All language subtitles for Der.Held.Vom.Bahnhof.Friedrichstrase.2025.1080p.BluRay.x264.AAC5.1-[YTS.BZ]

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Original subtitles

Manchmal sind es die kleinen Dinge,

die den Lauf der Geschichte entscheidend beeinflussen.

In den frühen Morgenstunden des 23. Juni 1984

war in dem riesigen Streckennetz von Berlin

eine einzige Weiche falsch gestellt.

Über genau diese Weiche aber fuhr eine Ostberliner S-Bahn

am Bahnhof Friedrichstraße vorbei bis in den Westteil der Stadt.

Am Morgen des 23. Juni wurde eine Ostberliner S-Bahn

über den Bahnhof Friedrichstraße in den Westen geleitet.

Wir unterbrechen unser Programm.

Am Bahnhof Friedrichstraße ist eine S-Bahn

von Ostberlin in den Westen gefahren.

Striebel von der Tengobank.

Ähm, Herr Hartung, ja...

Ich versuche, Sie zu erreichen, Sie sind nicht da.

Bitte rufen Sie mich zurück. Danke.

Hallo! Mach bitte auf! - Hab's gleich.

Moment! - Otis muss pinkeln.

Ich kann nicht mehr. - Gleich, Schatz.

Uh. - Opa, ich muss!

Ja, dann pinkel halt in den Blumenkübel!

Ja, gut. Hose auf.

Zu spät. - Papa, wir wollten in den Baumarkt.

Tut mir leid, Lienchen. Ich hatte Ohrstöpsel drin.

Ich machte mir echt Sorgen.

Mein Wecker ist noch auf Winterzeit.

Im September. - Na ja.

Und das Schloss?

Ich musste alles tauschen lassen.

Warum rufst du mich nicht an?

Schlüsseldienst kostet ein Vermögen. - Ja, allerdings.

Ach, Papa. Schatz, lass das liegen!

Kaffee?

Wir müssen zum Kinderarzt.

Ach, fast vergessen. Das klemmte im Briefkasten.

Brauchst du wieder Geld? - Nee, ich schaff das schon.

Vormittags ist einfach nicht meine Zeit.

Tschüs, Opa! - Tschüs!

Alle anschnallen.

Morgen! - Tag, Beate.

DER LETZTE TYCOON

Was ich haben will Das krieg ich nicht

Und was ich kriegen kann Das gefällt mir nicht

Was ich haben will Das krieg ich nicht

Und was ich kriegen kann

Das gefällt mir nicht...

Scheiße.

Tengobank, Kreditabteilung.

Ich gehe mal davon aus, Sie hören diesen Anrufbeantworter noch ab...

Hallo? Jemand da?

Moment. - Komme!

Alexander Landmann, Fakt Magazin, Ressort Zeitgeschichte.

Ist mir eine große Ehre, Sie persönlich zu treffen.

Ah, wirklich? Ja, mir dann vermutlich auch.

Was suchen Sie denn? Komödie, Drama, Horror?

Erwachsenenunterhaltung?

Um ganz ehrlich zu sein, suche ich Sie.

In acht Wochen jährt sich der Mauerfall zum 30. Mal,

und ich hätte ein paar Fragen.

Es geht um die Nacht vom 22. Juni 1984.

Ein S-Bahn-Zug fuhr scheinbar einfach so

vom Bahnhof Friedrichstraße vom Osten in den Westen.

Die sogenannte Massenflucht?

Äh, was hat das mit mir zu tun?

Herr Hartung, ich habe die Stasiakten gelesen.

Sie wurden als Kopf festgenommen.

Sie waren damals Stellwerksmeister.

Stellvertretender Stellwerksmeister. - Aber in den Akten steht...

Das ist hier eine Videothek und nicht die Reichsbahn.

Wir müssen einen neuen Mitgliedsausweis beantragen,

Formular ist hier.

Aufnahmegebühr 80 Euro.

Ich wollte nur ein Interview.

Wenn Sie die Premium-Kundschaft für 250 Euro wählen,

kann Ich länger mit Ihnen reden.

Okay.

Ich werde Premiumkunde, und Sie antworten.

Mhm. Kundenbindung ist uns sehr wichtig.

So, die erste Rate ist direkt fällig.

Bar.

Wie viel ist denn die erste Rate?

Äh, 120.

Wann haben Sie begonnen, die Massenflucht zu planen?

Und vor allem, warum?

Also, von einer Massenflucht weiß ich nichts.

Herr Hartung, Sie wurden deswegen festgenommen.

Laut Akten hätten Sie für eine Fluchthelferorganisation gearbeitet,

aber man konnte Ihnen nichts nachweisen.

Hier steht,

Sie sind verantwortlich dafür,

dass 127 Menschen vom Osten in den Westen gefahren sind.

Hören Sie jetzt ganz genau zu, Hartung.

Sie werden nie darüber sprechen,

was am Bahnhof Friedrichstraße passiert Ist.

Niemals.

Ich fürchte, das ist ein riesiges Missverständnis.

Sie sind ein Held.

Nur weiß das keiner, das müssen wir ändern.

Wollen Sie auch einen Film oder nur reden?

Meine Zeit ist kostbar.

Sie werden nie darüber sprechen,

was hier passiert ist.

400 Euro, wenn Sie mir Ihre Geschichte erzählen.

Lassen Sie mich ganz kurz telefonieren.

Ganz kurz.

Lass es.

Lass es, Micha.

400 Euro, das sind 800 Mark, n'est-ce pas?

So.

2000 Euro.

Ich würde sagen, das macht mich jetzt

zum Hyper-Premium-Platin-Kunden.

Sie müssen mir aber eine Frage vorher ganz klar und deutlich beantworten.

Haben Sie jemandem zur Flucht verholfen?

Sagen Sie nur Ja oder Nein.

Na, Landmann,

wieder mal im dunklen Stasi-Reich unterwegs?

Wir sehen uns dann.

Alexander, sorry, da ist besetzt. Sorry. Entschuldigung.

Klar.

Steht dir doch zu. Ich find's toll.

So, schönen, guten Morgen, Kollegen. - Guten Morgen.

Sonderheft, 30 Jahre Mauerfall.

Wir brauchen was Neues, anderen Aufhänger, neue Geschichten.

Also, bitte, überrascht mich, beschenkt mich. Ideen, bitte.

Die letzte Party der DDR.

Die einen flüchten in den Westen, die anderen auf die Tanzfläche.

Ja, mal sehen. Weiter.

Trinkkultur im Osten: Blauer Würger, Nikolaschka...

Nein, das kalauert mir zu viel. Landmann.

Was haben Sie?

Die größte Massenflucht der DDR. - Das ist diese S-Bahn-Geschichte, Ja?

Gibt es da was Neues? - Die Behörden vertuschen den Vorfall.

Angeblich eine Verkettung von Pannen, war es aber nicht.

Wir erzählen die Geschichte des Masterminds dieser Aktion:

deutscher Held, unerkannt, hier in Berlin.

Lebt der noch?

Ja, Hartung betreibt eine Videothek im Prenzlauer Berg.

Das wird spannend.

Der Held vom Bahnhof Friedrichstraße.

Das ist eindringlich, das berührt mich.

Bisschen Lokalkolorit,

und trotzdem die große politische Bühne.

Was ist dieser Hartung für ein Mensch?

Warum hat er das gemacht? Das wollen wir wissen.

Ähm...

Es ging ihm um Freiheit.

Und dafür war er bereit, selbst in der Unfreiheit zu bleiben.

Eine selbstlose große Geste.

Für mich ist das gewissermaßen

die Geschichte des ostdeutschen Oskar Schindler.

Ja, ja.

Aber das ist zu groß, um acht Wochen zu warten.

Das machen wir jetzt sofort. Landmann.

Bereit für Ihren ersten Titel?

Ja? Kriegen Sie das hin?

Das ist die Geschichte eines einfachen Mannes.

Dies ist eine Heldengeschichte.

Die Geschichte eines einfachen Mannes.

Sein Name ist...

Michael Hartung.

Ja?

Wie konntest du das SO lange verschweigen?

Was? Ich hab nichts verschwiegen. - Papa.

Du bist auf dem Titel: "der Held vom Bahnhof Friedrichstraße".

Wie bitte? Das ist...

Also...

Das ist vielleicht ein bisschen übertrieben.

Aber ich hab ja da nur mitgeholfen, weißte?

Da steht auch, dass du so still bist und zurückhaltend. Bescheiden.

Blieb deswegen dein Plan so lange geheim?

Mein Plan, also...

Wie du das vorbereitet, diese Nacht abgewartet hast.

Immer mit dem Ziel vor Augen, all diese Menschen zu retten.

Ich dachte immer, du bist ganz anders.

Aha. Was dachtest du denn, wie ich bin?

Nicht ganz so zielstrebig. - Wie meinst du denn das?

Na ja, wie soll ich sagen, du...

Du drehst dich im Kreis, du steckst fest. Seit vielen Jahren.

Also, das dachte ich zumindest und jetzt merke ich,

ich weiß gar nicht so viel über dich, wie ich dachte.

Das sagte deine Mutter auch immer.

Ein schlimmeres Kompliment geht nicht.

Tanja war nicht so schlecht, wie du sie immer machst.

Die Frau ließ uns im Stich. Ging, ohne mit der Wimper zu zucken.

Das mit der Wimper wissen wir nicht, wir waren schließlich nicht dabei.

Es war einfach kompliziert damals.

Ich denke, du siehst das manchmal zu eindimensional.

Natalie, bist du noch da?

Wie auch immer, mit Mama bin ich durch.

Aber bei dir bin ich froh, dass du alles raus gelassen hast.

Was raus gelassen? - Deine Geschichte.

Ach ja. Ja, das stimmt, mein Schatz.

Okay, Papa. Hab dich lieb. Tschüs!

Ja.

Michael Hartung senkt den Blick.

Die schrecklichen Erinnerungen

ziehen vor seinem inneren Auge vorbei.

Die fensterlose Kellerzelle, die tagelange Finsternis,

die wütenden Schreie des Vernehmers, der flehentliche Brief seiner Mutter,

in dem sie ihn beschwört, alles zu gestehen.

"All das hat Michael Hartung auf einmal wieder vor sich,"

als wäre es erst gestern geschehen.

Aber dann legt sich ein schüchternes Lächeln auf sein Gesicht.

Er erzählt von dem Tag,

als er in seiner Zelle eine Spinne an der Wand sitzen sieht.

'In diesem Moment wurde diese kleine Spinne

für mich zum Symbol des Lebens',

"sagt er leise und ringt mit den Tränen."

Das stimmt hinten und vorne nicht. Was für eine Spinne?

Na, deine Spinne. - Der macht mich zum Spinnenflüsterer.

Das ist Verdrehung der Tatsachen. Was is?

Ey, ich musste weinen, als ich gelesen habe,

was die mit dir gemacht haben.

Das hat mich voll erwischt.

Ich kann dir wahrscheinlich nie wieder wegen irgendwas böse sein.

Da ist er ja! Herr Hartung, Herr Hartung?

Bitte einmal kurz in die Kamera. Herr Hartung, Herr Hartung?

Können Sie wirklich mit Spinnen reden?

Ich glaub, das war's.

Mit 17. Wir hatten hier einen Club.

Da hat er mir von der Reichsbahn erzählt.

Halt doch die Fresse, Bernd.

Mir hat er das ja zuallererst erzählt, wie das war.

Och.

Tag. Alexander Landmann, wo find ich den?

Sie können da nicht rein. - Wo is er?

Die übernächste Tür. Sie können da nicht rein.

Ah. "Alexander Landmann" ”, hier.

Tag. - Herr Hartung.

Er rannte einfach rein. - Alles okay.

So, tschüs.

Ich zitiere:

"Ihm fällt ein Satz von Nelson Mandela ein,"

der nach seiner Befreiung aus dem Gefängnis schrieb:

'Als ich durch die Zellentür in Richtung Freiheit ging,

wusste ich,

ich musste meine Verbitterung und meinen Hass zurücklassen

oder ich würde lebenslang gefangen bleiben.'

Diese Worte des großen südafrikanischen Freiheitskämpfers

seien ihm stets ein wichtiger Trost gewesen,

"sagt Michael Hartung und schweigt."

An der Stelle hat meine Frau geweint.

Aber das stimmt nicht. In welche Lage bringen Sie mich?

Meine Tochter bewundert mich dafür.

Es ist alles belegt: die Massenflucht, Ihre Festnahme.

Ich habe das nie so gesagt

und ich habe nie Nelson Mandela gelesen.

Sie mögen mich für einen Loser halten.

Aber unterschätzen Sie mich nicht. - Ganz ruhig.

Sie stellten die Weiche.

Ohne Sie wäre dieser Zug nie in den Westen gefahren.

Das sind Fakten.

Aber es gab keinen Plan. Es war ein dummer Zufall.

Und von wegen Spinne, die haben Sie erfunden!

Sie haben bestätigt, es war Fluchthilfe.

Ich hab einfach nur das gesagt, was Sie hören wollten.

Gut.

Sie haben also gelogen.

Und werfen mir vor, Ihr Leben umzudichten,

dabei sagen Sie die Unwahrheit.

Woher soll ich wissen, dass Sie alles so aufbauschen.

In Wahrheit wurden Sie nicht gefoltert, oder was?

Nee.

Aber Sie waren im Stasi-Knast. - Aber nur zwei Tage.

Das ist ja gar nichts.

Was passiert, wenn so was rauskommt? Is das strafbar?

Ein juristisches Nachspiel ist gut möglich.

Für Sie. Sie haben Ja mich angelogen.

Also das Einzige, was ich jetzt noch gebrauchen kann, sind mehr Probleme.

Muss es denn rauskommen?

Muss es nicht. Wenn Sie und ich dichthalten.

Ihnen zuliebe.

In 2 Wochen ist es Schnee von gestern.

Ich wünsche noch ein schönes Leben.

Landmann. Sorry.

Ist er das? - Ja.

Unser Chefredakteur.

Was für eine einmalige Geschichte.

Es ist eine Ehre, als Erste darüber berichten zu dürfen.

Danke, Herr Hartung.

Tolles Leben. - Ja, danke schön.

Äh, bitte schön.

Hast du mal eine Sekunde? - Ja.

Sie kriegen ihn gleich wieder, versprochen.

Scheiße!

Kommt er damit klar? Er wirkt ein bisschen...

Ich denke schon, ja.

Ich meine, ja, sicher, kein Problem.

Und Namen und Fakten sind alle gecheckt, ja?

Das ist alles gecheckt.

Da darf kein Fehler drin sein.

Mehrfach, das ist Google-sicher.

Ich habe immer gewusst, da steckt noch was in Ihnen.

Das wird ein Karriere-Booster für Sie.

Vielleicht sind das die wahren Helden.

Ja, absolut.

Bibel: Mir fällt spontan Moses ein, der sein Volk in die Freiheit führt.

Die nichts draus machen. - Richtig, wie Hartung.

Das ist vielleicht der Grund...

Meine Damen und Herren, mein Name ist Harald Wischnewsky.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

ein Ende ist immer auch ein Anfang.

Das hat uns der historische Herbst von 1989 gelehrt.

Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,

der uns beschützt und hilft, zu leben.

Frühstück ist fertig. - Mhm.

Wahnsinnsgeschichte mit diesem Hartung.

Spricht mit Spinnen, um nicht verrückt zu werden.

Spinner.

Ich dachte immer, Verrückte reden mit Insekten, nicht Zeitzeugen.

An der Stelle hätte ich fast geweint, ich fand es irgendwie gut.

Im Gegensatz zum Dissidenten-Bart.

Willst du den nicht für deine Rede im Bundestag abrasieren?

Der wirkt authentisch.

Der Bart ist deprimierend und grau wie die DDR.

Meine Damen und Herren, ich bin eine Spinne.

So wie du sie gerne magst. - Mit Pilzen?

Mächtig gewaltig.

Bitte auswaschen danach.

Heute freue ich mich auf einen besonderen Gast:

Michael Hartung, der die Presse seit Wochen mit seiner Geschichte...

Sie haben gesagt, in zwei Wochen ist alles vorbei.

Ja, okay. Es ist alles ein bisschen größer geworden.

Aber im Grunde ist das ein Kompliment für Sie.

Sie sind gefragt.

Ich hab noch nie ein Interview gegeben.

Goldene Regel: nicht antworten, sondern sagen, was man sagen will.

Ich will gar nichts sagen.

Und als Einleitung: "Gut, dass Sie danach fragen."

Das schmeichelt dem Journalisten, und er vergisst, was er wissen will.

Sie müssen sich das Ganze wie einen Film vorstellen.

Mit atmosphärischen Elementen. Bellen von Wachhunden in der Ferne.

Scheinwerferkegel, die wie Geister über die Gleise streichen.

Muss das denn sein?

Plaudern Sie über das Leben in der DDR.

Wie war es, eingesperrt zu sein?

Von der Stasi bespitzelt. Ohne echte Jeans.

Man gewöhnt sich an vieles.

Erzählen Sie vom Kindergarten.

Immer Panzer malen, russische Lieder singen zu müssen.

Man muss die Wahrheit fühlen. Emotionalität der Fakten.

Also, mein Kindergarten war toll.

Erzählen Sie ein bisschen vom Leiden. Das erwartet man einfach heute.

Sie meinen, im Westen. Aber Leiden ist kompliziert.

Bitte nicht kompliziert. Einfache, konkrete Geschichten.

Ich hab aber nicht gelitten. - Natürlich haben Sie gelitten.

Sie wissen es nur nicht mehr.

Schön, dass Sie da sind. Wir gehen direkt in die Maske.

Oh. - Herr Hartung!

Da vorne. - Aha.

Ich bin quasi Management.

Vielleicht, dass ich ein bisschen gelitten habe.

Ein bisschen leiden, das ist es.

Noch fünf Sekunden. - Authentisch.

Ostdeutsch und authentisch.

Der die größte Massenflucht der DDR plante und organisierte.

Herzlich willkommen, Michael Hartung.

Hallo. - Hallo.

Tag.

Hier ist es heller als im Todesstreifen.

Vielen Dank für den herzlichen Empfang, Mona.

Auch, dass ich Sie hier treffen darf, Frau Witt, ist eine Riesenehre.

Ganz meinerseits, danke schön.

Nehmen Sie uns noch einmal kurz mit in jene Nacht des 22. Juni 1984...

'tschuldigung.

Als Sie als Reichsbahner

das Leben von 127 Menschen verändert haben.

Ja, ich... Ich...

hatte den Entschluss gefasst, also schon einige Zeit vorher...

Es war so ein Prozess, der...

Also, so, hat sich so geformt...

Ähm...

Also, hat sich geformt und...

Ähm...

Einfache, konkrete Geschichten.

Ich musste handeln.

Die Zeit drängte, und die nächste Bahn kam gleich.

Und der Bolzen,

der für die Weichenstellung zu bewegen war, sollte abbrechen.

Es musste wie Zufall aussehen,

damit man mir nicht auf die Schliche kam.

Und um genau 3:37 Uhr hat's geklappt.

Ja, aber hatten Sie denn keine Angst vor den vielen Grenzsoldaten?

Natürlich hatte ich Angst, also, klar.

Ist völlig okay, Angst zu haben.

Angst hält wach, lässt einen vorsichtig bleiben.

Es war ja So:

Die Scheinwerfer schwenkten alle zehn Sekunden über die Gleise.

Um vom Wachturm nicht gesehen zu werden,

musste ich mich ganz flach auf den Schotter legen.

Und wichtig dabei war,

zwischen Gleis und Stromschiene zu bleiben.

Hätte ich die Stromschiene berührt, wäre ich tot gewesen.

Ja. Jajaja.

Das war die beste Fitnessübung meines Lebens.

Die beste, die ich je gemacht habe.

Also, besser als jede Muckibude.

Ist er nicht toll?

Aber was war denn Ihre Motivation? War es was Politisches?

Na ja, politisch war ja alles in der DDR.

Ich habe aber das Gefühl, Sie verheimlichen uns was, Micha.

Kann das sein?

Wie könnte ich ausgerechnet Ihnen was verheimlichen, Kati?

Also...

Was ich jetzt sage, hab ich noch niemandem erzählt.

Ich werde ihren Namen nicht nennen.

Es wäre ihr nicht recht.

Ihre erste Freundin? - Mhm.

Eine Tänzerin.

Sie schwebte durch das Leben und ließ mich mitschweben.

Ich war damals 22 Jahre alt,

und sie war gerade mal 20.

Sie kennen vielleicht das Gefühl, dass Sie einen Menschen treffen

und spüren, die Person wird Sie für den Rest Ihres Lebens begleiten.

Das mag Jetzt vielleicht ein bisschen kitschig klingen,

aber ich kam mir vor wie so ein bescheuerter Prinz im Märchen.

Diese Frau war der Grund für Ihre Heldentat?

Als zweitbeste Absolventin ihres Jahrgangs an der Tanzhochschule

hatte sie Angebote von allen großen Bühnen,

die es damals in der DDR gab.

Sie müssen unfassbar stolz gewesen sein.

Ja, war ich auch.

Die war was ganz Besonderes.

"Die war was ganz Besonderes."

Siehst du das auch?

Den kennen wir doch.

Sie wollte ausreisen, um am Broadway Zu tanzen. Das war ihr großer Traum.

Aber in der DDR waren nicht nur Fabriken Volkseigentum,

sondern eben auch die Menschen.

Kommt mir bekannt vor. - Genau.

Lehrer und Stasi haben sie monatelang bearbeitet.

Wenn sie an ihrem Ziel festhalten sollte,

würde man sie das büßen lassen.

Und dann bekam sie schließlich Auftrittsverbot.

Sie zog nach Berlin

und gab heimlich privat Tanzunterricht.

Aber war das nicht ein bisschen verantwortungslos,

so viele Menschen flüchten zu lassen, nur damit Ihre Freundin rauskommt?

Ich konnte einfach nicht hinnehmen,

dass sie ihren Traum vom Tanzen nicht leben durfte.

Dass sie sie verblühen lassen wollten.

Wenn Sie das verantwortungslos nennen wollen,

Ja, dann war ich das vielleicht.

Toll.

Sie gefallen mir. Sie gefallen mir sehr sogar.

Auf Micha! - Auf Micha!

Es explodiert. Dutzende Anfragen.

Zeitungen, Podcasts, es ist irre!

Ach, das gefällt mir.

Du hättest ruhig erzählen können von der Freundin.

Anfrage für einen Werbeclip:

"vegane Heldenwurst”".

Michael Hartung. - Da, unser Held!

Für Sie. - Danke.

Politik.

Post von der Linkspartei!

Das ist hier der Hammer: Du bist eingeladen...

zum Abendessen im Schloss Bellevue mit dem Bundespräsidenten.

Wahnsinn, so schnell.

Das gefällt mir.

Meinen die wirklich mich? - Na, klar.

Auf Micha, den neuen Liebhaber von Kati Witt!

Ja! - Hey, hey!

Haben Sie die auf dem Friedhof geklaut?

Geborgt.

Für Sie. - Für mich?

Ich...

Ich war vorhin bei Mona im Studio und hab noch gewartet.

Ich wollte mich eigentlich bei Ihnen bedanken.

Wofür denn bedanken? - Sie haben mein Leben verändert.

Ich habe mich immer gefragt, wie das passieren konnte mit der S-Bahn.

Warum gerade wir? Warum an diesem Tag?

Sie haben das Leben meiner Familie verändert,

und dafür wollt ich mich bedanken.

Wollen Sie nicht kurz bleiben?

Paula. - Micha.

Ich weiß. - Kurz auf einen oder zwei Drinks?

Denken Sie... Denke nicht, ich bin ein Schluckspecht, oder so.

Aber ich habe grad noch Zeit, und wenn du auch, dann...

Andermal vielleicht gern.

Du warst toll in der Sendung.

Sehr beeindruckend.

Das ist deiner? - Mhm.

Von 1972. - Ah, war ein guter Jahrgang.

"Der Pate", "Cabaret"...

"Solaris", "Aguirre - der Zorn Gottes".

Tschüs. - Tschüs.

"Fat City". - Kenn ich nicht.

"Landgericht Berlin".

Ich glaube, ich habe ihn gefunden. - Mmh, schon wieder.

Was soll das heißen, schon wieder?

Oh, meine Formulierung hat Sie verletzt?

Bitte, beschreiben Sie dieses Gefühl.

Also, wir müssen das hier auch nicht machen.

Frau Kurz, wir kennen uns jetzt seit über fünf Jahren.

Sollte ich Sie verletzt haben, tut mir das leid.

Aber ich spiegle Ihnen nur,

was Sie sich selber nicht eingestehen.

Sie drehen sich doch im Kreis.

Halten Sie sich eigentlich für eine gute Therapeutin?

Sie haben recht, wir müssen das nicht machen.

Warum darf ich eigentlich nie auf dieser Liege liegen,

sondern muss auf diesem komischen Geflecht sitzen?

Das macht hässliche Abdrücke am Po.

Fangen wir einfach noch mal an.

Sie haben also jemanden kennengelernt.

Ja.

Es ist irgendwie anders als sonst.

Er ist kein Arbeitskollege, also... Gott sei Dank.

Er ist irgendwie bescheiden.

Authentisch.

"Ehrlich" ist vielleicht das richtige Wort.

Wo lernten Sie sich kennen?

Wir haben eine gemeinsame Geschichte. Ohne, dass wir es wussten.

Am besten, du machst alles genau wie der Bundespräsident.

Als Erstes Serviette in den Schoß legen.

Halt, falten.

Und zwar die obere Lage der Serviette ragt über die untere hinaus.

Dann kannst du dir mit der Innenseite der oberen Lage den Mund abputzen,

und der Schmutz bleibt unsichtbar, alles schön ordentlich.

Der Löffel kommt zum Mund, nicht der Mund zum Löffel.

Woher weißt du so genau,

dass du exakt um 3:37 Uhr den Bolzen abgebrochen hast?

Wer hat das gesagt? - Na, du bei "Mona am Abend".

Um 3:40 Uhr sollte planmäßig die nächste Bahn kommen.

Von der Weiche braucht man nur drei Minuten in die Werkstatt.

Bin ich vorher tausendmal gelaufen.

Als ich da ankam, kam aber die nächste Bahn nicht.

Die hatte Verspätung. Da guckte ich noch mal auf meine Uhr.

Ja.

Klingt logisch. - Mhm.

Entschuldige, wenn ich so direkt frage:

Was hast du deinen Eltern gesagt, als du aus dem Gefängnis kamst?

Die haben gar nicht gemerkt, dass ich weg war.

Hatten keinen Kontakt damals.

Ja, klar,

aber deine Mutter schrieb dir "einen flehentlichen Brief".

In der Mittelkonsole befindet sich eine Minibar.

Kein Wunder, dass man den Kontakt zur Außenwelt verliert,

wenn man in solchen Autos fährt.

Alle wollen Sie kennenlernen.

Sehr schön, dass Sie kommen konnten.

Ja, ist mir eine Ehre. - Ach.

Lassen wir das. Ich komme auch aus einer Eisenbahnerfamilie.

Mein Vater hat 40 Jahre lang

Dieselloks in Bochum-Dahlhausen im Ausbesserungswerk repariert.

Ich bin nicht mehr bei der Bahn.

Weiß ich. Hätte nicht gedacht, dass es noch Videotheken gibt.

Das ist die Sehnsucht nach der Vergangenheit.

Je moderner und komplizierter die Welt wird,

desto mehr wünschen sich die Menschen ihr einfaches Leben zurück.

Meine Nachbarin Beate zum Beispiel, die schaut nur Liebesfilme,

die mindestens 30 Jahre alt sind, weil sie sagt,

damals war die Liebe doch einfach so viel schöner.

Da hat Ihre Beate recht. Die Liebe war schöner.

Zumindest die in den Filmen.

Sind Sie auch Liebesfilm-Fan? - Mein Geschmack ist simpel:

Olsenbande, Louis de Funes, Sophie Marceau.

Sophie Marceau, oh! - Ja! Diese absolute...

Gra-na-te. - Granate.

Alle Männer wollten sie, egal, ob Ost oder West.

Das war ein Einheitsbegehren.

Die hat mehr getan...

Für die deutsch-französische Freundschaft

als alle Außenminister zusammen.

Diese Skinny-Anzug-Träger.

Gut. - Geht schon.

Sie wissen sicher,

bald ist der 30. Jahrestag des Mauerfalls.

Mhm. - Uns fehlen neue Gesichter.

Es sind immer diese selben Zausel,

diese Physiker und Pfarrer mit immer denselben Reden.

Das staubt, bröckelt,

das mufft, das hat keinen Esprit!

In Ihrer Geschichte dagegen steckt alles, was uns fehlt.

Der Mut des Einzelnen,

unüberwindbare Hindernisse hinter sich zu lassen.

Der Drang nach Freiheit.

Was heißt das jetzt genau?

Danke.

Wären Sie bereit,

beim Festakt zum 30-jährigen Jubiläum des Mauerfalls...

im Bundestag eine Rede zu halten?

Ich glaube nicht, ich könnte als Vorbild für irgendwen taugen.

Sie waren schon einmal mutig, als es drauf ankam.

Nicht mutig, ich war einfach nur verliebt.

Den Mut muss man erst mal haben, sich so zu verlieben.

Ich bin kein Held. - Ach.

Genau das gefällt mir an Ihnen, Ihre verdammte Ehrlichkeit.

Verzeihung.

Es gibt schon einen Redner, Herr Bundespräsident.

Einen ostdeutschen Bürgerrechtler. - Hm? Wen denn?

Harald Wischnewsky. Stiftung gegen das Vergessen.

Vor Monaten von der Kanzlerin vorgeschlagen.

Dieser Wischnewsky ist doch genau diese Art von Rasputin-Gesicht.

Der riecht.

Das bleibt unter uns, aber es kann doch nicht sein,

dass die Kanzlerin uns immer ihre alten Revolutions-Kumpanen vorsetzt.

Wischnewsky hat schon zum 20. Jahrestag die Rede gehalten.

Gorbatschow.

Am 20. Jahrestag gab es den Spaziergang über die Bösebrücke.

Ah ja ja. Das klären wir, danke.

Und jetzt denkst du noch mal ganz in Ruhe nach, Hartung.

Sie sind doch ein ganz anderes Format.

Wischnewsky steht doch die Langeweile schon groß auf der fliehenden Stirn.

Herr Wischnewsky? - Ja.

So toll, dass Sie da sind. So eine historische Persönlichkeit.

"Historische Persönlichkeit"? Ich weiß nicht.

Das Anne-Frank-Gymnasium hatte eine KZ-Überlebende da.

Das ist natürlich noch spannender als...

Sie verstehen. - Ich versteh schon.

KZ-Überlebende kriegt man kaum und muss sie Monate im Voraus buchen.

Gibt ja nicht mehr viele. Deshalb freuen wir uns über Sie.

Bürgerrechtler sind ja auch knapp, wenn ich das so salopp sagen darf.

Darf ich Sie einmal kurz berühren?

Als ich mit meinem Mann... Ex-Mann in Indien war,

da war so ein alter Mönch und hat mich an der Stirn berührt.

Das war so intensiv. - Können wir?

Guten Morgen, Frau Möckel.

Vor einer Woche habe ich euch erzählt,

dass Deutschland mal von einer Mauer geteilt war.

Und auf der einen Seite,

da lebten die Menschen in Freiheit und Wohlstand.

Aber auf der anderen Seite...

lebten sie in Unfreiheit und Armut.

Erinnert ihr euch, wie der Teil hieß, WO es nicht so schön war?

Ja, Melanie? - Der Osten.

Deutsche Demokratische Republik.

Und Herr Wischnewsky hier hat dort gelebt.

Aber er war sehr, sehr unzufrieden und traurig.

Weil das Leben in der DDR so schwer war.

Aber der Herr Wischnewsky war mutig.

Und hat gegen die bösen Herrscher gekämpft. Linus?

Womit haben Sie denn gekämpft? - Mit Worten.

Ach so. - Wie langweilig.

Ich hab auf dem Alexanderplatz Flugblätter verteilt.

Und deshalb wurde ich verhaftet und kam ins Gefängnis.

Es ging darum... - Wie fanden Sie es im Gefängnis?

Na ja, man ist sehr allein.

Und man hat Angst. Große Angst.

Wurden Sie gefoltert? - Nein, zum Glück nicht.

Erst war ein Mann aus der DDR im TV, den sie im Knast fertiggemacht haben.

Kein Essen, kein Schlaf. Aber er verriet niemanden.

Tut mir leid für ihn.

Der mit der Spinne? Den hat eine Spinne erlöst.

Frau Möckel sagt, dass bei Ihnen drüben alle arm waren.

Es gab in der DDR keine Arbeitslosen.

Und Obdachlose gab es auch nicht.

Und die Wohnungen, die waren nicht teuer.

Und jedes Kind konnte ins Ferienlager.

Und in den Schulpausen,

da gab es Erdbeer- und Schokomilch für alle.

Aber Laktoseintoleranz gab's in der DDR nicht.

Es gab jede Menge Formen von Intoleranz, das ja,

aber wegen Milch machte sich keiner ins Hemd.

Haben Sie jemanden verraten? - So was fragt man nicht.

Mein Papa sagt,

im Osten haben sich alle gegenseitig verraten.

Natürlich habe ich keinen verraten. - Ja, genau. Streber.

Wenn das alles so toll war, warum haben Sie dagegen gekämpft?

Ich habe nicht "dagegen" gekämpft.

Ich habe gegen die geistige Enge gekämpft.

Gegen den Zwang und gegen den Mief.

Ihr wisst nicht, wie es ist, in einer Diktatur leben zu müssen.

Obwohl eure Smartphones und Likes und Followers

auch eine Art Diktatur sind.

Eine Diktatur der falschen Freunde und der falschen Realitäten.

Ganz ehrlich, da war mir unsere Diktatur fast lieber.

Hä? - "Ooh."

Wir spielten wenigstens im Park Fußball,

haben an der Tischtennisplatte geknutscht und gefummelt.

Nicht den ganzen Tag am Telefon rumgezappt...

wie die Zombies.

Äh, waren Sie schon einmal bei einem Therapeuten?

Also, meine Mama ist bei Dr. Jünger am Bayerischen Platz.

Ähm, und... Und der ist sehr gut.

Meine Therapeutin ist am Senefelder Platz.

Ich hatte früher auch Aggressionsprobleme.

Ja, das war ein lebhafter Einblick in die deutsche Geschichte.

Vielen Dank, Herr Wischnewsky. Die 5C wartet sicher ganz gespannt.

Wiedersehen.

Frau Brandt von der 5C.

Es ist mir eine Ehre, Sie kennenzulernen.

Ja, die versilberte Weiche

und diese Gedenkplakette sollen auch kommende Generationen...

an den Zug in die Freiheit erinnern.

Sie machen das toll, wenn ich das so sagen darf.

Dürfen Sie. Danke. - Ariadne von Schulzenburg-Glochau.

Historische Beraterin des Vorstands der Deutschen Bahn. Freut mich sehr.

Ich kümmere mich um die Gedenktafel,

die am Bahnsteig angebracht werden soll.

Wir haben uns für eine einfache Stahlgussplatte entschieden.

80 mal 80 Zentimeter,

vom Material her ähnlich den Platten am Bahnhof Grunewald.

Vom Mahnmal für die deportierten Juden?

Und da dachten Sie, Ostdeutsche und Juden, das passt schon.

Um Gottes willen.

Wir wollten das nicht vergleichen oder bewerten.

Das wäre historisch völlig falsch.

Ihr Zug fuhr ja in die Freiheit, und die anderen Züge...

Warum sollten die Gedenktafeln gleich aussehen?

Es geht uns um die Haptik der Diktatur.

"Die Haptik der Diktatur".

Bitte, für Sie. In drei Minuten geht's weiter.

Da passt Stahlguss ganz hervorragend:

kalt, hart, aber auch spröde und vergänglich.

Und Stahl rostet.

Das gibt eine schöne Patina. Es wirkt sehr historisch.

DDR und Nazidiktatur sind für Sie also schon irgendwie dasselbe.

Wie gesagt, wir wollen das gar nicht...

Wobei es natürlich Parallelen gibt, das darf man nicht verschweigen.

Man sollte auch nicht verschweigen,

dass der BND von Ex-SS-Leuten aufgebaut wurde,

und wohl in keiner einzigen Behörde in der BRD

keine Nazis in Führungspositionen saßen!

Ich nehm das mal besser. Wir könnten dann.

Steter Tropfen höhlt den Stein,

Sie sind ein Tropfen auf dem Stahl der Diktatur.

Was passiert, wenn man erfährt,

die Geschichte war anders, als man dachte?

Die Sieger schreiben die Geschichte.

Die ist immer subjektiv. Sie kennen sicher den Satz:

Geschichte ist die Lüge, auf die man sich geeinigt hat.

Alle Unbeteiligten vom Set! - Das bin ich.

Toitoitol. - Herr Minister, bitte!

Einmal noch mit dabei... - Einmal hier herüber!

Wenn das so entschieden wurde, muss Ich das akzeptieren.

Danke. Ihnen auch.

Die haben meine Rede gestrichen.

Das liegt am Bart.

Die haben mich rausgeworfen

und lassen diesen Reichsbahn-Spinner mit seiner Spinne reden.

Ach.

Seit 30 Jahren reiß ich mir den Arsch auf,

gegen das Vergessen, für Demokratie.

Auf einmal braucht es frische Gesichter.

Was soll das sein, frische Gesichter?

Einmal Opfer, immer Opfer.

Quatsch, das Kanzleramt wollte ohnehin eine Frau haben.

Wieso?

Weil die sanfte, friedliche Revolution,

die durch die Herzen der Menschen wuchs,

besser von einer Frau repräsentiert wird?

Von wegen Revolution aus dem Herzen. Es ging um ganz konkrete Ziele.

Wäre unsere weiblicher gewesen, hätte sie nie stattgefunden.

Außerdem redet jetzt dieser Videotheken-Heini,

der die S-Bahn in den Westen geleitet hat.

Hartmann? - Hartung.

Nie vom ihm gehört, und auf einmal: tada! Überall.

Weil er aus Liebe gehandelt hat. Das klingt nach Groschenroman.

Ja ja, Liebe und Gier, die Triebfedern der Menschheit.

Man wollte Freiheit, aber auch Levis Jeans und Opel Corsa.

Erspar mir deinen Zynismus. - Ostdeutsche haben kein Heldentalent.

Die meisten sind zu bescheiden, ehrlich, naiv.

Also kein Danton, kein Che Guevara, kein Lech Walesa.

Nur ein grauer Schabowski in einem noch graueren Anzug,

der verwirrt rumbrabbelt:

"Das tritt nach meiner Kenntnis... ist das sofort, unverzüglich."

Da fehlt Narzissmus und Ehrgeiz. Die ikonische Lässigkeit.

Der Anzug war blau.

Da stimmt was nicht.

Warum kommt er ausgerechnet jetzt mit seiner Geschichte?

Seit 30 Jahren arbeite ich auf diesen Moment hin.

Der versaut mir das nicht.

Ist das Jagdfieber erst mal geweckt, weiß man, wo man schnuppern muss.

Hier, Intuition ist alles.

Michael Hartung. Am besten alles, was man über ihn finden kann:

Freunde, Familie, Nachbarn, Gläubiger, wo geht er einkaufen?

Wenn er im Bundestag spricht, müssen wir jedes Detail wissen.

Rund-um-die-Uhr-Beschattung.

Aber bitte unauffällig. Ich verlass mich auf Sie.

Ja.

So is fein.

Tag. Ich würde gern zu Frau Kurz.

Kurz. - Kurz wie lang, Paula Kurz.

Elf-21. Erster Stock.

Danke.

Hallo.

Hi. - Hi.

Ich sah dein Auto und dachte, ich besuche dich.

Einfach so, ganz zufällig. - Mhm.

Du bist Anwältin.

Staatsanwältin. - Ich war noch nie in einem Gericht.

Sei froh. Es gibt kaum ein Gebäude, in dem mehr gelogen wird.

Ihnen auch einen schönen Tag, Herr Dolos.

Wer war das? - Hab ihn ins Gefängnis gebracht.

Gab sich als Chirurg aus und operierte jahrelang Leute.

Eigentlich ein Elektriker.

Dauerte drei Jahre, bis er aufflog.

Verdammt, ich muss zur nächsten Verhandlung.

Was machst du heute Abend?

Hey!

Ich finde keinen Parkplatz. - Eh zu spät.

Die reservieren nur 15 Minuten. Hast du Hunger?

Nee, steig ein. Ich habe Salzstangen.

Kam deine Mutter später nach?

Weil du sagtest, nur du und dein Vater saßen in der Bahn?

Die waren schon lange unglücklich. Keiner hatte den Mut zur Trennung.

Die S-Bahn hat ihnen die Entscheidung abgenommen. Also du.

Mein Vater ist nach Stuttgart,

hat sich noch mal neu verliebt und Kinder bekommen.

Er ist letztes Jahr gestorben. - Tut mir leid.

Ich glaube, er war glücklich.

Ich hab in seiner Stasiakte den Vermerk "HWG" gefunden.

Äh, häufig wechselnder... - Geschlechtsverkehr.

Genau.

Sag mal,

was riecht hier so komisch?

Scheiße. - Ach.

Schon die ganze Zeit? - Ja, ich...

Ich wollte nichts sagen, aber ja.

So!

Schuh über Bord! - Problem gelöst.

Oh, warte.

Oh, oh, Vorsicht.

Das war meiner!

Schrei mich nicht an, ja? - Hau ab, du blöde Sau!

Verreck doch, du Wurst!

Paragraf 185 StGB kann mich den Job kosten,

aber Wut muss man rauslassen.

Warum hast du dir die Tänzerin ausgedacht,

für die du angeblich die Weiche gestellt hast?

Ausgedacht? Äh, wie?

Ich bin Staatsanwältin.

Ich erkenne Menschen, die keine Übung haben, zu lügen.

Die Emotionen sind nicht kohärent.

Wenn du sie liebst, suchst du sie doch nach der Wende.

Hast du aber nicht.

Du hast sie nicht geliebt,

oder sie war nicht im Zug,

oder es gab sie nie.

Ich kannte sie flüchtig.

Sie heiratete zwei Jahre vorher einen Westberliner.

Der hat sie nach New York gebracht, glaube ich.

Also, sie war nicht in dem Zug. Der Teil war geschwindelt, aber...

Das kam doch ganz gut an, oder?

Sag mir ab jetzt die Wahrheit, okay?

Okay.

Das mit der Weiche und der Flucht stimmt.

Ja.

Wenn sie gar nicht im Zug war, wen hast du in den Westen geschickt?

Ich habe gespürt, dass du in dem Zug sitzt.

Ich wusste, wir sehen uns wieder. - Klar.

Dass das 32 Jahre dauert,

und du so klug und schön sein würdest...

So was Kitschiges habe ich noch nie gehört,

hör bitte auf damit.

Also wirklich. So ein Kitsch!

Kitsch kann sehr schön sein, denk an all die Filme.

Ich bin ja einiges gewöhnt. - Ich würde es wieder sagen.

Es war dahinten. Gleis sechs, Signalkasten 38.

Sieht man nicht viel. - Was hast du erwartet?

Ich weiß nicht. Irgendwie mehr.

Die Realität ist oft enttäuschend.

Klingt nach Weltflucht.

Ist das ein Problem?

Nee.

Natürlich nicht. Weltflucht.

Tolles Wort.

Wär's okay, wenn ich dich umarme?

Du bist der erste Mann, der mich so was fragt.

Eine Therapeutin sagte mal,

ich werde zu schnell mit Männern intim.

Bei dir ist das irgendwie anders.

Du willst wirklich nicht? - Mit so jemandem rede ich nicht.

Sieh an, der große Stasi-Jäger Röslein persönlich.

Was für 'ne Ehre.

Ist es nicht schon zu kalt zum Baden?

Für einen echten Tschekisten ist es nie zu kalt.

Sie wissen doch,

wir haben Haut wie Büffelleder, Zähne wie Messer.

Ich hörte davon, ja.

Der alte Revoluzzer will nicht mit rein?

Der ist ein bisschen schüchtern.

Als ich den alten Kollegen erzählte, dass Holger Röslein zum Tee kommt,

dachten die, ich sei jetzt endgültig verrückt geworden.

Aber was soll ich sagen? Ich bin eben neugierig.

Berufskrankheit.

Wollen wir? - Ja.

Die sind nicht vergiftet.

Auch wenn ich gezögert habe.

Warum sollte ich Ihnen helfen, Röslein?

Weil Sie dann einen Wunsch frei haben.

Wie in einem Märchen.

Was könnte ich mir von Ihnen wünschen?

Rücksicht, Milde, Verständnis.

Also, zu gegebener Zeit in einem gegebenen Fall.

Ich werde ja oft konsultiert, um ehemalige Stasimitarbeiter...

zu evaluieren.

Wenn es etwa um Rentenzahlungen geht

oder vom Staat gepachtete Grundstücke in abgelegenen Kiefernwäldern...

mit Seezugang.

Wer hätte gedacht, Sie treiben mit dem Teufel Handel.

Wenn der Teufel was zu bieten hat.

Take eins. Marker.

Und, bitte!

Weichenstellung für vegan.

Auf meinen Grill kommt nur Heldenwurst von Fit.

Cut! Das war nichts. Die Würste sind viel zu heiß.

Haben wir noch ein paar kalte?

Frische Wurst. - Chef?

Das klang jetzt nach Heldenwurst von "Fick".

Das ist nicht klar. - Okay.

Okay, Micha. Ganz toll, okay? Wirklich ganz toll.

Könntest du "Fit" deutlicher sagen?

"Fit". - Guck mal, da sind die Kunden und so.

Einfach das Wort ein bisschen mehr akzentuieren, ja?

"Fit". Ja, mach ich.

Okay, noch mal!

Und, Ton ab!

Ton läuft!

Set. - Und, bitte!

Weichen stellen für vegan.

Auf meinen Grill kommt nur... Heldenwurst von Fit.

Cut!

Ha!

In den 50ern wären Versager wie ihr erschossen worden!

Genossen! Unsere ganze Autorität ist dahin!

Wir bleiben offiziell bei einer Massenflucht!

Von all dem steht nichts in den Akten.

Ja, natürlich nicht. Ich meine, wie standen wir denn da?

Also haben wir unseren gesamten Apparat angeworfen

und eben eine Massenflucht aus der Geschichte gemacht.

Hartung war nur der Sündenbock.

Genau. Wir brauchten einen offiziellen Schuldigen.

Der in der Sache drin hing,

aber von dem wir sicher wussten, dass er nichts damit zu tun hatte.

Um weitere Aufmerksamkeit zu vermelden,

haben wir diesen arbeitsscheuen, disziplinlosen Kerl

nach Bärwalde geschoben, in den Tagebau.

Später konnten wir seine Freundin

als informelle Mitarbeiterin gewinnen.

Sie hat ihn begleitet, also...

Sehr eng begleitet, wenn ich es so ausdrücken darf.

Seine Frau Tanja war IM?

Nicht von Anfang an,

aber dann irgendwann schon, ja.

Sie hat ihn gleich nach dem Mauerfall verlassen.

Das muss man sich mal vorstellen.

Also, verheiratet waren sie nicht,

aber sie haben eine Tochter.

Ihr Kollege kann gerne reinkommen.

Sonst verkühlt er sich draußen noch.

Cut! - Kamera aus!

Heldenwurst von Fit, sprich mir mal nach.

Fit. - Fit.

Heldenwurst von Fit.

Hel...

Weicher, freundlicher.

Gut. Mach ich. Mhm.

Heldenwurst von Fick, äh, Fit... Fuck.

Fit.

'Tschuldigung, mein Fehler. Hel...

Brauchst du eine Pause, Micha? - Nee, ich kann noch einen machen.

Heldenwurst von Fitsch.

Männern, die keinen Wodka trinken, vertraue ich keine Geheimnisse an.

Besonders wenn es sich um Möchtegern-Revoluzzer handelt.

Wenn Hartung die Flucht nicht geplant hat,

wie ist das dann genau passiert?

Na, also gut.

Das Berliner S-Bahn-Netz war eigentlich,

so wie die ganze Stadt, geteilt.

An der Friedrichstraße gab es die einzige Weichenstrecke,

die beide Netze miteinander verband,

also Ost... und West.

Am 22. Juni 1984

gab es eine Übung

für den Transfer eines Zuges nach Westberlin.

Um 3:30 Uhr gab der Kommandeur den Befehl,

den Sicherungsbolzen der Weiche auf Gleis sechs zu lösen.

Und der Mann, den nun alle für einen Helden halten,

der ging also zur Weiche,

aber anstatt den Bolzen ordnungsgemäß zu entfernen,

brach dieser Volltrottel ihn ab.

Und ging schlafen.

Keiner hat es bemerkt, also...

Die Weiche war verkantet, der Weg nach Westen war frei,

das Unglück... nahm seinen Lauf.

Der erste Zug des Tages fuhr versehentlich in den Westen,

und darin 127 Passagiere.

Warum seid ihr denn so an dem Hartung interessiert?

Der soll die Gedenkrede im Bundestag zum Mauerfall halten.

Der Hartung? Im Bundestag?

Das kann sich nur, kann sich nur ein Wessi ausdenken.

Die Mutter der Dummheit ist immer schwanger.

Wir haben geschlossen! Oder wollen Sie Mitglied werden?

Ich dachte, wir treffen uns bei Bernd.

Ich wollte endlich mal sehen, wie mein Held so lebt.

Du siehst toll aus. - Danke.

Wir müssen nicht zu Bernds Geburtstag.

Vielleicht ein Glas Wein? Einfach hier?

Cheers. - Cheers.

Lief da mal was?

Mit dir und Beate?

Äh, wir waren mal zeitgleich einsam.

Zeitgleich einsam. - Mhm.

Ich war bisher vor allem alleine einsam.

Aber auch in Beziehungen.

Ich dachte, ich muss mich verstellen, damit mich jemand mag.

Ich hab sogar mal überlegt, meinen Namen zu wechseln.

Irgendwas Französisches wollte ich immer.

Françoise,

oder Camille,

oder Aurélie.

Gute Entscheidung.

Was? - Den Namen nicht zu wechseln.

Paula ist doch schön.

Findest du?

Ja.

Sag mal, ähm... Wo schläfst denn du hier eigentlich?

Umrahmt von Träumen und Geschichten

legten sie sich nieder...

und schliefen ein.

Und während sie wegdämmerte,

fragte er sich,

warum sie ihn eigentlich noch mal sehen wollte.

"Wegen des Schluckspechts", flüsterte sie.

An dem Abend nach der TV-Show, als sie ihn ansprach,

lud er sie auf "zwei oder drei Drinks" ein.

Da sagte er, aber er sei "kein Schluckspecht".

Und sie dachte:

"was für ein tolles Wort."

Denn sie liebte und sammelte Komposita,

diese wunderbaren zusammengesetzten Worte,

die einen völlig neuen Sinn ergaben.

Und "Schluckspecht"...

war ein famoses Exemplar dieser Gattung.

"Und wie sammelt man Komposita?”", fragte er.

Sie kramte ein kleines Notizbuch aus ihrer Tasche.

Und las ihm daraus vor.

"Kopfkino, Tagedieb, Dreikäsehoch,"

Schürzenjäger, Lampenfieber,

Fernweh, Mauerblümchen,

Süßholzraspler,

Augenweide,

Sehnsucht, Luftschloss, Weinseligkeit,

"Notnagel, Fracksausen."

Ja.

"Herzensdrang" ”, sagte er leise.

Weltflucht.

"Liebesnest", antwortete er.

Aus zwei Einheiten entstand etwas Neues.

Er war völlig hingerissen.

Von allem.

Von Ihr.

Was er noch sagen wollte,

er war kein Held.

Er war nur ein Hochstapler.

Ein Hochstapler und ein Pausenclown.

Entschuldigung, was?

"Nichts”", hat er geantwortet.

Absolut nichts.

Dieser Betrüger soll die Rede im Bundestag halten?

Vorsicht, ein Betrüger im rechtlichen Sinne ist er nicht.

Er hat nicht absichtsvoll gehandelt. Im Gegenteil.

Das Ganze hatte absolut nichts mit Flucht zu tun.

Es war ein blöder Kommunikationsfehler

innerhalb der Befehlsketten, ja?

Purer Zufall!

Sie haben hier was.

Der Kerl ist ein Hohn für alle,

die damals dem Regime getrotzt haben.

Ein Lügner und Betrüger.

Michael Hartung ist kein Lügner allein schon,

weil ein Lügner niemals vor dem Bundestag reden dürfte.

Wofür haben wir damals gekämpft,

als wir dem Regime die Verbrechermaske wegrissen?

Wozu betreibe ich denn seit 30 Jahren Gedenkarbeit?

Damit die Wahrheit nicht vergessen wird!

Kony!

In der S-Bahn waren 127 Menschen,

von denen 120 noch am selben Tag

freiwillig in den Osten zurückgekehrt sind.

Und wer erzählt solche Märchen? Etwa Ihr Stasi-Kontakt?

Ist reinste Propaganda.

Man könnte sich fragen,

ob das Dokuzentrum Unrechtsstaat DDR, das der Bund finanziert,

bei Ihnen noch in den richtigen Händen liegt.

Meine Herren.

Jegliche Indiskretion...

hätte äußerst unangenehme Folgen.

Sämtliche Akten im Fall Hartung sind unter Verschluss zu halten.

Herr Röslein ordnet dankenswerterweise den Fall

in einem Memorandum historisch-wissenschaftlich ein.

Die von Hartung organisierte Massenflucht

trug erheblich dazu bei,

das SED-Regime zu destabilisieren.

Ach, und Herr Wischnewsky, Ihre Stiftung gegen das Vergessen,

die außerordentlich wichtige Arbeit leistet,

bekommt, wie ich hörte, eine Budgeterhöhung?

Ich nehme an, das freut Sie.

Die mach ich fertig.

Das war nicht das letzte Wort.

Das lohnt sich nicht.

Nee, nicht mit mir.

Ja, könnte Probleme geben. Aber ich behalt's im Auge.

Das darf keinesfalls schiefgehen. Und Hartung?

An dem bleiben wir dran, keine Sorge.

So, das erscheint bald.

Und Ende nächsten Jahres dann die große TV-Serie.

Tobias, ein großartiger Filmproduzent,

hat sich die Rechte gesichert und sogar schon einen Sender gezockt.

Eine wirklich unfassbare Story. Wir könnten nicht glücklicher sein.

Ah ja? Gut.

Wir haben sogar schon einen Writers' Room zusammengestellt.

Im Frühjahr soll gedreht werden. - So schnell geht das?

'Tschuldigung, ich muss Ihnen jemanden vorstellen.

Das sind Sie, Herr Hartung.

Alex Allonge. Er wird Sie in der Serie verkörpern.

Eine große Ehre.

Michael Hartung. Großes Vergnügen, Sie kennenzulernen.

Ich kenn Sie natürlich. Sie sind aus München, oder?

Nee, aufgewachsen bin ich in Köln-Nippes.

Wegen der Schauspielkunst München. Meine Eltern sind aus Friedenau.

Und schlussendlich bin Ich wo gelandet? In Wien.

Wegen der Liebe.

Die physiognomische Ähnlichkeit ist nicht so wichtig.

Es geht ja um den Kern der Persönlichkeit.

Der liegt bekanntermaßen nicht im Äußeren, in der Apparenz,

sondern in der inneren Haltung, im emotionalen Weltzugang.

Denken Sie an Alex' Darstellung

als nepalesischer Sherpa Tenzing Norgay in "Everest".

Das war...

Beeindruckend?

Yes. - Bisschen schwach auf der Brust, ne?

Der Schauspieler soll nicht verstellen,

sondern enthüllen.

Ah, man spürt direkt Energie, im Raum...

Für mein Charakterstudium wär's gut, wenn ich Sie begleiten dürfte.

Das ist eine hervorragende Idee.

Das Einmaleins der Kür ist Recherche, n'est-ce pas?

Ganz toll, hä? Was für eine Chance, Micha.

Sie dürfen mich verfolgen. - Wer ist Ihr Lieblingsschauspieler?

Oh, schwierige Frage für einen Videothekenbesitzer.

Das ist ja, als würden Sie einen Vater fragen,

welchen seiner Söhne er am meisten mag.

Äh...

Robert De Niro.

Are you talking to me?

Are you talking to me?

Danke für Ihren Einsatz. Wir ließen uns damals nicht alles gefallen.

Genau. Schönen Dank. - Genau. Schönen Dank.

Und schönen Tag noch. - Und schönen Tag noch.

Das hab ich '95 im Bahnhof abgeschraubt,

als der umgebaut wurde.

Sonst hätten die es weggeschmissen. Ist für Sie.

Is Ja Friedrichstraße. - Is Ja Friedrichstraße.

Sie sehen in echt noch viel besser aus als im TV.

Danke schön. Yoga, viel Wasser. Bewirkt Wunder.

Ich schreibe einen Blog über Schienenverkehr

und historische Bahnhöfe in Berlin.

Haben Sie einen Lieblingsbahnhof in Berlin?

Schwierige Frage für einen Eisenbahner.

Das Ist, als würden Sie einen Vater fragen,

welche seiner Töchter er am liebsten hat.

Vielleicht Heidelberger Platz?

So, wer will noch Mitglied werden?

Wir sind ja hier nicht auf dem roten Teppich. Formular.

200 Euro, bei uns ist die erste Rate gleich fällig.

Wie war das für dich, als die Mauer fiel?

Ich war strafversetzt in den Tagebau, am Arsch der Welt.

Aber du warst ja Dissident. Was trieb dich auf die Straße '89?

Ich hatte ganz andere Sorgen.

Es war saukalt in der Lausitz,

Natalies Lungenentzündung wurde immer schlimmer.

Musst du dir mal vorstellen,

unter uns Millionen Tonnen Kohle, und wir haben gefroren.

Wie ein Fisch, der ertrinkt. - Ja.

Ersoffen im eigenen Element. Geht mir gerade schon wieder so.

Du warst wie ein U-Boot. - Hä?

Im Wasser des Systems weggetaucht, in der Hoffnung, nicht aufzufallen.

Das war nicht wie In einem amerikanischen Film.

Eher ein polnischer.

Ein kurzer Film übers Töten. Das ist gut.

Mir graust vor der Buchpremiere.

Fremden seine Geschichte vorlesen, die man nicht selber geschrieben hat.

Das ist nicht meine Wunschvorstellung.

Wer hat das geschrieben? - Dieser Landmann.

Schon in Absprache, aber er ist Profi.

Micha, Buchvorstellung. Alle warten, geh mal ran.

Michael Hartung. Nachrichten nach dem Piep.

Wir müssten anfangen.

Hast du "Drückeberger"? - Klar, Maulheld.

Und "Zimtzicke"? - Hasenfuß.

Und "Giftnudel"? - Flachwichser.

Okay, okay.

Herzlich willkommen. Michael Hartung ist leider kurzfristig erkrankt.

Aber ich darf Ihnen Alexander Landmann vorstellen,

mit seinem Buch "Zug in die Freiheit".

Viel Spaß. - Schönen Dank.

Du bist total verrückt!

Du bist echt völlig irre.

"Micha Hartung hatte es minutiös geplant."

Er wusste genau,

wann er unbemerkt von den Lichtkegeln der Grenzsoldaten

sich auf das Gleis legen konnte, um nicht gesehen zu werden.

Er hatte in dieser Nacht

"buchstäblich sein Ohr und Herz an der Schiene der Geschichte."

Was war das Romantischste, was du mit einer Frau erlebt hast?

Susanne Geisler, meine zweite Freundin.

Wir saßen auf einem Jagdhochstand,

haben geknutscht und ein bisschen gefummelt,

und irgendwann ist der Hochstand einfach umgefallen.

Komplett eingestürzt.

Wir lagen in den Trümmern,

mein Hemd war zerrissen, meine Schulter blutete.

Susannes Hand war verstaucht, aber funktionsfähig.

Dann haben wir gelacht...

und miteinander geschlafen.

Blutüberströmt, mit ausgekugelter Schulter.

Ein Liebesspiel, wie es nur ein ostdeutscher Mann beherrscht.

Und du? Deine romantischste Erfahrung?

Warte mal! Nicht bewegen.

Huch, guck mal. Die ist aber schön.

"Dann kam endlich der Moment",

der ihn zum Helden machen würde.

Die wochenlange Arbeit mündete in dem waghalsigen Akt der Weichenstellung.

"Sein Beitrag zum Kollaps des DDR-Regimes."

War deine Ex-Frau Romantikerin?

Willst du das wirklich wissen?

Klar, ich frage nichts, was ich nicht wissen will.

Ähm,

Tanja und ich haben uns direkt nach meiner Haft kennengelernt.

Im Braunkohletagebau Bärwalde.

Wahnsinnig romantisch. - Ich war sofort verknallt.

Was hat dich so begeistert an ihr?

Ihr spöttischer Blick.

Wenn sie lachte, dann lachte sie eben.

Und wenn sie fluchte, fluchte sie.

Und wenn sie liebte, dann liebte sie.

Am Ende war es eine Enttäuschung. - Warum?

Sie hat mich am 11. November '89 verlassen.

Natalie und mich. War einfach weg. - Am 11. November?

Zwei Tage, nachdem die Mauer gefallen ist? Ist ja krass.

Ich frage mich oft, was passiert wäre,

wenn Dinge im Leben anders gelaufen wären.

Hättest du nicht die Weiche gestellt, wäre ich in den Westen?

Hätte ich überhaupt Jura studiert?

30 Jahre dachte ich über diesen Schicksalsmoment nach...

und habe dich endlich gefunden.

Ich hab die Weiche nicht gestellt.

Ich hab den scheiß Bolzen aus Versehen abgebrochen.

Und niemandem davon erzählt.

Du verarschst mich. - Ich hatte Schiss.

Und ging auf meinen Platz zurück.

Ich wusste auch nicht, dass noch eine Bahn durchfuhr.

Ich hatte keinen Plan.

Das kann nicht wahr sein.

Jetzt machte dieser Journalist ein Riesending draus.

Und ich...

Ich brauchte einfach das Geld.

Aber wir haben doch trotzdem eine Geschichte.

Also, mit uns.

Paula.

Paula!

Gute Besserung. Sarah mit H.

Für meine Hassliebe Holger Röslein,

ein Tschekist im Geiste.

Grüßen Sie Ihren Freund, von einem alten Weggefährten.

Unzuverlässigkeit ist wirklich

die aller widerlichste Charaktereigenschaft.

Und warum? Weil du andere in deine Scheiße mit reinziehst.

"Was ich haben kann Das krieg ich nicht"

Und was ich kriegen kann

"Das gefällt mir nicht"

Was ich haben will Das krieg ich nicht

Und was ich kriegen kann Das gefällt mir nicht

Sie können da nicht rein.

Entschuldigung, der Herr ist einfach...

Was wollen Sie? - Michael Hartung.

Ich weiß, dass er ein Hochstapler ist.

Vielleicht stellen Sie sich erst vor.

Natürlich. Harald Wischnewsky.

Leiter der Stiftung gegen das Vergessen.

Sie bieten einem Lügner und Betrüger eine Plattform.

Ihre journalistische Pflicht ist... - Stopp, stopp.

Es ist schon ziemlich spät.

Wenn Sie mich beleidigen wollen, verweise ich Sie auf unsere Website.

Wir haben unseren gesamten Apparat angeworfen

und eben eine Massenflucht aus der Geschichte gemacht.

Mit den nötigen Beweisen,

einem Geständnis von Hartung

mit einer Akte mit allem Pipapo.

Stasi-Oberstleutnant Fritz Teubner, schon mal gehört?

Natürlich nicht. Weil Sie nicht recherchiert haben.

Das Ganze war eine völlig verkorkste Stasi-Aktion,

die als Massenflucht verkauft wurde.

Ich bin bereit, die Datei verschwinden zu lassen.

Wollen Sie mich erpressen?

Was? Schreiben Sie einfach nur die Wahrheit.

Die Wahrheit gibt's nicht.

Jeder hat seine eigene.

Das ist die Wahrheit.

Ich gebe Ihnen eine letzte Chance, das richtigzustellen.

Sonst sorge ich dafür, Sie Märchenerzähler...

Das ist strafrechtlich relevant. Wollen Sie vor Gericht? Gerne.

Unsere Rechtsabteilung hat aufgestockt.

Herrgott, Sie wissen das doch auch! Sie können den Kerl nicht decken.

Ja, Büro Landmann. Security, bitte. Sofort.

Machen Sie doch.

Psychisch verwirrt, womöglich gefährlich.

Ja, vielleicht auch bewaffnet.

Bitte, kommen Sie schnell.

Sofort.

Das... Das...

Lass mich in Ruhe! - Bist du besoffen?

Ich halte die scheiß Rede nicht, nirgendwo!

Mach auf, es ist wirklich wichtig. - Hau ab!

Sag mal, bist du...

Sag mal, du nervst.

Stasi-Oberstleutnant Fritz Teubner. Sagt dir das was?

Der lebt noch? - Ja, der lebt noch.

Und er ist nicht der Einzige.

Die drohen damit, alles auffliegen zu lassen.

Diese Rede Ist die einzige Chance, aus der Sache raus zukommen.

Wenn du erst mal im Bundestag warst,

dann haben wir quasi die amtliche Beglaubigung.

Ich habe Paula alles erzählt. Die Wahrheit.

Ich dachte, das Beste ist, die Wahrheit zu sagen.

Was soll schon passieren?

Wer bist du? Gandhi?

Jesus?

Die Wahrheit war dir bisher egal,

du hast gelogen, solange die Kasse klingelte.

Du zerstörst alles. Ich verlier meinen Job!

Journalistenpreis kann ich vergessen.

Vermutlich müssen wir dem Verlag Schadensersatz zahlen.

All die Liebe, die Verehrung.

Die du jetzt noch genießt. Das wird umschlagen.

In Hass. Verachtung.

Unsere Kinder werden die Kinder von Betrügern sein.

Unsere Familien werden die Familien von Betrügern sein!

Hä?

Oh. Mann, ey. Mich macht das kaputt!

Mach jetzt keinen Fehler, Micha.

Wie hat denn deine Paula reagiert, als du die Wahrheit gesagt hast?

Siehst du?

Niemand will die Wahrheit hören.

"Mundus vult decipi:

Die Welt will betrogen sein, also betrügen wir sie."

Ich helfe dir, die Rede zu schreiben.

Wenn der Mauer-Jubiläumsquatsch erst mal vorbei ist,

interessiert das niemanden mehr.

Und du hast dein altes Leben zurück, du bleibst ein Held. Versprochen.

Hä?

Fein, fein. Ja, mein Schatz.

Prost.

Bist du durch?

Ja.

Tag.

Danke, wa.

"Diktum der Mahnung"

in Zeiten einer von Verdrängungsmentalität geprägten,

aufmerksamkeitsdef...

Aufmer... Auf...

Aufmerksamkeitsdefizitären Gegenwart.

Ein Diktum der Mahnung

in Zeiten einer von Verdrängungsmentalität geprägten,

"aufmerksamkeitsdefizitären Gegenwart."

Pff. - Kontakt zur Außenwelt verloren?

2, 3 Monate... - Herr Wischnewsky.

Hallo. - Guten Tag.

"Ein Diktum der Mahnung"

in Zeiten einer von Verdrängungsmentalität geprägten,

"aufmerksamkeitsdefizitären Gegenwart." Boah.

Wo gehst du hin?

Ich muss pinkeln.

"In Zeiten einer...

von Verdrängungsmentalität geprägten, auf..."

Ich weiß, dass Sie die Weiche nicht mit Absicht manipuliert haben.

Da sind Sie nicht der Einzige.

Ich war im Gefängnis. - Tut mir leid.

Wie lange? - Drei Jahre.

Drei Jahre?

Flugblätter.

Ein paar Zettel, die wir im evangelischen Friedenskreis

auf der Maschine getippt hatten.

Keiner wollte sie verteilen außer Heiko,

der nicht alle Latten am Zaun hatte.

Im Gegensatz zu mir sind Sie ein richtiger Held.

Heiko war bekloppt, kognitiv beeinträchtigt.

Der sprach immer so langsam, der ging uns allen auf die Nerven.

Aber weil wir gute Christen waren, taten wir so,

als wäre er normal.

Aber welcher normale Mensch rennt in der DDR

einfach so mit Flugblättern zum Alex?

Selbst die Bullen wollten ihn nicht mal verhaften.

Am Ende war ich der Rädelsführer und kam in den Knast.

Während Heiko nach Hause durfte.

Sie haben sich für ihn geopfert. Glückwunsch.

Sie sind auch ein sehr guter Mensch.

Guter Mensch.

Ein gottverdammter Trottel bin ich. Verräter.

Ich habe Heiko belastet. Ihm die Schuld an allem gegeben.

Jahre später erfuhr ich, er kam in die Geschlossene.

Und starb dort.

Immerhin haben Sie jetzt die Wahrheit gesagt.

Besser, als sein Leben lang mit einer Lüge zu leben.

Tschüs. - Im Grunde kann's mir ja egal sein.

Ich meine, Im Gegensatz zu Ihnen, was die Stasi Ihnen angetan hat.

Was meinen Sie damit?

Na, Ihre Tanja. - Was denn?

Sagen Sie bloß, das wissen Sie nicht.

Was?

Also, soweit ich weiß,

wurde sie von der Stasi angeworben und hat Sie dann zu Hause...

sozusagen betreut.

Wie bitte?

Naja, muss ja nicht heißen, dass sie Sie nicht geliebt hat.

So was ist komplexer, als es meist dargestellt wird.

Tut mir echt leid.

Er ist...

Micha?

Es geht gleich los, komm raus.

Kriegst du etwa kalte Füße?

Ich brauch einfach ein bisschen Ruhe, verdammt noch mal.

Es ist nicht die Zeit für lange Ruhephasen, Micha.

Micha!

Ich halte die Rede, aber so, wie ich es will.

Ich sage die Wahrheit.

Mach das nicht. Du machst alles kaputt!

In diesem Moment

kommt auch der Präsident des 19. Deutschen Bundestages,

Herr Doktor Wolfgang Schäuble, in den Saal...

Micha. Das kannst du nicht machen.

Micha.

Herr Hartung, da sind Sie ja. - Wo muss ich hin?

Setzen wir uns kurz. - Ich stehe lieber.

Gut.

Es ist wahnsinnig traurig, aber ich muss Ihnen leider mitteilen,

Sie werden die Rede nicht mehr halten.

Wa? - Was?

Wieso? - Ich bin auch überrascht.

Es gab wohl neue Überlegungen in puncto Festrede und Außenwirkung.

Man entschied sich für jemand Besseren.

Jemand Besseren?

Ja, nicht besser.

Heldentaten lassen sich nicht vergleichen.

Sagen wir, jemand Geeigneteren.

Das liegt leider außerhalb meiner Entscheidungsbefugnis.

Frau Karume, wenn Sie kurz eine Sekunde hätten.

Das ist Herr Hartung.

Unsere Rednerin Frau Karume. - Tag.

Welche Heldentat vollbrachten Sie?

Frau Karume war Angestellte der Deutschen Botschaft in Prag.

Mit ihrem einmaligen Mut ermöglichte sie

1989 Hunderten von DDR-Flüchtlingen Zugang zum Garten der Botschaft.

Ich ließ nur das Gartentor offen.

Also, das Ist jetzt aber...

Herr Hartung, wir haben Ihnen einen Zuschauerplatz freigehalten.

Frau Karume.

Wir freuen uns, dass Sie da sind.

Gut hergefunden? - Ja, wunderbar.

Frau Karume? Alexander Landmann. Fakt Magazin.

Die Geschichte klingt ganz fantastisch.

Sie können hier nicht sitzen. - Lasst mich, bitte.

Die Absperrung für die Festveranstaltung

kippt um, wenn Sie sich anlehnen.

Ich will hier einfach nur sein.

Sie können hier nicht sitzen, sich nicht anlehnen und nicht sein.

Jeder hat mal einen schlechten Tag.

Mein ganzes Leben war ein schlechter Tag.

Jetzt haut ab, Idioten. - Höre ich eine Beleidigung?

Erst mal runter. Runter! - Was soll das? Aua!

Keine hektischen Bewegungen! - Wichser.

14-3. Wir brauchen Unterstützung.

Au! - Hannah-Arendt-Straße.

Ist das nicht der aus der S-Bahn mit der Spinne?

Ja, der von der Talkshow. Mit Kati Witt, wa?

Wie ist die Kati denn so? - Sehr nett.

Schön, so hatte ich die auch eingeschätzt.

Hat die Frau, die Sie nun kennenlernen...

Wo ist denn unser Micha?

Vielleicht gibt's zwei Redner.

Manchmal sind es die kleinen Dinge,

die den Lauf der Geschichte entscheidend beeinflussen.

Er ist ein Lügner. - Ach.

Ich wusste es die ganze Zeit.

Sie wollten, dass es stimmt.

Dass es diesmal was ganz Besonderes ist.

Sie verliebten sich in die Idee der Geschichte,

eine Schicksalsbegegnung.

Anstelle sich dieser Fiktion hinzugeben,

hätten Sie Ihrer ganz realen Begegnung

eine Chance geben müssen.

Sie haben das gelesen?

Ja. Ist eine gute Geschichte.

Vielleicht etwas pathetisch geschrieben, aber...

Da gibt es eine Stelle mit einer Spinne.

Da hab ich geweint.

Liebe Natalie. - Kennen wir zwei uns?

Ich wollte dir schon die ganze Zeit sagen,

dass das alles nicht so war,

wie es jetzt überall So erzählt wurde...

Meine liebe Natalie, ich muss dir etwas sagen,

was mir nicht so leichtfällt.

Ich bin kein Held. - Sie werden abgeholt.

Hi, Papa. - Lienchen. Entschuldige.

Was ist denn passiert?

Ich traute mich aber nicht,

weil ich eben daran auch nicht ganz unschuldig war.

Ich hab heute erfahren,

dass deine Mutter für die Stasi arbeitete.

Wahrscheinlich ist sie deshalb auch so schnell weg.

Ja, ich weiß, Papa.

Du wusstest das schon?

Ich hab vor einigen Jahren mal...

Akteneinsicht beantragt.

Ich wollte mehr über meine Familie wissen, über Mama und über dich.

Als ich das dann las, wusste ich, ich möchte das für mich behalten.

Ich wollte dir das ersparen.

Weißt du,

bei all dem Scheiß, den wir erlebt haben in diesem Land,

ist so was Großartiges rausgekommen wie du, Natalie.

Du bist das Beste, was mir passiert ist.

Paula.

Einer muss anfangen.

Ja. Ist wohl besser, direkt zum Punkt zu kommen, als noch zu warten.

Dann wird's noch schwerer.

Kannst du ablesen, was die sagen?

Ich bin schon etwas aus der Übung. Was sollen sie groß sagen?

Typischer Wiedervereinigungsdialog, schätze ich.

Happy End, oder was.

Ja, anscheinend.

Warum hast du mich am Bahnhof angelogen?

"Warum hast du mich am Brandwurm"...

Nee, "am Bandwurm abgezogen".

Bandwurm abgezogen. - Bandwurm abgezogen? Was...

Warum hast du mich am... - Ausgezogen vielleicht.

Raus gezogen. "Warum hast du mich am Bandwurm raus gezogen?"

Es fühlte sich nicht an wie eine Lüge.

Ich wollte nur das,

was zwischen uns entstand, nicht kaputtmachen.

Du kanntest mich nur als Held,

also versuchte ich, die Rolle zu spielen.

Ich wollte dich nicht enttäuschen.

Ich glaube, Ich hab einfach...

immer viel zu viel von einem Partner erwartet.

Einen Seelenverwandten gesucht,

eine gute Geschichte,

etwas Außergewöhnliches.

Dabei ging es viel weniger um dich...

als um mich.

Meine Lücke, die ich schließen wollte.

"Eine Mücke, die ich schießen wollte".

Eine Mücke, die ich schießen wollte.

Ah, das Kanzleramt. Observierung abbrechen.

Ich hätte 50 Euro gewettet, dass aus denen was wird.

Das muss ja nicht alles in einer Liebesbeziehung enden.

Sagte er...

und legte seinen Kopf auf ihre Schulter.

Schau, das Mädchen da bin ich.

'tschuldigung.

Gut.

Danke!

Super. Wir gehen weiter. - Danke.

Wir bauen um auf Bild 42. - Komparsen bitte aus der S-Bahn raus!

Authentisch, oder? - Ja, wie echt.

Kriege ich Schokolade? - Klar, wir holen uns alle.

Alex! Tag. - Wie geht's? Na?

Das sind meine Enkel, meine Tochter.

Wie süß. - Alex.

Ja, alles wegen dir. - Voll.

Micha, würdest du es einmal für mich machen?

Die Rede jetzt? Klar. Also, ich würde anfangen:

"Frau Bundeskanzlerin, Herr Bundespräsident,"

Sie erwarten sich einen Helden,

der im richtigen Moment das Richtige tut,

"aber das bin ich nicht."

Micha! Micha, mach doch das da drüben, bitte.

Noch besser. - Stell dich hin.

Wie so eine Stellprobe...

Ich wusste ja nicht, dass ich, wie die Presse es nannte,

die größte Massenflucht der DDR auslöste.

Das war ja purer Zufall. Es ist Ja einfach passiert.

Und es wäre nie öffentlich geworden, hätte man mich dazu nicht interviewt.

Aber so...

wurde aus dem Zufall eine kleine Lüge,

die wurde immer größer und größer und...

Irgendwann wusste ich selber nicht mehr, was wahr ist,

und was nicht.

Aber ist es nicht so,

dass wir uns meistens im Leben...

das Leben so erzählen, wie wir es gerne hätten?

Ihr kennt sicher alle den Spruch:

Geschichte ist die Lüge, auf die man sich geeinigt hat.

Das heißt ja,

wir erschaffen uns eine Wahrheit, die wir für wahr halten.

Wir sind alle Geschichtenerzähler, und manchmal ist an einer Geschichte

sogar ein wenig mehr Wahrheit dran als an der Wirklichkeit.

Oder?

Na, ihr wisst schon, was ich meine. - Super. Genau. Genau so.

Gänsehaut. - Gänsehaut. Genau so. Kannst du das?

Okay, wir machen eine Probe mit Alex.

Ruhe noch mal, bitte!

Ganz egal, was vom Himmel fällt Ganz egal, ob die Liebe hält

Ganz egal, was der Morgen bringt

Ganz egal

! don't mind

Heute ist es schön

Ja, heute ist ein guter Tag

Alles ist im Fluss

Ja, alles fließt den Fluss hinab

Heute ist es schön

Ja, heute ist ein guter Tag...

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