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♪ Unbeschwerte Musik ♪
♪ Musik wird ruhiger ♪
♪ heitere Musik ♪
♪ Motorengeräusche nähern sich ♪
Geht's hier zum Dorf runter?
Wenn sie Hinrichsfelde meinen täten, immer lang.
♪ Motor arbeitet ♪
Da sind Sie wohl der neue Zoodirektor,
sozusagen.
Wenn Sie den neuen Zootechniker meinen täten, junger Mann,
dann stimmt das, sozusagen.
He, wohin?
Wir haben doch den gleichen Weg.
Immer rauf auf die Kutsche.
Ist mir schon nichts Neues mehr,
das Autofahren.
Aber schlecht gefahren ist besser als gut gelaufen.
Fertig!
♪ Auto fährt los ♪
Du kannst einen aber erschrecken.
Gehörst du dazu?
Ich heiße Karola.
Karola Heilnagel.
Und du?
Kaule.
- Ich geh in die Fünfte. Und du? - Auch.
Habt ihr auch einen guten Zeichenlehrer?
"Zeichenlehrer", Herr Knittel kann alles.
Zeichnen, wozu braucht man das?
Ich werde aber Modezeichnerin.
Oberschweizer, das ist was.
Meine Mutter, sie studiert darauf.
In der Stadt.
Für diese Zeit wohne ich bei Sophie.
Bei Sophie?
Meine Tante.
Zwei Jahre, vergehen wie ein Gewitterregen.
- Züchtest du Tauben? - Mein Vater.
Dein Vater, der da vorn drin sitzt?
Er hat Bücher, wo alle Tiere drin sind.
- Auch Bullen? - Alle.
♪ Langsame, traurige Musik ♪
♪ Autotür fällt zu ♪
Das also ist Hinrichsfelde.
Ganz recht, Herr Holznagel.
Heilnagel.
Sowas ist besser als Leitungswasser.
♪ Pumpe quietscht ♪
Wir haben alle 'ne Motorpumpe.
Wasser gibt's im Überfluss.
Karola,
Sieh mal, ein Platz für die Tauben.
Können wir?
Wir können.
Wenn die Damen nicht mit Blumen empfangen werden,
gefällt's ihnen nicht.
Blumen pflücken, Blumen pflücken.
Du bist schon zehn.
Du solltest dir nützlichere Beschäftigung suchen.
Vom Blumenpflücken zum Herumstromern ist nicht weit.
Und binde sie sorgfältig an.
Du kennst Julka.
Sie springt wie eine Besessene.
Aber, Tante Sophie!
Deine Mutter wird sich freuen, wenn sie hört, wie nützlich du dich machst.
Jeden Tag?
♪ Moped fährt davon ♪
♪ Vogelzwitschern ♪
Schmatzt nicht so!
♪ Harmonische Musik ♪
♪ Musik klingt aus ♪
Kaule mit Blumen.
♪ Rumpeln ♪
Platz da, zum Donnerwetter!
Hast du keine Augen im Kopf?
♪ Einzelne Scherben klirren ♪
Jetzt hört mir aber alles auf.
Kaule hat es bestimmt gut gemeint.
Kaule?
Ach so.
Bestimmt.
Ich glaube, wir müssen uns beeilen. Es wird bald regnen.
♪ Donnergrollen ♪
Wollen wir helfen?
Los!
Bleib schön hier sitzen.
♪ Kind weint ♪
♪ tiefes Donnergrollen ♪
Lott!
Julka!
♪ Donnergrollen ♪
Lott!
Julka!
Vater Pietsch!
Lott ist weg! Julka ist weg!
Mach, dass du reinkommst.
Du bist ja nass bis auf die Haut.
Wirst dir noch den Tod holen.
Wo hast du dich die ganze Zeit herumgetrieben, beim Salomo?
Warst wohl wieder bei dem Pflasterstampfer.
Der wird sich noch früh genug um unser Brot kümmern.
Dabei hab ich sie angekettet.
Hat mir gerade noch gefehlt,
so ein Neunmaisehlauer.
Vielleicht sind sie nach Kakelförde gelaufen.
Alles wird er hier durcheinander bringen.
Dieser Herr mit seinen Weisheiten
aus Büchern.
Verstehst du, mein Junge?
Aus Büchern.
Aber...
Und du mach jetzt, dass du zu Sophie kommst.
Sie wird sich schon die Augen nach dir auf den Kopf gucken.
Und Lott?
Und Julka?
Es ging alles so plötzlich.
Und du hättest es verhindern können.
Ich werde jetzt gebraucht, also bin ich rausgegangen.
So aufgeopfert hast du dich.
Seit Jahren sprichst du schon davon.
Und das Institut?
Es gefällt dir nicht bei uns?
Möglichst in der Bezirksstadt und jeden Tag 'n Dienstwagen.
Ihr kommt auch mit einem Wetter an...
♪ Karola schnieft ♪
Hast du bei Gewitter immer Angst?
- Warst du schon mal in der Stadt? - Öfters.
Möchtest du dort wohnen?
Mit meiner Mutter
und Vater Pietsch.
Und wenn Herr Knittel dort wär,
dann schon.
Lott und Julka!
Sie sind weg.
Deine Geschwister?
Ach, Lott ist 'ne Ziege.
Und Julka ist auch eine.
Sie gehören Tante Sophie.
Ich wohn' doch bei ihr.
Und warum sind sie weg?
Ich sollte auf sie aufpassen.
♪ Ruhige Musik ♪
Schimpft Tante Sophie?
Ist sie sehr streng?
Ach, die und ihre Ziegen.
Über die Blumen heute Nachmittag haben wir uns trotzdem gefreut.
Vielleicht stehen die Ziegen schon im Stall.
Bis morgen!
Ja, morgen.
♪ Tür knarrt laut ♪
So, bis zum Dunkelwerden treibst du dich herum.
Hab ich nicht ausdrücklich gesagt, dass du nicht herumstrolchen sollst?
Sie hätten umkommen können bei dem Wetter.
Du siehst ja,
dass ich mich nicht um alles kümmern kann.
Erst heute hab ich dir wieder gesagt, dass du alt genug bist, um dich nützlich zu machen.
Was soll ich denn deiner Mutter erzählen?
Dass du dich bis in die Nacht herumtreibst?
Die armen Tiere,
an sie denkst du wohl gar nicht.
Du rennst davon, obwohl ich...
Lass das, ich mach das schon.
Heute ist doch die neue Familie eingezogen.
Wie heißt sie eigentlich?
Karola.
Kaule?
Kaule.
♪ Verträumte Musik ♪
♪ Kinderstimmen sprechen durcheinander ♪
♪ Gelächter ♪
Setzt euch.
So eine Hochzeit hast du bestimmt noch nicht gesehen, Karola.
Und das am ersten Tag.
Es wird dir schon bei uns gefallen.
Vater Pietsch sagt,
wir sind das beste Dorf bei der Abrechnung.
Wenn du erst einmal zum Stichelsee kommst, da kann man baden.
Und die Rohrsänger...
Dort singen sie überhaupt ganz laut,
sagt Vater Pietsch.
Du musst einmal mit deinem Vater mitgehen.
In die Ställe,
die vielen Tiere.
Es werden noch mehr,
denn bei der Frieda,
da kalben sie schon wieder.
Du sollst mal sehen, wie schnell es dir bei uns gefällt.
Vater Pietsch und ich, wir werden in Hinrichsfelde...
Kaule wird uns jetzt mal an der Karte zeigen, wo Hinrichsfelde liegt.
♪ Gelächter ♪
Hier.
Hier würde ich sagen.
♪ Gelächter ♪
♪ Stimmen sprechen durcheinander ♪
Näher ran, bitte.
Die größten Herrschaften nach hinten, das Brautpaar hier zur Mitte.
Noch ein bisschen zurücktreten, bitte.
Noch weiter, dichter zusammenrücken.
Ihr auch noch, bitte.
Momentchen, bitte.
Rosi, nimm den Finger aus der Nase.
Ruhig, bitte.
Dankeschön.
Und jetzt das Brautpaar nochmal alleine.
Wollen sie mal bitte zur Seite treten.
Danke.
So, und jetzt machen wir noch eine Profilaufnahme.
Vater Pietsch ist auch eingeladen.
Momentchen, bitte.
Dankeschön.
So, jetzt bitte nochmal das Elternpaar dazu.
Würden Sie bitte nähertreten.
♪ Stimmengewirr ♪
So, bitte mal hierher schauen.
Dankeschön.
Nun bring mir doch mal die kleinen Kinder.
Wo haben wir denn noch 'nen Jungen?
So, dann komm mal schön runter.
Ja!
Du bist ein Verwandter.
Karola und ich sind das Brautpaar
und du bist der Fotograf.
Ich kann doch gar nicht fotografieren.
Doch auch nicht richtig. Wir spielen ja nur so.
Die Braut geht immer auf der anderen Seite.
Das mit dem Fotografieren ist doof.
Dann mach ich eben den Fotografen, ganz einfach.
- Vielleicht macht Pjotr den Fotograf. - Machst du nur mit oder nicht?
Na los, stellt euch auf.
Erst einzeln.
Erst die Braut.
Warum denn so? Das wird doch keine richtige Hochzeitsfotografie.
Das Brautpaar muss schon zusammen. Das wird immer so gemacht.
Ich bin der Fotograf und hab zu bestimmen.
Kaule kann das nicht... - Also gut, stellt euch weiter auseinander.
Nein, ganz und loslassen.
Was soll denn das sein? - Hast du es vorhin nicht gesehen?
Bist du der Fotograf?
Dann lass doch Otto mal den Fotografen machen.
Macht's doch alleine.
Willst du wohl...
Das könnte dir so passen.
Das ist Alexander,
der Kater von Vater Pietsch.
Die Schule aus?
♪ Vögel zwitschern und Tauben gurren ♪
Wie lange bleiben die im Schlag?
Sie müssen sich an einen neuen Ort gewöhnen. Wenn sie zu früh fliegen,
kommen sie nicht zurück.
Vater Pietsch sagt, Tauben sind ein Habichtfressen.
Was Vater Pietsch nicht sagt.
Den neuen Stall,
den sollten Sie sich mal ansehen.
Und die Bullenzucht.
Vater Pietsch braucht nur die Hand zu heben, schon ducken sie sich, wie die Lämmer.
Dann ist es wohl am besten, ich komm mal mit rum.
Dort!
Ob der Kater sie in Ruhe lässt?
Na klar.
Vater Pietsch!
Der Kater war an den Tauben!
An den Heilnageltauben.
Dummes Zeug.
Sie wollen wohl, dass ich ihn anpflocke.
♪ Muhen ♪
Tag, Pietsch.
So vornehm, mit Weste und Krawatte?
Ich hab gedacht, sowas lernt ihr an eurem Institut.
Sie fressen sonst nicht, die Braven.
Vater Pietsch geht zur Hochzeit.
Oh, da hast du ja noch was vor.
Gestern hat man ihnen noch die Rotznase geputzt
und heute feiern sie schon Hochzeit.
Sie wachsen einem langsam über den Kopf.
Und es wird nicht lange dauern, dann wollen sie einem Vorschriften machen
und alles besser wissen.
Aber das ist nun mal der Lauf der Welt.
Ah, die Tiere sind wirklich kräftig.
Mit denen ist nicht gut Kirschen essen, was?
Glaub mir, sie sehen sich ihre Leute schon genau an.
Es sind die besten Bullen, die der Vorsitzende gesehen hat.
Hat er gesagt.
Stellst du sie nicht nach Jahren zusammen?
Das ist doch nicht ein Alter.
Vater Pietsch kennt sie alle.
Er braucht nur mit der Wimper zu zucken.
- Und schon... - Nu, nu, nu, nu.
Ich stelle sie so, wie ich es für richtig halte und damit basta.
Aber bei so vielen Tieren, wird das was Genaues?
Der Schlächter von Kakelförde ist auch einer von denen,
die immer alles ganz genau zuteilen wollen.
So...
In die Finger gehackt hat er sich.
Wir müssen uns mal unterhalten.
Bei deiner Erfahrung.
Ich weiß ja nicht, wie es die anderen halten,
die Hühnerfee und die von der Rinderbrigade.
Aber was mich betrifft, mein Junge,
ich komm' gut allein zurecht.
Sie kommen alle zu Vater Pietsch,
wenn's um die Tiere geht.
Ich wünsche dir ein schönes Hochzeitsfest, Meister Pietsch.
Hochzeit, Hochzeit.
Sollen Sie meinetwegen nur feiern.
♪ Muhen ♪
Hör dir an, wie sie brüllen.
Auf einmal dürfen sie nicht mehr zusammenstehen.
Nach Jahren.
Als ob wir sie nicht auseinanderhalten könnten.
Vielleicht, dass du ihm mal die Namen auswendig ansagst.
Ja, ja,
so wird's weitergehen.
Heute das und morgen passt ihm was anderes nicht.
Du solltest schon losgehen, Vater Pietsch.
Jetzt kommt die Zeit, wo man nicht mehr den Rücken wenden möchte.
Wenn's weiter nichts wär, Vater Pietsch.
Die Bullen.
Ich könnte ja aufpassen, sozusagen.
Hm.
Nein, nein.
Nein, mein Junge, ich kann nicht weggehen und dir den Stall überlassen.
Du brauchst mir nur zu sagen, wie ich's machen muss.
Ich mach es so, wie du's anordnest.
Nun, was das anbelangt, getränkt sind sie.
Und Futter haben sie auch noch genug.
Na, dann wüsst' ich nicht, Vater Pietsch.
Du brauchst nur ab und zu nach dem Rechten sehen.
Du weißt ja, sie aasen sich alles unter die Beine.
Na komm.
Es gibt Boonekamp, Vater Pietsch.
♪ Pietsch lacht ♪
He, Schwarzkopf.
Aas nicht so.
He, Napoleon!
♪ Kinder imitieren "Indianer-Ruf" ♪
Na, nun macht schon, seid ihr bald fertig?
♪ Muhen ♪
Du bist ab jetzt Prärierose.
Das ist kein schöner Name.
Sie muss sich eben selbst einen ausdenken.
Aber die Indianerfrauen, die hatten solche Namen.
Ich, jedenfalls, bin der große Büffel.
"Großer Büffel."
Gerade der.
♪ Hahn gackert ♪
♪ lautes Muhen ♪
♪ Hahn schreit auf ♪
Eigentlich...
Eigentlich könnte ich dich ein bisschen raustreiben.
Mehr wie so ein Büffel.
Ja, die Augen werden ihm rausquellen.
Großer Büffel, der mit seiner Spatzenfeder.
Du bist ein Büffel.
♪ Muhen ♪
Wir bauen uns das Zelt am See auf.
Da können wir uns auch tätowieren.
Na komm, Napoleon.
Komm!
Napoleon!
Ein Bulle!
Napoleon!
♪ Gelassene Musik ♪
♪ unverständliche Gespräche ♪
♪ Gelächter ♪
♪ Musik klingt aus ♪
Polonaise!
♪ Begeistertes Durcheinander ♪
♪ gelassene Musik ♪
Napoleon!
♪ Lautes Trampeln und rasselnde Ketten ♪
♪ unverständliches Durcheinander ♪
♪ aufgeregte Schreie ♪
♪ weitere Schreie ♪
Ahh, Hilfe!
Ei, ei, ei, ei, ei, na.
♪ Männer lachen ♪
Na Pietsch, was sagst du nun?
Die laufen dir ja nach wie die Kinder.
♪ Mann lacht ♪ - Ich wette, er hat Bonbons in der Tasche.
Ich muss mit.
Na lass mal, wir bringen ihn schon zurück.
- Bleib du mal schon hier. - Na komm.
- Komm. - Na los.
♪ Gelächter ♪
Es hätte nicht viel gefehlt und er hätte das ganze Dorf auf den Hörnern gehabt.
♪ Mann lacht ♪
- Los, komm. - Los.
Pietsch!
Das hätte dumm ausgehen können und wir wären beide dran.
So, so weit sind wir also schon.
Da hab ich das Kreuz allein dazu.
Bisher.
Aber ich bin auch für deinen Stall verantwortlich.
Aha, aus der Ecke weht also der Wind.
Du willst hier große Bogen spucken?
Mit einem Buch und dem weißen Mäntelchen durch den Stall schleichen,
so einer hat uns hier gerade noch gefehlt.
Du und verantwortlich.
Wo warst du denn, frag ich dich, damals, als hier der Mist noch so hoch lag?
Jetzt ist hier im Dorf sogar die Straße gepflastert.
Und bequem hast du es.
Eine Wasserleitung pinkelt dir das Wasser bis rauf in die Dachstube.
Das haben wir alles aus dem Ärmel geschüttelt.
Wir haben nur so gemacht und schon war alles da, beim Salomo.
Einen Dreck weißt du! - Jetzt aber Schluss.
Was hätte hier passieren können?
Meine Tochter wäre beinahe umgerannt worden.
Was hat der Junge im Stall zu suchen, wenn du weg bist?
Ich versteh dich nicht, Pietsch.
Die Tiere...
♪ sehr leise Musik ♪
Komm mir jetzt nicht mit den Tieren, die lass gefälligst in Ruhe.
Davon hast du überhaupt keine Ahnung.
♪ Heitere Musik wird lauter ♪
♪ Frau lacht ♪
Vater Pietsch...
Vater Pietsch...
Ich hatte Vertrauen zu dir.
Geh jetzt.
♪ Münzen klimpern ♪
♪ gelassene Musik ♪
Na, was ist da drin?
Es sind Luftlöcher drin.
Ein Frosch?
Ein Igel.
Von dir hab ich ihn also bekommen?
Das konnte man sich doch denken. Was sollte anderes in dieser Schachtel sein?
Na, Schuhe zum Beispiel.
Schuhe mit Luftlöchern.
Na, Goldfische hat er auch schon gehabt, der Pjotr.
Einen Igel, gerade der.
Den Eichkater, weißt du noch?
Mit'm Katschi hat er ihn abgeschossen.
So, und du? Bullen rauslassen!
Was geht dich das an?
- Tierschinder! - Bleib stehen!
Kaule, bleib stehen!
- Kaule! - Bleib stehen, Kaule.
♪ Kurze, ruhige Melodie ♪
Ich möchte wissen, was dieser Firlefanz soll.
Hast doch wohl schon genug angestellt.
Damit Heilnagel nichts auszusetzen hat.
Er hat doch gesagt, es ist nichts genaues.
Ach
wie mir scheint, hast du inzwischen das Hemd gewechselt.
Hm?
Das ist ein sehr schöner Aufsatz.
Daran sollten sich einige ein Beispiel nehmen.
Lies uns doch einmal selbst vor, was du geschrieben hast, Kaule.
Na?
"Unser Dorf.
Unser Dorf heißt Hinrichsfelde.
Dass es so schön wird, hat man vor ein paar Jahren noch nicht gedacht.
Vater Pietsch sagt das auch.
Wir haben eine neue Hühnerfarm und einen neuen Bullenstall.
Besonders...
besonders der neue Bullenstall..."
Das stimmt nicht! Gar nichts! Nichts!
- Was stimmt nicht? - Es ist nicht schön!
♪ Schüler tuscheln ♪ - Und vorher war's viel besser!
Ruhe!
Also was stimmt nicht? - Alles! Jetzt hat man nur immer Arger!
Aber du hast es doch selbst geschrieben.
Ein Dieb ist er.
Ein ganz gemeiner Dieb. - Den Igel von Carola, hat ihn einfach weggenommen.
♪ Seufzt ♪
Wann ist deine Tante zu Hause?
Hast du gehört?
Um zwei.
Um zwei.
Da können Sie kommen.
Aber ich bin kein Dieb.
Hat er dir den Igel weggenommen?
Ja.
♪ Ruhige Melodie ♪
Kaule?
Ja?
Du kommst ja so angejagt.
War was in der Schule?
Es wird Zeit, dass ich mich um deine Schulhefte kümmere.
♪ Uhr tickt ♪
Die Wildschweine, Tante Sophie!
Nicht eine Setzkartoffel haben sie in der Erde gelassen.
Kreuz und quer haben sie geschnüffelt.
Auf meinem Kartoffelstück?
Wie der Leibhaftige haben sie rumgepflügt.
Das machst du an die Tür.
Damit sie wissen, wo ich zu finden bin.
Kaule,
komm schon!
Es fehlt nur, dass der Pjotr mich angeschwindelt hat.
Was? Du hast nicht selbst gesehen?
Der Pjotr hat es mir in der Schule erzählt.
Es wäre nicht das erste Mal, dass die Schweine Kartoffeln buddeln.
Ich lauf schon vor.
Mann, gerade, dass ein Keiler herumgeschnüffelt hat.
Kaum der Rede wert.
Fünf oder sechs Kartoffeln.
Nichts weiter.
Wir können von Glück reden, dass es kein ganzes Rudel gewesen ist.
Komm mal her zu mir.
Ich werde eine Karte schreiben.
Deine Mutter muss her.
♪ Träumerische Klänge ♪
Liebe Mutter,
du musst zurückkommen.
Es ist alles ganz anders.
♪ Zugpfeife ertönt ♪
Brrr!
Na, wie steht's, Kaule?
Willst du nicht mitfahren?
Hm?
Warum willst du dir die Schuhsohlen ablaufen, wo wir doch Pferd und Wagen haben?
Ich bin doch barfuß, Vater Pietsch.
Ob nun barfuß oder gestiefelt,
wir haben es nicht nötig zu laufen.
Also komm, mein Junge, steig auf, steig auf.
Hü! Hü!
♪ Peitsche knallt ♪
Vater Pietsch.
Vater Pietsch.
Hm?
Das mit Napoleon...
Und dieser Heilnagel kommt dazu.
Deshalb hab ich die Schilder.
Keiner soll sagen, dass du im neuen Stall nicht umgehen kannst.
Die Bullen gehören zu mir,
beim Salomo.
Hat man mir schon je Vorschriften gemacht?
Jetzt kommt plötzlich so ein Hergelaufener
und bildet sich ein, er kann hier alles auf den Kopf stellen.
Pünktlich auf die Minute, sage ich dir, haben sie ihr Futter bekommen.
Ha, ha.
Und wie ich es immer zusammengestellt habe.
Meine Bullen konnten sich nicht beklagen.
Für sie gab's nur Feiertage.
Sowas lernt man nicht beim Studieren.
Und Mutter, warum studiert sie dann?
Ach, na das ist ganz was anderes, mein Junge.
Deine Mutter, die studiert doch auf Oberschweizer.
Ist das gut zu studieren?
Na ja, sie hat schon immer allen was vorgemacht.
♪ Pietsch lacht ♪
Kuhverstand hat sie, deine Mutter, zum Deibel auch.
♪ Beide lachen ♪
Der Vorsitzende ist extra mit dem Fahrrad gekommen.
Das Dorf ist kein Hasensterz mehr,
hat er gesagt.
Da hat der Vorsitzende recht.
Was ist hier früher gewesen, wenn ich mir's so recht überlege?
Ein Stelldichein für Wildkarnickel.
Und da kommt so ein Besserwisser und denkt,
wir haben in die Hände geklatscht
und Hokuspokus stand der Stall da, fix und fertig.
Hat er dir das gesagt?
Das spürt man, dazu braucht es keine Worte.
Der Blick macht es gewissermaßen.
Vielleicht sagst du ihm alles.
Ach, wo werd' ich?
Scherereien werd' ich mir machen, nichts weiter.
Und Bullenspeck wird davon nicht.
Hü, hü.
♪ Heitere Musik ♪
Ich will's dir erzählen.
Das war so.
In einem Dorfe lebte mal ein Junge.
Ungefähr so alt wie du wird er gewesen sein.
Der war nur von seinem Hof runtergekommen, um Wasser beim Brunnen zu holen.
Mehr hatte der arme Kerl nicht gesehen.
Und eines Tages,
da hörte er von einem Baum.
Weit, weit weg.
Irgendwo hinten am Horizont
sollte dieser Baum wachsen.
Und der sollte immer blühen.
Das ganze Jahr über.
Das ganze Jahr?
Ja.
Und diesen Baum wollte er unbedingt sehen.
Es ließ ihm keine Ruhe mehr.
Er dachte nur noch daran.
Essen und Trinken schmeckte ihm nicht mehr.
Er wurde fast krank darüber.
Aber wer sollte ihm den Weg zeigen? Ein verflucht langer Weg war's.
Und so Erfindungen gab's damals noch nicht,
dass er sich hätt' ins Auto setzen können und mir nichts, dir nichts hinfahren.
Er hat dann auch nicht mehr lange gewartet
und eines schönen Tages in aller Herrgottsfrühe ist er losgezogen.
Sonst hätt' er's am Ende noch im Kopf bekommen, so hat er gegrübelt.
Aber der Baum war weit weg,
viel weiter als so ein gewöhnlicher hinter der Futterkammer.
Bratspeck und Milchsuppe
gab's auch nicht unterwegs.
Verdammt weit war es bis zu diesem Baum, schier endlos.
Und als er dort angekommen war, nach langer Zeit,
da war aus dem kleinen Jungen
ein alter, weißhaariger Mann geworden.
Ein alter Mann,
alt und krumm.
Und als er sich endlich ein wenig ausruhen wollte,
was musste er da sehen?
Steht doch plötzlich ein anderer neben ihm.
Aber der war noch blutjung.
So jung, wie er damals war, als er aus seinem Dorfe losgezogen ist.
Und was soll ich dir sagen, da fängt doch der Junge
von einem Baum an zu faseln.
Von einem anderen Baum, weit weg, irgendwo am Horizont.
Einem wunderbaren Baum.
Und da wollte er unbedingt hin.
Der Alte, kaum dass er sich Zeit zum Setzen nahm,
erzählte ihm von seinem Weg.
Und dass er alt darüber geworden war, das sah der Junge ja selbst.
Aber wie das ist, nicht mal richtig zugehört hat er ihm.
Für ihn war der Alte eben bloß ein Micker, ein Dummkopf.
Und weiter nichts.
Und los lief er,
kaum, dass der Alte ihm davon erzählt.
So sind sie, die Besserwisser.
Neunmalschlau.
Man kann ihnen nichts von den Schwierig- ketten erzählen, den Besserwissern.
Sie lachen einen einfach aus.
Hören überhaupt nicht hin.
Sie bilden sich ein, sie wissen alles viel besser.
Und nicht genug damit.
Soll ich mich womöglich vor diesem Pflasterstampfer verstecken?
Soll es mir so gehen wie meinem Kater?
Den muss ich schon dauernd in meinen vier Wänden halten.
Bloß wegen seiner Tauben.
Soll ich mich genau so behandeln lassen?
Entweder mein Kater,
oder seine Tauben.
So ist das nun mal.
Wir sind die einzigen, Vater Pietsch,
die sich richtig verstehen.
♪ Pietsch lacht ♪
Du kannst dich auf mich verlassen.
♪ Kurze, langsame Melodie ♪
Wir haben die Tauben mitgebracht.
Die durften noch nicht ausfliegen.
Aber wer wird denn da ans Wegfahren denken?
Das Haus, der See,
die Klasse hier.
Ist das alles gar nichts mehr?
Dein Vater hat das ganze Haus ausgebessert.
Und das hat sicherlich viel Arbeit gemacht.
Das Dach repariert,
neue Fensterscheiben eingesetzt,
die Zimmer gemalt.
Nur die Pumpe nicht.
Überleg dir's noch mal, Karola.
Nein.
Aber ihr habt doch alles so schön gemacht.
Sogar die Hauswand hat dein Vater ausgebessert.
♪ Hühner gackern ♪
♪ Huhn schreit ♪
♪ lockere Musik ♪
♪ Musik klingt aus ♪
♪ Männer lachen ♪
- Jetzt wird sie bestimmt was erleben. - Gefällst sie dir?
Den Anstrich meine ich, Vater Pietsch.
Ob sie mir gefällt?
Eine wahre Pracht ist das, mein Junge.
♪ Pietsch lacht ♪
Ich möchte bloß wissen, wer zum Teufel sich diesen Spaß wieder ausgedacht hat.
Du glaubst also, dass sie sich freuen werden?
Und ob.
Und ob.
Er jedenfalls hat sich schon immerzu gefreut.
Ich finde, sie belebt jetzt so.
Ja, ja, das ganze Dorf hat sie schon belebt.
♪ Motorenlärm und Gelächter ♪
Kaule.
Komm rauf.
Na, komm.
Vorsicht.
Du hast also die Pumpe angemalt.
Was hast du gesagt?
Ja, ich ganz alleine.
Es sollte ein Geheimnis bleiben.
So mehr wie bei den Heinzelmännchen.
Nur so?
Warum?
Warum hast du sie angepinselt?
Wegen Karola.
Es ist so mehr...
Wegen Karola gestern.
Sie hat so geweint.
Damit es ihr besser gefallen soll.
Deshalb.
Ich muss schon sagen,
großartig hast du die Pumpe angemalt.
Und der Igel war auch von mir.
Der Igel?
Ach so, der auch.
Das musst du mir genau erzählen.
Ja, von Anfang an.
Von Napoleon,
warum er durchs Dorf gelaufen ist.
Aber für Karola war es nicht leicht.
Die neue Schule
und die fremde Umgebung.
Da gibt es schon Sorgen.
So ganz zu Anfang, verstehst du,
da musst du dich schon auf die Zehenspitzen stellen, willst du alles übersehen.
Und auf Zehenspitzen, da steht er sich ziemlich wacklig.
- Aber mit einem Mal... - Und die Tauben hab ich rausgelassen.
Wenn Vater Pietsch mir nur nicht die Geschichte erzählt hätte.
Welche Geschichte?
Die.
Na die von dem Jungen.
Da war ein Junge.
Vater Pietsch sagt, er kann so alt wie ich gewesen sein.
♪ Fröhliche Musik ♪
♪ Musik klingt aus ♪
♪ Hupen ♪
Aber der Junge läuft trotzdem los,
obwohl er den Alten gehört hat.
Er ist ein Besserwisser, sagt Vater Pietsch.
Die Geschichte gefällt mir.
Aber der Schluss...
Der Schluss.
Aber er ist doch so.
Es war gut, dass der Junge losgegangen ist,
und der Alte freut sich sogar darüber.
Denn der Junge wird schneller an seinen Baum kommen.
Und er erzählt den anderen wieder seinen Weg.
Darüber sollte der Alte sich nicht freuen?
Ohne ihn wäre keiner so schnell vorangekommen.
Er freut sich, bestimmt.
Und das stimmt so?
Genau so.
Genau so ist die Geschichte.
Ich glaube es auch.
♪ Verspielte Musik ♪
Und jetzt die große Sensation!
Allez hopp!
Wie im Zirkus.
Sind ja auch Kunstziegen.
Komm, setz dich mit hier hin.
♪ Musik stoppt ♪
Setz dich da hin.
Wir können den anderen die Kunststücke zeigen.
Was machst du denn da?
Bleib ruhig sitzen.
Wir werden die Kunststücke mit der Ziege vorführen.
Ich male ein Plakat dafür.
Darauf ist dein Kopf
und so ein Text, wie...
"Sensation! Julka springt von einem Baum."
"Todessprung" müsste noch hinzu. Ja, "Sie sehen den Todessprung."
Muss ich noch immer still sitzen?
Ja, ja, bleib so.
Pjotr und Otto werden staunen.
Ach, noch nicht!
Gute Modezeichnung.
Aber die Punkte.
Die Punkte.
Sie müssen so sein.
Es sind doch deine Sommersprossen.
Weißt du,
ein Ziegenkopf wäre dann schon besser auf dem Plakat.
Wir brauchen auch noch Kostüme. - Wozu?
Wenn wir unsere Sensation verführen.
♪ Verspielte Musik ♪
♪ Musik klingt aus ♪
Julka!
Meine Julka!
Bestimmt ist sie nur scheintot.
♪ Beide weinen und schluchzen ♪
Ganz alleine hat sie den Todessprung probiert.
Sie hat nur die Besinnung verloren.
♪ Beide weinen fürchterlich ♪
Sie hat nur die Besinnung verloren. - Für immer ist sie tot.
Alles ist vorbei, alles.
♪ Rummelmusik ♪
Ich geh' zur Mutter.
In die Stadt.
♪ Unverständliche Stimmen im Hintergrund ♪
Heute noch?
Ich muss.
♪ Jubel ♪ Ui!
Volltreffer.
Da brauchst du mindestens Brote.
♪ Amüsierte Stimmen ♪ - Ich hol welche.
Du musst aber warten.
Aber nicht mit Blutwurst!
♪ Gelächter ♪
♪ Blubbern ♪
Herr Pietsch?
Herr Pietsch?
Schickt dich dein Vater?
Der Kaule, wissen Sie?
Die Julka ist tot.
Die Julka?
Ja, die weiße Julka von Kaules Tante.
Und er will zu seiner Mutter.
Wir haben uns nur Kostüme geholt
und da war sie schon tot.
Immer der Reihe nach.
Beim Salomo.
Also der Kaule schickt dich?
Er weiß gar nichts davon.
Und ich war schuld an allem.
Die Julka war tot,
als wir zurückkamen.
Und jetzt will Kaule zu seiner Mutter.
Da hab ich gedacht, wenn Sie...
mal mit ihm sprechen...
Und es hat dich wirklich keiner zu mir geschickt?
Keiner.
Ich dachte...
Setz dich.
Können Sie nicht mitkommen?
Vielleicht ist er schon weg.
Er wollte nur Brote für den Weg.
Brot? Hm.
Dann werden wir uns wohl beeilen müssen, denke ich.
Beim Salomo.
Und du willst also, dass der Kaule bei uns bleibt?
Hm?
Ich dachte, weil er...
Warum kommst du zu mir? Warum bist du nicht zu deinem Vater gegangen?
Kaule hat immer von Ihnen erzählt.
Und da dachte ich...
Nun, wenn es stimmt, wenn er wirklich weg wollte,
dann wird es Zeit.
Aber er soll nicht wissen, dass ich bei Ihnen war.
Wir werden uns was ausdenken.
Hm?
Alles wegen einer Ziege.
Und dazu auch noch mitten in der Nacht.
Es ist doch heute ganz schnell dunkel geworden.
Da ist es doch gut, dass Herr Pietsch gekommen ist,
sonst müsste vielleicht noch die Polizei nach dir suchen.
Hm.
Na, dann will ich schon mal reingehen. Du kommst dann nach, Kaule.
Hm?
Nach allem wollte ich schon die Mutter verständigen.
Das wollen wir gar nicht erst versuchen.
Sie soll nur bleiben.
Ich hab immer gedacht, ich mach' ihm alles recht.
Ich werd' mich auch in Zukunft um ihn kümmern.
Dass er Ihnen die Pumpe gestrichen hat?
Er hat mir von nichts erzählt.
Wenn er doch heimkommen wollte. - Er wird kommen.
Und heute wird er auch von allem erzählen.
Wer weiß, wie das mit der Ziege gekommen ist.
Wir wissen manchmal zu wenig, wie es unter so einer Kindermütze aussieht.
Hoffentlich ist ihm nichts passiert.
Und schicken Sie ihn morgen rüber.
Du machst jetzt, dass du reinkommst,
sonst sorgt sie sich am Ende noch zu Tode.
Und Tante Sophie weiß alles?
Mit der Ziege?
Was hat sie gesagt, Herr Pietsch?
Herr Pietsch?
Wer zu unserem Dorf gehört, sagt immer Vater Pietsch zu mir.
Hm?
♪ Alle lachen gemeinsam ♪
Und jetzt aber Marsch ins Haus mit euch beiden.
Ich wüsste nicht, was da noch zu bedenken ist, hm?
Du musst schon reingehen.
♪ Sanfte Melodie ♪
Weißt du noch, du hast gefragt, ob ich bei Gewitter Angst habe.
Da waren die Ziegen weg und du hast gesagt, sie stehen im Stall.
Und gleich als du uns die Blumen gebracht hast, hab ich mich gefreut.
Weißt du noch, der Spiegel?
Und mit Napoleon!
Ich bin gerannt!
Es ist spät.
Du musst gehen.
Bis morgen.
♪ Fröhliche Musik ♪
♪ Musik endet ♪
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