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Was macht man gegen Angstzustände?
Diese Frage beschäftigt uns gerade wohl alle.
Ich hab ein Auto.
Sie müssen mir nur sagen, wo Sie hinwollen.
Und die Stiftung?
Auf den Konten ist Geld aus Russland.
Er wusste, dass meine Schwester in dem Bus war.
Das scheint kein Zufall zu sein.
Der Bus ist beschossen worden. Er muss verurteilt werden.
Die Gerichte arbeiten nicht.
Früher zu fahren, war Stas' Idee.
Dmytro hat uns geschworen, dass die Passagiere sicher sein würden.
Hat Dima die Evakuierung angekündigt?
Sein Stellvertreter. Andrij?
Wusstest du, dass meine Schwester sterben würde?
Wir wollen viele Menschen retten.
Lydia Solja
Ich bin wirklich sehr glücklich
über die Unterstützung aus der ganzen Welt.
Das gibt uns Hoffnung und das Vertrauen darauf,
dass wir am Ende gewinnen werden.
Nahezu jedes Land dieser Welt leistet humanitäre Hilfe.
Von diesem Lager aus werden Lieferungen verteilt.
Unsere oberste Priorität ist es,
dass das schnell und transparent geschieht.
(Erzählerin) Es war einmal eine sehr arme Frau.
Ihr Haus war leer und sie hatte Hunger.
Halyna, ich bin da.
Ich ruf Sie an, wenn ich sie gefunden hab.
(Erzählerin) Da begegnete sie dem Teufel, der sprach:
Ich mache dich reich.
Aber dafür musst du mir etwas geben, von dem du noch gar nichts weißt.
Die Frau nahm das Angebot an.
Als sie nach Hause kam,
fand sie dort Geld und das leckerste Essen im Überfluss.
Solja!
Danke. Entschuldigen Sie mich. - Danke.
(Erzählerin) Doch bald merkte sie, dass sie nicht allein war.
In ihr wuchs neues Leben.
Hast du warme Strümpfe eingepackt? Mama, der Frühling hat angefangen.
Die Geburtsurkunde ist hier.
Nach dem Frühling ist bald Winter.
Soll das heißen,
dass ich bis zum Winter in Polen festsitze?
Ich bitte deinen Vater, welche zu kaufen.
Wir werden sehen. Ah, na, bitte.
Die Vollmacht ist notariell beglaubigt.
Damit darf sie unbegleitet ausreisen.
Gib mir deinen Rucksack.
Jugendliche werden jetzt auch so rausgelassen.
Nehmt sie trotzdem mit, für alle Fälle.
Mein Mann hat Ihre Nummer bekommen, und Sie haben seine, oder?
Er wartet an der Grenze auf Sie.
Solja.
Versprich mir, dass du da keinen Unsinn anstellst.
Wenn ich wieder da bin, will ich, dass mein Fisch lebt.
Fütter ihn. Okay?
* Beklemmende Musik *
Würden Sie mich da vorne bitte rauslassen?
Dann defende ich alle Ressourcen, die ich gefarmt hab.
Ich farme noch ein bisschen weiter. Was hast du gesagt?
Versteh dich... Hey.
Hier gibt’s keinen Empfang.
Für mich hat sich das wie eine Fremdsprache angehört.
War das Gaming-Slang? Mhm.
Möchtest du was essen? Nein, kann ich mein Handy laden?
Klar, Moment.
Hier.
Sag Bescheid, wenn du auf die Toilette willst oder was essen.
"Auf den ersten Blick wirkst du wie der netteste Mensch der Welt."
Nein, stopp, halt!
"Aber warum hast du mich verlassen?"
Stopp!
Die Geschichte ist von mir. Oh. Großartig.
Darf ich sie lesen?
Ich diktiere. Dann eben hören.
Die ist zu persönlich. Die geb ich keinem.
Hm.
Die Wissenschaft geht davon aus, dass,
wenn Jugendliche sich Geschichten ausdenken...
Fliehen sie vor der Realität. Nennt sich Eskapismus.
Ich wollte eigentlich sagen, dass es gut für
die Entwicklung des kreativen Denkens ist.
Mhm.
Deine Mutter hat erzählt, dass du Spieleentwicklerin werden willst?
Das ist nur Plan B. Ich bin in einem Team.
Beim Computerspielen.
Wir kämpfen gegen andere Teams und machen damit Cash.
Jedenfalls wollen wir irgendwann international mitmischen.
Sind alle in deinem Team in deinem Alter?
Wir sind uns noch nie begegnet.
Weißt du wenigstens, wer sie sind? Hacker, Gamer, Nihilisten.
Meistens Ukrainer.
Einer aus Russland war dabei, aber der hat sich ausgeklinkt.
Dann hat er das Team verlassen? So was in der Art.
Wir haben ihn geshamt, weil er nicht bei den Protesten war.
Können wir jetzt einen Zwischenstopp machen?
Kein Problem. Gut.
Wir kommen bald an einer Tankstelle vorbei.
Ich muss was einkaufen. Ich brauch kein Klo.
Warme Sachen und Thermounterwäsche waren überall ausverkauft.
Da wird angezeigt, dass es gibt nur noch Restbestände in Lutsk.
Liegt auf dem Weg. Fahren wir hin? Äh...
Für meinen Vater. Eine Überraschung.
Wir haben uns nicht gesehen, seit er in Polen arbeitet, ehrenamtlich.
Er verlädt Tag und Nacht Hilfsgüter.
Im Video sieht es aus, als hätte er zehn Kilo abgenommen.
Und er ist ständig in der Kälte. Er friert sicher.
Ich will, dass ihm wieder warm wird. Können wir das machen?
* Telefon klingelt. *
Was gibt’s?
Angeblich bist du viel in der Westukraine unterwegs.
Bist du jetzt auch da? Wer behauptet das?
Unwichtig.
Lydia, ich versuche, Abbitte zu leisten.
Können wir irgendwie eine Lösung finden?
Wo bist du? In Chmelnizkij.
Ah. Ja, verstehe.
Sag mir bitte bloß einfach, wo und wann.
Okay. Wir treffen uns in vier Stunden in Lutsk.
Ja, das klingt gut. Bis dann.
Wartest du kurz im Wagen?
Solja! Ja?
Warte im Wagen.
Vielleicht sollte ich aussteigen. Und Sie unterhalten sich.
Du bleibst hier. Ich brauch einen Cappuccino.
Wollen Sie auch was?
Ähm, nein, danke, aber geh nicht so weit weg. Okay?
Mhm.
Prywit.
Du übernimmst die Verantwortung für ein fremdes Kind? Mutig.
* Nachrichtenton *
Dann hast du die Lehrer und die Schauspieler
in diesen Bus verfrachtet?
Dima wollte das so. - Ist das Andrjuscha?
Er meinte, dass es einen sicheren Korridor geben sollte.
Aber ihrer wurde beschossen.
Was möchtest du? Äh, Cappuccino.
Danach meinte Dima ganz ruhig zu mir:
Verschwinde so schnell es geht aus Luhansk
und halt bloß deine Schnauze, kapiert?
Das ist völliger Schwachsinn.
Ich werd mal mit Andrjuscha sprechen.
Er ist gestern mit seiner Familie ausgereist.
Du bist vorbereitet.
Hast du den Befehl gegeben, den Bus anzugreifen?
Ich war für die Kultur verantwortlich.
Nicht, militärische Befehle zu erteilen.
Die Kultur ist dir schon immer am Arsch vorbeigegangen.
Was haben die Separatisten dir versprochen?
Deine Fantasie geht mit dir durch. Wie ist es dann?
Geht es bloß um Geld?
Ich hab gesehen, wie viel Geld die Stiftung aus Russland kriegt.
Du hast für Kohle Menschen erschießen lassen,
die Russland ein Dorn im Auge waren?
Vielleicht waren manche besonders unerwünscht?
Wie meine Schwester? Weil sie zu viel wusste?
Du spinnst doch. Oder war sie ein zufälliges Opfer?
Was für ein Opfer? Was redest du da?
Sag mir, wie es so weit kommen konnte.
Dann überlegen wir uns, wie wir deine Haftzeit verkürzen können.
Wir nehmen nur Bargeld. Mist.
Ich rate dir, misch dich da nicht ein.
Ich meine es gut mit dir. Nicht, dass es dir leidtut.
Glaubst du, ich hab Angst?
Der Rest ist für Sie. Danke.
* Nachrichtenton *
Sag was.
Verdammt.
Solja!
Was hast du vor?
Guten Tag. Ein Mädchen hat gerade einen Kaffee gekauft.
Haben Sie irgendetwas gehört? Nein, nichts.
Danke.
Halyna, haben Sie Verwandte in Lutsk?
Nein.
Vielleicht hat Solja Freunde hier? Auch nicht.
Dann fahr ich zur Polizei. Nicht nötig. Ich kann sie sehen.
Wo? Auf meinem Handy.
Ich hab ihr einen GPS-Tracker in den Rucksack gelegt.
Läuft sie öfter weg? Nein.
Es ist nur...
Wissen Sie, mein Mann und ich
hatten in letzter Zeit oft Stress mit ihr.
Ich hatte da so eine Vorahnung,
obwohl ich keine Ahnung hab, was mit ihr los ist.
Solja hat ein Armband mit einem USB-Stick verloren.
Da ist eine Audiodatei drauf.
Was für ein Armband? Sieht aus wie so ein medizinisches.
Wie man sie Babys nach der Geburt umbindet.
Da steht eine Telefonnummer drauf.
Oh, mein Gott. Dann hat sie es rausgefunden.
"Hallo. Ich hab dir schon oft geschrieben.
Aber leider antwortest du mir nie.
Vielleicht landen meine Mails ja auch im Spam. Keine Ahnung.
Jedenfalls hab ich beschlossen, dir das persönlich zu sagen.
Okay, ich fang mal von vorne an.
Ich heiße Solomia, ich bin 13."
Folgen Sie bitte diesem Wagen.
"Meine Eltern und meine Freunde nennen mich Solja.
Und im Gaming-Team ist mein Nickname Bloody Soul.
Blutige Seele.
Irgendwie hat es sich so ergeben,
dass alles dieser Geschichte mit Blut angefangen hat."
Papa! Ich bring dich um! Wieso?
Finger weg von meiner E-Mail-Adresse.
Was ist gekommen? Medizinische Befunde.
Ah, die brauch ich für meine Arbeit in Polen.
Schick sie mir auf den Messenger und komm essen.
Mama hat den Tisch gedeckt. Mhm.
Mist, verdammt.
Befunde.
Blutgruppe A, Rhesus positiv.
"13 Jahre lang dachte ich,
ich hätte die normalste Durchschnittsfamilie der Welt.
Mama ist Soldatin, auf der Arbeit und in der Familie.
Papa fährt zum Arbeiten nach Polen.
Wenn er nach Hause kommt, steht er unter Mamas Pantoffel."
(Frau) Solja! Das Essen wird kalt.
Gleich, Mama. Ich nehm mir deine Powerbank.
Mein Akku ist leer.
"Wieso ich sie liebe?
Weil sie ehrlich sind.
Sie sind so einfach gestrickt, dass sie nicht mal lügen können.
Das habe ich jedenfalls gedacht.
Ich hab dir doch erzählt, dass ich gut in der Schule bin, oder?
Der Stolz der ganzen Schule,
eine echte Vorzeigeschülerin, bla, bla, bla.
Logisch, dass für die Entdeckung,
die mein Leben komplett auf den Kopf gestellt hat,
ein Jahr Bio ausgereicht hat.
Achte Klasse, Blutgruppen.
Mama hat AB und Papa A.
Deswegen müsste ihr Kind also A, B, oder AB haben.
Aber auf keinen Fall 0, so wie ich.
Ich musste mir zu hundert Prozent sicher sein.
In meinem Herzen war ich mir sicher, dass es ein Fehler war.
Sie haben mich von klein auf zu Ehrlichkeit erzogen.
Also mussten sie doch auch ehrlich sein."
Vereinbarung über die Unterbringung und Integration von Kindern
in Adoptivfamilien.
Adoptiveltern: Horovenko Volodymyr Ivanovych,
Horovenko Halyna Semenivna.
Entbindungsklinik Oranta in Lutsk.
"13 Jahre lang haben sie mir ins Gesicht gelogen. Aber wieso?
Wieso mussten sie es vor mir geheim halten?"
(Halyna) Wir haben sie als Baby zu uns genommen.
Keine Erinnerungen, keine Vergangenheit.
Deswegen hatten wir Angst, es ihr zu sagen.
Hier ist noch eine Aufnahme.
"An diesem Tag teilte sich mein Leben in ein Davor und ein Danach.
Und es wurde zu meinem wichtigsten Ziel, dich zu finden."
Ich brauche die Daten vom 8. August 2007.
Die Namen der Frauen,
die in der Oranta-Klinik in Lutsk entbunden haben.
Hackst du dich für mich mal in die Datenbank?
Kein Problem, Bloody Soul. Gib mir zehn Minuten.
"Damals war mir nicht klar,
wieso ich unbedingt rausfinden wollte, wer du bist.
Vielleicht war ich nur neugierig.
Oder ich hab unterbewusst schon unser zukünftiges Treffen geplant."
Am 8. August haben da drei Frauen entbunden.
In den Krankenakten waren keine Fotos.
Ich kümmer mich um Fotos. Danke. Alles klar.
"Drei Frauen: meine drei potenziellen biologischen Mütter.
Das Blut half mir auch diesmal dabei,
zwei von ihnen auszuschließen.
Sie hatten Blutgruppe AB.
Nur eine von ihnen konnte ein Kind mit der Blutgruppe 0 haben.
Die, die auch 0 hatte.
Das warst du.
Du bist 34 Jahre alt.
Also hast du mich mit 19 zur Welt gebracht.
Du hast einen Juraabschluss und einen hervorragenden Ruf.
Als Staatsanwältin hast du sensationelle Fälle gewonnen.
Und jetzt setzt du dich für das Wohl deiner Stadt ein.
Im Gegensatz zu den beiden bist du was Besonderes.
Und als ich von dir erfuhr, wurde mir klar, wieso ich anders bin.
Wieso ich so anders bin, als sie es sind."
* Krachen *
Solja! Solja! Solja!
Mein Spatz, alles ist gut. Alles ist gut.
Ganz ruhig.
Hol mich in einer halben Stunde ab, okay?
Zorjana? Die Journalisten warten schon.
Was soll’s, dann besprechen wir unsere Angelegenheiten später.
"Auf den ersten Blick wirkst du wie der netteste Mensch der Welt.
Aber warum hast du mich dann verlassen?
Ich habe mein ganzes Leben auf einen USB-Stick kopiert.
Sieh’s dir an. Ich hab auch schon viel erreicht.
Und, bitte, ruf mich an. Solja."
Und diese Frau, nach der Solja sucht, wissen Sie, wer sie ist?
(Halyna) Ich bin ihr nie begegnet.
Sie hat sie gleich nach der Geburt weggegeben.
Eine Schwester im Waisenhaus hat mir im Vertrauen gesagt,
dass sie ein Mädchen aus einer wohlhabenden Familie war.
Ihr Vater war ein hochrangiger Beamter.
Er hat ihre Zukunft für Jahrzehnte im Voraus geplant.
Mit 19 ein Kind zu kriegen, gehörte nicht dazu.
Den Rest können Sie sich denken.
Nahezu jedes Land dieser Welt leistet humanitäre Hilfe.
Von diesem Lager werden die Lieferungen verteilt.
Die Hilfsgüter werden hier verladen und in die Ukraine gebracht.
Oberste Priorität ist es, dass das so schnell wie möglich
und auch transparent geschieht.
Halyna, ich bin da. Ich ruf Sie an, wenn ich sie gefunden hab.
Danke. Ich warte.
Mit so tatkräftiger Unterstützung aus der ganzen Welt
werden wir das Unheil über unserem Land besiegen.
Ruhm der Ukraine! - Den Helden Ruhm!
Das gibt’s nicht.
Solja!
Danke. Entschuldigen Sie mich. - Danke.
(Durchsage) Achtung, Luftalarm!
Begeben Sie sich in den nächsten Schutzraum!
Achtung, Luftalarm!
Begeben Sie sich in den nächsten Schutzraum!
* Alarm *
Achtung, Luftalarm! Begeben Sie sich in den nächsten Schutzraum!
(Mann) Dann zweigen wir also nur jedes zehnte ab,
um es zu verkaufen, richtig?
Plusminus, nicht mehr.
Hm. Sie sorgen aber dafür, dass jeder Bescheid weiß,
den es irgendwie betrifft, ja?
Damit es keine Probleme gibt.
Sie wissen schon, wir haben Krieg, und in den Regalen der Geschäfte
tauchen plötzlich humanitäre Hilfsgüter auf.
Darum kümmere ich mich schon.
Keine Sorge, Wladik. Hm? - Ich dachte ja nur.
Man kann ja nie so dumm denken, wie’s dann kommt. Hm?
Wladik, der Krieg wird das verschleiern.
* Nachrichtenton *
Mach deinen Job.
(Durchsage) Achtung! Ende des Luftalarms.
Achtung! Ende des Luftalarms.
Achtung! Ende des Luftalarms.
(Erzählerin) Als die Frau erkannte, dass sie ihr ungeborenes Kind
für ein bisschen Reichtum an den Teufel verkauft hatte,
weinte sie bitterlich.
Und ihr Leib und ihre Seele blieben leer für alle Zeiten.
Willst du ihr nachgehen?
Haben Sie sie gehört?
Ja.
Sie ist nicht so, wie du sie dir vorgestellt hast, oder?
Es tut weh, von Menschen enttäuscht zu werden.
In zwanzig Jahren wär’s aber noch schlimmer. Glaub mir.
Fahren Sie mit mir zu diesem Laden?
Ich möchte die Thermounterwäsche für meinen Vater kaufen.
* Handy vibriert. *
Das ist Mama. Geh ran.
Hallo? Solja.
Spätzchen, bitte, verzeih mir.
Ähm, weißt du,
die, äh, warmen Strümpfe, die kann ich mit Papa kaufen.
Aber Piroggen könntest du uns schicken.
Ich hab dich so lieb. Nadja, hallo.
Kannst du sprechen?
Im Moment passt es nicht so gut. Fass dich kurz.
Ich hab Beweise gegen Dmytro gesammelt. Wir müssen uns treffen.
Einverstanden. Gut, wir treffen uns in Kiew, okay?
Ist gut. Bis dann.
Was wollte sie denn?
Untertitel im Auftrag des ZDF, 2024
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