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Der brave Soldat Schwejk (1960) dTV - SWR Fernsehen - 24. Juli 2016
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(Musik)
(Musik)
(Fanfare)
Entschuldigen Sie, wenn die Bilder etwas verschwommen sind.
Aber es sind echte Aufnahmen aus der Zeit vor dem Ersten Krieg.
Unsere Erinnerungen an diese Zeit sind ja auch etwas verschwommen.
Dieser Blumenkorso fand in Wien im Prater statt, im Jahre 1914.
Im letzten Jahre der guten alten Zeit.
In Budapest traf sich um die gleiche Zeit
die elegante Welt auf einem Reitturnier.
Während in Prag die Budapester Oper ein glanzvolles Gassenspiel gab,
mit einem hochmodernen Ballettabend.
Das gehörte damals alles zusammen.
Österreich, Ungarn und Böhmen waren glücklich vereint
in der österreichisch-ungarischen Doppelmonarchie.
Glücklich ist vielleicht ein bisschen übertrieben.
Die Böhmen z.B. waren von dem Wunsch nach einem eigenen Staat beseelt.
Aber auf alle Fälle waren die Völker vereint.
Unter dem Zepter des alten Kaisers Franz Joseph.
Hier sehen Sie den begeisterten Empfang
des Erzherzogs Franz Ferdinand in Sarajewo.
Das Opfer dieses Attentats war der Erzherzog Franz Ferdinand,
seine Gattin und die gute alte Zeit.
Es führte zu dem Krieg,
der als Weltkrieg Numero 1 geschichtlich registriert wurde.
Die Herzen der Wiener schlugen für ihren vielgeprüften Kaiser.
Die Tschechen, damals nannte man sie Böhmen,
waren weniger enthusiastisch in ihren Solidaritätskundgebungen.
Aber Enthusiasmus kann ja in ernsten Zeiten behördlich befohlen werden.
Also, in Prag und in jenen Tagen beginnt die Geschichte
des braven Soldaten Schwejk.
(Mann ruft) Extraausgabe, Extraausgabe, Attentat in Sarajewo.
Extraausgabe.
Extraausgabe.
Attentat in Sarajewo, Extraausgabe.
Also, jetzt haben sie den Ferdinand erschlagen.
Herr Palivec, ich kenne 2 Ferdinande.
Einer ist Diener beim Drogisten Pruscha, da hat er mal aus Versehen
eine Flasche mit Haartinktur ausgetrunken.
Dann kenn ich noch den Ferdinand Kotschka,
der bei uns den Hundedreck sammelt.
Um beide ists nicht schad.
Herr Schwejk, den Erzherzog Franz Ferdinand.
Jesus Maria.
Das ist aber gelungen.
Wo ist ihm das passiert, dem Herrn Erzherzog?
In Sarajewo haben sie ihn mit den Revolvern niedergeschossen.
Wie er mit seiner Erzherzogin im Automobil gefahren ist.
Mein Würschtel möcht ich ohne eine Semmel.
Da schau her, im Automobil.
Hat er sich lange geplagt?
Nein, er war gleich hin.
Automobilfahren ist eh schon eine gefährliche Sache.
Wenn dann noch auf einen geschossen wird,
müsst ein Wunder geschehen, wenn man mit einem blauen Auge davonkommt.
Herr Wirt.
Was denken Sie denn, wer es gemacht hat?
Wer unseren Ferdinand umgebracht hat, geht ja mich einen Dreck an.
Für uns Gewerbetreibende gibts keine Politik.
Aber es ist ein großer Verlust für Österreich.
Ein Verlust ist es.
Ein fürchterlicher Verlust.
Der Ferdinand lasst sich nicht durch jeden x-beliebigen Trottel ersetzen.
Wie meinen Sie das?
Bitte, sprechen Sie von was anderes, ja?
Ich hab das nicht gern.
Man lässt etwas fallen.
Das kann einen dann vielleicht später verdrießen.
Ist da nicht früher mal ein Bild vom Kaiser gehangen?
Sie haben recht, da ist es gehangen.
Aber die Fliegen haben auf ihn geschissen.
Mir tut unser Kaiser leid.
Jetzt haben sie ihm auf seine alten Tage den Neffen abgemurkst.
Da müsst man eiserne Nerven haben.
Aber Sie glauben, unser Kaiser wird das so lassen?
Ihr habts meinen Neffen erschlagen?
Dafür kriegt ihr eine über die Goschen.
Wem wird er das sagen?
Dem Feind.
Sakra, werden wir die Feinde dreschen.
Es wird Krieg geben, mehr sag ich euch nicht.
Mehr brauchen Sie auch nicht zu sagen.
Staatspolizei, Sie sind verhaftet.
Jesus Maria.
Da liegt sicher eine Verwechslung vor, Euer Gnaden.
Ich bin völlig unschuldig.
Die Sache sieht mir sehr nach Hochverrat aus.
Nichts hat der Herr Schwejk gesagt. Ich werds bezeugen.
Einen feinen Zeugen werden Sie abgeben.
Machen Sie sich nichts draus, ich geh nur wegen Hochverrat mit.
Wo ist Ihre Frau? - Das geht Sie einen Dreck an.
Kann sie während Ihrer Abwesenheit das Geschäft führen?
Und ob sie kann. - Abends holen wir Sie auch.
Wieso mich? - Dafür, dass Sie gesagt haben,
dass die Fliegen auf unseren Kaiser geschissen haben.
Entschuldigen Sie, ich möcht nur zahlen.
Unser Oberleutnant Makovec hat früher immer gesagt:
Disziplin muss sein,
sonst möchtet ihr wie die Affen auf den Bäumen klettern.
Aber das Militär wird Menschen aus euch machen, ihr Trottel.
Stellen Sie sich einen Park vor
und auf jedem Baum einen Soldaten ohne Disziplin.
Davor hab ich immer die größte Angst gehabt.
Wie rasch uns die Zeit verlaufen ist.
Gehen Sie öfters zum Kelch?
(Musik)
(Klopfen)
Herein.
Guten Abend meine Herren alle miteinander.
Wissen Sie, weshalb Sie hier sind?
Melde gehorsamst, dass ja.
Wenn eine so gefährliche Zeit kommt, dass man auf Erzherzöge schießt,
darf sich niemand wundern, wenn man ihn auf die Polizeidirektion bringt.
Benehmen Sie sich nicht so blöd!
Dessen Sie sich schuldig gemacht haben, beweist,
dass Sie alle Sinne beisammen haben.
Hochverrat, Majestätsbeleidigung,
Billigung der Ermordung des Erzherzogs.
Das Verbrechen der Aufwiegelung,
weil sich das in einem öffentlichen Lokal abgespielt hat.
Was haben Sie dazu zu sagen?
Ein gewisser Polaczek hat mal 12 l Bier getrunken, am Vormittag, und...
Halten Sie das Maul!
Sprechen Sie erst, wenn ich Sie etwas gefragt haben werde.
Melde gehorsamst, dass ich verstehe.
Gestehen Sie alles?
Wenn Sie wünschen, Euer Gnaden, dass ich gesteh, so gesteh ich.
Dann schreiben Sie:
Alle Beschuldigungen gegen mich entsprechen der Wahrheit, ich...
Ich hab einmal ein Buch gelesen,
dass der Angeklagte auf glühenden Eisen gehen
und geschmolzenes Blei hat trinken müssen.
Damit man erkennt, ob er unschuldig ist.
Oder man ihn in einem Sack ins Wasser geworfen.
Wenn man so einen Menschen nur in den Hungerturm geworfen hat,
war er ihnen wie neu geboren.
Dann freuen Sie sich, dass Sie jetzt leben.
Unterschreiben Sie.
Melde gehorsamst, ich freu mich.
Abführen! - Abführen!
(Musik)
Untersuchungshäftling Schwejk.
Danke.
Es lebe Kaiser Franz Joseph I.
Sie sind also der Schwejk.
Ja.
Was sind Sie denn von Beruf, Herr Schwejk?
An- und Verkauf von Hunden, Euer Gnaden.
Von Bernhardiner bis zum Pinscher, was immer die Herrschaften wünschen,
und alle mit Stammbaum.
Weils den Leuten so viel Spaß macht,
wenn ihre Hunde einen Stammbaum haben.
Es ist alles Vertrauenssache.
Bei dem Protokoll, das Sie unterschrieben haben,
hat man da auf der Polizei...
...Druck auf Sie ausgeübt?
Aber woher denn?
Wie sie gesagt haben, ich solls unterschreiben,
hab ich ihnen gefolgt.
Ich will mich mit denen doch nicht
wegen meiner eigenen Unterschrift herumschlagen.
Fühlen Sie sich ganz gesund, Herr Schwejk?
Na, ganz gesund grad nicht, ich hab Rheuma.
Kurier mich mit Opodeldok.
(Musik)
Schwejk, Josef, überstellt aus dem Landesgericht.
Wünsche einen schönen guten Morgen.
Ich habe vollstes Vertrauen zu Ihnen,
wobei ich begreife, dass sich jeder irren kann.
Er muss sich irren, je mehr er über etwas nachdenkt.
Besonders ein Irrenarzt kann sich irren, dass sagt schon der Name.
Machen Sie sich frei.
Darf ich Euer Gnaden bitten, meine Unterhose anbehalten zu dürfen?
Gehen Sie zurück und machen Sie 3 Schritte auf uns zu.
3, 3, 3 hab ich gesagt.
Mir kommts auf ein paar Schritte nicht an.
Setzen Sie sich.
Merkwürdig. - Sonderbar.
Hey.
Hey.
Was ist das für ein...
Atmen, tief atmen. - Nicht atmen.
Atmen, tief atmen. - Nicht atmen.
Augenblick, meine Herren, bitte Ruhe, so kann ich nicht...
(kreischt)
Beantworten Sie mir erst einige Fragen.
Ist Radium schwerer als Blei?
Das kann ich Ihnen nicht sagen,
aber in der Zelle nebenan ist ein Universitätsprofessor.
Der hält sich für ein Huhn und weint bitterlich,
weil er keine Eier nicht legen kann.
Der kann Ihnen sicher Bescheid geben.
Was ist der Unterschied zwischen einem Kreis und einer Kugel?
Ein Kreis ist...
Eine Kugel ist...
Kugel ist Kugel.
Aber ich werde Ihnen auch ein Rätsel aufgeben.
(alle) Was?
Was ist der Unterschied
zwischen einem Tanzsaal und einem Schlachthaus?
Im Tanzsaal schweben die Beine, im Schlachthaus beben die Schweine.
Na so etwas.
Das ist ein klarer Fall von Dementia praecox.
Keine Spur, Herr Kollege.
Angeborener Kretinismus.
Die verehrten Kollegen befinden sich auf dem Holzwege.
Ein Simulant ist der Mann.
Ein Simulant.
Schwach im Verstand.
Ich bin kein Simulant nicht.
Die waren sich bei die Herren Militärärzte völlig einig,
ich bin ein behördlicher Idiot.
Wer hier ein Idiot ist, bestimmen wir.
Können Sie singen?
Was?
Ich meine, können Sie uns ein Lied vorsingen?
Ohne Weiteres.
Ich hab zwar keine sehr schöne Stimme.
Aber ich werde Ihnen gerne den Gefallen tun,
wenn Sie sich unterhalten möchten.
* Der kleine Mensch im Lehnstuhl durt,
blickt nieder in tiefen Sinnen.
2 bittere, heiße Tränen furt über seine Wangen rinnen.
Oh, kleiner Mensch, was weinest du? *
Weiter kann ichs nicht.
Ich habs vorausgesagt, aber im Irrenhaus wissens noch nix davon.
Obwohl sies aus 1. Hand haben sollten.
Heil Kaiser Franz Joseph.
Herrschaften, des wird a Hetz werden.
Mein Würschtel und ein Dunkles, Frau Palivec.
Ist Ihr Mann auch schon zu Hause?
Sie haben ihm 10 Jahre aufgebrummt vor einer Woche.
10 Jahre?
Das hätt ich nicht gedacht.
Dass sie einen unschuldigen Menschen zu 5 Jahren verurteilt haben,
das hab ich schon gehört.
Aber 10, das ist a bissel viel. - Der arme Kerl.
Mein Leben lang
werde ich seine Augen nicht vergessen nach dem Urteil.
Ja.
7 Tage sind ja schon rum.
Vielleicht gefällts ihm gar nicht so schlecht.
Ich wär gern im Irrenhaus geblieben.
Ich versteh nicht, warum die Menschen sich ärgern,
wenn man sie dort einsperrt.
Man kann nackt auf der Erde kriechen.
Man kann sich den Finger in die Nase stecken.
Einer hat sich sogar für Hänsel und Gretel ausgegeben,
damit er 2 Portionen kriegt.
Hübsch wars da.
(Fanfare)
Die Begeisterung war allgemein.
Stolz ließ der Kaiser noch einmal seine Truppen
in ihren farbenprächtigen Uniformen an sich vorbei paradieren.
Auch in Russland ließ der russische Kaiser noch einmal seine Truppen
in ihren farbenprächtigen Uniformen an sich vorbei paradieren.
Jedes Land überprüfte sorgfältig seine Waffen.
In Österreich war man überzeugt von seinem Recht und zuversichtlich,
dass die gute Sache, d.h. die österreichische, siegen werde.
Auch in Russland war man überzeugt von seinem Recht und zuversichtlich,
dass die gute Sache, d.h. die russische, siegen werde.
Auf den Bahnhöfen herrschte Hochstimmung.
So, als ob es nicht zu einer Völkerschlacht,
sondern auf eine Völkerhochzeit ginge.
Die freiwilligen Meldungen waren so zahlreich,
dass der Kaiser einen Erlass herausgab:
Jeder Mann, der nicht das Glück habe,
sofort zu seinen Waffen gerufen zu werden,
würde seinem Vaterlande am besten damit dienen,
dass er seiner gewohnten Tätigkeit mit doppeltem Fleiß nachgehe.
Ein Brief für Sie ist angekommen, Herr Schwejk.
Was sagen Sie zu Sebastian, Frau Müller?
Die 12 Jahre sind wie weggeblasen. - Wie neu geboren sieht er aus.
Gott, werden sich die Leute freuen.
Sie haben Sommersprossen bekommen.
Ihr Nachthemd auch.
Der Brief ist vom Kriegsministerium.
Frau Müller, setzen Sie sich.
Ich geh zum Militär.
Heilige Jungfrau, was wollen Sie dort machen?
Kämpfen.
Mit Österreich stehts schlecht.
Oben rücken uns die Russen auf Krakau und unten auf Ungarn.
Wir werden gedroschen wie Stroh, darum beruft man mich ein.
Aber Sie können sich doch nicht rühren mit Ihrem Knie.
In einer solchen Zeit muss ein jeder Krüppel auf seinem Platz sein!
(summt "Radetzky-Marsch")
(Musik: "Radetzky-Marsch")
Es lebe Kaiser Franz Joseph.
Hey.
Schwejk, Josef.
Was fehlt Ihnen?
Ich melde gehorsamst, ich bin Rheumatiker.
Aber dienen werde ich Seiner Majestät, dem Kaiser,
bis man mich in Stücke reißt.
Ich hab geschwollene Knie.
Das ist aber wirklich Pech, Rheuma zu bekommen,
wenn ein Krieg ausgebrochen ist und man an die Front soll.
Das muss Sie schrecklich verdrießen.
Melde gehorsamst, dass es mich schrecklich verdrießt.
Dann hab ich noch Herzklopfen, wenn ich die Treppen raufsteig.
Aber der findet ja im Parterre statt.
In die Simulanten-Baracke abführen!
Ein Simulant sind Sie, ein Schwindler!
Ihnen werden wir schon das Rheuma auskurieren.
Dafür bin ich Ihnen dankbar, Herr Oberarzt.
Morgen.
Wünsche Ihnen allen eine recht baldige Genesung, meine Herren.
Was fehlt dir denn?
Ich hab Rheuma.
(alle lachen)
Ja, Rheuma.
Mit Rheuma, das fang gar nicht erst an.
Das ist so viel wie ein Hühnerhaufen.
Na, geh.
Ist denn die Verpflegung zufriedenstellend?
Ja, morgens gibts einen Tee.
Und abends eine Haferschleimsuppe.
Nun ja, der Krieg ist halt teuer.
Sie müssen sparen.
Fertig machen!
Pokorny! - Hier!
Magen auspumpen, Aspirin.
Koverik! - Hier!
Einlauf, Aspirin.
Howatke! - Hier!
Einlauf, Aspirin.
Rokurka! - Hier!
Einlauf.
Havlicek! - Hier!
Doppelter Einlauf.
Schwejk!
Was fehlt Ihnen?
Ich bin ein Rheumatiker.
Rheumatiker?
Da haben Sie aber eine sehr schwere Krankheit.
Tun Ihnen da nicht die Knie weh?
Melde gehorsamst, dass ja.
Aha.
Und die Nächte können Sie nicht schlafen, nicht wahr?
Rheuma ist eine sehr schmerzhafte Krankheit.
Aber wir haben hier schon gute Erfahrungen gemacht.
Sie werden an die Front marschieren, dass es hinter Ihnen nur so staubt.
Geben Sie ihm einen Einlauf, dass er alle Heiligen anruft.
Damit sein Rheuma erschrickt und davonläuft.
Ich habe vollstes Vertrauen zu Ihrer Kunst, Herr Oberarzt.
Aber sollte man nicht zusätzlich das Knie mit Opodeldok einreiben?
Da schau her.
Der Herr ist vom Fach.
Ich werde mir erlauben,
Sie bei besonders hartnäckigen Fällen zuzuziehen.
Herr Kollege.
Marsch!
(Musik)
Um an die Front zu kommen, muss man erstklassige Beziehungen haben.
Es will und will nicht besser werden.
Uns brauchst du nichts vorzumachen. - Am End ist das kein Simulant.
Alle ins Bett, ihr Lumpen.
Eine Generalsgemahlin kommt her.
Eine Baronin.
Dass mir niemand seine dreckigen Füß unter der Decken rausstreckt.
Ich möcht die Frau Baronin begrüßen, ich kenn so eine hübsche Ansprache.
Leg dich.
Melde gehorsamst, dass ich mich lege.
Also, da drüben, da haben wir unseren lieben Schwejk, Exzellenz.
Er verhält sich sehr geduldig.
Aha.
Da haben wir ihn.
Und so geduldig.
Der?
Ja, das ist er.
Mein Lieber.
Stuhl! - Stuhl!
Doch nicht den da. - Es war kein anderer da.
Hab alles in der Zeitung gelesen von unserem armen kranken Helden.
Der Bescheidene, er macht kein Aufhebens von seinen Taten.
Bitte, geben Sie her.
Ja, hier.
Patriotismus eines Rheumatikers.
Es war nicht leicht, ihn zu finden,
um ihm den Dank des Vaterlandes zu bringen.
Der General von Botzenheim ist der Vater aller Soldaten.
Seine wohlgeborene Gattin ist die Mutter aller Soldaten.
Und eine gute Mutter hat immer etwas für ihre guten Kinder.
Johann, kommen Sie einmal her.
Erst mal: "Wahre Begebenheiten aus dem Leben unseres Monarchen".
Voll von den erhabensten Ereignissen.
So, was haben wir noch?
Ach, da schau her.
Noch eine Kleinigkeit.
Machen Sie einmal auf.
So was kann man doch immer brauchen, oder?
Hühnchen.
Hühnchen.
Lauter Hühnchen.
(Musik)
Wenn die Not am größten, ist die Frau Baronin am nächsten.
Amen.
(Musik)
Wies ihm schmeckt, dem Wackeren.
Wann werden Sie ihn gesund gepflegt haben, Herr Stabsarzt?
Wir werden ihn bald so weit haben. - Das ist recht.
Jetzt lassts euch gut munden, gute Besserung, ihr tapferen Männer.
(alle) Wiedersehen, Frau Baronin.
Ich werde meine Hand schützend über ihn halten.
(Musik)
(alle) Wir auch, wir auch! (alle rufen durcheinander)
Sanitäter.
Ihr glaubt nicht im Ernst,
dass euch diese Hühner auf dem natürlichen Wege verlassen werden.
(Musik)
Damit erreichen Sie bei mir genau das Gegenteil, Herr Schapiro.
Um 7 Uhr in der Früh zahl ich grundsätzlich keine Rechnungen,
auch wenn ich könnt.
Aber ich kann nicht, ich habe kein Geld.
Melde gehorsamst, ich will kein Geld von Ihnen.
Weil ich nicht der Herr Schapiro bin,
sondern der Schwejk, Ihr neuer Bursche.
Bitte, sich zu überzeugen.
Ach so.
Kommen Sie rein.
Melde gehorsamst, Herr Oberleutnant, Herr Oberleutnant werden es
niemals nicht bereuen, dass er mich zu seinem Burschen auserkoren hat.
Von auserkoren kann keine Rede sein.
Zugeteilt sind Sie mir worden,
auf Veranlassung des Generals von Botzenheim.
Sagen Sie...
...was haben Sie mit dem General von Botzenheim?
Mit ihm nix.
Mit seiner Frau, sie hat mich im Bett besucht,
seitdem hält sie die Hand schützend über mich.
Was hast du angestellt, bevor du des Kaisers Rock anziehen durftest?
Hunde en gros, Herr Oberleutnant.
Ach, was hältst du denn von einem Terrier?
Beim Hundekauf muss man sich auskennen.
Hunde, die von sich sagen können, ich bin eine reinrassige Bestie,
gibts wenig.
Entweder hat sich die Mutter mit einem Scheusal vergessen.
Oder die Großmutter.
Oder er hat mehrere Väter gehabt und von jedem a bissel was geerbt.
So.
Für mich kommt nur ein reinrassiges und junges Tier infrage.
Ein jeder möchte ein junges Hunderl.
Aber wenn a Hund schon a Greis is,
putzen wir ihm die gelben Zähne mit Schmirgelpapier.
Mit so einem, was man rostige Messer putzt.
Wenn er grau ist, malen wir ihn schwarz oder braun an,
dass er ausschaut wie neu.
Es war ein einträgliches Geschäft, weil ich immer ehrlich war.
Du bist ein richtiger Hofnarr.
Puzikam, sag ihm, er soll sich umdrehen.
Los, dreh dich um.
Puzikam.
Du riechst so gut.
Ja, mein Schatz.
Schwejk, ich wünsche,
dass Sie alle meine Befehle ohne Widerrede ausführen.
Wenn ich Ihnen sage, springen Sie ins Feuer,
dann müssen Sie springen.
Auch wenn Sie keine Lust dazu haben. - Melde gehorsamst, ich spring.
Das ist gut.
Bei mir muss Ordnung herrschen. - Zu Befehl.
Ich hasse die Lüge.... - Zu Befehl.
...und bestrafe Sie unbarmherzig. - Zu Befehl.
Verstehen Sie? - Melde gehorsamst, ich versteh.
Nix ist ärger, wie wenn jemand lügt.
Ein ehrlicher Mensch ist überall geschätzt, geehrt,
mit sich selbst zufrieden und fühlt sich wie neu geboren,
wenn er sich abends sagen kann, heut war ich wieder ehrlich.
Puzikam.
Bitte hilf mir.
Ja, ich kann aber da nichts sehen, ich brauch einen Stuhl.
Wenn ich um 8 nicht im Geschäft bin, gibts eine Katastrophe.
Wo ist denn der Stuhl? - Wann seh ich dich?
Ich melde mich.
Wenn du telefonierst und Ernst ist am Telefon, sag:
Hier ist Franz, und du hast Grüße von der Mutter zu bestellen.
Was? So, ist in Ordnung. - Danke.
Du riechst so gut. - Ja, ja, ja.
Das gibt eine Katastrophe.
Wir leben ja im Zeitalter der Katastrophen.
Servus.
Ja, ja, ich meld mich.
Ich gehe jetzt auch.
Ich hab heute Dienst und komme erst in der Nacht.
Können Sie telefonieren?
Ich kann erstklassig telefonieren.
Ich bin in der Elferkaserne, wenn was los ist.
Bringen Sie die Wohnung in Ordnung, geben Sie der Katze zu fressen.
Eines Tages, wenn ich Ihnen den Befehl dazu gebe,
werden Sie mir einen erstklassigen Terrier besorgen.
In der Originalfarbe.
Ich werde Herrn Oberleutnant bis zum letzten Atemzug zufriedenstellen.
Das ist gut.
Danke.
Und lassen Sie niemand rein.
Sollte jemand wegen Geld kommen, sagen Sie, der Oberleutnant
hat bis zum Kriegsende alle Zahlungen eingestellt.
Was war noch?
Ah, ja, natürlich.
(Musik)
* Der kleine Mensch im Lehnstuhl durt,
blickt nieder in tiefen Sinnen.
2 bittere, heiße Tränen furt über seine Wangen rinnen.
Oh, kleiner Mensch, was wein... *
(Musik)
(Türklingel)
Ich möchte den Oberleutnant Lukas sprechen.
Nicht zu Hause.
He, hallo.
Machen Sie dir Tür auf, und bringen Sie mir die Koffer rein.
Ohne Erlaubnis von Herrn Oberleutnant gehts nicht.
Und wann kommt er nach Hause?
Bei der Nacht.
Ich kann doch die ganze Zeit nicht hier vor der Tür stehen.
Ich sitz schon 12 h in der Eisenbahn.
Ich werd versuchen,
mich mit Herrn Oberleutnant telefonisch in Verbindung zu setzen.
Ihr Name? - Kathi.
Kathi.
Sagen Sie ihm, mein Mann verfolgt mich.
Bitte sagen Sie ihm, ich bin furchtbar unglücklich.
(Telefonklingeln)
Hier Oberleutnant Lukas?
Was ist denn?
Was, wohnen will sie bei mir?
Wird hier Karten gespielt oder telefoniert?
Einen Moment bitte.
Wenns dem Herrn Oberleutnant recht ist, sag ich ihr,
dass ich den Herrn Oberleutnant nicht erreicht hab,
weil er das große Glück gehabt hat, ins Feld abkommandiert zu werden.
So etwas sagt man nicht mal im Spaß.
Einen Moment.
Ich hab da unerwartet Besuch bekommen.
Kann mir jemand von euch die Emma übernehmen heute Abend?
Ich möchte sie gern übernehmen, aber ich will mich nicht übernehmen.
Ich übernehm sie schon, aber ich muss sie erst besichtigen.
Ich übernehm sie ohne Besichtigung.
Schwejk, lassen Sie die gnädige Frau sofort herein.
Ich befehle Ihnen, dass Sie sich zu ihr ehrerbietig benehmen
und ihr alle Wünsche erfüllen müssen.
Melde gehorsamst, ich werde alle ihre Wünsche erfüllen.
Bitte, näher zu treten.
Na also.
Auf Befehl von Herrn Oberleutnant
soll ich mich zu Ihnen ehrerbietig benehmen
und Ihnen alles machen, was ich Ihnen von die Augen ablese.
Sie sind das größte Rindvieh, dem ich je begegnet bin.
Das glaub ich Ihnen gern, gnädige Frau.
Wie heißen Sie? - Schwejk, Josef.
Kann ich Ihnen noch was von die Augen ablesen?
Ja, machen Sie mir ein Bad.
Und dann beziehen Sie dieses scheußliche Bett frisch.
Ihr Wunsch ist mir Befehl.
Schwejk!
Hier riechts doch.
Das bin ich.
(lacht) Da schau her.
Der Schwejk, Josef, benützt Parfum.
Gelegentlich.
Sagen Sie, Schwejk, hat er oft Damenbesuch, der Herr Oberleutnant?
Der Oberleutnant Lukas führt ein keusches und enthaltsames Leben.
Die riecht, die Katz, die vorhin weggegangen ist.
Sie können doch nicht einfach hier so hereinkommen, Sie Depp.
Verschwinden Sie!
Da kann ich die gnädige Frau völlig beruhigen,
mich störts überhaupt nicht.
Sei mal ehrlich, bist du so blöd, oder tust du nur blöd?
Hinaus!
Ihr Wunsch ist mir Befehl.
Raus!
Schwere Zeiten stehen ihm bevor, dem armen Herrn Oberleutnant.
Mit der Bestie.
Schwejk.
Wir müssen sie loswerden, es reicht mir.
Einen Tag, bitte 2 Tage...
...bitte. Aber eine ganze Woche?
Allzu viel ist ungesund.
Ist ein schwerer Fall, Herr Oberleutnant.
Am besten wär, wenn der Mann von der gnädigen Frau,
von dem sie weggelaufen ist, davon wissen möcht, wo sie ist.
Damit er sie holen kommt.
Am besten wär, wenn ihm jemand ein Telegramm schicken möcht.
So ein Telegramm leistet gute Dienste,
und wenns auch ein paar Ohrfeigen setzen sollte.
Ich soll ein Telegramm schicken? - Pst.
Pfui Teufel, davon will ich nichts gehört haben.
Bitte, gehorsamst, wenn der Herr Oberleutnant
davon nix gehört haben will, könnt ichs ja schicken.
Als anonymer Freund. - Nein.
Ich kann Sie natürlich daran nur unter einer Bedingung nicht hindern.
Wenn ich nichts davon weiß.
Robert Wendler.
Robert Wendler.
Hopfen en gros.
Brünn.
Josephsgasse 18.
Brünn.
Josephsgasse 18.
(Kathi kreischt)
Jui, bin ich vernarrt in dich.
Sag, dass du ohne mich nicht leben kannst.
Ich kann ohne dich nicht leben.
Bitte gehorsamst um Erlaubnis, zur Post gehen zu dürfen.
(Türklingel)
Bedaure, wir haben unsere Zahlungen bis zum Kriegsende eingestellt.
Wo ist meine Frau?
Wendler, Hopfen en gros? - Ja.
1. Türe links.
Ja...
Was...
Schnauzi.
Herr Oberleutnant Lukas.
Mein Mann.
Dein Mann?
Ach, Herr Wendler.
Das ist aber nett, bitte, nehmen Sie doch Platz.
Bitte.
Bitte sehr.
Ist gefällig vielleicht ein Zigaretterl, Herr Wendler?
Wann sind Sie denn angekommen?
Heute früh.
Schnauzi?
Schnauzi.
Da bin ich aber sehr froh, dass Sie mich angetroffen haben.
Weil ich nachmittags in die Kaserne geh.
Ich konnte daher der gnädigen Frau meine Gastfreundschaft anbieten.
Ja. - Ja.
Ja.
Kathi ist gewiss eine merkwürdige Frau, Herr Oberleutnant.
Nehmen Sie meinen besten Dank für alles, was Sie für sie getan haben.
Du hast wohl gedacht, wenn ich auf Reisen bin,
kannst du auch verreisen.
(brüllt) Du hast nicht daran gedacht...
Kathi, augenblicklich fährst du mit mir nach Hause.
Und zieh was an!
Ja.
Mich regen alle diese Ereignisse so auf.
Was glauben Sie, wie der Krieg dem Hopfengeschäft schadet.
Es sind 3 Brauhäuser abgebrannt, das bedeutet für meine Firma
einen Schaden von 1.200 Säcke Hopfen jährlich.
Ja, der Krieg fordert von uns allen Opfer.
Das wird Ihnen guttun.
Ist nicht das 1. Mal, dass sie das macht.
Voriges Jahr ist sie mit einem Zahnarzt weggefahren.
In Agram hab ich sie wiedergefunden.
Ich hab bei dieser Gelegenheit im Brauhaus dort
einen Abschluss von 3.000 Säcken Hopfen getätigt.
Das ist eine ganze Menge Säcke.
War das größte Geschäft meines Lebens.
Sehen Sie, was Sie Ihrer lieben Frau verdanken.
Auf einen baldigen Sieg.
(Fanfare)
Von bald konnte gar keine Rede sein.
Auch von Sieg konnte nicht mehr
mit absoluter Sicherheit gesprochen werden.
Erinnern Sie sich noch an den Bahnhof im August 1914?
Nun, voll waren die Bahnhöfe immer noch.
Aber der Jubel hatte eigentlich vollständig aufgehört.
Der Strom der Flüchtlinge war endlos.
Und jeden Monat stellte sich ein neuer Feind ein.
Wenn man das Wort "Viel Feind, viel Ehr" wörtlich nimmt,
so konnten sich die Mittelmächte sehr geehrt fühlen.
Und sicherlich fragte man sich gelegentlich an höchsten Stellen,
ob es nicht ein bisschen zu viel der Ehre sei.
Die Moral der Truppe jedoch war vorzüglich.
Das Heer stand wie ein Mann.
(schnarcht)
(ächzt)
Mein armer Kopf.
Geht der Herr Oberleutnant heut ins Geschäft?
Oder soll ich wieder mal in der Kaserne anrufen und sagen,
dass der Herr Oberleutnant schwer erkrankt ist?
Sag, ich liege im Sterben.
Müssen Sie sich übergeben, Herr Oberleutnant?
Schwejk.
Etwas Entsetzliches ist passiert beim Kartenspielen.
Beim Kartenspielen passieren viele entsetzliche Sachen,
da war ein gewisser... - Seien Sie doch einen Moment ruhig.
Ich habe schreckliches Pech gehabt, ich habe alles Geld verspielt.
Alles.
Das war ja Gott sei Dank nicht so viel.
Am Schluss hab ich auch Sie verspielt.
An den Oberleutnant Helmich.
Wie viel haben Herr Oberleutnant, beiläufig, für mich bekommen?
100 Kronen.
Ich wollte ihm auch meine Wohnungseinrichtung als Pfand geben.
Aber die haben gewusst, dass sie nicht mir gehört.
Es tut mir leid, Schwejk. Wirklich.
Wir müssen Abschied nehmen, jetzt gleich,
und das kurz und schmerzlos, der Oberleutnant Helmich erwartet Sie.
Leben Sie wohl, Schwejk.
(brüllt) Mir ist sowieso recht, dass ich Sie Rindviech endlich loswerde!
Haben Sie verstanden, Schwejk?
Melde gehorsamst, ich hab verstanden.
(Weckerklingeln)
Ja, haben Sie den Verstand verloren?
Melde gehorsamst, ich hoffe, dass nein,
weil ich sowieso schon so wenig hab.
Sollen Sie nicht zum Oberleutnant Helmich gehen?
Ich war bei Oberleutnant Helmich.
Ich hab mich selbst zurückgekauft.
Sie haben ihm die 100 Kronen gegeben?
Nachdem mich der Herr Oberleutnant in Augenschein genommen hat,
habe ich ihn auf 50 Kronen herunterhandeln können.
Der Hund von Oberleutnant ist wütend geworden...
Wie sprechen Sie über Ihren Vorgesetzten?
Das heißt Herr Oberleutnant Helmich!
Also, was hat er getan?
Er hat mich ins Bein gebissen.
Ich möchte auch einen Hund haben, der dich ins Bein beißt.
Könnte der Herr Oberleutnant mir nicht den Befehl erteilen,
mich nach einem Terrier umzuschauen?
Meine Finanzen befinden sich in einem lächerlichen Zustand.
Geld spielt dabei keine Rolle, Herr Oberleutnant.
Verzeihung, Fräulein, wo geht man hier nach Žižkov?
Ich weiß nicht. Ich bin nicht von Prag.
Ich bin auch kein Hiesiger.
Ich bin aus Přelouč.
Ah, da sind wir nicht weit voneinander her.
Ich bin aus Protivín.
Ah ja.
Schönes Hundel, wie heißt er?
Max.
Max.
Max, komm her.
Max, na, komm.
(Pfeifen)
Ja, du bist ein schönes Hundel.
Der gehört uns.
Ich bin da im Dienst, bei Oberst Zillergut.
Was frisst er denn am liebsten? - Gekochte Leber.
Aber die kriegt er nur sonntags.
Kalbs- oder Schweinsleber?
Das ist ihm doch egal.
Sie.
Sind Sie öfters hier?
Jeden Abend um 20:30 Uhr.
Immer, bevor dunkel wird.
Da werd ich auch versuchen, morgen um 20:30 Uhr hier zu sein.
Wenn irgend möglich.
Vielleicht verspät ich mich auch ein bisserl.
Wenns ganz dunkel ist, sind Sie dann auch noch hier?
Den Männern aus Prag trau ich nicht über den Weg.
Aber am Lande sind die Leute ehrlicher.
Aber ich heirat nicht, bevor der Krieg zu Ende ist.
An Kriegsehen glaub ich nicht.
Weil so eine Frau gewöhnlich bald Witwe ist.
Ich komm und komm nicht an die Front,
weiß nicht, wie ichs anstellen soll.
(Hundebellen)
Ja, du bist doch ein schöner Hund, ein herrlicher Hund.
Max heißt er.
Wo haben Sie den denn her? Der muss doch ein Vermögen kosten.
Nicht einen Kreuzer.
Mein bester Freund ist heute an die Front verreist.
Gemeine Soldaten können keine Hunde nicht mitnehmen,
streng verboten.
Gut, Schwejk, am Ersten bekommen Sie von mir 50 Kronen für den Hund.
Das kann ich nicht annehmen.
Wenn ich es Ihnen sage,
müssen Sie es ohne Widerrede annehmen und vertrinken.
Melde gehorsamst, ich werde sie befehlsgemäß vertrinken.
Wenn der Herr Oberleutnant den Max spazieren führen,
empfiehlt es sich, ihn immer an der Leine zu halten.
Und nicht über den Havlicek-Platz zu führen.
Dort treibt sich ein böser Fleischerhund herum,
der gerne solche Terrier zusammenbeißt. - Gut.
Maxi.
Aber Schwejk, was machen wir mit der Katze?
Hund und Katze sind von Natur aus Freunde.
Entgegengesetzte Gerüchte sind erfunden.
Moment.
Bisschen rumbalgen werden sie sich am Anfang.
(knurrt)
(faucht)
(bellt)
* ...auf seinem Lehnstuhl durt, blickt nieder in tiefen Sinnen.
2 bittere, heiße Tränen furt... *
Wohin gehen wir denn, Herr Oberleutnant?
Gehen wir spazieren, oder gehen wir wohin?
Wir gehen wohin.
Zu mir.
Ich muss Ihnen unbedingt meinen Burschen zeigen,
eine einmalige Erscheinung.
Fräulein Gretl.
Ich möchte Ihren Burschen nicht kennenlernen.
Warum denn nicht? - Nein.
Fräulein Gretl.
Es ist Krieg.
Ich trage den Rock des Kaisers.
In ein paar Tagen kann es vielleicht nur noch ein Holzkreuz geben,
das meinen Namen trägt.
Das ist es ja, gerade das.
Dann sind Sie fort.
Und nichts bleibt...
...als Sehnsucht und Tränen.
Das will ich nicht.
Da kann ich Sie beruhigen, Fräulein Gretl,
ich kann offen mit Ihnen sprechen.
Ich bleibe in Prag für die Dauer des Krieges.
Ich bin unabkömmlich.
Bitte lügen Sie mich nicht an. - Ehrenwort.
Ich bilde einjährig Freiwillige aus.
Ich hab mirs arrangiert.
Gretl.
Könnten wir nicht doch in die andere Richtung gehen?
Nicht heute.
Ich muss gleich nach Hause.
Morgen?
Nein, diese Woche geht es überhaupt nicht.
Aber am Montag.
Montag...
Also gut.
Montag.
Aber nur, wenn Sie ganz artig sind.
Hey da, halt!
Herr Oberleutnant.
Ich bitte um Verzeihung, ich hab Herrn Oberst nicht bemerkt.
Kommen Sie eine Minute mit mir. Sie entschuldigen, Gnädigste?
Seit wann haben sich die Offiziere angewöhnt,
mit gestohlenen Hunden spazieren zu gehen? - Wieso...
Ein Hund, der einem anderen gehört, ist gestohlen.
Dieser Hund... - ...gehört mir.
Mein Max? - Ist mein Fuchs.
Haben Sie nicht im Tagblatt die Anzeige gelesen,
dass mir ein Terrier verloren gegangen ist?
Sie lesen die Inserate Ihrer Vorgesetzten nicht.
Dieser Hund?
Mit dem gestohlenen Hund eines Vorgesetzten spazieren gehen,
das gefällt Ihnen, wie?
In einer Zeit, in der wir täglich Hunderte Offiziere verlieren.
Und Inserate werden nicht gelesen.
Der Hund?
Ihr Name? - Oberleutnant Lukas.
91. Infanterieregiment, abkommandiert zur Ausbildung
einjährig Freiwilliger.
Ich nehme an, dass es Ihr Wunsch ist, an die Front zu kommen.
Ich verbürge mich, dass Sie binnen 3 Tagen in Budweis sein werden,
wo man den Marschbataillon formiert.
Gestatten Sie... - Nein, danken Sie mir nicht.
Sie können weiter spazieren gehen, ohne meinen gestohlenen Hund.
Komm.
Das ist ein bisschen so, als ob man zum Tod verurteilt wird.
Wenns einer schafft, dann sind Sie es.
Ich werde mir alle Mühe geben, darauf können Sie sich verlassen.
Den Schwejk schlag ich tot. Den erdrossle ich mit meinen Händen.
Fräulein Gretl, jetzt gibts keinen Montag mehr für uns.
Am Montag bin ich schon in Budweis.
Doch, heute.
Heute ist Montag.
(Fanfare)
Die Art der Kriegsführung wurde immer moderner.
Die Waffen immer furchtbarer.
Vielleicht kommt Ihnen das heute lächerlich vor,
aber es war ja nur der kleine Weltkrieg.
Aber für die, die in dem Krieg ums Leben kamen, war er groß genug.
1, 2...
...3...
...4, 5, 6, 7.
Einer fehlt.
Melde gehorsamst, Herr Oberleutnant, man hat uns einen Koffer gestohlen.
Wahrscheinlich hat der Dieb in dem Augenblick, wo ich gemeldet hab,
dass alle Koffer beisammen sind, einen gestohlen.
Das wird was Wunderbares,
wenn wir beide für Seine Majestät den Kaiser fallen werden.
Was war in dem Koffer?
Nur der Spiegel ausm Zimmer und der Garderobenhaken ausm Vorzimmer,
sodass wir keinen Verlust haben,
weil die Sachen dem Hausherrn gehört haben.
Schwejk.
Aufm Bahnhof ist immer gestohlen worden
und wird weiter gestohlen werden, anders gehts nicht.
Entschuldigung, sind Sie der Herr Purkrabek,
Vertreter der Weinfirma Goldene Rebe?
Ich hab in der Zeitung gelesen, dass der Mensch durchschnittlich
60- bis 70.000 Haare auf dem Kopf haben soll.
Und dass Haarausfall
von der seelischen Erregung im Wochenbett kommt.
Hinaus, Sie Schweinskerl!
Ich bin Generalmajor von Schwarzenburg.
Herr Oberleutnant, Sie unterhalten sich mit Ihrem Burschen
wie mit einem Freund.
Und erlauben ihm, Ihren Vorgesetzen zu beleidigen.
Wie heißen Sie? - Lukas.
Bei welchem Regiment dienen Sie? - Beim 91. Infanterieregiment.
Man hat mich strafversetzt.
Daran hat man gut getan, da brauch ich mich nicht mehr zu bemühen.
Bitte schön, kann ich Sie was fragen?
Wenn es kein Dienstgeheimnis ist.
Ein gewisser Przybil hat behauptet, dass nix passiert,
wenn man an so einer Notbremse zieht.
Da hat der Herr Sie angelogen. Der Zug bleibt stehen.
Die Notbremse muss funktionieren, deshalb heißt sie ja so.
(Klimpern)
* Der kleine Mensch im Lehnstuhl durt,
blickt nieder in tiefen...
...Sinnen. *
(summt)
(Bremsenquietschen)
Was ist da los?
Der Przybil ist ein Lügner.
Mein Bursche hat die Koffer so ungeschickt her gestellt.
Was ist los?
Einer hat die Notbremse gezogen.
Ich hab kein Interesse an einer Verspätung, ich fahr in den Krieg.
Mir werden Sie nichts von Ihrem Herrn Przybil erzählen.
Das kostet Sie 20 Kronen. - Das ist billig.
Ich hab keine 20 Kronen.
In diesem Fall muss ich Sie dem Stationsvorstand vorführen.
Das ist Vorschrift.
Ich sprech gern mit gebildeten Leuten. - Los.
Es war stärker als ich.
Ich soll 20 Kronen bezahlen
oder werde dem nächsten Stationsvorstand vorgestellt.
Auch wenn ich die 20 Kronen hätte,
würde ich sie Ihnen nicht zur Verfügung stellen.
So eine vorrübergehende Trennung hat auch sein Gutes.
Sind Sie schon lange bei der Bahn?
Wahrscheinlich geben Sie ihm auch einen Gutenachtkuss.
1,20 Kronen.
Das ist dasselbe, als ob Sie nichts hätten.
Entweder 20 Kronen oder überhaupt nichts.
"Eine volljährige Person, die unbefugterweise die Notbremse
betätigt, wird mit einer Geldstrafe von 20 Kronen belegt."
Ich glaube, ich kann Ihnen aus der Verlegenheit helfen.
Volljährig bin ich, aber nicht geistig.
Ich bin registriert als anerkannter Idiot.
Da kommts auf eine Notbremse nicht an.
Warum haben Sie das nicht gleich gesagt?
Stimmt das? - Ehrenwort.
Versichert an Eides statt, schwachsinnig zu sein.
Da kann ich ja weiter in den Krieg ziehen.
Wann geht der nächste Zug nach Budweis?
Budweis...
05:27 Uhr.
Haben Sie Ihre Militärpapiere? - Ja, in Hosentasche.
Geben Sies her.
In Hosentasche von Herrn Oberleutnant Lukas. Im Zug.
So? Dann werden Sie zu Fuß nach Budweis laufen.
Ohne Militärpapiere gibt es keinen Passierschein.
Ich werde mir meine Fahrkarte in den Krieg gerne selber kaufen.
Mit 1,20 Kronen?
Ein Fahrt nach Budweis, 3. Klasse, macht aber 2,45 Kronen.
Der Krieg ist nur für reiche Leute.
(Musik)
* 2 bittere, heiße Tränen furt...
...über seine Wangen rinnen.
Oh, kleiner Mensch, was weinest du?
Was weinest du, was weinest du? *
(Musik)
Es hat alles einen tiefen Sinn.
Hey, wohin denn?
Nach Budweis zu meinem Regiment. - Budweis?
Sie kommen von Budweis.
Sie haben Budweis hinter sich. Sie sind verhaftet.
Und ich bin doch nach Budweis gegangen.
Ich werd es Ihnen schon ausreden.
Sie werden zum Schluss selbst zur Einsicht kommen,
dass jedes Leugnen ein Geständnis nur erschwert.
Ich bin der Ansicht, jedes Geständnis erschwert jedes Leugnen.
Umgekehrt.
Umgekehrt, hab ich gesagt.
Na ja.
Sagen Sie, haben Sie sich mit Soldaten unterhalten? - Fast nur.
Haben Sie sie gefragt, wie viel Mann z.B. ein Regiment hat
und wie es eingesetzt wird?
Nein, das nicht, weil ich es schon weiß.
Sie sind also über die Zusammensetzung unserer Armee
vollständig informiert?
Natürlich, Herr Wachtmeister.
Können Sie Russisch? - Melde gehorsamst, dass nein.
Haben Sie gehört? Er kann nicht Russisch.
Der Kerl ist mit allen Salben gerieben. Geben Sie her.
Passen Sie auf, ich werde Ihnen etwas zeigen.
Streng geheim!
"Der planmäßige Rückzug in Ostgalizien
hat es russischen Spionen in österreichischen Uniformen
ermöglicht, in das Hinterland unserer Monarchie einzudringen.
Das Landeskommando befiehlt, alle verdächtigen Elemente anzuhalten..."
Usw.
Haben Sie dem etwas hinzuzufügen?
Kruzitürken, man kann nicht vorsichtig genug sein.
Ja, mein Freund.
Bei unseren Behörden verrechnen sich alle.
Wir sind nicht so blöd, wie wir ausschauen.
Ich muss mal austreten.
Steckt da nicht etwas anderes dahinter?
Es steckt nur ein Bedürfnis dahinter, Herr Wachtmeister.
Bajonett auf!
(Musik)
Dahinter stellen, damit er sich nicht durch die Mistgrube gräbt.
Hübsch habt ihrs hier, gemütlich.
Sagen Sie, können Sie fotografieren?
Melde, dass ja.
Fällt es Ihnen schwer, einen Bauernhof zu fotografieren?
Überhaupt nicht, weil er sich nicht rührt
und man nicht sagen braucht: bitte recht freundlich.
Gibt es in Russland hübsche Mädchen?
Hübsche Mädchen gibts in der ganzen Welt.
Gut, sehr gut.
Aber bei uns hat keiner mit Ausflüchten Erfolg.
Wollen Sie der Einfachheit halber
nicht lieber gleich ein Geständnis ablegen?
Leider nein, weil ich kann nicht 2 Sachen auf einmal machen.
(Fanfare)
Um diese Zeit wurden auf beiden Seiten viel Gefangene gemacht.
Schwejk war nur einer von Zahllosen.
Während die anderen hoffnungslos auf ein unabsehbares Ende
ihrer Gefangenschaft warteten, wurde Schwejk bald wieder entlassen,
weil man sich nach 6 Wochen davon überzeugt hatte,
dass er kein Spion sei.
Melde gehorsamst, da bin ich wieder.
Nein, Schwejk, da sind Sie nicht wieder.
Doch, Herr Oberleutnant, ich bins. - Nein, Schweijk.
Es ist aus mit Ihnen.
Ich habe einen neuen Burschen, bescheiden, zurückhaltend.
Ein verlässlicher Mensch,
der mich nicht mit seiner Blödheit frühzeitig ins Grab bringt.
Fangen Sie nicht gleich an zu heulen.
Schwejk, du wirst diesen Krieg überleben.
Gott liebt die Einfältigen, du schlägst die im Rekord.
Dich trifft keine Kugel, sie fliegen an dir vorbei.
Darum möchte ich bei dieser Gelegenheit nicht neben dir stehen,
weder rechts noch links.
Könnten Sie sich im Sturmangriff nicht hinter mir halten?
Ich will nicht stürmen.
Es ist mir gelungen, in Budweis Fuß zu fassen.
Ich bleibe hier, bei der Verpflegung.
Du bist ein Held, Schwejk.
Melde gehorsamst, ich bin ein trauriger Held.
Herr Oberleutnant waren immer so gut zu mir.
Melde gehorsamst, ich bringe das Essen.
Gut.
Sehr gut.
Was ist das? Wo ist die Suppe?
Melde gehorsamst, ich hab sie verschüttet.
Und die Leberknödel?
Hast du die auch verschüttet?
Herr Oberleutnant, in einer Pfütze am Kasernenhof.
Du Schwein, du abscheuliches, du hast mir mein Essen aufgefressen.
Es fehlen Rindfleisch, 2 Stück.
Mit Gurken und Kartoffeln. Und Strudel, 2 Stück.
Damit hast du dich vollgestopft.
Da war ein gewisser Havlicek... - Maul halten!
Melde gehorsamst, ich hab immer so viel Hunger.
Ich denk, ich bin satt,
aber nach einer Weile fängt mein Magen zum Knurren an.
Malone, wenn du ein einziges Mal an meinem Essen nur riechst,
lass ich dich in Ketten schmieden.
Verstanden? - Jawohl, Herr Leutnant.
Raus mit dir!
Viel Freude werden Sie an ihm nicht haben.
Mach du dir keine Hoffnungen.
Ob man an der Front fällt oder in Budweis verhungert,
das ist gehupft wie gesprungen.
Das wäre alles.
Wenn der Herr Oberleutnant jemand benötigen,
der sich für ihn in Stücke reißen lässt...
In Stücke reißen zu lassen, brauchst du dich nicht für mich.
Aber einen Brief kannst du für mich besorgen.
Du warst in solchen Sachen immer geschickt.
"Ihre Hochwohlgeboren, Frau Kákonyi, Kaiserplatz 5, 1. Stock.
Aber Vorsicht, sie ist verheiratet.
Was ist denn?
Verzeihen Sie die Störung, Herr Kákonyi, ist der in Geschäft?
Ja, das ist er.
Vielen Dank für die Auskunft.
Schwejk.
Jesus Maria.
Der Woditschka.
Der Schwejk, Josef.
Der Schwejk, Josef.
Idiot.
Der Woditschka.
Man denkt an nix Böses, und wer steht vor einem? Der Woditschka.
Ja, Schwejk.
Schwejk.
Du bist mein bester Freund, aber bitte lass das.
Du hast Borsten und stinkst nach Knoblauch.
Setz dich zu mir auf einen Slibowitz.
Ich muss erst einen Befehl ausführen.
Wenn dir der Woditschka sagt, dass du dich hinsetzen sollst,
setzt du dich.
2 Slibowitz
(lallend) Gar keine schlechte Idee, ins Hundegeschäft einzusteigen,
nach dem Krieg.
Weil die Ware nix kostet, ist das meiste Reinverdienst.
Schwejk und Woditschka.
Ich sag Ja.
Wenn ich Ja sag...
...dann sag ich Ja.
Nachm Krieg wirds ein Millionengeschäft.
Weil die Männer auf dem Felde der Ehre zu Grund gehen,
kaufen sich die Frauen stattdessen einen Hund.
Weil sie einsam sind und es billiger kommt.
Das Fressen kostet weniger.
Jetzt geh ich den Brief abgeben.
Hat der noch Zeit? - Das hat keine Zeit.
Weils ein Liebesbrief ist.
An ein verheiratetes Weibsbild.
So was ist immer delikat.
Das schau her, an ein verheiratetes Weibsbild?
Du liest. Vielleicht kann man da noch etwas lernen.
Ich hab ihn schon gelesen.
Es ist ein Meisterwerk.
"Gnädige Frau,
ich hatte gestern Gelegenheit, Sie und Ihren Herrn Gemahl
in dem Nachtlokal "Die Rumpler-Taube" zu beobachten.
Ihr Herr Gemahl hat mit großer Freude die obszönen Bewegungen
der sogenannten Schönheits- Tänzerinnen betrachtet, die Ihnen,
gnädige Frau, genau solchen Abscheu erweckten wie bei mir.
Ihr Urteil und Ihre Lebensanschauungen...
Hm?
...Lebensanschauungen stimmen völlig mit den meinigen überein.
Deshalb wage ich es, gnädige Frau, Sie um eine Zusammenkunft zu bitten,
damit wir uns in aller Ehre näher kennenlernen.
Ich wünsche mir, mit Ihnen nur über reine Kunst zu sprechen.
Ich harre bebend auf Antwort."
Abschreiben müsste man sich das.
Ja.
Das ist schon ein begabter Mensch, mein Oberleutnant.
Ich komm mit dir, Schwejk, Josef.
Das verheiratete Weibsbild muss ich mir anschauen.
Komm mit.
Aber wir müssens diplomatisch machen.
Sie wünschen?
Sagens der Frau, ich will die Frau sprechen.
Da muss ich sagen, in welcher Angelegenheit.
Dann sagens, dass es ein Brief ist von einem Herrn.
Sehr geschickt.
Mit Weibsbildern hab ich meine Methode.
Da war mal eine Kellnerin, die hat mit jedem Mannsbild,
nur mit mir nicht.
Rosa hat sie geheißen.
Die gnädige Frau hat keine Zeit.
Wenn was ist, sollen Sie es mir geben. - Hier.
Aber das Maul halten. Ich warte auf Antwort.
Tretens näher.
Wartens hier.
(pfeift)
Hübsch haben sie es hier eingerichtet.
Sogar 2 Regenschirme.
(Geschrei)
Welcher verfluchte Kerl hat diesen Brief geschrieben?
Lass mich in Ruhe! Welcher verfluchte...
Schrei nicht so herum!
Sonst hau ich dich... - Na, na.
Entschuldigen Sie vielmals,
wir haben Sie scheinbar beim Nachtmahl gestört.
Erniedrige dich nicht... - Dem werde ich es zeigen.
Den häuslichen Frieden zu stören, ausgerechnet mit meiner Frau.
Ans Kriegsministerium schicke ich diesen Brief.
Den Brief habe ich geschrieben. Ich liebe Ihre Frau.
Kapitales Weib. - Na, warte.
(schreit auf Tschechisch)
(Poltern)
Oh Gott.
Du behauptest also, du hast den Brief geschrieben an die Dame?
Melde gehorsamst, dass ja.
Hübschen Stil schreibst du.
So kultiviert.
Nimm mal einen Bleistift.
Schreib. Dadrauf.
"So wünsche ich nur, mit Ihnen über reine Kunst sprechen zu können."
Melde gehorsamst, es geht nicht.
Es scheint sich um eine momentane Lähmung zu handeln.
Hä?
So was kommt vor.
Hoffentlich sind die Schmerzen wenigstens erträglich.
Du Hund!
Schreib, oder du kommst auf Wasser und Brot.
Nützen wird es dir auch nichts.
In deinen Akten hab ich so viele Handschriftproben, wie ich nur will.
Es wird schon besser, Herr Auditor. - Aha.
Sie haben den Brief geschrieben, nicht wahr, Herr Oberleutnant?
Jawohl, Herr Oberst.
(lacht) Mein Jung hat auch mal die Spompanadeln gemacht.
Wissen Sie, den Schwejk hätten Sie nicht weggehen lassen sollen.
Gefällt mir von dem Kerl sehr gut, wie der für Sie einsteht.
Leider hat er den Brief umsonst gefressen.
Diese Kákonyi-Affäre hat öffentliches Ärgernis erregt.
Herr Oberleutnant, Sie werden mit dem Marschbataillon
an die russische Front abgehen.
Den Schwejk teile ich Ihnen als Kompanieordonnanz zu.
Den Schwejk? Herr Oberst, das wird nicht gehen.
Haben Sie eine Ahnung, was beim Militär alles geht?
Sie Rindviech, Sie blödes!
Melde gehorsamst, ich bin ein bissel eingeschlafen.
Weißt du, dass du dafür erschossen werden kannst?
Im Krieg kann man für so vieles erschossen werden,
dass man sich wundern möchte, dass man noch lebt.
Quatsch nicht. Sind Nachrichten für mich da?
Melde gehorsamst, dass ja. Ich habe alles sorgfältigst notiert.
"Hast du endlich deinen Bleistift angespitzt, du Ochse?
Dann schreib: Regimentskanzlei an Kanzlei in der 11. Kompanie.
Bist du fertig, wiederhole.
Oberleutnant Lukas... Hast du das? ...zur Besprechung zum Kommandant.
Unterschrift.
Weißt du, was das ist, Unterschrift, du Affe?
Das ist der Name. Also die Unterschrift. Rindvieh."
Wann war das? - Beiläufig vor 6 h.
Sonst noch etwas? - Melde gehorsamst, dass ja.
"Mit sofortiger Wirkung... genauestens...
nicht mehr gestattet... in Marsch setzen.
Hinwiederum... ohne Verzögerung... tunlichst eingeholt werden."
Was? - Der Lump hat so schnell geredet.
(Telefonklingeln)
Ordonnanz der 11. Marschkompanie.
Schon wieder der Trottel von vorhin.
Das ist schon wieder der Lump, was so schnell redet.
Oberleutnant Lukas, was gibt es?
Herr Oberst.
Zu Befehl.
Das war der Marschbefehl, Schwejk.
(Musik)
Woditschka, es geht los, wir gehen kämpfen.
Wenn der Krieg vorbei ist, komm mich besuchen,
ich bin jeden Abend beim "Kelch".
Schau, dass du eine Unterhaltung zusammenbringst, wenn ich hinkomm.
Komm aber bestimmt. Nachm Krieg um 6.
Komm lieber um halb 7, wenn ich mich verspäte.
Um 6 kannst du nicht?
Also schön. Komm ich schon um 6.
So wirds mir gehen, so werd ich auch liegen.
Was das den Kaiser kostet, bis er dich auf die Bahre kriegt,
daran denkst du nicht.
An den Bettelstab wird er sich noch bringen.
Er muss jetzt schon schnorren bei seinen Untertanen.
(Zugpfeife)
Ich bin froh, dass wir pünktlich in den Krieg fahren,
sonst kämen wir noch zu spät.
Unser Herr Oberst hat immer gesagt: Wenn wir zusammenhalten,
ist der Feldzug wie ein Spaziergang aufm Wenzelsplatz in Prag.
Drum werden für Soldaten, die ins Feld ziehen,
keine Rückfahrkarten gekauft?
Hat einer den Schwejk gesehen?
Darf man auf Rote-Kreuz-Wagen auch schießen?
Man darf nicht, aber man kann.
Wie fühlst du dich nach dem langen Marschieren, Schwejk?
Melde...
Melde gehorsamst, ich vertraue fest auf Gott.
Dass er mir genügend Kraft verleihen möge,
dass ich für Seine Majestät, den Kaiser, alles Gute...
...und Böse ertrage.
Haben Sie ein bissel Slibowitz in der Feldflasche?
Mir ist übel, ich fühl mich schwach.
Aber nur einen Schluck, sauf nicht alles aus.
Ich zutzel nur ein bissel, gegen den schlechten Geschmack im Mund,
Bald wird dein frommer Wunsch in Erfüllung gehen,
bald wirst du kämpfen.
Kannst dus noch erwarten?
Melde gehorsamst, dass ja.
Ich hab mir die Geschichte anders vorgestellt.
Unsere Generäle hoch zu Ross und die Säbel schwingend.
Und wir rennen nach vorn und der Feind nach hinten.
Und aus ists.
Zurück gehts ins Hundegeschäft.
(Knallen)
Volle Deckung!
Melde gehorsamst, Herr Oberleutnant, die Schlacht ist nebenan.
Ich hab ein 4-blättriges Kleeblatt gefunden.
Ich möchts Ihnen geben. - Danke, Schwejk.
Davon kann man nie genug haben, vom Glück.
Was werden der Oberleutnant machen, wenn der Friede ausbricht?
Lach nicht, ich werde solide.
Da war ein Mädel in Prag, die Gretl. Wenn die noch da ist...
Aber zuerst fahr ich nach Budweis und setz dem Kákonyi die Hörner auf,
auf die eine Antilope stolz wäre.
Schwejk, wie viele Mädel hast du verdorben?
Ich war immer anständig.
Nur einmal war ich in Gefahr, meine Unschuld zu verlieren.
Ich habe in keinem Wirtshaus ein Nachquartier kriegen können,
nur in Hotel Prag.
Da hat der Hotelier gesagt,
die Kassiererin von Café soll mit dem Stubenmädel schlafen,
und den Herrn geben wir in ihr Zimmer.
Sie hats sehr hübsch gehabt.
Aufm Bett ist ein Schlafrock gelegen,
und ich weiß nicht, was mir eingefallen ist,
aber ich bin in den Schlafrock hineingeschlüpft.
In der Brust war er ein bissel groß, aber er hat so angenehm gerochen.
Auf einmal, Herr Oberleutnant, mitten in der Nacht,
macht jemand die Tür auf. Und herein kommt ein Herr.
Herr Oberleutnant.
Herr Oberleutnant.
Sprich weiter, Schwejk.
Ich möchte das Ende von deiner blöden Geschichte hören.
Oberleutnant.
(Musik)
(Explosionen in der Ferne)
Oh.
Jesus Maria, du willst die doch nicht erschießen.
Ich wollt es wegwerfen, mich ergeben.
Ergeben wäre praktisch, hat aber auch seine Schattenseiten.
Weil man bei der Siegesfeier nicht dabei ist.
Und das mit dem Schießen hat auch einen Haken.
Die haben auch Flinten, und was für lange.
(Schuss)
Es möchte sich unter ihnen ein Kunstschütze befinden.
Was ist? Hier sind Menschen!
(Musik)
Bitte nicht schießen. Ich Vater, 10 Kinder.
Sie sind also der Herr Feind?
Bitte nicht schießen, ich Vater von 10 Kinder.
Um die eigenen Kinder zittern, das kannst du,
aber unsere spießt du auf.
Nichts aufspießen Kinder.
Lüg nicht, sonst hau ich dir aufs Maul.
Ich habs mit eigenen Augen gelesen.
Hast du auch weggeworfen die Flinte?
Ins Korn.
Hast du auch genug?
Ich habe Rheuma, aber ich werde weiterkämpfen wie ein Löwe.
Krieg bald zu Ende. Bald alle zu Hause.
Du zu Hause, ich zu Hause.
Schau.
Wo sind die anderen? - Was für anderen?
Die anderen 7 Kinder.
Ich hab nur 3, aber hab gesagt, 10, weil ein Vater von 10 Kindern
man schießt nicht so leicht wie ein Vater von 3 Kindern.
Richtig, einen Vater von 10 Kindern erschießen,
ist eine ganz schöne Sache.
Aber einen Vater mit 3 Kindern erschießen,
ist wie eine Erholung.
Hübsch, die Kinder, besonders der mit den abstehenden Ohren.
Hast du nicht Fotografie?
Ich bin nicht in den heiligen Stand der Ehe getreten. - Boah.
Ich hab ein gute Idee.
Zum Andenken wir tauschen Fotografie.
Wir nix Feinde, wir Brüder, he?
Ich heiße Boris. - Ich bin der Schwejk, Josef.
Du bist aber blöd.
Jedes Kind kann an unseren Uniformen erkennen, dass wir Feinde sind.
Aber nur an Uniform.
Schwejk, Josef, komm, zieh aus.
Na, was ist?
Bin ich noch Feind?
Du bist nicht, aber du könntest.
Schwejk, Josef, zieh an.
Bin ich jetzt Freund?
Oh.
Brüderchen, Schwejk, komm her.
Du bist ein Rindvieh, Boris. - Warum?
Siehst du nicht, dass wir wieder Feinde sind?
Umgekehrte Feinde.
Halt.
Hände hoch!
Melde gehorsamst. - Hände hoch, Ivan.
Melde gehorsamst, ich bin kein Ivan nicht.
Der kann Deutsch. Ein gebildeter Russe, gibts das auch?
Das ist ein Irrtum, Herr Feldwebel. Ich bin Österreicher und Soldat.
Ich bin aus Prag. - Und ich der Kaiser von China.
Du bekommst eine aufs Maul, wenn du es noch mal aufmachst. Abführen.
Kann ich die Arme runternehmen? Es geht sich leichter. - Ja.
Es hat alles einen tiefen Sinn.
Spricht einer von euch deutsch?
Bitte schön, ich.
Sagen Sie Ihren Leuten:
Diese Bahnanlage wurde von den russischen Kanonen zerstört.
Es ist also recht und billig,
wenn sie von den Russen wiederaufgebaut wird.
Diese Bahnanlage ist von russischen Kanonen zerstört worden...
Sind Sie blödsinnig? Sie sollens ins Russische übersetzen.
Melde gehorsamst, ich kann nicht Russisch.
Wollen Sie mich zum Narren halten?
Ich bin die Kompanieordonnanz der 11. Marschkompanie
vom Infanterieregiment 91.
Ich bin in unsere eigene Gefangenschaft geraten.
Wie kommen Sie in die russische Uniform?
Ich hab mit einem Russen die Uniform getauscht.
Als Angehöriger der österreichischen Armee
haben Sie die russische Uniform angezogen?
Freiwillig.
Abführen! - Marsch.
"...keinen Glauben geschenkt.
Der Angeklagte wird des Verbrechens der Kontaktnahme mit dem Feind
des Tragens der feindlichen Uniform und der damit verfolgten Desertion
für schuldig befunden und zum Tod durch Erschießen verurteilt.
Das Urteil ist innerhalb von 24 h zu vollstrecken."
Sie haben das Recht, noch etwas zu sagen, ein letztes Wort.
Melde gehorsamst, es ist kein Unterschied, ob ich
von österreichischen oder russischen Kugeln niedergemäht werde.
Kugel ist Kugel.
Ja.
Das freut mich aber.
Mein Name ist Schwejk.
Kommen Sie, Herr Pfarrer, und setzen sich neben mich.
Und erzählen Sie mir, warum man Sie eingesperrt hat. - Nein...
Manchmal kommts vor, dass jemand nicht weiß, warum er sitzt.
Das ist angenehm.
Dann hat er was, sich die Zeit zu vertreiben,
nämlich sich den Kopf zu zerbrechen, warum sie ihn eingelocht haben.
Ja, lieber Sohn, es gibt Dinge,
über die man mit inbrünstigem Herzen nachdenken muss.
Woher sind Sie?
Aus Jicín.
Aus Jicín.
Da haben Sie vielleicht eine Rosa Gandes gekannt.
Die hat Zwillinge in die Welt gesetzt.
Dann hat sie 18 Männer auf Vaterschaft verklagt.
Der eine Zwilling hat ein blaues und ein braunes Auge.
Der 2. Zwilling...
Was haben Sie denn? Jetzt sitzen Sie da wie abgestochen.
Ihnen merkt man an, dass Sie das 1. Mal in Arrest sind.
Ich bin zu dir wegen des geistlichen Trostes gekommen.
Ich bin nicht gut im Trösten.
Aber da war mal ein Herr Faustin, den hab ich auch trösten müssen...
(Tür klappert)
Kommen Sie, es ist so weit.
Schad.
Vielleicht wärs mir bei Ihnen auch geglückt, Herr Pfarrer.
Aber ich bin dienstlich verhindert.
Halt.
Haben Sie noch einen Wunsch, Schwejk?
Ich habe eine Verabredung mit einem gewissen Woditschka,
nach dem Krieg um 6 im "Kelch".
Vielleicht könnte man ihn wissen lassen, dass ich nicht komm,
damit er nicht umsonst wartet.
Das wird sich kaum machen lassen.
Ich werde dir deinen Wunsch erfüllen.
Willst du, dass man dir die Augen verbindet?
Das wäre ganz angenehm. Die Sonne blendet ein bissel.
Hab acht!
Schießen, fertig!
An!
Ich hab doch noch einen letzten Wunsch.
Ich möcht mir meine Militärnummer merken.
Der Feldwebel hat im Lazarett gesagt:
Ihr Schweine, glaubt ja nicht, dass ihr vom Militär loskommt,
wenn ihr abkratzt.
Wo ihr hinkommt, gibts auch Militär. Dagegen ist das hier Honiglecken.
Ich möchte für da oben meine Standnummer wissen.
So erspart man sich unnötige Scherereien.
1-2-8-3-5-4-6.
Eine Lokomotive auf dem 16er-Gleis hat die Nummer 4268 gehabt.
Man hat sie wegschleppen sollen zur Reparatur.
Aber es ist nicht so leicht gegangen,
weil der Lokomotivführer ein schlechtes Gedächtnis gehabt hat.
Da hat ihm der Streckenmeister gesagt:
Ich werde Ihnen zeigen, dass es leicht ist,
sich jede Nummer zu merken.
Die Lokomotive hat die Nummer 4268.
Die 1. Ziffer ist ein 4er, die 2. ein 2er.
Also merken Sie sich: 4, 2.
Das ist 4 geteilt durch 2. Wieder haben Sie 4 und 2.
Wie viel ist 4 x 2? 8.
Also graben Sie sich ins Gedächtnis,
dass der 8er der Letzte in der Reihe ist.
Nun merken Sie sich noch die 6. Das ist einfach.
Die 1. Ziffer ist ein 4er, die 2. ein 2er, 4 und 2 ist 6.
Die Letzte vorm Ende ist eine 6.
Schon schwindet die Reihenfolge nie mehr aus dem Gedächtnis.
Wir haben 4268 jetzt im Kopf.
Aber Sie können zum selben Resultat auch leichter kommen.
Schluss jetzt! An die Wand stellen.
Fertig.
Gleiches auch mitm Dividieren.
Wir rechnen den Koeffizienten nachm Zolltarif aus.
Aber der Mann hat einen Fehler gemacht.
Herr Oberleutnant, kommen Sie schnell.
Kommt mal her.
Der Krieg ist aus!
(alle grölen)
Friede!
Friede!
Es ist Friede.
Was Sie nicht sagen.
Weiß man schon, wer gewonnen hat?
Guten Abend, da bin ich wieder. - Schwejk.
Der Schwejk!
Nein, so was.
Schwejk, Josef, Bruderherz. Lass dich umarmen. - Na, na, na.
Der Schwejk kommt durch, das hab ich immer gesagt.
Setz dich. Erzähl. Sag, wie ist es dir gegangen? - Ai...
Den Krieg werd ich wochenlang nicht vergessen.
Und wie ist es dir ergangen? Gut schaust du aus.
Eine Granate. Weg wars.
(spricht tschechisch)
Frau Baniec, mein Würstel. - Ja, gern.
Da sind wir alle wieder zusammen. Wie wenn nichts geschehen wär.
Genauso, wie es war.
Genauso, wie es war, nur ein bissel schlechter.
Ah, der Herr Spitzel hat seine Tätigkeit wieder aufgenommen.
Genauso, wie es war, nur ein bissel schlechter.
Weil jeder etwas verloren hat.
Der Woditschka sein Bein, der Kaiser den Krieg und ich meinen Freund.
Herrn Oberleutnant Lukas.
Ich weiß nicht, wozu das gut war.
Aber ich bin ein behördlich anerkannter Idiot.
Es ist möglich, dass ich mich irre.
Aber vielleicht hat alles doch einen tiefen Sinn.
Nämlich: Durch Schaden wird man klüger.
Die Staatsmänner sind keine behördlich anerkannten Idioten.
Daher wird keiner mehr so einen Krieg anzetteln.
Nein, nein. - Krieg gibts keinen mehr.
Glaubens dem Schwejk.
(Hundejaulen)
(Musik)
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