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Vor etwa 500 Jahren lebte in diesem alten Patrizierhaus der Goldschmied
Johannes Gänzfleisch, genannt Gutenberg.
Ihm war es in seiner Werkstatt erstmals gelungen, mit Hilfe von metallenen
Lettern Bücher zu drucken.
Was steht zu Diensten?
Sagt einem Herrn, Dr. Homeri möchte ihn sprechen.
Dr.
Homeri möchte euch sprechen, Meister.
Gut. Führ ihn herein, Lorenz.
Hier herein, Meister?
Ja, tu's.
Mein Geheimwerk ist bei ihm gut verwahrt.
Was schaffet mir die Ehe eures Besuches, Ehrwürden?
Wollet bitte hier Platz nehmen.
Ist ein betrüblich, Sachmeister, die ich euch zu berichten komme.
Fust? Fordert alles Geld zurück, das euch geliehen, wenn ihr ihn nicht mit
der ganzen Summe am Werk der Bücher beteiligt. Und ich sag, die Hälfte will
ich ihm zurückzahlen.
Genau nach Absprache.
Denn so viel war für das Erstellen der Werkstatt geliehen.
Die andere Hälfte soll er beteiligt sein am Werk der Bücher. Er wird's erzwingen,
Meister. Verlangt er doch ansonsten seine Gulden zurück, samt Zins und
Zinseszins bei 2000.
Das kann ja nicht.
Hab ich doch wohl gültige Verträg.
Mögt euch erinnern, Dr. Humeri. Ich entsinne mich da wohl jenes Tags im
Jahre 1450.
Was ist in euch gefahren, Meister Fuss?
800 Gulden wollt ihr hingeben einem Mann, der seit Jahr und Tag fremder
Leute gutes Geld vertut, für irgendein Teufelswerk?
Ich weiß, an wen ich es wag, Doktor. Da, seh selbst, wie die Welt vollsteckt mit
Gaukelleut, Betrügern und Schwarzkünstlern, die nur darauf bedacht
sind, der leichtgläubigen Säcke auszuplündern.
Da er trotz wiederholter Mahnung nicht willens oder imstande ist, das ihm
dargelehne Geld zurückzuzahlen.
So soll er für drei Stunden am Pranger stehen vor allem Volke, worauf er in den
Schuldturm soll gesperrt werden.
Gelüstet euch auch eines Tages solcherweise, eure guten Gulden
auszupressen aus einem leeren Sack?
Dass euer Misstrauen schwinden mög, sollt ihr jetzt den Meister Johannes
selbst kennenlernen.
Damals fasste ich Vertrauen zu euch und eurem großen Werk und ist mit der
ungeheuerlich Vorteil aufgegangen zwischen der Handschrift, so man
heutigen Tags anfertigt, und eurem Schriftwerk.
Wie ich mich erinnere, war es die lateinische Grammatik von Elius Donatus.
Ein sauber Gleichmaß, eins wie das andere.
Fuest hat euch 800 Gulden geliehen mit der Absprache, dass ihr sechs Gulden vom
100 zu Solde geben sollt in jedem Jahr.
Hab Werkstatt, Lön, Tint, Papier und Werkelzeug damit beschafft.
Im dritten Jahr darauf gab er mir noch mal 800 Gulden, das Werk der Bücher zu
betreiben. Und nur davon will ich ihm Rechnung legen zu beider Nutz. Seid
nicht heißstarrig, Meister.
Fuss ist ein gar harter Widerpart.
Dr. Humeri, ich will's euch vorweisen, was ich geschaffen. Vom ersten bis zum
letzten. Und sollt selbst abwägen, was mehr gilt.
Mein Werk oder Fustens Geld.
Dies hier nennt man den Stempel und ist aus einem harten Stahl geschnitzelt.
Ob Buchstab, Zahl oder Zeichen, jedweder muss fürs Erste so im Spiegelbild
gefertigt werden.
Was nunmehr folgt, will wohl erlernet sein.
In solch kupfern Würfel wird nun der Stempel eingeschlagen.
Um kein Haaresbreite zu tief, um keines zu flach.
Solchermaßen entsteht ein Abdruck.
Und dies Werkstück wird Matrize geheißen.
Nun folget mir zur Druckerwerkstätte.
Hier kann ich euch das Kernstück meiner Erfindung vorweisen.
Dies kleine Gerät erlaubt mir, in ganz kurzer Zeit so viel Lettern zu gießen,
als ich zur Fertigung eines Textes nötig habe.
In diesem Ofen wird das Gießmetall flüssig gehalten.
Wenn die Matrize ins Gießgerät eingelegt ist,
wird eingegossen.
Sogleich ist das Metall erstarrt, kann ausgeworfen werden
und
nachdem man den Gusszapfen abgeschlagen hat, ist eine Letter fertig.
Das Gerät ist im Nu für den nächsten Guss bereit.
Hier im Setzkasten sind die Lettern nach der Weis des Alphabets fein sauber
sortiert.
Das ist Peter Schöffer, mein Altgesell.
Er füget Letter vor Letter im Winkelhaken einander, bis sich Wort an
Wort, Zeile an Zeile schmiegt zum metallenen Schriftsatz.
Ein Arbeit, die vielerlei Kenntnis und ein Feindseinfühlen erfordert.
All das muss erst erdacht, erfunden und vollführet sein, ehe das eigentliche
Druckwerk kundbegonnen werden.
Die Fertigseiten aus dem metallern Letternsatz wird hier im Fundament
eingericht, verkeilt und mit dem Färbeballen geschwärzt.
Das Papier muss gut geweichelt und vorbereitet sein, damit zum Drucke es
wohl taugt.
Und so ist künstlich geschrieben eine Seite der Heiligen Schrift.
erstellet mit zween Spalten aus 42 Zeiern. Und also mag man beliebig viele
Blätter abdrucken vom metallernen Letternsatz.
Eine so säuberlich und ohne Fehler wie die andere.
Mit Gottes Hilf habe ich im Laufe dreier Jahr ungeachtet anderer Arbeiten bei
150 Bibeln ausgedruckt.
Eine jede Fülle zwei Band mit 1282 Seiten.
hätte der geschickte Schreiber in gleicher Zeit nicht eine einzige davon
können anfertigen.
Nun gebt euer Urteil, hochwürdiger Herr. Wer am ehesten getan?
Der Fust oder ich?
Seid ein großer Meister, Junker Johannes.
Und kann zur Stund keiner absehen, was für Segen eure Erfindung in sich birgt.
Dennoch lasst euch warnen. Das Geld hat eine gar teuflische Macht.
Euch gilt's wenig vor eurem Werk.
Der Fust regiert's meisterlich.
Möchtest Gott verhüten, dass um die Frucht eurer Arbeit kommt.
Ich ist vom weiteren Leben Gutenbergs bekannt.
Das Gericht entscheidet zugunsten Fusts. Da Gutenberg das geforderte Geld nicht
bezahlen kann, erhält Fust die verpfändete Buchdruckerwerkstätte mit
allen Erzeugnissen.
Einen kleinen Teil des Werkzeugs rettet Humeri für Gutenberg. Er kauft ihn fußt
ab und überlässt ihn Gutenberg auf Lebzeiten.
Darunter befinden sich die für den Bibeldruck hergestellten Lettern.
Fusts Tochter begrüßt Peter Schöffer als den Gesellen ihres Vaters, der sie
später zur Frau nehmen wird.
Von da ab besteht in Mainz eine Buchdruckerwerkstätte von Fust und
Schöffer mit dem Zeichen.
Gutenberg selbst hat wohl danach keine größeren Drucke mehr herausgebracht.
Es ist sehr schwer, die Urheberschaft seiner Arbeiten nachzuweisen.
denn sie tragen weder Datum noch Zeichen.
In der Nacht zum 29.
Oktober des Jahres 1462 überfiel Adolf von Nassau die Stadt Mainz im Streit
gegen Dieter von Isenburg um den Kurfürstenstuhl.
Halb Mainz sank in Schutt und Asche.
Ein großer Teil der Bürger wurde erschlagen.
Die überlebenden Männer mussten unter Schmähungen die Stadt verlassen.
Das Haus zum Gutenberg wurde eingezogen und verpachtet.
Nichts blieb dem Meister Johannes als das, was er auf dem Leibe trug.
Erst im Jahre 1465, wohl um die bitterste Not abzuwenden, wurde
Gutenberg von Adolf von Nassau zum Hofmann ernannt. Er erhielt als
jährliche Zuwendung Kleidung, 20 Malter Korn und zwei
Fuder Wein bis zu seinem Lebensende.
Durch den Brand der Stadt und die Ausweisung der Männer wurde die bis
dahin geheim gehaltene Buchdruckerkunst bekannt.
Noch vor seinem Tode durfte Gutenberg erleben, dass sie sich über ganz Europa
ausbreitete.
In einem alten Buch fand man die Notiz.
Anno Domini 1468 auf St. Blasius Tag starb der ehrsame Meister
Henne Gänzfleisch dem Gott Gnade.
Eine bildliche Darstellung des Meisters entstand erst über 100 Jahre später.
Gutenberg wurde in der Kirche des heiligen Franziskus zu Mainz beigesetzt.
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