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Original subtitles

* Die Menge jubelt. *

Barrierefreie Fassung TV TEXT INTERNATIONAL

Papa, sieh dir das an. 38 Frauen haben sich schon gemeldet.

Geht das so weiter, bricht das System zusammen.

Ich habe gesagt, ich will das nicht.

Willst du es nicht mal ansehen?

* Tobias seufzt. *

Na gut.

Oh, warte mal!

Wer?

Die da. Die? Ja.

Die sieht irgendwie anstrengend aus. Zickig.

Zickig? Mhm!

Aber die ist doch hübsch. Okay.

Du redest nur über dich. Mhm!

Bis das Signal ertönt. Ja.

Ehrenwort? Ja.

Und du meinst, du schaffst das?

Was? Über mich reden?

Entschuldige mal, ich bin ein Mann! Komm, mach.

ein Vater hat gehofft, dass ich auch Beamter werde.

Da werde ich ausgerechnet Koch

Das war bevor Kochen Hip wurde.

Also vor der Zeit der Fernsehköche. Klar!

Gefällt dir der Wein?

2011er Riesling von der Mosel. Schiefersteillage.

Gefällt mir sehr gut.

Mmmh!

Mmmh! Der kommt auf meine Weinkarte.

Bin kurz davor, meinen eigenen Laden zu eröffnen.

Und jetzt will ich wissen, wo der Haken ist, Tobias.

Mangelnde soziale Kompetenz? Nein.

Wie krass sozial inkompetent kann einer wie du sein,

damit die Frauen nicht über ihn herfallen?

Also abseitige sexuelle Präferenzen.

Äußerst abseitig.

Ahm, ich glaube, ich ... ahm ...

Ich kann dir nicht ganz folgen. Wieso bist gerade du Single?

Sag mal, langweile ich dich? Nein, das ist nur ...

* Der Alarm seiner Uhr ertönt. *

Ich bin kein Single.

Also doch, irgendwie schon.

Genaugenommen bin ich Witwer.

* Wieder der Alarm. *

Fahrradunfall. Zack, bumm, aus, vorbei.

Ist zwei Jahre her.

Willst du noch was trinken? Gerne.

Danke.

Kerstin und ich waren ewig zusammen. Seit der Schule.

Prost.

Was habe ich mir von Kumpels anhören müssen.

Das ist keine Absicht,

aber ich schlafe immer noch auf einer Seite des Betts.

Entschuldigung.

Auf meiner Seite.

Und sie hatte so ein Grübchen hier.

Bedienung!

So süß!

War das da?

Musst du schon los? Ahm ...

Ich sage das im Namen aller Frauen,

die ernsthaft verzweifelt einen Partner suchen:

Mach etwas. Therapie oder Trauergruppe, egal.

Aber ruf uns nicht an!

Da bist du ja.

Ich frage jetzt nicht, wie es gelaufen ist.

Danke.

Du erwähnst Mama erst, wenn das Signal ertönt. Klar.

Natürlich ohne vorher ständig auf die Uhr zu schielen. Natürlich.

Und bloß keine Monologe darüber, wie lange ihr zusammen wart.

Was denkst denn du? Ich bin kein Anfänger.

Du kannst mir nicht erzählen, dass du nichts trinkst.

Ich weiß, du bist ein vernünftiger Junge.

Aber auch vernünftige Jungs müssen mal auf die Kacke hauen.

Mein Gott, was habe ich in deinem Alter für Bockmist gemacht!

Darf ich gar nicht erzählen. Da kommst du nur auf Ideen.

Weißt du, die Jugend geht so schnell vorbei.

Und wenn du nichts angestellt und erlebt hast, das ...

das verzeihst du dir das ganze Leben nicht.

Und das geht auch schnell vorbei.

Komm, lass uns gehen. Du hast morgen Schule. Okay.

Danke.

Was ist los, Wilke?

Wartest du auf den Lift?

Ah! Lass, das! Was soll der Scheiß?

Du bist so eine Pussy! - Geh runter!

Christopher, geh da runter! Hör auf, Christopher.

Hör auf damit! - Moment! Geht gleich weiter.

Augenblick. Und ... - Christopher, geh runter!

Du bekommst keine Nachhilfe mehr von mir.

Vom Abschreiben lassen ganz zu schweigen.

Und der traurige Rekord,

dass du die 10. zum 3. Mal wiederholst, ist dir sicher.

Schwuchteln!

Und du, glotz nicht!

Fick dich!

Immer die gleichen homophoben Scherze.

Du solltest dich was schämen.

Und du beeil dich, Wilke. Ich brauche dich im Tor!

Kann ich das nicht einfach abschreiben?

Der kriegt das sofort mit.

Also: Die zentralen Forderungen der französischen Revolution sind?

Ups!

Also:

Die zentralen Forderungen der französischen Revolution?

Komm, wir ziehen uns was anderes an.

(bebend:) Wie kann man nur so schön sein?

Findest du meine Brüste nicht zu kein?

(tonlos:) Nein.

He.

Ich habe auch Kondome besorgt.

* Sie seufzen und stöhnen. *

Du kannst gar nicht so sozial inkompetent sein,

dass die Frauen nicht über dich herfallen? Das waren ihre Worte.

Ich hätte besser nichts erzählt. Nein!

Sie hat recht, oder? - Sowieso!

Bei dem, was auf dem Singlemarkt ist?

Ja, dagegen bist du ein Sechser im Lotto! Jetzt ...

Mit Zusatzzahl! - Stimmt! Muss man einfach mal so sagen.

Ein Sechser? Was bin ich denn dann?

Ein Fünfer und er ein Vierer oder wie?

Warum bin ich ein Vierer und du ein Fünfer? - Nur ein Beispiel.

Warum grade das Beispiel? - Was willst du von mir?

Die Mädels haben damit angefangen. Kriegt euch wieder ein.

Halt die Klappe, du Hauptgewinn. - Sag mal!

Hm? - Was ist, Chef? Kriege ich noch ein Bierchen?

Aha! Siehst du, das ist der Unterschied.

Wir sind so doof und bringen euch euer Bier

und die Frau, die ihn abkriegt, kriegt so was! - Ja.

Kunststück, der Mann ist Koch!

Yes!

Ja, Jungs, das tut mir jetzt leid.

Nein, nein, nein! Je mehr sie sich aufregt, desto besser.

Es geht nichts über Versöhnungssex. - Yes!

Jungs! Schaut mal, wer da ist!

Finny, was geht?

He, Finn.

Kommst rechtzeitig zum Essen. Ich habe schon.

Komm, es gibt Steaks! - Boah, diese Haut!

Was würde ich für so eine Pfirsichhaut geben?

Hat der noch keinen Bart? Er hat nicht mal einen Bart!

Nicht den geringsten Flaum. - Scheißegal, ein Spätzünder.

Hat er schon ein Mädchen? Jasmin. Ich glaube, da geht was.

Die kleine Skaterin? Ja! Hut ab!

Mit Jasmin alles klar? Habt ihr Hausaufgaben gemacht? Nö, Sex!

Gut! Sex! * Gelächter *

Schönes Ding, du.

Holt mal Teller. (Petra:) Ja! Teller.

Wer mag medium? - Ich.

Finny, alles okay?

Du machst dich selbstständig?

Ja, schon möglich.

Sag mal, ...

Jasmin und du. Mhm! Ihr schlaft miteinander?

Wir haben es im Griff, Papa. Ja? Mhm!

Sicher? Mhm! Okay.

Du weißt, du kannst mit mir über alles reden, ja?

Okay?

Veronika hat geschrieben.

Es ist alles organisiert.

Ich wurde sogar schon an der Highschool angemeldet.

Ahm, wie, Veronika?

Papa, das Auslandsjahr, das ich in San Francisco verbringen soll.

Du sollst ein Jahr bei deiner durchgeknallten Tante verbringen?

Das wüsste ich aber! Das hat Mama vor Jahren mit ihr abgemacht.

Was? Du hast ja gesagt. Moment!

Bitte, Papa!

Ich brauche diese Zeit. Das ist sehr wichtig für mich.

Na, ja, pfft!

Ahm, das ist doch so weit weg. Wenn irgendwas passiert!

Finny, das ...

Also ganz ehrlich, ich ...

Mir wird schon nichts passieren, Papa.

Du wirst mich nicht verlieren. Okay? Versprochen.

Versprochen.

* Lautsprecherdurchsagen *

Hallo, Finn Wilke.

(Durchsage:) "Sehr geehrte Damen und Herren."

"Der Flug 981 nach San Francisco ist nun zum Einsteigen bereit."

"Wir wünschen einen angenehmen Flug."

Okay, komm.

Los.

* Der Wecker piept. *

(Frau:) Nicht aufstehen! Bitte! Ich muss.

(flehend:) Bleib im Bett ...

Du, ich muss zum Flughafen. Und du, du musst gehen.

Und warum darf ich nicht mitkommen?

Das habe ich dir doch schon mal erklärt.

Finny weiß noch nicht, dass wir zusammen sind.

Und ich will ihn darauf vorbereiten, ja?

Darauf vorbereiten! Wie das klingt.

Du sagst ihm, dass wir eine Beziehung haben.

Ja, mache ich. Ist gut jetzt?

Sag es!

Gabi! Beziehung!

Sag es. Beziehung.

Och Mann, Gabi!

Sag's.

* Er seufzt. *

Beziehung, Beziehung, Beziehung, Beziehung, Beziehung!

(Durchsage:) "Flug 876 aus San Francisco am Ausgang 4."

* Sein Handy klingelt. *

Du, Gabi, ich kann jetzt nicht. Ich stehe gerade am Ausgang.

Ich will ihn nicht verpassen. Ja, ich melde mich. Kussi!

Das kann doch nicht wahr sein!

Ja, von mir aus! Dann ist er eben auf der Liste.

Aber er war nicht in der Maschine! Ich erkenne wohl meinen Sohn!

Da können wir leider nichts machen.

Papa!

Tobias!

Es tut mir leid, dass ich dich nicht vorgewarnt habe.

Ich lebe jetzt als Mädchen.

Finn?

Helen.

Du hast es also tatsächlich geschafft?

Und dein erstes eigenes Restaurant eröffnet. Ja.

Und wie konntest du das die ganze Zeit für dich behalten?

Na ja, ein paar Mal hätte ich mich schon beinahe verplappert.

Und was ist mit dir?

Ist es dir leicht gefallen, mich zu verarschen, ja?

Das ist ein Scheiß gegen die Überraschung,

die du mir bereitest.

* Tobias' Handy klingelt. * Gabi?

Möchtest du nicht ... - Nein!

Jetzt hör mal zu, Finn.

Da drin sitzen unsere Freunde und zwar alle.

Du hörst sofort auf mit dem Mist und steigst aus dem Fummel, okay?

Okay, bitte schön. Du wirst sehen, was du davon hast.

Na los, komm! Mach, mach! Geh da rein.

Wenn du meinst, dass du dich und vor allem mich blamieren musst,

dann geh rein, los!

Finn, he!

Du kannst da nicht rein. Komm, lass den Scheiß.

Nein!

* Gelächter, Jubel, Tröten *

* Sie verstummen. *

Finn?

Ich bin Helen. Finn gibt es nicht mehr.

Das ist keine Verkleidung. Verkleidet war ich 16 Jahre lang.

nd ... das bin jetzt ich. Moment, heißt das, er ist schwul?

Ja, schön wär's.

Habt ihr nie geahnt, dass ich transgender bin?

'Tschuldigung, was für'n Ding? - Eine Transe! Du ahnst es nicht.

Ich war schon immer ein Mädchen,

nur gezwungen, im Körper eines Jungen zu leben.

Deswegen wolltest du nie skypen.

Du hättest ja mal einen Ton sagen können. Müssen! Arschloch.

Jemand Prosecco? (alle:) Ja.

Ihr zwei habt euch sicher ganz viel zu erzählen. Helge?

(Helge:) Luis, Laura, wir gehen.

Tschüss, Finn.

Ciao. Echt keine Verarsche? Du läufst jetzt immer so rum?

Und kommst so in die Schule?

Die machen dich fertig, aber das weißt du ja.

Louisa, kannst du bitte versuchen, ihm das auszureden?

Wie ist das möglich, Vroni? Erklär mir das mal!

Ich schicke dir einen Sohn und bekomme eine Tochter zurück!

Ach, das ist angeboren? Na dann!

Und ich dachte, du bist eine durchgeknallte Hippieschlampe.

Dabei bist du Pränatalmedizinerin!

Ob ich sauer bin?

Das meinst du nicht ernst, oder?

Nein, weißt du was? Du kannst mich mal!

Deine Tante hat was von deiner Mutter gesagt.

Finny, hat das was mit Kerstin zu tun?

Ist das deine Art, dich ihr nahe zu fühlen? Ist es das?

Nein.

Was ist es denn dann?

Ist da was passiert in San Francisco?

Ist dir jemand zu nahe getreten? Ein Mann?

Ich hätte dich hübschen Kerl

nie in diese Schwulenhochburg schicken dürfen.

Du denkst, ich bin vergewaltigt worden?

Bist du? Nein.

Ja, was ist es dann?

Ich bin ein Mädchen. (seufzend:) Ich werde verrückt!

Weißt du es nicht mehr,

wie ich von klein auf immer auf Kleider und Puppen abgefahren bin?

Das war eine Phase. Finny, jeder Junge hat das.

Eine Phase? Ja.

Das sagst ausgerechnet du? Du bist mehr als einmal ausgetickt, Papa.

Du hast das ganze Haus mit Männerkram aufgerüstet,

um mir das Weibische auszutreiben. Unsinn!

Das ist eine Phase!

Finn!

Mehr nicht. Geht vorbei.

Ja, das geht vorbei.

Geht vorbei.

* Sein Handy vibriert. *

* Er seufzt. *

Du willst wirklich so zur Schule, ja?

Du hast doch gehört, was Louisa gesagt hat.

Finny, bitte. Tu dir das nicht an.

Papa, ist gut. Ich komme klar. Kommt nicht infrage.

Ich habe uns beim Schulleiter angekündigt.

He!

Guten Morgen, Jasmin.

Los.

Und zu mir sagen sie Mädchen.

Scheiße, wie siehst du bloß aus?

Ich komme mir vor, wie in diesem ... diesem alten Horrorfilm.

Den aus Tobys Sammlung.

Du weißt schon, wo der Typ immer die Perücke seiner Mutti aufsetzt

und dann mit dem Messer ... Uah!

"Psycho"!

Ja, genau. Genau den meine ich. Mit dieser Perücke.

Aber das sind meine Haare.

Sieht trotzdem kacke aus.

Mädels, ich störe ungern, aber hebt euch das für später auf.

* Es klingelt zum Schulbeginn. * Na los!

Jetzt schau nicht so!

Auf gar keinen Fall nenne ich dich ...

Helen. So möchte mein ... Kind zukünftig genannt werden.

Laut Schulgesetz darf ich wählen,

unter welchem Namen und Geschlecht ich von der Schule geführt werde.

Also ich gebe zu, dass wir einen solchen Fall,

wenn ich das mal so sagen darf,

an dieser Schule noch nicht hatten.

Ich habe noch etwas Mühe ...

Beschreibe mir deine Situation mit deinen Worten, Finn. Helen!

Ich lasse eine geschlechtsan- gleichende OP vornehmen. Moment!

Da habe ich auch noch mitzureden, oder?

Die OP wird nach dem 18. Geburtstag vorgenommen.

Vorher ist es nicht erlaubt.

Trotzdem trägst schon Mädchenkleidung.

Ich will mich nicht mehr verstellen.

Es gibt noch den Alltagstest. Erst wenn ich den bestanden habe,

bekomme ich die Erlaubnis für die OP.

Dass ich drüben ein Jahr als Frau gelebt habe, zählt nicht.

Na ja. In San Francisco laufen ja alle so rum.

Aber das kann man nicht vergleichen.

Das ist was ganz anderes in deiner Stadt und Schule.

Bedeutet es keinen Konflikt für dich, noch ein Junge zu sein,

aber als Mädchen zu leben? Ich bin ein Mädchen.

Anatomisch gesehen, da hat Herr Sattmann recht,

bist du es noch nicht.

* Es klopft an der Tür. * Ja, bitte?

Ah ja, ich habe unsere Vertrauenslehrerin,

Frau Calis, dazugebeten.

Hoffentlich mit Ihrem Einverständnis.

Frau Calis, danke, dass Sie gekommen sind.

Hallo. Tag.

Ein Alltagstest also, um auszuschließen,

dass dir nach der Umwandlung Zweifel kommen? Mhm!

Mhm!

Und was für andere Maßnahmen gibt es noch?

Therapie. Beim Jugendpsychologen.

Mindestens 18 Monate, dann zur Endokrinologie.

Endo... was?

Endokrinologie ist ein Gebiet der Inneren Medizin.

Sie beschäftigt sich mit Hormonen. - Das wissen Sie nicht?

Sie waren doch dabei oder zumindest informiert? Ja.

Also bei jeder noch so kleinen Formalie

ist die Zustimmung beider Elternteile erforderlich.

Ich glaube nicht, dass bei einer solchen Behandlung

auf Ihre explizite Zustimmung verzichtet werden kann.

Finn?

Helen! Sag mal, was läuft hier?

Herr Wilke, wenn, was ich vermute, Sie sich nicht im Klaren waren ...

Herr Sattmann, das hat seine Ordnung.

Herr Wilke wusste Bescheid, er hat sich mit mir ausgetauscht. Was?

Als Vertrauenslehrerin durfte ich darüber natürlich nicht reden.

(seufzend:) Verstehe.

Nicht so schnell, Fräulein!

War das ironisch gemeint? Ich mag das nicht, wenn du ironisch bist.

Ist mir scheißegal. Woher hattest du die Erlaubnis? Herr Wilke?

Und Sie haben den Rektor gerade angelogen.

Nein, ich habe für meine Schülerin Partei ergriffen.

Haben Sie kurz Zeit?

So. Danke.

Herr Wilke ... Sie können Tobias sagen.

Diana.

Tobias, wissen Sie, dass Ihre Tochter Pubertätsblocker nimmt?

Hören Sie bitte damit auf,

von Finn in der weiblichen Form zu reden, ja? Danke.

Was für Blocker?

Ihre Frau sagte, Sie hätten zugestimmt.

Das hat meine Frau gesagt?

Zu Ihnen?

Ja. Egal, wer wem was gesagt hat.

Es kann Ihnen nicht verborgen geblieben sein,

dass Finn auf dem Entwicklungsstand

eines 13-Jährigen geblieben ist.

Mir ist nicht egal, wer wem was gesagt hat.

Und weiß ich nicht, wovon Sie reden.

Finn nimmt seit Jahren Hormone,

die verhindern, dass die Pubertät einsetzt.

Ey, Theo! Warte mal!

Pubertätsblocker.

Pass doch auf, Christopher! Du Geile!

Eigentlich sollte ich dir dankbar sein.

Wenn der mitkriegt, dass du das bist, habe ich endlich Ruhe.

Hast du auf mich gewartet?

Glauben diese Ärzte sie sind Gott?

Pfuschen in das gesunde Leben eines Kindes?

Und reden ihm den Schwachsinn ein?

Das können die können die doch gar nicht!

Jede kleinste Formalie bedarf der Zustimmung beider Eltern. Ja.

Meine Frau hat mich belogen.

Sie hat meine Unterschrift gefälscht.

Anstatt mit mir zu reden, ist sie zu Kurpfuschern gerannt!

Sogar zu Ihnen hatte sie mehr Vertrauen.

Hat es Sie nicht gewundert,

dass ich nie bei den Sitzungen dabei war?

Ihr Arbeitszeiten.

Und Ihre Frau meinte, es ist ...

(seufzend:) Oh Scheiße!

Sie haben gar nicht versucht, es ihnen auszureden, oder? Nein.

Ahm ...

Was unterrichten Sie eigentlich?

Sagen Sie jetzt bitte Biologie.

Oder Ethik.

Sport und Englisch.

Hallo!

Hallo, würdet ihr mir ...

Würdet ihr mir bitte zuhören?

* Quietschen, die Schüler schreien auf. *

(Louisa:) He, jetzt seid doch mal ruhig!

Hallo! Da!

Ich würde euch gern was sagen.

Mein Name ist Helen. Und ... Wilke? Bist du das?

* Tumult in der Klasse. * Leute, das ist Wilke!

Das ist Wilke! Ja!

Ist jetzt Halloween?

* Gelächter *

Was soll denn das?

Was ist hier los? Lasst mich bitte durch.

Mann, jetzt hör auf!

Bescheuert, Alter?

Als ich klein war, dachte ich ... Ruhe bitte, ja?

Ruhe, habe ich gesagt!

Lasst ihn bitte aussprechen. Sie!

Sie aussprechen. * Gelächter *

Ruhe!

Bitte sehr.

Als ich klein war, dachte ich, ich werde mal eine Frau.

* Kichern *

So wie andere dachten, Polizist, Feuerwehrmann ... BITTE!

Das klingt irgendwie total bescheuert.

Ist aber doch irgendwie logisch.

Man hat ja auch erst als erwachsene Frau einen Busen.

Richtige Titten, Alter! - Mein Freund! Bitte Respekt!

Schlimm wird es erst, wenn man älter wird, weil man es kapiert.

Ich bin gefangen in meinem eigenen Körper.

Nur dass es sich nie wie mein Körper angefühlt hat.

Vergiss Halloween, Theo.

Das ist wie Todesstrafe und Lebenslänglich auf einmal.

* Ironische Mitleidsbekundungen. *

Ich spiele in einem Film mit, den ich nicht zurückspulen kann.

Ich musste mich jetzt entscheiden. Also hast du jetzt eine ...

Okay. Schluss der Vorstellung. Ruhe bitte!

Ihr sollt einem Mitschüler mit Respekt begegnen.

Egal, wie ihr zu seiner ... ihrer Entscheidung steht.

* Gelächter * Ruhe, verdammt!

Ab in eure Klassen. Los, kommt.

Hopp, hopp!

* Sein Handy klingelt. *

Ja, Gabi. Ich kann nicht, ich bin im Stress.

Ja, habe ich doch gesagt.

Nein, alles okay mit Finn. Er hat Jetlag, ja.

Ja, wenn er wieder der Alte ist, melde ich mich. Gut.

Ja, Gabi. Versprochen. Kussi.

Was steht ihr hier rum? Raus mit dem Zeug!

He, wer glotzt denn hier?

Francoire, deine Tauben sind fertig!

Und dreimal Loom!

"Vronis patentierte Freundschaftsbändchen."

"Bringen dir garantiert kosmische Liebe und Glück."

(flüsternd:) Au weia.

Mmmh!

Er ist gut, nicht wahr?

Ein 2007er.

Pinot Noir, ein Urgestein.

Ich weiß noch wie du sagtest:

"Ein guter Rotwein ist Balsam für die Seele."

Möchtest du nicht wissen, wie mein erster Schultag war?

Seit wann wusste sie es?

Dass du ...

so bist?

Ich glaube, schon immer.

Aber ... das ...

Wie konnte sie sich sicher sein, dass das ... ja ...

keine Phase ist?

Es ist so unfassbar, was du vorhast.

Darf ich dir was zeigen?

Mama hat jahrelang

ihre abgelegten Lieblingskleider für mich gesammelt.

Warum, Finn?

Warum habt ihr mich ausgeschlossen?

Deine Mutter und du?

War ich für euch kein Teil der Familie? Doch!

Natürlich!

Du hättest es längst erfahren, wenn Mama nicht gestorben wäre.

Ihr hättet mich mit einbeziehen müssen.

Das habt ihr nicht, warum? Wir haben uns um dich gesorgt.

Was soll das heißen?

Mama hatte Sorge, dass du es nicht verkraftest.

Das hat sie dir gesagt?

(tonlos:) Das verstehe ich nicht.

Alles, was du nicht kennst, macht dir doch Angst. Wie?

Du umgibst dich nur mit Dingen und Leuten, die du ewig kennst.

Deine Kumpels,

das Haus ...

Das ist das Haus, in dem du aufgewachsen bist.

Mama ...

Mama war deine erste große Liebe, oder nicht, Papa?

Ja. Ja ...

Und das hat sie mir zum Vorwurf gemacht?

Dass ich immer nur sie geliebt habe?

Versteh das nicht falsch.

Das ist doch Scheiße!

D-da... Das ist doch Scheiße!

He!

Warte!

* Alle protestieren lautstark. *

Helen! Tut mir leid.

Ich hätte wissen müssen, dass es Probleme gibt.

Bestimmt habe ich mich gestern nicht richtig ausgedrückt.

* Sie schreien und lachen. *

Oh Mann! Sehr witzig!

Ich bin mir sicher,

es den Mädchen so erklären zu können, dass sie es verstehen.

Darf ich mich auf der Mädchen- toilette umziehen? Leider nicht.

Ich befreie dich vom Sport, bis wir eine Lösung gefunden haben.

(Theo:) Wilke, komm zu uns! - Echt.

Bring einfach einen Attest. Ist reine Formsache.

Na los. Wir beißen nicht! Komm.

Ich ziehe mich in der Jungstoilette um.

Bist du dir sicher?

Einmal wird mich nicht umbringen. Okay, wir sehen uns auf dem Platz.

Wehe, Theo, ich höre ein Wort der Beschwerde von Helen!

Kein Wort, Frau Calis!

Ist doch Ehrensache.

Du bist ein Mädchen? Zeig uns deine Titten.

Hör auf, Christopher. Deine Titten, habe ich gesagt!

Und streng dich an.

Nichts ist langweiliger als ein schlechter Strip!

Du kannst mich nicht zwingen.

Wilke, ... ausziehen!

Nein, Theo, bitte.

Ausziehen! Ausziehen!

* Die Jungs stimmen ein. *

Ausziehen! Ausziehen! Ausziehen!

* Sie jubeln und lachen. *

* Die Dusche läuft, Helen schluchzt. *

* Pfiff einer Trillerpfeife. *

Team Theo macht den Anstoß.

He! Wo ist sie?

Ach, Sie meinen Wilke? Pudert sich das Näschen und kommt gleich.

Theo, ich habe dich gewarnt.

Wenn etwas passiert ist ... Ich bin hier.

Alles in Ordnung, Helen?

Ja. Es ist alles okay.

Sie sagten, ich darf bei den Mädchen mittrainieren?

Mhm!

Was? Ist was?

Jasmin, hör bitte zu.

Es tut mir leid. Ich wollte nicht, dass ...

Der Sex mit dir war toll!

Sei still! Bist du irre?

Du kannst das hier nicht so herumposaunen.

Ich hätte nicht gedacht, dass es so schön ist. Ach!

Du hättest es nicht gedacht?

Das liegt doch nicht an dir.

Wie kann ich es dir denn erklären?

Seit ich klein bin, habe ich meinen Schwanz gehasst!

Ich habe drauf gewartet, dass er endlich abfällt.

Ich dachte, meine Scheide ist da drunter und nicht raus kann.

Verstehst du?

Muss ich so was verstehen?

Das Einzige, was ich wissen will, ist:

Warst du wenigstens an dem Nachmittag ein Junge?

Mein Gott!

Hast du dich nur einmal gefragt, wie ich mich damit fühle?

He. Wisch mal.

Du darfst nicht ständig heulen.

Dass Mädchen bei jeder Gelegenheit heulen ist ein Gerücht.

Du hast echt eine Menge zu lernen.

(lachend:) He!

Ich habe drüben am Strand mit dem Laufen angefangen.

Was ist das für eine gottverdammte Logik?

Danke.

Dich zu hintergehen.

Aus Liebe! Wenn du dich nicht mal auf die verlassen kannst,

die dich lieben ...

Toby, jetzt nicht das Kind mit dem Bade ausschütten, okay?

Du weißt, dass Kerstin dich geliebt hat.

Haltet ihr mich auch für einen Schisser?

Was?

Ja, ich habe darüber nachgedacht. Wir kennen uns eine Ewigkeit.

Wir, ja?

Und ich glaube,

dass ich nicht nur aus Angst oder Bequemlichkeit euer Freund bin,

sondern weil ich euch wirklich mag.

Ja, du. Wir haben dich auch lieb.

Total lieb, Alter.

Haben wir das jetzt geklärt? - Toby! Mann, wie bist du drauf?

Entschuldigung. Ein bisschen viel, alles, hm?

Wenn ich mir vorstelle,

meinem Sohn würden Penis und Hoden entfernt! - Helge, Klappe!

Er weiß es doch!

Du weißt das doch, oder?

Woher weißt du, was bei der OP passiert?

Boris und ich haben das im Internet nachgelesen.

Ist nicht gerade Allgemeinbildung.

Es gibt einen tollen Artikel auf "trans...dings", hier.

Wie heißt das? - "transgender". - Kann ich dir raussuchen.

Also zuerst die Hoden und die Schwellkörper, ja?

Und ... was passiert dann?

Und dann, und das ist wirklich interessant,

dann wird das Ganze nach innen gestülpt.

Nach innen gestülpt.

Ich zeige es dir.

Pipimann.

Ja?

Fupp! Schwupp.

Und weg.

(Gabi:) Toby?

Tobias!

Ups!

He, Wilke!

Bleib doch mal stehen, Alter. Ich rede mit dir!

Du sollst stehen bleiben!

Ich möchte noch mal deine Plastikmöpse anfassen. Lass das!

Mmh! - Hörst du auf, Christopher!

Such dir jemanden mit deinem IQ zum Mobben!

Die Inklusion macht's möglich. Komm.

Ihr hässlichen Bitches!

Du mieses Schwein! Ich will wissen, wer sie ist.

Au! Du Arschloch! Hör doch mal auf!

Was soll denn das? Du Drecksau!

(schluchzend:) Du tust immer so einen auf netter Kerl.

Dabei bist du genau so ein Rumficker!

Du hast keine Ahnung, womit ich es zu tun habe, ja?

Ich habe andere Probleme! Ja. Ich habe die Wäsche gefunden.

Von einem deiner Probleme! Und ihre Schminke und ...

Ich hasse dich!

Du glaubst, das ist von einer Frau? Ja.

Das ist nicht von einer Frau. Das ist von meinem Sohn.

He, Paps!

Hallo! Hallo.

Sag mal, hast du getrunken?

Du bist ja hackezu!

Ich war mit den Mädels unterwegs. Wir haben auf die Kacke gehauen.

Ach ja? Das sagst du doch ...

Fräulein, ich weiß, was ich gesagt habe. Los, geh nach oben. Los!

Schlaf deinen Rausch aus.

Dein Sohn ist ein Transvestit?

Transgender.

Ja, ich weiß. Das ...

Das ist gewöhnungsbedürftig.

Das ist nicht gewöhnungsbedürftig, das ist abartig!

Sag mal, wie redest du über mein Kind? Wie bitte?

Wie du über mein Kind redest?

Raus hier! Komm, raus!

Lass dich nicht mehr blicken. Weißt du was? Du kannst mich mal!

Gib mir den Schlüssel.

Ich war noch nie so glücklich!

Tschüss! Wie mit dir! Ja. Tschüss!

Das tut mir leid, Papa.

Hier. Dann ist der Kater morgen nicht so schlimm.

Danke.

Weißt du, ...

ich habe mir immer vorgestellt, dass wir beide ...

mal eine Motorradtour durch Europa machen.

Oder mit einem Kanu auf den Amazonas gehen.

So Vater-Sohn-Sachen halt.

Du kannst doch mit mir als Mädchen Kanufahren.

* Tobias seufzt. *

Ich kann den Finn nicht einfach so gehen lassen, verstehst du?

Ich vermisse meinen Sohn.

(flüsternd:) Gute Nacht.

(tonlos:) Gute Nacht.

Schön, dass du mitkommst, Papa.

Du wirst sehen, das macht alles einen Sinn.

* Eine Gruppe singt "Happy Birthday". *

* Sie jubeln *

Aus dem Kokon, der Erik war, ist ein wunderschöner Schmetterling

namens Lara geschlüpft.

Alles Gute zu deinem 1. Geburtstag. - Danke schön!

* Sie lassen Lara hochleben. *

Tag!

Tag.

Sagen Sie, ahm ... heißt das, sie ...

Hatte ihre geschlechtsangleichende OP, richtig.

* Sie jubeln. *

Sie sind doch Tobias Wilke? Helens Vater? Ja.

Dr. Steffen Noack.

Tag.

Ich weiß, es ist alles viel und neu für Sie.

Aber schauen Sie sich Ihr Kind an.

Bislang ist der Prozess reversibel.

Wenn Helen sich entschließt, die Pubertätsblocker abzusetzen,

entwickelt sie sich ganz normal zu einem Mann.

Wenn wir aber zur Gabe

von gegengeschlechtlichen Hormonen übergehen,

in deinem Fall weiblichen, dann wird der Prozess irreversibel.

Das ist dann definitiv nicht rückgängig zu machen?

Dennoch bleibt eine Hormoneinnahme zeitlebens notwendig.

Aber das weißt du, Helen. Ja, ich weiß Bescheid.

Und was ist mit Nebenwirkungen oder Spätfolgen?

Herr Wilke, bevor die Therapie begonnen wird,

wird ein Risikoscreening durchgeführt.

Einschließlich ausführlicher Familienanamnese

und der Bestimmung relevanter Blutwerte.

Ich höre immer das Wort Risiko. Das ist mir egal.

Ich weiß, du kannst es immer noch nicht verstehen.

Aber ich habe so lange gewartet, um endlich ich zu sagen

und damit auch meinen Körper zu meinen.

Für mich gibt es kein Zurück.

Ich warte draußen.

* Es klingelt an der Tür. *

* Es klingelt nochmals. *

* Sie seufzt. *

* Jemand hämmert gegen die Tür. *

Tobias!

* Wieder Klingeln und Hämmern. *

Ja, ja!

Finn!

Ich weiß nicht, was in dich gefahren ist,

aber du hörst sofort mit dem Blödsinn auf!

Komm zur Vernunft, Junge!

Vater, Mutter!

Danke, dass ihr gekommen seid.

Hallo. Kommt rein.

Finnchen, ich weiß,

man soll nichts Schlechtes über Verstorbene sagen,

aber das ... hat deine Mutter dir angetan.

Wie oft habe ich gesagt,

dass Kerstin ihn verzärtelt und verweichlicht?

Das hat sie absichtlich getan. Mutter, das geht zu weit.

Ich habe immer gesagt, dass er sich nicht richtig entwickelt.

Jetzt halt den Mund, du hast keine Ahnung! Helen!

Finn, wollte ich natürlich sagen.

Man wird ganz kirre hier! Disziplin hat dem Jungen gefehlt.

Dein Taschengeld hast du dir selbst verdient.

Rasenmähen, Autowaschen und dann ab in den Sportverein.

Wenn du Finn an die Kandare genommen hättest,

wäre das nicht passiert.

Hört ihr euch mal selber zu? Disziplin! Kandare!

Worte wie Motivation und Spaß kennt ihr nicht!

Du siehst, wohin so viel Spaß führt!

Nein, du hast mit deinem Erziehungsstil restlos versagt!

Ich soll ihm anerzogen haben, dass er sich als Mädchen fühlt?

Was ist das für ein Schwachsinn? Soll das angeboren sein?

Junge, du bist Koch und kein Humangenetiker!

Komm, spar dir die Ironie, Vater. Du wolltest unsere Hilfe!

Ja, danke. Ich habe das Gefühl, dass wir gut alleine klar kommen.

Wie ihr meint.

* Tobias seufzt schwer. *

Opa?

Tschüss.

Diana? Tag, Herr Wilke.

Tobias. Ich dachte, so weit waren wir schon.

Bei unserer letzten Begegnung

haben Sie mir heftige Vorwürfe gemacht

und mir meine berufliche Kompetenz abgesprochen.

Das tut mir leid. Ich bin hier, um mich zu entschuldigen.

Ich kann Sie ja verstehen.

Es freut mich, dass Sie sich auf Helen einlassen können.

Hat sie jedenfalls erzählt. Ja.

Diana, einfach ist es nicht.

Mein Sohn will sich jetzt Brüste wachsen lassen.

Was soll ich dazu Sinnvolles sagen?

Verstehe.

Mir fehlt dazu irgendwie die ...

Die weibliche Perspektive.

Verstehe!

Kennen Sie außer mir keine Frauen? Doch.

Aber ich finde Sie irgendwie ... kompetenter.

So, so!

In drei bis sechs Monaten fängt's an.

Das hat der Arzt gesagt.

Und wie lange dauert es, bis die Brüste ausgewachsen sind?

Ewig! Zwei bis drei Jahre.

Bei mir ging es auch nicht schneller.

Wundere dich nicht,

wenn die Brustwarzen anfangs empfindlich sind. Ich weiß.

Und wie ist es mit Bartwuchs?

Nein!

Wie, keinen Damenbart?

Quatsch!

Ja, du lachst! Was meinst du, wie viele Frauen sich rasieren müssen?

Oder Waxen!

* Sie lachen. * Ja!

Vielen Dank. Es war wirklich köstlich.

Das freut mich. Aber ich habe zu danken.

Danke, dass Sie gekommen sind. Na klar. Also, gute Nacht. Nacht.

Bis morgen, Helen.

Bis morgen.

Sag mal, ...

weißt du eigentlich, auf wen du stehst? Also Männer oder Frauen?

Ist echt kompliziert. Ich weiß nicht,

irgendwie stecke ich noch mitten in dem Prozess zu verstehen,

wer ich bin und was ich will. Aha.

Und verrätst du es mir, wenn du es weißt?

Mhm!

Auf Diana.

Gut, Jonas!

Komm, Wilke. Du bist wieder im Tor!

Jetzt bleib doch mal stehen, Mann!

Wilke, wo ist deine Loyalität, hm?

Ich habe dich jahrelang in mein Team gewählt!

Kannst du mal kurz mit der beschissenen Rennerei aufhören?

Wilke, ich habe dich jahrelang in mein Team gewählt

und was haben die Weiber für dich getan? Nichts!

Also sein ein braves Wasweißichwas, Neutrum, Mädchen

und stell dich wieder in mein Tor. Von mir aus auch im Ballkleid.

Ja komm, dann fick dich halt!

Echt!

Global gesehen, haben wir Mädchen doch die Arschkarte gezogen.

Wir werden abgetrieben, zwangsverheiratet,

genitalverstümmelt, also ...

Krieg ich was zu trinken? - Bitte schön.

Und in den Klub willst du unbedingt aufgenommen werden?

Unbedingt.

Und das reicht dir, einfach nur ein Mädchen zu sein?

Nichts daran ist einfach für mich. Ja, okay. Schon klar.

Das klingt, als wärst du nicht gern ein Mädchen.

Ich bin ein Mädchen, basta.

Anders als du muss ich darüber nicht groß nachdenken.

Sag nicht, du hast dir schon mal gewünscht, ein Junge zu sein!

Hallo? Warum nicht?

Natürlich eckt man so als Mädchen dauernd an.

Deshalb hat Gott uns die Schönheit gegeben.

Die ist eine Waffe.

Mh!

* Sie kreischen und lachen. *

He, Mädels! Kein Verkauf von Alkohol an Minderjährige, ja?

Kommt zurück jetzt.

(flüsternd:) Ihr bleibt hier.

Mann, Mann, Mann!

Entschuldigung? - Ja?

Ist in den zuckerfreien Kaugummis wirklich kein Zucker drin?

Ich will keines Falls Karies bekommen. - Was ist los?

Bin ich Stiftung Warentest?

Mädels! Weg vom Schnapsregal habe ich gesagt!

Entschuldigung? Nervt mich nicht!

Ist in der fettarmen Milch wirklich kein Fett?

Ich muss auf meine Linie achten.

Sehe ich aus wie Ökotest oder was?

Ist das deine Freundin?

Ja?

Ist ein hübsches Mädchen!

Hier! Echte Möpse. Fassen Sie ruhig mal an.

Nein, lass mal!

Hier, ihr kriegt zwei Lollis.

* Sie kichern. *

Danke schön! - Bitte schön.

(lachend:) Chiquita!

Süße!

Spacken! He, kommt zurück!

* Sie jubeln und kreischen. *

He, bist du geil! Nimm deine Finger weg!

He, Baby!

(alle:) Hi! Na du?

(alle:) Fuck you!

* Die Alarmanlage des Autos geht los. *

Was zum Teufel ist hier los, Boris?

Vandalismus? Das sieht Helen gar nicht ähnlich.

Wie konnte denn das passieren? Es tut mir leid, Toby.

Louisa hat ihn reingezogen. Aber sie sagt das genauso aus.

Ist alles klar, ihr habt keinen Stress. - Tut mir leid, Toby.

Es tut mir leid! - Das reicht nicht, Madame!

Das gibt Hausarrest bis zu den Ferien. - Was? Ich bin über 12!

Ja, das sehe ich, dass du über 12 bist.

Du warst so ein süßes, unschuldiges Mädchen. Und jetzt?

Papa! Du darfst nicht zulassen,

dass Boris Louisa die ganze Schuld in die Schuhe schiebt.

Mit der Schuldfrage wird man sich noch zu befassen haben.

Ich habe noch Fragen. Christa Mohr vom Jugendamt.

Nehmen Sie bitte Platz. Du bitte auch.

Ich interessiere mich

für die Diskrepanz zwischen dem hier und allen übrigen Dokumenten,

in denen Ihr Kind als Finn Wilke,

männlichen Geschlechts geführt wird.

Ich habe doch gesagt ...

Bitte? Ja, ist ja gut.

Also zu dem ganzen Papierkram sind wir noch nicht gekommen.

Ich dachte, es reicht,

wenn wir uns direkt vor der OP darum kümmern.

OP?

Ja, Helen, also d.h., Finn, ... Er ... Sie also ... doch er.

Er hat vor, sich in einem Jahr umoperieren zu lassen, zu Helen.

Ich hoffe, das war irgendwie verständlich.

Haben Sie sich kompetente Hilfe und Beratung geholt haben,

bevor Sie sich dazu entschlossen haben? Klar!

Ja, klar.

Kommen Sie bitte morgen in meine Sprechstunde

und bringen Sie alle relevanten Unterlagen mit.

(tonlos:) Ja.

Wiedersehen. Wiedersehen.

Tschüss.

Okay, das war ... schon mal nicht schlecht ... für den Anfang.

Es geht noch nicht nach Hause. Nein?

Ein Problem damit? Hier lang. Okay.

Oh! Oh weh.

Hi, Tobias! He!

He! Läufst du öfter hier? Ich habe dich noch nie ...

Entschuldigung, wir waren beim Du? Ja.

Also, ich muss ...

Was dagegen, wenn ich ... Nein.

Hast du das Gutachten von Dr. Noack dabei? Ja.

Diana meint, das Ganze ist reine Formsache.

Sollte nicht länger als 10, 15 Minuten dauern.

Darf ich vorstellen, Frau Maier von der Familienberatung,

unser Mediator, Herr Kirchner,

Herr Kohlhaas vom allgemeinen Sozialdienst

und Frau Ludwig vom schuldpsychologischen Dienst.

Frau Ludwig hat sich trotz vieler Termine bereit erklärt,

zu uns zu kommen, nachdem in ihrer Abteilung

eine Akte aufgetaucht ist. Was für eine Akte?

Die Akte Finn Wilke.

Ihre Frau hat vor neun Jahren

den schulpsychologischen Dienst aufgesucht.

Sie war wohl unsicher,

wie sie mit Finns Verhaltens- auffälligkeiten umgehen sollte.

Tja, wie sich nun herausstellt,

ist mein Sohn kein Sohn, sondern eine Tochter.

Ich löse das Kaffeekränzchen höchst ungern auf,

aber ich muss zur Arbeit und Helen ...

Zu dem Diebstahl und den Sachbeschädigungen

in erheblicher Höhe,

die durch Finn begangen, beziehungsweise verursacht wurden,

kommen wir noch, Herr Wilke.

Es geht jetzt darum, Finns psychosoziale Ausgangssituation

noch einmal einer genauen Prüfung zu unterziehen,

bevor von unserer Seite aus

eine Einwilligung zur OP erteilt werden kann.

Ja, will heißen?

Wir beauftragen ein psychiatrisches Gutachten.

Und wenn wir nicht einwilligen?

Dann wird ein stationärer Aufenthalt von Finn unumgänglich.

Stationär? Ja.

Sie meinen, in die ... In die Jugendpsychiatrie.

(Helge:) Mach mal ein bisschen hin! (Boris:) Entspann dich!

Die wird kalt! - Toby!

Toby, komm! Es gibt Essen.

Was anderes als bei dir.

Kommt rein.

Die wollen mein Kind in die Klapse stecken!

Quatsch, die machen ein paar Tests.

Die macht Helen mit links. - Sie war immer total schlau.

Ja, die Intelligenz hat sie von ihrer Mutter.

Ich vermisse sie sehr.

Auf Kerstin.

Dass ich sie mit der Sorge um Helen allein gelassen habe,

das ... das tut mir so leid!

Mit den ganzen Problemen und dem Mist und ...

Ich war nicht da als sie mich gebraucht hat. Toby, hör auf!

Du hast es nicht gewusst!

Mein Vater hatte recht. Ich habe auf ganzer Linie versagt.

Als Vater und als Mann. (Boris:) Hör auf!

Du kennst deinen Vater,

der ist der Letzte, der das beurteilen kann!

Wollt ihr das nicht kapieren? Wenn ich den Termin versaue,

nehmen die mir mein Kind weg! Dann habe ich nichts mehr! Nichts!

Die haben was gesagt?

Die können dich in die Psychiatrie stecken?

Du musst mir sagen, was ich machen soll.

Ausgerechnet ich?

Ich bin die richtige Adresse, wenn du Probleme bekommen willst!

Nicht, wenn du die Lösung für eines brauchst. Komm schon!

Ja, okay.

Die machen Toby Stress, weil du als Mädchen rumläufst.

Und sie glauben, dass er mit dir überfordert ist.

Tja, es tut mir leid, aber mir fällt da nur eine Lösung ein.

Herr Wilke? Ja.

Sie sind allein? Entschuldigen Sie ...

Ich kann eine Anamnese nur in Anwesenheit des Kindes erstellen.

Entschuldigen Sie bitte meine Verspätung.

Aber ob Sie es glauben oder nicht, ich hatte nichts anzuziehen.

Ich gehe mal voraus.

Sag mal, warum tust du das?

Mein Vater hatte recht.

Es war einfach nur eine Phase.

Herr Wilke, was meinen Sie denn dazu?

Ja, ich weiß auch nicht.

Ich hatte gerade begonnen, mich an Helen zu gewöhnen.

Ich will einfach nur, dass alles wieder so wird, wie es war.

Aber das kann es nicht!

Und das wird's auch nicht.

Und das ist okay!

Wir ziehen das gemeinsam durch.

Egal was passiert, okay?

Ich bin nicht Helen.

Ich bin Finn.

Ja, das ... war's dann wohl, oder?

Ich denke, ich kann mit meinem Sohn gehen, Frau Doktor.

Selbstverständlich! Ich führe nur die Diagnostik durch.

Niemand wird gegen seinen Willen festgehalten.

Wiedersehen. Wiederschauen.

Jetzt kann uns keiner mehr was, Papa.

Nicht, solange ich Finn bin.

Ich möchte keinesfalls, dass ... Ich war 16 Jahre lang Finn.

Ich kann's wieder sein.

Alles okay?

Mach mir bloß keine Schande! Was?

Na, bei dem Date heute. Mit Diana.

Ich erwähne Kerstin erst nach dem Signal,

ohne vorher auf die Uhr zu starren.

Keine Monologe darüber, wie lange wir zusammen waren. Geht doch!

Und wohin geht's für dich heute Abend?

Schuldisco. Jasmin und Adrian wollen, dass ich komme.

Ah, Jasmin! Ja?

Ja, okay.

Los, hau auf die Kacke!

(tonlos:) Toi, toi, toi!

* Einige jubeln laut. *

He!

Los, komm tanzen!

Nein, nicht. Oh, komm schon!

Nein! Oh, Mann!

Kaum bist du ein Junge, bist du wieder voll der Langweiler!

Was hast du erwartet?

Dachtest du wirklich, dass sie deine Freundin ist?

Die ist nur auf Party aus, sonst nichts.

Dafür hast du dich nicht für mich interessiert, als ich Helen war.

Ist nicht wahr, ich ... Wo ist Adrian?

Ich wollte dich hassen, Finn.

Aber ich konnte es nicht.

Ich bin froh, dass du wieder da bist.

Du hast mir gefehlt.

Finn hat dir gefehlt.

Lass uns gehen!

Komm!

Dann habe ich schon schwer überlegt.

Fünf Jahre Beziehung schmeißt man nicht einfach weg.

Alles stehen und liegen lassen

und nach Santiago de Chile? Ich war in der Ausbildung.

* Seine Uhr piept. *

Entschuldigung? Deine Uhr piepst.

Entschuldigung.

Hat das irgendwas zu bedeuten? Musst du weg? Nein, nein.

Erzähl weiter.

Na ja, dann ging es ...

He! Hm?

Finn! Was denn?

Mach's sanfter, okay? Okay. Langsam.

Aua, du tust mir weh.

Au! Du tust mir weh!

Ey, was ist denn los mit dir?

Ich will doch nur, dass alles wieder so wird, wie früher!

Dass alles wieder so wird, wie es war.

Warum kann nicht alles so sein wie früher?

(weinend:) Warum kann nicht alles sein wie früher?

He! Hier ...

Du Arsch!

Du willst sie doch gar nicht!

Fuck!

* Finn schluchzt. *

Finny?

* Man Finn ihn schluchzen. *

Finny, ist alles okay?

FINNY!

Was machst du denn?

* Finn weint laut. * Komm, ist gut, ist gut, ist gut!

* Das Gesprochene wird von Musik übertönt. *

* Die Menge jubelt. *

Seid mal ruhig!

Ich möchte was sagen.

Ich habe lange, viel zu lange, nix verstanden.

Wenn ich eins gelernt habe,

dadurch, dass mein Kind anders ist als andere, dann das:

Das Leben ist eine einzige Entdeckungsreise.

Und Helen, ich werde den Teufel tun,

jemals wieder jemandem anderen die Reiseleitung zu überlassen.

Ab jetzt geht meine Tochter vorweg und ich folge ihr.

Auf ihrem Weg.

So, jetzt gibt's Kuchen!

Drei, zwo, eins ... Los!

* Alle jubeln. *

Nicht jeder kriegt den unfallfrei hin.

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