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...und so stehen wir, tief bewegt,
am Grabe eines viel zu früh Dahingegangenen,
den ein unerbittliches Schicksal
jäh aus unserer Mitte gerissen hat.
Wir und der Sparverein Biene,
dem wir alle verbunden und verpflichtet sind,
haben nicht nur einen Sparer verloren...
Ausgerechnet bei dem Scheißwetter muss er sich beerdigen lassen.
Aber 'ne tolle Beteiligung. Was schätzt du denn, wie viele das sind?
So mindestens 400. - Ja?
400 Jahre Knast. - Schnauze!
...den die Vorsehung
in der Blüte seiner Jahre dahingerafft hat...
Vorsehung nennt er das, die Sau! - Psst! Nicht so laut.
Wenn die uns bemerken! - Wenn ich in dieser schweren Stunde
in eure Gesichter blicke,
so sehe ich keins, da sehe ich keins...
Arthur! - Ja?
Da sehe ich keins, auf dem sich nicht
tiefste Betroffenheit malt,
Trauer und Schmerz.
Aber wir wollen uns unserer Tränen nicht schämen...
- Gesundheit!
Oh...
Und mir, dem die traurige Pflicht obliegt, ein paar schlichte Abschiedsworte zu sprechen,
drängt sich unwillkürlich das schöne Dichterwort auf die Lippen:
"Zum Abschiednehmen just das rechte Wetter."
Selbst der Himmel weint.
Mein Orje! - Mein Orje!
Und so lasst uns das Rad der Zeit noch einmal zurückdrehen.
Alles muss man alleine machen.
Wann gibt's endlich Kaffee? - Gleich, Mutz.
Dauert heute alles ein bisschen. Du weißt ja, ich muss das neue Mädchen einarbeiten.
Vorhin hat sie mir schon 'ne Untertasse fallen lassen, von dem guten Service.
Was kommt denn da Knuspriges? - Apfelplinsen.
Sie müssen aber immer erst anklopfen, Edith. So macht man das in guten Häusern.
Und immer hübsch von links zureichen. Das gelbe Zimmer schon fertig?
Jawohl, Madam. - Alles frisch bezogen? - Was denn, schon wieder?
Ja, Edith, so ist das in guten Häusern. Na, nun mach schon!
Moment mal, Mädchen.
Lass dich doch erst mal sehen. Dreh dich doch erst mal um.
Ist das Kleid von der langen Else?
Das muss sofort kürzer gemacht werden!
Eine Handbreit Oberschenkel muss immer ersichtlich sein.
Drei Musketiere, drei Kavaliere...
Na, Nelly? Schularbeiten machen? - Klar, von irgendwas muss ja der Schornstein rauchen!
Onkel! Der ist ja doof.
So was sagt ein artiges Kind doch nicht, Nelly.
Guck mal, ist das Neueste. Charleston!
Tag, Erna! - Servus.
Na, was ist? Willst du schauen oder willst du? - Ich will!
Ins lila Zimmer, die Herrschaften.
Bitte schön, die Herrschaften.
Entschuldigung.
Ein Verkehr ist das heute wieder...
Ist Madam da? - Ja.
Na, dann geh mal schon, Onkelchen. Du weißt ja Bescheid.
Ins Kinderzimmer!
Oh, Verzeihung, störe ich? Guten Tag, Herr Emil.
Tag, Madam. Entschuldigen Sie, dass ich nicht angeklopft habe.
Haben Sie schon mit Herrn Emil gesprochen? - Nein, ich bin gerade dabei, Nellychen.
Danke, Madam. Ich hab auch 'nen guten Gast aus der Winterfeldstraße, Sie wissen doch.
Ich war erst letzte Woche mit ihm oben. Darf ich, Madam? - Natürlich.
Ach, danke.
Ist zwar 'n altes Ferkel, aber... immer Kavalier, das muss ich sagen.
Dann will ich nicht weiter stören. Madam, schicken Sie doch bitte Kaffee und Kuchen
und so ein paar süße Likörchen aufs Zimmer. So in 'ner Viertelstunde...
Hör doch mal zu, was die hier annoncieren.
"Raunet, ihr Runen.
Deutschblütige Männer und Frauen,
die an der Wiedergeburt des Germanentums mitarbeiten wollen,
finden Aufnahme im vornehmen
im Geiste Richard Wagners arbeitenden Orden.
Bild, Haarprobe, Lebenslauf ergeben an Postlagerkarte 26."
Ob wir uns da mal melden? - Wo?
Na, bei den Germanen. Wegen Kundschaft.
Herein.
In zehn Minuten aufs Kinderzimmer. Dazu zwei Portionen Kaffee und Kuchen.
Überstürz dich bloß nicht. - Nee, nee, da passe ich schon auf.
Was hat denn Nelly vorhin gewollt? - Also, die Sache ist die...
Die Nelly denkt ans Heiraten. - Heiraten? Hat sie das schon lange?
Ich wusste gar nicht, dass die 'nen festen Freund hat. Wo hat sie den versteckt?
Na, nicht sie. Er war längere Zeit aus dem Verkehr gezogen. - Ach, so ist das.
Hast du mal 'ne Zigarette? - Na klar. Wo hat er denn gesessen?
In Brandenburg. - Oh, keine schöne Gegend. Wie lange?
Drei Jahre. - Drei Jahre! Wegen Zuhälterei? Das ist 'ne Frechheit.
Er ist gar kein Zuhälter. - Was denn? Der ist gar nicht aus unserer Branche?
Artisten-Orje. Das ist doch... - Artisten-Orje? Du machst mir Spaß, das...
Artisten-Orje? Der Geldschrankknacker?
Der... Na, hör mal, der die 250 Mille von der Bank, vom Prager Platz...?
Das sagst du so nolens knoblens nebenbei?
Na du, das ist Nellys Freund? - Mhm. "Lila" ist wieder frei.
Na ja, und jetzt löchert mich die Nelly in einer Tour,
wir sollen ihren Orje für 'n paar Wochen bei uns aufnehmen. - Wann kommt er raus?
Ist schon. Seit gestern. - Mhm.
Die Nelly will auch alles bezahlen.
Du sagst ja gar nichts, Mutzi. - Ich überlege.
Verzeihen Sie. Darf ich mal richtig vermuten?
Artisten-Orje? - Genau.
Seiden-Emil. Angenehm. - Ganz meinerseits. Ich freue mich.
Au... Ich freue mich auch.
Also, an und für sich stehen wir der Angelegenheit wohlwollend gegenüber.
Es dreht sich jetzt nur noch um die Organisation. - Organisation?
Organisation, ja.
Es drängt sich einem die Frage auf: Warum hilft dir dein Verein nicht?
Bin doch in gar keinem Verein. - Was denn? Du bist nicht organisiert?
Das mit Brandenburg war doch das erste Mal. Ich war doch vorher noch nie im "Z".
Und vorher die drei Monate Tegel, das ist ja nicht genug. - Nee, nee.
Das ist wieder... Bei uns in der Biene, anderthalb Jahre ist das Mindeste.
Aber da bist du ja mit deinen drei Jahren...
...drei Jahren fein raus. Herzlich willkommen.
Also, dass Sie uns die Schreckenskammer überlassen für die Zeit,
das ist wirklich edel, Madam. - Na, da seid ihr doch ungestört.
Hauptsache, dein Orje fühlt sich bei uns wohl. - Wo soll denn das alles hin?
Das kommt vorläufig in Ihre Kammer, Edith. - Was denn, der olle Bock auch?
Da graul ich mich die ganze Nacht. - Och, nun seien Sie nicht albern.
Aber es stimmt, Madam. - Na, dann schieben Sie ihn eben ins Bestrahlungszimmer.
Vorsichtig! Schmeiß doch nicht immer alles um!
Mann, ist das schwer! - Nun wackel schon ab, du Landei!
Fräulein Nelly? Hier kommen doch immer so viele Männer her. - Na und?
Was ist denn mit der? - Na, das sind Patienten. Die werden hier behandelt.
Was denn, auf dem Ding auch? - Frag nicht so viel.
Erkläre ich dir alles später, wenn du mal eingearbeitet bist.
Meine Mutter sagte, ich soll mir vor Männern in Acht nehmen. Die wollen alle dasselbe!
Schön wär's...
Das werden sie sein.
Madam, das ist er.
Komm her, Orje.
Tag, Madam!
Da bin ich. - Na, das freut mich. Herzlich willkommen in meinem Haus!
Nun gucken Sie sich bloß mal die Hände an, Madam! - Charmant.
So was wird heute gar nicht mehr hergestellt. - Nicht doch...
Orje. Guck mal!
Oh! Na, ist ja fein!
Oh, das ist richtig... - Na, geht doch rein. Macht's euch doch bequem.
Aber erst ein Begrüßungsschnäpschen. - Ja, wie du willst, Orje.
Na, dann wollen wir uns doch mal setzen. - Ja, ich bin so frei.
Nee, nee, nee. Bitte, bitte.
Bitte, bedienen Sie sich! Sie sind jetzt hier zu Hause.
Oh, Pardon!
Na dann, zum Wohl!
Ah!
Schmeckt er? - Eins A, Madam!
Mensch, ich fühle mir hier sauwohl. - Na, das ist die Hauptsache.
Dann bleibst du auch hier und dann reden wir nachher weiter über den Verein.
Ach, ihr habt schon darüber gesprochen? - Ja. Orje ist gerade am Überlegen.
Also, wenn ich hier bleibe, ja...
Dann werde ich ja wohl auch in Emil seinem Verein rein müssen.
Gefällt es Ihnen nicht bei mir? - Nee, nee, hier ist es schon richtig.
Ich muss mich nur erst daran gewöhnen. Der Unterschied ist 'n bisschen happig,
so hier... und Brandenburg. - Du bleibst doch, Orje, nicht?
Nicht zureden.
Wenn er nicht selber will. Vielleicht hat er schon was Besseres gefunden.
Nee, nicht doch, nicht doch, ich bleibe. Ich kann das bloß nicht so von mir geben.
Ich bleibe, ich bleibe.
Sag doch "ja", Orje! Sag doch "ja"! - Jawohl, ich sag doch dauernd "ja"!
Na, Nelly? Glücklich? - Ja, Madam. Es ist zu schön!
Und du, Orje? - Ich muss mich nur ein bisschen daran gewöhnen.
Das ist alles so anders, alles so neu, ne? Ich bin an schwere Arbeit gewöhnt.
Da muss man sich langsam umstellen.
Danke schön. Das geht nicht so schnell. Das geht nicht so mit 'nem...
...Wuppdich. - Na, an ein gutes Leben gewöhnt man sich doch schnell.
Ja, das wird bei mir auch noch kommen. Nur zuerst...
Das ist alles für mich noch so neu.
Ja, um Gottes willen, was stört Sie denn hier? - Na, hier gar nichts.
Aber was der Emil so erklärt hat mit dem neuen Beruf, so als Zuhälter...
Ja, aber Orje, da ist doch nun wirklich nichts dabei!
Nee, nee, das hört sich gar nicht gut an. "Zuhälter" hört sich gar nicht gut an.
Aber Orje, daran solltest du dich nicht stoßen. -Naturellement.
In Paris, wo ich meine Ausbildung genossen habe, nennt man diesen Beruf
"Maquereau" oder "Souteneur".
Das klingt natürlich viel vornehmer. -Oui.
Also, ich weiß nicht.
Also, wenn meine Braut so losgehen soll und mit anderen Kerlen und anschaffen...
Also, das kenne ich noch nicht aus eigener Erfahrung
und da muss ich mich erst daran gewöhnen. - Natürlich. Ich kann Sie verstehen, Georg.
Sie lieben Ihre Nelly und möchten nicht, dass sie mit anderen Männern geht.
Ja, ja, so wird es wohl sein, ja. - Das ist 'n ganz falscher Standpunkt.
Sehen Sie, das ist ja gerade der Unterschied zwischen einer Frau,
die ihren Körper verkaufen geht als Beruf und einer Frau, die sich ins Bett legt,
weil sie's vor lauter Sinnlichkeit nicht aushalten kann.
Eine Professionelle verkauft sich.
Sie gibt sich her, aber sie gibt sich nicht hin.
Siehst du, Orje! - Und das ist der Unterschied, nicht?
Es ist viel sauberer wie mit den Damen aus der so genannten "guten Gesellschaft".
Ich hab das nie verstanden, dass die das alle Augenblicke, na ja...
Natürlich wissen auch wir, wie süß die wahre Liebe ist.
Und wenn wir mal einen Mann lieben,
dann lieben wir richtig. Mit Haut und Haaren.
Ja, so ist es. Ich liebe dich mit Haut und Haaren!
Ach, also... ich werde mich schon daran gewöhnen.
Darauf kippen wir einen.
NDP!
So. Hau ruck!
NDP? - "Na dann Prost!"
Bonne amusement! Viel Spaß!
Du trägst mich über die Schwelle, Orje?
Jetzt fehlt bloß noch die weiße Hochzeitskutsche.
Mit zwei schicken Schimmeln...
Orje!
Du lässt mich fallen? Was hast du denn?
Na, das ist ja genau wie in Brandenburg. Nee, nee, hier bleibe ich nicht.
Na, nun meckere doch nicht, Orje. Das ist doch ein Spezialzimmer!
Spezialzimmer? So was hab ich drei Jahre gehabt!
Aber das ist doch alles bloß Pappe. Nun vergiss das doch mal.
Ich bin ja auch noch da.
Oder willst du etwa stehen bleiben, die ganze Nacht?
Nee, hinlegen will ich mich schon.
Drei Jahre hab ich darauf gewartet...
Da haben wir ganz schön was nachzuholen, was?
Und hopp!
Na, wer kommt denn da noch so spät? - Das ist doch nicht spät.
Das richtige Geschäft geht ja jetzt erst los.
Hoffentlich ist das keine Kundschaft für mich.
Was hast du gesagt?
Ach, ob ich mich daran gewöhne?
Ach, Orje. Du darfst mir doch meinen Beruf nicht verekeln.
Jetzt will ich dir aber mal was zeigen!
Da wirst du aber staunen, Kleiner!
Na, was denn, was denn, was denn?
Ein Sparbuch?
Na, was denn, alles deins? - Klar!
19 Mille? Hast du das geerbt? - Gespart, Orje!
In den drei Jahren. Für dich! Für uns beide.
Alles hier in Olgas Salon verdient.
Da staunst du, was? - Ja, ist denn das die Möglichkeit?
Donnerwetter. Ich wusste gar nicht, dass das Geschäft so viel bringt. - Mhm.
19 Mille? - Ja!
Da muss ich mich ja richtig anstrengen. Und dann das Risiko!
Mensch, das ist ja toll.
So viel Geld...
...und so 'n kleines Mädchen.
Na, siehst du, Orje. Du wirst dich schon daran gewöhnen.
Haut ab, ihr Gören! Raus! Los!
Na komm, Schatzi! - Ist es noch weit?
Ja, da bist du ja schon. Im zweiten Stock. - Was, so hoch?
Fahrstuhl. Wo wir können, schonen wir unsere Kundschaft.
Also lange halte ich das nicht mehr aus. - Aber Georg!
Die fünf Minuten sind noch nicht um! Sie müssen doch ein bisschen Farbe bekommen.
Ach nee, das halte ich nicht aus. Kann ich nicht aushalten. - Was denn?
Das bisschen Höhensonne? - Ach was, "Sonne".
Das alles hier, das geht mir auf die Nerven. - Was ist bloß mit Ihnen los?
Na, das will ich Ihnen genau sagen, liebe Dame. Ich brauche Arbeit!
Ich kann nicht hier so rumsitzen. Ich muss mich betätigen.
Das können Sie hier doch reichlich haben.
Nee, nee. Nicht, was Sie so meinen. Wenn ich sage Arbeit, dann meine ich Arbeit.
Richtige, schwere Arbeit, die ich gelernt habe, auf die ich spezialisiert bin,
von der ich was verstehe, mit allen Anstrengungen und Aufregungen.
Ich stemme vier Zentner, meine Dame.
Ich muss was Richtiges tun!
Ja. Und bei der nächsten Gelegenheit gleich wieder hochgehen
oder wieder zurück nach Brandenburg, aber diesmal für fünf Jahre. Mindestens.
Oder mehr. Die ganze Kraft hinter Gittern... du lieber Gott!
Wie kann so 'n strammer Kerl bloß so dämlich sein?
Oh, Donnerwetter! Ist ja fantastisch. - Na, so bin ich am ganzen Körper.
Und du, Mensch, du willst so dusselig sein
und mit Geldschrankknacken dein Leben riskieren?
Georg, so dämlich kannst du doch gar nicht sein.
Hm? Artisten-Orje...
Es hat geklingelt. - Ach, das werden schon der Emil und der Paul sein.
Paul? Wer ist denn Paul? - Paul ist der Vorstand vom Sparverein Biene.
- Herein.
Bonjour, Madame. Enchanté de vous voir.
Bonjour, cher ami, comment allez-vous? - Oui, pas mal, ça va, ça va.
Ja, sag mal, würdest du uns nicht mal bekannt machen? - Artisten-Orje.
Aha. Ja, ja. Paul.
Important Paul. Wirst ja schon von mir gehört haben.
Posanke, Georg Posanke. Wirst mich ja auch kennen.
Ja, natürlich, natürlich. Ja, und das ist unser Schriftführer, der Wiener Max.
Küss die Hand, Herr Baron. - Vielleicht ein kleines Likörchen, Herr Paul?
Mhm, wir müssen leider darben, wir haben noch Geschäfte.
Ich wäre Ihnen sehr verbunden, gnädige Frau, wenn Sie uns jetzt allein ließen. -Oui, oui.
Dann mach dich mal schön für die Feier.
Ja, also dann wollen wir uns mal setzen, ja?
Also, wir wollen uns nicht lange bei der Vorrede aufhalten.
In der Kürze liegt die Würze.
Diese Maxime habe ich mir aus meiner Referendarzeit bewahrt.
Medias in res, meine Herren. Also...
...du willst in den Sparverein Biene eintreten, Artisten-Orje?
Na also, wenn das möglich wäre... - Ja, ja, dazu sind wir ja schließlich hier.
Kennst du eigentlich die Voraussetzung für deine Aufnahme?
Nicht? Na, dann hör mal genau zu.
Du musst als alleinigen und Hauptberuf den eines Zuhälters ausüben.
Du musst zwei einwandfreie Bürgen haben.
Also, Emil und ausnahmsweise ich würden das mal übernehmen. Und drittens:
Du musst den Entlassungsschein eines europäischen Zuchthauses vorlegen können,
der die Verbüßung von mindestens 18 Monaten in einer solchen Anstalt bestätigt.
Also, das kann ich. - Aha.
Mhm. Ja, danke schön.
Ja, ja, ich kenne den. Ist in Ordnung.
So, gib mir mal die Statuten.
Ich verweise zunächst einmal auf die drei Hauptparagrafen.
Du verpflichtest dich, keinem Vereinskollegen Konkurrenz zu machen,
das heißt, nicht in seinem ihm vom Verein zuerkannten Revier zu arbeiten
oder mit dem Personal zusammenzuarbeiten.
Verstanden? - Nee.
Also erstens: Das soll heißen, du darfst deinem Vereinskollegen
seine Nutten nicht wegschnappen und sie nicht in dasselbe Karree laufen lassen.
So.
Du unterwirfst dich absolut und widerstandslos der Vereinsdisziplin
und den eventuell gegen dich ergehenden Urteilen des Vereinsehrengerichts.
Verstanden? - Nicht genau.
Also, des soll heißen, wannst an Streit hast
mit am Kollegen oder mit aane von deine Schlampen
oder der Verein schmeißt di aussi und verhängt d' Sperre über Beisl,
des musst halt alles mitmachen, ned? Und wannst as ned freiwillig tuast,
dann tritt halt as Schiedsgericht zsamm und was die dann entscheiden tuan,
des musst dann tun, ned?
Also, nun hab ich das alles verstanden, außer die Sprache.
Ach, nee. Also ich übersetze dir das nachher ins Deutsche.
Ja. Und nun drittens und hauptsächlich:
Du bist Mitglied des Vereins auf Lebensdauer
und du kannst aus dem Verein nie mehr austreten,
weder aus eigenem Entschluss noch sonst irgendwie. Ja?
Verlässt du den Verein eigenmächtig, so gilt das als Verrat.
Und Verräter werden liquidiert.
Liquidiert? - Ja.
Verstanden?
Ja, hab ich verstanden, aber... warum ist denn das so streng bei euch?
Wer Mitglied des Vereins war
und seine Geheimnisse kennt, muss sie mit ins Grab nehmen.
Drei Musketiere sind wir, schwer in Not,
fürchten die Hölle nicht und nicht den Tod.
Lachend der Blick, Hut im Genick,
stahlhart das Schwert, das ist Soldatenglück.
"Alle für einen" heißt das Losungswort.
Einer für alle drei an jedem Ort.
Wo es auch sei, stehen wir drei
bis auf den letzten Tropfen Blut uns bei...
Ich begrüße dich, Artisten-Orje, als neues aktives Mitglied des Sparvereins Biene
im Namen des Vorstands und so weiter und so weiter und so weiter.
Äh... du bist nun Zuhälter und gehörst als solcher
zu unserer Berufsorganisation und so weiter und so weiter und so weiter.
Äh... ich verspreche dir im Namen aller Berufs- und Vereinskollegen
Schutz und Unterstützung und so weiter und so weiter und so weiter.
Äh... so.
Treue um Treue!
Treue um Treue!
Ach, Georg, wenn Sie mal nachts allein sind...
...und Hunger haben, in der Küche ist immer alles da.
Nee, nee, danke schön.
Ach, genieren Sie sich nicht. Ich hab auch oft nachts Hunger.
Fast beinahe jede Nacht. - Ja... ich eigentlich nie.
Olga!
Produzier dich mal jetzt. - Meinst du wirklich? Soll ich?
Ach, genier dich doch nicht immer! - Na ja, wenn du meinst.
Ach ja. Bitte, Madam, tragen Sie doch die "Fontäne" vor.
Ja! "Weil ich die Liebe so liebe". - Und das Ding mit dem Muff!
Jetzt kommt was Französisches, aber auf Deutsch.
Wusste gar nicht, dass hier im Haus auch die leichte Muse strapaziert wird.
Komm her, Nelly. Erna! Na, jetzt machen wir mal Kunst hier.
Ich stand bei der Fontäne abends im dunklen Park,
da kamen drei Kapitäne, die trieben's mit mir arg.
Weil ich die Liebe so liebe, liebe ich für mein Leben gern.
Als ich im Gras gelegen, spürte ich eines nur,
gleich drei von diesen Degen aus dem Zeughaus der Natur.
Weil ich die Liebe so liebe, liebe ich für mein Leben gern.
Als sich die Herren empfahlen, kam der Müller und blieb stehen.
Wenn der was sieht zum Mahlen, der lässt's sich nie entgehen.
Weil ich die Liebe so liebe, liebe ich für mein Leben gern.
Danach kam, doch nicht zum Plaudern, gleich der Notar angerannt.
Der legte ohne Zaudern seinen "Fall" in meine Hand.
Weil ich die Liebe so liebe, liebe ich für mein Leben gern.
Dann kamen zwei Gendarmen, jeder ein Galgenstrick...
Weil ich die Liebe so liebe, liebe ich für mein Leben gern,
liebe ich für mein Leben gern.
Dann kam sogar der Küster, der sprach zu mir...-
Ja? - Ich muss doch sehr bitten!
Ich bin bestimmt kein Kind von Traurigkeit, aber die Kirche muss doch im Dorfe bleiben.
Ich hab so was nicht gerne, besonders in Gegenwart von Damen hier.
Dann singen wir eben etwas anderes, Paul.
Wenn du mich fragst, ich bin auch nicht für so was.
Das geht zu weit, das ist doch malplacé! - Besonders in unserer Branche.
Na los, komm! Tanzen, Puppe!
... armer Gigolo, denkst du denn noch an die Zeiten,
wo du als Husar, goldverschnürt sogar,
konntest durch die Straßen reiten.
Uniform passé, Liebchen sagt adieu,
schöne Welt, du gingst in Fransen.
Wenn das Herz dir auch bricht, zeig ein lachendes Gesicht.
Man bezahlt und du musst tanzen.
- Edith, wollen Sie nicht aufmachen? Es hat geläutet.
Komme ja schon.
Ich möchte die Rote Erna sprechen. - Ja, ich weiß nicht. Ich weiß nicht...
Ich werde sie mal fragen, ob sie da ist.
Fräulein Erna. Nun halten Sie doch mal!
Da ist einer für Sie. Ich glaube vom Roten Kreuz.
Ach, der Windjacken-Heini. Na, den kannst du wegschicken, der kommt eh wieder.
Auweia, jetzt muss ich aber gehen.
Bin ich froh, dass ich Orje in unserem Verein habe.
Da hab ich 'nen Mann, der mich vertritt.
Da kann ich mal was für meine Gesundheit tun.
Wie wär's mit 'ner kleinen Vergnügungsreise? - Aber Chef...
Wir zwei? - Ganz alleine.
Olga, ich mach nach Pyrmont.
Bravo, Mutz.
Morgen haue ich ab.
Tja, Sie müssen mich leider entschuldigen.
Ich habe noch dienstliche Verpflichtungen.
Au revoir, Madame! Vielen Dank und nichts für ungut.
Pas de tout, cher ami!- Na, los, los! Haut ab! Bevölkert das Karree!
Die Feier ist aus, es ist schon spät. Los, los!
Ja, also dann...
Treue um Treue.
Und so weiter und so weiter und so weiter. Mensch, das ist ja ein toller Verein...
Sag mal, wie siehst du denn aus? - Wie ich immer aussehe.
Na, so läufst du rum? - Na ja...
Auch auf der Straße? - Na, gerade auf der Straße. Das ist doch das Geschäft!
Mich halten sie doch noch immer für 15.
Pfui Deibel! - Aber Orje, ich hab dir doch schon mal gesagt,
du kannst mir meinen Beruf doch nicht verekeln.
Jetzt muss ich aber gehen.
Nee, nee.
Nee.
Daran gewöhne ich mich nie!
"Morgen" wird wohl nicht mehr gesagt, was? - Morgen.
Na, was hast du denn? - Ich? Gar nichts.
So, gar nichts? Das ist aber sehr viel.
Na, komm mal her.
Soll ich dich holen?
Was ist denn?
Kuss. - Den hol dir mal woanders.
Na, sag mal, was ist eigentlich bloß immer mit dir los, hä?
"Was ist eigentlich bloß immer mit dir los, hä?" Betrügen tust du mich, du Schuft!
Ach so! Eifersüchtig bist du.
Na, nun hör auf, du dummes Luder. Sag mal, du hast wohl 'ne Meise, was?
Ist doch wahr! Du hast doch was mit Olga! Ich seh euch das doch an.
Wie ihr euch immer anglotzt, mit solchen Stielaugen. Seit Emil weg ist, geht das so.
Ach, was du immer so redest. Das ist doch alles Einbildung! - Aber das sag ich dir,
wenn ich euch einmal dabei erwische, dann könnt ihr aber beide was erleben!
Das bildest du dir alles nur so ein! - Ja, denkste!
Und wo hast du in letzter Zeit das viele Geld her? Na, sag mal?
Von mir nicht! - Das hab ich dir schon gesagt: beim Pferderennen gewonnen, bei Mielke.
Beim Buchmacher. - Buchmacher? Das ist wohl auch vom Buchmacher?
Jawohl! Das ist die große Doppelwette: Schmidt auf, äh... Edeltochter.
Ach, erzähl mir doch nichts. Von Olga hast du das, jawohl!
Und wenn eine Frau einem Mann Geld gibt, dann hat sie auch was mit ihm, jawohl...
Nun aber Schluss mit dem Geflenne! Du weißt, ich kann das nicht vertragen.
Bist doch meine süße kleine Puppe, weißt du doch.
Gott sei Dank kommt morgen Emil zurück. Dann hört das hier ja sowieso alles auf.
Na, siehst du. Ist ja alles wieder gut!
Ist sie weg? - Ja, sie draht sich schon.
Was? - Sie schiebt ab!
Mann, ich hab Ihnen doch gesagt, Sie sollen an der Ecke halten!
Aber nicht, an welcher. Macht 3,80.
Sei doch nicht so nervös, Schatzi. Die Kollegin ist ja noch nicht weg.
Mensch, hör auf! Da ist ja auch noch 'ne Tür.
Wenn Olga das erfährt, denkt sie Wunder was. - Da hat sie doch Recht, oder?
Mein kleines Wunder. Bussi. - Ach, Schluss mit den Intimitäten.
Ich kann nicht. - Was kannst du nicht?
Raus! Die Edith, die blöde Gans, kommt genau auf uns zu.
Zu spät. Runter mit der Birne! Hauen Sie ab, Mann!
Ich hab schon das Taxameter abgestellt. - Ach, dann stellen Sie ihn doch an!
Erst bezahlen. Eine Tour nach der anderen. Macht 3,80.
Ist das Kundschaft? - Ich bin nicht sein Typ. Vielleicht steht er auf dich.
Na los, hau ab... nee, bleib. Ach, das ist ja ein Verkehr wie auf der Tauentzien.
Da ist ja auch die Nelly... Jetzt hilft nur noch Strategie.
Mein Gott, der Herr Emil!
Und das Fräulein Erna.
Ja, ja. Die hab ich aufgelesen auf dem Bahnhof.
Ja, er ist immer so galant, der Herr Emil.
Ja, ja, das ist er. - Macht 3,80.
So, das ist der letzte. - Was?
Emil kommt morgen. - Na und?
Wir müssen umschalten. - Umschalten?
Ach, Herr Emil! Dass Sie heute schon gekommen sind, ich bin ja so froh!
Sie haben doch gesagt, Sie kommen erst morgen. - Na ja, das macht, das macht...
...3,80. - Nee, das machte die Sehnsucht nach Zuhause und so.
Du verstehst doch, dass, äh... - Ich bin ja so froh, dass Sie wieder da sind.
Georg! Sie sind ja betrunken! - Ja, ja...
Was, "Sie"?
"Sie"?
Ach so? Ach, das war wohl die Abfindung? Gnädige Frau bauen ab?
Nicht doch. Ich möchte nur nicht, dass jetzt in diesem Haus... - Och, "in diesem Haus"?
Wo der Dreck so hoch liegt! Und nun auf einmal die bürgerliche Moral, hä?
Sie haben sich aber ganz gut eingewöhnt.
Wenn ich pfeife, kommst du.
Georg, seien Sie doch jetzt vernünftig! - Wer hat denn mit dem Ganzen angefangen?
"Georg, wenn Sie nachts mal hungrig sind", na?
Und so weiter und so weiter und so weiter. Und auf einmal...
Wer hat mich denn angeheizt? Und auf einmal "Sie"?
Das bleibt so... Bleibt das so, hä? - Georg! Nicht doch, Georg!
Nee, nee, nee, das muss ich jetzt ganz genau wissen, Sie, Sie, Sie...
Georg, was willst du denn? Georg, nicht! Nicht doch! Lass das doch!
Du reißt mir wieder alle Knöpfe ab! - Nun sag doch...
Orje!
So 'ne Gemeinheit! Ich hab es doch gewusst!
Mahlzeit! Du scheinst mich ja hier richtig zu vertreten und auf meinem Schaukelstuhl.
Das ist 'ne Sauerei!
Du Miststück!
Du gemeiner Hund!
Ich hab es doch gewusst!
Und ausgerechnet mit meiner besten Freundin!
Lass mich raus. Hör mal...
Los, hilf Olga. - Ich?
Hilf du ihr doch!
Erst mal Tag, Emil. - Tag, Orje.
Es ist ja gar nichts passiert. - Na, die Olle kriegt noch 'ne Wucht von mir.
Die musst du nicht gleich hauen, die kann nichts dafür. Ich hab mich volllaufen lassen,
dann ist's passiert. - Ja, das ist menschlich. Ich meine, es ist ja menschlich zu verstehen.
Na, siehste. - Es kam eben alles so plötzlich. Und auf meinem Schaukelstuhl.
Also, wenn dich das so stört, dann schmeiß den Stuhl doch raus. - Schmeiß ich ihn...
Den Stuhl? Du bist wohl dämlich geblieben. - Ich will dir doch erzählen, im Einzelnen...
Na, nun pass mal auf. - Nein, Emil... - Pass doch mal auf!
En detail will ich das gar nicht im Einzelnen wissen. - Nein? Danke, Emil. Danke.
Olga. Olga! - Was soll ich denn?
Komm mal rein. Brauchst keine Angst zu haben. - Du Scheißkerl!
Orje hat mir alles erzählt. Ist erledigt.
Aber du weißt doch, ich kann das nicht leiden.
Du weißt doch, wie empfindlich meine Haut ist! - Daran hab ich gar nicht gedacht.
Kauf dir für 'nen Groschen Glycerin, auf meine Rechnung.
Wenn die nicht so viel gequatscht hätte, dann wäre ich an der Ecke
in mein Vereinslokal gegangen, hätte 'ne Molle getrunken
und hätte das gar nicht mitgekriegt!
Ach, guck mal an. Jetzt bin ich wohl noch an allem Schuld?
Bist du auch, weil du die Schnauze nicht halten kannst!
Du richtest noch mal das größte Unheil an mit deiner ewigen Quatscherei!
Emil, du bist ja so doof. Jetzt lässt du dich auch noch von den beiden einwickeln!
Du, halt's Maul! - Jetzt sage ich alles! Ich weiß ja noch viel mehr!
Schnauze! - Georg!
Du hast mich gehauen, Orje.
Du hast mich gehauen.
Nelly! - Lass sie doch!
Geh runter. Hol Bier und Eisbeine.
Ich möchte wissen, dass ich endlich wieder in Berlin bin.
Fein, dass du wieder da bist.
Drei Musketiere, drei Kavaliere,
drei scharfe Rappiere,
für die Freiheit stehen sie ein.
Drei Musketiere, offene Visiere.
Donnerwetter! Schwere Ware. - Ja, von Nelly.
Hast du gar nicht verdient.
Sag mal, da ist doch nicht wirklich was Ernstes zwischen dir und Olga?
Ich meine hier. - Brieftasche?
Herz! - Nichts. Herz nichts.
Ah, aber wirklich? Wirklich? Ehrenwort? - Nichts. Ehrenwort.
Wenn das kein Glück bringt...
Was ist denn da?
So, da sind sie!
Tag, Emil. Na, da hört man ja schöne Sachen.
Was denn? - Also, wenn da nur die Hälfte wahr ist, dann...
Habe die Ehre. Habe die Ehre. - Nichts ist!
Hier ist doch alles in Ordnung! Hier ist doch gar nichts los, stimmt's?
Klar. - Ja, Kunststück, der Emil weiß ja gar nicht Bescheid. Wenn der das alles weiß,
dann wird er ganz anders denken! - Also Nelly, geh du jetzt ruhig raus hier.
Wenn wir dich brauchen, werden wir dich rufen. - Aber... - Hau ab, Mensch!
Dusselige Ziege. - Na, na, na, na, ich muss doch schon sehr bitten, ja?
Herein! - Da hat einer nach Fräulein Nelly gefragt.
Na ja, also das geht jetzt nicht. - Aber das Geschäft... - Was?
Das Geschäft! - Also, Ausfall bezahlt der Verein.
Na, dann ist gut. - Na, dann wollen wir uns mal setzen hier.
Nun wollen wir mal den Fall in Ruhe aufklären.
Georg, deine Nelly behauptet,
dass du die Abwesenheit unseres Kollegen Emil dazu benutzt hast,
dir die Olga gefügig zu machen. - Gefügig? Was ist denn das?
Nichts Schlimmes. - Also, wenn das wahr ist,
so ist das ein grober Verstoß gegen die Statuten
und müsste als unkollegiales Verhalten angesehen werden,
so dass das Ehrengericht unserer Organisation den Fall untersuchen müsste.
So 'n Blödsinn! Ich hab ein bisschen poussiert
und die Weiber sind sich aus Eifersucht in die Wolle geraten. Das ist alles, stimmt's?
Klar. Orje hat mir sein Ehrenwort gegeben, dass da nichts Ernstes war.
Olga hat ihre Senge weg und damit ist die Sache commentmäßig erledigt.
Wir wollten gerade den Fall begießen.
Ach, die Nelly quatscht bloß, weil ich ihr eine geklebt habe...
Dann habt ihr also alles zwischen euch geregelt?
Die Geschichte ist restlos geklärt?
Ja. - Ja, ja.
Ja, wenn es etwas fürs Ehrengericht gewesen wäre,
dann wäre ich selber zu euch gekommen.
Ihr erklärt also, es bestehen zwischen euch keinerlei Differenzen mehr?
Nee. Nee? - Nee. Nee.
Und du als der Geschädigte verzichtest auf das Einschreiten des Ehrengerichts?
Ich hab gar keinen Grund, mich als Geschädigter zu fühlen.
So ein dummes Luder! Wegen so was muss man seinen gemütlichen Skat unterbrechen!
Du hättest doch Karo Neun spielen sollen. - Wos hätt i müssen?
Die Neun spielen! Da muss er Trumpf ziehen und wir gewinnen.
Ja, sag mal, bist du denn ganz deppert? - Du wirst das Spiel nie lernen.
Also...
Die Sache mit dem Geld ist also zwischen euch beigelegt? - Ja, ja, ja.
Geld?
Was für Geld? - Na, das Geld, das Orje in deiner Abwesenheit von Olga bekommen hat.
Was denn? Orje hat Geld von der...
...Olga genommen? - Wie, das weißt du gar nicht?
Wie soll ich denn das wissen? Das hat mir ja keiner gesagt!
Die Nelly behauptet... - Die Nelly stoß ich vorn Zahn, wenn sie die Schnauze nicht hält.
Du wirst keinen Menschen vorn Zahn stoßen, du wirst uns gefälligst die Wahrheit sagen!
Verstanden? - Hör mal, Orje.
Du hast doch nicht wirklich hinter meinem Rücken Geld von Olga genommen, nee, was?
Ach, wen kümmert das denn, wo ich Geld herkriege? - Na, hör mal!
Ich hab dich in den Verein reingebracht, jetzt kannst du mich nicht so blamieren
bei meinen Kollegen! Das ist doch kein Standpunkt,
dass uns das nichts angeht.
Orje, Orje, ich... - Lass das!
So.
Und nun beantrage ich offiziell,
dass das Ehrengericht den Kaskus untersucht!
Kasus, Mensch! Ja, deswegen sind wir eigentlich hierher gekommen.
Jetzt macht doch hier nicht so ein Theater! Was soll denn der Quatsch?
Unterlass diese törichten Bemerkungen!
Jetzt möchte ich zunächst einmal die Zeugin hören. Holt mal die Nelly rein.
Du sollst mal reinkom...
Das hättest du dir sparen können.
Ich wäre sowieso gegangen.
Na, was ist? Los!
Was soll ich? - Bitte.
Ich erkläre hiermit die Sitzung des Ehrengerichts für eröffnet.
Ankläger, bitte. - Danke.
Nelly, du bist im Verein seit einigen Wochen
offiziell als Mitarbeiterin unseres Kollegen Artisten-Orje gemeldet
und als solche, genau wie dein Beschützer,
den Statuten und so weiter und so weiter unterworfen. Ist dir das klar? - Ja.
Die Zeugin wurde über ihr Rechtsverhältnis zum Verein belehrt
und so weiter und so weiter und so weiter...
Ah, Olga! Ist gut, dass Sie kommen. Nehmen Sie Platz. - Nanu, was ist hier los?
Das Ehrengericht wird Sie gleich brauchen. - Was, Ehrengericht?
Das ist ja glatter Blödsinn! - Blödsinn? Ich muss doch sehr bitten.
Ich meine, wenn Georg unsere Organisation und unsere Macht unterschätzt, gut.
Aber Sie, wo Sie seit 20 Jahren zum Bau gehören,
sollten uns doch mit etwas mehr Respekt begegnen! -Psst!
Ach, guck mal an! Jetzt soll ich nichts sagen!
Aber meinen Orje hast du mir abspenstig gemacht, du... - Red doch keinen Unsinn.
Der ist einmal, der hat einmal... - Er, er, er! Sie ist schuld!
Sie hat ihn scharf gemacht mit ihrem vornehmen Getue und mit ihrem Geld! - Nelly!
Jawohl, mit ihrem Geld! Vorne und hinten hat sie es ihm reingestochen.
Einen Hunderter und noch einen Hunderter! Ich hab es doch immer gefunden,
hier in Orjes Morgenrock!
Ach, guck mal an.
Da ist ja wieder einer! Ist das nichts?
Ich bin gar nicht so doof, wie ich aussehe, was?
Alles Quatsch!
Hab ich alles selber gewonnen beim, äh... beim Buchmacher.
"Buchmacher"! Ach, hör doch auf mit dem Märchen!
Ich war doch drüben bei Mielke und hab ihn gefragt!
Die kennen ihn überhaupt nicht!
Also ist es wahr? Du hast ihm Geld gegeben?
Du e...
Au! - Lass die Frau in Ruhe, hast sie schon genug verpulkt.
Also gut, dann werde ich euch die Wahrheit sagen.
Jawohl, ich habe Geld von Olga gekriegt.
Und wie war das sonst zwischen euch?
Also ja! Es ist passiert!
Zwei oder drei Mal in sechs Wochen. Was ist das schon?
Oh! Ich hab es ja gewusst!
Was hast denn du dazu zu sagen, Emil? - Was in den Laden eingeht,
das muss mir auch zufließen.
Ich bitte das Ehrengericht, die Sache mit dem Geld
zu meinen Gunsten zu regeln.
Sonst noch irgendwas?
Das Gericht zieht sich zur Beratung zurück.
Wo ist denn das? - Ach, hier.
Ach, da.
Das ist ja 'ne reizende Tapete hier.
Tja, also ich will euch natürlich nicht beeinflussen.
Bei uns herrschen rein demokratische Prinzipien.
Wenn ihr gegen mich stimmt, dann muss ich mich eurem Spruch natürlich fügen,
aber dazu wird es nicht kommen, denn der Fall ist ja sonnenklar.
Also, hier handelt es sich um Denunziation,
Vertragsbruch, Veruntreuung von Geldern
eines Vereinsmitglieds und so weiter und so weiter und so weiter.
Die angeklagten Damen sind überführt und geständig
und nach den Statuten unseres Vereins gibt's da nur eine Strafe.
Umlegen!
Abschieben.
Denn neben der juristischen gibt es noch eine menschliche Seite des Falles.
- Wenn das Herz dir auch bricht... - Siehst du, ich hab es ja gewusst.
Gewusst? Du wirst bald noch mehr wissen.
... mach ein lachendes Gesicht
und du, mein Freund, musst tanzen,
armer Gigolo, kleiner Gigolo.
Tja, also...
An und für sich sind die beiden für den Verein uninteressant, damit wäre die Sache ja klar.
Wir könnten natürlich auf die Formalitäten verzichten, aber wir wollen korrekt sein.
Schreiten wir zur Abstimmung.
Zunächst einmal der extreme Fall, der wohl kaum eintreten wird:
Wer ist gegen Abschieben?
Ich hab mich wohl nicht deutlich ausgedrückt, das ist natürlich nur eine Probeabstimmung.
Na, sagt mal, was habt ihr denn eigentlich gegen das Abschieben?
Na ja, ich hab mir gdenkt, weil du gsogt host, "rein menschlich".
Ach so! Ihr habt mich nicht richtig verstanden.
Rein menschlich sind die beiden für uns wertlos. Also...
Recht muss doch Recht bleiben und Recht ist, was dem Verein nützt.
Und wenn es um unser gutes Recht geht, dann gibt's nur eins: abschieben. Na?
Also, wollen wir noch mal abstimmen, was? Wer ist für Abschieben?
Stelle fest: einstimmig. Danke, meine Herren.
Der Urteilsspruch.
Na los, los, vortreten! Urteilsverkündung!
Olga, der Pariserin, und Nelly, dem Backfisch,
wird mit dem heutigen Tage unter den üblichen Formen
und so weiter und so weiter und so weiter, der Schutz unserer Organisation...
...entzogen!
Das Geld, bitte.
Hier sind für jede von euch aus der Vereinskasse 300 Mark.
Ihr habt binnen 24 Stunden diese Stadt zu verlassen.
Und wenn ich euch gut raten darf... und ich brauche wohl nichts weiter zu sagen:
Macht, dass ihr ins Ausland kommt.
Die Sitzung ist geschlossen. Der Verein wird euch natürlich schnellstens
neue Arbeitskräfte aus seinem Bestand nachreichen. Ist das klar?
Sonnenklar. Die Tullen müssen abhauen. Gestrichen. - Ja.
Ja, irgendwie muss man sich ja schützen gegen so was.
Halt mal. Einen Moment.
Das wollt ihr wirklich machen? Wegen dem bisschen eifersüchtigen Gequassel
von der Kleinen wollt ihr die beiden Weiber fertig machen?
Du wirst dich dem Beschluss des Ehrengerichts widerstandslos fügen.
Dazu hast du dich ausdrücklich verpflichtet!
Ich habe mich als zahlendes Mitglied für einen Verein verpflichtet
und nicht als Gehilfe von Tierquälern!
Ihr wollt die beiden Weiber fertig machen? Seid ihr überhaupt Männer oder was seid ihr?
Jetzt wollt ihr den ganzen Stunk auf die beiden armen Tiere abladen.
Nun seht sie euch doch nur an!
Oh, Orje! - Ich halte das nicht aus hier!
Ihr Maden, ihr halbseidenen Jungs, ihr Schmarotzer! - Schweig!
Ich verbitte mir diesen Ton! - Du hast mir gar nichts zu verbitten, du Vereinsheini,
du "und so weiter und so weiter"! - Ich stehe hier im Namen des Vereins,
der sein Urteil gefällt hat und dem du dich zu fügen hast!
Ich kümmere mich 'nen Dreck darum, was in euren Statuten geschrieben ist!
Du wirst dich fügen oder der Verein wird dich zwingen.
Ich pfeife auf euren ganzen Verein! Ich trete aus!
Was hast du gesagt? - Auf einen Verein, der hilflose Weiber quält, da scheiß ich!
Ich trete aus!
Du scheinst vergessen zu haben, dass jeder, der den Verein verlässt, liquidiert wird.
Kaltgemacht. - Ihr könnt mir nicht Bange machen mit euren Mätzchen.
Ich betrachte mich bereits als ausgetreten und, und... lebe noch!
Na ja, jeder muss ja wissen, was er tut. - Und nun raus. Raus!
Soll ich? - Nein, nein, nicht nötig. Nicht nötig.
Guten Tag! Alles Weitere wird sich finden.
Na, aber gerne, ihr Penner, ihr Aasgeier, ihr Drecksäcke!
Das hättest du nicht machen sollen, Orje. Jetzt machen sie dich auch fertig.
Du tust mir leid, Orje.
Habe die Ehre! - Nee, das bleibt hier!
Dass ich was zum Anspucken habe, wenn ihr weg seid.
Um Gottes willen, Georg! Was hast du bloß gemacht?
Orje, jetzt bist du verloren!
Jetzt murksen sie dich ab, die Hunde!
Nun hört doch auf mit den Märchen! Ich bin froh, dass es so gekommen ist.
In die Gesellschaft passe ich ja gar nicht rein.
Die sollen noch mal kommen. Ich hab keine Angst.
Und schon gar nicht vor den Gestalten, nee. Angst hab ich keine.
Wisst ihr, was ich habe?
Ähm... Hunger.
Der Orje hat ihn mir ned aussa gebn. - Was? Den Wimpel?
Ja. - Unseren Wimpel? Das ist doch unfassbar! Also...
Wie tief ein Mensch doch sinken kann, nicht? - Pfui Deibel, ist das ein Benehmen!
Was soll aus so einem Menschen werdn, wann der amoi älter wird?
Na ja, er wird ja nicht älter...
Dem dreh ich's jetzt ab! - Max. - Ja?
Du sagst sofort den Jungs Bescheid. Der ganze Block wird abgeriegelt.
Hier kommt keiner mehr raus und keiner mehr rein. - Gut.
Emil? - Ja?
Du informierst sofort die Mädchen, die sollen für heute den Laden dicht machen.
Was denn, alle? Keine Nutten mehr auf der Straße?
Paul, das geht mir gegen den Strich. - Was sein muss, muss sein.
Den puste ich aus! - Na, na, na, alles zu seiner Zeit, ja?
Paul. - Ja?
Dass du den da oben abmurkst, gefällt mir nicht. - Keine Sentimentalitäten, bitte.
Ach Quatsch. Ich denke doch nur an den Ruf des Hauses.
Eine Leiche im Puff war noch nie 'ne gute Reklame.
Also dass du an einem solchen Augenblick ans Geschäft denken kannst!
Ah! Na, mit was ich mich alles rumschlagen muss.
Erst mit der Biene, dann mit drei Eisbeinen.
Nun mal vernünftig, Georg. Es muss etwas geschehen.
Ich hab keine Angst vor den Brüdern. - Aber ich.
Wenn die etwas sagen, dann führen sie's auch durch.
Da können Sie rennen bis ans Ende der Welt, die finden Sie. - Na und?
Da brauchst du doch keine Angst zu haben. - Doch. Ich hab so was schon mal miterlebt.
Wenn die Sie umlegen, dabei bleibt's nicht.
Na, was denn? - Dann gehen die Zeugen auch mit.
Was denn für Zeugen? - Na, du und ich!
Wenn die einen umgelegt haben, dann hat's noch nie Zeugen gegeben.
Wir müssen weg, Nelly. - Wir?
Quatsch, ihr bleibt! - Aber Orje, sei doch vernünftig! Die sind doch stärker als du!
Geh doch rüber und sag, du nimmst alles zurück! Geh doch, Orje, geh!
Stille!
Na ja, dass ihr wegen mir euer Leben riskiert,
das will ich natürlich nicht.
Obwohl ich keine Angst habe vor den Brüdern, aber...
ich will nicht, dass euch etwas passiert, das will ich nicht.
Dann werde ich mal mit ihnen reden.
Dann werde ich mal mit den Brüdern reden.
Vielleicht können wir nun doch bleiben? - Nein, wir müssen weg.
Ce sont des brutes. - Hä? - Brutal sind sie.
Ach, schade. War immer so gemütlich hier.
Moment mal. Georg!
Georg! Sie können doch jetzt nicht rausgehen! Im Treppenhaus,
an jeder Ecke kann etwas passieren! - Ich denke, ich soll mit ihnen reden?
Per Telefon doch! - Also meinetwegen.
Wie ist denn die Nummer? - Janowitz 75-10.
Hallo? Hallo?
Amt? - Sei mal ruhig. Ruhig mal!
Ich glaube, da kommt jemand! - Ach Quatsch, gar nichts.
Doch! Ich hab auch was gehört!
Ach, ihr könnt einen aber auch wirklich mewulwe machen... Ah, hallo? Ja!
Vorsicht, Georg!
Nanu?
Räumst du um? - Nee, nee. Ich glaube, das muss geleimt werden.
Hm...
Wenn jetzt Kundschaft anruft, ist besetzt.
Was willst du denn hier? - Das fragst du mich?
Der Haushaltsvorstand bin noch immer ich. Du bist nur der Aftermieter.
Ja, was machst du mit dem Knie, lieber Hans, beim Tanz?
Na, unterschreib mal. - Was ist denn das? - Der Verzicht auf die Möbel.
Aber Emil! Das ist doch mein ganzes Geld. Das willst du mir doch nicht... - Was ist?
Das Geld hast du und die Möbel willst du auch? Kommt nicht in Frage! - Georg, nicht!
Komm, lass mal, lass mal!
Und nun raus mit dir, du... Lude! - Was hast du gesagt?
Lude! - Dafür kann ich dich belangen.
Ich zähle bis drei.
Eins,
zwei... - Orje, mir wird schlecht!
...drei!
Das wird dir noch leidtun! - Und nun mach, dass du rauskommst, du Strolch!
Sonst mach ich dir Beine!
So, nun ist Krieg!
Die mache ich fertig! Nun ist der Lack ab!
Pardon!
Mein Hut.
Raus!
Du Ratte!
Georg... - Orje, sei doch vernünftig! - Sie allein gegen die Biene!
Was, alleine? Soll ich euch zeigen, dass ich nicht alleine bin?
Dass ich Freunde habe, die mich nicht verlassen, wenn ich sie brauche?
Ich habe einen, mit dem hebe ich die ganze Biene aus.
Der ist so stark, der pustet sogar mich durch 'nen Strohhalm, ha! Schränker-Karl heißt er.
Hoffentlich sitzt er nicht gerade.
Was lachst du? Tu's nie, lieber Hans. Tu's nie, lieber Hans, beim Tanz...
Hier ist der Korridor. Erste Tür links. Berliner Zimmer.
Da wird er sich aufhalten. - Wahrscheinlich in meinem Schaukelstuhl, die Sau!
Komm, den zweiten Hunderter kriegst du hinterher.
So, raus. Haut ab!
Aus meiner eigenen Wohnung hat er mich rausgeschmissen!
Weißt du, was ich mit dem machen könnte? - Nichts. Der ist stärker.
Himmel und Zwirn! Jetzt braucht ihr doch keine Angst mehr zu haben.
Der Karl und ich, das ist noch Freundschaft.
Wir beide, ach, das ist... das ist wie 'ne Festung.
Na? Na, jetzt lacht ihr ja wieder!
Ja? Wer ist denn da?
Na ich, wer denn sonst? Madam, ich wollte Ihnen schon die ganze Zeit sagen:
Fräulein Erna hat vorhin telefoniert, die muss gleich hier sein mit 'nem Herrn.
Ausgerechnet die Rote Erna. - Also, das gefällt mir auch nicht.
- Ach, das wird sie schon sein. - Ja, machen Sie auf, Edith.
Und geben Sie den Herrschaften das gelbe Zimmer und für uns vier Portionen Kaffee.
Gut.
Los, kommt. Los, macht euch hübsch. Na los, haut ab!
Und du ziehst dir die Babywäsche aus, komm. Was soll denn mein Freund Karl denken?
Macht schnell, der kann doch jeden Moment kommen!
- Guten Abend. - Tag, Sie sollen ins gelbe Zimmer.
Ach ja, danke.
Hallo Sie! Das Klo ist aber hier!
Feiner Knilch. Nicht mal ein Dankeschön.
Na, seht ihr. So gefällt ihr mir schon viel besser.
Orje, pass auf!
Mach auf!
Ein Benehmen ist das!
Dich lasse ich verhungern, du!
So! Bei Artisten-Orje, da musst du ein bisschen früher aufstehen,
du... nachgemachter Mensch, du!
Ach, Sie sind es? Ausgerechnet Sie?
Kennst du den? - Na klar, das ist doch Backe-Backe-Kuchen!
Was? Backe-Backe-Kuchen?
Und der traut sich hierher! Ausgerechnet der,
den jede Nutte in der Potsdamer Straße hochgehen lassen könnte
wegen der Kleinen von der Gemüsefrau!
Und deinen Hintermännern kannst du sagen, dass sie da schon andere schicken müssen
als dich nachgemachten Menschen!
Allez!
Brauchst du den noch? - Nee! - Ich auch nicht.
Hallo! Mensch, gut siehst du aus!
Wegen dem Klafuzke hast du mich kommen lassen? - Ach nee, nicht wegen dem, du.
Donnerwetter! Bist du ein schöner Mensch geworden, du!
Aus den Streifen kommst du auch nicht mehr raus, was? Bisschen verändert hast du dich.
Was hast du für 'n Schnürsenkel unter der Nase? - Ich freue mich so, dass du da bist!
Jetzt mal rein in die gute Stube! So, das ist er!
Mein Freund, der Schränker-Karl, was?
Das ist... Olga.
Tag. - Und das ist Nelly, meine Kleine.
Süß, nicht? - Mensch, du...
Kommen Sie doch bitte herein. Sie werden doch einen Schluck Kaffee mit uns trinken?
Ja, ich bin so frei. Äh...
Na ja, geben Sie mir ruhig Ihren Helm. - Genau! Zier dich doch nicht.
Na, du!
Nee, danke. Ich will nicht.
Nehmen Sie Zucker, Herr Karl? - Ja, danke. Ich bin so frei.
Donnerwetter.
Na, erzähl doch mal. Was war denn los?
Ja, also Karl, das war so, ja...
Georg, soll ich vielleicht Herrn Karl das erklären?
Ja, das kannst du viel besser. Mach mal.
Die Sache ist die: Georg hat Krach mit seinem Verein.
Er wollte austreten.
Und nun wollen die ihn...
...auslöschen, wenn er nicht pariert. - Ja, auslöschen.
Ja, vorhin haben sie schon einen geschickt, der hat geschossen. - Was denn?
Du, das ist doch... - Aber nur 'ne halbe Portion.
Backe-Backe-Kuchen, kennst ihn doch? - Was? Das war der? Der Kinderschreck?
Ja, genau der! - Doch nicht mit uns, du!
Sag mal...
Das ist doch ein Lude. Der ist doch von der "Biene"?
Was hast du denn mit denen zu tun, Orje?
Ja, ich bin...
Ich war, äh...
Ach, so ist das.
Was soll ich denn dabei machen?
Na, helfen sollst du mir, wenn es losgeht! - Orje, das kann ich nicht.
Ich bin Schränker. Ich gehöre zu meinem Sportklub "Stemmfest".
Ich kann nicht wegen einem, wegen einem...
Das kannst du nicht von mir verlangen, Orje. Das musst du einsehen.
Aber Karl! - Nee, lass mich los.
Ja, du willst mich doch nicht sitzen lassen? Ja, warum denn?
Na, weil du... weil du eben... Na ja.
Na, dann sag doch: Weil ich ein Lude bin!
Na ja, weil du... weil du kein Schränker mehr bist. Guten Abend, die Damen.
Ja, aber... Herr Karl! Der... der ist ja gar kein Lude.
Der wird auch nie einer werden. Das kann der gar nicht!
Na, dann nicht. Liebe Tante, heiraten wir 'nen Onkel.
Deswegen keine Feindschaft, nicht? - Das mit der "Biene", Orje...
Das hättest du nicht machen dürfen.
Das war nicht zünftig von dir.
Ja. Nichts für ungut, Karl.
Du tust mir richtig leid, Junge.
Georg, leg die Kette vor!
Ich halte das nicht mehr aus! Ich hab Angst, ich will raus!
Ich kann nicht mehr! Lass mich raus! - Ruhe! Was ist denn?
Du brauchst doch keine Angst zu haben. Na, was denn, Kleine?
Komm, setz dich mal hin. Hier ist doch gar nichts los.
Das würde ich nicht gerade sagen.
So, das ist gegen das Zittern.
Los, runter. Alles.
So...
Orje. - Stille! Stille!
Moment.
Ich hab's. Ich hab's!
Ein Tänzchen, mein Fräulein?
Orje? Orje, bist du denn verrückt geworden?
Die Polizei, die regelt den Verkehr...
Ich hab's, ich hab's! Wir brauchen gar keine Angst mehr zu haben.
Uns kann nichts passieren! Ja, habt ihr denn immer noch nicht verstanden?
Die Polizei, die regelt den Verkehr. Die Polizei!
Ja, wenn sie uns alle im Stich lassen, an wen wenden wir uns?
Ja, meine Damen, an die Polizei. An die Schupos! Ich zahle ja meine Steuern.
Warum sollte ich mich nicht mal vom Staat beschützen lassen? Gieß mir noch einen ein!
Da hat er vollkommen Recht. Wenn wir Bescheid sagen, dass wir bedroht sind,
dann schicken die uns einen rüber vom Revier. Das haben wir schon mal gehabt.
Na klar! Ach, die Polente.
Ist doch schön, in einem geordneten Staatswesen zu leben.
Der Junge hat sein Geld verdient. Hey!
Important Paul!
Wer? Wo?
Der hat Nerven. - Was will denn der hier?
Das werden wir gleich haben. - Du, pass aber auf, hörst du?
Vielleicht ist er bewaffnet. - Keine schlechte Idee. Wo ist denn das Ding?
Ihr bleibt im Zimmer!
Edith! - Ja?
Machen Sie auf? - Nee, nee, mach du mal.
Mach auf, Georg! - Sachte, Paul. Was willst du denn überhaupt?
Ich muss dich sprechen. - Bist du alleine?
Ehrenwort. - Ich mache dir auf. Los, mach auf!
Und nun hau ab!
Was soll denn das? Solche Kindereien mag ich nicht.
Also, was willst du? Schieß los! - Tja...
Ich wollte versuchen, die Sache mit dir in Güte noch mal zu regeln.
Och, ich bin ja direkt gerührt. - Es ist jetzt acht Uhr.
Wenn mir bis 8:30 Uhr gemeldet wird, dass die Frauen fort sind, dann heißt das,
dass du dich dem Vereinsbeschluss unterworfen hast. Dann ist alles in Ordnung.
Und so weiter und so weiter und so weiter. Noch was? - Ja, wenn nicht, dann...
...wird das Urteil heute noch vollstreckt. - Vielleicht könnt ihr die armen Weiber
Bange machen, die ihr ausnehmt und verhaut...
Also, das Haus ist umstellt. Für dich gibt's nur zwei Möglichkeiten: entweder - oder.
Ach nee? An eine dritte hast du wohl nicht gedacht. Aber ich.
Wenn ihr mich nämlich noch weiter belästigt, dann hole ich das Überfallkommando.
Einen Mordanschlag habt ihr ja schon versucht auf mich, ja?
Ich brauche nur zu telefonieren und schon rollen die Schupos an. Was sagst du nun?
Willst du die Polizei mit reinziehen? - Das hättest du wohl nicht gedacht, was?
Nee, nee, das ist ja auch nicht ganz üblich in unseren Kreisen, ne?
Ändert natürlich die Situation. Kann ich mal mit meinem Vorstand telefonieren?
Bitte. Bediene dich.
Hallo Fräulein?
Janowitz 75-10.
Hoffentlich kann ich die Jungs heute noch zusammentrommeln.
Ungewöhnliche Situationen verlangen ungewöhnliche Mittel.
Hallo Fräulein? Ja, hier ist Paul.
Ruf mal Max ans Telefon, aber schnell!
Ja, hoffentlich ist Max da, sonst muss ich mich selber darum kümmern.
Du machst dem Verein aber ziemlich viele Schwierigkeiten.
Gegen euch Ludenzeugs kann man sich ja gar nicht anders schützen.
Na ja, wir werden's schon hinkriegen. Hallo Max? Hier ist Paul.
Ruf mal sofort den Vorstand zusammen. Um neun ist Sondersitzung. Ende.
Edith?
Bring den Herrn raus.
Ihr hättet sehen sollen, wie der weiß wurde wie 'ne Wand, als ich sagte "Polizei".
Aber so klein mit Hut.
Wer kann denn das sein? - Na, wer wird denn das schon sein?
Kundschaft wird das sein. Nee, nee, ich geh selber ran.
Hallo, Massagesalon Venus von Milo. Hallo?
Wer ist denn dran? - Ist keiner dran.
Halt mal. Da ist gar kein Saft drin.
Schnur ist ganz. Tot wie 'ne Maus.
Membrane raus. Alle beide. Dieser alte Drecksack...
Na, siehst du! Warum hast du auch gesagt, dass du die Polizei anrufen willst?
Jetzt sitzen wir fest. - Nun fangt doch nicht schon wieder an zu flennen.
Edith! Kann man sich auf die verlassen? - Ich... ich glaube schon.
Edith! Kommen Sie mal her. - Denen werde ich's zeigen, den Brüdern.
Komm mal her. - Ja, bitte?
Was grinst du denn so dämlich? - Das ist ein Mordsbetrieb, das hab ich gerne!
Hör mal, du musst mir was besorgen... Olga, erklär du ihr das.
Was soll ich ihr sagen? - Na, was? Ist doch ganz einfach:
Dass sie aufs Revier gehen soll! Was soll ihr denn passieren, mitten auf der Straße?
Also gut, gehen Sie rüber zum Polizeirevier und sagen Sie dort, dass...
dass hier geschossen wurde. - Was denn, das waren Schüsse?
Ja. Auf Herrn Georg.
Und dass sie ein paar Beamte rüberschicken sollen zu unserem Schutz.
Also, nun pass auf: Du schummelst dich quer über den Hof
in den Bühneneingang, ans Büfett. Und da kaufst du Zigaretten.
Was denn für 'ne Sorte? - Ach, das ist doch egal!
Und dann marschierst du quer durch das Lokal vorne raus.
Dann rennst du so schnell du kannst auf die Wache! - Wenn sie jemand was fragt?
Dann stellst du dich einfach ganz doof, das wirst du doch schaffen! Aber beeile dich.
Wir warten auf dich. - Ich mache ganz schnell. - Na komm, zisch ab!
Georg! - Ja.
Georg, was machen wir denn nun, wenn die Polizisten kommen?
Wir müssen doch irgendeinen Plan haben. Was sagen wir denn denen?
Na, wenn die Polente erst mal hier ist,
dann behalten wir sie auch hier. Dann können die Acht geben
und dann hast du genug Zeit, alles zu packen
und abzuwickeln. - Und dann fahren wir nach Paris!
Paris. Da wollte ich immer mal hin.
Na, Kleine, wir beide auf dem Eiffelturm, was?
Na, Olga, erzähl doch mal, wie ist es denn da?
Paris, da kenne ich mich aus.
Montmartre, Montparnasse,
Champs d'Elysees, Boulevards...
Mensch! - Klasse!
Ob sie schon da ist?
Edith? Klar.
Wenn du die Schnauze hältst, lasse ich dich laufen. - Ha, auf den Strich?
Da! Jetzt kommen zwei über den Hof! - Haben sie 'ne Uniform an?
Haben sie! Gott sei Dank, Olga! - Dann sind sie im Dienst.
Jetzt sind sie da!
Zur Stelle, Chef.
Na, sag mal, du frierst wohl?
Na, dann macht es gut, Jungs.
Nun sind wir aus der Bredouille raus. NDP! - Ich gehe mal aufmachen.
NDP, das heißt für mich heute...
"Nur die Polizei".
Du, Orje... sauf nicht so viel, hörst du? - Warum nicht? Jetzt kann ich ja.
Bitte kommen Sie doch herein, meine Herren!
Guten Abend. - Abend, Herr Wachtmeister. Ich freue mich ja so, dass Sie gekommen...
Oh, Entschuldigung. - Wollen Sie sich nicht setzen? Wir haben Sie schon
mit Schmerzen erwartet. Wo ist denn unser kleines Fräulein Edith geblieben?
Der Reviervorsteher hat gesagt, sie soll auf der Wache bleiben, bis alles klar ist.
Ja, da ist sie ja auch gut aufgehoben. - Das war ein bisschen lebhaft hier heute.
Ein Gläschen gefällig? - Danke.
Nee, nee, vielen Dank. Wir sind doch im Dienst, Mensch.
Na, dann gestatten Sie. Jawohl.
Hat doch was für sich, wenn man mit den Behörden gut steht, nicht?
Und das schöne Gefühl, das man hat, wenn man weiß, es kann einem nichts passieren.
Mich wollen Sie jetzt bitte entschuldigen, ich muss mich ein bisschen hinlegen.
Ja, ist gut. - War doch ein bisschen viel. Nelly, willst du nicht mitkommen?
Leg dich doch auch ein bisschen hin. - Ich? Nee. - Ja, geh doch pennen, Kleine.
Also, nun sagen Sie mal, was war denn nun wirklich eigentlich hier los?
Herr Wachtmeister, die Brüder von der Biene, vom Sparverein Biene,
die wollten mich fertig machen. Einmal haben die schon auf mich geschossen.
Hier, gucken Sie mal! Ja, da muss man doch was dagegen machen.
Deswegen sind wir ja auch hier. - Fritz, geh rüber auf die Wache und sag,
dass ich zum Schutz hier bleibe. Geht alles in Ordnung.
Wachtmeister, nun machen Sie's sich doch bequem!
Ich kann mich dann auch ein bisschen hinlegen, nicht?
Moment mal. Setzen Sie sich mal, ja? Nee, nee, nee, in den Schaukelstuhl da, ja?
In den Schaukelstuhl? Ist ja auch viel bequemer. - Ich muss nämlich erst noch...
...Ihre Personalien aufnehmen.
Also bitte, Herr Wachtmeister, dann schießen Sie mal los.
Sagen Sie mal, soll ich Ihnen noch einen Schnaps eingießen?
Das wollen Sie machen für mich? - Ja, das mache ich.
Das finde ich sympathisch, Herr Wachtmeister. Da sagen die Leute immer,
ihr Bullen, ihr seid keine Menschen, sagen die Leute, seid ihr Bullen nicht...
Aber nein, Sie sind ein Mensch, Herr Wachtmeister.
Na ja, nun trinken Sie das mal, ja? - Ja, danke, Herr Wachtmeister.
Ihr Name? - Posanke. Georg Posanke, Herr Wachtmeister.
Wann geboren? - Wann geboren?
Moment mal...
Donnerwetter. Wie weggeblasen, Herr Wachtmeister.
Den Kerl bringe ich um! - Paul hat doch gesagt... - Na, was hat er gesagt?
Du sollst dich raushalten. - Raushalten? Wo soll ich mich raushalten?
Aus meinem eigenen Puff hat er mich rausgeschmissen! Noch einen!
Geh, geh, geh! Ich bin ja nicht irgendwer!
Paul hat gesagt, der Verein erledigt alles.
Ja, wann? Wann erledigt der Verein alles?
Ich hab mir ein Lebenswerk aufgebaut
und jetzt hausen die da oben wie die... Sandalen!
Aber reg dich doch nicht so auf, Emil.
Ich reg mich ja gar nicht auf. Ich bin...
Ich bin ganz ruhig, bin ich.
Ganz, ganz ruhig...
Ich bin müde. Ich gehe schlafen.
Was? Nee, nee, ich nicht. Noch einen!
Schön, dann nicht.
Ich bin ganz froh, wenn ich mal allein im Bett liege.
Was? - Einmal alleine! Gute Nacht.
Ich werde dem Verein zeigen, wie Seiden-Emil so was erledigt.
Und die Hunde, die wollen mich fertig machen, die Schweine!
Nun setz dich mal ordentlich hin, Mensch.
Danke, Herr Wachtmeister. Ich werde Sie zur Beförderung vorschlagen.
Mach's gut, Arthur. Was sein muss, muss sein. Grüß Orje schön.
Wenn ich ihn "treffe"... - Na, mach bloß keine Witze, Mensch.
Nee, da versaue ich ja meinen Schaukelstuhl.
Wie du mir, so ich dir. Eins,
zwei, drei.
Aus meinem Schaukelstuhl kriegt mich in dem Leben keiner mehr raus.
Orje! - Komm, weg! Los!
Erledigt, Chef. - So?
Das wär's für den Augenblick.
Alles andere ist bereits organisiert.
Doktor Wenzel hat den Totenschein bereits ausgestellt. - Woran ist er denn gestorben?
Herzschlag.
Das wird manchen sehr nahe gehen.
Aber wenn dann die Stunde des Abschieds geschlagen hat, wie jetzt,
dann fragt man sich verzweifelt:
Warum muss es immer den Falschen treffen?
Du Idiot! - Ist mir ja selbst peinlich.
Und so rufen wir dir zu, Seiden-Emil... - Artisten-Orje!
Was? - Artisten-Orje!
Äh, Seiden-Emil, ihr Vereinskameraden,
weilt nicht unter uns, weil er getroffen ist,
getroffen vom herben Schmerz
und was da unten im Sarg liegt,
das ist für viele nichts anderes als eine sterbliche Hülle
und nur wenige wissen, wen wir wirklich verloren haben.
Und so rufen wir dir zu, Artisten-Orje...
Nanu, ich sehe wohl nicht richtig?
Die Miezen sind doch immer noch im Land! Aber ganz schön kess!
In memento moris.
Bedenke, dass du sterben musst.
Olga, ich kann mich nicht trennen! - Qu'est que tu veux. C'est la vie!
Paris ist auch eine schöne Stadt. Allez! Zum Anhalter Bahnhof.
Jawohl, meine Damen.
Hüh!
Nelly, hör auf zu weinen. Die Zeit heilt alle Wunden.
Nee, nee. Mir ist mein Beruf verekelt.
Ich geh nie wieder mit einem Kerl ins Bett. Nie wieder!
Na, ob ich mich daran gewöhne?
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