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Original subtitles

Krajewski, Franz, Unteroffizier.

Verschüttet an der Somme, am 8.Oktober, eingeliefert am 16.

Welche zivile Stellung hatten Sie vor dem Krieg?

Polizist, Herr Stabsarzt.

Da wollen wir mal schauen, dass wir Sie wieder hinbekommen.

Zu Befehl.

Rath, Anno, Assistenzarzt, verschüttet an der Westfront.

Mediziner, ja?

Jawohl, Herr Stabsarzt. - Bei wem haben Sie studiert?

Professor Schmidt.

Welcher Schmidt?

Professor Ferdinand August Schmidt, Universität Bonn, Herr Stabsarzt.

Der Sport-Schmidt.

Ja.

Chirurg wird keiner mehr aus Ihnen.

- Suggestive Therapie. - Montag, sechs Uhr.

Und wen haben wir da?

Hitler, Adolf, Gefreiter,

Augenverätzung durch Gasangriff.

Augenverätzung bei uns?

Der Augenarzt konnte keine Verätzungen feststellen.

Lassen Sie mal sehen.

Augenverätzung?

Jawohl, Herr Stabsarzt. Gelbkreuz.

- Ein Simulant biste. - Etappenschwein.

Da hat es dich ja ordentlich erwischt, Gefreiter.

Danke, Herr Professor.

Und hier?

Kasabian, Edgar. Feldwebel. Spricht nicht mehr.

Ein Mutist.

Und?

Wosniak, Karl, Soldat,

Schrappnelleinschlag, linke Schläfe, Insomnie.

Konsilium. Morgen früh gleich mit den Kollegen.

Jawohl, Herr Doktor.

Strelow, Paul, Sprengmeister,

Granatsplitterverletzung und somatoforme Schmerzstörung.

Habt ihr Wosniak gesehen?

Wen?

Karl Wosniak.

Da schläft er.

Karl?

Wosniak, olle Kanalie.

Steh auf, es gibt Suppe.

Du hast getrunken. Das ist hier verboten.

Kümmern Sie sich um Ihre eigenen Angelegenheiten.

Wer sind Sie überhaupt? Ich hab Sie hier noch nie gesehen.

Ich bin Marinus van der Lubbe.

Ich kann dir was zum Saufen besorgen.

Ich kann alles besorgen. Genever kannst du kriegen.

Nicht so verschnitten Korn wie die da.

Lassen Sie mich in Frieden.

Willst du mal probieren?

Gern geschehen.

Ich weiß nicht, wie Sie auf die Idee kommen,

ich wäre befugt, Ihnen Patientenakten auszuhändigen.

Ich habe ein amtliches Schreiben, das mich zur Akteneinsicht befähigt.

Nein, junge Frau,

diese Patientenakten können nur von einem Arzt eingesehen werden

und auch dies nur in begründeten Ausnahmefällen.

Die Ermittlung in einem Mordfall ist ein Ausnahmefall.

Das mag sein.

Muss aber von einem Gericht angeordnet werden.

In der Gesetzgebung kenn ich mich ohne Zweifel besser aus als Sie.

Ach.

Die Krankenakte des Reichskanzlers ist darüber hinaus

ein politisch sensibles Dokument.

Ich bezweifle, dass Sie einen Richter finden,

der Ihr Ersuchen legitimiert.

Aber die Existenz einer Akte könnten Sie mir doch bestätigen, oder?

Nicht ich persönlich.

Aber dafür gibt es natürlich ein Register.

Und würden Sie dort für mich nachsehen?

Liebenswürdigerweise.

Bitte?

So, hier ist sie.

Krankenakte des Gefreiten Adolf Hitler.

Wenn ich das richtig sehe, umfasst diese Akte 21 Seiten

und wurde nur dreimal ausgeliehen, richtig?

Donnerwetter.

Ich habe im Archiv gearbeitet, bei der Grundausbildung.

Da sind wir ja fast Kollegen.

Sie haben nichts dagegen, wenn ich mir die Ausleiher notiere?

Überhaupt nicht, hier.

Danke.

"Friedrich Wilhelms Universität Berlin, Promotionsarbeit."

Zweimal derselbe?

Unterschrift unleserlich und danach...

Merkwürdig.

Bitte?

Schauen Sie mal.

"Staatsanwaltschaft München, ausgeliehen am 20. November 1924."

Wirklich unglaublich.

"Staatsanwalt M. Dresse."

Na, der Kerl hat Nerven.

Die haben die Akte nie zurückgegeben.

Staatsanwalt Dresse.

Schwarz auf weiß. Neun Jahre.

Diese Karte ist ein Beweisstück. Ich muss sie konfiszieren.

Ich quittiere das und wir gehen der Sache nach.

Wir ebenso.

Eine solche Schludrigkeit gehört aufgezeigt.

Jawohl.

Sie hören eine Übertragung

aus dem Trauergottesdienst im Berliner Dom

zu Ehren des zu Tode gekommenen SA-Mannes Paul Strelow.

Hunderttausende Berliner Bürger säumen die Straßen der Stadt.

Der Trauerzug setzt sich nun in Richtung

Invalidenfriedhof in Bewegung.

Dem Begräbnis wohnen hochrangige Regierungsmitglieder bei.

Wollen Sie sich das die ganze Zeit anhören, Frau Elisabeth?

Ich höre mir das so oft an, bis ich es glauben kann.

Und bisher ist das noch nicht der Fall.

Wenn das zwischen Ihnen und dem Radioapparat so weitergeht,

muss ich die Vertrauensfrage stellen.

Entweder das Kasterl oder ich.

Ja.

Ist der Herr Heymann wieder aufgetaucht?

Nein. - Passen Sie auf sich auf.

Die haben Sie auf den Kieker.

Gut, ich muss geschwind in den Reichstag.

G'schamster Diener.

Viel Erfolg.

...der Kameraden und der Führer seiner Gefolgschaft.

Guten Morgen, die Herren.

Herr Polizeipräsident.

Komme gerade vom Staatsakt

für den SA-Mann Strelow und den Schutzpolizisten Hoffmann.

Goebbels hielt die Grabrede

und auch der Führer war persönlich anwesend.

Sie sehen, welchen Stellenwert

die Parteiführung dem Fall Strelow zumisst.

Der Fall liegt in meiner Abteilung.

Die Parteiführung kann sich auf unsere Arbeit verlassen.

Voll und ganz.

Das ist gut.

Minister Göring hat mir dies vertrauensvoll ausgehändigt. Bitte.

- Was ist das genau? - Eine Liste

mit zu internierenden Feinden der nationalen Erhebung.

An die 10.000 allein in Berlin.

Das sind selbst für unsere Kapazitäten zu viele.

Verhaften Sie die ersten Hundert

und suchen Sie sich eine glaubhafte Anzahl Verdächtiger aus

für den Mordfall Strelow.

Ein Zeichen wurde verlangt von der Führung.

Ein Zeichen werden wir setzen. Meine Herren.

Herr Regierungsrat,

der Fall Strelow liegt nicht mehr bei uns.

Wie bitte?

Er wurde zurückgegeben an die Mord.

Mhm.

Die selbe Wicklung.

Bei der letzten Aushebung...

Herr Krajewski, folgen Sie mir bitte.

Ja.

Kommen Sie rein.

- Ich danke Ihnen. - Bitte.

Ich habe Sie kommen lassen, weil Sie diesen...

Obdachlosen gefunden haben.

Ja, einen meiner ehemaligen Kameraden.

Ach so?

Wosniak, Karl, ja? - Ja.

Soldat vom 34.

Kor der Bayerischen Garde.

Wir waren zusammen an der Front.

Also.

Wosniak ist nicht der Einzige.

Erst verschwindet Leutnant Huber in Augsburg

und jetzt hier in der Hauptstadt Strelow.

Beerdigt mit einem Staatsbegräbnis.

Strelow, ja?

Paul Strelow?

Ja.

Woher kennen Sie all diese Leute? - Wir sind Veteranen.

Kriegs-Versehrte.

Gemeinsame Zeiten.

Hey.

Wie ist Ihr Name? - Krajewski, Franz.

Ich will nicht der Nächste sein.

Schützen Sie mich.

Bitte.

Entschuldigen Sie die Unterbrechung.

Regierungsrat Wendt

und Kriminalrat Gennat möchten Sie sprechen.

Jetzt sofort?

Unverzüglich, ja.

Warten Sie hier.

Da gibt es kein Vertun,

der Fall muss in der zuständigen Abteilung bearbeitet werden.

Das wird er doch. Bei uns.

Es handelt sich um zwei Morde

an einem Tatort mit zwei unterschiedlichen Tatwaffen

und wahrscheinlich zwei verschiedenen Tätern.

Und dort drüben sitzt ein Zeuge, der aussagt,

dass es sich bei dem Fall Strelow um eine ganze Mordserie handelt.

Aber das Ausgangsmotiv ist politisch

und sofern die Zuständigkeit unstrittig.

Weil Sie den Fall für eigene Interessen ausschlachten wollen.

Würden Sie das wiederholen, Herr Oberkommissar?

Sie haben mich gehört.

So was lassen Sie sich von Untergebenen bieten?

Ihr Fall, Regierungsrat.

Herr Kriminalrat, ich bitte Sie... - Danke, Kollege Böhm.

Sie haben mich gehört.

Übergeben Sie dem Herrn Regierungsrat sämtliche Unterlagen.

Danke, Herr Kriminalrat.

Das übernehmen Sie.

Wo ist denn nun Ihr Kronzeuge?

Wo ist der Mann, der hier eben noch gesessen hat?

So, da. Jetzt haben Sie alles.

Ich danke Ihnen. - Ist doch unglaublich.

Lächerlich.

Sie heißen? - Scharführer Kummer, Herr...

Kriminaloberassistent Sebald, politische Polizei.

Zu Befehl, Herr Kriminaloberassistent.

Haben Sie schon einmal jemanden verhaftet?

Nein, Herr Kriminaloberassistent.

Dann wird's Zeit.

Was ist denn mit Böhm los?

Politische, mischt sich ein.

Reinhold, ich hab hier was.

Hilfst du mir, eine Doktorarbeit zu suchen?

Die Unterschrift ist schwer zu entziffern.

Suchen, ja. Lesen, nein.

Du bist ein Schatz.

Meine Herrschaften, beruhigen Sie sich!

Herr Reichstagspräsident, bitte!

Warnen Sie Ihre Fraktion zur Ruhe!

Kommen Sie bitte zur Ruhe!

Meine Damen und Herren!

Die neuen Regierungskräfte haben heute versucht,

einen Mord schamlos politisch auszunutzen.

Solch falschem Spiel werden wir mit der Stimme des Volkes

und seinem Willen entgegentreten und uns versammeln.

Morgen zur Mittagsstunde zwischen Dom und Schloss.

Und wir werden mehr sein.

Viel mehr.

Und wir werden der Welt vor Augen führen,

dass die Mehrheit der Berliner,

ja, die Mehrheit aller Deutschen...

Herr Vorsitzender,

Sie missbrauchen das Parlament für reine Agitation.

So was hat in diesem hohen Hause nichts verloren!

Diese Worte aus Ihrem Mund,

Herr Reichstagspräsident, sind, mit Verlaub, bitterste Satire.

Verzeihung.

Und?

Wie läuft's bei Ihnen? - Der Wels redet die ganze Zeit.

Oder wie immer man das Gezeter da unten auch nennen soll.

Haben Sie vom Heymann was gehört? - Nichts.

Gestern wurden Dutzende verhaftet.

Keiner weiß, wo sie hingebracht werden.

Das sind Fakten, die mit Agitation nichts zu tun haben

und die öffentlich klargestellt gehören!

Abgeordneter Wels, mäßigen Sie sich!

Sonst entziehe ich Ihnen die Redeerlaubnis!

Morgenmittag werden wir sehen,

wer wirklich mit des Volkes Stimme spricht.

Bravo!

Bravo.

Es ist zum Verzweifeln.

Da.

Da kommt Ihr Mann.

Ach, der Abgeordnete Thälmann.

Schön, dass Sie die Zeit finden.

Den Wels kenn ich, mit dem Mann kann man reden.

Die Kommunisten scheinen mir die größere Aufgabe zu sein.

Da könnten Sie recht haben.

Herr Reichstagspräsident!

Ich beantrage im Namen der Sozialdemokraten

den Ausschluss der Nationalsozialistischen Fraktion.

Und ebenso die der Kommunisten!

Ihr Betragen ist diesem Hause unwürdig!

Abgelehnt!

Unterste Schublade! Das gibt es doch gar nicht!

Auftrag des Intendanten: umschalten, ich übernehme.

Suchen Sie was Musikalisches. - Bitte?

Luigi Bernauer.

Werte Zuhörerinnen und Zuhörer an den Empfangsgeräten.

Unvorhersehbarkeit ist

eine Begleiterscheinung unseres neuen Mediums.

Wir bitten Sie daher gelegentlich auftretende Störungen

zu entschuldigen.

Es folgt ein Gruß unseres Orchesters zur Mittagszeit

an alle Berlinerinnen und Berliner.

Luigi Bernauer.

♪ Ich möcht' ein Würstchen mit Senf beschmiert

♪ Ich brauch' was Warmes, weil mich so friert

♪ Ich verzichte gern auf einen Liebeskuss

♪ Ich möcht' ein Würstchen, ich möcht' 'ne Wurst!

♪ Ich möcht' ein Würstchen mit Senf beschmiert

♪ Ich brauch' was Warmes, weil mich so friert

♪ Ich verzichte gern auf einen Liebeskuss

♪ Ich möcht' 'ne Wurst

- Mahlzeit. - Mahlzeit.

Und? Was sagt Forsters Terminkalender?

Wir klappern sämtliche Institute ab,

mit denen der Doktor in Verbindung stand.

Hier.

- Und? - - Mahlzeit. Fehlanzeige.

Weißt du, wie viele Promotionen es 1923/24

an der medizinischen Fakultät gab?

Unendliche.

Bisher gibt es keine Übereinstimmung

mit der Unterschrift auf der Karteikarte.

Dafür gibt es heute sogar Picker.

Bitte was? - Dätscher.

Er meint Kartoffelpuffer.

Ach, Reibekuchen.

Ja, herrlich. Mit Apfelmus. - Haben Sie schon gesehen?

Es gibt Pfannekuchen.

Sie glauben nicht, wo ich gerade war.

Die Welt ist bunt. Sehr bunt.

Komme direkt vom Institut für Sexualkunde.

Vom Hirschfeld?

Das ist ein Völkchen, das kann ich Ihnen sagen.

Und dieser Dr. Forster, der ist da wohlbekannt.

So, was darf's sein?

- Die... - Tagesgericht ganz oben, bitte.

- Für alle? - - Ja.

Viermal Reiberdatschi, kommt sofort. - Sehr gut.

Was hatte Hirschfeld mit Forster zu tun?

Gutachten hat er geschrieben für Dr. Hirschfeld.

Welche Art von Gutachten?

Psychologisch oder psychiatrische. Meistens vor Angleichungen.

Aha, Angleichungen?

Verwandlungen oder so.

Wenn mit irgendjemandem was nicht stimmt,

im Oberstübchen, nehme ich an.

Geht es auch etwas genauer?

Dieser Dr. Forster, der hat...

etwas aufgeschrieben über seine Patienten.

Das ist gesetzlich vorgeschrieben.

Er war also Sachverständiger für das Institut?

Ja, genau. Sachverständiger.

Ah, da kommt das Essen.

- Danke. - Danke.

Haben Sie keinen Appetit?

Reinhold, was ...?

Professor Forster hat...

Gutachten geschrieben für Menschen, die ihr Geschlecht wechseln wollen.

Was?

Woher weißt du das?

Mein Name stand in Forsters Kalender.

Ich hatte einen Termin bei ihm.

Ich hab ihn gesehen und die Polizei verständigt.

Und ich habe aus seinem Kalender die Seite rausgerissen.

Jetzt ist es raus.

Aber warum?

Professor Forster sollte für mich ein Gutachten schreiben.

- Du willst... - Ich will...

eine Frau werden.

Ja.

Und das geht?

Es ist...

Es ist nicht ungefährlich, aber es geht.

Ich kenne selbst zwei Frauen,

die leben so seit einiger Zeit.

Aber warum?

Charlotte, so was macht man nicht zum Spaß

oder damit mir das Kleid besser passt.

Ich will das, damit ich weiterleben kann.

Ja, jetzt wissen Sie es.

Sie können mich natürlich beim Buddha melden.

Ist sowieso alles futsch.

Forster ist weg, Hirschfeld in der Schweiz.

Reinhold.

Nichts ist futsch. Gar nichts. Schon gar nicht für uns.

Und was diese blöde Seite betrifft, glaube ich,

könnte die ja auch verschwunden bleiben.

Ja.

Ganz genau.

Und wir werden sie sogar weiter suchen.

- Selbstverständlich. - Natürlich.

Mit großem Eifer. - Dem größtmöglichen.

Du weißt doch,

wenn uns einer umhaut...

Gereons Vater ist doch Polizeipräsident von Köln.

Vielleicht versuchst du es einfach mal bei ihm.

Zu Befehl, Herr Kriminaloberassistent.

Was?

Wo wollen die Kollegen denn hin?

Wüsste nicht, was Sie das angeht.

Das geht mich sehr wohl etwas an.

Es stehen Verhaftungen an, die diese Kollegen ausführen werden.

Aus Rechtsgründen sind die Organe der Hilfspolizei

auch weiterhin verpflichtet, bei Verhaftungen Beamte mitzunehmen.

Sie sind diese Beamten.

Der ist nicht unser Vorgesetzter.

Der Regierungsrat Wendt aber schon.

Also, los geht's, wie besprochen.

Oder soll ich Sie wegen Arbeitsverweigerung melden?

Wird's bald?

- Los. - Hey.

Hier, die 32. Mandel, Arzt.

Zwei Treppen, linke Seite.

Wir bringen den Mann raus.

Verstanden?

Verstanden?

"Dringender Appell."

"Zusammengehen der SPD und KPD für diesen Wahlkampf."

Los geht's, Kollege.

Henning, Kriminalpolizei Berlin. Name?

Brock.

Sie stehen unter Verdacht an dem Mord

des SA-Mannes Paul Strelow in der Nacht vom 30. zum 31. Januar

beteiligt gewesen zu sein.

Was denn, ihr auch?

Die Kripo gibt sich jetzt für die ganze Scheiße hier her?

Dafür gibt ihr euch her?

Ihr seid Polizisten, Mensch!

Ihr habt auf die Verfassung einen Eid geschworen.

Rein da!

Schnauze.

Hier Amt Köln, was beliebt?

Kriminalkommissarin Ritter, Abteilung A,

Polizeipräsidium Berlin.

Verbinden Sie mich bitte mit Polizeipräsident Engelberth Rath.

Ist das ein dienstlicher Anruf?

Ja, es handelt sich um einen dienstlichen Anruf.

Ja, was gibt's?

Stellen Sie durch.

Ja, guten Tag, Kriminalkommissarin Ritter hier.

Ich höre.

Es geht um Ihren Sohn, Kommissar Gereon Rath.

Das letzte Mal gesehen wurde er am 30. Januar gegen 21 Uhr

bei einem Einsatz in Begleitung eines Mordverdächtigen.

Danach fehlt jede Spur.

Was ist Ihre Frage, Fräulein?

Haben Sie etwas von ihm gehört?

Nein.

Schon seit Jahren nicht.

Auf Wiederhören.

Ein Fräulein Ritter aus Berlin.

Sie scheint dich zu vermissen.

Fräulein Ritter, für Sie.

Für dich.

Danke.

Verehrte Kollegin, der Staatsanwalt Dresse

ist wohl inzwischen Direktor am Landgericht München.

Zum Verbleib der betreffenden Akte

wollte man sich mir gegenüber nicht äußern.

Vielleicht haben Sie mehr Glück.

Hochachtungsvoll, Grundmann, Heeresarchivart.

Mordgericht München.

Polizeipräsidium Berlin, Inspektion A, Kommissarin Ritter.

Ich würde gerne den Direktor Dresse sprechen.

Nein, der Direktor Dresse ist nicht mehr im Amt.

Ach so?

Er hat vor einer Woche um die Versetzung

in den einstweiligen Ruhestand gebeten.

Und diesem Wunsch wurde mit sofortiger Wirkung nachgekommen.

Vor einer Woche erst?

Ja, wir sind alle etwas überrascht, Fräulein.

Und...

könnten Sie mir vielleicht seine Adresse geben?

Das müssen Sie schriftlich beantragen.

- Verstehe. - Ja, Wiederhören.

- Das mache ich. Wieder hören. - Wiederhören.

- Ja? - Fräulein Ritter? Böhm hier.

Herr Böhm?

Es mag Sie verwundern, aber wir müssen uns treffen.

Dienstlich.

- Wo? - An den Kollonaden. Jetzt sofort.

Herr Böhm?

Warum treffen wir uns hier?

Ich musste sichergehen, dass das Gespräch unter uns bleibt.

Wie Sie vielleicht mitbekommen haben,

hat sich die Politische meinen Fall zurückgeholt.

- Hab ich gehört, ja. - Bin etwas altmodisch,

aber ich werde diese Vertuschungsaktionen

von Wendt und seinen Leuten nicht decken.

Was wollen Sie jetzt von mir?

Es gibt eine Verbindung unserer beiden Fälle.

Welche soll das sein?

Die Tote in der Praxis, Sibylle Nachtwey

und der Schutzpolizist Hoffmann

wurden beide mit einem Drahtseil erwürgt.

Dieselbe Wicklung des Seils, die Fotos beweisen es.

Wenn es eine Verbindung zwischen Nachtwey und dem Schupo gibt,

dann gibt es auch eine zwischen Ihrem Dr. Forster

und dem SA-Mann Strelow.

Heute Morgen war ein Zeuge bei mir, der glaubt,

dass es einen Zusammenhang zu einem weiteren Todesfall gibt.

Wir haben ein Vorsprung.

Die Politische weiß nichts von diesen Verbindungen.

Noch nicht.

Ich vertraue darauf, dass Sie mir alles über Forster erzählen.

Alles, was wichtig wäre für meinen Fall.

Sie wollen, dass wir zusammenarbeiten?

Ginge es nach mir, könnten Sie für die Hygieneabteilung tätig sein

oder die Überwachung von Grünanlagen in Stettin verantworten.

Es ist nun mal so, dass Sie der Zufall

zu Gennat in die Mordabteilung am Alexanderplatz gespült hat.

Und dass Sie, obwohl ich hoffte, Sie losgeworden zu sein...

Woher weiß ich, dass ich mich auf Sie verlassen kann?

Ich habe Ihnen offengelegt, was ich weiß.

Kommt raus, dass ich weiter ermittle,

bin ich erledigt.

Deswegen brauche ich Ihre Hilfe.

Gut.

Ich klappere Strelows Dienststellen ab.

Ich besorg mir einen Wagen und seh mich in seinem Umfeld um.

Genosse.

Ist hier die Zentrale von der KPD?

Die Bezirkszentrale, ja.

Ich muss die Leitung treffen.

Wer ist das? - Die Völcker, die ist drinnen.

Jetzt, bring mich da bitte hin.

Was hast du da?

Ich war Maurer.

Hab Löschkalk ins Auge bekommen.

Genossen, ich bin den weiten Weg aus Holland gekommen,

um euch eine wichtige Botschaft zu überbringen.

Wir müssen aufhören mit reden, wir müssen handeln.

In der Aktion liegt unsere Hoffnung.

Der Kapitalismus kann nicht

im Schatten des Faschismus bekämpft werden.

Genosse, wer schickt dich?

Ich bin ein Bote der KP Leiden, Süd-Holland,

selbstgesandt und meine Botschaft ist,

im Verbund müssen wir ein Zeichen setzen.

Der Feind will in Berlin regieren.

Attackieren wir die Bonzen.

Zerstören wir die Parlamente. Brennen wir sie nieder.

Entschuldigung, wir haben hier zu arbeiten.

Ich bin noch nicht... Aber es gibt...

So, raus mit dir jetzt. - Lass mich los.

- Alles gut. - Lass mich!

Frische Luft wird dir guttun.

Lass mich los!

So, jetzt zieh Leine.

Ihr werdet reden, reden, reden

und dann plötzlich... zu spät!

Aktion! Aktion!

Das müssen wir tun!

Deine Gedanken sind gut, Genosse!

Aber die da verstehen sie nicht.

Komm mit.

Wohin?

Ich zahl' dir 'ne Mahlzeit, 'ne warme.

Los.

Frau Strelow?

Guten Tag. Gerlinde Sturm, Hinterbliebenen-Fürsorge der NSDAP.

- Haben Sie einen Moment für mich? - Nee.

Eure Partei hat ihn auf dem Gewissen.

Jetzt wollt ihr mit eurem Staats-Tamtam

auch noch einen Helden aus ihm machen.

Wenn's so ist,

kann ich ja Tacheles mit Ihnen reden.

Die Nazis, die können mich mal kreuzweise.

Ich bin hier, weil mein Verlobter weg ist.

Und der Letzte,

der nach ihm gefragt hat, ist Ihr Sohn gewesen.

Ich hab meinen Sohn seit Jahren nicht gesehen.

Das ist er, Verlobungsfotos.

Gereon heißt er. Gereon Rath.

Sie sind die Verlobte von Gereon?

Sie kennen ihn?

Allerdings. Gerade neulich war er noch hier.

Hat was abgeholt für meinen Sohn.

Und wann war das?

Na, als der Schreihals Kanzler geworden ist.

Konnte ich mir merken, den Tag.

Nur, was er abgeholt hat, weiß ich nicht.

Aber ich.

Sprengstoff. In einer Cognac-Schachtel.

Warum sagen Sie nicht gleich, dass Sie Bescheid wissen?

Na, dann passen Sie mal gut auf auf Ihren Gereon.

Nicht, dass ihm auch noch was passiert.

War ja Sprengmeister gewesen, mein Sohn.

Und was hat Gereon hiermit zu tun?

Ich dachte, Sie wüssten Bescheid?

Nee, davon nicht.

Und wofür ist das?

Weiß ich doch nicht.

Und jetzt raus hier!

Guten Tag, Frau Strelow.

Kommen Sie.

Herr Heymann hat nicht zufällig eine Nachricht hinterlassen?

Nein, bei mir nicht.

Und, wie haben Ihre beiden Parteiführer denn nun reagiert?

Bei Ernst Thälmann hat es gedauert, bis sie mich vorgelassen haben.

Ich hatte meine Idee nicht mal umrissen, als er mir ins Wort fiel.

Bitte, hören Sie mich an. - Das sind die geborenen Verräter.

Ich sagte "nein"!

Taube Ohren.

Und, bei Ihnen?

Ähnlich.

Der Thälmann will mich doch nur vorführen.

Ich streckte ihm die Hand aus, nichts kam zurück.

Abgeordneter Wels... - Ach, hören Sie doch auf.

Die Kränkung sitzt zu tief,

diese Platzhirsche vertrauen sich nicht, ihren Parteien noch weniger.

Keiner versteht den Ernst der Lage.

Also, Frau Elisabeth, Ihre Suppe, das ist die reinste Nervennahrung.

Hervorragend.

Also, wenn ich Sie richtig verstanden habe,

dann ist ein Wahlbündnis der beiden linksgerichteten Parteien

die letzte Möglichkeit, Hitler bei der Wahl zu verhindern.

Korrekt. - Ja.

Aber die Herren Vorsitzenden beider Parteien

bestehen auf ihren Standpunkten der Vergangenheit,

ohne zu erkennen, dass sie über ihren Schatten springen müssten.

Korrekt. - Ja.

Dann müssen Sie mit anderen Personen in den Parteien sprechen.

Mit wem? - Mit wem?

Mit den Frauen.

Herr Katelbach. - Was denn?

Jetzt mal ein Hand aufs Herz, Frau Behnke.

Frauen? - Frauen, ja.

Wer sonst wäre in der Lage,

über die Schatten der Vergangenheit hinweg

die Zukunft klar in den Blick zu nehmen?

Oder lag es an Ihnen beiden, dass man Sie so brüsk zurückwies?

Uns? - Nein, keine Spur...

Wer könnte eine solche Frau sein?

Die von Kommunisten wie Sozialdemokraten respektiert würde?

Die Traumgestalt einer vereinigten Linken?

Eine sozialdemokratische Kommunistin?

Oder eine kommunistische Sozialdemokratin?

Wie die Tussy Marx. Die Tochter vom Karl.

Nicht schlecht: "Roter Adel", ein guter Anfang.

Nur leider ist die Tussy tot.

Aber so was in der Art, jung, aber nicht zu jung.

Mit einer gewissen, intellektuellen Erotik.

Ja, spröde aber doch zugänglich. - Moderat, aber trotzdem radikal.

Ja, ja, ja.

Ich schlage vor: eine leibhaftige Luxemburg.

Clara Luxemburg. - Die kenn ich nicht.

Gibt's die? - Nein. Aber könnte.

Die verschollene Schwester.

Das Jüngste von den fünf Luxemburg-Kindern.

Oh, nein. Oh mein Gott. Das Nesthäkchen.

Direkt aus dem schönen Zamość.

Die Clara.

Die schafft das. Sonst keiner.

Clara Luxemburg also.

Ich war mal beim Tanzmarathon.

Kurz vor Schluss bin ich umgekippt.

Nächstes Jahr will ich wieder mitmachen. Machen Sie mit?

Tanzen kann jeder.

Nicht mit zwei linken Füßen. - Zeigen Sie mal her.

Nichts zu machen bei mir.

Das wird schon. Krieg ich hin.

Wenn Sie... wenn du meinst.

Mein ich.

Na ja, sonst gehen wir einfach ins Kino?

Was sind Sie denn...

Was bist du denn für einer?

Wie meinen Sie?

Muss ich doch wissen, bevor es ins Kino geht.

Das ist ja meist nur der Anfang von etwas, oder?

Was soll ich sagen?

Ex-Kommunist, der versucht,

in bösen Zeiten ein guter Mensch zu bleiben.

Ein guter Anfang.

Der Ex-Kommunist? - Der halbwegs gute Mensch.

Weiter.

Nein, jetzt Sie.

Ich bin ebenfalls Sozialistin.

Aha? - Ja. Nationalsozialistin.

Oh.

Keine Sorge. Wir beide wollen das Gleiche.

Das glaube ich nicht.

Doch, dass die kleinen Leute wieder was zu sagen haben.

Hm.

Na los, was wollen Sie wissen?

Tanzen können Sie.

Politisch sind Sie unstet.

Insgesamt sehr freundlich.

Und dabei sehr schön.

Das sind keine Fragen.

Sie haben recht.

Nur fällt mir keine Frage ein.

Und, was verschafft mir die Ehre?

Dein oller Kommissar?

Ist er immer noch nicht aufgetaucht?

Hat er mal wieder nichts als die ganze Unwahrheit gesagt?

Allerdings.

Danke.

Du fällst auf die Pfeifen rein.

Die Guten fallen auf die Pfeifen rein. Immer.

Das ist von der Natur ja so gewollt.

- Was weißt du von Natur? - Mehr als du, mein Freund.

Ich sag dir, einen schönen Tages wirst du denken:

Der Jacky...

...der wär's gewesen.

Ja, aber dann? Dann ist es too late.

Was soll denn das heißen?

Schön, dass du da bist.

- Reinhold. - Ich hatte gehofft, du bist hier.

Kennst mich eben.

Jacky. - N'abend.

Ich wollte mich bedanken.

Tanzen?

Klaro.

"Rosa Luxemburg war sich ihrer polnisch-jüdischen Herkunft bewusst,

wollte aber nicht auf diese reduziert werden."

Reduziert...

"Ihr Kampf war voller Leidenschaft, politisch wie privat.

Eine moderne Frau und eine Liebende,

die es mutig in Kauf nahm, zu scheitern.

Ihre politischen Überzeugungen machte sie stets zum Maßstab ..."

Bist du immer noch wach?

Entschuldige, hab ich dich geweckt? - Nein.

Ich find sowieso keinen Schlaf.

Nach dem, was in den letzten Tagen passiert ist,

sehe ich schwarz.

Vielleicht sollten wir hier die Zelte abbrechen und nach Wien.

Was soll ich denn in Wien?

Na ja, ist immerhin meine Heimatstadt.

Die Hälfte meiner Verwandtschaft hockt dort.

Den weltgrößten Friedhof gibt es auch. Also: lauter Vorteile.

Und dann?

Dann...

heiraten wir da.

Ich sage ja: lauter Vorteile.

Du kriegst den österreichischen Pass.

Und wenn es hier ärger wird, dann machen wir eine Reise.

Wohin denn? - Mhm.

Wohin du willst, Elisabeth, ich folge dir.

Prag, Rom, London,

Budapest. - Sansibar?

Sansibar?

Was machen wir dann dort?

Im Radio sagen sie,

da kann man im Meer schwimmen wie in der Badewanne.

Im Meer schwimmen?

Ich bin ein Jud, der hockt im Caféhaus.

Der schwimmt nicht im Meer. Der Fisch schwimmt im Meer.

Oder hockt der Fisch im Caféhaus?

Und wovon sollen wir leben?

Na, ich schreibe über unsere Reise.

Das geht, einfach so?

Der Egon Kisch macht das genauso und der lebt gut davon.

Man muss nur mit wachem Geist und wachem Auge die Welt betrachten.

♪ Je ferme les yeux nous imaginant là, nous deux

♪ Entrelacés, lèvres asséchées par l'amour

♪ L'amour de l'autre

♪ Je rêve, je rêve, hum, je rêve, oh, oui je rêve

♪ Je ressasse nos souvenirs

♪ Que le temps tente désespérément de détruire

♪ Se glissent un sourire et des larmes aux coins de mes yeux

♪ Comment penser l'avenir, penser hier, en guérir

♪ Oh je rêve, hum, je rêve, hum je rêve, oh, oui je rêve

♪ Je rêve, je rêve, je rêve

♪ Que tu es là avec moi

♪ Je rêve, oh oui je rêve, je rêve

♪ Mais tu n'es pas, non, non tu n'es pas vraiment là

♪ Je sens dans ma poitrine mon coeur qui s'arrête

♪ Je rêve et je fais mine

♪ De n'avoir pas senti passer cette réalité

♪ Qu'endormie tu resteras, mais plus jamais à côté de moi

♪ Je rêve, hum, je rêve, ah, je rêve, oh, oui je rêve

♪ Je ne fais que rêver, imaginer ton devenir

♪ Si seulement on t'avait laissé le temps de le construire

♪ J'ai tant aimé t'aimer

♪ Je ne cesserai de le faire, pour de la mort

♪ N'empêche pas de rêver, alors je referme les yeux

♪ Et je rêve

♪ Je rêve, je rêve

♪ Que tu es là avec moi

♪ Je rêve, oh-oh-oh...

Herr Böhm?

Huch.

Na endlich.

Dachte schon, Sie kommen nicht mehr.

Was machen Sie denn hier?

Ich war bei Strelows letzter Arbeitsstelle.

Dürfte Sie interessieren.

- Kommen Sie. - Auch persönlich.

Ja, bitte?

Hallo.

Mist.

Was war?

- Ich dachte... - - Noch nichts gehört?

Ich brauche Strom und eine Wand.

Das habe ich aus dem Institut für Suggestive Therapie.

Offenbar Strelows letzte Arbeitsstelle.

Der da.

Der war heute bei mir, Franz Krajewski.

Und das da, das ist Strelow.

Hat Jahre in diesem Institut zugebracht.

Erst als Patient, später als Hausmeister.

Dann ist er zur SA.

Aber warten Sie.

Jetzt.

Gereon.

Ich habe das Material sofort beschlagnahmt.

Wo ist dieses Institut?

JWD.

Draußen in Johannisthal.

Und wer ist das?

Herein.

Setzen Sie sich, Fräulein Ritter.

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