All language subtitles for Violette.2013.German.AC3.DVDRiP.x264-XF

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Original subtitles

Bei einer Frau ist Hässlichkeit eine Todsünde.

Ist man schön, wird man wegen seiner Schönheit angestarrt.

Ist man hässlich, wird man wegen seiner Hässlichkeit angestarrt.

Die Tür!

Das Geld!

Das ist alles, was ich retten konnte.

Wo waren Sie? Ich war krank vor Sorge.

Sie nehmen immer zu viel mit.

Ihretwegen saß ich drei Tage im Gefängnis.

Und ich konnte endlich konzentriert arbeiten.

Von Ihnen hatte ich die Adresse.

Ich erinnere Sie daran, Violette, Gier ist Ihr Laster, nicht meins.

Ohne mich würden Sie noch immer in Paris am Hungertuch nagen!

Besorgst du Rindfleisch?

Das ist teuer.

Als Vorschuss.

Ich kann dir noch mehr geben.

Wollen Sie, dass man Sie umbringt?

Ich habe mir die Haare gewaschen.

Hier.

Riechen Sie.

Wenn ich weg bin, ist es zu spät.

Sie gehen zugrunde.

Lesen Sie lieber mein Manuskript.

Ich will wissen, wie Sie es finden.

Und?

Es gefällt Ihnen nicht.

Sie erwähnen Ihre berühmten Freunde.

Kein Wort von mir!

Ich würde über meine Liebe für Sie schreiben.

Schreiben Sie!

Das habe ich so oft gesagt.

Ich kann nicht.

Nehmen Sie mich in den Arm.

Fassen Sie mich an! - Aufhören! Nein!

Stellen Sie sich vor, ich wäre jemand anderes.

Sie sind verrückt geworden!

Sie sind ein Monster!

Ein Manipulator. Das sind Sie!

Wer wollte, dass ich die Ehefrau spiele?

Wer bat mich, im Dorf die Braut zu mimen?

Jetzt sitze ich hier!

Hier werden wir satt. Der Krieg dauert eben länger.

Wie fanden Sie es?

Ihre Meinung ist mir wichtig.

Ich sage gar nichts!

Sie sind wie meine Mutter.

Egoistisch und boshaft!

Und Sie ein Scheusal,

angepasst und dumm.

Zwischen uns läuft nichts.

Merken Sie sich das!

Ich bringe mich um!

Nehmen Sie es.

Kühlen Sie Ihr Gemüt unter einem Baum.

Bringen Sie zu Papier, was Sie so unausstehlich macht.

Davon haben alle etwas, besonders Sie.

"Meine Mutter...

hielt nie meine Hand."

Meine Mutter hielt nie meine Hand.

Sie half mir über die Straße,

indem sie mich am Ärmel packte.

Ich fühlte mich gedemütigt.

Ich stieß ihre Hand weg.

Sie packte fester zu

und zog mich wie ein Hühnchen am Flügel hoch.

Ich sträubte mich. Blieb stehen.

Meine Mutter sah meine Tränen.

Willst du überfahren werden? Weinst du?

Es war sie, die mich überfuhr.

Mein armes Kind.

Ich sage Ihnen eins:

Sie müssen weiterschreiben.

Maurice!

Sie stehlen sich einfach davon?

Ich brauche Geld! Wovon wollen Sie leben?

Ich mache das! Ich gehe nach Paris!

Ich werde Gallimard ein paar Taler für mein Manuskript abringen.

So schlecht war es doch nicht.

Meine reichen Freunde lassen mich nicht im Stich.

Sie sagten, sie würden Sie hassen!

Blödsinn!

Sie verraten Sie!

Ich habe niemanden getötet, oder?

Und das jüdische Mädchen am Bahnhof?

Sie kennen sie.

Sie gab Ihnen Geld. Die Leute reden darüber.

Nerven Sie mich nicht!

In einer Woche bin ich zurück.

Ohne Sie kann ich nicht leben.

Lügner!

Sie kommen nicht zurück!

Sie verlassen mich auch!

Wer ist da?

Die Freundin von Maurice.

Einen Moment.

Mein Sohn möchte Sie sprechen.

Kommen Sie rein.

Warten Sie hier. Ich bin gleich zurück.

Hier.

Simone de Beauvoir? Wer ist das?

Eine Freundin meines Sohnes.

Eine Frau schreibt ein so dickes Buch?

Haben Sie es gelesen?

Eine Ménage-à-trois? Nein, danke.

Eine Frau und zwei Männer?

Zwei Frauen und ein Mann.

Mein Sohn.

Die Freundin von Maurice?

Das bin ich.

"Meine Liebste,

du schreibst, du seist schwanger. Soll ich zu dir kommen?"

Er sitzt in Deutschland fest.

Ist die Schwangerschaft bestätigt, lassen sie ihn gehen.

Ich habe einen Arzt gefunden, kein Problem.

Was macht er dort?

Ein freiwilliger Arbeitseinsatz. Aber die Sache lief schief.

Was heißt das?

Ich erlaube mir kein Urteil. Er ist mein Freund.

Nein. Suchen Sie sich jemand anderen. - Das ist sein Todesurteil.

Maurice weiß sich auch ohne mich zu helfen.

Wer ist da?

Ich.

Ich komme.

Mitten am Tag liegst du im Bett?

Was ist los mit dir?

Du hast unser Mittagessen ausfallen lassen.

Ist das von dir? "L'Asphyxie"?

Hände weg!

Ein heiterer Titel.

Rinderwangen. Die müssen lange kochen.

Für Michel. Das Tuch will ich zurück.

Du denkst jetzt an deinen Bruder?

Eier wären schön.

Ah, stimmt. Sag ihm, sie sind von mir.

Warum suchst du keine richtige Arbeit?

Der Krieg ist vorbei, aber du lebst noch immer wie ein Dieb.

Davon habt ihr alle etwas.

So verdiene ich etwas Geld.

Patou?

Sieh an!

Vornehm!

Mit dem Geld, das du verdienst,

könntest du dir eine schönere Bleibe suchen.

Ich habe etwas anderes vor.

Das?

Ja?

Fräulein Debaralle?

Ich bin's - Warten Sie.

Bitte. - Danke. Ihr Geld.

Debaralle?

Fürs Geschäft. Es ist der Name meines Vaters.

Bild dir bloß nichts ein.

Debaralle, also wirklich.

Wenn die Polizei dich verhaftet, sag ihnen, du seist eine Debaralle.

Das ärgert die feine Verwandtschaft.

Guten Tag, Madame.

Meine Teuerste...

Madame.

Mademoiselle?

Guten Tag, Madame.

Madame.

Guten Tag, Madame!

Ich habe "Sie kam und blieb" gelesen. Vielen Dank.

Hierin steckt mein ganzes Leben.

Ich habe es eilig. Ich werde es lesen, versprochen.

Zu spät, alles weg.

Du hast es mir versprochen. - Frag Marcel.

Marcel!

Ich brauche Kaffee und Zucker. - Vergiss es.

Der Markt hat wieder geöffnet. Das war's.

Ich habe ein Kilo Speck und etwas Sülze.

Nehm ich. Wie viel?

2.000.

Du hast vielleicht Vorstellungen.

1.500. - Gut.

Los!

Mein Geld! Ich habe es verloren!

"Ich habe Ihr Buch gelesen. Morgen um neun Uhr bei mir.

Die Adresse kennen Sie."

Hallo, Violette.

Hallo, Madame.

Darf ich Sie Violette nennen?

Bitte.

Ich muss mich entschuldigen.

Ich habe langweilige Kindheitserinnerungen erwartet.

Ich lag falsch.

Sie haben ein gutes Buch geschrieben.

Stark.

Unerschrocken.

Darauf kommt es an.

Schreiben Sie schon lang?

Nein.

Nur ein paar Artikel.

Maurice hat mich überredet.

Der Maurice im Buch?

Ja, Maurice Sachs.

Hat er es gelesen?

Den Anfang. Dann ging er nach Deutschland.

Ich weiß. Haben Sie etwas von ihm gehört?

Nein, ich rechne auch nicht damit.

Sachs ist das Gegenteil von Ihnen.

Er versteckt sich hinter den Worten.

Aber immerhin hat er Sie zum Schreiben gebracht.

Die Seiten über ihn überzeugen weniger.

Lassen Sie sie weg.

Sparen Sie sie für ein anderes Buch auf.

Ich werde Ihr Manuskript

Albert Camus geben, für seine neue Reihe bei Gallimard.

Nehmen Sie die Streichungen vor.

Einige Stellen müssen Sie überarbeiten.

Die über Ihren Vater.

Er bleibt ein Phantom.

Seine Feigheit hat Sie zum Bastard gemacht.

Gehen Sie darauf ein.

Ich brauche die Überarbeitung in einer Woche,

spätestens in zehn Tagen.

Dann treffen wir uns wieder.

Bravo, Violette.

Auf eine gute Zusammenarbeit.

Wie konntest du?

Mistkerl!

Sieh nach.

Ist meine Mutter da? - Sei nett zu ihr.

Simone de Beauvoir will mein Buch veröffentlichen!

Ich verlasse Paris.

Ernest hat einen Bauernhof am Ende der Welt gekauft,

ohne mich zu fragen.

Ich habe dich vor ihm gewarnt!

Hör auf, Violette! Mach es nicht noch schlimmer.

Tut mir leid.

Es tut mir leid.

Komm zu mir.

Verlass ihn. Er hat dich nicht verdient.

Und dein Bruder?

Wir kümmern uns um ihn.

Und wo werden wir wohnen? In deinem Rattenloch?

Ich finde etwas Größeres.

Mit dem Schwarzmarkt ist es vorbei.

Ich nehme mein Leben in die Hand. Alles ändert sich.

Träum weiter, Violette.

Nichts ändert sich.

...eines Feiglings...

...das Kinn eines Feiglings...

Sie verdienen etwas Besseres.

Sagte er freundlich.

Gehen wir rein. Beruhigen Sie sich.

Ich schämte mich für meine Mutter.

Ich denke darüber nach.

Ich wollte, dass sie stark ist. Warum hatte er Mitleid mit ihr?

Seit Jahren habe ich einen Klotz am Bein.

Sie warf sich auf ihn, aber er floh überstürzt...

Fuhr zurück in sein großes Anwesen...

Das wurde für Sie abgegeben.

Danke, Frau Moustier. - Gern, Fräulein Leduc.

"Ein Autor, der Ihnen gefallen wird.

Beste Grüße, Simone de Beauvoir."

Bis morgen.

Bis morgen, Nathalie.

Tut mir leid, ich habe zu tun.

Ich bin fertig.

Sie sind schnell. Gut.

Bitte.

Foie gras.

Camembert. Gereift.

Und etwas Sülze.

Sie handeln auf dem Schwarzmarkt? - Nicht mehr.

Was bekommen Sie dafür?

Nichts. Ich schenke es Ihnen.

Vielen Dank.

Ich habe Besuch.

Bis bald.

Bis bald.

Guten Tag.

Haben Sie es schon gehört?

Maurice...

Was ist mit Maurice?

Er starb in Deutschland.

Er wurde getötet. Eine Kugel in die Schläfe.

Ich sagte:

Mein Freund ist tot.

Ich wiederholte den Satz.

Ich sagte:

Der Tod.

Ich wollte das Wort begreifen.

Eine Silbe ist nicht sehr lang.

Man kann sie aussprechen, wie man will.

Ja?

Ich bin mit Herrn Camus verabredet.

Und Sie sind?

Violette Leduc.

Wegen des Vertrags.

Sie sind früh.

Ein bisschen.

Kommen Sie mit.

Warum bekomme ich keine weiße Ausgabe?

Der Umschlag wirkt düster.

Um die Kosten geringer zu halten.

Das ist die Liste der Journalisten.

Herr Camus ist gleich hier.

Das sagte er jedenfalls.

Ich kenne keinen davon.

Was schreibt man einem Fremden?

Man schreibt: "Mit Widmung des Autors".

"Mit Widmung des Autors"?

Was interessiert das den Kritiker?

Sie erhalten Ihre Exemplare per Post.

"Für Hermine, meine baskische Chilischote"

Vorsicht, ich bin erkältet.

Ich habe etwas für dich.

"L'Asphyxie"?

Es erscheint nächste Woche.

Bei Gallimard, nicht schlecht.

In der Reihe "Espoir"?

Eine neue Reihe, die Albert Camus herausgibt.

In großer Auflage.

Kein Geringerer als Camus?

Ich freue mich für dich. Du hast nie an dich geglaubt.

Wirst du es lesen?

Dann treffen wir uns?

Sag schon, Hermine.

Wir haben uns so lang nicht gesehen.

Was gibt es bei dir Neues?

Nicht viel.

Alles beim Alten.

Viel Arbeit und viele Schüler.

Ich beschwere mich nicht. Mir bleiben die Ferien.

Und sie? - Gut.

Deine Hände.

Sie sehen anders aus.

Vom Abwaschen.

Ich muss los.

Du bist nicht umgezogen? - Lass das!

Ich will dich sehen.

Du tust mir weh!

Bist du noch wütend?

Erzählen Sie mir von Ihrer Abtreibung.

Sie wissen bereits alles darüber.

Wie weit waren Sie?

Fünfeinhalb Monate.

Ich wäre fast gestorben. Sie zogen das Baby in Stücken raus.

Entweder es oder ich.

Mein Mann wollte es.

Sie waren verheiratet?

Nicht lang.

Davor lebte ich mit einer Frau. Aber das ging auch nicht gut.

Ich heiratete, um das hinter mir zu lassen,

um zu sein wie alle anderen.

Und das Kind? Bereuen Sie es?

Nein.

Es wäre nach mir gekommen.

Es hätte gelitten, ich hätte es umgebracht.

Meine Mutter ließ mich am Leben, leider.

Die Ehe ist ein Schwindel.

Für die Frau bedeutet sie Sklaverei.

Das haben Sie erkannt.

Ohne finanzielle Unabhängigkeit werden die Frauen nie frei sein.

Es ist noch ein langer Weg.

Zum ersten Mal habe ich mich im Internat verliebt.

Sie hieß Isabelle. Es hielt ein ganzes Schuljahr.

Als es herauskam, ließ uns meine Mutter trennen.

Ich stelle mir vor, wie ich ihr begegne.

Auf der Straße oder in der Metro.

Schreiben Sie es auf.

Das kann ich nicht.

Ich stehe Ihnen bei.

Sie müssen noch weiter gehen.

Erzählen Sie alles.

Ihre Geschäfte, Ihr Liebesleben und die Abtreibung.

Sie tun den Frauen einen Gefallen.

Guten Abend, Castor.

Genet. Sie kommen wie gerufen.

Das ist Violette Leduc.

Jean Genet.

Sie sind der Größte.

Bestimmt.

Castor hat Ihr Buch hoch gelobt.

Kein Vergleich zu Ihnen.

Keine falsche Bescheidenheit.

Haben Sie mit Sartre gegessen?

Wir haben wie immer zu viel getrunken.

Er wollte zu Bett gehen.

Ich werde jetzt erst wach. Scotch?

Der geht auf mich.

Drei Scotch.

Entschuldigung.

Ich suche ein Buch.

"L'Asphyxie".

Wie heißt der Autor?

Eine gewisse Leduc.

In der Reihe "Espoir" von Gallimard.

Nie gehört.

Ich kann es nirgends finden. Ist das normal?

Das kommt bei unbekannten Autoren oft vor.

Das Buch erscheint in kleiner Auflage.

Soll ich es bestellen?

Nein, danke.

Was heißt "kleine Auflage"?

Bitte? - Sagen Sie schon.

Worauf wollen Sie hinaus?

Dass das Buch weniger wert ist?

Sagen Sie schon! Ich sehe hier nur Julien Greens!

Beruhigen Sie sich. Sie sind ja von Sinnen.

Von Sinnen?

Wie können Sie es wagen?

Ich habe Sie durchschaut.

Sie glauben, ich wäre Violette Leduc, aber das bin ich nicht.

Violette ist eine gute Freundin.

Denn Violette Leduc hat Freunde und Talent!

Freunde wie mich, die das auch kundtun!

Ich möchte nicht mehr leben.

Das werden Sie aber. Dafür sorge ich.

Ich habe allen davon erzählt.

Jeder sucht es, und niemand findet es.

Ich rufe Gallimard an, versprochen.

Was bringt das?

Wovon soll ich jetzt leben?

Ich hatte es immer schwerer.

Schon als Kind.

Es hört einfach nicht auf.

Denken Sie daran, was Ihnen das Schreiben gibt.

Es gibt Ihnen alles, was Ihnen die Gesellschaft vorenthält.

Aber das braucht Zeit.

Machen Sie weiter.

Könnte ich doch nur Ihre Hand halten.

Ich halte Ihre.

Ich muss jetzt auflegen.

Ich liebe Sie.

Was machen Sie hier?

Lieben Sie mich nicht, weil ich hässlich bin?

Das Äußere interessiert mich nicht.

Ich gefalle Ihnen nicht.

Geben Sie es zu.

Ich habe zu tun. Wir besprechen das ein anderes Mal.

Was kann ich tun, damit Sie mich lieben?

Ich bin ein guter Mensch. Ich kann sehr nett sein.

Hören Sie auf zu jammern.

Wovon soll ich jetzt leben?

Ich habe alles ausgegeben.

Arbeiten Sie weiter.

Bringen Sie Ihre Obsessionen zu Papier.

Für wen? Niemand interessiert sich für mich.

Für Sie selbst.

"L'Asphyxie" ist erst der Anfang.

Geben Sie sich eine Chance.

Das reicht. Raus!

Nein.

Wenn Sie Ihre Zeit vergeuden wollen...

Ich ziehe meine Schuhe für sie aus

und laufe über Steine, Nägel, Scherben und Dornen.

Ich tue es.

Aber sie will nicht, dass ich über Steine, Scherben, Dornen, Nägel laufe.

Das wird mir klar. Ich schreie, weil es mir klar wird.

Ich träumte, Sie würden mich lieben.

Ich wusste, dass ich träumte.

Mein Platz ist in mir selbst.

Alles andere ist Eitelkeit.

Komm, Einsamkeit!

Komm mit deinen langen Haaren, die dir im Gesicht hängen.

Beginnt zu spielen, Orgeln meiner Wüste.

Mein Herz, Madame, ist mein Ehrenkreuz.

Wie sonst sollte ich Sie grüßen?

Ich reise.

Ich bin ein gleitender Gletscher.

Störe ich?

Hier ist jemand, der Ihr Buch mochte.

Sie haben es gefunden?

Da haben Sie Glück gehabt.

Mir hat es sehr gefallen.

Ein herzzerreißendes Buch.

Das ist nett.

Jacques mag Schriftsteller.

Der Verrückte sammelt Manuskripte.

Jacques Guérin, erfreut.

Das ist der Vorname meines Mannes.

Verheiratet?

Ich war es. Leider.

Du magst doch Frauen?

Nicht nur.

Haben Sie Zigaretten? Ich habe keine mehr.

Danke.

Wir wollen Sie nicht von der Arbeit abhalten.

Calvados?

Das ist alles, was ich habe.

Sieh mal.

Zum Betrinken reicht's nicht.

Ist das Ihr Mann?

Ja. Ich darf doch bitten.

Ein Wicht.

Eine halbe Portion.

Was machen Sie?

Er ist Parfümier.

Er ist groß und kann selbst antworten.

Mir gehört das Parfüm Orsay.

Sie müssen reich sein? - Ja.

Und ein Bastard. Wie Sie.

Ein reicher Bastard.

Das gibt es?

Mein Vater hat mich nie anerkannt.

Auf der Geburtsurkunde steht er nicht.

Mein Bruder und ich wuchsen versteckt in einem Haus auf.

Meine Mutter kam hin und wieder vorbei.

Wo wohnte sie?

Zusammen mit ihm. - Mit wem?

Meinem Vater.

Er hat sie nie geheiratet. Er wollte seine Frau nicht verlassen.

Sehen Sie? Ich bin reich und ein Bastard.

Dann sind wir schon zu dritt.

Ich weiß nicht, ob mir diese Bezeichnung zusteht.

Ich habe weder Vater noch Mutter.

Auf eure Asphyxien!

Cocteau mochte es sehr.

Wusstest du das?

Dürfen wir dich zum Essen einladen?

Nicht um diese Uhrzeit. Aber gehen Sie ruhig.

Wir essen hier. Hast du etwas da?

Ich sehe mal nach.

Kommen Sie mit aufs Land.

Mein Haus steht Ihnen offen.

Fühlen Sie sich wie zu Hause.

Nichts geht über ein Wochenende in Luzarches.

Wir schreiben, albern herum.

Jacques möchte Filme drehen mit mir als Regisseur.

Würdest du die Mutter spielen?

Die Mutter? Wieso die Mutter?

Ich habe Kartoffeln.

Das ist alles.

Der Wohlstand ist vorbei.

Und?

Du hast Nerven.

Weiß sie Bescheid?

Mach es.

Sie ist eine kluge Frau.

Sie lässt mich fallen.

Das glaube ich nicht. Sie braucht dich.

Sartre hat mich, und sie dich.

Das gleicht sich aus.

Brauchst du Geld?

Hier.

Nimm es.

Ich zahle es zurück, versprochen.

Frag auch Guérin.

Er mag dich. - Auf welche Weise?

Du bist in Simone verliebt. Er ist nichts für dich.

Sie auch nicht.

Ich möchte, dass du etwas liest.

Ein Theaterstück. "Die Zofen".

Du inspirierst mich. Ich widme es dir.

"Die Zofen"? Danke. Das wird meine Mutter freuen.

"Die grausame Liebe, die ich beklage, verwandelte in ewige Süße

die Bitternis des Lebens."

Petrarca.

Ich habe eine Schwester gefunden.

Geben Sie mir Ihre ersten Seiten.

Wir unterzeichnen den Vertrag, und ich bitte Gallimard um einen Vorschuss.

Es ist zu früh. Ich will es zu Ende schreiben.

Dann können Sie es lesen.

Sie sind wirklich stur.

Sie verraten nicht, worum es geht?

Nein.

Wenigstens sind Sie ehrlich.

Und Sie?

Sie sprechen nie über sich.

Ich schreibe über die Rolle der Frau.

Ich habe aufs Geratewohl begonnen.

Jetzt merke ich, dass ich vor einem riesigen Berg stehe.

Ich traf mich neulich mit Sartre, als ein Mann mir sagte,

ich dachte wie eine Frau.

Ich werfe ihm seine Logik nicht vor. Er ist ein Mann.

Ich habe festgestellt, dass immer und überall

der Mann recht hat,

und die Frau unrecht.

Ich weiß nicht, wie man mein Buch aufnehmen wird.

Aber seine Meinung ist mir egal.

Ich kann einstecken.

Haben Sie schon einen Titel?

Ich bin mir noch nicht sicher.

Vielleicht "Das andere Geschlecht".

Und Sie?

Ich weiß es schon.

"L'Affamée".

Du bist eine furchtbare Schauspielerin und eine Nervensäge!

Noch mal!

Nein, ich habe die Nase voll!

Du bist gleich gefeuert!

Du hast mir weh getan! Guck!

Lauf gerade!

Ich wollte keine Mutter spielen!

Lass es nicht an den Requisiten aus!

Wieso nicht? Ich bin grotesk.

Jacques, ergreif Partei! Er hat es auf mich abgesehen!

Und er ist gemein. Sag ihm das!

Genet, du bist gemein!

Ich bin keine Mutter. Nicht mal zum Spaß.

Das habe ich Ihnen gesagt.

Das verstehe ich, Violette.

Das verstehen Sie nicht. Sie sind keine Frau.

Sie wissen nicht, wie es ist, ungewollt schwanger zu sein.

Das ist nur ein Spiel.

Ein Spiel?

Für Sie ist es ein Spiel.

Aber ich fühle mich schlecht behandelt,

benutzt und gedemütigt.

Ich hielt Sie nicht für so oberflächlich.

Das tut mir leid.

Wir wollen doch nur Spaß haben und Ihnen Freude machen.

Mir Freude machen?

Das ist alles?

Was wissen Sie, was mir Freude macht?

Wissen Sie, was mir jetzt Freude machen würde?

Wissen Sie, was mir gefallen würde?

Das ist lächerlich.

Ich mag Männer, das wissen Sie doch.

Männer, Frauen...

Darum geht's doch nicht.

Ich erkenne das ernste Kind in Ihnen.

Stopp!

Trennen wir uns nicht im Streit.

Ich mache es wieder gut.

Ich bezahle die Luxus-Edition Ihres nächsten Buches.

Eine limitierte Auflage auf gutem Papier.

Ich habe das Gleiche für Jeans "Wunder der Rose" getan.

Pauvert kümmert sich darum, oder, Jean?

Wie weit sind Sie?

Fast fertig.

Sehr gut.

Ich gebe Ihnen 100.000 Francs.

Für Sie. Ich übernehme alle Kosten.

Bitte.

Das wird Simone nicht gefallen.

Sag ihr nichts davon.

Ich denke darüber nach.

Sehr gut.

Gute Fahrt. Bis bald.

Du hast dich geschickt angestellt.

Ich bekam nur 70.000 für "Wunder der Rose".

Du wirst das Geld eintreiben müssen. Er ist geizig.

Guérin ist Parfümier, oder?

Und ein großer Sammler.

Denen misstraue ich.

Warum?

Alles, was sie sammeln, ist tot.

Worte sind lebendig, sie leben in uns.

Ein Kult um tote Objekte ist morbid.

Immerhin rettete er Prousts Manuskripte.

Guten Tag, Herr Maillard.

Ich lasse Ihnen die Schlüssel hier.

Gut, Frau Beauvoir.

Gute Reise. - Danke.

Guten Tag.

Warten Sie!

Hier.

Sie sind fertig geworden.

Ich lese es im Flugzeug.

Guérin bot mir eine Luxus-Ausgabe an. - Ach ja?

Für 100.000 Francs.

So großzügig ist Gallimard nicht.

Es kommt doch gelegen.

Ein Segen. Ich muss meine Miete zahlen.

Natürlich.

Das Buch ist fertig.

Schauen Sie nicht so. Ich verreise, ich bin nicht tot.

Wann kommen Sie zurück?

Zum Flughafen Bourget, bitte.

Und wenn das Flugzeug auf dem Weg nach New York abstürzt?

Herr Guérin ist beschäftigt. Die Rosensaison beginnt.

Kommen Sie herein.

Herr Guérin, Fräulein Leduc.

Violette, wie schön!

Wie geht es Ihnen?

Gut, danke.

Und Ihr Buch?

Es ist fertig.

Sind Sie zufrieden damit?

Ja, das bin ich.

Und Simone de Beauvoir?

Ich habe es ihr gerade gegeben.

Was kann ich tun?

Ich möchte meine 100.000 Francs.

Oder haben Sie es sich anders überlegt?

Natürlich nicht.

Wollen Sie einen Scheck oder Bargeld?

Bargeld.

Ihr Vorleger ist weich.

Ist er echt?

Ein echter was?

Panther.

Hübsch, oder?

Ein Geschenk meiner Mutter.

Wir haben uns neulich wirklich idiotisch benommen.

Schon gut.

Möchten Sie nachzählen?

Nicht nötig.

Ich vertraue Ihnen.

Ist gar nicht so schwierig.

Haben Sie Kohlen?

Ich hole morgen neue.

Das ist Männerarbeit.

Ich bringe welche mit.

Bis bald.

Auf Wiedersehen.

Grüßen Sie Frau und Tochter.

Mach ich.

"Das ist Männerarbeit."

Blödsinn!

Wenn man die machen lässt...

Und dein Buch...

Was ist damit?

"L'Asphyxie". Danke.

Das ist nicht wahr. Du stellst mich als Monster dar.

Findest du?

Die Frau an der Wand? Ist sie das?

Ja, das ist sie.

Das weißt du doch.

Mach keine Dummheiten. Du bringst Schande über deine Mutter.

Ständig hackst du darauf rum.

Die Toilette ist im Treppenhaus?

Ja.

Nimm Papier mit.

Du betrübst mich, Violette.

Du lebst noch im Mittelalter.

Keine Sorge, das geht schon.

Danke.

Ich verkaufe Eier an den Geflügelhändler.

Meine Eier sind gut. Die Nachfrage ist groß.

Aber ich kann nicht im Dutzend liefern.

Ich züchte auch Hühner.

Ich lasse die Eier am Herd stehen.

Du solltest sehen, wie die kleinen Küken schlüpfen.

Es ist rührend.

Ernest sagt, das sei mein Mutterinstinkt.

Er muss es wissen.

Was ist los?

Mir ist schwindlig.

Das ist mir neulich schon passiert.

Ist das etwas Schlimmes?

Dummchen,

du solltest froh sein.

Froh?

Die Wechseljahre.

Alles hat sein Gutes.

Mach das Beste draus.

Das Beste draus machen?

Finde jemanden.

Dafür müsste ich jemand anderes sein.

So ein Quatsch. Sei eine Frau, und du findest jemanden.

Sei eine Frau!

So schwer ist das nicht.

Sieh mich an.

Wohin gehst du?

Ist Frau de Beauvoir zurück? - Noch nicht.

Das Fenster ist offen. - Das war die Putzfrau.

Sicher?

Sie ist noch nicht zurück!

Haben Sie ihre Auslandsadresse? Für ihre Post?

Nein.

Es sind schon drei Monate! Sie wissen, wann sie zurückkommt!

Ich weiß nicht mehr als Sie! - Ach nein?

Sie verschweigen mir etwas. - Jetzt reicht's!

Frau Beauvoir ist noch nicht zurück! Sie ist nicht da!

Ja?

Ist Frau de Beauvoir da? - Nein.

Darf ich? - Wer sind Sie?

Lassen Sie mich rein!

Sind Sie verrückt?

Diese Frauen verabscheuen sich.

Sie hassen ihr Leben, aber vor allem hassen sie sich selbst.

Weil sie sich nicht lieben, lieben sie niemanden.

Ihnen bleibt nur das erotische Ritual.

Ich verstehe nicht ganz.

Ihr Hass auf Madame ist eigentlich Selbsthass?

Natürlich. Auf Position, bitte!

Es handelt sich um ein Ritual

mit der Erhabenheit der Tragödie.

Wir sind bei Racine.

Die Frauen zerstören sich selbst.

Dieser Handschuh.

Das ist nicht irgendein Handschuh.

Es ist ein Gummihandschuh.

Um ihn kreisen all Ihre Gedanken, Yvette.

Monique, was ist der Handschuh für Sie?

Ein erotisches Objekt? - Genau.

Ihr lasst das Spülbecken hinter euch

und werdet Haut, Zartheit, Traum.

Denkt darüber nach. Von vorn!

Wenn Sie "L'Affamée" nicht mögen, sagen Sie's mir ins Gesicht.

Ich wollte Sie anrufen.

Wo waren Sie?

In den USA, für eine Vortragsreihe.

Chicago, Kalifornien...

Ich kam vor zwei Tagen zurück.

Lügnerin!

Was ist da los? Ehrlich, Simone!

Dürfte ich um Ruhe bitten.

Ich muss mich nicht rechtfertigen.

Haben Sie jemanden kennengelernt?

Ja, einen Amerikaner. Zufrieden?

Lieben Sie ihn? - Das geht Sie nichts an!

Ich habe "L'Affamée" gelesen, Ihr bislang stärkstes Werk.

Diesen Liebesbeweis hatte ich nicht erwartet.

Das ist nicht einfach für mich.

Auch Sartre ist begeistert.

Gaston Gallimard hat den Vertrag aufgesetzt.

Sie erscheinen gleichzeitig,

unsere beiden Bücher. Als weiße Ausgabe. Zufrieden?

Könnte ich Sie doch nur hassen.

Was ist in euch gefahren?

Was glaubst du denn?

Mir rollt keiner den roten Teppich aus. Meine Bücher verkaufen sich nicht.

Werd nicht melodramatisch!

Übrigens, Genet, dein Stück ist scheiße!

Ist Racine ein Rimbaud? Oder Rimbaud ein Racine?

Fräulein Leduc, bitte.

Letzte Tür links, am Ende des Flurs.

Danke.

Ja?

Ich bin's.

Ich bin nicht vorzeigbar.

Ich mache mir Sorgen. Sie beantworten meine Telegramme nicht. Was ist los?

Ich habe nicht aufgeräumt.

Ich räume auch nicht jeden Tag auf.

Schön warm ist es hier.

Bald gehen mir die Kohlen aus.

Hier arbeiten Sie?

Finden Sie das lächerlich?

Dass Sie Fotos von mir sammeln?

Ja.

Aber deshalb bin ich nicht hier.

"Das andere Geschlecht"

"Für Violette

Lebender Beweis, dass das andere Geschlecht gleichwertig ist

Ihre Freundin."

Danke.

Herzlichen Glückwunsch.

Ihr Buch ist in aller Munde.

Einige Reaktionen sind enttäuschend, wie die der Kommunisten.

Oder Camus, der sagt, ich ziehe den Mann ins Lächerliche.

Man sagte mir, ich schäme mich, eine Frau zu sein,

und beschäme deshalb die Männer.

Es braucht Zeit.

Ein Glas Wein? Etwas anderes habe ich nicht.

Da sage ich nicht Nein.

Es ist billiger Wein.

Ich möchte nicht über Ihren Misserfolg sprechen.

Bücher im Allgemeinen verkaufen sich schlecht.

Auch Ihre Liebeserklärung an mich hat damit nichts zu tun.

Schlagen Sie sich das aus dem Kopf.

Das Buch ist draußen.

Es ist gut.

Es setzt sich durch.

Ich möchte über Ihre Zukunft sprechen.

Ich hoffe, Sie schreiben bald wieder.

Ich glaube nicht mehr dran.

Was ist mit dem Projekt, von dem Sie mir erzählten?

Ihre ersten sexuellen Erfahrungen mit einem Mädchen im Internat.

Isabelle?

Niemanden interessiert die Liebelei zweier Mädchen.

Ich könnte ebenso auf den Strich gehen.

Aber ich bin zu hässlich. Wer würde dafür bezahlen?

Ich bin eine neurotische, verrückte Alte.

Nein. - Doch!

Ich bin über vierzig,

habe nichts und niemanden.

Ich bin immer allein.

Kein Geld, kein Liebesleben, nichts.

Gaston Gallimard will Ihnen einen monatlichen Vorschuss zahlen.

Genug, um zu leben und in Ruhe zu schreiben.

Wenn Sie die Arbeit ernst nehmen.

Im Ernst?

Ein guter Verleger

verdient Geld mit mittelmäßigen Bestsellern

und unterstützt Talente, die sich schlecht verkaufen.

Oder gar nicht.

Erzählen Sie von Ihrem Projekt.

Es umfasst die Erfahrungen im Internat,

aber auch meine Ehe, die Abtreibung, all das.

Ich habe schon einen Titel.

Gut.

"Ravages".

Das klingt nach Ihnen.

Es klingt nach meinem Leben: eine Spur der Verwüstung.

Dann sollten Sie umso konstruktiver arbeiten.

Ich verreise für einige Zeit.

Zu Ihrem Amerikaner?

Nein, das ist vorbei.

Norwegen.

Mit wem? - Sartre.

Ich möchte mit. Lassen Sie mich nicht allein.

Warum reisen Sie nicht selbst?

Mögen Sie es nicht?

Als Kind hatten wir kein Geld dafür.

Es ist keine Frage des Geldes, sondern der Neugier.

Schicken Sie mir die ersten Seiten.

Post!

Mademoiselle,

im Rahmen der Jahresabrechnung unseres Verlages

freue ich mich, Ihnen mitzuteilen,

dass wir Ihnen vom 1. Januar an

monatlich 25.000 Francs zahlen.

Die Krake in meinem Inneren zitterte.

Isabelle trank aus der rechten und der linken Brust.

Ich trank mit ihr.

Ich sog an der Dunkelheit, als sie ihren Mund wegzog.

Ich führte die Hand, bis zu den seltenen Tränen des Glücks.

Ich verbiss mich in ihren Hals.

Ich atmete die Nacht unter dem Kragen ihres Kleids ein.

Die Wurzeln eines Baumes zitterten.

Ich drücke sie, ersticke den Baum.

Ich drücke sie, ersticke die Stimmen.

Ich drücke sie, ersticke das Licht.

Bring sie her.

Dass sie mir ihre Schulter anbietet, oder ich ihr die meine.

Dass ihr Gesicht neben meinem liegt.

Um Unschuldigkeiten auszutauschen.

Aus einer Welt, in der ich nie gelebt hatte,

in eine Welt, in der ich noch nicht lebte.

Sie lehrte mich Bescheidenheit.

Ich erschrak.

Ich bin aus Fleisch und Blut.

Ich bin am Leben.

Ich bin kein Idol.

Liebe Simone de Beauvoir,

"Ravages" macht Fortschritte.

Ich habe Isabelle für meinen Mann Jacques verlassen.

Ich schreibe, um sie zu lieben, um sie nicht zu verlieren.

Täglich wächst die Kluft zwischen meinem jetzigen Leben

und der Erotik, über die ich schreibe.

Kommt jetzt Roussillon?

Wir sind daran vorbeigefahren. Jetzt kommt Vaison.

Aber ich wollte doch nach Roussillon.

Entschuldigung, wie heißt dieses Dorf?

Ich habe mich verlaufen. Wo sind wir?

Faucon. Sie sind in Faucon.

Gibt es hier ein Hotel?

Ein Hotel in Faucon? Nein.

Ein Zimmer? Wo finde ich ein Zimmer?

Wem gehört das Haus?

Der Besitzer ist tot. Die Kinder kommen nicht mehr.

Es ist schön hier.

Was ist das für ein Berg?

Mont Ventoux, er wacht über uns.

Zum ersten Mal drang ich in die Intimität männlicher Unterwäsche vor.

Meine Hand ertastete eine Weichheit,

wie die einer weiblichen Brust.

Bei ihm suchte ich,

ertastete, fand.

Ich berührte die runzlige Haut, dünn wie das Augenlid.

Er gab sich hin.

Ich erstickte meinen Schrei.

Es ist das erste Mal.

"Mach das bloß nicht", sagte meine Mutter.

Simone.

Kommen Sie zur Vernunft.

Sie ist eine großartige Autorin.

Sie tun ihr unrecht. Bei Genet nahmen Sie es nicht so genau.

Wir könnten die Erotik streichen

und die Romantik behalten?

Die Schulmädchengeschichte erscheint extra.

Wenn die Autorin bereit ist, ihre Praktiken subtiler zu formulieren.

Sie ertragen es nicht, dass eine Frau offen über ihre Sexualität spricht.

Ihr Blick ist schmutzig.

Was denkt Sartre? - Das Gleiche wie ich.

Dass Violette ihre Zeit prägen wird.

Das Kapitel über die Abtreibung.

Das geht nie durch die Zensur.

Solche Dinge müssen angesprochen werden.

Grasset und Albin Michel wollen es nur mit drastischen Kürzungen.

Bei Gallimard bleibt wenigstens die Abtreibung drin.

Sie sind die Erste, die offen darüber spricht.

Was raten Sie mir?

Geben Sie nach.

Und wenn nicht?

Ich weiß, wie Sie sich fühlen.

Eines Tages wird es so weit sein.

Sehen Sie mich an!

Sie sprechen über die Sexualität wie keine Frau zuvor.

Poetisch, ehrlich und mehr noch.

Eines Tages wird man Ihnen danken.

Man verstümmelt mich.

Es ist furchtbar.

Ich habe Bauchschmerzen.

Haben Sie gut geschlafen?

Schlaf ist wichtig.

Ich habe die Seiten ganz leise umgeblättert.

Guten Tag.

Besuche sind nicht gestattet.

Sie schläft.

Ich bin wütend.

Man verabreichte ihr gegen meinen Willen Elektroschocks.

Ich muss mit Dr. Fouquet sprechen.

Soll ich mitkommen? - Nicht nötig.

Die Behandlung ist teuer. Ich möchte helfen.

Auf keinen Fall.

Ich möchte Ihnen sagen,

dass ich es schätze, wie sehr Sie Ihre Freundin unterstützen.

Man kann nicht mit Violette Leduc befreundet sein.

Ich tue nur meine Pflicht.

Ich habe es eilig.

"Leduc spricht über Liebe wie ein Mann"

Sie haben auch Post.

Lesen Sie es.

Hören Sie:

"Man liest 'Ravages' wie einen Sprung ins Feuer.

Violette Leduc kennt keine Angst und kein Erbarmen.

Ihre Protagonistin ist besessen davon, geliebt zu werden,

und macht sich ihre Freunde zum Henker.

Sie sagt, was keine Frau zu sagen wagt.

Das Unausgesprochene, dem Schoß entrissene Engel."

Sie sind fast da. Ich lasse Sie nicht im Stich.

Wie in den vergangenen 50 Jahren

stimmte die Goncourt-Jury über den Gewinner ab.

In der Jury saßen Francis Carco, Roland Dorgelès,

Pierre MacOrlan, Philippe Hériat und Armand Salacrou.

Gewonnen hat "Die Mandarins" von Simone de Beauvoir,

die der Verleihung fernblieb.

Jean Reverzy, Renaudot-Preisträger,

ist dagegen seinen Pflichten nachgekommen...

Das war eine schöne Klinik.

Hat sie Frau de Beauvoir bezahlt?

Ich habe nie in einem so teuren Zimmer geschlafen.

Nicht mal in meinen Flitterwochen.

Stütz dich bei mir auf.

Stütz dich bei deiner Mutter auf.

Meine Güte, ein Tohuwabohu!

Ich wollte aufräumen, aber ich musste den Zug kriegen.

Zieh dich aus und leg dich hin.

Nicht mal der Müll wurde rausgebracht.

Leg dich hin.

Mademoiselle,

wir bestätigen hiermit die monatliche Zahlung von 25.000 Francs.

Die Rechnungsstelle.

Ich halt es hier nicht länger aus!

Lass es nicht an den Dingen aus!

Gib es Michel. Ich schreibe nicht mehr.

Morgen änderst du deine Meinung.

Ab ins Bett!

Ich schreibe nicht mehr.

Nimm.

Dein Freund, Herr Guérin, kam dich oft besuchen.

Mit einem riesigen Blumenstrauß.

Genet auch. Ihr hattet euch wohl gestritten.

Frau de Beauvoir kam einmal die Woche,

manchmal mit Sartre.

Stockhässlich! Eine so schöne Frau mit diesem Mann?

Na ja...

Alle waren so nett zu dir.

Die Blumen sind verwelkt,

aber du hast auch Geschenke bekommen. Sie sind im Koffer.

Willst du sie sehen?

Wein nicht. Ich bin extra gekommen,

um mein Mädchen abzuholen.

Halt die Klappe!

Halt endlich die Klappe!

Warum bist du so gemein? Was habe ich dir getan?

Mich bekommen!

Das ist das Problem!

Du wolltest mich nicht, genau wie mein Vater!

Ich bin ein Bastard! Das ist das Problem!

Niemand will mich.

Niemand will mich!

Fertig.

Violette, wie schön!

Wie geht es Ihnen?

Besser. Meine Mutter ist für mich da.

Gehen Sie weg?

Ich ziehe um.

Ich habe eine Wohnung in Montparnasse gekauft.

Dank "Die Mandarins".

Ich weiß. Bravo, der Goncourt!

Danke.

Was ist mit dem Schreibtisch?

Können wir uns später treffen?

Ich komme.

Ich helfe Ihnen.

Lassen Sie mich Ihnen helfen.

Ich mache mich nützlich.

Die Vorhänge!

Sie haben die Vorhänge vergessen.

Ich lasse mir neue machen. Sie können sie haben.

Das meinte ich nicht.

Einiges steht noch in der Küche.

Bedienen Sie sich.

Ich will keine Almosen.

Also bitte, Violette.

Ich wollte Sie nicht beleidigen.

Das wollten Sie nicht?

Wie steht es um uns?

Können Sie mir das sagen?

Sie haben recht.

Wir treffen uns später.

Ich gehe jetzt.

Ach ja, das Geld...

Keine Sorge, das bekommen Sie. Ich sorge dafür.

Gallimard zahlt Violette Leduc einen Vorschuss?

Halten Sie mich für dumm?

Was wollen Sie damit sagen?

Das Geld ist von Ihnen.

Eifersüchtig, bitter und unglücklich bin ich Ihretwegen.

Weil ich Ihnen verbunden bleibe.

Sie sagten, man werde mein Talent anerkennen.

Ich glaubte Ihnen.

Ich wurde eingewiesen, verrückt und ohne Zukunft,

während Sie Erfolge feiern.

Verschwinden Sie aus meinem Leben! - Sie gaben mir diesen Platz.

Es liegt an Ihnen! - Ich schaff es nicht!

Schreiben Sie. Nur so verändern Sie etwas.

Schreien und Jammern bringen nichts. Das Schreiben schon.

Ich habe schon alles gesagt.

Fangen Sie von vorn an, mit Ihrer Geburt.

Was ändert das? - Sie sind eine andere.

Ihr Blick auf sich ist ein anderer!

Haben Sie Feuer?

Mache ich Ihnen Angst?

Ich habe es eilig.

Ich heiße René. Was führt Sie hierher?

Die frische Luft. Paris ist zu stickig.

Und Sie? - Ich?

Wie heißen Sie?

Violette.

Hier trennen sich unsere Wege.

Jagen Sie gern alten Krähen nach?

Ich will Sie wiedersehen.

Wie sind Sie hergekommen?

Mit der Metro natürlich.

Nett hier. Es riecht gut.

Roastbeef.

Wer ist das? Eine Schauspielerin?

Simone de Beauvoir.

Sagt Ihnen der Name nichts?

Für wen halten Sie mich? Ich habe etwas über sie gelesen.

Meine Freundin.

Ist sie nicht eingebildet?

Zu Tisch!

Darf ich?

Ja, aber kein Geplänkel.

Es ist eigenartig.

Das männliche Glied in der Hand einer Frau.

Und doch ist es die Wurzel der Welt.

Wer ist da?

Ich.

Ich habe aus dem Bistro nebenan angerufen.

Ich dachte, Sie freuen sich zu hören, dass ich endlich fertig bin.

Ich wollte Sie nicht stören.

1.000 Seiten.

Ich hielt mich an Ihren Rat: nur das Wichtigste.

Die Verleger werden es zerreißen.

Wir werden sehen.

Es ist mir auch egal.

Ich lese es bald.

Mir ist leider nicht nach Gesellschaft.

Ich störe Sie nicht länger.

Kommen Sie auf ein Glas. Das tut uns gut.

Eine schöne Wohnung.

Groß.

Hier.

Danke.

Gestern habe ich Mutter beerdigt.

Wirklich?

Im engsten Familienkreis.

Ich wollte niemanden sehen.

Stellen Sie sich das vor: Ich weine.

Warum sagten Sie nichts?

Ich hätte Ihnen beigestanden.

Es ging so schnell.

Die Ärmste.

Ich mache mir Vorwürfe. Ich habe ihr Angst gemacht.

Eines Tages...

kommt auch meine Zeit.

Ich weiß es, aber die Vorstellung empört mich.

Ich hoffe, dass mir das nie passiert.

Meine Mutter zu verlieren...

Das würde ich nicht ertragen.

Wie läuft es mit Ihrem Maurergesellen?

Er ist verheiratet. Es ist kompliziert.

Er will, dass ich mit seinem Bruder schlafe. Was soll ich tun?

Gefällt er Ihnen?

Nein.

Aber die Zeit vergeht,

und ich bin allein.

Immer allein.

Nichts ändert sich.

Ich bin eine Wüste, die mit sich selbst spricht.

Ich lese es jetzt.

Kann ich noch bleiben?

Ich möchte das Vorwort schreiben.

Das habe ich mir überlegt.

Diesmal lassen wir nichts unversucht.

Ich bin kein Einzelfall.

Ich habe Angst vor dem Tod und wollte nie geboren werden.

Ich habe nicht gearbeitet.

Ich habe nicht studiert.

Ich habe geweint und geschrien.

Das hat viel Zeit in Anspruch genommen.

Ich gehe, wie ich gekommen bin.

Intakt.

Unter der Last meiner Fehler, die mich plagten.

Ich wäre gern als Statue geboren worden.

Ich bin eine Schnecke unter meinem Dung.

Tugenden, Qualitäten,

Mut, Nachdenken, Kultur...

Mit verschränkten Armen zerbrach ich an diesen Worten.

1964. Das Ehegesetz wird reformiert.

Frauen haben das Recht, ein Bankkonto zu besitzen,

zu arbeiten ohne die Erlaubnis ihres Mannes.

Simone de Beauvoir, guten Tag.

Sie schrieben das Vorwort zu "Die Bastardin" von Violette Leduc,

die den Befreiungskampf der Frau verkörpert.

Die französische Gesellschaft steht vor einem Umbruch,

der die Rolle der Frau in der Literatur für immer verändern wird.

Erzählen Sie uns über Ihre Beziehung zu der Autorin.

Welche Bedeutung hatte das Schreiben

für ihren Emanzipationsprozess?

Jeder Autor strebt nach Aufrichtigkeit.

Jeder auf seine Weise.

Ich kenne keinen aufrichtigeren als Violette Leduc.

"Die Bastardin" zeigt mit außergewöhnlicher Klarheit,

dass die Freiheit das Schicksal überwindet.

Unermüdlich hinterfragt sie und schreibt auf, was sie entdeckt.

Ende der 50er Jahre

begann Violette Leduc über ihr Leben zu schreiben.

Ich riet ihr, ihre Memoiren zu verfassen.

Sie lachte, als würde sie mein Vertrauen nicht verdienen.

Ich habe ihr das Gegenteil bewiesen.

Sie war einsam, desillusioniert und verarmt.

Ich wusste, dass sie im Inneren weder einsam noch verarmt war.

Eines Tages entdeckte sie die Provence.

Die liebliche Landschaft des Mont Ventoux war das Richtige

für das Mädchen aus dem Norden.

Sinnlich, neugierig, gefühlvoll.

Sie fand dort die Ruhe, um sich selbst zu begreifen,

das richtige Wort zu finden,

ein Werk zu schaffen, das eine Leserschaft findet.

Sie vermischte Traum und Wirklichkeit.

Ihre Träume schnitten sie zu ihrer Überraschung

nicht mehr von der Welt ab, sondern bildeten die Brücke zu ihren Lesern.

Welch schöneres Heil kann die Literatur bieten?

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