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Original subtitles

DAS HAUS IN MONTEVIDEO

(Eine Kirchenglocke läutet.)

(Sie denkt) Es schlägt von St. Jacobus zehn.

Die Stadt schläft. In den Kinderzimmern ist Ruhe.

Endlich kann ich mal wieder unser Tagebuch führen.

Es ist ja inzwischen so viel geschehen.

Vielleicht wird sich nun unser ganzes Leben ändern.

Was war das Letzte?

Freitag, den 28. Juli 1899.

"Habe 12 Gläser Schnibbelbohnen eingemacht."

"Ferienkleider der Kinder durchgesehen, viel daran zu tun."

"Kohlen bestellt." Man spart, wenn man das im Sommer tut.

"Morgen fangen die Ferien an."

"Wir haben wieder kein Geld, um zu verreisen."

Ja, Samstagmorgen war noch ganz normal.

Ich hatte mit Marta Teppiche geklopft.

Und Traugott hielt seine letzte Deutschstunde vor den Ferien.

Hier ist das Thema für den Ferienaufsatz:

Moral kennt keine Ferien. Nachsprechen!

(alle) "Moral kennt keine Ferien".

Gliederung: I. Was ist Moral? Nachsprechen!

(alle) "Was ist Moral?"

II. Darlegung: Auf was stützt sich Moral?

A. Tun oder Tat. B. Schule und Familie.

III. Zusammenfassung und Beschluss: Die Moral und ich. Nachsprechen!

(alle) "Die Moral und der Herr Professor."

(Gelächter)

Eine Stunde später bekam das Thema eine besondere Bedeutung.

Als nämlich Pastor Riesling mit dem Brief kam.

Tag, Professor, haben Sie etwas Zeit?

Ich muss etwas mit Ihnen ... Da ist nämlich ...

Ja, danke schön.

Treten Sie nur näher, Pastor!

Ich weiß wirklich nicht, Professor.

Das Mahl ist einfach aber herzlich vergönnt. Und ...

(Er spricht Latein.) - Zu Deutsch, Atlanta!

"Wo die Kräfte fehlen, ist doch der Wille zu loben."

Gut, mein Kind!

Der Pastor! Hab schon gesehen.

Wird es reichen? - Nee.

Doch.

Guten Tag, liebe Frau Professor! Immer fleißig, immer rührig!

Drinnen waltet die tüchtige Hausfrau.

Die Mutter der Kinder. - Ja. Ein Platz für den Pastor!

Soll ich wirklich? Sie haben genug Mäuler zu stopfen.

Es kommt bei uns auf ein Maul nicht an, Herr Pastor.

Gastfreundschaft war eine Eigenschaft der alten Germanen.

Ist es nicht schön, ein Heim zu haben?

Und eine Verantwortung. Und Sorgen. Ein Mann muss Sorgen haben.

Und ein deutscher Mann besonders.

Abzählen!

Eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs.

Sieben, acht, neun, zehn, elf, zwölf.

Wir sind vollzählig, rührt euch! - Brillant!

Hände vorzeigen!

Danke. Ihr seht, wir haben einen Gast. Ergo drei, vier. Doch zuvor:

(alle) Gott zum Gruße, Herr Pastor!

Lasst uns sehen, was Köstliches uns die Mutter zum Mahle bereitete.

Setzen!

Tomatensuppe, ein köstliches Gericht!

Köstlich! Tomate, lycopersicum esculentum - Liebesapfel.

Man glaubt, dass die Frucht zärtliche Gefühle weckt.

Grinse nicht, Parzival. - Mahlzeit!

Wir beten vor Tisch. Wer ist dran? - (alle) Freya!

Komm, Herr Jesus, sei unser Gast. Segne, was du uns bescheret hast!

Mahlzeit! - Amen, Herr Pastor!

(alle) Amen!

(Sie flüstert.)

Parzival, nenne die Nebenflüsse des Mississippi!

Hatten wir noch nicht. - Dann die der Donau!

Iller, Isar, Lech und Inn, fließen nach der Donau hin.

Weiter, Freya!

Altmühl, Naab und Regen, fließen ihr entgegen.

Exerzitium omnium nach den Wörtern ne und num, Wotan!

Auf ne und num fällt ali um.

Französische Präpositionen, Marianne!

(Sie singt.)

Die französischen Präpositionen regieren den Akkusativ.

Omnes! - (Alle singen.)

Die französischen Präpositionen regieren den Akkusativ.

Setzen! Nun, Pastor?

Prachtvoll!

Was willst du? - Lohengrin popelt.

(Gelächter)

Isolde! Ruhe!

(Atlanta hustet.)

Atlanta? - Papa?

Wieso verschlucktest du dich? - Mir kam Suppe in die Nase.

Wieso kam Suppe in die Nase? - Ich ...

Gestehe, du musstest lachen! - Ja.

War das gehörig? - Nein.

Und? - Ich bitte um eine gehörige Strafe.

Iss mit dem Schuldigen im Kinderzimmer weiter!

Jawohl, Papa!

Und äh ... schäme dich! - Jawohl, Papa!

Lass das, Affe! - Was war das?

Parzival hat mir ein Bein gestellt. Die dumme Gans soll aufpassen!

Parzival, hierher! - Ja, Papa!

Au! - Wie heißt das?

Danke, Papa. - Raus!

(Kichern)

Fabelhaft.

Hätten wir doch damals eine so starke Hand über uns gespürt.

Au! Au!

Was war das schon wieder? - Parzival hat Atlanta gehauen.

Sollst du petzen, Isolde?

Ja, was wollt ihr denn? - (alle) Zuschauen!

Kommt nicht in Frage. Geht mit euren Tellern ins Kinderzimmer!

Marta! Die Kinder essen drüben weiter, bitte räumen Sie um!

Und bringen Sie uns die Makkaroni!

Entschuldigen Sie den Wirbel, Herr Pastor.

Ja, aber bitte, Frau Professor.

Sie wissen abends aber auch, was Sie getan haben.

Das will ich meinen. Anziehen, Ausziehen, waschen, flicken.

Und wie viel Fragen Kinder stellen ...

Und mein Mann will auch versorgt werden.

Die einzige Erholung ist ab und zu das Wochenbett.

Der Lümmel wollte sich nicht mal bedanken für die Züchtigung.

Nicht bedanken? - Aber er hat sich bedankt.

Hätten wir doch damals eine so starke Hand über uns gespürt.

Nie wäre das Unglück geschehen. - Sprich nicht davon, Traugott!

Meinen Sie Ihre Schwester? - Meine unglückselige Schwester, ja.

Meine unglückselige Schwester, jawohl.

Sind Sie sicher, dass Ihr Fräulein Schwester unglückselig ist?

Ich hoffe es, Pastor.

Ist es kein Unglück, aus der Familie ausgestoßen zu werden?

Im Ausland leben zu müssen. - Heimatlos.

Auf Ihr Betreiben, Professor. - Sollte sie meinen Herd verseuchen?

Verseuchen ... - Verseuchen, Schluss!

Der kleine Fehltritt ...

Was wäre ein größerer Fehltritt? Zwillinge?

Sie war erst 17 Jahre.

Früher konnte sie ja nicht anfangen.

Ich war 18, als Atlanta geboren wurde.

Aber du warst mir ehelich angetraut.

Sprechen Sie nicht mehr von dieser Unglücklichen!

Ich muss von Ihr sprechen, Professor.

Sie haben Nachricht von ihr? - Allerdings.

Will sie Geld, oder gar in den Schoß der Familie zurück?

Hat man niemals Ruhe vor dieser Person?

Hier ist kein Platz für Dirnen. - Reg dich nicht auf, Traugott!

Ich will mich aber aufregen.

Ihre Schwester will kein Darlehen und nicht in die Familie zurück.

Sondern? - Vielmehr?

Sondern Ihre Schwester ist vielmehr tot.

Tot? - Tot?

Tot!

Es handelt sich nun ... - ... um die Begräbniskosten.

Traugott, da können wir wohl nicht anders.

Es gibt doch noch mehr Verwandte, Frida ...

Es geht um die Hinterlassenschaft Ihrer Schwester.

Niemals kommt dieser Bastard über meine Schwelle!

Es geht um das Vermögen, das Ihre Schwester hinterlassen hat.

Vermögen? - Vermögen?

Ja.

Meine Schwester war vermögend? - Es sieht so aus.

Und das erbt nun alles das Söhnchen?

Nein, das ist mit zwei Jahren verblichen.

Das wussten wir nicht.

Das nicht mitzuteilen, die Böse! - Die liebe Gute.

Sie dachte, das interessiert Sie nicht.

Doch, wir hatten ja an dieser Geschichte so lebhaften Anteil.

Nicht wahr, Traugott? - Gibt es ein Testament?

Gäbe es keins, wären Sie ja wohl die nächsten Erben.

Allerdings. - Es gibt aber eins.

Kannte Ihre Schwester Ihre feindliche Gesinnung gegen sie?

Ich weiß, worauf Sie hinaus wollen.

Sie hat sich gerecht und hat uns nicht bedacht.

Das sieht ihr ähnlich. - Ja, Traugott.

Mich wundert deshalb, dass sie Ihre Tochter Atlanta bedacht hat.

Atlanta?

Was sagst du dazu, Marianne? Die gute Seele.

Nun sag doch auch mal was! - Ja, die gute Seele.

Am besten, ich lese Ihnen den Brief vor.

(Er murmelt.)

Ja, hier!

"... Teile ihrer Liegenschaften, so ein Haus in Montevideo, ..."

"... ihrer Nichte Atlanta Nägler vermacht."

"Die Erbin muss sich jedoch in Begleitung ihres Vaters, ..."

"... hier in Montevideo einfinden, um das Erbe anzutreten."

"Schiffskarten für Herrn und Frau Nägler und Atlanta liegen bei."

"Perino, Perino und Perino, Rechtsanwälte."

(Die Kuckucksuhr schlägt.)

Ist hier jemand von so niederer Gesinnung, mir zuzutrauen, ...

... nur einen Pfennig von dieser Erbschaft anzunehmen?

Das Ziel meiner Schwester war, mich zu beschämen.

Falls ich die Erbschaft antreten würde.

Sie wird es nie erfahren. - Wieso nicht?

Sie ist tot. - Der Pastor hat Recht.

Du sagst immer, der Pastor hat Recht.

Jemand sagte, als man das hölzerne Pferd nach Troja brachte:

"Ich fürchte die Griechen, auch ihre Geschenke."

Nein, Ihr Gewissen quält Sie.

Sie fühlen, wie grausam Sie zu Ihrer Schwester waren.

Und wie unwürdig Sie ihrer Güte sind.

Aber denken Sie an Ihre Familie! - Denk an die Kinder!

Ihnen gegenüber hast du eine Verantwortung, der gegenüber ...

Zweimal gegenüber! - Sie haben eine Verantwortung!

Hoffentlich sind Sie sich ihrer bewusst.

Nun denn, Pastor! Wenn Sie mich von der Seite packen.

Ich wusste, ich kann Sie überzeugen.

Grinsen Sie nicht! - Warum nicht?

Nehmen Sie das Lächeln zurück! - Lächeln schadet nie.

Und ob! - Inwiefern?

Wo sind die Schiffskarten? - Hier.

Insofern!

Da haben wir's! Jetzt haben Sie alles verdorben.

So ein scheinheiliger Dickkopf!

Sie kennen ihn. Er kann nicht existieren ohne Heiligenschein.

Das ärgert mich. - Aber er weiß es nicht.

Die kleine Lektion tut ihm gut.

Die kleine Erbschaft hätte uns auch gut getan.

Was suchen Sie? - Den Leim.

Hier!

Er wäre ein anderer, wenn er mehr Geld und weniger Sorgen hätte.

Wenn er draußen nicht so viel zu buckeln hätte, ...

... müsste er hier nicht den Tyrannen spielen.

Das ...

Jetzt klebt alles, nur nicht die Schiffskarten.

Es tut mir Leid, Papi, wenn ich Schuld war.

Du bist nicht Schuld, mein Junge.

Ist denn irgendwas los? - Halt dich gerade, Oktavius!

Man könnte den Kindern alles geben, was sie brauchen.

Oder mehr. Sie haben viele Wünsche.

Ich kriege ihn herum. - Ihr Wort in Gottes Ohr.

Kommen Sie heute Abend mit zum Stammtisch. Es muss uns gelingen.

Sie glauben an Wunder. - Das ist mein Beruf.

Atlanta! - Ja, was gibt's?

Hilf mir die Wäsche aufhängen, Kind!

Danke schön.

Erinnerst du dich an Tante Josefine?

Nein, Mutti.

Du weißt, dass sie Vaters Schwester war.

Ist sie's nicht mehr?

Tante Josefine war Opfer eines großen Unglücks.

Davon wissen wir ja gar nichts. Was für ein Unglück, Mutti?

Als sie in deinem Alter war, ...

... oder vielleicht etwas weniger als ein paar Monate älter, ...

Was ist denn nun mit ihr, Mutti?

Du weißt, nicht alle Mädchen werden so sorgsam behütet wie du.

Nein, Mutti.

Tante Josefine war es nicht.

So konnte es geschehen, dass sie den Fehler ihres Lebens machte.

Mit anderen Worten, sie bekam ein Baby, ohne verheiratet zu sein.

Es war ein Junge. Er hatte 8,5 Pfund und keine Haare.

Woher weißt du das? - Das wissen wir alle.

Lohengrin darf bleiben, wenn wir rausgeschickt werden.

Er versteht doch noch nichts.

Wir kriegen es trotzdem aus ihm raus.

Weißt du also auch, ...

Weißt du auch, dass sie aus der Familie ausgestoßen wurde?

Das war hart von Papi. - Vielleicht.

Aber er ist auch hart gegen sich in Fragen der Moral.

Wir dürfen ihn nicht kritisieren. - Nein, Mutti.

Außerdem haben wir wichtigere Sorgen.

Was für Sorgen. - Josefine hat dir was vererbt.

Oh, ist sie denn gestorben? - Wer?

Tante Josefine. - Natürlich, sagte ich das nicht?

Nein.

Wie viel hat sie mir denn vererbt? - Das weiß ich nicht.

Aber du wirst deshalb nach Montevideo fahren müssen.

Wundervoll! Wann fahren wir, in den Ferien?

Vati will nicht. - Warum nicht?

Er weigert sich, das Geld anzurühren.

Das braucht er nicht, Ich werde es anrühren.

Kommst du mit nach Montevideo?

Das geht nicht. Wer kümmert sich um die zwölf Küken?

Außerdem hätte ich nichts anzuziehen.

Du hängst alles auf mich. Ich will das nicht.

Lieber laufe ich nackt herum. - Dein Vater wäre dagegen.

Manchmal bin ich wütend auf Papi. - Ich auch.

Das will ich nicht gehört haben. Warum bist du wütend?

Er lässt dich immer im gleichen Kleid herumlaufen.

Ich geniere mich vor Herbert.

Vater gibt mir alles, was er verdient.

Und er sieht mir in die Augen, nicht auf die Kleider.

Das sollte Herbert auch lernen.

Ich weiß, dass er uns lieb hat, so wunderlich er ist.

Alle Männer sind wunderlich.

Solange wir es nicht bemerken, sind wir verliebt.

Wenn wir es bemerken und es uns nicht stört, lieben wir.

Muttichen, was man von dir alles lernen kann!

(Es klingelt.)

Werde ich Herbert auch so eine gute Frau sein?

Das wirst du wohl müssen.

Der junge Herr Kraft wäre da.

Du glühst ja, Mädel.

Man darf Männern nicht zeigen, wie sehr uns an ihnen liegt.

Vater weiß es heute noch nicht. - Ich lasse mir nichts anmerken.

Nicht wahr, du merkst nichts. Was hast du denn?

Guten Tag, Frau Professor. - Guten Tag, Herr Kraft.

Sollten die Blumen nicht für Atlanta sein?

Nein, diesmal sind sie für Sie. - Das ist aber lieb.

Ihr zwei wollt doch nicht mit der Familie Kaffee trinken.

Aber kommt nicht so spät! - Ich könnte sie umarmen.

Später mal. Was ist denn das?

Ein Matrosenband von der Atlanta.

Auf dem Schiff haben Sie vor 18 Jahren geheiratet.

Danke! Fährt die Atlanta denn wieder?

Seit zwei Monaten, sagt Brettschneider vom Reisebüro.

Das erzähle ich meinem Mann.

Könnten Sie bei ihm ein gutes Wort für mich einlegen?

Ich habe solche Hemmungen ihm gegenüber, ...

... seit er mich durchs Abitur hat sausen lassen.

Das ist doch lange her. - Bei ihm werde ich wieder Schüler.

Jeder wird bei ihm zum Schüler, ich auch manchmal, Herr Kraft.

Aber er hatte Recht, ich habe mich tölpelhaft benommen.

Mein Mann liebt ein gewisses Maß an Beschränktheit.

Werde ich seinen Ansprüchen genügen?

Du wirst seine Erwartungen übertreffen.

Guten Tag.

Meine Eltern beschlossen bei ihrer Trauung auf See, ...

... mich Atlanta zu nennen, wenn ich ein Mädchen würde.

Ja und? Ich bin ein Mädchen geworden.

Das sieht man doch! Ja, natürlich.

Weißt du, was ich möchte. Sag's, auch wenn's schlimm ist.

Es ist nicht schlimm. Ich möchte auch auf der Atlanta heiraten.

Weil es deinen Eltern so viel Glück gebracht hat.

Ja, sie haben sich sehr lieb. Deine elf Geschwister bezeugen das.

Ja, wir sind alle Wunschkinder.

Möchtest du auch zwölf haben? Ich will mich nicht festlegen.

Wenn wir's uns leisten können, will ich zwölf Dutzend von dir.

Vielleicht können wir's uns leisten.

Tante Josefine hat mir was vererbt.

Das ist ja wunderbar! Oh! Herzliches Beileid.

Danke. Aber Papi will nicht, dass wir nach Montevideo fahren.

Nach Montevideo? Da müssen wir das Erbe antreten.

In Montevideo?

Du fährst nicht ohne mich nach Montevideo!

Und wer bestimmt das? Ich.

Du? Ja.

Und warum willst du es nicht? Weil ich ...

Weil du eifersüchtig bist. Dass ich nicht lache!

Aber wenn ein anderer ... Den bringe ich um.

Du bist auf jede Mücke eifersüchtig.

Es geht nicht um Mücken. Nein, um die Erbschaft.

Wenn du reich bist, genüge ich deinem Vater nicht mehr.

Heiratest du ihn oder mich? Dich.

Na also!

Atlanta. Herbert.

Wenn ich dich nicht so lieb hätte, wäre ich nicht eifersüchtig.

Sprich mit Papi, jetzt gleich! Ja.

(Sie klingeln.)

Ach, Herr Saft. Sieh mal an!

Kraft. - Bitte?

Kraft. - Na und?

Hast du bläuliche Papierschnitzel herumliegen sehen?

Nein, Papa.

Sie, Herr Kraft? - Nein, Herr Professor.

Haben Sie mir je eine positive Antwort gegeben?

Nein, Herr Professor. - Setzen!

Wenn er mich anguckt, fühle ich mich wie die Schlange ...

... unter dem Blick eines Kaninchens.

Macht nichts, dann halte ich eben bei ihm um deine Hand an.

Schon zurück? - Ja.

Herbert soll mit Vater sprechen. - Heute nicht, Vater hat Sorgen.

Er sucht Papierschnitzel. - So?

Ja, bläuliche. - So, so!

Ich bringe Herbert noch schnell um die Ecke!

Suchst du etwas, Traugott Hermann?

Wo ist der Pastor? - Nicht im Papierkorb.

Weißt du, was er von dir gesagt hat?

Nein, wenn du's nicht sagst.

Er sagte, du seist ein scheinheiliger Tyrann.

Das sagte der prachtvolle Gottesmann.

Aber auch, dass du unter deiner rauen Schale ein Lamm wärest.

Und dass du, würdest du je zu Geld kommen, was ja möglich ist, ...

... der wohltätigste Bürger der Stadt wärest.

Einen Schma...

Was, das hat er gesagt? - Das hat er gesagt.

Ich musste ihm Recht geben.

Nimm an, wir erben 100.000 Mark. - Bist du von Sinnen, Marianne?

Von 100.000 könntest du 10.000 wohltätigen Zwecken zuführen.

Natürlich, leicht könnte ich das.

Es hängt ganz von dir ab.

Ja, 5.000 sofort und 5.000 später. Eventuell.

Natürlich, da kann dir niemand reinreden.

Stell dir vor, wir gehen spazieren.

Die Leute ziehen den Hut vor uns und wüssten:

Da geht er, unser Wohltäter.

Wenn man bedenkt wie viel Gutes ich mit dem Geld tun könnte.

Ich habe kein Recht, das Geld zurückzuweisen.

Kein Recht. - Ich sagte schon kein Recht.

Ich muss meinen Stolz auf dem Altar der Wohltätigkeit opfern.

Deine Großherzigkeit darf nicht zu weit gehen.

Noch habe ich damit nicht begonnen.

Bedenke, unsere letzten sechs haben noch nie was Neues bekommen.

Sie mussten auftragen, was die ersten sechs ausgewachsen hatten.

Und die tragen das, was wir abgelegt haben. Eine Schande.

Und was für eine schöne Reise es wäre. Ein Lebenstraum würde wahr.

Unsere ersten gemeinsamen Ferien, Marianne.

Ich fürchte, ich muss bei den Kindern bleiben.

Nein, Marianne, du musst mitkommen!

Du müsstest, gegebenenfalls.

Das ist aber sehr lieb von dir.

Willst du nicht den Pastor auf mein Billet mitnehmen?

Ich verstehe. Der Pastor soll nicht nur auf meine Seele aufpassen.

So habe ich es nicht gemeint.

Wer gab Adam den Apfel, Eva oder die Schlange?

Traugott, du vergisst dich! - Nein, ich besinne mich auf dich.

Du Casablanca! - Casanova.

Marianne, wenn ich das Geld nehme, können wir uns unter Umständen ...

... noch etwas leisten. - Was denn?

Ein dreizehntes.

Traugott Hermann, das geht zu weit!

Also, Sie sind für die Reise und ich bin dagegen.

Sie beweisen mir, was ich für ein Trottel bin, Herr Bürgermeister.

Das überzeugt den Professor. - Das ist eine Kleinigkeit.

Dann erzählt der Apotheker die Geschichte.

Großartiger strategischer Plan.

Siehe da, die Frau Professor, welch Glanz in unserer Hütte!

Guten Abend, die Herren! Herr Bürgermeister!

Wie geht's Ihnen, Sie Schafskopf? - Wohl gut gelaunt, Sie Duckmäuser!

Ärgert Sie das, Sie Erbschleicher? - Das freut mich, Sie Patent-Ekel!

Möselchen? - Ja.

Ja! Mosel, 'nen Roten! - Gut!

Apropos Erbschleicher, Sie haben's nötig, nachdem, was man so hört.

Ja, wir werden bald eine große Reise unternehmen.

Bitte nichts davon!

Haben Sie gehört, Pastor, was der Apotheker ...

... von seiner Reise nach Amerika erzählt hat?

Ich bin fast gestorben vor lachen! - Fast? Probieren wir es noch mal!

Erzählen Sie's doch noch mal!

Nicht in Gegenwart der Frau Professor.

Meine Frau hat noch nie einen Witz verstanden.

Wie kannst du das sagen? Erzählen Sie, Herr Apotheker.

Es wird nicht zu schlimm sein. - Na, ich weiß nicht.

Ein Bekannter von mir, der Name ist unwichtig, ...

... geht da spazieren, in einer Straße in Montevideo.

Ich traue mich nicht.

Erzählen Sie die Geschichte, Herr Bürgermeister!

Also, er geht spazieren in einer Straße in Montevideo.

Er lacht so elegant.

Er geht spazieren in einer Straße in Montevideo, plötzlich ...

Es ist zu komisch!

Das werden wir beurteilen.

Er geht spazieren in einer Straße in Montevideo.

Das war ja eine lange Straße.

Da sieht er eine Menschenmenge vor einem Schaufenster.

Er geht näher und sieht im Schaufenster ...

... eine lebendige, wunderschöne Dame in einer Badewanne liegen.

Nur mit Seifenschaum bekleidet. Es war eine Reklame für Badeseife.

Wie hieß die Seife? - Egal, weiter!

Plötzlich fängt ein junger Mann an, die Nationalhymne zu schmettern.

Aber es wirkte nicht. - Wieso nicht?

Warum nicht?

Sie stand nicht auf.

Na, Mariannchen, hast du's verstanden?

Vielleicht brauchte die Dame gar nicht aufzustehen.

Vielleicht war sie eine Ausländerin.

(Alle lachen.)

Ja, was einem so alles auf Reisen passieren kann.

Montevideo wäre kein Pflaster für mich.

Man muss mal was anderes sehen, als den eigenen Kirchturm.

Es ergeben sich andere Perspektiven.

Nee, nee, bleibe im Lande, und nähre dich redlich!

Man sollte sich die Welt ansehen, wenn man die Gelegenheit dazu hat.

Reisen tut Not!

Ihr miserablen Komödianten!

Ich glaube nicht an den Großmut meiner Schwester.

Etwas stimmt da nicht.

Aber eine tote Tante ist doch kein trojanisches Pferd.

Sie könnten so viel Gutes mit dem Geld tun.

Ja, ein neuer moderner Dampfwagen für die Feuerwehr tut Not.

Neue Gitter für das Gefängnis.

Die Regimentskapelle braucht einen Schellenbaum.

Und die Jacobus-Kirche eine Glocke.

Wir nennen sie Herrmann-Glocke. - Traugott-Herrmann-Glocke.

Sie schmettert das Lob des Stifters über die Stadt.

Denken Sie an Ihre Familie! - Ach, Traugott!

Wir könnten uns unter anderem noch ein "du weißt schon, was" leisten.

Wo sind die Schiffskarten?

Hier, der Pastor hat sie zusammengeklebt.

(Alle singen) "Wem Gott will rechte Gunst erweisen, den schickt er ..."

"... in die weite Welt."

"Dem will er seine Wunder weisen, in Berg und Tal und Strom und Feld."

(Sie singen) "Wir wandern, wir wandern, von einem Ort zum andern."

"Wir wandern, wir wandern mit Gesang durchs ganze Land."

"Die Bächlein von den Bergen springen."

"Die Lerchen schnellen hoch vor Lust."

"Was soll ich nicht mit ihnen singen."

"Aus voller Kehl' und frischer Brust?"

"Wir wandern, wir wandern von einem Ort zum andern."

"Wir wandern, wir wandern mit Gesang durchs ganze Land."

"Die Trägen, die zu Hause liegen, erquicket nicht das Morgenrot."

"Sie wissen nur von Kinderwiegen, von Sorgen, Last und Not um Brot."

"Wir wandern, wir wandern von einem Ort zum andern."

"Wir wandern, wir wandern mit Gesang durchs ganze Land."

(Die Lokomotive pfeift.)

"Muss i denn, muss i denn zum Städtele hinaus?"

"Und du mein Schatz bleibst hier!"

"Wenn i komm, wenn i komm, wenn i wiederkomm, ..."

" ... kehr i ein, mein Schatz, bei dir,"

Wir winkten, bis nur noch eine Wolke am Horizont zu sehen war.

Drei Wochen sind nun ins Land gegangen.

Drei Wochen sind wir nun allein.

Wo mögt ihr jetzt herumschwimmen?

Ich beneide euch, was ihr alles zu sehen bekommt.

Wann kommt endlich was anderes als Wasser, Herr Pastor?

In acht Tagen frühestens.

Kann man den Äquator sehen? - Der ist nur eine gedachte Linie.

Auf Papis Globus sieht man ihn so schön.

Wo ist eigentlich Papi? - Er musste sich hinlegen.

Hat er wieder ... Ist ihm wieder ...

Ja. Es ist ihm wieder ... Er hat ... Ich sehe mal nach ihm.

Die Bordzeitung, sie enthält das Menü der nächsten Woche.

Hinaus!

Wer den Magen hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen.

Schwäche, dein Name ist Leib.

Seekrankheit hat nichts mit körperlicher Schwäche zu tun.

Es hat mit dem Gehirn zu tun.

Ja, deshalb bleiben Sie verschont. Was tun Sie hier?

Genügt es nicht, dass ich Sie nachts hier ertragen muss.

Ich genüge meiner Hirtenpflicht. - Hüten Sie meine Tochter.

Sie liest draußen an der Reling. - Sprechen Sie nicht von der Reling.

"Gehen Sie in Ihre Kabine, Senorita."

"Jemand erwartet Sie, der Ihnen nahe steht. Ein Freund"

Herbert, was machst du denn hier? Wie siehst du aus?

Ich sagte doch, du fährst nicht ohne mich.

Ich habe als Heizer angeheuert. Ich will dich seit drei Wochen sehen.

Ich darf aber nicht aufs Promenadendeck.

Das hast du für mich getan? O Herbert!

Wo warst du, Kind? - Ich habe mir das Schiff angesehen.

Interessant, nicht wahr? - Ja, es gibt viele Überraschungen.

Du hast dich schwarz gemacht. - Wo?

An der Nase. Warst du im Maschinenraum?

Das Meer ist so wild, Herr Pastor! - Wil...?

Merkwürdig, keine Spur von Herbert Kraft, seit der Abreise der drei.

17,50 Meter Apfelringe auf dem Trockenboden aufgehängt.

Mir tut das Kreuz weh.

Seit die Erbschaft in Aussicht ist, werde ich leichtsinnig.

Ich lasse mir das helle Jackenkleid ändern.

Vielleicht sogar mit Pelz-Besatz.

Eigentlich brauchen die Kinder dringender etwas Neues.

Pst, Sokrates!

Ein eigenartiges Gefühl:

Hier geht der Sommer zu Ende, und drüben fängt der Frühling an.

Ach, Traugott, du bist so weit weg!

Terra firma, endlich. So muss Columbus zumute gewesen sein.

Atlanta! - Atlanta, aufschließen!

Pastor, wir nehmen uns eine Droschke, man erwartet uns nicht.

Wir haben einen halben Tag Verspätung.

Ja, also!

Bringen Sie uns zur Estancia Machado.

Senor?

Bringen Sie uns zur Estancia Machado!

(Spanisch) Estancia Machado, Sie? - Aber, aber!

Halt, unser Gepäck!

Professor Nägler?

Ja.

"Willkommen in Montevideo, Professor."

"Folgen Sie Bezepa, ..." - Si, si.

"... sie wird Sie bringen zu Ihrer Schwester Haus ..."

"... und zu Ihrer Carmen de la Rocco."

Carmen de la Rocco, si!

Pension Habanera, Avenida del mar!

Wozu hat meine Schwester eine Pferdebahn?

Andere Länder, andere Sitten? - Und Carmen de la Rocco?

Was gefällt Ihnen nicht? - Der Name.

Sie Miesepeter!

Der Kutscher grinste, als ich Estancia Machado sagte.

Vielleicht kennt er Sie von Dingskirchen.

Oh! Papi, hier ist es ja wunderbar!

Buenas noches! - Buenas noches!

Senora del la Rocco wird Sie empfangen morgen.

Schon spät, Sie werden sein müde nach der langen Reise. Por favor!

Pastor? - Ja?

Wissen Sie, wer das ist? - Ihre Schwester.

Sie hat sich nicht verändert, die gute Josefine.

Die Büste einer vollendeten Dame. - Tja, die Büste ist vollendet.

Wir haben frei gemacht die schönsten Zimmer, por favor.

Hier, gelbes Zimmer für kleine Freundin von Professor.

Das ist meine Tochter. - Oh la la!

Das ist ja herrlich! - Ja, erstaunlich.

Und Papi, ein richtiges Bad!

Ja, das ist schön. Vergiss nicht das gute Kleid aufzuhängen!

Gute Nacht, Kind, träum schön!

Ich bin schon dabei. Das alles ist ein einziger Traum.

Hier, das rosa Zimmer. Wer?

Bitte nehmen Sie das, Pastor! Rosa passt zu Ihrer Gesichtsfarbe.

Und das blaue Zimmer für den Professor.

Na, was sagen Sie, Professor?

Ist der Spiegel über dem Bett nicht recht unsinnig?

Andere Länder, andere Sitten. - Sie wiederholen sich.

Sonderbar bei meiner Schwester. - Sie sind Gast bei der Verblichenen.

Sie vergessen ...

Josefine beantwortet Ihre Grausamkeit mit einer noblen Rache.

Sind meine Ansprüche an Moral zu hoch?

Ich dachte, wir machen Ferien. - Moral kennt keine Ferien.

Ist die Pension Habanera weit von hier?

Pension Habanera, Avenida del mar.

Si, si! Ist das weit von hier?

Si, si!

Wenn haben besonderen Wunsch, ich, Belinda. Wenn wollen, klingeln!

Belinda kommen dia y noche.

Was sagt sie?

Wenn Sie wollen, kommt sie auch nachts.

Bitte, Mädchen schlafen schon! - Mädchen?

Sie wird Atlanta meinen.

Den allerschönsten guten Morgen, lieber Pastor!

Professor, stehen Sie doch auf.

Ich habe geschlafen wie Dornröschen.

Haben Sie schon mal in so einem Bett gelegen oder besser geschwebt?

Und diese Seidendecken erst ...

Was ist das für ein Anzug?

Der stammt aus der Zeit, als ich Missionar werden wollte.

Das muss lange her sein. - Ich bin nicht auf Rosen gebettet.

Was ist das ganze wohl wert, Pastor, so rund?

Ich sollte denken so 200.000.

Für diese Lappalie werde ich es nicht verkaufen.

Pastor, heute Abend sind Sie mein Gast.

Wir lernen Montevideo kennen und Montevideo uns.

Glückliches Montevideo! Wo ist Atlanta?

Sie schläft noch. Zum ersten Mal allein in einem Bett.

Wir konnten uns nie so viele Betten leisten wie Kinder.

Oh, die Flamingo-Blume, die wächst hier wie bei uns Geranien.

Das Frühstück, Caballeros! Und Mme de la Rocco!

Guten Morgen, meine Herren. Ich bin Carmen de la Rocco.

Herzlich willkommen in diese Haus.

Madame, ich bin froh, dass wir uns verstehen, Sie sprechen ja deutsch.

Nicht gut aber schlecht.

Sie waren die Vertraute meiner teuren Schwester?

Ja, wir waren sehr vertraut, wir hatten so viele gemeinsam.

Bitte?

So vieles.

Ah. Das ist Pastor Riesling.

Padre!

Nein, das ist bei uns nicht üblich.

Setzen wir uns, meine Herren.

Professor Nägler, Traugott.

Hatten Sie eine geruhsame Überfahrt? - Der Professor hat nur geruht.

Was ist Ihr Programm für heute?

Wir ... - Moment!

Ich möchte mit dem Testamentsvollstrecker sprechen.

In Montevideo man hat Zeit. Man sagt morgen und meint übermorgen.

Ich werde die Kanzlei verständigen.

Sehr liebenswürdig.

Hier gibt es viel Zerstreuung. Kann ich irgendetwas arrangieren?

Das Prähistorische Museum würde den Professor sehr interessieren.

Schuft! Alles zu seiner Zeit.

Wie lange hat meine Schwester hier gelebt?

Gar nicht. - Hatte sie noch ein Haus?

Sie besaß 12 solche Häuser im ganzen Land. Alle gehen vortrefflich.

Sie gehen vortrefflich, diese Häuser?

Ausgezeichnet, ja. Soll man sagen leider?

Es gibt ein großes Bedürfnis in der leichtlebigen Stadt.

Begreiflich, nicht wahr? - Ja, absolut begreiflich.

Was meinen Sie, Pastor? - Absolut.

"Tout comprendre c'est tout pardonner."

"Alles verstehen heißt alles verzeihen."

Ich verstehe Französisch. Madame, wie ist es so plötzlich ...

Es war doch plötzlich? - Ja.

Die Arme. - Sie war nicht arm.

Nicht im finanziellen Sinn. - Auch sonst nicht.

Ihre gute Laune hatte sie bis zuletzt.

Als sie machte ihr Testament, lachte sie Tränen.

So? Das ist ja erfreulich. - Sie hatte viel Sinn für Humor.

Sagen Sie ... - (laute Geräusche von Vögeln)

War sie je verheiratet?

Nein, das wäre ihrem Beruf abträglich gewesen.

Was war denn ihr Beruf?

Jetzt, meine liebe Professor, Sie wollen mich, wie sagt man, ...

... auf den Arm nehmen. - Es wäre mir ein Vergnügen!

Wenn Sie nicht reich geheiratet hat, woher hatte sie das Geld?

Sie war arm wie Maus Kirche, als sie anfing.

Ganz allein machte sie ihr Vermögen, ...

... mit der kleinen Gabe, die Gott ihr verliehen hatte.

Interessant!

Klei... Kleine Gabe? - Ja, ich sage kleine Gabe.

Sie war nicht talentierter als andere, aber sie war mehr fleißig.

Sie beschämte uns jeden Tag, und wir waren nicht faul, oh la la!

Erstaunlich.

Sie gar nicht essen, Professor. Sind Sie nicht appetitlich?

Hat sie ... Madame, hat sie je von mir gesprochen?

Ja, Professor, beim Testament.

Sie lächelte, als sie sagte:

"Es wird eine Überraschung für meinen tugendhaften Bruder, ..."

"... wenn ich ihm vermache eines meiner Etablissements."

In Europa man sagt doch so für Häuser mit Mädchen, oder?

Ja, man sagt so.

Aber nun, meine Herren, lasse ich Sie alleine.

Später zeige ich Ihnen die Bücher.

Senores, Padre, Professor, bis später!

Die kleine Gabe meiner Schwester, was meint sie wohl damit, Pastor?

Wer weiß.

Mein prophetisches Gemüt! - Sind Sie bedient?

Ja. Wie viele Mädchen sind hier im Haus?

Mit Tochter von Professor 14. - Mit meiner Tochter 14? Atlanta!

Atlanta! Atlanta!

(Die Mädchen kreischen.)

Atlanta!

Atlanta? Atlanta? - Ja, Papi?

Was machst du da? - Ich bade.

Du weißt nicht, wo du badest, unglückliches Kind.

Komm heraus, du ziehst um!

Gibt es in der Nähe ein einfaches, solides Hotel?

Pension Habanera, gleich um die Ecke!

Pastor, Sie wissen, wo wir hier sind?

Ich ahne es, in einem ... Warum puffen Sie mich denn?

Spricht jemand deutsch oder lateinisch?

Ich, Padre, deutsch, und Lolita. Ich auch.

Und ich. No, no, no!

Wie alt seid ihr denn? - (alle) 18, 20, 16.

So jung und schon ... Wie seid ihr in dieses Haus gekommen?

Es ist schwer, aber wenn man die Voraussetzungen erfüllt ...

Und die habt ihr erfüllt. - (alle) Si, si.

Arme Geschöpfe. - Wir fühlen uns wie im Himmel.

Wir dürfen nur bleiben, solange wir sind jung.

Dann müssen wir gehen allein unsere Straße.

Das ist kein Muss! - (alle) O doch!

Was macht ihr tagsüber?

Vormittags reiten, schwimmen und dann haben wir Unterricht.

Was für Unterricht? - Sprachen, Konversation, Tanzen.

Viel tanzen.

Und andere Künste.

Ja, Madame lehrt uns alles, was die Herren wünschen.

Alles was die Herren w... Und nachmittags?

Nach Siesta wir frei, spielen Tennis, Kricket, Federball.

Wir tun viel, für Körper bleibt gut. - Ich verstehe, und abends?

Wir sitzen im großen Salon, machen Handarbeit, lesen ...

Und manchmal wir spielen Grammophon. - Und dann?

Wir müssen gehen in die Zimmer. - So! Und dann?

Dann wir schlafen. Wir müssen schlafen.

Und wann kommen die Herren? - Welche Herren?

Die, die ... - Ach, die Herren aus Montevideo!

Ja, die. - Die kommen nur alle 14 Tage.

Wieso nur alle 14 Tage, rentiert sich das?

Die kommen doch nur zur Kontrolle.

Kontrolle - (alle) Si, ja!

Die Herren sind vom Kuratorium der Stiftung.

Kuratorium? - Si.

Dieses Haus ist eine Stiftung? - (alle) Si, si!

Ja, Maria Machado gab ihr ganzes Vermögen zu machen diese Häuser.

Für die Ausbildung junger Mädchen ohne Eltern und Arbeit.

Das hier ist ein Heim für ... - (alle) Heim, ja!

Oh, ging ich in die Irre! Und wer war die hochherzige Stifterin?

Sie nicht kennen Maria Machado vom Theatro Colon in Buenos Aires?

Größte Sängerin von Südamerika. Kommen Sie, drinnen ist Büste.

Ich zeige, kommen Sie!

Maria Machado! Maria Machado! Maria Machado!

Als sie war jung, sie war so verstoßen.

Sagt man so? So allein?

Das ist ... Kinder, ich könnte euch umarmen und küssen.

Warum tun Sie es nicht, Padre? Wir alle mögen Sie gut leiden.

Pastor! Meine Damen!

Ich hatte eben einen der größten Augenblicke meines Lebens.

Das habe ich gesehen. - Ich habe entdeckt ...

Sie sollen sich schämen.

Nichts ist so schmutzig, wie eine schmutzige Fantasie es machen kann.

Drücken Sie sich deutlicher aus!

Halten Sie sich fest! - Bitte?

Wissen Sie, wer Maria Machado war? - Eine Sängerin, was ist mit ihr?

Sie starb kürzlich, nicht wahr? - Na und?

Wissen Sie, wie sie aussah? - Nein.

Da! - Was? Das ist meine Schwester.

Richtig, Josefine Nägler, und ihr Bühnenname war Maria Machado.

Nein! - Ja.

Das Haus, dass Sie mit Ihrer Moral für einen sonst was hielten, ...

... ist ein Heim für alleinstehende Mädchen.

Gegründet um die Mädchen vor dem zu schützen, für das Sie es hielten.

Brüllen Sie nicht so!

Das Mädchen trat fehl und steht moralisch doch höher als Sie.

Es war Unrecht, dass Sie sie verstießen in jener dunklen Nacht.

Fühlen Sie das? - Es war Vollmond.

Wenn ich sie nicht verstoßen hätte, wäre Sie noch in Dingskirchen.

Sie rechnen sich ihre Karriere zum Verdienst an?

Vielleicht war ich ein Werkzeug in der Hand der Vorsehung.

Das ist die Höhe!

Pastor, warum sind Sie eigentlich so wütend?

Ihre Dickfelligkeit bringt mich zur Verzweiflung.

Vielleicht ist die nicht ganz echt.

Vielleicht brauche ich ein dickes Fell für mein Gewissen.

Professor!

Sie haben meiner Frau gesagt, ich sei ein Scheinheiliger.

Das durfte sie nicht erzählen. - Gut, dass sie es tat.

Sie nehmen mir den einzigen Trost, dass meine Tat zu etwas gut war.

Ich bin ein schlechter Hirte. - Das sind Sie nicht.

Doch. - Machen Sie sich keine Vorwürfe!

Ich habe Sie gern. - Ich Sie auch.

Aber oft könnte ich Sie schlagen. - Ich Sie auch.

Pastorchen, tun Sie mir einen Gefallen?

Holen Sie Atlanta zurück? - Wo ist sie?

In einer Pension um die Ecke.

Ich halte inzwischen stille Andacht mit meiner Schwester.

Sie ist mein Fleisch und Blut. Ich verzeihe ihr.

Wo ist Atlanta untergebracht? - Pension Habanera.

Hoffentlich ist es eine Pension.

(Eine helle Frauenstimme singt einen Walzer.)

(Eine helle Frauenstimme singt einen Walzer.)

Eine wundervolle Stimme, nicht wahr? - Ja, sie hatte Gold in der Kehle.

Nicht nur in der Kehle, Professor.

(Er stellt die Musik ab.)

Madame, ich schäme mich. - Warum, Professor?

Ich hatte einen schlimmen Verdacht. - Einen Verdacht?

Ich dachte ... Ich wage es Ihnen nicht zu sagen.

Ich bin nicht zimperlich.

Sagt man so in Europa? Ich kann vertragen einen Puff.

Das dachte ich.

Unter uns, dieses Haus war wirklich etwas oh la la, ...

... bevor Maria Machado es kaufte.

Ich habe Strafe verdient und bitte um eine solche.

Ich lade Sie, die jungen Damen und die Herren vom Kuratorium ...

... zu einem rauschenden Fest ein. Sagt man so in Südamerika?

Ja. Also machen wir einen Asado! - Einen Asado!

Einverstanden? - Si, si. Was ist ein Asado?

Lassen Sie sich überraschen!

(Lateinamerikanische Musik)

Der Text von diesem Lied ist nicht originell aber charmant.

"Pedro, ich dich lieben. Ich dich lieben immerzu."

"Ich dich liebe, solange Wasser fließt im Guadalquivir."

Ja! Guadalquivir, Fluss in Spanien. Mündet in den Golf von Cadiz.

"Wenn du kommst zurück, du wirst schlagen deine Gitarre ..."

"... unter dem Balkon meines Zimmers, und ich werde fliegen."

"Hinab die Treppe. Der Mond wird scheinen, mein Herz wird jauchzen."

"Die Blumen werden riechen ..."

"... duften, und mein Körper, er wird an dir versengen."

Brennen, versengen ist Transitiv. - "Brennen."

"Pedro, ich dich lieben immerzu, ..."

Und so weiter, und so weiter. - Und so weiter ...

Und so weiter!

(Applaus)

Herr Pastor, ich muss Ihnen etwas Interessantes zeigen.

Du machst mich neugierig.

Herbert Kraft! Aber wieso? - Ich kann nichts dafür.

Ich bin mit Ihrem Schiff gekommen. Als Heizer.

Drum! Jetzt verstehe ich.

Und heute sind Sie Gaucho. - Das tut man alles aus Liebe.

Nicht dass du Fettflecke auf dein Kleid bekommst!

Aber Herr Pastor! - Weiß dein Vater Bescheid?

Nein, aber das Fest ist eine gute Gelegenheit.

Das Kostüm ist zur Tarnung. Ich will keine Geheimnisse mehr.

Erst auf dem Schiff und gestern in der Pension Habanera.

Immer so nah bei Atlanta, das ist mir zu gefährlich.

Ich will vorher um ihre Hand anhalten.

Bevor man weiß, ob sie erbt oder nicht.

Das ist anständig von Ihnen. - Ich war sogar leichtsinnig.

Ich habe Schiffskarten für die Atlanta bestellt.

Für Trauung und Hochzeitsreise.

Ich habe Mutti telegrafiert, damit Sie es tut.

Vorsicht, das Kleid! Ja, Herr Kraft, dann halten Sie an!

Ihr Schwiegervater in spe ist bester Laune.

Wenn ich ihn sehe, verliere ich den Mut.

Das kann ich nachfühlen.

Sie müssen mit ihm sprechen. - Ich?

Ja, heute noch. - Gut, ich werde es versuchen.

(Sie singt zur Tango-Musik)

"Paris tanzt Can-Can, der Balkan tanzt Kolo, ..."

"... der Russe solo. Alle diese Tänze sind entbehrlich."

Wie man's nimmt.

"In Madrid tanzt man Fandango, doch hier tanzt man Tango."

"Und nur der Tango ist gefährlich."

Was Sie nicht sagen!

"Wenn die schwarzen Senoras aus Montevideo ..."

"... dich lockend umgarnen und dir tanzend begegnen, in Montevideo!"

"Lass dich warnen!"

"Der erste Schritt vom rechten Weg ist manchmal nur ein Tangoschritt."

"Ein Übertritt, ein Wechselschritt, vielleicht ein kleiner Fehltritt."

"Der erste Schritt vom rechten Weg muss noch nicht begehrlich sein."

"Doch kann er schon gefährlich sein, wenn dich der Tango-Takt packt."

"So viel Kontakt, wie da entsteht, hast du noch nie gespürt."

"Wenn dich im Takt zart und diskret ein süßes Knie berührt."

"Der erste Schritt vom rechten Weg ist manchmal nur ein Tango-Schritt."

"Tanz niemals einen Tango mit, nicht einen Schritt!"

Ole! - Ole!

Bravo, Professor! Wie sagten Sie?

"Wir lernen Montevideo kennen und Montevideo uns."

Pastor, ich bin beeindruckt von dem Fest.

Nur von dem Fest?

"So viel Kontakt, wie da entsteht, hast du noch nie gespürt."

Jetzt haben Sie die schlechte Fantasie, Pastor.

Ich habe eine Überraschung, Professor.

Professor, der Anwalt wartet im Haus auf Sie.

Er lässt seine Verspätung entschuldigen.

Er ist mir willkommen. Her mit den Pesos!

(Tango-Musik)

Danke, gut, Ihnen auch? Fein. Professor Traugott Hermann Nägler?

Ja, schön Sie kennen zu lernen. Herr Perino?

Dr. Glück, nicht Unglück.

Ich erwarte die Herren Perino.

Tot, alle drei. Ich bin ihr Nachfolger.

Hier ist das Testament. Für Sie sind nur die letzten Seiten.

Bei den anderen handelt es sich um Stiftungen für junge Dinger.

Als sie selbst jung war, warf ein verblödeter Verwandter sie hinaus.

Wissen Sie, wer es war? - Wissen Sie es?

Ich will es gar nicht wissen. Und hier ist es, wo Sie drankommen.

"Haus und Grundstück 1351 Estancia Machado vermache ich ..."

"... mit allen Rechten und Pflichten meiner Nichte Atlanta Nägler." Aus.

Wie viel ist es wert? - 75.000 Silberpesos.

Wie viel ist das in Mark? - Etwa das Vierfache.

Oh, 300.000! Ihr Name ist Dr. Glück. Nomen est omen.

Lässt sich die Summe erzielen? - Nein.

Wieso nicht? - Atlanta darf nicht verkaufen.

Warum? - Die Stiftung muss erhalten bleiben.

Also hat sie nur Pflichten. - So ist das.

Und, um es am Rand zu erwähnen, wie sieht es denn mit Bargeld aus?

Bargeld, warten Sie! Ich glaube, da ist eine kleine Klausel.

Interessiert Sie das? - Ja, unter Umständen.

Wo steht etwas vom Bargeld? - Hier steht etwas.

"Den Rest meines Vermögens, 225.000 Silberpesos, ..."

900.000 Mark! - Etwa, ja.

"... vermache ich dem Asyl für Mütter unehelicher Kinder."

Mahlzeit! - Bitte?

Jetzt ist es aus. - Nein, es geht weiter.

"Wenn aber ein weibliches Mitglied der Familie meines Bruders ..."

"... Traugott Herrman Nägler ein uneheliches Kind bekommt, ..."

"... dann fließt oben genannte Summe, 225.000 Silberpesos, ..."

"... dem betreffenden Opfer einer solchen Katastrophe zu."

Bitte lesen Sie das noch mal!

"Wenn aber ein weibliches Mitglied der Familie meines Bruders ..."

"... Traugott Herrman Nägler ein uneheliches Kind bekommt, ..."

"... dann fließt oben genannte Summe, 225.000 Silberpesos, ..."

"... dem betreffenden Opfer einer solchen Katastrophe zu."

"Diese Bestimmung läuft am 22. Juli nächsten Jahres ab."

Wann? - Am 22. Juli nächsten Jahres.

Das ist Atlantas 17. Geburtstag. - Richtig.

Ihre Schwester war ja auch in dem Alter, als etwas passierte?

"Bei voller geistiger Frische ..." - Das ist sicher.

"... wurde dieses Testament verfasst." Und so weiter!

Ich finde das nobel von Ihrer Schwester.

Falls Atlanta ... - Es muss nicht Atlanta sein.

Wie bitte, meine nächste Tochter ist 12.

Falls Atlanta ... - Kriegt sie das Geld.

Und wenn nicht ... - Nicht.

Also kein Kind, kein Geld. - So ist es.

Die Verblichene wollte im Notstand beistehen.

Ich weiß, was die Verblichene wollte!

Sicher, es war ja Ihre Schwester.

Morgen Nachmittag mit Ihrer Tochter in meinem Büro. Gut, um fünf Uhr.

Ja, Ausweispapiere sind von Nöten. - Einen Augenblick, bitte!

Die Sache ist vertraulich, oder? - Selbstverständlich, Professor.

Das Wurm muss natürlich unehelich sein.

Natürli... Oh!

Du Aas, du! In Versuchung willst du mich führen, was?

Lächele nicht! Grinse nicht!

Niemals! Niemals! Niemals!

(Das Grammophon beginnt die Platte mit Maria Machado zu spielen.)

(Lateinamerikanische Musik mischt sich mit dem Grammophon.)

(Lateinamerikanische Musik)

September, Oktober, November, Dez...

Guten Tag, sagen Sie ... - Guten Tag, Frau Professor!

Frau Geheimrat hat mich zuerst gegrüßt.

Die Sache mit der Erbschaft hat sich schnell herumgesprochen.

Es war wie Spießrutenlaufen. - Frau Professor!

Aber eigentlich ganz hübsch.

Siehe da, die Millionenerbin! Guten Tag, liebe Frau Professor!

Gnädigste!

Guten Tag, meine Herren.

Sie kaufen selbst ein? Das haben Sie doch nicht mehr nötig.

Schlicht bleiben ziert die deutsche Frau.

Die Erbschaft ist nicht gewiss. Ich habe noch keine Nachricht.

Aber wir, der Pastor hat gekabelt. Es scheint alles in Ordnung zu sein.

Die Traugott-Hermann-Glocke ist in Auftrag.

Der Dampfwagen ist bestellt und die Gefängnisgitter.

Der Schellenbaum auch. - Mir wird schwindelig!

Was ist in Montevideo für eine Währung?

Escudos. Piaster!

Zaster und Peseten!

(Alle lachen.)

Herr Bürgermeister, wie viel sind 27 Zentimeter?

Na ungefähr ein Viertel Meter. Genau zwei Zentimeter mehr.

Zeigen Sie es mir doch mit den Händen!

Etwa so viel. Warum? Sie sind doch jetzt andere Zahlen gewohnt.

Man lässt die Kinder wegen so einem Stückchen nicht heiraten.

Ich verstehe nicht.

Das sagt Herr Brettschneider vom Reisebüro, wegen 27 Zentimetern.

Reden wir bei einer Flasche Mosel weiter!

Geben Sie uns die Ehre zu einem Frühschoppen!

O ja!

Erzählen Sie uns in Ruhe von den 27 Zentimetern.

"Was stehen wir davor? Es sind Türen da und Tor."

Brettschneider sagte: "Ich verkaufe Ihnen die Billets."

"Aber die Kinder können nicht darauf heiraten."

Auf den Billets? - Auf der Atlanta heiraten, wie wir.

Ich frage, warum nicht? "Die Atlanta ist zu klein," sagt er.

"Sie wird 17", sage ich. "Nein, das Schiff ist zu klein," sagt er.

"Zu klein? Die Kinder sind doch schmächtig", sage ich.

"Es kommt nicht auf die Statur der Brautleute an", sagt er.

"Sondern auf das Schiff. Es muss nämlich ein Schiff sein."

Ich werde verrückt.

Das habe ich auch gesagt. Darauf sagt Brettschneider:

"Der Kapitän eines Schiffes darf Trauungen vornehmen."

"Aber es muss ein Schiff sein."

"Und dazu muss es eine bestimmte Länge haben."

Stimmt, man kann nicht auf einer Fähre oder einem Kahn heiraten.

Die Atlanta ist 27 Zentimeter zu kurz.

Heiraten ist nicht mehr erlaubt, nur noch Vergnügungsfahrten.

Ist das nicht traurig.

Wenn ein Kanonenrohr zu kurz ist, ist es ja auch eine Haubitze.

Aber schießen tun sie beide.

Frau Professor, dann heiraten die jungen Leute eben woanders.

Es hätte ihnen viel Spaß gemacht.

Es wird Ihnen woanders auch Spaß machen.

Gestatten Sie, Frau Professor, der ersten Dame der Stadt.

Sie sind plötzlich alle so nett zu mir.

Waren wir das nicht immer? - Na, ich weiß nicht.

Aber! Aber!

Trinken wir auf das Wohl unseres Wohltäters, Professor Nägler.

Wenn 2,3 Silberpesos 10 Mark sind, wie viel Mark ... Oh, mein Kopf!

225.000 mal 10 durch 2,3. 22 durch 23 geht nicht, borge ich mir ...

Ha! "In voller geistiger Frische". Ha, ha!

Ist Ihnen nicht gut? - Nein.

Ja, der Asado: "Tanz niemals einen Tango mit, nicht einen Schritt!"

Lassen Sie mich zufrieden!

Sie werden mich nicht durch Ihr schlechtes Benehmen los.

Jetzt, wo Sie reich sind. Ich habe eine Überraschung.

Genug Überraschungen. Wenn Sie wüssten ...

Mit dem Geld kommen die Sorgen. - Ohne Geld nicht? Da ist kein Geld.

Wie? - Wenigstens vorläufig nicht.

September, Oktober, Novem...

Fragen Sie mich nicht nach dem Testament?

Was ist mit dem Testament?

Ich bringe es Ihnen in Form einer Fabel bei.

Nehmen Sie an, Sie seien ein Hirte. - Ich bin es.

Nein, ich meine einen richtigen Hirten mit echten Schafen.

Ihre Herde hat zwölf Schäfchen, und Sie lieben sie alle wie ein Vater.

Aber Ihre Weiden reichen kaum aus, den grimmigsten Hunger zu stillen.

Kein extra Grashalm weit und breit. - Wie hübsch!

Wie bitte? - Ich sagte, wie traurig!

Plötzlich, in der tiefsten Not, wer klopft da an die Tür?

Die gute Fee!

Einen Dreck! Der böse Wolf. Und der sagt:

"Gib mir ein Schaf, und ich zeige dir neue reiche Weiden und Wiesen!"

"Deine anderen elf Schäfchen können dort nach Herzenslust grasen."

Was würden Sie antworten? - Hebe dich hinweg von mir, Satan!

Ist das endgültig? - Ja.

Sie lassen die anderen elf verhungern?

Wenn Ihnen die anderen elf im Traum erscheinen und fragen:

"Was hast du getan mit unseren grünen Weiden?"

Was würden Sie antworten?

"Geht weg, Schäfchen, ich habe nach meinem Gewissen zu handeln!"

Aber die elf Schäfchen meckern:

"Dein Gewissen und deine Bedenken nähren uns nicht!"

"Ein Hirte muss für seine Schafe sorgen!" Was sagen Sie?

Sie dürfen kein Schäfchen dem Wolf zum Fraß vorwerfen!

Wer will es denn fressen? - Der Wolf!

Keine Spur! - Was will er denn?

Spielen!

Ach so! - Ja!

Es ist also kein böser Wolf. - Nicht unbedingt.

Man müsste zuvor den Wolf sehen. Da ist er ja!

Wer? - Herbert, meine Überraschung.

Herbert Wolf!

Kraft. Ich hoffe, ich störe nicht. Der Pastor hat sicher gesagt, ...

Keine Silbe. - Ich wollte grade anfangen.

Wollten Sie nicht gehen? - Ja, ich lasse Sie besser allein.

Wie kommen Sie denn hier her? - Mit demselben Schiff.

Aber nicht, weil Sie Sehnsucht nach mir hatten.

Ich hatte Sehnsucht, mit Ihnen zu sprechen.

Über wen oder was denn wohl? Raus mit der Sprache, junger Freund!

Professor, wir ... ich meine ...

Stottern Sie nicht! Und antworten Sie nur, wenn Sie gefragt werden!

Jawohl, Herr Professor!

Ja, Herr Kraft, ich höre.

Ich bitte Sie um die Ehre ihrer Tochter.

Wie bitte?

Ich freie Sie um die Hand Ihrer Tochter.

Sagen Sie den Satz noch einmal! - Sie wissen doch, was ich meine.

Ungefähr, setzen! Wie alt sind Sie? - Ich werde nächstes Jahr 26.

Wie alt sind Sie jetzt? - 25 einhalb.

Was ist Ihr Beruf?

Ich bin Ingenieur in der Fabrik meines Vaters. Schwachstromanlagen.

Wie viel gibt er Ihnen? - 35 Mark die Woche.

Damit übernimmt er sich aber nicht, der alte Knickstiefel!

Herr Professors Humor ist zu goldig!

Wo waren wir stehen geblieben? - Bei 35 Mark die Woche.

Glauben Sie das reicht, um ein liebend Weib zu ernähren?

Ich bekomme später die Fabrik.

Und bis dahin? Wann bekommen Sie die Fabrik?

Bei meines Vaters Tod. - Wann ist das?

Hoffentlich noch recht lange nicht.

Womit füttern Sie bis dahin die jungen Schnäbel?

Wir wollen nicht gleich Schnäbel.

Warum nicht? Ich liebe Kinder. Ich will eine Menge Enkelkinder haben.

Ganz wie Sie wünschen! - Und das bald!

Ich meine, je früher desto besser.

Das ist auch meine Intention, Herr Professor.

Atlanta liebt Sie, sind Sie dessen gewiss?

Ganz gewiss. - Was macht Sie so sicher?

Ich weiß es.

Habt ihr euch auf dem Schiff gesehen?

Ja. - Hinter meinem Rücken?

Nein, in Atlantas Kabine, aber nur kurz.

Wieso nicht länger?

Ich war Heizer, ich durfte nicht ... an Deck.

Wo habt ihr euch hier getroffen? - In meiner Pension.

Das ist ja allerhand! Wie kommt Atlanta in Ihre Pension?

Sie haben sie hingebracht. Pension Habanera.

Oh, ich selbst!

Und was geschah da?

Nichts, Herr Professor. - Gar nichts?

Nein.

Scheint also festzustehen, dass ihr beide euch liebt.

Ja, Herr Professor! - Aber Sie haben kein Geld.

Nein, Herr Professor, im Moment nicht.

Die Sache läge anders, wenn Atlanta eine kleine Klausel hä... äh ...

... Vermögen hätte, wollte ich sagen.

Ja, aber ... - Es würde Sie nicht stören, wie?

Doch, aber ich würde darüber hinwegkommen.

Leider hat sie im Moment keins.

Sehen Sie keinen Ausweg, Herr Professor?

Das ist eine Frage der Reihenfolge. Zigarre?

Nehmen Sie an, Sie gehen mit mir essen.

Ich könnte jetzt nichts essen.

Sie sollen es nur annehmen. Ich gebe Ihnen ein Gleichnis.

Ein Gleichnis, ja bitte.

Sie essen ein Diner aus Suppe, Fleisch und Süßspeise.

Wiederholen Sie! - Suppe, Fleisch und Mehlspeise.

Süßspeise! - Süßspeise.

Sie essen es in der Reihenfolge Suppe, Fleisch und Süßspeise.

Was haben Sie dann im Magen? - Suppe, Fleisch und Süßspeise.

Richtig. Jetzt drehen wir es um.

Wir essen zuerst Süßspeise, dann das Fleisch und dann die Suppe.

Was haben Sie dann im Magen? - Dieselben Dinge.

Es wäre kein Unterschied? - Keiner.

Und es ginge keinen etwas an, es ist ja schließlich Ihr Magen.

Jawohl, meiner.

Wenn Ihnen nun ein Arzt raten würde, Ihr Menü ...

... anders herum zu essen, weil es heilsamer für Sie wäre?

Was würden Sie tun? - Ich würde es anders herum essen.

Das würden Sie, natürlich. Es ginge ja niemanden etwas an.

Es wäre aber gemein, die Süßspeise zu kosten, ...

... und dann die Suppe nicht zu heiraten, äh, zu essen.

Haben Sie mich verstanden? - Nein, Herr Professor.

Ich gebe mir Mühe, aber ich verstehe Sie nicht.

Heute scheint kein glücklicher Tag für Fabeln zu sein.

Mein Freund, tun Sie mir einen Gefallen?

Gern, Herr Professor.

Sie werden tun was, ich verlange? - Jawohl, Herr Professor!

Stellen Sie sich vor mich hin!

Hauen Sie mir eine runter! - Herr Pro...

Ich habe Ihr Wort! - Das kann ich nicht.

Auch nicht Für Atlanta? Hauen Sie mir eine runter!

So, jetzt werde ich Ihre Bewerbung in wohlwollende Erwägung ziehen.

In sehr wohlwollende.

Die Büste Ihrer Schwester, ein Souvenir aus Montevideo.

Zu aufmerksam!

Noch einmal, Professor, buenos dias und gute Reise.

Oder darf ich sagen, auf Wiedersehen?

Schade!

Ja, ein bisschen schade.

Der Teppich! Der Teppich, schnell!

Herr Professor, herzlich willkommen!

Willkommen! Willkommen daheim!

Dem großen Sohn der Stadt!

Traugott!

(alle) Hoch!

(Sie singen) "Wo's Dörflein grau zu Ende geht."

"Wo's Mühlenrad am Bach sich dreht."

"Da steht im dunklen Blütenstrauß mein liebes altes Elternhaus."

"Mein liebes altes Elternhaus."

(Sie singen.)

Es ist zu viel. Es ist zu viel!

Es ist zu viel. - Wie viel ist es denn?

Tun Sie mir einen Gefallen, Marta? - Gerne, Herr Professor.

Machen Sie, dass Sie rauskommen!

Ach, Marianne! - Komm, trink erst mal einen Schluck!

3,15 Mark die Flasche. Ich habe sechs gekauft, schimpf nicht!

Auf deine Rückkehr, Prometheus! - Odysseus.

Ich kenne mich nicht aus in der Steinzeit.

Du hast ihn aber verdient. - Du wirst ihn brauchen, setz dich!

Ich bin so aufgeregt. Erzähl mir, wie war's?

Was haben wir geerbt? - Ein Haus.

Das weiß ich. - Das uns nicht gehört.

Warum nicht? - Es ist eine Stiftung.

Und sonst? - Nichts.

Die Traugott-Hermann-Glocke wird nie läuten.

Gar kein Bargeld? - Doch, da wäre schon Bargeld.

Da ist aber eine kleine Klausel dabei.

Reizend, das wünsche ich mir schon immer.

Was? - Eine kleine Klause.

Sagtest du nicht, es sei eine kleine Klause dabei?

Klausel! Sperr doch die Ohren auf! Eine kleine Klausel, l, l, l, l!

Atlanta erbt ... Stell das Glas hin, sonst verschluckst du es.

Atlanta erbt 225.000 Silberpesos. - 225 Silberpesos?

Tausend, tausend! - Traugott hast du mich erschrocken!

Erschreckt! - Sei nicht so ekelig!

Ob es nun erschreckt oder erschrocken heißt.

Du siehst, dass ich erschreckt bin. - Diesmal heißt es erschrocken.

Atlanta erbt 225.000 Silberpesos, das sind über 900.000 Mark, ...

... wenn sie ein uneheliches Kind kriegt, bevor sie 17 wird.

Ich sage doch, stell das Glas hin!

Das ist ... - Das ist eine Menge Geld, ja!

Du hast das Testament dem Anwalt natürlich ins Gesicht geschleudert.

Das hätte nichts geändert, es war ja nicht sein Testament.

Und es war nicht mein Geld.

Und ich muss doch zuerst an die Kinder denken.

Traugott, was hast du getan?

Marianne, würdest du mit deiner normalen Stimme sprechen!

Nicht in diesem hysterischen Ton. Meine Nerven schleifen am Boden.

(Man hört den Männerchor.)

Traugott, was hast du getan? - Was hättest du getan?

Ich weiß nicht. - Ich wusste es auch nicht.

Konnte ich es Atlanta erzählen, ohne ihr Denken zu vergiften?

Und wenn ich Herbert einweihte.

Du konntest sein Denken nicht vergiften.

Ich konnte es gar nicht finden.

Er verstand mich überhaupt nicht.

Also sagte ich dem Anwalt, dass ich die Erbschaft nicht antreten werde.

Das war groß von dir.

Das meinte er auch.

Er nannte mich den größten Esel, der ihm je untergekommen sei.

Abgesehen davon, dass ich nicht der Erbe sei, sondern Atlanta.

Außerdem sei es egal, denn die Kinder heiraten sowieso.

Ob erst das Ei kommt und dann die Henne oder umgekehrt.

Ach ... Ich gehe ins Bett.

Traugott, was hast du alles durchgemacht!

Ich will wissen, was andere Väter getan hätten.

Was hat der Anwalt geraten? - Zu warten.

Worauf? - Auf etwas oder nichts.

Wenn bis zum 22. Juni nichts geschehen sei, sei etwas geschehen.

Dann sei es um das Geld geschehen. - Ja, das ist logisch.

Moral hat nichts mit Logik zu tun. - Nein?

Man hat sie, oder man hat sie nicht.

Man hat 225.000 Silberpesos, oder man hat sie nicht.

Wir haben sie nicht. - Wir haben unsere Ehre.

Unsere Lauterkeit. - Dafür haben wir weniger zu essen.

War es falsch, unsere Tochter vor dieser Tortur zu bewahren?

Tortur? Wenn du damals deine Schwester vor lauter Moral ...

... nicht vor die Tür gesetzt hättest, ...

... hätte sie sich nicht diese wundervolle Rache ausgedacht.

Sagtest du wundervoll?

Ja, sie hat uns gezeigt, dass alles seinen Preis hat, auch deine Moral.

Ich habe sie nicht verkauft. - Du hast damit gespielt.

Womit? - Mit dem Gedanken.

Marianne!

Wir sind alle nur Menschen.

Deine Schwester war damals auch nur ein Mensch.

Ein armer, hilfloser, 17-jähriger weiblicher Mensch.

Ihr Vergehen war das Menschlichste, die Liebe. Gute Nacht.

Marianne?

Nimm an, meine Eltern wären gegen unsere Heirat gewesen, ...

... so wie ihr gegen die von Josefine wart.

Glaubst du, ich hätte dich fallen gelassen.

Du willst sagen ... - Genau das will ich sagen.

Du hättest ... - Ich hätte.

Natürlich hätte ich. Ich liebe dich doch.

Ich hätte in die gleiche Lage kommen können, wie Josefine.

Zum Glück war das Schicksal uns gnädiger.

Marianne, ich bin ein Schwein. - Nein.

Ich bin deiner nicht würdig, auch nicht der Kinder.

Rede nicht! Für wen plagst du dich ständig ab? Doch nur für uns.

Es gibt keinen besseren Vater und keinen zärtlicheren Gatten.

Nun komm!

Wir haben uns 18 Jahre lang zusammen durchgewurschtelt.

Wir werden uns auch weiter durchwurschteln.

Bescheiden und nicht weniger glücklich.

Ich hätte sie dir gar zu gern gebracht.

Was? - Die 900.000 Mark.

Komm!

Ich weiß nicht mehr, wohin mit den Blumen.

So viele Waschtröge gibt's nicht mal bei uns.

Es war wundervoll, dass Herbert mit drüben war.

Wir sind uns so nahegekommen.

Ich kann kaum ausdrücken, wie lieb ich ihn habe.

Es ist seltsam für eine Mutter, ...

... wenn aus ihrem Küken ein junges Weib wird.

Wenn ich daran denke, dass ich in 14 Tagen Frau Kraft bin, ...

... dann könnte ich heulen.

Mutti, das ist kein Grund zum Weinen.

Als ich so weit weg war, war ich dir näher als je zuvor.

Ja, mein Kind.

Mutti, wir bleiben immer die alten.

Und wenn wir etwas wissen wollen, fragen wir uns.

Genau so wollen wir es machen. - Ja.

Ist der Tisch fertig gedeckt?

Ist der Schirmständer wasserdicht?

Tun Sie die Klöße ins Wasser, Marta!

Mutti, was ist eigentlich mit den Schiffskarten?

Warum muss es die Atlanta sein? Du bist doch genug Schiff gefahren.

Ist was mit der Atlanta? - Sie ist 27 Zentimeter zu kurz.

Wer? - Die Atlanta.

Das verstehe ich nicht. - Ihr könnt darauf nicht heiraten.

Ich will aber. - Dann wartet auf ein anderes Schiff.

Ich will nicht mehr warten. - Aber Kind!

Ich kann nicht mehr warten, dann ist alles aus.

Das sagt man so in deinem Alter.

Mutti, ich kann nicht mehr warten.

Wenn wir jetzt nicht heiraten können, das überlebe ich nicht.

(Sie weint.)

Sie kann nicht warten? Traugott! Traugott!

Warum brüllst du das ganze Haus zusammen?

Sie kann nicht mehr warten. - Wer kann nicht warten?

Atlanta. - Womit kann sie nicht waren?

Mit dem Heiraten.

Marianne! - Traugott!

Marianne! - Ja.

Wo ist mein Kneifer? - Hier ist er.

Dieser scheinheilige Schwachstrom-Ingenieur!

Von dem habe ich mich ohrfeigen lassen.

(Es klingelt.)

Schon wieder Blumen.

Herr Kraft! - Herr Professor!

Stellen Sie sich vor mich hin! - Nicht noch mal, Herr Professor!

Papi, das erlaube ich nicht!

Ich heirate Herbert, oder ich gehe wie Tante Josefine.

Atlanta! - Marianne, halt den Mund!

Und du erwatest in Demut, was ich über dich beschließe.

Papi! - Sie Schwachstromer!

Sie wollten sich die Einwilligung zur Heirat erzwingen.

Und ich soll Ihnen danken, dass Sie Ihr unschuldiges Opfer ...

... durch eine Heirat wieder ehrlich machen, was? Niemals!

Du räudiges Schaf! - Traugott ...

Wenn du gestrauchelt bist, so habe den Mut, es zu bekennen!

Es hängt ja immerhin einiges davon ab.

Warum holt keiner ein Scheuertuch?

Das sage ich euch, nicht eher ...

Ich willige erst in eine Heirat ein, ...

... wenn die Frucht eures Tuns offen zu Tage liegt.

Welche Frucht? Welche Frucht?

Euer Kind, ihr Heuchler! Euer uneheliches Kind.

Welches Kind, Herr Professor?

Herr Kraft, trägt meine Tochter ein Kind unter dem Herzen?

Ich weiß nicht. Von mir nicht.

Was für ein Kind, Papi?

Du hast gesagt, du könntest nicht mehr warten.

Ja, Herbert sagt, er heiratet mich nur sofort oder nie.

Ich heirate sie nur, bevor die Erbschaft klar ist.

Ich bin doch kein Mitgiftjäger. - Was, was?

Was denn, du kriegst kein Kind? - Nein, Papi.

Du ...

Traugott, sie kriegt kein Kind! - Kein Geld!

(Es läutet.)

Es ist angerichtet!

Herbert!

(Sie zählen) Eins, zwei, drei ...

Setzt euch, Kinder!

Wer ist heute dran? - (alle) Lohengrin!

Lohengrin, schön beten! Komm ...

Komm, Herr Jesus, sei unser Gast, was du beschert hast.

Mahlzeit! - Amen!

(alle) Amen! - Amen!

Siehe da, der Herr Pastor! - Das klingt nicht sehr erfreut.

Ich habe gehofft, Sie für eine Weile nicht mehr zu sehen.

Traugott, die Kinder! Nehmen Sie doch Platz, Herr Pastor.

Lieber nicht. - Nanu!

Ich habe keinen Appetit. - Ist das möglich?

Ich warte nebenan. Ich habe ... Ich muss Ihnen ...

Herr Brettschneider vom Reisebüro war eben bei mir.

Iss, komm!

Es muss ein Schiff sein. - Was faselt der?

Auf einer Fähre kann man nicht heiraten.

Wer will denn...? Raus! - Es muss eine bestimmte Länge haben.

Sonst ... - ... ist es kein Schiff.

Spinnt ihr beide? - Sie ist zu kurz.

Um 27 cm. Deshalb ist heiraten nicht mehr erlaubt.

Wer sagt das? - Herr Brettschneider.

Was er Ihnen nicht gesagt hat, er war eben bei mir, ...

Bitte fassen Sie sich! - Fassen Sie sich!

Alle jemals auf der Atlanta geschlossenen Ehen sind ungültig.

Ja, Sie haben sozusagen 18 Jahre in wilder Ehe gelebt.

Und unsere Kinder? - Unehelich, alle zwölf.

Unehelich.

Und das muss dir passieren!

Und was nun?

Sie müssen ganz schnell heiraten. - Augenblick, nur nicht drängeln!

Denkste, ätsch!

Hier, lesen Sie vor, Pastor!

"Wenn aber ein weibliches Mitglied der Familie meines Bruders ..."

"... Traugott Herman Nägler ein uneheliches Kind bekommt, ..."

Zuhören! Alle zuhören!

"... dann fließt oben genannte Summe, 225.000 Silberpesos, ..."

"... dem betreffenden Opfer einer solchen Katastrophe zu."

Das genügt, Sie haben 900.000 Mark geerbt, mein Fräulein.

Ich? - Du bist Mitglied meiner Familie.

Nein!

Und was die erforderliche Katastrophe betrifft, ...

... davon haben wir zwölf. Herbert, nun sag deinen Satz noch mal!

Ich bitte Sie um die Hand Ihrer Tochter.

Hier hast du sie. - Und wann heiraten wir?

Ja, wann heiraten wir? - Zuerst kassieren wir in Montevideo.

Vielleicht auf der Rückfahrt, wenn das Schiff lang genug ist.

Und so lange bleibt die Ehe wild!

(Marschmusik)

Was machst du, wenn ich jetzt nein sage?

Du bist verrückt.

Ich heirate ja auch einen Mann mit zwölf unehelichen Kindern.

Und der kennt keine Moral.

Das 13. kommt ja auch ein paar Monate zu früh.

Schade, dass das Tante Josefine nicht mehr erlebt hat.

Untertitel Udo Will

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