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*ruhiges Atmen*
(Forster) Sie atmen ruhig.
Ein ... *tiefes Einatmen*
Und aus. *tiefes Ausatmen*
Ein.
*tiefes Einatmen*
Und aus.
*tiefes Ausatmen*
So ...
Und jetzt ...
*unheimliche Musik*
Fixieren Sie das Pendel.
Ordnen Sie nicht Ihre Gedanken. Lassen Sie sie einfach los.
Und atmen ruhig ein ...
*tiefes Einatmen*
... und aus.
*Explosion, dramatische Musik*
(Forster) Ich werde Sie führen.
Schritt für Schritt.
Schritt für Schritt,
bis hinunter zur Wurzel der Leiden.
Debout! - Zur Quelle des Schmerzes.
Debout!
*Lichtschalter klickt.*
(Forster) Jetzt bündeln Sie all Ihre Kraft
und richten sie auf den Stein in Ihrer Hand.
Ihre Hand gehorcht Ihrem Willen.
Ihr Wille kann den Stein zerquetschen.
*Wimmern*
Nur Ihrem Willen allein
gehorcht die Hand.
Und wenn Sie jetzt Ihre Hand öffnen, werden Sie sehen,
Ihre Hand ist so ruhig wie meine.
Atmen Sie ruhig ein ...
*Musik spitzt sich dramatisch zu.*
... und aus.
Und wenn ich "jetzt" sage, dann lassen Sie los.
Jetzt. *Er schreckt auf.*
*Musik verklingt.*
*leises Rascheln*
Wie kann ich Ihnen danken, Doktor?
*fernes Poltern*
Wie weit sind Sie in Ihrem Studium gekommen,
als Assistenzarzt?
Notexamen im zweiten Kriegsjahr.
Dann Westfront.
Warum gehen Sie mir hier im Lazarett nicht ein wenig zur Hand?
Bis Sie wieder hergestellt sind und ich Sie ziehen lassen muss.
Jemanden wie Sie könnte ich gebrauchen.
Kameraden,
es ist meine Pflicht, euch mitzuteilen,
dass heute unser Kaiser Wilhelm abgedankt hat.
Er ist mit seiner Familie außer Landes gereist.
Der Sozialdemokrat Scheidemann hat in Berlin die Republik ausgerufen.
Nach vier Jahren Blutvergießen ist der Krieg vorbei.
(Soldat) Was wird mit uns?
Deutschland hat kapituliert.
Das ist nicht wahr!
(Hitler) Das ist Lüge!
Alles Lügen!
(Arzt) Ruhe.
Ihr Verräter!
Ihr verjudetes Pack! - Komm mit.
Alles Lügen!
Ihr Lügner! - Hinsetzen.
(Hitler) Ihr Verräter!
Ihr verjudetes ... Pack!
(murmelt) Elendiges Gschwerl.
Ihr werdet im Schmutz kriechen, ihr schmutzigen Würmer ...
(Anno) Kann man ihm denn helfen?
Lange überlebt er hier nicht mehr, der Querulant.
(Forster) Seine Augen sind vollkommen intakt.
Aber er sieht wirklich nichts?
Der Mann will nichts sehen.
Wir nennen es hysterische Blindheit.
Ursache ist nicht organischer Natur. - Ein Simulant.
Ein kranker Mann.
Krank, aber nicht blind.
Hey! Gefreiter?
Stabsarzt, Herr Professor.
Kommen Sie mal her.
Hierher.
Was sind Sie denn noch wach?
Kann nicht schlafen, Herr Professor. Schon seit Wochen.
Die Nerven, was? Ein bisschen strapaziert?
Bitte, Herr Stabsarzt,
helfen Sie mir. Ich möchte wieder schlafen.
Geh rein ins Vorzimmer und warte dort auf mich.
Danke, Herr Professor.
Wann ...? - Warten soll er.
*Mann spricht im Hintergrund.*
Guter Untertan,
aber voller Starrsinn. Wir lassen ihn warten.
(Anno) Die ganze Nacht? - Ja. Er muss es wollen.
Er muss es mit jeder Faser seines Körpers
und seiner Seele herbeisehnen.
Soll er die ganze Nacht hoffen, dass wir kommen.
Noch ist er nicht so weit, aber morgen Früh erlösen wir ihn.
*spannungsvolle Musik*
(Forster) In jedem Menschen steckt ein Gott.
Das ist der Wille.
Das ist die Energie.
Die Flamme.
Sehen Sie die Flamme?
Ich will ja, aber ...
Ja.
Ja. - Sie müssen sehen.
Ihnen ist alles möglich.
Noch mehr!
Mehr.
Mehr! - *Hitler schreit auf.*
*Musik flacht ab.*
Gut, das ist gut!
Stehen Sie auf.
Was sehen Sie jetzt?
Weiß? Papier? Ich ...
Ich sehe weißes ...
*Hitler schnauft.*
Sie sehen.
*unheimliche Musik*
*rhythmische Musik*
*aufgeregtes Stimmengewirr, Straßenlärm*
*opulente Orchestermusik*
Gott sei Dank, da sind Sie.
Nur Sie können meine Informationen bezeugen.
Da unten an der Bar ist der Chefredakteur Heymann.
Wir sprechen mit ihm. - Nein.
Sie können ihm nicht mehr vertrauen.
Sie sind zur Fahndung ausgeschrieben.
Anno, was geht hier vor?
Da oben steht er.
Wir müssen jetzt sofort weg.
*Musik spitzt sich dramatisch zu.*
*dynamische Musik*
*Musik klingt aus.*
(Blank) Los komm. Oben rum.
*spannungsvolle Musik*
Anno, was ist hier los?
Gereon, sein Wissen hat mehr Sprengkraft als jede Bombe.
Komm.
*Motor startet.*
Da vorne.
In Deutschland wird niemand mehr Ihre Geschichte veröffentlichen.
Erst reicht jetzt nicht, wo Sie von der Polizei gesucht werden.
Sie müssen ins Ausland, sofort.
In Kürze fährt der Expresszug nach Paris.
Den müssen Sie kriegen.
Ich werde mich mit Dr. Ernst Weiß in Verbindung setzen.
Er ist mit Ihrer Geschichte vertraut.
Er hat alle nötigen Verbindungen zur Presse.
Wie stellen Sie sich das vor?
Die Polizei sucht mich.
Da schaffe ich es nicht in den Zug, geschweige denn nach Frankreich.
Ich begleite Sie.
Warum soll ich einem Polizisten vertrauen?
Er ist mein Bruder.
Fragen Sie in diesem Lokal nach Dr. Weiß.
Das ist das Stammlokal der Deutschen im 5. Arrondissement.
Erzählen Sie alles. Ich kann es jederzeit bezeugen.
Legen Sie die an.
Zur Tarnung.
Und?
Überall gesucht.
Er muss ihn verhaftet haben.
Den Arzt?
Dann hat er ihn sicher in die Burg gebracht, oder?
Anzunehmen, ja.
*Menschenmenge singt lautstark*
Ein wunderbares Bild.
Die gereckten Arme, die Heilrufe.
Die Stahlhelme erheben auch die Hand zum Gruß.
Genau wie die SA.
Es ist eine Einheit, die sich hier ausdrückt in einer Gänze.
*Männer singen Marschlied*
*dynamische Musik*
*Stimmengewirr, Trillerpfeife*
Mach mal Platz da. - Zur Seite.
Der Zug ist überfüllt, zurücktreten. - Wir müssen auf diesen Zug.
Mein Mann ist abgeholt worden.
(Mann) Warten Sie!
*chaotische Rufe*
Tut mir leid. Der Zug ist randvoll, da ist nichts zu machen.
Schaffner!
Wir haben eine amtliche Überführung ins Ausland.
Der Kollege muss noch mit. Aber leider nicht allein.
Sofort, Herr Kriminalpolizist.
Kommissar, danke.
Wenn Sie mir bitte folgen würden. Kollege!
*Musik setzt sich fort.*
Guten Abend, entschuldigen Sie die Störung.
Die Fensterplätze sind beschlagnahmt.
Wir haben extra reserviert.
Eine Dienstfahrt ist höhere Gewalt. - Das ist unerhört.
Ich muss Sie bitten.
Ein Fensterplatz ist nicht notwendig.
Doch, Kommissar, den bekommen Sie. Ich muss Sie bitten aufzustehen.
Dies ist ein wichtiger Gefangenen-Transport.
Wir bleiben aber im Zug. - Selbstverständlich, Monsieur.
Tut mir leid, Madame. Gute Fahrt.
Guten Abend.
Guten Abend.
Guten Abend.
*Tür schließt.*
Erlauben Sie?
Keine Sorge.
Der Mann ist ... unter Kontrolle.
(Passagier) Mhm. - (Schaffner) Zurückbleiben.
*Lokglocke läutet, Stimmengewirr*
Wir müssen hier durch! Wir müssen zu diesem Zug!
(Polizist) Aus dem Weg, das ist ein Befehl!
Wohin fährt dieser Zug?
Nach Paris, aber da kommen Sie zu spät.
Wo hält er? Unterwegs, wo hält der?
Nur in Köln und dann erst wieder an der Grenze.
Kommen Sie mit.
*Zug pfeift.*
*sanft treibende Musik*
*Tür öffnet und schließt.*
*Musik schwillt bedrohlich an.*
*Musik klingt langsam aus.*
Woher kennen Sie meinen Bruder?
Ich habe ihn behandelt.
Zu Kriegsende.
Später hat er bei mir promoviert. Stand vor einer glänzenden Karriere.
Dann ist er ja ...
Ja, man muss heute sagen "verschwunden".
Bis er dann plötzlich nach knapp einem Jahrzehnt
wieder aufgetaucht ist.
Mit seiner neuen Identität als Dr. Schmidt.
Was wollte er?
Meine Unterstützung. Ihr Bruder hat Vieles kommen sehen.
Ich nicht, ich habe es nicht sehen wollen.
Was werden Sie diesem Herrn in Paris erzählen?
Worum geht es?
Eine Krankenakte.
Geht es um einen Politiker?
Bedaure.
Ich riskiere einiges Ihretwegen. Nein, nicht meinetwegen.
Sie tun es für Ihren Bruder, nicht wahr?
Da gibt es auch in Geheimnis.
Ich hab meinen Bruder an der Front im Stich gelassen.
Nur durch ein Wunder hat er überlebt.
Das verfolgt Sie?
Bis heute.
Ich bin Psychiater, also ...
ich bin mit Kriegstraumata durchaus vertraut.
War Hitler Ihr Patient?
Ja, ich bin dem heutigen Reichskanzler
damals in Pasewalk begegnet, als sein Arzt.
Da war er noch ein einfacher Gefreiter.
Und?
*unheimliche Musik*
Die psychiatrischen Untersuchungen haben ...
ja, sagen wir mal, sie haben kompromittierenden Charakter.
Und vor allem, und für ihn viel schlimmer,
es widerspricht in krasser Weise seiner eigenen Legendenbildung.
Was wollten Sie auf dem Presseball?
Einen Journalisten treffen.
Um ihm die Akte zu geben?
Die Akte ist verschwunden, seit Jahren, spurlos,
aber wenn Sie so wollen ...
ich bin die Akte.
*mysteriöse Musik*
Gereon?
*Musik klingt aus.*
*Gleisen quietschen.*
*düstere Musik*
*fernes Jaulen*
(Polizist) Routinekontrolle, die Ausweise.
Routinekontrolle, die Ausweise.
Routinekontrolle, Ausweise.
Guten Abend die Herrschaften. Entschuldigung, die Ausweise bitte.
(Passagierin) Wir sind doch noch nicht an der Grenze.
Routinekontrolle, die Ausweise!
*finstere Musik*
Kracauer.
Sie sind jüdisch?
Was tut denn das zur Sache? - Ja oder nein?
Wer sind Sie überhaupt? - Bitte, Eleanor.
(Frau Kracauer) Wenn ich mich ausweisen soll, soll er es auch.
Entschuldigen Sie bitte meine Frau. Und ja, ich bin jüdisch.
Meine Frau hat meinen Namen angenommen.
Herbert, du musst ... - Sei still!
(Herr Kracauer) Wir fahren zu meiner Schwester nach Paris.
Nächste Woche kommen wir zurück.
Hm. Ihr Juden habt ja Verwandtschaft in aller Welt, nicht?
Worum geht's hier?
Sie sind?
Preußische Polizei.
Wir sind doch hier in Thüringen. Das merkt man.
Soweit ich weiß, gibt es zwischen Preußen und Thüringen keine Grenze.
Oder hab ich was verpasst?
Schlaumeier, was?
Weisen Sie sich aus, dann beschwere ich mich über Sie.
*Er atmet scharf aus.*
*Musik flacht ab.*
Danke.
*Herr Kracauer weint.*
Ich hab keine Papiere bei mir. So kommen wir nicht nach Frankreich.
*Musik verklingt.*
Dann werden wir in Köln aussteigen.
Dort kann ich Ihnen Papiere besorgen.
*lebhafte Musik*
*Zug pfeift laut.*
*Musik wird dynamischer.*
(Schaffner) Zurücktreten!
*Stimmengewirr*
*Rath lacht auf.* Rosenmontag.
Wir kommen gerade richtig.
Oder auch nicht.
*Musik klingt aus.*
*aufgeregtes Stimmengewirr*
Anderer Ausgang. Kommen Sie.
Was jetzt?
*spannungsvoll pochende Musik*
Hinten raus. Ich komme nach.
Erwin. - (Erwin) Unser Koffer!
Schaffner! Schaffner!
Unser Koffer! Ein Dieb!
So, los.
Schupos! Hier lang!
Los. - Da vorne sind sie. Stehenbleiben!
Stehenbleiben hab ich gesagt.
(Polizist) Endstation, die Herren!
Abstellen. Ist das Ihr Koffer?
Was ist da drin?
Ich hab keinen blassen Schimmer. Die Hände, meine Herren.
*Glockenläuten*
*fröhliche Karnevalsmusik*
(Polizist) Name?
Rath.
Weiter?
Gereon.
Geboren?
5. März 1899 in Köln.
Können Sie sich ausweisen?
Leider nein.
Ich würde Sie bitten, den Polizeipräsidenten anzurufen.
*Er lacht ungläubig auf.*
Engelbert Rath, meinen Vater.
*ferne Karnevalsmusik*
Sie wollen mir nicht sagen, welche Informationen Sie haben?
Ich darf es nicht.
Sie unterliegen der ärztlichen Schweigepflicht.
Ich darf sie nur mit Kollegen teilen.
Dann kann ich Ihnen keine Papiere beschaffen.
Da nützt Ihnen die Bekanntschaft zu meinem Sohn auch nichts.
Ich hatte gehofft,
du setzt deine Kontakte zum Oberbürgermeister ein.
Ich kann den OB nicht in etwas hineinziehen,
deren Hintergründe ich nicht kenne.
Dann muss ich es tun.
Tu, was du nicht lassen kannst.
Vielleicht muss ich ihn dann an die unappetitliche Geschichte erinnern.
Welche Geschichte?
*geheimnisvolle Klaviermusik*
Deretwegen du mich damals nach Berlin geschickt hast.
Der Oberbürgermeister von Köln wird erpresst.
Herr Dr. Adenauer.
*Projektor rattert.*
Die Sache ist unappetitlich. Soll vor der Wahl erledigt sein.
*Telefon klingelt.*
*angespannte Musik*
*Telefon klingelt wiederholt.*
Ja, ich höre. *Musik verklingt.*
Guten Tag. Kriminalkommissarin Ritter,
Abteilung A, Polizeipräsidium Berlin.
Es geht um Ihren Sohn, Kommissar Gereon Rath.
Das letzte Mal gesehen wurde er am 30. Januar gegen 21 Uhr
bei einem Polizeiansatz
in Begleitung eines Mordverdächtigen.
Danach fehlt jede Spur.
Was ist Ihre Frage, Fräulein?
Haben Sie etwas von ihm gehört?
Nein.
Schon seit Jahren nicht.
Danke.
(Engelbert) Ein Fräulein Ritter aus Berlin.
Sie scheint dich zu vermissen.
Unser Aufbruch in Berlin war ...
Na ja, überraschend.
In dem Aufzug kommt ihr nicht zum Oberbürgermeister.
Nicht heute am Rosenmontag. Frau Hülsenbeck!
Verbinden Sie mich mit Berlin 1347.
(Kölsch) Macht hinne, ihr Hübschen. Sonst verpasst ihr das Ganze noch.
Danke.
So, das ist gut für dich.
*Er lacht auf.* Auf keinen Fall.
Wenn Sie nach Frankreich wollen, brauchen Sie Papiere.
Aber nicht in so einem Aufzug.
*Redner spricht unverständlich.*
(Forster) Ich zieh das nicht an.
Wollen Sie den Oberbürgermeister treffen,
müssen Sie irgendwas davon anziehen.
(Frau) In Berlin meldet sich niemand.
Danke, ich versuch's später noch mal.
Zum Glück konnte Frau Hülsenbeck das alles so schnell auftreiben.
Komm mal her, lass dich mal bützen.
So, und jetzt trinken wir noch einen, ja?
Also, hier, Prösterchen!
*Jubel*
(Sprecher) Meine Damen und Herren,
die Stadt erhebt sich im Donner der Trommeln.
Die Plätze leuchten
und Gelächter liegt wie ein Versprechen in der Luft.
Vom Alter Markt bis zum Heumarkt
wälzt sich der Frohsinn durch die Straßen.
Musik brandet auf, Schritte werden Rhythmus,
Bewegung wird Ekstase.
Dies ist kein Augenblick, dies ist ein Ereignis.
Kommen Sie.
Wohin? Wir kürzen ab.
Es ist Karneval, es ist Köln und jetzt beginnt das Fest!
*Karnevalsmusik, Jubel*
*amüsiertes Gelächter*
Na, rauf mit Ihnen.
*Forster ächzt angestrengt.*
*feierliche Rufe*
Kölle!
Kölle!
(Forster) Wir verlieren unser Ziel aus den Augen, Herr Kommissar.
Da ist es. Da ist das Brauhaus.
Hier, da sitzt der Bürgermeister.
Keine Scheu.
*Bargäste singen "Einmal am Rhein" von Willi Ostermann.*
# Einmal am Rhein Beim Gläschen Wein im Mondenschein
# Einmal am Rhein Du glaubst, die ganze Welt ist dein
# Es lacht der Mund zu jeder Stund' Das kranke Herz, es wird gesund
# Komm, ich lad dich ein Einmal am Rhein #
*Lied läuft weiter.* *Gesang im Hintergrund*
(Adenauer auf Kölsch) Der heilige Gereon.
Du machst mir Freude, Junge. Herr Oberbürgermeister.
Vater. Kölle Alaaf.
Folgendes ... Der Papa hat mich schon eingeweiht.
Ihr könnt morgen mit mir nach Paris, ja, um 8 Uhr, pünktlich.
Ich fliege im Aeroplan, am Abend muss ich zurück sein.
Herzlichen Dank, Herr Dr. Adenauer.
Wenn der Papa sagt, es muss, dann muss es, ne?
Das fügt sich doch alles, Junge. Prost!
Prosit!
Wir fliegen nach Paris.
Was? Ja.
Morgen früh um 8 Uhr.
Ja, wir sind in Köln. Hier fügt sich alles.
*unheimliche Klänge übertönen Karnervalsmusik.*
Ja, Vermittlung?
SA-Kaserne Ehrenfeld, schnell.
*Karnevalstusch*
Und nun begrüßen Sie mit mir den neuen Reichskanzler,
heute in würdiger Begleitung von Herrn Otto Regensburger.
Danke schön. Danke schön.
Freuen Sie sich nicht zu früh,
der Herr Hitler und ich ... - (Puppe) Regensburger!
*Publikum lacht.*
Unterstehen Sie sich, mich mit Ihnen gemein zu machen.
Ja, aber ... - Wir sind das Gegenteil von gemein.
Ja, Sie haben vollkommen recht, Herr Reichskanzler.
Das versuche ich schon seit Langem, also nicht gemein zu sein.
*Gelächter*
Also mit Ihnen gemein zu sein. - Ah.
Er tut immer so, als kenne er mich nicht.
Ich kenn Sie auch überhaupt nicht.
Lassen Sie mich los!
Ja.
Das wird schwer gehen, Herr Reichskanzler.
Das ist ein Befehl!
(Regensburger) Wunderbar!
Meine Damen und Herren, ich hab Ihnen ja gesagt,
freuen Sie sich nicht zu früh.
Was heißt denn da: Freuen Sie sich nicht?
Die Leute freuen sich doch! Tausende Lacher!
Nur für mich! - (Regensburger) Nein,
der Letzte, der galt mir! - Was?
*staunende Laute*
Sie sind ein Jud!
Ein Beschnittener.
*Gelächter, Karnevalstusch*
Da haben Sie vollkommen recht, Herr Reichskanzler.
Ich hingegen ...
Ja, Sie hingegen? - Ja, ich hingegen ...
*schallendes Gelächter*
(Regensburger) Danke schön.
Der Herr Reichskanzler wird uns heute mit einer Lesung beglücken,
aus seinem Buch.
*Buhrufe* Ja, eine Kampfschrift ...
(Puppe) Mein Kampf! - (Frau) Mach, dass du fort kommst!
*empörte Zurufe*
Bitte, bitte Ruhe! Bitte Ruhe, meine Damen und Herren!
Das ist ein Gast, der so begeistert ist, dass er ...
*feierliche Musik*
Raus damit, ja!
Alaaf!
*Musik läuft leise weiter.*
Also ...
*Gäste singen Melodie nach.*
*Gläser klirren.*
Dr. Foster, wir müssen los. Die SA ist da hinten. Raus hier.
*Musik verlangsamt sich.*
*kraftvolle Trommelschläge*
*Musik setzt sich fort.*
*leiser, unhörbarer Dialog*
... nach Paris zitieren.
In acht Stunden, da tagt die Schnüsse Tring.
Na ja, was versteht der Franzose schon von Lebensart.
Seht zu, dass ihr rechtzeitig zur Wahl wieder in der Heimat seid,
um den narzisstischen Pöbel zu verhindern.
Hab ich recht, Gereon?
(gedämpft) Gereon, hab ich recht?
(gedämpft) Zum Glück habt ihr erst das Massaker überlebt, mein Jung.
*Dröhnen übertönt Adenauer.*
Monsieur Fiquet, ich freue mich, Sie zu sehen.
Wetter ist heute nicht so dolle, aber in Köln halt nicht anders, ne?
Wir haben leider wenig Zeit. *Dolmetscher spricht Französisch.*
In Köln erwarten mich dringende Dienstgeschäfte.
Ich muss zum Abend wieder zurück sein.
*Dolmetscher spricht.*
*Fiquet spricht Französisch.*
Bei den Franzosen müsse man mit dem schwachen Fleisch rechnen.
Erlauben Sie mir, dass ich mich vorstelle.
Eduard von Kittlitz, deutsche Botschaft Paris.
Ihre Begleitung, Herr Oberbürgermeister,
ich fürchte ...
Ich habe Direktive aus Berlin, euer Exzellenz. Hier.
*Dolmetscher spricht.*
Vom Reichsministerium des Inneren.
Reichsminister Göring, mit Verlaub. Ich muss Sie bitten, mir zu folgen.
Moment, Herr Kittlitz, Momentchen bitte.
Ich muss erst rein schauen können, was Sie mir da gegeben haben.
*ominöse Musik*
Gut. Die Herren nehme ich mit, sie gehören zu meiner Delegation.
Nein, nein. - Monsieur Fiquet.
Wären Sie so freundlich, ihre Papiere jetzt zu kontrollieren?
Ich wäre sehr dankbar. Kittlitz, ich habe die Ehre.
Herr Kommissar, Herr Professor, kommen Sie mit.
Sie nehmen das rote Auto. *Mann spricht auf Französisch.*
*Auto startet.*
*Mann spricht Französisch.*
Ich verstehe Ihre Sprache nicht.
*Musik verklingt.*
*Glockenläuten, ferne Unterhaltungen*
*düstere Musik*
Merci.
*französische Hintergrundgespräche*
*Straßenlärm*
*Französisch*
(Conférencière auf Deutsch) Paris ist Berlin.
Pardon.
*Französischer Gesang*
Dr. Weiß?
Sind Sie Dr. Weiß? - Mit wem habe ich die Ehre?
Edmund Forster. Sehr erfreut.
Wer ist das? - Kommissar Rath.
Er hat mich hierher gelotst, dankenswerterweise.
Ich werde nicht mit einem Polizisten sprechen,
noch dazu einem aus Deutschland.
Nein.
Dr. Weiß,
Kommissar Rath hat einiges riskiert,
um mich hierher zu Ihnen zu bringen.
Also, wir dürfen ihm vertrauen.
Rath, sagten Sie?
Ich glaube, Sie kannten meinen Bruder, Anno Rath.
Er hat bei Dr. Forster in Berlin studiert.
Anno Rath ist Ihr Bruder?
Ja, er hat uns zu Ihnen geschickt.
Anno Rath ist tot.
Es ist kompliziert.
(Forster) Ja.
Danke. - Möchten Sie etwas trinken?
Sehr, sehr gerne. Gerne.
Mademoiselle.
Wann haben Sie meinen Bruder das letzte Mal gesehen?
Im August '24, während dieses schicksalhaften Vortrags,
als Ihr Bruder seine Promotionsarbeit vorgestellt hat.
... das veranschaulicht, welche Wirkungen unsere Forschung
auch auf die Politik haben kann.
*finstere Musik*
Derzeit hat die Staatsanwaltschaft München zu entscheiden,
ob der nach seinem Putsch im letzten Jahr Inhaftierte
Adolf Hitler,
vorzeitig aus seiner Festungshaft entlassen werden darf.
Aus diesem Grund hat der ermittelnde Oberstaatsanwalt Dr. Martin Dresse
sich an unsere Fakultät gewandt
und um ein Gutachten gebeten.
Der Gefreite Hitler,
hier aufgenommen kurz nach seiner Einlieferung
in das Reserve-Lazarett Pasewalk im Oktober 1918.
Laut eigener Aussage
durch eine britische Senfgasgranate geblendet.
Der ihn behandelnde Psychiater Dr. Edmund Forster
identifizierte Hitler dagegen im Lazarett als Hysteriker,
der sich autosuggestiv
in eine eingebildete Blindheit fantasierte.
*Tür öffnet sich.*
In seinem Krankenbericht ...
*schmerzerfüllte Schreie*
*Säure zischt.*
*dramatische Musik*
Daher Ihre Narben.
Ja.
Ich habe das hier immer als Mahnung
meines ehemaligen Lazarett-Kameraden empfunden.
Die Narben erinnern mich an ihn.
Seit vielen Jahren, jeden Tag.
Nach diesem Anschlag haben Sie Ihren Namen geändert.
Ja.
Er soll glauben, dass ich gestorben bin.
(Weiß) Wer hätte gedacht, dass die Krankengeschichte
eines unbedeutenden österreichischen Gefreiten
eine von so entscheidender Bedeutung sein würde?
Mein Bruder sagte, Sie verfügen über vertrauensvolle Verbindungen
zu einflussreichen französischen Tageszeitungen.
Allerdings.
Auf eine solche Geschichte wartet ja die Presse.
Ja. Die Welt muss so schnell wie möglich erfahren,
mit wem sie es in Deutschland zu tun hat.
Das ist richtig.
Aber ob das unsere Landsleute davon abhalten wird,
den Mann zu wählen, das wage ich zu bezweifeln.
Die Brutalität, mit der versucht wird,
diese Informationen geheim zu halten,
zeugt von großer Besorgnis auf Seiten der NSDAP.
Gut. Dann sollten wir uns gleich an die Arbeit machen.
Ab jetzt ist er mein Schutzbefohlener.
Verstehe.
Kommen Sie, es gibt ein Hinterausgang.
Gereon, danke, und ...
passen Sie auf sich auf.
Viel Glück.
*Gläser klirren.*
Wiedersehen. Hier entlang.
*ruhige Hintergrundgespräche*
*finstere Musik*
Warum hat mir Gereon nie von Ihnen erzählt?
Weil das Wissen um meine Existenz gefährlich ist.
*Seufzen*
Für jeden.
*Applaus*
(Gäste) Bravo.
*Gelächter*
*hallendes Plätschern*
*Jazzmusik mit Sprechgesang*
*"Zu Asche, Zu Staub" von Severija Janušauskaitė*
*Applaus*
# Zu Asche, zu Staub
# Dem Licht geraubt
# Doch noch nicht jetzt Wunder warten bis zuletzt
*sphärische Klänge*
*Publikum klatscht mit.*
# Ozean der Zeit
# Ewiges Gesetz
# Zu Asche, zu Staub
# Zu Asche Doch noch nicht jetzt
*Sängerin vokalisiert.*
# Zu Asche, zu Staub
# Dem Licht geraubt
# Doch noch nicht jetzt
# Wunder warten bis zuletzt
*Sängerin vokalisiert gefühlvoll.*
# Es ist doch nur ein Traum
Das bloße Haschen nach dem Wind
# Wer weiß es schon genau?
# Die Uhr an deiner Wand
# Sie ist gefüllt mit Sand
# Leg deine Hand in mein'
# Und lass uns ewig sein
# Du triffst nun deine Wahl
# Und wirfst uns zwischen Glück und Qual
# Doch kann ich dir verzeih'n
# Du bist dem Tod so nah
# Und doch dein Blick so klar
# Erkenne mich, ich bin bereit
# Und such' mir die Unsterblichkeit #
*unheilvolle Musik*
(Frau) Bravo!
*Frauen lachen schallend.*
*Waffe klickt.*
Guten Abend, Kommissar Rath.
*
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