit Sprengstoff,

dann bei der Wohnungssuche.

Auf dem Gruppenbild neben Thomas S.:

ein weiterer Unterstützer des Trios. Jan W.

An mehreren Tatorten von NSU-Morden gibt es Hinweise

auf lokale Unterstützung für Mundlos und Böhnhardt.

Wie in Rostock.

2004 wird hier der 25 Jahre alte Türke Mehmet Turgut

mit drei Kopfschüssen getötet.

Heute erinnert ein Denkmal an die Tat.

Turgut war zu Besuch bei einem Freund,

für den er spontan in einem Döner-Imbiss aushilft.

Der Besitzer hat schon vorher Ärger mit Rechtsextremen.

Da waren mal vier Personen.

Und da haben ihn dann ein oder zwei von geschlagen.

Dann gab es im zeitlichen Zusammenhang

auch einen Brandanschlag oder, sagen wir mal, einen Brand.

Und die Feuerwehr vermutete, dass es ein Anschlag ist.

Und da ist dieser Dönerimbiss komplett ausgebrannt.

Die Staatsanwaltschaft Rostock hat ja sowohl wegen Brandstiftung

als auch wegen Körperverletzung ermittelt damals.

Diese Akten sind gar nicht zu den Gerichtsakten gelangt.

Es gibt weitere Hinweise:

In unmittelbarer Tatortnähe wohnt lange Zeit ein Neonazi.

Sein Name steht auf einer Freundesliste von Uwe Mundlos.

Markus H.

Reiner Zufall?

Dort gab es ganz konkret eine Person,

die da drauf stand mit mehreren Adressen und Telefonnummern.

Und wenn man da etwas mehr gebohrt hätte,

diese Liste aufgearbeitet hätte, dann hätte man herausbekommen,

dass eine Telefonnummer sich dort zu einer Adresse

in Zusammenhang setzen lässt, die 230 Meter vom Tatort entfernt ist.

Und wo man praktisch vom Balkon auf den späteren Tatort sehen kann.

Warum diese Spur für die Ermittler im NSU-Komplex

nicht weiter interessant ist, bleibt im Dunkeln.

Der Thüringer NSU-Ausschuss untersucht seit 2012

die Verbrechen der Rechtsterroristen.

Hier halten viele die These

des isoliert handelnden Trios für widerlegt.

Wir wissen immer noch nicht,

wer sind die Helfershelfer gewesen.

Das müssen viele gewesen sein.

Wie kam es zur Auswahl der Opfer?

Die sind, da sind wir uns ziemlich sicher,

zielgerichtet ausgewählt worden.

Und eben nicht zufällig, man fährt ja nicht Hunderte von Kilometern

mit hohem logistischen Aufwand,

um sich irgendwelche Zufallsopfer auszusuchen.

Und das sind Fragen, die bis heute nicht gelöst sind.

* dynamische Musik *

Das vielleicht größte Geheimnis des NSU:

die sogenannte 10.000er-Liste.

November 2011:

Im Brandschutt der Wohnung des Trios

finden die Beamten Computerdateien und Ausspähunterlagen.

Die sogenannte Todesliste des NSU.

Sie zeigt mögliche Anschlagsziele,

die über Jahre hinweg zusammengetragen wurden.

In ganz Deutschland.

Darunter Namen und Adressen von Polizeibeamten,

Staatsanwälten, demokratischen Parteien,

multikulturellen Einrichtungen.

Auf der Liste auch die Scharrerstraße in Nürnberg.

Hier wird der Imbissbesitzer Ismail Yasar ermordet.

Auffällig viele exakte Ausspähnotizen gibt es aus Dortmund,

einer Stadt mit vergleichsweise vielen Rechtsextremisten.

Im Einzelnen heißt es:

"Gutes Objekt, guter Weg von dort weg."

"Personal nicht optimal – vorher noch mal prüfen."

"Guter Sichtschutz. Person gut, aber alt."

Für Außenstehende, Ortsfremde war an mehreren Tatorten nicht ersichtlich,

dass die Betreiber der jeweiligen Betriebe

migrantischer Herkunft waren.

Das heißt, man muss diese Orte entweder aufgesucht

oder aus anderen Gründen vorher gekannt haben, um zu wissen,

dass dort potenzielle Zielpersonen, Ausländer,

anzutreffen und zu ermorden sind.

Ich gehe deshalb davon aus, dass der NSU auch lokale Helfer hatte,

die diese Tatorte kannten und es ganz gezielt

auf die entsprechenden Opfer abgesehen hatten.

* spannende Musik *

In Dortmund ermordet der NSU 2006 den Kioskbesitzer Mehmet Kubasik,

Deutschtürke, dreifacher Familienvater.

Auch hier spricht vieles für gründliche Recherchen

von Ortskundigen vor der Tat.

Wie stoßen die Mörder aus Ostdeutschland

ausgerechnet auf Mehmet Kubasik in der Dortmunder Nordstadt?

Um es bei Mehmet Kubasik noch mal zusammenzufassen:

Der Tatort liegt an einem Platz,

den man als Nichtdortmunder schwer finden würde.

Es ist so, in dem Kiosk war eine Videokamera.

Man musste vorher ausspähen, dass die nicht funktioniert hat.

Die Tat ist am helllichten Tag passiert.

Es musste jemanden geben, der guckt,

dass nicht gerade Kundschaft in den Laden kommt.

Das ist keine Zufallstat. Das war eine genaue Planung.

9. Juni 2005.

Der sechste Mord.

Das Opfer ist auch hier ein Imbissbesitzer,

der 50 Jahre alte Ismail Yasar.

Auffällig: Es ist der dritte NSU-Mord im Großraum Nürnberg.

Wieder gibt es eine Vorgeschichte.

Ismail Yasar hat kurz vor seinem Tod Ärger mit einem Rechtsextremisten.

In dem Fall ist herausgekommen, dass ein Neonazi

eine Auseinandersetzung mit dem Herrn Yasar hatte.

Er hat eine Sachbeschädigung begangen an diesem Dönerstand

und ist dafür auch verurteilt worden.

Und wenige Monate später war Herr Yasar dann tot.

Konnten Neonazis aus ganz Deutschland beim NSU potenzielle Opfer melden?

Aus Berlin hatten die Terroristen

besonders umfangreiche Auskünfte über mögliche Ziele.

Adressen jüdischer Einrichtungen - penibel aufgelistet.

Ausgespäht allein von Zschäpe, Böhnhardt und Mundlos?

Der Verlauf einer Ausspähaktion in einem Café

direkt neben der jüdischen Synagoge kann rekonstruiert werden.

Ein Polizist vom Objektschutz erkennt Mundlos und Zschäpe.

Der Beamte sagt aus, er habe die beiden zweifelsfrei wiedererkannt.

Sie hätten Kartenmaterial mitgeführt und seien nicht allein gewesen.

Die Aussage birgt zwei handfeste Überraschungen.

Erstens: Helfer, die den NSU in Berlin vor Ort unterstützen.

Und zweitens: Beate Zschäpe

bei der aktiven Ausspähung eines möglichen Anschlagsziels.

Das würde so gar nicht zu dem Bild passen,

das die Angeklagte in München vor Gericht abzugeben versucht.

Dem Bild der unbedeutenden Gefährtin von Mundlos und Böhnhardt,

zuständig vor allem für den Haushalt.

Das Interessante an dieser Situation ist zunächst einmal,

dass wir Zschäpe persönlich bei der Ausspähung eines Tatortes

als Beweismittel in dieses Verfahren einführen konnten.

Die zweite brisante Information in diesem Zusammenhang ist,

dass Zschäpe hier nicht nur mit Mundlos zugegen war,

sondern da war eine andere Person, Jan W., ein mutmaßlicher V-Mann,

und eine weitere bis heute unbekannte weibliche Person.

Das heißt, mindestens vier Personen haben einen Tatort ausgespäht.

Bilder einer Ausspähaktion in Stuttgart.

Manches deutet darauf hin,

dass der NSU auch am Neckar nicht isoliert in Aktion war.

Doch wer die Helfer des rechten Terrors waren, ist unbekannt.

Ein Rätsel, das auch der NSU-Prozess in München nicht lösen kann.

* dynamische Musik *

Besonders geheimnisvoll scheint der Tod einer Polizistin.

Wer ermordete Michèle Kiesewetter?

* spannende Musik *

Auf der Theresienwiese in Heilbronn am 27. April 2007.

Tatzeit: 14.00 Uhr, am helllichten Tag.

Der Tatort: ein Parkplatz – gut einsehbar für Passanten.

Das Opfer: eine deutsche Polizistin.

Die 23-jährige Michèle Kiesewetter.

Ihr Kollege Martin A. wird schwer verletzt.

Wie kaum ein anderer NSU–Anschlag wirft diese Tat bis heute Fragen auf.

* spannende Musik *

Ein großes Rätsel bleibt der Mord an Michèle Kiesewetter

und der versuchte Mord an ihrem Kollegen.

Das Motiv, was der Generalbundesanwalt annimmt,

nämlich der Hass gegen den Staat und das, was Beate Zschäpe angibt,

nämlich das schlichte Rauben von zwei Polizeipistolen,

das ist beides unglaubwürdig.

Vieles spricht dafür, dass Kiesewetter ihre Mörder kannte.

In der Privatwohnung von Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe in Zwickau

wird eine makabre Sammlung gefunden.

Fein säuberlich sortieren die NSU-Terroristen

Presseberichte ihrer Verbrechen.

Beamte finden diese Trophäe – die Hose eines NSU-Mitglieds,

befleckt mit dem Blut der ermordeten Polizistin Michèle Kiesewetter.

Seit dem Mord nicht gereinigt.

Wie plausibel ist es, dass Leute, die Waffen in ihrem Wohnmobil haben,

verschiedenster Art, Vernichtungspotenzial hinreichend,

dass die wirklich nach Heilbronn fahren, um Polizisten zu ermorden,

um quasi als Trophäen sich diese Polizeiwaffen zuzueignen?

Ich halte das für totalen Quatsch.

Auch die Mitglieder des Thüringer NSU-Ausschusses

sehen Gründe für die Tat

eher in einem persönlichen Beziehungsgeflecht.

So ist Kiesewetters Onkel auch Polizist,

Schwerpunkt Organisierte Kriminalität.

Seine Ermittlungen richten sich auch gegen ein Bordell,

an dem Rechtsextremisten beteiligt sind.

Ihr Onkel hat im Bereich Organisierte Kriminalität ermittelt.

Da gab es Überschneidungspunkte

eben auch mit Tätern aus dem Umfeld des NSU

und da muss auch ein konkretes Motiv vorhanden gewesen sein.

Da gibt's dieses Etablissement Blue Velvet in Saalfeld,

also ein Rotlichtmilieu-Lokal,

wo er ermittelt hat und wo er wohl auch drin war.

Und dann ist halt die Frage,

ist möglicherweise der Mord an Michèle Kiesewetter

eine Art Racheakt eigentlich an dem Onkel gewesen.

Das könnte dann erklären, warum man quasi Trophäen mit sich führt.

Die Ermordung der Polizistin - ein Racheakt rechter Kreise

aus dem Rotlichtmilieu?

Sicher ist: Michèle Kiesewetter wird nicht mit derselben Waffe getötet

wie die anderen NSU-Opfer.

Außerdem auffällig: Der Tathergang spricht für Profitäter.

Schüsse von beiden Seiten in ein Auto.

Für ungeübte Schützen ein hohes Risiko.

Für die Bundesanwaltschaft scheint jedoch der Fall geklärt.

Michèle Kiesewetter wird in der Anklageschrift

zum Zufallsopfer des NSU.

Die Anklage sieht keinerlei Anhaltspunkte,

dass mehr als zwei Personen an der Tat beteiligt waren.

Und das, obwohl mehrere Zeugen Phantombilder liefern,

die bemerkenswert wenig Ähnlichkeit mit Böhnhardt und Mundlos haben.

Wir haben verschiedene Zeugenaussagen,

die sich gegenseitig stützen, die einander decken.

Die von Personen berichten, die mit blutverschmierter Kleidung,

mit blutverschmierten Armen in verschiedene Himmelsrichtungen

sich vom Tatort entfernt haben zur Tatzeit.

Und all diese Aussagen wurden so auch von der Polizei rekonstruiert,

sind stimmig und decken sich gegenseitig.

Warum werden Zeugenaussagen ignoriert?

Wird die Zwei-Täter-These bewusst verteidigt?

Sind mögliche Mittäter weiterhin auf freiem Fuß?

Nach dem, was man allgemein zugänglich erfahren kann,

ist es ja so, dass man bestimmte Phantombilder gezeichnet hat,

und nicht nur aufgrund der Beobachtung einer Person,

sondern von mehreren Personen.

Dass man die nicht vorgelegt hat oder nicht weiterverfolgt hat,

weil sie nicht so aussehen würden wie die Uwes,

also können die nicht richtig sein.

Das ist umgekehrt gedacht, falsch rum ermittelt.

Gibt es tatsächlich einseitige Ermittlungen im NSU-Komplex?

Oder war Michèle Kiesewetter

einfach nur zur falschen Zeit am falschen Ort?

Doch warum hätten Böhnhardt und Mundlos

die Trophäe eines Opfers aufheben sollen, wenn alles nur Zufall war?

* spannungsgeladene Musik *

Eine von vielen weiterhin offenen Fragen.

So wie auch der Anschlag in der Probsteigasse in Köln.

Die Terroristen des NSU

verüben in Köln zwei heimtückische Bombenanschläge.

Besonders die Sprengfalle in der Probsteigasse

wirft bis heute Fragen auf.

* mysteriöse Klänge *

Januar 2001.

Tatort: Ein Lebensmittelgeschäft,

das von einer iranischen Einwandererfamilie betrieben wird.

Versteckt in einer Christstollendose

deponieren die Attentäter einen Sprengsatz,

der beim Öffnen explodiert.

Die damals 19-jährige Tochter des Inhabers wird schwer verletzt.

* tragische Klänge *

Im Bekennervideo rühmt sich der NSU zynisch mit der feigen Tat.

* "Pink Panther"-Melodie *

In der Anklageschrift gegen Beate Zschäpe scheint die Sache klar.

Entweder Uwe Böhnhardt oder Uwe Mundlos

habe den Sprengsatz platziert.

Die beiden Mörder des NSU,

einer aus Sicht der Bundesanwaltschaft

"singulären Vereinigung aus drei Personen".

Doch sowohl die Lage als auch der Name des Geschäfts

sprechen nach Auffassung der Nebenklage

für Unterstützer oder gar Mittäter.

Hier in die Probsteigasse kommt man nicht zufällig vorbei.

Wenn man nach Köln fährt

und sucht nahe des Hauptbahnhofes migrantische Viertel,

man würde zum Eigelstein gehen,

wo viele türkische Lokale sind, aber nicht in die Probsteigasse.

* mysteriöse Klänge *

In einer Einlassung vor Gericht wird Beate Zschäpe erstaunlich konkret.

Sie lässt ihre Anwälte erklären, Böhnhardt habe die Bombe gebaut

und dann in einem Korb im Geschäft deponiert.

Doch es gibt Zweifel am Wahrheitsgehalt von Zschäpes Aussage.

Bei dieser Übergabe einer zeitversetzt zündenden Bombe

in einer Christstollendose,

die ja Angesicht zu Angesicht quasi passiert ist,

wäre es ja auch ziemlich riskant gewesen,

das als jemand zu tun, der gerade vor den Ermittlungsbehörden

vermeintlich abgetaucht ist.

Und deswegen spricht einiges dafür,

dass es noch einen weiteren Täter in dem Fall sogar gab,

der diese Bombe letztlich vom Ort des Anbringens

nach Köln an den Tatort gebracht hat.

Auch die Aussagen der Opfer des Anschlags

weisen in eine andere Richtung.

Sie können in den Vernehmungen Böhnhardt und Mundlos

nicht eindeutig identifizieren.

Mehr noch: Ihr Phantombild zeigt kaum Ähnlichkeiten.

Wieder eine dieser offenen Fragen.

Das Phantombild, was damals gefertigt wurde,

war relativ zeitnah nach der Übergabe dieser Christstollendose,

in der die Bombe war.

Und selbst wenn man sich verändert mit Perücke et cetera,

passt es eben nicht zu Mundlos oder Böhnhardt.

Das heißt nicht, dass die diesen Anschlag nicht mit begangen haben.

Ich denke, die haben die Bombe gebaut,

die haben sich auch zu diesem Anschlag bekannt.

Die haben die auch nach Köln gebracht,

aber das ist sehr wahrscheinlich, dass ein lokaler Helfer

diese Bombe letztlich dann in dem Laden platziert hat.

Können sich die Zeugen tatsächlich schwer erinnern,

oder gibt es diesen Mann mit langen Haaren doch?

Eine weitere ungeklärte Frage des NSU-Verfahrens.

Licht ins Dunkel bringen womöglich Unterlagen des Verfassungsschutzes.

So sah der Geheimdienst

bei einem Mitglied der Kölner Neonazi-Kameradschaft,

so wörtlich, "Ähnlichkeiten mit den Phantombildern".

Der als Extremist eingestufte H. wurde bereits wegen eines Verstoßes

gegen das Sprengstoffgesetz verurteilt.

Eine Spur, die nur unzureichend geprüft wurde?

Die Zeuginnen und Zeugen haben eine Person erkannt,

die weder Mundlos noch Böhnhardt ähnlich sieht,

die allerdings eine sehr große Ähnlichkeit

mit einer weiteren Person aus der Neonaziszene hat.

Es handelt sich bei dieser Person jedoch um einen V-Mann,

sodass wir gleichzeitig ein Motiv haben,

weshalb die Ermittler dieser Spur offenbar nicht nachgehen.

In einem Brief an das Gericht

schreibt die Anwältin der Opferfamilie,

ihre Mandanten würden bei dem V-Mann H.

eine "beängstigende Ähnlichkeit"

mit dem Ableger der Bombe im Geschenkkorb sehen.

Doch für Deutschlands oberste Ermittler scheint der Fall geklärt.

Böhnhardt habe die Bombe abgelegt. V-Mann H. ist entlastet.

* schrille Klänge *

Eine Stellungnahme zu dem Fall lehnt der Generalbundesanwalt ab

mit Hinweis auf das laufende Verfahren.

Fest steht jedoch: V-Mann H. ist der Neonazi-Szene eng verbunden.

Er nahm an Kegelturnieren teil,

verbrachte seine Freizeit mit Neonazis,

die er angeblich nur angewidert ausspähte.

Selbst ins Bordell ging H. mit Köpfen der rechten Szene.

Sympathie für rechte Drahtzieher oder Dienstbeflissenheit?

Die Rolle der Behörden und ihrer V-Leute –

womöglich das unbequemste Rätsel des NSU.

* spannungsgeladene Musik *

V-Leute: Insider aus der Welt des politischen Extremismus,

Vertrauensleute, bezahlt von Steuergeld,

um Informationen über Verfassungsfeinde zu sammeln.

Rund um den NSU sind mehr als 30 V-Leute platziert.

Doch warum blieb der entscheidende Hinweis zur Ergreifung des Trios aus?

Wir haben eigentlich die Besonderheit,

dass im Umfeld des NSU Personen aktiv waren,

von denen kaum einer nicht V-Mann,

nicht Informant irgendeiner Sicherheitsbehörde war.

Die Vielzahl von V-Leuten legt zumindest nahe,

dass das V-Mann-System

in der rechtsextremistischen Szene gescheitert ist.

Beispiel Tino Brandt.

Als V-Mann mit unterschiedlichen Quellennamen

wie Otto oder Oscar gilt Brand als "allgemein zuverlässig",

kassiert rund 200.000 Mark.

Brandt liefert über das Trio rund 47 sogenannte Quellenmitteilungen.

Zeitgleich wird er Chef

des rechtsextremen Thüringer Heimatschutzes,

in dem sich Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe radikalisiert hatten.

Sie gehörten zur Kernmannschaft,

wie hier auf diesem Trauermarsch 1997.

Dem Thüringer Heimatschutz gehörte Ralf Wohlleben an, links im Bild.

Er ist mutmaßlich ein Waffenbeschaffer des NSU

und gehörte zu den engen Vertrauten des V-Mann Tino Brandt.

Vor laufender Kamera erklärt Brandt Andersdenkende zu Feinden.

Dieser Name ist sehr ernst gemeint.

Wir wollen natürlich die Thüringer Heimat schützen.

Wir sehen das ökologisch: Umweltschutz ist Heimatschutz.

Wir sehen das aber natürlich auch vor kriminellen Subjekten

in diesem Thüringer Freistaat.

Damit meinen wir Drogendealer, Linke, Rote, Kriminelle -

wir meinen alles, was in diesem Staat Probleme macht.

Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe

waren in der Sektion Jena des Thüringer Heimatschutzes integriert,

daraus haben sie sich entwickelt.

Von da aus sind sie in den sogenannten Untergrund gegangen

und haben die Morde und Anschläge begangen.

Dieser Heimatschutz wurde aufbaut von Tino Brandt.

Als das Terrortrio 1998 abtaucht,

sammelt V-Mann Tino Brandt Geld für die drei,

wie er in einer Vernehmung zugibt.

Außerdem habe er dem NSU geholfen, das Spiel Pogromly zu vertreiben,

eine Neonazi-Variante von Monopoly.

Judenvernichtung als zynischer Freizeitspaß.

Für 50 D-Mark vermarktet das Trio das Spiel.

V-Mann Brandt gehört zu den eifrigsten Zwischenhändlern.

Allein dem TLfV, dem Thüringer Landesamt für Verfassungsschutz,

will er drei bis fünf Spiele verkauft haben.

Brandt hat den Thüringer Heimatschutz gegründet

und er hat ja quasi den Nährboden gebildet,

also die Sozialisationsumgebung für viele junge Nazis.

Da haben sich die drei radikalisiert.

Er war Förderer und Freund gleichermaßen.

V-Leute im direkten Umfeld der Täter.

Hinweise finden sich auch in der Kontaktliste von Mundlos,

die er am Tag des Abtauchens in Beate Zschäpes Garage zurücklässt.

Auf der Liste stehen gleich mehrere V-Leute, darunter Thomas Richter.

* dissonante Klavierklänge *

Unter dem Decknamen "Corelli"

kassiert Richter über 15 Jahre rund 180.000 Euro Spitzellohn.

Richter - alias Corelli - fotografiert politische Gegner,

betreibt für die Neonazis sogenannte Feindaufklärung.

Ein V-Mann bei der Arbeit.

Zeitgleich ist Richter Anwerber des rassistischen Ku-Klux-Klan.

Und obwohl Richter auf der Liste von Mundlos steht,

kann er sich März 2013 bei seiner Vernehmung

durch das Bundeskriminalamt an die NSU-Terroristen nicht erinnern.

Er habe das Trio nicht gekannt.

Wie eng V-Mann Corelli mit dem NSU verknüpft war, kann man nur erahnen.

2006 vertreibt er eine Propaganda-CD

ausgerechnet mit dem Titel "Nationalsozialistischer Untergrund".

2014 stirbt V-Mann Corelli an einer unerkannten Diabetes.

Das wurde nicht mehr richtig aufgeklärt,

was es mit dieser CD auf sich hat.

Corelli ist ja dann verstorben.

Aber das wüssten wir auch alle sicherlich sehr gerne.

V-Leute im Umfeld des rechten Terrors.

Halfen mit Steuergeld bezahlte Quellen dem NSU beim Untertauchen?

Wussten sie gar von den Verbrechen?

Für Nebenkläger wie Thomas Bliwier ein Skandal.

Schon da halte ich im staatlichen Auftrag Strukturen aufrecht,

die zu den terroristischen Taten des NSU geführt haben.

In der Haut der Leute, die das vermasselt haben,

möchte ich nicht stecken.

Wenn die ein Unrechtsbewusstsein haben, ich weiß es nicht.

Im staatlichem Auftrag ist auch V-Mannführer Andreas Temme unterwegs.

Ein Fall voller Rätsel und Widersprüche.

In Nordhessen mordet der NSU das vorletzte Mal –

unter besonders irritierenden Umständen.

Denn am Tatort ist ein Mann des hessischen Verfassungsschutzes:

Andreas Temme. Ein Beamter, der Informanten führt.

Er behauptet, nur durch Zufall

an jenem 6. April in dem Kasseler Internetcafé gewesen zu sein -

exakt zu der Zeit, als Halit Yozgat, 21,

von Terroristen des NSU ermordet wird.

Warum ist Verfassungsschützer Andreas Temme vor Ort?

Wir konnten am Ende meines Erachtens feststellen,

dass er zur Tatzeit am Tatort gewesen ist,

in Kassel im Internetcafé, wo Halit Yozgat erschossen wurde,

und den sterbenden oder schon toten Halit Yozgat gesehen haben muss.

Er hat das bestritten.

Er hatte damals aber auch bei der Polizei bestritten,

überhaupt vor Ort gewesen zu sein. Er war damals Beschuldigter.

Es bleibt eine der großen offenen Fragen nach diesem Prozess,

welche Rolle Andreas Temme hatte.

Original Polizeiskizzen.

Sie zeigen die engen Räumlichkeiten des Internetcafés.

Es scheint kaum möglich, hier Schüsse zu überhören,

wie Temme nach der Tat behauptet.

Andere Zeugen konnten sich an dumpfe Geräusche und Schüsse klar erinnern -

Temme nicht.

Wir haben, das gehört ja auch zu unseren Aufgaben,

selbst Schießversuche gemacht

auf dem Schießstand in der Lüneburger Heide -

Polizeischießstand im Übrigen -

und haben uns davon überzeugt:

Wenn man in drei Metern Entfernung eine Ceska feuert mit Schalldämpfer,

das hört man.

Und warum ist es alles so?

Es gibt - nicht unsere These -

die These der Kriminalbeamten aus Kassel, die sagen:

Entweder hat er was gesehen, was er nicht offenbaren möchte,

was ihn möglicherweise selber gefährdet -

andere Täter, andere Tatabläufe,

oder er ist selbst verstrickt.

Dem ist der Senat nicht nachgegangen mit der Begründung:

"Der hat uns doch hier glaubhaft erzählt, er habe nichts gehört."

Nichts gehört? Nichts gesehen?

Der Tatort:

aus dem Blickwinkel von Kunden des Internetcafés.

Spätestens beim Bezahlen an der Theke

hätte der Beamte die Leiche von Halit Yozgat sehen müssen.

Auch das bestreitet er.

Nach dem Mord meldet sich der Verfassungsschützer nicht als Zeuge.

Erst bei Auswertung der Chatprotokolle des Internetcafés

stoßen die Ermittler auf den Kollegen vom Verfassungsschutz.

Im hessischen NSU-Ausschuss

wird der Fall Temme zum handfesten Skandal.

Zunächst mal haben wir auch aus den Akten herausgearbeitet,

dass die parlamentarische Kontrollkommission seinerzeit

über diesen doch gravierenden Vorgang,

dass ein Verfassungsschutzmitarbeiter

unter dringendem Mordverdacht stand: Temme ...

Und dann sozusagen unter Mordverdacht

da gegen ihn ermittelt wurde.

Und er und seine ganze Familie abgehört wurde über mehrere Monate,

also Observationen stattfanden und so weiter.

Dass das nicht der parlamentarischen Kontrollkommission mitgeteilt wurde.

Nichts gewusst, nichts gesehen.

Der V-Mannführer hat seine eigene Wahrheit.

Auch vor dem Bundestags- Untersuchungsausschuss in Berlin:

In der Befragung beteuert er,

er habe die Mordserie NSU nicht wahrgenommen.

Und weiter: "Es war mir nicht bekannt."

* bedrohliche Musik *

Doch interne Dokumente des Verfassungsschutzes belegen:

Der Beamte Andreas Temme war sehr wohl mit den Taten befasst.

Bemerkenswert: Diese Dienstanweisung wurde zwei Wochen

vor dem Kasseler NSU-Mord verschickt.

V-Leute sollen befragt werden, was sie zu den sogenannten Ceska-Morden,

so die damalige Bezeichnung der Mordserie, sagen können.

In der Anlage werden Details zu den Morden aufgeführt. Auch zur Waffe.

Wir kommen zu dem Ergebnis: Temme lügt.

Und wir haben ihn ja an einer Stelle auch der Lüge überführt.

Er hat gesagt vor dem Bundestagsuntersuchungsausschuss,

dass er vor dem Mord in Kassel nicht mit der Ceska-Mordserie

dienstlich betraut war.

Und da konnten wir nach mühsamen Ermittlungen nachweisen,

dass Temme gelogen hat, weil er das selbst abgezeichnet hat.

Also er wusste, er hatte den Auftrag, den dienstlichen Auftrag,

zwei Wochen vor dem Mord, sich mit seinen V-Leuten zu unterhalten,

was die über diese Ceska-Mordserie wissen.

Der NSU-Mord in Kassel.

Die Klärung der Umstände scheint kaum möglich zu sein.

Ist sie überhaupt gewollt?

Anwälte der Opfer beklagen Vertuschung.

Es gibt umfangreiche Aktenbestände im Landesamt, die kriegen wir nicht.

Die sind gesperrt für die nächsten 120 Jahre.

Also ich werde es dann nicht mehr erleben. Sie auch nicht.

Warum sind die Akten so ungewöhnlich lange gesperrt?

Was gibt es zu verbergen?

Und Andreas Temme?

Ist noch immer Beamter und arbeitet heute im Regierungspräsidium Kassel.

* dramatische Musik *

Selbst das plötzliche Ende des NSU

scheint voller Ungereimtheiten und Rätsel.

* Musik wird ruhiger. *

Eisenach, 2011.

Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt sterben.

In einem Wohnmobil.

Vier Jahre sind seit dem letzten bekannten Mord des NSU vergangen.

An diesem 4. November werden Böhnhardt und Mundlos

nach einem Banküberfall von der Polizei gestellt.

Mundlos erschießt Böhnhardt und nimmt sich anschließend das Leben.

So die offizielle Version.

Da ist viel ungeklärt.

Sowohl in dem Ablauf, wie er dann in wenigen Sekunden

überhaupt noch das Wohnmobil so schnell brennend anzünden konnte.

Und dann auch im ganzen weiteren Verlauf.

Die Polizisten warten dort in sicherer Deckung.

Die Feuerwehr kommt, weiß gar nicht, dass dort scharf geschossen wurde,

und fängt an zu löschen.

Und das setzt sich dann fort mit den ganzen Merkwürdigkeiten.

Merkwürdigkeiten, die sich bei der Tatortarbeit fortsetzen.

Eine Fotoreporterin folgt der Feuerwehr

und dokumentiert das Geschehen von Eisenach mit ihrer Kamera.

Ihre Schilderungen skizzieren am Tatort ein regelrechtes DNA-Chaos.

Ich kenne das ja auch von anderen Einsatzorten, von Tatorten,

dass da mit Schutzbekleidung gearbeitet wird.

Und am Wohnmobil war es so:

Da hat niemand Handschuhe oder Stulpen über den Schuhen angehabt,

geschweige denn einen Schutzanzug.

* leise, bedrohliche Musik *

Ich frage mich bis heute, warum das so gewesen ist.

Wir haben das berühmte Bild mit der Blutharke,

um es etwas drastisch zu formulieren.

Das berühmte Foto, wo praktisch geharkt wird in dem Schutt.

Und dann offenbar 'ne Berührung möglicherweise

mit dem Leichnam des einen Uwe stattgefunden hat

und wo hinterher Blut an der Harke ist.

Also, das sind einfach Dinge,

ja, die kann man eben nicht nicht lustig finden.

Wird der Tatort mutwillig zerstört? Oder nur aus Schlamperei?

Die Spurensicherung findet nicht vor Ort statt.

Die Polizei lässt das ausgebrannte Wohnmobil abtransportieren.

Im Innenraum: die Leichen von Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt,

die kurzerhand mit verfrachtet werden.

Für Anwälte der NSU-Opfer gehen so wichtige Spuren verloren.

Vieles ist tatsächlich nicht geklärt,

zumal der Tatort ja sehr schnell tatsächlich beseitigt worden ist.

Das heißt, es wurde keine ordnungsgemäße Spurensicherung

vor Ort durchgeführt.

Sondern das Wohnmobil wurde sehr schnell weggeschafft

in eine private Lagerhalle.

So haben wir auch hier einen Verlust von Spuren,

einen Verlust von Beweismitteln zu beklagen.

Wir werden wahrscheinlich nie herausfinden,

was hier die genauen Umstände waren.

Im Wohnmobil machen die Beamten brisante Entdeckungen.

Darunter das Waffenarsenal des Nationalsozialistischen Untergrunds.

Auch die Dienstwaffe der ermordeten Polizistin

Michèle Kiesewetter.

Dazu Masken und Bargeld von Banküberfällen.

Und noch etwas entdecken die Ermittler:

Technik, mit der Böhnhardt und Mundlos den Polizeifunk abhören.

So waren sie jederzeit über die Fahndung nach ihnen informiert

und hätten wohl entkommen können.

Dennoch warten sie nach ihrem Banküberfall in Eisenach,

anstatt zu fliehen.

Es war eigentlich der Klassiker:

dass sie wohl die Ringfahndung immer abgewartet haben,

das Ende der Ringfahndung, und dann losgefahren sind.

Und warum sie dann doch bei dem Zeitfenster,

das da zur Verfügung stand beim Ende der Ringfahndung,

bis sie dann dort in dem Wohnmobil angetroffen wurden ...

Dann hört man die Schüsse und das Wohnmobil brennt.

Warum sie in der Zeit nicht weggefahren sind,

das wird auch immer ein Rätsel bleiben.

Dass noch so viele Fragen rund um den NSU-Terrorismus offen sind,

hat verschiedene Gründe:

Die beiden Haupttäter sind tot und können nicht mehr vernommen werden.

Ihre mutmaßliche Komplizin, Beate Zschäpe,

hüllt sich vor Gericht in Schweigen und lässt ihre Anwälte sprechen.

Dazu kommen Ermittlungspannen und Interessenskonflikte der Behörden.

Gibt es noch unerkannte Mittäter?

Wo enden Fakten, wo beginnen Mythen?

Die Akte NSU ist noch lange nicht geschlossen.

Untertitel im Auftrag des ZDF, 2018

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