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Untertitelung.
BR 2018
Unser Horrortrip durch die Psychiatrie im Osten beginnt in Arnsdorf bei Dresden
und endet in Ueckermünde in Vorpommern.
Ich habe viele Anstalten in der ehemaligen DDR besucht. Von außen sind
hübsch anzusehen.
Wir beginnen mit den harmlosesten Bildern, denn sie werden im Verlauf
Filmes Menschen sehen, die an Tiere erinnern, aber nur, weil sie wie Tiere
gehalten wurden und noch gehalten werden, auch im Jahre 3 nach der
Wiedervereinigung.
Was sich hinter Psychiatriemauern tat, war im SED -Staat tabu. Heute wissen
in allen Anstalten hatte die Stasi Zuarbeiter und den Zugriff auf die
Krankenakten. Wir besuchen die sogenannte Männerunruhe.
Zwei Pfleger, sie haben einen Patienten wie einen Hund zu Füßen, erklären das
Krankengut.
Die Unruhe, wie ich schon sagte.
Sicherheitsverwahrteilen für Langzeitpatienten. Das sind Patienten,
kaum führbar sind und schlecht führbar sind.
Mitunter bekommen sie mir dann wieder zurück, wenn wir verlegen, weil wir eine
reine Männerstation sind.
Da ist das ein bisschen anders.
Die mit Schwestern auskamen, wurden alle hierher gelegt, egal welches
Gangheitsbild.
War ja unruhig.
Gut, können Sie uns die Station mal zeigen?
Ja,
also das ist wie gesagt der Wachsthal zu seiner hier.
So warten die Patienten, die akut sind.
Und die schwer führbar sind.
Wir arbeiten noch in dem Saalsystem hier.
Wir haben hier 60 Patienten, ungefähr, aufgeteilt in vier Säle und in
einige Einzelzimmer.
Das ist der sogenannte Erste Wachtal.
Wie lange sind die meisten hier?
Ja, schon einige. Viele Jahre.
Ja, wie viele?
Ach, das ist so verschieden ist das. 10, 15 Jahre, manche kürzer.
Bis vor kurzem hatten wir einen, da war es 1926 hier.
Dieser Kranke wirkt wie ein Monster, weil er mit Psychopharmaka -Volkpunkt
Die Patienten dieser Station sind ein Produkt der Verwahrpsychiatrie. Ihr
ist reduziert auf Schlafen, Essen, Leerlauf.
Im Speisensaal. Mein Blick fällt auf eine Tür.
Und was ist da hinten? Da sehe ich so Schritte.
Hier, das war früher mal die sogenannte Zelle.
Das Einzelzimmer.
Das ist abgeschafft. Da ist auch Toilette mit drin. Da ist ein kleiner
Kalfakterrahmen, Besenschrank und so weiter.
Aber da ist doch nichts drin. Wir können nicht mehr reinschauen.
Eine Lüge, wie sich herausstellt. Es ist doch jemand hier drin.
Eingeschlossen, abgeschoben.
Der Patient ist schlecht zu verstehen, doch seine Aussage ist eindeutig. Man
mich hierher gesetzt und hat gesagt, hier bleibst du sitzen, du Vogel.
Er ist nicht der einzige, den ich in der Ostpsychiatrie dieser Art weggesperrt
fand.
Das A und O ist die Sauberkeit hier.
Wir setzen viele Patienten ein, die für die Sauberkeit mit sorgen. Natürlich
muss man immer hinterher sein, sonst wird nichts.
Eine Intimsphäre gibt es in Arnsdorf und anderswo nicht.
Weder beim Baden noch auf der Toilette ist man hier jemals allein.
Die Pfleger führen ein strenges Regiment. Hier stört sie, dass ein
Bett liegt.
Folgt man den Pflegern, sind viele Patienten an diesen Zuständen selbst
Vielmals ist Interessenlösigkeit am Tag, dem Tag gegenüber.
Aber die Nacht hat doch hier auch nicht viel zu bieten, oder? Nee, gar nicht.
Wie im Knack gibt es hier Kalkulatoren, das sind Patientenkapos.
deren Hilfsdienste mit Vergünstigungen, wie zum Beispiel Einzelfällen, belohnt
werden. Hier hat einer das Recht, seinen Uhrentipp auszuleben.
Einige wenige sind privilegiert, doch für alle Patienten gilt, es gibt keine
Therapie und den Arzt sehen sie vielleicht einmal am Tag für wenige
Letten müssen sie Psychopharmaka schlucken, ihr Süppchen, wie es im
Schagong heißt.
Psychiatriepatienten sind arme Schlucker, nicht nur im Ort.
Patienten von der zerstörerischen
Dauerverwahrung bezeichnet.
In Arnsdorf sind Patienten schon unters Bett gekrochen, um wenigstens einmal
privat zu sein.
Station ist der Herrschaftsbereich der Pfleger. Der Arzt lässt sich kaum
blicken. Ich frage nach der ärztlichen Visite.
Visite?
Na ja, es kommt ganz drauf an, wie Situationen da sind.
Aktuelle Sachen und so.
Normalerweise eine Visite im Monat einmal.
Chefarztvisite oder auch Chefarztvisite?
Einmal im Monat ist Chefarztvisite.
Wie oft ist eine normale Visite? Ich weiß ja nicht, wie es geht.
Und die Kranken, die sehen ihn praktisch
selten, sagen wir mal vorsichtig.
Sie wissen, dass er um 8 ungefähr kommt.
Dann wird er erwartet.
Dann kommen sie mit ihren großen Problemen, kleinen Problemen.
Die Psychiatrie ist ein kleines Stück.
Also Sie sind sozusagen eine arztlose Station.
Ne, das kann man nicht sagen.
Ne, das ist nicht wahr. Ne, ja, wir haben das direkt.
Der ist direkt um die Station raus.
Er kommt auch täglich, aber nicht den ganzen Tag hier.
Ja, fünf Minuten.
Am nächsten Tag sind wir auf einer Kinderstation
verabredet. Hier, so versichert die Klinikleitung, herrsche ein anderes
werde alles viel besser sein.
Ein Druck lässt zwar erschrecken, doch die Kinder werden offenkundig liebevoll
behandelt.
Unser Ziel ist es, die Kinder in einer gruppenähnlichen, also familiären
Situation zu haben, um sie zu fördern, um die
Möglichkeiten herauszufinden, was aus den Kindern herauszuholen ist. Und wir
sind erstaunt über das, was die Kinder eigentlich bewältigen.
Heißt das, dass mit den Kindern vorher kaum was passiert oder nicht passiert,
geschehen ist?
Es gab schon vor Jahren, so haben die Kinder erzählt, kleinere Gruppen.
Aber es waren keine ständigen Gruppen, die also immer wechselten. Die Kinder
waren in großen Räumen.
Bis zu 60 Kinder, aber am Anfang waren es noch mehr Kinder zusammen.
Und sie wurden von Schwestern betreut, aber nicht direkt in solchen Gruppen, wo
sie speziell gefördert werden.
Und Sie sagen, die Fortschritte sind erstaunlich.
Erstaunlich. Wir staunen jeden Tag mehr.
Es gibt Kinder, die am Anfang kein Wort gesprochen haben. Mit denen kann man
jetzt schon richtige kleine Gespräche führen. Man merkt, dass sie was
dass sie mal auch denken.
Und das ist auch toll.
Hier sind Ansätze zu sehen, in welche Richtung es gehen muss.
Denn hier wird mit den Kindern gearbeitet, kümmert sich eine Pädagogin
Wir folgen den Bewohnern, die zum Speiseraum laufen und sehen, dass auch
alle in großen Sälen untergebracht sind.
Zwei Bewohner mit Down -Syndrom, Mongolien wie genannt.
Eine ganz seltene Szene. Zwei Menschen, die sich im tristen Anstaltsleben ein
wenig Zeitlichkeit gehalten haben.
Wer die Kinder so sieht, kommt nicht auf den Gedanken, dass viele von Monaten
noch in ihren Bäcken befestigt lagen und auch sonst mit Handel trugen.
Das war ihr Alltag in der Ex -DDR.
Da hat sich einiges gebessert.
Während wir im Speiseraum drehen, beginnt ein Behinderter eine Rede zu
die eine erschreckende Selbsteinstufe offenbart.
Es ist ja nicht wie in anderen Einrichtungen des Reichsstaates, oder
Thüringen, oder auch in Anhalen. Es ist ja nicht wie in anderen
Behinderteneinrichtungen. Wir wissen ja alle, welche Zeit die
Behinderteneinrichtungen bezahlt wurden.
Es wird ja viel getan.
Und die Schwestern bemühen sich ja auch alle, die Probleme zu lösen.
Aber wir wissen ja alle, woher sie kommen.
Da brauchen wir uns ja keine Illusionen zu machen.
Auf der ehemaligen Verwahrstation ist augenscheinlich Leben eingekehrt. Man
sieht, was in relativer Zeit zu erreichen ist.
Die Schleppern lörden freundlich und die Behinderten aufgeräumt und munter. Die
Poststücke sei noch einmal wiederholt, wo sie den ersten Weg der Behinderten
erreicht.
Wenn die Kamera das Gesicht einer Bewohnerin festhält, fällt mein Blick
Tür zu einem angrenzenden Raum.
Hier sind Behinderte sich völlig selbst
überlassen, offenbar ausgemustert und abgesondert, weit und weit kein
Ich frage eine Bewohnerin und erhalte eine überraschende Auskunft.
Die hat keinen Namen, diese Gruppe hier.
Nö, die gehört auch aus Witter und die kümmert sich um die Kinder.
Diese Gruppe wird von der Patientin geführt?
Das habe ich vorhin nicht verstanden.
Danke.
Dieser Junge ist seiner Blindheit völlig ausgeliefert. Da sich niemand mit ihm
beschäftigt, muss er sich mit sich selbst beschäftigen. Und das sieht so
Wer lange eingesperrt lebt und keine Zuwendung findet, entwickelt Stereotype
Schaukelbewegung und Hospitalismusgehalt.
Ein hospitalisiertes Kind.
Da sich niemand um den Jungen kümmert, produziert er diesen Tick.
Ein weiterer Blinder kommt hinzu. Die Schwerstbehinderten, die am meisten
Zuwendung und Förderung brauchten, bleiben ohne jede Hilfe.
Das ist die Lebensfläche, die den Blinden verbleibt. Eine Fensterbank, die
Gitter vom Fenster.
Amen.
Der zweite Teil unserer Reise führt uns an die äußerste Ecke Deutschlands. Wir
sind am kleinen Oderach, an der deutsch -polnischen Grenze nicht weit von
Stettin. Was uns hier an grauenvollen Eindrücken erwartet, steht im krassen
Gegensatz zur vorpommerschen Landschaft.
Dies ist Ueckermünde, die östlichste Hafenstadt Deutschlands.
Hier befindet sich Deutschlands entlegenste Psychiatrie, im Übrigen der
Arbeitgeber am Ort.
Die Anstalt befindet sich außerhalb der Stadt.
Träger der Einrichtung ist seit Sommer 1992 die Christophorus GmbH, die dem
Diakonischen Werk angeschlossen ist.
Die Patienten leben völlig im Abseits.
Das für Italien zuständige Sozialministerium in Schwerin ist vier
entfernt.
Die meisten psychiatrischen Anstalten im Osten sind schön gelegen.
In den Erhalt der Gebäude und in die Behandlung der Patienten wurde jedoch
nichts investiert.
Hier in Ueckermünde gibt es Patienten, die niemals in ihrem Leben gefördert
wurden und bis heute nicht gefördert werden.
Oberin Ursula Rosenkamp zeigt uns das Haus 7.
Ich habe schon viele menschenunwürdige Stationen gesehen.
Ueckermünde ist jedoch das Schlimmste, was einem Behinderten widerfahren kann.
Für diese Bewohner wurde ihr Anstaltsleben lang nichts getan.
Sie sind bis heute sich selbst überlassen.
Ein Behinderter mit einer Hasenscharte, einer Schallung der Oberlippe, die nicht
operiert wurde und ihm deshalb so entstellt.
Eine einfache Operation hätte ihm geholfen.
So aber ist er gezeichnet.
Die Verrenkungen sind nicht durch irgendeine Behinderung verursacht.
Eingesperrt, ohne Außenkontakte, auch für selbst reduziert, flüchtet sich
Mensch in solche Schaukelbewegungen.
Ich frage Oberin Ursula Rosenkranz, warum dieser Junge einen Kopfverband
Er schlägt sich seinen Kopf auf mit aller Gewalt. Das passiert sehr häufig.
Gegen die Wand und gegen Tischkanten und so, dass wir Angst haben, dass er sich
auch mal sehr ernsthaft verletzt. Er hat zeitweise schon wie so ein Sturzhelm
getragen, weil das einfach so spontan kommt, dass man auch das kaum dann
verhindert kann, wenn man dreist daneben steht.
Wir glauben, dass Thomas besondere Zuwendung benötigte. Er brauchte fast
Einzelbetreuung.
nicht gegeben unter den Bedingungen.
Wenn das jemand sieht, erschrickt er sich.
Er ist am liebsten alleine.
Er zieht sich gerne zurück.
Wenn er jetzt am Tisch sitzt und so wie er sich unbeobachtet fühlt, geht er
wieder in seine Ecke.
Er fühlt sich da eben wohl und schaukelt dann eben auch.
Warum?
Wie kann man das erklären?
Warum?
Es mangelt an Pflegepersonal und in wenigen Schwestern.
fehlen auch noch primitiv Bekenntnisse.
Wie viele Kinder haben Sie denn hier?
34 haben wir zur Zeit. Und wie alt sind Sie?
Sind kein alles Erwachsene. Sie sehen aber zum Teil aus wie Kinder, äußerlich.
Alle über 20 Jahre und dann eben bis 55.
Ohne jede Möglichkeit, sich hier irgendwo und irgendwann zurückziehen zu
hat sich dieser Behinderte in die Rettung gekrochen.
Auf dem
Weg zum Bad.
Seit kurzem gibt es neue Toiletten.
Es gibt ja gar keine Schambände, also die Leute sitzen ja völlig frei,
ohne jede Intimität.
Ganz genau, so ist es.
Aber das ist doch ganz neu.
Ja, aber trotzdem ist das so wie gebaut worden.
Ein Schlagsaal. Es gibt nicht einmal Nachtschränkchen.
Wie finden die denn abends ihr Bett, wo jedes Bett gleich aussieht?
Ich weiß nicht, ob das ein Instinkt ist. Jedenfalls die Schwestern, wenn die die
Patienten fertig machen zur Nachtruhe, die bringen dann ja auch jeden
also der nur nicht weiß, wo sein Bett ist, wird von den Schwestern hingebracht
und die anderen Patienten wissen im Prinzip, wo ihr Bett ist.
Die nicht so behindert sind eben, die finden alleine ins Bett.
Aber was Privates ist ja hier eigentlich gar nicht drin.
Das fehlt ihnen. Das ist das, was wir eigentlich anstrengen, dass kleine
wohnliche Ecken für den Patienten entstehen, wo er auch seinen Wohnbereich
sich hat.
Wie jeder andere Mensch ja als Anspruch das auch für sich erhebt.
Und so stellen wir uns eigentlich vor, dass der Behinderte das gleiche Recht
hat. Denn jeder von uns, denke ich, der hier eingesperrt ist, würde ja auch
aggressiv, weil er gar keine Möglichkeit hat zu leben.
Da erklären wir uns ja auch oftmals diese Erregungszustände bei unseren
Behinderten.
Auf dieser Station gibt es keinen Arzt, keinen Psychologen, keine Therapeuten,
keine Behindertenpädagogen.
Die Schaukelbewegungen, man muss es wiederholen, sind das Ergebnis
stumpfbinniger Verwahrung, Hospitalismus genannt und nicht etwa Ausdruck einer
Behinderung.
Auf dem Weg zur Station 5C. Die Christophorus GmbH legt Wert darauf,
hier gezeigten Schreckensszenen nicht typisch sind für die gesamte Psychiatrie
in Ueckermünde.
Auf der Station 5C leben Behinderte, die zu DDR -Zeiten schlimmer als Tiere
gehalten wurden.
Mit Fischernähten in die Betten verstaut.
oder in Zwangsjacken gepfängt.
Viele haben die Zwangsjackenhaltung beibehalten und werden sie auch so lange
beibehalten, wie sich keiner um sie kümmert.
Da sie sich nicht ausleben und abreagieren können, reißen sich manche
die Haare aus oder bekommen sie ausgerissen.
Manche wurden früher an Heizkörpern festgebunden.
wo sie aus Gewohnheit noch immer ihren Tag verbringen.
Durch die Dauerverwahrung und die fehlende Förderung werden diese
deformierter als sie sind und verführen dazu, sie als Krüppelmonster zu
betrachten. Die wahren Monster sind die, die sie zu diesem Dachland beurteilen
und bis heute nichts tun, ihre Lage zu verändern.
Er freut sich unbändig, bedeutet unser Besuch doch Abwechslung in einem Leben,
wo ein Tag dem anderen gleicht.
Diese Bewohnerin sucht noch immer Kontakte zu knüpfen.
Da es nicht einmal Spielzeug gibt, bleiben zur Beschäftigung nur die
Hände.
A und O ist auch hier die Sauberkeit.
Schutzkräfte gibt es, Pädagogen nicht.
Noch einmal, die Bewohner würden nicht wie Monster wirken, wären sie normal
aufgewachsen.
Wo die Bewegung fehlt, verkümmern die Beine.
Ein Teil der Bewohner bewegt sich fast nur noch auf dem Fußboden.
Fast beiläufig erfahre ich, dass der Sozialminister von Mecklenburg
diesen Elend schon gesehen hat.
Der Minister war schon in unserer Einrichtung und wir verbergen von
etwas. Noch mal konkret gefragt, der war hier oben auf der Station, hat das
gesehen? Ich weiß jetzt nicht hundertprozentig, ob er auf dieser
aber einen von diesen Pflegeheimstationen haben wir auf alle
Denn der Rundgang war auch zeitlich sehr begrenzt, weil der Herr Minister ja nie
so viel Zeit hat, alles sich anzusehen. Aber wir haben es auch immer in der
Vergangenheit so gehalten. Wir haben nichts zu verbergen, im Gegenteil. Wir
haben immer das so verstanden, vielen zeigen.
Wir haben uns immer eigentlich davon erhofft, dass uns jemand Unterstützung
gibt.
Nach dem Mittagessen kriechen und schieben sich die Behinderten zum Klo.
Die Bewohner werden getopft, wie es im Anstaltsdeutsch heißt.
Behindertentradur.
Halbnackt muss dieser Bewohner seiner Wärterin nachkriechen.
So wird die Brüte des Menschen systematisch zerstört.
Nachmittags besuche ich noch einmal die Station 5C.
Ich ahne zu diesem Zeitpunkt nicht, dass ich die nächsten Stunden die
schrecklichsten Szenen sehen werde, die ich jemals in einer
Behinderteneinrichtung erleben musste.
Die Stimmung ist aggressiver geworden. Nach einem Tag ohne jede Beschäftigung
und ohne jeden Zuspruch ist das kein Wunder.
einen Stuhl verkraftet.
Die Schwestern geben Kommandotöne an sich, die Behinderten artikulieren sich
noch zu schreien.
Vielleicht haben einige nie Sprechen gelernt, doch die anderen wurden
gemacht. Denn ohne jede Ansprache geht die Sprache verloren.
Während des Essens hat jedes Gestöhne und Geschrei aufgehört. Die zur
Untätigkeit Verurteilten sind endlich einmal beschäftigt.
nach 18 Uhr.
Ehe es zum letzten Mal zum Topfen geht, werden die Behinderten gefüttert und mit
Medikamenten abgefüllt.
Dieser Bewohner hat sich ein Stückchen Blitz ergattert, das er auch beim Essen
nicht aus der Hand gibt.
Ein Kleidungsstück liegt
am Boden.
Noch haben wir keine Ahnung, was sich gleich abspielen wird.
noch bei Tisch sitzen, beginnt diese Behinderte sich auszuziehen.
Der Wäschekopf von einer Schwester hingestellt, ist das Signal, dass sich
ganze Station der Kleider entledigt.
Niemand hat einen Befehl gegeben.
Alle entkleiden sich ohne Aufforderung.
Sie sind darauf dressiert.
und klammert er seinen Besitz.
Wie Tiere in den Waschraum getreten, hatten sie auf dem Flur im
abgefertigt zu werden.
Der Tag in Ueckermünde geht zu Ende.
Für ihn war es ein glücklicher Tag.
Er hat seinen Besitz durchs Bett gerettet.
In Ueckermünde haben Bewohner schon Steine mit ins Bett genommen, um
einmal etwas Eigenes zu besuchen.
Der massige Körper des Behinderten hinterlässt eine sichtbare Schleifspur.
hat ihn nicht einmal richtig abgetroffen.
Für ihn endet, wie all die Jahre bevor, wieder ein Tag ohne jede Anregung und
ohne jeden Zuspruch.
Mangels Zuwendung, mangels Zärtlichkeit schaukelt er sich wie ein Kind selbst in
den Schlaf.
Und er versucht schmerzhaft, sich einen Rest an Selbstständigkeit zu bewahren.
Seinen eigenen Willen kann er nur durch Schreien ausdrücken.
Schlafen, Essen, Scheißen, Schlafen. Das ist der Alltag auf Station 5C, wo
Menschen schlechter behandelt werden als vielerorts Tiere.
Ein letztes Mal. Hier wurden zu DDR -Zeiten Menschenleben systematisch
und nichts hat sich geändert.
Diese Behinderten sähen anders aus und verhielten sich auch ganz anders, würden
sie endlich betreut und gefördert, geliebt und geachtet.
Von jeder Zuwendung abgeschnitten, besitzen sie nur den eigenen Körper als
ihrer Sehnsucht. Bis heute, im Jahre 3, nach der Wiedervereinigung.
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