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* ruhiges Volkslied in Mundart * Halmerl, wiag di
Halmerl, biag di
Hutsch di Hutsch di
Fei im Wind
Gott behüat di
Gott bewirt di
Bist ja a seinigs Kind
Gott bewirt di ...
(Erzähler) 1918, am Ende des Ersten Weltkriegs,
führte die Revolution zum Sturz der Monarchien in Deutschland.
Es entstand die Demokratie der Weimarer Republik.
Unter den Kriegsfolgen litten Menschen
und Wirtschaft gleichermaßen.
Auch in Bayern endete die Herrschaft der Könige.
Mit der Revolution kamen für einen Moment
die Roten an die Macht.
Die Mehrheit aber sehnte sich
nach einer stabilen, autoritären Regierung.
Die Menschen lebten meist auf dem Land.
Regierung und hohe Politik waren für sie weit weg.
Der Alltag in Landwirtschaft und Handwerk bestimmte ihr Leben.
Sie mochten sich nicht einlassen auf das "A-bopa",
wie der Schustermeister Julius Kraus aus Lohfing
den Staat, die Obrigkeit und die Ämter zu nennen pflegte.
Er wollte mit all dem nichts zu tun haben.
Nur nicht einlassen damit.
(bayrisch) So ein früher Tod hat auch Vorteile.
(bayrisch) Wenn du meinst.
Ein guter Bürgermeister war er jedenfalls, der Rotholzer.
Wenn eigens der Herr Prior gekommen ist.
Dass du da drauf Wert legst, ...
das ist mir neu.
Entschuldigen Sie mich kurz, ja?
* Krähenkrächzen *
Es ist schön, dass du und dein Bub mitgekommen seid.
Ich freue mich immer, wenn ich den Kleinen sehe.
Und, hast du es dir überlegt, Elies?
Du weißt, das Testament der seligen Schwester deines Vaters
ist noch immer nicht erfüllt.
(bayrisch) Ich weiß es nicht, Herr Prior.
Der Herrgott wird es dir vergelten, und dem Kleinen auch.
(bayrisch) Nein, ich bleibe bei der Mama.
Die braucht mich, und der Opa auch.
Fährst du mit uns heim, Nachbar?
Der Knecht wartet mit dem Fuhrwerk beim Postwirt.
Und der Silvan?
Na, wo sich der rumtreibt, das weiß der Himmel.
Danke, Heingeiger, ich gehe lieber zu Fuß.
Ein bisschen Bewegung tut mir ganz gut.
* schallendes Gelächter *
(Mann, bayrisch) Krieg, Krieg und Soldaten.
Mehr fällt dir immer noch nicht ein, hm?
Wenn es nach dir ginge, dann hätten wir ewig Krieg.
Gut, dass du das nicht am Grab vom Rotholzer gesagt hast.
(bayrisch) Ach, halt das Maul. Das ist meine Sache.
Warum hast du ihm nicht das letzte Geleit gegeben?
Er war doch auch dein Bürgermeister.
Dem roten Teufel, dem weine ich keine Tränen nach.
Ich sage es ganz einfach:
In alter Treue: Hurra, Kameraden!
Jawoll! * Er lacht. *
Hurra, Kameraden.
(Mann 2, bayrisch) Da schau her.
Der ehemalige Feldwebel ist auch wieder da.
(bayrisch) Für dich immer noch Leutnant Heingeiger.
Wisst ihr, hinten in Brüssel war dem Herrn Leutnant Heingeiger
sein Krieg leicht auszuhalten.
So ganz weit hinter der Front, ge?
* Er lacht gefällig. *
Sagt wer? - Wir.
Wir. - Nein, ich habe es ihnen gesagt.
Kennst du mich noch? Ich bin der Allberger-Ludwig.
Dienstgrad?
Du, das Herumkommandieren ...
und der ganze Militärschwindel, das hört jetzt auf.
Merkst du dir das? - (Mann 1) Bravo, Ludwig.
Das ist ein Männerwort. Das hat Verstand.
Von wegen.
Feiglinge seid ihr. - Recht hat er.
Das sehen wir dann, ge?
Hey.
* Er ächzt. * Hey.
* Tumult * Hey!
Hör auf! - (Ludwig) Hast du mich verstanden?
Geh zurück, du blöder ...!
* Er schreit. *
* Er keucht. *
Gut gemacht, Ludwig.
Dein Vater, selig, ist auch ein fester Mensch gewesen.
Aber so bärenstark wie du ist er nicht gewesen.
(Elies) Geh zum Schuster.
Silvan! - (bayrisch) Willst du nichts unternehmen, Riedinger?
Ich bin nicht im Dienst. - Silvan! Silvan.
Komm, steh auf. - Du dumme Gans!
Ludwig. Was war denn? - (Ludwig) Nix.
Sauhund! Das Messer jage ich dir durch!
Lass bleiben jetzt!
(Silvan) Hund, schlechter!
Das bleibe ich dir nicht schuldig.
(Nachbar) Hör auf!
Lass mich los!
Komm, machen wir weiter.
* melancholische Gitarrenmusik *
(stockend) "Frauen und Männer des Bauernstandes,
um eure Sache geht es.
Denkt daran, was der verbrecherische Krieg
für Kummer und Leid über euch gebracht hat.
Darum erscheint in Massen, keiner darf fehlen."
* Die melancholische Gitarrenmusik läuft weiter. *
* Hahnenkrähen *
(bayrisch) Warum bist du nicht noch geblieben?
Für was denn? - War noch ganz gemütlich, die Leiche.
Dem Silvan geschieht es auch recht.
Der Ludwig, das ist ein guter Mann.
Die können stolz auf ihn sein, die Roten, Schuster.
Oder, was meinst du?
Habe ich es dir nicht immer gesagt, Kraus?
Immer habe ich dir gesagt, jetzt wird aufgeräumt.
Mit solchen Lumpen wie dem Silvan.
Wir wissen doch gar nicht, ob der Silvan einer ist.
Der ist erst zurückgekommen vor ein paar Wochen.
Nicht mal auf der Beerdigung von unserem alten Bürgermeister war er.
Dein Nachbar, der alte Heingeiger,
der wird ein schönes Kreuz mit ihm haben.
Und erst die Elies.
Wenn du mich fragst, es wäre besser gewesen,
er wäre ganz weggeblieben, der Silvan.
Wer jetzt wohl Bürgermeister wird nach dem Rotholzer?
Herrschaft, dass ich an das noch nicht gedacht habe.
Du machst das.
Schuster, freilich, du machst das. Du bist ein heller Kopf.
Herrschaft, dass ich an das nicht gedacht habe.
(Kraus) Bürgermeister wird bei uns immer noch ein Bauer.
Aber jetzt haben wir eine andere Zeit. Nach der Revolution.
Da können wir verschiedenen Herrschaften allerhand heimzahlen.
Morgen, beim Wirt,
das wird eine Riesenversammlung.
Der Ludwig hat alle angestiftet, die Arbeiter, Bauern, Weiber.
Alle wollen sie den Ludwig reden hören.
Kraus. Du wirst Bürgermeister.
Das wirst du schon sehen. * Die Tür schlägt zu. *
* entfernter Eulenruf *
Es hat sich ja viel verändert da, seitdem ich weg war.
Du bist also der Vormund von dem Peter von der Elies.
Das Kind von dem Russen. - Der Iwan war ein anstelliger Mensch.
Ach so. - Hat man ihm was gezeigt, war auf ihn Verlass.
Der war immer lustig.
Nichts war ihm zu schwer.
Gearbeitet hat er für zwei.
Sitzen gelassen hat er sie mit dem Bankert.
Dass der nicht bleiben kann, hätte sich das dumme Weib denken können.
Lieber ein Kind dazu kriegen, als einen Sohn im Feld lassen.
Aber da war ja bei dir keine Gefahr, wie man sich so sagt.
Die Leute haben nix zu essen, nix kriegst du mehr her in dem Kaff.
Nicht einmal ein ordentliches Leder für meine Militärstiefel
kriegt der alte Kraus noch her.
Und da setzt uns diese dumme Gans da so ein Russel ins Nest, ja?
Als ob wir noch ein Maul mehr stopfen könnten.
Nix geht dir ab, die Speisekammer ist noch voll.
Der Russenbankert gehört ordentlich aufgezogen.
Im katholischen Glauben.
Was ist jetzt mit dem Testament von deiner Schwester?
Die hat bestimmt, dass sie die Schule zahlt.
Wenn er zu den Pfaffen geht. - So weit ist es noch nicht.
Die Mönche täten den schon richten.
Und die Elies soll sich als Magd verdingen, Geld muss ins Haus.
Der Herr im Haus bin immer noch ich, und aus.
Die Elies und der Peter bleiben da.
Geh, bring dem Schuster seine Milch.
Nix! Die soll er selber holen.
Wer sind wir, dass wir dem Alten
noch das Zeug hinterhertragen?
Bringst du es in die Speis?
* Heingeiger seufzt. *
* Vogelzwitschern *
* Die Tür wird geöffnet. *
Schuster?
Was ist? Hast du verschlafen?
Wo fehlt es?
(Kraus) Überall.
Das Herz, das Kreuz,
ich meinem Alter fehlt es überall.
Soll ich einen Doktor holen? - Nein.
Ich bin halt nicht mehr der Jüngste.
Ich bin für nichts mehr gut, lasst dir das gesagt sein.
Falls wer fragt, als Bürgermeister tauge ich nicht.
Dann bleib halt liegen und sei krank, alter Mann.
Ich mache gleich unten die Kuchl.
"Die siegreiche Revolution,
welche die Gleichberechtigung
und das freie Wahlrecht der Frauen geschaffen hat,
ruft zur tätigen Mitwirkung auf.
Darum erscheint in Massen, keiner darf fehlen."
Das wird dem Silvan nicht gefallen. Mit den Roten hat er nichts am Hut.
Schon gar nicht, seit ihn der Ludwig auf die Straße gesetzt hat.
Seit der Silvan zurück ist, ist nix mehr, wie es war.
Er braucht halt Zeit, bis er sich eingewöhnt.
Er will, dass du dir deine Milch selber holst. - Aha.
Aber jetzt bist du ja krank, oder?
Lass, ich möchte nicht, dass du Ärger kriegst.
Gut siehst du aus. - Grüß dich. Servus.
Servus. - Grüß dich.
(Mann) Grüß dich, gut, dass du da bist. Servus.
Ja, da schau her, der Stelzinger.
Bist du jetzt auch gespannt, was es geschlagen hat?
Aufgeräumt wird.
Jetzt ist einfach eine andere Zeit. Jeder vernünftige Mensch sieht das.
Ich als Geschäftsmann gehe als Erster mit, wenn was Verstand hat.
(bayrisch) Grüß di.
Grüß di. - Grüß di.
(bayrisch) Meine Frau Anna sieht das genauso. - Mhm.
Grüß dich. Servus.
Man muss das nämlich richtig anfassen.
Servus. - Diesmal ist auch die Weiblichkeit nicht vergessen.
Tätige Mitwirkung. Na ja, das wird schon noch.
* Gemurmel *
* Ludwig räuspert sich. *
Als Bevollmächtigter, Delegierter
des Zentralrats der Arbeiter, Soldaten und Bauern
übermittele ich euch, der Bevölkerung meines Heimatgaus,
brüderliche und revolutionäre Grüße.
Wir Rotgardisten, wir sind keine Räuber
und wir sind keine Banditen.
Die rote Armee verteidigt bloß die Errungenschaften der Revolution.
Wir kämpfen für gleiche Rechte und dafür,
dass unser Land bald wieder in Schwung kommt.
Bauernleute meiner Heimat, jeder von euch kennt mich.
Ich versichere euch,
der Zentralrat hat kein Blutvergießen gewollt.
Aber eine elendige Sippschaft
aus Meuchelmördern, reaktionären Verschwörern
und politischen Schiebern
hat den Kampf provoziert
und preußische Landsknechtbanden in unser Land gerufen.
(Menge) Buh!
(Ludwig) Bauern, wir fordern und wir hoffen,
dass die Bevölkerung unsere Verteidigungslinien
mit den notwendigen Lebensmitteln versorgt.
* Applaus *
* Schritte, Bellen *
Der alte Heingeiger will übermorgen
den Gemeinderat einberufen lassen.
Die Formalitäten für die neue Bürgermeisterwahl
und den Beigeordneten müssen ausgemacht werden.
Ist auch ein Fleisch.
Heute nimmt man jeden Bissen. - Was willst du denn damit sagen?
Wer kein eigenes Viech hat, kriegt auch bei dir nichts mehr.
So weit ist es schon.
Dass wir nur vor dem Bier sitzen, anstatt mit einem Schwein dazu.
Im Dorf sind viele dafür, dass der Schuster Beigeordneter wird.
Womöglich Bürgermeister. - Der ist doch krank.
Hat mir heute in der Früh die Elies erzählt.
Schaut wohl nicht gut aus. - Der wird schon wieder gesund.
Der Schuster kann gar nicht aufgestellt werden.
Der ist doch nicht von hier.
Nach unserem Landrecht ist jede Gemeinde befugt,
einen fremden Menschen, der in ihrer Gemarkung sesshaft ist,
zu einem vollberechtigten Gemeindemitglied zu machen,
wenn dieser über viele Jahre durch ein ordentliches Aufführen
und seine gesicherte Existenz den Beweis erbracht hat,
dass eine solche Zuerkennung kein allzu großes Risiko bedeutet.
Das passt doch.
Derjenige müsste aber unter Berufung
auf einige alteingesessene, angesehene Bürger
um Aufnahme in der Gemeinde nachsuchen.
Hörst du mich? Hat er aber nicht gemacht, der Kraus.
Er hat sich nie beworben.
Genau genommen ist er gar kein Bürger unserer Gemeinde,
der Schuster.
Geh, so ein Schmarrn.
Von wegen.
* Grillenzirpen *
* Glockenschellen, Muhen *
* Muhen *
Hey!
Ho, ho. Hey.
Ho.
Ho.
Obacht.
* Glockenschellen *
Du kannst wieder aufstehen.
Die Bürgermeisterwahl ist ausgemacht.
Der Gemeinderat wird sich wahrscheinlich
für meinen Vater entscheiden.
Und als sein Stellvertreter und Schriftführer kann es sein,
dass sie den Stelzinger wählen.
Warum hast du dich nie angemeldet bei uns im Dorf?
Wozu?
Ich will von niemanden was
und ich tue keinem ein Unrecht, aus.
Du wärst ein anständiger Bürgermeister geworden.
Ja. Ich bin froh, dass es nicht so ist.
Da holt man sich keine Feindschaft.
Und gesund bleibt man auch.
Ja, gut, geht schon.
Nix. - Ich habe einen.
Gut. - Na ja ...
Ich tue mich leichter, wenn du zuerst spielst.
Boah. Wie oft war das? - Dreimal oder viermal.
So nicht. - Ich weiß nicht, was heute ist.
Nix war das. Das war nichts.
(Frauenchor, ruhig, in Mundart) Gscheit sei
Net einidappn
Gscheit sei, net einidappn
Es steckt oft da Fuchs
In da Zipfikappn
Gscheit sei, net einidappn
Gscheit sei, net einidappn
Frisch sei, net ummamuckn
Frisch sei, net ummamuckn
Und geht a dei Häusl
Und d'Liab in Brockn
Frisch sei, net ummamuckn
Frisch sei, net ummamuckn ... * Steineknirschen *
Treu sei, net aussigrosn
Treu sei, net aussigrosn.
* Motorknattern *
Ich bin froh, dass du die Wahl angenommen hast.
Wurde auch Zeit, dass wir wieder einen Bürgermeister haben.
Das war knapp. Ein paar Stimmen mehr, und du hättest gewonnen.
Das wäre mir auch recht gewesen.
Jetzt machst du mal den Beisitzer, und dann schauen wir weiter.
Wer kann heutzutage schon sagen, was in ein paar Wochen los ist?
"Juden wiegeln das Volk auf.
Juden drängeln sich überall an die Spitze."
So ein Blödsinn.
Die Juden haben doch immer nur Viech gehandelt.
Und Viech gibt es auch keins mehr. - Nix hat sich verändert.
Freistaat Weimar. Immer schlimmer wird es.
Aber wir zwei, wir halten unser Geschäft zusammen, Bürgermeister.
Dein Wort in Gottes Ohren. - Ach was.
Da ist es immer dasselbe, A-bopa. - A-bopa?
Was heißt das immer, Schuster? Was meinst du denn damit?
A-bopa? Na ja, immer derselbe Schwindel.
Du hast das gescheit gemacht, Kraus.
Du hast dich nie um Politik gekümmert.
Du bist auf keine Veranstaltung gegangen. Du hast nie gewählt.
Recht hast du. Ganz recht.
Dass sich da droben nix ändert,
das kommt davon, weil lauter Landfremde in der Regierung sitzen.
Heingeiger, wo ist denn dein Enkel?
Ich hätte für seine Eisenbahn was zum Anhängen.
Gern magst du den Bub?
Der Ludwig hat um die Hand
von meiner Julie angehalten.
Einen besseren kann sie nicht finden.
Was ist denn mit dir, Schuster?
Ja, du bist doch auch allein.
Von deinem Sohn hörst du doch auch nix mehr. - Ja, und?
Was soll er groß schreiben aus Übersee?
Geld wird er machen da drüben. Dollars!
* Windrauschen, Vogelzwitschern *
Womit kann ich dienen, Bürgermeister?
Jetzt lass das mit dem Bürgermeister.
Ich wollte das Amt nicht. Das weißt du genau.
Aber die Leut' wollten Stelzinger nicht,
dann haben sie mich gewählt.
Es stand auch kein anderer zur Verfügung.
Warum hast denn du nicht gewählt?
Wie du gesagt hast.
Ich halte mich raus aus der Politik.
Was hast am Herzen, Nachbar?
Ich bin doch auch so was wie dein Freund.
Kannst du einen Brief schreiben?
Ich habe schon was hingeschrieben, aber ...
Du hast das immer besser können.
* Er seufzt. * Silvan will sein Erbteil.
Eigentlich will er den ganzen Hof.
Jetzt wo ich Bürgermeister bin, erst recht.
Er will hier nicht den Bauernknecht machen, sagt er.
Er hat Höheres vor.
Der Oberholzer aus Penzberg will meinen Hof kaufen, ausgerechnet.
Deinen Hof? - Der Silvan steckt dahinter.
Das ist eine ganz dreckige Geschichte,
der man ganz schnell den Garaus machen muss.
Dieser Dreckhammel kommt mir nicht ins Dorf.
Und auf meinen Hof schon gar nicht. Warum soll ich denn verkaufen?
Und wohin kommt dann die Elies?
Und das Russel?
Du schreibst den Brief, oder? Ich unterschreibe dann nur noch.
Du weißt, ich mische mich ungern in anderer Leut' Sachen.
Ja, du mischst dich ja gar nicht ein.
Das Ganze geht dich gar nix an.
Wer den Brief geschrieben hat, erfährt kein Mensch.
Ja.
Ich würde mich auch erkenntlich zeigen.
Ich will keine Erkenntlichkeit.
Und ich sage dir jetzt, du kannst dich auf mich verlassen.
Dein Leben lang.
* Kritzeln, entfernter Frauengesang *
* Der Frauenchor jodelt getragen. * Djie di ei ho ...
Alperer, Alperer
Ho
Djie di ei ho ...
Djie di ei ho
Djie di ei ho.
* Schritte, die Tür wird geöffnet. *
* Der Gesang bricht ab. *
Wo ist dein Sohn, Allbergerin?
Der wird gesucht wegen Aufwiegelei und Volksverhetzung.
Nix! Er ist ausgeflogen!
Wir kommen wieder. Das kannst du dem Ludwig sagen.
Da kann er sich sicher sein, ja?
Weitermachen.
* Hufgetrappel *
* Glockenläuten *
Die Roten sind auf dem Vormarsch.
Die Freikorpsler rücken nach, auch Regierungstruppen.
Haben das die Brüder vom Kloster Ettal berichtet?
Sie sagen aber auch, dass die Roten retirieren,
weil die Freikorpsler sie vor sich hertreiben.
Die treiben die Aufständischen zusammen.
Den Roten geht es an den Kragen, sagen sie.
Eine Unordnung ist das.
Rote, dann Freikorpsler.
Ja, wer flieht denn da vor wem?
Also Türen und Fenster verriegeln.
Wenn wir hier zusammengeschossen werden, wer steht dann dafür ein?
* Glockenläuten * Also los.
Hoffentlich kommen die nicht zu uns noch ins Dorf.
Der Kugler ist schon fort, der Ludwig auch.
Der Silvan war beim Ludwig, wollte ihn persönlich abholen.
Seine Mutter und wir Frauen haben uns nicht einschüchtern lassen.
Schmeckt es dir nicht? - Doch, doch.
* Sie seufzt. *
Der Silvan gibt keine Ruhe.
Den Vater nimmt das alles mit.
Ich weiß nicht, wie lange der das noch durchhält.
Jetzt ist er auch noch Bürgermeister geworden.
Ja.
Das ist das A-bopa.
Das verschont keinen, der sich darauf einlässt.
Gib das deinem Vater.
Er weiß Bescheid.
Geht es um den Oberholzer?
Der soll den Hof kaufen, wenn es nach dem Silvan ging, oder?
Das Silvan möchte kein Bauer sein in Zukunft.
Mein Buben und mich möchte er loswerden.
Der Oberholzer muss wissen,
dass der Silvan da nichts zu bestimmen hat.
Der Vater schaut schon auf dich und auf deinen Buben.
Du musst dir keine Sorgen machen.
* Klopfen *
Was gibt es?
Wollen die Herren zum Bürgermeister? - Aber natürlich.
Also, Herr Bürgermeister.
Bist du nicht ganz richtig im Kopf? - Na.
Nun aber mal Deutsch geredet.
Was ist vorgefallen? Unteroffizier, melden Sie.
(bayrisch) Als die Rotgardisten flohen,
haben sich einige Ihrer Dorfleute versteckt.
Auch Ihr Gemeindediener Kugler.
Als Bürgermeister haben Sie dafür zu sorgen,
dass das rote Subjekt sich stellt.
Das sehe ich aber anders.
Als Gemeindediener hat sich Kugler nichts zuschulden kommen lassen.
Demzufolge: Sucht ihn doch selbst.
Na, das ist aber nett.
Für die Roten Partei ergreifen.
Wie heißen Sie denn? - Silvan Heingeiger.
Vom Heingeigerhof. - (Stelzinger) Herr Hauptmann.
Der Herr Bürgermeister war immer ein Ehrenmann.
Haben Sie einen Sohn gleichen Namens?
Heingeiger? Silvan?
Tüchtiger Kerl.
Leutnant Heingeiger. Freikorps Oberland.
Warum sagen Sie das denn nicht gleich?
* Heingeiger seufzt. *
* Motorbrummen *
* Kraus seufzt. *
* Rumpeln, Klirren *
* Eine Tür wird geöffnet. *
* Klirren *
Ich bin es, der Ludwig.
Schuster? Das vergesse ich dir nie.
Mensch, das geht doch nicht.
Da sind wir doch alle zwei verloren. - Das geht schon.
Das muss gehen.
Du kannst doch nicht wollen,
dass sie mich auch zusammenschießen wie so einen Hund.
Du bist doch nicht für diese Banditen.
Kein rechtschaffener Mensch ist für die.
Hat dich wer gesehen?
Die Freikorpsler waren gerade drüben beim Heingeiger.
Niemand.
Für so saublöd kannst du mich nicht halten.
Und dass ich nicht zu meiner alten Mutter gehe, das begreifst du auch.
Ja, freilich. Ich hätte auch zu allen anderen gehen können.
Und außer dem Stelzinger hätte mir jeder im Ort geholfen.
Garantiert, aber weißt du,
nirgends fällt es so wenig auf wie bei dir.
Oder bist du jetzt auch bei den Freikorpslern?
Bist du auch ein Wendehals wie der Stelzinger?
Ich bin für überhaupt niemand.
Ich habe mich nie eingemischt. Begreift ihr das nicht?
Mensch, Kraus.
Einen Hunger habe ich wie ein Wolf. Hast du nix da?
Doch, schon. Schon.
Herrschaftszeiten, hast du so eine Angst? - Angst?
Das ist doch kein Spaß.
Unsereins zahlt immer drauf am Schluss.
Wen meinst du denn da?
Unsereins.
Du gehörst doch zu unserem Dorf wie jeder andere auch.
Ja.
Ich schaue jetzt, dass sie was zum Essen finde.
Und du gehst hinauf auf den Dachboden.
Da kann nur ich hinauf, sonst niemand.
Danke.
* melancholische Gitarrenmusik *
* Grillenzirpen *
* Er seufzt. *
* entferntes Bellen *
(Kraus) Ich bin so froh, dass du das nicht mehr erleben musst.
Alles geht drunter und drüber.
Guten Morgen, Schuster.
Guten Morgen.
Hast du es schon gehört? - Was?
Die vom Freikorps haben den Kugler mitgenommen.
In der alten Werkshalle in Erlstett haben sie dann
die roten Aufwiegler standrechtlich erschossen, ohne lang rumzumachen.
Den Kugler auch.
Den Kugler?
Aber der war doch Gemeindediener.
Hat der Heingeiger da nichts machen können?
Der Heingeiger?
Der hat doch selber Glück gehabt.
Wenn es Silvan nicht gäbe, hätten sie den auch mitgenommen
wegen Parteinahme.
Und dein Vater? Hätte der nichts erreicht?
Der.
Die Angst.
Der hat keinen Charakter mehr, wenn du mich verstehst.
Und der Ludwig?
Was wird mit dem sein?
Ob sie den auch gefunden haben?
Für dich ist Post im Laden.
Ist heute gekommen aus Übersee von deinem Sohn.
Hat der Vater gemeint. Da werden Dollar drin sein, sagt er.
Danke dir.
Der wird schon wieder auftauchen, der Ludwig.
Und wenn sie ihn auch erschossen haben?
(Kraus, stockend) "Lieber Vater, vielleicht lebst du noch,
und dich erreicht dieser Brief.
Es ist so lange Zeit,
und ich bin so schlecht zu dir gewesen,
habe dich zurückgelassen.
Wenn ich kann einen Job bekommen, ich will gutmachen.
Im Moment geht es mir sehr schlecht.
Habe keinen Cent und wochenlang kein Essen.
Wenn du kannst, hilf mir und send a little money.
Ich will zahlen und mehr, wenn ich wieder habe.
Bitte Dollars schicken.
Dein Sohn Hans.
Sorry für alles."
* melancholische Gitarrenmusik *
* Gelächter, Gemurmel *
(bayrisch) Ich möchte meinen Mann sehen,
den Kugler aus Lohfing, den ihr erschossen habt.
Der Gemeindediener Kugler.
Bring sie nach hinten.
* gedämpftes Gelächter, Gemurmel *
* Glockenläuten *
* gedämpftes Gelächter *
* melancholische Gitarrenmusik *
* Die melancholische Gitarrenmusik läuft weiter. *
(Ludwig) Kannst du auch nicht schlafen?
Kraus.
Ich will dir nichts.
Nur an deiner Stelle täte ich das ganze Zeug
ganz schnell wieder verstecken.
Ach, ist das von deinem Buben?
Abgehauen ist er, ge?
Jetzt braucht er Geld.
Na ja.
Aber er ist halt immer noch dein Bub, ge?
* Ludwig lacht. *
Lemberg.
Kommst du von daher?
Ich habe gesagt, du sollst auf dem Dachboden bleiben.
Von mir erfährt niemand was.
Davon nicht und auch nicht, dass du mir geholfen hast.
Morgen früh bist du mich los.
Und jetzt muss ich auf Klo.
Hast du einen Hunger? - Ja.
Den Kugler haben sie erschossen. Drinnen in der Stadt.
Was ist jetzt? Ich habe immer noch einen Hunger.
(Heingeiger) Dass der Kugler tot ist, das ist ein Schande.
Weißt du was, Schuster? Das kann ich jetzt nur dir sagen.
Wenn ich ehrlich bin, ich will kein Bürgermeister mehr sein.
Die Militärischen aus der Stadt,
das A-bopa, wie du immer sagst ...
Wenn sogar die keinen Respekt mehr vor einem Bürgermeister haben
und nur wegen dem Silvan, diesem Nichtsnutz, eingelenkt haben,
wo soll denn das noch hinführen?
Leder willst du kaufen?
Du hast recht.
Ein Geld muss reinkommen.
Bevor die Herrlichkeit endgültig ein Ende hat.
Das wissen Gott sei Dank die meisten ja noch nicht.
Aber dir kann ich es ja sagen, du redest ja nix.
Es wird, soviel ich weiß, ...
sich mit unserem Geld was ändern.
Turboinflation.
Aha.
Der Oberholzer hat sich gemeldet auf deinen Brief hin.
Der hat jetzt verstanden, dass er den Hof nicht kaufen kann.
Danke dir.
Dann wird der Silvan jetzt Ruhe geben.
* Hufgetrappel *
* Er schnalzt. * Hü.
* Taubengurren *
Wiederschauen. - Wiederschauen.
* Die Tür wird geschlossen. *
(Sulerschmid) Noch bissel polieren, dann taugt das.
Grüß Gott.
Grüß Gott.
Ah, jetzt erkenne ich Sie erst. Herr Kraus aus Lohfing, oder?
Bitte. Was führt Sie zu mir?
Ich hätte was zu verkaufen, Herr Sulerschmid.
Ja, lassen Sie mal sehen, bitte. Wenn ich es brauchen kann, gern.
(Sulerschmid) Danke.
Ah, Silberbesteck.
Herr Kraus, Silber wird im Moment sehr viel angeboten.
Ich brauche es eigentlich nicht.
Aber weil es Sie sind, Herr Kraus.
Ah.
Alte, solide Sachen aus guten Zeiten.
Familienschmuck?
Das ist jetzt schon eher was.
Herr Kraus, ich frage Sie jetzt nicht, was Sie dafür haben wollen.
Solche Judenhandelsschaften, ja, die gibt es bei mir nicht.
Dafür birgt Ihnen
der gute Ruf meines Geschäfts.
Aber das wissen Sie ja.
Aus Lemberg ist die Uhr.
Stammen Sie von der dortigen Gegend?
Lemberg? - Mhm.
Nein.
Die Uhr habe ich übernehmen müssen, für eine unbezahlte Rechnung
vor einiger Zeit.
Das muss aber eine ordentliche Schusterrechnung gewesen sein.
Kann ich Dollars haben dafür? - Dollar?
Nein.
Ich habe keine Dollar, Herr Kraus.
Dollar gibt es in der Vereinsbank, und die hat ja jetzt schon zu.
Und ob Sie da überhaupt welche kriegen, das ist eine andere Frage.
Ich brauche Dollars, ich muss sie haben.
Dann müssen Sie zu einem jüdischen Halsabschneider gehen.
Na ja, das hört sich bald auf jetzt.
Tut mir leid, Herr Kraus.
Wiederschauen.
Wiederschauen, Herr Kraus.
Lemberg.
Was ist?
* Vogelzwitschern *
* Summen *
Was schleichst denn du hier rum?
Ist das der Hof vom Silvan Heingeiger?
Jedenfalls nicht vom jungen.
Der Herr im Haus bin ich.
Ich will bloß was hinterlassen.
Ihr Sohn ... Silvan Heingeiger, nicht wahr?
Der hat nämlich ein Darlehen bei mir aufgenommen.
Weil er ja, wie ich grundbuchamtlich festgestellt habe,
einmal den Hof kriegt, nicht wahr?
* Heingeiger schnaubt. * So weit ist es noch lang nicht.
Nur damit das klar ist. - Auf 1.000 Mark.
Achtprozentig verzinsbar.
Zahlbar Anfang November.
Haben Sie mich nicht verstanden?
Ich will den Heingeiger-Bauern natürlich nicht drängen.
Ich will bloß, dass Ihr Herr Sohn den Zahlungstermin kennt.
Das geht mich gar nix an.
Und erben tut der Silvan noch lange nicht.
Und die Elies, seine Schwester mit ihrem Buben, ist auch noch da.
Adjes beieinander.
Danke schön, Elies.
Handele dir wegen mir keine Schwierigkeiten ein.
Wenn der Silvan zurück ist,
weiß ich eh nicht, ob ich noch rüberkommen kann.
Wo ist er denn, der Silvan?
In Erlstett bei den Oberländern.
Ich habe mit der Julie vom Stelzinger geredet.
Die würde dir den Haushalt machen.
Nein, da rein kommst nur du, sonst niemand.
Das meinst du jetzt nicht ernst.
Ich bin ein alter Mann.
Ich würde dich heiraten, Schuster.
Aber verstehst du ... Mehr so als Haushälterin.
Das versteht sich von selbst. - Aber amtlich.
Und mögen tun wir beide uns ja schon auch, oder?
Und ...
Und der Peter hätte ...
Der hätte dann einen Vater.
Und müsste nicht zu den Geistlichen.
Gib mir ein bisschen Zeit.
Anmelden müsstest du dich vorher noch im Gemeindeamt.
Für dich mache ich das.
Und jetzt musst du wieder heim.
Falls der Silvan kommt.
* Gemurmel *
* Räuspern *
(Mann) Jetzt.
Und was hast du jetzt vor? - Nix.
* Silvan lacht. *
Wie geht es denn daheim? Wie kommt ihr denn aus miteinander?
Auskommen.
Ich kann mich nicht beschweren. Keiner legt mir was in den Weg.
Früher oder später wird der Vater den Hof verkaufen müssen.
Aber er will es auch so. - Soso.
Da habe ich ganz was andres gehört. - So?
Ja. Du willst den Hof verkaufen. - Oh.
Ja. Du brauchst Geld. - Mei, wer braucht das nicht, ge?
* Silvan lacht. *
Und dass du heiraten willst.
* Silvan lacht herzlich. *
Sagt man sich das auch?
Mei.
Jünger wirst du auch nicht mehr.
Wird Zeit bei dir.
Von was soll ich heiraten?
Unser ganzes Geld ist in der Inflation wegschmolzen.
Wir Bauernleut' sind nie ganz verloren,
wenn einer schaut, dass auf seinem Hof richtig gewirtschaftet wird.
Die Elies, deine Schwester, die kann arbeiten.
Da schau dir ein Stück ab. - (abfällig) Hm.
Ich packe es jetzt.
Warte.
Was ist jetzt? Bist du dabei bei uns?
Ich weiß nicht, ob ich bei euch mitmache.
Sei mir nicht böse.
Aber das hier ist nicht meine Welt.
Dann verreck doch auf deinem Hof.
Die Zukunft wird hier geschrieben.
Ja.
* Er klopft auf den Tisch. *
(Mann) Die nervt? - (Mann 2) Die nervt.
* Silvan schnieft. *
(Mann 2) Lass es doch sein. - (Mann) Warum denn?
(Mann 2) Um die Zeit. Die haben die ganze Nacht durchgezecht.
(Silvan) Xaverl.
Komm mal her zu mir.
Ich habe was mit dir zu reden.
Leutnant, was gibt es?
Hock dich mal hin.
Das bleibt jetzt unter uns, klar?
Es geht um meine Schwester, die Elies.
Die muss weg.
* Gekicher, Stimmengewirr *
Weißt du was? Vielleicht der Bertl?
Der muss herhalten, das ist genau der richtige Mann für so was.
Der kümmert sich um deine Schwester, da hat der Freude dabei.
Gut.
* Motorknattern *
* Glockenläuten *
* Die Türglocke schellt. *
Was wollen Sie dafür?
Nur Dollars.
Lemberg.
Meine Schwester hat da gewohnt.
Mit ihrer Familie.
Hat es nicht überlebt,
das Abschlachten vor fünf Jahren
1914, ...
wie die Russen gekommen sind.
30 Dollar.
Mir wurde schon mehr geboten.
35.
Lemberg.
Ich denke oft an meine Schwester.
40 Dollar.
Schuster, spring rein, Nachbar. - Danke schön, ich laufe lieber.
Aha. Wo kommst du denn her?
Aus Erlstett, Leder bestellen. Das kriegst du ja sonst nirgends.
Ich wünsche dir einen schönen Tag, Silvan.
Du hast sicher viel zu tun. - Jaja.
Wenn man so fleißig und zufrieden ist wie du, da fehlt es an nix.
Da kann man sogar in diesen Zeiten Leder bestellen.
Ganz so ist das nicht, du kannst mir glauben.
Ah.
Hast du schon gehört? Wir wissen jetzt, wo der Ludwig ist.
Ach so.
Wo denn?
Amtsgeheimnis. Verstehst du?
Dem wird jetzt der Prozess gemacht.
Besser, die alte Allbergerin lässt schon mal eine Messe für ihn lesen.
Für ihren so sauberen Sohn, die alte Revolutionstrommel.
Jetzt spring schon rein. Schone deine alten Haxen.
* Motorknattern *
Gefällt es dir, Schuster?
Das Leben kann schon schön sein, hm?
* sakraler Männergesang *
Schön, dass Sie gekommen sind, Herr Bürgermeister.
"Bürgermeister" können Sie sich sparen.
Mandat ist Mandat, mitgefangen ist mitgehangen.
Sie haben mich nicht herbestellt, um mir das nahezubringen.
Lieber Heingeiger, Sie wissen, warum ich Sie gerufen habe.
Das Testament Ihrer Schwester ist noch immer nicht erfüllt.
Dabei hat sie alles geregelt.
Ihre Schwester, Gott hab sie selig,
ist damals vor ihrem Tod auf unser Anraten
einem strengen, frommen Orden beigetreten.
Was sie schon zu Lebzeiten eine ganze Stange Geld gekostet hat.
Der Glaube hat ihr viel Halt gegeben
in ihren letzten Jahren.
Eine arme Seele war sie trotz ihres Geldes.
(Heingeiger) Sie brauchen nicht weiterreden.
Das Testament lautet klipp und klar
zugunsten der "Brüder in Jesu".
Das heißt,
einen großen Teil hat sie ja
für das Studium des kleinen Peter ausgesetzt.
Aber nur, wenn er Geistlicher wird.
Ansonsten fällt auch diese Summe noch unserem Kloster zu.
Zu guten Zwecken. - Erbschleicher.
Jetzt gönnen Sie Ihrem Enkel doch eine gute Ausbildung.
Jetzt, wo er in die Schule kommt, braucht er Führung.
Geistige Führung.
Der Peter ist kein Geistlicher, das passt doch gar nicht für den.
Diese Hurenpaffen, diese Erbschleicher, diese schleimigen.
Sei vorsichtig, sonst hängen sie dir Ehrenbeleidigung an.
Die haben schon einen Anwalt eingeschaltet.
Aber wenn die glauben, ich einige mich mit diesen Erbschleichern,
dann haben sie sich geschnitten.
So ein Studium wäre vielleicht gar nicht schlecht für den Buben.
Deine Schwester hat gewusst, wie sie es dir heimzahlt.
Aber nicht auf dem Rücken vom Russel.
Wie soll man aufkommen gegen die Heiligkeiten?
Es braucht bloß keiner mitmachen bei dem ganzen Schwindel.
Nur so kann man denen das Handwerk legen. - Wie meinst du das jetzt?
Wenn alle aus der Kirche austreten,
dann wäre es gleich aus mit der Pfaffenherrlichkeit.
Sagt der Silvan, oder?
Ja, da sind wir wenigstens mal einer Meinung.
Jedenfalls wird der Russel kein Pfaff.
Aus, Ende, Amen.
Wow. * Silvan lacht. *
Anscheinend hat er wenigstens Mitleid mit dem Buben.
Oh!
Allez!
(Frauenchor in Mundart) Jagersbua, sog ma
Wo bist so lang gwesn?
Hob di scho Gwiß zwoa Wocha net gsehgn
Sennerin, schau Auf de Gams bin i ganga
Bin auf da Schneid umanand glengn
Denn Gamsei de schiaß i gern
De san mei Freid und
Do bin i am liabstn
Wo's Gamsei gnua geit
Jager, woaßt wohl Und i will dir was sagn.
Seid ihr nicht gescheit?
Wo ist das Kommunistenschwein? - Was fällt denn euch ein?
Hinterausgang?
* Schritte *
* Er seufzt. *
* Bellen *
(Soldat) Ah, da ist ja unsere Kommunistensau!
* Ludwig ächzt. *
* Er keucht. *
(Pfarrer) Allmächtiger Vater,
wir danken dir, dass du Maria so wunderbar begnadet hast.
Sie ist die unversehrte Jungfrau.
Wir danken dir, dass du sie uns zum Vorbild gegeben hast.
Gottes ewiger Sohn, wir freuen uns,
dass du Maria zu deiner jungfräulichen Mutter erwählt hast.
Wir danken dir, dass du sie uns zur Mutter gegeben hast.
Gott, Heiliger Geist, wir loben dich und danken dir,
dass du Maria mit deiner Liebe beschenkt hast.
Unter deinen Schutz und Schirm treten wir, heilige Gottesmutter.
Verschmähe nicht unser Gebet in unsere Nöten,
sondern errette uns jederzeit aus allen Gefahren.
Oh, du gebenedeite Jungfrau,
unsere Mittlerin, unsere Fürsprecherin, Amen.
Amen.
Sag mal, Peter.
Wie viele Tage sind eigentlich zwei Wochen?
14 Tage, warum?
Ja.
Und vier Wochen, wie viele Tage sind das?
Das sind ...
Es sind ...
28 Tage, Schuster.
Ja, 28 Tage.
Fast ein Monat.
Da könnte ein Brief schon da sein, müsste eigentlich jeden Tag kommen.
Was für ein Brief?
Ein Brief von meinem Sohn.
Gut lernst du.
Jetzt wird die Kirche bald aus sein.
Und die Uhr kennst du auch schon?
Was willst du eigentlich werden, so ein gescheiter Bub wie du?
Meiner Mama helfen.
Der Silvan sagt, ich soll studieren.
Ich will aber nicht weg. Nie.
Bei mir in der Werkstatt gefällt es dir auch?
Ja.
* Glockenläuten *
Grade fleißig bist du, Elies.
Ich habe dich schon ein paarmal gesehen
im Holz draußen die letzten Wochen.
Wie ein Mannsbild kannst du arbeiten.
Ist schon gut, Bertl. - Elies.
Mit dir wäre ein Mannsbild gut versorgt.
Ja? Ich habe kein Verlangen danach.
Dass du dein Lebtag die Dirne machst
und dem Schuster noch den Haushalt, das verstehe ich nicht.
So was ist meine Sache.
Was glotzt du mich denn so an?
Mei.
So einem sauberen Weib wie dir schaut man gern zu.
Damischer Kerl, damischer.
Lass mir meine Ruhe.
Was hast du es denn gar so eilig?
Heim muss ich.
Ich hab's mit dem Vater ausgemacht, dass ich direkt heimkomme.
Und du, wohin geht es bei dir?
Auch heim zur Stallarbeit.
Aber lange bin ich dann nicht mehr beim Moser.
(Elies) Warum magst du nicht mehr bleiben?
(Bertl) Na ja, man will sich ja mal selbstständig machen.
Aber die Vogelreuters suchen einen Verheirateten.
Die Frau soll die Köchin machen.
So.
Elies.
Ich bin kein schlechter Mensch.
Ich wollte dir schon lange was sagen.
Elies ... - Meine Ruhe lass mir, bitte.
Ich tue dir doch nichts. - Was willst du denn?
Gar nichts. Eine mit einem ledigen Kind braucht sich nicht so zieren.
* Sie ächzt. *
* Er atmet schwer. *
* Vogelzwitschern *
* Vogelzwitschern, Spechthämmern, Krähenkrächzen *
* Windrauschen *
* Vogelzwitschern *
* Sie atmet seufzend. *
* Eine Tür quietscht. *
Elies!
Elies?
Was ist denn mit dir?
Was ist denn passiert?
* Muhen *
Was ist denn, Elies?
Was ist passiert?
Was hast du denn?
(Heingeiger) Sag doch was, Elies.
Peter, lass uns allein.
Deine Mutter und mich.
Jetzt sag mir, was passiert ist.
Red mit mir.
(schwach) Der Bertl.
Der Bertl war es.
Der Bertl, wo ist denn der Sauhund? - Heingeiger, ist was passiert?
Der Bertl, dein Knecht? - Der Bertl?
Der kam nicht zur Stallarbeit. - Der hat meine Elies notzüchtigt.
Ich bringe den um! - Ich habe es mir schon gedacht.
Dass der nichts Gutes plant.
Wo er doch beieinander war mit dem Tratzelberger-Xaverl.
Und mit meinem Silvan, habe ich recht? - Ja, schon.
Aber der Silvan muss den Kerl von Anfang an nicht mögen haben.
Seitdem der Silvan und der Xaverl miteinander Freunde sind,
haben die den Dreckhammel abgewimmelt.
Den schlage ich nieder, wenn der kommt.
Der hat sein ganzes Zeug da. - Ich habe den Gendarmen gerufen.
Mach dir die Hände nicht schmutzig. Der Kerl kommt nicht weit.
* Wiehern *
* Steineknirschen, Hufgetrappel *
Gibt's was? Ich habe gedacht, du bist schon im Bett.
Wo hast du denn deinen Freund? Den Bertl?
Der Bertl?
Das ist nicht mein Freund, ich habe mit dem nix zu tun.
Soso. - Die Kerl ist mir seit jeher zuwider.
Ekelhaft direkt.
Was ist mit dem? - Der hat nach dem Kirchgang die Elies notzüchtigt.
Diese Drecksau.
Habt ihr ihn schon gefasst, das Schwein?
Der geht ins Zuchthaus, direkt.
Wenn der mir unter die Finger kommt, ich erschieße ihn.
Aber dass der Xaverl sein Freund ist, das weißt du doch, oder?
Tja, ja, möglich.
Faktisch hat er ihn nicht leiden können.
Der hat sich so drangehängt wie so eine Wanze.
Ist schon recht.
Hast du geglaubt, wir finden dich hier nicht?
Ich weiß gar nicht, was du hast, Riedinger.
Da sitzt man am Klo und wird von deinen Wachleuten verhaftet.
Wo gibt es denn so was?
Wir erhielten telefonisch in aller Herrgottsfrüh einen Hinweis.
Dass du bestimmt beim Postwirt deinen Rausch ausschläfst.
Ja, und?
Das war nicht das erste Mal.
Darf man das nicht?
Du sollst dich an der Heingeiger-Elies vergangen haben.
Wer sagt denn das? Das kann doch jeder einfach behaupten.
Die Elies selber hat es auch gesagt. - Die lügt doch.
Die hat ein Kind mit einem Russen. So was habe ich nicht nötig.
Das hätte sie wohl gern gehabt.
Ihr habt den Falschen.
Du warst gestern nach der Messe nicht mit ihr im Holz?
Nein. Ihr habt den Falschen.
Wieso hätte ich der Heingeigerin was tun sollen? Das ist alles Lüge.
Führt ihn ab.
Verhaftet lieber die Roten und so.
Ich habe nichts Unrechtes getan!
Riedinger!
Hörst du das? Riedinger!
* Muhen *
Magst du nicht zu einem Doktor oder ins Krankenhaus?
Ich kann dich ja bringen.
Der Riedinger hat den Bertl verhaftet.
Irgendeiner hat ihn heute Morgen verpfiffen.
Du warst heute schon so zeitig unterwegs.
Ich habe dein Motorradl gehört.
* Silvan lacht auf. *
Du wirst ihn noch identifizieren müssen, den Bertl.
* Kritzeln *
* Schritte *
* Eine Tür wird geöffnet. *
(Beamter) Ist das der Mann, der Sie vergewaltigt hat?
Sind Sie ganz sicher?
Sagen Sie es laut und deutlich.
(matt) Ja, der ist es gewesen.
Schön ist es bei uns hier, oder?
Der Sommer, den hast du doch immer so gern gehabt.
Und wenn der Winter kommt, wirst du nicht mehr dran denken.
Wenn er nicht gesteht vor Gericht, muss ich dann aussagen?
Jetzt denk doch nicht dran.
Und was geschieht, wenn ich es nicht kann?
Du bist meine Tochter.
Du kannst das.
Und jetzt wart erst mal ab.
* Kraus seufzt. *
Elies.
Magst du mich heiraten?
* Sie seufzt. *
Das ist nichts für mich.
Sei nett zum Peter, das wäre mein größtes Glück.
* Plätschern, Vogelzwitschern *
(Heingeiger) Elies?
* Fliegensurren *
Elies!
Was ist denn los?
Elies!
Elies!
Vater!
* Muhen *
* Silvan ächzt. *
* Silvan keucht. *
(Elies) "Lieber Vater, sorg für den Peter.
Alles, was mir zusteht, gehört ihm.
Gruß, Elies."
(Frauenchor, getragen) Näher, mein Gott
Zu dir
Näher zu dir
Drückt mich auch Kummer hier
Drohet man mir
Soll doch trotz Kreuz und Pein
Dies meine Losung sein
Näher, mein Gott, zu dir
Näher zu dir
Geht auch
Die schmale Bahn
Aufwärts gar steil
Führt sie doch himmelan
Zu meinem Heim
Engel so licht und schön
Winken aus sel'gen Höh'n
Näher, mein Gott, zu dir
Näher zu dir.
* Die Tür wird geöffnet. *
So, der Herr Kraus.
Unser netter Nachbar.
Womit kann ich dir helfen, Silvan? - Du hast ein gutes Leben, ja?
Das sieht man.
* Silvan lacht auf. *
Ein kleiner, einschichtiger Handwerksmann,
der bringt es im Leben nicht so weit.
Vor allen Dingen nicht in Zeiten wie heute.
Ich bin froh, dass ich noch jeden Tag selber arbeiten kann.
Das langt für mein Fortkommen. * Silvan lacht. *
Ja, das sagt auch jeder, der wo was hat.
Man lässt sich ja auch ungern in die Karten schauen bei so was.
Ich müsste mir was leihen bei dir, Nachbar.
Da geht es um einen Schuldschein.
Ich habe nix zum Verleihen.
Ich habe grad für mich selber genug.
* Silvan lacht. *
Ah, jetzt, Schuster, du tätest mir einen großen Gefallen tun.
Also nichts zu holen bei dir?
Nein, bei mir nicht.
Du kennst doch sicher andere Leut',
die ganz bestimmt was zu verleihen haben.
Du hast recht, Schuster.
Aus dir ist nichts rauszuholen.
Kein Geld, nix.
Du redest nicht über dich, redest nicht über die Leut'.
Letzteres ist selten.
Aber die Leute reden was anderes,
was das Geld betrifft.
Die Leute reden viel, wenn der Tag lang ist.
Ich habe nix zum Verleihen.
* Silvan schnauft. *
Das Gespräch hat nie stattgefunden.
* Die Tür wird zugeknallt. *
* Er seufzt. *
Heingeiger?
Ich bin da wegen der Milch.
* Muhen * Heingeiger?
Die Milch holst du ab jetzt woanders, ge?
* melancholische Gitarrenmusik *
* Die melancholische Gitarrenmusik läuft weiter. *
Arme Elies.
Das arme Dirndl.
Ich war bei meinem Ludwig,
habe ihn im Gefängnis besuchen dürfen.
Der Ludwig hat gesagt, dass der Bertl wieder ausgeflattert ist.
Geflohen ist er, er war nur ein paar Tage in der Zelle mit Ludwig.
Weißt du, was er ihm nachts erzählt hat, als die bösen Geister kamen?
Was?
Bertl hat Ludwig gestanden, dass Silvan dahintersteckt.
Hat er Julie erzählt: Der Silvan soll den Xaverl angehalten haben,
dass er den Bertl anstiftet.
Der Silvan wollte, dass der Bertl das der Elies antut, verstehst du?
Der Silvan hat das seiner eigenen Schwester angetan.
Kann man so was glauben? - Der Silvan?
Was, wenn der Bertl sich das ausgedacht hat?
Ein Hund ist er, der Silvan, ein Lump.
Alle wissen, dass er die Elies weghaben wollte. - Hör auf.
Nimm dich in Acht vor ihm.
Schuster.
Jetzt, wo die Elies nicht mehr ist ...
Wenn du jemanden für deinen Haushalt brauchst,
ich täte schon arbeiten bei dir.
Ja.
Das wäre eine Möglichkeit.
* melancholische Gitarrenmusik *
Schuster, Schuster, wohin?
Zum Stelzinger.
Schauen, ob ein Brief da ist für mich.
Vom Hans aus Übersee.
Vielleicht.
Ich komme mit dir mit.
(Kraus) Weißt du, wo das ist, Übersee?
(Peter) In Amerika. - Ja.
(Peter) Ja. - Und weißt du, wie lange man da braucht hin?
(Peter) Mit dem Schiff? - Ja.
Weißt du, wie lange man da fährt? - Eine Woche.
(Kraus) Nein, über zwei Wochen. - Oh.
(Kraus) So weit ist das.
* Die melancholische Gitarrenmusik läuft weiter. *
Untertitel im Auftrag des ZDF, 2025
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