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(Eine Frau schreit) Hilfe!
Hilfe!
Nein, hierher! Hilfe!
Ja, Sie da! Helfen Sie mir!
Ich werfe den Anker!
Ich komme!
Warten Sie!
Nehmen Sie doch den Weg, der ist schneller! - Was? Wie?
Den Weg sollen Sie nehmen!
Das blöde Seil ist zu kurz!
Welchen Weg denn?
Hier ist kein Weg.
Kommen Sie runter! - Wie denn? Sie sind gut!
Hey! Hey! Hey!
Irma!
Irma!
Josef, komm auch. - Eine Frau! Sofort, weg hier!
Ja, wer ist denn das? - Gut so.
Ja, ja, die Hand. - Ich rufe den Pfarrer.
Springen Sie. Josef, bleib da! - Na, wer sagt's denn? - Das stinkt vielleicht.
Das Gas. Das ist das Gas. - Die hat Glück gehabt.
Ein Teufelsfurz, der stinkt! - Komm, halt fest, wir ziehen ihn runter.
Darf ich das umhängen? - Nein. Ich bin so erhitzt.
(beide gleichzeitig) Haben Sie sich wehgetan?
Sind Sie verletzt?
Kommen Sie aus Wien? - Ja.
Papa!
Irma! Gute Fee! Mein Kind. Endlich.
Vorsicht! Vorsicht!
Der Ballon! Ihr macht das falsch! Wartet!
Hallo! Lasst das los! Nicht ziehen! Das geht anders!
(Bauer) Gehört der Ihnen? - Ja. Kommen Sie. Kommen Sie, hier rüber. So.
Wem gehört der Wagen? - Ja, der gehört meinem Bauern.
Den brauchen wir zum Transport. - Ja, ja.
Sie sprechen wie ein Gelehrter. Was ist Ihr Beruf?
Schneider. Ich bin Schneidergeselle bei Kratzky... gewesen.
Schon davon gehört. Nicht wahr, Papa?
Kratzky's Salon? - Ja. Bekannt.
Besuchen Sie uns im Prater einmal? Damit wir über die Mechanik...
... die Logik des Luftmeeres. - Da muss ich aber lachen!
Heute war ich beinahe oben ersoffen, wenn ich mal so sagen darf.
Halt, mein Herr!
Wo wollen Sie denn hin? - Ich bin auf dem Weg nach Ulm. Meine Heimatstadt.
Ich denke, Sie arbeiten bei Kratzky? - Hab ich.
Und jetzt hab ich meinen Abschied genommen. - Was haben Sie denn da?
Meinen Tornister. - Aber da oben?
Ein Studienobjekt.
Aha. Ich denke, Sie sind Schneider? - Das ist was Verschiedenes.
Das studiere ich für mich. - Ein Adler!
Ein Bussard! - Ganz recht. Ein Raufußbussard.
Und das studieren Sie? - Ja.
Na, dann verabschiede ich mich. - Aber wo wollen Sie denn noch hin heute Nacht?
Das lohnt ja gar nicht. Kommen Sie doch für heute mit uns!
(Moretti) Natürlich. Sie haben geholfen, da müssen wir uns bedanken. Sie kommen mit.
Wir fahren über Mödling und dann zum Prater. Es geht weiter, Herr. Weiter!
Hü! Hü!
Also, Albrecht, du bleibst da.
Du baust mit uns einen neuen Ballon, ja?
Auf mein Wort, Herr Moretti. Auf mein... mein ausführliches Wort!
Berblinger, Albrecht Ludwig. Angenehm, ja.
Danke. Berblinger, Albrecht Ludwig. Angenehm.
Noch einen Schluck, Herr Berblinger? - Ja, Fräulein Irma.
Wegen des Ballons.
Und Ihr Ulm?
Das verkommt nicht.
Ach Papa, wir bauen einen neuen!
(Irma) Ich bin froh.
(Moretti) Jetzt geh mal zu Luise und lass dich endlich verwöhnen, Kind. - Still.
Sieh jetzt die Sterne.
So ein schöner Himmel heute Nacht! - Ja.
Oh ja. - Ja. Wirklich.
(Klopfen an der Tür)
(Wieder Klopfen)
(Jakob ruft) Irma!
(Irma) Jakob! Vater schläft noch. Wir haben gefeiert.
Das kann ich mir denken.
Schau, da ist der Riss von dem Baum. - Da hast du aber Glück gehabt, Irma.
Der Mann, der mir geholfen hat, der schläft dort im Wagen.
Aha, da ist schon alles wach! - Ja, freilich.
Schauen Sie, wir haben Besuch. - Natürlich, Herr Degen.
(Irma) Wieso "natürlich"?
Ich habe Ihr Buch gelesen: "Beschreibung einer neuen Flugmaschine".
Sagen Sie, wir kennen uns doch irgendwoher?
Ja, ich hatte Ihren Frack in Arbeit. - Richtig, bei... bei Kratzky.
Darf ich auch mal sehen? - Ja, da.
(Irma ruft) Hey! Schaut!
(Albrecht) Sie verwindet die Flügel. Sie verwindet die Flügel!
(Jakob) Sie greift in die Luft, spreizt die Federn beim Flattern und schließt sie.
(Albrecht) Also ich sehe das so: Die Luft strömt unter ihr dahin,
sie legt sich darauf. Das sieht man beim Landen.
(Irma) Jakob! Nein! - (Schuss)
Es muss ein einfaches mechanisches Prinzip des Fliegens geben.
Wie viele Leute waren in der Werkstatt? - (Kratzky) Wie soll ich das wissen?
15 sollten es sein, wenn alle da sind. Aber es sind nicht alle da. Nie sind alle da. Nie!
Komm, ich bringe dich nach Hause.
Berblinger, lass den da, der packt's eh nicht. Gehen Sie und räumen Sie das Lager aus.
Na, so geh schon, geh schon, geh schon!
Bei Josef, um Gottes willen, meine Seiden. Meine Seiden!
Nein, das wollte ich nicht. Nicht mehr, aufhören!
Jesus, der Krüppel schüttet mir die ganzen Seiden an!
Das ist hin, ist ja völlig wertlos! So ein Depp, ein Unnötiger!
Herr Kratzky, ich möchte höflichst anfragen... - So steh doch nicht herum!
Geh hinein und... und expediere die Tische heraus!
Ja, prima. - (Albrecht) Glaubst du, dass er mich wieder einstellt?
(Irma) Was ist denn das für ein Stoff? - Seide.
Seide! Papa, Jakob, kommt her!
Ich habe das bei Kratzky ausfindig gemacht. - Ausfindig gemacht?
Ausgezeichnet! - Man kann die Ware zusätzlich gummieren.
Das Verfahren hierzu entnehmen wir dieser Broschüre.
"Verschiedene Arten von Luftkugeln, die in Frankreich gestiegen sind,
nebst einigen mit Segeln und Steuerrudern,
womit sie Luftreisen unternehmen wollen."
Ach, das kenne ich gar nicht.
(Moretti) Was kostet denn das Ganze? - Ich fürchte, nichts.
(Nicht zu hören)
(Kratzky) Berblinger, der Herr Degen!
Der gute Frack wird geändert, Herr von Degen.
Da heben wir, da schneiden wir aus. Elegant ist anders.
Ich will jetzt in die Luft, nehmen wir an.
Die Kraft, die notwendig ist,
um auch nur eine Handbreit über dem Boden zu schweben,
ist dieselbe, um das Gewicht meines ganzen Körpers
vollständig aufzuheben.
Mit ihr kann ich über Häuser und Berge fliegen.
Ohne sie erhebe ich mich keinen Millimeter.
Also, ich sehe das anders.
Wir sind schon oben, zum Beispiel auf einem Hügel
oder einem Berg oder einem Turm
und es kommt jetzt nur darauf an, mit dem entsprechenden Gerät
nach vorwärts in die Luft zu gleiten.
(Jakob) Nach oben, sag ich dir, die Aufwärtsbewegung muss gelingen.
Ich zeige dir, damit du es spürst.
Spürst du es nicht? So. In den Kopf!
Die Bewegung muss in den Kopf. Das Fliegen ist eine Bewegung,
die aus wiederholten Sprüngen besteht. - (Albrecht) Also, du flatterst und ich...
(Zuschauer) Aus Basel. Eine einfache Uhrmacherfamilie, kaum zu glauben.
Haben Sie den Ballonaufstieg im Prater gesehen, die Morettis aus Italien?
Sie ist die Tochter. Eine große...
Nein, die Fakultät hat ihn eingeladen. Ich weiß es von Professor Stelzhammer.
Wenn ich das Gespräch dieser Offiziere richtig verstehe,
so misst man dieser Maschine in Militärkreisen einige Bedeutung bei.
Ach, Sie kennen einige von den Herren?
(Offizier) Versuchen Sie doch zu verifizieren, ob das vernünftig ist.
Ruhig, es geht los, glaube ich.
Silentium.
Ungeheure Idee...
Viel zu öffentlich, viel zu öffentlich...
Das ist ja fabelhaft!
Aufgrund langjähriger Beobachtungen, die Herr von Degen anstellte,
kam er zu der Überzeugung, die Fläche von der Größe
des Gewichtes abhängig zu machen.
Ein Adler im Gewicht von zwölf Pfund und mit einer Flugfläche von acht Quadratfuß
diente ihm als Muster.
Und aus dem Verhältnis 3:2 folgerte er, dass ein mit künstlichen Flügeln...
Ach, wird eigentlich heute Abend auch der Kriegsminister erwartet?
Ich weiß nicht. - Schade.
Ersatz für die eigentlichen Federn bilden kleine Läppchen aus feinem,
mit Lack überzogenem Papier. Wie Sie sehen,
3.500 nach aufwärts sich öffnende Klappen!
(Lautes Knarren und Ächzen)
Das fliegt bei Gott nicht.
Im Freien wird ein Ballon von geringem Auftrieb das Gegengewicht ersetzen.
Gut war es! - Ja!
Darf ich Sie mal sprechen, Herr Oberst? - Eindrucksvoll. Wenn Sie mich fragen...
Na ja... - Die Gewichte sind in Mannshöhe gestiegen.
Er muss mir Rede und Antwort stehen. - Natürlich.
Darf ich vorstellen: Herr Pointet. - Ja, sehr erfreut.
Wir sehen uns ja dann noch? - Er ist Bankier.
Jakob!
Ganz erstaunlich. Können Sie mir mal ein Exemplar Ihres Buches geben?
Kollege, kommen Sie auch in die Bibliothek? - Gewiss, gewiss.
Gehen Sie hier vorbei, gnädige Frau.
Aber nach der Theorie von Meerwein liegen die Dinge ganz anders.
Das käme auf den Beweis an. - Entschuldigen Sie mich, meine Herren.
Wir kommen darauf zurück. Ich werde es Ihnen genau erklären.
Monsieur Pointet zeigt sich aber recht interessiert.
Hab ich Recht?
Bringen Sie doch eine Skizze mit, ich möchte sie meinen Kunden in Paris vorlegen.
Hatten Sie Zweifel?
Ich bin kein Wissenschaftler, Herr Degen, ich bin nur ein schlichter Bankier.
Vielleicht nicht ganz ohne Sinn für die Kunst, aber ich rechne mit Realitäten.
Sie sind nicht der Einzige in Europa, der sich mit dem Problem befasst.
Die Welt wartet auf Leute wie Sie. - Verbindlichen Dank.
Und was darf ich von Ihren Pariser Kunden erwarten?
Ja, wichtig ist eine Flugmaschine, mit der Sie aufsteigen
und zum Ausgangspunkt zurückkehren könnten, also steuerbar.
Das wäre von großem Nutzen für meine internationalen Partner.
Ich verstehe nicht ganz. - Sie brauchen Geld,
wenn Sie Ihre wissenschaftliche Forschung beschleunigen wollen.
Besuchen Sie meine Pratervorführung, Herr Pointet. - Das werde ich tun, Herr Degen.
(Offizier) Sie wissen, was Sie zu tun haben. Corporal, haben Sie draußen nachgesehen?
(Corporal) Der Wagen steht bereit. - Also, dann folgen Sie mir. Beeilung.
Erste Gruppe links. Die zweite Gruppe hierher.
Seile herablassen.
Nehmt den Vogel herunter, aber ohne Beschädigung. Beeilung. Dorthin, genau.
Gehen Sie nach oben und kappen das Seil. - Kubelka, Sie messen alles ganz genau aus.
Auf den Zentimeter.
Auf den Zentimeter genau muss das werden.
Sie haben den Herren Professoren ja großen Eindruck gemacht.
Wir müssen unbedingt mit Ihnen sprechen. Es ist etwas vorgefallen, das...
Entschuldigung, ich muss Ihnen Herrn Degen... - Ja.
(Offizier) So, das war's. Lasst die Kutschen vorrücken. Spannt die Pferde ein.
Meine Herren, es handelt sich um reine Wissenschaft. Die Sachen werden nass!
Verehrter Herr von Degen, wir leben in Kriegszeiten.
Ihre Erfindung in den falschen Händen, das wäre fatal!
Aber es regnet. Die Maschine wird nass. Professor Stelzhammer, helfen Sie mir!
Ich werde mich höheren Orts beschweren, das werden Sie bereuen!
Sie bringen die Maschine sofort in den Reitsaal! - Befehl des Kriegsministers.
Diese Forschungen sind von militärischem Interesse. -Zeigen Sie mir den Befehl.
Ich bin hier Vorstand der Fakultät. Herr Degen steht unter unserem Schutz.
Gut, dass mein Freund mich informiert hat. So etwas! Ohne zu fragen!
Beeilen Sie sich, ich bitte Sie. Ich bitte Sie darum! Das Gerät muss ins Trockene.
(Kratzky) Die besten Seiden! Weißt du, wie teuer die waren? - Ich war der Meinung,
die Seiden waren verdorben. - Was verdorben ist, bestimme ich.
Ich bringe dich noch ins Kriminal, Bürscherl!
Steh auf, wenn du mit mir redest!
Was ist... was ist das?
(Kratzky) Nimm dir zwei Bügeleisen, lass den Blödsinn und hilf den dämpfen.
Sonst werden wir nicht fertig. Wir haben schon so viel Zeit verloren. Geschwind!
Sag mal, wie endest du denn die Kanten? Wenn das der Herr Graf anzieht,
redet der Kaiser nach der Krönung kein Wort mehr mit ihm.
Du scheinst nicht zu wissen, für wen du arbeitest?
Na, mir scheint, jetzt ist er närrisch geworden.
(Moretti) Verehrte Herrschaften, dieses Wesen vor Ihren Augen
speit kein Feuer, es ist kein Untier, kein Trugbild!
Sie dürfen Ihren Augen trauen, es ist ein Mensch.
Jener Mann unserer Zeit, dem die Erde zu klein oder eher zu schal
und der dort nach Eigenem suchte.
Er ist nicht allein, jener Mann in der Maske eines Fabelwesens
und er ist kein Geringerer als Jakob Degen,
der uns allen bekannte Autor und Verfasser des Buches
"Beschreibung einer neuen Flugmaschine",
das Sie an den Ausgängen zum Preis von nur 17 Gulden erwerben können.
(Applaus)
Haltet die Seile. Vorsicht.
So, und jetzt Gegengewicht halten. Ja, gurtet ihn los.
Holt die Sandsäcke.
Ja, das geht so. Die Schraube.
Ich mache das selbst.
Ich gehe jetzt zu Irma. - Wie war die Vorstellung, ging alles gut?
Ja, es ging nicht so gut, wie ich dachte. - Die Menschen sind begeistert.
Ja.
Die Vorführung überzeugt mich. Ich bin absolut sicher,
dass dieses Unternehmen von Degen Zukunft hat.
Man muss ihn nach Paris einladen und die Sache so rasch wie möglich vorantreiben.
Wie schön! Die kann das. - Gewiss, ja.
Sieht wirklich schön aus.
Vorsicht. Langsam. - Halt!
Nein!
(Zuschauer schreien entsetzt auf)
(Irma) Papa! Albrecht! Das Seil!
Ich springe!
Ich springe!
Oh Maria! Herrgott!
Helft! Helft ihm doch!
Hilf ihm doch! Tu was!
(Kühe muhen)
Was denkst du? - Ach, für mich ist der tot.
(Anna und Albrecht flüstern)
Fünf Mal. Hast du mich verstanden?
Das ist nicht möglich.
Jakob!
Willst du mir die Herrschaften vorstellen, Albrecht?
Das ist Anna, meine Frau.
Und das ist Jakob Degen, mein Freund aus Wien.
Und Irma Moretti. - Irma Degen, meine Frau.
So, Jakob, jetzt möchte ich wissen, was du von mir hältst?
Wie kommst du zu dieser imponierenden Ausstattung? Das ist ja unglaublich.
Unterstützung des Magistrats. Die Ulmer glauben an meine Projekte.
Deine Schneiderwerkstatt geht aber doch recht gut.
Ja, ja. Tag und Nacht. Ich habe die beste Kundschaft.
Mein Unglück in Wien, das hat mir hier Glück gebracht.
Ich führe ein Doppelleben. Bei der Arbeit in der Schneiderei
mache ich Skizzen im Kopf, die ich nachts hier aufzeichne.
Jakob.
Ich werde zu deinem Widersacher in puncto Menschenflug.
Ich möchte dich überzeugen, aber ich hab noch viel mehr Fragen an dich.
Du bist schließlich die einzige Autorität für mich.
(Jakob) Du hast es immer noch mit den Bussarden?
Ja.
Du wirst es kaum glauben, aber ich habe mich lange mit deinen Ideen beschäftigt.
Ich bin aber inzwischen doch wieder davon abgekommen.
Du willst also immer noch senkrecht nach oben.
Das ist so schön. Ihr Kleid.
Jakob, lass uns wieder zusammenarbeiten.
Ich weiß, wir zwei zusammen können es schaffen.
Wie lange wollt ihr bleiben? - Ich fürchte, du weißt nicht,
wie weit ich inzwischen gekommen bin. - Fliegst du?
Hier wäre ich nur dein Gast.
Verzeih, aber das ist mir zu wenig. - Jakob, fliegst du?
Ich brauche die größeren Möglichkeiten, die eine Weltstadt mir bietet.
Also, du fliegst oder nicht?
Ich bin nach Paris eingeladen.
Meine Vorführung findet auf dem Marsfeld statt.
Wir sind unterwegs dorthin, morgen müssen wir weiter, nicht wahr, Irma?
Ich wollte euch noch mal sehen. Es war so kurz. - Ja, ein kurzes Wiedersehen.
Ich danke dir, dass du doch gekommen bist. - Anna lässt grüßen...
Diesen Anhänger habe ich selbst konstruiert. - Ja, ich kann mich erinnern.
Er ist ein wirklich gutes Mittel, um mein Fluggerät sicher nach Paris zu bringen.
Wie lange fährt ihr nach Paris? - Man fährt 10 bis 12 Tage, manchmal auch länger.
So, möchtest du einsteigen, bitte. Ich werde dir alles genauestens berichten.
Ich werde dir einen ausführlichen Brief schreiben. - Ja, bitte.
Also, Irma.
Dann sag bitte deiner Frau noch einen Gruß von mir, ja? Grüße sie bitte.
Leb wohl. Wiedersehen!
(Lautes Stimmengewirr im Wirtshaus)
Und wenn wieder einer sagt, die Luft hat keine Balken, dann sage ich,
sie hat doch welche!
Man denkt immer, da oben ist alles leer, aber das ist nicht wahr.
Es ist Materie wie dieser Tisch. Sie trägt jedes Gewicht.
Ja, ich habe in Nürnberg den Ballon der Frau Blanchard gesehen.
Werden Sie auch hier in Ulm ein... einen Ballonflug unternehmen?
Die Ballone gehören bald der Vergangenheit an. Die fliegen nicht.
Die fahren durch die Luft.
Aber ich und mein Freund Degen aus Wien, wir arbeiten am Menschenflug.
Vogelgleich.
(Albrecht) So abwegig ist das nicht. Also die Engel haben ja Flügel.
Ich denke, das sind Erinnerungen.
Wer sagt, dass der Mensch nicht vor tausend Jahren fliegen konnte?
(Zeitungsjunge) Der Ulmer Landbote. Fesslen aus Paris zurückgekehrt!
Fesslen? Da sitzt er doch!
Was sind Ihre Projekte, Herr Berblinger? - Ich werde eine Flugmaschine bauen.
Raus mit dir! Du störst!
Halt! Sag dem Fesslen und seiner sauberen Anhängerschaft, es ist geschmacklos,
diesen Festabend hier zu missbrauchen für seine Kampagnen!
Dass das sein politischer Stil ist, wissen wir.
Dennoch möchte ich mich entschuldigen bei allen hier im Saal
für diesen unerfreulichen Zwischenfall.
Ich denke, es reicht aus, wenn Herr Fesslen sein Hetzblatt heimlich in der Stadt verteilt.
Musik!
Was war denn eigentlich los? - Ein Jakobiner. Ein Aufrührer aus Paris.
Er ist gerade zurückgekommen aus Paris, jetzt will er hier revolutionieren.
Ein Verblendeter. Er könnte einem leidtun, wenn er nicht so gefährlich wäre.
Soll das jetzt der Vogel sein, Berblinger? - Was frisst der denn?
Flieg aufs Münster rauf und guck, wie das Wetter wird!
Halt! Halt!
Anna! Ist Albrecht da? - Nein.
Wo ist er denn? - Soll ich was ausrichten?
Fliegt er? - Ja.
Es geht schon auf zwölf. - Ja, ich hab jetzt Zeit.
Ich mache mir Sorgen.
Er müsste schon längst zurück sein.
Ich verstehe nicht, dass du dabei so ruhig bleibst.
Er ist doch dein Mann. Er ist in Gefahr, das fühle ich.
Aber hör mal...
Wenn das mein Mann wäre, hätte ich längst nach ihm geschaut.
Stell dir vor, er ist abgestürzt
und ganz allein da. - Sag doch nicht so was.
Armes Kind.
Wie hältst du das nur aus?
Willst du nicht nach ihm schauen? Dann wärst du ruhiger.
Um Gottes willen, Albrecht! Ist dir was passiert?
Was willst du hier? - Ich hab... Ich hab ganz plötzlich Angst gehabt.
Du hast mir versprochen, dass niemand kommt, auch du nicht.
Jetzt ist das Unglück da. - Aber du bist verletzt!
Eben.
Aber ich bin doch auf deiner Seite. Ich glaube doch an dich!
Niemand ist so sicher wie ich, dass du fliegen wirst.
Sei doch nicht so ungeduldig. - Du bist ungeduldig!
Du hast mich beobachtet und das bringt Unglück.
Wie soll ich dich beobachten? Ich bin doch nie dabei.
Du sollst nicht mal an mich denken, wenn ich hier bin.
Ich hab schon den ganzen Morgen das Gefühl gehabt, dass mich jemand sieht.
Aber das kannst du mir doch nicht verbieten, an dich zu denken.
Anna, ich schaffe es nicht. Ich schaffe es nicht.
Ich schaffe es nicht!
(Krachen und Bersten von Holz)
So!
Guten Abend.
Kommst du mit rüber? - Jetzt?
Bist wohl jetzt nicht in Stimmung, scheint mir. - Und du?
Warum schläfst du nicht wie ein anständiger Bürger?
Habe ich dich geweckt?
Druckerei. Das wäre auch noch ein Beruf für mich gewesen.
Aber mich hat keiner gefragt, was ich werden will.
Mein Vormund hat mich einfach zu Bockelmann in die Lehre gesteckt, fertig.
Die Presse ist aus Mainz. Damit haben meine Freunde während der Republik gedruckt.
Das Mechanische liegt mir.
Mir nicht.
Druckst du ganze Bücher?
Da, lies mal das.
Die neueste Ausgabe vom Ulmer Landboten.
Tu auch mal was für die Allgemeinheit.
Du schläfst wohl auch nicht in der Nacht? Ich sehe bei dir immer das Licht brennen.
Weil alle anderen in Ulm schlafen.
Ja, glaubst du, dass du allein das ausgleichen kannst?
Ja, da hast du Recht. So jemand wie dich könnten wir gebrauchen.
Hinter dir sind sie her. Stimmt's?
Da, schau, es ist schon hell.
Ach Berblinger, eines Tages wird das hier alles ganz anders aussehen.
Und das, wovon wir geträumt haben, wird es alles geben.
Die Menschen werden frei sein wie die Vögel, vielleicht sogar umherfliegen.
Und keiner wird sich an die Angst erinnern, die wir hatten.
(Fesslen) Immer höhere und wachsende Unzufriedenheit mit ihren größtenteils...
Was machst du denn bei den Jakobinern? - Ich bin schon seit zwei Jahren im Klub.
Warum hast du mir das nie gesagt? - Du bist doch ein Schoßkind des Magistrats.
Eigenmächtige, willkürliche
und gesetzwidrige Handlungen unseres Magistrats liegen vor.
Weißt du was? Ich hab es aufgegeben. - Haben sie dich fallen gelassen?
Komm nur rein, Berblinger! - Und was sagt Anna dazu?
Samt aller Gelehrtenschmiererei, durch die sie vertuscht worden sind.
Es wäre demnach eine Schande, wenn wir uns immer nur als brave,
stumme, untätige Mitglieder dieser Ulmer Gesellschaft verhielten.
Diese heutige, rasch einberufene Versammlung hat folgenden Grund:
Seit drei Stunden verhandeln die Herren Baldinger und Schaad vom Magistrat
mit österreichischen Militärs über sechs unserer Kanonen
und Waffen, die im Krieg gegen Frankreich zu liefern sind.
Wir, als demokratische Handwerker,
halten diesen Krieg für ein Verbrechen
und lassen uns keinen falschen Patriotismus einreden.
Oh, Verzeihung vielmals.
Hey! Lass mich los! - Arnold, wohin? - Warum läufst du weg?
Nein! - Haltet ihn! - Was ist denn?
Da stehen unsere Namen drauf.
Ein Spion!
(Arnold) Lass mich los!
Tatsächlich! Eine komplette Anwesenheitsliste.
(Turmglocken läuten)
Also, verstanden? Wir, ihr. Ja?
(Marschmusik)
Abteilung Halt!
Was soll das?
Ihr Auftrag ist hier zu Ende, Bürger Leutnant. -Zur Seite!
Sonst gibt es noch ein Unglück! Das ist ein Befehl!
Die Ulmer Bürger wurden nicht verständigt, dass ihre Waffen aus der Stadt entfernt
und in einem Krieg verwendet werden sollen, den sie missbilligen.
Fesslen, ich warne Sie!
Wir warnen Sie!
Lauf in die Zeugamtsverwaltung und sag, Herr Kriegsamtsrat von Neubronner
soll sich sofort hierher bemühen!
Wir haben einen Befehl unseres Herzogs Ludwig Eugen
an den Rat der Stadt, in dem er als Generalfeldmarschall
des Schwäbischen Kreises die Kanonen fordert. So ist das, meine Herren.
Ursprünglich sollten neun Kanonen geliefert werden.
Es ist uns gelungen, die Lieferung auf vier zu reduzieren.
Die französischen Truppen haben schon
den Westen von Baden überschritten.
Wir brauchen die Mithilfe aller, um unser Land zu verteidigen.
Eine Frage, Herr von Neubronner: Warum hat der Rat sich in Stillschweigen gehüllt?
Nach der Ulmer Verfassung hätte unser Stadtregime wenigstens
die Zünfte verständigen müssen. - Aber das ist doch geschehen.
Wir gaben gestern Abend eine Bekanntmachung an die Bevölkerung raus.
Ein gut gewählter Zeitpunkt...
Warum veranlassen Sie den Abtransport der Kanonen schon am nächsten Morgen,
in aller Heimlichkeit?
Ich tue lediglich meine Pflicht.
Gehen Sie zur Seite. - Arnold, vor!
Kehren Sie um, Herr Leutnant! - Abteilung kehrt!
(von Neubronner) Das letzte Wort in dieser Sache ist noch nicht geredet.
(Nicht zu hören)
(Trommelwirbel setzt ein)
Folgende Personen haben sich zu melden:
Basler, Willi.
Botzenhard, Friedrich.
Berblinger, Albrecht.
Tröglen, Karl. Fesslen, Caspar.
Setzensack, Sebastian.
Metzger, Rudolph.
Metzger, Hans.
Streckfuß, Peter. Meier, Hans.
Ebner, Caspar.
Werkzeug abliefern und Nachtlager beziehen!
Wir haben Westwind heute.
Wenn wir Glück haben, dann fliegt er bis nach Ulm.
Als Gruß von uns allen.
Schreibt alle eure Namen drauf. Da ist Kohle.
(Fesslen) Ich habe eine sehr schöne Geschichte erlebt in Paris.
Das war am 18. Juli 1891,
an dem Tag, an dem die Verfassung verkündet wurde.
Da stieg ein Ballon von den Champs-Élysées auf.
Der Luftschiffer war durch die Ereignisse des Tages
und durch den Anblick der Volksmassen, die durch die Straßen zogen,
in so eine Verzückung geraten,
dass er sich in der Gondel vollständig entkleidet hat.
Und als er
auf einer Höhe von mehr als 4.000 Metern ankam,
da war es sechs Uhr
und dort in der ewigen Weite des Himmels verlas er mit lauter Stimme
die Erklärung der Menschenrechte für alle Völker des Weltalls.
Da! Feuer!
Wir müssen ihm doch helfen! - Werde nicht schwach.
Anna, höre! Wir wissen, du liebst diesen Mann nicht mehr.
Wo bleibt dein Stolz? Demütigungen, Haus und Vermögen gepfändet.
Willst du mit diesem Abenteurer gesehen werden?
Aber ihn haben sie doch freigelassen.
Nur Fesslen und noch zwei andere müssen in den Turm.
Es ist doch richtig, dir kein Geld zu geben.
(Albrecht denkt) Meine alten Flügel waren flach.
Vorn und hinten gleich.
Das ist bei den Vogelflügeln anders.
Die sind vorne dick und hinten flach.
Vorne sind die Flügel schwer und hinten sind sie leicht.
Ob das die Lösung...?
(Fesslen ruft vom Turm) Wahrheit...
... ach!
Erstgeborene Tochter des Himmels!
Dich, ach,
darf ich zwar wohl kennen,
aber einstweilen nicht nennen.
Schlumberger!
Ich bin es, Albrecht!
Ja, wo läufst du denn hin?
Was ist denn los? Habe ich dir was getan?
Ich will mit der ganzen Sache nichts mehr zu tun haben.
Mit welcher Sache?
Ich will mit euch Politischen nicht mehr gesehen werden.
Komm mit zu mir rein.
Das kann ich nicht.
Du kommst jetzt mit mir.
Die haben dich ganz schön zugerichtet. - Die ließen mich mit dem Schuss im Bein liegen
und keiner traute sich, mir zu helfen. Man hätte das Bein noch retten können,
stattdessen bin ich fast krepiert.
Warum hast du Angst?
Das wirst du doch auch zu spüren bekommen als Krimineller.
Was? Krimineller? - Du warst doch im Gefängnis.
Aber für eine gute Sache. - Und jetzt ist alles noch viel schlimmer geworden.
Das wächst alles wieder nach, mein Lieber. Bleib so sitzen.
Weißt du, dass Degen die Fliegerei aufgegeben hat seit seinem Sturz in Paris?
Warum hat er mir das nicht geschrieben?
Jetzt, ja...
Ja, fass an.
Gut.
So.
Und jetzt geh allein.
Ja, so.
(Kanonenschüsse aus der Ferne)
Grüß Gott.
Da ist der Berblinger.
Darf ich mal zusehen, wenn Sie fliegen? - Interessiert dich das?
Ich kann auch helfen. - Ich kann jemand gebrauchen. Wie heißt du?
Fritz. Ich möchte auch fliegen lernen.
Wenn Sie mich fragen, diesmal wird es uns treffen.
Man kommt per Schiff von Linz bis Passau kaum noch durch.
Lauter österreichische Truppen die Donau entlang, an beiden Ufern.
Die kommen uns zu Hilfe. - Der Napoleon will uns aushungern. Wie habt ihr vorgesorgt?
Schießen werden sie, schießen. Die Franzosen sind brutal. Da kennen die nix.
Der General Mack wird Ulm verteidigen, dem geht es nicht bloß um Ulm.
Der Magistrat hat das mitgeteilt. (Explosion)
(Wieder Explosion)
Ich hab so Angst um dich gehabt.
Ich muss mit dir reden, Albrecht.
Ich kann dir nichts bieten. Ich schlafe drüben, beim Fesslen.
Das ist meine neue Flugmaschine.
Ich bin einfach weggelaufen.
Die Eltern wissen nicht, dass ich hier bin. Ich hab es nicht mehr ausgehalten.
Du und ich in der gleichen Stadt.
Wie geht es dir?
Lass dich anschauen.
Bist schmal geworden.
Sie werden sich fragen, Herr Berblinger, wie es kommt, dass ich in Begleitung
der Herren Rulard, Snyder und meines Bruders Charles
hier während der Belagerung in der Stadt erscheinen kann.
Aber die Übergabe Ulms an seine Majestät... - Napoleon.
... ist eine Frage von Stunden.
In Wirklichkeit ordnen wir die Dinge hier schon seit mehreren Tagen.
Es könnte Ihre Lage wesentlich verbessern, wenn Sie die Zeichen der Zeit verstünden.
Wir meinen Ihre Flugmaschine.
Sie ist noch nicht fertig. - Ach so.
Ich bin noch ganz am Anfang. Ich kann nichts vorzeigen.
Es gibt viele außer mir, die genauso weit sind wie ich.
Sie haben wirtschaftliche Schwierigkeiten, wie man hört. - Wer hat die nicht?
Es könnte Ihre Arbeit günstig beeinflussen, wenn Sie diese Sorgen loswerden.
Ja, und? - Sie sollen verstehen lernen, mit wem Sie zusammenarbeiten.
Die Entwicklung der Revolution in Europa, deren Vertreter wir hier sind.
Sie sollten sich da nicht verweigern, Herr Berblinger.
Ich bin allein und Sie kommen mit Ihrem Anwalt und Ihrem Bruder.
Aber gerade das soll sich doch ändern, Herr Berblinger. Stellen Sie sich vor,
ein großes Institut für Fluggestaltung hier in Ulm unter Ihrer Leitung.
Na, Sie wären nur der Luftfahrt-Akademie in Meudon unterstellt.
Verzeihung, aber da muss ich nachdenken.
Anna!
Warum lässt du diesen Pointet einfach stehen?
Fesslen. Das hat lange gedauert.
Fesslen, weißt du, dass ich fliegen kann?
Ich kann wirklich fliegen! Ich hab es geschafft.
Ich helfe dir.
Du fauler Vogel! Lässt dich von uns hochtragen. Schäm dich!
Da lernt er was von uns. - Was Falsches.
Der könnte doch rauffliegen.
Der? Der hat doch das Fliegen von mir gelernt.
Als er noch jung war.
So, Jockel, jetzt zeig uns mal, wie der Wind geht.
Ja... au, au, au! Da ist es unruhig, da fliege ich nicht rüber.
Da ist es besser. Nicht flattern! Ja!
Verdammt! Das war weit!
(liest) "Da vergaß ich beinahe, dass ich ein Gefangener war, bis ich endlich wollte
zum Fenster hinausschauen und mit dem Kopf an das Gitter stieß.
Da fielen mir die letzten Worte des Sokrates ein: 'Ens entium miserere mei'.
'Urquell der Wesen, erbarme dich meiner'.
Frei, unabhängig und gleich an Rechten setzte die Natur ihre Kinder in die Welt."
Stimmt.
Liest du das alles in Spiegelschrift?
Habe ich was gesagt? - Ja.
Du sprichst Lateinisch vor dich hin. - So? Ach.
Ich würde dir gern mal zeigen, wie ich fliege. - Ich kann es mir vorstellen.
Vorstellen kann ich mir das schon seit zehn Jahren, aber jetzt kann ich es wirklich.
Gut, du fliegst, aber sonst bist du am Ende, das musst du doch einsehen.
Dein Haus ist gepfändet, die Frau ist weg.
Kein Mensch in der Stadt will etwas von dir wissen.
Die Frage ist doch, wo willst du hin,
wenn du fliegst und wen willst du mitnehmen.
Jetzt sprichst du wie Anna.
Ich habe es eilig. - Du bist krank.
Ich habe tausend Nächte und Tage nachgedacht.
Das würdest du auch nicht aushalten, ohne es aufzuschreiben.
Das wird mein Vermächtnis.
(Fesslen hustet)
Du machst mir Angst.
Auf Bonaparte! Den grandiosen Verräter der Revolution.
Wenigstens eins haben die Franzosen an Gutem getan:
Dass sie euch aus dem Turm geholt haben.
Ich bin nicht dankbar.
Der Kampf geht weiter, jetzt gegen meine so genannten Befreier.
Wir können nur an uns selber glauben. - Solange wir nicht obenauf sind.
Wer die Macht hat, braucht nichts mehr zum Hoffen.
Es kommt darauf an, was man hofft.
Das ändert sich leicht.
Trinken wir auf die Ohnmacht, Berblinger. Das ist die einzige Macht,
die sich verbündet und einen Blick für die Zukunft hat.
Irma!
Irma!
(liest) "Mit Verlaub gebe ich, Albrecht Ludwig Berblinger,
dem Ulmer Publikum bekannt, dass ich fest entschlossen bin,
die erste öffentliche Darbietung mit meiner Flugmaschine zu wagen
und zwar am Dienstag in der Pfingstwoche, wenn die Witterung günstig ist,
wozu alle Liebhaber des Menschfluges eingeladen sind."
(Applaus)
War ich gut? - Mir ist ganz schwindlig.
(Irma) Schön! - Besuch ist da!
Ja!
Hei, ja! Vorsicht!
Das ist etwas knapp gewesen, Exzellenz. - Großartig.
Wirklich großartig, Herr von Besserer! Ich gratuliere Ihnen.
Sehr gut, Ihr Mann aus Ulm! Wie war doch der Name? - Berblinger.
Albrecht Ludwig Berblinger. - Sie notieren das bitte.
Sie müssen uns garantieren: keine Öffentlichkeit.
Nicht heute und nicht in den nächsten Tagen.
Aber gewiss. Das können Sie Seiner Majestät versichern.
Noch was: Ich darf bitten, nachher zum Rathaus zu kommen.
(Albrecht) Ich verstehe noch nicht ganz. - Wir werden Ihnen alles erklären.
Die Herren sind Ihretwegen aus Stuttgart gekommen. Man hat Ihre Ankündigung
in der Stadt gelesen.
Du solltest doch im Bett bleiben!
Du hast ganz rote Ohren.
Du, ich soll aufs Rathaus kommen.
Und warum? - Das hab ich gar nicht gefragt.
Hast du mich fliegen gesehen? - Von Atzel und von Besserer.
Was will der von Atzel hier? Haben sie dir nichts gesagt?
Fritz, komm, hilf mir mal. Fesslen soll mich jetzt endlich mal fliegen sehen.
Warte doch! Hat man dir Geld geboten?
Nein, nur vorerst keine Öffentlichkeit, hat es geheißen.
Wieso denn? Was kann denn das bedeuten?
Albrecht!
Albrecht!
Fesslen, was ist denn?
Vorsicht! - Komm, ich stütze dich.
Nicht aufstehen. Nicht aufstehen, ich hab es versprochen!
Ich muss weitermachen.
Es geht mir gut.
Und das soll schon am 30. Mai sein? - Ja.
Der König wird sehen, für uns Ulmer Bürger
existiert kein bayerisches oder württembergisches Ufer.
Sie verbinden im Flug die beiden Ufer Ulms.
Das wird ihn beeindrucken.
Die Leute auf beiden Ufern der Donau.
Die freie Reichsstadt wird wieder auferstehen durch Ihre Hilfe, Berblinger.
Und die Macht des Königs wird da ihr Ende haben, wo Sie fliegen.
Die Mauer ist zu niedrig für meinen Gleitwinkel.
Sie bekommen alles, was Sie brauchen.
Außerdem, das kann ich Ihnen hier gleich sagen,
übernimmt die Stadt die Tilgung Ihrer Schulden.
Nennen Sie Ihre Wünsche, Berblinger.
Alles klar, Berblinger? - Da muss ich nachdenken.
(Die Unterhaltung ist nicht zu hören)
Ich vergesse den Fesslen nicht. - Fesslen ist dein gutes Gewissen.
Bloß weiß ich nicht, was er dazu sagen wird.
Also ich würde im Namen aller Ulmer Bürger fliegen.
Das heißt doch für eine gute Sache. Auch wenn der Magistrat dahinter steckt.
Seit du wieder da bist, Irma, das bringt mir Glück.
Sprich!
Fesslen.
Fesslen.
(liest) "Meine Republik fängt erst dann an,
wenn die Menschheit gar keiner Regierung mehr bedarf,
wenn jeder seinen Acker baut oder seine Schuhe mache und sich nicht träumen lässt,
dass er mehr tue, wenn er die Leitung der öffentlichen Geschäfte übernehme,
als wenn er Schuhe mache.
Meine Republik braucht weder Direktorium
noch auswärtige Gesandte noch bleibende Ämter
noch stehende Heere noch Bankiers noch Seehandel.
Meine Republik besteht darin, dass jeder eine Hütte,
einen Acker, ein Weib
oder wenn er lieber will, eine Gefährtin nach der Wahl seines Herzens haben könne
und kein Wort davon wisse, dass es je Fürsten, Priester, Direktoren,
Gesandten, Offiziere et cetera gegeben habe oder geben könne.
(Wind heult)
(Albrecht) Lieber Degen,
ich möchte dich bitten, am 30. Mai nach Ulm zu kommen.
Dies wird der wichtigste Tag in meinem Leben sein.
Und dich hätte ich gern dabei, wenn ich in Gegenwart des Königs von Württemberg
einen Flug über die Donau wage.
Es werden viele Liebhaber des Menschenfluges
von weit und breit erwartet.
Meine Flügel sind in bester Ordnung.
Ich weiß nicht, welche Gesinnung die Erde, die wir verlassen, hegt.
Aber wie sehr ist der Himmel für uns?
Dein Albrecht.
Zwei Stunden ließ er den König warten! Da musst du vielleicht Nerven haben.
(Zuschauer reden durcheinander)
Wie ein angeschossener Adler! - Warum ist denn der nicht gesprungen?
Ich hab gehört, der Wind sei falsch gestanden.
Dass ausgerechnet einer aus Ulm fliegen können soll!
Da haben schon ganz andere das Genick gebrochen. - Schön wär's gewesen.
Ach was, kommt einer aus Ulm und will fliegen können!
Ich hab die ganze Zeit lang gemeint, jetzt fliegt er. Es hat beinahe so ausgesehen.
Er hat einfach nicht zugeben wollen, dass er das Maul zu voll genommen hat.
Ja, das ist doch eine Blamage, eine Blamage für ganz Ulm.
Er sieht aus wie ein Adler, wahrhaftig. Er sieht nicht aus,
als hätte er Hokuspokus mit mir treiben wollen.
Ich will es ihm glauben. Wann kann er fliegen?
Morgen, Majestät. - Morgen.
Gut, dann soll sich jetzt mein Bruder,
Herzog Heinrich, äußern.
Ich reise heute ab. - Wenn Eure erzherzogliche Gnaden
die Güte haben wollen, mich an meinem Berg zu besuchen,
da bin ich oft geflogen. - Wer fliegen kann, der fliegt. Er soll es mir beweisen.
Schlaf Er sich jetzt aus, Bürger, und lass Er sich die Flügel hübsch wachsen.
Jakob! Gut, dass du gekommen bist.
Hast du meinen Brief nicht bekommen? - Nein.
Irgendwas hat nicht gestimmt. Es drückte mich wie eine Zentnerlast nach unten.
Was kann das sein? Ich habe zwei Stunden gewartet und es wurde nicht anders.
Ich kann mir das gar nicht erklären.
Flüsse sind kühl.
Und vielleicht magnetisch.
Ich hab immer nur am Hang geübt. - Nie an der Donau?
Nein, dazu war keine Zeit.
Schick Herrn Berblinger heraus. Aber ich möchte ihn ohne diesen Herrn sprechen.
Sie sind sehr begabt, Berblinger, aber völlig unfähig, Ihr Leben zu organisieren.
Sie verschleudern sich und werden Schiffbruch erleiden.
Ist doch einfach lächerlich, wie Sie sich herummanövrieren lassen.
Sind Sie gekommen, um mich zu beleidigen? - Nein, es ist Gekränktheit.
Ich bin gekränkt, dass Sie den Wert einer Zusammenarbeit mit mir verkannt haben.
Begreifen Sie jetzt: Blasen Sie alles ab und beraten Sie sich mit mir.
Ach, Herr Degen, wenn ich mich recht entsinne.
Ja, durchaus.
Er ist ein Genie, wissen Sie.
Ich habe ihn seit Jahren beobachtet und weiß, was in ihm steckt.
Aber Sie sind ja vom Fach, Degen, und wissen, dass er allen voraus ist.
Ich biete ihm die Weltlösung an. - Ich möchte wieder reingehen.
Wir reden gerade über die Natur der Auf- und Abwinde.
Nein, nein, so viel Zeit haben wir, um Monsieur Pointets Weltlösung zu erfahren,
wobei sie mir bekannt zu sein scheint, aber ich kann mich irren.
Er könnte ein großes Labor haben, Werkstätten, Versuchsgelände,
Mitarbeiter aller Disziplinen. Sie, Berblinger, könnten es schaffen,
nach England zu fliegen über das Meer, auf einen anderen Kontinent.
Kommen Sie mit mir, heute noch. Umgeben Sie sich nicht mit Leuten,
die Pechvögel sind, die nur darauf warten, dass Sie scheitern.
Ich kann nicht mehr zurück!
Es sind mindestens 10.000 Menschen an die Donau gekommen, von überall her,
aus Böfingen, aus Wieblingen, aus Dillingen, aus Günzburg, aus Leibheim,
aus Blaubeuren und von der Alb. Ich bin hier geboren, die Leute kennen mich hier!
Viele haben mir am Michelsberg zugesehen. Ich kann jetzt nicht einfach abhauen!
Und was meinen Freund Degen betrifft, das ist der einzige Mensch,
der überhaupt etwas von der Sache versteht und der mir helfen kann.
Ich sehe immer nur Menschen, die ihr Geschäft mit uns machen wollen.
Oder solche, die darauf warten, dass wir uns das Genick brechen.
Ich arbeite nicht mit Leuten, die Pech haben. Das ist mein Prinzip.
Die vielen Leute...
Wenn man wüsste, ob das physikalisch irgendetwas verändert hat.
Du meinst, sie bilden einen Widerstand? - Vielleicht einen Temperaturunterschied.
Fesslen hätte das bestimmt durchblickt.
Du brauchst eine zusätzliche Kraft.
Vielleicht eine stärkere Wölbung der Flügel.
Wollen wir das versuchen?
Wir haben nur noch wenige Stunden.
(Jakob) Trotzdem. Die Leute glauben nur, was sie sehen.
Es ist möglich!
Es ist möglich!
Es wird gehen heute.
(Jubel und Applaus)
Wenn Er es fertig brächte, hinüberzufliegen, ernennt ich Ihn zum Geheimen Hofrat.
Aber vorher muss ich sehen, was Er kann. Ist Er Württemberger?
Mein Vater war es. - So, so.
Da besitzt er wohl auch etwas schwäbischen Humor.
Fliegt viel im Nebel umher, wie mir der Königliche Landbaumeister Atzel berichtet.
Bist du Soldat gewesen? - Nein, Hoheit.
Das wäre vielleicht gescheiter als fliegen. Na, was nicht ist, kann ja noch werden.
Gut, dann zeig Er mal den Ulmern,
wie es die Spatzen machen.
(Jubelrufe)
Was macht er, Eder?
Er trippelt langsam hin und her, geht in die Knie,
nimmt einen kleinen Anlauf, hält plötzlich an, geht zurück.
Es scheint, dass er den Wind überprüft.
Ach geh!
(Verächtliche Zwischenrufe)
Fritz, geh runter und sag, dass der Wind gerade ungünstig sei.
Wir müssen warten. Geh.
Komm her, Junge!
Was gibt es denn? - Dass der Wind soeben ungünstig sei.
Gut, geh!
Es scheint wieder wie gestern zu sein. Der Wind sei wieder falsch. - Oh Gott.
Wir sagen nichts.
Ruhig. Ruhig mal! - Jetzt seid doch mal ruhig!
(Anfeuerungsrufe)
Halt!
Eine Windböe.
Lasst los. Macht frei, geht zurück.
(Herzog) Will er uns wieder stundenlang warten lassen?
Der Schneider langweilt uns mit seinem Getue da oben.
Der Junge.
Komm.
Geh rauf zu deinem Meister und frag, ob die Störung nur vorübergehend
oder dauernd ist.
Die wollen unten wissen, ob es eine dauernde Störung gibt.
Ich kriege wieder keinen Wind unter die Flügel.
Im Gegenteil, er drückt mich nach unten.
Ich verstehe das nicht.
Ein außerordentlich starker Druck nach unten, wie ich das noch nie erlebt habe.
Soll ich das sagen? - Nein, warte noch.
Warum fliegt der Vogel nicht? Nicht genug Luft da oben?
Hoheit! Meine Flügel sind nicht in Ordnung. So bin ich wie ein angeschossener Adler!
Ein Adler! Er muss sich die Federn putzen.
(Zuschauer rufen) Was ist denn los, Berblinger? - Hast du die Hose voll?
Hast doch Schiss! - Flieg, Berblinger! Jetzt warten wir dann nimmer länger.
Ein Adler. Auf der Adlerbastei!
Der Berblinger ist doch kein Adler! - Adler, flieg!
Lass dich nicht irre machen, Albrecht. Bleib ganz ruhig.
(Zuschauer rufen) Adler, flieg! Adler, flieg! Adler, flieg!
Schneider, flieg! Schneider, flieg!
Ich bringe euch eine neue Mär, heute fliegt der Schneider Berblinger!
Die Ulmer schämen sich mit ihm.
Seid doch endlich ruhig! Ruhig da unten!
(Ein Aufschrei geht durch die Menge)
Albrecht! - Anna!
Albrecht! - Ich hab es gewusst.
Wo ist er denn? Er kennt doch unsere Stimmen.
Das hat er mit seinem Freund gemeinsam. Du wolltest ja auch allein sein in Paris,
als alles passiert war. - Ach Irma, das ist doch nicht wahr.
Du hast mich weggestoßen, nur weil ich wusste, wie verzweifelt du warst.
Weil ich gesehen habe, wie du weinst. - Albrecht!
Fliegen kann er nicht, bloß zittern, er war ja auch schon hinter Gittern.
Trau keinem, wo gesessen hat, und wenn er fliegt von Stadt zu Stadt.
Aha, ein Dichter!
Trotz seiner Dummheit will er fliegen und uns um unser Geld betrügen.
Das ist gut!
Zum Fliegen hat der Mensch kein Glied, das ist das Ende von dem Lied.
(alle) Der Schneider von Ulm hat das Fliegen probiert,
da hat ihn der Teufel in die Donau hineingeführt!
(Französisch) Halt!
Da liegt einer. Seht mal nach.
Zwei Mann genügen.
Lebt er? - Ja.
Wir nehmen ihn mit. In Russland braucht der Kaiser jeden Mann.
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