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Freitag, Juli 17, mit Henry Fonda in Bel Air.
H.F.P.
Henry Fonda for President.
Ich weiß, dass Leute mich als den typischen Amerikaner sprechen.
Vertrautwillig, leidenschaftlich und so weiter.
Ich lese es, aber es bedeutet nichts für mich. Und ich bin nicht bewusst, dass
ich so sein will.
Das Subjekt legt in der Tat ein objektives Werk der Öffentlichkeit vor
und gibt es ihr Preis.
Das Subjektive heran, etwa der Arbeitsprozess, in dem das Werk
hergestellt wurde, geht die Öffentlichkeit nichts an.
Ist dies Werk nun aber nicht nur akademisch, sondern das Resultat eines
tätigen und erlittenen Lebens, so erscheint mit ihm ein lebendiges Handeln
und Sprechen, dessen Träger die Person selbst ist.
Was hier erscheint, ist dem, der es zeigt, unbekannt. Er kann
darüber nicht verfügen.
Are you Henry Fonda? Are you THE Henry Fonda? Me!
Gentlemen
and
fellow citizens.
I presume you all know who I am.
Ich selber habe ihn im Sommer 1980 in Paris kennengelernt, bei meiner ersten
Auslandsreise mit den Eltern.
Fast jeder Tag war dreigeteilt. Ein Ausflug oder eine Besichtigung, später
im Hotelfernsehen die Olympischen Spiele aus Moskau.
Und dazwischen oder danach ein Kinobesuch.
Am 23.
Juli The Wrong Man.
Am 27.
Juli spiel mir das Lied vom Tod.
Am 1. August die Früchte des Zorns.
Diese drei Fonda-Kontakte sind in meinen Pariser Aufzeichnungen festgehalten.
Eher flüssig geblieben ist das, was über die Daten und Fakten hinausschwappt.
Die Einbildungen, die aus der Geschichte des Sommers 1980 hervorgegangen sind.
Während unserer Paris-Reise finden am Squam Lake in New Hampshire die
Dreharbeiten zu Fonders letztem Kinofilm statt, On Golden Pond, initiiert von
seiner Tochter Jane, die auch im Film seine Tochter spielt.
Fiktives und biografisches Material
Erinnerungen und Vorahnungen sind auch hier ineinander verstrickt.
Umso mehr gilt das für die Geschehnisse in Detroit am 17.
Juli, dem achten Drehtag von On Golden Pond und dem Tag unserer Ankunft in
Paris. Ronald Reagan nimmt seine Nominierung für das Amt des US
-Präsidenten an.
Zuvor bekennt er sich zu seiner Herkunft.
Er kommt aus der Fabrik der Träume.
Der Thrill bei der Ausstrahlung seines alten Films und jener, der ihn nun beim
Präsidentencasting ereilt, fallen zusammen.
Auch als Politiker wird ihm das Dreamlife des Landes zur obersten
Priorität. Er öffnet die Schleusen fürs Imaginäre so weit, dass aus der
historischen Realität der USA ein neuer Bibel schinken werden kann.
Helldunkel, chiaroscuro, ist ein anderes Mittel zur Beleuchtung der historischen
Realität. Die Postkarte aus meinem Paris-Tagebuch zeigt Henry Fonda in
diesem Licht.
Sie stammt vom Kinobesuch am 1. August 1980.
Am selben Tag fand in Moskau und in unserem Hotelzimmer das olympische
Finale im Hochsprung der Männer statt.
Der DDR-Athlet Gerd Wessig, ein Außenseiter, liefert an diesem 1. August
ein Motiv für die Attraktion, die Menschen wie er und Henry Fonda bis
heute auf mich ausüben.
Zuerst springt er 2,31 Meter.
Das übertrifft schon seine bisherige Bestmarke.
Dann überspringt er 2,33 Meter, als einziger im Feld.
Er ist Olympiasieger.
Jetzt liegt die Latte auf 2,36 Meter.
Er überspringt auch diese Höhe.
Weltrekord.
Darin kann ich rückblickend Fonda erkennen.
Der spielt das auch so, immer wieder.
Abgeschattet, die Augen verhüllend.
In Momenten der Trauer, aber auch jenen des Gelingens, wie bei Gerd Wessig.
Nachdenklichkeit und Zweifel, sie verbieten ihm tränenreiches Pathos,
ebenso wie Triumphalismus, selbst wenn ihn der Rest der Welt für einen King
hält.
Er hat die Verluste und Niederlagen im Blick. Die Zeiten, when we were not
kings.
Der Satz stammt von Thomas Paine, einem Mitbegründer der amerikanischen
Demokratie. 200 Jahre später zeigt Reagan die Selbstüberschätzung, die aus
einer Utopie hervorgehen kann.
So kann man das spielen.
Oder man spielt es wie Fonda in die Früchte des Zorns, im Bewusstsein, dass
die neue Art von Gemeinschaft, die Thomas Paine beschworen hat, immer erst
zu erringen ist, dass dafür Selbstzweifel nötig sind.
Und dass bei diesem Ringen vor allem die Erfahrung der Nichtzugehörigen und
Rechtlosen zählt.
Gegen das Nichtwissen werden im Schauspiel der Politik und in den
Gesängen Amerikas gerne höhere Mächte angerufen.
Wenn...
Dann was, Tom?
Dann ist es egal.
Ich werde überall sein, in der Dunkelheit.
Ich werde überall sein, wo auch immer du siehst.
Wo auch immer es einen Kampf gibt, den so hungrige Menschen essen können, werde
ich da sein.
Wo auch immer ein Polizist einen Mann schießt, werde ich da sein.
Ich werde in der Weise sein, wie Männer weinen, wenn sie verrückt sind.
All around in the dark, everywhere.
So viele Orte und Zeiten und Figuren. Sie bilden eine unsichtbare Republik,
die United States of Thunder.
Das ist die holländische Hausfrau.
Das Gemälde von Gerrit Dau entstand im Jahr 1650.
Es zeigt, zumindest bis zum Beweis des Gegenteils, eine Verwandte des Malers,
Hester Janse Fonda, die Gattin des Gastwirts Jellis Dau Fonda.
Auf einem anderen Bild von Gerrit Dau ist Hester die junge Frau, die Wasser
aus einem Krug gießt.
Zu dieser Zeit besteigen die Fondas mit ihren drei Kindern ein Schiff nach
Amerika. Ab Oktober 1651 ist ihre Anwesenheit in Albany verzeichnet.
Die Hauptstadt des Staates New York hieß damals noch Fort Oranje, nach den
holländischen Siedlern am Hudson River.
Hester Fonda bewährt sich als selbstständige Geschäftsfrau.
im Handel mit Biberpelzen und in der Schnapsbrennerei.
Sie wird oft in Gerichtsakten zitiert, denn sie kämpft unablässig um ihre
Rechte. Um ihre Rechte kämpfen auch die Esopus-Indianer. Im Juni 1663
brennen sie Hesters Siedlung nieder und nehmen sie für drei Monate in
Gefangenschaft. Seither ist sie taub.
Sie überlebt drei Ehegatten und stirbt im Alter von 75 Jahren.
Ihr letzter bezeugter Akt in der Öffentlichkeit ist die Taufe ihrer
Enkelin in der First Reformed Church von Albany.
Den Kirchenbau von damals gibt es nicht mehr, aber die Kanzel hat überlebt.
Auch sie ist ein Kind der Migration.
Sie wurde in Holland angefertigt und kam kurz nach den Fondas per Schiff nach
Albany, in die sogenannte Neue Welt.
Zur gleichen Zeit lebt hier am Mohawk-Fluss, 40 Meilen westlich vom
Hudson, Das Mädchen Tecaquita, in einer Gemeinde, die heute Fonda heißt.
Mit 19 tritt sie zum Christentum über und wird von den Jesuiten als Kateri
getauft.
Sie ist fast blind.
Man schreibt ihr Wunderkräfte zu.
2012 wird sie in Rom heilig gesprochen.
St. Kateri Tekagwita, Schutzpatron in der Umwelt und derer, die im Exil leben.
Ihr Stamm gehört dem Bund der Irokesen an.
Deren politisches System wird später in die US-Verfassung einfließen. Aber ihre
sozialen Strukturen sind matrilinear. Frauen stellen das Oberhaupt der
Familie, die Töchter erben das Eigentum.
Zu Tecaquitas Zeit wird der Rang der Frauen erstmals untergraben, durch das
Einströmen französischer Pelzhändler und Missionare.
Tekakuitas Familie geht an den Pocken zugrunde. Sie selbst stirbt im Exil, an
den Folgen einer Praxis, die die konvertierten Mohawk von den Jesuiten
übernommen haben.
Selbstgeißelungen.
Nicht alle fanden Gefallen an diesem Gott der Europäer. Der alte Mohawk Tom
Porter überliefert den Unterschied.
zu unserer Gemeinschaft, als ich zehn oder elf Jahre alt war.
Der Professor wollte dem großen Großvater eine Frage stellen.
Kannst du für mich definieren, wenn die nativen indigenen Menschen von
Amerika sagen, Gott ist der Schöpfer,
was bedeutet das für dich?
Und der große Großvater sagte dem Professor,
Der Gottesbegriff der Mohawk hat den Lauf der Zeit besser verkraftet als ihre
Bauwerke.
Die Langhäuser, in denen Tecaquita und Tom Porters Vorfahren lebten, sind nur
noch Konturen im Gras.
Aus Henry Fondas Geisterreich wehen manchmal ähnliche Bilder herbei. Das
Gewissen des Einzelnen ist nicht abgetrennt von der Summe aller Seelen
und Sandkörner, die das Gemeinwesen oder die Schöpfung, ausmachen.
Und was ist jemandes Bewusstsein, außer ein kleines Stück Bewusstsein aller
Männer, die je gelebt haben?
Bist du ein religiöser Mann?
Nein, ich bin ein Gnostic.
Ich weiß die Antworten nicht.
Das ist alles, was es bedeutet.
In Drums Along the Mohawk spielt Fonda seinen eigenen Ur an, der von Albany
auswandert ins Mohawk-Tal.
Wie so eine neue Heimat entsteht und welche Kräfte die Migration freisetzt,
zeigt der Film in wenigen Schritten.
Es beginnt
mit der Expansion, der Gründung immer neuer Siedlungen inmitten einer älteren
Kultur.
Darauf folgt die Extraktion.
Zuerst Holz und Biberpelze, später dann Silber und Erdöl.
Extrahiert werden auch jene, die bisher an diesen Orten und von diesen Dingen
lebten.
Ihre Geschichte läuft auf Todesmärsche, Guerillakriege und erzwungene
Assimilation hinaus.
Auf einen lang andauernden Völkermord.
Je länger sich die Augen davor verschließen, desto größer die Chance,
dass die Sache traumatisch wird.
Aber vor der alten Kanzel aus Holland wird die Bekehrung der Ureinwohner
fortgesetzt.
Der Ortskern von Fonda, das einstige Kanawake, liegt ein paar Meilen östlich
vom Schrein für die heilige Kateri Tekakuita. Der Ort ist benannt nach Dau
Fonda.
dem Urenkel von Hester und Gründer der lokalen Kolonie.
Er kam 1750 als Händler hierher und ließ sich nieder.
Rund um den alten Friedhof entstand ein Messegelände.
Als eine Rennbahn dazu kam, mussten die frühen Siedler noch einmal übersiedeln.
Ihre Gebeine wurden verlegt, auf einen Hang, der auf die Ortschaft
hinunterblickt.
Hier sind nun außer Tao viele andere Fondas begraben, seine Nichten und
Neffen, Kinder und Kindeskinder.
Was Dauphin da den Kopf kostete, waren die wechselnden Allianzen der britischen
Krone mit den Eingeborenen, um die Revolution niederzuschlagen.
Drums Along the Mohawk berichtet davon und zeigt die Toten der Revolution auf
allen Seiten.
Hast du Lara gesehen?
Nein, ich habe sie nicht getroffen.
Das Rote Haus neben dem Friedhof war die Schule der frühen Fondas.
Jetzt ist es ein Denkmal und gehört zur Schule der Nation.
Die ist allgegenwärtig in den historischen Monumenten und
Straßentafeln, Freilichtmuseen und Kostümparaden.
und in den Reenactments des Kinos.
Im Geschichtskino von 1939 spielt Henry Fonda nicht nur seinen eigenen Vorfahren
zur Zeit der Revolution, er nimmt als junger Mr. Lincoln auch schon an einer
Gedächtnisparade für eben diese Vorfahren teil.
Geschichte wird ohne Unterlass in Szene gesetzt.
Aber das Reenactment läuft nicht immer auf eine Verneigung hinaus.
Manches, das schon erfolgreich verdrängt war, kehrt später im Zerspiegel oder als
Zombie zurück.
Der Geist der Mohawk zum Beispiel fährt im Jahr 1976 in einen Veteranen des
Vietnamkriegs. Der Taxifahrer mit dem Irokesenschnitt trägt die alte Gewalt
der Indianerkriege in sich und das Zeichen einer verrückten Identifikation
auf dem Haupt.
Ford war ein sehr besonderer Charakter.
Man kann Bücher darüber lesen.
Es gab nie einen Ford.
Hallo, Abe. Was machst du in Springfield? Ich setze mich als Arbeiter
auf. Was weißt du über Arbeiter, Abe?
Der Regisseur John Ford sieht in Fonda immer wieder Figuren der amerikanischen
Geschichte, zum Beispiel den schlagsigen Landburschen, der später einmal
Präsident sein wird.
Wie die alte Frau tanzt.
So I was told to go and see Mr. Ford. I was under contract to the studio and I
went in there. Never met him before. And this man with a slouch hat and a coat
collar up and a handkerchief, the typical.
And he sort of looked up at me and scowled and he said words that you can't
say on television, you see.
I think his first words were something like, what's all this shit about you not
wanting to play Lincoln?
Think he's the fucking president?
He's a young jack-legged lawyer from Springfield, for Christ's sake.
And that's how he intimidated me or persuaded me.
Henry! Henry!
Do you remember where you are? Do you recognize this? No, I
don't. I have no idea where the hell we are.
Now where is it where you did, isn't this way, over there is where you did
the walk in Lincoln.
You walked up the road, if you remember.
I do.
I'll never forget.
God was looking down on us that day.
The tears of the multitude, I think you said. I think you said the tears of the
multitude when it started to rain.
These are my sentiments and political principles.
Bevor Lincoln Rechtsanwalt in Springfield wird, sucht er hier in New
Salem lange nach einer Mission.
Es ist die erste Blütezeit des Populismus, während der Präsidentschaft
des Sklavenhalters und Indianer-Hassers Andrew Jackson.
Gleichzeitig erscheint Alexis de Tocquevilles berühmte Studie zur
Demokratie in Amerika und es regt sich die erste Gegenkultur, der
Transcendental Club rund um Emerson, Thoreau und Margaret Fuller.
Sie beschreiben einen Widerspruch zwischen der einstigen Vision der
Vereinigten Staaten und der schnöden Realität der 1830er Jahre.
Margaret Fuller ist die radikalste unter ihnen.
Für sie ist das deklarierte Versprechen der USA schon unter die Räder gekommen,
erledigt vom Raubbau, den die Herren des Landes betreiben.
Fuller schreibt über Sklaverei und Prostitution, Literatur und Armut,
Einwanderer und Eingeborene. Sie verlangt für Frauen den Zutritt zur
politischen Sphäre und Gleichberechtigung in allen Dingen.
Die Stereotypen Geschlechterrollen sind für sie nur ein Konstrukt.
Das ist Anne Rutledge, Lincolns erste große Liebe in New Zealand.
Sie starb mit 22 Jahren und sitzt jetzt vor dem Haus ihres Vaters.
Am
Sangamon River,
im liebevollen Dialog mit Anne Rutledge, beginnt für den jungen Mr. Lincoln ein
Seiltanz.
Auf diesem Drahtseil zwischen Ambition und Zurückhaltung und im liebevollen
Dialog mit John Ford formt auch Henry Fonda seine Persona seinen Stil, seine
Haltungen endgültig aus.
Seine Art zu sitzen und für die langen Beine einen Platz zu finden.
Seine Weise zu gehen.
und seine Art zu tanzen.
Seine Scheuheit in der besseren Gesellschaft
Und wie er sie zu überwinden lernt.
Auf dem Umweg der Bildung.
Wie er mit Büchern und Worten und Fakten zu hantieren lernt.
Und wie er das
Wort Law gebraucht.
In der Politik gehören das Buch und die Axt zusammen.
Worte sind Taten.
Sie steuern die politischen Leidenschaften. Sie können die Menge
aufpeitschen oder die Einzelnen nachdenklich machen.
Wenn du das nächste Mal weißt, hängen sie sich zusammen, um Spaß zu haben.
Wir scheinen in Zeiten wie diesen unsere Hände zu verlieren.
Wir tun Dinge zusammen, die wir uns sehr schämen, selbst zu tun.
Wollen Sie es nicht für einen Spell setzen, Jungs? Ist es nicht schwer?
In Lincolns Maske eignet sich Fonda auch Lincolns Realismus an.
Was Amerika nottut, ist eine Art Selbstentzauberung.
Aber das Land ist von der Selbstentzauberung noch weit entfernt.
Die alten Amerikaner sind jetzt Vertriebene und kämpfen ums Überleben.
Und ihre Vertreiber, die neuen Amerikaner, ziehen in einen Sturm der
Besitznahme, den sie sich schönreden als Vorsehung, als Manifest Destiny.
Das Gemälde von Asher Brown Durant heißt Fortschritt.
Es wurde beauftragt von einem Boster Eisenbahn.
Dieser Art von Fortschritt entrinnen will Margaret Fuller. Sie ist in die
andere Richtung unterwegs, nach Italien.
1848 berichtet sie ihrer Leserschaft nicht vom Goldrausch in Kalifornien,
sondern von der Revolution in Europa.
Zwei Jahre später stirbt sie bei einem Schiffsunglück.
Ihr Nachfolger als Europakorrespondent des New York Tribune wird Karl Marx.
In Ehre und Karriere-Denken des Colonel Thursday ist der neue Arbeitsplatz eine
Katastrophe.
Für den jungen Häuptling Al-Kazay ist Fort Apache eine Chance.
Er tritt einer neuen Truppe der US-Armee bei, den Apache Scouts.
Die Generäle haben erkannt, dass ihre regulären Soldier Boys den gegnerischen
Kämpfern weit unterlegen sind.
Die Apache Scouts werden mitentscheidend für den Sieg der US Army im
Indianerkrieg in Arizona.
Al-Khasej wird vom Kongress mit der Medal of Honor gewürdigt. Er führt
Friedensverhandlungen mit seinem Freund Geronimo, lässt sich taufen und nennt
sich fortan William.
Für seinen Stamm erfüllt er nun die Funktion, die ihm der Film schon beim
Vorstellungsgespräch mit Henry Fonda zuschreibt.
Die Apaches sind eine große Rasse.
Wir sind stolz auf sie.
Wir sind nicht geboren, um zu schlafen.
Ihre Nation machte uns die Krieg und hat uns nicht zerstört.
Was sagt er?
Die Apaches sind eine große Rasse, Herr. Sie wurden nie gekämpft.
Aber eine Nation muss nicht immer in Krieg sein. Aber es ist nicht gut, dass
eine Nation immer in Krieg ist. Die Jungen sterben.
Das Freilichtmuseum Fort Apache beherbergt auch ein Internat für junge
Apachen. Alcacé hatte sich 1923, kurz vor seinem Tod, für die Schule
eingesetzt. Benannt ist sie nach Theodore Roosevelt.
dem Autor des Bestsellers Die Eroberung des Westens und späteren US-Präsidenten.
Heute steht das Gelände unter der Verwaltung des Stammes.
Die Geschichte wird hier in zwei Sprachen vermittelt.
Auch der Film Fort Apache ist ein Ort der Erinnerung und des Lernens. Auch
hier spricht Amerika in mehreren Sprachen.
Die schrecklichste ist jene von Henry Fonda als Colonel Thursday.
I gave my word to Cochise.
Your word to a breach-clouded savage, an illiterate, uncivilized murderer and
treaty breaker?
There's no question of honor, sir, between an American officer and Cochise.
There is to me, sir.
Captain York, you may have commanded your own regiment in the late war, but
so long as you command a troop in mine, you will obey my orders.
You have your instructions, Sergeant Major.
Die Masculinity Studies sind ein reiches Forschungsgebiet für Fonda.
Der unterdrückte Zorn, die Depression, die Minderwertigkeitsgefühle mit
geballter Faust und die Unsicherheit vor dem anderen Geschlecht.
Die Pole dieser Forschungsarbeit sind der soldatisch gepanzerte Herrenmensch
und der unbeholfene Liebhaber.
Sie illustrieren ein und dasselbe Problem, den nicht zu Ende geborenen
Mann.
Jeder Colonel Thursday trägt den romantischen Tollpatsch aus The Lady Eve
in sich und umgekehrt.
Hold me tight.
Oh, you don't know what you've done to me.
I'm terribly sorry.
Oh, that's all right.
I wouldn't have frightened you for anything in the world. I mean, if
there's anyone in the world, I wouldn't have wanted to.
It's you.
You're very sweet. Don't let me go.
The Lady Eve ist jener Fonda-Film, der die Zone zwischen Gewaltlust, Sanftmut
und Idiotie am genauesten zeichnet. Den postparadiesischen Zustand von Adam und
Eva. Eine Gesellschaft, die sich andauernd mit der Tierwelt misst.
Wenn es eine Sache gibt, die einen Menschen von einem Wesen unterscheidet,
ist es die Fähigkeit, zu verstehen.
Und Verzeihung zu verstehen.
Sicherlich die Qualitäten von Frieden, Verzeihung und süßes Verzeihung.
Süßes was?
Süßes Verzeihung.
Oh.
Möchtest du Comedy machen? Ja.
Dem Tier im Manne ist eine eigene Form der Komödie gewidmet.
Auch hier untersucht er den Konflikt zwischen zivil und viril.
Es
ist
eine gewaltige Aufgabe, die alten Ansprüche der Männlichkeit mit den
feineren Dingen und Düften zu versöhnen.
Was ist los?
Das Perfum.
Was ist los?
Ich bin ein Jahr auf dem Amazon und sie benutzen kein Perfum. Oh.
Das Perfum wieder.
Ich kann es nicht.
Was ist los? Es ist das faule Perfum mit der Muske.
Es macht mich schmerzhaft krank.
Der Geruch der desert flowers.
Das bin ich.
Mit der Vertreibung der Apachen wird das Süden von Arizona zum Extraktionsgebiet.
Die Kupfermine bringt 100 Jahre lang Erträge, Tag und Nacht.
Das Silber reicht nur für einen kurzen Boom, aber seine Gewaltgeschichte wirkt
bis heute nach.
1881 ist Tombstone schon die reichste Stadt zwischen St. Louis und San
Francisco. Mit 100 Restaurants und Salons, drei Zeitungen, vier Kirchen und
fünf Theatern.
Alles ist im Fluss. Das Kapital strömt aus dem Osten des Landes herbei. Die
Arbeitskräfte aus Mexiko, Deutschland, Irland und China.
Kaum einer baut sich hier eine Heimat.
Auch Wyatt Earp ist nur ein Durchreisender im Land von Cochise.
Ein Vollzeit-Gambler und Zuhälter.
der sich auch als Schutzpolizist für die Minenbesitzer verdingt.
Er überlebt alle Geschäftspartner und Kontrahenten und auch die berüchtigte
Schießerei am OK Corral.
Sie ist der Höhepunkt in der Märchenbiografie, die Earp später in
Hollywood ausbreiten wird, als Berater für die ersten Western.
Der junge Stuntman John Ford hört ihm zu.
30 Jahre später gibt vor Ort der Legende einen neuen Dreh.
Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg trägt sein Film den Namen einer Frau, My
Darling Clementine.
Clemencia, die Göttin der Milde und Nachsicht, steuert den Übergang vom
Faustrecht zur Zivilisation.
Henry Fonda ist das Antlitz dieses Übergangs.
Sein Wired Earp hat ein Auge für das, was kommen wird, und ein Ohr für das
Alte, Verlorene, für das Flüstern der Toten.
Es ist Sonntagvormittag.
Clementine Carter, die Frau von der Ostküste, will weg aus der Stadt, die
Grabstein heißt.
Wyatt Earp schlägt einen Spaziergang vor.
Vor dem Gerüst der neuen Kirche findet ein Tanz statt.
Eine neue Gemeinschaft wird geweiht, mitten in der Wildnis.
Aus den gegenläufigen Kräften soll Harmonie entstehen.
Dafür sind Rituale nötig, mehr noch als Religion.
Der unperfekte Tanz zählt mehr als das fromme Wort.
and make room for our new marshal and his lady fair.
In Tombstone ist es immer noch Sonntagvormittag. Die Rituale und
Gesänge sind Selbstläufer geworden.
Für John Ford war die Schauspielerei noch ein Mittel, um in der Geschichte,
in der Gemeinschaft und im einzelnen Menschen das Lebendige zu bewahren.
in der Fahrt zur Location zu fahren, nie ein Wort zu sagen, bis er an die Szene
kam und dann sagte er, warum tust du nicht das oder das, oder versuche, deine
Füße auf den Post zu setzen, die Position zu ändern und es würde immer
die Dinge sein, die die Menschen erinnern.
Am Ort der historischen Schießerei findet zweimal täglich ein Ritterspiel
statt.
Somebody that made you believe and made you forget he was an actor.
And I began thinking then, that's the way I want to be.
Please, God, don't let them see the wheels go round.
Don't let the machinery show.
The undiscovered country.
From who's born, no traveler returns.
Puzzles the will and makes us rather bear those ills we have than fly
to others that we know not of.
Thus conscience does make cowards of us all.
Der lungenkranke Revolverheld ist Doc Holliday und Doc Holliday ist Hamlet. Er
muss vergehen, damit eine neue Ordnung entstehen kann.
Dasselbe lässt sich über Tombstone sagen.
Der Verfall der Stadt wurde erst aufgehalten, als die alten Geschichten
ihre Wiedergeburt erlebten. In der Gesellschaft des Spektakels.
Seither spielt sich die ganze Stadt selber.
Auch ihre Toten am Boothill
Graveyard spielen mit.
Die Leichen vom OK Corral, die Selbstmörder und Prostituierten und die
anderen Namenlosen der 1880er Jahre.
Die Clantons und McLaurys gehörten jener ruppigen Unterklasse an, die mit den
Südstaatlern und der demokratischen Partei sympathisierte.
Die Minenbesitzer, Geschäftsleute und die meisten Gesetzeshüter der Stadt
standen aus dem Norden. Sie vertraten die Republikaner und verstanden sich als
Developer. Sie haben am Boothill Graveyard höchstens Indirekt-Spuren
hinterlassen.
Die Fremdarbeiter in den Minen, Puffs und Wäschereien wurden von keiner Partei
vertreten. Aber ihre Nachfahren sitzen jetzt auf den Bodenschätzen.
Sie gewinnen das Gold von Tombstone von früh bis spät aus dem Fremdenverkehr.
Hausgeburt in der West Division Street.
Die Ankunft eines Bright Baby Boy am 16.
Mai 1905.
Die Mutter und der Kleine sind wohl auf.
Als neuer Standort für das Geburtshaus kommt nur einer in Frage.
Die Railroad Town im Freilichtmuseum von Grand Island.
Sie ist den Präriepionieren gewidmet, die nach dem amerikanischen Bürgerkrieg
Nebraska besiedelt haben.
Von das Großvater Ten Ike, ist einer von ihnen. Er hat sich auf Seiten der
Nordstaaten bewährt und folgt dem Ruf des Westens. Er verlässt das Mohawk-Tal
und wird Nachrichtentechniker bei der Eisenbahn.
Die Räuberbarone der Union Pacific und der Central Pacific Railroad sind
verantwortlich für die neue Qualität der Gewalt und Korruption, die nun das Land
überrollt. Das eiserne Pferd bringt die Pioniere nach Westen und verbreitet
Angst und Schrecken unter den Eingeborenen der Great Plains. Dem
Bisonherden bringt es den Tod.
Ten Eyck Fonda ist nur einer von Hunderttausenden, denen am Pazifik das
gelobte Land vorgegaukelt wird.
Viele bleiben auf halbem Weg stecken, im harten Prärieland von Nebraska.
Auch Ten Eyck bleibt hier, bis zu seinem Tod im Jahr 1921.
Da sind sein Sohn William und sein Enkel Henry schon durch und durch Midwesterner
geworden.
This house certainly takes me back to the time when I was just a little old
shirt-tail boy.
Our place is just about this size, too.
Some wild crabapple trees out in the front yard.
A big hearth inside where I used to stretch out while my mother read to me.
I was very lucky in my parents.
Both of them were just...
Dear, sweet, you couldn't have asked for a better father and mother.
Do you see qualities of your father in yourself?
Or do you ever hear yourself saying something that was your father?
Yeah.
I have sometimes, walking on the streets of New York, turned a
corner or come on a...
I hear you turned 80 today.
Is that what you heard?
Yeah.
Man, that's really old.
You should meet my father.
Der mittlere Westen bringt einen besonderen Menschenschlag hervor.
Die Integrität eines Mannes erweist sich im Handeln, nicht im Reden über Gefühle.
Von das Ehefrauen, Kinder und Freunde zeichnen ein eindeutiges Bild. Und sein
letzter Film, On Golden Pond, fasst es noch einmal zusammen.
Wortkarg, perfektionistisch, in sich gekehrt.
Verlässlich, aber mit einer Neigung zum Zorn.
Von seiner Tochter Jane
trennt ihn ein emotionaler Abstand in der Wirklichkeit und in der Wirklichkeit
des gemeinsamen Films.
Seine Hand deckt zu, was die Augen verraten könnten.
Ihre Hand ergreift seinen Arm.
Die kalifornische Gefühlswelt der Nachkriegsjahrzehnte sucht den Kontakt
zur alten Nebraska-Moral.
Auch wenn er liegt, scheint noch die kerzengerade Kindheit durch, die er
seinen Eltern verdankt.
American Gothic.
Das war Teil seiner Attraktivität, sagt seine dritte Ehefrau.
In ihm war ein Schrei, den er nie geschrien.
und ein Lachen, das er nie gelacht hat.
Ein
Indianer
kennt keinen Schmerz, hieß es in meiner Jugend.
Auch jene, die in der Lehre der Christian Science erzogen wurden, kennen
diese Maxime, ohne Augenzwinker.
Krankheit und Schwächen aller Art werden als Sünden, als selbstverschuldet
verstanden. Heilung wird nicht vom Arzt erwartet, sondern vom Glauben und vom
Gebet.
And if we got colds or something, we called Grammy for help.
We didn't go to a doctor.
And that's all I knew.
Since then, I've never been inside a church.
Nebraska, what's it to me?
The people, the sounds and the feel, the smells and the sights, like the stars in
the sea, the more that you look, the more that you see.
Fonda hat tatsächlich etwas gesehen und es kehrt immer wieder zurück, im Oxbow
-Incident und in vielen anderen seiner Filme.
Am 28.
September 1919 ereignet sich vor dem Courthouse in Omaha ein Akt der
Lünchjustiz. Aber die Geschichte hat schon 300 Jahre vorher begonnen.
Im August 1619
kaufen Kolonisten in Virginia eine Schiffsladung von Menschen, die aus
Westafrika verschleppt worden sind.
Die Institution der Sklaverei in den englischen Kolonien nimmt hier ihren
Anfang. Sie prägt die Wirtschaft und Kultur der Vereinigten Staaten, weit
über das Datum ihrer gesetzlichen Abschaffung hinaus.
Der Kapitalismus transformiert die Sklaverei.
Es gibt effizientere Varianten der Ausbeutung.
Ab 1910 ziehen Millionen von Afroamerikanern aus den Südstaaten in
die Industriestädte des Nordens. Für weiße Arbeiter verschärft sich der
Wettbewerb und ein Kinoblockbuster verschärft ihre Ressentiments.
The Birth of a Nation löst landesweit eine Welle rassistischer Gewaltakte aus.
Weiße Mobs und ihre politischen Hintermänner reiten jahrelang auf dieser
Welle. So auch am 28.
September 1919 in Omaha.
William Brown ist einer der vielen Wanderarbeiter, die aus dem Süden nach
Omaha gekommen sind.
Er wird unter einem Vorband verhaftet.
Das Gefängnis befindet sich im Courthouse.
Ein organisierter Mob zündet das Gebäude an und erzwingt die Herausgabe des
Beschuldigten.
William Brown wird erstochen und von Kugeln durchlöchert.
An der Kreuzung der 18th Street und Harney Street hängen sie ihn auf.
An der Kreuzung der 17th Street und Dodge Street entzünden sie ein großes
Lagerfeuer und verbrennen seine Leiche.
Vor Gericht wird keiner der Beteiligten zur Rechenschaft gezogen.
Mein Vater's Office looked down on the courthouse square.
And he took me with him and went up into his office and watched from the window.
And there was this young black kid that they had arrested on suspicion
of rape.
And this mob started to collect.
I know the mayor, he was on horseback.
He rode with two assistants.
Also ein Horsenwagen.
Sie fuhren in die Mitte dieses Mob, um sie zu beheben und sie zu kümmern.
Sie haben sie sehr nahe dem Bürgermeister verletzt. Das war so, wie
sie unter Kontrolle waren.
Man konnte nicht glauben, dass sie das Gesetz überwachen würden, sich in den
Weg zwingen, diesen Jungen aus einem Zell rausnehmen, ihn durch die Straßen
drücken, ihn von einem Lampenposten hängen, ihn mit Kugeln rütteln und dann
ihn in den Backen eines Automobils drücken.
Es war eine Erfahrung, die ich nie vergessen werde.
Es war so furchtbar.
Ich weiß, dass mein Vater nie lektiert hat.
Wir haben geschaut.
Und als es alles vorbei war und wir nach Hause gegangen sind, hat er nicht
darüber gesprochen.
Nun, es war ein großer Schock für mich.
Von das Kino kreist um die Figur des Wrong Man und um die Gesellschaft, die
ihn hervorbringt. Ein Justizsystem, das seine Fehlurteile aufgrund von
Vorurteilen fällt.
Eine Öffentlichkeit, die das Volksempfinden hochhält.
statt den Kampf für bessere Regeln im Rechtsstaat. Und eine Gerechtigkeit, die
100 Jahre zu spät kommt.
Die Filmtitel sprechen es aus.
You only live once.
The wrong man.
Let us live.
Der Fall der beiden Anarchisten Sacco und Vanzetti, die in einem langen und
dubiosen Prozess zum Tode verurteilt werden, prägt die Debatten der 20er und
30er Jahre.
Fonda spürt, dass es in den USA eine politische Justiz und Klassenjustiz
gibt.
Im Kino und auf der Bühne wird diese Realität noch überzeugender dargeboten.
Das Schauspiel verstärkt den Zorn.
Viele Jahre später repräsentiert Bartolomeo Vanzetti immer noch die
Zweifel am demokratischen Rechtsstaat in den USA.
Fonda hat ihn auch als Lehrer in The Male Animal im Repertoire.
Und er hat das im April 1927 geschrieben, gerade nachdem er
verurteilt wurde.
Es wurde in den Berichten, in diesem Buch, in vielen Orten veröffentlicht.
Aber wenn man jede veröffentlichte Kopie zerstören sollte, würde es immer noch in
der Sprache bleiben, weil viele Literarier es mit dem Herzen kennen.
Wenn es nicht für diese Dinge gewesen wäre,
I might have lived out my life talking at street corners to scorning men.
I might have died unmarked, unknown, a failure.
Now we are not a failure.
Never in our full life could we hope to do so much work for tolerance, for
justice, for man's understanding of man, as now we do by
accident.
Unsere Worte, unsere Leben, unsere Schmerzen, nichts.
Das Vernehmen unserer Leben, der Leben eines guten Schuhmachers und eines
schmutzigen Fischpedalers, alles.
Das letzte Moment gehört uns.
Diese Agonie ist unser Triumph.
Wir haben keine Chance, uns, kleine Menschen.
They're out to get me and they'll do it.
If you found those guys and they swore in a stack of Bibles a mile high that
they did the murder, that still wouldn't do any good.
The law can't admit it's wrong.
I had an interview today, as a matter of fact, and the man interviewing me talked
about that people think of me as a man who has something to say.
And I denied it.
I said John Steinbeck had something to say and Reggie Rose had something to say
in Twelve Angry Men. But I'm just an actor who I think recognizes a good part
when I read it and I love to play it. And if there's something to be told or
message, it's not mine, it's the author's. It's the way you tell it. It
has a great deal to do with it.
Der Akteur Fonda ist ein Autor, auch wenn er es nicht erkennen will.
Das zeigt sich in den Geschichten, die ihn anziehen.
Und im Delivery, The Way You Tell It.
Er spielt nach innen. Er ruft das Verlorengegangene herbei, was geschehen
ist und nicht vergessen werden kann.
Wenn es über die Gegenwart huscht, konzentriert sich sein Werk wie in einem
Brennglas.
Auch die Namen der Namenlosen sollen nicht vergessen sein.
Namen wie der des Wanderarbeiters, den sie vor Fondas Augen aufgehängt haben.
Die Bühne ist Henry Fondas erste und größte Liebe.
Neun Jahre lang wirbt er um sie.
Der historische Moment, in dem seine Sehnsucht schließlich erwidert wird, hat
einen Ort und ein Datum.
Im Theater in der 46.
Straße, wo heute Alexander Hamilton und die amerikanischen Gründerväter singen
und tanzen, bejubelt das Publikum am 30.
Oktober 1934 ein neues Schäfer-Spiel, The Farmer Takes a Wife.
Der Landbursch im Stück und der, der ihn spielt, haben Erfolg.
Ab jetzt geht es für Fonda darum, das Schicksal der Sichtbarkeit zu
bewältigen.
Part of the whole attraction of acting, and what I learned very gradually, was
that it was therapy for a very shy, self-conscious young man.
I was wearing a mask.
It was like hiding behind a character.
This was a game.
It was make-believe.
Wie man lernt, sich selbst zum Verschwinden zu bringen.
und damit gleichzeitig bekannt zu werden. Das macht den Amateur zum Profi.
Aber es ist eine Langzeittherapie.
Fonda bestreitet damit die Durststrecke vor seinem Durchbruch.
Und sie haben mich in der Wohnung verlassen lassen.
Sie hatten keinen Zucker, keinen Salz, nichts. Sie hatten nur gebratenes
Fleisch.
Und es kam so, dass alle Kasten und Gals und die Sekretäre mich so gut kennen,
dass sie einfach aufwachen und lachen und sagen, nichts, Hank.
Und es war während dieser Zeit, dass Josh sagte, dass ich der beste
bekannteste unbekannte Arzt in New York war.
Beim Sommertheater auf Cape Cod erlernt Fonda sämtliche Facetten der
Bühnenkunst. Die University Players sind eine Low-Budget-Truppe. Alle machen
alles. Einige von ihnen machen sogar Karriere.
Aber zuerst gilt es, vor den Sommergästen viele verschiedene Rollen
zu spielen.
1934 geht dann alles sehr schnell.
Der Farmer, der sich verheiratet, wird vom Broadway ans Kino verkauft. Da hat
Fonda schon den besten Agenten Amerikas.
Leland Hayward
Aber die Blicke sagen alles.
1935 ist Fonda ein Filmstar wie der Willen. Er bleibt in Hollywood.
Und er ahnt schon was von der Nostalgie, die ihn und sein Publikum befallen wird,
wenn sie zurückschauen.
Das Kino ist das Superkleber der 30er Jahre.
Draußen herrscht die große Depression.
Die Anziehungskraft der Stars hält dagegen.
Sie sind Prototypen, robuste Vorbilder für die Bewältigung der Wirklichkeit.
Aber im Typischen muss auch ihr eigenes durchscheinen. Es verspricht eine
Wahrheit hinter der Leinwand.
Der Landbursch war ein naheliegender Typ für Fonda.
Jetzt kommt der Sozialrebell.
Ein Robin Hood im alten Westen und ein
klassenbewusster Outlaw in der Gegenwart. Ein Gejagter, der von der
amerikanischen Nacht erzählt, unter der Regie europäischer Flüchtlinge wie Fritz
Lang. Fonda unterstützt jetzt linke und antifaschistische Organisationen.
Sie nehmen die Entwicklung in Europa frühzeitig wahr, während Hollywood und
die US-Regierung noch wegschauen.
Auch die andere Seite des Jungstars zeigt ihn als Gejagten.
The Moons Our Home macht den Anfang.
Als ungeübter Frauenschwarm kann er
ebenso viel biografisches Material einsetzen wie als Tatmensch.
Die Romanze in The Moons Our Home zum Beispiel fußt ganz und gar auf der
Realität.
Die Schauspielerin Margaret Sullivan war auch im wirklichen Leben von das
Ehefrau, die erste von fünf.
Die heftige Kurzehe mit Sullivan liegt schon fünf Jahre zurück.
Aber jetzt geben sie dem Beziehungs- und Trennungsspiel eine zweite Chance. In
der Kinofantasie und in der Realwelt.
In diesem Sommer 1936 springt Fonders Liebesglück hin und her.
Zwischen der Ex, Margaret Sullivan, und der Frau, mit der er in den Ferien
Europa bereist, Frances Seymour, Tochter aus reichem Haus und demnächst Mutter
seiner Kinder Jane und Peter.
Im September werden sie heiraten.
Zur Party von William Randolph Hearst und Marion Davis geht er schon mit
Francis, aber die Leute sehen nur sie.
Fonda hat sich für die Maske entschieden.
Wenn will wounded justice, lying prostrate on the streets of Selma,
Birmingham and communities all over the South, be lifted from this dust of shame
to reign supreme among the children of men?
It will not be long, because truth crushed to earth will rise again.
How long?
Not long, because the ark of the moral universe...
Yes, sir.
Yes, sir.
Die Früchte des Zorns.
Dieses Sinnbild ist von der Bibel nach Amerika ausgewandert. In die
Schlachthymne der Lincoln-Republik und in die Bürgerrechtsbewegung 100 Jahre
später.
Dazwischen liegen ein Roman und ein Film mit diesem Titel.
The surface of the earth crusted, a thin, hard crust.
And as the sky became pale, so the earth became pale.
The first crust broke, and the dust formed.
Every moving thing lifted the dust into the air.
Men and women huddled in their houses, and they tied handkerchiefs over their
noses when they went out.
And for every one of them, there was 10, 15 families thrown right out of their
homes.
Einhundert Leute.
Und kein Ort, um zu leben, sondern auf der Straße.
Die Ranzes, die Peterses, die Perrys, die Jogses.
Einer nach dem anderen. Sie wurden ausgedrückt.
Halb die Leute, die wir kennen, wurden ausgedrückt in die Straße.
Die Autos der Migranten kamen aus den Side-Roads auf den großen Cross-Country
-Highway und nahmen den Migrantenweg nach Westen.
The families, which had been units, of which the boundaries were a house at
night, a farm by day, changed their boundaries.
In the long hot light, moving slowly westward, but at night, they integrated
with any group they found.
I'm going down the road feeling bad.
I'm going down the road feeling bad.
I'm going down the road.
And when the sun went down, perhaps 20 families and 20 cars were there.
The 20 families became one family. The children were the children of all.
The loss of home became one loss, and the golden time in the West was one
dream. They were not farm men anymore, but migrant men.
And the thought, the planning, the long staring silence that had gone out to the
fields went now to the roads, to the distance.
Can we pull up here and sleep?
Well, sure, be proud to have you. What state you from?
Oklahoma, huh?
They spoke of the future.
Wonder what it's like out there.
Well, the pictures sure do look nice. I've seen one where it's hot and fine.
And walnut trees and berries.
And right behind, it's a tall up mountain covered with snow.
That's a pretty thing to see.
The Jode Family moved slowly westward, up into the mountains of New Mexico,
past the pinnacles and pyramids of the upland. They climbed into the high
country of Arizona, and the stars flowed down in a slow cascade over the western
horizon.
A border guard stopped them.
Where are you going?
To California.
Got the desert yet, said Tom, and I hear she's a son of a bitch.
The truck moved on into the evening and the edge of the sun struck the rough
horizon and turned the desert red.
He pulled to an all-night gas station and filled the tank and the radiator and
filled the crankcase.
There's the desert, they say. Look out for the desert so you don't get hung up.
Take plenty of water in case you get hung up.
What a place.
I'd like to walk across it.
People done it. They could, we could.
Lots of us that died, too.
We ain't out of that shit.
They drove through Tehachapi in the morning glow and the sun came up behind
them and then suddenly they saw the great valley below them.
The vineyards, the orchards.
The peach trees and the walnut groves and the dark green patches of oranges.
And Pa said, God almighty.
Ruthie and Winfield scrambled down from the car and then they stood silent and
awestruck. The distance was thinned with haze and the land grew softer and softer
in the distance.
Ruthie whispered, it's California.
Sweeping across the country.
... becomes one of the great literary achievements of our time.
A human, revealing, soul-stirring story that instantly becomes the most
discussed novel of modern literature.
The Grapes of Wrath.
As sales skyrocket, The Grapes of Wrath becomes the book of
the nations.
Due to this unprecedented popularity, producers vie for the motion picture
rights. Daryl F. Zanuck.
Ich habe mit Zanuck mehrere Male gearbeitet. Ich habe dort viele
Filme gemacht.
Und er war immer nach einem Vertrag. Und ich war nicht interessiert. Bis zu
Grapes of Wrath. Und das war Bait.
Tom Jones wird von Henry Fonda gespielt. Er hat gesagt, ich werde dich nicht
spielen lassen, Tom Jones, wenn ich dich nicht kontrollieren kann.
Ich habe Grapes of Wrath gemacht.
Für die Nachwelt ist diese Erpressung weniger schmerzlich, denn es ergibt sich
daraus ein rares Werk amerikanischer Selbstkritik.
Ford und Fonda blicken einer Tatsache ins Auge, wie das Freiheitsversprechen
des Kapitalismus jenes der Demokratie verhöhnt.
Die Okies, die ihr Hab und Gut an die Banken verloren haben, sind nach
Kalifornien gewandert.
Hier, im gelobten Land, betreten sie die nächste Stufe der Ausbeutung, den
unregulierten Markt der Saisonarbeit.
Name? Joe.
How many men?
Four. Women?
Two. Kids?
Two. Can they all work?
Sure, I guess so.
Okay, House 63.
Wages, five cents a box.
No brews through.
Move along, you go to work right away.
Die Polizei schützt nicht die Arbeiter, sondern die hohe Gewinnspanne der
Plantagenbesitzer. Die Schandbehausungen in den Camps folgen demselben Prinzip.
Die Roosevelt-Administration zieht daraus ihre Schlüsse. Es braucht
Interventionen des Staates und einen neuen Sozialkontrakt.
Menschenwürdige Arbeitersiedlungen wie das Weedpatch Camp in Arvin gehören
dazu. Es bietet der Familie Jode und ihren realen Vorbildern Unterschlupf und
Solidarität.
Und es existiert immer noch.
Ford und Fonda haben hier gedreht.
Sharon Garrison ist im Lager geboren, ein paar Jahre nach dem Filmdreh.
Sie und ihre Tochter halten das historische Camp am Leben.
Okay, see?
I can still do it.
Yes, baby, that's just the way I feel.
Some of the older people said we had ghosts. And I said, well, if we do,
they're the sweet spirit of people from long ago. So don't be afraid.
Das restliche Camp wurde modernisiert und steht weiterhin unter öffentlicher
Verwaltung. Fast 1000 Arbeitsmigranten wohnen hier zwischen Mai und Oktober.
Aber es sind nicht mehr die Okies, die das Geschäft der Obst- und Gemüseernte
besorgen. Das machen heute vor allem Familien aus Mexiko.
Die Bedingungen sind hier, wie schon 1939,
besser als in den privat verwalteten Lagern.
Die Arbeit beginnt um 5 Uhr früh.
Auch sie ist die gleiche wie damals.
Im Film von John Ford wird die Weintraubenernte selbst nicht ins Bild
gesetzt. Diese visuelle Leerstelle hat ein historisches Pendant.
Die Roosevelt-Regierung baute zwar Camps für die Erntearbeiter, aber das Recht
auf gewerkschaftliche Organisation gewährte sie ihnen nicht, aus
Rücksichtnahme auf die Großfarmer im Süden.
Erst eine Generation später konnten Dolores Huerta, Cesar Chavez und die
United Farm Workers of America diese Rechte teilweise erkämpfen. Die
Weintraubenstreiks der 60er und 70er Jahre bezogen ihre Kraft noch aus dem
alten Sinnbild vom Zorn.
sind die Farmworkers of America ihren Genossen in anderen Branchen noch immer
nicht überall gleichgestellt.
Der Geist von Tom Jode ist eine Leerstelle in der Politik.
Er ist mit Henry Fonda in die Sphäre der Kultur entwichen.
No.
Well,
it was after I'd done the film. We just went on a tour of bars and got drunk.
We were never intimate, close, close.
I think we had admiration for each other.
Now, I wrote down something he said of you.
He said...
Ist he accurate?
Opposites in conflict.
Damit kann ein Mensch gut arbeiten, wenn er nicht zu viel drüber nachdenkt.
Die Gegensätze können in ihm sichtbar werden.
Ein Mann der Zärtlichkeit und der Gewalt.
Ein Mann, der sich für einen Realisten hält, aber das Gespräch mit den
Gespenstern sucht.
Ein Outlaw als kommender Präsident.
Beide Figuren, der Außenseiter in Gefahr und der Vertreter einer gerechteren
Zukunft, fallen 1939 in Henry Fonda zusammen.
Die Früchte des Zorns sind in der Lincoln-Hymne enthalten.
Man kann sie mithören, auch wenn die Worte fehlen.
Die Zukunft, in die er geht, benötigt beide Figuren. In beiden verkörpert er
Kritik am alten Amerika.
So lädt er auch jene Bürger zur Identifikation ein, die mit den
herrschenden Mächten nichts zu schaffen haben.
Es gab keine einzige Familie in der Stadt, die nicht von einem der Jungs in
der Firma war.
Wir wussten, dass einige unserer Jungs sterben würden.
Wir wussten nicht, welcher, aber alle versuchten nicht, darüber nachzudenken.
Dein Sohn, Richard Todd, wurde in Aktion getötet.
Alle standen bei ihren Radios. Wir dachten über unsere Jungs.
Es konnte nicht viel schlimmer werden.
But it did get worse.
This was war.
War brought right here to our little town.
There were more telegrams.
There was one for our old man Landry about his grandson Jamie, who had been
an orphan.
One for the whites.
And the Greenbergs.
Nach Kriegseintritt rekrutieren die USA zuerst Fonders Stimme. Dann setzt er den
Schritt zur Tat und meldet sich freiwillig zum Dienst in der Navy.
Fonda erlebt das zunächst so wie Mr. Roberts, die Figur, die ihm später einen
Broadway-Triumph und ein Kino-Comeback bescheren wird.
Although I learned a great deal.
A lot of it was going to school.
I sailed through this boot camp for officers and came out the head of the
class.
I had impressed the shit out of people.
Und ich bin ein Egerbeber und ich sagte, ich möchte zu den Vorwärmen gehen.
Für mich war das, wo die Aktion war.
Ich war ein typischer, auch wenn ich 37, 38 war, ich war ein
typischer Egerbeber, der Japanese schießen wollte.
Peter hat es verloren.
An John Fords Dokumentarfilm über die Schlacht von Midway hat er noch vom
Heimathafen aus mitgewirkt, als Hollywood-Sprecher.
Schon bald wird er selber am Pazifik aktiv sein.
Ob es
tatsächlich Everybody's War ist, lässt sich bezweifeln.
Im Juni 1943 finden in Los Angeles die Zoot-Suit-Riots statt.
Straßenschlachten zwischen eleganten, messerbewährten Bürgern, die aus Mexiko
stammen, und rassistischen Matrosen der Navy.
Da ist gerade Fonders letzter Vorkriegsfilm angelaufen. Er hat ihn,
dem unwilligen Zaynok, regelrecht abgerungen.
Die Oxbow-Incident handelt von amerikanischen Tätern. Unter den Opfern
ist auch ein Mexikaner.
Die USA als Retter- oder als Täternation. Ganz hell
oder ganz dunkel. Kein anderes Land wird so geliebt und gehasst. Aber diese
Rollenbilder sind kitsch.
Chiaroscuro ist kein Entweder-oder, sondern ein Mittel, um den Raum
dazwischen zu begreifen.
Auch die Bilder, die John Ford vom Krieg mitgebracht hat, stehen unter
Kitschverdacht. Doch sie lassen Widersprüche zu. Sie sind fähig zur
Trauer und leugnen die eigenen Verluste nicht.
In Fondas Heimatstadt werden B-29-Bomber erzeugt. Die fliegenden Superfestungen
sichern den USA Überlegenheit im Krieg gegen Japan.
Die Todbringendste unter ihnen ist die Enola Gay.
Sie wirft die erste Atombombe über Hiroshima ab.
Ihr Kommandant hat sie nach seiner Mutter benannt.
Die Schwester der Enola Gay hieß ursprünglich Man of War.
Im Zuge der Restaurierung wurde sie neu bemalt.
Nach der Mutter bringt jetzt das Pin-Up-Girl den Tod.
Es war nur etwas Neues, eine größere Bombe.
Und ich ging nach Tinian mit meinem Boss, Commander Kepke.
Wir beriefen den Piloten darüber, wo er hingeht und welche Marken er suchen
soll.
Und das nächste, was ich wusste, war, dass wir über Hiroshima reden.
Das hat mich zurückgezogen.
Ich kann nur wünschen, dass...
Sie hatten es nie gedacht, es im ersten Moment zu machen.
Sie haben nie eine Atomwaffe gemacht.
Ich bin gegen alle von ihnen. Das ist es, was wir gemacht haben.
Am 6.
August 1945 hat ein Flugzeug wie dieses die erste Atomwaffe auf der Stadt
Hiroshima gedroht.
Drei Tage später, nach dem Verurteilung, hat ein Flugzeug wie dieses die zweite
Atomwaffe auf Nagasaki gedroht. Das war der, der Emperor Hirohito überzeugte.
We could systematically drop these and decimate the entire Japanese population.
At worst they just said, well, that's dangerous, let's don't touch it.
That's not the nature of man though, is it? No.
Do you think it will eventually destroy us?
I wouldn't be surprised.
Die ersten Nachkriegsjahre stehen im Zeichen der Selbstbefragung. Im Kino
regieren Zweifel statt Triumphalismus.
Auch Fonda hat einiges dazugelernt.
Als traumatisierter Heimkehrer in Daisy Canyon gibt er es zu erkennen.
Das ist
ein
anderer Nachkriegsfilm, ohne Fonda.
Strange Victory
Der Sozialist und Dokumentarist Leo Hurwitz erkennt Wunden, die sich nicht
auf den Körper und nicht aufs Individuum beschränken.
Du warst wohl früher am Party, als du gedacht hättest. Ich bin immer früher,
als ich denke.
Denkst du nicht, dass du mir diese gibst?
Ich gebe sie immer, wenn jemand mich hört.
Warum hast du mich 400-mal gefragt, ob ich echt bin?
Warum nicht?
Nichts anderes hier ist echt.
Als ich nach Europa kam, die erste Zeit nach dem VE-Tag, haben sie die 6. Straße
auf die Straße der Amerikaner geändert.
Es war nicht New York, es war kein Zuhause.
Ein Fremdheitsgefühl breitet sich aus.
Was im Weltmaßstab als Sieg der Demokratie gefeiert wird, erscheint im
eigenen Land als unvollständig.
Fonda richtet sich neu aus.
Es ist unklar, ob er als Filmstar noch gebraucht wird. Er legt eine lange
Kinopause ein.
Sein Broadway-Comeback macht's möglich.
Mr.
Roberts, ein Stück vom Krieg, wird 1948 zum Schlager.
Es hält Fonda von Senator McCarthy's Hexenjagd auf linke Filmschaffende fern.
Karrieren wie jene von Leo Hurwitz verlaufen im Sand oder gehen weiter am
Rand unter falschen Namen.
Fonda gleitet sieben Jahre später sanft ins Kino zurück, unter dem Namen seiner
Theaterfigur.
Und plötzlich sind diese beiden Charaktere die Namen der Kommunisten im
Geschäft, die sie auf schwarzen Liste stellen.
Warst du mit ihnen wieder freundlich?
Mit Duke war es ein bisschen wärmer.
Er war ein sehr guter Kerl und er hatte auch einen Sinn für Humor. Aber ich habe
Ward Bond nie verabschiedet und habe ihn nie wieder gesprochen.
Zerbrochene Freundschaften. Das sind die milden Opfer, die Linksliberale wie
Fonda erbringen.
Leo Hurwitz, der den Krieg gegen Faschismus und Rassismus auch fürs
eigene Land fordert, wird vom Markt sanktioniert. Er findet keine Abnehmer
für seinen Film.
Und Virgil Richardson, der nicht nur in Strange Victory, sondern auch im
wirklichen Krieg als einer der Tuskegee Airmen den Himmel über Europa befreite,
geht bald ins Exil.
So wie im Film gab
es für den Piloten und Mitbegründer des American Negro Theater in Harlem nach
1945 kaum mehr Jobs.
Er lebte fortan in Mexiko, als Synchronsprecher, als Autor, als Lehrer.
You came in out of the victory, out of the rain of shells, into this sunlight,
into this peace.
So rest now, baby.
Make a wish now, baby.
Because nobody knows the trouble you'll see.
Nobody knows for sure where the victory is.
Lost, strayed or stolen.
It isn't here.
And if we won, why do we look as if we lost?
Why is the news still bad?
This is Alfred Hitchcock speaking.
In the past I have given you many kinds of suspense pictures
But this time I would like you to see a different one.
The difference lies in the fact that this is a true story, every word of it.
And yet it contains elements that are stranger than all the fiction that has
gone into many of the thrillers that I've made before.
Das Craig House im Tal des Hudson River ist auch so ein Ort, an dem das
Wirkliche ans Erträumte grenzt.
Die Anrainer sagen, dass es hier spukt.
Geisterfotografen suchen die verlorenen Seelen, die im Craig House gelebt haben
und gestorben sind, als es noch ein Sanatorium für psychisch Kranke war.
Der Erbauer, ein Schiffsmagnat, war mit einer posttraumatischen
Belastungsstörung aus dem Bürgerkrieg zurückgekehrt.
Fortan engagierte er sich in der psychischen Gesundheitsfürsorge.
Im 20.
Jahrhundert wird sein Haus zum Refugium für begüterte Patienten.
Zelda Fitzgerald, Truman Capote und Marilyn Monroe zählen zu den Gästen.
Rosemary Kennedy, JFKs Schwester, lebt drei Jahre hier.
Und Frances Seymour Fonda verbringt hier ihren letzten Frühling.
14 Jahre zuvor, im September 1936, hat sie Henry Fonda geheiratet.
Ein paar Tage, bevor er mit Sylvia Sidney und Fritz Lang diese Szenen
drehte.
You Only Live Once malt den
Eheleuten einen Traum aus, bevor der Albtraum beginnt. Ein dunkles Märchen.
Well, she was a very fun person to be with.
She enjoyed life.
She enjoyed the things we did.
When I was a kid we used to catch him in the sewer drain.
We were very happy for 12, 13, 14 years. It was a very successful marriage.
Like Romeo and Juliet.
No kidding, that's how they are.
Francis Seymours Jugend und ihre erste Ehe mit einem New Yorker Millionär waren
von Gewalt und Alkoholismus geprägt. Ihre zweite Ehe zeigt in die
Gegenrichtung. Modellhaftes Hollywood-Glück mit Henry Fonda.
Ein paar Jahre lang hält das Modell.
Diego Rivera malt ihr Porträt, der Gatte versucht sich an einer Büste.
Dann zieht der Mann in den Krieg.
Die Frau wird als manisch-depressiv diagnostiziert.
Nach dem Krieg kehrt der Mann nur äußerlich in das Modell zurück.
Kurz nach dem Fotopicknick für Harpers Bazaar bittet er sie um die Scheidung.
In diesem Jahr verbringt sie schon mehr Zeit in stationärer Behandlung als zu
Hause.
Am 14. April 1950, ihrem 42.
Geburtstag, beendet Frances Seymour Fonda im Craig House ihr Leben mit einem
Rasiermesser.
Im Testament und in den Abschiedsbriefen ist ihr Ehemann nicht erwähnt.
Als junger Witwer in Daisy Canyon hat er den Albtraum schon vorher geträumt.
Und nachher, nach den Ereignissen im Craig House, ahnt Alfred Hitchcock, dass
die Tragödie von Francis und Henry, der wahren Geschichte des Wrong Man, einen
doppelten Boden verleiht.
Der Schuldig-Unschuldige
The Wrong Man greift auf Fonders Vorkriegsfigur zurück.
Aber das gesellschaftliche Unbehagen ist komplizierter geworden.
Das Wort Depression meint in den 50er Jahren etwas anderes als in den 30ern.
Wer sündigt, kann beichten gehen.
Wer von der Justiz verfolgt wird, kommt vor Gericht.
Aber im Alltag, dort wo die Entfremdung regiert, hilft kein göttliches oder
richterliches Urteil.
Es gibt keine Auflösung.
Der Schuldspruch bleibt aus.
Ich wollte,
dass es das Beste gibt.
Das Beste für sie.
Und das war, als Francis zuerst zu einem Zuhause ging.
Da ist deine Tasche, Junge.
Ich weiß nicht, was es war. Es war nicht ein Ort, wo du dich beteiligt hattest,
sondern für zerstörte Leute.
Komm schon, Junge.
Hast du jemals gelernt, was eine Zerstörung betrifft?
Nein.
Einiges davon...
I've put out of my mind so that it's almost a blank.
And I never dreamed that it would be anything permanent.
It was just a bore to have a wife who wasn't always well.
Is it difficult to talk about that time for you?
Well...
Zwölf Stunden nachdem sich seine Frau umgebracht hat, spielt Fonda zum 883.
Mal Mr. Roberts.
Ein Indianer kennt keinen Schmerz.
Der Sohn wird das Trauma vom Freitod der Mutter später in den Film einbauen, der
seine eigene Weltkarriere begründet.
Und er ist auf einem LSD-Trip und er beginnt zu sprechen, als ob es seine
Mutter war.
Das war, was nennt man das?
Improvisation. Improvisation, ja.
Ich erinnere mich nicht wirklich daran.
Die Orte der Verzweiflung sind aus demselben Stein gemeißelt wie die Säulen
des Guten.
Und in dem Jahr, in dem sich Henry Fonda als der Wrong Man gezeigt hat, ist er
auch einer der zwölf Geschworenen im gleichnamigen Film.
Es geht jetzt nicht mehr um seine Schuld.
Er sitzt auf der anderen Seite des Gerichts.
Dabei rückt er dem Hohen Haus immer näher. Er beginnt zwar kein Dasein als
Politiker, aber immer öfter spielt er es jetzt.
Er macht den Sprung vom Wrong Man zum Best Man.
Die Zwölf Geschworenen war schon eine Art Mission Statement für sein Ideal des
modernen Politikers. Es ist der einzige Film, den er selbst produziert hat.
Die Haltungen, für die er hier wirbt, unterstützt er auch in der Realität.
Gleich nach dem Dreh im Sommer 1956 wirft er sich in den Wahlkampf für Adlai
Stevenson. Der Kandidat der Demokraten ist schon lange von das
Herzenspräsident. Ein progressiver Intellektueller mit Humor, ein
Atomwaffenskeptiker, ein Mann der Worte.
Hadley Stephensons fiktionales alter Ego hat Erfolg mit seiner sanften Strategie.
Er insistiert und gewinnt Mitstreiter. Und er stellt seine Argumente immer
wieder neu zur Wahl.
Der wirkliche Stevenson hat beim Wahlvolk weniger Glück.
Er verliert zum zweiten Mal gegen Eisenhower, den populären
Weltkriegsgeneral.
Berechtigte Zweifel.
Sie sind in der Politik oft hinderlich. So wie auch das Image des kühlen
Moralisten, der sich für überlegen hält.
Rassisten mögen sowas gar nicht.
Ist der Common Sense denn nicht genug?
Das Amt verlangt einen gewissen Ernst. Viele Menschen
halten das für Arroganz.
Wie lange dauert es, Al?
Das ist kein Spiel.
Hast du ihn gesehen?
Der Nerven.
Der absolute Nerven. Das ist kein Spiel.
Wer denkt, er sei er?
Ich bin es nicht.
Ich war kein politischer Redner, aber ich war der Präsident.
In Washington führt ein Aufzug hinab zum roten Telefon.
Die Kommandozentrale der Luftwaffe in Omaha erreicht man nur zu Fuß.
In Echtzeit dauert der Abstieg zu den Ruinen des Kalten Kriegs sechs Minuten
und führt mehrere Etagen ins Erdinnere.
Hier in der Offwood Air Force Base hat eine Fehlfunktion der Computer dazu
geführt, dass amerikanische Flieger die Sowjetunion ansteuern. Mit der Mission
Atombomben über Moskau abzuwerfen.
Um den Dritten Weltkrieg zu verhindern, müssen die
USA ihre eigenen Streitkräfte ausschalten.
Der nächste Schritt ist es, die Kämpfer nach den Bombern zu beurteilen, sie
visuell zu erheben und sie von ihrem Kurs zu verlassen.
Aber wenn die Bomber nicht antworten, dann was?
Die Kämpfer werden beurteilt, sie zu schießen.
Wer gibt das Beurteilung?
Sie, Sir.
Danke, General. Ich bin zurück.
Der Point of No Return ist jedoch längst überschritten.
Der Film Failsafe steuert einen anderen Punkt an.
Das Ende der Welt.
Im selben Jahr wie die Satire Dr.
Strangelove wagt Sidney Lumet einen tiefernsten Zugang zur nuklearen
Apokalypse.
Die Gewissensfrage, die er und Fonda den Zwölf Geschworenen gestellt haben,
erhält nun eine globale Dimension.
Die schweißtreibende Enge der Gerichtsräume nehmen sie mit ins
Weltgericht von Failsafe.
Die alte Kommandozentrale mit ihrer abgehängten Decke ist den gespenstischen
Zügen von Failsafe heute näher denn je.
Der Film hat schon 1964 eine physische und moralische Ruinenlandschaft
vorhergesehen. In einer Zeit, die noch ganz den Technokraten zu gehören schien.
In der öffentlichen Erinnerung ist der Kalte Krieg besser erhalten als in
seinen Gebäuden und Geräten. Die Objekte sind jetzt im Museum.
Die Träume und Albträume von War Rooms und Erstschlägen sind kein Problem mehr
für die Kulturvermittler der Gegenwart.
Von dem Zeitpunkt, als du die Kugel geöffnet hast, war das Missil auf dem
Weg zum Ziel Nummer 2.
30 bis 35 Minuten von jetzt, wird der Ziel Nummer 2 nicht mehr existieren.
Es wird literally in der Lichtung drei Mal breiter werden als die Sonne.
Das ist nicht dein Problem.
Sag, was du denkst.
Die Angst gilt in Failsafe weniger den Sowjets als den eigenen Maschinen.
Für den Film sind Frieden und Sicherheit kein Computerresultat, sondern das
Produkt menschlicher Vernunft.
Auf die Vernunft berufen sich aber auch die Liebhaber des Kriegs. Auch ihre
Stimmen werden gehört.
General Curtis LeMay etwa plante schon früh den nuklearen Erstschlag.
Innerhalb von 30 Tagen sollten 133 amerikanische Atombomben auf 70
sowjetische Städte fallen.
LeMay ist nicht nur äußerlich das Kontrastprogramm zu Fonda und Adlai
Stevenson. Auch seine Rationalität reibt sich an ihrer.
Der Kalte Krieg soll an Hitze gewinnen.
Der glühende Antikommunist LeMay ging 1965 in Pension, aber sein Militarismus
setzte sich durch.
Die massive Eskalation des Vietnam-Konflikts folgte seiner Doktrin.
Instrumentelle Vernunft baut gleich viel Mist wie der Computer.
Die Geschichte ist auch im Spiel von Henry Fonda anwesend, doch sie fordert
ganz andere Dinge von ihm.
Er sucht nicht den kurzfristigen Vorteil, weder als Präsident noch als
Darsteller. Er sucht das kleinere Übel und die kleinere Geste.
Versteckt darin ist das Gewicht der Welt, die es zu bewahren gilt.
Das kleinere Übel ist ein monströses Opfer.
Im Tausch gegen die Auslöschung Moskaus, die kaum mehr verhindert werden kann,
offeriert er den Sowjets die Vernichtung von New York, wo sich auch seine Frau
aufhält. Statt Bomben und Bombast zeigt die Hand vor dem Gesicht, was nicht
gezeigt werden kann.
Von der spielt im Angesicht der Toten. Er hört das Flüstern derer, die schon
gestorben sind und jener, die noch sterben werden.
No human being did wrong.
No one is to be blamed.
We're to blame, both of us.
We let our machines get out of hand.
Still, it was an accident.
Two great cities may be destroyed.
Millions of innocent people killed. What do we say to them, Mr. Chairman?
Accidents will happen. I won't accept that.
What do we do, Mr. Chairman?
Und doch zieht es ihn dorthin.
1964 spielt Fonda nicht nur den gequälten Präsidenten, sondern auch
einen, der sich als Best Man um dieses Amt bewirbt.
Die Vorlage ist schon 1960 erschienen, im Jahr von John F. Kennedys Wahlsieg
über Richard Nixon.
Fondas Parteitagskino wird inszeniert von Franklin Scheffner.
Der hat sein Metier beim Fernsehen gelernt, so wie Sidney Lumet.
Beide haben live erlebt, wie das neue Medium und die US-Politik zu einer neuen
Maschine verschmolzen sind.
Die Mensch-Maschine Fernsehen ist sanfter als der Weltuntergangsautomat in
Failsafe. Aber ihr Albtraum wird länger andauern und den Raum für politisches
Handeln immer enger machen.
Der Hauptgegner ist ein Populist mit religiösem Eifer und kalter Taktik. Ein
Aufsteiger, der auf Erpressung und Verleumdung setzt.
Er hat ein reales Vorbild, den jungen Nixon, schon damals bekannt als Tricky
Dick.
Das dämonische Licht ist kein Zufall. Tricky Dick badet im Urschleim des
weißen Sendungsbewusstseins.
Well,
Bill?
Am Ende ist der Best Man ein anderer, ein Dritter.
Schon wieder das kleinere Übel.
Fonda verzichtet auf seine Chance, um Schlimmeres zu verhüten.
Das wirkt
wie eine Lösung, aber es ist eine düstere Vorschau. Der Rechtsstaat, die
United States und der Urschleim of America driften auseinander.
Because you have no sense of responsibility toward anybody or
anything.
And that is a tragedy in a man and it is a disaster in a president.
You don't understand me.
You don't understand politics.
You don't understand this country.
The way it is and the way we are.
You're a fool.
Das Opfer ist kleiner als in Failsafe.
Es bringt nur einen winzigen Sprung im Geschichtsverlauf, aber eine große
Hoffnung, dass sich die Politik daran wieder aufrichten möge.
Doch der heilsame Schock ist eine Illusion.
Denn Nixon wird trotzdem gewinnen, bei der nächstbesten Gelegenheit, vier Jahre
später. Auch dieses mögliche Ende war im Film schon angelegt.
Der alte Präsident hat sich der Spielregel gefügt. Er sieht von das
Dilemma, aber die Regel ist nicht für Gewissensethiker gemacht.
Henry Fonda geht jetzt auf die 60 zu. Er wird nicht mehr kandidieren.
Das Flüstern in den Gräbern bringt jetzt eine andere Melodie zum Schwingen.
Und so... ...kompromissieren sich diese kleinen
Korruptionen... ...einer auf der anderen Seite. Die Macht will schon Korruption.
Wie endet das Ganze, Art?
Wo endet es?
In den Graben, mein Sohn. Wo die Duster weder gut noch schlecht sind.
Nur nichts.
Am Colorado River treffen zwei Bundesstaaten aufeinander und zwei
Glücksversprechen. Die Old Trails Bridge ist der Übergang vom einen zum anderen.
Im Fall der Familie Fonda ist sie auch ein Verbindungsstück zwischen den
Generationen.
Für Pioniere und andere suchende Seelen war es einst die Brücke ins gelobte Land
am Pazifik.
Aber nicht jeder ist im Grenzgebiet willkommen.
Schon in den 30er Jahren war es gespickt mit Barrikaden, Polizisten und
Vigilanten.
Die Beweglichkeit der Arbeiter hilft den Bossen, die Löhne zu drücken. Eine
Arbeiterbewegung muss jedoch verhindert werden.
Den Okies sagte man nach, dass sie den Kommunismus nach Kalifornien bringen
würden.
Heute findet der Einwanderungsstopp anderswo statt.
Es sind auch nicht mehr die Okies, sondern Lateinamerikaner, die
zurückgewiesen oder eingelassen werden.
Und die Okies haben Südkalifornien auch nicht in ein kommunistisches Paradies
verwandelt. Im Gegenteil. Der Weg zum Wohlstand ging bei den einstigen
Migranten mit einer Rechtswende einher. In den 60er Jahren wählten sie und ihre
Kinder einen Hollywood-Reaktionär zum Gouverneur.
Die Reagan-Welle begann in Kalifornien.
Auch die Easy Rider haben die historische Brücke im Blick, als sie
1968 den Colorado River überqueren.
Sie fahren allerdings nicht nach Kalifornien, sondern weg von dort,
zurück in den Wilden Westen.
Fonda's Sohn Peter wendet sich gegen die ganze Vätergeneration.
Er macht sich zum Tom Jode einer neuen Gegenkultur.
I suppose in a sense I'm a competition with my father, because I like to be the
guy next door.
Only these days the guy next door is far from being stoic.
He smokes pot, he understands that he hates his mother and his father, doesn't
want to go to war, doesn't believe the politicians, doesn't believe the clergy,
doesn't believe his teachers.
So he has to reject all those things that were set up as being the guiding
lights for him.
I find myself somewhere in the same position.
That's why I say I feel like I'm the guy next door.
Because inside my business, there's no place for me.
Inside the walls of a motion picture studio, the idea of the guy next door is
still my father.
But 40 years younger, 20 years younger.
Times, they are changing, as some famous poet said.
You gotta reflect the change of times.
Heute ist die alte Brücke reserviert für die Pacific Gas & Electric Company.
Das Erdgas kennt keine Straßensperren. Es fließt unbehindert quer durch den
Westen der USA.
Mit den Profiten aus der Chemie- und Brennstoffindustrie sind auch die
Schäden an Umwelt und Atmosphäre explodiert.
Die Pacific Gas & Electric gehört zu den großen Sündern.
Sie hat jahrzehntelang das Wasser und die Erde rund um die Pipeline mit Chrom
-6-Oxid verseucht.
Do you think big business
is out of control in this country?
No, I don't think they're out of control. I think they're getting more
and more in control.
I think Reagan is for big business.
He's doing everything he can to help big business.
In Sachen Fortschrittskritik und Umweltbewusstsein ist der Vater am Ende
seines Lebens den Kindern wieder nähergerückt.
Mit ihrer lautstarken Rebellion hatten sie ihn verärgert. Dabei wollten sie nur
seinen Faden aufnehmen.
Jane Fondas Medienruhm ist ihr Spieleinsatz. Vom Vietnamkrieg bis zum
Kampf für eine radikal-demokratische Klimapolitik.
Anders als ihr Vater nützt sie die Kraft der Empörung auch als Aktivistin.
Ich möchte zurück zu den Fossilfuel-Mitgliedern zurückkehren,
weil Exxon in 1977 wusste, dass das, was sie gemacht haben,
die Atmosphäre verursacht hat. Und sie sagten, es ist nicht so schlecht wie
eine Nuklearwahl oder eine Verbrechung.
Sind diese Menschen, deren Herzen und Sohlen so von Griechisch zerstört
wurden, oder was? Wer sind diese Menschen?
Die Leute, die sie meint, bleiben im Schatten. Sie lassen lieber ihre
Maschinen sprechen.
Die sind attraktiv und vergnüglich.
Politische Aktivisten müssen lernen, damit umzugehen.
Die Talkshow-Maschine zum Beispiel, mit ihrer endlosen Ironie, die muss man ganz
direkt ansprechen, ohne sich den eigenen Ernst abkaufen zu lassen.
Was ist das für leidenschaftliche Show-Folk?
Ich weiß, dass die meisten Leute hierher kommen, um diese Art von Show zu hören,
um zu lachen und zu verabschieden.
Aber von der Art von Reaktion, die es heute gibt, habe ich das Gefühl, dass,
wenn Leute über Dinge reden, die wichtig sind, die etwas für sie bedeuten, und
wenn sie ehrlich sind, und ihr wisst, dass wir alle zusammen reden, mögt ihr
das nicht?
Henry Fonda wirkt abgeklärt, aber das Bild trügt.
Auch er hat die Komfortzone verlassen und seine eigene 68er-Revolte gewagt.
Während der Sohn als Captain America und die Tochter als Hanoi Jane die
verlorenen Utopien der Elterngeneration suchen, ist der Vater zu den Quellen der
Gewalt zurückgekehrt, die bis heute das Leben in Amerika heimsucht.
Once upon a time in the West.
Ein linksromantischer Italiener führt Regie.
I enjoyed Sergio.
He's a real character.
So I committed.
Still not sure why he'd cast me.
I had thought in the meantime, what could I do to make myself look more like
a villain?
And I grew a mustache and a little divot to look something like the guy that
killed Lincoln.
And I got brown contact lenses to cover my baby blues.
And I arrived at the set.
Blauäugigkeit hat viele Seiten bei Leone. Sein Eisenbahn-Tycoon verliert
sich im Traum vom Kalifornischen Meer.
Fonda spielt den Killer.
Einen jener mittleren Angestellten der Expansionswirtschaft, die ohne Ideale
auskommen. Sie erledigen ihre Jobs im Hinterland, damit korrupte Politiker und
Räuberbarone ihr eigenes Idealbild bewahren können.
Als Macher und Mezenaten.
Der eine hat das Geld, der andere hat eine Armee.
Beide sind blauäugig.
Weder Kapital noch Gewalt, noch beide zusammen, reichen aus, um politische
Macht und Legitimität zu gewinnen.
1968 zeigt Sergio Leone die USA in einem gebrochenen Spiegel.
Das Einwandereridyll zum Auftakt erinnert an John Ford.
Die Pioniere des amerikanischen Weltmodells verrichten ihr Tagwerk im
Einklang mit der Natur und ihren Fakten.
100 Jahre später, im Film nur 5 Minuten später, ist das Idyll dahin.
Das Bild hat sich gewendet.
Der Angriffskrieg der USA in Vietnam beginnt 100 Jahre nach der Kolonisierung
des Westens.
Die Dreharbeiten von Once Upon a Time in the West beginnen zwei Wochen nach dem
Massaker von My Lai.
Die politische Macht des amerikanischen Modells kippt jetzt in Ohnmacht. Ihr
Ausdruck ist die Gewalt.
Der Vietnamkrieg wird fortgesetzt, gegen alle Fakten, aus Imagegründen.
Aber die Massaker und Flächenbombardements sind der Sprung im
Spiegel. Das Bild der Guten wendet sich zum Bild der Bösen.
Bei Leone wird daraus ein buchstäblicher Wechsel der Perspektive.
Now that you've called me by name.
In der Kleinstadt Tuckahoe, nördlich von New York, lebt Maud Findlay,
eine resolute Frau der Mittelschicht. Sie vertritt die Anliegen der
Frauenbewegung und wirbt für die Erneuerung der USA nach Watergate und
Vietnam.
strahlt weit ins Land auf.
In der Folge Maud's Mood geht sie aufs Ganze.
Wir schreiben den Jänner 1976.
Im Herbst muss ein neuer US-Präsident gewählt werden.
Und Maud weiß, wen sie will.
Für das Mount Rushmore-Denkmal wurde ein heiliger Berg der Lakota gesprengt. Und
die vier Präsidenten, die jetzt dort thronen, wurden nicht von Frauen
gewählt.
Eine Alternative zur großen weißen Männerdemokratie des Mount Rushmore gab
es in den Wäldern von Tuckahoe schon Jahrhunderte vorher.
Hier lebten die Stämme der Irokesen-Konföderation.
Und Menschen wie Maud waren bei ihnen entscheidungsbefugt.
Sämtliche Führungskräfte wurden von den Frauen bestimmt.
Kein Krieg wurde ohne ihre Einwilligung geführt.
Der alte Mohawk Tom Porter kommt aus dieser Welt.
Jüngst haben die Bürger den nächsten Schritt gesetzt.
Die Führung in Tuckahoe obliegt nun erstmals einer nicht weißen Person und
erstmals einer Frau.
Maud träumt diesen Traum nicht für sich.
Sie sieht sich als Initiatorin, als Klein-Mother, die den Klein-Leader
auswählt. Also bestellt sie ihren Traumpräsidenten zu sich.
Sie versucht sich in der Kunst des Pre-Enactment.
Sie spürt die Schwingungen im amerikanischen Wahlvolk. Die hohe
Bereitschaft, eine Figur aus der Traumfabrik ins höchste Amt zu
befördern. Maud spürt eine virtuelle Realität. Für Henry Fonda ist es nur ein
Sitcom-Gag.
I'm looking for the Tuckahoe Community Theater.
My agent gave me this address, but obviously there's been some mistake.
Well, it's not really a mistake.
No, it's more like a lie.
I'm afraid I don't understand.
It's 7 o'clock, I'm due on stage at 8.30. I've never missed a curtain in my
life.
Mr. Fonda, I proudly present you with your next career.
President of the United States.
Jimmy Stewart put you up to this, right?
This is your headquarters.
You are a presidential candidate.
Mrs. Findley, as we used to say back home, a cat may have kittens in the
oven, but that don't make them biscuits.
Let me tell you something about my dream, Mr. President.
That does sound good, doesn't it?
Mr. President.
Sure, you say you're totally and completely inexperienced, but
inexperienced at what?
Inexperienced at corruption, at pandering to special interests, at
duplicity. Mr. Fonda, you have something that no other candidate has. It's what I
call spiritual honesty.
Mr. Fonda, you are the quintessential American and the only one who can bring
to this country the leadership it so desperately needs.
I miss anonymity very much.
In Dreamlife gehen die Dinge ihren eigenen Weg.
Der anonyme kleine Mann, den Fonda vor 40 Jahren so gern gespielt hat, ist
lebendig.
Der Taxifahrer taugt immer noch als Sinnbild für diesen Anonymous.
Seine neue Frisur ist von den Mohawk geborgt und wirft eine Frage auf.
Wer hat Anteil an der angeblichen Regierung des Volkes und wer führt sie
an?
Der Film Taxi Driver kommt im Februar 1976 ins Kino, zwei Wochen nach Mauds
Mood. Als Ausdruck von Americas Mood sorgt er für landesweite Debatten.
Einige Jahre später wird die Fiktion, die Martin Scorsese, Paul Schrader und
Robert De Niro entworfen haben, noch stärker ins politische Geschehen
hineinragen.
Der Taxifahrer und Vietnam-Veteran Travis Bickle plant ein Attentat.
In der Ära des Spektakels löst das Glücksversprechen der Zelebrität jenes
der Anonymität ab.
Das reale Vorbild für Pickel ist Arthur Brammer, ein schüchterner junger Mann,
der im Mai 1972 dem Präsidentschaftskandidaten George
Wallace aus nächster Nähe vier Bauchschüsse zugefügt hat.
Ein paar Jahre später laufen die Dinge bereits umgekehrt.
Die Realität nimmt Maß am fiktionalen Taxifahrer.
John Hinckley, ein schüchterner junger Mann, ist wie besessen von dem Film und
von der Schauspielerin Jodie Foster.
Er schreibt ihr Briefe, verfolgt sie und will sie retten.
So wie der Taxifahrer die junge Prostituierte, die Foster im Film
gespielt hat.
Um die Schauspielerin wirklich zu beeindrucken, muss Hinckley in ihre
Berühmtheitsklasse aufsteigen. Er geht zur direkten Aktion über, am Tag der
Oscar-Verleihung, bei der Robert De Niro für seinen neuen Film und Henry Fonda
für sein Lebenswerk gewürdigt werden sollen.
Auch in der Wahl der Mittel folgt Hinckley dem Vorbild von Taxi Driver.
Seine Kugeln treffen US-Präsident Reagan, den Pressesprecher James Brady
und zwei Polizisten.
Die Security-Kräfte und die TV-Kameras kämpfen um die besten Plätze im Theater.
Die Oscars werden um 24 Stunden verschoben. Reagan hält trotzdem die
geplante Begrüßungsrede.
Oder umgekehrt. Unser Fühlen und Handeln ist schon geübt im Reenactment von
Kinofantasien. Reagan und Hinckley sind Meister darin.
Das Phantasma ist real.
Auf der Redemption-Tour des Attentäters kann man es noch vier Jahrzehnte später
nachhören.
Maud? Hinclays regressive und Mauds utopische Einbildungen halten jetzt die
Wirklichkeit im Würgegriff.
Henry Fonda wählt den anderen Weg.
Er erinnert sich an die Frühzeit der Virtual Reality.
als er mit dem Volksschulkind Jodie Foster noch Werbung dafür machte.
Unendlicher Spaß.
Er möchte nicht mehr daran teilhaben.
Der Traum ist aus.
Die Geschichte wird zeigen, dass sein Schauspielerdasein kein Gegenargument,
sondern das beste Argument für seine Kandidatur gewesen wäre.
Aber Fonda wollte es so.
Er will,
dass das Spektakel und das Spekulieren aufhören.
Auch
das
ist nicht der wahre Grund.
Radikal ist höchstens seine Scheuheit.
Vier Jahre später wird ihnen das Lachen vergehen und Fonda muss kotzen.
I'm surprised there isn't more opposition.
I think he's got us on a path now that we're going to be on that path for a
long time.
Do you know Reagan?
Yeah.
Friends or just acquaintances?
Acquaintances. Was he ever a good actor?
No.
Is he now?
No. How did he get elected?
He's a hell of a speech maker.
Government is not the solution to our problem.
Die Regierung ist das Problem.
Er sagt die Dinge, die die Leute hören wollen.
Er sagt sie sehr überzeugend und mit einer Sincerität.
Und er spricht eine Sprache, die die Leute lange nicht gehört haben.
Und das beeinflusst sie.
Ich höre eine Rede von Reagan und möchte mich aufhören.
Am Ende seiner Tage zeigt Fonda die Dinge her, die er wirklich liebt.
Die Arbeit im Hühnerstall und im Garten, die Bienenstöcke und den großen
Obsthain.
Seit 1941 setzt er auf Nahrung aus dem eigenen Anbau. Als Organic Farmer
ist er ein Vorreiter unter den Amerikanern des 20.
Jahrhunderts.
Auch seine andere Passion befriedigt ihn mehr als die Schauspielerei.
Seit den 50er Jahren hat er im Geheimen gemalt.
Jetzt erlaubt er sogar, dass Reproduktionen im Supermarkt verkauft
werden.
Eines seiner Bilder zeigt ein aufgeschlagenes Buch.
Darüber hat er ein Vergrößerungsglas gezeichnet, damit John Steinbecks Zeilen
über Hunger und Zorn nicht blass und unscharf werden im Alter.
Die letzten Jahre bringen große Ehrungen, vom Kennedy Center bis zu den
Oscars am Tag nach dem Reagan-Attentat.
Die Academy teilt ihre Liebe an
diesem Abend gerecht auf.
zwischen zwei Meistern ihres Fachs und zwei konträren Begriffen von
Schauspielkunst.
Den Ehren-Oscar an diesem Abend vergibt ein anderer Robert.
Für das Lebenswerk eines Künstlers, der gar keiner sein will.
Getting the special Oscar last year was more difficult.
They wouldn't stop applauding.
There was standing ovation and they wouldn't stop.
And I just kept standing there with Bob Redford for what seemed like five
minutes before I could say a few words.
Everybody knows how I feel about the Oscar.
And yet getting it,
The way I was is alright.
They're not telling you that you were the best this year. You were better than
Al Pacino, Robert De Niro and who else.
It was for a body of work.
And that was an honor. I appreciated that.
Henry, you have honored us over the years with your work.
And it pleases us here tonight to be able to honor you with our appreciation.
Ein Jahr später fällt sein Name erneut, nun als Best
Actor und für seinen letzten Film.
I will not be there and put up with that shit that I watch it on TV.
No way.
I know that he's watching right now and I know that he's very, very honored and
very happy and surprised.
And I'll bet when he heard it just now, I bet he said, hey, ain't I lucky?
As though luck had anything to do with it. Dad, me and all the grandchildren
are coming over with it right away.
Das Haus, das Henry Fonda gebaut hat, ist ein Traumhaus, wie in dem Film
Spencer's Mountain.
Ein Gerüst für die schönsten Einbildungen und die finstersten
Vorahnungen. Fragil und unfertig, so wie der Traum von der Demokratie.
Fonda hat auch ihre Albträume gespielt.
So also in aller tiefster Trauer.
verkleidete das kostüm der wahrheit ein schauspieler des schmerzes der sein
wirklicher schmerz war ein hinterbliebener der toten von morgen so
also stand er in der mittagsglut seiner ausgestorbenen straße drehe die zeit
um sprach die stimme zu mir nimm den schmerz schon heute vorweg vergieße die
tränen im voraus Und das Totengebet, das uns Knabe gelernt, um es am Grabe deines
Vaters zu sprechen, das bete nun für die Sohne, die morgen sterben werden
und für die Enkeln, die niemals geboren werden werden.
Denn übermorgen wird es zu spät sein.
So lautete der Auftrag.
Am 12.
August 1982 ist Henry Fonda gestorben.
Es gibt kein Grab für ihn, nur einen Rosengarten in Nebraska.
Er hat verfügt, dass sein Leichnam verbrannt und seine Asche verstreut
werden soll.
Er will sich in unbedrohbaren Staub verwandeln.
So lebt er weiter, ein wandelnder Widerspruch, der Präsident der
Namenlosen.
Der kleine Mann und der Mann, der Wunder wirkt. Sie können ihre Plätze tauschen.
Die Legende misst sich an der modernen Realität. Und umgekehrt. Ein richtiger
Mann kann der falsche sein. Oder beides.
Oder keines von beiden.
Als Mann ohne Namen hatte ihn Sergio Leone schon früh im Visier.
Jetzt nach dem erfolgreichen Spiel vom Tod gelingt auch das Spiel von
Zelebrität und Anonymität. Fonders Lieblingssujet.
Mein Name ist Nobody.
Nobody.
Fonda ist die Legende, die einen Ausweg sucht. Unter den Indianern zwischen den
Gräbern zeigt ihm ein Nobody, wie man wieder zum Nobody wird.
Am Ende steht eine Art Selbstgespräch vor Kamera und Publikum.
Ich habe es auch als eine Einladung zum Gespräch mit mir aufgefasst.
I've always tried to steer away from trouble.
But you seem to be looking for it all the time.
You can preserve a little of that illusion that made my generation tick.
Maybe you'll do it in your own funny way, but we'll be grateful just the
same.
Because looking back, it seems to me we were all a bunch of romantic fools.
Because the country ain't the same anymore.
And I'm already feeling a stranger myself.
This is why people like me gotta go.
Yes, I'm talking like a damn preacher, but it's your fault.
What can you expect of a national monument?
If I've made any sense at all in the four days that I've talked to you, you
should understand that I don't like myself.
I wish I was, you know, somebody better, smarter.
But look at the chances I've had to play all these wonderful people.
And I've been able to pretend I was those people.
Und für jemanden, der sich nicht liebt, ist das eine tolle Therapie.
Liebst du dich jetzt mehr als in der Vergangenheit?
Nein.
Ich habe keine guten Antworten auf alles.
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