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Original subtitles

Die Geschichte von der Gänseprinzessin und ihrem treuen Pferd Falada dTV - rbb - 2. Januar 2014

Musik

Vor Zeiten lebten auf der Burg über dem Tal eine Königin und ihr König.

Frieden war und Sommerszeit.

Das Korn auf den Feldern stand in goldener Reife

und versprach eine reiche Ernte.

Da erreichte das Land die Botschaft,

dass ein wildes Reitervolk das Reich des Nachbarkönigs mit Krieg überzog.

Das Land brandschatzte, die Früchte der Felder raubte.

Die Männer erschlug und Kinder und Frauen in die Fremde führte.

Um sein Land zu schützen und dem Nachbarn hilfreich zu sein,

rief der König seine Untertanen zu den Waffen.

Und alle kamen.

Zum Schutz der Alten, der Kinder, der Frauen, ihrer Äcker und Häuser

folgten sie dem Ruf des Königs.

Musik

Es begab sich, dass die Königin dem König

eine Tochter gebar, die sie Aurinia nannten.

Tränenreich war der Abschied der Frauen von ihren Männern

und der Königin von ihrem König.

Musik

Auf seinem klugen und treuen Ross Falada

führte der König seine Streitmacht in den Kampf.

Paukenschläge und Musik

Seite an Seite fochten die beiden Könige,

bis sie in das Zelt des Reiterkönigs eindrangen.

Verzweifelt über seine Niederlage

erschlug der fremde König seine Frau.

Doch als er das Schwert gegen sein Kind erhob,

traf ihn der junge König ins Herz.

Baby-Geschrei

Als die wilden Reiter vom Tod ihres Königs hörten,

ergriffen sie die Flucht und zerstoben in alle Winkel der Welt.

Den jungen König traf der tödliche Pfeil eines flüchtenden Reiters.

Bewahr mein Volk vor Schaden, König Ewald.

Schütze mein Weib, mein Kind.

Das schwör ich.

Einst soll mein Sohn Ivo deine Tochter Aurinia zur Frau nehmen.

Und unseren Bund für alle Ewigkeit besiegeln.

Doch nur,

wenn sie allein den Weg zu seinem Herzen findet.

Und so verlobten sie ihre Kinder.

Das verwaiste Kind brachte ein Soldat der Königin.

Mit der traurigen Nachricht vom Tod des Königs.

In Trauer gehüllt legte die Königin das fremde Kind,

das sie fortan Liesa nannte, zu ihrem eigenen in die Wiege.

So wuchsen die beiden Mädchen heran wie Schwestern.

Musik

Lalalalala. Lalala, lalala.

Das ist meins.

Ich bin die Blumenkönigin.

Musik

Los, wer zuerst am alten Tor ist.

Gewonnen.

Du bist zu schnell für mich, Liesa.

Aurinia... Liesa...

Musik

Prinz Ivo...

Musik

Mach schon.

Bist du schlapp. Komm, ich zeigs dir.

Schön.

Aurinia. - Ja.

Lass ab, Liesa. Die Mutter ruft.

Spring doch. - Ich kann nicht.

Weh, Windchen, weh. Sie treibt mich in die Höh.

Halt ein den Flug. Es ist genug.

Steh, Windchen, steh.

Du bist stark, Liesa. Aber mir gehorcht der Wind.

Du bist schnell, Liesa. Aber mir gehorcht der Wind.

Prinzessin. - Mir gehorcht der Wind.

Und ich dachte,

nur wir Weiber seien vom Putzteufel besessen.

Gib acht, dass du kein Loch ins Blech reibst.

Er hat mir gehorcht, der Wind.

Hörst du nicht, der Wind hört auf mich.

Es ist Zeit. Du bist zur Frau herangewachsen.

Ich, eine Frau?

Noch gestern sagtest du zu mir, dass..

Katze miaut

Du wirst auf eine Reise gehen, schon morgen.

Es ist Zeit, das Wort zu lösen,

das dein Vater König Ewald gab.

Dem Prinzen Ivo, seinem Sohn, bist du versprochen.

Da du herangewachsen bist, sollst du das Haar wie Frauen tragen.

Nicht flatterhaft wie junge Mädchen.

Hüte es, es birgt die Kraft des Windes.

Verlierst dus,

verlierst du auch die Kraft, ihn zu beherrschen.

Stich mir in den Finger, bis mein Blut fließt.

Das kann ich nicht.

Lass mich das machen.

Aurinia muss es tun, sonst wirkt der Zauber nicht.

Tu es.

3 Tropfen meines Blutes sollen 3 Mal dir von Nutzen sein.

Hüte mein Blut vor dem Feuer.

Brennt es, sterb ich in diesem Augenblick.

Es tut mir weh, jetzt von dir wegzugehen.

Doch nur jetzt ists möglich,

den großen Fluss zu queren, der unsere Länder trennt.

Dein Hochzeitsgut ist schon gepackt.

Unser Soldat wird dich zum Schutz begleiten.

Und eine Magd dir zur Gesellschaft sein.

Lasst mich die Magd sein.

Jede Prinzessin hat eine vertraute Magd. Die will ich sein.

Vertraute und Magd. Für eine Zeit.

Natürlich.

Dann nimm dies und behalt mich in Erinnerung.

Ich geh nicht gern, Mutter.

Leb wohl, mein Kind.

Du gibst mir Falada, Vaters Pferd?

Nie durfte ich auf ihm reiten.

Er wird dir ein treuer Gefährte sein.

Unser ewig junger, kluger Falada.

Gib her.

Pfui Teufel, wie kann man nur so was trinken?

Hilf der Prinzessin, ich bin nur die Magd.

Vaters Pokal. Nie durfte ich aus ihm trinken.

An ihn, an Falada und an meinem Tuch wird König Ewald dich erkennen.

Hüte die 3 Dinge und deine Reise wird ein glücklich Ende nehmen.

Leb wohl, mein Kind.

Soldat.

Sei tapfer, Soldat. Und schütz meine Mädchen.

Mein Leben werf ich für sie in die Schanze.

Musik

Führt mein Weg weit über Land in ein Leben unbekannt.

Hochzeit machen unverzagt mit dem Liebsten, der mich mag.

Und einem Herz voll Liebe, Herz voll Güte,

einem Herzen voll Mut.

Führt ihr Weg weit übers Land in Gefahren unbekannt.

Gibts kein Zögern für die Magd, neues Leben frisch gewagt.

Und einem Herz voll Liebe, Herz voll Güte,

einem Herzen voll Mut.

Musik

Hierher.

Hier ist ein Unterschlupf, kommt.

Wie kommst du zu dem Pokal?

Er ist mein, die Mutter gab ihn mir für König Ewald.

Ich hörte, wie sie dir auftrug, ihn zu hüten.

Ich werde auf ihn achtgeben bis ans Ziel.

Ich bin die Magd.

Fang Regen damit auf. Ich bin durstig und Aurinia auch.

Ich glaub, wir gehen im Kreis.

Dann ruf doch deinen Freund den Wind.

Wehe, wehe Wind. Treib den Nebel fort.

Lass uns schauen, wo wir sind. Zeige uns den Ort.

Wir sind weit abgeirrt. Noch kenne ich die Gegend.

Ein alter Schafstall ist nicht weit von hier.

Dort lasst uns rasten und beraten.

Den Nebel vertreibt sie mit dem Wind,

und der bringt Schnee und Kälte.

Da ist der Schafstall.

Ich schau mal nach, obs angeht.

Ich gab mein Wort, euch jeden Feind vom Hals zu halten.

Wildschwein quiekt

Solch Feinde wünsch jeden Tag ich mir.

Die nach dem Kampf auch noch zum Braten taugen.

Im letzten Krieg gabs weit und breit kaum was zu beißen.

Das war ein elend Leben.

Ein Elend ist das Leben alleweil.

Was weißt du vom Leben, und gar vom Krieg?

Der Krieg ist unseres Lebens ärgster Feind.

Merk dir das, kleine Fürstin.

Nenn mich nicht Fürstin.

Weißt du es nicht? Ich bin die Magd. Ich wars schon immer.

Doch lang wirds nicht mehr dauern.

Holt Schnee herein. Zum Essen soll man trinken.

Was ist oben und was unten?

Wein.

Tatsächlich. Wein.

Ach, sauer.

Wein, süß.

Werd ich ihn lieben können?

Wozu? Du bist Prinzessin und er Prinz.

Was soll da Liebe?

Ich denke, sie wird mich einmal treffen wie ein Pfeil aus der Ferne.

Zauber, verdammter.

Wo ließ ich nur die Lanze?

Die wird der Schnee gefressen haben.

Jetzt bist du völlig ohne Waffen.

Noch hab ich mein Schwert und die Kraft meiner Arme.

Deine Kraft reicht gerade, um ihr aufs Pferd zu helfen.

Das blank geputzte Schwert ist nur zur Zierde dir.

Ich sah es dich niemals ziehen.

Es geht steil ab zu unserer Rechten.

Gar mancher ließ schon hier aus Unverstand sein junges Leben.

Auf dieser weiten Ebene stellten wir den Feind.

Schon damals gabs hier weder Baum noch Strauch.

Viel Blut trank hier die trockene Steppe.

Musik

Der große Fluss.

Es taut schon. Wir müssen die Pferde führen.

Ich habs gewusst. Du hast nicht Kraft noch Mut.

Vorwärts.

Die Vorsicht ist des Mutes besserer Teil.

Ha, Sprüche.

Schreie

Liesa, so hilf ihr doch.

Hilfe, helft mir doch.

Musik

Ich warte und warte. Und weiß nicht mal auf wen.

Aurinia soll sehr schön sein.

Was nutzt mir Schönheit, wenns nicht die Rechte ist?

Wenn sie nicht Liebe für mich hat und ich für sie noch nicht?

Ich reite ihr entgegen.

Sie muss den Weg zu dir alleine finden.

Send ihr einen Pfeil entgegen. Als Zeichen deiner Liebe.

Wie kann ich einem Mädchen Liebes- pfeile senden, das ich nicht kenne?

Hätt ich ein Bild nur.

Ein Bild, um es zu verehren.

Dann send ihn als Botschaft deiner Ungeduld.

Ein Pfeil.

Musik

Ein Pfeil aus weiter Ferne bringt mir die Liebe.

Jedoch er traf dich nicht.

Doch brachte er uns den Frühling.

Trotz allem wirst du dich erkälten. In dem nassen Zeug. Zieh es aus.

Da hat sie recht. Das hier wärmt von innen.

Wer hat dir erlaubt, den Zauberbecher zu benutzen?

Nicht einen Tropfen trank ich. Nicht den kleinsten Schluck.

Ach, schon gut.

Geh jetzt. Such Holz und mach ein Feuer.

Das wärmt besser als der saure Wein.

Gib mir das Tuch zurück. Du hast es mir genommen, heimlich.

Wo denkst du hin? Ich will es für dich verwahren.

Wie den Becher. Du verlierst es noch.

So kann ich es nicht verlieren.

Jetzt zieh dich aus. Du hast schon blaue Lippen.

Armes Kind.

Und was zieh ich dann an?

Nimm meins. Ich werd schon nicht erfrieren.

Die nasse Schnur lässt sich nicht lösen.

So eil dich doch. Der Siegbert kommt zurück.

Der Schlag könnte ihn treffen, sieht er dein nacktes Hinterteil.

Glaub nicht, du wärst besonders schön mit deiner bleichen Haut.

Gib schon Ruh.

Auch du in meinem Kleid siehst aus wie eine...

Sags schon, Magd.

Ich kann nicht, ich trage jetzt die Mägde-Kleider.

Ich bin die Magd.

Du sagsts. Jetzt schnür mir das Mieder.

Wie Ihr wünscht, Hoheit.

Wenn die Mutter wüsste, was wir für Spiele treiben.

Ich spiele nicht, Aurinia.

Vergiss den Prinzen. Du wirst niemals Königin sein.

Du bist zu schwach, um gegen mich zu trotzen.

Nur Liebe, Zärtlichkeit und Sanftmut gelten nicht auf dieser Welt.

Zum Kampf muss man bereit sein. Ich bin es.

Ab jetzt dienst du mir.

Ich werd die Königin sein, du nicht.

Das ist ein böser Scherz, kleine Fürstin.

Du weißt, dass ich sie schützen muss.

Ich habs geschworen.

Schütz sie doch.

Liesa, wir werden dich strafen für den Frevel.

Niemand wird mich strafen.

Weil keiner sagen wird, was hier geschah.

Du nicht, weil ich nicht zulasse, dass du es noch sagen kannst.

Und auch sie nicht. Denn sie wird dein Schicksal teilen.

Ich habe alles wohl bedacht.

Was mich aufhält, soll verschwinden.

Soll mit der Ewigkeit sich binden.

Soll niemals mehr vor mir erscheinen.

Soll sich mit dem Nichts vereinen.

Roter Tropfen reinen Blutes, tus geschwinde, tu es.

Ach Schade, diesen Rappen hätte ich gut gebrauchen können.

Dich nicht.

Ich hätte wissen müssen, dass deiner Mutter Blut dich schützt.

Wag keinen Schritt. - Tu es nicht.

Und ruf nicht deinen Wind.

Im Feuer verbrennt das Tuch und deiner Mutter Leben.

Sei nicht so grausam. Sag doch, was du verlangst.

Schwör mir, dass du keinem je erzählen wirst, was hier geschah.

Wenn nicht, stirbt deine Mutter durch dieses Feuer.

Schwör bei ihrem Leben.

Ich schwörs beim Leben meiner Mutter.

Nenne mich von jetzt an nur Prinzessin.

Vergiss den Namen, den du führst, seit du auf die Welt gekrochen bist.

Und den, den ihr mir gabt, um mich als Dienerin zu zeichnen.

Na komm schon, Magd.

Führ mich zu meinem Prinzen.

Zeig mir den Weg, Pfeil. Führ mich zum Anfang deines Weges.

Auch du wirst lernen, mir zu dienen.

Steh, ruhig. Komm, Falada.

Du wirst das doch nicht liegen lassen.

Trompete

2 Jungfrauen vor dem Tor.

Und ein Schimmel.

Einen Laib Brot, aber warm noch. Und Salz vom Feinsten, eilt euch.

Meine gestickte Schürze.

Blödes Pferd.

Tölpel.

Er wies uns den Weg zu euch.

Willkommen auf unserer Burg.

Ich bin froh, hier zu sein.

Ach Falada, wenn das die Mutter wüsste.

Das Herz im Leib tät ihr zerspringen.

Dem Vater bist du ganz und gar nicht ähnlich.

Ich komme mehr nach der Mutter.

Ich solls euch bringen, sagt sie.

Das ist dein Tuch, Aurinia.

Nur 2 Tropfen. Ich weiß von 3, die darauf gehören.

Der eine schwand, als uns ein Pfeil den Frühling brachte.

Das war Prinz Ivos Pfeil.

Er schoss ihn ab, um euch den Weg zu weisen.

Euch hab ich einen ungeschickten Tölpel genannt.

Es war tölpelhaft von mir, dass Tor so aufzureißen.

Willkommen.

Es nährt das Brot, es würzt das Salz.

Der Mensch braucht beides, Gott erhalts.

Ich glaube, mich erwartet Besseres an der Tafel König Ewalds.

Ihr kamt allein mit einer Magd?

Gab euch die Königin keinen Schutz?

Doch, ein Soldat war bei uns.

Nur brach er ein mit seinem Pferd im Eis und ertrank.

Wir konnten ihn nicht retten.

Du wirst doch vom Begrüßungsbrot essen.

Danke schön.

Bist ein gutes Kind.

Musik

Ich hab was für dich. - Was denn?

Ich hab sie aufgeschnitten. Schau mal rein.

Ist das schön.

Ich wollte es der Prinzessin schenken.

Aber du gefällst mir besser. Viel besser.

Hilfe, Hilfe.

Wiehern

Schießt endlich, ihr Feiglinge.

Die Bestie zertrampelt jeden, der sich ihr nähert.

So schießt doch. - Nein.

Falada.

Mein Falada.

Du musst nicht trauern, Kind. Ein Mensch kam nicht zu Tode.

Weine nicht.

Wenn du die Tiere unterm Himmel so sehr liebst,

dann hüte die Gänse auf der Wiese.

Du wirst Freude haben an der Flatterbande.

Kürtchen.

Was gibt's denn, König?

Geh mit dem Mädchen und zeig ihr deine Herde.

Ab morgen soll sie dir helfen. - Gut.

Zeigt sie sich anständig, werd ichs berichten.

Heul nicht mehr, das kann mein Ganter nicht ertragen.

Den Kopf von diesem bösen Pferd hängt übers Tor.

Durch das sie 2 Mal täglich muss mit ihren Gänsen.

Dort kann sie ihn beweinen. Am Morgen und am Abend.

Ich möchte jetzt ein Bad. Ich fühl mich schmutzig.

Ans Tor lässt sie ihn schlagen, den Kopf von Falada.

Was ist das für ein Tor?

Es heißt das finstere, weil es nie ein Sonnenstrahl erreicht.

Da muss ich vorbei, Tag für Tag?

Schau nicht hin, wenns dich traurig macht.

Jetzt komm.

Bertha.

Schaut her, Weibsvolk. Die neue Magd.

So zerlumpt die Arme. - Es ist wohl mehr eine Zofe.

Meinem Frieder wär sie zu dünn.

Hier, Rock und Hemd. Ich brauchs nicht mehr.

Die sind praktischer als das zerrissene Lederzeug.

Kommt, Mädels.

Wir machen ein Begrüßungsessen mit der Neuen.

Schneiden uns ein Stück vom königlichen Schinken.

Für unsere hübsche Marie.

Für die mitleidige Hanne.

Für die Gudrun.

Für mich.

Und für dich.

Wie heißt du eigentlich?

Ich hab meinen Namen verloren.

Dann bist du ja niemand.

Trompete

Das ist der letzte Ausweis, den mir die Mutter für euch gab.

Ich bracht ihn meinem Prinzen.

Ist sie nicht schön, unsere Prinzessin?

Du trägst das Brautkleid meiner Mutter?

Ich fands in einem Schrank mit vielen anderen.

Es war das allerschönste. Und es steht mir.

Es ist was ganz Besonderes mit dem Becher.

Ich kann daran Besonderes nicht sehen.

Nur, dass er von beiden Seiten gleich ist.

Gräm dich nicht, Ivo. Mir ist das auch geschehen.

Vor vielen Jahren hat mich ihr Vater damit reingelegt.

Schau: so und so.

Wein.

Süßer Wein.

Das Zeug ist sauer.

Ich sags doch: sauer.

Süß.

Und würzig.

Nein, sauer.

Ich jedenfalls leere diesen Becher auf die Hochzeit.

Die wird am 3. Tag von heute sein.

Trompete

Marie, Hanne, Gudrun, Neue. Es ist Zeit, der Hahn kräht.

Beeilt euch, ihr Schlafmützen.

Lass das, Frieder.

13, 14, 15, 16. 17, 18, 19.

Gustav.

Na, Kürtchen.

Denkst du wirklich, dass du sie alle kennst?

Die eine schnattert wie die andere.

Prinz, das ist ganz einfach.

Die eine humpelt, die andere hat eine schwarze Feder.

Die 3. schleift mit dem Flügel.

Eine ist mutig, die andere nicht. Das hat man im Blick.

Heinrich liebt die Martha. Und sie ihn.

Er würd sie finden unter Tausenden.

Wo ist deine neue Helferin?

Der König hat sie dir doch gestern zugeteilt.

Das vergaß ich ganz und gar. Das gibt Ärger.

So dicke Flechten wie du hat keine hier.

Gänsemagd, es wird Zeit. - Ich komm schon.

Hat unsere Neue schon ihr Bett gerichtet?

Nicht, dass ich wüsste.

Nicht eine Falte im Laken.

Und ihr Strohsack ist so prall wie gestern Abend.

Wo ist der Prinz?

Ich dachte, er wird mich wecken. - Er ist auf dem Hof.

Lautes Geschnatter

Na los, geht schon.

Hule, hule.

Das gibt's nicht.

Da hat der König einen guten Griff getan mit der neuen Magd.

Zufall, reiner Zufall.

Diese Gänseparade... nimmt er jeden Morgen ab?

Meist ist er um diese Zeit zur Jagd. - Au, lass das.

Oh, Jungfer Königin, die du da gangest.

Oh, mein Falada, der du da hangest.

Wenn das meine Mutter wüsste.

Das Herz im Leib tät ihr zerspringen.

Hule, hule. Hule, hule, hule.

Ist dein Prinz ein guter Mensch?

Gut und stark. Den Bogen spannt er wie kein anderer.

Ich möcht wie er sein.

Da musst du noch mächtig wachsen.

Ich wachse und werde stark.

Ich werde Gänseprinz und du meine Gänseprinzessin.

Lass mein Haar.

Wehe, Windchen. Wehe gut.

Nimm dem Kürtchen seinen Hut. Lass ihn nach ihm jagen.

Bis mein Haar geflochten, wie es Frauen tragen.

Schau es dir an.

Martha.

Gib schon her.

12 Gänse fehlen.

Es sind 4 mal 12. So viel wie heute Morgen.

Die Bertha wars, das dicke Luder.

Unser Prinz wird Hochzeit machen. Heute in 2 Tagen.

Fideralala, fideralala. Fideralalalala.

Die Prinzessin wird alsbald ein kleines Prinzlein tragen.

Fideralala, fideralala. Fideralalalala.

Ich zähle und zähle und dachte, der Fuchs war in der Herde.

Du weißt doch, Kürtchen:

Gibts ein Fest, gehts den Gänsen an den Kragen.

Seh ich euch nur in der Nähe von Martha und Heinrich,

lass ich den auf eurem Buckel tanzen.

Kürtchen.

Wie stellt sich die neue Magd an?

Sie tut schon, als wären es ihre Gänse.

Ist doch gut, wenn sie mein Eigentum so hütet.

Ich kann mich in die Sonne legen und die Wolken zählen.

Die Gänse laufen hinter ihr und waren früher doch folgsam mir.

Das ist alles, was dich drückt? - Nein.

Dann sags. - Sie hat was Zauberisches.

Sie spricht mit dem toten Pferdekopf am finsteren Tor.

Und der bewegt sich wie lebendig. Sagt Königin zu ihr.

Und greif ich aus Spaß in ihr Haar, ruft sie den Wind.

Der reißt mir den Hut vom Kopf und lässt ihn weit fliegen.

Soso. Sie ruft den Wind und lässt deinen Hut fliegen.

Das hat sie von ihrer Mutter, einer schlimmen Zauberin.

Von unserem Prinzen sollte ich erzählen. Ob er gut ist.

Und noch was.

Es kann nicht sein,

dass Bertha mir 12 Gänse nimmt, ohne dass ichs weiß.

Du weißt, übermorgen ist die Hochzeit.

Und morgen das Fest der Knechte und Mägde.

Da kommen schon die Gaukler.

Musik

Ich kann dir helfen. Na komm.

Ich werde mir das ansehen.

Du bist doch ein kluger Junge. - Jo, der Kopf ist immer im Wind.

Du wirst deiner Königin gehorchen. - Warum nicht?

Das Haar der Magd ist eitel Gold.

Du kannst es gewinnen.

Schneid es ab mit dieser goldenen Schere.

Sie wird nie mehr dein Hütchen fliegen lassen.

Weil sie all ihre Zauberkraft über den Wind verliert.

Nimm sie und tu es.

Wenn nicht, droht dir der Hungertod im Turm.

Musik

Aber Kürtchen.

Wenn der Mond zur Nacht in den Brunnen scheint.

Wenn sein Licht aufs Wasser fällt,

werden tote Freunde lebendig und helfen den Lebenden.

Wenns Licht hineingefallen ist, störts mich nicht beim Schlafen.

Musik

Wiehern

Oh, Falada.

Musik

Ach, Falada.

Musik

Hau ruck.

Frieder.

Ein Frauenzimmer hab ich wie Feuer und Wasser.

Danke.

Musik

Na na, Prinz.

Machst morgen Hochzeit und schaust heute nach fremden Röcken?

Komm her zu deiner alten Amme.

Ach, Bertha.

Hasts wohl nicht leicht mit deiner dunklen Schönen.

Schön ist sie.

Gebrauche den Verstand und folge dem Herzen.

Einen Kuss auf meine weise Amme.

Hier hast du deinen Ammenkuss.

Wart, Kürtchen. Ich komm gleich.

Hule, hule. Hule, hule, hule.

Sie braucht sich nur zeigen, und sie wackeln hinter ihr her.

Verhext ist das.

Oh, Falada, der du da hangest.

Oh, Jungfer Prinzessin, die du da gangest.

Wenn das Eure Mutter, die Königin, wüsste.

Das Herz im Leib tät ihr zerspringen.

Geh schon.

Wo ist der König, wo der Prinz?

Der Prinz ging heute zeitig durch die Halle und grüßte freundlich.

König Ewald redete schon vor Tagen mit Bertha.

Hab ich gefragt, wohin er ging?

Warum ich allein sitz, möchte ich wissen.

Schert euch, ihr einfältigen Gänse.

Ihr wart schon aus so früh am Morgen?

Nur ein Spaziergang um die Burg.

Mit Prinz Ivo?

Ich ging allein, den Prinzen sah ich nicht.

Ich auch nicht, leider.

Er wird zu denken haben.

Er muss das Land regieren nach der Hochzeit.

Das ist ein schweres Amt.

Ich hätte gern gewusst, was in des Prinzen Kopf vorgeht.

Du wirsts erfahren, Prinzessin Aurinia.

Löwenzahn und Tausendschön bind ich mir zum Kranze.

Hat mein Lieb mich angesehen holts mich auch zum Tanze.

Warum tust du das?

Wenn ich dir das Haar abschneide, kannst du den Wind nicht rufen.

Und der Hut bleibt auf dem Kopf.

Dann lauf zur Strafe, weils dumm und hinterlistig ist.

Wehe Windchen, wehe gut.

Nimm dem Kürtchen seinen Hut und lass ihn danach jagen.

Bis ich mein Haar geflochten, so wie es Frauen tragen.

Lass meinen Hut.

Aua.

Musik

Los, noch mal, dumme Gans.

Lass das.

Was machst du denn?

Gänsejunge, wo hast dus?

Was? - Das Haar, zeigs mir.

Ich konnte es nicht tun. Sie hat ihr Haar nicht aufgebunden.

Was war mit dem Winde, der plötzlich aufsprang?

Was mit deinem Hut, dem du nachliefst?

Machs doch selbst, ich brauch kein goldenes Haar.

Denn hätt ichs, fragen würde man woher.

Du bist zu jung und dumm. Ich hätt es wissen müssen.

Gib mir die Schere.

Ich hab sie nicht. Sie blieb auf der Wiese.

Dann bring sie mir. Dir droht der Turm.

Mit einem Bein bist du schon drin. Drum lauf und eil dich.

Bääh.

Du sitzt rum und spielst.

Verdirbst dem Federvolk das beste Futter mit deiner Spielerei.

Du bist der Gänseprinz, du musst befehlen.

Was suchst du denn? - Die Schere.

Bring ich sie nicht, wirft sie mich in den Turm.

Ich geb sie heute Abend der Prinzessin.

Bitte. - Es muss sein.

Musik

Ich dank euch, Freunde. Dank euch allen von ganzem Herzen.

Auch im Namen meines Prinzen.

Musik

Iss, Kind. Starr nicht zu unserem Prinzen.

Alle jungen Weibsbilder waren in ihn verliebt.

Er ist nun mal der Aurinia bestimmt. Seit 16 Jahren.

Iss und vergiss.

Musik

Kommt und schaut.

Musik

Ja. - Verschwinde, Dieb.

Musik

Voila.

Musik

Komm, mein Prinz.

Musik

Trink, Prinz.

Bevor der Mond sich wandelt, erkennst du dein Weib

und wirst glücklich sein.

He, Alte. Sein Weib kennt er schon jetzt.

Musik

Musik

Rufst du noch einmal deinen Wind gegen mich, dann brennt das Tuch.

Wache, so helft mir doch.

Lass das, Gänsemagd.

Durch deiner Mutter Schere wirst du dein Haar verlieren.

Tu es nicht.

Was geht hier vor?

Sie stahl mir meine goldene Schere und wollte mir damit ans Leben.

Werft sie in den Kerker für diesen Frevel.

In unserem Lande herrscht Gerechtigkeit.

Für böse Taten gibt es schlimme Strafen.

Nur die Unschuld findet Gnade.

Lasst uns das Urteil morgen finden.

Führt sie ab.

Geht jetzt zur Ruhe. Das Fest ist aus.

Mir gab die Prinzessin ihre Schere.

Ich sollte meiner Magd das Haar abschneiden.

Was? - Beim Gänsehüten auf der Wiese.

Ich danke dir, Freund.

Den Kerkerschlüssel.

Bewacht die Tür.

Nähert sich irgendwer, so stoßt ihn nieder.

Und wenn ichs selber wär. Geht schon.

Lalala... hmmm...lalala...

Vogelgezwitscher

Find deinen Weg, kluger Pfeil.

Musik

Häng dich ans Seil, Kürtchen.

Die Prinzessin hats befohlen.

Schweigt jetzt, sonst werf ich euch ins Hungerloch.

Ich muss dir eine Frage stellen, Prinz Ivo.

Wirst du heute die Prinzessin zum Weib nehmen

und mein Königreich erben oder mit der Magd von uns gehen?

Schon als sie den Pfeil mir gab am Tage ihrer Ankunft, fühlte ichs.

Jetzt weiß ichs.

Meine Liebe gehört diesem Mädchen.

Damit verlierst du ein Königreich.

Ich gewinne eins.

Die Gänsewiese wird dein Königreich.

Gib mir die goldene Kette.

Sie ziemt sich nicht für einen Hirten.

Nimm auch den königlichen Ring.

Nimm das als Zeichen deiner neuen Würde.

Ich war so gerne Gänsehirte. Was mach ich nun?

Wir werden sehen.

Was du hier sahst, kein Wort zu einem anderen.

Wiehern

Hule, hule. Hule, hule, hule.

Musik

Trompete

Gut sieht sie aus, die Braut.

Und wo ist mein Prinz?

Er holt die Gefangene aus dem Kerker.

Wie es üblich ist in unserem Land

wird Recht gesprochen vor einem großen Fest.

Wir strafen oder lassen Gnade walten.

Wäre nicht die Hochzeit meines Prinzen ein großes Fest.

Strafen oder Gnade walten lassen ist des Königs Recht und Pflicht.

Die Untat, die zum Urteil steht, kann ich nicht allein entscheiden.

Kein Mord geschah, kein Raub an Gut und Geld.

Man stahl Liebe nur und Vertrauen.

Deshalb frage ich euch: Wie soll man solches richten?

Wie würdest du entscheiden? Als künftige Königin?

Wie straft man einen solchen Menschen?

Solch einen Menschen schlagt in ein Fass.

Hat er Vertrauen gestohlen, trägt ers bei sich und kanns benutzen.

Wenn er über die Felsen rollt und in den Fluss stürzt,

der ins wild schäumende Meer mündet.

Stahl er viel Vertrauen, so kann er hoffen,

dass raue Wogen ihn an ferne Strände spülen.

Dort soll er leben, wenns ihm glückt.

Leih mir das Tuch von deiner Hand.

Es wird sich zeigen, ob dies Urteil rechtens ist.

Wenn ich dir Zeugen rufe, die es verbürgen können.

Der Wahrheit Zeugen sollen hier erscheinen.

Das rechte Paar wollen wir vereinen.

Roter Tropfen reinen Blutes tus geschwinde, tu es.

Liesa, wo ist Aurinia? Wo der Prinz?

So ist sie nicht Aurinia, die Prinzessin?

Nein, das ist Liesa, Aurinias Gespielin.

Die beiden wuchsen auf wie Schwestern.

Dann hat sie selbst das Urteil sich gesprochen.

Ergreift sie.

Bleibt mir vom Leibe.

Kommt einer mir zu nah, schick ich euch alle in die tiefste Hölle.

Lasst sie, sie straft sich selbst mit Einsamkeit.

Und wo ist jetzt mein Kind? Wo ist Aurinia?

Das hätten wir auch gern gewusst.

Was sitzt die Magd, verzeiht, die Prinzessin im Kerker?

Wenn sie nicht schuldig ist.

Warum ist Prinz Ivo nicht zu sehen?

Im Kerker sitzt Aurinia längst nicht mehr.

Unser Prinz befreite sie vorm ersten Hahnenschrei.

Wo sind jetzt die beiden? Sagts doch endlich.

Die Gänsewiese gab ich ihm zu Lehen für seine tapfere Tat.

Dort werden wir die Brautleute finden.

Nehmt alles, was ihr braucht zum Fest der Hochzeit.

Lasst uns feiern auf der Prinzenwiese.

Musik

Wirst du wohl, komm.

Du kommst nicht weg, gibst du mir nicht das Leben.

Los doch, lauf.

Roter Tropfen reinen Blutes, lass ihn leben. Tu es, tu es.

Musik

Das ist Mutter mit Falada und unserem Soldaten.

Musik

Und es wurde ein großes Fest auf der Wiese.

Für Mensch und Tier. Für Klein und Groß.

Prinz Ivo bekam die rechte Braut.

Und der König nahm die Königin zur Frau.

Die Krone ließ er seinem Prinzen.

So herrschten die jungen Leute viele Jahre übers Land.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.

Copyright WDR 2010

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