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Original subtitles

(dĂŒsterer, mystischer Kehlgesang)

(Pulsierender Rhythmus setzt ein.)

(Kehlgesang und pulsierende Musik)

(Musik schwillt an.)

(Er Àchzt.)

(Ächzen)

(leise, spannungsvolle KlÀnge)

(entfernte Jahrmarkts-Musik)

Danke.

(Stimmengewirr, entfernte Jahrmarkts-Musik)

(TV)...erleben die Menschen den geplanten Aufbau Ost

ĂŒberwiegend als das genaue Gegenteil.

Betriebe werden geschlossen, Industrien in andere Regionen verlagert.

Der Konjunktur-Abschwung ließ im ganzen Osten...

Patrick Stein.

Oh, wir dachten, Sie kommen nicht mehr.

Es stand 'ne Kuh im Weg. - (Sie lacht.)

Ihr Zimmer haben wir schon vergeben. - Und jetzt?

Schlafen Sie bei Ihrem Kollegen im Bett. Der ist schon da.

Ich sag Ihnen Bescheid, wenn wieder was frei wird, ja?

(N)...sagte Waigel, er sei bereit, Kompromisse einzugehen,

sie mĂŒssten aber vernĂŒnftig sein.

Der Ausweg in die Schuldenfalle sei mit ihm nicht zu machen...

Hallo?

(TĂŒr quietscht.)

(Er schreit auf.)

Polizei. Pech gehabt. - Ich auch. Patrick Stein.

Ich hab kein Zimmer mehr bekommen. - Ausweis?

Rechte GesĂ€ĂŸtasche. (Er stöhnt.)

Entschuldige. Kenne keinen Polizisten, der so mies kÀmpft.

Ich hab andere QualitÀten. - Mhm. Markus Bach, Hauptkommissar.

Polizei Görlitz.

Sag Markus. Ich mag das Gesieze nicht.

Wir mĂŒssen morgen frĂŒh raus. Wir essen noch was und gehen schlafen.

(Frau) Ich vermisse dich jetzt schon. - Ich dich auch. Sehr.

(seufzt) Ey Mann...

Wie geht's dem Kleinen im Backofen? - So weit okay.

Was sagt der Arzt? Heute war Vorsorge. - WĂ€rst du da gewesen, wĂŒsstest du's.

Mir passt das auch nicht. - Sag halt mal Nein.

Er ist der PolizeiprÀsident!

Ich war keine halbe Stunde in Rostock, da wurde ich schon weitergeschickt.

In dieses verdammte Kaff hier. - Patrick, du nimmst das zu persönlich.

Die ganze FĂŒhrungsetage erscheint mir korrupt.

Ich muss Schluss machen. Schlaf gut. - (Polizist) Hallo.

Leg dich nicht wieder mit allen an. - Zur Geburt bin ich da, versprochen.

Patricia ist die Ältere. Sie ist 17. Nadine ist 15, glaube ich.

16. - (Bach) Sag mal, Meli

machst du mal die Luft raus?

Danke schön. - Wo wurden sie zuletzt gesehen?

Am Ortsausgang. Ihr Vater ist FĂ€hrmann ĂŒber die Neiße.

Sie wohnen außerhalb von Löwitz und gingen vom Jahrmarkt nach Hause.

Eine Nachbarin sah sie gegen Mitternacht in ein Auto steigen.

Sie hat die MĂ€dchen als Letzte gesehen. - Das Auto, welche Marke?

Vermutlich VW Golf.

Modell? - Keine Ahnung.

Sie war sich nicht sicher. - Wie lange ist das her?

Zwei Tage.

Leckere WĂŒrstchen. Gibt's einen Fleischer im Ort?

Mhm. - Und der Senf? - Bautz'ner.

Können die Westler nicht. Können sie einfach nicht.

Sind sie zum ersten Mal weg? - Na ja, sie haben einen Ruf.

Aber sie waren immer vor eins zu Hause. - Was fĂŒr einen Ruf?

(Polizist) Na ja, einen Ruf halt. Sie wissen schon.

Nein. ErklÀren Sie es mir.

Die amĂŒsieren sich halt gern. - Und Sie nicht?

Es sind Flittchen. Weiß hier jeder.

Gibt's noch 'nen Korn?

(Stimmengewirr, Kreischen)

(Bach) Noch mal zehn. FĂŒr beide.

Zieh nicht so 'nen Flunsch. Das hast du dir selber eingebrockt.

FĂŒr ein paar Gramm Koks nimmt man nicht den Bruder des Chefs hops.

LĂ€uft das hier so? - Bei euch auch, wie es scheint.

Da hast du recht. Die DDR ist voller Staatsverbrecher.

Aber im Westen ist mit Verbrechen gut Staat zu machen. - Stimmt.

Ihr Westler kauft uns dummen Ossis das Land weg mit der Verbrecherkohle.

Wenigstens hat die Spitzelei ein Ende. - Jaja, trÀum weiter.

Jedenfalls darf ich zur Belohnung mit dir ermitteln.

In den blĂŒhenden Landschaften. - Kein Enthusiasmus fĂŒr den Aufbau Ost?

Aber klar doch. Das wird super. "Deutschland einig Vaterland."

Dich hat dein Zynismus hergebracht, hm? - FĂŒr mich ist das hier keine Strafe.

Ich bin kein toller West-Kommissar, der den Helden spielen will.

(Schuss)

Nein, du hÀngst lieber in Bars rum und zockst Nutten ab, was man so hört.

PH'. was hast du noch ĂŒber mich gehört'?

Reicht doch.

KĂ€mpfen kannst du nicht. Und schießen kannst du auch nicht.

Ich nehme den Wein und zwei Becher, bitte.

Nur einen Becher.

Stimmt so. Gute Nacht.

Gute Nacht - Ich schlaf am Fenster. - Ja.

Prösterchen.

(Es lÀuft sanfte Popmusik.)

Äh, Sigi, was trinken die denn dahinten?

Wodka. - Ich geb 'ne Runde.

Reicht das?

So geht auf mich.

Wie, wie spÀt ist es denn?

SpÀt. Steh auf.

Ich hab deinen Wagen aus dem Sumpf ziehen lassen. Ist in der Werkstatt.

Morgen kannst du ihn abholen. Man hat uns einen Wagen geliehen.

(Durchsage) Freunde und MitbĂŒrger, kommt alle morgen zum VEB

und unterstĂŒtzt unseren Streik fĂŒr sichere Arbeit und faire Löhne.

Der Niedergang des VEB wÀre der Niedergang von Löwitz...

Ich hab gehört, dass die MÀdchen hier wegwollten.

Von wem? - Die Leute reden gern.

Wenn sie besoffen sind.

Ja, hier.

Und wo wollten sie hin? - Einfach weg.

Die beiden hatten angeblich viel Streit mit ihrem Vater.

(spannungsvolle, beunruhigende KlÀnge)

(Hund bellt.)

Sch!

Katharina!

Katharina, bring den Herren zwei Bier.

(leise) Guten Tag. - Guten Tag.

Guten Tag.

(unheimliche KlÀnge)

Oh, das ist aber lieb.

Danke schön. - Bitte.

Was riecht denn hier so gut? - Ragout fin.

Mit Worcester-Soße?

Ja, seit kurzem gibt's ja auch echte zu kaufen.

Was wollen Sie wissen? - Wo ist das Zimmer der MĂ€dchen?

(Stein) Darf ich?

Haben Sie eine Ahnung, wo sie hingegangen sein könnten?

Gab es Ärger?

Wissen Sie, ob etwas fehlt? - Ein Sparbuch, das den MÀdchen gehörte.

Kleidung.

Wissen Sie, warum sie wegwollten?

Meine MĂ€dchen wollten nicht weg. - (Bach) Hm...

Wurden Ihre Töchter bedroht?

Neues Auto? - (Vater) Gebraucht gekauft.

Keine Lust mehr auf den alten Trabi, hm? - Ich hatte kein Auto.

15 Jahre Wartezeit. Was wollen Sie hier?

Wir wollen Ihre Töchter finden. - Ach was.

Niemand interessiert sich fĂŒr meine MĂ€dchen.

Hier. Das hab ich aus dem Ofen gefischt.

Wenn er das rausbekommt, bringt er unsere MĂ€dchen um.

Er schÀmt sich schon so wegen ihnen.

(dĂŒstere KlĂ€nge)

Waren sie allein unterwegs oder mit jemandem zusammen?

Hm?

Eure Freundinnen sind verschwunden. Ist euch das egal?

So, jetzt macht euer Maul auf.

Sonst könnt ihr in der Zelle ĂŒberlegen, ob euch was einfĂ€llt, also...

Waren die Schwestern allein?

Ja.

Hast du mit ihnen gesprochen? - Sie waren weit weg.

Wir waren spÀter kurz zusammen.

Am Autoskooter. Danach sind wir heim.

Das war kurz vor Mitternacht, weiß ich genau.

Wo habt ihr euch getrennt? - An der Kreuzung am Ortsausgang.

Sie mĂŒssen ein StĂŒck weiter als wir, zum FĂ€hrhaus.

Wisst ihr, ob sie einen Freund haben? - (zögernd) Nein.

(Bach) Sie wollten weg von hier. - Wer will das nicht?

Ich will nicht weg. - (MÀdchen) Du bist ganz schön blöd.

Und du bist nur neidisch.

Haben sie erzÀhlt, wohin sie wollten? - Wo es besser ist als hier.

Kennt ihr einen Freund, der einen Golf hat? In Blau?

Vielleicht hat Corinna was gesehen. Die alte Frau wohnt am Ortsausgang.

(Klacken)

(kichernd) Der schöne Charlie! - Was habt ihr?

Der Freund von ihr ist da.

Können wir jetzt gehen?

Ja.

(dĂŒstere KlĂ€nge)

Der schöne Charlie.

(Bach) Ihr Sohn? - Ja.

Er ist vier Wochen nach dem Mauerfall weg nach MĂŒnchen, wegen Arbeit.

(Bach) Und das? - Meine Tochter Elvira.

Sie studiert in Leipzig. Und das ist mein JĂŒngster.

Er ist vor zwei Monaten weg nach Berlin wegen Arbeit.

Sagen Sie mir bitte noch mal, was Sie gesehen haben.

Dahinten beim Ortsschild hat er angehalten.

Haben Sie gesehen, wie viele Leute im Auto waren? - Nein.

Wurden die MĂ€dchen gezwungen, einzusteigen?

Ich denke, sie kannten den Fahrer.

Ich habe Lachen gehört. - Wer hat gelacht? Der Fahrer?

Oder die MĂ€dchen?

Äh ja.

Aber der Fahrer war definitiv ein Mann?

Ich hab ein paar Skizzen gemacht.

Das hier ist ein Golf I mit rechteckigen Heckleuchten.

Das hier ein Golf II mit abgerundeten Heckleuchten.

Na, darauf habe ich nicht so geachtet.

Ich denke der.

Der? Golf II.

(Auto hupt und rast vorbei.)

Wer sind die? - (Corinna) Kurzarbeiter aus Polen.

Unsere Kinder haben keine Jobs, weil die fĂŒr ein Drittel arbeiten.

Vielleicht wollen Ihre Kinder so eine Arbeit gar nicht mehr machen?

Sie kennen ihn. Bestimmt ist er von hier.

Oder er ist ein Saisonarbeiter, der jedes Jahr kommt.

Oder es ist jemand, der auf dem Jahrmarkt arbeitet

und regelmĂ€ĂŸig hier ist.

Der Vater der MĂ€dchen hat einen Golf II in Schwarz.

Stand hinterm Haus. Nachts wird Schwarz zu Blau.

Anthrazit und Grau gibt's hÀufig.

Hören Sie. Da ist jemand, der will mit Ihnen reden.

(spannungsvolle, rhythmische KlÀnge)

(mystischer Kehlgesang)

Angelique ist Hellseherin. Sie sieht Dinge.

Wenn sie schlÀft, redet sie mit den Toten.

(mystischer Kehlgesang)

Setzt euch.

Hab heute Nacht mit meiner toten Mutter gesprochen.

Gott hab sie selig. Sie hat die beiden MĂ€dchen gesehen.

Bei dem Bauernhof zwischen Dallgow und Löwitz.

Das Gesindehaus am Abzweig nach Pritt.

Was ist? (dĂŒstere Musik)

Nichts.

(sphĂ€rische, bedrĂŒckende KlĂ€nge)

(Poltern) - (Bach) Patrick, komm mal her!

(bedrohliche, pulsierende KlÀnge)

(anschwellender Klang)

(schriller, unheimlicher Klang)

Helft mir mal, ich hol sie raus.

Habt ihr mich? - (Polizist) Ja.

(Ă€chzend) Es reicht nicht. Noch tiefer. - (Polizist) Vorsicht.

(Stein Àchzt.)

Noch ein StĂŒck.

(Ă€chzend) Vorsicht. Ja.

Ich hab... Noch ein StĂŒck.

Ja. Ich hab sie! - (Polizist) Hast du sie? - Ja.

(spannungsvolle, dissonante KlÀnge)

(dĂŒstere, pulsierende KlĂ€nge)

(Klappern)

(Stein) Bleib stehen!

Nicht schießen! Bitte! - Wieso lĂ€ufst du denn weg?

Ich... Ich hab doch keine Jagd-Erlaubnis.

Woher bist denn du? - Aus Löwitz.

(Stein) Ach steh auf.

Wie heißt denn du? - Richy.

Also, Erich Horn. Aber alle hier nennen mich Richy.

Kennst du mich noch von der Bar? - Von dem Wodka brummt mir der SchÀdel.

Wie kommst du hierher? - Na, zu Fuß.

Sehr weit vom Dorf. - Ich kenne die Pfade.

Hast du jemanden gesehen? Im Gesindehaus?

Ich mag den Ort nicht. - (Polizist) Hey, du Idiot!

(Bach) Was kriegst du fĂŒr das Schwein? - Zehner das Kilo.

Du verkaufst das nicht. Lass es zubereiten.

Mit einem Salat dazu. Du schuldest uns was.

(Stein) Lauf. Lauf!

(Polizist) Verpiss dich!

Verdammtes Arschloch! Verschissener Penner!

Habt ihr was rausbekommen?

Nichts. - Und im Brunnen?

MĂŒll. Sonst nichts.

(Pfiff) (Mann ruft) Hier drĂŒben!

(Bach) Nadine.

Patricia.

Geh mal ins Auto. Ich hab da mein Notizbuch vergessen.

(leise, beunruhigende KlÀnge)

(KlÀnge schwellen an.)

(Stein ĂŒbergibt sich.)

Wo war denn das? - Da unten.

Warum legst du es dann hierhin? - Na, zu den anderen Sachen.

Damit nichts verloren geht.

Ich kann's auch wieder zurĂŒckbringen. - Nein, fass einfach gar nichts mehr an.

(Mann) Na los, berichten Sie.

Mehrere Verletzungen am Brustkorb. Ein paar Schnitte.

Vermutlich Stichwunden.

Schwere Verbrennung an der linken Hand.

Sie wurde auf jeden Fall gefesselt, ĂŒber lĂ€ngere Zeit.

(flĂŒstert) So was haben wir sonst nicht. - Und die zweite Leiche?

Schnittwunden am Hals, Abdomen, Brustkorb.

Hand links, drei amputierte Finger. Anzeichen vaginaler Verletzungen.

Sie wurde wahrscheinlich vergewaltigt, wie ihre Schwester.

Helfen Sie mir mal, den Körper umzudrehen.

(Ächzen)

Auch am Anus schwere Verletzungen.

So, wie die Körper angeschwollen sind,

waren sie ein bis zwei Tage im Wasser.

Am Nacken finden sich Brandwunden.

Die kleineren Verletzungen stammen wohl von Kleintieren.

Wohin fĂŒhrt dieser Weg? - Zur KlĂ€ranlage.

KlÀrt den Schiet von Löwitz, Dallgow, Pritt und Bednarz.

(Kamera klickt.)

Hey! Hey, hey, hey. FĂŒr wen sind die Fotos?

Hey! - "Barnimer Tagblatt".

Wer hat dich angerufen? - Quellenschutz.

Verschwinde. - Ich kann helfen.

Verschwinde, du Aasgeier. - Geben Sie mir Informationen! Hey!

Das ist jetzt ein freies Land.

Pressefreiheit. Schon mal gehört? - Ja, morgen wieder.

Kommen Sie mal, Herr Stein.

Na, kommen Sie.

(leise, spannungsvolle KlÀnge)

KlĂ€ren Sie das schnell auf, und zwar mit Ă€ußerster Diskretion.

Wir haben schon genug Ärger mit dem ganzen...

Mit dem Streik. Wir brauchen nicht noch mehr Chaos.

Nicht noch mehr Verunsicherung, hm?

Kommen Sie, wir fahren. Zentrale in Rostock.

Wir mĂŒssen Bericht machen.

(Bach flĂŒstert) Sie wurden nicht hier ermordet.

(Stein) Er hat sie aus dem Auto geworfen.

Es gibt zwei Reifenspuren. Die wollten zur KlÀranlage und drehten hier um.

Vielleicht hat er jemanden gesehen und wurde nervös.

Vielleicht war er nicht allein.

Ihr benachrichtigt die Eltern. Euch kennen sie. - Nein.

Macht ihr das. Wir begegnen denen jeden Tag.

Ihr seid bald weg. Aber wir mĂŒssen hier weiterleben.

Ich mach's.

(spannungsvolle, bedrĂŒckende KlĂ€nge)

(unverstÀndlich)

(Mutter schluchzt.)

(Mutter weint heftig.)

(spannungsvolle, bedrĂŒckende KlĂ€nge)

(Stein) Danke.

(elektronische Musik)

Bringst du den Herren dahinten 'ne Flasche Wodka? Ich zahle.

So, mein Kleiner, ab ins Bett.

(TV) Die Löhne im Osten liegen nur bei 82 Prozent des Westniveaus...

Ah, hallo! Ähm, das ist heute fĂŒr Sie angekommen.

Und, Herr Stein, Ihre Frau möchte, dass Sie sie zurĂŒckrufen.

Danke.

(N) Im letzten Jahr ist die Bevölkerung im Osten um sechs Prozent geschrumpft,

Ostberlin ausgenommen.

Dieser Trend sei inzwischen gestoppt, sagt der Ost-Beauftragte der Regierung.

Er sieht jedoch trotz aller Erfolge auch viel Skepsis und Unzufriedenheit.

Dabei sei die grĂ¶ĂŸte Herausforderung der demografische Wandel,

der den Osten frĂŒher und hĂ€rter treffen könnte.

Manchen Regionen droht eine regelrechte Vergreisung...

(bedrohliche KlÀnge)

(schrille, bedrohliche KlÀnge)

(Jemand hĂ€mmert an die TĂŒr.)

Ein Mann will Sie sprechen. Er ist betrunken und hat ein Gewehr.

(leise, pochende KlÀnge)

Wer seid ihr?

(Stein) Wir sind von der Polizei.

Ihr seid keine Bullen. Was wollt ihr hier?

Wir schlafen nicht in Uniform. - Bleib weg!

(Stein) Willst du meine Marke sehen?

Bleib weg. - Ich zeig dir jetzt meine Marke.

Siehst du?

Hier. Jetzt gib uns dein Gewehr.

Sie ist nicht geladen.

Es tut mir leid. Wir mĂŒssen mit jemanden reden.

Sie war meine Freundin.

Er hat sie umgebracht.

Theresa.

Meine Freundin ist auch vor einem Jahr verschwunden.

Wie seine.

Er tötet sie, zerstĂŒckelt sie und wirft sie in den Fluss.

Deswegen hat man auch nur ihren Fuß gefunden.

(Bach) Was denn fĂŒr einen Fuß? - Es war ihr Schuh.

Ich weiß es!

Ich hab ihr die Schuhe vor zwei Jahren auf dem Jahrmarkt gekauft.

Sie hat gesagt, dass sie zurĂŒckkommt. - (Bach) Von wo?

Berlin. Sie hatte Arbeit gefunden in 'nem vornehmen Hotel.

Sie wollte zurĂŒckkommen.

Sie hat mich geliebt.

Niemand bringt sich mit 'nem Koffer in der Hand um.

Es war ihrer. Man hat ihn treibend im Fluss gefunden.

Rolf.

Wer, glaubst du, war das?

(dĂŒstere KlĂ€nge)

(Er seufzt.)

(Er stöhnt.)

(Tröpfeln)

(Er keucht heftig.)

(Er stöhnt leise.)

(dĂŒstere KlĂ€nge)

(Schnabel-Klappern)

(dĂŒstere, bedrohliche KlĂ€nge) (KrĂ€chzen)

(KrÀchzen)

(DĂŒstere KlĂ€nge schwellen an.)

Wir kamen erst spĂ€t zurĂŒck. - (Frau) Was heißt spĂ€t?

Na ja, sehr spĂ€t heißt sehr spĂ€t. - Du denkst nur noch an die Arbeit.

Fang nicht damit an. - Dir ist alles andere egal.

Mensch, ich arbeite hier! - Bleib ruhig.

Ich bin ruhig. Du bist nicht ruhig! - Guten Morgen!

(Stein) Wie, Krankenhaus? Was ist denn passiert?

(Frau) Zur letzten Untersuchung. Weißt du das nicht mehr?

(Stein) Ah.

Ich stehe hier so unter Druck. Mein Kollege ist ein merkwĂŒrdiger Vogel.

Tut mir leid. Ich will nicht stressen. - Ich ruf dich an.

(leise, spannungsvolle KlÀnge)

Ja, wir haben von dem Vorfall letzte Nacht gehört.

Was ist dran am Verschwinden von Theresa, Rolfs Freundin?

Das MĂ€dchen war krank im Kopf. Kein Wunder, dass die ins Wasser ging.

Mit Koffer? - Wurde die Leiche je gefunden?

Der Fluss ist lang. - Und der abgetrennte Fuß?

Mal die Schiffsschraube von einem Kohle-Transporter gesehen?

Wer ist Katrin?

Ein MĂ€dchen, das das Dorf verlassen wollte und es auch getan hat.

Der Autopsiebericht ist angekommen.

Und eine Liste aller VW Golfs, die in der Gegend gemeldet sind.

Alles wie heute Morgen besprochen. - Mhm.

Sag mal, schlÀfst du auch manchmal?

Sperma-Spuren auf den StrĂŒmpfen von Patricia. Gruppe AB.

Die haben Messer und Kneifzangen benutzt.

Wir mĂŒssen uns diesen Koffer von Theresa anschauen.

Ein Fischer hat ihn nahe des FĂ€hranlegers gefunden.

Laut Gerichtsmedizin war es eine Schiffsschraube.

(spannungsvolle Musik)

(Bach) Hm...

Niemand aus Theresas Familie wusste, dass sie weggehen wollte.

MerkwĂŒrdig.

Das lag doch auch im Zimmer der Schwestern.

Wir mĂŒssen mit den Angehörigen sprechen.

(spannungsvolle Musik)

(Bach) Na, Richy, nicht auf der Jagd?

Wir suchen das Haus von Rolfs Freundin Theresa.

Wir können es auf der Karte nicht finden.

Was ist fĂŒr mich drin?

(Bach knurrt.) Mann, Mann, Mann.

Hab doch gesagt, dass hier keiner mehr wohnt.

Hey.

Soll ich aufmachen?

(Fliegen summen.)

(leise, spannungsvolle KlÀnge)

Wie es aussieht, sind sie weg. Von jetzt auf gleich.

Die sind weg, als ihre Tochter in den Fluss gegangen ist.

Wollten danach ihr Haus nicht mehr betreten.

Hab gehört die sind jetzt irgendwo in Ungarn.

(spannungsvolle KlÀnge)

Kennst du die?

Das ist eine der toten Schwestern, Patricia.

Und das ist Theresa.

Und Katrin, die ist auch weg.

Und das ist Charlie.

"Drei Engel fĂŒr Charlie".

(Richy kichert.)

Weißt du, wo Katrin wohnte?

(Richy) Bei den Fischen.

Sie war die Erste, die vor ein paar Jahren weg war.

Wohnte noch bei ihrer Mama.

Gleich sind wir bei der Fischfarm.

(Bach) Weit draußen. Wie die anderen MĂ€dchen.

(melancholische Musik)

Na, du Flitzpiepe. Wie heißt denn du?

Markus. Und du?

Markus.

Oma!

Oma!

(Frau) Vor drei Jahren ist sie weg, als Jahrmarkt war.

Das hat sie von mir.

Das bringt ihr GlĂŒck, hat sie gesagt. - (Stein) Schön.

Na, Markus?

Willst du den Herren mal sagen, wer das ist?

Meine Mami. - Genau.

Wie alt war er, als sie ging?

Nicht mal ein Jahr.

Sie hat nicht gesagt, wohin?

Arbeit suchen in Berlin.

Sie hat gesagt, sie kommt zurĂŒck, wenn sie was gefunden hat.

Sie könnte ihre Meinung geÀndert haben. - Was?

Sie könnte ihre Meinung geÀndert haben! - Haben Sie Kinder?

Fast. Seine Frau ist schwanger.

War irgendetwas ungewöhnlich, bevor sie verschwand?

Sie war sehr traurig,

weil Charlie sie verlassen hat.

Charlie? - Ja, Charlie!

Der schöne Junge aus Bednarz.

(Bach) Ging sie noch zur Schule in Löwitz?

Na klar. Sie wollte ja studieren.

Deswegen hat sie zusÀtzlich auf der Abendschule

gelernt.

(Bach) DĂŒrfen wir uns ihre Schulsachen ansehen?

Danke schön.

(leise, beunruhigende KlÀnge)

(Bach) DĂŒrfen wir uns das ausleihen?

Aber verlieren Sie das nicht.

Sie wird es brauchen, wenn sie zurĂŒckkommt.

(dĂŒstere KlĂ€nge)

(Pausen-Klingel)

(Rabe krÀchzt.)

(dĂŒstere, bedrohliche KlĂ€nge)

(dĂŒstere, bedrohliche Musik)

Was macht ihr hier? Wer seid ihr?

Wer seid ihr?

Ist gut, ist gut! Ist gut, es reicht. Keine falsche Bewegung.

Kanntest du Nadine und Patricia? - Ja.

Wie jeder hier. - Welche Beziehung hattet ihr?

Ich war mal mit Patricia zusammen. Aber das wisst ihr ja.

War sie nicht ein bisschen zu jung?

Zu jung fĂŒr was? - Und Nadine?

Wir waren gute Freunde. - Hast du Fotos von ihnen gemacht?

Seh ich aus wie ein Fotograf? - Willst du noch eine?

Wo warst du, als sie verschwanden? - Bei einer Freundin.

Braune lange Haare, 16 Jahre alt?

Was ist das? Ist das sein Geschmack?

Verdammter Wichser! - Ey!

Ist gut. Ey, ist gut. Ist gut, es reicht. Ist okay!

Ist okay. - Also, wo warst du?

Bei Nicole, die ganze Nacht. - Woher kennst du die?

Kenn ich nicht.

Und die? - Kenn ich auch nicht, tut mir leid.

(Stein) Du bist auf dem Foto. - Hab sie wohl getroffen an dem Abend.

Kann ich jetzt gehen? - Verpiss dich.

Aber das ist mein Messer.

Dann hol's dir. Tu mir den Gefallen, komm.

Hm?

(Stein) Sie waren alle gleich alt. - Viel zu jung.

Sie sind alle wÀhrend dem Jahrmarkt verschwunden

1989, 90, 91 und jetzt.

Alle nach dem Mauerfall. - So was gab's schon vorher, glaub mir.

Morde wurden hier gern unter den Tisch gekehrt.

Gab's ja nicht im Sozialismus.

Das wĂ€re schon ein großer Zufall, wenn alle MĂ€dchen gerade dann weggehen,

wenn hier endlich mal was los ist.

Zum Jahrmarkt sind viele Leute im Ort. Es wird mehr getrunken.

Es dauert, bis jemand vermisst wird. Man lernt leichter Leute kennen.

Alle MĂ€dchen kannten Charlie. Und alle wollten weg.

Hast du seine TĂ€towierung gesehen? - Mhm, wie auf dem Foto.

Sag mal wie heißt denn da die Dame in Bleu?

(Barkeeper) Das ist Daniela. - (unverstÀndlich)

(Bach) Bringst du ihr das?

Und ein GetrÀnk ihrer Wahl. - Seltsam.

Er ist der Platzhirsch hier, könnte alle haben.

Warum macht er das?

Siehst mĂŒde aus. Geh schlafen.

Woher wusstest du, dass meine Frau schwanger ist?

Ich hab gute Ohren.

Kannst das Auto haben. Ist mir egal, ich geh zu Fuß.

Ich hÀtte gern noch zwei Pakete Red Leaf.

(Frau) Lass das, Carsten.

Ach, komm schon.

Nur zum Spaß. - Hör auf! Ich will das nicht.

Nein, Finger weg. Du bist scheiße!

(Carsten lallt) Mann, was stellst du dich so an?

Verzeihung, soll ich dich heimbringen?

Finger weg. Durchatmen.

(sphÀrische Musik)

(Er keucht.)

(Stein) Evelin? Hör mir zu. Pack deine Sachen und verlass die Stadt.

(Evelin) Was? Wieso? - Hier passieren merkwĂŒrdige Dinge.

Du bist vielleicht in... Du bist vielleicht in Gefahr.

In Gefahr? Was hast du gemacht? - Hör zu! Verlass Hamburg.

Fahr zu deinen Eltern, bis ich zurĂŒck bin.

Aber das Baby kann jederzeit kommen.

Es sind nur noch zwei Wochen bis zum Termin...

Evelin, es ist ernst.

Bring das Kind und dich in Sicherheit, verstanden?

Ja. - Gut. TschĂŒss.

(dĂŒstere KlĂ€nge)

(Klopfen)

Ich bin allein.

Kommen Sie rein.

Was können Sie mir dazu sagen?

Dass die Linke schöne Titten hat.

Das ist Nadine, und sie ist tot.

Dass Sie schöne Titten hatte.

Was wollen Sie wissen? - Alles, was Sie mir dazu sagen können.

Woher haben Sie das? - Das ist unwichtig.

Ich bin Journalist. - Ich lach mich tot.

Hier, dann schick es doch nach Schwerin in die KTU.

Hier. - Ich hab keine Zeit.

Was wollen Sie?

Etwas, das ich noch nicht weiß.

Sie wurden gefoltert. - Auch vergewaltigt?

Ich habe von Ihrer Geschichte in Hamburg gehört.

Mit Ihrem Boss. Sie trauen sich ja was.

Ein Mann mit Idealen.

Noch vor einigen Jahren hÀtte ich Sie zum Gewinner geschrieben.

Ah, ist Import. Ein seltenes Fabrikat.

Ich glaube nicht, dass viele hier in der Gegend dieses Material benutzen.

Ich kann sicher feststellen, wer.

Mhm. - Ich will Fotos von den Leichen der MĂ€dchen.

Vom Gerichtsmediziner.

Ich habe Familie, Mann. Die brauchen zu futtern.

Weiß Ihre Familie, was Sie machen?

Die denkt, ich sei der nÀchste Stefan Heym.

Ein Autor. Vielleicht haben Sie von ihm gehört.

Finde es heraus.

Ich glaube, ich kenne auch deinen Kollegen.

Weißt du, ob er in Bautzen gearbeitet hat?

GrĂŒĂŸ ihn von mir.

(spannungsvolle KlÀnge)

(Pfarrer) "Der Herr behĂŒtet euch,

der Herr ist euer Schatten ĂŒber eurer rechten Hand..."

Gibt es was Schlimmeres, als die eigenen Kinder zu beerdigen?

Ich dachte, du hast keine?

Mein Beileid. - Mein Beileid.

Ich hab das Sparbuch meiner Töchter gefunden.

Es war im Handschuhfach vom Auto.

Mein Mann hat es dort versteckt.

Können wir es haben?

Ja.

(beunruhigende KlÀnge)

Wir haben das im Auto gefunden.

Was ist passiert, Henner?

Ich hab 'ne Menge Schulden und kann sie nicht bezahlen.

Bei wem?

Einem Kredit-Hai.

Wieso?

Ich wollte meine Töchter aus diesem Dorf rausholen.

Die ganze Familie.

(Bach) Hm...

Du nimmst einen Kredit auf fĂŒr deine Töchter.

Und dann klaust du deren Sparbuch?

(Er sperrt die TĂŒr ab.)

(Aufschrei)

(Er stöhnt.) - Was ist passiert? Sag's mir.

Zum letzten Mal. Sag's mir.

Vor zwei Monaten fand ich ein PĂ€ckchen.

Am Ufer der Neiße. - Was fĂŒr ein PĂ€ckchen?

Pillen. Ecstasy. So hat es angefangen.

Wie viel? - Ein Kilo.

Was hast du damit gemacht? - Verkauft. - An wen?

Hier im Ort. - Wo ist das Geld?

Hab's ausgegeben.

WofĂŒr? - FĂŒr das verdammte Auto!

Denkst du, dass man deswegen deine Töchter umgebracht hat?

Weiß ich nicht. Die sind gekommen, um sich ihr Geld zu holen.

KĂŒhlschrank, Waschmaschine und Fernseher haben sie schon.

Wenn ich nicht zahle, dann nehmen sie mir noch Auto und FĂ€hre weg.

Wir mĂŒssen die örtliche Polizei aktivieren.

Die sollen den Fluss und die Ufer streng ĂŒberwachen.

Dann erfahren wir vielleicht, wer die Typen sind.

Ich ĂŒbernehme den Fluss. - Ich kĂŒmmere mich um Charlie.

(Er Àchzt.)

Schick mich nie wieder vor die TĂŒr.

(Bach keucht.) - Ich mag deine Methoden nicht.

Ohne diese Methoden hÀtten wir ihn nicht geknackt.

(spannungsvolle, pulsierende KlÀnge)

(Ein Auto nÀhert sich.)

(dĂŒstere, pulsierende KlĂ€nge)

(unverstÀndlich)

(Raben- und Möwengeschrei)

(Er stöhnt auf.)

(Er stöhnt und Àchzt.)

(Er atmet schwer.)

(Schnabel-Klappern)

(KrÀchzen)

(Schnabel-Klappern)

(KrÀchzen)

(spannungsvolle, bedrohliche KlÀnge)

Ja, gut. Dann auf Wiederhören.

Nicole ist zu Hause.

Die Mutter sagt, es geht ihr gut.

Die Dorfpolizei steckt da mittendrin. Die informieren die Schmuggler fĂŒr Geld.

Das ganze Dorf raucht Schmuggelware.

Vom Abwracken und Krabbenpulen allein können die nicht leben.

Setz dich hin. - Ich stehe lieber.

Du setzt dich hin.

Was hast du heute im Jagdhaus gemacht? - Ich war mit meiner Freundin zusammen.

Wollen Sie Details? - Ja, das möchte ich.

Hat Sie niemand aufgeklÀrt?

Wer ist der Mann mit dem Hut?

Welcher Mann? - Der nach dir ins Haus ging.

Außer Nicole und mir war da niemand.

Sie wollten mein Blut, oder?

Dann rufen Sie einen Arzt. Ich warte.

HĂ€ttest Schlafsachen mitbringen sollen. Du ĂŒbernachtest nĂ€mlich hier.

(Schuss) - (Glas splittert, Bremsen quietschen.)

(Schuss) - (Stein) Bist du okay?

(ruft) Bist du okay? - Verdammte Scheiße, ja.

(dĂŒstere, pulsierende KlĂ€nge)

(Bach) Ein Bier und 'nen Wodka. - (Stein) Ich auch.

Wir haben geschlossen.

(Pfiff)

(dĂŒstere, pulsierende KlĂ€nge)

Ist gut. Komm, er ist es nicht wert.

Verdammte Scheiße. Alle Reifen aufgeschlitzt.

Da siehst du, was passiert, wenn man sich alles gefallen lÀsst.

Na, und jetzt? Immer noch Kuschelkurs?

Nur weil das frĂŒher funktioniert hat, kannst du nicht ewig Stasi spielen.

(Aufschrei) - Halt's Maul, Besserwichser.

(Kampfschrei)

(Sie Àchzen und stöhnen.)

(Beide keuchen.)

(Bach schreit auf.)

(Beide atmen schwer.)

Das sind die Resultate des Bluttests von Karl Gross, genannt Charlie.

Seine Blutgruppe ist nicht die gesuchte. Dies ist jetzt eine Demokratie.

Wenn Sie jemanden einsperren wollen, fragen Sie mich nÀchstes Mal.

(seufzt) Dieses Land ist nicht mehr, was es mal war.

Die Leute haben sich viel erhofft. Und es gibt EnttÀuschte.

Die Polizei steht an der Frontlinie, wie immer. Also beeilen Sie sich.

PrÀsentieren wir unseren SchÀfchen bald den bösen Wolf.

Aus Charlie kriegen wir nichts mehr raus.

(Er Àchzt.)

(Stein) Ist heute gar keine Schule? - Hab Bauchweh.

Was hast du gestern Abend gemacht?

Kino. - Schön.

Mit wem? - Mit Freunden.

Welchen? (Telefon klingelt.)

Ich bin gleich wieder da, mein Schatz.

(Mutter telefoniert.) (Bach) Nicole.

Du warst gestern im Jagdhaus. Wer noch?

Wer war der Mann mit dem Hut? - Welcher Mann?

Woher ist die Verletzung? - Welche? - Die da.

Die ist ein Ausschlag von meiner Uhr.

Lass den Blödsinn!

Wer war der Mann mit dem Hut? - Von wem reden Sie?

(Bach) Wo ist Charlie? - Keine Ahnung.

Wie? Du bist krank, und er besucht dich nicht?

(Nicole) Er weiß es nicht. - Warum? - Sieh mich an.

Weiß deine Mutter, was du da treibst im Jagdhaus, hm?

Weiß sie von Charlie?

Mama! - Sag uns, wer dieser Mann war!

Mama! Mama!

(Mutter) Was ist denn? - Ich muss mich ĂŒbergeben.

(Bach) Ui, ui.

Ja, keine Sorge, wir wollten sowieso gehen.

Was hast du vor?

Glaubst du ihr ein Wort? Hier, halt mal.

Willst du ihr Telefon anzapfen?

Hast du den Polizeidirektor nicht gehört?

Hm? Das können wir nicht machen.

Nicht mehr. - Sie hat Angst. Aber warum?

Gib her.

Lust, ein Jagdhaus zu mieten?

(spannungsvolle, treibende Musik)

(Sie klopfen ans Tor.)

Kommen Sie rein. Ja, es gibt drei Schlafzimmer.

Jedes mit zwei Betten. Schauen Sie sich um.

Ich habe Zustellbetten, falls Sie mehr Personen sind.

Es gibt Hundezwinger, Wasser, Strom. Alles da.

Schon mal in der Gegend gewesen? Kennen Sie sich hier aus?

Ist das Ihr Haus? - Pff! Schön wÀr's.

Hier ist ein Schlafzimmer. Schauen Sie sich ruhig um.

Wer hat denn das Haus zuletzt gemietet?

Hab ich vergessen. Es war ja lange geschlossen.

Es ist Schonzeit.

(dĂŒstere KlĂ€nge)

Mhm, Schonzeit. Ich war gestern hier.

Und da gingen drei Personen ins Haus.

(leise, spannungsvolle KlÀnge)

Die Marke gefÀllt mir. - Ach ja?

Aua! Sie tun mir weh! - Ich werde nicht gerne angelogen.

(Frau Àchzt.) - Wer war gestern hier?

Ich kenne ihn nicht. Ich weiß nicht, wer es mietet.

Du vermietest das Haus an Unbekannte? - Nur tageweise.

Er ruft mich an und hinterlegt das Geld!

(Sie schreit.) - Nicht so laut!

Wer ist der Mann mit dem Hut?

Hm? (dramatische Musik)

Wer? - Ah!

Die bezahlen, damit ich mich raushalte.

(Sie wimmert.)

Was machst du da?

(TĂŒr wird geöffnet.)

Was machen Sie hier?

Nichts, alles in Ordnung.

Sie haben sich das Haus angesehen, aber Setzt gehen sie.

Ja, Wiedersehen. - TschĂŒss.

Kennst du den?

Der Wachmann? - Mhm.

Nie gesehen. Vielleicht kommt er aus Polen rĂŒber?

Wir mĂŒssen Charlie finden.

Hab da so eine Idee, wo der sein könnte.

Geh spielen, Richy. Verpiss dich. (bedrohliche KlÀnge)

Waffen her. Ich zeig euch, wo es langgeht.

Was wollt ihr von uns? - Die Fragen stellen wir. Los, Abfahrt.

(spannungsvolle, treibende KlÀnge)

(Mann) Na los, runter da.

Macht's euch bequem.

(Mann) Frik, gib denen was zu trinken. Die Herren haben sicher Durst.

Die Pillen, die Henner gefunden hat, gehörten mir.

Da lief eine Übergabe nicht so, wie sie hĂ€tte sein sollen.

Aber ich hab keinen getötet. Erst recht keine MÀdchen.

Das ist Hugo.

Seine Frau Angelique kennt ihr. Sie ist keine Hellseherin.

In der Nacht, als die MĂ€dchen ermordet wurden,

war Hugo auf dem alten Gehöft.

Er kennt den Brunnen und hat noch mehr gesehen.

Aber die Information kostet was. - Was heißt das?

(Mann) Ihr zieht die Polizei am Fluss ab und lasst uns in Ruhe. - Okay.

(Mann) Rede, Hugo.

Ich hab gesehen, wie ein Mann die Tasche in den Brunnen geworfen hat.

Wie sah er aus?

Es war zu dunkel, um sein Gesicht zu sehen.

Ansonsten ganz normal, durchschnittlich eben.

Warum warst du da? - Ich hab auf ein Paket gewartet.

FĂŒnf Uhr morgens. Am Tag, als die MĂ€dchen verschwanden.

(Stein) Hast du sein Auto gesehen? - Ein Golf.

Blasses Blau, fast Grau.

Sicher? - Er fuhr direkt an mir vorbei.

Ich sah sogar den Aufkleber am Heckfenster.

Was fĂŒr ein Aufkleber? - Ein MĂ€dchen mit langen Haaren und Hut.

Die Haare, wie lang waren die? So bis hier?

Bisschen kĂŒrzer.

Und der Hut? Wie sah der aus?

Groß, mit sehr breiter Krempe.

Etwa so?

Ja, das kommt hin.

(Bach) Wo hab ich das schon mal gesehen?

Und sonst noch was? - Mehr weiß ich nicht.

Ich hab gesehen, was Sie getan haben.

Sie werden kommen und Sie holen. Bald ist es so weit.

(beunruhigende KlÀnge)

Halt mal kurz an.

(spannungsvolle, pulsierende KlÀnge)

Komm.

Sie sprach viel von dem netten Kollegen, der ihr die Aufkleber mitgebracht hat.

Diese HandtĂŒcher sind auch von ihm.

Aus dem Hotel in Berlin, wo er gearbeitet hat.

Wie hieß Katrins Kollege? - Janosch.

Nachname? - Ist er aus der Gegend?

Weiß ich nicht. - Haben Sie ihn je gesehen? - Nein.

Sie hat viel von ihm erzÀhlt.

Er hat ihr geholfen, als das mit Charlie war.

Danke.

Danke schön.

TschĂŒss, kleiner Markus.

(Stein) Ja, am frĂŒhen Abend bin ich bei Ihnen.

Janosch Junckers. Arbeitet nicht mehr im HOTEL KOSMOS.

Wurde entlassen. Aber er hat da noch Sachen.

Ich fahr hin, morgen frĂŒh. - Absacker?

Nein, ich will noch zu meinem Kontakt wegen der Fotos.

Ist vielleicht 'ne Spur.

Gut. Lass dich nicht aufhalten.

Niemals.

Meli, gibt's noch was? Ich hab Hunger.

Und Durst.

(leise, spannungsvolle KlÀnge)

Die Fotos der MĂ€dchen wurden mit so einem Material gemacht.

Es gibt in der Gegend nur einen Laden, der diese Marke verkauft.

Wo? . Ja! WO?

Wo sind meine Autopsie-Bilder?

Die hab ich leider noch nicht. - Was hast du dann?

ADLER FOTO in Rostock.

Jemand bestellt sie dort jeden Monat gegen Vorkasse.

Wer? - Offenbar ein "gut aussehender Kerl".

Ein Kerl namens Carlos oder Charlie.

Mh, die entwickeln sie auch dort,

wollten aber nicht sagen, um was fĂŒr Fotos es sich handelt.

Bestimmt keine Konfirmationsbilder. - Auf diesem Foto...

Da sind nicht nur die MĂ€dchen drauf.

Den, der das Foto gemacht hat, sieht man im Spiegel.

Wegen dem Blitz erkennt man ihn nicht. Kann man da was machen?

Finde raus, wer das ist. Dann kriegst du deine Fotos.

Aber dafĂŒr brauch ich das Negativ. Anders ist es nicht möglich.

Vertrau mir. - WĂŒrdest du einem wie dir vertrauen?

Großes Indianer-Ehrenwort!

Und, kann er nachts schlafen? - Hm?

Dein Kollege, Bach. Ich weiß, wo ich ihn gesehen habe.

1978. Er war bei der Staatssicherheit.

Er hat meinen besten Freund Stefan verhaftet.

Stefan war auch Journalist, wollte die Wahrheit schreiben.

Die Waffe deines Kollegen

saß schon immer ziemlich locker.

Stefan wollte sich die ganze Schubserei nicht gefallen lassen.

Hat vielleicht ein bisschen gezappelt.

Und noch vor den Toren von Bautzen, da hat Bach ihn erschossen.

Widerstand gegen die Staatsgewalt.

Es gab jede Menge Zeugen, aber Bach hat keine Strafe bekommen.

Nur seine Orden.

Und jetzt geht's ihm dreckig, dem Stasischwein. Und das freut mich.

(Bach schnarcht leise.)

(leise, spannungsvolle KlÀnge)

(dĂŒstere KlĂ€nge)

(Auto nÀhert sich.)

Es tut mir leid. Ich wusste nicht...

HÀtte auch 'ne Falle sein können. - Ich bin zu Nicole gegangen.

Ich musste wissen, was mit meinen Töchtern los war.

Sie sind...

Sie waren eng befreundet.

Und? - Charlie brachte sie zum Jagdhaus.

Dort hat er sie ans Bett gefesselt, ist rausgegangen

und kam mit jemandem zurĂŒck.

Kann sie ihn beschreiben? - Sie weiß nur, dass er gut roch.

Irgendein besonderes ParfĂŒm. Und er hatte sehr weiche HĂ€nde.

Das hat sie immer wieder gesagt.

Charlie hat Fotos von ihr gemacht und gedroht,

im ganzen Ort die Fotos rumzuzeigen, wenn sie was erzÀhlt.

In der Nacht, in der meine beiden Töchter ermordet wurden,

war Charlie mit Nicole zusammen, aber

nicht die ganze Nacht.

WĂŒrde sie das auch einem Richter sagen? - Sie konnte es nicht mal Ihnen sagen.

(Stein) Ich fahre nach Berlin.

Der Mörder hat da vielleicht im Hotel gearbeitet.

Nehmen Sie mich mit. - Ich kann Sie nicht einfach mitnehmen.

Aber ich... Ich bin eine Zeugin. Ich könnte von Nutzen sein.

Was wollen Sie in Berlin?

Bitte. Bitte, ich muss dorthin.

Bitte. Ich bin schuld am Tod meiner Töchter.

(Er stöhnt auf.)

(Er Àchzt.)

(leise, beunruhigende KlÀnge)

Ich hab meinen Töchtern

immer und immer wieder von meinem Traum erzÀhlt.

Ich wollte raus in die große Stadt.

Schauspielerei, Tanz, Gesang,

Kellnern.

Hauptsache raus aus diesem Scheißkaff.

Ich hab sie nur angesteckt mit meinen Geschichten.

Sie konnten es kaum erwarten, hier wegzukommen.

(spannungsvolle Musik)

Mein Traum hat sie umgebracht.

Guten Tag. Patrick Stein.

Der Hotelmanager erwartet mich. - Einen Moment bitte.

Katharina, bitte warten Sie hier auf mich.

Ich komme mit.

Der Typ war komisch. Er hatte ein Problem mit einem weiblichen Gast.

Was fĂŒr ein Problem? - Er hat sich an das MĂ€dchen rangemacht.

Sie ist zur Polizei, glaube ich.

Und dass er deshalb so schnell weg war. Einfach so.

(Stein) Janosch Junckers, ja.

Wann war das?

Mhm.

Und er wurde nicht mehr in Dallgow gesehen?

Freunde, Familie?

Verstehe.

Ich danke dir.

(Stein legt auf und wÀhlt eine Nummer.)

Melanie? Patrick Stein hier. Holen Sie meinen Kollegen ans Telefon.

Was? Er schlÀft noch?

Gut, dann gehen Sie nach oben und klopfen, ja?

Es ist wichtig, dass er Folgendes erfÀhrt...

(beunruhigende KlÀnge)

Katharina Kraft hat eine neue Aussage gemacht.

Charlie war nicht die ganze Nacht mit Nicole zusammen.

Ein Unbekannter hat sie im Schloss misshandelt.

Er hat sehr weiche HĂ€nde und trĂ€gt ein teures ParfĂŒm.

Ja, das ist alles.

Entschuldigung. Zeigen Sie mir noch Junckers' Zimmer?

Die PersonalrÀume sind auch im Keller. Zimmer sieben.

Sie haben GlĂŒck. Steht gerade leer. Finden Sie's allein? Ich hab Termine.

(Klopfen)

Herr Bach, ich komme jetzt in Ihr Zimmer.

Herr Bach? - (TĂŒr wird aufgerissen.)

Was wollen Sie? - Ich soll Ihnen das unbedingt geben.

(Durchsage) Der Niedergang des VEB wÀre der Niedergang...

Wo finde ich den VEB? - Kommt alle morgen...

(flĂŒstert) Wann hört das auf?

(schluchzt) Wann hört das auf?

Wann hört das auf?

Wann?

Ich weiß es nicht.

Wann hört das auf?

Wann hört das auf?

Wann hört das auf?

Wann... Wann hört das auf?

(Buhrufe)

(schwÀbisch) Ihr wisst, dass euer Betrieb seit dem Mauerfall

gegen die westliche Konkurrenz ankÀmpfen muss.

Die Stahlpreise sind in den letzten sechs Monaten um 30 Prozent gefallen.

Wir haben die Fabrik gekauft, um sie zu retten.

Dazu mĂŒssen wir die Kosten senken und die Löhne anpassen.

Sonst ĂŒberlebt die Firma nicht. - (Buhrufe)

(Charlie) Das könnt ihr uns nicht antun!

Das könnt ihr nicht machen, ihr Schweine!

Ihr Schweine! - Das ist unser Betrieb!

Herr Langhans, der neue EigentĂŒmer, bietet euch an,

fĂŒr 20 Prozent weniger zu arbeiten.

Dann kann er alle Stellen erhalten.

Wer das nicht will, kann gehen. - (Tumult)

(Arbeiter) Spinnt ihr? Verdammte Halsabschneider!

Gebt uns unseren VEB wieder!

Das ist doch alles hier nur ein Scheiß-Kapitalistendreck!

(Alle rufen durcheinander.)

(spannungsvolle KlÀnge)

Herr Langhans! Verzeihen Sie. Ich will mich vorstellen.

Markus Bach. Kriminalpolizei. - Karl Langhans.

Seit drei Monaten EigentĂŒmer hier. - Ich komme wegen der Morde.

Ach ja, die toten Schwestern.

Auch. Und die anderen.

Ich stehe Ihnen jederzeit zur VerfĂŒgung, wenn ich helfen kann. Auf Wiedersehen.

(bedrohliche KlÀnge)

Wir mĂŒssen zurĂŒck.

(melancholische KlÀnge)

(Hupen)

(Lastwagen hupt-)

(Aufprall)

(spannungsvolle KlÀnge)

Ja, geht klar.

Ja, mach dir keine Sorgen.

Mhm. Danke, Manuel. Danke.

Laut Vorarbeiter gibt es keinen Golf auf dem WerksgelÀnde

oder dem Anwesen von Langhans.

Weder registriert noch unregistriert. Die Nummernschilder sind wohl gefÀlscht.

Starten Sie sofort eine Suchaktion. - Die Mutter sagt, Nicole ist im Kino.

Sie ist in Gefahr, und Sie tun nichts! - Ich rufe Karl Langhans an.

Wir machen morgen frĂŒh einen Bluttest. Heute ist es zu spĂ€t.

Das mit dem MĂ€dchen ĂŒberprĂŒfe ich gleich.

Sie sollen ihn nicht anrufen, sondern einen Bluttest genehmigen.

Heute Abend. Jetzt sofort.

Ich rufe ihn an und bestelle ihn fĂŒr morgen aufs Kommissariat.

Es wird keine Probleme geben.

Wir brauchen auch eine GegenĂŒberstellung von Langhans und Charlie Gross.

Sie sind wirklich ein Starrkopf.

Wie bitte?

Sie haben nur Indizien, keine Beweise.

Ihr Partner sah einen Mann mit Hut, sonst nichts.

Ist doch richtig, oder? - Ja, das ist richtig. Ja.

Sehen Sie. Ich trage auch einen Hut.

Bin ich jetzt verdÀchtig?

Wenn Sie Beweise liefern, bekommen Sie Ihre Genehmigung.

Und jetzt gehen Sie bitte.

Ich informiere Sie, sobald ich etwas weiß.

Sie schĂŒtzen ihn.

Was?

Sie wissen nicht, wie es hier lÀuft.

Weiß ich.

So wie ĂŒberall anders auch.

Hm... Sie sollten besser aufpassen mit dem, was Sie sagen und tun.

Werden Sie nicht Vater?

Jetzt raus.

Raus jetzt!

(bedrohliche KlÀnge)

Sag mal, warum sagst du nichts? Steckst du mit denen unter einer Decke?

Ich will nur diesen Fall lösen. Komm, lass uns das MÀdchen suchen.

Du bist wie alle anderen. Du willst, dass alles so weiterlĂ€uft wie frĂŒher.

Ich weiß, was du gemacht hast, 1978 in Bautzen.

(gepresst) Gott... - Du weißt nichts. Gar nichts weißt du.

Der Typ, der dir das erzÀhlt hat, will nur Stimmung machen.

(schwach) Lass mich los.

Es war mein Kollege.

Als der Dissident ihn angriff,

ist er ausgeflippt und hat ihn im Handgemenge erschossen.

Ich hab den Freund des Schmieranten nur festgehalten.

Hab nicht mal meine Waffe gezogen.

Patrick...

Wenn du Scheiße baust, decke ich dich auch.

Ist das so falsch?

Siehst du.

Komm.

Fahren wir zu Nicole. - (Donnergrollen)

(Band, Nicoles Mutter) ...der ist zu alt, um der Vater zu sein.

(Er spult das Band weiter.)

(Nische) Sag ihnen, ich tue alles, was sie wollen.

(Er spult zurĂŒck.)

(Telefon-Wahltöne)

(Freizeichen)

(Mann) Ja? - Hier ist Nicole. Was wird aus Berlin?

(Mann) Es gibt Probleme mit dem Vertrag. Die stellen keinen ein.

(Nicole) Rede mit ihnen. Sag ihnen, ich tue alles, was sie wollen.

Ich muss hier weg. Ich halt's nicht mehr aus.

(Mann) Wir sollten uns treffen. In einer halben Stunde am ĂŒblichen Ort.

Sie hat diese Nummer angerufen.

Das Jagdhaus.

(spannungsvolle Musik)

Nein, passt schon.

(Sie hĂ€mmern an die TĂŒr.) - Komme!

(Stein) Bleib stehen!

Bleib stehen. - Ah!

Wer wohnt noch in diesem Haus, hm?

Niemand. Ah! - Wer?

Der WĂ€chter. - Sein Name?

Finn.

Wo ist Janosch? - Weiß ich nicht. - Patrick.

Hör auf.

Setz dich hin.

Kanntest du die beiden Schwestern? Nadine und Patricia?

Bevor sie ermordet wurden und hier gefoltert.

Mit einem Jagdmesser.

Und da denen das nicht reichte, mit einer Kneifzange.

Man hat ihre Brustwarzen abgerissen, Finger abgeschnitten,

GegenstÀnde in Vagina und Anus gesteckt, bis sie geblutet haben.

Weißt du, wie viel Schmerz man aushĂ€lt, bevor man ohnmĂ€chtig wird?

Das hab ich nicht gewusst. Das hab ich wirklich nicht gewusst.

(flĂŒstert) Klar.

Hey sieh mich an.

Wie heißt der WĂ€chter?

Janosch.

Er hat Arbeit gesucht, und ich hab sie ihm gegeben.

Ich war mit seiner Mutter befreundet. Er mĂŒsse sich verstecken, hat er gesagt.

Verstecken vor was? - Weiß nicht. Er war total verĂ€ndert.

Karl Langhans, kennen Sie den? - Ja.

War er je in diesem Haus? - Wenn GĂ€ste kommen, bin ich nicht hier!

Wo ist Janosch?

Wo ist er?

Hm? - (Sie wimmert.)

Im verlassenen Bauernhof Richtung Dammhorst.

(dĂŒstere, treibende KlĂ€nge)

Aufmachen, Polizei!

(Ein Pferd schnaubt.)

(Er atmet schwer.)

Markus!

Guck mal hier.

Ein Arbeitsvertrag zwischen Patricia und dem Hotel am Alex in Berlin.

Und mehr VertrÀge von anderen MÀdchen. Oh, wie viele...

Hey! Da draußen ist das Auto. Er haut ab!

(dĂŒstere, treibende KlĂ€nge)

Vorsicht, Mann! Hier ist alles glitschig vom Regen.

Vorsicht!

Scheiße.

Sinnlos! Wir stecken fest! - Was ist in der NĂ€he?

Eigentlich nur die KlÀranlage. - Gut, bring uns dahin.

(dĂŒstere, treibende KlĂ€nge)

(Schuss) - (Möwen kreischen.)

(Schuss)

Hau ab! - (Richy stöhnt.)

(Schuss)

(Schuss)

(Bach atmet schwer.)

(Schuss)

(Schuss) - (Er stöhnt.)

(Schuss)

(dĂŒstere, bedrohliche KlĂ€nge)

(Er stöhnt.)

(bedrohliche KlÀnge)

(DĂŒstere KlĂ€nge schwellen an.)

Ah... Ah!

Ah!

(leise, dĂŒstere KlĂ€nge)

(mystischer Gesang)

(Bach) Ja, komm.

(Raben krÀchzen.)

(Tumult)

(unverstÀndliche Schreie)

(Arbeiter) Auf den gewonnenen Streik! Denen haben wir es aber gezeigt!

(Jubel, Beifall)

(heitere Schlagermusik)

(Musik: "Im Wagen vor mir" von Henry Valentino & Uschi)

Halt! Stehen bleiben, Polizei!

Darf ich vorstellen: die Heldinnen der Revolution Mecklenburg

Vorpommern.

Sie haben den Streik gewonnen und erhalten nun mehr Lohn.

Und das ist mein Freund Patrick.

Der Held aus der Zeitung.

Schaut mal, ein hĂŒbscher Bengel.

Kriegst auch 'nen Kuss. - Markus...

Entschuldige.

Bewahr das auf und verlier es nicht.

FĂŒr dein Kind.

Versprichst du mir das? - Versprochen.

So, jetzt lass uns feiern.

(Musik: "Im Wagen vor mir")

Du bist jetzt ein Gewinner.

Danke. - Da nicht fĂŒr.

Hier, deine Fotos.

Der Mann neben Charlie auf dem Foto... Ich hab alles versucht.

Man kann ihn nicht erkennen. Das Gesicht ist ganz zerblitzt.

Auf Stefan Heym!

Auf Stefan.

(Musik: "Im Wagen vor mir")

Du warst falsch informiert bei ihm. Er hat keine Schuld.

Es war sein Kollege.

Die vielen Zeugen...

Ich war einer davon.

Geschenk fĂŒr dich.

Ich habe meine Verbindungen.

Sie nannten ihn "den Raben".

Er hat in Bautzen jahrelang Leute gefoltert.

(verzerrte, dröhnende KlÀnge)

(leise, bedrohliche KlÀnge)

(Stein) Ich möchte abreisen.

(Meli) Ihre Frau hat angerufen. Sie sollen sich melden. - Ja, danke.

Hey. Hallo. - (Evelin, matt) Hallo.

Schön, dass du wieder zu Hause bist. - Ich hab's geschafft.

Unser Kind.

Wir haben ein MĂ€dchen.

(seufzt) Ein MĂ€dchen?

Und alles gesund? - Ja.

(Sie lacht.)

Gut. - Sie sieht aus wie du.

Es tut mir so leid, dass ich nicht da war.

Schon gut. DafĂŒr bist du jetzt ein Held.

Evelin, ich...

Ich... Ich...

Ich ko... Ich komm nach Hause, ja?

Heute Abend bin ich da.

Fahr vorsichtig.

Kannst du mich nach Rostock mitnehmen?

Ich fahr nicht nach Rostock.

Nicht?

Sonderurlaub.

Mensch, Patrick. Dein Kind?

Das ist ja großartig. Komm her!

Was ist?

Jedenfalls fahr ich nicht nach Rostock.

Aha.

Na dann bis die Tage.

Bis bald.

(Stein schließt die TĂŒr.) - GrĂŒĂŸ schön.

(mystischer Gesang)

(kraftvolle elektronische Musik)

Untertitel: Titelkunst, Berlin 2019

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