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Charlotte Conrad
Andre Vidal
* schwungvolle romantische Musik *
* Eileen singt "Ces bottes sont faites pour marcher" *
(französischer Akzent) Und? Was führt Sie in unser schönes Land?
Machen Sie Urlaub? Urlaub?
Schön wär's.
Oh, eine Geschäftsreise in die Provence?
Ich bin nur hier, um eine Erbschaft abzuwickeln.
Sagen Sie:
Würden Sie lieber in den Tod investieren oder in den Tourismus?
Interessante Frage.
Als Taxifahrer: in den Tourismus.
Wäre die Kiste hier allerdings ein Leichenwagen,
dann wäre der Tod wohl lukrativer.
Außerdem sagt man doch, man soll in gute Ideen investieren.
Was ist am Tod denn bitte eine gute Idee?
Na klar. Ohne den Tod wäre das Leben schließlich weit weniger wert.
Der Tod ist eine Anmaßung der Natur.
Eine unbrauchbare Erfindung ohne praktischen Mehrwert.
Er ist schlichtweg unerträglich.
Ah ja. Das sagen alle Leute, die nicht das Leben führen,
die sie eigentlich führen wollen.
Tss.
* schwungvolle romantische Musik *
Der spinnt doch. Hey!
Tss. Was ist?
Ach, nichts. Ich kann mir nur nicht erklären,
weshalb die Franzosen sich so vehement weigern,
an einem Zebrastreifen anzuhalten. Ich meine ...
Weshalb malt man in Frankreich diese weißen Streifen auf die Straße?
Also, ich liebe dieses Land.
Stopp!
* Bremsen quietschen, Musik verstummt. *
Mann, Mann, Mann, das war knapp.
* Der Taxifahrer seufzt. *
Früher oder später hätte man ihn sowieso gegessen.
Ja, ihr esst ja auch Austern lebendig.
Diesen Frosch wird niemand essen.
* unbeschwerte Musik *
Voila. Das macht dann 87,90 Euro.
So, das sind 90.
Stimmt so. Danke.
Danke.
Bin in fünf Minuten wieder da. Rose.
Schon merkwürdig, dass Rose und Olivier am gleichen Tag sterben.
So, den Rest machen wir morgen.
Ja. Mhm.
Es wird ohnehin höchste Zeit für den Wildschweinbraten.
Das hast du gut gemacht. Ja? Hm.
Wie immer. Du aber auch.
Um Olivier kümmere ich mich später.
Allons-y. Allons-y.
* langsame Musik *
Oh la la. Mmh.
Magnifique.
(Emilie) Mmh. Bon appetit. - Merci, cherie.
Gib's zu. Du ...
... denkst die ganze Zeit, was aus Charlotte geworden ist.
Er war als Kind in sie verliebt. - Echt?
Andre hat mit seiner Familie nebenan gewohnt.
Wir haben früher miteinander gespielt. Das war alles.
Ist sie das? Hier steht, sie ist Unternehmensberaterin.
(Gilbert) Oh, hübsch.
* Es klopft. *
Herr Bürgermeister! Wir wollten Olivier
unsere letzte Ehre erweisen. - Sinceres condoleances.
Danke. Bleiben Sie doch. Das Essen ist gleich fertig.
Es gibt "sanglier roti" a la Gilbert.
Ja, aber sehr gerne.
Andre, er war ein guter Boule-Spieler.
Ja.
Er hat viel für unser Dorf getan.
Das hat er.
Auf Olivier. - (alle) Auf Olivier.
* entspannte Musik *
Tut mir leid, Frosch.
Sind hoffentlich bald da.
* Sie ist außer Atem. *
Onkel Olivier.
Hallo?
* geheimnisvolle Musik *
Hallo?
* Musik verstummt. *
* Sie seufzt. *
* Akkordeonmusik *
Monsieur le maire? A table.
(Gilbert) Attention. Chaud, chaud, chaud.
(Bürgermeister) A table!
* gedämpftes Stimmengewirr *
* Die Leute plaudern. *
Hallo! Bonjour!
Charlotte, bonjour!
Bienvenue.
Mein Name ist Conrad.
Ich bin die Nichte von Olivier Hausmann.
Vidal. Ich bin seit fünfzehn Jahren hier als Bestatter angestellt.
Sie sind derjenige, mit dem ich mein Erbe teilen muss?
Das bin ich. Freut mich.
Tout le monde, das ist Charlotte.
(Emilie) Bonsoir. Emilie, unsere Praktikantin.
Und der Obelix hier, das ist Gilbert.
Obelix? Enchante.
Sieht eher aus wie Miraculix.
* Emilie lacht. *
Er ist unser Koch und der beste Leichenvisagist Frankreichs.
Bonsoir. Bonsoir.
Die anderen sind zum Kondolieren hier.
Jean-Francois, Segolene, dann hier der Bürgermeister.
Merci. Und Paul Pastis.
(alle) Non, non! Mon Dieu. Nein, nein, nicht da!
Da hat immer Olivier gesessen. Pardon.
Schmeckt fein. (Gilbert) Natürlich schmeckt es fein.
Ich hab das Fleisch nicht weniger als 24 Stunden eingelegt
in einen vorzüglichen Bordeaux Superieur.
Bunten Pfeffer, Fleur de Sel, Rosmarin, Thymian
und dem besten Olivenöl aus der Region.
Vielleicht ein Hauch zu viel Knoblauch.
Was bitte? Gilbert ist da etwas empfindlich.
Ich bin nicht empfindlich. Du bist sehr empfindlich. Doch.
Nein. Nur weil die Deutschen keine Ahnung vom Kochen haben.
Haben Sie noch nie etwas von der antibakteriellen Wirkung
des Knoblauchs gehört? Knoblauch verlängert das Leben.
Dann sollten Sie das nicht weitererzählen,
sonst hat euer Bestattungsbetrieb bald ein Problem.
Was ist mit Ihrer Mutter? Kommt die noch nach?
Meine Mutter lässt sich entschuldigen.
Sie kommt nicht zur Beerdigung ihres eigenen Bruders?
Pff. Incroyable.
(im Hintergrund) Emilie!
Da kommt dein Liebhaber. Er ist nicht mein Liebhaber.
Doch. - Nein.
* sanfte Musik *
(Gilbert) Salut, Mathieu. Salut, Mathieu.
Salut, Emilie. - Salut.
Ca va? - Mhm.
Salut.
Was gibt's?
Ich wollt dich fragen, ob du ...
... natürlich nach dem Essen ... vielleicht Lust hast ...
... mit mir ein bisschen spazieren zu gehen.
Heute ist echt schlecht.
Wir haben Besuch aus Deutschland.
Och, ich will da jetzt nicht dazwischen...
D'accord.
C'est pour toi.
Merci.
(Bürgermeister) Ich muss leider gehen, sonst schimpfen meine Kinder.
Der Braten war merveilleux. Also ...
... a la memoire d'Olivier! - (alle) A Olivier!
Olivier.
(Gilbert) Ich finde, du solltest Mathieu eine Chance geben.
Der Junge ist ziemlich verliebt in dich, weißt du.
Das Leben ist zu kurz für die Liebe.
Es ist auf jeden Fall zu kurz für ähm ...
... zu wenig Wein. Nicht wahr?
Ich hole noch etwas Rose.
Lange Reise? Ja.
Die Taxifahrer hier ...
* Paul schnarcht. *
Ja.
* Sie lachen. *
* langsame Musik *
Ach, merde!
Du bist enttäuscht. Ich verstehe das nicht.
Charlotte kann sich nicht an mich erinnern.
Als Kind hat sie meine Gutenachtgeschichten geliebt.
Lass sie erstmal ankommen, ja? Du wirst sehen:
Nach zwei Gläsern Wein kommt die Erinnerung von allein.
Hoffen wir's. Schauen wir mal.
Ich denke, wir sollten jetzt mal über das Geschäftliche sprechen.
Allons-y.
Ich würde die Betriebsschließung gern baldmöglichst einleiten.
(alle) Betriebsschließung?
Das Chateau liegt in einer traumhaften Lage.
Da bezahlen viele eine Menge Geld für.
Sie wollen es verkaufen?
Eine Hotelgesellschaft wäre sicherlich interessiert.
Touristen statt Toten.
Sie können doch nicht hier reinmarschieren und uns ...
Was soll ich mit der Hälfte eines Bestattungsinstituts?
Sie könnten stille Teilhaberin sein. Ich bitte Sie.
Ich glaube, Sie haben genug für heute.
Wollen Sie sich nicht erst von Ihrem Onkel verabschieden?
Bevor Sie sein Lebenswerk zerstören? Wir sollten das morgen besprechen.
Ich glaube, sie hat recht.
Danke für das Essen.
Bis später.
Bis morgen.
Verkaufen? Ich verkauf gar nichts.
Ich verkauf nicht.
* spannungsgeladene Musik *
Bonsoir!
Il y a quelqu'un?
Qu'est-ce qu'il y a?
Wissen Sie, wie spät es ist?
Mein Assistent hat ein Zimmer gebucht und hier ist niemand.
Das ist doch eine Unverschämtheit.
Rose ist tot.
Was? Rose ist tot.
Wie unprofessionell. Wie bitte?
Nichts. * Sie seufzt. *
* entferntes Hundegebell *
* dynamische Musik *
Diese Frau hat kein Herz und keinen Verstand.
Die war als Kind so ... Sag jetzt bitte nicht unschuldig!
Voller Fantasie, Neugier und Lebensfreude.
Warum sagst du nicht einfach, wer du bist?
Dass ihr euch von früher kennt und sogar so was wie Freunde wart.
Ich trag ihr doch nicht die Erinnerung hinterher.
Ich möchte, dass sie sich von sich aus an mich erinnert, an uns.
* Klingel *
* Klingel *
Bonsoir.
Schon wieder zurück?
Tun Sie nicht so scheinheilig!
Sie haben doch genau gewusst,
dass Sie Roses Leiche im Keller haben.
Wie sind eben diskret.
Sie haben mich diskret auflaufen lassen.
* dynamische Musik *
Na fragen Sie schon!
Sie kosten Ihren Triumph voll aus.
Sind Sie nicht ein bisschen alt dafür?
Na gut.
Wenn es Sie glücklich macht.
Hätten Sie eventuell ein Zimmer für mich?
Hm.
Außerdem müsste ich noch meinen Frosch füttern.
Sie haben Glück. Da sowieso die Hälfte des Chateaus Ihnen gehört,
treten Sie ein.
Mein altes Zimmer. Handtücher sind im Schrank.
Und wenn Sie sonst noch was brauchen,
einfach nachfragen. Danke.
Bonne nuit.
Gute Nacht!
* sanfte Musik *
* Hört in Gedanken das Kinderlied "Un kilometre a pied". *
* Ein Hahn kräht. *
(in ihrer Erinnerung, Junge) Un, deux, trois ...
* Vogelgezwitscher *
(in ihrer Erinnerung) Un, deux, trois ...
* Der Junge zählt auf Französisch weiter. *
(in ihrer Erinnerung, Mann) Charlotte!
Oncle Olivier!
(Hörbuch) "Herzlich willkommen
zu Kappelbecks Führungskräfteseminar!"
"In den nächsten Kapiteln erfahren Sie,
wie Sie die Weisheiten der chinesischen Kriegsführung anwenden,
um in Ihrem Job und in Ihrem Leben zu bekommen, was Sie wollen."
* dynamische Musik *
* Sie ist außer Atem. *
Bah! Das ist ja widerlich!
Bonjour.
(außer Atem) Bonjour.
Sie sollten sich umziehen, wir haben gleich einen Termin beim Notar.
* beschwingte Musik *
Hier.
Hier steht zunächst, Sie sollen bitte
Ihrer Frau Mama ausrichten, dass es ihm leidtut.
Was tut ihm denn leid?
Das steht hier nicht.
Ansonsten erben Sie beide zu gleichen Teilen das Anwesen.
Das Wissen wir bereits.
Wer bestimmt, wie es jetzt weitergeht?
Olivier wollte bestimmt, dass das Institut weitergeführt wird.
Oder nicht? Davon steht hier nichts.
Es ist eindeutig.
Sie können mit dem Anwesen machen, was Sie wollen.
Mais ... Sie müssen sich nur einig sein.
Und? Was passiert jetzt? Ich gehe weiter meiner Arbeit nach.
Haben Sie vorher nicht zugehört?
Wir sind dazu verdammt, uns zu einigen.
Die Leute hören nicht auf zu sterben,
nur weil im Chateau ein Erbschaftsstreit ausbricht.
Sollen sie halt mehr Knoblauch essen.
Und wie ist es gelaufen?
Nicht gut. Nicht gut.
Das Leben ist zu kurz, um sich zu streiten.
Wir werden ja sehen. Na super.
Wo ist mein Mimolette?
Keine Ahnung, wovon Sie sprechen.
Ich spreche von Käse, gestern Abend war er noch im Kühlschrank.
Mein geliebter Mimolette, 18 Monate gereift,
schweineteuer und verdammt lecker. Das stinkende Ding war ein Käse?
Sie haben meinen ...
Sie haben Gilberts Lieblingskäse weggeschmissen?
Das sah aus wie ein verdorbenes, widerliches Etwas.
Wie eine verschimmelte Frucht oder der Kopf eines toten Aliens.
Vielleicht kann ich ... Wo ... Gilbert!
Keine Chance, die Müllabfuhr war schon da.
Das werden Sie noch bereuen.
Und den Käse ziehst du von ihrem Erbe ab!
Gut gemacht. Moment. Wo gehen Sie denn hin?
In den Keller. Können wir das klären?
Monsieur Richard. Ich brauche mehr Grün.
Ich muss zum Auto. Ich helfe Ihnen gleich.
* Er flucht. *
Was macht er denn hier?
Er bemalt den Sarg seiner verstorbenen Frau Rose.
Der Witwer der Pensionsbesitzerin? Exakt.
Warten Sie.
Was wollen Sie denn bei den ganzen Toten? Ich meine ...
Können wir die Erbschaftssache hier oben diskutieren?
Sie fürchten nicht nur französischen Käse, sondern auch den Tod.
Blödsinn. Und ich fürchte den Tourismus.
(Gilbert) Schön, nicht wahr? Geschnitzt.
Reinste Handarbeit, ein elegantes Modell.
Fast so elegant wie Sie.
Oh, Gilbert, Sie sind ein Charmeur.
Das haben Sie sicher vom guten alten Olivier gelernt, nicht wahr?
Wir können den Sarg gerne reservieren.
Das würden Sie tun? - Für Sie doch immer, Madame Bardeau.
Auch wenn es noch ein Weilchen dauern sollte,
bis der Herrgott mich zu sich holt?
Aber natürlich, Madame Bardeau.
Wir können Ihnen mit dem Preis auch entgegenkommen.
Danke. Sie sind ein guter Mensch, Gilbert.
Sagen Sie, darf ich mich noch kurz von Olivier verabschieden?
Aber selbstverständlich.
Kommen Sie, Madame Bardeau, ich zeige Ihnen den Weg.
Bonjour. (Madame Bardeau) Bonjour.
Es ist mir ein Rätsel, dass manche Menschen glauben,
sie kommen in den Himmel, weil sie sich eine teure Holzkiste
mit christlicher Symbolik kaufen.
Sie glauben an nichts, nehme ich an? Sie etwa?
Sie glauben allen Ernstes an das Paradies?
Wie kann man in Ihrem Alter bitte an Gott glauben?
Es steht Ihnen frei,
von kirchlich-konventionellen Bestattungen Abstand zu nehmen.
Zum Beispiel Ihre Asche zu einem Diamanten pressen zu lasen.
Oder sich für Forschungszwecke
den Sezierdebütanten eines medizinischen Instituts
zur Verfügung zu stellen.
Sie können Ihren geliebten Körper aber auch plastinieren
und in ein schickes Museum stellen lassen.
Es werden auch immer wieder echte Leichen für Crashtests gesucht
für die Automobilindustrie.
Aber lassen Sie mich.
* Donnergrollen und Regen *
* Eine Uhr tickt laut im Hintergrund. *
Was machen Sie da?
Eine Effizienzanalyse vom Betrieb. Aha.
Wie effizient sterben die Leute im Dorf?
Nicht sehr effizient.
Liegt an dem guten Wein und den Meeresfrüchten.
Schauen Sie sich lieber mal das hier an.
Die Immobilienpreisentwicklung für die Provence
für die letzten zehn Jahre.
Lavendel- und Weintouristen, Oliven ...
Hotelinvestoren suchen ständig nach neuen schönen Objekten.
Selbst wenn wir uns den Ertrag teilen und Sie den Käse abziehen,
ist das immer noch lukrativer als Ihr kleines Sterbebusiness hier.
Sie verstehen's nicht, oder? Was?
Haben Sie Ihrem Onkel mal bei der Arbeit zugeschaut?
Die Menschen im Dorf brauchen uns. Zum Sterben?
Das kriegen die meisten alleine hin, oder?
Es geht um die Angehörigen, nicht nur um die Toten.
Die Bewohner haben Olivier vertraut. Er hat jedem zugehört.
Trauern macht einsam.
Warten Sie!
Was halten Sie von folgendem Vorschlag:
Wir holen für das Objekt ein Sachverständigengutachten ein.
Ich zahle Ihnen 60 Prozent des ermittelten Verkehrswertes.
Im Gegenzug darf ich mit der Immobilie machen, was ich will.
In einer Stunde gibt's Essen.
* leise Musik *
Salut, Emilie.
Wir müssen diese Frau ... Nein, nein, nein.
Ich glaube eher, wir müssen sie ... knacken.
Wie eine Auster. Du weißt schon: harte Schale ...
... weicher Kern. Das glaubst du doch selber nicht.
Doch. Den gibt's.
Und ich kenne ihn.
Sind Sie das? Ja.
Ich und meine Freunde von den Flying Frogs.
Das ist meine Helmkamera. Cool, oder?
Wollen Sie sich umbringen? Im Gegenteil.
Ich will das Leben spüren.
Und da spüre ich es mit jeder Faser meines Körpers.
Wenn was passiert,
sind Sie bei Ihren Bestatterfreunden in guten Händen.
Haben Sie sich Ihren Sarg schon ausgesucht?
In der Tat habe ich mir meinen Sarg schon ausgesucht.
Kann nicht jeder so tun, als wären wir unsterblich.
Et voila, mesdames. Jetzt essen wir.
Et voila.
Austern. Haben Sie ein Problem mit Austern?
Nein, ich ...
Austern enthalten jede Menge gesunde Omega-3-Fettsäuren,
sind äußerst cholesterinarm und ...
... fördern die Potenz.
Casanova soll 50 Stück davon am Tag gegessen haben.
Wer's nötig hat.
Ich hab übrigens Ihren komischen Käse gegoogelt.
Im Mai 2013 verhängten die US-amerikanischen Zollbehörden
ein Importverbot für Mimolette mit der Begründung,
dass der Käse als Ganzes oder zum Teil aus einer
schmutzigen, verdorbenen oder verrotteten Substanz besteht
und als Nahrungsmittel nicht geeignet sei.
Sagt das Land,
in dem sie gegrillte Marshmallows für eine Delikatesse halten.
Und wenn Sie noch weiter so angeekelt schauen,
esse ich Ihnen Ihre Austern weg.
Dann können Sie gucken, wo Sie bleiben
auf der vergeblichen Suche nach Currywurst.
Ich weiß, die Dinger sehen ziemlich widerlich aus.
Fand ich früher auch. Aber dann hab ich mir gedacht,
das Leben ist zu kurz, um Angst vor leckerem Essen zu haben.
Ist das irgendein Tick von Ihnen? Was?
Das Leben ist zu kurz für dies, das Leben ist zu kurz für das.
Kommen Sie. Ich helf Ihnen.
* gefühlvolle Musik *
Schnupfen mit Meersalz.
Sagen Sie, in dem Haus da wohnte früher eine Familie, oder?
Ja, aber das ist schon lange her. Wo sind die jetzt?
Weggezogen.
Wie schade.
Kannten Sie die Familie, die da gewohnt hat?
Nur flüchtig.
Mit dem kleinen, dicken Nachbarsjungen
hab ich ab und zu gespielt.
Wie hieß der noch? Wie wär's, wenn wir nachher
'ne Runde Boule spielen? Ich wär dabei!
Meinetwegen.
Charlotte?
Ich heiße Charlotte mit "e" am Ende.
Okay, Charlotte mit "e" am Ende.
Ich hab 'nen Vorschlag.
Du und ich spielen Boule und wer zuerst 13 Punkte hat,
darf entscheiden, was mit dem Chateau passiert.
Das werden wir mit Sicherheit nicht tun.
Warum denn nicht? Dein Onkel hat dir's doch beigebracht.
Woher wissen Sie das?
Jeder Franzose bringt Kindern das Spielen bei.
Mein Onkel war kein Franzose.
Dein Onkel war mehr Franzose als jeder Franzose.
Sagen Sie, seit wann sind wir eigentlich alle beim Du?
Seit heute.
* unbeschwerte französische Musik *
* Musik verstummt. *
* ruhige Klaviermusik *
So, noch etwas Rouge für Rose.
Sie wird dem Richard sicherlich gut gefallen.
Das hast du wirklich toll gemacht, Gilbert.
Sieht ja wunderschön aus.
Selbst der Tod kann ihr nichts anhaben.
* geheimnisvolle Streichmusik *
Das gibt's doch nicht.
Onkelchen, Onkelchen.
* Klackern der Tastatur *
* Pfeifen und Plantschen *
* Andre summt. *
(Hörbuch) "Kapitel zwei: Mit dem Messer eines anderen töten."
"Wie Sie Verbündete einbinden, die gegen Ihren Feind
einen Stellvertreterkrieg führen."
* Kirchenglocken *
* ruhige, traurige Musik *
Rose hat alle Menschen mit offenen Armen empfangen.
Fremden in der Fremde ein Gefühl der Nähe und Geborgenheit zu geben,
ein Zuhause zu schenken,
auch wenn es nur für ein paar Tage war -
- das war unsere Rose.
Bonjour. Bonjour.
Mmh.
Hatte ganz vergessen, wie köstlich diese Dinger schmecken.
Kopfschmerzen? Mhm.
Ich war gestern noch tanzen.
Wo kann man denn hier tanzen?
Es gibt da eine kleine Dorfdisco.
Gar nicht mal so schlecht.
Nur der Wein ist nicht der beste.
Bonjour.
Cheri, nur, weil wir einmal miteinander geschlafen haben,
heißt das noch lange nicht,
dass du dich an unseren Croissants bedienen darfst.
Ca va pas, non?
Merci pour le croissant. - Bonne journee.
Du kostet das Leben ganz schön aus, hm?
In vollen Zügen.
Du liebst die Unverbindlichkeit.
Und, führst du Tagebuch über deine Eroberungen?
Nein, ich genieße lieber den Moment.
Dann konzentriere ich mich auf den nächsten.
Das versuche ich zumindest.
* Auslöser * Mhhh!
* Kichern *
Und du, genießt du den Moment?
* sanfte Musik *
Ich frage mich die ganze Zeit,
was ein Mädchen wie du in einem Kaff wie diesem macht.
Es ist einfach.
Ich habe eine Weltreise gemacht.
Ich wollte alles erleben.
Und bin hier einfach hängen geblieben.
Weil's hier am Schönsten ist?
* Auslöser *
Es ist das Licht, siehst du das denn nicht?
* Die Musik wird melancholisch. *
* Sie atmet tief ein. *
* Eine Frau meldet sich auf Französisch. *
Ja, hallo.
Ich würde gerne einen Verdacht auf Steuerbetrug melden.
Da stimmt irgendwas nicht.
Die Schlange ist mir viel zu entspannt.
Wahrscheinlich kommt die Erinnerung langsam zurück.
Wir sollen weiter versuchen, Vertrauen zu ihr aufzubauen.
Gut, dann werde ich mal zu ihr gehen und ein bisschen Vertrauen aufbauen.
Ach, Gilbert.
Gilbert!
Gilbert!
* rhythmische Akkordeonmusik *
Wir müssen reden.
Wollen Sie mich umbringen?
Ah, verstehe!
Wenn's nicht läuft, produziert ihr eure Leichen selbst.
Haben Sie heute Morgen einen Clown gefrühstückt?
Nein, ein köstliches Croissant. Das müssen Sie verstehen.
Sie können nicht reinschneien und alles zerstören!
Wir werden eine Lösung finden, die alle zufriedenstellt.
Vorausgesetzt, sie stecken dieses riesige Fleischermesser weg.
Ich könnte Ihnen heute beim Kochen helfen, wenn Sie mögen.
Was ist denn mit Ihnen los?
Waren wir nicht längst beim Du?
Was lesen Sie denn da?
Bartleby. Melville!
Darf ich?
"Für meinen großen Bruder Olivier,
der wie Bartleby ein Leben jenseits bürgerlicher Zwänge
und Konventionen leben möchte.
In Liebe, deine kleine Schwester."
Vive la deraison.
* fröhliche Musik *
Mmh. Was gibt's denn?
Geschmorte Lammkeule in Rosmarinjus.
Und als Amuse-Gueule ein paar saftige grenouilles.
Grenouilles? Froschschenkel.
Auf keinen Fall. Mimolette gegen Frosch, das ist fair!
Du hast wohl zu viel Rose getrunken.
* rhythmische Musik *
* Quaken *
Ab in die Freiheit, du kleiner grüner Prinz!
* Quaken *
Du schneidest den Knoblauch.
Das sollte ich bei meinem Onkel früher auch immer machen.
Wie ... ist er denn gestorben?
Ich meine, war es schmerzhaft?
Er hatte das seltene Glück, sanft einzuschlafen.
Wie man sich das wünscht.
Vor einigen Wochen hat er gemerkt, dass es zu Ende gehen würde
und alles in die Wege geleitet.
Deshalb hat er Andre die Geschäftsführung übergeben.
Wie er es sich immer gewünscht hatte.
Er hat nur vergessen, das im Testament zu fixieren.
Willst du dich nicht langsam verabschieden?
Ich glaube, ich mache das morgen.
Aber du könntest mir zeigen,
wo er bestattet werden soll. Gerne. Komm.
Aber denkt daran, rechtzeitig zum Essen zurück zu sein.
Müssten wir schaffen.
(seufzend) Quel amour fou!
* lebensfrohe Musik *
Holst du mit dem Leichenwagen auch deine Dates ab?
Nur die, die es mir wert sind.
Aber du bist ja jetzt Teilhaberin in einem Bestattungsunternehmen.
Du wirst hier noch öfter sitzen.
Netter Versuch.
* Handy *
Weißt du, wie viele Menschen infolge von zu viel Arbeit sterben?
Bei der Arbeitsmoral der Provence
sicher nicht viele. Ist das so?
Hier wird doch mehr gegessen als gearbeitet.
Und das verkaufen sie dann allen als Savoir-vivre.
Was hast du eigentlich gegen die französische Lebenskunst?
Liegt wohl in der Familie.
Olivier hat das anders gesehen.
Meine Mutter konnte nie verstehen,
warum ihr Bruder in Frankreich geblieben ist.
Die beiden waren politisch.
Als sie jung waren, wollten sie gemeinsam die Welt verändern.
Doch irgendwann hat Olivier den Sinn darin nicht mehr gesehen,
hat sein Politikstudium geschmissen und wollte nur noch weg.
Und während sich meine Mutter, seine Schwester,
mit ihrem kleinen linken Buchladen mühsam über Wasser halten musste,
hat er sich beim Spielen in Monte-Carlo ein Vermögen aufgebaut.
Vielleicht war sie insgeheim neidisch?
Neidisch?
Während sie für ihre Ideale gekämpft hat,
hat er sich hier im Paradies 'n faulen Lenz gemacht.
Im Paradies?
* sanfte Musik *
Und von hier aus soll die Asche meines Onkels
in alle Winde verstreut werden.
Ja.
Hätte ich mir denken können,
dass er nicht eine halbe Ewigkeit unter der Erde verbringen möchte.
So sehr wie er die Sonne liebte, die Luft, die Berge und Felder.
Ja, das liebte er.
Aber um ehrlich zu sein,
verbringt niemand 'ne halbe Ewigkeit unter der Erde.
Nach ein bis zwei Jahren ist vom Körper nicht mehr viel übrig.
Wobei Fingernägel, Sehnen und Haare bisschen länger brauchen.
Danach ist nur noch das Knochengerüst da.
Asche zu Asche ... ... Staub zu Staub. Genau.
Je nachdem wie oft die Angehörigen
den Mietvertrag für das Grab verlängern,
wird das dann wieder ausgehoben
und die Überreste werden entsorgt.
Wie machst du das nur? Was?
Dich den ganzen Tag mit dem Tod beschäftigen,
ohne zu verzweifeln.
Ich glaube, man verzweifelt viel mehr,
wenn man sich nicht damit auseinandersetzt.
Memento mori. Memento mori.
Carpe diem, YOLO ... Nenn es, wie du willst.
Ich glaube, es ist wichtig,
dass man sich immer wieder bewusst macht,
dass wir irgendwann sterben.
Sonst wird man ganz schnell Teil der Mühle
und dann lebt man sein Leben nicht mehr,
sondern schaut ihm nur noch beim Vergehen zu.
* schwungvolle Musik *
(Gilbert) Bonjour, mademoiselle et monsieur.
Was kann ich für Sie tun?
Laurent, Steuerfahndung.
Das ist Monsieur Fabius, mein Assistent.
Wir sind hier für eine unangekündigte Steuerprüfung.
Wenn Sie so freundlich wären, uns Ihre Buchhaltung zu zeigen.
Ja.
Haben Sie auch eine Genehmigung oder wie sagt man doch gleich?
(Gilbert) Mhm ...
Ich glaube, ich war hier schon mal. Mit deinem Onkel?
Ja, er hat mich und den Nachbarsjungen hierhergeführt.
Schön, oder?
Du weißt nicht zufällig,
wie die Familie von nebenan hieß? Keine Ahnung.
Mochtest du ihn denn, den kleinen Jungen?
Ja, er war lustig.
Bisschen dick vielleicht,
aber er hat mich zum Lachen gebracht.
Ich denke, er mochte dich auch.
Ich bin so blöd.
Du bist das!
Andre Vidal, na klar!
Wie konnte ich nur so blind sein?
Vielleicht, weil ich jetzt anders aussehe.
Was habe ich denn noch alles vergessen?
Wieso hast du nichts gesagt?
Du warst plötzlich so anders, so was wie meine Gegnerin.
Salut, Andre!
Schön, dass du zurück bist.
* romantische Musik *
Du hast dir damals immer so schöne Geschichten ausgedacht.
Dein Onkel wollte, dass ich dir Gutenachtgeschichten erzähle,
damit du besser einschläfst.
Aber die waren so spannend, dass ich erst recht nicht schlafen konnte.
Monster, Zombies, Aliens ... Du hattest viel Fantasie.
Du auch, Charlotte.
Du hast dir sogar überlegt, wie es wäre,
nach Frankreich auszuwandern. Ich glaube, du verwechselst mich.
Du hattest Pro-und-Contra-Listen. Und? Was ist passiert?
Du bist erwachsen geworden.
* Motor röchelt. *
* Motor röchelt. *
* Motor röchelt. *
Das kann doch nicht sein! Ja.
Franzosen und ihre Schrottkarren. Das ist ein deutsches Fabrikat.
Habe nichts gesagt. Und die Rechnung teilen wir 50:50.
Der Wagen ist Teil des Erbes. Das könnte dir so passen.
Und jetzt?
Jetzt laufen wir.
Bist du verrückt?
Das waren doch mindestens 20 Kilometer.
Lass uns doch mal verrückt sein.
Es lebe die Unvernunft.
Vive la deraison. Vive la deraison!
* Zaz singt "Si jamais j'oublie" *
(im Hintergrund) Du warst mein Häuptling.
Ein Auto.
(spöttisch) Müde?
Ach, Quatsch.
Merci.
* triste Musik *
Ca, c'est interessant. - Ah ... tres bien.
Mademoiselle Laurent, Monsieur Fabius,
möchten Sie vielleicht ... - Non, merci.
Non.
(Mlle Laurent) Merci.
Merci!
* gefühlvolle Musik *
Guck, ein Schmetterling.
* Sie lachen. *
Ich war schon immer schneller. Ich kriege dich.
Schneller. Ich bin schneller!
* Dialog nicht hörbar *
(Gilbert) Da seid ihr ja endlich. Ich habe versucht, dich anzurufen!
Ich habe mein Telefon nicht mitgenommen.
Was ist denn los?
Die Laurent vom Finanzamt ist da für eine unangemeldete Steuerprüfung.
Na und? Wir haben nichts zu verbergen.
Die ist da seit Stunden drin.
Da stimmt irgendwas nicht.
Immer die Ruhe bewahren.
(Gilbert) Sie wollen auf keinen Fall gestört werden.
(Gilbert) Voila.
* Tischrechner klackert. *
* Donnergrollen *
Ich hoffe, es hat geschmeckt.
Mademoiselle Laurent ...
Hören Sie. So wie es aussieht,
hatte der gute alte Olivier so einige Leichen im Keller.
Gehörte zu seinem Job, oder?
Er hat in den letzten Jahren mehr Menschen beerdigt als angegeben.
Nach einer ersten Aktensicht
hatte er über 88.000 Euro Steuerschulden bei uns.
Was?
(Mlle Laurent) Und sie Ihnen vererbt. Es tut mir leid, Monsieur Vidal.
* Donner *
Wir nehmen die Unterlagen mit. Sie bekommen den Bescheid per Post.
(seufzend) Bonne soiree. (alle) Bonne soiree.
Putain de merde. Was machen wir jetzt?
Vielleicht kann unsere Hydra ja die Steuerschulden bezahlen.
Sie ist immerhin Unternehmensberaterin.
So gut verdient man da auch nicht.
Wir machen erst mal weiter wie bisher.
Immerhin ist morgen Oliviers Beerdigung.
Die muss so werden, wie er sich das vorstellte.
Auf Olivier. Auf Olivier.
Auf Olivier.
(Hörbuch) "Kapitel drei: Die Wahrheit liegt in der Lüge."
"Die hohe Kunst der Lüge
ist ein ausgesprochen komplexes und diffiziles Gebiet."
* nachdenkliches Seufzen *
* gefühlvolle Musik *
Olivier?
Mhm. Er hat dich geliebt.
Wenn du dich noch von deinem Onkel verabschieden willst,
dann ... wäre jetzt ein guter Moment.
* leises Brummen *
Schöner Anzug.
War sein Lieblingsanzug.
Ich kannte ihn nur mit kurzen Hosen und offenem Hemd.
Er sieht friedlich aus.
Das ist ja unser Job. Unter anderem.
Was glaubst du, wie er ohne uns aussehen würde?
Gilbert, ist gut jetzt.
Ist doch wahr. Man muss der Realität in die Augen schauen.
Die Menschen sehen doch nur das, was sie sehen wollen.
Die Oberfläche, klar.
Für die einen ist das hier nur eine gewinnbringende Immobilie.
Aber wenn man genauer hinschaut, hängen Menschenleben davon ab,
was mit diesem Gebäude geschieht. Gilbert. Ist gut jetzt.
Verzeih mir, Onkel Olivier.
Verzeih mir, dass ich dich nie wieder besucht habe.
Gilbert! War das wirklich notwendig?
Wer sagt, dass nicht sie
hinter der Steuersache steckt? Charlotte? Quatsch!
Ich verwette meine drei Flaschen Chateauneuf-du-Pape,
dass sie was damit zu tun hat.
Den 2003er-Jahrgang!
Charlotte mag vielleicht pragmatisch sein,
aber so was Fieses würde sie nie durchziehen.
Ausgerechnet jetzt eine Steuerprüfung?
Wo die Schlange stundenlang in der Buchhaltung geschnüffelt hat?
Sie weiß, dass wir nicht zahlen können
und du dich von ihr auszahlen lassen musst.
Du bist ein misstrauischer Klotz geworden!
Und du bist verliebt und verblendet!
Olivier war ein guter und aufrichtiger Mann.
Als meine Eltern bei einem Autounfall umkamen,
hat er mich aufgenommen, wie einen eigenen Sohn.
Er hat mich das Trauern gelehrt.
Mir die Angst vor dem Tod genommen.
Niemals hat er mich angelogen.
Vertrauen wurde in unserer kleinen Ersatzfamilie ganz groß geschrieben.
Das war das Wichtigste.
Es stimmt ...
Er hat über die Jahre die Steuer betrogen.
Um insgesamt 88.000 Euro.
Das war bestimmt keine Glanzleistung.
Aber das deswegen sein Lebenswerk postum zerstört werden soll,
hat er nicht verdient.
Andererseits ...
Vielleicht schließt sich ja der Kreis hier.
Vielleicht soll es so sein.
So oder so ...
ist dies nun die letzte Beisetzung des Bestattungsinstituts Hausmann.
Mit Olivier beerdigen wir auch das, was er geschaffen hat.
Es ist wie das Leben:
Alles hat ein Ende.
* emotionale Klaviermusik *
Ist alles in Ordnung?
Ja.
Es ist nur ...
Ich frage mich, weshalb mein Onkel mir überhaupt etwas vererbt hat.
Ich meine,
ich war nicht wirklich ein Bilderbuchnichte.
Vielleicht wollte er, dass du mal wieder vorbeischaust.
Ja, vielleicht.
Der Tod allein reicht wohl nicht, aber sobald es was zu erben gibt,
kommen die Leute angereist. Gilbert!
Nein. Er hat recht.
Ich fürchte, so ist es gewesen.
Wieso seid ihr nie wiedergekommen?
Hat mein Onkel dir das nie erzählt?
Meine Mutter und er hatten sich zerstritten.
Ausgerechnet wegen einer blöden Erbschaftssache.
Mein Opa hatte wohl eine alte Münzsammlung,
die mehr wert war, als man zunächst dachte.
Onkel Olivier wollte sie als Erinnerung behalten.
Doch meine Mutter wollte den Wert ermitteln lassen und verkaufen.
Ihr Buchladen warf so gut wie nichts mehr ab.
Wegen einer Münzsammlung haben die beiden sich nie wieder gesehen?
Sie hat nachgegeben und ihm die Sammlung überlassen.
Er hing angeblich so sehr daran.
Später hat er sie doch schätzen lassen,
mit dem Erlös still und leise das alles hier abbezahlt.
Wow.
Das hätte ich Olivier nicht zugetraut.
Ich glaube, dass er nicht wusste, wie schlecht es Mama ging.
Deswegen auch die Entschuldigung im Testament.
Und deine Mutter ist auf den Schulden sitzen geblieben?
Seit ich Beraterin bin, habe ich sie stückweise abgetragen.
Anfang des Jahres war die letzte Rate fällig.
Zum ersten Mal bleibt von dem Geld, was ich verdiene, auch etwas übrig.
Du führst dein Leben für deine Mutter?
* beschwingte Musik *
Puh, ganz schön steil hier.
An was erinnerst du dich, wenn du an deinen Onkel denkst?
An die vielen Wanderungen.
Er hat mir die Provence gezeigt.
Und wenn ich mal nicht mehr laufen konnte,
hat er mich mit französischen Kinderliedern
von den müden Beinen abgelenkt.
(singt) "Un kilometre a pied ca use, ca use."
(beide) "Un kilometre a pied ca use les souliers."
(alle) "Deux kilometres a pied ca use, ca use."
"Deux kilometres a pied ca use les souliers."
"Trois kilometres a pied ca use, ca use ... "
* andachtsvolle Klänge *
Ich glaube, genau so hat er sich das vorgestellt.
Da bin ich mir ganz sicher.
Au revoir, mon cher.
Adieu, mon ami.
Voyage.
Leb wohl, lieber Onkel.
* Emilie seufzt. * Emilie!
(alle) Emilie! - (Gilbert) Qu'est ce que tu as?
Schnell, hol einen Krankenwagen!
Emilie!
* spannungsgeladene Klänge *
Emilie hat einen angeborenen Herzfehler.
Sie will eigentlich nicht, dass wir darüber sprechen,
aber ihr Herz ist eine tickende Zeitbombe.
Aber sie ist doch das blühende Leben.
Ja, vielleicht gerade deshalb.
Sie muss sich immer wieder Operationen unterziehen,
das wird nicht für immer gutgehen.
Deswegen das Praktikum im Bestattungsinstitut.
Oui.
Und ihre Eltern? Die sind in Paris.
Sie will ein unbeschwertes Leben führen, so weit es ihr möglich ist.
In der Nähe ihrer Eltern, die sich ständig Sorgen machen,
kriegt sie das nicht hin.
Bon, alors ... Entwarnung.
Sie hatte nur einen Kreislaufzusammenbruch.
Wir hatten viel Stress in letzter Zeit.
Die anstrengende Wanderung, die dünne Luft -
da kam eins zum anderen.
Können wir sie wieder mit nach Hause nehmen?
Wir behalten sie über Nacht zur Beobachtung besser hier.
Bis bald.
Ich komme gleich nach. Mhm.
(Gilbert) Tiens-toi bien.
Es ... Es tut mir leid.
Dass ich dir eine Glaubensfrage so vor den Kopf gestoßen habe.
Du hast ja im Grunde recht.
Wer glaubt heute schon noch an das Paradies?
Aber weißt du ...
Die klitzekleine Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod, ...
... ist das Einzige, was mir hilft,
das Unerträgliche irgendwie erträglich zu machen.
Ich hab dich für ein ziemlich oberflächliches Exemplar
der Event-Generation gehalten.
Dabei willst du einfach nur dein Leben genießen.
Du, ich glaube, wir sind quitt.
Auch wir haben dich anfangs
für ein ziemlich oberflächliches Exemplar gehalten.
Rational, pragmatisch.
Gefühllos.
Vielleicht bin ich das auch.
Du lebst dein Leben in vollen Zügen,
obwohl du nicht weißt, wie lange du hast.
Und ich ...
Ich weiß nicht mal, was leben bedeutet.
* Es klopft. *
Emilie! Gilbert hat mich angerufen und ...
Zut alors! Er benimmt sich wie mein Vater.
Ich komme später wieder. - Nee, brauchst du nicht.
Aber die Blumen kannst du dalassen.
Merci.
Du musst ihn wirklich hassen. Im Gegenteil.
Ich mag ihn ganz schön gern.
Was? Aber ... Schau mich an.
Mein Leben ist nicht gerade auf Nachhaltigkeit ausgelegt.
Ich bin bald zu nichts mehr zu gebrauchen.
Wer will so was haben?
Deshalb die ganzen unverbindlichen Bettgeschichten?
Wer keine Gefühle investiert, hat auch nichts zu verlieren?
Wahre Liebe lohnt sich nicht.
Kaum hat man sich aneinander gewöhnt,
wird man brutal aus dem Leben gerissen.
Du sagst doch immer, du willst das Leben spüren.
Ob sich die Liebe lohnt? Keine Ahnung.
Aber der Kick ist sicherlich intensiver
als bei jedem Fallschirmsprung.
So viel Romantik hätte ich dir gar nicht zugetraut.
Das liegt vermutlich an der französischen Luft.
Ja. * Sie lachen. *
Wenn das so ist, dann solltest du keine Zeit verlieren.
Was meinst du? Na ja, du und Andre.
* Emilie lacht. *
* verträumte Musik *
Ich ...
Ich muss euch was sagen ... Wir haben gesammelt.
Francois.
Im ganzen Dorf. Wir haben schon über 18.500 Euro zusammenbekommen.
Das Dorf will beerdigt werden.
Es ist vielleicht nicht genug, die Steuerschuld auf einmal zu zahlen,
mais c'est deja un debut.
Danke!
Wir haben auch ein Crowdfunding- Projekt online gestellt.
Crowdfunding? Da kann weitergesammelt werden.
Und jetzt, Andre ...
Ab jetzt wird jede einzelne Leiche ordnungsgemäß versteuert.
Natürlich.
Ich habe Sie zwar nie gewählt, aber ich liebe Sie.
Mon maire, mon amour. - Und jetzt trinken wir einen.
Genau.
Oh, ein Chateauneuf-du-Pape?
2003? - 2003.
Der Jahrhundertsommer? - (Gilbert) Mhm.
Auf einen würdevollen Tod. - Auf ein wundervolles Leben.
Das muss gefeiert werden. A notre sante.
* entspannte Klaviermusik, gedämpftes Stimmengewirr *
Danke für die Einladung, es war ein sehr schöner Abend.
Es hat uns gefreut. Machen Sie sich nicht solche Sorgen.
Ich bin sicher, wir können eine faire Ratenzahlung vereinbaren.
Nicht wahr, Monsieur le Maire? - Aber sicher.
Danke, Francois. Andre.
Und Sie!
Halten Sie das Erbe Ihres Onkels in Ehren.
Natürlich.
(beide) Bonsoir, au revoir. Bonsoir.
* Klaviermusik hält an. *
* Vanessa Paradis & Benjamin Biolay singen "Les roses roses". *
* Die Musik wird intensiver. *
* Die Tür wird geöffnet. *
* Die Musik verklingt. *
* Vogelgezwitscher *
Guten Morgen.
Was ist denn los?
Ich ...
Ich muss dir was sagen.
Was denn?
Ich ...
Der anonyme Anruf beim Finanzamt ...
Was ist damit?
Das war ich.
Es tut mir leid.
Andre!
* traurige Klänge *
(Hörbuch) "Kapitel vier: Wenn Ihr natürliches Streben nach Macht
gefährdet ist, fallen Sie nicht der Versuchung anheim,
aus Gründen der Harmonie die Sache fallen zu lassen."
"Lassen Sie sich nie von Mitleid leiten."
"Vermeiden Sie unbedingt ein aggressives Auftreten
und spielen Sie Friedfertigkeit nur vor,
während Sie gleichzeitig jeden Moment der Schwäche Ihres Gegners
zu Ihrem Vorteil nutzen."
* Sie schluchzt. *
* Die Musik wird hoffnungsvoll. *
* Die Musik verklingt. *
Salut, Emilie. Salut.
So schön, dass du wieder da bist.
Was gibt's?
Ich ...
Ich nehme das Angebot an.
Welches Angebot?
Wir spielen Boule und wer gewinnt,
entscheidet, wie es mit dem Unternehmen weitergeht.
Es steht 12:11 - Andre benötigt nur noch einen Punkt.
Die Deutsche zwei.
* spannende Klänge *
Ja.
* spannende Klänge *
(die Menge, enttäuscht) Oh.
Ja!
Bei derzeitigem Stand hätte Andre gewonnen.
Aber es fehlt noch eine Kugel.
Das schafft die nie.
* spannende Musik *
(alle) Oh, non!
Hast du heimlich geübt? Nein.
Aber ich hatte denselben Lehrer wie du.
Herzlichen Glückwunsch.
* triste Klänge *
(Mann) Hier.
Ein guter Immobilienmakler, den ich persönlich kenne ...
... und der das Bestattungs-Chateau
sicher gewinnbringend für Sie verkaufen kann.
Sehr guter Mann. Danke.
Übrigens sucht er auch gerade einen Nachfolger
für die Pension meiner Frau.
Viel Erfolg.
* Es klopft. * Ja?
* Eine Uhr tickt laut im Hintergrund. *
Was willst du?
Ich möchte, dass du das hier weitermachst.
Ich habe noch nie jemanden gesehen,
der seinen Job mit einer solchen Hingabe ausübt.
Ich jongliere den ganzen Tag nur mit abstrakten Zahlen herum.
Nur um nicht so zu enden wie meine Mutter.
Danke. Wie kommt's?
Das Dorf will beerdigt werden. Da hast du wohl recht.
Ich möchte, dass du alleiniger Geschäftsführer bleibst.
Ich bin lediglich stille Teilhaberin in Frankfurt.
Frankfurt?
Frankfurt.
Ich geh mal zum Markt.
Ich glaube, ich bin heute dran mit Kochen.
* dynamische, verträumte Musik *
Ich muss zugeben, der Fisch war in Ordnung.
In Ordnung?
Okay, er war fantastisch.
Vielleicht ein wenig viel Knoblauch.
* Sie lachen. *
Ich hab dir noch was mitgebracht. Vom Markt.
* Sie lachen. *
Oh, ma belle Mimolette!
Mais qu'elle est magnifique! Merci cherie.
Mmh, ah! - Auf die Zukunft.
Wer weiß, wie lange sie noch dauert.
Auf die Zukunft. Es ist nie zu spät, neu anzufangen.
Ich hab schon verstanden.
Ich soll mein karges Businessleben in Frankfurt hinter mir lassen,
um hier in der Idylle der Provence
bei Stinkekäse und literweise Rose glücklich zu werden.
(Emilie) Wieso nicht? Weil ...
Weil es ein albernes Klischee ist. Na und?
So einfach ist das nicht. Doch, ist es.
Du musst es ja wissen.
Glaubst du wirklich, ich war schon immer Bestatter?
Nicht?
Ich hab mir in Paris als Anwaltsgehilfe
jahrelang den Buckel krumm gemacht.
Mein Chef war ein echter Sadist.
Le diable lui-meme.
Das hast du mir nie erzählt. - Mhm.
Eines Tages sollte ich wieder Überstunden machen.
Zum hundertsten Mal. Und dann?
Dann habe ich ihm gesagt: Je vous emmerde.
Ich möchte lieber nicht. Und dann bin ich gegangen.
Bartleby.
Mhm. Genau. Wie in dem Buch von deinem Onkel.
Ausgerechnet meine Mutter hat es ihm geschenkt.
Die reinste Anleitung zur Karriereverweigerung.
Dann habe ich mich eben ein wenig
mit dem Leben und dem Sterben beschäftigt.
Und dem Kochen und dem Wein. * Sie lachen. *
Und dann bin ich schließlich hier gelandet.
Olivier hat mich bei sich aufgenommen.
So wie wir Jahre später Emilie aufgenommen haben.
Nachdem du dir bei uns deinen eigenen Sarg aussuchen wolltest.
Und jetzt nehmen wir Charlotte auf.
Das kann ich nicht.
Karriereverweigerung? Das ist doch reine Träumerei!
Sie hat recht.
Das wäre unvernünftig.
Ich bin müde, ich gehe mal schlafen.
Bonne nuit. Bonne nuit.
Bonne nuit.
Bonne nuit. Bonne nuit.
(sanft) Bonne nuit.
* ruhige melancholische Klänge *
* Vogelgezwitscher *
Au revoir.
Bonne chance.
Merci.
Danke für alles.
Schau mal, den hab ich die ganze Zeit behalten.
Das ist deiner. Was ist das?
Schau ihn dir an.
Au revoir.
* Sie seufzt. *
Au revoir.
* ruhige Klänge *
Zum Flughafen bitte.
"Nach Frankreich auswandern. Was dagegen spricht:
Ich hasse es, dass die Autofahrer nicht anhalten,
wenn ich über den Zebrastreifen gehen will.
Austern schmecken wie Rotze und Froschschenkel sind voll eklig.
Was dafür spricht:
Erstens liebe ich den Duft der Piniennadeln,
die auf dem Boden in der Sonne rösten.
Zweitens haben die Leute hier
meistens viel bessere Laune als bei uns.
Drittens möchte ich am liebsten jeden Tag Boule spielen
und ein echter Profi werden,
damit ich endlich Onkel Olivier schlagen kann.
Ach, und dann ist da ja auch noch viertens:
der Nachbarsjunge Andre.
Der ist ja sooo süß."
* verträumte Klänge *
* Die verträumte schlägt in traurige Musik um. *
* Bremsenquietschen * Oh!
Was ist?
* Der Frosch quakt. *
* Er lacht. *
Nur ein kleiner, glücklicher Frosch.
Vive la deraison. Pardon?
* Er lacht. *
* beschwingte Musik, Quaken *
* Berry singt "Si souvent". *
Charlotte?
Danke, Andre, dass du den aufbewahrt hast.
* Sie lachen. *
Merci, Monsieur Richard. Es ist wunderbar geworden.
Oh, da gibt es nichts zu bedanken. Es war mir eine Ehre.
(Kind) Habt ihr noch was frei?
Ja, klar. Willkommen!
Sage ich doch, der Tourismus hier ist ein gutes Geschäft.
Untertitel im Auftrag des ZDF, 2016
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