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Wir sind bei Verity Crawford in ihrem Zuhause in Vermont,
das sie mit ihrem Ehemann und den Zwillingen teilt.
Superlative werden dieser Frau
nicht gerecht. Sie haben die Wahl:
ein Phänomen, eine Sensation, eine Ausnahmeerscheinung.
Manche würden sagen "Badass". Ich auch.
Sie gehören zu den meistverkauften Autorinnen
der Welt.
Lassen wir das kurz sacken.
- "Der Welt". - Ja.
Hatten Sie schon Zeit, zu verinnerlichen,
dass Ihren Liebsten,
so ein schönes Leben ermöglichen können?
Für mich ist das alles wie ein Wunder.
Aber man könnte auch sagen,
es ist ein Wunder, das auf Bösewichtern fußt.
VERITY – DUNKLE GEHEIMNISSE
EIN JAHR SPÄTER
BÜCHER SIND MAGIE
OFFENES ENDE LOWEN
"Kaum vorstellbar, dass jemand namens Louie Longsutter
gefährlich sein könnte."
"Doch wie er dort steht,
ein wenig zu nah am Rand der Veranda,
als hätte er schon lange auf mich gewartet,
lässt mich meine Entscheidung überdenken."
"Ich stelle mir einen Serienkiller namens Louie Longsutter vor."
"Es ist so absurd, dass ich lache,
aber als Frau,
die sich schon bald wochenlang isolieren wird,
fürchte ich, dass er eine Gefahr sein könnte."
"Ungebeten und unangenehm."
Tut mir leid.
Tut mir leid.
Hi, hi. Nein, ich bin im Buchladen.
Ja. Nein, passt gerade gut.
- Hey. - Hey. Wie lief's?
Ich will nicht darüber reden.
Wo warst du? Du wolltest hier sein.
Ich hätte das nicht verpasst ohne triftigen Grund.
Die Hachette Book Group hat angerufen.
Wollen dich treffen.
Wofür? Wer will mich treffen?
Das sagen sie nicht.
Es ist alles top secret.
Wann?
15:00 Uhr. Pünktlich. Ich treffe dich dort, okay?
Und zieh was Hübsches an.
Okay?
Warte, Corey.
Wow.
Menschen wie ich gehören in überfüllte Städte.
In meinem winzigen Heimatstädtchen
wusste jeder alles über jeden.
Aber hier bin ich unsichtbar.
Das gefällt mir.
Hey, passen Sie auf!
Oh, mein Gott! Oh, mein Gott!
- Radfahrer … - Den hat's erwischt.
Hey?
Das Auto kam aus dem Nichts.
Oh, mein Gott.
Oh, nein.
Es gab einen furchtbaren Unfall.
Ein Fahrradkurier wurde von einem Auto erfasst.
Sind Sie verletzt?
Sind Sie verletzt?
Ist es auf meinem Gesicht?
In dem Café da drüben ist 'ne Toilette. Okay?
Was machen Sie da auf der Männertoilette?
Wir haben's gleich.
Hier.
Ziehen Sie das an.
Danke.
Gern.
Ich kann nicht erkennen, ob Sie gefasst sind
oder unter Schock stehen.
Ich weiß nicht, was ich bin.
Bei Ihnen alles okay?
Ja.
Hab schon Schlimmeres gesehen. Leider.
Sind Sie Arzt?
Immobilienmakler.
Zumindest war ich es mal.
Was ist Ihnen passiert?
Wollen Sie es wirklich wissen?
Ich habe meine achtjährigen Tochter tot aus dem See gezogen. Letzten Frühling.
Das tut mir leid.
Tut mir sehr leid.
Meine Mutter ist letzte Woche gestorben.
Was hatte sie?
Krebs.
Ich habe sie gepflegt, in meiner Wohnung.
Da ist sie gestorben.
In meiner Wohnung. Starb sie. Sorry.
- Ich habe ein Meeting. Ich sollte … - Ja, habe ich auch.
Danke für Ihre Hilfe.
Natürlich.
Ich heiße übrigens Jeremy.
Lowen.
Gott.
Glückwunsch zum Bonus.
Danke.
- Hi. - Hi. Wie kann ich helfen?
- Amanda Thomas erwartet mich. - Ok.
Lowen.
Hi. Sorry, ich bin spät.
Bist du nicht. Du bist pünktlich.
Der Termin ist erst um halb vier,
aber ich wusste, du kommst zu spät. Wie immer. Also sagte ich drei.
Tut mir leid.
Sag das doch, dann wäre mir …
Was hast du denn an?
Das ist gerade Mode.
Corey. Lowen.
Ich bin Amandas Assistentin, Olivia.
- Danke. - Ich bringe Sie zum Konferenzraum.
Kommst du?
Oh, mein Gott.
Tut mir leid wegen deiner Mom.
Schon gut.
Kann ich mit dem Testament helfen? Edward kann mal drüber schauen.
Ich brauche keinen Anwalt.
Sie hat mir nur Schulden hinterlassen.
Showtime.
Bitte sehr.
Sie müssen Lowen Ashleigh sein.
Ich bin Amanda Thomas, leitende Lektorin hier bei Hachette.
- Lowen. - Freut mich.
- Corey. - Barron Stephens, unser Anwalt.
Und Jeremy Crawford, unser Klient.
Bitte, setzen Sie sich.
Ich komme gleich zur Sache.
Eine unserer Autorinnen
kann ihren Vertrag aufgrund
unerwarteter Umstände nicht erfüllen.
Wir suchen eine Schriftstellerin, die im gleichen Genre Erfahrung hat.
Sie braucht Unterstützung.
Sie müssten eine Vertraulichkeits- vereinbarung unterschreiben.
Die Lage unserer Autorin soll nicht öffentlich werden.
Danke sehr.
Danke, danke.
Verity Crawford ist ihr Name.
Ihre Bücher dürften Ihnen ja bekannt sein.
Verity hat eine extrem erfolgreiche Buchreihe,
Die Noblen Tugenden, und wir möchten, dass sie fortgesetzt wird.
Deshalb brauchen wir jemanden, der kurzfristig einspringen kann.
Und wann wäre die Abgabe?
- Wir sind in Verzug. - Ihre Frau?
Das nächste Buch ist in sechs Monaten geplant,
und die letzten beiden in 24 Monaten.
Drei Bücher.
75.000 Dollar pro Buch.
Was halten Sie davon, Lowen?
Ich bedanke mich für das Angebot.
Ich weiß nicht, ob ich für eine andere Autorin schreiben kann.
Ich bin …
Gerade für jemanden so Beliebten wie Verity Crawford.
Ihre Fans kennen ihren Stil zu gut.
Sie würden es sofort durchschauen.
Tut mir leid.
Ich rede kurz mit meiner Klientin. Okay?
Wir überlassen Ihnen den Raum.
Es gibt noch zwei Kandidatinnen. Melden Sie sich bis morgen Nachmittag?
Wir klären das. In Ordnung?
Danke.
Dürfte ich Sie unter vier Augen sprechen?
Was?
Ja, klar.
In Ordnung.
Wie Sie wünschen.
Alles in Ordnung?
Vor 20 Minuten haben Sie jemanden sterben sehen.
Sie auch.
Wie gesagt,
ich hab Schlimmeres gesehen.
Ich nehme an, Sie haben Fragen.
Allerdings.
Nur zu.
Gut, also zuerst,
waren Sie noch einkaufen
oder haben Sie immer ein Ersatzhemd bei sich?
Mein Hotel ist gleich um die Ecke.
Ich bin zurück und habe mich umgezogen.
Wieso schreibt Ihre Frau die Reihe nicht zu Ende?
Verity hatte einen Autounfall.
Das tut mir leid.
Offenes Ende.
Das war eines von Veritys Lieblingsbüchern letztes Jahr.
- Sie hat eins meiner Bücher gelesen? - Ja.
Sie sagte, Sie seien ein brillantes,
bislang unentdecktes Talent.
Nun ja, ich bin nicht unentdeckt.
Ich bin veröffentlicht,
nur nicht besonders groß.
Wenn jemand ihre Reihe übernehmen sollte,
dann jemand, dessen Arbeit sie respektiert.
Sie müssten eine Zeit lang vor Ort im Haus sein. In ihrem Büro.
Sie hat über Jahre Notizen und Entwürfe gesammelt.
Ich würde da nicht durchblicken.
Nebenbei, die wollen Sie billig abspeisen.
Sagen Sie Ihrem Agenten, er soll eine halbe Million fordern.
Wir wohnen in Vermont.
Bleiben Sie einfach, solange Sie brauchen.
- Überdenken Sie's noch mal. - Moment.
Haben Sie vorhin gewusst, wer ich bin?
Erst, als Sie Ihren Namen gesagt haben.
Es gibt nicht so viele Lowens.
Wenn Sie kommen, bringen Sie mein Hemd mit.
Verity, willkommen bei Call Her Daddy.
Wer steht nicht auf einen düsteren, verstörenden Thriller?
Womöglich nur mein Mann.
Findet er es schräg, dein Buch zu lesen,
und dann nachts neben dir zu schlafen?
Ich meine, deine Figuren sind ziemlich böse.
Ja, nun ja. Also …
Er hat sich schon gefragt, ob ich auch 'ne Soziopathin bin.
Ich glaube, er wollte sich versichern.
- Klar. Wer würde das nicht? - Nur, um … Weil …
Du weißt schon.
VERITY CRAWFORDS TOCHTER UNFALL SEE
BOOTSUNGLÜCK
… KOMMT IHRE TOCHTER UMS LEBEN
Ich hoffe, ich störe nicht.
Ich dachte, wir feiern deinen neuen Job.
Ziehst du um?
Ich halte es hier nicht mehr aus.
Die haben mir auch die Wohnung gekündigt, also …
Erledigt sich von selbst.
Na ja, vielleicht gönnst du dir von dem Deal ja
endlich mal einen Bezug für deinen Futon.
Also bitte, das ist kein Futon.
Das ist 'ne Matratze.
Stoßen wir an, ja?
Ich kann's nicht fassen,
dass du bei denen im Haus wohnst.
Sie hat endlos viel Material und Entwürfe gesammelt.
- Muss sortiert werden. - Du kennst sie nicht mal.
Ich sag ja nur, du musst vorsichtig sein.
Zum Wohl.
Zum Wohl.
Kennst du überhaupt eins ihrer Bücher?
Ich lese keine Bücher, die man am Flughafen kauft.
Ich hab Angst, dass es gut ist, und dann muss ich sie doch mögen.
Lass dich nicht von ihrem Erfolg täuschen.
Sie ist sehr, sehr finster.
So wie du.
Wie geht's Becca?
Wer ist Becca?
Man sieht euch überall auf Instagram.
Ist nichts Ernstes.
Sie sieht lieb aus.
Das solltest du schon ernst nehmen.
Also dann.
Ich freue mich für dich, Lowen.
Du verdienst das.
"Ich erreiche die Tür …
MUT VERITY CRAWFORD
stoße sie auf, ohne zu klopfen."
"Ich rieche das Blut, bevor ich es sehe."
"Lane ist nach vorn gesackt,
das Messer steckt unter seinem Kinn."
"Ein stetiger dunkelroter Strom sickert durch seine Knöchel
und läuft seinen Arm hinab."
"Er streckt seine Hand nach mir aus,
verzweifelt, nach Hilfe suchend."
"Ich komme ihm entgegen
und stoße die Klinge mit meiner Hand noch tiefer hinein."
"Ich sehe ihm direkt in die Augen."
"Ich will, dass er weiß, wie sehr ich das genieße."
Hey, du bist da.
Hi.
Ein wenig früh.
Tut mir leid.
Nein, nein, nein.
Völlig in Ordnung.
Ich habe dir von ihr erzählt, Buddy.
Ich bin Lowen. Wie heißt du?
- Ich bin Crew. - Hi, Crew.
Er ist sehr süß.
Er ist ein bisschen scheu.
Das ist okay.
Ich bin auch ein bisschen scheu.
Komm rein. Ich nehme deine Tasche.
- Danke. - Nichts zu danken.
Beeindruckend, oder?
Ist das ein Feld?
Das ist ein See.
Willst du dein Zimmer sehen?
Oder hast du Hunger? Hast du bestimmt.
Ist 'ne ziemlich lange Fahrt aus der Stadt.
Crew und ich essen Erdnussbutter-Brote und Äpfel, wenn du magst.
Wir könnten was zaubern.
Nicht für mich. Danke.
Ja?
Gut. Der Kühlschrank ist bis oben voll.
Wenn du was willst, bedien dich.
Darf ich zu Mami?
Na klar, Buddy. Aber frag erst Anna, ja?
Du bist im Hauptschlafzimmer.
Hoffe, das ist okay.
Wir schlafen jetzt alle oben.
So ist es am besten, gleich neben Veritys Arbeitszimmer.
Das ist gleich da hinten.
Gut.
Das Badezimmer ist deins.
Toilettenartikel müssten da sein. Sonst sag's mir,
dann besorgen wir, was fehlt.
Wow.
Danke.
Jupp.
Willst du erst mal kurz ankommen?
Oder soll ich dir gleich das Arbeitszimmer zeigen?
- Das Arbeitszimmer. - Gut.
Sie hat alles gesammelt. Auf dem Rechner,
in Kisten.
Leider ohne roten Faden.
Sie war nie sehr organisiert.
Wie die meisten Schriftsteller.
Wow.
Welches magst du am liebsten?
Ich habe nur das erste gelesen.
Ich bin nicht gern in ihrem Kopf.
Kann ich sie sehen?
Anna, das ist Lowen Ashleigh, die Schriftstellerin.
Hi, Crew.
- Hi. - Lowen,
das ist Anna, Veritys Betreuerin.
Hi. Freut mich.
Hallo, Lowen.
Freut mich auch.
Ich hielt Sie für älter.
Passt es gerade?
Wir wollten gerade spazieren gehen.
Verity, das ist Lowen Ashleigh.
Hi, Verity. Wie geht's Ihnen?
Wie geht's dir heute, Verity?
Es geht uns gut.
Wir haben die Medizin genommen und freuen uns auf die frische Luft.
Gut. Klingt nach einem entspannten Abend.
Wärst du gekommen, hättest du's gewusst?
Wir halten uns bedeckt.
Wegen der Medien.
Und wenn Hachette es rausfindet, das wäre …
Ich kann ihr unmöglich schreiben helfen.
Das kann ich nicht.
Verity war begeistert von deinem Stil.
Du bist die Einzige, die das machen kann.
Ich bin mir sicher.
JEREMY GEWIDMET, VON DEM ICH ALLES GELERNT HABE.
Sie stach zu. Er schrie, sie lachte.
"Spar dir das Flehen".
Sie wartete, bis er aufhörte zu atmen.
Kapitel für Kapitel voller Intrigen
und abgefuckter Figuren.
Richtig abgefuckte Figuren.
Aber im Innersten empfand sie keine Reue.
Am Ende bekommt jeder, was er verdient.
Alle ihre Bücher sind aus der Täterperspektive geschrieben.
Das ist neu für mich.
SEI'S DRUM
SEI'S DRUM VERITY CRAWFORD
"Persönliche Anmerkung."
"Was ich an Autobiografien am meisten verabscheue,
sind diese verlogenen Gedanken, die alle Sätze verschnörkeln."
"Wer die Dreistigkeit besitzt,
über sich selbst zu schreiben,
sollte auch den Mut haben, jede Schutzschicht abzulegen
zwischen der eigenen Seele und dem Buch."
"Die Worte
sollten direkt aus dem Bauch kommen,
und sich blutig durch Fleisch und Knochen
in die Befreiung kämpfen."
"Hässlich
und ehrlich,
und blutig
und ein wenig furchteinflößend."
"Aber vollkommen entblößt."
"Eine Autobiografie, die den Leser verleiten will,
den Autor zu mögen,
ist keine wirkliche Autobiografie."
"Niemand ist liebenswert
im Inneren."
"Nach einer Autobiografie bleibt
im besten Fall
ein gewisses Unbehagen
gegenüber dem Autor."
Und doch,
selbst nach meiner Warnung,
wirst du meine Worte weiter aufsaugen.
Denn
so bist du.
Menschlich,
neugierig.
Lies weiter.
"Aber merke dir eins."
"Es gibt kein Licht, wo wir hingehen."
"Kapitel eins."
"Ich denke oft daran, wie ich Jeremy traf und frage mich:
War mein Leid von Anfang an vorbestimmt,
oder ist mein tragisches Ende die Folge falscher Entscheidungen?"
"Ich würde nicht sagen, dass ich vor Jeremy verloren war,
aber gefunden hatte mich sicher auch noch niemand."
"Liebe war kein Thema für mich."
"Ich war nur auf ein unverbindliches Abenteuer aus."
"Und Jeremys Blick nach zu urteilen
würde ich heute groß abräumen."
Geben Sie ihr nur noch Wasser für den Rest des Abends.
Ich weiß selbst ganz gut, wenn ich zu viel getrunken habe.
Das glaube ich.
Noch einen, bitte.
Verzeihen Sie, Ma'am, aber ich darf Ihnen nur Wasser geben.
Soll das witzig sein?
Ich beobachte Sie. Seit ich reingekommen bin.
Sie hatten drei Drinks in 45 Minuten
und wenn Sie so weitermachen, würde ich mich unwohl fühlen,
Sie zu bitten, mit mir zu gehen.
Diese Entscheidung sollten Sie nüchtern treffen.
Ich nehme ein Wasser.
Machen Sie zwei draus.
"Wir spielten beide mit dem Feuer, aber so ist das mit der Liebe."
"Sie erwischt dich kalt."
Wie lange bleibt uns?
Wo ist dein Fahrer?
Keine Ahnung.
Das ist nicht mein Auto.
Wie bitte?
Ich fahre 'nen Honda Civic.
Hey!
Was macht ihr in meiner Limo?
Komm, wir müssen los!
"Wir waren im Nu süchtig."
"Junkies."
"Ich war seine Droge."
- Danke! War nett! - "Und er war meine."
- Oh, mein Gott! - "Bis er das eine entdeckte,
das ihm mehr bedeutete als ich."
Es ist laut. Ich weiß.
Hast mich erschreckt.
War keine Absicht. Das ist Veritys Krankenhausbett, es …
Ich kann's abschalten.
Nein, schon gut.
Es ist zeitgesteuert, damit sie keine Druckstellen bekommt.
Es ist sehr spät.
Hast du Hunger?
Anna kocht sonst immer was vor,
aber ich bin unschlagbar darin,
Pizza aufzuwärmen, also …
Wow.
- Danke. - Guten Hunger.
Wie läuft die Ausgrabung?
Du hattest recht. Es ist sehr viel.
Ja.
Sie hat dauernd Notizen gemacht.
Ich weiß noch das eine Mal, da waren wir im Zoo und …
sie hatte kein Papier, also nahm sie 'nen Stift
und schrieb die Namen der Figuren auf Drews Windeln.
Wie seid ihr euch begegnet?
Das war auf einer Party.
Sie trug das umwerfendste Kleid, das ich je gesehen hatte.
Wir sind zusammen los.
Und als wir rauskamen,
stand da eine Limo, ich hab die Tür aufgemacht,
und sie ist eingestiegen.
Fahrer kam und ich musste zugeben, dass die Limo nicht meine ist.
"Eines Nachts schlug er vor, dass ich bei ihm einziehe,
mitten beim Sex."
"Das macht er gelegentlich."
"Trifft große Lebensentscheidungen,
während er mich vögelt."
Zieh bei mir ein.
Kündige deine Wohnung.
Ich lehnte mich nach vorn
und biss hinein, um meine Schreie zu ersticken.
"Damit war alles gesagt."
"Ich war so glücklich wie nie zuvor."
"Aber als Jeremy beruflich in eine andere Stadt versetzt wurde,
dachte ich, ich würde das nicht überstehen."
"Da wurde ich zur Schriftstellerin."
"Meine Gedanken drehten sich den ganzen Tag nur um Jeremy,
und wenn ich sie bis zu seiner Rückkehr
nicht auf etwas anderes lenken konnte,
fürchtete ich,
man würde mir anmerken, wie sehr mich sein Fehlen quält."
"In den Monaten, in denen er weg war, schrieb ich einen ganzen Roman."
"Ich erfand einen fiktiven Jeremy und nannte ihn Lane."
"Nicht in meinen wildesten Träumen
hätte ich ahnen können, wohin das führen würde."
"Als Jeremy nach Hause kam,
war es mitten in der Nacht."
- Verity. - "Ich schlief."
- Wach auf. Wach auf. - Hi. Was?
Hey.
Ich habe dein Manuskript gelesen.
Was?
Nein.
Jeremy, nein.
Ich hab dir … Du hast es versprochen.
- Ich musste einfach. - Wie konntest du?
Es ist gut.
Was?
Es ist richtig gut.
Sag das noch mal.
Du bist einfach genial.
"Erstmals wusste ich, wie es sich anfühlt,
wenn Leser das mögen, was ich geschaffen habe."
"Dieser eine Satz,
dieser eine liebevolle
einfache Satz
hat mir so viel bedeutet."
Du hast mich gebissen.
Du hast es verdient.
Heirate mich, Verity.
Warum?
Weil ich dein größter Fan bin.
Okay.
Danke.
Vor uns die Dunkelheit.
"Da war noch etwas, und ein Paar Schuhe,
daneben ein Koffer und ein alter Teppich."
"Hatte Grace diesem Mann gestattet, seine Sachen hier abzustellen,
dann würde sie noch heute Nacht gehen. Es wurde ernst."
Ich bin gleich wieder da.
So, Crew wartet unten. Hausaufgaben sind erledigt.
Wollen wir reingehen? Ja?
Sie ist katatonisch, sie kann nicht gehen, sich nicht bewegen.
Und dann …
Heute Morgen hab ich sie beobachtet,
und sie hat sich auf einmal umgedreht und mich direkt angesehen.
Du hast doch gesagt, sie kann das nicht.
Ich weiß, ich weiß.
Kann sie nicht. Ich drehe hier langsam durch.
Lowen, du machst gerade viel mit.
Du hast viel zu bewältigen.
Du trauerst, du bist gestresst.
Lass dich nicht ablenken, okay?
Tu einfach nur, wozu du da bist.
Und dann sieh zu, dass du da abhaust, okay?
Ja, okay.
- Noch mal! - Nein, nein, nein.
- Genau hier. - Nicht da drüben?
- Hier, oder? - Okay.
- Nein? - Mach ihn da hin.
Na gut. Oh, nein, das hast du nicht getan.
- Doch! - Nein, nein, nein!
- Hey. - Hi.
Warst du den ganzen Tag drin?
Kommst du gut voran?
Ja.
Ich arbeite mich langsam durch.
Gut.
Und was machst du? Einen großen Holzhaufen?
Da oben steht ein maroder Schuppen.
Crew ist der Vorarbeiter.
Cool.
Ein großer Holzhaufen. Ja.
Lowen?
Hi.
Ich fahre kurz einkaufen.
Okay.
Verity schläft gerade.
Okay.
Juhu.
Hi, Crew.
Hi.
Ich mache gerade eine Pause vom Arbeiten.
Darf ich mit dir spielen?
Ich helfe meinem Papa.
Okay.
Wir spielen ein andermal.
Okay.
"Es war ungefähr im dritten Monat,
ein paar Wochen nachdem ich wusste, dass ich schwanger war,
als ich den Unterschied bemerkte."
"Meine Hände lagen auf meinem Bauch,
und ich spürte etwas Fremdes."
"Es war ekelhaft."
Wow.
Sieh dich an.
Unglaublich, dass wir Zwillinge bekommen.
Stehst du noch auf mich?
Du bist schöner als du jemals warst.
Ich steh so was von auf dich.
"Es war nur 'ne Lüge, um mich aufzumuntern,
aber ich war trotzdem dankbar."
"Ich drückte seine Hände,
als er mich zu sich umdrehte."
"Dann küsste er mich und hob mich auf den Waschtisch,
und drückte sich zwischen meine Beine."
"Ich war splitternackt."
"Zwischen uns war nur seine Hose
und der groteske Bauchansatz, den ich noch immer krampfhaft einzog."
"Im sechsten Monat
dachte ich, ich würde platzen."
Da ist jemand hungrig.
Nein, bin ich nicht.
Nicht du. Die beiden.
Hast du das gespürt?
Ja.
Jeremy?
Ja?
Hast du die beiden lieb?
Ich liebe sie über alles.
Mehr als mich?
Anders als dich.
Anders, ja.
Aber das ist doch so, oder?
Hast du ein schlechtes Gewissen, weil du sie mehr liebst als mich?
Das musst du nicht.
Du sollst sie mehr lieben als mich.
Wir lieben einander nicht bedingungslos, aber sie schon.
Meine Liebe zu dir ist bedingungslos.
Ja, Schatz. Meine Liebe zu dir ja auch.
Das meinte ich doch.
"Manchmal wünschte ich mir, ich wäre nie schwanger geworden."
"Ich träumte davon, dass ich ohne Kinder
wieder seine Nummer Eins sein würde."
"Aber es gab kein Zurück mehr."
"Jeremy wollte sie
und damit war die Sache entschieden."
Bereit für den nächsten Chicken Wing?
Ja, bereit. Danke.
- Auf dich. - Auf dich.
Deine gemütliche Wohnung in Chelsea, in der dein erstes Buch entstand,
diente die als Vorlage?
Da wurden wir zur Familie.
Und dort hat meine Karriere als Schriftstellerin begonnen.
Ich erzähle meinen Kindern Geschichten,
und dann ziehe ich mich, wie gesagt, in meinen Bau zurück,
und terrorisiere den Rest der Welt.
"Ich hasse mich dafür, dass ich dachte, ich kriege das hin,
und dass alles in Ordnung wäre."
VERITY CRAWFORD HAUT ALLE UM
AMANDA UND DAS TEAM VON HACHETTE
"Nichts war in Ordnung."
"Crew war einigermaßen ruhig,
aber Harper schrie
ununterbrochen."
"Als wollte sie mich bestrafen."
"Mir sagen, ich sei eine schlechte Mutter. Ich war mir so sicher."
- Bin bald zurück. - "Als Jeremy wieder arbeitete,
hatte ich Panik, mit ihnen allein zu sein."
- Bis später. - Tschüss.
"Wir konnten uns kein Kindermädchen leisten."
"Der Vorschuss für mein erstes Buch war zu gering."
"Aber rückblickend
war seine Arbeit das Beste, was mir passieren konnte."
"Um sieben musste er los."
"Ich tat so, als würde ich mich um die Zwillinge kümmern."
"Dann legte ich sie in ihre Bettchen,
steckte alles aus und legte mich wieder schlafen."
"So viel hatte ich noch nie in meinem ganzen Leben geschlafen."
"Wenn er zur Tür reinkam, waren die Babys friedlich."
"Aus der Küche roch es nach Abendessen,
und er war beeindruckt, wie mühelos ich alles im Griff hatte."
"Die Zwillinge schliefen die Nächte durch,
erschöpft von dem ganzen Geschrei tagsüber."
"Wahrscheinlich tat es ihnen gut."
"Das Beste war,
ich konnte nachts schreiben, während alle schliefen."
"Nur im Schlafzimmer war noch Luft nach oben."
"Es hatte etwas von Entzugserscheinungen."
"Jeremy hat mich nicht mehr vergöttert, mich nicht mehr geliebt."
"Nach der Geburt der Zwillinge
war Jeremy fixiert auf den plötzlichen Kindstod."
"Er las alles darüber."
"Und ich musste mir das dauernd anhören."
"Am faszinierendsten fand ich,
wie schwer man plötzlichen Kindstod und Ersticken auseinanderhalten kann."
Hey.
Hey.
Wie geht es ihr?
Prächtig.
- Und Crew? - Ich sehe gleich nach ihm.
Wie ist das da reingekommen?
Hab ich das vergessen, als ich sie hingelegt habe?
Ist schon gut.
Schon gut.
"Ich muss diese Hölle akzeptieren,
in der ich diese Kinder großziehe
und bis an ihr Lebensende tue, als würde ich sie lieben."
Suchst du was Bestimmtes?
Habt ihr irgendwo Alkohol im Haus?
Ja.
Danke schön.
Gern.
Ist irgendwas?
Deine Frau …
Sie hat so …
Ihre Bücher stressen mich.
Und doch schreibst du
im selben Genre.
Ja, na ja. Meine eigenen Bücher, manchmal
stressen die mich auch.
Schon mal Liebesromane versucht?
Ja, gar keine blöde Idee.
Du hast nichts gegessen. Das ist noch warm.
Okay. Ich sollte was essen.
Gut.
- Danke. - Bitte.
Kann ich dich was fragen?
Ja, klar.
Sag einfach, wenn ich zu neugierig bin.
Aber
besteht die Möglichkeit,
dass Verity wieder vollständig gesund wird?
Nein.
Die Ärzte glauben nicht, dass sie je wieder sprechen oder gehen wird.
Also ist sie paralysiert.
Ihr Rückenmark wurde nicht verletzt,
aber im Kopf ist sie …
Sie hat einfache Reflexe.
Sie kann essen,
trinken und blinzeln,
und sich etwas bewegen.
Aber nichts davon willentlich.
Wir hoffen, dass sie mit ständiger Therapie
noch ein paar Fortschritte macht.
Aber wer weiß.
Papa?
Hey, Buddy. Was gibt's?
- Bereit fürs Bett. - Okay, ja.
Zähne geputzt?
- Jupp. - Oh, gut. Lass mal riechen.
Sagen wir Mami gute Nacht.
Gute Nacht, Lowen.
Gute Nacht.
Das ist Harper.
Wie war sie so?
Sie war …
Sie war wunderbar.
Verity hat sie nicht so gesehen wie ich.
Sie konnte nicht gut ihre Gefühle ausdrücken.
Aber ich konnte ihr jeden Wunsch ablesen, weißt du?
Ich wusste, wie sie tickt.
Was sie glücklich macht, oder traurig.
Auch wenn es ihr schwerfiel,
ihre Gefühlswelt offen zu zeigen.
Aber sie war
wunderbar.
Standen sie sich nah, Harper und Crew?
Ja.
Sehr sogar.
Er
hat nicht mal nach ihr gefragt.
Nicht einmal.
Hat ihren Namen nicht mal erwähnt.
Er war in Therapie für ein paar Monate,
aber ich hatte Angst, dass ihn das jede Woche wieder daran erinnert.
Also haben wir abgebrochen.
Ich bringe ihn wieder hin,
wenn ich sehe, dass er Hilfe braucht,
und stelle sicher, dass es ihm gutgeht.
Und du?
Was ist mit mir?
Wie geht es dir?
Mir geht's gut.
Papa.
Ja, Buddy.
Ich kann nicht schlafen.
Ist gut, ich komme.
Wie wär's mit Apfelkompott?
Hier.
Hi, Lowen. Wie weit sind Sie inzwischen?
Unser Marketing-Team plant eine Ankündigung.
Aber nicht, bevor wir zugestimmt haben, richtig?
Ja, natürlich. Wir brauchen nur etwas Vorlauf.
KAPITEL 1 DER EINSTIEG
Lowen schreibt ziemlich schnell.
Stimmt's, Low?
Ja. Ja, das bekomme ich hin.
KAPITEL 11 DER TEST
KAPITEL 12 DIE JAGD
KAPITEL 13 DER UNERWARTETE VERBÜNDETE
KAPITEL 6: DER MENTOR KAPITEL 7: DER ERSTE VERRAT
Ich bin jetzt fast durch mit den Notizen.
Ich denke, ich kann bald anfangen zu schreiben.
Ich reise dann ab, in den nächsten Tagen.
Ja?
Ja.
Danke, dass ich hier wohnen durfte.
Klar. Ich wünschte, du wärst länger geblieben.
Ich habe dich ja kaum kennengelernt.
Was möchtest du denn wissen?
Wann ist dein Geburtstag?
Oh, Gott.
Was? Ist das so komisch?
Mein Geburtstag war gestern.
Hör doch auf.
Im Ernst?
Du lügst doch.
Ich lüge nicht.
Das müssen wir ja wohl feiern.
- Nein. - Doch.
Es gibt hier ein Restaurant.
Es ist das beste bayrische Restaurant in ganz Vermont.
Mit Abstand.
Ihr Wiener Schnitzel ist fantastisch.
Wow.
Das klingt unwiderstehlich.
Ich bin nur niemand, der gerne feiert.
Oh, okay.
Könnte Spaß machen.
Wir könnten uns schick machen, guten Wein bestellen.
Ich hab nichts dabei für besondere Anlässe.
Bei Verity findest du bestimmt was Schickes im Schrank.
Mal sehen …
- Da drüben. - Nein, nein, nein.
- Der ist es nicht. - Mach kein Theater, bitte.
- Du hast den falschen. - Der passt nicht.
Hi.
Hi.
Hi.
Hey, Lo. Willst du 'n Witz hören?
Ja, unbedingt.
Wofür steht E.T.?
Sag's mir.
Für kurze Beine.
Für kurze Beine.
Der war gut.
Äh, klopf, klopf.
- Wer ist da? - Die ungeduldige Kuh.
- Die ungedul … - Muh!
Ein neuer für deine Sammlung!
Ein neuer für deine Sammlung!
Anna, wir gehen jetzt.
- Komme. Okay. - Wir sehen uns später.
Oder eher morgen früh, okay?
- Sei lieb zu Anna, ja? - Okay. Hab dich lieb.
Gut. Ich hab dich auch lieb.
Okay. Und wie läuft das bei dir ab?
- Wie läuft was ab? - Na ja.
Ihr habt doch alle euren Schreibprozess. Wie ist deiner?
Oh, Gott.
Also,
ich fange an zu schreiben,
und dann hasse ich jedes Wort,
aber ich schreibe weiter.
Und dann bringe ich das Buch zu Ende
und tu so, als wäre ich zufrieden.
Klingt sehr gesund.
Ja, ist der Knaller.
Gut, eine Frage noch.
Findest du das hier scheiße?
Macht's dir gar keinen Spaß?
Doch, macht es. Sehe ich nicht so aus, als hätte ich Spaß?
Schwer zu sagen von deinem …
Mein Gesichtsausdruck.
Ich seh immer gelangweilt aus.
Das höre ich oft.
Aber ich fühle mich sehr wohl. Versprochen.
Das ist wirklich mit Abstand das beste
bayrische Restaurant, in dem ich je war.
Sag ich doch. Das Beste.
Die Lederhosen runden es echt ab.
Ich fühle mich etwas overdressed.
Nein, das ist
wie deutsche Abendgarderobe.
Darf ich dich noch was fragen?
Ja.
Findest du, Crew sollte wieder zur Therapie?
Ja. Definitiv.
Warst du schon mal in Therapie?
Ja.
Es war das Beste, was mir je passiert ist.
Ich war als Kind ziemlich verstört,
und der Therapeut hat mir geholfen
zu verstehen, dass ich kein Problemfall war.
Und wenn du das jahrelang hörst, na ja, dann …
dann fängst du irgendwann an, es selbst zu glauben.
Aber es hat geholfen.
Ist deine Mutter mit dir hingegangen?
Nein.
Nein.
Wir waren uns nie sehr nah.
Sie erinnert mich sogar sehr an …
An wen?
Die Hauptfiguren in Veritys Büchern.
Und das gefällt dir nicht?
Du hast sie echt nicht gelesen?
Nur das erste.
Wieso?
Ich konnte nicht fassen,
dass das alles ihrer Fantasie entsprungen war.
Sie wurde immer richtig wütend,
wenn ich ihre Manuskripte nicht gelesen habe.
Sie brauchte meine Bestätigung,
obwohl die ganze Welt sie schon bestätigte.
Sei's drum.
Woher kommt deine Bestätigung?
Nirgends.
Meine Bücher sind kein Erfolg.
Klar, ich bekomme schon auch mal eine gute Kritik,
hier und da.
Aber es hat mir noch nie jemand ins Gesicht gesagt:
"Deine Bücher bedeuten mir etwas, Lowen."
Das stelle ich mir schön vor.
Ich muss dir etwas sagen.
Ich habe dich belogen.
Worüber hast du gelogen?
Veirty hat dein Buch nicht gelesen.
Warum hast du es dann gesagt?
Ich hab dein Buch gelesen.
Und es war
phänomenal.
Und es tut mir leid, aber ich …
Ich wusste, dass es von mir längst nicht so viel
bedeutet hätte wie von Verity.
Und ich wollte unbedingt, dass es dir etwas bedeutet.
Anders gesagt,
deine Bücher bedeuten mir etwas, Lowen.
Danke schön.
Gerne.
Was hast du dir gewünscht?
Sag ich nicht.
Weißt du, was diesen Cupcake so verdammt lecker macht?
Sag's mir.
Vanillepudding.
Pudding?
- Schmeckt toll. - Ja?
Sag ich doch.
Du hast da
Zuckerguss.
Wo?
Genau da.
Fuck.
Verity?
Verity!
Verity! Oh, mein Gott.
Sie stand gerade dort.
Sorry, der Kuss war daneben.
Gott!
- Oh, Gott. - Tut mir leid.
Nein, ich hab sie gesehen.
Sie kann nicht gehen, Lowen.
Sie stand genau da. Sie stand da drüben.
Sie stand genau da.
Deine verfickte Frau stand da drüben, Jeremy!
Ich habe sie gesehen!
Hey.
Also, es ist niemand im Haus.
Anna ist schon los.
Crew schläft tief und fest.
Und
es war definitiv nicht Verity.
Ich habe nachgesehen.
Vertrau mir.
Das ist meine Schuld.
Du hast nonstop gearbeitet,
du bist erschöpft,
und dann hab ich …
dich geküsst … Weißt du, wir … Ich glaube …
Ja, du hast recht. Stimmt.
Ist wahrscheinlich Paranoia, ein schlechtes Gewissen.
Dieser Ort macht einen verrückt.
Jeremy, du bist gefangen in deinem eigenen Haus.
Crew ist gefangen.
Er muss hier raus.
Du musst wieder arbeiten.
Nimm dir Auszeiten, Jeremy.
Du darfst auch mal an dich selbst denken.
Du verdienst es, ein Leben zu haben,
in dem es auch Momente gibt, in denen sich nicht alles um sie dreht,
sondern in denen es um dich geht und das, was du willst.
- Was ich will? - Ja.
Was willst du?
Dich.
Ich will dich, Lowen.
Wiederhol das.
Ich will dich.
Als Harper starb, dachten alle,
es sei ein tragischer Unfall gewesen.
Aber das ist nicht das, was passiert ist.
Die orangefarbenen sind so schön.
Misch Rot und Blau, dann bekommst du Lila.
Wann kommst du zurück aus Boston?
Nicht sehr spät.
Papa, du wolltest doch mit uns Kanu fahren.
Schätzchen.
Mami macht das.
Juhu!
Okay? Fährst du mit ihnen raus?
Juhu!
Ich will ins Wasser.
Würde euch das glücklich machen?
- Ja! - Ja!
Prima! Erzählt mir alles, wenn ich zurück bin.
Ich bin um … Was ist das?
Das ist für dich.
Nein, wirklich?
Ist voll schön, oder?
Ja, so schön.
Es ist ein Wal.
Lieb dich ganz doll, Harper.
Lieb dich, Crew.
- Macht Mami keinen Ärger, ja? - Okay.
Tschüss.
Tschüss.
Bis dann.
Du malst immer so schön.
Das ist blau, wie der See draußen.
Ich brauch das.
- Nein! - Ich brauche es aber!
"Jeremy war beruflich in Boston."
"Ich bin mit den Kindern im Kanu rausgefahren."
"Harper saß vorne im Boot."
"Crew war in der Mitte."
"Wir hatten alle keine Schwimmwesten an."
"Dann habe ich mein ganzes Gewicht verlagert,
und das Boot ist gekentert."
VERITY CRAWFORDS TOCHTER KANU-UNFALL
TOCHTER VON AUTORIN ERTRINKT
… vor dem Haus in Vermont, als das Kanu kenterte.
Der Tod der Tochter wurde als Unfall eingestuft.
Lowen.
Ich gehe jetzt.
Verity sieht fern.
Okay.
Schönen Abend, Lowen.
Hi, Crew.
Hi.
Was machst du da?
Ich spiel nur ein Spiel auf meinem iPad.
Darf ich dich was fragen, Crew?
Ja.
Hattet ihr mal ein Kanu?
Ja.
Erinnerst du dich noch, als du im Kanu warst mit Mami und Harper?
Crew, wie ist das Kanu umgekippt?
Mami hat gesagt, ich soll nicht mit dir reden,
wenn du mir Fragen über sie stellst.
Deine Mami redet mit dir?
Crew?
Stellt sich deine Mami nur stumm?
Jeremy!
Was ist passiert?
Er hat ins Messer gebissen. Ich …
Soll ich mitkommen?
Nein, könnte dauern in der Notaufnahme.
Jemand muss bei Verity bleiben.
Ich weiß, was Harper passiert ist.
Wie konntest du das tun?
Wie kannst du so grausam sein?
Sag etwas.
Du tust doch nur so.
Ich weiß, dass du nur so tust!
Sag etwas.
Sag etwas.
Du hast dieses Leben.
Du hast dieses
perfekte Leben und …
Du hast alles, was man sich nur
wünschen kann.
Was ich mir wünsche.
Und du verdienst es nicht.
Und ich werde es dir wegnehmen.
Alles.
Dein Haus.
Deine Karriere.
Deinen Mann.
Tu nur weiter so, als würdest du mich nicht hören und sehen.
Trau dich nur.
Du verdienst es zu verrotten, in deinem lächerlichen Roboter-Bett.
Du egoistische, machiavellistische Fotze.
Crew hat es tatsächlich geschafft.
Wusste nicht, dass er schwimmen kann.
"Die Polizei nahm meine Aussage auf. Zweimal. Das ist ihr Job."
Harper hat sich über den Rand des Kanus gelehnt.
"Die Fragen waren einfach. Leicht zu beantworten."
Da ist es umgekippt.
Wir sind alle untergegangen, aber Harp …
Harper ist nicht mehr hochgekommen.
Ich hab versucht, sie zu finden.
Aber ich bekam keine Luft mehr, und ich musste Crew retten.
"Ich war so überzeugend,
dass ihnen weitere Fragen unangenehm waren."
"Jeremy war am Boden zerstört."
"Aber ich dachte, das geht vorbei
und er würde endlich wieder mir gehören."
"Das Absurde war,
dass ich sofort wieder anfing zu schreiben."
"Die Worte strömten nur so aus mir heraus."
"Aber Jeremy war so ein Jammerlappen,
und kein Ende in Sicht."
"Es fühlt sich an, als gäbe es nicht mehr viel zu erzählen."
"Keine nennenswerte Zukunft."
Ich geh ein bisschen raus.
"Keine gutzumachende Vergangenheit."
"Seit Harpers Tod ist er so ein Langweiler geworden,
dass ich wünschte, ich hätte sie nicht getötet."
"Wenn dem so ist,
sei's drum."
"Dann fahre ich einfach mein Auto gegen einen Baum."
"Das Ende."
Hey.
Hi.
Wie geht's Crew?
Sechs Stiche und haufenweise Schmerzmittel.
Aber er wird wieder.
Er ist erst mal ausgeknockt.
Der Arme.
Wenn's stürmt, fällt der Strom ständig aus.
Ich geh duschen, solang es noch geht. Ich …
bin voller getrocknetem Blut.
Das wird langsam unser Ding, voller Blut zu sein.
Warum hast du das?
Warum ist eine Kamera in Veritys Zimmer?
Hör zu, wir …
Wir müssen reden.
Deine Frau ist nicht die,
für die du sie hältst.
Ist sie nicht.
Sie belügt dich, seit du ihr begegnet bist.
Lowen.
Crew hat gesagt, sie rede mit ihm.
Sie ist hilflos, Lowen!
Du hast viel Fantasie,
- weißt du, was du sagst? - Gott, Jeremy!
Sie hat Harper getötet!
Was?
Sie hat Harper getötet.
Ich kann's beweisen.
Hier.
Lies das.
Lies es.
Das ist ein Geständnis.
Veritys Geständnis.
War auf einem USB-Stick.
Da steht alles drin. Du musst die Wahrheit erfahren.
Ich bin mit den Kindern im Kanu rausgefahren.
Wir hatten alle keine Schwimmwesten an.
Sie hat Harper getötet.
Dann habe ich mein ganzes Gewicht verlagert.
Sie ist eine Lügnerin.
Crew hat es tatsächlich geschafft.
Harper hat es nicht geschafft.
Siehst du?
Wo gehst du hin?
Scheiße.
Verity.
Wenn ich durch diese Tür gehe,
bringe ich dein Manuskript
direkt zur Polizei,
und du landest im Knast,
und du wirst Crew und mich nie wiedersehen.
Außer du sagst mir ganz genau,
was in diesem Haus vor sich geht.
Bitte, bitte.
Bitte.
Lass mich das erklären.
Verdammte Scheiße, Verity!
Jeremy.
Es ging nicht anders.
Die ganze Zeit über warst du nur …
Was?
Bitte tu mir nicht weh. Bitte.
Dir nicht wehtun?
Du hast unsere Tochter ermordet!
Scheiße!
Jeremy!
Jeremy!
Jeremy!
Nicht! Halt! Herrgott, Jeremy! Hör auf!
Hör auf!
Nicht! Ihre Luftröhre!
Hör auf, Jeremy!
Sie hat Harper ermordet!
Denk an Crew!
Er wird weder 'ne Mutter haben noch einen Vater, wenn du das tust!
Sie werden wissen, dass du sie getötet hast.
Es muss so aussehen wie einen Unfall.
Nein.
Nein!
Nein!
Drück Nase und Mund zu, bis sie nicht atmet.
Nein! Nein!
Hinterlass keine Spuren.
Nein! Nein!
Hey.
Ist gut. Alles gut.
Alles gut.
Wir denken uns eine Geschichte aus.
Wir erfinden eine Geschichte,
und die Wahrheit bleibt unter uns.
Das bleibt unter uns, für immer.
Okay.
Wir hatten keine Wahl.
Wir sind gute Menschen.
Alles gut.
Alles gut.
Es war erledigt.
Wir konnten es nicht mehr ungeschehen machen.
Verity hatte keine Macht mehr über uns.
Ihr brutale Manipulation konnte uns nichts mehr anhaben,
und ebenso wenig Crew.
Hatten Sie letzte Nacht Kontakt mit Verity?
Nein, ich habe gearbeitet. Im Büro.
Ich wurde engagiert, um ihr beim Schreiben zu helfen.
Dann bin ich ins Bett, ziemlich früh.
Ich glaube, so um zehn.
Haben Sie was gehört? Wissen Sie, wann sie hätte raus können?
Nein, nein.
Sie war ja bettlägerig, wissen Sie.
- Manchmal ist sie … - Wenn sie aufstand,
muss sie sehr verwirrt gewesen sein.
Ich hab nur Angst, dass sie verstört war oder in Sorge,
und nach Harper gesucht hat,
- oder so. - Fällt Ihnen
sonst noch was zu letzter Nacht ein?
Irgendwas Hilfreiches?
Nein.
Es tut mir leid. Ich wünschte, ich könnte mehr beitragen.
Gut. Danke.
Eine Sache muss ich Sie noch fragen.
Was?
Haben Sie und Verity vielleicht
zusammen am neuen Band Noble Tugenden geschrieben?
Schon möglich.
Tut mir leid.
Ich bin ein großer Fan.
Ich warte schon so lange drauf.
Keine Sorge.
Das wird der beste Band von allen.
Stark.
BESTSELLERAUTORIN IN SEE IN VERMONT GEFUNDEN
Ihre Ärzte gehen davon aus, dass sie vom Steg gefallen ist.
Der Vorfall wurde als Unfall eingestuft.
SIEBEN MONATE SPÄTER
Hallo, Jungs.
- Hallo? - Guten Morgen, Sonnenschein.
Fröhlichen Umzug!
Danke.
Bin eben angekommen. Hi.
Jeremy und Crew sind auch startklar.
Ich hole sie gerade ab.
Hachette hat das nächste Buch abgesegnet.
Das heißt, du kannst loslegen.
Oh, wunderbar.
Aber sei so gut und frag sie nach einer Verlängerung.
Fragen kostet nichts.
Gut.
Wir hören uns dann.
Gott, hast du mir gefehlt.
- Hi. - Hi.
- Ich hab was dabei. - Was?
- Eine Überraschung! - Okay.
- Augen zu. - Was ist es?
- Augen zu. Zumachen. - Augen zu? Okay.
Hände ausstrecken. Halte sie genau so.
- Nicht bewegen. - Okay.
- Also. - Bleib ich so?
- Ja. - Gut.
- Ich weiß. - Fantastisch!
Ist ein Vorabdruck.
Du hast ihn als Erster.
Ich kann's kaum erwarten.
- Das bin ich. - Ja.
Ja.
Bin so stolz. Du hast es geschafft.
Ich und du.
Lolo!
Hi!
Hey. Hey, hey.
Deine kleine Schwester.
- Alles gut. - Ich weiß. Ich weiß.
Hi.
Schön, dich zu sehen. Hab dich vermisst.
Bist du gespannt aufs nächste Abenteuer?
Ist echt 'ne lange Fahrt bis nach Southport, North Carolina.
- Juhu! - Juhu!
Gut, los geht's!
- Sagst du deinem Zimmer noch tschüss? - Oh, meine Bilder!
Welche Bilder?
Crew!
- Buh! - Oh, Gott!
Erschrick mich nicht so.
Was hast du da?
Meine Bilder. Guck.
Wo hast du die her?
Aus meinem Geheimversteck.
Ich sag nicht, wo es ist.
Du musst es mir aber sagen.
Sonst kitzle ich dich.
Geh du doch schon mal raus, ja?
Ich komme gleich. Dann fahren wir, okay?
"Lieber Jeremy,
wenn du diesen Brief liest, heißt das, dass Crew und ich in Sicherheit sind."
"So sehr ich versuche zu verdrängen, wie alles schieflief,
lässt mich mein verfluchtes Gedächtnis
nichts vergessen, kein einziges Detail."
"Es war beim Abendessen mit Amanda."
"Wir sprachen über meinen nächsten Roman."
"Da warst du bestimmt längst ausgestiegen,
Schriftstellergespräche haben dich schon immer gelangweilt."
"Aber da sagte sie mir,
ich solle eine Übung versuchen, namens Antagonistisches Tagebuchschreiben."
Diese Schreibübung hilft dir beim Eintauchen
in die Gedankenwelt einer bösen Figur.
Du fängst erst mal an, Tagebuch zu schreiben,
aber du schreibst das genaue Gegenteil von dem,
was du an dem Tag gedacht hast.
Das Gegenteil von dem, wer du bist.
Probier's aus. Schreib über deinen Alltag
und gib dem Ganzen einen düsteren Ton.
Als wäre ich böse, verdorben und selbstsüchtig?
Klar.
Schnall dich gut an.
"Es klang banal, harmlos."
"Ich wurde besser darin,
mich in den Kopf eines Schurken zu versetzen."
"Es war elektrisierend, und es hat geholfen."
"Es half mir immens dabei,
für meine Bücher solch realistische,
furchteinflößende Figuren zu entwickeln."
"Deshalb haben sie sich verkauft,
weil ich darin so verdammt gut war."
"Nach Harpers Tod
bin ich in ein tiefes Loch gefallen."
"Ich tat alles, nur um es irgendwie durch den Tag zu schaffen."
"Ich versuchte, meine Texte noch härter,
noch brutaler zu machen."
… am meisten hasste ich die Kotze.
"Dann kam dieser eine Tag,
an dem ich die Datei am Rechner offenließ,
und du hast sie gelesen."
Oh, mein Gott.
SEI'S DRUM KAPITEL EINS
"Es war nur eine Schreibübung."
"Es war nicht echt."
"Du hattest schon so lange nichts mehr von mir gelesen."
"Nach all den Ehejahren, wie konntest du
auch nur eine Sekunde glauben, dass das Manuskript wahr ist?"
"Im Ernst, Jeremy!"
"Kennst du mich überhaupt?"
"Alle Erinnerungen von uns als Familie
wurden mit jedem Wort aus dem Manuskript ausgelöscht. Weg."
"In dir war nur noch Hass."
"Den Ausdruck in deinem Gesicht werde ich nie vergessen."
"Ich sah in dir das reinste Elend."
"Jedenfalls dachte ich das,
bis mir plötzlich schwindlig wurde
und alles vor meinen Augen verschwamm."
"Und ich begriff, dass du es wirklich geglaubt hast."
"Durch die Windschutzscheibe sah ich nichts als Bäume."
"Da wusste ich, was du vorhattest."
"Du würdest mich umbringen
und es wie einen Unfall aussehen lassen."
- "Ich hatte meinen eigenen Tod … - Nein.
…in die letzten Sätze meines Manuskripts geschrieben."
"Dein Plan ist nicht aufgegangen,
nicht wahr, Jeremy?"
"Ärgerlicherweise
war ich noch am Leben."
"Und so schmiedete ich einen Plan."
"Du würdest mir nicht glauben, wenn ich das Manuskript abstreite."
"Und hättest du gewusst, dass ich mich erholt habe,
hättest du mich der Polizei übergeben
oder es selbst zu Ende gebracht."
"Ich musste fliehen
und Crew mit mir nehmen."
"Der Gedanke, dich allein zu lassen,
in dem Haus voller gemeinsamer Erinnerungen,
bricht mir das Herz."
"Alles, was ich seit meinem Aufwachen tat, war für Crew."
Hey, Crew.
Hey.
"Nur er weiß, dass ich noch hier bin."
"Dass ich immer noch denke und eine Stimme habe."
Wollen wir was spielen?
Gut, aber das
ist ein Geheimnis.
Lowen?
Gott.
- Wo bist du, Schatz? - Oh, Gott.
Oh, Gott.
Ich bin hier.
Oh, Gott.
Hey.
Hey.
Hey.
Alles in Ordnung?
Ganz sicher?
Es ist nur ein
eigenartig emotionaler Tag.
Okay.
Ja.
Crew ist im Auto.
- Okay. - Wir sollten los.
Gut.
Wir wollen doch noch Abendessen.
Ja. Ich bin gleich da.
Ich seh mich noch ein letztes Mal um.
Lieb dich.
Dieses Haus …
Ihr Manuskript …
Ihr Brief …
Ihr Mann …
Was soll ich noch glauben?
Das Einzige, was ich mit Sicherheit weiß,
ist, dass Verity die Wahrheit meisterhaft verdrehen konnte.
Die einzige offene Frage ist,
welche Wahrheit hat sie verdreht?
Also, jeder Roman Ihrer Reihe
beruht auf moralischen und ethischen Grundsätzen.
Was davon machte am meisten Spaß, zu verdrehen?
Die Wahrheit.
Ich wollte sehen, wie weit ich gehen kann.
Wie sehr ich die Leser in Sicherheit wiegen kann,
bevor ich ihnen zeige, dass es unklug war, sich sicher zu sein.
NACH DEM ROMAN VON COLLEEN HOOVER
VERITY – DUNKLE GEHEIMNISSE
Untertitel von: Gandalf Bartholomäus
Can't find what you're looking for?
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