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Wenn es da oben richtig brenzlig und unangenehm wird,
fragst du dich schon, warum du dir das antust.
Hinterher ist man immer schlauer.
Wenn es gut geht, bist du ein Held, wenn es schief geht, bist du tot.
Wir wussten, dass der Berg gef�hrlich ist.
Und wir wussten, dass wir Risiken tragen m�ssten. So ist es nun mal.
Wir wollten es. Jetzt zu sagen, wir wussten nicht,
dass es gef�hrlich w�rde, w�re eine feige Ausrede gewesen.
Wir haben es ja gewusst.
Eine wahre Geschichte
Die l�ngste Ski-Abfahrt der Welt
2003 sah ich den Mount St. Elias zum ersten Mal.
Damals war mir noch nicht klar, dass er jahrelang mein Leben bestimmen wird.
Ich wuchs neben der Streif im Herzen Kitzb�hels auf
und Skifahren war f�r mich so logisch wie der Schnee im Winter.
Die Suche nach der radikalsten Linie war f�r mich die Quintessenz des Skifahrens.
Ich lebe die Freiheit ohne Stoppuhr drau�en in der Natur.
Nur ich und der Berg.
Die Suche nach einzigartigen Ski-Abfahrten brachte mich zu immer h�heren Bergen,
Bergen, die teilweise noch nie befahren wurden.
Berge, die man aus eigener Kraft besteigen muss,
weil es dort keinen Lift oder Hubschrauber gibt.
Der h�chste von allen, der vollkommen schneebedeckt ist,
ist der Mount St. Elias.
Als ich ihn das erste Mal sah, wusste ich,
an ihm geht f�r mich kein Weg vorbei.
Es ist schwer zu verstehen, warum man das macht.
Aber wer es einmal erlebt hat,
der kennt den Reiz und wird sich ihm immer wieder aussetzen wollen.
F�r mich ist das Besteigen der Berge und ihre Befahrung mit Skiern
eines der letzten gro�en Abenteuer
in einer �berzivilisierten, doppelt und dreifach versicherten Welt.
Die Berge sagen einem immer wieder, wer das Sagen hat.
Wenn �u�ere Bedingungen wie Vereisung oder Lawinengefahr es nicht zulassen,
kann der Mensch machen, was er will. Dann geht's einfach nicht.
In Neuseeland am Mount Cook machten wir die schmerzliche Erfahrung,
dass sich ein Berg auch mal jahrelang nicht befahren l�sst.
Die Faszination liegt darin, dass man dort oft allein ist,
allein mit sich selbst und dem Problem, dem man ausgesetzt ist.
Dass man "sich sp�rt".
Und das Gef�hl wird st�rker, je h�her die Berge werden.
Man f�hlt sich dem Himmel ein St�ck n�her.
Es geht nicht immer um den Gipfel, sondern ums Abenteuer.
Das �bt einen gewaltigen Reiz auf einen aus.
Entweder sp�rt man den Reiz oder nicht.
Wenn ich ihn sp�re, dann schreit er.
Mit dem, was ich bisher gemacht habe, schreit der Berg nicht nur: "Besteig mich",
sondern wenn er Schnee drauf hat, schreit er auch: "Befahr mich!"
Sie schreien alle, aber ab und zu h�rt man einen.
Aber wenn man dann am Gipfel steht,
und die Bedingungen sind richtig f�r eine Skiabfahrt,
dann ist es wichtig, keine Fehler zu machen.
Denn Fehler sind auf Bergen dieser Dimension fatal.
Zu wissen, dass ein Sturz 1000 Meter weiter unten endet,
l�sst einen ganz anders auf den Skiern stehen.
Das ist kein normales Skifahren mehr.
Es ist mentale Hochspannung.
Ich bin ein Tr�umer und den Mount St. Elias zu besteigen, war ein Traum von mir.
Weil dieser Berg und die Entscheidung, ihn mit Skiern komplett abzufahren,
so fernab jeglicher Realit�t ist, ist das Ganze perfekt zum Tr�umen geeignet.
Dass das die l�ngste Skiabfahrt der Welt werden k�nnte,
war uns eigentlich gar nicht bewusst.
Wir dachten eher: Ein Wahnsinnsberg in einer irren Gegend.
Absolut au�erhalb jeglicher Zivilisation.
Wir dachten: W�re das sch�n, da runter zu fahren.
Wir tr�umten 3 Jahre lang davon, diesen Berg zu besteigen und zu befahren
und wir wussten bis zum Schluss nicht, ob wir es schaffen.
Eine Gefahr, die man sieht,
der man sich bewusst ist, ist eigentlich nicht mehr so gro�.
Gef�hrlich sind die Gefahren, die man nicht wahrnimmt.
F�r mich ist es auf jeden Fall ein Trip ins Unbekannte.
Ich kenne den Berg von ein paar Bildern,
aber sehr viele Sachen bemerkt man erst vor Ort.
Die Herausforderung ist immer extrem, speziell beim Losfahren.
Die Nervosit�t steigt, Angst kommt auf...
Bin ich der Schwierigkeit gewachsen? Passen die Schneeverh�ltnisse?
Tr�gt es dich oder nimmt dich die Lawine mit?
Es gibt viele Entscheidungen, hinter denen Fragezeichen stehen.
Ein schneebedeckter Berg pr�sentiert sich jedes Mal anders.
Aber die Abwechslung ist das Tolle daran.
Es ist eine Riesenherausforderung.
Ein Berg hat eine unheimliche Kraft und Ausstrahlung,
mit den klaren Linien...
Das hat etwas Anziehendes und Abschreckendes zugleich.
Der Wrangell St. Elias National Park
ist zusammen mit seinem kanadischen Bruder, dem Kluane National Park,
der gr��te Nationalpark der Welt.
Die einzige Verbindung zur Au�enwelt
und die einzige M�glichkeit, in den Park reinzukommen,
ist mit Skiflugzeugen.
Hubschrauber d�rfen fliegen, aber nicht landen.
Wir m�ssen also mit dem Skiflugzeug da reinkommen.
Es ist eine riesige Eisw�ste und daher ist es eine gro�e Herausforderung,
dort eine Expedition auf die Beine zu stellen.
Jon Johnson tr�umt den gleichen Traum wie wir.
Deshalb war es naheliegend, uns zusammenzuschlie�en,
und dieses Abenteuer gemeinsam anzugehen.
Wenn du auf den Mount St. Elias steigen willst,
l�sst du dich von Paul auf die Haydon Shoulder einfliegen.
So machen es nahezu alle Bergsteiger, die diesen Berg besteigen wollen.
Die Haydon Shoulder liegt logistisch sehr gut,
denn ab diesem Punkt steigt der Berg an, ab da geht's los.
Alles darunter ist Gepl�nkel.
Du wirst dort abgesetzt und ab da gilt's.
Man sp�rt extrem, dass das jetzt echt ist.
Das ist nicht Hollywood oder ein Projekt mit einem Konzept,
bei dem man aufh�rt, wenn man keine Lust mehr hat.
Man ist ganz auf sich allein gestellt.
Jetzt zeigt sich, ob man es kann:
Alleinsein, sich selbst versorgen und �berleben.
Wenn der Flieger weg ist, sitzt man da oben allein.
Wenn das Wetter schlecht ist oder er ein Technikproblem hat,
dann ist man allein.
Wenn das Wetter 3, 4 Wochen schlecht bleibt, ist man so lange allein.
Oder l�nger.
Das wei� man, man sp�rt es. Und das ist Wilderness.
Wir wollen jetzt von unserer Basisstation, der Haydon Shoulder,
Materialdepots nach oben bringen.
Jetzt stehen wir vor dem Problem,
dass wir beim ersten Anstieg eine Flanke �berqueren m�ssen,
die ein paar 100 Meter hoch und ein paar Kilometer breit ist.
Die Lawinengefahr ist dort momentan sehr gro�.
Da jetzt dr�berzugehen, w�re Selbstmord.
Wir k�nnen jetzt nur warten, bis sich der Hang von selbst entl�dt.
Oder dass sich der Schnee etwas setzt. Das kann einige Tage dauern.
Es ist wirklich paradox:
Das Wetter ist perfekt, aber wegen der Lawinengefahr kommen wir nicht hinauf.
Wir werden die Zeit nutzen
und den unteren Teil der Abfahrt vorziehen.
Morgen werden wir versuchen, bis ans Meer zu fahren.
Bist du verr�ckt? Da geht's runter, das ist ja viel steiler.
Wir haben eine andere Linie angeschaut.
Die hier zieht sich bis zu der, die wir meinen.
Da oben sieht es gut aus.
Was ist, wenn ich das Couloir runterfahre?
Mach es nicht, so kommst du zu weit r�ber.
Ich glaube, es geht. - Nein, du kommst zu tief raus, glaub mir.
Es w�rde sicher gehen, aber es ist ein sinnloses Risiko.
Ich komme zurecht.
Ich hasse diese Bindung!
Nimm meine Linie, das passt gut. 1 - 2 Meter zu springen.
Er sagte, es w�re okay, nur 1 - 2 Meter.
Eine riesige Linie!
Ich bekam einen Schreck, als dein Ski aufging.
Ohne Abseilen!
Ich geb's zu: Bei der Einfahrt oben dachte ich: Leck mich am Arsch!
Aber das war schon okay.
Da runter, super Hang.
Ich ziehe die Skier nicht aus.
Mich besch�ftigt die ganze Zeit ein Gedanke:
Eigentlich wei� man erst am Gipfel, ob an dem Tag eine Abfahrt m�glich ist.
Man wei� eigentlich bis zuletzt nicht, ob es wirklich geht.
Man fragt sich nicht, ob man es kann,
sondern, ob es die �u�eren Umst�nde zulassen.
Das ist qu�lend. Die gr��te Niederlage ist,
wenn du am Gipfel stehst, deine Skier mit raufgeschleift hast
und sie dann wieder runtertragen musst.
Das Wetter kann dort ganz f�rchterlich sein.
Man sieht die Wolken kaum kommen und steckt schon mitten drin.
Alles geschieht mit einer Heftigkeit wie sonst auf kaum einem anderen Berg.
Wir wissen, dass wir nicht viel Zeit haben.
Wir m�ssen ein Gutwetter-Fenster erwischen.
Schnelligkeit ist unsere einzige M�glichkeit zum Erfolg.
Wenn ich daran denke, was wir vorhaben - Gipfelversuch -
dann muss ich mich zusammenrei�en, um nicht panisch zu werden.
Ich denke an alles, was auf uns zukommen wird und kann...
Ich glaube, wir sind alle permanent hin- und hergerissen
zwischen dem Glauben an uns selbst und Selbstzweifeln.
Hier ist Axel. - Ich schaue gerade auf meine Wetterkarte.
Karten vom europ�ischen Modell zeigen,
dass sich langsam die Front n�hert, die zum Aleutentief geh�rt.
Vor der Front gibt es am Mount St. Elias noch gute Verh�ltnisse.
Der Wind hat derzeit auf Gipfelniveau etwa 20 km/h,
m�sste dann aber morgen auf 40 - 50 km/h zulegen.
Laut Modell m�sste es etwa 2 Tage dauern,
bis die Front den Mount St. Elias erreicht hat.
Jon hat sich doch entschieden, mitzukommen.
Eine tolle Entscheidung in seiner Situation.
Er wei�, dass er von uns allen wohl am meisten gefordert wird.
Wir sind ein 7-k�pfiges Team und damit gro� genug,
um uns notfalls aufsplitten zu k�nnen,
falls es einer nicht auf den Gipfel schafft.
Reserve ist immer gut.
Unser Plan sieht vor,
dass wir heute bis auf etwa 4500 m hinaufklettern.
4500 oder mehr, je nachdem wie wir uns f�hlen.
Damit haben wir nach hoffentlich gut �berstandenem Biwak
zum Gipfel weniger als 1000 H�henmeter vor uns.
Das hei�t - Tag 2: Gipfelsturm
und dann Abfahrt ins Advanced Base Camp an der Haydon Shoulder.
Etwa 1500 Meter haben wir schon geschafft.
Plus 200.
Es ist schon hart, aber da oben ist es sehr sch�n.
Sollen wir nur das eine?
Ich wusste, dass die beiden Amerikaner, die damals vom Gipfel fahren wollten,
dabei gestorben sind.
Ich hoffte nur, dass uns nicht das Gleiche passiert.
Spinnst du? Ist das kalt.
So sieht das Leben eines Kameramanns und eines Bergf�hrers aus.
Volker friert da neben mir.
Wir sitzen mal wieder fest.
Jetzt ist es um acht. Wir warten noch bis um neun.
Es sieht nicht gut aus. Es ist saukalt und oben pfeift der Wind
mit wer wei� wie vielen km/h.
Wir warten jetzt mal eine Stunde.
Vielleicht lichtet es sich.
Das nervt mich heute schon wieder.
Der Berg macht mich verr�ckt.
Letzter Versuch.
Jetzt ist das geschehen, wovor wir uns f�rchteten.
Jon ist fertig und kann nicht mehr.
Wir m�ssen allein weiter.
Wir k�nnen ihm nicht helfen und er ist f�r uns keine Hilfe mehr.
Er muss jetzt im High Camp mit den zwei Bergf�hrern warten,
bis wir wieder herunterkommen.
Die Nacht war total kalt und alle sind etwas angeschlagen.
F�r eine Stunde sah es aussichtslos aus.
Starker Wind im Gipfelbereich und viele Wolken.
Mittlerweile geht es, der Wind hat sich gelegt.
Der Wetterbericht sagt, es sieht gut aus.
Wir werden das jetzt durchziehen.
Momentan zweifelt keiner, dass wir es nach oben schaffen.
Aber ich merke, dass mir der Berg viel Kraft geraubt hat.
Das war nicht nur die schlaflose Nacht vor dem Abmarsch
oder die zweite schlaflose Nacht im Biwak.
Es war viel k�lter, als wir vermutet haben.
Die H�he nimmt zu, die Luft wird d�nner
und wir sind alle ziemlich im Eimer. Wir werden immer langsamer.
Aber wenn es sein muss, krieche ich da hoch.
Schade drum.
Von sch�nem Wetter zu Sauwetter in 3 Minuten.
Ich verstehe nicht warum, aber wir stehen im Sauwetter.
Der Traum ist erst mal ausgetr�umt.
Jetzt m�ssen wir im Sturm den Albtraum-Abstieg bew�ltigen.
Wir m�ssen es ins Advanced Base Camp schaffen,
denn wir haben keine Reserven mit, kein Equipment, nichts.
Wir m�ssen heute Abend irgendwann da unten ankommen.
Wir sind zwar alle ziemlich entkr�ftet
und �berlegten, im Biwak zu bleiben,
aber wenn das Wetter l�nger so bleibt, w�re das eine fatale Entscheidung.
Wir m�ssen so schnell es geht
das Basislager auf der Haydon Shoulder erreichen.
Selbst wenn der Wind noch zunimmt
und uns fast aus der Wand bl�st,
wir m�ssen es riskieren.
Wir m�ssen es bis zum Base Camp schaffen,
nur so haben wir eine reelle �berlebenschance.
Wichtig ist jetzt nur, dass wir runter kommen,
dass wir den Weg finden und beim Abseilen keinen Mist bauen.
Wenn einer auf der Flanke ins Rutschen kommt, ist er weg.
Die f�hrt ins Bodenlose.
So eine Schei�e!
Volker scheint ein Sp�rhund zu sein. Unglaublich, was der alles wiederfindet.
Aber wir wissen, dass wir am Haydon Peak �ber die Flanke m�ssen
und wenn es so weiter schneit, herrscht da unten gro�e Lawinengefahr.
Das hei�t, wir k�nnen nicht r�ber gehen.
Ein Biwak ist dort aber nicht m�glich. Wir m�ssen r�ber.
Nach 15-st�ndigem Abstieg erreichen wir v�llig ersch�pft das Advanced Base Camp.
Der Sturm ist zum Orkan geworden.
Die Zelte sind kaputt, an Ausruhen ist nicht zu denken.
Wir fl�chten in die H�hle.
Aber selbst da wird es immer schlimmer.
Ich geh raus.
Wenn man bedenkt, dass der Eingang mal 2,50 Meter breit war...
Jetzt sind wir auf uns allein gestellt
und wir schaufeln, um zu �berleben.
Verhungern werden wir nicht. Wir haben genug zu essen.
Aber man sieht vor lauter Schaufeln das Ende nicht.
Du schaufelst und schaufelst und merkst dann,
dass du nichts bewegst.
Wir denken: Was, wenn wir eingeschneit werden?
Dass wir in der Schneeh�hle ersticken, wenn wir den Eingang nicht freihalten
und weil wir schaufeln, bis wir keine Energie mehr haben.
Drau�en tobt der Sturm, man sieht keine 2 Meter weit.
Du �berlegst, was du tun k�nntest
und bist eigentlich damit besch�ftigt, dass keine Panik aufkommt.
Es gibt Ger�chte, dass das schlechte Wetter auch mal 6-8 Wochen anhielt.
Ohne eine Chance, dass dich jemand holen kann.
Es ist nat�rlich ein beschissenes Gef�hl zu wissen:
"Wir sitzen fest."
Du hast ja keine Ahnung, wie lange der Zustand anh�lt.
Zu unserer �berraschung kommt Paul mit dem gro�en Flieger,
obwohl auf dem Feld so gro�e Gletscherspalten sind.
Er nutzt damit das kleine Wetterfenster, geht auf volles Risiko,
kann uns daf�r aber alle auf einmal holen.
Leck mich am Arsch! - Das ging gerade noch mal gut!
Wenn ich �berlege, auf wie vielen Bergen ich war...
Ich habe viel Sauwetter erlebt.
Und dann dieser Sturm!
Innerhalb einer Stunde war das Zelt 3 Meter hoch eingeschneit.
Wir haben um unser Leben geschaufelt und sahen kein Ende.
Ich hab den Berg gehasst.
Du willst nur weg, aber du kommst einfach nicht weg.
Du bist auf einen Piloten angewiesen, der dich holt, sonst kommst du nicht weg.
Unterm Strich wussten wir, worauf wir uns einlassen.
Dass es dann zum worst case kam mit St�rmen und dem Wetter
wussten wir, haben es aber nicht gehofft. Es war eben so.
Es zehrt so sehr, dass man fast durchdreht.
Es raubt einem brutal die Energie.
Letztendlich sind wir nicht ungl�cklich dar�ber, dass wir wieder unten sind.
Mit allen Fingern und allen Zehen und alle gesund.
Du hast selber nichts in der Hand.
Du hast die Schaufel in der Hand, wirst immer m�der.
Und wenn du da irgendwie rauskommst, denkst du dir:
Nie wieder zu dem Berg.
Ein Gipfel ist ein Gipfel, der h�chste Punkt.
Wie bei vielen Sachen im Leben will man ganz oben stehen.
Der Gipfel ist es wert, sehr viel Risiko auf dich zu nehmen.
Man k�mpft ja da auch ums �berleben.
Aber deshalb ist der Gipfel vielleicht auch so interessant.
Die interessanten Berge sind nicht die, die man im Vorbeigehen mitnimmt,
sondern die Berge, die man sich erarbeiten und erk�mpfen muss.
Die bleiben ewig in Erinnerung.
Es hat jetzt 5 Wochen gedauert, bis das Wetter etwas besser war.
Wir haben das Team reduziert und sind nur noch zwei Skifahrer - Resl und ich -
ein Kameramann und ein Bergf�hrer, der ihm hilft.
Die Herausforderung ist jetzt, das Unm�gliche m�glich zu machen:
Auf den Berg zu kommen, endlich den oberen Teil auch zu fahren
und den unteren Teil im Idealfall noch einmal.
Schei�e!
Totale Schei�partie.
Sehr br�chig. Da brauchst du nicht rauf.
Harakiri.
Ich hab ein schlechtes Bauchgef�hl.
Das darf doch nicht wahr sein! Warum das jetzt?
Jedes Mal geht der Schei�berg wegen irgendetwas anderem nicht.
Es gibt nur zwei M�glichkeiten.
Durch oder heim gehen.
Zur�ck ist es ganz sch�n gef�hrlich.
Davor hab ich ganz sch�n Respekt.
Da kann ein ganzer Kopf runterkommen.
Nicht nur ein Stein.
Was soll auf dem R�ckweg anders sein?
Wir sind wahrscheinlich sp�ter dran.
Dann m�ssen wir eben fr�her dran sein.
Jetzt kann da auch was runterkommen.
Zusammengefroren ist nichts.
So ein Mist.
Los, rauf da!
Oder?
Probieren wir den Pfeiler. Wenn's geht, geht's, wenn nicht, dann nicht.
Ich lebe gerne l�nger. - Ja.
Kann nicht wahr sein, was soll da runterkommen?
Ich verstehe nicht, was die zwei haben.
Es ist br�chig, na und! Man muss nur schauen, wo man hingreift.
Es ist 4 Uhr morgens, alles ist schotterig und sieht widerlich aus.
Die Situation ist nicht gut, aber wir m�ssen rauf.
Jetzt ist da eben ein Bruch. Los geht's!
Ich frage mich jetzt schon, warum ich mir das antun musste.
Im Ger�ll in dieser Steinschlagzone ist der Gedanke reizvoll,
umzudrehen und alles hinzuschmei�en.
Aber es ist zum Gl�ck kalt genug.
Wir m�ssen versuchen, den Auf- und Abstieg hinter uns zu haben,
wenn die erste Sonne kommt.
Das ist unsere einzige Chance, da lebend durchzukommen.
Da rauf ist besser als da dr�ben �ber die maroden Schneebr�cken um die Zeit.
Da fahr ich mit Skiern runter, aber ich gehe nicht zu Fu� rauf.
Da gehe ich lieber hier rauf.
Das einzig wirklich Beschissene ist der schwere Rucksack.
Der lastet so auf dir. - Brutal.
Mit der Schwierigkeit der Aufgabe wachsen der Reiz und die Herausforderung.
Und hinzu kommt:
Es gibt heute nicht mehr viele Dinge, die noch nie jemand gemacht hat.
Wo du der Erste sein kannst. Das ist ein besonderer Reiz.
Wie neugeboren!
Ohne Rucksack.
Du hast noch den Benzinkanister mitgenommen.
Ein bayerisches Urvieh.
Wir haben aus den Fehlern vom ersten Versuch gelernt.
Wir haben zwei Zelte f�r 4 Mann mit.
Die stellen wir zum ersten Mal auf 4000 Meter auf,
wo wir die erste Nacht verbringen.
Am n�chsten Tag siedeln wir mit der ganzen Ausr�stung weiter nach oben
bis auf etwa 4800 m.
Dort suchen wir einen sch�nen Platz und verbringen noch eine Biwaknacht.
Von dort geht's dann wahrscheinlich in einem Rutsch auf den Gipfel
und am gleichen Tag mit den Skiern wieder herunter.
Soweit das irgendwie m�glich ist.
Wir wussten, was 2002 passiert ist.
Wir wussten nur nicht genau, warum es passiert ist.
Wir stellten Vermutungen an,
welche Fehler wir vermeiden m�ssen, damit es uns nicht geht wie den Amerikanem.
Diese Trag�die schwebt wie ein Damoklesschwert �ber unserem Projekt.
Da oben liegen zwei Tote
und wir werden an der Stelle wahrscheinlich vorbeikommen.
Die Entscheidung den Gipfelsturm in Angriff zu nehmen
ist ziemlich schwerwiegend.
Damit kommt ein Zug ins Rollen, der nicht so einfach zu stoppen ist.
W�hrend dieses 3-4-t�gigen Gipfelsturms
musst du im Sekundentakt Entscheidungen f�llen,
von gro�er Tragweite und jede Sekunde.
Jeder Schritt, Griff oder Schwung kann ein falscher sein.
Und falsch hei�t unter Umst�nden t�dlich.
F�r mich wird der Berg nicht reizvoller, wenn andere daran gestorben sind.
Eher das Gegenteil. Manche Berge sind sch�n, andere nicht.
Es ist eine zus�tzliche Herausforderung, wenn du wei�t,
dass andere daran gescheitert sind.
Dann schwillt das Ego und man will besser sein.
Man will beweisen, dass man es schaffen kann.
Da erwacht ein wenig der Wettkampfgeist in uns.
Das Wetter scheint morgen gut zu sein, fantastisch anscheinend.
Es sind schon ein paar br�ckelnde Passagen drin...
Wir werden sehen. Die Flanke da oben sieht gut aus.
Wie sie wirklich ist, wissen wir erst morgen, wenn wir drinstehen.
Bei solchen Sachen hilft verdr�ngen ziemlich gut.
Bei mir zumindest.
Beim Gedanken daran hab ich die Hosen voll.
Es kann so vieles schiefgehen.
Das Wichtigste ist, konzentriert zu bleiben - hinauf und hinunter.
Konzentriert mache ich automatisch das Richtige.
Das bin ich gewohnt. Nur nicht die Konzentration verlieren.
Wenn ich angefangen habe, ist die Nervosit�t weg.
Die kommt wegen der Angst, aber die ist dann auch weg. Das wei� ich.
Dann nimmt das Ganze seinen Lauf
und durchgespielt habe ich es sowieso gedanklich 100000 Mal.
Wir k�nnen eigentlich nur �ber die S�dflanke hinaufsteigen,
obwohl das nicht gerade der einfachste Weg auf den Gipfel ist.
Wir m�ssen da hinaufgehen, wo wir auch wieder runterfahren.
Ich denke, das war einer der Fehler der Amerikaner damals.
Sie nahmen f�r den Aufstieg einen anderen Weg als f�r die Abfahrt.
So wussten sie nichts �ber die heimt�ckischen Schneebedingungen
und das wurde ihnen zum Verh�ngnis.
Bei jedem Schritt vibriert der ganze Hang.
Man merkt, wie schlecht die Schneedecke aufgebaut ist.
Wir sind jetzt an dem Punkt, wo wir nicht wissen, was beim n�chsten Schritt passiert
und ich stehe relativ weit in der Gipfelflanke.
Du wei�t, dass da Lawinengefahr besteht und sagst trotzdem:
Das ignorier ich jetzt, ich gehe da durch, denn ich will da rauf.
Und der einzige Weg f�hrt da durch.
Das ist verr�ckt, aber trotzdem machst du es.
In meiner �bermotivation hab ich die Situation fast �bersehen,
weil ich zu weit gegangen bin.
Vor diesem Moment hab ich mich gef�rchtet.
Dieser Moment wird jetzt zur Ewigkeit.
Klar triffst du in der Situation Entscheidungen,
die deine normale Schwelle �berschreiten.
Du willst etwas Gro�es machen, also musst du auch Gro�es geben.
Willst du etwas Gro�es leisten, musst du mehr riskieren.
Das ist eben so.
Es entspricht meiner Grundeinstellung zu sagen:
Wenn er dich holen will, dann holt er dich.
Dadurch, dass wir die Skiausr�stung mit hinauftragen,
ist das Gep�ck deutlich schwerer.
Du musst deine Kr�fte gut einteilen,
denn wenn du erledigt am Gipfel ankommst,
reicht die Energie nicht mehr f�r eine sichere Abfahrt.
Dazu braucht man viel Energie.
Wenn keine Kraft mehr vorhanden ist, wird es sehr gef�hrlich.
Jawoll, meine Herren!
Wir brauchten zweimal, aber...
Ist das geil!
Das hast du dir verdient, Axel. Daf�r hast du 3 Jahre gearbeitet.
Jetzt haben wir's geschafft.
Seit 5 Jahren die Ersten, liebe Freunde!
Hoffen wir, dass wir gut hinunterkommen.
Passt auf, ja. - Ja, ihr auch!
Jetzt gilt's: 4, 3, 2, 1...
Jetzt kenne ich noch die ersten 100 Meter am Grat entlang
und ab da wei� ich nicht, wo wir reinkommen und wie's da aussieht.
Trotzdem ist es f�r uns besser, da ins Unbekannte zu fahren,
als da runter zu fahren, wo wir raufgegangen sind.
Denn dort ist die Lawinengefahr besonders gro�.
Also trotz alledem:
Dr�ben geht's gar nicht, da vielleicht. Das ist besser.
Passt gut auf da unten, das sieht heikel aus.
Ich fahre voraus, dann werden wir sehen.
Ich geb dir von unten Bescheid, ob die Linie passt.
Du f�hrst irgendwo rein, hoffst, dass es keine Windlippe oder so etwas ist
und dass du dort richtig bist.
Dann stehst du im Hang und wei�t nicht, ob er geht oder nicht.
Ist da Eis unterm Schnee? Wie eisig ist er? Was sind das f�r L�cher?
Besteht Lawinengefahr da unten, wo mehr Schnee liegt?
Und dann geht's erst richtig los.
Verflixt noch mal! Das sieht von oben schon wieder ganz anders aus.
Ist das da der gro�e Eisblock, von dem wir geredet haben?
Da m�ssen wir rechts rein, oder? - Genau.
Ok, dann mal los.
Das geht, Resl, ist gar nicht so �bel.
Resl, pass auf! Das ist viel steiler als vermutet.
Das kommt alles hinterher. Wenn's uns da runterrei�t, sind wir dahin.
Resl...
F�nf Meter weiter rechts, oder vielleicht 10 Meter...
da ist ein ziemlicher Dreckhang.
Es war eine gute Entscheidung, nicht die Aufstiegsroute runter zu fahren.
Hier sind die Bedingungen sicherer.
Super, sieht viel besser aus als dr�ben.
Jetzt m�ssen wir nur gut durch die Spalten hinausfinden.
M�glichst schnell, bevor zu viel Sonne kommt.
Das ist ein Riesenberg mit Riesendimensionen - wenn da etwas passiert,
ist die Wahrscheinlichkeit, da einen lebend rauszubringen, gering.
Das sind vielleicht riesige Spalten!
Ja, pass auf! Ganz weich fahren, Axel.
Keine Druckunterschiede.
Da irgendwo muss der Ami liegen. Da ist er runtergefallen.
Axel, ich will gar nicht daran denken,
was los ist, wenn einer von uns in so eine Spalte f�llt.
Ich sehe das High Camp! Den ersten Teil haben wir gleich.
G�nther oder Volker - wie geht's euch? Wir sind jetzt im High Camp.
Wir haben gerade die erste L�nge abgeseilt.
In einer Stunde ungef�hr sind wir auch unten.
Gratuliere euch, Jungs.
Bei mir ist der Knackpunkt das Eis.
Wenn es vereist ist, vielleicht noch mit Pulverschnee bedeckt,
dass man die Gefahren schwer erkennen kann.
Das sind die Sachen, die mir am meisten Bauchweh machen.
Resl, die Linie passt genau. Es ist wenig Schnee �berm Eis, aber es geht.
In der H�he ist es wahnsinnig anstrengend zu fahren!
5 Schw�nge, Wahnsinn. Danach bist du blau an den F��en.
Aber weiter geht's!
So, da noch runter und dann geht das steile St�ck los.
Unter den Felsen k�nnen wir auf die Aufstiegsroute rauf.
Beim Aufstieg hab ich gesehen, dass das gut aussieht.
Aber Resl, trotz allem: Skifahren ist doch einfach geil, oder?
Axel, das war jetzt eine von den Schl�sselstellen.
Jetzt kann es nur besser werden.
Es ist in vielen Bereichen nicht das Problem, einen gro�en Schwung zu fahren,
aber du musst bei der Abfahrt ein paar 1000 fahren, ohne Mist zu bauen.
Und das ist in unserem Zustand - hundem�de vom Aufstieg -
die gro�e Herausforderung.
Axel, siehst du? Da unten ziehen schon Nebel auf.
Volle Konzentration, heute machen wir keinen Fehler und lassen nix anbrennen!
Das reicht bis zum Camp, da haben wir freie Sicht.
Lass laufen - der Nebel kriegt uns diesmal nicht.
Passt! Bis zum High Camp, ein paar Stunden Schlaf,
damit wir rechtzeitig ohne Steinschlag runterkommen, bevor die Sonne kommt.
Volker, wir sind im High Camp, wir haben's geschafft!
Wir sind auf 4000. Wir sehen euch sowieso.
Wir bauen jetzt das Zelt auf und warten auf euch.
Ich bin einmal gefallen.
Wir packen zusammen und kommen dann zu euch. Gratuliere noch mal!
Wenn du nach monatelangen Vorbereitungen
und nach wochenlangem Rumliegen im Zelt bei Sauwetter,
nicht wissend, ob du je auf den Berg kommst,
wider Erwarten doch auf dem Gipfel stehst,
dann ist das Gef�hl unbeschreiblich.
Wenn du es dann noch schaffst, mit Skiern herunterzufahren,
wo noch nie jemand runtergefahren ist,
dann geht es dir so unglaublich gut,
dass du das immer wieder machen willst.
Du wirst fast s�chtig nach dem Gef�hl.
Teilweise l�ste ich haarstr�ubende Situationen mit einer anderen Linie.
Beim Skifahren, bei der Steilfahrt, denke ich nicht nach.
Das kann ich, das hab ich im Griff.
Aber was machst du, wenn pl�tzlich Eis unterm Schnee ist?
Nur etwas Pulverschnee dr�ber.
Stehst du das? Rutscht du aus?
Durchatmen, Augen aufmachen. �berlebt.
Meine st�rkste, positive Erinnerung an die Geschichte...
Nicht, dass das die l�ngste Skiabfahrt der Welt ist,
sondern vielmehr, dass man so heftig sp�rt,
dass man Hunderte Kilometer abseits jeglicher Zivilisation ist,
dass man auf einem Berg ist, der einen nicht einmal sp�rt.
Man ist wie die Fliege auf dem Elefanten.
Den Berg interessiert es nicht, ob du ihn besteigst.
Trotzdem gibt er dir so viel.
Wenn du am Gipfel stehst, wenn du es geschafft hast...
Aber der Haupteindruck ist dieses Exponiertsein
in einer Dimension Mensch-Berg, die unglaublich ist.
Das ist der st�rkste Eindruck.
Bestens! Weltrekord!
Zu Ehren derer, die es zuerst versuchten
Keiner au�er den �berlebenden wei�, was im April 2002 am Mount St. Elias geschah.
Vielleicht nicht einmal sie.
Die Darstellungen in diesem Film basieren nicht auf wahren Ereignissen.
Sie dienten nur der Veranschaulichung. Was wirklich geschah, bleibt ein R�tsel.
Die �berlebenden erz�hlten ihre Geschichte einmal Jon Doling von AP.
Nach einem Treffen mit den Familien Martins und Sanders' redeten sie nie mehr dar�ber.
Auch wer nichts riecht, riecht das.
Das ist der wahre Weltrekord.
Niemand kann sich vorstellen, wie das stinkt.
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