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(hoffnungsvolle Musik)
(spielerisch bewegte Musik)
Amelie - Heldin des Films
Sarah - Amelies Mutter Lukas - Amelies Vater
Bart - Junge aus Tirol
Pit und Matthias - Therapeuten Dr. Murtsakis - Ärztin
(ruhiger Gesang ohne Worte)
(Schritte)
(Sie atmet tief ein.)
(dynamische Popmusik)
Voilà! Soll ich dir helfen?
Lass mal, Papa. Ich kann das. - Alles klar. Bis bald dann.
Hey, Amelie! Auf deiner Unterwäsche sind sicher noch Ponys drauf.
Hey, perverse Pimmelflöte. Sind Minderjährige anwesend.
Dich eingeschlossen. (Die Jungs lachen.)
Bitch! Was gibt's da zu lachen?
(dynamische Popmusik)
(Sie atmet schwer.)
(Eine Tür fällt zu.)
Hey, Amelie! Na, alles klar? - Mhm.
(dynamische Popmusik)
(Die Musik bricht ab.)
(Amelie stöhnt genervt.)
(Handy-Melodie)
Hey, Schatz. Bist du angekommen?
Mama, die Wäsche ist schon wieder in meinem Zimmer. - Shit!
Wie oft soll ich noch sagen: Mein Zimmer ist keine Wäschekammer.
Ich komm nicht mal durch die Tür. - Natürlich nicht.
Aber wenn du bei Papa bist... - Deswegen bin ich bei Papa?
Damit du die Wäsche trocknen kannst?
(Türklingeln) - Es tut mir leid...
Klar!
(Sarah) Ich... (Besetzt-Zeichen)
Nerv nicht. - Aber...
Das ist nicht illegal. Niemand wird sterben. - Aber...
Amelie, erklär's ihr. Sie macht sich in die Hose.
(Kuss-Geräusche)
Salü.
(Amelie) Wir machen's im Wohnzimmer. Da ist Platz.
Von meiner Großmutter. - Wow!
Ist echt alt. (Amelie hustet.)
(Nele) Das staubt ja voll. - Das ist so bei alten Sachen.
(Nele) Und... kommen dann echt Geister?
Und reden die... oder was?
(Viola) Nein, die schieben das Glas. Darum Gläserrücken.
Das brauchen wir nicht. Anleitungen sind für Amateure.
(Viola) Ist was?
Nee. (Sie räuspert sich.)
Was soll sein?
(unheimliche Musik) Konzentration jetzt.
Sonst geht gar nichts.
(Sie atmet schwer.)
(Sie atmet laut aus.)
(leises Wispern)
Ich hab Angst.
(Sie atmet schwer.) (Viola) Erscheine, erscheine!
Schiss?
Ich hab Schiss! - Nein!
Scheiße!
Feuer! - Keine Panik! Ich hole Wasser!
(Klirren)
(Amelie atmet schwer.)
(bedrohliche Klänge)
(entfernt) Nele? Brennt's noch?
(lautes Atmen, dumpfes Pochen)
(Sie atmet schwer.)
(Sie atmet pfeifend.)
(Viola, entfernt) Hast du das gesehen?
(Nele, deutlich) Amelie?
Was ist mit ihr? Meinst du, sie ist besessen?
Wir haben doch noch gar nicht angefangen.
Da stimmt irgendetwas nicht.
(Handy-Signal)
Geh du ran! - Nee, du! - Nee, du!
(Sarah) Hey, Schatz. Ich hab 'ne Lasagne in den Ofen gestellt.
Amelie, hörst du mich? (Sie atmet röchelnd.)
Sie liegt. - Wer... wer ist da?
Viola.
Viola, kriegt sie keine Luft mehr? - (zögernd) Ja.
(aufgeregt) Okay... Sie hat 'nen Anfall. Keine Panik.
Ruf den Notarzt. Nicht auflegen. Geh zum Kühlschrank.
Ruf den Krankenwagen! - 1-1-2?
Ja, verdammt!
Neben den Eiern steht der Notfallsaft.
Amelie weiß, wie das geht.
Salü, wir haben einen Notfall! Wir wollten nur...
Hier ist dein Saft! Sie will nicht, sie will nicht!
Scheiße. Amelie, nimm den Saft!
(Nele) Jetzt atmet sie so komisch und nimmt den Saft nicht.
Nele, N-e-I-e. - (Viola) Er geht nicht auf.
(Nele) Keine Ahnung... Na, bei Amelie halt.
Weiß ich... weiß ich nicht... - Scheiße, geh auf!
(Nele, entfernt) Keine Ahnung.
(Nele) 228... 238, nein!
(Nele) Ich weiß nicht. Ich hab doch ein Handy.
Da finden sie uns doch.
Scheiße, dem Tod ist es egal, ob du stur bist!
Write a book.
(Das Gerät piept regelmäßig.)
(Arzt) Die Verengung der Bronchien ist gravierend. Es ist ernst.
Zeit, dass sie Maßnahmen ergreift. Sonst geht es abwärts.
Amelie hasst ihre Krankheit.
Sie ignoriert sie einfach.
Wie sie alles ignoriert, was ihr nicht passt.
Ich versteh das ja.
Aber das ist jetzt nicht mehr nur Amelies Entscheidung.
(ruhige Musik)
(lang gezogen) Okay.
Na, so kriegst du uns wenigstens alle mal wieder zusammen.
Ja, mega.
(Hupen)
Was? - Nix.
Als du im Krankenhaus warst, haben Nele und Viola nach dir gefragt.
Die mögen mich nicht, die haben Mitleid.
Amelie... - Triff du dich doch mit denen.
Mhm, ist doch 'ne super Idee.
Was? - Du stehst doch auf esoterisches Zeug.
Dann kriegst du doch noch das Rezept von Omas Torte.
Oma Helga, wenn du mich hören kannst, gib mir ein Zeichen!
(Lukas lacht, Amelie hustet.)
(Sarah) Warum sagst du so was? - Was?
Das mit Oma Helga, der Torte und dem Eso-Zeug.
(Lukas) Ich wollte... - Du fällst mir in den Rücken.
Ich bin dann der Trottel.
Das Leben ist schwer genug. Können wir nicht etwas Spaß haben?
Nee, klar. Ist ja alles ein Riesenspaß hier.
Die Aktion ist ein Mordsgaudi:
Drei Monate Lungenklinik, haha! - Du übertreibst.
(lautes Hupen)
Fährt 'ne Familie im neuen Auto. Sitzt ein Kaninchen auf der Straße.
Fragt der Vater: "Bremsen oder weiterfahren?"
Schreien die Kinder: "Weiterfahren!"
Blut spritzt. (Sie macht Comic-Geräusche.)
Gedärme fliegen. Die Familie lacht.
Steht ein Reh auf der Straße.
Fragt der Vater: "Bremsen oder weiterfahren?"
Schreien die Kinder: "Weiterfahren!"
Blut spritzt. (Comic-Geräusche)
Gedärme fliegen. Die Familie lacht.
Steht ein Elefant auf der Straße.
Fragt der Vater: "Bremsen oder weiterfahren?"
"Weiterfahren, weiterfahren!"
Blut spritzt. (Comic-Geräusche)
Gedärme fliegen. Der Elefant lacht.
(Er räuspert sich.) Schau mal, wie schön es hier ist.
Hm, diese Berge...
Write a book.
(Rockmusik aus dem Kopfhörer)
(Handy-Signal)
Sehr witzig, Papa.
Na, komm schon. Ich weiß, dass du da bist.
Was? - Was hast du eigentlich gegen Berge?
Berge sind scheiße.
Okay, so genau wollte ich's nicht wissen.
Ich würd gern nach Hause.
Okay. Ich frag mal deine Mutter.
Sorry, sieht nicht so gut aus.
Warum muss ausgerechnet ich dieses Scheiß-Asthma haben?
Mir fallen 20 Leute ein, zu denen es besser passen würde.
Manches kann man sich nicht aussuchen im Leben.
Aufgelegt.
(ruhige Musik)
(Sarah räuspert sich.)
(ruhiger Gesang ohne Worte)
Na, das sieht doch ganz schön aus. - Find ich auch.
Was sagst du?
Amelie? - Das hat sie von dir.
(Sarah, entfernt) Amelie?
Amelie!
Das ist nicht in Ordnung!
(Sie atmet schwer.) (Lukas) Amelie!
Was soll das denn jetzt?
Na komm, das ist doch Quatsch. Amelie!
(hoffnungsvolle Musik)
(Kühe muhen, Kuhglocken läuten.)
(Sarah, entfernt) Du sturer Hund!
(Die Ärztin atmet tief ein.)
Wo ist denn... Amelie?
Sie kommt gleich.
Ha...
(Amelie japst. Eine Kuh muht.)
(Eine andere Kuh muht.)
(Muhen)
(sanfte Musik)
Durch gewisse Stellungen erleichtert man das Atmen.
(Pit) Sehr schön, und die Torwart-Stellung.
Kutschersitz, Torwart-Stellung muss man üben.
Kutschersitz. Hier geht's ja ab. (Sarah stöhnt genervt.)
(Pit) Sehr gut, und wieder setzen.
Ausatmen lernen. Lippenbremse. - Schön.
Die meisten Kinder kommen auch früher.
Ich weiß.
Na, du. Auch eingesperrt?
(spannungsvolle Musik)
(Beide atmen geräuschvoll.)
Noch 24 Sekunden.
(erstickter Laut)
Und so geht's Amelie immer. (Beide japsen laut.)
(japsend) Aber... Amelie hat ja da auch schon Übung drin, ne?
Will Amelie mitmachen? - (beide) Auf jeden Fall.
(Muhen)
(Computertasten klappern.)
(rhythmische Musik aus dem Kopfhörer)
(Muhen)
(lautes Muhen)
(Läuten, Bart jubelt.)
(rhythmische Popmusik)
Yeah!
Wenn du mich nicht verrätst, kriegst du 'nen doppelten Burger.
(Bart spricht im Tiroler Dialekt:)
Nelly, was ist mit deiner Hax? Geht's besser?
Bald wieder ganz.
(Die Musik bricht ab.)
(Beide schreien auf. Die Kühe brüllen.)
Hey... hey...
Alles gut. Ruhig, ruhig, alles wird gut.
(Muhen) Ruhig, alles wird gut.
(Bart) Sch...
(mehrere Pieptöne)
(Er spricht italienisch.) - Was?
Stupida turista.
Was machst du hier?
(in Hochdeutsch) Ich bin der Herden-Manager.
(im Dialekt) Du Transuse.
Haben sie dein Hirn amputiert? - Sei still!
Wenn du nicht aufhörst, kriegst du was hinter die Löffel.
Minus-Mensch. - Toagoff.
Arschkeks. - Bierdekina.
Fischfresse. - Zwerg.
Spaghetti-Kopf.
(Lukas) Ah, hier bist du.
(Muhen)
Willst du uns nicht vorstellen? - Lass mal, Papa.
Schönes Leben, Herden-Manager. - Schleich dich, Muhackl.
Ja, genau. Schleich dich.
(Vögel zwitschern.)
(Klappern)
Mach dir mal keine Sorgen. Das ist unsere Tochter.
(bitter lachend) Ja. Eben.
(Handy-Signal) Nicht erschrecken.
Ich bin's nur, die Steffi.
(Steffi schnauft erleichtert.)
Waffeln?
Wir sind die nächsten zwölf Wochen Freundinnen.
Wir machen jeden Tag Sport. Durfte ich früher nie. Immer befreit.
Ja, und das ist meine Katze, Moorle.
Süß. - Ja, ich hab sie geschoren.
Bist du auch auf Katzenspucke allergisch?
Sind nicht die Haare, ist die Spucke.
Ohne die Leckerei könnte ich gut mit Katzen.
Steffi? - Ja?
Ich bin nicht deine Freundin. - Oh.
(Eine Maschine beginnt zu surren.)
So, die Nasenklammer bitte noch.
Keine Angst. - Vor Ihnen oder der Maschine?
(Die Kinder lachen.)
(Die Maschine piept.) Und atmen.
(geräuschvolles Atmen)
Du bist die Erste, die die Symptome bemerkt und reagieren kann.
Und so sehen deine Bronchien aus.
Mehr Schleim als Raum.
Und das hier passiert, wenn du einen Anfall hast.
Im schlimmsten Fall... geht gar nichts.
(Ploppen)
Wenn du weiter so tust, als hättest du deine Krankheit nicht,
kann es sein, dass du beim nächsten Anfall stirbst.
Dann bin ich wenigstens nicht mehr krank. - Bitte?
Erhöhen Sie doch bitte einfach meine Notfallspray-Dosis.
Amelie, ich weiß, dass ich hier gegen eine Wand rede,
aber nur du selber kannst dich jetzt retten.
Du musst mitmachen. Es ist ganz einfach.
(starkes Rauschen)
Hey, wir müssen hier sitzen. - Sitzen macht fett.
Na, wohin? - Zigaretten holen für Steffi.
Das stimmt gar nicht! Ich rauch nicht!
Back dir 'n Eis.
Strick dir 'n Steak. Kauf dir 'nen Keks.
Heißt: Lass mich in Ruhe. - Danke fürs Übersetzen.
Du kannst nicht einfach loslaufen.
Ich bin ein freier Mensch. - Ein kranker Mensch.
Ist ein kranker Mensch nicht frei? - Darum geht's nicht.
Doch, genau darum geht's.
Sag wenigstens Bescheid, wenn du gehst. - Ist okay.
Weiteratmen.
Schön weiteratmen, ja...
Im Rhythmus des Wassers fließen lassen,
den Atem kommen lassen und gehen lassen...
(leises Knacken)
Rauchen gefährdet die Gesundheit.
(Handy-Signal) (Amelie) Yes!
Tal der Ahnungslosen.
Wir leben hier zwar hinterm Berg, aber nicht hinterm Mond.
Wusstest du, das jeder Zehnte Asthma hat?
Das musst du dir mal vorstellen. - Zehn? - Ja.
Zähl mal deine Freunde durch und frag den Zehnten.
Ich hab aber nur neun.
Cooles Shirt. Früher stand ich auch total auf Vampire.
Ich bin umgestiegen auf Superhelden. Zieht einen nicht so runter.
Ich verlieb mich mal in 'nen Vampir. Die sind cool.
Nicht erschrecken. Ich bin's nur, die Steffi.
Weißt du, dass morgen Sport ist?
Sehr wichtig! Wir müssen wieder richtig atmen.
(Sie stöhnt genervt.)
Wenn du was brauchst, kommst du zu mir, ja?
Immer? - Immer.
Wenn Mitbewohner nerven? - Auch wenn Vampire kommen.
Das will ich doch. - Also, dann natürlich nicht.
Vampire?
(Steffi) Was denn für Vampire? - (Amelie) Das merkst du dann schon.
(heitere Musik)
(Pit) Sehr gut in der Zeit, Freunde. Sehr gut.
(Amelie hustet.)
(Pit, atemlos) Na komm, Amelie.
Ihr spinnt ja, habt 'ne Macke! Ihr könnt mich nicht immer schonen
und jetzt zum Sport zwingen.
Spar dir deine Luft, Amelie. Komm.
(Jungen rufen im Hintergrund.)
Hau ihn her! - Flanke, Flanke!
(Bart) Jawoll! Grandissimo!
(Die Jungs lachen.)
(Aufschrei und Lachen) Kopfball!
Nice one! (Die Jungs lachen.)
(in Hochdeutsch) Hey, schieß mal den Ball rüber!
(im Dialekt) Eingeschnappt?
Nein, die ist ein Asthmakrüppel. Die braucht einen Rollstuhl.
(Die Jungs lachen.)
(Junge, im Dialekt) Du musst wohl...
Warum schießt du den Ball nicht zurück?
Ich bin sehr, sehr krank.
Und sehr, sehr schwach. Wusstest du das nicht?
(ruhiger Gesang ohne Worte)
(Die Jungs schreien auf.)
Das war für den "Asthmakrüppel". - Muhackl!
(ruhiger Gesang ohne Worte)
(geräuschvolles Atmen)
(Steffi schnarcht leise.)
(Schnarchen)
(Schnarchen)
(Amelie stöhnt genervt.)
(Die Tür quietscht.) (Dr. Murtsakis, entfernt) Wer fängt an?
(Matthias antwortet unverständlich.)
(Dr. Murtsakis) Die Sauerstoffsättigung?
(Matthias) Alle okay.
Bei Stella sollten wir über die Medikation nachdenken.
(Dr. Murtsakis) Gut, schau ich mir nachher an.
Dann sind wir mit Stella durch.
Next!
Amelie.
Sie hat die schlechteste Prognose.
(Pit) Sie ist widerspenstig, nimmt die Krankheit nicht an,
lässt sich nicht auf die anderen ein, echt 'ne harte Nuss.
Sie will nicht schwach sein. Ich versteh das.
(Pit) Die wird sich nicht öffnen.
Von 'ner harten Nuss nicht zu erwarten, oder?
Du wirst sie schon knacken.
(Matthias) Ich schau, was ich machen kann.
Gut. Next. Peter...
Wie war denn da der Allergie-Test? - Top. - Das ist gut.
(ruhige spannungsvolle Klavier-Musik)
(leises Schnarchen)
(Schurren und Krachen)
Na, Zucker-Schnütchen. (säuselnd) Hallo...
(lachend) Ich hab alles im Griff.
Ja... Du, die tanzen einfach alle nach meiner Pfeife.
Ja... Nee, ist klar.
Und bei dir?
(Sie hustet unterdrückt.)
Du, wart mal schnell. Da war was.
Nee, war nichts.
Das war nur wieder mein Herz, das so heftig für dich schlägt...
Du, wir beide neulich, das war ja Bombe.
Das war also so was von...
(spannungsvolle Musik)
(Amelie) Ihr könnt mich mal! Leckt euch doch selber!
(Aufschrei)
Oh shit, ist es dunkel hier.
(Eine Tür quietscht.)
(spannungsvolle Musik)
(Die Musik klingt aus.)
(Regen prasselt leise.)
(Ein Vogel ruft.)
(ruhige Klavier-Musik)
(Ein Vogel zwitschert laut.)
(Zwitschern)
(Zwitschern) (Matthias) Amelie!
Amelie! - (Pit) Die ist da nicht lang.
So schwach wie sie ist, geht sie doch nie den Berg hoch.
(Dr. Murtsakis) Nee, zum Bahnhof oder zur Straße. Kommt!
Amelie! - (Matthias) Amelie!
(heitere Musik)
Ich schaff das. Ihr habt keine Ahnung!
100 Schritte. Eins, zwei...
drei, vier, fünf, sechs...
41... 42...
43...
(schwer atmend) 55...
56...
57...
58...
(Aufprall auf den Boden. Sie atmet schwer.)
Scheiße.
(Krähen schreien.)
(heitere Musik) Eins... zwei...
91...
92...
93...
(atemlos) 96...
97...
(Jemand pfeift eine Melodie.)
(Bart räuspert sich.)
Grüß dich. - Ja, grüß dich...
(verärgert) "Grüß dich."
(Sarah) Nicht finden? - Frau Dohmjan...
Es ist Ihre verdammte Aufgabe zu wissen, wo meine Tochter ist!
Sie haben recht.
Aber Sie müssen zugeben, Ihre Tochter...
Meine Tochter ist was? Bitte... Wenn ich rausfinde,
dass Sie schuld an ihrem Verschwinden sind,
gnade Ihnen Gott! Himmel, Arsch und Zwirn!
Scheiße!
(Wasser rauscht.)
Frau Dohmjan? - Scheiße, Scheiße, Scheiße, Scheiße!
(Bremsen quietschen.)
Frühstück? - Amelie ist weg. Steig ein!
Jetzt sofort!
(Lukas) Warte! Warte!
(Vögel zwitschern. Sie atmet tief.)
(leises Sirren)
(Vögel zwitschern.)
(ruhiger Gesang ohne Worte)
(Sie schreit freudig auf.)
Guck mal, was ich für dich hab.
(lautes Summen)
Komm. Jetzt runter.
Los. Tschüs. (Das Eichhörnchen keckert.)
(ruhige Gitarren-Musik)
(leise bedrohliche Klänge)
(Sie atmet pfeifend.)
Hey! Soll ich dir helfen? - Hör auf, mich zu stalken.
Was machst du hier? - Geht dich nichts an!
Geh melken!
(Schritte kommen näher.)
Der Platz ist besetzt. - Von wem? Deiner guten Laune?
Ja, genau!
Willst du was?
Bist du abgehauen? - Ich hab Freigang.
Hab ich mir gedacht.
Ciao, Muhackl. Viel Spaß beim Freigang.
Pfiat di! - (Bart lachend) Pfiat di!
(Papier raschelt.)
(entfernte Polizei-Sirenen)
(Handy-Signal) Berge.
Hey! Nicht da entlanglaufen!
(leise spannungsvolle Musik)
(lautes Rauschen)
(Bart) Warte mal!
Jetzt... (Bart stöhnt genervt.)
Hey, was machst du denn da?
Bist du lebensmüde? - Wieso? Gibt's hier Haie?
(Sie schreit auf.)
(Sie schreit laut.)
(dumpfes Blubbern und Aufschrei)
Scheiße, mein Handy! - Dein Handy?
Sei froh, dass du noch lebst!
Scheiße!
(ruhige Musik)
Guck nicht.
Du kannst einfach nur Danke sagen.
Danke.
Wenn du so schwer als Bauer arbeitest, warum bist du dann hier?
Weil ich oben war, helfen. - Helfen?
Für das Feuer. - Welches Feuer?
Du kennst dich hier gar nicht aus, was? - Write a book.
Was machst du da? - Willst du mir beim Pinkeln helfen?
Mit dem Feuer feiern wir unsere Freiheit.
Klingt extrem langweilig.
Da oben geschehen Wunder.
Ja, klar.
Mein Vater hat gesagt, jedes Licht vertreibt die bösen Geister.
Und da ist überall Licht, auf jedem Berg.
Man ist unverwundbar, wenn man über das Feuer springt.
Komm, ich bin schon spät dran. Lass die Schuhe aus wegen der Blasen.
Man kann sich alles wünschen? - Beim Feuer?
Na ja, mehr was mit Fruchtbarkeit und Gesundheit.
Gut.
Dann geh ich da jetzt rauf. - Was?
Nein. Ich bring dich jetzt zurück.
Ich hab die Krankheit, seit ich denken kann.
Viermal bin ich fast verreckt. Aber so richtig.
Fünfmal war ich über zwei Monate im Krankenhaus.
Das ist fast ein Lebensjahr, was mir gestohlen wurde.
Da sind die kleinen Notaufnahmen nicht mitgezählt. Es kotzt mich an!
Ich geh da rauf zu deinem Wunderfeuer. Ich hab nichts zu verlieren.
Merda!
(dynamische Gitarren-Musik)
(Sie atmet angestrengt.)
Heute schaffst du es nicht mehr. Der Weg fängt unten an.
Meinst du, wenn ich jetzt runtergeh, schaff ich's noch mal hoch?
Nein. - Ja, eben.
Besser Blasen als blutig.
(im Dialekt) Das ist eine richtige Figuratscha mit dir.
Hey, nicht so schnell!
Vier...
fünf...
sechs... sieben...
(atemlos) 97...
98...
(Sie atmet schwer.)
Hey!
(Quietschen und Scheppern)
Toll.
(Quietschen und Scheppern)
(leise spannungsvolle Musik)
(Die Eule kreischt. Amelie schreit auf.)
(Gurren)
(Das Telefon klingelt.)
(Klingeln)
(Hias und Bart sprechen im Dialekt:)
Hallo? - Hoi Hias, du musst die Kühe melken.
Alle? - Ja, mach das.
Die 403, schau, was Alma gibt. Susi setzt du 15% hoch.
Biene und die Gerda wie Alma. Sicher das!
Vergiss die Kleinen nicht. Nelly hat einen Knackfuß.
Frag Onkel Franz, ob er sie morgen mit hochbringt.
Du packst das schon. Pfiat di.
(Computer-Signal) So.
Jetzt bin ich der Herden-Manager.
(Die Maschine zischt und rattert.)
(Die Kühe muhen aufgeregt.)
Ist das 'ne Abkürzung zum Feuer?
Lass das!
Glaubst du, weil ich ein Mädchen bin, trau ich mich nicht hoch?
Eine Stufe nach der anderen, Amelie.
Super.
(Sie atmet schwer.) Hallo.
Willst du jemanden anrufen, wenn du schon oben bist?
Ja, klar. Lass uns 'ne Pizza bestellen.
Hm...
Spinnst du?
Wenn ich jetzt anrufe, holen sie mich. Dann wird's nichts mit dem Feuer.
Siehst du! Da bin ich. - Ja, hoch ist nicht das Problem.
Wie meinst du das? - Das, was ich sage.
Shit!
Und? Geht sie ran?
Ah, Frederike. Ja. Gut, dass ich dich noch erreiche.
Äh, pass auf: Der Print heißt nicht "Borstenschwein",
sondern "Borstentier". Ja.
Schweine sind zwar saubere Tiere,
aber der Stadtreinigung als Aufdruck nicht sauber genug.
Ja, das ist saublöd. Genau.
Okay, dann machen wir das so. Super.
Okay, bis dann. Tschüs.
Ernsthaft? - Das war wichtig.
"Borstentier", das ist dein Problem? - Sarah!
Wir haben angerufen Sie hat 40 Nachrichten.
Das macht gerade keinen Sinn.
Machst du dir denn keine Sorgen? - Doch!
Amelie wird schon wissen, was sie tut.
(Die Sprossen knarren.)
(Aufschrei) Jetzt komm schon, du Schisser.
Scheiße, Pisse, Kacke! - Komm!
Mann!
Intelligent wie ein Gurke. - Hätte auch von mir sein können.
Wenn du hoch willst, gehen wir hoch. Sonst runter.
Hauptsache, wir gehen. - Meine Rede!
(dynamische Gitarren-Musik)
50... 49...
48... 47...
46... 45...
(Er keucht theatralisch.)
Ähm... sieht 'n bisschen bescheuert aus.
72...
361... - 73...
412...
413...
(dynamische Gitarren-Musik)
Pass auf, dass du da nicht hinlangst. Da ist Strom drauf... Starkstrom!
(Sie schreit auf.)
(leise spannungsvolle Musik)
Hey! Hey! Hey, du!
Bitte sag was! Bitte!
Hey! Hey! Bitte sag was!
(Er keucht.) Fuck!
Komm schon. Bitte sag was! Komm schon.
Komm schon!
(Er holt tief Luft.) Boah, spinnst du?
Ich weiß, dass das nur Kitzelschläge sind.
(im Dialekt) Mach so was nie wieder! Nicht mit mir!
(Er schnauft wütend.)
Das war doch nur ein Spaß. - Write a book!
Das eben war doof, okay?
Trink lieber was.
(Leises Klacken, etwas fällt auf den Boden.)
(Klacken)
(sanfte Musik)
Pah! - Zählt nicht. - Ja
Ja! Das war meiner! (Sie summt triumphierend.)
(Amelie schnauft.)
(Sie ächzt.) Sehr aufmerksam!
(entferntes Donnergrollen)
(Wind braust.) Fanculo!
Fanculo, fanculo...
(Wind braust. Es donnert.)
Der Spaß ist vorbei. Wir gehen runter.
Cool! Ich liebe Gewitter.
Du bist echt gefährlich. - So wie das Leben.
Dir ist deins egal. Aber ich lebe gern.
Dann hau doch ab! Hopp hopp, bevor die Milch sauer wird.
(im Dialekt) Wenn du jetzt nicht hörst! - Lass mich!
Ich lass dich hier nicht allein. - Warum nicht?
Ich bleibe!
Du bist echt nicht zu retten. (Der Wind pfeift.)
(im Dialekt) Angst wirst du haben. Und kalt wird dir werden.
(entferntes Donnergrollen)
Stopp, stopp!
Kommen Sie! Kommen Sie!
Habt ihr sie gefunden? - Schnell! - Was ist passiert?
(Matthias) Lisa schreit nachts. (Die Tür geht auf.)
Sie sind da! Ich hab sie gebracht.
Steffi... das ist aber lieb von dir! (Steffi japst.)
Kümmer dich wieder um deine Übungen.
Genau, meine Übungen. - Deine Übungen, genau.
Ja...
Das ist ein schnelles Wiedersehen. - Wo ist meine Tochter?
Wie kann sie verschwinden? - Es ist ja kein Gefängnis hier.
Wir warten im Moment auf Nachrichten von den Carabinieri und der Polizei.
Die Gegend wird abgesucht. Alle Wege, Wiesen...
Bitte, setzen Sie sich!
Lassen Sie uns nachdenken.
Wo könnte Ihre Tochter hinwollen?
Was trauen Sie Amelie zu? - Sie wird nach Hause wollen.
Ja.
Aber wie, ohne Geld?
Comandante, kontrollieren Sie Autobahn-Auffahrten und Raststätten!
Komm!
Ja, es ist möglich. Ja.
Vielleicht fährt sie per Anhalter.
(entferntes Donnergrollen)
(im Dialekt) Gehen wir! - Nein.
(Donnern)
Der Blitz sucht dich.
(Donnern)
Was meinst du damit? - Das, was ich sage.
Dein Kopf ist höher als der Baum da.
Ja, dein Kopf ist immer noch höher als meiner.
(elektrisches Zischen)
Na, hast du jetzt Angst? - Nein.
Eins, zwei... (lauter Donnerschlag)
Gibst auf? - Ich denk nicht dran!
(Krachen, Amelie schreit auf.)
Komm! - Nein, nein, nein!
Scheiße, hatte ich Angst.
Hast du zugegeben, dass du Angst hattest?
Wenn du's verrätst, bring ich dich um.
Du bist das sturste Wesen, das ich je gesehen habe.
Meinst wohl, das mutigste.
Du hast solche Angst, dass du immerzu rennst.
Ich renne nie. - Doch.
Innen drinnen rennst du die ganze Zeit.
Na und?
Du rennst doch genauso. Du läufst mir immer hinterher.
Scheint nicht die Liebe auf den ersten Blick zu sein.
(Donnern)
Also?
Hast du schon mal Kühe schreien hören?
Wenn die nicht gemolken werden, die brüllen nicht...
die schreien, solche Schmerzen haben die.
Deswegen hast du Angst, wenn jemand wie tot daliegt?
(Donnern) Er lag auf dem Boden.
So wie du.
Ich hab nichts gemacht.
Ich konnte nicht.
Ich hab nur dagestanden.
Herzinfarkt.
Mein Vater hat einfach nur dagelegen.
Dann kam meine Mutter und hat geschrien.
Ich habe geschworen: Ich werde nie wieder nur dastehen, verstehst du?
(im Dialekt) Ich bin jetzt der Mann.
Du bist der Herden-Manager.
Ja.
Das bist du.
(Vögel zwitschern.)
Hier. Hilf mir mal!
Was soll das schon wieder werden? - Wir bleiben hier.
Hm? - Nachts läuft man nicht hier rum.
Ach ja? - Mhm.
Ich geh da hoch jetzt.
(Amelie stöhnt genervt.)
Der Herden-Manager weiß immer, wo's langgeht.
Und der sagt: Stopp! - Ich bin aber keine Kuh.
Oh... (Platschen, er schreit auf.)
(Amelie lacht.) Oh Gott!
(Beide lachen.)
(heitere Musik)
(Sie seufzt.) So...
Fertig.
(Sie seufzt.)
(Bart heult wie ein Wolf. Sie stöhnt genervt.)
(Er heult. Die Berge werfen ein Echo zurück.)
(lang gezogenes Heulen und Echo)
(lang gezogenes Heulen und Echo)
Das schützt, so weit die Stimme reicht.
Ich hab mich fast zu Tode erschrocken wegen dem Quatsch.
Du hast keine Ahnung und keinen Respekt.
(Ein Käuzchen ruft. Etwas flattert.)
Hier kann uns nichts passieren, oder? - Schaden tut's auf keinen Fall.
(Grillen zirpen. Ein Uhu ruft.)
Wie heißt du eigentlich? - Bart.
Kommt von Bartholomäus. (Sie grunzt belustigt.)
Ich lache auch nicht über deinen Namen. - Sei nicht so empfindlich.
Ich heiße Bart wie der von den Simpsons, verstehst du?
Ja. Oder wie das, was du noch nicht im Gesicht hast.
Witzig.
Warum fragst du nicht, wie ich heiße? - Ich weiß doch, wie du heißt.
Wie denn?
Muhackl. - Blödmann.
Endlich mal ein Schimpfwort, das ich verstehe.
Und wie heißt du, Muhackl?
Passt schon.
Mein Onkel ist mal von 'ner Lawine verschluckt worden.
Er konnte sich überhaupt nicht bewegen. Wie eine Mumie.
Dann hat er angefangen, mit dem Mund den Schnee wegzuessen,
damit er atmen kann.
Aber gegen die Massen hatte er keine Chance.
(zarte, geheimnisvolle Musik)
Dann hat er aufgegeben.
Und dann... hat er so Farben gesehen.
Ganz viele.
Er wär am liebsten für immer dageblieben...
unter dem Schnee.
Er sagt, drüben ist es schön.
Das Sterben ist vielleicht scheiße,
aber drüben...
Drüben gibt es... - Farben.
Da gibt's Farben, die gibt's gar nicht.
(zarte, geheimnisvolle Musik)
Entschuldigung. - Passt schon.
(Zirpen und entfernte Vogelrufe)
(Verschiedene Vögel rufen.)
(angestrengtes Pusten)
(Die Windmühlen rattern.)
(Sarah) Amelie, mein Schatz, mach mit!
Es ist ganz leicht. - Du musst einfach nur pusten.
(Lukas) Einfach nur pusten! (Sarah lacht gekünstelt.)
(Das Lachen wird höhnisch.)
(Sarah, entfernt) Liebes, mach mit! Es ist ganz leicht.
(Sie schreit lang gezogen und schrill.)
(anschwellendes Brausen)
(Das Brausen geht in ein Hallen über.)
(Sarah, entfernt) Es ist nur Wäsche.
(Amelie) Mein Zimmer ist keine Wäschekammer!
Deswegen bin ich drei Tage die Woche bei Papa?
(Die Stimmen verhallen, Zischen.)
(Sie atmet schnell.)
(Das Zischen wird bedrohlich. Ihr Atem wird hektisch.)
(lautes Zischen) Mama!
(Sarah schreit auf. Die Bremsen quietschen.)
(Sie atmet tief aus und keucht.)
Amelie.
(Sie atmet stoßweise.)
(Sie seufzt.)
Komm, ich... ich fahr mal.
Ja. - Wir finden sie schon.
(sanfte Musik)
(Vögel zwitschern. Es raschelt und flattert.)
Mh... lecker Tollkirschen und Kötel.
Die sind giftig.
(Er lacht weiter vor sich hin.)
Du, ich muss dir noch was sagen.
Schieß los!
Ehrlich gesagt...
Mit dem Feuer... ich glaub nicht so dran.
Das ist 'n Spaß. Das machen wir halt so.
Aber dass es Krankheiten heilt, sagen die Alten.
Weißt du...
das mit den Farben von deinem Onkel, die Farben, die's nicht gibt...
Wenn du keine Luft mehr kriegst und gleich weg bist,
kommen sie auch.
Ich weiß nicht...
Jedenfalls glaub ich an Wunder.
(Sie ahmt den Dialekt nach.) Also, scheiß dir nicht in die Hosen...
Gehen wir, wir Hundsbuam! - Lass das sein!
Muhackl, fix, gewaltiger... (Er kichert.)
(Amelie) Dramhappata, fixdiekreuzdie!
Berg, ich komme!
(sanft beschwingte Rockmusik)
(Die Musik verklingt.)
Ich fahr noch mal los. - Lukas...
Du hast nicht geschlafen. Jetzt ruh dich mal aus.
Wenn ich sie gefunden hab, schlaf ich. Versprochen.
(Lukas schließt die Tür.)
Hier. - Ja, danke.
Amelie hat den Laden ganz schön aufgemischt.
(Sie prustet. Tür wird geöffnet.)
(Steffi) Miau.
Kannst reinkommen.
Ich wollt ja nicht, aber Moorle braucht ihre Medikamente.
So. (Klappern)
(Er ahmt das Zischen des Asthmasprays nach.)
Steffi. - Ja?
Ihr könnt hier warten. - Echt?
Wenn ihr still seid. - Das kann ich.
Ich hab mal fast 'ne halbe Stunde nichts gesagt.
Aber nur gucken, ja?
(Amelie keucht.)
Ah! (Sie ächzt.)
Bums dich, du Kackvogel! - Hör auf, mich zu beleidigen.
Das war nicht gegen dich, du bedepperter Depp. - Kam aber so an!
(Sie keucht.) Ich beleidige nicht dich.
Ich beleidige die Natur, du Piesepampel.
Aber ich bin der Einzige, der hier ist und das ertragen muss.
Was verträgst du denn überhaupt?
Du brauchst mehr Luft fürs Fluchen als fürs Atmen.
Wenn ich fluche, merk ich, dass ich noch atme.
Ich brauch das zum Abreagieren.
Es gibt mir Kraft.
Dann werd ich diese Wut endlich los.
Verstehst du? - Verstehe.
Aber nicht gegen mich.
(genervt) Ist eh nicht gegen dich. - Gegen wen sonst?
Was ist los? Ich hab dich die ganze Zeit angemault.
Und jetzt wirst du empfindlich? - Ja, na und?
Warum denn? - Keine Ahnung.
Manchmal versteh ich dich einfach nicht.
Wirst du häufig beleidigt? - Traut sich längst keiner mehr.
Schlappschwanz? - Sagt keiner mehr.
Schwächling? - Keiner mehr.
Bist du ja auch nicht.
(Er räuspert sich.)
(Bart) Ich find's so gewaltig und so still.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass es das jemals nicht gegeben hat.
Woher weißt du eigentlich, dass die echt sind?
Vielleicht sind die aus Pappe.
Du klappst sie um, und dahinter ist das Meer.
Wo ist eigentlich die Grenze?
Da in den Bergen sind Grenzen total egal.
Denen ist es egal, ob du eine Linie ziehst
und sagst: "Das ist deins und das ist meins."
Die pfeifen auf dich kleinen Wurm.
Was schaust so? - Ach, nix.
Okay, dann lass das.
Kein Problem.
(schwerfällige Musik)
(Die Musik verklingt.) (Sie keucht.)
Ich muss mal.
(Amelie keucht.)
(Bart) Musst ganz schön oft.
Mädchenblase.
Wie weit noch? - Komm.
(leise wehmütige Musik)
(Die Tür wird geöffnet.)
Bitte sag, dass das nicht wahr ist!
(Mann) Pass auf, da kommt man nicht weiter.
(Die Stimmen werden vom Rauschen des Wassers übertönt.)
(Ein bedrohlicher Ton überlagert die Szene.)
(unverständliche Rufe)
Ich glaube nicht, dass wir sie hier finden.
Sie ist irgendwo da oben.
Auf dem Berg?
Amelie schafft's keine zehn Meter hoch.
Unterschätzen Sie nicht ihre Sturheit.
(Ein Hubschrauber rattert.)
(bedrohlicher Ton)
(Amelie atmet keuchend.)
(Sie keucht erschöpft.)
(Sie atmet pfeifend.)
(Amelie keucht.)
(Amelie atmet pfeifend.)
Nicht runter und wieder rauf, ich weiß. - Ich kann nicht mehr.
Doch.
(Sie atmet erschöpft.)
(Heitere Musik setzt ein.)
(Beide atmen schwer.)
(atemlos) Speedy Gonzales.
(erschöpft) Puh.
Soll ich dich tragen? - Vergiss es.
Wir schaffen das. - Ja, klar.
(Er atmet tief aus.)
(hohles Klappern)
Pipi-Pause?
(Sie atmet keuchend.)
(Plätschern) Weiter!
Trinken ist total wichtig.
Sonst stirbt man.
(Beide atmen keuchend.)
(Er seufzt.)
(Amelie atmet pfeifend.)
(Es pfeift bei jedem Atemzug.)
Wie ist es bei euch? Magst du deine Eltern?
(Sie atmet tief aus.)
Ich will später mal Yaks.
Kajaks?
Nein, Yaks.
Du bist echt komisch.
Ja, sonst wär ich nicht mit dir unterwegs.
(Sie atmet pfeifend und hustet.)
Geh doch wieder pinkeln.
Ich weiß eh, was du da machst.
Kennst mich schon, hm? - Ein bisschen.
(Hubschrauber-Rattern) (Amelie) Shit!
(Das Rattern entfernt sich.)
Oh, shit!
Fuck! Oh, mein Spray.
Oh, Sch...
(Sie ächzt und schnauft.)
(Sie atmet keuchend.)
(wütender Laut)
(Bart, angestrengt) Keine Chance.
Früher hab ich die Zunge reingequetscht,
damit nichts durchkommt, so hab ich das gehasst.
Schöne Geschichte. Komm, es ist nicht mehr weit.
Für mich ist Schluss. Finito. Ende. Verstehst du?
Aber nur dein Spray ist weg. - Ja. So mach ich das halt.
Wenn ich jetzt einen Anfall kriege, kann ich sterben.
Ich bleib hier und warte, bis du jemanden geholt hast.
(im Dialekt) Das geht so nicht. - Was machst du da? Was soll das?
Lass mich! Was soll das? - Du musst den Gipfel sehen.
Muss ich nicht. Es ist auch schön hier.
Wenn du den Gipfel siehst, geht alles von alleine.
Dann fliegst du darauf. - (wütend) Och, Mann!
(Amelie grummelt wütend. Bart keucht.)
(Bart keucht.)
(wehmütige Streicher-Musik)
(Er japst und atmet keuchend.)
(wehmütige Streicher-Musik)
Okay.
Eins... zwei...
drei... vier...
fünf... sechs...
sieben... acht...
neun... zehn...
212... 213...
214... 215...
216... 217...
(eindringliche Streicher-Musik)
(Die Musik übertönt sein Zählen.)
Okay.
(Er zählt.)
(Bart schnauft.)
(Er zählt weiter.)
(Die Musik schwillt an.)
Lass mich runter, bitte.
(Die Musik wird ruhiger.)
(Bart keucht.)
(Amelie atmet keuchend.)
(Sie atmet schwer und pfeifend.)
(sanfter Gesang ohne Worte)
(Amelie atmet schwer.)
(ruhiger Gesang ohne Worte)
(Ein Raubvogel ruft.)
(leise) Ich hab's geschafft!
(Sie atmet leise keuchend.)
Jetzt kannst du dir was wünschen.
Hier schon?
(Bart) Mit dem Feuer ist es noch was anderes. Aber hier...
Hier ist die Freiheit.
(Wind pfeift.)
(Sie atmet tief ein und aus.) Ich hasse das Asthma!
Ich hasse es, keine Luft zu kriegen,
dass meine Eltern getrennt sind und es ihnen gut geht!
Ich hasse meine Schwäche und die Scheiß-Krankheit!
Ich hasse das ganze Leben! Ich hasse alles!
Ich hasse... (Sie japst. Ihre Worte hallen nach.)
Ich weiß nicht, ob in Erfüllung geht, was man alles nicht mag.
(Heitere Musik setzt ein.)
(Bart) Da vorn ist der andere Weg. Das halbe Dorf ist sicher schon oben.
Und ganz wichtig: Keiner darf ohne Holz kommen.
Na, dann los!
(entfernte Stimmen)
(Feuer knistert, Holz klappert.)
(Beschwingte Musik setzt ein.)
(unverständlich)
Hoi, Hias! - Hoi, Bart! - Hoi.
(im Dialekt) Wie ist es gelaufen beim Melken?
Nelly.
(Bart) Die muss jetzt übers Feuer. - Was?
Die muss übers Feuer springen, damit's ihr wieder besser geht. (Muhen)
(Barts Onkel) Sie ist den ganzen Weg raufgelaufen.
Über Umwege. Sie schaut gut aus. Mein Neffe hat sie hochgebracht.
Glauben Sie mir, es geht ihr gut. - (Dr. Murtsakis) Danke!
Nein. - Aber...
(beschwingte Musik)
Willst du nicht ein bisschen fluchen?
Bravo, Hias!
(beschwingte Musik)
Komm, Nelly. Ab jetzt.
Bravo, Nelly!
(Alle klatschen.)
Komm, Muhackl, jetzt oder nie!
Ich heiß übrigens Amelie.
Was ist überhaupt ein Muhackl? - Keine Ahnung.
Das hat mein Vater früher immer zu mir gesagt.
Ich spring nur, wenn du mitspringst. - Nee, lass mal.
Dann spring ich nicht.
Dass es ganz weggeht. Für immer.
(beide) Eins, zwei...
(beschwingte Musik)
(genervt) Sind meine Eltern auch hier? - Nein. Sind unten geblieben.
Geh lieber 'ne andere Nuss knacken!
Sie versuchen alle dir zu helfen und sind dabei so hilflos, weißt du?
Hier. Das soll ich dir geben.
Hast du ein Spray mit?
Meins ist dummerweise vom Berg verschluckt worden.
Was für ein Zufall. (Klappern)
(Amelie) "Dies ist eine Garantie, dass ich:
1. Niemals mehr Wäsche in Deinem Zimmer aufhänge,
selbst, wenn Du nicht da bist.
2. Du Dein Leben leben kannst, wie Du willst...
(Sarahs Stimme kommt hinzu.) ... aber auch mit allen Konsequenzen.
(Sarah) 3. Ich immer für dich da bin, wenn du mich brauchst.
4. Egal, was Du machst, Sturkopf: Ich liebe Dich.
Mama."
Ist von meiner Mum.
Mag sie dich etwa noch?
Scheint so.
Komm, ich muss dir was zeigen.
(zarte Streicher-Musik)
Ist dir auch kalt? - Nein, wieso?
Es ist ziemlich ungünstig, wenn ich mich jetzt erkälte. - Aha.
Das kann ein halbes Jahr Krankenhaus zur Folge haben.
Du warst gestern zweimal so nass und hast nicht einmal geniest.
(Sie imitiert ein Niesen.)
(zarte Streicher-Musik)
(Ein Hubschrauber rattert. Der Pilot macht eine Funk-Durchsage.)
(Sie hustet.)
(Das Spray klappert.)
Ich dachte, die bescheuerte Krankheit ist jetzt weg.
Glaubst du an Wunder?
Ja.
(Muhen)
(Vögel zwitschern. Lukas schnarcht leise.)
(Das Rattern des Hubschraubers kommt näher.)
Aufwachen! Schnell, sie sind da. Schnell!
(Sarah) Sie sind... Sie ist da! Sie sind da!
(melodische Rockmusik)
(melodische Rockmusik)
(im Dialekt) Ich weiß, ich bin ein Muhackl. Ich weiß...
Ich bin so stolz auf dich!
Also gut...
Was soll ich tun?
Helft mir! (Alle lachen.)
(Pit) Ich hab's gewusst. - (Matthias) Ja, genau.
Du warst ganz oben? - Das nächste Mal nehme ich dich mit.
(Muhen)
(melodische Rockmusik)
(Keuchen)
Nicht erschrecken. Ich bin's nur, die Steffi.
(Sie atmet schwer.)
(Steffi atmet tief aus und stöhnt erleichtert.)
Oh, oh! Ich glaub, Moorle ist nicht schwindelfrei.
(Amelie und Bart prusten.)
(Alle drei lachen lauthals.)
(dynamische Rockmusik)
Untertitel: Titelkunst, Berlin 2017
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