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Miriam Hintz, Staatsanwältin
Doris Hauke, Fuhrunternehmerin
Christiane Boj, Schriftstellerin
Inès Lemarchal
Vorsicht, der ist noch ganz heiß.
Der Moritz gibt mir die Fernbedienung nicht.
Ich hatte sie zuerst. - Oh, ist der für Mami?
Mama, der Moritz gibt mir die Fernbedienung nicht.
*Musik*
Mama, sag der Madeleine, sie soll vom Fernseher weggehen.
Jetzt ist eh gleich Schule.
Wo warst du denn? - Nirgendwo.
*Es klopft.*
(ängstlich) Mama!
*Energisches Klopfen*
*Die Tür geht auf.*
Doris.
Du bist mir gefolgt?
Lass uns die Kinder nach Hause bringen!
Auf wessen Seite stehst du? - Auf deiner!
Bei mir sind sie wenigstens normal.
Hältst du das hier für normal?!
Ihr Zuhause ist da, wo ich bin. - Der Richter sah das anders.
Wenn du die Kinder entführst, und das weißt du genau,
versaust du dir die letzte Chance aufs Sorgerecht.
Joachim hat nicht mal angerufen.
Wir bringen jetzt die Kinder nach Hause.
So, Kinder, auf geht's!
Wir fahren nach Hause. - Nein.
♪ Secret of mine, I swore to tell you.
♪ Take a look at where I led you.
♪ You stayed for me, oh, but you never should have.
♪ Let me go.
♪ Please save yourself.
*Er lässt einzelne Luftblasen zerplatzen.*
Tschüs, mein Schatz!
Hallo, Joachim! Ich bring dir die Kinder.
Das ist lieb von dir. Kommt schon mal rein!
Ich gehe davon aus, die Miriam hat sich geirrt.
Nein, das hat sie nicht.
Sie wollte den Kindern ihr Apartment zeigen, und es tut ihr sehr leid.
(laut) Das glaube ich, dass ihr das leid tut.
Ich geh dann wieder rein und kümmere mich um die Kinder.
Die müssen ja ganz verwirrt sein.
*Er knallt die Tür zu.*
Scheiße.
*Tür wird geöffnet.*
"S."
Aha?
Das steht in seinem Kalender, sein letzter Termin.
Wenn jemand Direktor Paulitz umgebracht hat, dann dieser S.
Die Erleuchtung hatte nicht bis zum Frühstück Zeit?
Nein. Bis später.
Ihr habt mich hintergangen.
Ihr habt euch heimlich rausgeschlichen.
Das macht mich traurig.
(laut) Das macht mich sehr traurig!
Ich weiß nicht, wie ich das in euch reinkriegen soll.
Ich gebe mir die größte Mühe, das zusammenzuhalten!
Und wenn ihr mir jetzt auch noch in den Rücken fallt,
dann weiß ich nicht mehr, was ich tun soll.
Dann wird's kritisch, Freunde.
Wirklich kritisch.
(laut) Moritz! (leiser) Hey, Moritz!
Ja, aber wenn Abenteuergeschichten in unserem Verlag
die Mädchen nicht erreichen, dann müssen wir sie anders schreiben.
Ich schreibe Ihnen ein Konzept.
Gut, danke.
Äh ... Olivier, ich muss in den Verlag.
Soll ich Doris fragen, ob sie dich mitnimmt?
Nee, mach ich selber. Papa hat mich nicht angerufen.
Wieso glaubst du, dass er dich anruft, bevor er mich anruft?
Der Umstand, dass er dich verlassen hat und nicht mich?
Er ist nicht da, weder für dich noch für mich.
(laut) Du bist zu spät! - Putain.
*Die Haustür fällt ins Schloss.*
*Musik*
*Vögel zwitschern.*
(Filip im Video-Chat) Das Konzert war richtig gut.
Freut mich, wart ihr ausverkauft? - Nein.
Wohin geht's als Nächstes? - Güssing.
Kannst du nicht nach Hause kommen? - Wie stellst dir das vor?
Das dauert Stunden!
Ich habe in ein oder zwei Tagen Eisprung.
Dann in vier Wochen wieder, okay?
Gut, dann viel Spaß in Güssing.
Ich muss los.
Wenn ich dein Mann wäre ... - Was willst du?!
Sagen, dass, wenn ich dein Mann wär, wär ich immer für dich da.
Nein, wer immer für andere da ist, vergisst sich selbst.
Mich selber vergessen, das ist meine Spezialität.
Ich kann nichts so gut, wie mich selber vergessen.
Wenn du das so gut könntest, bräuchtest du keine Tabletten!
Touché? Ich übe weiter.
Was ist das? - Das geht dich nichts an.
Hallo!
Ist das alles, um deine tagelange Abwesenheit zu erklären?
Warum muss ich mich gleich wieder aggressiv anmachen lassen?
Macht doch euren Scheiß einfach allein!
Ich bin einer! - Nein, ihr seid leider zwei.
Ich kam zurück, damit du dir keine Sorgen machst.
Wenn du gewollt hättest, dass ich mir keine Sorgen mache,
dann wärst du ans Telefon gegangen.
Ich war überfordert. - Ja, ich bin auch überfordert.
Alle sind überfordert, die ganze Zeit!
Man kann das nicht einem anderen umschnallen
wie einen Sprengstoffgürtel!
Immer die gleiche Scheiße!
Etienne?
Was?
Lass uns heute Abend in Ruhe reden, ja?
Heute Abend in Ruhe.
Ja.
Bis heute Abend.
*Er seufzt.*
Sag Olivier, dass ich ihn in die Schule bringe.
Der ist nicht da, Inès. - Ich habe ihn gesehen.
Er war kurz hier.
Und dann ist er wieder weg.
Ach so, okay. Das ist nicht mein Tag heute.
Kann ich dir was Gutes tun? Ich wüsste nicht, was?
Das.
Ich hab's eilig. Ciao!
Ciao.
Merci.
*Schulglocke*
Der Weg in die Klasse sollte nicht mit der Glocke beginnen,
sondern mit ihr enden.
Ich weiß, Herr Direktor. Entschuldigung!
Sarah, wo ist Olivier Lemarchal?
Er war gestern auch nicht hier.
Woher soll ich das wissen?
Seid ihr nicht befreundet? - Unsere Mütter sind befreundet.
Gut, ich werde seine Eltern anrufen.
Gute Idee! Darf ich gehen?
Ich komme ungern zu spät.
Das wäre mir fast entgangen.
Morgen, Herr Direktor!
Telefon. Ich habe es in Ihr Büro gelegt.
*Unheimliche Musik*
Ja, er ist jetzt da.
(flüstert) Inès Lemarchal.
Was will die?
Ich glaube, Sie sollten das nehmen.
Direktor Dr. Paulitz.
Ja, ich weiß, Dienstag, 14 Uhr.
Ich rufe an im Namen von Christiane Fischer.
Die Anwesenheit der Familie Paulitz ist nicht erwünscht.
Ist sie nicht Manns genug, mir das selber zu sagen?
Ich erwarte keine Antwort darauf.
Es kommt Bewegung rein.
Nach drei Jahren muss sich erst was lösen, bevor es weitergehen kann.
Der Sprung war ja nicht der Anfang.
Dass der kleine Junge Balthasar in den Tod gesprungen is?
Es gibt keinen Hinweis darauf, dass seine Eltern am Paulsdamm waren.
Beide haben Alibis.
Warum also ist der Direktor da hingefahren?
Um jemanden zu treffen.
Und wir wissen auch, mit welchem Buchstaben dieser Jemand beginnt.
Und das geht nicht am Telefon?
Bitte, wie du meinst.
In Ordnung.
*Musik*
Das haben Sie mich schon gefragt. Meine Antwort ist dieselbe.
(Grünberger) Es war jemand, der seine direkte Durchwahl kannte.
Ja.
(Leodolter) Vielleicht der Chef vom Schulaufsichtsrat, Hofrat Schuster?
Die waren Duz-Freunde.
Aber der hätte einen Termin über mich vereinbart.
Wenn Paulitz nicht gewollt hätte, dass Sie wissen,
dass er Schuster trifft, hätte er dann "S." eingetragen?
Nein! - Woher wissen Sie das?
Weil er Generationen von Schülern damit gequält hat,
dass "Sch" ein eigener Laut ist.
Dass deswegen Worte, die mit "Sch" beginnen, mit "Sch" abzukürzen sind.
Hätte er Schuster getroffen, hätte er "Sch" in den Kalender eingetragen.
Demnach könnte es sein, dass "S." für Sekretärin steht.
Vielleicht hat er Sie gemeint?
Warum hätte er in den Kalender eintragen sollen,
dass er mit mir redet?
Warum zum Paulsdamm fahren? Ich war ja hier.
Außerdem bin ich Administratorin und nicht Sekretärin.
(Grünberger) Haben Sie mal darüber nachgedacht, was "S." heißen könnte?
Ja, oft.
Und, wissen Sie, was es heißt?
Woher soll ich das wissen?
Ich stelle mich manchmal bewusst ein bisschen naiv.
Diesbezüglich sind Sie auf einem guten Weg.
Haben Sie mich eigentlich gern?
Ja.
Sie hat übrigens die Frage nicht beantwortet.
Ah, wollten die zu mir?
Nein, zu mir. - Weshalb?
Sie wollten wissen, ob ich weiß, was "S." bedeutet.
Was auch immer das ist.
Und, wissen Sie's?
Ja.
Was ist das?
Da war früher eine Zahnradbahn. Vor hundert Jahren oder so.
Aber nur für Güter. Da haben wir früher oft gespielt.
Da waren auch einmal irgendwo ...
Schau!
*Er macht Fotos.*
Die liegen seit Jahrzehnten da.
Das war von der Bahn.
Und das hier ...? Weiß nicht.
Komm!
*Ein Zug nähert sich.*
Herr Grabldinger! - Ja, Frau Doris.
Hallo, wie geht's der Gattin? - Danke für die Nachfrage.
Sie ist schon wieder ganz die Alte, also Neue.
Früher hat man ein Auto repariert.
Heute hat man einen Computer. Der sagt "Es ist hin."
Das wusste ich schon vorher.
Herr Grabldinger, ich bräuchte was von Ihnen.
Okay.
Weiß das Ihre Mutter? - Nein.
Also, in einer Viertelstunde.
Dankeschön.
Ja, schon, ich vermisse ihn. Ich bin allein.
Du bist nicht allein, ich bin ja da. - Das ist aber etwas anderes.
Wieso? - Weil Filip mein Mann ist.
Ja, aber er ist nicht da.
Er ist auf Tournee gegangen und ist nicht da.
Ich bin da. - Ich hab ihn lieb.
Ich glaube, ich bin niemand, den man liebhaben kann.
Du hast doch den Balthasar geliebt, oder?
Natürlich!
Er ist mein Sohn gewesen.
Ja, eben, ich bin auch ein Sohn. Aber sie lieben mich nicht.
Sag nicht "Sie lieben dich.
Sie wissen nur nicht, wie sie dir's zeigen sollen."
Stell dir für einen Augenblick vor, dass sie mich nicht lieben.
Dass das möglich ist. Dass es das gibt.
Ich glaube dir nicht, aber ich versuche es mir vorzustellen.
Warum sind sie dann nach Zollberg gezogen?
Warum schicken sie mich auf diese Scheiß-Schule?
Ich will da nicht hin.
Ich kann das auch alles nicht.
Und das ist ihnen einfach egal.
Ich hör dir einfach mal zu.
Ich bin echt nicht gut drauf.
Ich brauche was.
Hast du was?
Bitte!
Sei nicht so wie sie! Ich brauche was!
Die Kommissarin hat alles mitgenommen.
Die war bei dir?
Ja, sie wollte wissen, wer bei dir war, als der Paulitz gestorben ist.
Und ... was hast du ihr gesagt?
Hast du was oder nicht?
Hallo, Mutter!
Was machst du denn hier, Doris?
Ich hatte in Saalkirchen zu tun und vorbeigeschaut.
Niemand hat in Saalkirchen zu tun.
Wie läuft's? - Gut, gut.
Ich mache das ja nicht zum 1. Mal.
Aber wenn du wissen willst, ob du fehlst, nein.
Ich wollte nur fragen, wie es dir geht.
Ich habe hier zu arbeiten.
Und wie geht es dir? - Sehr gut, danke.
Schön. - Ja.
Also dann. - Schönen Tag noch!
Du wolltest nur sehen, ob ich hier allein untergehe.
Aber ich habe diese Firma aufgebaut.
Ich sage nicht, dass du entschieden hast, mich hier allein zu lassen.
Noch nie wurde etwas lauter nicht gesagt.
*Eine Fliege summt.*
*Ruhige Musik*
Ja, aber der Mädchenanteil im selben Genre steigt um 55%,
wenn das Buch von einer Frau geschrieben wurde.
Ich kann das nicht allein entscheiden.
*Handy vibriert.*
Einen Moment, bitte!
Lemarchal?
Sophianum, Ihr Sohn ist wiederholt dem Unterricht ferngeblieben.
Seit wann? - Einige Tage.
Und Sie rufen mich an, weil Sie meinen Mann nicht erreichen?
Ihren Mann haben wir nicht angerufen.
Versuchen Sie's bei ihm! Es ist auch sein Kind.
Ich bin für sie nur ein Projekt, wo man was abhaken kann.
Dauernd will sie was von mir. - Und was willst du?
Warum fragt denn niemand, was man kann?
Und was kannst du?
Weiß nicht.
Ich kriege voll Hunger, wenn ich was rauche.
Und ihr habt immer Sex, wenn es in deinem Kalender steht?
Wir wünschen uns ein Kind.
Und wenn er wegfährt, wichst er vorher in einen Becher.
Ich hab's verstanden.
Wir haben darüber nachgedacht, aber es funktioniert nicht.
Sperma hält nicht so lange.
Aber wenn ihr es so oft versucht, warum klappt es dann nicht?
Wir müssen es halt öfter versuchen.
Ich bin schon 38, und er ist ...
Das nimmt ja auch beim Mann ab, mit der Zeit.
Manchmal habe ich Angst, dass es nicht mehr klappt.
Du bist 38?!
Du weißt genau, wie alt ich bin.
Ich bin mit deiner Mutter in die Schule gegangen.
Ja, ja, aber trotzdem.
Ganz schön alt!
Eh.
Ja?
Doris, wieso bist du heute so plötzlich bei mir aufgetaucht?
*Türöffner*
Der Bordcomputer hat meine Fahrten aufgezeichnet?
Ich wurde auf Schritt und Tritt überwacht?
Nein, Miriam, der Computer zeichnet die Daten auf, ja.
Aber als ich dir den Wagen verkauft habe,
habe ich den Datenverkehr sofort stoppen lassen.
Aufgezeichnet wird, ja, aber es ist alles in deinem Auto geblieben.
Und die Polizei weiß es? - Nein.
Wäre das ein Problem?
Was hat Grünberger gesagt, die Polizistin?
Das, was du ihr gesagt hast.
Dass du bei Christiane warst, als Paulitz starb,
und nur kurz weg warst.
Es stimmt nicht, ich war bei Christiane.
Und was hat deine Auswertung ergeben?
Dass du 2-mal am Paulsdamm warst.
Innerhalb von einer Stunde.
Warum?
Vertrauen ist keine Einbahnstraße.
Vertrauen ist keine Straße.
Es ist der Boden unter unseren Füßen.
Jede von uns vertraut ihr Leben anderen Menschen an.
Der Busfahrerin, dem Koch, der Ärztin.
Ohne dieses Vertrauen könnten wir nicht leben.
Ausgeladen?
Ja, die Eltern wollen nicht, dass wir zur Beerdigung kommen.
Mir ist das gleichgültig, aber bei dir fällt es auf.
*Es klopft.*
Ich muss Schluss machen. - Ihr Termin, Herr Direktor.
Er soll kommen.
Joachim, was kann ich für dich tun?
*Tür wird geschlossen.*
Balthasar Fischer.
Die Eltern schickten eine Sachverhaltsdarstellung
an die Staatsanwaltschaft.
Du weißt, dass das Sophianum jegliche Haftung ausschließt.
Im Strafrecht ist das gleichgültig, Paul.
Der Gedanke, dass ich gesetzeswidrig gehandelt haben sollte,
ist völlig absurd.
Ja, ja, selbstverständlich.
Der Junge ist gesprungen.
Mir tut das sehr leid.
Ich war Zeuge, ich hab's gesehen. Es war kein schöner Anblick.
Trotzdem würde ich nicht auf die Idee kommen,
die Eltern dafür zu verklagen, dass ich das mitansehen musste.
Es ist ein kleiner Bub gewesen.
Es wird sich nicht wiederholen.
Was meinst du damit?
Es wird sich nicht wiederholen.
Ich werde mich darum kümmern.
Meine Frau wird in dieser Sache kein Verfahren eröffnen.
Es gibt ja auch keine Veranlassung.
Danke dir.
Was wird das?
Ja, ganz einfach.
Jeder Zahn greift ineinander.
Ja, so ist das bei einer Zahnradbahn.
Ja, genau.
Ja.
Das passt nicht. - Nein, das ist das falsche Rad.
Genau. Das bin ich.
Das ist das Sophianum. Das ist meine Schule.
Das passt nicht.
Sie greifen nicht ineinander, wie oft man es auch versucht.
Und das ist nicht die Schuld vom Zahnrad.
Das ist die Schuld von dem, der es nicht einsehen will.
Olivier!
Willst du damit sagen, dass ...? - Non, j'ai pas ...
Ich habe ihn nicht wirklich gekannt, Christiane.
Willst du sagen, dass Balthasar ein Zahnrad ist, das nicht in ...?
Dass es meine Schuld ist?
Schuld ... Er ist nicht da.
Wen interessiert Schuld?
Es ist nur ...
Ihr habt alle diese Schule erlebt.
Wie könnt ihr nur eure Kinder dort hinschicken?!
Wie könnt ihr das nur machen?
*Er spricht französisch.*
Was heißt das?
Als ob ihr einen Fehler rechtfertigen wollt,
indem ihr ihn wiederholt.
(Doris' Mutter) Ich habe lange nachgedacht.
Ich habe lange mit mir verhandelt.
Und ich konnte mich überzeugen.
Ich habe eine sehr überschaubare Begierde,
Ihre enigmatischen Andeutungen aufzudröseln, Frau Hauke.
Ich wollte mich bei Ihnen bedanken.
Sie haben den Ruf des Instituts im In- und Ausland gefestigt.
Bevor Sie jetzt drohen ihn zu zerstören,
ist es an der Zeit zu gehen.
*Prustendes Lachen.*
Tun Sie das nur, wenn Ihnen das wichtig ist.
Ich bin die zehntgrößte Geldgeberin dieser Schule, und nicht nur das.
Jeder auf den neun Plätzen vor mir wird meinen Anruf entgegennehmen.
Das war doch jetzt nur eine Feststellung.
Keine Drohung, hab ich recht?
Oh doch! Es ist eine Drohung.
Mit welchen Konsequenzen?
Das wollen wir doch beide nicht wissen.
Ich scherze nicht.
Ich habe in meinem ganzen Leben noch niemals gelacht.
Das ist ein Scherz.
*Lautes Klopfen*
Das ist kein Sicherheitsglas. Es kann zerbrechen.
Ja, wie eine Ehe.
Ha!
*Sie seufzt.*
Hier.
Olivier, jeden Tag 400 Euro abgehoben.
Er war seit Tagen nicht mehr in der Schule.
Ich habe Angst, Inès. Angst, noch mal alles zu verlieren.
Alles, was ich hatte, wurde zerstört. Jedes Ding, jedes Buch, jedes Foto.
Nicht nur von mir, auch von meinen Eltern.
Der Brand hat meine Vergangenheit ausgelöscht.
Das Einzige, was geblieben ist, ist dieses Auto.
Die einzige Erinnerung an meine Familie.
Wie oft wir früher damit unterwegs waren.
Weißt du noch?
Ja.
Die Normandie, La Rochelle.
La Rochelle!
*Sanfte Musik*
So, seine Karten sind jetzt alle gesperrt.
Löst das irgendein Problem?
Er kann sich zumindest nichts mehr kaufen.
Er findet immer einen Weg.
Wir haben es vermasselt.
Das tut gut, dass du gerade "wir" gesagt hast.
Du willst zurück nach Paris, oder?
Ja.
Aber was machen wir mit dem Haus? Wir haben es gerade erst renoviert.
Ich weiß, dass es nicht geht, Inès.
Wir sind gerade hergezogen, wir haben Jobs hier.
In Frankreich haben wir keine Wohnung mehr.
Ich weiß das alles, aber du hast mich gefragt, was ich will.
Ja.
Gut, dann ... lass uns einen Plan machen!
Non, keine Pläne mehr.
*Er seufzt.*
Keine Pläne mehr!
Ich fühle mich manchmal wie eingesperrt
in eine Excel-Tabelle von dir.
*Er atmet tief durch.*
*Er holt tief Luft.*
*Sie atmet tief durch.*
*Piepsen*
Fuck! - Was ist?
*Er flucht auf Französisch.*
Ich bring sie um! Ich bring sie um!
Fahren wir noch einmal zum Paulsdamm?
Warum?
Spazieren.
Ich habe gehört, die Kommissarin ist wieder da.
Von wem sprichst du? Ich habe viel mit Polizei zu tun.
Die Kommissarin aus Wien.
Ich habe gehört, die reisen wieder ab.
Es hat sich wohl nichts ergeben. - Da kann man mal sehen.
Was?
Die wollten abreisen, haben's aber nicht getan.
Ich bin nicht für deren Reisen zuständig.
Glaubst du dir selbst, was du sagst?
*Er schnauft tief durch.*
Ich bin wegen etwas anderem hier.
Freut mich, dich zu sehen.
Das ...
Das mit den Kindern hätte ich nicht tun sollen.
Ja, das hättest du nicht machen sollen.
Aber sie haben sich wohl gefühlt. Sie waren entspannt.
Das tun sie bei mir auch, ob du es glaubst oder nicht.
Ich nehme die Entschuldigung an.
Ich möchte aber, dass du dich auch bei den Kindern entschuldigst.
Wofür?
Dafür, dass du sie mitten in der Nacht aufgeweckt hast.
Die waren total verstört!
Sicher, ja.
Nicht alles, was du siehst, ist auch so, wie du es siehst.
Ich weiß nicht, was du damit sagen möchtest.
Aber bitte sage den Kindern:
Es tut mir leid, dass ich sie nachts aus dem Bett geholt habe.
Gut, ich werde das so ausrichten. - Danke.
Die Kommissarin ist dir auf der Spur.
Du hast aber das Gefühl,
dass du immer noch alles im Griff hast, oder?
Soll ich mich darum kümmern?
*Der Schlüssel fällt herunter.*
*Unheimliche Musik*
So ein Feigling!
*Der Motor heult auf.*
*Er verschaltet sich, der Motor stottert. *
Diese dreckige Karre!
*Der Motor stockt.*
*Er startet ihn neu.*
(Grünberger) Mir wäre so eine Gegend zu gefährlich.
Da muss man sich bei jedem Schritt dazu entscheiden weiterzuleben.
Wenn wir beweisen könnten, dass Miriam Hintz hier war,
würde uns das helfen.
Ja, aber das können wir nicht.
Weil sie ihr Handy bei Christiane Boj gelassen hat.
(Grünberger) Vergessen hat.
Elf Handynummern gab es damals,
die zur fraglichen Zeit hier eingeloggt waren.
Die kann man aber nicht zuordnen, weil sie anonym waren.
Anonym WAREN, damals ging das noch.
Ich habe mir überlegt:
Vielleicht wurden die in den Jahren danach registriert?
Ich warte noch auf eine Auswertung.
Die Auswertung kommt sicher gleich.
Sicher.
Soll ich noch mal anrufen?
Nein, warten macht Spaß. - Ja, mich stört das auch nicht.
*Signalton am Tablet*
Yes, Bingo!
Eine der Nummern vom Paulsdamm ist jetzt auf Miriam Hintz registriert.
Rufen Sie sie auf ihrer offiziellen Nummer an!
Okay.
Schau!
*Handy*
Ja, bitte?
Frau Major Grünberger möchte noch mal mit Ihnen sprechen.
Sie ruft sie auf Ihrem anderen Handy an.
*Vibrations-Alarm*
(Grünberger) Sie hat ein 2. Handy, und das hatte sie dabei.
Das ist der Beweis: Sie war zur Todeszeit hier.
Wir teilen uns auf.
Sie fahren zum Gericht und ich zu Miriam Hintz.
Wir haben aber nur ein Auto.
Ja, hallo, ich bräuchte ein Taxi.
Paulsdamm.
*Rhythmische Musik*
*Er stöhnt.*
(Etienne) Non!
*Er flucht auf Französisch.*
Was ist denn los? - Olivier!
*Er spricht auf Französisch weiter.*
Oh Gott!
Er ist damit weggefahren, mit meinem Auto!
Oh Gott! Ich rufe die Polizei.
Ich habe die Schnauze voll. Ich bringe ihn um!
Ich werde ihn umbringen!
Inès, was ist passiert? - Olivier hat den Oldtimer genommen.
Kann er fahren? - Nein, eben.
Oh, okay. Ich hoffe, es ist nichts passiert.
Es ist doch schon passiert!
Es ist doch seit Jahren passiert.
*Sie seufzt.*
Nimm du ihn doch einfach, wenn ihr euch so gut versteht!
(schreit) Ja, nimm du ihn doch!
So eine Scheiße!
*Musik*
*Musik*
Hör mal, Miriam, ich lass das nicht zu!
Du kannst nicht an allen Fronten gleichzeitig kämpfen.
Joachim, deine Scheidung, deine Kinder, die Polizistin.
Du musst irgendwo Waffenstillstand schließen.
Sag bitte, was war!
*Handy*
Ja.
Dann kommen Sie hoch, wenn es nicht anders geht.
Nein, Sie kommen runter!
Ich lauf doch nicht die Treppen rauf.
*Chat-Signal*
Hallo!
(Filip) Hi! - Ich bin fertig mit dem Buch.
Hey, cool!
Ich liebe dich, Christiane. Ich muss gleich los.
*Donner*
Guten Abend.
Lust auf ein kurzes Gespräch? - Nein.
Papa, kann der Matthias in sein Zimmer gehen?
Ich bin heute ein bisschen traurig.
Weil eure Mama sehr krank ist. Das ist kompliziert zu erklären.
Das Problem bei der Krankheit ist: Die Mama weiß es nicht.
Darüber sollten wir reden.
Wir können das Laientheater langsam bleiben lassen.
Dass mein Telefon dort eingeloggt war, als Paulitz starb,
heißt nicht, dass ich was damit zu tun habe.
Da haben Sie recht, Frau Staatsanwältin.
Es heißt nur, dass sie dort waren und eine Zeugin sind.
Manchmal muss man die Strafprozessordnung echt lieben:
Das Schöne ist, dass Ihnen dann nicht das Recht zusteht zu schweigen.
Mein Kollege beantragt,
dass wir die Telemetrie-Daten aus Ihrem Auto auslesen dürfen.
Aber ich nehme an, dass sie sie schon hat löschen lassen.
Sie kennt sich ja aus mit Autos.
Ich sehe in Ihren Augen den Moment,
wenn ein Ausweg nach dem anderen wegbricht.
Wenn eine Ausrede nach der anderen in sich zusammenfällt.
Wenn die Zahl der Optionen rasant auf die Null zugeht.
Warum?
Du weißt genau, was das Auto dem Papa bedeutet.
Das weißt du genau.
Ich weiß.
Vielleicht werde jetzt ICH irgendwann das Wichtigste, das er hat.
Ich will meine Kreditkarte wiederhaben.
Miriam, ich habe das so nicht gemeint.
Aber du hast recht.
Ich kann nicht an allen Fronten gleichzeitig kämpfen.
♪ Little ripple, growing wide.
*Er schluchzt.*
♪ Seven flowers bloom at night.
♪ Rustling between the trees, searching for light.
Ihr müsst vorbereitet sein.
Dafür müsst ihr dem Papa jetzt genau zuhören.
Wenn der Richter euch morgen fragt ...
*Rumpeln*
Hallo?
Ja, hallo?
Joachim, das mit der Scheidung war ein Fehler.
Ich hab's mir noch mal überlegt. Es tut mir leid.
Ich möchte nach Hause kommen zu euch.
Kann ich reinkommen?
♪ It's the reason you still believe in silly tales of ghosts.
♪ Save at night.
Sollen wir das wirklich machen?
Bist du dir sicher?
*Sie seufzt.*
Ja.
Ja, wir machen es.
Hallo?
Ja, wir sind unten.
♪ Empty windows give me doubt.
♪ And around the corner there, what will I find?
♪ Is it too late to turn around?
♪ There's a shadow that you know.
♪ You let it get too close.
Copyright Untertitel: MDR 2022
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