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Original subtitles

Anja Ahrendt Marco Kaiser

Hanna Kaiser Jürgen Kaiser

(Honecker) Die Mauer wird in 50 und auch 100 Jahren -

- noch bestehen bleiben, -

- wenn die dazu vorhandenen Gründe noch nicht beseitigt sind.

Die Sicherung der Grenze ist das souveräne Recht eines jeden Staates.

So auch unserer Deutschen Demokratischen Republik.

(Brandt) Ein Regime des Unrechts -

- hat ein neues Unrecht begangen, -

- das größer ist als alles zuvor.

(Kennedy) Als freier Mann -

- sage ich voller Stolz: Ich bin ein Berliner.

Vielstimmiges Jubelgeschrei

Leise Punkmusik

Marco!

Musik wird leiser. Marco?

Mama!

Hallo, mein Großer. Ich muss weg.

Der Professor will sich für dich einsetzen.

Aber wenn er dich so sieht... Er tut es für dich, nicht für mich.

Du verbaust dir deine Zukunft aus purer Blödheit.

Ich kann Heizer im Kindergarten werden.

Im Sommer brauch ich nicht arbeiten. Dann tanzen wir.

(amüsiert) Hör auf. Das ist ernst. Ja, das ist todernst.

Pumpst du mir 'n Pfund? Immer nur Kumpels und Bier.

Dann muss ich eben Opa anbetteln, der sagt's Papa und du hast Stress.

Ich mach das schon. Wie Sie wünschen, Genosse Oberstleutnant.

Du, wart mal 'nen Moment. Keine Zeit.

So gehst du nicht! Ich bin 18.

Ich befehle es! Du hast mir nichts zu befehlen.

Deine Erziehung. Er macht mich unmöglich. Er braucht Verbote.

Ich verbiete ihm nichts mehr. Danke.

Laute Punkmusik

Dein erstes Konzert?

Marco! Los, komm!

Warte mal, Anja. Wo willst du hin?

Raus. Das ist wie ein Labyrinth. Seid ihr Ratten?

Das ist nicht immer so heftig. Na ja. Jeder, wie er will.

Ich hab nicht mal den Text verstanden.

"Warte nicht, dass die graue Nacht den Morgen bringt."

"Warte nicht darauf, dass das Einheitslied von Freiheit singt."

"Warte nicht auf morgen, wenn du heute lebst..."

Das ist gut. Findest du?

Jetzt sag nicht, das ist von dir.

Punkmusik

Musik geht aus. Sirene heult.

(Mann über Megafon) Das ist eine Maßnahme der Volkspolizei!

Gedämpftes Gebrüll

Hund bellt. (Mann) Raus aus der Ecke!

(über Megafon) Hände an die Wand!

An die Mauer antreten!

Hier wird nicht gequatscht!

Na, los!

Schnauze! Beine auseinander!

(Mann) Sie haben die Nummer 24/73.

Wenn ich die aufrufe, befolgen Sie die Anweisungen.

Alles ausziehen.

Abwischen. Unterm Arm, am Sack.

Und wieder rein.

Das ist für die Hunde.

(Mann) Geradeaus sehen!

Augen auf.

Sie verweigern den Wehrdienst, zu dem Sie sich verpflichteten.

Wahrscheinlich, um Ihr Abitur zu bekommen. Sie erschlichen es sich.

Auf Kosten der Werktätigen. Warum bin ich hier?

Tun Sie doch nicht so dumm.

Sie wurden bei einer Zusammenrottung feindlicher Elemente aufgegriffen.

Das ist also Ihr Sohn, Genosse Oberstleutnant.

Ja, das ist mein Sohn. (Verhörer) Wovon leben Sie überhaupt?

(Verhörer) Totalverweigerer kommen bei uns ins Gefängnis.

Feindlich-negative Elemente wie Sie sowieso.

Da machen wir kurzen Prozess.

Genosse Oberstleutnant, das ist nicht seine erste Festnahme.

Da steht Ihre Vorbildwirkung in Frage.

Ich hab auch zwei Söhne. Das würde ich nicht zulassen.

(Frau) Genosse Oberstleutnant, darf ich?

Wir wurden uns nicht vorgestellt. Oberleutnant Marion Niemann.

Schauen wir mal, welche Güter Sie bei der Hauptabteilung beantragt haben.

Genosse Kaiser hat die Liste dabei. Ja.

Die Bearbeitung ginge schneller, -

- wenn der Genosse sich nicht hiermit herumschlagen müsste.

Wie du gesagt hast, du bist volljährig.

Das heißt Bautzen statt Studium. Das heißt, jeden Tag das hier.

Das habt ihr daraus gemacht.

Bist du völlig bescheuert? Dir geht's wohl zu gut!

Die Leier kenn ich. "Niemand hungert, alle haben Arbeit..."

(aufgebracht) Was ist daran falsch? Was wollt ihr?

Ihr habt nichts aufgebaut! In deinem Alter hatte ich kein Motorrad.

Da hast du die Mauer gebaut! Das würde ich wieder tun!

Ja. Du findest schon Leute gefährlich, die Spaß haben.

In Bautzen vergeht dir der Spaß! Da zerbrachen schon viele.

Aber löffle die Suppe ab jetzt ruhig selber aus.

Dann wird's ruhiger zu Hause. Deine Entscheidung.

Wenn du so ein harter Junge bist, warum denn nicht drei Jahre Armee

Und dann Studium? Marco schnaubt verächtlich.

Oder willst du deiner Mutter das Herz brechen?

Bist du so ein Vollidiot?

Aber ich geh nicht an die Grenze. Wie bitte?

Und meine Kumpels sollen freikommen. Du glaubst, du kannst verhandeln?

Wenigstens Anja. Sie gehört nicht dazu. Ich hab sie eingeladen.

So weit ist es schon. Der Umgang mit dir ist gefährlich.

Ja? Oder nein, und wir können den Deal vergessen.

Hand drauf.

Hand drauf!

Ich hasse dich. Das Privileg der Jugend.

Mit meinem Sohn wurde eine Anja zugeführt.

Könntest du ihre Entlassung veranlassen?

Jürgen? Was denn?

Komm mal her. Wieso?

Stell dich nicht so an!

Riech mal.

Ich riech nix. Na, eben.

Tür fällt zu.

Marco?

Hey, Mama.

Warst du baden? Mit Sachen? Wir hatten wieder Stress.

Ich wünschte, du würdest mal was Neues erzählen. Solltest du lesen.

Ich muss los.

Siehst du den Professor mal wieder? Der kommt fast jeden Tag.

Im Herbst geh ich zur Armee.

Ich hab's mir überlegt. Ich will studieren. Germanistik.

(lachend) Ich hab's gewusst! Lass ihm Zeit und er tut das Richtige.

Ich bin so stolz. Das feiern wir.

Danke, dass du's zuerst mir gesagt hast. Ich bin so stolz.

Ich muss los. Tschüss.

Was hast 'n gemacht?

Opa, krauch doch nicht wie 'n Gespenst hier rum.

Aha. Reißt du also deine drei Jahre ab.

Ich hau mich hin.

Er seufzt.

Hallo. Guten Tag.

Was für mich dabei? Tut mir leid. Nur fünf Exemplare.

Und wie komme ich auf Ihrer Liste nach oben?

Jede Menge Marx und Lenin, aber kein Gorbatschow. Nicht mal den "Sputnik".

Vielleicht nächstes Mal. Wer's glaubt...

Herr Professor. Hallo.

Mein Sohn hat sich entschieden: Germanistik.

Freut mich. Leipzig oder Humboldt? 8,50 Mark.

1,50 zurück.

Wiedersehen! Gute Fahrt!

Ruhige, verträumte Klaviermusik

Hey.

Hey.

Wie geht's?

Sie seufzt. Ich muss duschen.

Ich kenn 'ne Stelle, da lässt sich der Dreck abwaschen. Ist nicht weit.

Dynamische Gitarrenmusik

Sie jauchzen.

Sie kreischt.

Ihr Toren, die ihr im Koffer sucht, hier werdet ihr nichts entdecken.

Die Konterbande hab ich im Kopfe stecken.

Mit Heinrich Heine kannst du mich nicht beeindrucken.

Dich beeindruckt wohl gar nichts.

Woher kannst du so gut schwimmen? Ich war im Schwimmkader.

Das war das einzig Spannende bei mir. Meine Eltern sind spießig.

Du hast wenigstens Eltern. Nervend und kleinbürgerlich.

Spinnst du? Dich hat jemand getröstet, wenn du geblutet hast.

Ständig, wie 'ne Glucke.

Du bist mit 'nem Silberlöffel im Mund aufgewachsen und du jammerst?

Du hast ja keine Ahnung. Das war so klar.

Das passiert mir immer. Scheiße. Was ist denn?

Du bist auch nur so ein Null-Bock-No-Future-Typ.

Warte! Bloß keine Verantwortung.

Stell dich nicht so an.

Ich danke Lenin und der Oktoberrevolution ...

... für das, was wir geworden sind, die Hilfsschule Protzen. Ätzend.

Dass ich dich getroffen hab, meine ich. Das bereu ich schon.

Du bist der Einzige, der einfach so Heine zitiert. Was machst du draus?

Ich werde studieren.

Drei Jahre Asche, dann Studium. Germanistik. Alles geklärt, echt.

Ich will dich immer wieder sehen.

Wir lassen es dauern, solange es dauert.

Wir tun nichts dafür oder dagegen. Okay.

(Frau über Sprechanlage) Genossin Lehmann ist hier.

Ja, soll reinkommen.

Ich hab was für dich. Ich auch.

Aber das wird dir nicht gefallen.

Diese Anja hat 'ne Akte.

Das war ja zu erwarten.

Mein Sohn lässt sich nur mit den falschen Leuten ein. Zum Kotzen.

Ist sie OV? Ich hab die Akte nicht gesehen.

Ich sprach mit dem Aktenführer. Sie wird regelmäßig gesäubert.

Er weiß aber auch nicht, wer die schützende Hand davorhält.

Warum macht die sich an meinen Sohn ran?

Das weiß ich nicht. Dann krieg's raus!

Ich bin nicht mehr deine Untergebene.

Marion, entschuldige bitte.

Es tut mir leid. Ich bin heute etwas nervös.

Warum sollte jemand einen internen operativen Vorgang frisieren?

Da braucht man Decknamen und Anträge in der Registratur.

Was geht da vor? Ich bleib dran.

Marion.

Danke.

Leise, angespannte Musik

Motorengeräusch

Ich hab den ganzen Abend gewartet. Ich dachte, wir feiern.

Wo warst du? Wir haben Telefon!

Ich liebe dich, Mama. Wie bitte?

Euphorische Rockmusik

Ja!

Mutter lacht.

Sie kreischt.

Mach sie fertig, Junge.

(Sprecher) Steigende Ausreisezahlen -

- stoppen die Fluchtwelle nicht.

Je mehr in den Westen gehen, desto mehr wollen es ihnen gleichtun.

Der Staatspartei läuft das Staatsvolk davon.

Frau stöhnt lasziv.

Marco stöhnt.

Die wecken ja die ganze Gegend auf.

Du weißt ja nicht mal mehr, wie's geschrieben wird.

Hast 'ne Frau in den besten Jahren und lässt sie vertrocknen.

Wenigstens rede ich noch mit ihr. Mehr als du zu Wege gebracht hast.

Du warst auch nicht im Krieg.

Frühstück!

Warum hängst 'n die nicht auf?

Komm, Frühstück.

Brötchen? Danke.

Kaffee? Nein, danke.

Probieren Sie mal die ungarische Salami. Gibt's, wenn Gäste da sind.

Opa!

Entschuldigung. Danke.

Papa, kannste mir mal den Orangensaft geben?

Danke.

Sie sind Waise?

Angespannte Musik

Ja. Ähm...

Meine Eltern starben bei einem Verkehrsunfall, da war ich 5.

Mhm. Das tut mir leid.

Bist du adoptiert worden?

Wahrscheinlich wollte mich keiner. Das kann ich mir nicht vorstellen.

Und? Habt ihr gut geschlafen?

Opa, du nun wieder. Echt 'ne Traumtruppe.

Ich fahr dich zur Schule. Was lernt sie?

Krankenschwester. Ach!

Wirklich? Ich bin Krankenschwester. Wir gehen.

Vor ein paar Jahren... Tschuldigung.

Danke für das schöne Frühstück. Kommen Sie mal wieder.

Gerne.

Die tut ihm gut. Das spür ich.

Musik: "Harte Zeiten" von Die Skeptiker

Joe und Klara haben Berlinverbot.

Speiche und Panther sind noch im Knast.

Der Rest hat üble Meldeauflagen. - Aber der Organisator ist draußen.

Dafür kann ich nichts. Der ist angefressen.

Kaum kreuzt deine Tussi auf, gibt's 'ne Razzia.

Gebrüll

Marco!

Hör auf!

Lass. Da ist er in seinem Element.

Marco war auf der Sportschule. Weiß ich.

Und sein Alter ist bei der Stasi. Quatsch. Der ist beim Ministerium.

Marco!

Gorbatschow sagte in Krasnojarsk:

"Die Perestrojka ist kein Spiegelei, das man serviert bekommt."

Jeder müsse mitmachen bei dieser grundlegenden Veränderung.

Das ist der Anfang vom Ende. Du siehst ja, was im Baltikum los ist.

Von Polen ganz zu schweigen. Glotzt du auch an deinem Geburtstag?

Schon was fertig? Wurst kannste haben.

Mag sie glaub ich nicht. Dein Lieblingssalat.

In meinem Alter sind alle tot. Er lacht.

Ich bin auch nur zu faul, umzufallen.

Aufgewachsen bin ich in Neudorf bei Brandenburg.

Da ging ich zur Schule, hab geheiratet...

Und ohne den Krieg wärst du nie weggekommen.

Aber so kamst du wenigstens nach Stalingrad und Sibirien.

Das war ihm so peinlich, dass er seinen Lehrer als Vater gehabt hätte.

Der war strammer Kommunist. Und zack war Jürgen in der Partei und Armee.

Haben Sie was mit meiner Freilassung zu tun? Sind Sie beim MFS?

Angespannte Musik

Mein Herr Sohn verhört und bespitzelt nicht.

Der besorgt nur die Bleistifte. Für die Front hat's nicht gereicht.

Solange ich dir Bier mitbringe, bist du zufrieden.

Belassen wir's einfach dabei.

Bedrückende Musik

Ich hab noch zu tun.

So ist das bei Kaisers.

Meine Mutter ist schon froh, wenn sie sich nicht an die Gurgel gehen.

Jede Familie ist besser als keine.

Wenn du von der Armee zurück bist, bin ich mit meiner Lehre fertig.

Dann kann ich das Geld verdienen und du kannst studieren.

Und dann gründen wir 'ne Familie.

Mhm.

So, und jetzt geht's los.

Stöhnen

Bei mir hättest du's so viel leichter und besser.

Ich lese keine revanchistischen Bücher vom Klassenfeind.

Eine Scheidung in meiner Position kommt gar nicht in Frage.

Vergiss es.

Und er kam zum Fuchs zurück. "Adieu", sagte er.

"Adieu", sagte der Fuchs.

"Hier mein Geheimnis, es ist ganz einfach."

"Man sieht nur mit dem Herzen gut."

"Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar."

Melancholische Musik

"Aber du darfst sie nicht vergessen."

"Du bist zeitlebens für das verantwortlich, -

- was du dir vertraut gemacht hast."

Schuhputzzeug zweimal, Rasierzeug zweimal, Seife zweimal.

Wieso alles zweimal? Einmal muss ins Sturmgepäck.

Und einmal ins Spind. Hier.

Ich rauch doch gar nicht. Die einzige Währung, die zählt.

Sockenhalter und Hosenträger sind wichtig. Briefmarken und Pflaster.

Und nimm keine billigen Vorhängeschlösser.

Opa, es geht nicht nach Russland. Ach, es ist Zeit.

Komm her.

Hier.

Ich mach dir noch ein paar Stullen. Ach, nee!

Auto hupt.

Na? Na?

Wo ist 'n Anja? Keine Ahnung.

Und mach dich nicht zur Sau, hörst du?

Und andere auch nicht. Hand drauf.

Pass auf dich auf. Mama! Zieh das an.

Fahrt vorsichtig, ja?

Wo ist denn Anja jetzt? Sie musste irgendwie noch lernen.

Überraschung.

Fröhliche Rockmusik Wo kommst du denn her?

Passt bloß auf. Hey!

In Deckung!

Sie lachen.

Nein!

Doch nicht gleich so viel! Klar.

Hilfe! Hilfe!

Es dauert, solang es dauert. Aber jetzt müssen wir was dafür tun.

Nicht gehen! Ich muss.

Nicht gehen! Mach's gut.

Sie lacht.

(Mann) In Linie zu zwei Gliedern antreten! Los! Los! Los!

Gewöhnen Sie sich diesen Zivilistengang ab!

Hände an die Hosennaht. Blick frei geradeaus.

Grinsen Sie nicht so blöd.

Wie heißen Sie? Marco Kaiser.

Das heißt "Soldat Kaiser".

Schon vor der Vereidigung?

Sie merk ich mir, mein Freund.

Genosse Oberleutnant, Ausbildungszug angetreten.

Genossen, Sie sind jetzt Angehörige der Nationalen Volksarmee -

- unseres sozialistischen Vaterlandes der DDR.

Weil wir hier auf Friedenswacht stehen, -

- kann Ihre Familie ruhig schlafen.

(Mann) Schuhgröße? - 43.

Hutgröße? - 56.

Da rübertreten, bitte.

Schuhgröße? - 44.

Kopfgröße? - 60.

Rübertreten, bitte. Soldat Kaiser.

Kleidergröße? Schuhgröße? 46. 41.

Hutgröße? 58.

Rübertreten, bitte.

Gefechtsalarm! In zwei Minuten antreten!

Jetzt hau ab hier!

2,5 Minuten. Das muss schneller werden.

Wie stehen Sie denn da, Soldat Klee?

Ist das vorschriftsmäßig?

Das sieht aus wie hingerotzt! Zehn für alle.

Eins, zwei, drei...

Marcus ist kaum eine Woche weg und ich vermiss ihn schon so.

Wenn du magst, kannst du in sein Zimmer ziehen.

Das ginge?

Dann müsste ich nicht im Wohnheim schlafen.

Oh, danke. Danke, danke!

Ich möchte jetzt bitte nicht gestört werden.

Nicht jetzt. Nicht jetzt!

Was ich dir jetzt zeige, das hast du nie gesehen.

Wo hast du die her? Das spielt keine Rolle.

Aber eine Hand wäscht die andere. Ich brauch 'ne kleine Aufmerksamkeit.

Die Mutter, Martina, fuhr Fahrrad und wurde vom LKW überrollt.

Der Verursacher wurde nie ermittelt. Anja war 5 und kam ins Waisenheim.

Warum sagt sie, ihre Eltern starben beim Unfall?

Auf der Geburtsurkunde steht "Vater unbekannt".

"Ein Zusammenhang mit OV Tango ist nicht auszuschließen." OV Tango?

Darunter liefen die militärischen Beratungen für die Vertreter Chiles.

(leise) Bist du verrückt geworden? Guck mal, 13.September 1973.

Zwei Tage nach dem faschistischen Putsch in Chile.

Hanna hat sie bei uns einziehen lassen. Sie kann rumschnüffeln.

Die Akte muss zurück. Ich könnte dir 'ne Abschrift machen.

Aber das wird teuer, mein Lieber.

Das hab ich noch gefunden. Das ist ja schön!

Das steht dir. Komm, das ändern wir.

(Mann) Tempo! Tempo! Genossen, die Zeit läuft.

Ein bisschen schneller! Hopp!

Und noch einer!

Und zur nächsten Aufgabe! Schnell!

Düstere Musik

Grothe, Freese. Post von der Heimatfront.

Becker.

So...

Der ist für den anderen Zug.

Rechts um!

Auf die Stube. Wegtreten!

Ich hab frische Bettwäsche für dich. Dankeschön.

Marco war zwölf und auf dem Sprung ins Sportleistungslager.

Für Olympia? Er hatte noch sechs Jahre vor sich.

Es ist Essenszeit. Hilfst du mir? Ja, klar.

Jürgen meint, ich hätte Marco seine Karriere versaut.

Warum? Marco war 4 Jahre im Internat.

Er war uns entfremdet. Er sprach nur von Trainer und Schwimmfreunden.

Er war überhaupt kein Kind mehr.

Plötzlich bekam er hohes Fieber und ich brachte ihn ins Krankenhaus.

Wäre ich da nicht Schwester gewesen, hätte ich das Blutbild nie gesehen.

Sein Kreislauf stand kurz vorm Kollaps.

Ich weiß nicht, was sie ihm da gegeben haben.

Aber ich ließ ihn nicht mehr hin.

Jürgen hab ich gedroht, das Ergebnis zu veröffentlichen, -

- wenn er Schwierigkeiten macht.

Die beiden haben kein Wort mehr mit mir geredet.

Es war die Hölle für uns alle.

Dabei hab ich ihn beschützt. Marco dachte, ich nehm ihm seine Freunde.

Post von der Front! Marco hat geschrieben!

Wir sind in der Küche!

Ich hab das noch niemandem erzählt. Sag es keinem.

"Meine Lieben, mir geht es gut. Am 12.12. ist Vereidigung."

"Ich würde mich freuen, wenn ihr kommt. Marco."

Das ist alles? Es geht ihm gut. Sagt er ja.

Solche Briefe schreibt man, wenn neben einem die Kameraden erfrieren.

(Mann) Bewegung!

(Mann) Deckung!

Zum Sturmangriff!

Vorwärts! Sturmangriff!

Feuer!

Gas!

Spannende Musik

Zum Sturmangriff! Vorwärts!

Jetzt knallen wir denen 'ne Granate vorn Latz.

Genosse Major. Ausbildungskompanie bei Übung unter Gefechtsbedingungen.

Weitermachen.

Hopp, Hopp!

Und Halt!

Pause! Entwarnung!

Wenn ihr die Ärsche unten habt, kriegt ihr sie nicht mehr hoch!

Würgelaut Wenn du dauernd kotzt -

- kriegen wir Abzug! Hey! Hey!

Steh auf! Lass den in Ruhe, ja!

Komm mir nicht in die Quere. - Zug, Achtung!

Soldat Freese, Sie übernehmen die Führung.

Zu Befehl, Genosse Unteroffizier! Zug, Achtung. Ohne Tritt. Marsch!

Tempo! Tempo!

Er schreit vor Schmerzen.

Klee, steh auf! Schmerzerfüllte Schreie

Hey. Komm, steh auf.

Vorsicht, kann wehtun.

Er schreit laut.

Hilfe! Er braucht Hilfe!

Beiß auf den Riemen.

Er schreit weiter.

Typisch. Du Arschloch!

Becker! Zwei Knüppel suchen!

Das schienen wir, dann geht's weiter. So kann er nicht laufen.

Halt die Fresse. Reiß dich zusammen, Klee!

Hol die Sani! Schieß die Rakete ab.

Melden Sie vorschriftsmäßig! Schieß die Rakete ab!

Die ist für Notfälle. Das wird geschient, dann geht's weiter.

Arrestzelle zwei, belegt mit Soldat Marco Kaiser.

Was einem besonders zu schaffen macht, ist die Dummheit, Genosse.

Tätlicher Angriff auf einen Vorgesetzten.

Das geht vors Militärgericht.

Sie haben dieser Pfeife den Kiefer gebrochen.

Und sich selbst den Knöchel.

Sie wollten einem Genossen helfen.

Das kann Sie qualifizieren, mehr zu wollen. Verantwortung zu übernehmen.

Besonders zu sein. Eine Elite.

Weitermachen.

Sanfte, melancholische Musik

(Kohl) Heute kann ich feststellen, -

- dass wir im Buch der deutsch-sowjetischen Geschichte -

- nicht nur eine neue Seite, sondern ein neues Kapitel beginnen.

(Sprecher) Der Abbau der SS20-Raketen kann beginnen.

Nur die Machthaber in der DDR erkennen die Zeichen der Zeit nicht.

(Mann) Ich schwöre ... - (alle) Ich schwöre ...

- (Mann) ... der Deutschen Demokratischen Republik -

- allzeit treu zu dienen.

(alle) ... der Deutschen Demokratischen Republik -

- allzeit treu zu dienen.

(Mann) Und sie auf Befehl der Regierung vor dem Feind zu schützen.

(alle) Und sie auf Befehl der Regierung vor dem Feind zu schützen.

(Mann) Ich schwöre. - (alle) Ich schwöre.

Festliche Blasmusik

Gratuliere, Junge.

Was ist mit unserem Platz? - Das dauert hier.

Hast du reserviert? Ja, ja.

Sie hatten reserviert? Wurde es verschlampt?

Auf welchen Namen? Kaiser.

Moment.

Entschuldigung, hier ist reserviert.

Es war eine Verwechslung. Ich muss Sie bitten, zu gehen.

Ich bin mit meinem Sohn hier.

Verzichte.

Warte mal. Wird doch gerade geregelt.

Ja, ja. Wie er alles regelt.

Weißt du, in welche Einheit du kommst?

Das kann ich nicht sagen.

Musst du an die Grenze?

Das sind militärische Geheimnisse.

Jetzt geht das los.

Das verstehst du nicht. Die sind nicht alle so blöd, wie ich dachte.

Was macht die Lehre?

Geht voran.

Deine Mutter ist 'ne total tolle Frau.

Und dein Opa ist total witzig.

Ich hab was für dich.

Willst du's haben? Er lacht.

Ausgelassene Rockmusik

Sie lachen ausgelassen.

Du hast gesagt, du hast was für mich.

Hätte ich fast vergessen. Wird dir gefallen.

Guck. Für dich.

Wer hat die gemacht? Na, wer wohl?

Du hast dich vor Opa ausgezogen? Was denn? Das ist total harmlos.

Das ist 'n geiler alter Sack.

Jetzt krieg dich ein. In der Rundschau sind auch Nackte.

Mann, Marco. Marco!

Ich dachte, das freut dich. Ja, klar.

Das war völlig harmlos. Tor wird geschlossen.

(Major Wolf) Die Suez-Krise.

Vietnam, die Falkland-Inseln.

Chile. Hätte Allende sich auf seine Armee verlassen können, -

- wäre Lateinamerika sozialistisch.

Aber so wütete eine Junta, wurden Menschen unterdrückt.

Und ein Land mit Bodenschätzen wurde von Kapitalisten ausgebeutet.

Ein Manager eines US-Ölmultis sagte mir mal in einer Hotelbar, -

- sein Land würde um des Öls willen in jeden Krieg der Welt eintreten.

Das ist US-Staatsdoktrin.

Die BRD hat die höchste Atomwaffen-Dichte der ganzen Welt.

Wir sichern den Sozialismus in der vordersten Linie.

Westwärts stehen die stärksten NATO-Kontingente.

Fast 900 000 Soldaten in der BRD. Die Stationierungsdichte -

- übertrifft die in den USA damit um das 26-Fache.

Das schwerste Flugzeugunglück in der Geschichte Großbritanniens...

Alle Insassen und 15 Einwohner der Ortschaft Lockerbie kamen um.

So was passiert immer vor Weihnachten.

Hat doch was Gutes, wenn man nicht reisen darf, wa?

Sollte eine Witz sein.

Mann, Opa! Warum bekommt er keinen Urlaub?

Das ist eben manchmal so beim Militär.

Da weiß man eben nicht. Da ist ja viel geheim.

(Sprecher) Die frohe Botschaft hätte hier vor einem Jahr -

- keinen erreicht.

Achtung!

Rühren!

Machen Sie mal leiser.

Genossen. Manche wünschen sich nach Hause, zu ihrer Familie.

Ich kann das verstehen.

Aber Nixon ließ zu Weihnachten Hanoi bombardieren.

Ich verlange Ihnen nichts ab, wozu ich nicht selber bereit bin.

Ich biete Ihnen eine Entscheidung: zwei Flaschen Bier.

Oder morgen 5000 m. Einen Tag Urlaub für jeden, der schneller ist als ich.

Krüger, notieren Sie. Weitermachen!

Wie alt ist der? - 40.

Dann geben wir doch Gas morgen.

Chor singt Weihnachtslied.

Bedrohliche Musik

Da sind wieder unsere Schwulenpärchen.

Das ist Juliane, eine Freundin.

(TV-Sprecher) Wir haben die sechsfache Goldmedaillengewinnerin -

- der letzten Olympischen Spiele. Dazu gleich eine kleine Rückblende.

(Sprecher) Kann sie es schaffen?

Kann sie eine großartige Karriere krönen? Es sieht so aus.

Er schluchzt.

Kristin Otto könnte es schaffen. Sie hat es geschafft!

Sechsfache Goldmedaillengewinnerin.

Wann hat es das je gegeben?

Da könnte mein Marco stehen.

Da zeigt sich ja wohl eindeutig, wer das überlegene System ist.

Tja.

Treibende Musik

War nicht schlecht. Vielleicht nächstes Jahr.

Herr Kaiser.

Fröhliche Weihnachten, Jürgen.

Dir auch frohes Fest.

Oh! Danke, Jürgen. Danke, Martin.

Was ich fragen wollte: Uns gehen die Mikrofone aus.

Wir können nicht mal die Bar im Palasthotel überwachen.

Liegt was an? Januar. Wirtschaftsauftrag.

Ministerpräsident aus'm Westen. Wegen Strauß' Tod können wir nicht ruhen.

Kampfauftrag zwei Millionen. Sonst sind wir bald pleite.

Ich werde sehen, was ich machen kann.

Jürgen...

Da ist noch was.

Hier. Die.

Ist das deine Frau? Ja.

Der und die werden von uns operativ bearbeitet.

Du weißt, was das heißt? (leise) Ja.

Also, danke noch mal.

Frohe Weihnachten.

Beklemmende Musik

(Opa) So. Hör zu, geht weiter:

"Verändern, was Veränderung bedarf."

"Noch wehrt sich die SED krampfhaft dagegen, -

- dass Michail Gorbatschows Umgestaltungsbazillus -

- auf die DDR übergreift." Genau so ist es.

Die alten Säcke da oben... Nicht mehr in diesem Haus.

Sonst fliegst du raus, klar?

Und du: Raus! Sofort.

Dann geh ich mit. Wo willst du hin?

Sie gehört zur Familie. Weißt du, wer sie wirklich ist?

Die arme Waise. Das ist eine Lüge.

Nur ihre Mutter starb. Sie ist auf Marco angesetzt.

Und auf uns.

Sie schluchzt. Mädchen, warte doch mal.

Vielleicht kriegt er sich wieder ein. Er ist doch...

Dieses ganze Westzeug kommt jetzt ein für alle Mal weg.

Du weißt, wann das letzte Mal Bücher verbrannt wurden, wa?

Na ja...

Sie weint leise.

"Stille Nacht" spielt im Radio.

Essen!

Wir sollten mal darüber reden.

Wir reden überhaupt nicht drüber.

Du mischst dich nicht ein.

Sonst suchst du dir eine andere Bleibe.

So! Jetzt wird gegessen.

Und dann ist Bescherung.

Machst du mal den Wein auf?

Brust oder Keule, Vater? Keule.

Magst du Klöße? Nee.

Bisschen Kraut? Nee.

Aber Soße? Ja.

Bis morgen. Tür schlägt zu.

Hanna?

Jürgen war nicht immer so. Als wir uns kennenlernten, 1966, -

- da glühten wir vor Aufbaugeist, vor Antifaschismus.

Gerechtigkeit für alle Menschen.

Wir haben auch was geschaffen. Das verbindet doch.

Ich hab immer das Gefühl, -

- ich muss etwas ausbaden, was ich nicht verbockt habe.

Ich ... ich lüg doch nicht.

Ich besorg euch eine eigene Wohnung.

Du kümmerst dich um deine Lehre. Du machst den Abschluss.

Du kannst mich jederzeit besuchen.

Wir zwei, wir lassen uns nicht unterkriegen.

Ja?

(TV-Sprecherin) Berlin-Pankow.

Hier wählte der Generalsekretär des ZK der SED -

- und Vorsitzende des Staatsrates...

Es wird endlich Frühling. Heute ist Zettelfalten. Meine erste Wahl.

Wie ist es eigentlich bei euch? Auf Befehl ab in die Urne?

Ich kenne Urnen nur vom Friedhof.

Wird die Post zensiert? Ist mein Mundwerk schuld, dass du schweigst?

Was ich wirklich sehne, kann ich sowieso nicht schreiben.

Bedrohliche Musik

Chormusik

Unverständliches Flüstern

Musik verstummt.

(Pfarrer) Liebe Gemeinde.

Wie ich erfuhr, kam es in Leipzig -

- zum Einsatz der Sicherheitsorgane gegen Demonstranten.

Empörte Ausrufe und Pfiffe

... gegen Manipulationen bei der Stimmauszählung protestierten.

Schweinerei!

Polizist gibt Anweisungen über Megafon

Dokumente bereithalten.

Gehen Sie weiter.

Die Menge skandiert. Keine Gewalt.

Folgen Sie den Anweisungen!

(Frau) Ihr könnt doch nicht gegen das eigene Volk vorgehen!

Hanna! Anja!

(Marion) Ich kümmere mich um sie. - (Beamter) Jawohl.

Jetzt mach, dass du wegkommst, los!

Für die Nationale Front wurden 12 182 050 gültige Stimmen abgegeben.

Das sind 98,85 Prozent.

Im Namen der Wahlkommission danke ich allen, -

- die zum erfolgreichen Verlauf der Wahlen beitrugen.

Dutzende sind verhaftet. Was wollt ihr von mir?

Du hast eine Ormig-Maschine. Wir vervielfältigen den Aufruf.

Die ist nur für meine Lesungen. Das Papier wird zugeteilt.

Papier besorgen wir. Es klopft.

Es klopft erneut.

Gott sei Dank ist dir nicht passiert.

Euch auch nicht? Wo ist Walter? Er ist zu Hause.

Das kann so nicht weitergehen. Da muss doch was passieren.

Es passiert auch was. Überall. Selbst beim großen Bruder.

Und jetzt hier.

(TV-Sprecher) Die Welle von DDR-Flüchtlingen in die BRD -

- ist größer als angenommen.

Lieber Marco. Es versuchen immer mehr abzuhauen.

Ich hab Angst, dass du an die Grenze und auf die schießen musst.

Zweige knacken.

Halt! Wer da?

Waffen auf den Boden. Raus da!

Vor an die Mauer! Arme und Beine breit!

Beine auseinander! Parole?

(beide) Schneeball.

Ein Beispiel ausgezeichneter Aufmerksamkeit.

Die Maßnahme ist beendet. Unteroffizier, abrücken!

Zu Befehl, Genosse Major! Antreten in Linie zu zwei Gliedern!

Kaiser, Sie warten.

Haben Sie 'ne Freundin? Ja.

Dann wird's Zeit, dass es auf Urlaub geht.

Gestatten Sie eine Frage? Fragen Sie.

Waren Sie wirklich mal in Lateinamerika?

Lange her.

Wie aus einem anderen Leben.

Jetzt sondiere ich junge Männer. Frage mich, was in ihnen steckt.

Ich könnte mir vorstellen, Sie zum Zugführer zu machen.

Ich erwarte Loyalität. Weiter nichts.

Loyalität zu diesem Land und zu diesen Menschen.

Gut siehst du aus, mein Junge.

Bisschen dünn geworden. Opa!

Junge! Ich muss aus den Klamotten.

Hast du Zivilgenehmigung? Hab ich, Opa. Danke.

Sind harte Hunde!

Junge.

Ich zieh mich um.

Die Armee bekommt ihm. Hab ich doch immer schon gewusst.

Romantische Musik

Motorengeräusch und Hupen

Marco! Komm!

Du hast nichts gesagt. Ist auch 'ne Überraschung.

Halt mal an.

Du glaubst doch nicht, ich lasse dich zuerst zu deinen Kumpels?

Schon mal im Wald gevögelt?

Marco?

Das glaubst du nicht, Alter! Marco! Hey, Mann!

Zwei sind schon über Ungarn weg.

Pepe und Knopf jetzt auch. - Schöne Scheiße, Mensch.

Bleib im Land und wehr dich täglich.

Haben sie dich an die Grenze gezogen? Wohin?

Warum?

Würdest du auf uns schießen?

Willst du so dringend raus, dass du dein Leben aufs Spiel setzt?

Haben die dich umgedreht bei der Armee?

Du meinst, er ist schwul geworden? Ich hau dir eins in die Fresse.

Du bist ja ein richtiges System-Arschloch geworden.

Komm. Das ist doch Kinderkacke. Verpiss dich, Stasisöhnchen.

Ich hab's doch immer gewusst.

Bist du wahnsinnig? Noch jemand?

Wir sind geschiedene Leute. Verpiss dich!

Was ist los mit dir? Und mit dir?

Weil ich meine Ehre verteidige, bin ich ein Arschloch?

Du kriegst es nicht so mit. Was?

Alles verändert sich, Leute hauen ab.

Von mir aus sollen sie. Auf die können wir eh verzichten.

Komm!

(Punk) Verräter!

(TV-Sprecher) Die Chinesische Volksarmee -

- hat den Tian'anmen-Platz geräumt, weil Konterrevolutionäre...

(anderer Sprecher) Mit einem Blutbad ohne Gleichen...

Schritte auf der Treppe

Hallo.

Was ist denn los?

Was ist los?

Anja.

Anja? Kindchen, komm raus.

Männer sind entweder so oder so.

Was ist da los? Wehrhafter Sozialismus.

(TV-Sprecher) ... das Militär an der Ausübung zu hindern.

Das ist für dich angekommen.

"Postenstelle 803 aufsuchen. Mobilmachung."

(TV-Sprecher) So sei ihr Patriotismus Lügen gestraft worden.

Die Besetzer des Platzes seien vor der Räumung -

- über Lautsprecher zum Gehen aufgefordert worden.

Ich muss mich bei meiner Einheit melden.

Du kannst doch sagen, du warst nicht da.

Ich lass meine Kameraden nicht im Stich. Und Befehl ist Befehl.

Man fürchtet, die Armee stürmt Hochschulen, -

- die Zentren der Bewegung für mehr Demokratie.

Tschüss, Opa. Mach's gut. Halt die Ohren steif.

Tschüss. Ich lass dich nicht gehen.

Lass mal den Jungen. Befehl ist Befehl.

Seht ihr nicht, was los ist?

Und wenn sie dir befehlen, auf uns zu schießen, -

- wenn wir aus der Kirche kommen?

Das ist nicht dein Ernst.

Du lässt dich aufwiegeln?

Für wen mach ich denn das hier? Du wärst im Knast verreckt!

Ach, jetzt bin ich schuld, oder was?

Türe schlägt zu.

Marco.

Marco?

Dieses Mädchen ist das Beste, was dir passieren konnte.

Und du behandelst sie so! Du hast keine Ahnung.

Du lebst in Büchern. Ich lasse meine Kameraden nicht im Stich.

Du nimmst mir nicht mehr meine Freunde weg.

Die nächsten, los! Kopf runter. Das geht schneller!

Der Hauptstab hat erhöhte Gefechtsbereitschaft befohlen.

Die Genossen werden umgehend eingewiesen.

Sorgen Sie für die Waffenausgabe -

- und die 100%ige Einsatzbereitschaft des Fuhrparks.

Los, nicht nachlassen!

Treibende Musik

Geben Sie mal her.

Das geht gründlicher.

Lieber Marco. Ich will nicht glauben, dass es vorbei ist.

Aber ich muss schreiben.

Ich wollte deinen Vater fragen, ob er Menschen verhaften lässt.

Doch er war nicht da.

Es war also purer Zufall, dass ich vorbeikam.

Opa? Opa!

Ich fand deinen Opa. Er hatte einen Herzinfarkt.

Eine Dreiviertelstunde dauerte es, bis der Krankenwagen kam.

Ich möchte keinen Dank. Aber du erinnerst dich:

Man hat Verantwortung für das, was man sich vertraut macht.

Melancholische Musik

Oh, Gott.

Anja?

(Sprecher) Genscher in der Botschaft in Prag. Über 5000 flohen hierher.

Ihnen kann er verkünden:

(Genscher) Wir sind gekommen, um Ihnen mitzuteilen, -

- dass heute Ihre Ausreise... Lautstarker Jubel

Unheilvolle Klänge

Was machen Sie hier?

Was machen Sie mit meinen Briefen?

Nicht hier. Was?

Lust auf 'nen Spaziergang?

Unteroffizier Kaiser.

Holen Sie das Arbeitsbuch. Zu Befehl, Genosse Major.

Die Stimme des Majors ist zu hören.

Beklemmende Musik

Dein Vater lebt.

Er war im Auslandseinsatz, als deine Mutter starb.

Sie sind von der Stasi. Sie manipulieren und betrügen.

Was glaubst du, was ich riskiere, wenn ich dir das hier zeige?

Düstere Violinenklänge

Ich weiß ... nichts ist schlimmer als missbrauchtes Vertrauen.

(Marion) Dein Vater war als Berater in Chile.

Er geriet unter Verdacht, weil er verschwand.

Zur selben Zeit, wie ein Laster deine Mutter überrollte.

Ich wurde gefoltert und man dachte, ich wurde umgedreht.

Ich hätte meine Frau... Was reden Sie?

Ich durfte Anja nicht sehen!

Man hielt dich unter Kontrolle. Als Druckmittel gegen deinen Vater.

(Major) Ich brauchte ein Jahr...

Ich bewährte mich und sie gewährten mir Einblick in Anjas Entwicklung.

Sie war ganz schön wild.

Er haute mich raus? Sie wollten was von ihm.

Egal, was du anstellst, du bist immun.

Sehen Sie jemanden, der für den Sozialismus sein Leben gäbe?

Dabei ist es die einzige gerechte Form des Lebens.

Was wäre die Alternative? Ausbeutung, Unterdrückung!

Ich sah Leichen in den Straßen. 5 000 politische Häftlinge.

Wenn ich eingestehen müsste, dass es umsonst war...

(Marion) Die Akte wurde frisiert.

Marcos Vater glaubt, du bist ein IM.

Über den Sohn an den Vater.

Ich mach da nicht mit. Dann erfährst du nie was.

Warum machen Sie das? Sieh dich doch um.

Denkst du, ich bin blöd?

Wenn's mal anders kommt, vergiss nie, wer dir geholfen hat.

(FDJ-Leiter) Wir gehen zur Friedrichstraße.

Wink-Elemente werden da verteilt. Lasst euch nicht provozieren.

Bitte keine Hochrufe auf den Genossen Gorbatschow.

"Ich trage eine Fahne" wird lautstark gesungen.

Mit einem Fackelzug gratulierte die FDJ ihrem Land zum 40. Jahrestag.

Sind das deine Frau und deine Schwiegertochter?

Sie ist nicht meine Schwiegertochter.

Tut mir leid, aber ich muss das melden.

Was sind das für Papiere? Die beiden sind beim Neuen Forum.

(Opa singt) Die Fahnen hoch. Die Reihen fest geschlossen.

SA marschiert... Anja? Opa?

Wo ist denn Anja?

'33 ging's noch durchs Tor, Junge.

(singt) Kameraden von Rotfront ... Opa!

... und Reaktion erschossen.

Opa, wo ist denn Anja?

Da hat sie was hingelegt. Kannste lesen.

Danke, Opa. He, mach mir den Ton wieder an!

Unheilvolle Musik

(Polizist) Stehen bleiben!

Verschiedene Rufe von Demonstranten

(Polizist) Alles in Ordnung? Komm ich hier ins Wohnheim?

Hier ist alles abgesperrt. Zu welcher Einheit gehören Sie?

(Demonstrantin) Lasst mich los!

(Demonstrant) Wir sind das Volk!

(Polizist) Zurück!

Die nächsten Wahlen sollen unter UN-Kontrolle stattfinden.

Um unser Land politisch zu verändern, -

- bedarf es der Beteiligung und Kritik aller.

Wir rufen alle Bürgerinnen und Bürger der DDR auf, -

- an der demokratischen Erneuerung mitzuwirken.

Moskau?

Wie viele haben wir? (Juliane) 110.

Ein paar noch. Dafür können sie uns verhaften.

Das habe ich mich auch gefragt.

Gemäß Artikel ... warte mal, ich glaube 29...

Gemäß Artikel 29 der Verfassung -

- über die Gründung von Vereinigungen, ist es zulässig.

Die können nicht widersprechen.

Wer soll unterschreiben? Überall wird das gemacht.

Ja, aber nicht hier.

"Es kommt jetzt darauf an, -

- dass mehr Menschen am Reformprozess mitwirken."

Wir müssen reden. Sie sollten verschwinden.

Das lässt sich nicht mehr aufhalten. Das werden wir ja sehen.

Du wäschst nicht mal mehr ihren Geruch ab. Was soll das?

Lenk doch nicht ab.

Wie lange geht das schon? Seit ich Marco von der KJS nahm?

Wie lange, glaubst du, seh ich mir das noch an? Du riskierst alles.

Wenn die rausbekommen, -

- dass meine Frau das Neue Forum unterstützt!

Wir wollten etwas aufbauen.

Warum lässt du mich jetzt im Stich? Du lässt uns im Stich.

Du lebst an der Realität vorbei. Ich habe Befehle.

Die hatte dein Vater auch.

Du stellst uns nicht auf eine Stufe, klar?

Niemals stellst du uns auf ein Stufe!

Melancholische Musik

Hätten wir Marschbefehl, wärst du jetzt schon in Schwedt. Steig ein!

Los!

Ich konnte nicht glauben, dass meine Frau tot ist.

Sie zeigten mir nur Fotos. Vom Unfall ... von Anja.

Bis ich sie mit eigenen Augen gesehen hatte.

Ich weiß, wie es in dir aussieht. Ich...

Du liebst sie. Aber wir stehen unter Befehl.

Nur eine Verfehlung und ich vergesse, dass ich dich mag.

Geh bitte weg. Ich bleibe, bis du mit mir redest.

Lies meine Briefe. Da steht alles.

Wie ich mich fühle.

Was passiert. Was du nicht weißt. Ich las deine Akte.

Meine Akte?

Das ist nicht meine Akte! Halt! Das ist Sperrgebiet.

Ich werde gar nichts machen.

Die Akte haben sie über mich angelegt.

Das beweist, dass sie Familien zerstören.

Genosse, halten Sie die Kontaktsperre ein.

(Soldat) Tor schließen! - (Wolf) Steigen Sie ein.

Anja, meine Süße.

Aufwühlende Orchestermusik

Weißt du, welcher Spruch der Opposition mir gefällt?

"Stasi in die Produktion."

Du hast in deinem Leben noch nie einen VEB-Betrieb von innen gesehen.

Das wäre eine ganz neue Erfahrung.

(leise) Wärst du doch in Stalingrad verreckt. Hä?

Wärst du bloß in Stalingrad verreckt, Vater.

Mutter und ich kamen so gut klar. Bis du kamst.

Im stinkenden Nazimantel, hast dich an den Tisch gesetzt ohne ein Wort.

Du stehst für alles, was ich an Nazideutschland gehasst habe.

Nur wegen dir machte ich das alles.

Nur wegen dir.

Tür fällt ins Schloss.

Willst du auch abhauen, in den Westen?

Du müsstest mich besser kennen. Das ist wohl kaum eine Lösung.

Ich weiß nichts. Meine Frau ist beim Forum, -

- druckt Hetzparolen und ich sehe einer Strafe entgegen.

Ich habe diese Familie immer verteidigt.

Ja, dass es uns gut geht, dass wir genug zu essen haben.

Warum verratet ihr mich?

Warum mich? Uns, unser Land?

Sorgte es nicht für uns? Mit Schlagstöcken!

Frauen, Kinder, ganz egal! Auseinandergeprügelt, verhaftet!

Das nennst du sorgen!

Kapierst du nicht? Wenn wir verlieren, hängen die uns auf!

Wovor hast du Angst?

Dass rauskommt, dass jemand das Haus dem Staat überließ, um auszureisen?

Und dass sie dieses Haus wiederhaben wollen?

Hör auf, meine Sachen einzuräumen. Raus!

Das ist doch lächerlich!

Es wird sich ja zeigen, wer hier lächerlich ist.

Hanna!

Wo willst du hin? Das ist unser Zuhause.

Das bauten wir gemeinsam auf. Das dachte ich auch.

(Opa) Hanna?

Hanna!

Hau ab! Er rüttelt an der Tür.

Melancholische Musik

Lautes Stimmengewirr

Waffen laden und entsichern!

(Männerstimme) Feuer!

Laute Schreie und Schüsse

Lautes Klopfen (Offizier) Gefechtsalarm! Antreten!

Türklingel Honecker ist zurückgetreten.

Kann ich bei dir bleiben? Klar. Solange du willst.

Mensch!

(TV-Sprecherin) Das ZK wählte ihn am Nachmittag...

Die haben Krenz gewählt. - Was?

Vom Regen in die Traufe. Der war Leiter der Wahlkommission.

Und den Chinesen hat er persönlich zum Himmlischen Frieden gratuliert.

(Krenz) Aber Arbeit, die Freude macht, die allen dient.

Es findet eine Demonstration statt.

Es ist mit Provokationen zu rechnen.

Sie sind dem Grenzkommando Mitte unterstellt.

Beunruhigende Musik

(Sprechchor) In die Offensive, SED!

(TV) Im Herbst 1989 sind wir auferstanden aus Ruinen -

- und der Zukunft neu zugewandt. Bald singen wir dieses Lied wieder.

Das übertragen die auch noch.

Hat niemand Adamek instruiert?

Und ich soll mich rechtfertigen? Martin!

Nur weil ich meine Frau rauswerfe!

Weil sie im Neuen Forum ist. Man sieht, was da rauskommt.

Scheiße!

Kaiser mit "ai".

Ich nehm Ihnen den mal ab. - Pfoten weg.

Geht weg, ihr Giftspritzen!

Das ist mein Fernseher, der... Opa!

Ich komm dich besuchen. Nein, ich hab doch den Fernseher.

So sieht man sich wieder.

Das hier ist mein Abschnitt. Wenn du Scheiße baust, gehst du ab.

Auf Nimmerwiedersehen.

Rechts um!

Ohne Tritt, Marsch!

Der Führungsanspruch einer Partei -

- darf nicht durch Gesetz verordnet werden.

Jubel und Applaus

(Juliane) Eine Million, Hanna!

Hast du die Plakate gesehen?

"Ein Vorschlag für den 1. Mai: Die Führung zieht am Volk vorbei."

In zwei Tagen verließen 15.000 das Land.

Ich freue mich nicht. Deshalb wurde die Mauer gebaut.

Wir können stolz sein auf das, was wir erreicht haben.

Wir erstreben mit diesem Wahlgesetz freie, demokratische Wahlen.

He. Hallo, Opa.

Wie geht's dir? Na ja, gut, gut.

Gestern haben sie einen rausgefahren, der kam nicht wieder.

Ich überlebe alle. Er lacht.

Das glaube ich dir. Ich wollte mich verabschieden.

Ich geh weg ... für immer.

Ich werd sonst ganz krank hier.

(flüsternd) Ja.

Das tut mir leid. Das tut mir irre leid, meine Kleine.

Ist gut.

Soll ich das kleinschneiden? Ja.

... eine Regelung zu treffen, die es den Bürgern der DDR möglich macht, -

- über Grenzübergangspunkte der DDR auszureisen.

Privatreisen nach dem Ausland können ohne Vorliegen -

- von Voraussetzungen und Anlässen beantragt werden.

Das tritt nach meiner Kenntnis ... ist das sofort. Unverzüglich.

Na, geh schon.

Hau ab.

Tschüss, Opa. Hau schon...

... ausschließlich die Frage nach dem Sinn dieser befestigten Grenze.

(TV-Sprecher) Die Nachricht aus Ost-Berlin.

Die "Aktuelle Kamera" berichtete als erstes.

Günter Schabowski informierte die Presse.

Dabei gab er einen Beschluss zur Reiseregelung bekannt.

Privatreisen nach dem Ausland können sofort beantragt werden.

Die Polizei ist angewiesen, Visa zu erstellen...

Das ist nie wieder rückgängig zu machen.

Wahnsinn.

Ausreisen sind an allen Übergangsstellen zur BRD erlaubt.

Damit entfällt die Ausreise über Drittstaaten.

Am Abend am Brandenburger Tor spontane Reaktionen.

Sie rufen unentwegt: Tor auf!

(Juliane) Da müssen wir hin, Hanna.

Hast du das gewollt?

Das ist das Ende.

Tschüss, DDR. Das können wir nicht gewollt haben.

(Juliane) Hanna!

Welchen Sinn hat da noch eine Mauer?

He, hallo! Habt ihr gehört? Wir gucken das an.

(Sprecher) Hunderte von Menschen sind auf die Mauer geklettert.

Umringt von Kameraleuten und Fotografen -

- bemüht man sich, den Platz auf Ostberliner Seite zu räumen.

Schuss knallt.

(Sprechchor) Die Mauer muss weg!

Wir wollen rüber!

Hanna? ... Hanna!

Was ist los? Komm. Ich kann nicht.

Vergiss es! Nicht hier, nicht in meinem Abschnitt.

Abschnitt einnehmen!

Hört auf! Waffen über! Unsere Befehle gelten!

Verteidigung der Grenze!

Du hast es geschworen.

Die Bürger des Landes zu schützen. Nicht zu erschießen!

Die Grenze ist geöffnet.

Triumphale Musik

Marco!

Marco!

(Frau in Menge) Freiheit!

(TV) Es ist nicht aufzuhalten.

Die Volkspolizei wird förmlich überrannt.

Sanfte Klarinettenmusik

Leidenschaftliche Orchestermusik

Musik wird ruhiger.

Dramatische Orchestermusik

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