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Lydia Dascha
Hi there! This is me, Dascha Watschowski.
Future Hollywood Director.
Ihr fahrt nicht mehr ohne mich ans Meer.
Dascha? Dascha. Dascha! Oh mein Gott.
Kopf zur Seite. Ruhig, ganz ruhig, ganz ruhig. Krankenwagen!
Da drauf. Ganz ruhig.
Schnell, schnell.
Schnell, aus dem Weg. Los. Schneller, zum Auto.
Es wird schon.
(Erzählerin) Es waren einmal drei Schwestern.
Die beiden älteren waren hübsch und gutmütig,
während die jüngste böse und verräterisch auf die Welt kam.
Das wird schon.
(Erzählerin) Die Böse war neidisch auf ihre Schwestern,
weil sie so erfolgreich waren.
Besonders ärgerte sie sich über die mittlere,
weil diese bedingungslos lieben konnte.
Da nahm die Böse ein Messer und stieß es in das Herz der Schwester,
die sie am meisten liebte.
Doch die böse Schwester wusste nicht,
dass an dem Ort, an dem sie die reine Seele ermordet hatte,
nun ein roter Schneeball-Strauch wuchs.
* Triste Titelmusik *
Und wenn nicht? Dann werden sie dich umbringen.
* Es klopft. *
Mama?
Dascha.
Wie ist das passiert?
Sag mir lieber, wie es in der Uni läuft.
Benutzt du immer noch deine alte Kamera?
Mom.
Ich, äh...
Ich war sehr müde und bin kurz am Steuer eingeschlafen.
Aber jetzt bin ich wieder fit. Ich fühl mich großartig.
Nadja hat mir Sachen gebracht und angefangen, das Auto zu reparieren.
Wenn sie’s zurückbringt, fahren wir nach Berlin.
Du willst sofort los? Ich bin grad erst gekommen.
Du wolltest, dass ich komme.
Ja, aber können wir nicht bis morgen warten?
Hier zu bleiben, ist nicht sicher.
Nicht weniger, als davor. Ich versteh das nicht.
Wir müssen los! Nicht morgen, nicht in 'ner Woche. Sofort.
Aber ich werd fahren, okay?
Du hattest mich gewarnt.
Aber ich hab nicht geglaubt, dass er zu so was fähig ist.
Nadja, ich hab Angst.
Lydia.
Lydia.
Im Ausland kommt er nicht an dich ran.
Ich danke dir für alles.
Fahren wir dann los? Ja.
* Monotone Musik *
Mama?
Hm?
Was war zwischen Papa und dir?
Du weißt doch von Inha.
Das ist aber nicht alles. Ihr verschweigt mir irgendwas.
Ich hab mich kurz vor der Abreise mit Inha getroffen.
Sie hat mich nach Papa gefragt.
Was hat sie gefragt?
Ob er nach ihr fragt, wie’s ihm geht, bla, bla.
Als ob sie den Kontakt zu ihm sucht, aber sich nicht traut.
Dafür gibt’s Gründe. Welche?
Das ist was zwischen ihm und ihr.
Wann hast du zuletzt mit ihm geredet?
Vor fünf Tagen. Er war irgendwie komisch. Hat nach dir gefragt.
Dann hab ich erfahren, dass du im Krankenhaus liegst.
Hast du nochmal versucht, ihn anzurufen?
Er geht nicht ran. Schreibt nur, dass er bald anruft. Wieso?
Nur so.
Siehst du? Was?
Nichts.
Im ersten Semester. Maximal drei Zigaretten am Tag.
Auch mehr, wenn ich was trinke. Willst du noch was wissen?
Wann hat es angefangen?
Wie gesagt, im ersten Semester.
Wann hast du aufgehört, mir zu vertrauen?
Weißt du noch, wie ich dir mit 15 erzählt hab,
dass ich bisexuell bin?
Ja, natürlich.
Da hatten es schon alle gewusst.
Wer sind alle?
Meine Freunde, Papa, Tante Natascha.
Sie hat’s als Erste gemerkt und mit mir geredet.
Was hat sie gesagt? Dass es normal ist.
Und dass sie auch in eine Frau verliebt ist.
Tante Natascha war ein kreativer Mensch, in allen Lebensbereichen.
Ihr Beruf hatte für sie immer oberste Priorität.
Ich wüsste nicht, dass sie je mit jemandem fest zusammen war.
Schon gar nicht mit einer Frau. Und Tante Nadja?
Was ist mit Nadja?
Wir sind wie Schwestern, sind seit der Schule befreundet.
Dascha. Was soll das werden?
Da hast du’s.
Hi there!
This is me, Dascha Watschowski, future Hollywood Director.
Das war doch der Abend.
This is meine liebe Mutter, she’s a shrink.
This is my lovely aunt Natascha, she’s a wonderful actress.
And let me show you her beautiful shoes.
Ähm, wo sind sie denn?
Nadja und ich wollten dir was erzählen.
Lieber nicht jetzt.
Ihr fahrt nicht ohne mich ans Meer! Was ist los?
Dascha. Oh mein Gott.
Dascha.
Sie waren nur Freundinnen. Einfach befreundet.
Freundinnen machen sowas nicht unterm Tisch, glaub mir.
Bevor ich krank wurde, standen wir beide uns schon nicht sehr nah,
aber danach ist es noch schlimmer geworden.
Wieso war das so?
Das waren schwierige Zeiten für mich.
Hatte ich es etwa leicht?
So hab ich das nicht gemeint. Was meinst du dann?
Liebling.
Ich bin nicht dein Liebling. Ich bin nicht deine Freundin.
Und deine Patientin auch nicht.
Ich bin deine Tochter.
Und ich hab das Recht zu erfahren,
wieso ich deine Liebe nicht verdient hab.
Mom, Dad, smile.
Kuckuck!
Natascha, komm, stoß mit uns an. - Ja, gleich.
Ich komm in 15 Minuten, Mädels. - Wir warten.
Schenk bitte ein bisschen schneller ein.
Was glaubt ihr, wann der russische Frühling zu uns kommt?
Hoffentlich nie! Also, echt.
In den nächsten Tagen soll’s ein Referendum geben.
Die Krim und der Donbass waren und bleiben ukrainisch.
Sag das mal Putin.
Wenn ich die Gelegenheit hätte. Wozu sind wir alle hier?
Zu debattieren oder um meine Schwester zu beglückwünschen?
Danke. Danke. Auf dich.
Der nächste große Star. Na, hoffentlich!
Gehen wir eine rauchen. - So früh schon?
Komm schon. Nimm die mit und komm.
Hm. Ich nehm die mit, ja? Ihr habt ja noch, oder?
Nimm nur. Geht ruhig.
Der und sein Russischer Frühling. Endlich.
Wieso ist er so?
Wisst ihr noch, wann wir das letzte Mal so zusammensaßen?
Ich kann mich nicht erinnern. Ich weiß auch, warum.
Ich hab drei Aufführungen in der Woche, den Rest frei.
Nadja arbeitet auch nicht, seit sie aus Moskau zurück ist.
One second.
An wem liegt es? An wem könnt’s wohl liegen? Wer arbeitet ständig?
Ich weiß nicht, an wem das liegen könnte.
Ich liebe meine Arbeit nun mal.
Schon gut.
Ähm, also...
Nadja und ich wollten dir was erzählen.
Nicht jetzt. - Warum?
Ihr fahrt nicht mehr ohne mich ans Meer, klar?
Mama. Was ist los?
Dascha?
Oh, mein Gott. Dascha. Zieh sie raus, schnell!
Wo ist das Telefon? Ruf einen Arzt! Dascha.
Oh, Gott. Wir brauchen einen Notarzt.
Sie muss da draufbeißen. Nadja, hol meine Decke!
Es wird alles gut, meine Süße. Halt ihren Kopf.
Komm, komm, gib her, gib her.
Komm, komm, komm.
Okay. Und hochheben! Hochheben.
Los. Macht die Tür auf.
* Freizeichen * - Und wie sieht es aus?
Natascha, es geht ihr immer schlechter.
Ich hab Angst, sie anzusehen. Mama?
Ich brauch dich. Mama, wo bist du?
So viele sind für den Anschluss an Russland.
Ich gehe zu den Protesten, so lange ich kann.
Natascha. Lydia.
Ich hab hier was über eine von uns erfahren.
Allein schaffe ich es nicht.
Ich verspreche dir, ich werde da sein, nur später.
* Freizeichen * - Wie sieht es aus?
Wann kommst du endlich? Bin bald da.
Wann ist bald?
Lyd, hör zu.
Ich hab mit einer Wohltätigkeitsorganisation
Kontakt aufgenommen, sie helfen schwerkranken Kindern.
Vielleicht werden sie die Kosten übernehmen.
Ich halt das nicht mehr aus.
Monster! Monster! Monster! Monster! Monster! Monster!
Monster!
Was ist denn los? Dascha, beruhig dich!
Ruhig, ruhig! Monster, Monster!
Ruhig, ruhig, ruhig, ruhig.
Monster! Monster! Monster.
Monster! Monster! Monster! Sht.
* Handy klingelt. *
Nadja, grad ist kein guter Zeitpunkt.
Es ist was passiert. Natalias Bus wurde beschossen.
Hörst du mich? Ich hab es grade erfahren.
Ich muss dich später zurückrufen. Sie ist tot.
Tot. Hörst du mich? Natascha ist tot.
Ich war in der Leichenhalle zur Identifizierung.
Sie ist es.
Wir haben uns getroffen, bevor sie losgefahren ist.
Natascha wollte, dass ich dir diese CD gebe.
Erinnerst du dich an die Wohltätigkeitsorganisation?
Die wird die Behandlungskosten vollständig übernehmen.
Lyd.
Wie wär’s, wenn wir eine eigene Stiftung gründen würden?
Dima, jetzt ist nicht die Zeit dazu.
Lydia.
Du musst wieder irgendwas arbeiten.
So hab ich angefangen, was zu machen, von dem ich wusste,
dass ich es besser konnte, als Mutter zu sein.
Ich hab Patienten mit Belastungsstörungen betreut.
Alle waren vom Krieg traumatisiert.
Dascha.
Ich hab es damals nicht begriffen.
Ich war wie im Koma.
Verzeih mir bitte.
Ich hab dir schon längst verziehen.
Mir war nur wichtig, dass du’s mal loswirst.
Du musst dir selbst auch verzeihen, Mama. Und sie mal loslassen.
Es ist Zeit.
* Ein Auto hupt laut. *
Willkommen in Berlin.
* Ukrainische Musik *
Wie geht’s euch?
Schön habt ihr’s hier. Ja.
Deine Tochter hat ihre Freunde gebeten, uns unterzubringen.
Das war sehr nett von ihr. Sag ich ihr.
Keine Angst, er wird dir nichts tun. Hör ihm einfach zu.
Ihr solltet wirklich mal miteinander reden.
Du hast es versprochen.
Willst du Kaffee?
Tut mir leid, wie alles gelaufen ist.
Ach, wirklich?
Ich hab dich in der Nacht des Unfalls angerufen.
* Handy klingelt. *
Nein, nicht jetzt. Was?
Weswegen denn?
Ich wollte dich warnen, aber ich hab’s nicht geschafft.
Wie bist du über die Grenze gekommen?
Ich hab den Volontärstatus ein letztes Mal in Anspruch genommen.
Wieso ein letztes Mal?
Du hast mich dazu gebracht, dir alles zu überschreiben.
Ich möchte dir nur was zeigen. Okay?
Ich hatte neulich einen echt idiotischen Gedanken.
Ich hab 20 Jahre mit einer Psychologin zusammengelebt
und hab nie ausprobiert, wie es ist.
So ein Therapiegespräch.
Ich hab beschlossen, das endlich zu ändern.
Ich bin hingegangen und hab mich auf n Stuhl gesetzt.
Hab angefangen zu reden und wie ein kleines Kind
eine Stunde vor der Therapeutin geheult.
Ich hab mich total hilflos gefühlt.
Als wär ich tot und stünde vor Gott.
Alle Rechnungen wurden von Ihrem Mann bezahlt.
Es gab keine Wohltätigkeitsorganisation.
Dascha hat überlebt.
Das haben wir dem Geld zu verdanken,
das damals aus Russland auf die Konten unseres Fonds geflossen ist.
Willst du ihr selbst erzählen, zu welchem Preis sie noch lebt?
Wie sagt man so schön: Ein Mann wird durch seine Taten definiert.
Ob sie nun gut oder schlecht sind, ist eine Frage der Perspektive.
Natascha wusste Bescheid.
Einem Schauspieler aus unserem Theater wurde das Auto angezündet.
Einer Freundin wurde ein Ziegelstein durchs Fenster geworfen,
der in eine Separatisten-Flagge gewickelt war.
Sie ist seit Jahrzehnten Ukrainisch-Lehrerin.
Wir sind zusammen zu allen Demos gegangen.
Hättet ihr euch ruhig verhalten, würde euch niemand was tun.
Ich weiß, dass du dich verkauft hast.
Leugne es lieber nicht, ich hab nämlich Beweise.
Ich versprech dir, dass Lydia nichts davon erfahren wird.
Und was willst du dafür?
Dima, organisier bitte eine sichere Evakuierung.
Ich würde sofort auffliegen.
Du kannst es über jemand anderen einfädeln.
Nächste Woche sollen Busse des Roten Kreuzes herkommen.
Ich muss jetzt hier weg.
Ich werd dir eine Liste mit Namen geben.
Das sind alles meine Freunde.
Sie werden bedroht und müssen dringend evakuiert werden.
Es kommt mir so vor, als fürchtest du dich vor was anderem.
Wenn mir was zustößt, kannst du meiner Schwester die hier geben?
Das sind unsere Märchen. Sie wird’s verstehen.
Vor wem hast du Angst?
Natascha?
Ich hab getan, was sie verlangt hat.
Andrjuscha und ich haben die Busse aufgefüllt,
überwiegend mit den Theaterleuten von Stas.
Der Name von Inhas Mutter stand auch auf Nataschas Liste.
Halt mich ruhig für ein Arschloch, Drecksack, Mistkerl und Verräter.
Aber ich lass sicher keinen Bus beschießen.
Das ist selbst für mich zu krass.
Es war ein dummer Zufall.
Eine Ironie des Schicksals. Zwei gleiche Busse.
Einer mit Zivilisten, der andere mit Agenten.
Eigentlich waren die das Ziel.
Was meinst du, warum ich gerade jetzt aus der Ukraine geflohen bin?
Weil ich dir auf die Spur gekommen bin.
Lyd.
Als ob ich Angst davor haben müsste,
dass du dich irgendwie an mir rächen würdest.
Tut mir leid.
Warum dann?
Inha, atme den Rauch nicht ein.
Erinnerst du dich an den Tag, an dem du alle Beweise gegen mich gesammelt
und deine Freundin um ein Treffen gebeten hast?
Nadja?
Ich hab Beweise gegen Dmytro gesammelt. Wir müssen uns treffen.
Gut, wir treffen uns in Kiew, okay? Ist gut. Bis dann.
Was wollte sie denn?
Noch das Gleiche: die Scheidung.
Und die volle Kontrolle über die Stiftung.
Nie. Was für ein Schwachsinn. Lydia will die Stiftung loswerden.
Ich hab ja nicht gemeint, dass sie die Stiftung kriegt.
Du übergibst dann die Kontrolle an mich.
Two, one, blaster.
Machst du das schon lange?
Sagen wir, dass ich dich für den Job empfohlen hab.
Ich wollte dir helfen, Daschas Behandlung zu bezahlen.
Aber du hast nicht aufgehört.
Geld stinkt eben nicht. Oder, Dima?
Scheiße.
Was ist, wenn Lydia oder ich
deinen Bedingungen nicht zustimmen wollen?
Keine Ahnung, was dann passieren kann.
Meine Freundin könnte einen unangenehmen Mitfahrer kriegen.
So was kommt vor, nicht wahr? Könnte ganz schnell gehen.
Oder während du vor dich hinfährst, macht’s peng.
Und eigenartige Leute erschießen dich mit Kalaschnikows.
Ganz zufällig. Hat eben jemand was verwechselt.
So wie bei zwei ähnlichen Bussen.
Ist immerhin schon mal passiert und jetzt wär’s noch einfacher.
Nadja hat doch 'ne Weile in Russland gelebt, oder?
Warum hat Nadja das getan?
Selbsterhaltungstrieb, nehm ich an.
Wie meinst du das?
* Schuss *
* Betrübte Musik *
(Erzählerin) Eines Tages ging die ältere Schwester zum Fluss
und sah am Ufer einen wunderschönen Schneeball-Strauch.
Sie schnitt einen Zweig davon ab und schnitzte daraus eine Flöte.
Natascha wollte, dass ich dir diese CD gebe.
Das sind unsere Märchen.
Sie wird’s verstehen.
* Nachrichtenton *
Bin grad nach Hause gekommen. Deine Sachen sind weg.
Ich hab damit gerechnet, dass du gehst, ich bin nicht beleidigt.
Hast du was rausgefunden, Mama?
Weißt du, wer das getan hat? Ruf mich bitte an.
(Erzählerin) Als sie die Flöte an die Lippen setzte, um zu spielen,
sprach das Instrument plötzlich
mit der Stimme ihrer ermordeten Schwester zu ihr.
Prywit, Lyd. Wie die Leute im Film immer sagen.
Wenn du das hier hörst, bin ich wahrscheinlich tot.
Es tut mir leid, dass ich nicht früher zu dir gekommen bin.
Ich musste bleiben und Beweise sammeln, um sie dir zu geben.
Sie sind auf dieser CD. Ich hab sie unter unseren Märchen versteckt.
Mit ihnen wirst du die Schuldigen finden, insbesondere sie.
Ich weiß, dass du es schaffen wirst. Stimmt’s, Schwesterherz?
Untertitel im Auftrag des ZDF, 2024
Can't find what you're looking for?
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