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Original subtitles

(Grillenzirpen, Quaken von Fröschen)

(friedvolle Musik)

Servus. Meine erste Frage an Peter Wohlleben:

Welcher Baum wären Sie gerne und warum?

Ich wäre gerne eine Buche,

aber nicht unbedingt deswegen, weil ich Buchen so liebe,

sondern weil das hier bei uns die heimische Baumart ist.

Die ist ein bisschen unter die Räder gekommen.

Und sie ist sehr familiär und sehr sozial.

Sie steht gern in Gruppen, kümmert sich um ihren Nachwuchs.

Ich mag auch gern Familie, von daher sind mir Buchen sympathisch.

-Aber sie haben einen harten Kern. -Ich auch.

(Lanz) Begonnen hat es mit einem grandiosen Bestseller,

ausgerechnet über ein Thema,

das im ersten Moment so spektakulär klingt

wie eine Abhandlung über saure Milch, nämlich über Bäume, über den Wald.

Herzlich willkommen, Peter Wohlleben, freut mich.

(Applaus)

(Meyer-Burckhardt) Sein Buch über Bäume

wurde in 40 Ländern veröffentlicht.

Es ist in Frankreich auf Platz 1 der Bestsellerliste.

Und er ist seit zwei Jahren...

Der Förster ist seit zwei Jahren

Deutschlands meistgelesener Sachbuchautor.

(Applaus)

Es gibt seit 300 Millionen Jahren Wald,

es gibt seit 300.000 Jahren Menschen, seit 300 Jahren Förster.

Die meiste Zeit hat die Natur das allein gemacht,

die kann das nach wie vor sehr gut.

(Moderatorin) Das heißt, dass wir von der Natur,

weil sie schon länger existiert, sehr viel lernen können.

Was sollten wir als Mensch lernen von der Natur?

(Wohlleben) Entspannung.

Wir müssen uns nicht ständig schuldig fühlen.

Peter, wo ein Foto von uns allen? Auf dem Balkon?

Familienbild?

(Wohlleben) Bei Waldführungen wurde ich immer gefragt:

Kann man das nachlesen?

Ich habe gesagt: "Nee, da gibt es nix."

Meine Frau sagte! "Schreib das doch auf."

"Nee, habe ich keine Lust." "Nur zehn Seiten."

"Nee, will ich nicht.”

Irgendwann habe ich nachgegeben:

"Gut, ich schreibe das auf, schicke es an ein paar Verlage.

Wenn es keiner haben will, ist Ruhe."

(Radiomoderator) Dann haben Sie ein Buch geschrieben,

das kein großer Bestseller wurde, sondern?

(Wohlleben) Das wurde "Das geheime Leben der Bäume".

Das war das 16. Buch. Ich habe das ja auch nicht gelernt.

(Applaus)

Guten Abend. Mein Name ist Peter Wohlleben.

Ich freue mich, dass ich heute hier eingeladen bin,

obwohl ich gar keine Lesung mache, das sage Ich Ihnen jetzt schon.

Weil ich eigentlich auch nicht schreibe, also...

Ja, ist Tatsache so. Ich erzähle Ihnen keinen Quatsch.

Ich bin ja eigentlich Förster.

(Radiomoderator) Sie haben mit 27 Ihre erste Stelle angetreten,

das war ja eine Verbeamtung auf Lebenszeit.

Mit weicher Erwartung sind Sie denn dahin,

nach Hümmel, wo Sie ja wohnen?

Ich habe erst mal konventionell gewirtschaftet.

Dann habe ich gemerkt, das fühlt sich nicht gut an.

Ich wusste nicht, warum, ich habe ja gelernt:

Ein guter Förster erneuert den Wald,

hackt Bäume ab, pflanzt neue und so weiter.

Bis ich merkte, nein, das ist Holzindustrie.

Da habe ich gekündigt.

Wir besprachen das in der Familie, weil mich das belastete,

und wollten nach Schweden ziehen.

Da sagte der Bürgermeister: "Bevor du dich vom Acker machst,

stellen wir dich ein, bleib mal schön hier.

Und zwar als Angestellter.

Ich finde gut, dass Sie nicht so dogmatisch daherkommen.

Sie erzählen auf diese unaufgeregte Art und Weise Geschichten.

Das mögen die Leute, deswegen sind Sie glaubwürdig.

Und Sie sehen aus wie einer,

den man mal zum Grillen einladen möchte.

Das hilft alles.

(Vogelzwitschern)

Passt.

So, heute bin ich im Wald, wird auch mal wieder Zeit.

Und heute zeige ich euch mal was ganz anderes,

nämlich wie sozial Bäume sind.

Hier haben wir einen uralten Stumpf, so sieht man den schön.

Ein uralter Baumstumpf.

Der lebt auch noch, ist ganz hartes Holz.

Vor Jahren stieß ich in einem der alten Buchenreservate meines Reviers

auf eigenartig bemooste Steine.

Die Form war merkwürdig, leicht gebogen mit Hohlräumen.

Und als ich das Moos etwas abhob, entdeckte ich darunter Baumrinde.

Es war also doch kein Stein, sondern altes, hartes Holz.

Es handelte sich um die knorrigen Reste eines uralten Baumstumpfs.

Nur der ehemalige Rand war noch in Rudimenten vorhanden,

während das Innere längst vollständig zu Humus verfault war.

Doch wie konnten sich die lebenden Überreste so lange halten?

Schließlich verbrauchen die Zellen Nahrung in Form von Zucker.

Ohne Blätter und damit ohne Photosynthese ist das aber unmöglich.

Bei diesem Exemplar war es jedoch ganz offensichtlich anders.

Es bekam Unterstützung von den Nachbarbäumen.

Die umgebenden Buchen pumpten ihm Zuckerlösung hinüber,

um ihn am Leben zu halten.

Dass Bäume sich zusammenschließen,

kann man manchmal an Wegeböschungen sehen.

Dass es wirklich ein verflochtenes System ist,

das die Individuen einer Art und eines Bestandes verbindet,

haben Wissenschaftler im Harz herausgefunden.

Der Austausch von Nährstoffen, die Hilfe im Notfall,

ist anscheinend die Regel

und führte zu der Feststellung,

dass natürliche Wälder Superorganismen sind.

Also ähnliche Gebilde wie etwa Ameisenhaufen.

Doch warum sind Bäume derart soziale Wesen?

Warum teilen sie ihre Nahrung mit Artgenossen?

Die wissen: "Ein einzelner Baum ist kein Wald.

Nur in Gemeinschaft werde ich uralt."

Wie wir auch. Wenn wir krank werden, werden wir gesund gepflegt.

So können alle miteinander fröhlich und gesund sehr alt werden.

Das finde ich eine schöne Parallele zu uns.

(Heulen einer Motorsäge in der Ferne)

(Motorsäge)

(Mann) Baum kommt!

(langsames Krachen)

(Wohlleben) Guck mal hier genau hin.

Hier kommt schon jede Menge Naturverjüngung mit hoch.

-Ja. -Gut, an der Stelle hier...

Guck, zwei Laubbäume.

Wie viele Bäume sind hier pro Hektar?

-In Prozent? -Da gibt es einen einfachen Trick.

Auf die Knie oder in die Hocke.

Du musst runter, sonst siehst du nichts.

Es geht mir nicht drum, dass du vor mir kniest.

-Von oben sieht alles aus wie Moos. -(Mann) Da sieht man nichts.

(Wohlleben) Hier sind Sämlinge.

Es ist gemischt, hier ist nur Fichte.

Da kann der nächste Wald nur Mischwald werden.

Wir wollen auf Dauer einen Laubwald.

Die nächste Generation wird gemischt, und dann die nächste Laubwald.

So in 500 Jahren.

-Also, wie viele haben wir? -(Mann) Sechs.

(Wohlleben) Sechs? Ich zähle mal nach.

-Eins... -Acht.

Wer bietet mehr? Ich zähle noch mal. Eins, zwei.

Was wir gefunden haben. Drei, vier, fünf.

Sechs.

Man muss aufpassen, dass man das Moos nicht mitzählt.

Wir haben hier noch was. Sieben, acht.

Neun, den hatten wir noch nicht.

Schön langsam alles durch. Zehn, so was übersieht man total.

Das sieht aus wie Moos.

Elf.

Hatten wir den schon? Sagen wir mal ja.

Sonst zählen wir doppelt.

Dann sind wir auf elf. Sonst noch was?

Guck mal vor dir, ist da noch irgendwo was?

-Man vertut sich halt ganz schnell. -Nee.

Wir haben sicher was übersehen, aber sagen wir, es sind elf Stück.

-Pro Hektar, sind? -110.000.

110.000. Wie viel pflanzt man, wenn man eine teure Kultur macht?

-10.000. -Hier ist mehr als das Zehnfache da.

Wer pflanzt, ist doof.

(Motorsäge in der Ferne)

So. Hü.

Hü. Hü.

Hü. Hü. (er schnalzt)

Hü. Hey. (er schnalzt)

Langsam.

Hü.

(Wohlleben) Ich kann das zeigen. Das ist von gestern.

(Frau) Das ist für das Pferd ganz schön anstrengend.

Nein, nein, das Pferd wiegt eine Tonne, das kann das.

(Frau übersetzt ins Koreanische)

Aber wenn man mit dem Harvester arbeitet,

kann man ja viel effektiver arbeiten, schneller.

Ja, schneller. Aber nicht effektiver.

-Ein Harvester ist zwar schneller... -(sie übersetzt)

Vielleicht ein Beispiel aus Korea.

(sie übersetzt)

Das letzte Samsung-Handy ist zu schnell konstruiert worden.

-Ja. -Mit dem Akku.

Das neue hat länger gedauert und ist besser geworden.

So ähnlich ist das im Wald auch.

-Die Entwicklung... -War zu schnell.

Der Akku war gequetscht, glaube ich.

Das war zu schnell auf dem Markt. Das hat großen Schaden verursacht.

So ist das hier auch. Der Harvester ist schnell, aber verursacht Schaden.

(sie übersetzt)

(Wohlleben) Ich hätte höflicherweise sagen können,

VW hat die Dieselmotoren zu schnell gebaut.

Das wäre nett, wenn Sie das auch übersetzen.

(sie übersetzt)

(alle lachen)

Hallo. Guten Morgen. Peter Wohlleben. Schön, dass Sie da sind.

(Wohlleben) Also, ich wollte als kleines Kind

schon Naturschützer werden, als Sechsjähriger.

Und bin nach der Schule auf Forstwirtschaft gekommen.

Ich dachte, Förster ist so ähnlich wie Waldhüter.

Ich hatte keine Ahnung, komme nicht aus einer Försterfamilie.

Ich fing, als ich fertig war, an zu wirtschaften

und merkte schnell, das ist es nicht.

Mit Kahlschlägen, Großmaschinen, Insektiziden.

Das nimmt ja heute noch zu.

Forstwirtschaft redet ja gerne von Waldpflege.

Das ist ein PR-Begriff.

Das ist, als sagte ein Metzger: "Ich bin Tierpfleger."

Dann sage ich: "Nein, bist du nicht."

Sie können einen Wald nicht pflegen.

Sie können ernten, produzieren, das ist legitim.

Ich bin nebenbei nicht gegen Holznutzung.

Sie sitzen auf Holzstühlen, ich schreibe Bücher,

die sind aus Papier, also auch aus Holz.

Aber wenn Sie was für den Wald tun wollen,

dann können Sie eigentlich nur es unterlassen, dort rumzusägen.

Hände in die Tasche, zugucken, so kriegt man einen Urwald.

Nicht mit Rumsägen. Sie können einen Wald nicht pflegen.

Von Natur aus waren 80 % der Landfläche Deutschlands Buchenurwald.

Und die Natur geht da immer wieder hin zurück.

Hier haben Sie übrigens so ein Baumfreundespaar.

Wenn Sie nach oben schauen, die kommen sich nicht ins Gehege.

Wenn Sie mal schauen, die dicken Äste sind nach außen weg.

(Mann) Aus Rücksichtnahme oder Platzmangel?

(Wohlleben) Gegen andere Bäume machen die das, das ist Rücksichtnahme.

Manche wachsen ineinander. Vom Licht her schaffen die das.

Ein Förster würde nie sagen, das ist ein Paar, zu romantisch.

Das ist eine Gruppe.

-Ja... -Eine Zweiergruppe.

Genau. Eine Ehe ist eine Zweiergruppe.

Und dann gibt es eine Gruppendurchforstung.

Das heißt, entweder beide oder keiner.

So haben wir das im Studium gelernt. Ist halt der unromantische Ausdruck.

So. Jetzt wächst eine kleine Buche los.

Die wächst langsam. Die soll nicht schnell wachsen.

Die soll in den ersten 200 bis 300 Jahren...

So lange dauert eine Baumjugend bei uns,

wenn sie vernünftig funktioniert.

Weil, das ist eine Studie,

Je langsamer der Jugendstart ist, desto älter wird ein Baum.

Schauen Sie, hier sehen Sie kleine Knoten auf den Ästen.

Die kann man abzählen.

Für jedes Jahr einen.

Eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben, acht.

Das Ding ist 15, 16 Jahre alt.

Der ganze Baum, was würden Sie schätzen?

-(Frau 1) 50? 100? -(Frau 2) Über 100.

-Ne? Das sind zehn. -(Frau 2) Ach so.

"Ach so." Genau.

Also, wenn wir sagen 100, ist das sicher nicht übertrieben.

Vorsichtig geschätzt. Ja, 100 Jahre.

(Frau 3) Und die großen? Wie alt sind die?

Die großen sind circa 150, 160.

Und das ist Ja ein Riesenunterschied.

Die großen stammen aus Kahlschlagswirtschaft.

Dann wachsen die wie Irre.

Wenn Sie es mal mit Schweinen vergleichen:

Aus Massentierhaltung sind die nach sechs Monaten schlachtreif.

Wenn Sie die hinterher in ein Tierheim geben,

eine Stiftung hat das mal gemacht,

die kippen Ihnen nach einem Jahr um oder zwei.

Die haben sich totgewachsen.

So ist das bei Bäumen auch.

Die wachsen schnell, aber werden dann nicht mehr alt.

Aber sie sollen Ja im Sägewerk enden.

Aus Renditegründen, kann man natürlich sagen,

hat der hier in 100 Jahren nicht so viel gebracht.

Aber ökologisch ist das die richtige Herangehensweise.

Und das ist das, wie es läuft.

Wenn man etwas für die kleinen Bäume tun möchte,

kann man nur die alten stehen lassen, nicht absägen.

Damit denen auf dem Weg dahin nichts passiert,

verbindet sich der Mutterbaum mit den Wurzeln mit dem kleinen

und ernährt den mit Zuckerwasser.

Man kann sagen, er wird gestillt.

Und solche Familien lässt man eben am besten zusammen.

Das ist artgerechte Haltung.

Die Plantage dahinten ist wie Massentierhaltung.

Alles ein Alter, aufgewachsen ohne Eltern.

Schnell, schnell, schnell.

Wird irgendwann als Massenware verkauft,

dann geht es wieder von vorne los.

(Motorbrummen)

Genau wie beim Thema Jagdpächter. Sie wissen ja, Jäger laufen nicht.

Kommen wir noch mal auch zur Wildabwehrstrategie.

Die Bäume blühen verabredet. Buchen und Eichen blühen verabredet.

Nicht untereinander, jeweils als Baumart.

Dieses Jahr haben wir ein starkes Buchenblühen.

Die verabreden sich über hunderte Kilometer, gleichzeitig zu blühen.

Wie, ist nicht erforscht.

(zarte Streichmusik)

(Wohlleben) Liebe.

Während Nadelbäume ihre Samen Jährlich auf Reisen schicken,

verfolgen Laubbäume eine ganz andere Strategie.

Bevor es ans Blühen geht, wird sich untereinander abgestimmt.

Sollte man im Frühling loslegen?

Oder besser doch noch ein oder zwei Jahre warten?

Altbäume möchten am liebsten gleichzeitig blühen,

denn dann können sich die Gene vieler Individuen gut mischen.

(Streichmusik läuft weiter)

Doch Laubbäume berücksichtigen dabei noch einen weiteren Grund:

Wildschweine und Rehe.

Die haben Heißhunger auf Bucheckern und Eicheln,

die ihnen helfen, einen dicken Winterspeck anzufressen.

Sie sind deshalb SO Wild auf die Früchte,

weil diese bis zu 50 % Öl und Stärke enthalten.

Mehr hat kein anderes Futter zu bieten.

Im Herbst werden ganze Waldgebiete bis auf den letzten Krümel abgesucht.

Sodass im Frühjahr kaum Baumnachwuchs keimen kann.

Daher stimmen sich Bäume untereinander ab.

Wenn sie nicht jedes Jahr blühen,

können sich Schweine und Rehe nicht darauf einstellen.

Ihr Nachwuchs hält sich in Grenzen,

weil die trächtigen Tiere im Winter eine nahrungsarme Zeit verbringen,

die viele nicht überleben.

Blühen endlich alle Buchen oder Eichen auf einmal und bilden Früchte,

vermögen die wenigen Pflanzenfresser nicht alles zu vertilgen,

sodass immer genügend unentdeckte Samen übrigbleiben und keimen.

(leise Harmonien von Holzbläsern)

(leise Harmonien)

(leise, getragene Streicher)

(Musik läuft weiter)

(Musik verklingt)

(Schreien von Kindern)

So. Darf man das im Wald?

(alle gemeinsam) Nein.

-Sonst verjagt man die Tiere. -Gar nicht.

Das sagen viele Erwachsene, aber das ist totaler Quatsch.

Sonst hätte ich es nicht gesagt.

Wenn ihr so schreit, wissen die Tiere sofort:

"Ach, das sind ja Kinder. Die tun uns ja nichts."

Die wissen, dass ihr nicht mit dem Gewehr im Wald Tiere schießt.

-Die wissen das. -Das dürfen Kinder ja nicht.

Die meisten Erwachsenen auch nicht.

Und die, die es machen, müssen es vielleicht auch nicht.

Grundsätzlich haben die Tiere keine Angst, wenn ihr laut seid.

Wenn ihr im Wald fangen spielt, sind die ganz entspannt.

Also, hier in der Nähe sind Rehe.

Aber man sieht die nicht, die verstecken sich.

Im Moor und so?

Nee, das kann sein, dass die hier im Gebüsch liegen.

Die laufen nicht weg, weil die wissen:

Die machen Krach, das sind keine Jäger.

Die hören, wenn ihr beim Laufen Krach macht.

-Sollen wir noch mal? -Ja, gerne.

(sie kreischen)

(Surren)

(Frau) Da ist auch einer, im Privatwald.

Da auch, auch Käferholz.

So, da.

Das hier muss alles weg.

-Da. -(Mann) Sieht schon wüst aus.

(Wohlleben) Jede Baumart hat ihre Schwächeparasiten,

die auf diese Bäume spezialisiert sind.

Bei der Fichte ist es der Buchdrucker, von dem hört man viel.

Das ist auch der Grund, warum wir dabei sind.

Wir haben ja kaum noch Fichtenplantagen.

Da sitzt überall der Buchdrucker drin,

nach dem trockenen, heißen Sommer.

Die Nadelbäume stammen nicht von hier.

Das sind Taiga-Baumarten aus dem hohen Norden.

Die brauchen es kühl, feucht und haben eine kurze Vegetationszeit.

Die pflanzt man hier in zu warme Gegenden,

wo es im Sommer Wassermangel gibt, da geht denen die Spucke aus.

Also, Borkenkäfer Schwächeparasit.

Erst bohren sich immer die Männchen ein.

Ein kleiner Kamikaze muss vorneweg und testet die Fichte an.

Eine gesunde Fichte wehrt sich,

indem sie ein Tröpfchen Harz ausdrückt.

Wenn es so trocken ist, dass sie das nicht mehr kann,

dann merkt der, aha, da kommt nichts.

Dann stößt er sofort einen chemischen Ruf aus:

Das Buffet ist eröffnet.

Was wir machen,

die befallenen Bäume, die sowieso absterben,

werden gefällt, entrindet, damit der Käfer nicht brüten kann.

Weil wir auch in den Fichtenplantagen keine kahlen Flächen wollen.

Kleine Buchen brauchen Schatten.

Fichten sind keine Buchen.

Aber immerhin gibt es Schatten und etwas Waldklima.

Deswegen lassen wir die befallenen Bäume fällen,

entweder direkt entfernen oder die Rinde schälen,

dass wir einen sanften Übergang haben, Plantage, natürliche Wälder.

Auf diesen Freiflächen kommt sonst wieder Fichte.

Das wollen wir ja nicht. Stichwort Klimawandel, der ja läuft.

Die meisten Nadelbäume werden in den nächsten 20 Jahren verschwinden.

Es heißt, wir brauchen die. Das ist der "Brotbaum des Waldes"”.

Bei der Baumart Fichte enden 57 % durch Sturm oder Käfer.

Es ist der Normalfall, dass Fichte umkippt oder gefressen wird.

Was ist das für eine Forstwirtschaft?

Das ist, als ob ein Autohersteller

jedes zweite Auto direkt verschrottet.

Die wirtschaften mit 57 % Wahrscheinlichkeit

in die Katastrophe.

Dann mache ich es doch anders.

Dann kann das doch nicht der Brotbaum sein.

(sanft wabernde Musik)

Ob Buchen, Fichten oder Eichen,

sie alle merken es schmerzhaft, sobald jemand an ihnen herumknabbert.

Und kämpfen gegen das Gefressenwerden an.

Dann wabern Duftbotschaften durch die Kronen.

Die Bäume schreien um Hilfe

und setzen ihr chemisches Abwehrpotenzial in Gang.

Wenn eine Raupe herzhaft zubeißt,

dann verändert sich das Gewebe um die Bissstelle herum.

Zudem sendet es elektrische Signale aus,

ganz wie im menschlichen Körper, wenn er verwundet wird.

Allerdings breitet sich dieser Impuls

nicht wie bei uns in Millisekunden aus,

sondern nur mit einem Zentimeter pro Minute.

Danach dauert es noch mal eine Stunde,

bis Abwehrstoffe in die Blätter kommen,

um den Parasiten die Mahlzeit zu verderben.

Bäume sind eben langsam.

Selbst bei Gefahr scheint das die Höchstgeschwindigkeit zu sein.

Trotz des geringen Tempos

funktionieren die Körperteile keineswegs voneinander isoliert.

Bekommen etwa die Wurzeln Probleme,

so breitet sich diese Information im ganzen Baum aus

und kann dazu führen,

dass über die Blätter Duftstoffe abgegeben werden.

Nicht irgendwelche,

sondern auf den jeweiligen Zweck zugeschnittene.

Denn sie erkennen bei manchen Insektenarten,

um welchen Bösewicht es sich handelt.

(Musik läuft weiter)

Bäume sind keine Bio-Roboter,

keine Holzproduktionsmaschinen.

Wenn wir genauer hinsehen, entdecken wir,

dass es fühlende Wesen sind,

die ihre ganz eigenen Ziele verfolgen.

(auf Englisch) In Schweden wächst der älteste Baum der Welt.

-Eine fast 10.000 Jahre alte Fichte. -Ja.

-Die sehen Sie morgen? -Ja.

Das ist auch für Wissenschaftler sehr interessant.

Lange Zeit glaubte man,

Fichten könnten maximal 500 Jahre alt werden.

Dann fand man diese kleine Fichte,

die fast 10.000 Jahre alt ist und noch lebt.

Wir wissen also nicht, wie alt Fichten werden können.

Das können wir erst sagen, wenn diese stirbt.

Ich kann nur eine Sache tun, nämlich nachfragen.

Fragen, fragen, fragen.

(Wohlleben) Was ist eigentlich ein Baum?

Der Duden definiert ihn

als "Holzgewächs mit Stamm, aus dem Äste wachsen".

Der Haupttrieb muss also dominant sein und wächst weiter nach oben.

Ansonsten zählt es als Strauch,

dem viele Äste aus einem Wurzelstock entspringen.

Komplizierter wird es, wenn aus einem Stumpf ein neuer Stamm treibt.

Das ist in vielen Wäldern die Regel.

Denn gerade Laubbäume wurden früher von Köhlern abgeholzt

und zu Holzkohle verarbeitet.

Sind diese Stämme nun junge Bäume oder in Wahrheit 1000-jährige alte?

Diese Frage stellten sich Wissenschafltler,

die alte Fichten in der schwedischen Provinz Dalarna untersuchten.

-Lassen wir dem Meister den Vortritt. -Nein, auf keinen Fall.

-Wir müssen auf die Knie fallen... -Ja, genau wie in Tibet.

Nein, es ist...

Ich kann diese Stimmung schwer beschreiben, aber es ist...

-(Mann) Es ist etwas Besonderes. -Ja, das ist es wirklich.

Es zeigt so vieles.

Hier soll man nicht mehr weitergehen?

-(Mann) Genau. -Um das Wurzelsystem nicht zu stören.

(Mann) Der Bereich könnte noch größer sein.

(Wohlleben) Genau, weil niemand weiß, wie groß es wirklich ist.

(Wohlleben) Die älteste Fichte hat eine Art flaches Gebüsch gebildet',

das wie ein Teppich ein einzelnes Stämmchen umrahmt.

Alles zusammen gehört zu einem Baum,

dessen Wurzelholz mit radioaktivem Kohlenstoff

nach der C14-Methode untersucht wurde.

Die Untersuchung ergab ein schier unglaubliches Alter von 9550 Jahren.

Die einzelnen Triebe waren jünger,

doch die Neuaustriebe wurden nicht als eigene Bäume gewertet,

sondern als Teil des Ganzen.

Schließlich sorgte die Wurzel für das Überleben,

hatte starke Klimaschwankungen überstanden

und immer wieder neue Stämme getrieben.

In ihr waren die Erfahrungen von Jahrtausenden gespeichert,

die ihr das Überleben bis zum heutigen Tage ermöglicht hatten.

Guten Morgen.

Heute bin ich bei Old Tjikko, dem ältesten Baum der Welt.

Fast 10.000 Jahre alt.

Und das macht mich demütig.

Macht mich demütig, weil Natur so langlebig ist

und Bäume so viel aushalten.

Mehrere Klimawandel hat diese kleine Fichte schon ausgehalten.

Sie hat unheimlich viel erlebt.

Das Einzige, was sie nicht verträgt, ist eine Motorsäge.

(Freudenrufe)

(leise Musik)

(Musik läuft weiter)

(Musik verklingt)

(Vogelzwitschern)

Morgen.

(beruhigend) Ja.

Morgen.

(Ziege blökt)

Guck mal, hört ihr das?

Komm mal her.

Komm mal her.

Guck mal. Ja.

Warte.

(stöhnend) Oh, ist das hart.

So, na komm. Na komm.

So ist fein.

(Wohlleben) Angesichts dramatischer Umbrüche für unsere Umwelt

nimmt die Sehnsucht nach unberührter Landschaft und intakter Natur zu.

Doch unberührt ist bei uns gar nichts mehr.

Richtigen Urwaldboden kennt keiner mehr.

Da können Sie so reingreifen.

Beim normalen Boden brechen Ihnen die Fingernägel ab.

In Urwaldboden können Sie reingreifen,

der ist krümelig mit einem Gewusel an Tieren.

Jetzt fährt da ein Harvester drüber,

mit so Namen wie Hannibal oder Königstiger,

über den lockeren Boden,

und quetscht den bis in zwei Meter Tiefe zu.

Nicht durch den Maschinendruck, der Tiefendruck ist das Schlimme.

Darunter bildet sich eine Druckzwiebel.

Es gibt eine Stauchung, wenn das Fahrzeug drüberfährt.

Die Größe der Zwiebel ist abhängig von der Reifenbreite.

Je breiter, desto tiefer die Zwiebel.

Bei Breitreifen besonders tief, auch wenn die keine Spuren machen.

Sie kennen das, wenn Sie draußen im Straßencafe sitzen

und es fährt ein Lkw oder Bus vorbei, dann klirrt die Tasse.

Die Vibration rüttelt das zu, in die Tiefe.

Der Druck pro Quadratzentimeter kann so niedrig sein, wie er will.

Das Ding macht es in großen Tiefen kaputt.

Und zwar nach Aussage von Geologen

ist die Regenerationsfähigkeit ab 20 cm Tiefe...

Der größte Teil regeneriert sich erst nach der nächsten Eiszeit.

Wenn so ein Harvester drüberrollt,

lässt die Wasserspeicherfähigkeit bis zu 95 % nach.

Das bedeutet, dass es statt 25 Kubikmeter

nur zwei bis drei sind, die der Boden speichert.

Jetzt kommen wir auf das Septemberphänomen.

Woran liegt das? Die Bäume verdursten schlichtweg.

(Wohlleben) Ursprünglich breitete sich in Europa

auf einem Großteil der Fläche Urwald aus,

in dem die Buche dominierte.

Sie verschwanden schon vor Jahrhunderten unter den Äxten

und anschließend den Pflügen unserer Vorfahren.

Spätestens im Mittelalter, dem hölzernen Zeitalter,

ging es den restlichen Wäldern an den Kragen.

Erst ab 1800 setzte ein Umdenken ein, seitdem kehrten die Wälder zurück.

Wälder?

Es waren und sind bis heute eher Plantagen,

Pflanzungen von Bäumen einer Art und eines Alters,

die nur entfernt an die Natur erinnern.

Fichten und Kiefern wurden aus ihren Kleinstrefugien in den Bergen

in tiefere Lagen gebracht,

schön in Reih und Glied gesetzt und nach 100 Jahren kahlgeschlagen.

An diese tristen Monokulturen haben sich viele Generationen so gewöhnt,

dass wir gar nicht mehr wissen, wie echter Wald aussieht.

(Knarzen)

(leise sphärische Musik)

(leise sphärische Musik)

BIALOWIEZA NATIONALPARK

Eine häufige Fehleinschätzung gibt es zum Aussehen europäischer Urwälder.

Vielfach wird vermutet, die Landschaft würde verbuschen,

und es würde sich undurchdringliches Gehölz entwickeln.

Reservate, in denen über 100 Jahre kein Mensch mehr Hand angelegt hat,

beweisen aber das Gegenteil.

Urwälder sind grundsätzlich gut zu begehen.

Es sind nur hier und da am Boden

einige dicke, abgestorbene Stämme ZU sehen.

Innerhalb eines Menschenlebens sind wenige Veränderungen zu bemerken.

Schutzgebiete, in denen sich Urwälder entwickeln dürfen,

beruhigen also die Natur.

(auf Englisch) Das ist ein dicker Brummer, was?

Tja.

(auf Englisch) Eine Schande.

(auf Englisch) In diesem Bereich wurden ungefähr 500 Bäume gefällt.

(Wohlleben) Man sieht auch den Schaden an den Jungen Bäumen.

Ich setze mich, das ist besser.

-Gibt es das auch in Deutschland? -Solche Schäden? Ja, viele.

Weil Förster meistens männlich sind und Maschinen lieben.

Das nervt total.

(Frau auf Englisch) Nach den Kahlschlägen ist es schwer,

den Leuten verständlich zu machen,

dass sie keine Bäume pflanzen sollen, dass es falsch ist.

Bäume zu pflanzen hat in Polen Tradition,

zum Beispiel nach dem Krieg.

Deshalb denken alle, dass sie nach den Rodungen

Bäume pflanzen sollten.

Wir müssen ihnen erklären, dass der Wald sich selbst heilen muss.

(sie spricht polnisch)

Die Natur. Wozu brauchen wir die Natur?

-Ja, das ist ein... -Wir sitzen hier so rum.

-Vielleicht brauchen wir die nicht. -Das ist ein großes Missverständnis.

(er übersetzt ins Polnische)

Beim Naturschutz schützen wir nicht die Natur.

(er übersetzt)

-Wir schützen uns selber. -(er übersetzt)

Die Natur können wir nicht kaputt machen.

(er übersetzt)

-Die wird sich immer wieder erholen. -(er übersetzt)

-(Polnisch) -Sie wird sich verteidigen.

Das kann sich regenerieren.

Vielleicht dauert es 1000 oder 10.000 Jahre.

(er übersetzt)

Das ist keine Zeit für die Natur.

(er übersetzt)

-Aha. -Aber für uns ist das zu lange.

(er übersetzt)

Schauen Sie nach Tschernobyl.

Der Wald kommt zurück.

Es wäre nur schön, wenn wir dann noch da sind.

-Wenn wir das noch erleben könnten. -Ja.

-Do you want to come... -(Frau) Yes.

(Moderatorin auf Polnisch)

(Übersetzer) Laufen Sie immer mit einem Baumzapfen herum?

(Wohlleben lacht) Ja, das war, ich weiß nicht, ob er da ist,

ein kleiner Junge, hier unten am Eingang.

(er übersetzt)

Ist er noch da?

Er hat mir auch ein wunderschönes Bild gemalt.

Und da ist es mir ganz warm ums Herz geworden.

Und bisher bin ich ohne Zapfen durch die Welt gelaufen.

Aber das hat sich seit heute geändert.

(Moderatorin spricht polnisch)

Gut gemacht. Danke.

(Wohlleben) Warum fällt es uns So viel schwerer,

Pflanzen zu verstehen als Tiere?

Es ist die evolutionäre Geschichte,

die uns bereits sehr früh vom Grünzeug getrennt hat.

Sämtliche Sinne sind anders ausgelegt,

sodass wir unsere Fantasie bemühen müssen,

um wenigstens eine leise Ahnung davon zu bekommen,

was in Bäumen vorgeht.

HÖRST DU, WIE DIE BÄUME SPRECHEN

Bäume sind unendlich langsam.

Daher scheint es so, als ob sie starre Wesen sind,

kaum beweglicher als Steine.

Ihre gesamte Lebensspanne

dauert mindestens fünfmal so lang wie unsere.

Aktive Bewegungen,

wie das Wachstum von Trieben oder das Entrollen von Blättern,

nehmen Wochen und Monate in Anspruch.

Der Laubfall im Herbst und der Neuaustrieb im Frühjahr

sind in unseren Breiten selbstverständliche Erscheinungen.

Bei genauerer Betrachtung ist der Vorgang ein Wunder.

Denn die Bäume benötigen dafür vor allem eines:

ein Zeitgefühl.

Woher sollen sie wissen, dass es wieder Winter wird?

Oder dass steigende Temperaturen nicht nur ein Intermezzo sind,

sondern den Frühling einläuten?

Es ist tatsächlich Charaktersache, wann ein Baum das Laub abwirft.

An der Landstraße zwischen meinem Heimatdorf Hümme!l

und der nächsten Ortschaft stehen drei Eichen.

Ihr Abstand ist außergewöhnlich eng.

Die 100-jährigen Stämme trennen nur wenige Zentimeter.

Damit sind sie ein ideales Beobachtungsobijekt,

weil die Umweltbedingungen für alle drei Bäume identisch sind.

Wenn sich die Eichen unterschiedlich verhalten,

kann es nur an ihren individuellen Eigenschaften liegen.

Und sie verhalten sich unterschiedlich.

Während sich die linke Eiche schon verfärbt,

bleiben die mittlere und die rechte noch in vollem Grün.

Erst ein bis zwei Wochen später

folgen sie ihrer Kollegin in den Winterschlaf.

Doch wenn der Standort identisch ist,

was ist dann der Grund für das unterschiedliche Verhalten?

Oft gibt es im Herbst noch spätsommerlich warme Luft.

Nun kommen die drei Eichen in die Zwickmühle.

Sollen sie die milden Tage noch nutzen, Photosynthese betreiben

und noch ein paar Extrakalorien bunkern?

Oder gehen sie auf Nummer sicher und werfen ihr Laub ab,

falls ein plötzlicher Frost

Sie zwangsweise in den Winterschlaf schickt?

Offenbar entscheidet das jeder der drei Bäume anders.

Zwei Eichen sind etwas mutiger.

Der dritte Baum ist ein wenig ängstlicher

oder, positiv ausgedrückt, vernünftiger.

(friedvolle Musik)

Guten Morgen.

Obwohl es noch Februar ist,

wachen die ersten Bäume schon aus dem Winterschlaf auf.

Das sieht man schön bei diesem Baum, bei der Salweide.

Da kommen schon die Weidenkätzchen, die Blütenknospen raus.

Die Frage ist: Wie machen die das?

Um solche Blütenknospen zu treiben,

muss Wasserdruck im Baum herrschen.

Es gibt die gängige These, das ist die Transpiration.

Wasser verdunstet über die Blätter,

das erzeugt Unterdruck im Stamm, das Wasser wird nachgesaugt.

Aber dieser Baum hier hat noch kein einziges grünes Blatt

und steht schon voll unter Druck.

Wie geht das?

Ich vermute, da muss es einen aktiven Pumpmechanismus geben.

Der ist aber noch nicht entdeckt.

Frantisek Baluska vom Institut für zelluläre und molekulare Botanik

der Universität Bonn ist mit Kollegen der Meinung,

dass sich in der Wurzelspitze gehirnähnliche Strukturen befinden.

Tastet sich die Wurzel im Boden vorwärts,

So kann sie Reize aufnehmen.

Die Forscher messen elektrische Signale,

die verarbeitet werden und zu Verhaltensänderungen führen.

Wir haben ein Paper publiziert, WO wir gezeigt haben,

dass diese 200 Herz, dieser Schall,

die induzieren das Wachstum der Wurzel zu der Quelle.

Das heißt, die wachsen in Richtung der Quelle der 200 Herz.

200 Herz ist ungefähr das Geräusch von strömendem Wasser.

-Das ist nützlich für die Wurzel. -Ja, klar.

Meinen diese Wurzeln, da wäre Wasser,

oder richten sie sich auf andere Wurzeln aus?

(Baluska) Nein, eine Wurzel würde das auch so machen.

Das ist schon eine Wahrnehmung von diesen 200 Herz.

Die wachsen richtig Richtung Wasserströmung.

(Wohlleben) Würden Sie das "hören" nennen? Die haben keine Ohren.

-Die haben keine Ohren. -Natürlich.

Aber die ganze Pflanze agiert eigentlich wie ein riesiges Ohr.

(Wohlleben) Zum Punkt "Metapher":

Das werde ich häufig gefragt, so quasi wie als Fangfrage.

"Warum vermenschlichen Sie alles?"

Also, zum Beispiel, wenn ich sage,

Bäume können Schallwellen mit den Wurzeln hören.

Erst mal sage ich "wahrnehmen",

dann sage ich, das ist so etwas wie Hören.

Ich finde, man kann Natur gar nicht zu sehr vermenschlichen,

weil sollen wir es jetzt auf "Baumisch" ausdrücken?

Das kann ich nicht sprechen und nicht verstehen.

Weil ich nicht weiß, wie das geht.

Wir arbeiten ja grundsätzlich in Metaphern.

(Frau) Das Problem ist auch, dass es lächerlich gemacht wird.

Es wird schon als Affront praktisch dargestellt,

was einem einfällt,

diesen Baum mit einem Menschen zu vergleichen.

Das ist schon wirklich so was Abwertendes.

Und manchmal lähmt einen das im Moment.

(Wohlleben) Wir sind ja keine Wissenschaftler.

Sie drücken Sachen nicht emotional aus.

Kann man ja machen.

Macht man in 100 Jahren vielleicht anders, momentan aber so.

Ich selber bin kein Wissenschaftler. Ist bei euch einer?

Auf welchem Gebiet bist du unterwegs?

-(Mann) Landschaftsökologie. -Ja.

Dann hast du wohl eine andere Sprache,

wenn du mit Kollegen unterwegs bist.

Laien verstehen das nicht.

Das ist ja das Ziel meiner Führungen und Bücher.

Ich möchte, dass das Laien verstehen.

Hatten wir schon über Frantisek Baluska gesprochen?

Der, der das Schmerzempfinden von Pflanzen untersucht.

Der ganz klar sagt: "Ja, die empfinden das."

Und zwar reflektierend.

Die produzieren schmerzunterdrückende Substanzen.

Die reagieren nicht nur auf einen Reiz wie eine Verletzung,

sondern sie produzieren solche Substanzen.

Und das macht nur Sinn, wenn man Schmerz reflektieren kann.

Aber das ist ein Affront.

Da sind wir aber in einem Bereich außerhalb der Wissenschaft.

Dieser Protest ist etwas Emotionales, nichts Wissenschaftliches.

Ihr seid ja nur die Überbringer der Nachricht.

Ich auch. Ich habe die Untersuchung nicht gemacht.

Ich übersetze sie nur so, dass jeder weiß,

oh, Bäume können Schmerz empfinden.

Die Forstwissenschaft greift dann nicht die Uni Bonn an, sondern mich.

Der Überbringer wird ja gekillt.

Das war ja In der Antike schon so.

Es ist ja nicht die Nachricht selber,

die dann zum Problem wird, sondern der Bote.

(emotionale Gitarrenmusik)

(Musik läuft weiter)

(Wohlleben) Bevor die Bäumchen an den endgültigen Standort kommen,

werden sie jahrelang vorbehandelt.

Die gesamte Ausdehnung des Ballens,

bei einem Drei-Meter-Bäumchen etwa sechs Meter im Durchmesser,

wird so auf 50 Zentimeter reduziert.

Das dient nicht der Gesundheit des Bäumchens,

sondern lediglich der leichteren Handhabung.

Beim Rückschnitt werden die gehirnähnlichen Strukturen

mit den empfindlichen Wurzelspitzen abgeschnitten.

Aua.

Und als ob der Baum damit seine Orientierung verlöre,

findet er unterirdisch nicht mehr in die Tiefe

und bildet flache Wurzeln.

Wasser und Nährstoffe kann er sich so nur noch sehr begrenzt erschließen.

Stadtbäume sind die Straßenkinder des Waldes.

Wollen die Wurzeln ausgreifen, erleben sie ihr blaues Wunder.

Hier begrenzt die Fahrbahn das Wachstum,

im Gehweg sind es Leitungen

und der im Zuge des Einbaus verdichtete Boden.

Aber die zähen Pflanzen müssen noch mehr ertragen.

Das städtische Kleinklima ist geprägt von Hitze speicherndem Asphalt.

Das sorgt für eine extrem trockene Luft,

die zudem mit vielen Abgasen belastet ist.

Etliche Begleiter der Bäume,

die im Wald für deren Wohlbefinden sorgen, fehlen.

In der Summe sind die Belastungen So groß,

dass die meisten gar nicht alt werden können.

(auf Englisch) Ich habe viele Fehler gemacht, aber sie waren notwendig.

So viel Wald wie möglich zu retten, ist ein unmögliches Unterfangen.

Vor zehn Jahren hatte ich ein Burn-out.

Das war eine schwere Zeit, aber sie war notwendig.

Ich bin froh, dass ich jetzt die Alarmsignale deuten kann,

wenn ich zu viel Stress habe.

Dann kann ich herunterfahren. Da habe ich mich anders organisiert.

Kam das durch den Kampf gegen die Hierarchien?

Haben Sie da noch für diese Institution,

die Forstbehörde, gearbeitet?

Ja, mit Jägern und Förstern.

Ich habe dann gedacht: "Du hast noch..."

Das sind merkwürdige Gedanken, noch 23 Jahre bis zur Rente.

Schaffst du es, die und die Waldteile in den und den Zustand zu bringen?

Wo man sagen muss, bescheuert. Natürlich geht das nicht.

-Vor allem bei dem Tempo im Wald. -Ja, eben.

Das Waldtempo ist die eine Seite,

die andere ist das Establishment, das verändert sich noch langsamer.

Und mit größeren Widerständen.

(Künast) Es ist passiert, was Sie wollen.

Sie wollten die Verhältnisse ändern.

Und dass Sie da dran sind, merken Sie dadurch,

dass das Imperium zurückschlägt.

-(Wohlleben) Genau. -Sie sind Teil einer großen Bewegung.

In Wahrheit sind Sie ein Teil der Bewegung,

die jetzt ein neues Instrument, ein erfolgreiches Buch und so weiter,

als Person hat, dass die anderen Sie bekämpfen,

bevor das weiter wächst.

Für mich gibt es eine allgemeine Stressverarbeitungsfrage.

Ich sage immer, ich muss mich aufs vegetative Nervensystem zurücksetzen.

Wenn du merkst, dass der Körper von ganz allein einatmet und ausatmet.

Oder die Sauna, heiß auf kalt, und danach fühlst du dich...

Du merkst, wie das da-dumm, da-dumm, du merkst deinen Körper.

Das ist bei mir die Badewanne.

Ich bin dankbar, wenn im Hotel eine Badewanne ist.

Ich lege mich da eine halbe Stunde rein.

Ich kann mich da so entspannen.

Ich kann nicht ertrinken, weil ich so groß bin.

Keine Gefahr.

Ich schlafe dann fünf Minuten. Das mache ich auch vor Talkshows.

Ich entspanne mich da so, komme so runter, das ist das...

-Wie lange sind Sie heute da? -So bis 17 Uhr.

Dann ist aber auch eine Dusche fällig, ne?

Ich fasse Sie mal an, wenn es recht ist.

(Wohlleben) Wir können was vom Sozialsystem lernen.

Ein Baum weiß instinktiv: "Ich bin kein Wald.

Allein komme ich nicht zurecht.”

Bäume arbeiten zusammen, erreichen so viel mehr und werden nur dann alt.

Wenn man sich die Politik anguckt,

Nationalismus, Egoismus sind auf dem Vormarsch.

Und wir alle sehen, dass das niemandem richtig guttut.

Das würden Bäume nicht machen. Die würden nicht Trump wählen.

(Gelächter, Applaus)

Bäume sind sehr sozial eingestellt und helfen sich gegenseitig.

Doch für ein erfolgreiches Bestehen im Ökosystem Wald

reicht das noch nicht aus.

Daher haben sich Bäume schon vor Jahrmillionen mit Pilzen verbündet.

Pilze sind merkwürdige Wesen.

Auf sie passt unsere pauschale Einteilung

in Tiere und Pflanzen nicht.

Ihre Zellwände sind aus Chitin aufgebaut

und gleichen in der Substanz damit eher Insekten.

Bei Pflanzen ist diese Substanz nie zu finden.

Zudem können sie keine Photosynthese betreiben,

sind auf organische Verbindungen anderer Lebewesen angewiesen,

die sie fressen können.

Im Laufe der Jahrzehnte dehnt sich ihr unterirdisches Geflecht,

das Myzel, immer weiter aus.

Die Fäden durchdringen den Boden

und durchweben ihn in kaum vorstellbarer Dichte.

So enthält ein Teelöffel Waldboden mehrere Kilometer dieser Hyphen.

Durch seine Leitungen gibt der Pilz die Signale von Baum zu Baum weiter

und hilft ihnen dabei, Nachrichten über Insekten,

Dürren und andere Gefahren auszutauschen.

Pilze agieren demnach wie die Glasfaserleitungen des Internets.

Sogar die Wissenschaft spricht von einem "wood wide web",

welches unsere Wälder durchzieht.

(sphärische Klänge)

(getragene Streicherakkorde)

Eine derartige Verkabelung hat ihren Preis.

Wie wir wissen, sind sie auf Nährstoffe anderer Arten angewiesen.

Also verlangen sie eine Bezahlung in Form von Kohlenhydraten,

die der Partnerbaum zu liefern hat.

Bis zu einem Drittel der gesamten Produktion

fordern sie für ihre Dienste.

Für die reiche Entlohnung mit Zucker gibt es noch Zusatzleistungen gratis.

So etwa eine Filterfunktion gegen Schwermetalle.

Die ausgesonderten Schadstoffe

tauchen dann jeden Herbst in Fruchtkörpern auf,

die wir als Steinpilze oder Maronenröhrlinge mitnehmen.

(Durchsage) Rechts herum, in Richtung dieses Feldweges,

dann gelangen Sie im weiteren Verlauf

auf der ehemaligen Bundesstraße in Richtung Wald.

Geradeaus, geradeaus.

(Durchsage läuft weiter)

(Pfiffe und Klatschen)

(Sprechchor) Hambi bleibt! Hambi bleibt!

-(Mann) Hambı... -(alle) Bleibt!

-Hambı... -Bleibt!

-Hambi, Hambi, Hambi! -Bleibt, bleibt, bleibt!

(Redner via Mikro) Ihr seid alle besonders, das sagte ich.

Aber manche muss man einfach mal herausheben.

Mir ist jemand wichtig, der auch hier redet.

Wenn der Peter in der Nähe ist, er soll in die Richtung hier kommen.

Nicht alle Peters. Er weiß schon, wer gemeint ist.

Ich glaube, der bekannteste Förster Deutschlands.

Herzlich willkommen, Peter Wohlleben.

(Applaus, Johlen)

Es war für ihn selbstverständlich, dass er auch was sagt.

Jetzt kriegst du das Mikro, bitte halte es nah an den Mund.

Das ist eine ungewohnte Situation, normalerweise sehe ich nur Bäume.

Ich stelle mir einfach vor, ihr wärt Ents, wie In "Herr der Ringe".

Die Baumhirten.

Einen habe ich schon gesehen. Da ist er doch.

Ich habe die Diskussion natürlich verfolgt,

in den Nachrichten, den Zeitungen.

Es geht immer um das Thema Recht.

"Wir haben das Recht, das muss durchgesetzt werden."

Liebe Frau Merkel, wie war das bei Fukushima mit den Atomkraftwerken?

Da war doch auch ein Atomstromproduzent mit im Boot,

der auf einmal auch Rechte verloren hat.

Der Klimawandel ist mindestens so gefährlich wie Fukushima.

Es wird Zeit, dass man übergeordnetes Recht, das Recht der Bevölkerung,

über einzelne Verträge von einem Unternehmen setzt.

(Applaus)

(Rednerin) Aber der Dank muss an die Menschen gehen,

die im Wald jetzt seit drei Wochen unter Druck versuchen,

die Bäume zu schützen.

20 Jahre lang habe ich mit Forstwirtschaft Gespräche geführt

und muss sagen, da geht man dran kaputt.

Das ist ja eine Struktur, die sich nicht ändern will.

Auf lange Sicht natürlich, aber im Moment nicht.

Das ist unser Land, und Demokratie heißt eben nicht,

nur mal ein Kreuz machen, das hier ist Demokratie.

(Sprechchor) Wir sind hier! Wir sind laut!

Weil man uns den Hambi klaut!

(Mann) Wenn ich mit den Leuten von der Forstbehörde verhandele...

Seit ungefähr einem Jahr sage ich denen schon,

dass wir in Kontakt sind.

Und dass du eben diese Position von einem Volunteer Advisor...

übernimmst für unseren Stamm.

Dann spreche ich sie immer darauf an:

"Es wird Zeit, dass ihr das Buch lest."

Mit jedem, den ich spreche, der nicht mit Forstwirtschaft zu tun hat,

jeder sagt mir, er kennt das Buch.

Und spricht man mit Forstbeamten

oder mit jemandem, der da arbeitet,

ist es fast so, als wäre es das schmutzige Buch.

"Ja, ich habe davon gehört, aber..."

Jeder kennt es, jeder hat es gelesen, aber von denen gibt es keiner zu.

Und auf keinen Fall solltest du da unterschätzen,

was für eine Position du da hast.

Wollen wir mal gucken, dass wir die ordentlich nutzen.

Ich habe die Flugzeiten hier.

Wir kommen, wenn alles klappt, 14:45 Uhr in Vanvouver an.

Und dann, ich weiß gar nicht...

Wir sind noch völlig unbeleckt.

Dann müssen wir von dort aus Ja erst mal auf Vancouver Island.

Genau. Macht man das mit der Fähre oder ist das noch mal ein Flug?

(sanfte Musik)

Schön, Ich mag das total gerne.

Ich freue mich richtig.

(auf Englisch) Dieser Abschnitt ist an den beiden Hängen der Senke.

Sehen Sie den wilderen, älteren Baumbestand?

Da wäre das abzuholzende Gebiet.

(Mann) Man sieht, wie groß der Cut reingehen würde.

Das ist ein Riesenloch da.

-(Wohlleben) Den Bereich. -(Mann) Genau das ist es.

(auf Englisch) Bevor wir uns auf den Weg Ins Philips Valley machen,

möchte ich Sie offiziell im Gebiet der Kwiakah First Nation begrüßen.

Das Gebiet hier ist sehr wichtig für die Kwiakah.

Es ist das Ursprungsland der Kwiakah,

wo sich einst die Hauptsiedlung befand.

Hier lebten hunderte Menschen, wenn nicht gar tausend.

Ein wichtiger Ort also für die Kwiakah,

von denen es nur noch 22 gibt.

Also, herzlich willkommen im Kwiakah-Gebiet.

-Danke, Chief. -Danke.

(Wohlleben) Wie viele Muttersprachler gibt es?

Tja, meine Mutter ist die letzte.

Ich habe gelesen, es gibt nur noch eine. Das stimmt also.

Ich habe versucht, meine Sprache zu lernen.

Aber es ist schwierig, wenn niemand sonst die Sprache spricht

und man nur Aufzeichnungen und Aufnahmen hat,

die gemacht wurden...

-(Wohlleben) Um sie zu bewahren. -(Chief) Genau.

(sanfte Musik läuft weiter)

(Mann auf Englisch) Als hier zum ersten Mal abgeholzt wurde,

also Bäume gefällt, die ja eigentlich den Kwiakah gehörten,

haben die nichts dafür bekommen

von denjenigen, denen die Abholzung erlaubt wurde.

Wenn hier zum zweiten Mal abgeholzt wird,

trotz der Verbesserung der Beziehung zwischen Regierung und First Nations,

bekommen die Kwiakah auch beim zweiten Mal nichts.

Ein Beispiel, warum Kahlschlag unsinnig ist:

Nehmen wir mal ein Erdbeerfeld.

Und dann erntet man das komplett ab, sobald man rote Erdbeeren sieht.

Das ist dumm, denn man hat viele grüne Erdbeeren dabei,

die sich nicht verkaufen.

Schauen wir uns die großen Bäume an. Da ist einer, den man fällen kann.

Der hier, der große.

Der Baum darunter ist noch jung, aber von sehr hoher Qualität.

Aber er ist eine grüne Erdbeere.

Warum sollte man den fällen?

Der große kann gefällt werden, der kleine füllt kostenlos die Lücke.

Die Qualität ist so hoch, weil er im Schatten eines großen Baumes wächst.

Die jungen sind kostbar.

Sie sind sehr langsam gewachsen, wie im Urwald.

Das ist die beste Holzqualität, die es gibt.

Bei einem Kahlschlag hat man in 80 Jahren die gleiche Situation.

Man fängt wieder von vorn an.

Bei gefällten Einzelbäumen muss man nicht nachpflanzen.

Die Qualität wächst nach.

Seht mal, da drüben ist ein Bär.

-(Mann) Und schöner Lachs. -(Wohlleben) Ja. Wow.

(Mann 2) Vielleicht ist er hier, weil sich da viele Lachse tummeln.

(Frau) Wir wollen dauerhaft hier sein

und ein gutes Verhältnis zur Kwiakah First Nation aufbauen.

Wir gehen auf sie zu, weil wir Holz wollen.

Wenn Sie von selektivem Fällen reden, klingeln bei uns die Alarmglocken.

Für unsere Ohren klingt das nicht gut,

unsere Kosten sind bereits sehr hoch und würden dann noch mehr steigen.

Ihr Unternehmen ist schon vorbildlich,

was ökologische Aspekte betrifft

und auch beim Austausch mit den First Nations.

Sie könnten doch Ihren Vorsprung

auf die konventionellen Firmen weiter ausbauen

und ein Projekt in einer bestimmten Region starten, wie etwa hier,

und es einfach mal versuchen.

(getragene Streicher)

Wenn Trudeau sagt, etwas sei gut für die Umwelt und die Wirtschaft,

klingt das wie: "Schlaf mit mir, und ich wahre deine Jungfräulichkeit."

Ich sehe einfach nicht, wie man beides haben kann.

(schallendes Gelächter)

Vor einigen Jahren,

als der Streit um die Wälder in British Columbia tobte,

haben wir eine zweistündige Sondersendung dazu gemacht.

Wir bekamen von der Firma MacMillan Bloedel die Erlaubnis,

drei Holzfäller nahe Ucluelet auf Vancouver Island zu interviewen.

Wir fuhren dort vor,

die Holzfäller wussten, dass wir kamen.

Wir packten aus, da kamen drei große Kerle aus dem Wald und riefen:

"Ihr verdammten Umweltschützer!"

Ich ließ alles mitfilmen, das war natürlich tolles TV-Material.

Sie gingen so auf uns los.

Dann sagte ich, dass ich acht Jahre lang auf dem Bau gearbeitet habe

und dass ich es liebe, mit Holz zu arbeiten.

Ich sagte: "Kein Umweltschützer ist gegen Holzwirtschaft.

Wir wollen nur, dass auch eure Kinder und Enkel

noch starke Bäume zum Fällen haben."

Einer von ihnen sagte sofort:

"Meine Kinder nicht, bis dahin gibt es keine Bäume mehr.”"

Da merkte ich, dass wir aneinander vorbeiredeten.

Ihnen ging es darum, eine Familie zu ernähren

und ihre Raten auf Haus und Auto abzubezahlen.

So sahen sie es. Während es uns um den Wald ging.

Als Ökosystem, das für immer bestehen bleiben soll.

Es ist seltsam: Förster sehen oft den Wald vor lauter Bäumen nicht.

Wir sehen nur die großen Dinge.

Dabei leben im Waldboden mehr als 10.000 Tierarten.

(Wohlleben) //7 Reich der Dunkelheit.

Der tote Körper eines Baums

ist für den Kreislauf des Waldes unverzichtbar.

Er hat über Jahrhunderte Nährstoffe aus dem Boden gesaugt, gespeichert

und stellt dadurch einen kostbaren Schatz für seine Kinder dar.

Doch die kommen nicht ohne Weiteres an die Köstlichkeiten heran.

Sie brauchen dazu die Hilfe anderer Organismen.

Sobald der Stamm auf den Boden aufgeschlagen ist,

beginnt an ihm ein kulinarischer Staffellauf

für tausende Pilz- und Insektenarten.

Jeder hat sich auf ein Zersetzungsstadium

und hier wieder auf einzelne Bestandteile spezialisiert.

(düstere Musik)

(Knarzen, Schmatzen)

Die Vielfalt des tierischen Lebens spielt sich häufig im Mikrokosmos ab.

In einer Hand voll Walderde stecken mehr Lebewesen,

als es Menschen auf der Erde gibt.

Es handelt sich dabei um eine Art Bodenplankton,

Ausgang der Nahrungskette für alle Waldtiere,

und zugleich um einen riesigen Recycling-Betrieb.

Al diese Wesen wirken auf den Boden ein,

formen ihn um und machen ihn für die Bäume so wertvoll.

Da wären etwa Hornmilben,

von denen es in unseren Breiten über 1000 bekannte Arten gibt.

Sie sind kleiner als ein Millimeter

und sehen aus wie Spinnen mit zu kurz geratenen Beinen.

Blätter und Rindenschuppen würden sich meterhoch stapeln,

wenn sich nicht ein Heer von Kleinsttieren darauf stürzen würde.

Ob abgestorbenes Holz oder tote Schnecken,

es gibt nichts,

woran sich eine Hornmilbenart nicht angepasst hätte.

Sie tauchen an der Schnittstelle von Werden und Vergehen auf

und dürfen somit als unverzichtbar für das Ökosystem gelten.

Damit die Regenerierung überhaupt stattfinden kann,

braucht man Reservate mit ursprünglichen Wäldern,

ohne jegliche menschliche Einflussnahme.

Hier vermag die Vielfalt des Bodenlebens zu überdauern

und als Keimzelle für die Erholung der umliegenden Flächen dienen.

Möchten wir Wälder als Mittel zum Kampf gegen den Klimawandel nutzen,

dann müssen wir sie alt werden lassen.

(Wohlleben) Ich bin total überrascht,

dass das großteils nicht in die Krone rauf gegangen ist.

Bei der Hitze, und es muss Ja auch ein irrer Wind gewesen sein.

Richtig. Ja, das ist spannend zu sehen.

Das Feuer ist aus dem Tal gekommen und hier noch weiter hochgelaufen

und hat an Intensität zugenommen.

Oben haben wir die Bestände, wo wir das Kronenfeuer hatten.

Hier war es so, dass die Nadeln überwiegend noch dran waren

und erst Wochen später herunterrieselten.

Das ist im Grunde eine großartige Ausgangslage,

um ein bisschen Strukturvielfalt hier rein zu bekommen.

Wenn man das jetzt nicht einfach abräumt, pflügt, planiert,

sondern, Ja, Bäume stehen lässt...

Beziehungsweise überlegen wir, die teilweise umzulegen,

um zu schauen, ob mit dem Totholz

Feuchtigkeit zurückgehalten werden kann.

Vom Material her, auf so eine Ascheschicht...

(Mann) Das ist interessant,

weil die tatsächlich lange Zeit den Boden versiegelt hat.

Wo man feststellt, die hält einiges an Feuchtigkeit.

Da drunter wird es dann trocken. Es ist schon anders.

-Da wird es besser. -Der Sand ist befeuchtet.

Aber im letzten Jahr kam erst mal der Niederschlag überhaupt nicht durch.

Aber jetzt haben wir eigentlich schon günstige Voraussetzungen,

damit es wieder losgehen kann.

-Warum sollte man so was pflügen? -Ja.

Wenn hier ein Samen drauf fällt, egal, was, der hat es nicht schwer.

Genau, und das passiert sicher in der richtigen Reihenfolge.

Die Pioniere werden dann zuerst kommen.

Guten Morgen. Ich stehe hier auf dem Waldbrandgebiet von Treuenbrietzen.

Hier hat es letztes Jahr auf 600 Hektar gebrannt.

Sechs Quadratkilometer abgebrannt.

Das war ein Plantagenbrand, da ist eine Kiefernwüste verbrannt.

Was hat man draus gemacht?

Die Stadt hat immerhin

ganze Teile ihres halb abgebrannten Waldes stehen lassen,

um einfach Biomasse zu erhalten.

Und der angrenzende Privatwald

hat mit staatlicher Unterstützung, staatlicher Beratung,

die ganzen Restbestände abgehackt,

alles gepflügt, komplett befahren, den ganzen Boden zerstört

und anschließend was gepflanzt?

Dreimal dürft ihr raten. Kiefer.

Hat ja so gut geklappt, machen wir noch mal.

Ich denke, dass diese Bäumchen in 20 Jahren vertrocknet sein werden.

Und das, wie gesagt,

mit Beratung der Förster und staatlicher Unterstützung.

Herzlichen Glückwunsch, Brandenburg.

(er lacht)

Der Weltenlenker.

(Mann) Ist natürlich schön, Totholz in verschiedenen Zersetzungsformen.

Der April war trocken, aber das ist feucht.

Man sieht, man kann das Wasser ausdrücken, ne? Das tropft.

Das konnten wir auch letztes Jahr genauso

mit dieser Probe im August noch machen.

Im Totholz, dann sieht man genau den Beitrag.

(Wohlleben) Wollte man jemandem einen Urwald zeigen,

wäre das, was dem so am nächsten kommt.

(Mann) Ja.

Dieser Strukturreichtum. Man sieht die Veteranenbäume.

Man sieht die langsam sterbenden Bäume.

Die sterben ja nicht, fallen um, sind weg.

Wie das über Jahrzehnte verzögert wird.

Wie der sich weigert abzutreten. Die Krone ist ihm abgebrochen.

Das ist einer meiner Lieblingsbäume.

Großartig. Das ist ein Splitter.

Und wie das wieder zu einem Stamm wird.

(Wohlleben) Boah.

Guten Morgen. Noch mal aus den heiligen Hallen, diesmal was Nettes.

Hier ist ein Baum,

der ist mal abgebrochen, hat eine zweite Krone gebildet.

Ein Baum, ja, aber der Baum war gar nicht so dünn.

Sondern in Wirklichkeit war das ein dicker Baum,

der abgebrochen ist.

Hier liegt er nämlich, wirklich ein dicker, fetter Stamm.

Und hat diesen Splitter stehen lassen.

Das seht ihr von der anderen Seite. Hier, da ist was abgebrochen.

Der bildet jetzt hier gerade wieder diese Wülste und Leisten

und schließt sich möglicherweise

und bildet dann einen neuen Baum.

Einen dünneren, aber es geht weiter.

Man sieht, wie zäh die Buche ist.

Und selbst wenn sie völlig verrottet und verfault aussieht und abbricht,

dieser Baum hier steht in Teilen immer noch und macht weiter.

(Mann) Das ist meine Lieblings-Sekundärkrone.

Ein Symbol für Widerstandskraft

und die Möglichkeit, in einem solchen System...

immer wieder, ja, neu zu starten.

(friedvolle Musik)

Als ich meine berufliche Laufbahn als Förster begann,

kannte ich vom geheimen Leben der Bäume etwa so viel

wie ein Metzger von den Gefühlen der Tiere.

Plötzlich entdeckte ich unzählige Wunder.

(melancholische Cellomusik)

(Cello und Klavier im Duett)

(Grillenzirpen, Quaken von Fröschen)

(Musik läuft weiter)

No Limits Media 2019 Untertitel: R. Püttmann u.a.

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