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Er kommt aus Italien mit einer kühnen Vision.
Er arbeitet mit geheimnisvollen Wellen.
Will als erster drahtlos Nachrichten über den Atlantik schicken.
Er riskiert alles, damit Schiffe auf hoher See nicht länger ohne Verbindung
Außenwelt sind.
Doch seine Technik ruft auch das Militär auf den Plan.
Der deutsche Kaiser wird zu seinem Gegner.
Das harte Ringen um eine bahnbrechende Entwicklung beginnt.
Guglielmo Marconi und die Erfindung der Funktechnik.
Nirgendwo sonst ist der Schiffsverkehr so dicht wie im Ärmelkanal.
Rund um die Uhr kontrolliert die Küstenwache von Dover die Wasserstraße.
400 bis 500 Schiffe passieren täglich die Meerengel. Ständig werden sie vor
Gefahren über Funk gewarnt. Vor allem, wenn es wieder zu einer bedrohlichen
Havarie gekommen ist.
Für die stählernen Giganten ist Funk unverzichtbar.
Jederzeit haben sie Kontakt zu Landstationen und anderen Schiffen.
Egal, wo sie auf den Weltmeeren fahren.
Doch vor mehr als 120 Jahren waren Kapitäne auf großer Fahrt ohne
ganz auf sich allein gestellt.
London, Ende des 19.
Jahrhunderts. England ist zu dieser Zeit die bedeutendste Seefahrernation und
baut seine Vormacht weiter aus.
Da kommt ein junger Italiener mit einer seltsamen Erfindung in die Stadt.
Guglielmo Marconi ist nervös. Es ist die erste öffentliche Vorführung seiner
Konstruktion. Zu viel will er noch nicht preisgeben, denn er fürchtet Nachahme.
Ein Kasten soll seine selbstgebaute Apparatur vor den neugierigen Blicken
Zuschauer schützen.
Mit elektromagnetischen Wellen bringt er eine kleine Glocke auf dem Kasten zum
Läuten, und zwar ohne jede Drahtverbindung.
Er behauptet, seine Wellen könnten enorme Entfernungen überbrücken. Als
mit dem Empfänger im Saal umherwandert, wird auch dem letzten klar, dass hier
etwas fantastisch Neues geschieht. Die Nachricht verbreitet sich in Windeseile.
Über Nacht wird Marconi zur Berühmtheit.
Als in Deutschland Kaiser Wilhelm II.
von Marconis Wunderwellen erfährt, ist er wie elektrisiert. Diese Erfindung
könnte von enormem Nutzen sein.
Sofort beauftragt der Kaiser den Berliner Professor für Elektrotechnik
Labi. Er solle alles über die Erfindung dieses Marconi herausfinden.
Es war ganz klar von vornherein, dass der Funk eine militärische Bedeutung
Mit dem Funk konnte man zwischen beweglichen Stationen kommunizieren und
sowohl für das Heer interessant als auch vor allen Dingen für die Kriegsmarine.
Und gerade an der Kriegsmarine hatte Wilhelm II.
bekanntlich sein Herz verloren.
Zu dieser Zeit lassen sich Informationen zwischen Schiffen nur bei Sichtkontakt
austauschen, zum Beispiel durch Flaggensignale.
Doch die Seeleute sind, anders als in Küstennähe, draußen auf den Ozeanen
vollkommen isoliert und niemand kann zur Hilfe gerufen werden, wenn sie in
Gefahr geraten.
Das will der junge Marconi mit seiner Erfindung ändern.
Erst vor kurzem ist Marconi mit seiner Mutter aus Italien nach England
In seiner Heimat fand er keine Unterstützung für seine Entwicklung.
Seine Mutter ist Engländerin, gehört zur Jameson -Familie, einer vermögenden
Whisky -Dynastie. Die Jamesons haben beste Kontakte. Im fortschrittlichen
England hofft Guglielmo Marconi auf mehr Interesse für seine Erfindung. Und hier
will er sie endlich zum Patent anmelden.
Die Marconis stammen aus Norditalien.
In der Nähe von Bologna wuchs Guglielmo als Sohn eines Großgrundbesitzers und
Geschäftsmanns auf.
Guglielmo wurde zu Hause unterrichtet, besuchte erst spät eine normale Schule.
Seine Noten waren schlecht, der Zugang zu Universität und Marineakademie blieb
ihm versperrt.
Mehr als alles andere interessierte ihn bereits als Kind die Elektrizität. Schon
als Zehnjähriger baute er auf das Dach seines Elternhauses eine Anlage, um
Blitze einzufangen. Und im Alter von 16 Jahren machte er in der Dachstube erste
Experimente mit drahtloser Telegrafie.
Und was den jungen Marconi seit jeher auch anzog, waren Schiffe und das Meer.
Oft lief er zum Hafen von Livorno und hier...
packte ihn auf einmal eine Idee.
Wie wundervoll wäre es, mit Schiffen ständig in Kontakt zu bleiben, selbst
sie noch so weit draußen wären.
In London treibt Marconi seine Experimente immer weiter, inspiriert von
Versuchen des deutschen Heinrich Hertz.
Und tatsächlich, es gelingt ihm mit seinem Sender und Empfänger, Signale
mehrere hundert Meter drahtlos zu übertragen.
Jetzt kann er seine Erfindung in London zum Patent anmelden.
Mit einem Morse -Taster schaltet er die Signale. Eine Induktionsspule erzeugt
hohe Spannung und lädt zwei Blechkugeln an den Enden eines Drahts auf. Die
Spannung steigt, bis ein Funke sich entlädt und die magische Welle in den
abgibt.
Für Leute, die sich nicht erklären konnten, was hier passierte, sah das
so aus, als spiele da ein Zauberer mit übernatürlichen Kräften.
Die Leute machten sich Sorgen und fürchteten, er sei nicht ganz richtig im
ganz klar.
Zu dieser Zeit ist das Telegrafen -Netz der Welt fest in den Händen großer
Gesellschaften. Anglo -American und Western Union verdienen ein Vermögen.
Die Morse -Botschaften werden über Kabel gesendet und ständig bauen die
Telegrafengesellschaften ihr Netz aus.
Zehn Unterwasserkabel verbinden allein Amerika mit Europa.
Die Investitionen sind enorm.
Doch Marconi weiß, seine Technik ist günstiger, einfacher zu installieren und
vor allem...
Unvergleichlich flexibler.
Noch ahnen die Telegrafengesellschaften nicht, dass der junge Italiener ihnen
stark zu schaffen machen wird.
Marconi arbeitet Tag und Nacht an seiner Erfindung.
Experimentiert mit unterschiedlichsten Materialien.
Er will die Reichweite seiner Wellen verbessern. Versucht die Empfindlichkeit
seines Empfängers zu steigern.
füllt mit den Spänen verschiedener Metalle den sogenannten Kohära.
Trifft eine elektromagnetische Welle auf die Späne in dem Glasröhrchen, haften
sie zusammen und leiten den elektrischen Impuls weiter.
Der Klopfer unterbricht die Verbindung und macht den Kohära bereit für den
Empfang des nächsten Signals.
Doch um Schiffe zu erreichen, müssen die elektromagnetischen Wellen
Wasserflächen überwinden können.
Am Bristol -Kanal zwischen Lavernock Point und der kleinen Insel Flat Holmes
wagt Marconi ein noch nie dagewesenes Experiment.
Sein Assistent George Kemp sitzt seit Tagen mit einem Empfänger auf dem
Doch bislang probieren sie ohne Erfolg.
Kein Signal gelangt über die Wasserfläche. Jetzt lässt Marconi die
verlängern.
In Berlin hat Adolf Slaby von Marconis Vorhaben erfahren.
Diese Gelegenheit will er sich nicht entgehen lassen.
Es gelingt Slaby, von William Preece zu dem Experiment eingeladen zu werden.
Preece ist leitender Ingenieur bei der englischen Postbehörde, die inzwischen
Marconi unterstützt.
Marconi kann sein Misstrauen kaum verbergen.
Was will dieser deutsche Spezialist für Elektrotechnik hier?
Für Marconi bedeutet jeder Mitwisser eine Gefahr, denn noch immer hat er
Nachricht vom Patentamt. Seine Erfindung ist noch ungeschützt.
Dennoch erlaubt das Labi das Experiment zu beobachten, aus Rücksicht auf die
englische Postbehörde.
Dann macht Marconi seinen neuen Versuch.
In Lichtgeschwindigkeit rasen die Wellenzüge bis zu der Insel und kurz
kommt die Erfolgsmeldung zurück.
Vier Kilometer.
Ein neuer Rekord. Dieser Tag, der 13. Mai 1897, geht in die
Geschichte ein.
Slavy ist beeindruckt. Das wird den deutschen Kaiser brennend interessieren.
Im Juli erhält Marconi endlich das langersehnte Patent.
Ihm wird die Priorität an der drahtlosen Übermittlung elektrischer Impulse
eingeräumt.
Nur wenig später kommt es zu einem wegweisenden Vertrag.
Marconi hat schon länger mit Geschäftspartnern seiner englischen
verhandelt. Noch im selben Monat gründet die Gruppe von Whiskybaronen und
Kaufleuten die Wireless Telegraph and Signal Company, eine Gesellschaft für
drahtlose Telegraphie.
Marconi erhält für sein Patent 15 .000 Pfund, heute rund 1 ,2 Millionen Euro.
60 % der Aktien und 25 .000 Pfund zur weiteren Entwicklung seiner Technik.
Binnen sechs Monaten wird sich der Wert seiner Aktien verdreifachen. Mit 23
Jahren ist Marconi nicht nur berühmt, sondern auch steinreich.
Er war wirklich ein sehr cleverer Geschäftsmann. Jemand, der die
Bedeutung von Patenten und einer Firma mit solider Finanzierung richtig
einschätzte. Und der schließlich auch erkannte, wie wichtig die Medien waren.
Mit aller Energie entwickelt Marconi seine Erfindung weiter und er nimmt eine
Reihe spektakulärer Versuche.
Er installiert seine Funkstation auf einem Feuerschiff.
Und die Presse berichtet über den ersten Funkverkehr von Schiff zu Land.
Bald gelingt es ihm, seine magischen Wellen über den Ärmelkanal bis zur
französischen Küste zu schicken.
Überall schreiben jetzt die Zeitungen über ihn.
Queen Victoria lässt sich von Marconi auf ihrem privaten Anwesen auf der Isle
Wight eine Anlage installieren.
Täglich erkundigt sich die Königin per Funk danach, wie es ihrem Sohn geht, der
mit seiner Yacht vor der Küste der Insel liegt.
Schließlich reist Marconi in die USA, um drahtlos vom Kampf zweier Segeljachten
um den America's Cup zu berichten.
Diese erste Live -Sport -Übertragung wird zur Sensation.
In Berlin war Adolf Slaby nicht untätig. Jetzt präsentiert er dem Kaiser sein
Ergebnis.
Als Assistent steht ihm der Physiker Georg Graf von Arco zur Seite.
Graf Arco wird schon bald zum Mitbegründer und Leiter der mächtigen
Slavy hat in England Marconis Geräte genau studiert und sie dann akribisch
nachgebaut. Er nennt die neue Technik Funken, weil der Funke, der zwischen den
Kugeln überspringt, die elektromagnetischen Wellen freisetzt.
Kaiser Wilhelm II.
sieht in dieser Technik vollkommen neue Kommunikationsmöglichkeiten für das
gesamte Militär und vor allem für die Schiffe seiner Marine.
Was Labi in England herausbekommen hat, ist von höchster Bedeutung.
Man kann das, was er dort getan hat, durchaus als Industriespionage
Er hat sich die Versuche angesehen und hat dann später, nach seiner Rückkehr
nach Berlin, diese Versuche reproduziert. Und ohne diese Arbeiten,
Industriespionage, hätte der Funk in Deutschland wahrscheinlich später
In Berlin unternimmt Slaby erste Versuche. Er funkt von einem
Gebäude zu seinem Büro in der Technischen Universität.
Doch die Experimente lösen ein künstliches Gewitter in den Berliner
Telefonleitungen aus.
Aber Slaby ist überzeugt, er wird die neue Technik schon in den Griff kriegen
und Marconis Vorsprung bald einholen.
Inzwischen hat Marconi Teststationen entlang der englischen Küste
Und die Direktoren der Firma haben das Interesse eines ersten wichtigen Kunden
geweckt. Der große Schiffsversicherer Lloyds erwägt in naher Zukunft eine
von Küstenfunkstationen einzurichten.
Wenn diese Kooperation gelingt, würden auch die Schifffahrtslinien, die mit
Lloyds zusammenarbeiten, in Marconis Technik investieren.
Eine der ersten Küstenfunkstationen ist an der Südküste Englands in Cornwall
gebaut worden.
Sie steht dort heute noch fast unverändert.
Lizard Point hatte eine Reichweite von rund 180 Meilen und konnte frühzeitig
Ankunft von Schiffen nach London weitermelden.
Die Station wird heute vom National Trust und einem ehemaligen Marconi
betreut. Die meisten Geräte wurden von Marconi persönlich entwickelt.
Empfänger und Tintenschreiber, der die eingehenden Nachrichten aufzeichnet.
Leiderner Flaschen, die als Kondensatoren Energie speichern und über
die Funkwellen erzeugen.
Schon bald betreibt Marconis Firma eine ganze Reihe von Teststationen entlang
der Einfahrt zum Ärmelkanal. Mehr und mehr Schifffahrtslinien interessieren
für die neue Technik.
Marconi ist jetzt ständig unterwegs.
Reist nach Amerika, um seine Erfindung den Streitkräften und der Marine zu
präsentieren.
Kaum auf einem Schiff installiert er Antennen und Empfänger, um zu sehen, wie
lange er Kontakt mit seinen Küstenstationen halten kann.
Und die Passagiere haben zum ersten Mal die Möglichkeit, Nachrichten während
ihrer Reise zu empfangen.
Marconi ist ein vielbeachteter Gast in der ersten Klasse der Luxusliner. Er ist
reich, berühmt.
und Junggeselle. Ich würde ihn keinen
unverbesserlichen Schürzenjäger nennen, aber so ungefähr.
Er genoss die Begleitung schöner Frauen und er ließ sich sehr leicht mit
ihnen ein.
Ja,
Frauen waren wichtig für ihn, aber nur für eine kurze Zeit.
Schon bald wendete er sich wieder seiner wirklichen Liebe zu, und zwar ein Morse
-Signal zu übertragen.
Herbst 1899.
Ein Großauftrag scheint zum Greifen nah.
Marconi soll seine Technik der amerikanischen Kriegsmarine vorführen.
Zwei Schiffe und eine Landstation sind mit seinen Funkgeräten ausgestattet. Da
verlangen die Amerikaner, beide Schiffe sollen gleichzeitig senden.
Es kommt zum Desaster.
Der Empfänger registriert zwar die Botschaften, doch sie sind absolut
unleserlich. Die beiden Sender haben sich gegenseitig gestört.
Marconi versichert, das Problem lösen zu können. Aber die amerikanische Marine
beschließt, auf Marconis Wunderwellen zu verzichten und Nachrichten weiterhin
mit ihren bewährten Brieftauben zu übermitteln.
Elektrotechnisches Institut Bologna. Ein Original der Neuentwicklung, mit der
Marconi nach dem Depakel in Amerika Störungen vermeiden wollte.
Das Gerät aus dem Jahr 1900 soll getestet werden.
Ursprünglich hatte Marconi Sender und Empfänger nur über die Länge der Antenne
aufeinander abgestimmt, was sich bei mehreren Apparaten als zu unpräzise
Erst eine Spule, die er als zweites Abstimmungsinstrument in den Schaltkreis
einfügte, brachte die Lösung.
Tatsächlich können so einzelne ausgewählte Frequenzen empfangen werden,
dass die Signale sich stören.
Marconi lässt das Verfahren schützen und erhält im April 1900 sein wichtigstes
Patent, das weit in die Zukunft weisen sollte.
Wir hätten heute keine verschiedenen Fernseh - oder Radioprogramme, auch
die Art mobil zu telefonieren, wenn Marconi nicht die Nutzung
Frequenzen eingeführt hätte. Oder allgemeiner, wir hätten nicht die
ein bestimmtes Signal unter all den anderen zu entschlüsseln.
Noch im selben Monat gründet Marconi eine Firma für Marinekommunikation.
Sie soll Schiffe mit Funkgeräten ausstatten. Der Durchbruch scheint
Die britische Admiralität bestellt 26 Schiffs und 6 Küstenstationen. Und Lloyd
bietet einen Vertrag für 14 Jahre.
Marconi sieht in eine blendende Zukunft.
Da erhält die Firma plötzlich eine Nachricht von der englischen
Wenn Marconis Firma in England die Handelsschifffahrt als Kunden gewinnen
bekäme sie ein Problem, denn das Monopol für die private Telegrafie besitze die
Post. Die Lage scheint aussichtslos.
Da hat Marconi einen genialen Einfall, ein neues Geschäftsmodell.
In Zukunft werden sie Schiffs - und Küstenstationen nur noch vermieten und
ausschließlich mit eigenem Personal besetzen. Dann gilt der Funkverkehr
juristisch als Telegrafie innerhalb des eigenen Betriebes und berührt nicht das
Monopol der Post.
Den Marconi -Funkern müssen sie es nun strikt untersagen, Nachrichten anderer
Systeme weiterzuleiten.
Jetzt hält Marconi den Moment für gekommen, seinen geheimen Plan zu
Wenn es gelänge, den Atlantik zu überbrücken, drahtlos England mit
verbinden, dann wäre das Aufsehen in der ganzen Welt garantiert. Schiffe nicht
nur in Küstennähe, sondern während der gesamten Atlantikpassage ständig zu
erreichen, das wäre die Sensation.
Die Direktoren willigen ein. Sie ahnen nicht, welche gewaltigen Summen das
Vorhaben verschlingen wird.
Jetzt braucht Marconi einen Standort für seine Transatlantikstation.
In der Bucht von Polju, im äußersten Südwesten Englands, glaubt er, eine
günstige Stelle gefunden zu haben.
Hinter einem Hotel lässt er eine Reihe von Baracken errichten.
Und einen Ring aus 24 Masten, je 60 Meter hoch, für die Antenne.
Es gelingt ihm, John Ambrose Fleming zu engagieren.
Ein renommierter Physiker, Professor für Elektrotechnik, Spezialist für
Kraftanlagen.
Flemming hält Marconis kühnen Plan für machbar, aber nur mit einem starken
Kraftwerk.
Eine Dampfmaschine mit 32 PS treibt den Generator.
Transformatoren liefern eine Spannung von 20 .000 Volt.
Marconis bisheriges System war dagegen nichts als Spielzeug.
Als sie die Station zum ersten Mal testen, stopfen sie sich Baumwolle in
Ohren, um ihr Gehör vor dem gewaltigen Knall des Funkens zu schützen.
Marconis Plan läuft allem zuwider, was die Gelehrten über die Eigenschaften
elektromagnetischer Wellen zu wissen glauben.
Sie würden einfach im Himmel verschwinden, niemals in Amerika
Atlantik zu funken, ist in den Augen der Wissenschaftler vollkommen unmöglich.
Marconi ist sich aber sicher, er wird sie alle widerlegen.
Der Funken von Paul Jew war so stark, dass er eineinhalb Kilometer
entfernt im nächsten Dorf zu hören war.
Die Bewohner von Malien müssen sich zu Tode geängstigt haben. Sie wussten
was da passierte in Poldiu.
Die Station ist noch nicht ganz fertig, da wütet im September 1901 ein
schrecklicher Sturm.
Marconi hatte den Bau ausgerechnet in den rauen Herbstmonaten vorangetrieben.
Als nach Tagen das Unwetter endlich abzieht, blickt Marconi auf die Trümmer
seiner monatelangen Arbeit.
Der Sturm hat die 60 Meter hohen Masten wie Streichhölzer abgeknickt.
Auch seine Station, die in Amerika im Bau war, wird bald darauf von einem
zerstört.
Marconi fürchtet sein Vorhaben nicht mehr lange geheim halten zu können.
In aller Eile lässt er in Polju eine provisorische Antenne errichten.
Keinesfalls will er seinen Zeitplan ändern.
Ende November schifft er sich zusammen mit George Kemp und einem zweiten
Assistenten ein.
Marconi muss in Amerika einen neuen Platz für die dort zerstörte Station
Während der Überfahrt versucht Marconi, solange es geht, Kontakt zu Polschow zu
halten.
50 .000 Pfund hat der Ausbau der Stationen bereits verschlungen. Ein
das heute 4 ,3 Millionen Euro entspricht.
Wenn die Überbrückung des Atlantik mit seinen Funkwellen tatsächlich scheitern
sollte, ist die gesamte Firma in Gefahr.
Zehn Tage dauert die Überfahrt.
Marconi hat Neufundland als Standort für die neue Amerika -Station ausgewählt.
Es ist die kürzeste Verbindung zwischen den Kontinenten.
Am 6.
Dezember kommt die Küste bei St.
John's in Sicht.
Wenige Kilometer östlich beziehen sie Quartier auf Signal Hill im Anbau eines
verlassenen Krankenhauses.
Hier richtet Marconi mit seinen Assistenten provisorisch die Anlagen
neue Station wieder mit gigantischen Antennen und Masten auszustatten, ist
vollkommen illusorisch. Es würde Monate dauern und Unsummen verschlingen.
Marconi muss improvisieren.
Sie haben nur das Notwendigste an Ausrüstung aus England mitgebracht.
Ein ganz einfacher Kohera wird als Empfänger dienen. Und Marconi hat einen
verwegenen Plan, wie er seine Antennen errichten wird.
Sie haben Ballone und Drachen mitgebracht. Mit ihnen wollen sie die
hochziehen.
Schon vor zwei Tagen hatte Marconi den ersten Versuch gestartet.
Doch der anhaltende Sturm hat einen Drachen zerstört und Kemp beinahe über
Klippe gezogen.
Endlich ist es soweit. Der starke Wind hat nachgelassen.
Mit einem neuen Drachen ziehen sie die Antenne in die Höhe. Rund 120 Meter
sollen aus England kommende Signale empfangen.
Die Antenne ist instabil und nicht präzise abgestimmt. Doch Marconi setzt
auf eine Karte.
So ist es, wenn man ein Spieler ist. Man versucht etwas, schaut, ob es klappt,
und wenn nicht, wird halt was Neues versucht.
Und in seinem Fall, weil er nicht wirklich die physikalischen Grundlagen
war das ein ganz besonders riskantes Spiel.
Seit zwei Tagen warten sie
sehnsüchtig auf den Empfang der Signale aus England.
Am 9. Dezember hatte er ein Telegramm nach Polschu geschickt und die Station
dort angewiesen, mit der Übertragung der Funksignale zu beginnen.
Sollte alles vergeblich gewesen sein?
Rund um die Uhr sendet die Station Polschu Salven des Buchstaben S.
Drei kurze Signale, 250 Mal hintereinander.
Dann fünf Minuten Pause und wieder von vorn.
Marconi hat keinen Tintenschreiber installiert, benutzt nur einen
um die Signale zu erkennen.
Doch außer Rauschen und Störsignalen hört er nichts.
Im Vollschuh bekommen die Funker schon Zahnfleischbluten von den aufsteigenden
Quecksilberdämpfen aus den Kondensatoren.
Unermüdlich schicken sie die Wellen über den Atlantik.
Auf Signal Hill scheint die Anlage plötzlich ein Signal zu empfangen. Doch
ist kaum zu erkennen inmitten der ganzen Störungen.
Vielleicht nur eine Sinnestauschung?
Marconi bleibt skeptisch.
Aber sind da nicht wirklich drei schwache Klicks zu hören?
Er bittet seinen Assistenten Kemp, seinen Eindruck zu überprüfen.
Kemp meint in all dem Rauschen und Knistern das Gleiche zu hören.
Drei schwache Signale. Der Buchstabe S.
Noch am selben Tag informiert Marconi seine Direktoren in London und dann mit
einer Presseerklärung die ganze Welt.
Doch in der Öffentlichkeit wird Marconi nicht nur gefeiert.
Prominente Wissenschaftler äußern Zweifel.
Der berühmte Edison stellt ihn gar als Lügner hin.
Und weil Marconi keine Aufzeichnung durch einen Tintenschreiber hat, fehlt
der Beweis.
Das war der Moment, als der Druck, der psychologische Druck, wirklich begann.
Er war ständig Verunsicherung, Misstrauen und Angriffen ausgesetzt.
Und diese heftigen Angriffe auf seine Ehre ließen ihn garantiert nicht kalt.
Ohne Frage.
Wann Marconi die Signale am besten hätte empfangen können, weiß die Wissenschaft
heute zu erklären.
Das Ionosphäreninstitut in Kühlungsborn an der Ostsee.
Hier untersuchen Forscher den Aufbau und die Eigenschaften der Ionosphäre, einer
Schicht aus elektrisch geladenen Teilchen, die zwischen 80 und 800
Höhe die Erde umgibt.
Marconi kannte zu seiner Zeit weder die Frequenz seiner Wellen, noch ahnte er
etwas von der Existenz der Ionosphäre. Doch beides ist für die Ausbreitung
elektromagnetischer Wellen von entscheidender Bedeutung.
Im Institut wird ein Laserstrahl von enormer Kraft senkrecht in den Himmel
geschickt. So erhalten die Wissenschaftler Aufschluss über die
Ionosphäre.
In der Höhe von 250 Kilometern umgibt die Erde eine sehr stark ionisierte
Schicht. Sie reflektiert kurze Wellen besonders gut. Doch darunter, in 80
Kilometern Höhe, baut sich mit zunehmender Sonneneinstrahlung eine
Dämpfungsschicht auf, die tagsüber die Reflektion vermindert.
So breiten sich die Wellen abhängig von Tages - und Jahreszeit sowie der
Sonnenstrahlung unterschiedlich aus.
Marconis Wellen können im Winter 1901 tatsächlich den Atlantik überbrückt
Auf jeden Fall schrecken seine Versuche einen mächtigen Gegner auf.
Die Kabelkompanien fürchten um ihre Investitionen. Die Anglo -American
Marconi sämtliche weiteren Aktivitäten und beruft sich darauf, die alleinige
Lizenz für eine Telegrafenverbindung von Neufundland nach England zu besitzen.
Marconi will keinesfalls einen Rechtsstreit riskieren.
Vorsichtshalber bricht er seine Versuche in Neufundland ab.
Als Kaiser Wilhelm II.
von Marconis spektakulärem Versuch erfährt, wird er ungehalten.
Noch immer hat er Marconis Technik nichts entgegenzusetzen, weil bei der
Entwicklung der Funktechnik inzwischen mehrere deutsche Firmen gegeneinander
arbeiten. Slaby mit AEG gegen Braun mit Siemens.
Selbst deutsche Räder wie Hapag -Leut statten ihre Schiffe mit Marconi
aus.
Im Kriegsfall würde der Kaiser die Schiffe requirieren und dann hätten sie
fremde System an Bord.
Bisher hat Slaby seine Hoffnungen auf ein einsatzfähiges eigenes Funksystem
nicht erfüllt. Der Kaiser will endlich Erfolge sehen.
Denn Wilhelm II.
will keine Zeit verlieren. Er ist dabei, seine Flotte zu vergrößern, um England,
die Vorherrschaft auf See, streitig zu machen. Dafür braucht er dringend ein
verlässliches Funksystem.
In London ahnt Marconi nichts von den Aktivitäten des deutschen Kaisers.
Er hat geheiratet. Bea, die Tochter einer angesehenen britischen
Schon bald sollte sie feststellen, dass ihr Mann ein verschrobener Eigenbrötler
ist. Eine der ersten Reisen des Paares führt nicht in die Flitterwochen nach
Italien, sondern zu einer Funkstation an eine sturmgepeitschte Küste.
Marconis Firma betreibt inzwischen 54 Küstenstationen. Zwölf
haben ihre Dampfer mit seiner Technik ausgestattet.
Und auch wenn er den Atlantik noch nicht zuverlässig überbrücken kann, so
gelangen Nachrichten doch von Schiff zu Schiff nach Amerika.
Marconi ist auf dem besten Weg, ein Monopol aufzubauen.
Als sogar persönliche Nachrichten des Kaisers wiederholt von Marconis Funkern
nicht weitergeleitet werden, verliert Wilhelm II.
endgültig die Geduld.
Marconis gefährliche Monopolstellung muss beendet werden.
Auf Druck des Kaisers wird jetzt die Firma Telefunken gegründet. In ihr
die deutschen Konkurrenten und damit alles Wissen und alle Produktionskräfte
zusammengeführt.
Vor den Toren Berlins entsteht die Großfunkstation Nauen.
Und schon bald beginnt Telefunken im Ausland mit Marconis Firma, um lukrative
Märkte zu konkurrieren.
Telefunken wird für ihn zu einem ernstzunehmenden Gegner.
Marconi hat seinen Traum, mit Funkwellen den Atlantik zu überbrücken, noch lange
nicht aufgegeben. Er ist überzeugt, mit noch stärkeren Generatoren, größeren
Antennen und längeren Wellen kann er es schaffen.
Aber die Direktoren seiner Firma halten sich zurück. Die zahlreichen
Küstenstationen verursachen immense Kosten.
Die Firma ist nicht liquide.
Da fasst Marconi den Entschluss, sein ganzes privates Vermögen zu investieren.
In Kanada nimmt er eine neue Transatlantikstation in Angriff. Der
Glace Bay wird zu einer gigantischen Baustelle mitten in der Wildnis.
Hier lässt Makuni vier enorme Türme errichten, die stabil genug sind, jedem
Sturm zu trotzen.
Zwischen ihnen wird der kilometerlangen Antennendraht verspannen.
Die Dampfmaschinen versorgen riesige Generatoren. Ihre Energie wird in
Kondensatorenhäusern gespeichert. Die Investitionen sind schwindelerregend.
Marconi sieht keinen anderen Weg.
So haben sie sich das vorgestellt, dass man enorme Energie braucht und dafür
gigantische Stationen mit gewaltigen Kraftanlagen und riesige Kondensatoren,
mit enormen Spannungen geladen wurden.
Das war nicht nur unglaublich laut, sondern auch überaus gefährlich. Wenn
da drankam, war er tot, und zwar auf der Stelle.
Heute sind nur noch wenige Längstwellensender in Betrieb. Sie
ausschließlich der Kommunikation mit U -Booten.
Nur Very Long Frequencies, Wellen von 10 .000 Metern und mehr, sind in der Lage,
das Salzwasser der Meere zu durchdringen.
Die deutsche Marine kann ihre U -Boote bis zu einer Tauchtiefe von 30 Metern
erreichen. Doch die langen Wellen können nur einfachste Befehle dorthin
übermitteln. Will das Boot antworten, muss es auftauchen.
Ohne diese Längstwellensender wären die U -Boote unter Wasser heute genauso
isoliert, wie es zu früheren Zeiten die Schiffe auf den Meeren der Welt ohne
Funk waren.
Seit 29 Tagen versuchen nun in England Marconis Funker pausenlos Nachrichten
über den Atlantik zu senden.
Vergeblich. Immer wieder lässt Marconi in Kanada die Abstimmung der Antennen
verändern. Die Techniker sind ratlos und Marconis Stimmung ist auf dem
Tiefpunkt.
Vor einem Jahr in Neufundland hatte er mit unstabilen Drachen und einer
Antenne Empfang gehabt.
Doch hier, in seiner ausgeklügelten neuen Station mit den hohen Türmen und
kilometerlangen Antennendrähten, empfängt er rein gar nichts.
Da beschließt er, etwas Neues auszuprobieren.
Er kehrt die Senderichtung um.
Die Transformatoren im kanadischen Glace Bay peitschen mit ihrer immensen Kraft
die Funkwellen über den Atlantik.
Bis zur Küstenfunkstation in England sind es mehr als 3000 Kilometer. Und
plötzlich scheint sich das Blatt zu wenden.
Am 16.
Dezember erhält der Funke in Glace Bay über Kabel die erlösende Nachricht,
England hat seit zwei Stunden Non -Stop -Signale empfangen.
Das ist der Durchbruch.
Jetzt wird Marconi all den Skeptikern beweisen können, dass sein System auch
über tausende von Kilometern funktioniert.
Marconi, mit Sinn fürs Protokoll, sendet zwei Botschaften. Die erste an den
König von England, die zweite an den König von Italien.
Und diesmal hat er vorgesorgt und einen unabhängigen Zeugen dabei.
Ein Reporter der London Times berichtet über Marconis Erfolg.
Wenig später stürzen die Aktien der Kabelgesellschaften ins Bodenlose.
Doch die Freude über Marconis Erfolg wird nicht überall geteilt. In Berlin
treffen Minister und Beamte aus zahlreichen Küstenländern ein.
Kaiser Wilhelm II.
hat sie eingeladen.
Im Muschelpalais gibt er einen Empfang.
Es ist die Vorbereitung zu einer ersten Weltfunkkonferenz.
Dem Kaiser geht es vor allem um ein Ziel.
Marconi endlich zu verpflichten, Nachrichten aller Systeme
Sein Monopol zu brechen.
Es ist eine Anti -Marconi -Konferenz.
Marconi hat mit seinem Transatlantik -Experiment zwar einen überwältigenden
Erfolg erworben.
Doch seine Direktoren und er wissen, es wird noch lange dauern, bis ihr System
über diese große Distanz zuverlässig funktioniert.
Marconi ist seinem Ziel, die Schiffe aus der Isolation zu holen, einen großen
Schritt näher gerückt. Aber der endgültige Durchbruch kommt erst, als
von einem tragischen Unglück erschüttert wird.
14. April 1912.
Die Titanic rammt einen Eisberg. Auf dem sinkenden Schiff setzen die beiden
Marconi -Funker Notrufe ab.
In der Bodleian -Bibliothek in Oxford lagert der Nachlass der Marconi -Firma.
Darunter eine Box mit den Telegrammen rund um das Drama der Titanic.
Etwa 3000 Nachrichten wurden drahtlos zwischen den Schiffen in der Nähe und
Landstationen ausgetauscht.
Der gesamte Funkverkehr dieser historischen Nacht ist dokumentiert.
Um 2 .20 Uhr explodieren die Heizkessel, der Strom fällt aus. Bis zuletzt senden
die Funker ihre Position.
Die Notrufsignale der Titanic werden von Schiffen im Umkreis aufgefangen.
Als die Titanic am Morgen des 15. April sinkt, ist wenig später die Carpathia
zur Stelle.
Und 704 Menschen können aus dem eiligen Wasser gerettet werden.
Am 18.
April verkündete der Postminister im englischen Unterhaus, alle die gerettet
wurden, sind von einem einzigen Mann gerettet worden, Mr. Marconi.
Und nachdem die Untersuchungen abgeschlossen waren, wurden sämtliche
die mehr als 50 Passagiere transportieren konnten, verpflichtet,
installieren, weil das Menschenleben rettete.
Im selben Jahr werden auf einer internationalen Konferenz alle
verpflichtet, sämtliche Nachrichten weiterzuleiten, egal welches System sie
benutzen.
Marconi und Telefunken beenden ihren Konkurrenzkampf. Die Einigung der beiden
Giganten wird als Weltfunkfriede gefeiert.
Zu Hause sieht es bei Marconi weniger glücklich aus.
Er trennt sich von seiner Frau Bea.
Für ein Familienleben ist er nicht geschaffen.
Seine wahre Leidenschaft liegt woanders.
Das ist typisch für Marconi. Er war so besessen von seinen Ideen, dass alles
andere für ihn nur Ablenkung bedeutete.
Von nun an lebt Marconi auf seiner Yacht, die er Elektra tauft. Es sollte
glücklichste Zeit seines Lebens sein.
Die Yacht baut er in ein schwimmendes Labor um. Hier widmet er sich neuen
Erfindungen, experimentiert mit Kurzwellen und Radar.
Als Marconi am 20. Juli 1937 mit 63 Jahren stirbt, hält die Welt
zu seinen Ehren den Atem an.
Sämtlicher Funkverkehr wird für zwei Minuten ausgesetzt.
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