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Zulu
.
Õ Tatort-Titelmusik Õ
Untertitel: Norddeutscher Rundfunk 2024
Õ Leise, bedrohliche Klänge Õ
* Leises Knistern und Rascheln *
* Geld klimpert *
Wann krieg ich meinen Pass?
Ich ruf dich an.
Rade, warte mal!
Glaubst du, ich bescheiûe dich?!
Arschloch.
* Schritte entfernen sich *
* Tür quietscht *
* Leises Stimmengewirr *
Õ Spannungsvolle Klänge Õ
Polizei!
* Lautes Stimmengewirr *
Hey, was soll das?
Raus. Los, mitkommen.
Hey. Hey!
Mann, lass mich los!
Hey, hey, hey!
Weiût du, wen du vor dir hast? Du hast keine Ahnung.
Verdammt, lass mich los!
Erzählt mal lieber, was los ist!
Ey!
Habt ihr überhaupt einen Durchsuchungsbefehl?
Jetzt erzählt ...
Hände hinter den Kopf.
Ist ja gut, ist ja gut!
Õ Dynamische, spannungsvolle Musik Õ
Ey! Lass ... Lass mich!
* Stimmengewirr, Sirenen, Hundebellen *
Stehenbleiben! Hey!
Ich glaub, das war der Letzte.
* Hupen *
Alles okay?
Ja? Sicher?
Kennen wir den?
Ja, wir sind da.
Wieso laufen hier Leute rum, und ich hör nichts davon? Mann!
(flüstert) Falke.
* Polizeisirene *
(schreit) Du Arschloch!
Õ Pulsierende, spannungsvolle Musik Õ
Õ Pulsierende, spannungsvolle Musik Õ
Guter Einsatz, Falke.
Wow, was hast du denn vor?
Wir haben was zu feiern. War 'n super Einsatz.
Ich erwarte, dass der Teamleiter 'nen ausgibt.Mach ich.
Aber nur 'n Bierchen.
Õ Anschwellende, dramatische Orchestermusik Õ
* Musik verklingt *
* Stimmengewirr *
Hey!Hey.
Was machst du denn hier?
Na? Alles gut?
Moin.
Was ist denn hier los?
Also!
Zum Wohl. Prost.
Õ Rhythmischer Bass Õ
Õ The White Stripes: "Seven Nation Army" Õ
Falke, herzlichen Glückwunsch zum Dienstjubiläum.
* Jubel und Applaus *
Õ I'm gonna fight 'em off
A seven nation army couldn't hold me back
They're gonna rip it off
Takin' their time right behind my back Õ
* Leises Atmen *
* Schluchzen und Weinen *
Õ And the message comin' from my eyes
Says leave it alone Õ
(alle) Õ Woah oh oh oh ooooh ooooh
Woah oh oh oh ooooh ooooh
Woah oh oh oh ooooh ooooh
Woah oh oh oh ooooh ooooh Õ
* Musik verklingt, Jubel und Applaus *
Danke!
Danke.
Am Mittwoch waren's 25 Jahre im Dienst.
Und er denkt allen Ernstes, er kommt ungeschoren davon.
Ungebrochenen Mutes, mit dem Herzen auf der Zunge.
Und siehst immer noch erst den Menschen, dann die Taten.
Entweder du bist wirklich balla-balla ...* Lachen *
... oder der beste Polizist, den ich kenne.
* Jubel *
Auf Falke, der jederzeit, für jeden von uns
seine eklige Milch stehen lassen würde.Niemals!
Õ Gitarre setzt ein Õ
Ja!
Der ist für dich.
Õ Langsame, rockige Gitarrenmusik Õ
Õ Pixies: "Where is My Mind?" Õ
* Freizeichen *
Õ Pixies: "Where is My Mind?" Õ
* Freizeichen *
Wer is'n da?
Hallo? Das kann ich nich sagen.Dann nicht.
Õ With your feet on the air and your head on the ground
Try this trick and spin it
Yeah
Your head will collapse and there's nothing in it
And you'll ask yourself Õ Was denn?
Ich brauch Hilfe.
Õ Where is my mind?
Where is my mind? Õ Bleib mal dran.
Õ Where is my mind? Õ
So. Also jetzt noch mal in Ruhe.
Worum geht's hier?
Lass uns treffen.Treffen? Okay.
Morgen können wir uns vielleicht treffen.
Morgen?
... ist es vielleicht schon zu spät, Falke.
Willst du mich wieder im Stich lassen? So wie damals?
Scheiûe, du hast mir ein Versprechen gegeben.
Ich habe mir deine Nummer gemerkt, weil's ein Versprechen für mich war.
Alle haben gesagt, dass du 'n Lügner bist.
Aber ich hab dir vertraut.
Wenn du kein Lügner bist ...
... treffen wir uns jetzt im Skatepark.Was für 'n Skatepark?
Wo du deinen ersten Kuss bekommen hast.
Von Mona mit dem gelben Irokesen.
Hallo?
Õ Gedämpfte Musik und Gesang Õ
ÕWhere is my mind?
Where is my mind?
Wheeeeere is my mind?
Wheeeeere? Õ
Õ Leise, unheilvolle Klänge Õ
Meine!
Sie sind uns heute vor 'n Wagen gelaufen.
Das Du ist wohl verjährt?
Kennen wir uns?
Lange her.
Wer bist du?Und wer bist du, Falke?
Immer noch der Kumpeltyp?
Alles klar, Digger.
Hast du noch dein rotes Fahrrad?
Was du aus Schrott zusammengebaut hast.
Woher kennen wir uns? Hm?
Was willst du von mir?
Mein Leben.
Mein Leben will ich von dir zurück.
Das Leben, das du mir damals genommen hast.
Du hast alles versaut.
Kein Plan, was du meinst.
Also.
Wie kann ich dir helfen?
(hallender Ton) Ich brauch Schutz.
Hast du Stress mit jemandem?
Ich kann dich vor vielem schützen, aber nicht vorm Gesetz.
Und ich muss wissen, wer du bist.
Du hättest mich damals schützen können.
Ich war dir scheiûegal.
* Klirren *
Ey!
Hey, warte!
* Motor startet *
Õ Bedrohliche Klänge Õ
* Klirren *
Õ Langsame, unheilvolle Streicher Õ
(leise) Bist du wahnsinnig? Was machst du hier?
Guten Morgen, Björn.
Bitte. Nimm das und verschwinde.
Mehr Bargeld habe ich nicht im Haus.
Die Adresse.
Das ist gegen unsere Vereinbarung.
Gib mir einfach die scheiû Adresse!
(Frau) Björn?
Bleib liegen, Katharina.
Mir ist nur was runtergefallen.
Soll ich deinen Sohn grüûen? - Bitte tu das nicht.
* Messer fällt herunter *
Buh!
Was wollte der hier?
Was hast du da? - Mir geht's gut, Katharina.
Ich ruf die Polizei. - Nein!
Der taucht nie wieder auf.
Scheiû auf die.
Ich scheiû auf die!
Õ Langsame, unheilvolle Streicher Õ
(Du hättest mich schützen können. Ich war dir scheiûegal.)
Ich wollt dich zur Fahndung ausschreiben.Tut mir leid ...
Ich hoffe, ihr habt nichts bezahlt. Das geht alles auf mich.Ja.
Wir wollten DICH feiern, du Clown.
Tut mir leid.
War bestimmt 'n super Auftritt. 'türlich war's 'n super Auftritt.
Der Besitzer hat uns drei weitere Gigs angeboten.Super.
Jetzt brauchen wir 'nen Bandnamen.
Keine Ahnung.
Was war los?
Der Typ, der uns gestern vorn Wagen gelaufen ist.
Der hat mich angerufen, wollte mich treffen.
Du kennst den doch?Nein.
Aber er mich.
Keine Ahnung woher.
Hat vermutlich 'n Pass bei Rade Jaku geordert.
Und was wollte der von dir?
Vielleicht Hilfe? Keine Ahnung.
Er ist abgehauen.
Ich konnte Fingerabdrücke sichern. Sind nicht im System.
Das hast du schon überprüft?
Der muss ja wichtig sein. Ich weiû es doch nicht!
'tschuldigung.
Hast du schon was gegessen?
Oh Gott, wir waren verabredet.
Einladung steht noch, bestes Frühstück der Stadt.
Na komm, das geht jetzt auf mich.
Dann wird's teuer. Dann lädst du mich ein.
* Hupen *
Hey, Oliver!
Chill.
Bist du wahnsinnig?! Was machst du hier?
Was los?
Was ist das für 'ne Begrüûung?
Freust dich nicht, mich zu sehen?
Komm, fahr zurück.
(Frau) Jungs, wir müssen los.
Stell mich mal deiner Familie vor.
Du spinnst wohl!
Jungs, geht schon mal ins Auto, ja.
Sie hat Angst um dich.
Warum?
Was hast du ihr über mich erzählt? - Nichts.
Nichts?
Ich kann nicht mehr.
Ich halt das nicht mehr aus.
Fahr nach Hamburg, okay?
Ich ruf dich an, wir finden 'ne Lösung.
(Frau 2) Moin Jasmina. - (Jasmina) Morgen.
Turnbeutel nicht vergessen.
Moin Olli, alles gut? - Alles gut. Ich komm gleich.
Cool.
(Mann) Ciao.
Bitte.
Komm schon.
Ich kann dir nicht helfen, wenn du alles kaputt machst.
Du rufst mich an, und wir treffen uns.
Heute noch.
Okay, machen wir.
(Mann) Mach mal hinne, Mann.
Ich ruf dich an.
Und wenn nicht ...
... dann komme ich wieder.
Und dann MACH ich alles kaputt.
Õ Bedrohliche Klänge Õ
Alles gut.
Õ Unheilvolle Musik Õ
(Radiomoderator) * Auch heute Morgen ist viel los in Hamburg. *
Scheiûe!
* ... Richtung Hamburg vier Kilometer Stau ab Schnelsen-Nord. *
* Die Polizei ist schon vor Ort. *
* A 1 Lübeck Richtung Hamburg sechs Kilometer ... *
Elliott!
Na komm.
Tut mir leid.
Hast recht, komm mal her.
So.
Jaaaa.
* Handy vibriert *
Ja?
Wo?
Okay, ich komme!
Elliott, hau rein, okay?
Õ Pulsierende, spannungsvolle Musik Õ
Moin.Moin.
(Ich brauch Schutz.)
Er wurde bei den Docken mit hochgeholt.
Kann ich den Ausweis mal sehen? 'türlich.
Enzo Malott.
Habt ihr sonst noch was gefunden?
190 Euro in bar und den Autoschlüssel.
Älteres Modell.
(Funk) * Peter 44 für Peter 443. *
* Wir überprüfen am Löschplatz einen roten Polo. *
* Verstanden. *
Wie ist er gestorben?
Vermutlich an der Stichverletzung.
Dann im Kofferraum hergefahren worden, viel Blut.
An der Heckklappe, an den Türen, an den Armaturen, am Lenkrad
wurden Fingerabdrücke beseitigt.
Die Leiche ist flussabwärts getrieben
und an den Docks hängengeblieben, drei Kilometer von hier.
War keine zehn Stunden im Wasser.
Dann ist er vermutlich Samstag hier reingeworfen worden.
Freitagnacht hab ich den noch getroffen.
Handy?
Nee.
Der Wagen ist auf eine Karin Helbig zugelassen - ich fahr da hin.
Ich fahr zur Rechtsmedizin.
Õ Hmmm, hmmm, hmmm Õ
Õ Anschwellende, rockige Musik Õ
Õ K's Choice: "Not an Addict"
Õ Breathe it in and breathe it out
And pass it on, it's almost out Õ
Und drei zurück. Schönen Tag noch.
Guten Tag. Bitte schön? Moin. Frau Helbig?
Ja?
Julia Grosz, Bundespolizei.
Ich hab 'ne Frage. Kennen Sie diesen Mann?
Nein. Warum?
Er war mit Ihrem Wagen unterwegs.
Das versteh ich nicht.
Ich hab den Wagen schon 'ne Weile nicht mehr genutzt.
Ich weiû gar nicht, wann zuletzt.
Muss er wohl geklaut haben. Er hatte den Schlüssel.
Das kann ich mir nicht erklären.
Wahrscheinlich hab ich den Schlüssel stecken lassen.
Ist mir schon mal passiert.
Ja, ist natürlich möglich.
Was ist denn mit diesem Mann? Haben Sie ihn festgenommen?
Er wurde tot aufgefunden.
Dann werden Sie sich sicher bei mir melden.
Ich hab da schon noch Fragen.
Aber ich ... kann gerne warten, bis Sie 'ne Pause machen.
Wir haben einen männlichen Verstorbenen, Enzo Malott.
Geboren 13.3.1991.
Circa 1,80 groû, braune Haare,
und eine Stichverletzung an der linken Schulter.
Hoher Blutverlust,
vermutlich durch das Durchtrennen der Hauptschlagader.
Klären einer Aorten-Dissektion als mögliche Todesursache.
Und eine alte Brandnarbe auf der linken Schulter,
circa 15 bis 20 Jahre alt.
(Was willst du von mir? Ich brauch Schutz.
Du hast versprochen, dass du mir hilfst.
... im Stich lassen, wie damals.)
Eine alte Brandnarbe auf der linken Schulter ...
Ich habe Ihnen alles gesagt.
Wir finden raus, ob Sie 'ne Beziehung mit Malott hatten.
Wie lange kannten Sie ihn?
Ein paar Monate.
Er hatte keine Bleibe.
Aber er hat mich nicht ausgenutzt.
Sie waren nicht überrascht,
dass Ihrem Freund etwas zugestoûen ist.
(Kundin) 'tschuldigung.
Sie schaden sich eher, wenn Sie etwas verschweigen.
Er hat irgendetwas abgezogen.
Im Land der Ferne.
Da treibt sich Gott weiû was rum.
Land der Ferne? Dieser Verein für Geflüchtete?
Ich habe ihn da manchmal vorbeigefahren.
Er wollte immer, dass ich im Wagen warte.
Kam zurück und hatte die Taschen voller Geld.
Õ Spannungsvolle Klänge Õ
Õ Dramatische Klänge Õ
* Stimmengewirr *
Raus hier! Alle raus!
* Donner *
Wir arme Leut! Herr Hauptmann, Geld!
* Donner *
Unsereins ist selig in der einen und anderen Welt.
Entschuldige, "unselig".
Schau noch mal nach.
Äh, unsereiner ist doch unselig in der einen und in der anderen Welt.
Wunderbar.
Unsereins ist doch unselig in der einen ...
Was ist mit meinem Antrag? - Ich hab gesagt, ich kümmere mich.
Aber Antrag!
Lass mich weitermachen, verdammt noch mal!
(auf der Bühne) Warte, warte. Ich guck mal ...
Jetzt denken Sie wahrscheinlich schlecht über mich.
Weil Sie nicht immer helfen können?
Wir machen schon viel über unser Konzept hinaus.
Aber es kommen immer mehr Leute mit immer mehr Problemen.
(seufzt) Ich kann das Wort "Hilfe" nicht mehr hören.
Ich kann das Wort "Bitte" nicht mehr hören.
Ich kann "Danke" nicht mehr hören.
Ich kann meinen Namen nicht mehr hören.
Ich bin doch nichts für die hier.
Egal, was ich tue.
Das ist ... Ich kann machen, was ich will.
Es ist einfach egal.
Ich bleib am Ende "Frau Hilfe".
* Seufzen *
Entschuldigen Sie.
Sie sind bestimmt hier wegen des Ehrenamtes.
Sie könnten mir helfen beim Prospekteausteilen.
Ich bin leider dienstlich hier.
Entschuldigung, Julia Grosz, Bundespolizei.
Sie sind Katharina Timmig?
Ja.
Falls Sie nach unerlaubt Eingereisten suchen:
Hier bitte nicht.
Es handelt sich um ein Gewaltverbrechen.
Das Opfer soll hier verkehrt haben.
Der Ausweis ist gefälscht, die wahre Identität ermitteln wir.
Kennen Sie ihn?
Tut mir leid.
Vielleicht habe ich ihn gesehen, aber ich kenne ihn nicht.
Es war 'n Gewaltverbrechen mit Todesfolge.
Er hat nicht hier gearbeitet?
Nein. Das wüsste ich.
Er hat hier mehrmals im Monat einige Hundert Euro bekommen.
Hier werden keine Geschäfte gemacht. Drogen oder woran Sie denken.
Gibt es Mitarbeiter, mit denen ich sprechen kann?
Ich glaube nicht, dass irgendwer ihn kennt.
Nein. Ich werde mich trotzdem umhören.
Danke.
Ich möchte auch mal den Ball.
Ich bin im Tor. - Okay.
Hallo Mama. - Hallo.
Lass es.
Was soll ich lassen? Das Denken?
Ich könnt das alles beenden und die Wahrheit sagen.
Du willst die Wahrheit sagen, ja?
Dann sag sie mir.
Was bereust du?
Mich?
Sascha, Luca? Oder beide?
Jasmina, das ist nicht fair, okay?
Genau darum geht es. Es geht um uns.
Wenn wir nicht wären, wärst du frei.
Dann kannst du dieses Leben einfach wegschmeiûen.
* Kindergeräusche im Hintergrund *
Pass auf uns auf.
Õ Anschwellende, rockige Gitarrenmusik Õ
Õ Sonic Youth: "Incinerate" Õ
(Kinderstimme) Wie soll ich noch mal boxen?
* Kinderlachen *
* Türklingel *
Õ Incinerate
Incinerate Õ
* Türklingel *
Õ Incinerate Õ
* Musik stoppt *
* Türklingel *Ja.
Die Polo-Besitzerin schon gesprochen?
Hallo erst mal.Ja, sorry. Und?
Karin Helbig. Hatte 'ne Romanze mit dem Opfer.
Sie scheidet als Täterin aus, weil sie am Wochenende in Oldenburg war.
Sie vermutet,
dass er illegale Geschäfte gemacht hat - in diesem Verein.
Warst du da schon?
* Kronkorken klirrt *
Von denen, die anwesend waren, kannte keiner das Opfer.
Die Chefin, Katharina Timmig, will ihn schon mal gesehen haben.
Könnte was wissen.
Ganz schön heftig, die Frau.
Wie heftig?
Schwer depressiv.
Und das ist der Mann dazu?Hm.
Björn Timmig.
Björn?
Was wollte dieser junge Mann von dir heute?
Das hatten wir doch geklärt.
Du kennst ihn nicht nur flüchtig aus dem Verein.
Er ist tot.
Die Polizei war heute bei uns.
Hast du erzählt, dass er hier war? - Nein.
Björn, was ist los?
Sprich mit mir.
Wir müssen reden. Über diesen Denis.
Und unseren Sohn.
Björn Timmig ist Architekt.
Spezialisiert auf Kulturdenkmäler, die im Krieg zerstört wurden.
War vor allem auf dem Balkan.
Ihn habe ich nicht angetroffen. Was sagt die Rechtsmedizin?
Tatwaffe spitz mit stumpfen Seiten.
Schere oder irgendein Werkzeug.
Todeszeitpunkt lässt sich nur ungenau bestimmen.
Zwischen Samstagmittag und spätem Nachmittag.
Wir müssen rauskriegen, wo er vorher war.Werden wir.
Das Opfer nutzte eine SIM Card, die auf Karin Helbig angemeldet ist.
Dann brauchen wir 'n Bewegungsprofil.
Das habe ich längst angefordert.
Willst du auch 'n Bier?Ja.
Morgen veröffentlichen wir sein Foto.
Vielleicht klärt das seine Identität.
Er heiût Denis Demirovic.
1994 mit seinen Eltern vor dem Bosnienkrieg geflüchtet.
Da war er ungefähr zwei.
Mit acht, neun Jahren hat er viel Zeit ...
... in einem Jugendzentrum in Billstedt verbracht.
Das war für Geflüchtete und Migranten.
Es gab oft Ärger mit Polizei und Anwohnern.
Aber für die war es 'n Treffpunkt, und ich hab mich da engagiert.
2002 dann der Brandanschlag.
Es gab mehrere Verletzte.
Ein Jugendlicher ist gestorben.
Was war mit Denis?
Er hat den Täter gesehen. Durchs Fenster.
Als er den Brandsatz geworfen hat.
Ihn hat's auch erwischt an der Schulter.
Du warst da?
Ja.
Ja, ich hab ihn rausgetragen.
Ich hab ihm gesagt: "Wir kriegen das Schwein."
Aber wir haben den Täter nicht erwischt.
War das überhaupt dein Fall?
Nein.
Ich hab die Kollegen unterstützt, die haben sich reingehängt.
Aber ... du weiût ja, wie's ist.
Wir haben den einfach nicht gekriegt.
Und dann irgendwann ... war Denis weg.
Ich hab seine Familie nicht mehr erreicht.
Denis' Eltern und Geschwister sollten '99 abgeschoben werden.
Zweimal konnten sie Duldung erwirken.
Die zweite lief aus.
Dann sind sie zurück nach Bosnien.
Vielleicht hätt ich was tun können, aber er war weg!
Ich konnte ihn nicht mehr erreichen.
Was wollte Denis jetzt von dir?
Ich weiû nicht, Julia.
Ich glaube, er wusste es selber nicht.
Du musst ihm viel bedeutet haben damals.
Für mich war er einer von den Jungs.
Ich mochte die alle.
* Räuspern *
Ach, dein Bier.
"Björn Timmig."
(Björn flüstert) ... hast du verstanden?
Wenn sie dir nicht glauben, verweigere die Aussage.
(Oliver) Meinst du, dass sie so gründlich ermitteln?
(laut) Gut, dann wie verabredet.
Guten Abend.
Gute Fahrt, Herr Timmig.
Oh, ja. Muss ich verloren haben. Danke.
Dein Vater?
Seit wann redet ihr wieder miteinander?
* Auto startet *
* Maschine dröhnt *
* Lautes Schleifen *
* Geschirr klirrt, Katze schnurrt *
* Klopfen *
Kaffee ...
* Miauen *
Schwarz.
(ruft) Was will denn das BKA von dir?
(flüstert) Scheiûe.
Ich will das schon seit Tagen ansprechen.
Was los? Schieû los.
Ich könnt zum BKA wechseln.
Mein alter Chef ist jetzt in Wiesbaden
und hat mir angeboten, Sachgebietsleiterin zu werden.
Wow.
Klingt gut. Super ...
Ich wollte das erst mir dir besprechen.
Welche Abteilung? Wirtschaftskriminalität.
Passt doch.
Die können gute Leute gebrauchen.
Du meinst, ich soll gehen?
Klar. Musst du machen.
Ist doch 'ne Riesenchance.
Ich fahr schon mal los, bist ja mit deinem Auto da, ne?
Zieh einfach die Tür zu. Pass auf, dass die Katze nicht abhaut.
Õ The Jesus and Mary Chain: "Just like Honey" Õ
Õ Melancholische, getragene Beats Õ
Na.
Na, du?
Is ja richtig scheiûe gelaufen.
Õ Walking back to you
Is the hardest thing that
I can do
That I can do for you
For you Õ
Hey.Hey.
Ich hab Denis doch gefunden.
Es gibt 'nen internationalen Haftbefehl.
Deswegen der falsche Pass.
Er wird gesucht in Bosnien.
Unter anderem bewaffneter Raubüberfall.
Seit wann?Seit acht Monaten.
Dann war er noch nicht lange hier. Ich schick's dir.
'ne Mail von der VDO 11.
Der Polo wurde Samstag
von mehreren Überwachungskameras erfasst.
23.58 Uhr, 600 Meter vom Fundort des Autos entfernt. Super.
23.56 Uhr.
Da könnte das Opfer zur Bille gebracht worden sein.
Mist.
Nichts zu erkennen.
Aber:
Von Samstag 10.40 Uhr bis 13.57 Uhr
war Denis' Handy in Wenksdorf eingeloggt - seither nicht mehr.
Wenksdorf?
Dieses Kaff 'ne Stunde südlich von hier.
Geringe Funkzellendichte.
Wo er sich genau aufgehalten hat, finden wir nur dort raus.Dann los.
* Handyklingeln *
Wenksdorf ...
Grosz.
Ach, das ging ja fix, super.
Ach!
Ja.
Alles klar, ich fahr hin. Ja.
Eine Frau hat Denis auf dem Foto in der Zeitung erkannt.
Er hatte wohl Samstag im Nachbarhaus randaliert.
Björn und Katharina Timmig.
Hat die Timmig dich belogen? Sieht so aus.
Okay.Dann ...Bis später.
Õ Unheilvolle Klänge Õ
Unsere liebe Nachbarin spricht gerade mit der Polizei.
Lass sie reden.
Was soll schon dabei rauskommen?
Warum bist du sicher, dass er ihn nicht getötet hat?
Katharina ...
Hast du was damit zu tun?
Wie kannst du das fragen?
Was erwartest du von mir?
Dass ich einfach mitmache?
Lüg und betrüg wie du?
* Türklingel *
Õ Langsame, unheilvolle Streicher Õ
Mach doch auf.
Õ Langsame, unheilvolle Streicher Õ
'tschuldigung, Polizei.
Haben Sie diesen Mann gesehen?Nee.
Was die alles glaubt, gehört zu haben, ist unmöglich.
Es sei denn, sie hat unser Haus verwanzt.
Es gab also keine Auseinandersetzung?
Doch, aber keine so dramatische.
Denis war in Not.
Keine Arbeit, kein Geld, keine gültigen Papiere.
Wir konnten ihm nicht helfen,
er hat verzweifelt ein paar Teller zerschlagen.
Das ist alles.Hm.
Aber das hätten Sie mir doch sagen können.
Frau Timmig.
Ermittlungen der Bundepolizei in unserem Verein sind heikel.
Meine Frau wollte erst mit mir sprechen.Heikel für wen?
Die Person, die Denis regelmäûig Geld gegeben hat?
ICH habe ihm Geld gegeben.Wofür?
Leben, Essen, Trinken.
Wissen Sie, dass sich Denis einen falschen Pass besorgen wollte?
Er wurde nicht nur in Bosnien,
sondern mit internationalen Haftbefehl gesucht.
Er war nicht so harmlos, wie Sie ihn schildern.
Wieso haben Sie ihm Geld gegeben?
Hat er Sie erpresst?
Bedroht?
Nein.
Hat er Sie bedroht?
Frau Timmig?
Nein.
Wir haben Denis als ... Jugendlichen kennengelernt.
2002.
Als wir den Verein gegründet haben.
Ein paar Monate, bevor Familie Demirovic ausreisen musste.
Ich kann verstehen, wie ...
... schlimm das für Denis gewesen sein muss.
Plötzlich ausreisen zu müssen.
Vielleicht wäre alles anders gekommen, hätte er bleiben dürfen.
Õ Leise, unheilvolle Klänge Õ
Õ Dramatische Klänge Õ
(Kinderstimmen)
Õ Spannungsvolle Musik Õ
Hallo?
Hallo, kann ich Ihnen helfen? Thorsten Falke, Bundespolizei.
Ich würde gerne wissen,
ob Sie diesen Mann schon mal gesehen haben.
Ja, den hab ich gesehen. Ja.
Aha. Wann denn?
Ich glaube, das war Samstag.
Und wo war das?
Vor unserem Haus.
Er hat mit meinem Mann gesprochen.
Wissen Sie zufällig, worum es ging?
Ich glaube, Arbeit.
Aber es ging so schnell, wir mussten dann los.
Wo finde ich Ihren Mann, Frau Timmig?
In der Werkstatt - es sei denn, die sind bei Kunden.
Was für 'ne Werkstatt?
Bautischlerei Zachalka.
Das ist hier die Straûe runter und dann links.
Danke.
Kennen Sie Katharina und Björn Timmig aus Hamburg?
Ähm ... ja.
Das sind meine Schwiegereltern.
Warum?
Nur so.Danke. Vielen Dank.
* Handyklingeln *
Ja.
* Die Timmigs haben einen Sohn, Oliver Timmig. *
Der wohnt in Wenksdorf.
Mit dem hat Denis sich wohl getroffen.Und was wollte er?
Ich überprüf das.
Ein Polizist war grade hier.
Es geht um Denis.
Er ist grade auf dem Weg zu dir.
Olli, pass auf, was du sagst.
Denis Dem... Denis Demirovic
war kurz vor seinem Tod bei Ihrem Sohn Oliver in Wenksdorf.
Wussten Sie davon?
Ja, Oliver hat mir das schon vorgehalten.
Vorgehalten?
Ich hatte Denis mal erzählt, wo mein Sohn arbeitet.
Ich hätte nicht gedacht, dass er nach jedem Strohhalm greift.
Danke.
* Kreissäge surrt schrill *
Moin.
Oliver Timmig?
Ja, wie kann ich helfen?
Thorsten Falke, Bundespolizei.
Haben Sie ...
... diesem Mann schon mal gesehen?
Sie kennen den, richtig?
Ja, der war hier.
Hat mich wegen Arbeit angesprochen. Wieso?
Wie ist er auf Sie und den Betrieb gekommen?
Über meinen Vater, der hat ihm von mir erzählt.
Und da fährt er den ganzen Weg nach Wenksdorf zu Ihnen. Warum?
Keine Ahnung, brauchte 'nen Job.
(Mann) Dauert das noch lang, Olli? Wir haben zu tun.
Herr Timmig, wo waren Sie Samstag, so ab 12 Uhr?
Samstag? Da haben wir zusammen Kunden beliefert.
Bisschen Fuûball geglotzt und Skat gespielt, wie jeden Samstag.
Martin Zachalka.
Thorsten Falke, Bundespolizei. Freut mich. Wir müssen weitermachen.
Die Kundenliste und den Ort, wo sie Skat gespielt haben.
Das hätte ich gerne.Weiû nicht, ob ich das zusammenkriege.
Wär gut, wenn ich die bald hätte. Danke.
Olli, kommst du?
Wir kennen uns, oder?
Woher?
Ich weiû nicht.
Vielleicht Billstedt?
Billstedt?
Das Jugendzentrum?
Õ Spannungsvolle Klänge Õ
Jugendzentrum ...
Ich war mal bei 'ner Gedenkfeier in 'nem Jugendzentrum.
Nach diesem Brandanschlag.
Vielleicht daher? Hat man sich gesehen?
Das ist schon lange her.
Was haben Sie denn da gemacht?
Waren doch alle da, damals.
(Zachalka) Olli, ich brauch dich jetzt.
Gut.
Danke, ja.
Sag mal, was läuft hier?
Õ Spannungsvolle Klänge Õ
Falke!
Ja?
Was gibt's?
Hey Papa!
Hey Martin. - Hallo Sascha.
Papa, Mama hat gesagt, wir kriegen Eis!
Kommt mal mit!
Was denn?
Õ Spannungsvolle Klänge Õ
Oliver Timmig wusste, wer ich bin, bevor ich mich vorgestellt hatte.
Er wollte mir noch was sagen, wenn nicht seine Frau gekommen wär.
Die hat das verhindert.
Bei Timmig Senior ist auch was seltsam.
Die Geschichte, warum Denis nach Wenksdorf gefahren ist,
ist stimmig, aber ... Das wirkt abgesprochen.Ja.
Die Hamburger Timmigs können wir als Täter ausschlieûen.
Die haben am Samstag Tennis gespielt.
Wenn Oliver Timmig mich damals bei der Gedenkfeier gesehen hat,
vielleicht kannte er Denis doch von früher.
Ich frag mal beim Blockwart nach wegen Oliver Timmig.
Bei wem?Der aufmerksamen Nachbarin.
Õ Melancholische Gitarrenmusik Õ
* Gespräche, Geproste, Gelächter *
Õ James Vincent McMorrow: "Wicked Game" Õ
Õ Strange what desire will make foolish people do Õ
Ausnahmsweise mal auf mich.
Õ I never dreamed that I'd meet somebody like you
And I never dreamed that I'd lose somebody like you
No, I don't wanna fall in love Õ
Kinder, es gibt Nachtisch!
Õ No, I don't wanna fall in love Õ
Noch nie?
Du bist sicher, dass sie die Wahrheit sagt?
Das wär super. Danke.
Ciao.
Bisher keine Verbindung von Denis zur Organisierten Kriminalität.
Die Nachbarin hat Oliver Timmig noch nie bei seinen Eltern gesehen.
Die war überrascht, dass die 'n Kind haben.
Sie lebt da seit 20 Jahren und ist meist zu Hause.
Spricht nicht für 'ne innige Beziehung.
Aber bei Denis halten die Timmigs zusammen.
Bis 2001 waren die Timmigs in Lübeck gemeldet.
Dann ab 2002 in Hamburg.
Aber ohne Oliver.
Da war der doch erst 16.
Der taucht erst 2004 wieder auf.
Dann fünf Jahre später, ab 2009, in Wenksdorf.
Da war er bei seinen Eltern, oder es gibt 'ne Jugendamts-Akte.
Aber nichts? Mit 16?
Wo hat er gelebt zwischen 2002 und 2004?
Beim Jugendamt ist nichts zu holen.
Im Netz finde ich nichts.
Auûer 'ner Eintragung zu Oliver Timmig bei der Tischlerei
und dem Brautladen von Jasmina Timmig.
Keine Fotos, kein Social Media.
2002 war der Brandanschlag.
Vielleicht hat er sich mit seinen Eltern überworfen, ist abgehauen.
Was war los bei dem? Was ist passiert?
Wer waren seine Freunde, Bekannte aus der Zeit?
Bis 2001 waren die in Lübeck gemeldet.
Schule? Ehemalige Klassenkameraden, Lehrer?
Hmmm.
Aber nicht mehr heute.
Wir haben Probe.
Ich mach noch 'n bisschen weiter. Mhm.
Viel Spaû!
Wir haben 'nen Bandnamen. Aha, und welchen?
"Hände hoch".
Gut.
Hände hoch.
Õ Langsame, melancholische Gitarrenmusik Õ
Õ Nick Cave & The Bad Seeds: "Into My Arms" Õ
Õ I don't believe in an interventionist God
But I know darling that you do Õ
Wieder Sieg für Zachalka.
Ich bin raus, du hast 'nen Lauf.
Was ist los, Olli?
Du weiût, dass du über alles reden kannst.
Jo.
Warum war die Polizei bei uns aufm Hof?
Was war am Samstag?
Keine Ahnung.
Dieser Falke?
Billstedt? Das Jugendzentrum?
Was sollte das?
Ich konnt mich einfach an ihn erinnern.
Und an das Jugendzentrum.
Und was sollte das mit dem Brandanschlag?
Weiû nicht.
Den Täter haben sie ja nie gekriegt, damals.
Hattest du mit der Sache was zu tun?
Was meinst du? - Mit dem Brandanschlag?
Hä?
Warst du das? Hast du den Anschlag gemacht?
Und wenn?
Ich mein, wie alt warst du damals?
16, 17.
In den Alter baut man Scheiûe.
"Scheiûe baut?"
Du meinst, Menschen abfackelt? - Nein, ich mein ...
Was willst du sagen?
Es wär okay für dich? Wär immer noch dein Freund?
Õ Unheilvolle Klänge Õ
Da sind lauter Leichen im Keller, Martin.
Lauter Leichen. Wollen wir die alle ausbuddeln?
Sag mal, spinnst du?
Erträgst du keine schlechten Witze? Aber 'n Mörder darf ich sein?
Das ist okay, ja?
Wär's okay für dich, Zachalka?
Was bist du für 'n Mensch?
Nimm deine Flossen weg. Nimm deine Flossen weg!
(Jasmina) Olli?!
Sag mal, spinnt ihr?
(Jasmina) Olli!
Was ist denn hier los?
Ich schmeiû dich raus, Mann.
Hast du gehört? Du bist gefeuert, Mann!
Ich schmeiû dich raus, du Arschloch!
Komm jetzt.
Õ Into my arms
Oh Lord
Into my arms
Oh Lord
Into my arms
Oh Lord
Into my arms
And I don't believe in the existence of angels
But looking at you I wonder if that's true
But if I did ... Õ
Ah! Scheiûe, Mann!
Õ ... together
And ask them to watch over you Õ
Bitte fahr zu Martin und sprich mit ihm.
Er hat mich gefeuert.
Was soll ich mit ihm sprechen? Immerhin ...
Wasserflasche.
Tschüss. - Tschüss.
Hallo!
Seid ihr die Timmig-Kinder? - Ja. - Luca, dein Essen!
Und wer bist du?
'tschuldigung?
Ich such das Büro des Schulleiters. Herr Dörfler! - Ja?
Da ist ein Herr für Sie. - Morgen.Moin.
Guten Morgen.
Thorsten Falke, Bundespolizei.
Wir haben telefoniert. Wegen Oliver Timmig.
Warten Sie einen Augenblick.
Er wollte mit 16 nicht mehr bei uns wohnen.
Hat sich rumgetrieben, viel getrunken.
Wir haben den Kontakt zu ihm verloren.
Wer waren seine Freunde?
Ich weiû nicht, ich war viel unterwegs.
Es war für Katharina furchtbar,
dass sie Oliver nicht erreichen konnte.
Dass er ihr entglitten ist.
Er hat geschwänzt.
Kam betrunken zum Unterricht, hat einen Lehrer angegriffen ...
Trotzdem haben wir uns um ihn bemüht.
Und ...
... dann das hier.
Seine Eltern haben ihn von der Schule genommen.
* Handyklingeln *
Ja.
Wirklich?
Danke.
Äh, Herr Timmig?Ja?
Ihr Sohn war rechtsradikal? Mit 15?
Was? Blödsinn.
Er fiel in seiner Schule als gewalttätig auf.
Hat Hakenkreuze in seine Schularbeiten gezeichnet.
Und das wohl nicht nur einmal.
Er wollte provozieren. Provozieren kann man auch anders.
Aber er wollte uns treffen. Katharina und mich, verstehen Sie?
Er wollte uns in die Seele treten - nur darum ging es.
Er war nicht politisch.
Hm.
Õ Spannungsvolle Klänge Õ
Ist es möglich, dass Oliver Timmig den Brandanschlag verübt hat?
Das würde einiges erklären:
Die Entfremdung von seinen Eltern, warum er mich erkannte.
Verbindung zu Denis passt auch. Er hat den Täter gesehen.
Vielleicht ist er ihm wieder begegnet.
Vielleicht bei den Timmigs.
Er hat die Timmigs erpresst, statt die Polizei zu informieren?
Das ist Quatsch. Oliver Timmig hängt in den Vereinsräumen rum
und begegnet dort zufällig dem Zeugen von damals.
Das ... Das ist nix.
* Klirren, Stimmengewirr *
Hast du noch mal das Foto aus der Schule für mich?
Da ist er ungefähr 15, 16.
Scheiûe.
Das ist das erste Foto, mit dem Oliver seit 2004 auftaucht.
Davor war er nur mit Kinderfotos registriert.
Das ist doch niemals dieselbe Person.
(Katharina) Ja, so. Hier sind wir.
Das Haus ist ja groû genug für alle.
Setzt euch bitte.
Das ist gut, dass du da bist.
Ich habe Jasmina und Oliver mitgebracht.
Ja, setzt euch doch.
Was wollt ihr trinken? Tee, Kaffee?
Mach dir keine Mühen.
Wir müssen gleich los, ich muss den Laden aufmachen.
Ach ja, natürlich.
* Handyklingeln *
Was tust du, Katharina?
Er ist nicht unser Sohn.
Ich mache Kaffee.
Das ist nicht unser Sohn und nicht unsere Familie.
Darum ist es mir nie gegangen.
(Oliver) Okay gut, mach ich.
Was denn?
War Falke.
Olli?
Entschuldigt, aber ...
... das war die Polizei, wir sollen ins Präsidium kommen.
Du bist nicht Oliver Timmig?
Wer bist du dann?
Ja, wer bin ich?
Sag du's mir. Wer bin ich?
Du bist Alen Demirovic, der ältere Bruder von Denis.
Ich hab dich im Ausländerzentralregister gefunden.
Kein Wunder, dass ich mich nicht erinnern konnte.
Du hast ihn höchstens ein-, zweimal abgeholt vom Jugendzentrum.
Weiût du, ich wollte eigentlich gar nicht, dass er dahin geht.
Er hat dir vertraut.
Weiûte?
Denis hat geglaubt, du kannst die Welt retten mit deiner Polizeimarke.
Den Brandstifter habt ihr nie gefasst,
obwohl Denis ihn gesehen hat.
Meine Eltern sind mit Denis nach Bosnien zurück,
weil sie sich hier nach dem Anschlag nicht mehr sicher fühlten.
Du bist 2003 nicht mit ausgereist nach Bosnien,
sondern hiergeblieben, in Hamburg.
Und abgetaucht - richtig?
Wir waren mit Oliver segeln.
Portugal, Frankreich, Spanien.
Meine Frau dachte, wenn wir ein paar Wochen auf dem Boot verbringen,
nur wir drei, auf engsten Raum ...
Dann war Oliver plötzlich verschwunden.
Auf offener See.
Die Leiche wurde nie gefunden, und Sie erklärten ihn nicht für tot.
Wir haben uns eine Weile an eine absurde Hoffnung geklammert.
Ihr Sohn hatte noch einen Kinderausweis.
Haare und Augenfarbe stimmten überein.
Er war nur ein Jahr älter.
Es war nicht schwer für Alen Demirovic,
2004 einen Personalausweis zu beantragen als Oliver Timmig.
Wessen Idee war das?
Ich war im Verein, hatte die Dokumente meines Sohnes dabei.
Ich wollte sie einem Anwalt übergeben,
damit er die Todeserklärung beantragt.
Und dann ist Alen aufgetaucht.
Dann haben Sie ihm die Papiere ihres Sohnes in die Hand gedrückt?
Man spendet doch Organe.
Warum nicht gleich ein ganzes Leben?
Ich hab's oft genug bereut.
Aber meine Kinder und meine Frau ...
Die können ja nichts dafür.
Die kennen mich ja nur als Olli.
Das hier, das ist ihr Leben.
Hast du Familie, hast du Kinder?
Was hättest du an meiner Stelle gemacht?
Was glauben deine Kinder, wer ihre Groûeltern sind?
Die Timmigs aus Hamburg? Die haben sie ja nie kennengelernt.
Meine echten Eltern fanden es nicht richtig,
dass ich nicht mitgegangen bin.
Und wie ich hier lebe. Illegal.
Die wussten also davon?Sicher. Ja.
Aber nicht, unter welchem Namen.
Aber den hat Dennis rausbekommen.
Wie?
Über Björn Timmig.
Sein Name stand auf den Kontoauszügen bei meiner Mutter.
Ich habe ihr über Timmig Geld überwiesen nach Bosnien.
Das Geld, das Denis bei Timmig abgeholt hat, war auch von mir.
Aber das hat Denis nicht gereicht, das Geld.
Er wollte mehr.
Er hat deine Adresse rausbekommen und Stress gemacht.
Sach mal.
Willst du von mir hören, dass ich mein Bruder umgebracht habe?
Ich hätte ihm nie was getan, eher hätte ich mich umgebracht.
Wer war's dann?
Ich weiû es nicht, keine Ahnung.
Wer wusste noch Bescheid über dich, auûer deinen Eltern?
Dein Arbeitgeber? Deine Frau?
Lass meine Frau da raus.
Er kommt nach Hause?
Gott sei Dank.
Werde ich aussagen müssen? - Ihr seid verheiratet.
Du kannst die Aussage verweigern.
Sie gehen davon aus, dass du nicht gewusst hast,
dass Oliver nicht Oliver ist.
Genau wie ich von nichts wusste.
Björn hat das bestätigt.
Õ Anschwellende, dramatische Orchestermusik Õ
Und?
Danke.
Ich glaube ihm, dass er seinen Bruder nicht getötet hat.
Ein Abgrund, der uns mal erspart bleibt.
Der Staatsanwalt hat die Ergebnisse angefordert.
Der wird nicht begeistert sein.
Kein Tatverdächtiger, keine Motive.
Was denkst du?Nix.
Wer bleibt denn jetzt noch übrig?
Doch Organisierte Kriminalität?
Anyway.
Das lösen wir heute nicht mehr, morgen ist auch noch ein Tag.
Kommst du zum Konzert?
Na klar.Gut.
Mach die Akte zu und schick sie dem Staatsanwalt.
Und was auch immer du da ausbrütest, Thorsten:
Halt mich auf dem Laufenden.
Ich werd dich vermissen.
Õ Anwachsende, kraftvolle Musik Õ
Ich seh dich vor der Bühne.
Õ Robert Palmer: "Addicted To Love" Õ
Õ Your heart sweats, your body shakes
Another kiss is all it takes
You can't sleep
you can't eat
Another kiss is all you need
Whoa you like to think that you're immune to the stuff
Oh yeah
It's closer to the truth to say you can't get enough
Gonna have to face it you're addicted to love
You see the signs you can't read
You're running at a different speed
Your heart beats in double time
Another kiss and you'll be mine
A one-track mind, you can't be saved
Baby, your love is all I crave
If there's some left for you
You don't mind if you do ÕHallo?
Õ Whoa, you Õ
* Musik bricht ab *
Hallo.
Ich wollte gerade Feierabend machen. Ich bin verabredet.
Nur 'n paar Fragen, dauert nicht lange.
Sie und Alen, also Oliver ...
... haben sehr jung geheiratet, 2005.
Da war er gerade 19, Sie 22.
Warum so früh?Warum nicht?
Wo haben Sie sich kennengelernt? In Hamburg.
Da hatten Sie keinen Aufenthaltstitel.
Ihr Asylantrag wurde abgelehnt, das habe ich überprüft.
Frau Timmig, Sie sind in Jerewan geboren.
In Armenien.
Weniger als zehn Prozent aller armenischen Asylanträge
wurden damals anerkannt.
Ihre Chance, hierzubleiben, war also sehr gering.
Sie haben unser Leben schon zerstört, was wollen Sie noch?
Ich bin sicher,
Sie wussten die ganze Zeit, dass Oliver nicht Oliver ist.
Sie beide haben die Chance genutzt, die einer gestohlenen Identität,
um gemeinsam hierzubleiben.
Ich muss nicht mit Ihnen reden.
Denis ist nach Wenksdorf gekommen, hat am Imbiss was gegessen.
Dann den Laden entdeckt, so wie ich.
Dann ist er hier reingekommen. Zu Ihnen.
Was ist dann passiert?
* Heftiges Aufschluchzen *
Er kam hier rein
und hat Oliver versprochen, dass er nach Hamburg fährt.
Und er erzählte mir, wer er ist und wer Oliver ist und ...
Und dann ...
Dann wollte er nicht gehen!
Er wollte unsere Kinder kennenlernen.
Dann hat er mich angeschrien.
Er war unberechenbar, verstehen Sie?
Oliver wollte ihm helfen, aber Denis wollte alles kaputtmachen.
Er wollte alles kaputtmachen!
Bitte.
Er darf es nicht wissen.
Wie soll er denn damit leben?
Ihr Mann weiû das gar nicht ...
Was haben Sie dann gemacht?
Er hat den Wagen hier vor dem Laden geparkt.
Da ... habe ich ihn reingetan und bin nach Hamburg gefahren.
Das waren Sie nicht alleine, Denis wog 80 Kilo.
Doch, ich habe es alleine gemacht.
Wer hat Ihnen geholfen?
Ich habe es alleine getan.
Bitte.
Õ Langsame, melancholische Gitarrenmusik Õ
(Martin) Hallo Jungs, na. Kommt ihr mal mit?
Geht ihr mal rüber zu Lilli? Geht schon mal ins Haus.
Der Papa kommt gleich.
(Was ist das für 'ne Begrüûung?
Freust du dich nicht, mich zu sehen?
Ich halt das alles nicht mehr aus.)
Õ Langsame, melancholische Musik Õ
((Jasmina) Er darf es nicht wissen. Wie soll er denn damit leben?
(Denis) Du hast versprochen, dass du mir hilfst.
(Oliver) Was hättest du an meiner Stelle gemacht?)
Hey. Ich hoffe, du kommst zum letzten Set
und gibst mir 'n Bier aus.
Komm einfach.
Bitte.
* Nachrichten-Ton *
Hey Julia, natürlich komme ich. Musste nur was klären.
Bin aufm Weg. Bleib, wo du bist.
Ich hoffe, das Lächeln gilt mir?
Das gilt Hamburg.
Das mich noch lange an der Backe haben wird.
* Regenprasseln *
* Männerschreie *
Scheiûe!
Hey!
Hey!
Polizei!Weg hier!
Scheiûe, Mann!
* Stöhnen *
* Keuchen *
* Regenprasseln *
* Hallender Schritt *
* Hallender Schritt *
* Stille *
Õ Melancholische Gitarrenmusik Õ
Õ Nick Cave & The Bad Seeds: "Into My Arms" Õ
Õ I don¹t believe in an interventionist God
But I know darling that you do Õ
(Frau) Ruf den Krankenwagen!
Õ But if I did I would kneel down and ask him
Not to intervene when it came to you
(Nick Cave) Not to touch a hair on your head
To leave you as you are
And if he felt he had to direct you
Then direct you into my arms
Into my arms
Oh Lord
Into my arms
Oh Lord Õ
Õ Tatort-Titelmusik Õ
Copyright Untertitel: NDR 2024
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