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Das 10. Gebot?
Du sollst nicht begehren deines Nächsten Knecht, Magd, Vieh ...
Ja, gut!
(Einige Buben lachen.)
Und das 5. Gebot?
Na, Xaverl?
Du ... du sollst ...
Du sollst ...
Du sollst nicht ...!
Was hast du denn da unter dem Pult?
Ich?
Ja, zeig es einmal her!
Ein Büchl, was?
"Ludwig Thoma's Lausbubengeschichten"
Ja, und so etwas liest du?!
Und noch dazu in der Religionsstunde!
- Ja, Herr Geistlicher Rat.
Das Büchl steht doch auf dem Index von der Schul'!
Wissest du das nicht?!
- Nein, Herr Geistlicher Rat.
Ich weiß nicht, was ein Index ist.
- Verboten is', Hundsbua!
Konfisziert!
Die Hollerküchl sind fertig!
Hochwürden!
Die Hollerküchl sind fertig!
Da muss man sich ja der Sünden fürchten, ...
...wenn man 's Essen kalt werden lässt!
Is denn das Brevier heut so traurig, Hochwürden?
Nein, aber ich hab dran denken müssen, dass König Ludwig tot ist.
Gehn S', das is doch schon 25 Jahr' her!
Trotzdem: Ich hab dran denken müssen, wie's war, damals.
(Kirchenglocken)
Und wir können uns schon denken, dass er ihm stinkt, dem Bismarck!
Weil bei ihm daheim nix wachst außer Kartoffeln!
Und WIR haben einen Viehstand!
Und Geld für die Schlösser von unserem König!
(Weinerlich:) Von dem wir jetzt Abschied nehmen müssen!
Aber wir sind sehr schlau und spannen alles!
Und wenn einer hergeht und sagt, ...
...dass sich unser König selber ein Leides angetan hat, ...
...so ist das eine Lüge, eine ausgeschämte!
Wo is denn dieser Dr. Gudden, der seine Majestät von hinten ...
...in den See hineingestoßen hat?!
Das sag ich euch als Josef Wieser:
Landtagsabgeordneter, Ökonom und Christ!
(Schuss)
Was schießen s' denn schon?!
Ludwig! Die singen doch noch gar ned!
I hab's nimmer erwarten können, bis es knallt!
(lauter Knall)
- Du Lausbua du!
Wir stehen fest zusammen in dieser schweren Stunde!
Wo wir von unserem lieben, guten König Lud ...
...Ludwig!
Voriges Jahr ... hat er mir noch a Zigarre g'schenkt!
Wie er bei uns im Parlament ...
Aber der bayrische Löwe, der steht auf der Wacht!
Und lasst sich von keinem Raubvogel nicht verschlucken!
Weil er sein Maul noch so weit aufreißen kann, ...
...der Adler, der preußische!
Das muss man sich merken!
♪ Heil unserm König! Heil!
♪ Lang Leben sei sein Teil, erhalt ihn Gott!
♪ Gerecht und fromm und mild, ...
♪ .. ist er sein Ebenbild.
(lautes Knallen)
♪ Gott geb ihm Glück!
Alle haben s' geweint, in ganz Bayern.
Und geregnet hat's!
Oder hat's ned geregnet? I weiß nimmer.
Naa, es hat ned geregnet!
Wissen möcht ich, wie S' jetzt grad da drauf kommen, Hochwürden.
Das Büchl da, das hat mich dran erinnert - an die frühere Zeit.
Auf d' Nacht les ich dir draus vor!
Also:
"Bei uns im Gamsting ist im Sommer ...
...eine Familie zur Sommerfrische gekommen."
"Sie war sehr vornehm."
"Und sie ist aus dem Rheinland gewesen."
"Aus der Stadt Bonn."
"Meine Mutter hat gesagt: 'Es sind feine Leute!'"
"'Und du musst sie immer grüßen, Ludwig!'"
"Gewohnt haben sie auf dem Schloss droben."
"Wie sie den ersten Tag da waren, sind sie im Dorf herumgegangen."
(beschwingte Musik)
"Er hat die Häuser angeschaut und ist stehen geblieben."
"Da habe ich gehört, wie er gesagt hat:"
(mit preußischem Akzent:) Merkwürdig, wie diese Menschen wohnen!
Merkwürdig, wie diese Menschen aussehen!
Merkwürdig, wovon sich diese Menschen ernähren!
"Bei uns sind sie vorbei, wie wir gerade gegessen haben."
Steh auf, Ludwig, und mache den Herrschaften dein Kompliment!
Wollen Sie nicht ein wenig Platz nehmen, Herr Geheimrat?
Es ist ein lauer Tag - und ich räume gleich ab!
Komm, Ännchen!
Nein danke, liebe Frau! Wat essen Sie da?
Lunge mit Knödeln.
- Hm, so.
Machen Sie das oft?
- Ja. Es ist ein billiges Gericht.
Und nahrhaft. Und bekömmlich.
- Aha.
Ich verstehe, dass Sie sparsam sein müssen mit ein paar 100 Mark im Monat
Ich bekomme nur 110 Mark.
- Aha!
Emilie! Noch nicht 40 Taler!
Iss auf, Bub!
- Ja, gleich.
Er wird wohl Landwirt?
- Bin Lateinschüler!
Ja, er darf aufsteigen. Im Lateinischen hat er die Note 2!
Ah so! Also ein gescheiter Knabe!
Du kannst morgen zu uns kommen und mit meinem Arthur spielen.
(beschwingte Musik)
So ...
So!
Was machen die da?
Die Leut' fassen die Mahd auf.
Wenn dat Heu genug gedörrt ist, werden die Tiere damit gefüttert.
Komm jetzt, Arthur, man wartet mit dem Tee!
Wenn dat so weitergeht, werden wir bald vom Kapital leben müssen.
Ah, da seid ihr ja!
Dat ist unser junger Freund. Arthur, gib ihm die Hand!
Wir haben eine kleine Exkursion gehabt, Herr Geheimrat.
Mit vereinten Kräften ist es gelungen, einen Hirschkäfer zu fangen
Zeig dem Herrn Vater unsere Beute!
- Sehr schön.
Eine Zigarre?
- Oh, danke!
Ob sie wohl nicht zu stark ist?
- Aber!
So, na ... oh, äh ... pardon!
Wie war das mit dem Vormittagspensum?
- Man merkt schon den Fortschritt.
Kuck, wat der Käfer für Greifer hat!
- Huch! Grässlich!
Arthur, nimm das Untier fort!
Du musst deine Milch trinken, das ist vorzüglich für den Knochenbau.
Geben Sie Obacht, die Zigarre ist sehr gut!
Übrigens: Sie können für den Rest des Nachmittags freinehmen.
Sehr wohl, Herr Geheimrat!
Dieser strebsame Mensch hat Glück, dass wir ihn mitgenommen haben.
So sieht er viel Schönes.
- Ich find ihn grässlich!
Er macht immer Stielaugen, wenn er mich sieht.
Nein, diese Natur hat doch etwas Idyllisches!
Aber auch etwas Erhabenes, das kannst du nicht leugnen.
Das leugne ich ja auch gar nicht!
Ihr Jungs wollt wohl spielen, was?
- Arthur muss seine Milch trinken!
Wir spielen mit meinem Kriegsschiff.
- Beim Rafenauer ist ein Weiher.
Arthur darf das Schiff nicht tragen, das ist zu schwer für ihn!
Ich nimm es schon!
- Ah, dat ist ein starker Bayer!
Der isst alle Tage Lunge mit Knödel!
Du?
- Jo?
Ich wäre auch gern so stark wie du.
- Warum?
Dann bräucht ich mir von meiner Schwester nichts gefallen zu lassen.
Haut sie dich?
- Nee.
Aber sie macht sich so gescheit. Und sie redet immer drein.
Das tun alle Mädchen, aber man muss es ihnen austreiben.
Wie macht man dat?
Man muss ihnen eine rechte Angst machen.
Eine Blindschleiche ins Bett legen.
Und dann schreien sie furchtbar.
In der Sägemühle gibt's Blindschleichen
Wirklich?
Es wäre gut, wenn du dem Instruktor eine ins Bett legen würdest.
Hurra! Gib's ihnen! Klar zum Gefecht!
Drauf und dran, Jungs!
Noch eine Breitseite! Brav, Kinder!
So ein Blödsinn!
Wieso? Dat is ein Kriegsschiff!
Ich bin Admiral.
Baldrin! Baldrin!
Hart an Backbord halten!
Feuer!
Sieg! Sieg!
Das gefällt mir gar nicht. Wenn es eine Schlacht ist, muss es krachen!
Wir sollen Pulver hineintun, dann ist's lustig.
Aber ich darf nicht mit Pulver spielen.
Dat ist zu gefährlich.
Machen wir es lieber ohne Pulver.
Du bist doch kein Admiral nicht, wenn du nicht schießt.
Ich mach schon. Du brauchst nur zu kommandieren.
Wie soll dat gehen?
Fix!
Wenn das Pulver brennt, kommt Rauch aus den Luken.
Und man denkt, es sind Kanonen drin.
Ob es wohl knallt?
Ich glaub schon, dass es einen guten Schuss tut.
Das is eine Spaltöffnung vom Franzi, das is mein Freund.
So!
(Musik)
Hurra!
Gib's ihnen, tapferer Kapitän! Gib's ihnen! Hurra!
Wo ist mein Schiff?
Was sag ich meinem Papa?
Was sag ich meinem Papa?
Hab ich euch, ihr Saububen!
Die Saububen, die misrabligen!
Die zünden mir noch mein Haus an!
Saububen!
Und meine Zwetschken stehlen s'!
Und mein Haus sprengen s' in die Luft!
Ich war's nicht. Das war ich nicht.
Ich sag's meinem Papa!
Saubua!
Wo steckt Ludwig?
Der lässt sich heut gar ned sehen.
Droben ist er, in seiner Kammer.
Er lernt Latein.
Siehst du, er ist ganz brav.
Wahrscheinlich hat es ihm gut getan, dass er mit Arthur spielen durfte.
Geheimrat.
Ich glaube gar, die wollen uns Besuch machen.
Nein, das ist aber sehr liebens- würdig von Ihnen, dass Sie kommen.
Ist etwas passiert?
Dat kann man wohl sagen.
Was?
Er hat die Preußen in die Luft gesprengt.
Das kostbare Schiff.
Um Gottes willen!
Der Ludwig.
Weinen Sie nur, gute Frau.
Weinen Sie über Ihren missratenen Sohn.
Das kann ich nicht glauben.
- Arthur lügt nie.
Und meiner Schwester soll ich eine Schlange ins Bett legen.
Und dem Instruktor auch!
- Ich werde das Schiff bezahlen.
Sieben Taler hat es gekostet.
Das sind mehr als 20 Mark.
- Wir begnügen uns mit 10 Mark.
Schließlich war es ein gebrauchtes Kriegsschiff und ...
...nicht die neueste Type.
Der Himmel straft Sie hart mit Ihrem Kind.
(Musik)
(Musik)
(Musik)
(Musik)
(Musik)
(Musik)
Ah!
Ah!!
Ah!
Da krabbelt ...!
Emilie!
Emilie!
Emilie!
Was tu i nur mit dem Buben?
Er macht mir so viel Kummer.
Und bringt uns in Verruf.
Vielleicht könnt der Ludwig ...
...für den Rest der Ferien in die Volksschule gehen.
Die haben schon angefangen mit dem Unterricht.
Der Lehrer Wagner ist sicher einverstanden, ...
...wenn er dir damit einen Gefallen tun kann.
Ich mag dich noch immer.
- Was redest da?
Und der hat einen sehr schönen Bart.
Geh! Schöner Bart!
Kinder, gebt euch Mühe, weil heut ein großer Gelehrter unter euch sitzt.
Der kann Latein.
Also!
Das Lesestück Seite 28!
Die Furtner Marie liest vor.
"Die Sonne geht zur Ruhe."
"Und am Himmel kommt der Abendstern."
"Die Vöglein verstummen mit ihrem lieblichen Gesang."
"Da geht der fleißige Bauersmann heim."
"Sein Hund bellt freudig."
"Und die Kinder springen ihm entgegen."
So, bis daher!
Die oberen Klassen schreiben das jetzt aus dem Kopf.
Und ich lade den Herrn Lateinschüler auch dazu ein.
Ich gehe kurz in die Kirche.
Die Furtner Marie hat die Aufsicht.
Und dass ihr mir brav seid!
(alle:) Jo, Herr Lehrer!
Gemma hernach zum Fischen?
Heut werden s' recht gut beißen.
- Ruhig!
Wenn du noch ein Mal schwätzest, muss ich dich aufschreiben.
Entschuldigen S'!
(Pfiff)
Was soll ich denn tun, damit Sie mich nicht aufschreiben?
Den Absatz "Der Abend" schreiben.
Entschuldigen S', Frau Lehrerin!
Darf ich vorlesen, dass Sie mir sagen, ob's richtig ist?
Ja, du darfst ihn vorlesen.
"Die Sonne geht zur Ruh, der Abendstern ist auf dem Himmel."
"Vor dem Wirtshaus ist es still. Auf einmal geht die Tür auf."
"Der Hausknecht wirft einen Bauersmann hinaus."
"Er ist betrunken."
"Es ist der Furtner Marie ihr Vater"
(Gelächter)
Einen Latein-Schüler schreibt man nicht auf!
"Am Nachmittag ist ein Brief vom Lehrer Wagner gekommen, ...
...dass ich die Schule nicht mehr betreten darf."
"Da war ich froh."
Nächstes Kapitel:
"Tante Frieda"
"Meine Mutter sagte: 'Ach, ja, übermorgen kommt die Schwägerin!'"
"Und dann machte sie einen großen Seufzer."
"'Warum hast du sie eingeladen?', fragte ich."
"Meine Mutter sagte: 'Ich habe sie ja gar nicht eingeladen.'"
"'Die kommt immer von selber.'"
Ja, grüß dich Gott, Frieda!
Grüß Gott, Theres, griaß di!
Da bin i wieder.
Ja, bittschön.
Gebts her!
I bin so froh, dass ich dich so g'sund seh!
Mein Lorchen hat die Reise gut überstanden.
Ich hab so oft Angst gehabt wegen deinem Herzleiden.
Ich bin Gott sei Dank wieder gesund.
Und der Arzt findet nichts mehr.
Ärzte finden doch nie etwas heraus. Wie bei meinem armen Josef.
Bis er tot war.
Dort gemma naus!
Wirst sehen, sie bleibt mindestens vier Wochen.
Ich finde schon was, dass sie geht.
Was willst du denn machen?
Man muss erst studieren, was sie am meisten ärgert.
Wenn sie geht, schenk ich dir zwei Mark.
Gut, aber du musst mir zuerst eine Mark geben.
In Gottes Namen.
Da bin ich also.
Hübsch ist es immer wieder bei dir.
Da ist ja jetzt ein Kokos-Läufer.
Ja, weil es im Winter so kalt ist.
Ich hab ihn wegen meiner Gesundheit ang'schafft.
Der kost' doch gewiss vier Mark.
Es gibt doch schon Läufer um 1,50.
Da ist dein Zimmer - wie immer.
Ludwig, bring die Koffer hinein!
So! Ich hol uns gleich einen Kaffee.
So, da wären wir also wieder.
Wird uns schon gefallen, gell?
Tu, tu, tu, tu.
Wo ist denn das liebe Lorchen?
(Lorchen:) Wir Deutsche fürchten Gott!
Und sonst nix auf der Welt.
Dass du mir immer recht brav gegen das Lorchen bist.
Lausbub, elendiger!
Ja, liebe Tante.
So, so, so. Wo ist denn mein liebes Lorchen?
Das ist ja ein Gesundheitskuchen.
Das kann ich mir nicht leisten.
Wir essen auch nicht alle Tage Kuchen.
Es ist deinetwegen.
Ich habe ja so wenig Pension.
Und mein seliger Mann hat alles Vermögen verraucht in seiner Pfeife.
Und zwei Mal in der Woche ist er ins Wirtshaus gegangen.
Von zu Hause hab ich nix mitgekriegt, ...
...weil dein Mann alles zum Studieren verbraucht hat.
Gar nicht wahr!
Er hat sogar Stunden gegeben auf dem Gymnasium.
Und wie er auf der Forstschule war, hat er auch Stunden gegeben.
Dass hat er bloß so gesagt.
- Nein, Frieda!
Er hat nie keine Unwahrheit geredet!
Dann möchte ich wissen, wo das viele Geld geblieben ist.
Wir drei Schwestern haben es büßen müssen, dass kein Vermögen da war.
Warum redest du immer solche Sachen?
- Ich meine ja bloß.
Der Herr Assessor Römer hat mich so gern gesehen.
Der ist jetzt Regierungsrat in Ansbach.
Er hätte mich geheiratet, wenn wenn ein bisschen was dagewesen wäre.
Aber so hab ich nur einen Postexpeditor gekriegt.
Ich wäre jetzt Regierungsrätin, ...
...wenn dein Mann nicht alles verbraucht hätte!
Wo willst du hin?
I muss ein unregelmäßiges Verbum nachschauen.
I hab vergessen, wie's geht.
- Man muss immer gleich tun, ...
...was man sich vornimmt!
In Ansbach ist auch ein Dragoner-Regiment gewesen.
(Musik)
Bismarck!
Bismarck!
Ach!
Oh!
Ah!
Oh!
Frieda!
Frieda!
Was hat das arme Lorchen, dass das so schreit?
Theres.
Theres!
Schau, das arme Lorchen ist pitschnass!
Mein Lorchen! Mein Liebes!
Ja!
Das kann doch nur der Lausbua gewesen sein!
Komm her, mein Lorchen! Schau!
Mein Lorchen, da nimm's!
Ja, mein Herzele!
Ludwig?!
Hast du den Papagei nass gemacht?
Was für ein Papagei?
- Der Tante ihren Papagei!
Warum bin ich immer alles?!
Ich hab das Verbum studiert.
Und ich kann es jetzt!
Wie sollte ich einen Papagei nass gemacht haben?
Wer war's denn sonst?
Vielleicht der Schreiner Michl.
Der hat eine Holzspritze.
Mit der kann er sehr weit spritzen!
Und das Fenster war auch auf in dem Zimmer.
Siehst du, er ist unschuldig.
- Du glaubst ja immer deinen Kindern.
Davon werden die auch so.
Wenn mein Bruder, dein Mann, das alles vorher gewusst hätte!
(Pfeifen)
"Ist das a Nachtigall?"
"Nein, es ist Ännchens heimlicher Verlobter."
"Der Eleve Karl Schultheiss."
"Er sammelt hierzulande Erfahrungen für die väterliche Bierfabrik ...
...in preußisch Berlin."
Ännchen!
Ännchen!
Ännchen, ich muss mit dir sprechen!
Wenn du nicht runterkommst, mach ich einen Radau!
Ich komm ja schon.
- In die Laube.
Wenn uns jemand gesehen hat.
Wer soll uns schon sehen?
Oh, Karl!
Komm her!
- Lass mich doch los!
Karl. Nein, nein, nein. Hör auf!
Nicht da!
Wenn die Tante aufgewacht ist!
- Welche Tante?
Tanten sind mir egal.
Schließlich heirate ich dich doch.
Um mir das zu sagen, kommst du jetzt?
- Nicht nur deshalb.
Du, du.
Was denn?
Wenn ich Braumeister bin, wart ich keinen Tag mehr.
Dann nehm ich dich mit nach Berlin als meine Braut.
Aber du musst erst meine Mutter fragen!
Und mich!
Dich nicht, du sagst bestimmt nein.
Pfui.
Oh Karl!
Schrecklich.
Ja-a!
(Kirchenglocken)
Wie hammas denn?
(Pfiff)
Was gibt's denn heut Schönes?
Kalbsbraten.
So?
Ja, das essen wir immer am Sonntag!
Hat der Ludwig nicht bald Firmung?
Ja, zu Pfingsten. Warum?
Weil ich hier lese, dass es Kinder gibt, ...
...die sich anders auf ein Sakrament vorbereiten, ...
...als einen Papagei anzuspritzen.
Wie meinst du denn das?
- Hier in dem Kalender steht's:
"Ein heiliges Kind". Wahre Geschichte
"Veronika, die zehnjährige Tochter des Bahnwärters Pfanderle, ..."
".. flößte ihren lieben Eltern direkt Angst ein, so durchgeistigt war sie."
"Und so angegriffen von dem Gedanken an ihrer erste Kommunion."
"Es war an einem Freitag."
"Da wollte ihr die Mutter ein bisschen Fleischsuppe geben, ...
...da sie doch so schwächlich war."
"Aber das fromme Kind hat es nicht angenommen."
"'Es ist doch nur eine Kleinigkeit', meinte die Mutter."
"'Nein', sagte Veronika."
"'Kann das eine Kleinigkeit sein, was Gott beleidigt?'"
"'Ja, wenn es Fischsuppe gewesen wäre!'"
"Bei der Beerdigung der kleinen Veronika -
- Mein Gott, der schöne Teller!
Die Jugend hat keine Achtung mehr vor Ererbtem!
Das Geschirr ist doch noch von der Mama!
Ich hätte jedes Stück ersetzen müssen.
Was ist passiert?
Verzeihung, aber ich bin so durcheinander!
So schlimm ist das nun wieder auch nicht.
Du brauchst dich nicht so aufzuregen.
So schlimm auch nicht? Da kann man anderer Meinung sein.
Ich weiß auch, warum sie so nervös ist.
Kein Wunder!
Wovon sprichst du, Frieda?
Ich versteh dich nicht!
- Du wirst es schon noch erfahren.
Früher, als dir lieb ist.
(Es läutet.)
Wer kann denn das sein?
Ich weiß nicht, wer in deinem Hause aus und ein geht.
Wir haben Besuch! Na, komm schon!
Das ist Herr Schultheiss aus Berlin.
Er studiert das bayrische Brauereiwesen.
Ich hab dir schon von ihm erzählt.
- Mir hast du nichts erzählt!
Ich bin sehr erfreut.
- Ganz meinerseits!
Nein, die schönen Blumen!
Ja, nehmen Sie doch Platz, bitte!
Sie müssen entschuldigen: Es ist schon aufgedeckt.
Aber das macht doch nichts, gnädige Frau!
Zu viel Ehre, Herr Schultheiss!
Ich bin sehr erfreut und stelle Ihnen meine liebe Schwägerin vor.
Sehr angenehm.
Sie sind wohl nicht von hier?
- Ganz und gar nicht!
Im Gegenteil!
Aber es gefällt Ihnen?
Ja, sehr!
Seine Eltern haben eine Brauerei in Berlin, die soll er mal erben.
Vielleicht ist das gelogen. Es gibt so viele Hochstapler!
Erlauben Sie mal!
Das kannst du nicht sagen!
Sie hat es sicher nicht so gemeint, Herr Schultheiss.
Und ob ich es so gemeint habe!
Du hast es mit dem Verführer deiner Tochter zu tun, Theres.
Das ist nicht wahr!
- Das nimmst du zurück!
Und wer war heute Nacht in der Laube? Er! Mit ihr!
Sie war im Hemd.
Erst haben sie geredet und geredet.
Und dann -
- Und dann?
Schweigen. Nichts als Schweigen.
Und das hast du gesehen?
- Ich gehe jetzt besser!
Oh, nicht doch, Karl!
- Ännchen, Ännchen!
Alles hat sie mir verdorben! Er wollte mir doch -
Was?
- Einen Heiratsantrag machen!
Jetzt hab ich aber genug!
Du solltest mir dankbar sein!
- Dankbar?! Warum denn bloß?
Dass ich dir die Augen geöffnet habe!
Ihr könnt mich alle nicht leiden.
- Daran bist du selber schuld.
Dein eigener Bruder hat immer gesagt, dass dich niemand leiden kann!
Weil du so ein böses Mundwerk hast!
- Das ist eine Unverschämtheit!
Erst das Geld verpulvern, und dann ...!
(Sie schluchzt laut.)
Warum flennst denn so?
Ich ... ich ... ach! Weil die Tante so gemein ist!
Das weiß ich schon. Deswegen brauchst du doch nicht zu weinen!
Doch, weil er weg ist! Bestimmt kommt er nimmer!
Wer denn?
- Der Karl.
Er wollte doch ...
- Aha! Daher weht der Wind!
Aber hör auf jetzt, weil mir schon was einfallt!
Du bekommst fünf Mark statt zwei!
Man muss nachdenken, was man tun kann.
Heut auf d' Nacht, wenn i schon im Bett bin, kommst zu mir.
Wo ist die Tante?
- Bei der Mutter in der Stube.
Gut.
Ist dir schon was eingefallen?
- Ja, sie wird verschwinden.
Meinst?
- Ja.
Pass auf, dass keiner rauskommt!
- Aber wie?
Das is mir wurscht. Geh jetzt!
(Die Katze miaut.)
(Die Mutter und die Tante unterhalten sich in der Stube.)
(klägliches Miauen)
(Krächzen)
(Krächzen)
Ha, ha!
(Krächzen)
Bismarck! Bismarck!
Wir Deutschen fürchten Gott!
Und sonst nichts auf der Welt.
Viel Feind, viel Ehr'!
(Miauen)
Bismarck!
Bussi!
Aber ...
Aber ich mache euch gerne noch Kaffee! Oder soll ich Kompott holen?
Nein, es ist schon spät genug.
Und das Kompott esse ich morgen.
Also, nichts für ungut, Frieda.
Aber ich hab mich geärgert heute Früh
Ihr seid böse, weil ich die Wahrheit sage. Aber ich verzeihe euch.
Gute Nacht, Frieda.
- Gute Nacht.
Gute Nacht, Tante!
- Gute Nacht.
Bussi, Bussi!
Mein liebes Lorchen!
Schlaft das liebe Lorchen schon?
Pusch, pusch, pusch!
Bussi, Bussi! Ja, ja!
Die Theres, die Theres! Ja, ja, ja!
Ja, ja, ja!
♪ Dort, wo die Alpenrosen blühen, ...
♪ ... dararam, dararam!
Was macht denn das liebe Lorchen?
(Krächzen)
Hm? Du redest ja gar nix mehr! Was hast denn, mein Herzele?
Redest ja gar nix, mein Herzele!
(Fauchen)
Au!!!
Geh, geh, geh, geh! Das musst nicht machen, gell?
Das musst doch nicht machen!
(Fauchen)
(Miauen)
Bismarck!
(Krächzen)
Na, du wirst's sehen:
Bussi!
Bestimmt, die geht! Bestimmt, die geht!
Meinst nicht auch?
(Tante Frieda:) Theres! Theres! Lorchen ist ermordet worden!
(Mutter:) Beruhige dich doch, Frieda!
(Man hört die beiden Frauen nur noch sehr undeutlich.)
Ich bleibe keine Minute länger in diesem abscheulichen Hause!
Sei doch vernünftig, Frieda!
Das arme Tier kann doch nichts dafür, dass es den Papagei gefressen hat!
Der ruchlose Mörder hat den Kater in den Käfig gelassen!
Wenn du das glaubst, dann geh! Ludwig ist ganz unschuldig!
Oh mei!
Fünf Mark!
Eine hab ich dir schon gegeben.
- Krieg ich noch vier!
Ja, ja!
Tante Frieda!
Du hast deinen Papagei vergessen!
Bismarck! Bismarck!
Nächstes Kapitel:"Der Kindlein. Unser Religionslehrer heißt Falkenberg."
"Er ist schön ... wampert ..."?
Ah! Er is schön wampert!
"... und hat eine goldene Brille auf."
"Wenn er was Heiliges sagt, zwickt er die Augen zu ...
...und macht seinen Mund spitz."
"Er faltet die Hände und ist recht sanft und sagt zu uns immer:"
Ihr Kindlein!
"Deswegen haben wir ihn auch Kindlein genannt."
Ihr Kindlein, was ist die wahre Eigenschaft des Christenmenschen?
Merkel.
Die wahre Eigenschaft des Christen- menschen ist die Sanftmut, Hochwürden.
Recht so, Merkel.
Die Sanftmut, die Geduld und die Nächstenliebe.
Diese vor allem gilt es zu üben.
Wenn euch jemand reizet, so vergeltet nicht Gleiches mit Gleichem.
Das wird sich gleich auch weisen.
Sondern verzeihet ihm. Auch wenn es euch noch so schwer fällt.
(Die Kinder lachen.)
Was lacht ihr, Kindlein?
Du bist ein gottesfürchtiger Knabe.
Und ich glaube, dass du die Lüge verabscheust.
Sprich offen! Was hat es gegeben?
Der Thoma hat Sie mit Kreide beschmiert. Hinten!
Armer Verlorener!
Ich habe immer Nachsicht gegen dich geübt.
Aber ein räudiges Schaf darf nicht die ganze Herde anstecken.
Ich kann dich nicht zur Firmung zulassen.
Ich will mich bessern und den Heiligen Geist bekommen, Hochwürden!
Meine Mutter meint, dass dann viel- leicht meine Zeugnisse besser werden
Was bewog dich, mein Gewand zu besudeln?
Ich wollte wissen, ob das für alle gilt.
Was?
Dass die wahre Eigenschaft des Christenmenschen die Sanftmut ist.
Und dass er verzeiht.
Vielleicht wird dich Gott in seiner Güte auf den rechten Weg führen.
Es ist dir verziehen!
Trotzdem wirst du am Nachmittag sechs Stunden Karzer absitzen, Thoma!
Und nun, Kindlein, habe ich eine Frohbotschaft für euch.
Ich habe lange gespart.
Und jetzt hab ich für unsere Aula die Statue des heiligen Aloysius gekauft.
Weil er das Vorbild der studierenden Jugend ist.
Er wird von seinem Postament auf euch herabschauen.
Und ihr, ihr werdet zu ihm hinaufschauen.
Und das wird euch stärken.
Und am Samstag kommt der Heilige und wir werden ihn feierlich einholen!
(Kirchenglocken läuten.)
Sind Sie aus Mühldorf?
- Mhm.
Dann ist das mein Aloysius!
Vorsicht, warten Sie! Dass er nur ja nicht zerbricht.
Er ist sehr zerbrechlich.
Ihr Kindlein, helft mir!
Fasst mal mit an, ja!
Vorsicht! Vorsicht!
Nur ja vorsichtig.
Lieber Kollege, ich danke Ihnen für dieses einmalig schöne Geschenk, ...
...das Sie unserem altehrwürdigen Gymnasium ...
Nicht doch, Herr Rektor. Ich bin dieser Huldigung nicht würdig.
Wo soll er hinkommen?
In die Aula. Aber vorsichtig, vorsichtig!
Morgen, um die zehnte Stunde, findet die Weihe statt.
Möge das Auge des Herrn voll Güte auf uns herniederschauen.
Aber wenn s' aufkommt, dann is alles hin.
Wir müssen es so machen, dass kein Mensch nichts merkt.
So eine Gelegenheit kriegen wir nicht wieder.
Dass wir dem Kindlein etwas antun, was er sich merkt.
Was meinst du? Ob der Pedell schon schläft?
Ich glaub schon. Wir schauen zum Fenster rein.
(Musik)
Mit dem Sperrhaken geht's schon auf.
Jiri!
Jiri, wach auf!
Vater! Aufwachen, Vater!
Aha! Du sollst aufwachen! Du hast doch die Verantwortung!
Kitzeln musst ihn, Mutter!
Ja, seids denn ihr narrisch?!
Jemand schleicht ums Gymnasium.
Lass ihn schleichen, und ihr schleichts euch auch!
Sperrt nicht.
Müss'ma a Fenster einhauen.
An Stein.
(Glas klirrt.)
Halt!
Wer da?!
Mein Gewehr!
Jiri, pass auf, dass er dich ned umbringt.
Lass ihn doch, Vater!
Tu ihm nix, dann tut er dir auch nix!
Halt! Oder ich schieße.
Tu's ihm um den Hals, dann geht's schon.
Noch a bissi. Jetzt reicht's.
Jo, jo! Vorsicht, Vorsicht!
Ich glaube auch, dass es nix gewesen ist.
♪ Gloria in excelsis Deo!
♪ Gloria in excelsis Deo!
♪ Gloria in excelsis Deo!
♪ Gloria in excelsis Deo!
♪ Gloria! Gloria!
♪ Gloria! Gloria!
♪ Gloria in excelsis Deo!
Oh Gott! Oh Gott! Heilige Maria!
Pedell! Was hat dieses zu bedeuten?
Eine Schnur, Herr Oberstudien-Direktor!
Jawohl, eine Schnur! Aber wie kommt diese Schnur hierher?
Ja, vielleicht ...
Dass ... ich meine, dass ...
Im Parterre war ein Fenster kaputt heute Nacht!
Das Fenster! Im Erdgeschoß! Natürlich!
Von dort aus hat sich der Attentäter eingeschlichen!
Von dort aus! Ein Attentat auf einen Heiligen!
Ach, was soll das?!
Föckerer! Wie erklären Sie sich das?
Ich glaub ... ich denk mir ...
Vielleicht ist es ein Lausbuben- streich, Herr Oberstudien-Direktor!
Haben Sie einen Verdacht?
Ich setze fünf Mark aus.
Für die Ergreifung des Täters.
Du Merkel, kannst du uns vielleicht sagen, was da los ist?
Der Pedell sagt, das ist eine Freveltat.
Und wenn's aufkommt, wer's war, der wird geköpft.
Warum geköpft? Es war doch nur eine Gipsfigur!
Und geweiht war er auch noch nicht.
Gestehe, Verruchter! Du hast die schändliche Tat begangen!
Nein! Ich hab doch kein Fenster nicht eingeschmissen!
Quousque tandem, Thoma! Abutere patientia nostra?
Ich kann doch kein falsches Zeugnis ablegen, wenn ich es nicht war!
Wo warst du heute Nacht?
Beim Fritz. Wir haben die dritte Konjugation gelernt.
Wer kann das bezeugen?
- Der Fritz.
Und du kannst es dem Fritz bezeugen!
- Ja.
Sonst weiß es niemand?
Nein, weil wir beim Fritz im Zimmer waren.
Wann war das?
Zuerst war's noch hell, später finster.
Föckerer! Wann wollen Sie die Geräusche gehört haben?
Auf d' Uhr g'schaut hab ich nicht.
Aber dunkel war es schon.
Ich sitz in meiner Stube und denk nach.
Worüber?
- Ob ich noch ein Bier trinken soll.
Und zu welchem Resultat ... Na ja. Weiter.
Da kommen die Weiberleut herein und sagen:
Sie hätten gehört, wie jemand um das Gymnasium schleicht.
Na und?! Was haben Sie dann gemacht?
Ich hab mein Gewehr genommen, bin zur Tür gegangen.
Und dann hab ich aufgemacht.
Haben Sie etwas gesehen?
- Ich hab nix g'sehen.
Weil's so finster war.
Und weil vielleicht grad der Mond hinter einer Wolken ...
Ja, ja! Und dann?!
Dann hab ich "Wer da?" gerufen!
Im 70er Krieg war das so. Da is immer ein Posten g'standen.
Und wenn der was Verdächtiges gehört hat, hat er "Wer da?" rufen müssen.
Und, und, und! War wer da?
Haben Sie etwas gehört? Dann?
Nie nicht.
Und was haben Sie dann gemacht?
Dann bin ich zum Sternbräu gegangen.
Aha!
Weil ich gedacht habe, dass ich noch eine halbe Bier trinken muss.
Aber wenn ich einen gesehen hätte, dann hätt ich geschossen!
Wenn einer auf "Wer da?" nicht antwortet, wird er erschossen!
So kommen wir nicht weiter. Wie kommen wir weiter, Herr Kollege?
Wenn Sie mich mit dem Buben allein lassen würden?
Föckerer, Sie können gehen.
Aber: Naturam expellas furca, tamen usque recurret!
Es ist die Rute nicht, die ich im Sinne habe.
Du arme, verlorene Seele.
Nun schütte dein Herz aus.
Es wird dir wohltun.
Und dein Gewissen erleichtern.
Aber wenn ich, wenn ich den Aloysius nicht kaputtgemacht habe!
Wir werden der Wahrheit gleich auf den Grund kommen, mein Sohn.
Du kennst aus dem Religions-Unterricht ...
...die furchtbaren Folgen des Meineids.
Ich frage dich daher: Bist du es gewesen?! Ja oder nein?!
Wenn ich doch keine Schnur nicht um den Hals vom Aloysius gelegt habe.
Antworte mir: Ja oder nein?!
Im Namen alles Heiligen, hebe die Hand hoch!
N ... n ... nein.
Ah, ah, ah! Da hat er an Meineid g'schworen, der Lausbub!
Das kann man nehmen, wie man will.
Immerhin, die Formalitäten waren nicht in Ordnung.
Kerzen - haben keine brennt!
Hochwürden! Nehmen S' ihn vielleicht sogar in Schutz?
Wer von uns frei ist von Schuld, der werfe den ersten Stein!
Da les ich ja auch, dass er sich bessern wollte.
Nämlich: "Ich war auf einmal furchtbar fromm."
"Drei Wochen lang sind wir vorberei- tet worden auf die Heilige Firmung."
"Und ich habe zum Fritz gesagt:"
Wir müssen ein anderes Leben anfangen.
Ja, weil der Kindlein gestern so g'weint hat.
Du musst auch ein anderer werden.
Hast du's fertig bracht?
Ja. Die Mutter gibt Obacht, wenn ich im Gebetbuch lese.
Sie glaubt, dass ich in mich gegangen bin.
Ich glaub es auch.
Ich kann im Gebetbuch lesen, ...
.. ohne daran zu denken, wie ich dem Kindlein etwas antu.
Ich fang morgen an.
Vorher schmier ich dem Föckerer Senf auf die Türklinke.
Weil er dem Rektor g'sagt hat, dass er mich mit einer Zigarre g'sehen hat
Wart bis nach der Firmung. Ich will auch mittun.
Ich kann nicht warten, weil ich voller Zorn bin!
"Zu meiner Firmung sind dann Verwandte gekommen."
"Auch der Professor Bindinger aus Regensburg."
"Das ist der Mann von meiner älteren Schwester, Marie."
"Sie haben ihr kleines Kind mitgebracht."
"Das is jetzt zwei Jahre alt und heißt auch Marie."
"Meine Schwester heißt es aber Mimi, und meine Mutter sagt Mimili."
"Wie es der Bindinger heißt, weiß ich nicht genau."
"Er sagt Mäderle, aber wenn er damit redet, spitzt er sein Maul und sagt:"
Dutzi, dutzi, du, du!
Wie das Mimili gewachsen ist!
Das hätte ich nicht für möglich gehalten.
Gell, Mama?
Dr. Steininger, unser Arzt, findet's merkwürdig.
Gell, Heini?
- Ja, sie gedeiht prächtig!
Gucku data.
Habt ihr das gehört? Das Kind!
Gucku data!
Es meint "der liebe Papa", gell Mimi?
Wie gescheit das Kind ist!
In dem Alter! So etwas habe ich noch nicht erlebt.
Sie hat einen regen Geist und beob- achtet alles mit reger Anteilnahme!
Ich hoffe, dass sie sich so weiterentwickelt!
Ludwig! Du hast das Mimili noch nicht richtig begrüßt!
Sieh, wie lieb und hübsch sie ist!
Dutzi, dutzi, data!
Siehst du, Marie! Ich habe gewusst, dass ihm das Mimili gefallen wird.
Ja, unser Studiosus!
Gallia est omnis divisa in partes tres.
Ihr lest derzeit sicher den "Cäsar"?!
Ja, schon.
Und das Griechische?
Über das Griechische klagt Ludwig manchmal.
Es muss sehr schwierig sein.
Gerade die griechische Sprache ist wegen ihres Ebenmaßes ...
...und der Klarheit der Formen spielend zu erlernen!
Warum tust du dir dann so hart, Ludwig? Du musst sagen, wo es fehlt.
Die griechische Sprache schwierig!
Ich wollte doch schweigen, wenn er den dorischen Dialekt im Auge hätte!
Aber das Attische! Diese glückliche Vollendung des altionischen Dialekts!
Diese Behauptung zeugt von einem Vorurteil!
Ich meine, weil doch der Ludwig ..
Die Mama meint's nicht böse.
Wie herrlich klingt es, wenn der Hellene sagt:
(Mimili weint.)
Marie! Es ist doch hoffentlich nichts Ernstes?!
Die lange Bahnfahrt und das Unge- wohnte - das kommt alles zusammen!
Grüß Gott!
I hab mir gedacht, es gibt Bratwürst' vorher!
Pepi, du musst doch ned gleich ...
Warum? Man fragt ja bloß.
Grüß Gott.
Ja, grüß dich Gott, Elli!
Und das Roserl ist auch da!
Ludwig, bring die Würst' rein!
Ist das eine Freude, euch alle wiederzusehen!
Wie schön, dass ihr da seid!
Der gute Bub! Es ist ein großer Tag für ihn.
Ja! Veni, Creator Spiritus!
(Klirren)
Ludwig! Um Gottes willen!
Um Gottes willen! Das schöne Gewand!
Wir machen das gleich wieder.
Wo ist denn mein Firmling?
Da bin i!
Ah, der Filser! Bist schon da?
Herr Filser! Darf ich Ihnen mit meinem Schwiegersohn bekanntmachen?
Professor Bindinger aus Regensburg.
Der Herr Landtagsabgeordnete gibt uns die Ehre, ...
...dass er den Paten macht für den Ludwig.
Griaß di Gott, Herr Professor!
Habe die große Ehre, Herr Abgeordneter!
Wollen Sie nicht eintreten?
Wir hatten eine Diskussion über die hellenischen Dialekte.
Ich könnte mir vorstellen, dass Sie ...
Was hast g'habt?
Eine Diskussion. Ich stieß auf befremdliche Vorurteile.
Wenn ich das erklären darf.
Naa, i disputier genug im Parlament.
Geh zu Ludwig, sonst is der Bischof vor uns da!
(Orgelmusik)
Signo te signo crucis et confirmo te chrismate salutis.
In nomine patris et filii et spiritus sancti.
(Musik)
Ui, is die schön!
Damit du allweil weißt, Ludwig, wie viel es geschlagen hat!
Vergelt's Gott! Dank schön!
Is schon recht.
Prost, Filser!
- Prost, Rafenauer!
Der Deine, des is der, der wo öfters meine Zwetschken stiehlt.
So! Vielleicht schmecken s' ihm?!
Meine Zwetschken sind auch gut.
Besser schon wie deine Milch.
Was soll das bedeuten?
Weil's immer rein regnet, du Spitzbub, du! Ha, ha, ha!
In deiner Milch verrecken noch lang keine Fisch'!
Und in deiner laichen die Frösch'!
Macht nix. G'soffen wird's doch!
Du Haferfeldtreiber, du elendiger!
Der Kötzinger Jakl hat mir erzählt, wie du ihn ausg'schmiert hast!
Mit der schwindsüchtigen Kuh!
Um 100 Mark gut Ding.
Du Heiliger, du ganz G'spaßiger!
Schau nur, dass du dem ned unterkommst!
Ein paar Stecken müssen hinwerden, hat der Jakl g'sagt.
Und wenn zehn Minister dabeistehn, sagt er.
Nach dem Handel schimpft einer gern.
Jetzt kommt er mit der Garantie daher, wo i ihm gar keine geben hab!
Wie hast das g'macht, dass die Kuh so a großes Euter g'habt hat?
Alles Natur!
Schämt ihr euch ned, solche Sachen vor Firmkindern zu reden.
Ihr solltet als Paten ein gutes Beispiel geben.
Das tun wir, gell Ludwig?! Dir regnet's nicht in die Milch!
Der is spezial auf meine Zwetschken!
Da, der Schultheiss Karl, der schaut auf meine Schwester.
Ich muss ihm einen guten Rat geben.
Soll er sich herhocken!
Geh her, Karl!
Mahlzeit, die Herren!
Rutsch ein bisserl mit deinem Hinterquartier!
Tag.
Au weh, ein Preuß!
Lieber ein Preuß als ein Lateinprofessor!
Ach so, hab dich schon. Genoveva! Bring ein Bier für den!
Wir können euch ja ned verdursten lassen.
Nachdem wir euch schon im Jahre 70 geholfen haben.
Sie meinen die Waffenbrüderschaft.
Und jetzt müss'ma die Steuern zahlen für euch.
Sie sind da politisch nicht ganz informiert.
Ich weiß genug.
Er ist der Landtagsabgeordnete Filser.
Ah! Schultheiss.
Drum haben s' dieses Gesetz gemacht.
Wodurch wir alle Wochen für die Dienstboten Marken kleben müssen!
Dieses Geld wandert auch nach Preußen!
Danke.
Wissen Sie, welche Vorlage in der nächsten Parlamentssession kommt?
Wahrscheinlich, dass wir entscheiden müssen, ...
...was eine Kunst ist und was keine Kunst nicht ist.
Wie interessant!
Weil in München sind viele Maler, das Parlament hat dann die Verantwortung.
Weil die Malerei ist eine Kunst - bis zum Nabel.
Unterm Nabel ist es eine Sauerei!
Indem es dort geschlechtlich ist.
Der biedere Ökonom schämt sich bereits im Hemd.
Wodurch wir uns mit der Unterhose ins Bett legen.
Ich schau meine Alte auch lieber an, wenn sie mehr anhat als weniger.
Obwohl es beim verheirateten Zustand keine Unkeuschheit nicht gibt.
Sondern es is Gesetz. Man muss es machen. Ha, ha, ha.
Du darfst nicht dumm sein, wo sie dich doch liebt.
Meine Mutter hat auch nichts dagegen. Und ich auch nicht.
Ich kann nicht in ein Haus kommen, wo man mich beschimpft!
Die Tante ist längst weg!
Die Maler malen die Weibsbilder ganz nackert!
Da muss eingeschritten werden!
Wir könnten einschreiten.
Aber wir haben viele geistliche Herren in der Partei.
Die sagen, wir brauchen nur das Maul halten. Sie machen das schon.
Interessant.
Wann hat denn der Thoma das g'schrieben?
Hm, hat sich nichts geändert.
Also: "Das war meine Firmung, und sie war sehr schön."
"Aber ich glaube, dass ich den Heili- gen Geist doch zu spät bekommen habe"
"Denn mein nächstes Zeugnis war so, ...
...dass es selbst den nächsten Ver- wandten nicht gezeigt werden konnte."
"Dem Fritz sein Zeugnis ist auch nicht besser gewesen."
"Da ist in der Zeitung gestanden, dass es in München ...
...einen pensionierten Hauptmann gibt, der die ungeratenen Kinder ...
...auf den rechten Weg bringt und sie zu guten Schüler verwandelt."
"Der Hauptmann heißt Semmelmaier."
In Gottes Namen.
Man muss es probieren.
Grüß Gott, ich bin ...
Bitt schön, kommen S' herein. Sie müssen warten.
(Marschmusik)
"So legen wir die Arbeit nieder und folgen treu der Fahne dann."
Ludwig! Ludwig, komm her!
Setzt euch doch anständig hin!
Was soll denn der Herr Hauptmann denken, wenn er ...
Ich habe wohl die Ehre mit Frau Oberförster Thoma, nicht wahr?!
Ja.
Ich bin gekommen, weil der Herr Hauptmann so berühmt sind ...
...wegen seiner Erziehungskunst.
Ich habe auch geschrieben.
Ich weiß! Das sind also die Purschen?
Ja. Die Frau Angelmaier hat mich gebittet, den Fritz mitzunehmen.
Wir wollen ein nützliches Glied der Gesellschaft aus den Purschen machen.
In Gottes Namen, vielleicht geht es.
Meine Frau unterstützt mich bei meiner Erziehungsarbeit.
Sie war Gouvernante bei Ihrer Königlichen Hoheit:
Prinzessin Amalie von Sachsen-Altenburg.
Ja, dann!
Sie können ganz getrost sein.
Wir haben schon 150 Knaben verwandelt.
Bei vielen hatte man keine Hoffnung mehr. Jetzt sind s' tüchtige Menschen!
Erst gestern ist ein Leutnant dagewesen, der gesagt hat, ...
...dass er mir alles verdankt, was er geworden ist!
Er ist jetzt Ulan!
Du musst dir vornehmen, dass du kommst und dem Herrn Hauptmann dankst.
Es gibt keinen Zweifel.
Einmal kommt Ludwig als ritterlicher Offizier herein oder als Assessor!
Und sagt, dass er dem alten Semmelmaier die Hand drücken muss!
In Gottes Namen, dass es gelingt.
Sage mir, was das ist!
Das ist ein Messing.
Das ist ein Orden, Pursche, den ich von meinem König bekommen habe!
Ich habe ihn verdient auf dem Schlachtfelde von Wörth!
Josef, du musst gehen. Graf Bentheim wartet auf dich.
Den hab ich auch verwandelt!
- Den hat er auch verwandelt!
Ich verabschiede mich. Bleiben die Purschen gleich hier?
Ja, wenn der Herr Hauptmann erlauben.
Ich bin sehr froh, dass ... Ich hoffe ...
Der Tag kommt, Frau Oberförster, wo der junge Mann ...
...dem alten Semmelmaier die Hand drückt!
"Aber zuerst einmal is eine schlimme Nacht kommen."
Schlafst du auch noch ned, Ludwig?
Doch. Aber mir g'fallts hier gar ned.
Mir auch ned.
Es wär besser g'wesen, wenn wir daheim fleißiger g'wesen wären.
Sie g'fallt mir noch weniger wie er.
Aber er g'fallt mir gar ned.
Pst, der Hornpepi!
Wenn er euch beim Schwätzen erwischt, kommt er mit dem Spanischen Rohr!
Wer ist der Hornpepi?
- Der Semmelmaier.
Warum Hornpepi?
Er war im Krieg so dumm, dass ihn die Soldaten Hornpepi geheißen haben
Von wem weißt du das?
Bin schon zwei Jahre hier. Seine Alte hat ihn einmal deswegen beschimpft.
"Liebe Mutter!"
"Ich schreibe dir diesen Brief heimlich, weil es verboten ist."
"Jetzt bin ich schon drei Wochen von daheim fort. Und der Fritz auch."
"Wir haben schon oft ... gesagt, dass es viel schöner möge sein, ...
...wenn wir jetzt im Rafenauer seinem Weiher fischen könnten."
"Einer aus der Klasse hat die Masern."
"Und im Aufsatz habe ich einen Zweier gekriegt."
Einen Zweier hat er gekriegt!
Vielleicht, dass er doch in Gottes Namen ...
Du hörst ja nicht zu, Ännchen!
- Doch!
Du hast gesagt: In Gottes Namen.
"Beim Semmelmaier gibt es sehr wenig zu essen."
"An jedem Donnerstag haben wir bloß eine Brennsuppe."
"Und wir haben immer Hunger. Der Fritz auch."
Der arme Bub!
Da kann er nicht studieren, wenn er nicht satt wird!
40 Mark und nichts zu futtern? Da würd ich ein Donnerwetter loslassen!
Ja, ich schreibe dem Hauptmann!
Und vielleicht, dass ich ein Geräuchertes schicken soll!
Du musst nicht in der Suppe rühren, Ludwig, du musst sie essen.
Oder bist du heikel?
Ich mag keine Brennsuppe nicht!
Es gibt kein "mögen" nicht!
Die Knaben müssen essen, was sie kriegen!
Und sie dürfen keine Briefe nach Hause schreiben, ...
...dass sie nicht satt werden, wenn sie alles stehen lassen!
Ich hab Hunger. Das darf ich sagen.
Josef, rede du zu diesem gemeinen Knaben.
Schau mich an, Pursche!
Das bekommt man nicht, wenn man Briefe schreibt über Brennsuppen.
Nein, man muss ein Spartaner sein.
Man muss eine Entbehrung machen und den Tod im Angesicht haben.
Dann kriegt man es, weil man ein Spartaner ist.
Ich muss die Jugend erziehen.
Dass ihr auch einmal die Auszeichnung kriegt.
Ihr müsst am Donnerstag die Brennsuppe essen!
Das ist eine Übung für den Krieg!
Ich möchte euch alle Tag ein Geräuchertes geben!
Oder einen Braten - aber ich darf es nicht.
Weil ihr sonst keine Spartaner werdet.
Sondern bloß Jünglinge.
Du musst seiner Mutter schreiben, dass er ein frecher Knabe ist.
Ich habe im Krieg drei Tage nichts zu mir genommen.
Und am vierten Tag hat es auch nichts gegeben.
Bloß Pulverdampf.
(flüstert:) Man muss nachdenken, was man tun kann.
Das habe ich ihm ins Nachtlager getan.
Frau!
Hilfe!
Hilfe!
Hilfe!
Josef!
Volle Deckung!
Dafür kriegt er keinen Orden.
Hey, Sie! Wo ist das Rauchercoupé?
Da!
Zum Glück haben 16 andere auch die Masern gekriegt.
Wir dürfen mindestens drei Monate daheim bleiben.
So was nennt sich Eilzug! Wir sollten seit 4 Minuten abfahren.
Du versäumst doch nix.
Na, endlich!
Bravo! So wachst die Jugend her!
Kein Wunder, dass die Jugend so verroht ist.
Bei uns wär so wat nicht möglich!
Mein Name ist Stüwe.
Vertreter der Firma Klausing.
Chemische Fabrik für alles Mögliche und Kunstdünger.
Scheiterer. Ich bin Lehrer.
Warum machen die Schüler in der 1. Klasse Latein kaum Fortschritte?
Die Volksschulen werden immer schlechter.
Gibt es keine Mittel mehr für so freche Lausbuben?
Bei uns wäre so wat nicht möglich.
Jetzt halten wir schon wieder!
Wir in Preußen haben andere Züge!
Wir sind schneller und heller.
Kommen Sie mal zu uns!
Womit zum Beispiel füttert ihr eure Kühe?
Nicht mit Leberknödeln.
Sie wissen nicht, wie viel Trockensubstanz Sie geben müssen.
Und die Futternorm kennen Sie auch nicht:
Proteine plus Fett.
- Wir holen das Futter von der Wiese.
Nicht aus der Apotheke.
Genau deshalb sind die Bayern so rückständig.
Und wieso kauft ihr Preußen das Vieh dann bei uns?
Noch nie ist von Preußen ein Vieh da her gekommen.
Glaubt ihr! Mehr als genug!
Vielleicht zweihaxige!
Sehr witzig! Lernt lieber was, das ist klüger!
Kennen Sie Kartoffelschlempe?
Torfmehlmelasse?
Und das fressen sie?
Ihr habt ja keine Ahnung!
In Preußen möcht i ned einmal als Kuh sein!
Vielleicht als Ochse?
- Erst recht ned.
Sonst hätt i Existenz-Sorgen.
Von denen habt ihr zu viele!
Was ist jetzt schon wieder los?
- Ein Stier steht am Gleis.
Schon wieder ein Ochse.
Das ist das Holz, aus dem die Anarchisten geschnitten werden!
"Und dann ist der Zug daheim angekommen."
"Sie sind alle auf dem Bahnhof gewesen."
"Auch meine Cousine Cora."
"Die war aus Indien auf Besuch da."
"Und die war so schön, dass sie gleich viele Verehrer gehabt hat."
"Zum Beispiel den Professor Seitz."
"Eines Abends sind sie auf einmal vor unserem Haus aufmarschiert."
"Sie haben der Cora ein Ständchen gebracht."
♪ Ich stieg vom Walde hernieder.
♪ Da stand noch das alte Haus.
♪ Mein Liebchen - sie schaute wieder.
♪ Wie sonst zum Fenster hinaus.
♪ Ja, hinaus.
♪ Sie hat einen andern genommen.
♪ Ich war draußen in Schlacht und Sieg.
♪ Ja, Sieg.
♪ Nun ist alles anders geworden.
Ich muss nach Bombay schreiben, dass man hier immer noch Ständchen bringt.
Diese Ehre gilt unserer indianischen Prinzessin.
Für mich?
Wer kennt mich hier schon?
Der Professor Seitz ist der mit dem Tenor.
Der hat dir schon zwei Mal seine Aufwartung gemacht.
Aber er hat dich nicht angetroffen.
♪ Ich küsst's auf sein rotes Mündlein:
♪ Gott segne dich immerdar.
Es ist wunderschön.
Und eine schmeichelhafte Aufmerksamkeit.
Wir dürfen uns die Ehre geben und ...
...die Damen zum Waldfest der Liedertafel am Sonntag einladen.
Damit sie es verschönen.
Wird auch getanzt?
Freilich, meine Damen!
Und ich bin auch da.
Dann kommen wir!
(Pfeifen)
Franz! Hast du mir pfiffen?
Ja! Komm runter, i muss dir was sagen!
Da schlüpf durch!
Hast du den Gesang gehört heut Nacht?
Ja.
Hast du den Seitz gekannt?
- Ja.
Man muss ihn gleich kennen, weil er so krumme Füß' hat.
Haben ihn die anderen auch gekannt? Deine Mutter und deine Schwester?
Ich glaub schon.
Hat ihn Fräulein Cora auch gekannt?
Ich glaub schon.
Aha. Ob es ihnen vielleicht gefallen hat?
Ja.
Sie haben gesagt, dass es poetisch war.
Es ist gemein, wenn man die Leut ned schlafen lasst.
Das ist nicht poetisch.
Hat es Fräulein Cora auch gelobt?
Das hat sie nicht.
Aber es hat ihr gefallen.
♪ Ich stieg vom Walde hernieder.
Geh hin jetzt! Jetzt ist sie allein.
Geht ned. I hab keinen Kragen. Komm mit!
So einen Prügel hab ich den Seitz, wenn er noch einmal singt.
Was hast denn?
Was hast denn?
Des verstehst du nicht!
Ich versteh's schon. Ich helf dir, wenn dir der Seitz was getan hat.
Du bist der Einzige, mit dem ich reden kann.
Ich hab die Cora furchtbar lieb.
Ich hab sie auch lieb.
Weil sie so schön ist.
Und nicht so wie die andern Mädchen.
Und freundlich ist sie auch.
Ich möchte, dass sie meine Frau wird.
Warum gehst du dann nicht hin und sagst es ihr?
Statt, dass du mit dem Prügel auf den Boden haust.
Es geht nicht.
- Doch!
Der Bindinger hat das auch gemacht.
Du musst den schwarzen Rock anziehen und hinübergehen.
Du musst den Arm um Cora legen.
Geht nicht!
Der Bindinger hat es g'macht, wie er die Marie g'wollt hat.
Und so kriegt der Karl das Ännchen.
Es geht nicht, weil ich bloß Jäger bin und nicht gebildet.
Die Cora mag mich nicht.
Ich merk das gut.
Sie mag mich nicht, weil ich nicht gebildet bin.
Dann sag ich's ihr - heut beim Essen.
Des darfst ned!
Ich freu mich schon den ganzen Tag auf mein Glas Bier.
Es schmeckt so gut!
Muss man Respekt haben vor einem, der ein gutes Bier macht?
Man muss Respekt haben vor jedem, der seinen Beruf versteht.
Versteht ein Professor mehr als einer, der ein gutes Bier macht?
Das kann man nicht vergleichen.
Man muss seine Pflicht tun - das ist die Hauptsache.
Wenn einer ein gutes Bier macht, oder wenn er Jäger ist:
Warum glauben dann die Menschen, dass ein Professor mehr ist, ...
.. nur weil er auf dem Gymnasium war?
Du bist ja tiefsinnig, Ludwig.
Willst du aufhören zu studieren?
Um Gottes willen, Ludwig!
Du wirst doch nicht vom Gymnasium weggehen!
Nein!
Aber wenn mich Gott woanders hinstellen will?
Ich muss auch als Jagdgehilfe meine Pflicht tun.
Da spricht deine Faulheit!
Daran ist der Franz Reiser schuld. Der ist doch Jäger, nicht wahr?
Du warst oft bei ihm.
Der sagt immer, man muss studieren, weil man sonst nix ist.
Aber ich hab ihn getröstet.
Wie?
Ich hab g'sagt, dass die Mädchen deshalb glauben, ...
.. dass Gymnasium ist was Beson- deres, weil sie selbst nix lernen.
Von welchen Mädchen sprichst du?
- Von allen.
Sie meinen, wenn man eine Brille aufhat, ist man gescheit.
Was weißt du von so was?
- Grüß Gott! - Grüß Gott!
Wie kannst du nur so reden?!
Der Ludwig ist nur streng mit uns Mädchen.
Wenn man sich um Mädchen kümmert, gibt es nur Verdruss.
Das hab ich schon gemerkt!
Du wirst ja ein Weiberfeind.
Ich dachte, du bist ein Kavalier von mir.
Mädchen bilden sich viel ein.
Sei nicht so ungezogen!
Er ist nicht ungezogen, nur ungnädig.
Wir müssen seine Gunst wiederbekommen.
Schau, er ist der einzige Mann mit drei weiblichen Wesen.
Das ist wie bei einem indischen Fürsten.
Da haben die Damen auch Mühe, dass er gnädig ist.
Du kannst Franz sagen, er soll eine Brille aufsetzen, ...
...damit er uns gefällt beim Waldfest.
Der Franz kommt doch auch zum Waldfest - hä?
(Musik)
(Musik)
Grüß Gott!
Grüß Gott!
Frau Thoma, kommen Sie bitte hierher!
Nehmen Sie doch hier Platz!
Der Herr Provisor ist sehr aufmerksam.
Wo ist Ludwig?
Der kummt gleich!
Grüß Gott!
- Legt eure Schals um!
Ihr seid sicher erhitzt.
- Es war nur ein kleiner Spaziergang.
Grüß Gott!
Grüß dich, Pepi!
Grüß dich!
Setzen wir uns!
Wo ist denn der Ludwig?!
Komm, die Madln sind schon da, und die Musik spielt auch schon!
Im Wald ist es schöner, wenn's still ist!
Das hab ich lieber als den Krach.
Aber wenn getanzt wird, kannst du es ihr sagen!
Dann geh ich schon hin!
So!
Jawohl!
Für einen Preußen bist du ganz brav!
Wann wird denn geheiratet? Nächste Woche?
So schnell schießen die Preußen nicht!
Zum Wohl!
Heut sind wir wieder lustig!
Wie benimmt sich deine Nichte denn?
Sie benimmt sich sehr fein.
Ist es fein, wenn sie mit ihren Blicken so herumschmeißt?
Geh, das glaubst du doch selber nicht.
Sie schaut den Pepi nur freundlich an.
Man muss eine blühende Fantasie haben, wenn man sich Indien vorstellt
Es muss ja ein Zauberland sein.
Dort wächst der Pfeffer. Es kann nicht so schön sein dort.
Man sagt ja zu schlechten Leuten, ...
...sie sollen hingehen, wo der Pfeffer wächst.
(Fanfare)
Was ist denn da los?
Jetzt kommt ein Gesang.
Ja!
(Stimmengewirr)
♪ Wer hat dich, du schöner Wald aufgebaut so hoch da droben?
♪ Wohl den Meister will ich loben, so lang noch mein' Stimm' erschallt.
Da ist der Reiser Franz.
Aber eine Brille hat er nicht auf.
Setzen Sie sich zu mir!
Wenn's gestattet ist.
Mhm.
Ruck näher hin, ich will auch hinsitzen.
♪ Lebe wohl, lebe wohl, du schöner Wald!
Sie sind also Jäger, wie mir der Ludwig erzählt hat.
Ja.
Immer im Wald und in der freien Natur.
Ja.
Der Franz mag's lieber, wenn ein Vogel singt, ...
.. als wenn die dummen Menschen reden.
Ludwig!
Er hört halt lieber Vögeln zu.
Siehst du nicht, Cora, wie stark der Franz ist?
Er kann einen furchtbar hauen, wenn er will.
Ist das wahr, Herr Reiser?
Fräulein Cora, darf ich um den Tanz bitten?
Ich hab den Tanz schon dem Herrn Reiser versprochen.
Mit Verlaub, Frau Oberförster.
Sie tanzen sehr gut, Herr Reiser!
Sie brauchen auch keine Brille aufzusetzen!
Sie sehen auch so recht gut aus!
Zwei will ich auch.
Nein, drei. Drei Mädchen.
- Ich will aber Buben!
Mädchen sind leichter aufzuziehen.
- Aber sie brauchen eine Aussteuer.
Und Buben müssen studieren!
Ach, streiten wir doch nicht! Wie's kommt, so kommt's.
Ich kann's kaum erwarten.
Schon wieder!
Ich brauch keine Bier-Uhr nicht.
Magst auch tanzen?
Ja.
Aber i ned!
Du, kannst du es nicht einmal im Parlament vorbringen, ...
...dass mich der Gendarm aufg'schrieben hat ...
...wegen nächtlicher Ruhestörung?
Machen wir eine kleine Promenade?
Ja.
Es gibt Türken, wo einer ein Dutzend Weiber haben darf.
Dies ist wohl angenehm, aber eine wollüstige Gemeinheit.
Die richtige Religion erlaubt uns nur eine.
Das ist oft schon genug.
Das hast recht! Mehr als genug!
Ja!
Prost!
(Ein Vogel zwitschert.)
Was war denn das?
Ein Krammetsvogel.
(lautes Gurren)
Und das jetzt?
A Wildtaube.
(Zwitschern)
Da! Ich glaub gar, des is a Nachtigall!
Schön.
♪ Fein sein, beieinander bleiben.
♪ Fein sein, beieinander bleiben.
♪ Mag's regn oder winden oder aber schneiben.
Es war ein langer Spaziergang.
Aber es hat mir sehr gefallen.
Ja?
Ja.
Schreiben Sie mir, wenn ich wieder in Indien bin?
Ja.
Und ... äh ...
Und?
Ja.
♪ Denn die Liab is so zart wie a Soafnblasn.
♪ Treu sein, ned außigrasn.
Jaaaaa!
♪ Treu sein, beieinander bleiben.
Kannst die Sachen in den Schrank tun.
Und der Koffer muss auf den Dachboden.
Und womit reise ich dann?
- Mit nichts nicht.
Ludwig, du sollst nicht solche Rätsel machen.
Ich bin doch nur ein Mädchen, das keine Rätsel auflösen kann.
Ich erkläre es gleich.
Aber zuerst musst du sagen, ...
.. ob du lieber fährst oder gern hier bleibst.
Ich MUSS halt zurück.
Zu meinem Papa.
Kein Mädchen bleibt bei ihrem Papa, wenn es heiratet.
Das ist großartig, was du für Kenntnisse hast!
Weil ich schon dabei war, bei der Marie zum Beispiel.
Du bist der feinste Junge vom alten Europa.
Und es ist sehr nett, dass du mich heiraten willst, ...
...bloß damit ich da bleib.
Aber da müssten wir noch zehn Jahre warten.
Aber ich will dich ja gar nicht heiraten.
Das ist aber schade!
Da hab ich mich umsonst gefreut.
Aber warum redest du dann so?
- Du darfst den Franz heiraten.
Du brauchst keine zehn Jahre warten.
Weiß Herr Reiser, dass du so redest?
- Er weiß es nicht.
Aber wenn es vorbei ist, ist er froh.
Du hast das alles auf deine Rechnung gemacht?
Ja! Ich weiß ja, wie so was geht!
Ludwig.
Du willst bloß, dass ich nicht fortgeh.
Ich muss dir noch was sagen:
Du musst richtig lernen, verstehst du?
Wegen deiner Mutter, die so gern stolz sein will auf dich.
Und zum Abschied versprichst du mir, dass du es tust.
Du hältst doch dein Wort?
Ich will's probieren.
Aber warum sagst du "zum Abschied", wenn du den Franz heiraten darfst?
Geh halt hin zu ihr, du Depp!
Ich kann nicht, weil ich so traurig bin, dass sie wegfährt.
Es schaut nur so aus, als ob sie fährt!
Einen recht schönen Gruß an den Maharadscha!
Ist ja nur wegen der diplomatischen Beziehungen.
Ich will's gerne ausrichten!
Wir sind gekommen für das letzte Lebewohl.
Das ist sehr freundlich.
Wenn ICH ein junger Mann wär', ...
...so darf kein so hübschen Mädchen nicht fort.
I versteh ned, warum man fährt, wenn man heiraten kann.
Ich hab mich sehr gefreut, Sie kennenzulernen, Franz.
Und ich schreib Ihnen auch.
- Ja?
Ja.
Auf Wiedersehen!
Cora, liebe Cora!
Und kommt gut heim!
♪ Muss i denn, muss i denn zum Städtele hinaus?
Auf Wiedersehen!
♪ Und du, mein Schatz, bleibst hier.
Tut's denn noch sehr weh, Bub?
Es geht.
Hauptsache, dass was g'nützt hat - wegen dem Franz.
Meinst, dass du schlafen kannst?
Ja.
Dann schlaf gut.
Und träum schön.
"Und er hat geträumt, der Ludwig."
"Auf einmal ist es gewesen, als wenn er eine feierliche Musik hört."
"Und eine Equipage ist dahergekommen."
"Da ist der König Ludwig dringesessen."
"Beim Haus ist die Mutter heraus. Sie war sehr erstaunt und hat gefragt:"
"Majestät, Majestät leben noch?"
"Im Herzen meines Volkes, hat König Ludwig zur Antwort gegeben."
"Und hat wissen wollen, wo der Lausbub ist."
"Und dann ist der König in die Kammer hinein."
"Du bekommst die Auszeichnung, und du brauchst kein Spartaner nicht sein."
"Du bekommst die bayrische Tapferkeitsmedaille."
"Weil du immer standhaft geblieben bist ...
...gegen Dünkel, Unduldsamkeit, Verlogenheit, Scheinheiligkeit ...
...und aufgeplusterte Autorität in allen Farben."
"Schwarz-weiße, schwarz-weiß-rote, weiß-blaue und schwarze."
"Das waren die Lausbubengeschichten von Ludwig Thoma."
ORF-Enterprise TXT, 2010 untertitel orf.at
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