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Ein Dorf schweigt ZDF - 9.04.2009
(Dynamische Musik)
Sie kommen! Sie kommen!
Kartoffelkäfer, haut ab!
Haut ab! - Haut ab!
Haut ab! - Aufhören!
Kartoffelkäfer! Verschwindet!
Aufhören!
Aufhören!
Haut ab!
Verschwindet hier!
(Geschrei)
Haut ab!
Hört auf!
Abhauen! Schnell!
Es kann weitergehen.
(Musik verebbt.)
(Explosion)
Ist hier noch Krieg? - Nein, mein Schatz. Nein.
Mama, Hilfe!
Walter!
(Traurige Musik)
(Traurige Musik)
Schnell! Da ist was passiert!
Die Buben! Die Buben!
(Musik)
Kommt, schnell!
Mama, was ist denn?
So, jetzt alle runter.
(Dramatische Musik)
Walter!
(Schluchzen)
Walter?
(Weinen)
Walter?
(Weinen)
(Düstere Musik)
Es tut mir leid, die Begrüßung muss ausfallen.
Machen Sie das bitte. - Was ist denn passiert?
Eine Mine ist hochgegangen. Wir haben Tote.
Verteilen Sie bitte die Einquartierungsscheine.
Ja also...
Brünsch, Wally kommt zu Mandler in die Dorfstraße Nr. 3.
Dziallas, Vera und Sohn Roland, ihr kommt zu Rinn, Burgstraße Nr. 5.
Jetzt geht's los.
Dawe, Johanna...
Wir kommen zum Pfarrer. Kirchhofplatz 2.
Ich doch auch? - Ja, natürlich, du auch.
Zum Pfarrer! Das ist ein Glückslos!
Ich gönn's dir.
Geht's mal weiter?
Mahler, Ilse...
Zu essen gibt's hier auch.
(Hoffnungsvolle Musik)
Hier ist es.
Bestimmt gibt's im Pfarrhaus warmes Wasser.
Vielleicht 'ne Badewanne.
(Sie läutet.)
(Musik wird leiser und ruhiger.)
(Klopfen)
Wartet hier!
(Kirchturmglocken läuten.)
(Düstere Musik)
(Traurige Musik)
Schlimm sollen die ausgeschaut haben. Nichts mehr zu erkennen.
Das waren welche von euch, die sie in die Mine reingetrieben haben!
Da führt man sich gut ein.
(Glockenläuten)
Sind Sie Pfarrer Beppler?
Johanna Dawe. Meine Kinder Ulrike, Fritz und das ist...
Heinz Zedlitz, sehr erfreut.
Wir sind bei Ihnen einquartiert. Bitte.
Ich hab keinen Platz im Haus.
Macht nichts. Wir helfen Ihnen suchen.
Ich kann Sie nicht aufnehmen. - (Kind) Hab so'n Hunger.
Nicht betteln, mein Schatz.
Herr Pfarrer?
Herr Pfarrer!
Wir sind seit Monaten unterwegs. Wir haben alles verloren. Bitte!
Wir haben auch Rechte.
Wer wird denn da wohl als Pfarrer!
Der Kleine hat gerade erst 'ne Lungenentzündung überstanden.
Der Bürgermeister regelt das. - Der Bürgermeister, ja.
Fragen Sie ihn nach seiner Kusine, die Gisela Hofmann.
Die müsste jetzt Platz im Keller haben.
Mit schönem Gruß.
Lass!
Wir finden 'nen Platz zum Schlafen.
Wie stellst du dir das vor? Ich riskier ja jetzt schon...
Entschuldigung.
Es tut mir leid, dass es vorhin so schnell gehen musste.
Sind Sie gut untergekommen? - Beim Pfarrer.
Aber er weigert sich, uns aufzunehmen.
Er sagt, er hat keinen Platz.
Ich muss zur Oma. - Ja.
Es ist unangenehm für alle. Wir wollen niemandem zur Last fallen.
Aber kann er die Einquartierung ablehnen? Einfach so?
(Er atmet schwer durch.)
Zur Not geht auch ein Kellerraum.
Wenn beim Pfarrer wirklich kein Platz ist...
Er sagt, bei Ihrer Kusine ist jetzt was frei.
Uns ist egal wo, Hauptsache ein Dach überm Kopf.
Warten Sie einen Moment.
Ich sehe, was ich tun kann. Gisela?
(Musik)
Ich hab eine Lösung gefunden. Meine Kusine, Frau Hofmann, nimmt Sie auf.
(Musik)
Sie hat gerade einen schlimmen Verlust erlebt.
Ihr Bub, der einzige...
Ist der etwa auch bei der Explosion heute...?
(Es quietscht.)
(Klopfen)
Mein Beileid.
Danke.
Kommen Sie rein.
Hier wär's.
Na dann, gute Nacht!
Wo sollen wir da schlafen? Verzeihung, das geht nicht.
Was ist denn da? - Die Küche!
Und das Zimmer von meinem Bub.
Und oben vielleicht? - Da schläft die Oma. Und ich!
Und mein Mann, wenn er noch mal wiederkommt.
Mein Mann ist auch noch nicht wieder zurück, aus Russland.
Aber wo schlafen müssen wir! - Bisschen Platz kann man da schaffen.
Ei, Besuch haben wir!
(lacht) Wie schön! Wie schön!
Oma, da geht's nicht zum Klo! - Ich brauch 'n Schnaps!
Ihr auch?
(Irres Lachen)
Ein Frisörsalon!
Wenn hier kein Platz ist!
(Geklirr)
Moment! Das geht nicht!
Ich lass mir von euch nicht meinen Salon verlausen!
Wir sind im Lager entlaust worden.
Hm, wie das wieder riecht!
(Sie lacht.)
Mittwoch, das ist mein Mangeltag! Na, Kinder kommt! Kommt mal!
Kommt.
Riecht. Hm, das riecht gut, nicht?
(lacht) Ja!
(Hoffnungsvolle Musik)
So.
Jetzt das Kissen.
Jetzt kommt mal her. Ich erzähl euch eine Geschichte.
Also, der Rübezahl.
Das war ja ein ganz Wilder, aber dann...
Mama? Gibt es hier noch Nudeln?
Ja, sicher. Schau mal!
Deswegen hab ich doch die Mühle mitgenommen.
Wann kommt der Papa wieder? Ich weiß gar nicht mehr, wie der aussieht.
Mein Schatz.
Der kommt bestimmt wieder, bestimmt.
Und jetzt beten wir.
Für ihn...
... und für uns.
Lieber Vater im Himmel.
Wir danken dir, dass du uns auch heute so gut beschützt hast.
Wir bitten dich, dass du genauso gut sorgst für unseren Papa.
Wo auch immer er jetzt ist. Amen.
Amen.
(Düstere Musik)
(Musik)
Guten Morgen! - Morgen.
Ich will gefragt werden!
(Tür quietscht.)
Guten Morgen! - Morgen.
Gisela!
Anni. - Es tut mir so leid. Ich...
(Schluchzen)
Da hast du das Walterchen gut durch den Krieg gebracht und dann das.
Ich versteh auch, dass du den Laden aufhast.
Guck mal! - Pscht. Ich hab Einquartierung.
Von Bill.
Ich kann's gar nicht abwarten. Die erste Färbung wieder.
Amerikanisch.
Soll ich Ihnen Wasser aufsetzen? - Ich mach schon selbst.
Können Sie vielleicht Amerikanisch?
Ein bisschen Englisch.
Das wird nicht anders funktionieren, als unsere Färbung früher.
Und wenn nicht? Dann lauf ich mit grünen Haaren rum.
Was steht denn da?
Hier steht: "Wenn Sie..."
(Schrei einer Frau) Nein!
Die holen Albert.
(Dramatische Musik)
Wer hat denn da gequatscht?
(Frau schluchzt.)
Von wegen die Amis sind besser! Die holen die Leute genauso ab.
Aber diesmal sind es die Richtigen!
(Wasserkessel pfeift.)
Guten Morgen.
Guten Morgen.
Ich hab Ihnen etwas mitgebracht. Für... Ihre Kinder.
Dankeschön.
Sie könnten einen Haarschnitt gebrauchen.
Ich kann gut schneiden.
Vor dem Krieg hab ich meinem Mann auch immer die Haare geschnitten.
Bitte!
Könnte ich Kamm und Schere leihen, bitte?
Eine Schere müsste auf der Anrichte liegen.
Die Dame braucht Kamm und Schere!
Dankeschön.
(Leise Musik)
Los, kommt schneller!
He, wartet!
Ich bin schneller!
(Hoffnungsvolle dynamische Musik)
Au!
Au.
Au, mein Fuß.
Man sieht nichts.
(Musik)
(Ein Gewitter nähert sich.)
(Entferntes Donnern)
(Spannende Musik)
(Jemand atmet ängstlich.)
(Knistern)
Da war jemand! Da war Rübezahl!
Dummerchen.
Den Rübezahl gibt's doch nur bei uns zu Hause.
(Jemand atmet.)
(Gewitter nähert sich.)
Und wo ist meine Schere? - Die hab ich auf die Ablage gelegt.
Nicht die! Die, die heute Morgen fehlte.
Sie unterstellen mir, ich stehle? - Solange meine Schere weg ist.
Die Schere wird sich finden. Ich hab sie nicht genommen!
Ich verstehe, dass Sie ungehalten sind wegen der Einquartierung.
Es war nicht richtig, dem Pfarrer die Haare zu schneiden.
Es war eigenmächtig. Aber ich wollte mich für das Essen bedanken.
Mama, Mama! Schau mal, was wir dir mitgebracht haben.
(Hühner gackern.)
Sehr schön. Und ich hab Milch und Eier bekommen.
Gibt es Nudeln? - Heute gibt's Milchsuppe.
Milchsuppe mit Huhn, Mama! - Das kann man nicht mehr essen.
Das war vielleicht krank. Heinz, wirf's weg!
Fritz, komm mal her!
Hier. - Ich war nämlich krank.
Ja. Guten Appetit.
(Löffel schabt am Teller.)
Schmeckt's? - Schon alle.
Bald reicht's auch wieder für Nudeln.
Womit habt ihr die Ähren abgeschnitten?
Die Wahrheit!
Wir haben uns 'ne Schere geborgt.
(Spannende Musik)
Wo kommst du jetzt her? - Ich musste frische Luft schnappen.
Frische Luft kannste auch im Stall schnappen.
(Muhen)
Na, dir komm ich noch drauf.
Ich möchte mich entschuldigen.
Sie hatten recht.
Die Kinder hatten sich die Schere ausgeliehen.
Ich hätte ein Auge drauf haben müssen. Tut mir leid.
Hauptsache, sie ist wieder da.
War gar nicht übel, Ihr Haarschnitt.
Haben Sie Ihr Mehl gekriegt im Laden?
Unsere Lebensmittelkarten sind hier ungültig. Ich muss neue beantragen.
Ihr Kleiner war krank? - Ja. Eine schwere Lungenentzündung.
Mitten auf der Flucht.
Meiner war auch alle naslang krank. Mumps, Diphterie, den Typhus 43.
Was der alles überlebt hat.
(Schluchzen)
Das wir ausgerechnet jetzt stören müssen.
Darf ich fragen: Wo ist Ihr Mann?
Auch in Russland?
Rheinwiesen, bei den Amerikanern. Ich hab grad Nachricht bekommen.
Aber was man da so hört! Die sterben wie die Fliegen.
Es sind einfach zu viele auf den Wiesen, dazu die Ruhr.
Ich hoffe, Ihrer kommt wieder.
Und Ihrer auch.
Karl Ludwig heißt meiner.
Paul...
Vielleicht kann ich Ihnen helfen?
Irgendwie. Im Laden vielleicht?
Ich hab auch schon dran gedacht.
Aber vorher muss ich Ihre Haare sehen!
(Musik)
(Ruhige Klaviermusik)
Wie neu geboren.
Wiedersehen.
Bis morgen!
Hallo?
So sehen die neuen Lebensmittelkarten aus.
Guck mal, was hier wächst. Wie in der Heimat.
Ich dachte, wir können die ins Grab werfen.
Du gehst doch zur Beerdigung? - Nein.
Wir gehören doch jetzt auch hierher. - Ich nicht!
Wenn der Karl wieder da ist, gehen wir zurück.
Ja, aber... bis dahin müssen wir doch weitermachen.
Ich geh!
(Ruhige Klaviermusik)
Was heißt: Was gibst du mir dafür?
What will you give me?
Und...
Ich geh zur Beerdigung. Setzt ihr Wasser auf für den Leichenschmaus?
Geh da mal runter.
Wo habt ihr das her? - Von der Hexe.
Frau Hofmann. Und wo lag das?
Im Sekretär. - Mach das nicht noch mal, ja?
Shit! Ich hab noch 'ne Verabredung. - Mit wem? Geschäfte?
Wehe, du verpfeifst mich. - Mach ich doch gar nicht.
(Leise Musik)
(Ihr fällt etwas um.)
Wir nehmen Abschied...
... von Wolfgang Pfingst.
14 Jahre.
Der Herr segne dich und behüte dich.
Er lasse leuchten sein Angesicht auf dir und gebe dir Frieden.
Oskar Rinn.
15 Jahre.
Der Herr segne dich und behüte dich.
Er lasse leuchten sein Angesicht auf dir und gebe dir Frieden.
(Traurige Musik)
Hofmann, Walter.
15 Jahre.
(Traurige Musik)
Kein Segen! Dass er so weit geht.
Lasst uns zusammen singen: "So nimm denn meine Hände."
(Trauergemeinde singt) "So nimm denn meine Hände."
(singen) "Und führe mich."
(singen) "Bis an mein selig Ende."
(singen) "Und ewiglich."
(singen) "Ich mag allein nicht gehen."
(singen) "Nicht einen Schritt."
(singen) "Wo du wirst gehen und stehen."
(singen) "Da nimm mich mit."
(singen) "In deiner warmen Höhle."
(singen) "Mein schwaches Herz."
Der Paul kommt.
(Geflüster)
(Die Gemeinde singt noch.)
Der Paul kommt.
(Der Gesang verstummt.)
Der Paul.
(Traurige Musik)
(Schluchzen)
Kinder?
Kinder!
Der Mann von Frau Hofmann ist wieder da. Wir machen einen Spaziergang!
Ulrike?
Bauchweh.
Bewegung! Ihr müsst euch bewegen! Ulrike, komm! Los, Schätzchen!
So, jetzt ist gut.
Gut, mein Schatz.
Der schöne Kuchen...
Euer Bauch ist das nicht mehr gewöhnt.
Bist du böse auf uns? - Auf Heinz bin ich böse.
Warum hat er euch allein gelassen?
Die Wahrheit! Raus damit.
Er hatte eine Verabredung.
Da drüben an der alten Fabrik.
Mama, die küssen sich!
Es ist besser, die haben wir nicht gesehen.
Los jetzt!
Ihr bleibt hier!
Gib mir noch mehr.
(Pfiff)
Los abhauen! - Verschwindet alle!
Wie konntest du das nur machen? Weißt du, was passiert ist?
Wie passiert? - Warum hast du sie allein gelassen?
Du schlägst mich nicht! Du bist nicht meine Mutter!
Du stehst unter meiner Obhut, bis wir deine Eltern gefunden haben.
Meine Eltern? Die finden wir nicht wieder.
Danke und bitte und abwarten, dafür kriegen wir nichts!
Man muss stehlen, sonst verrecken wir! Kapier das endlich!
(Düstere Musik)
Dein Mann... der kommt auch nicht wieder.
Niemand kommt zurück aus Stalingrad. Niemand.
(Düstere Musik)
Heinz, warte!
(Düstere Musik)
Der Heinz, muss der jetzt auf die Flucht?
(Schluchzen)
Dass du wieder da bist, Junge.
(Er weint.)
Paul.
Der Walter...
Ich muss...
(Es klopft.)
Entschuldigung, ich wollte mich nur entschuldigen wegen dem Kuchen.
Ist schon gut. Unsere Einquartierung aus Schlesien.
Müssen Sie eigentlich immerzu stören!
Entschuldigung.
Der Walter ist tot.
Und du denkst an dein Aussehen.
Paul?
Ich muss dir was sagen.
Der Walter...
Paul.
Paul!
Paul!
(Heftiges Atmen)
Paul!
(Im Nebenzimmer quietscht das Bett.)
Es tut mir leid.
(Sie atmet tief durch.)
Vielleicht kommt dein Mann ja doch zurück.
Ich darf die Hoffnung nicht aufgeben.
Sonst stehe ich das alles allein nicht durch.
Ich kann doch auch für euch sorgen.
Du bist doch noch viel zu jung, Heinz.
Wenn man was auf dem Schwarzmarkt erreichen will, dann jetzt.
Was...
Was war mit dem Jungen?
Er hat halt dran geglaubt.
Er war dumm.
Dumm?
Du hast ihn dumm gemacht. Du und dein verdammter Hitler!
Du hast doch auch dran geglaubt. - Am Anfang, ja!
Aber doch nicht bis zum Ende! Das waren alles Verbrecher!
Was glaubst du, was ich alles sehen musste!
Paul.
Aufhängen sollte man die! Das ganze Volk!
Aber wir hier, wir haben das doch gar nicht gewusst.
Ja, du! Du weißt gar nichts!
Ich muss dir noch was sagen!
(Tür schlägt zu.)
(Bedrückende Musik)
Guten Morgen.
Guten Morgen.
Ich hab mich noch gar nicht vorgestellt.
Johanna Dawe.
Machen wir's so.
Ihre Frau war so gut, mich und die Kinder aufzunehmen.
Tut mir leid, dass ich gestern gestört habe.
Wir stören überhaupt. - Das ist nicht Ihre Schuld.
Wo sollen Sie denn sonst hin?
Ja.
Sie haben's gut, dass Sie wieder zu Hause sind.
Zu Hause...
Mir ist hier alles fremd geworden.
Wo kommen Sie her?
Schlesien.
Wie sieht's da aus in Schlesien?
Schön! Wie in der Heimat eben.
Aber in Breslau, wo ich herkomme, da ist alles abgebrannt.
Da gibt's nichts mehr.
Sie sind aus Breslau rausgekommen, bevor die da alle verheizt haben?
War Walter Ihr einziger Sohn?
Ja.
(Traurige Musik)
(Knistern)
(Musik)
(Atmen)
(Oma singt) "Ich wünscht, ich wär ein Huhn, da hätt ich viel zu tun."
(singt) "Da legt ich vormittags ein Ei und nachmittags mal zwei."
Die Oma hat immer gern Musik gehört.
Ihr ganzes Geld ging für Platten drauf, wahr Oma?
Ja, ja. Ich wär' gerne zur Bühne gegangen.
Das riecht gut. Was ist das?
Nudeln. Die hab ich zu Hause immer gemacht.
Hier gibt's nur Kartoffeln.
Wo waren Sie?
Am Anfang war ich in Russland.
Da ist mein Mann immer noch.
Wann haben Sie zuletzt von ihm gehört?
5. Januar '43.
Stalingrad.
Schieß mal hier rüber! - Gib ab!
So und jetzt schieß ich unser Abendbrot.
(Gegacker)
Ist das jetzt ein Suppenhuhn?
Noch nicht.
Frau Hofmann? Da ist schon wieder ein totes Huhn.
Wirf's auf den Mist!
Tag, Willi. - Gisela!
Wenn du mich fragst: Die ist vom "Stamme Nimm"!
Die hat sich das Getreide von deinen Feldern geholt.
(flüstert) Au weia, der Bauer.
Tag, Willi. - Tag, Paul!
Schön, dass du wieder da bist. Hab's gehört.
Liesel.
Und von Ihnen will ich mein Getreide zurück.
Lässt sich schlecht machen, Willi.
Weil... da ist unser Getreide auch drin.
Und das da, da... Das sollte eine Überraschung sein.
Für die Liesel.
Die verlobt sich doch, sagt die Gisela.
Und weil Ihre Tochter so nett war zu uns Flüchtlingen...
Da dachten wir, wir schenken was Besonderes. Als Hausgemeinschaft.
Meine Spezialität, Nudeln.
Bitteschön. Probieren Sie doch mal.
Oh, Nudeln.
Ob das Ihrer Tochter wohl schmecken könnte?
(Hoffnungsvolle Musik)
(Schmatzen)
Lieselotte!
Da kommt eigentlich noch Zimt und Zucker drauf.
Ja, das schmeckt meinem Mädchen.
Ähm, wie viel braucht man denn da so für 50 Personen?
Ach, 'ne ganze Menge.
Hm.
(Dramatische Musik)
Ich hab da noch was.
Tot? Nehm ich nicht, war bestimmt krank.
Keine Sorge. Kopfschuss. Genickbruch.
Wie viel? - Butter, Mehl und 'ne Wurst.
'ne Wurst?
(Spannende Musik)
(Wasserkessel pfeift.)
Soll ich gehen?
Nee, lass mal, ich mach das schon. Entschuldigen Sie mich.
Allein schon der Gang.
Sie legt's wirklich drauf an ohne Scham.
Und Paul natürlich. - So wie der aussieht?
Ich meine, so ausgemergelt. - Denkste!
Keine Kraft, um anzupacken.
Aber mit 'nem schlesischen Flittchen anzubandeln, dazu reicht's noch.
Du lässt dir nicht mehr die Haare von ihr waschen!
Aber sie macht das doch so gut. - Gewöhn dich nicht dran.
Die bleibt nicht lang. - Das bestimmen wir selbst.
Mama, Mama, wir haben einen Brief!
(Spannende Musik)
(Bedrückende Musik)
(Sie schnieft.)
(Bedrückende Musik)
(Schniefen)
(Weinen)
(Schluchzen)
Für mich brauchen Sie nicht tapfer sein.
(Schluchzen)
Der Papa hat geschrieben?
Der Mann, der uns diesen Brief geschickt hat, der schreibt -
- dass der Papa gesagt hat, dass er uns sehr lieb hat.
Und dass er immer auf uns aufpasst im Himmel.
Können wir die mitnehmen? Das sind lauter schöne Sachen!
Nein, seine Kleider, die braucht er noch!
Der da?
Fritzchen, man zeigt nicht mit nacktem Finger...
...auf nackte Männer?
Hello, boys and girls!
Ich kann zaubern.
Aus einem Suppenhuhn wird eine...
Will auch, kann ich auch? Will auch, kann ich auch?
Ja.
Hier.
Jetzt kommt mal mit.
Ich weiß Bescheid.
Danke.
(Das Bett knarrt.)
Man fragt sich, mit wem du verheiratet bist.
Mit mir oder dem schlesischen Flittchen?
(Bett knarrt.)
Und du?
Was verschweigst du mir denn?
Wo fährst du hin mit Fahrrad? Morgens, abends?
Hast du was mit jemandem?
Machst du jetzt mit den Amis rum? - Du machst mir Vorwürfe?
Wo du immer nur Augen für die anderen hast?
Bist doch immer noch der Alte.
Fremdgeher.
Der Walter ist tot.
Und du glaubst, ich geh dir fremd.
Ich weiß nicht mehr, was ich glauben soll.
(Schluchzen)
(Bett quietscht.)
Ich war ja auch allein die ganzen Jahre.
Und als der Walter dann... - Hör auf!
Ich will davon nichts mehr hören! - Ja, immer wenn es schwer wird!
(Sie weint.)
Warum hältst du nicht zu mir?
He? Warum lässt du mich immer allein?
(schreit) Immer allein lässt du mich! Warum?
(nebenan) Warum?
(Leise Musik)
Die Nudeln für die Verlobung... Der Bauer hat zu viel geliefert.
Das reicht auch noch für was... anderes.
Schreib einfach auf, was du brauchst.
Ich nehme Sie auf, und Sie nehmen mir meinen Mann weg!
Schöner Dank!
Flittchen!
Jetzt reicht's aber. - Mir reicht's schon lang!
Ich will, dass ihr verschwindet! Du und dein verlaustes Pack!
Finger weg! Ich will keine Krätze kriegen!
Ich bin sauber. Vor allem hier drin!
Ich hab nicht so schmutzige Gedanken!
Dazu braucht man nur Augen im Kopf!
Lassen Sie meinen Mann in Ruhe und verschwinden Sie!
(Musik)
(Motor knattert.)
(Stellt Motor aus.)
Hi boys!
Good morning, you me dubelgum.
(Klopft an.)
Bill McMillan, Second Unit. - Gisela Hofmann, guten Tag!
You want to me?
You come because of my Nudeln?
Ja. - Wait.
Look!
Look!
It's no Schwarzmarkt.
I got the things from a farmer.
I'm doing him a... Gefallen.
Favour. - Yes, yes.
For his daughter's, ähm... Verlobung.
Bevor wedding.
I know, Anni is there too at the party!
Anni? - Hm.
Ja, schön!
Aber Sie sollten vielleicht ein Business anmelden.
Sie meinen, ich könnte ein Geschäft aufmachen?
Sure! Sie brauchen nur ein Lizenz.
And that's all.
Ma'm. - Ma'm.
Schade, was?
Das Anschwärzen hat nicht geklappt. Aber wir bleiben sowieso nicht hier.
Denunzianten sind seelisch verlaust!
(Musik)
Sie wollen die Witwenrente beantragen.
Ich hab schon alles vorbereitet. - Deswegen bin ich nicht hier.
Ich bestehe auf unsere Einquartierung beim Pfarrer.
Ich hab schon gehört, es gibt Spannungen mit meiner Kusine.
Setzen Sie die Einquartierung durch. Sonst gebe ich den Amis einen Tipp.
Ich hab Sie schon erwartet. Kommen Sie.
Sie nicht!
So.
Ja, also das ist das Wohnzimmer.
Oh!
Wenn Sie mal Radio hören wollen... Ich kann AFN und BBC empfangen.
Und hier, das ist die Küche.
Oh!
Wenn die Schule losgeht, kannst du da deine Schularbeiten machen.
Hier ziehen wir unser Nudelgeschäft auf.
Und ich bring sie unter die Leute!
(Musik)
Leckere, frische Nudeln. - Kenn ich nicht.
Nahrhaft, voller Eier.
Hast du auch Kaffee? - Ja.
Wie teuer? - 14.
Zu teuer, danke.
Kaffee 12, das erste Pfund 11, wenn Sie Nudeln nehmen, 2.
Gut, ich warte hier.
(Spannende Musik)
Fallen lassen! Hände Hoch!
Military Police!
Ihr Schwarzmarktleute, wir kriegen euch alle.
Now get him out of here!
(Rascheln)
Bleib stehen!
Bleib stehen!
Du brauchst keine Angst zu haben.
Wer bist du denn?
Kannst du mich verstehen?
Hast du Hunger?
(Bedrückende Musik)
Danke!
Tag!
Ist Heinz schon aufgetaucht?
Danke.
Falls ich ihn sehe, schick ich ihn sofort zu Ihnen.
Hoffentlich ist ihm nichts passiert.
(Musik)
Was machen Sie da?
Ich wollte lüften, Staub wischen. - Nein, nein, nicht hier.
Nicht im Zimmer meines Jungen! Bitte.
Aber... - Bitte!
(Hoffnungsvollere Musik)
Heinz!
Heinz!
(Fröhliche Musik)
Ihr Kleinen!
(Er lacht.)
Ich hab schon Angst gehabt, dass ihr mich nie wieder ärgert.
Ihr kleinen Nervensägen.
Komm hoch.
Ich dachte schon, du kommst nie mehr wieder. Wie der Papa.
Nein!
Geht's euch gut? - Uns schon.
Dann hat ein Zahnarzt mein Gebiss geprüft, wie auf dem Pferdemarkt.
Und dann haben sie mir geglaubt, dass ich 14 bin -
- und mich laufen lassen. Gott sei Dank.
Hm, Gott sei Dank.
Mit dem Schwarzmarkt ist jetzt Schluss!
Ich hab eine Lizenz beantragt.
Mensch Junge, wir haben uns Sorgen gemacht!
Könnte ich Sie einen Moment sprechen?
Allein.
Wir sind hier sowieso fertig.
Heinz, bringst du die beiden ins Bett?
Gute Nacht, ihr zwei! - Gute Nacht!
Nacht! - Schlaft gut!
Nacht!
Nacht! - Schlaf schön!
Ich wollte mich bei Ihnen entschuldigen.
Es ist Ihr Heim.
Nicht meins. - Ja, aber es soll doch...
...auch ein bisschen...
...Ihres werden.
Seit Sie hier sind, ist es...
(Musik)
Es ist nur...
(Musik)
Als würde Martin...
...noch mal ausgelöscht.
Er musste noch zum Volkssturm.
Und als er in Koblenz... die Panzer hat durchrollen sehen...
...hat er sich abgesetzt.
(Klopfen)
Aber es hat ihm nichts genutzt.
Sie haben ihn drei Tage vor dem Einmarsch der Amis...
...hingerichtet.
Hier am Dorfrand.
An der Mühle.
25. März.
19.07 Uhr.
(Traurige Musik)
Ich hab ihm in die Augen gesehen.
Ich konnte nichts...
...für ihn tun.
(Traurige Musik)
(Schüsse)
(Traurige Musik)
(Traurige Musik)
"Nein!"
(Stöhnen)
(Traurige Musik)
Ich werde sein Zimmer nie wieder betreten.
Nein, nein.
Nein, das ist gut so, dass wir das mal angehen.
Ja.
Wenn Sie irgendwas brauchen können von den Kleidern...
Für sich oder die Kinder.
Nehmen Sie ruhig.
Bitte.
(Musik)
Post! Von den Amis.
Die Lizenz!
Jetzt geht's los!
(Musik)
Abgelehnt?
Ich hatte so darauf gehofft.
Die verstehen gar nicht, was du willst.
Mit deinen Nudeln.
Du musst es ihnen erklären.
Wie denn?
Lass sie probieren.
Du brauchst keine Angst vor mir zu haben.
Hab ich auch nicht.
(Musik)
Hier, mein Ausweis.
Ich komme wegen einer Lizenz für meine Nudeln.
Kennen Sie Nudeln?
Ist's Pasta.
Die mach ich selber.
(Sie sprechen Englisch.)
Die schmecken sehr gut. Mit Zimt und Zucker.
(Sie sprechen Englisch.)
Gonna try this!
Hier, probieren Sie.
(Musik)
Guten Tag!
Kriegen wir jetzt endlich einen better Koch?
Ich... komme wegen der Lizenz für meine Nudeln.
Bitte probieren Sie!
Wo ist das Nudel?
It must have been really good.
Vielleicht darf ich Sie zu einem Dinner in mein Haus einladen?
Sure.
(Hoffnungsvolle Musik)
Da sind sie! Da sind sie!
(Musik)
Shit!
(Amerikanische Bigbandmusik)
(Glenn Miller: "String of Pearls")
(lacht) Danke!
Ich hab seit '39 nicht mehr getanzt.
Thank you!
Ich hol den Nachtisch.
Nudeln mit Zimt und Zucker.
Danke.
Nette Frau!
Nette Idee, dieses Nudeln.
Nett von uns, to give you licence to help your economy grow.
Besser bei uns als unter den Russen, right?
Nein? You don't think so?
Sie finden, wir sollten es wie der Russe machen?
Ja. Manchmal sollten Sie härter sein.
Gegen die schlechten Deutschen.
Rattatata ... (Schüsse)
Meinen Sie das?
That's not democracy.
Ist das Demokratie, die Denunzianten frei rumlaufen zu lassen?
"Oh, nein! Bitte!"
"Geh weg!" - "Nein."
(Schrei)
In diesem Dorf gibt es so viele Denunzianten.
Das ist Ihnen egal.
Ihr wollt das nicht wissen.
You don't want to know.
Wait a minute.
Was wollen Sie damit sagen?
Wir stecken sie in ein Camp, all diese Denunzianten.
Never heard to Darmstadt? Our Internierungslager?
That's full of diese verdammten Denunzianten.
Bitte, keine Politik. - But it's all politics!
We want to know! Aber wir brauchen Namen.
Give me the names!
You damned germans never give names! - Ich bin Pfarrer! Kein Denunziant!
Und kein Richter!
Excuse me!
Mir geht's nicht gut.
Er hat seine ganze Familie verloren.
Drei Söhne und seine Frau.
Really?
Ich dachte, er ist Ihr Mann.
Ich muss gehen.
Officer Schmeidler!
Ich hab mich gefragt, woher kenn ich diese Nudeln?
Sie haben sie auf'm Schwarzmarkt verkauft.
(Motor springt an.)
(Düstere Musik)
Das war der Offizier, der mich verhört hat auf'm Schwarzmarkt.
Es wäre mein Neubeginn gewesen, meine Zukunft!
Und du machst alles kaputt! - Ich wollte doch nur...
Lass mich in Ruhe!
(Düstere Musik)
Ja, sehr gut!
Erst sich betrinken und dann über sich weinen!
Aber da kommt bei mir kein Mitleid hoch!
Ich kann kein Pfarrer mehr sein. - So'n Quatsch!
Wie war's?
Es wird nichts mit der Lizenz.
(Traurige Musik)
Lass uns weggehen.
Zusammen neu anfangen.
Alles hinter uns lassen.
Neue Stadt.
Vielleicht ein neues Land.
Neues Leben.
Ich... ich erwarte auch gar nicht viel.
Ich meine...
Du hast deinen Mann verloren, ich mein Kind.
Ist da wer?
(Musik)
Gute Nacht.
(Musik)
Ich hatte Geräusche gehört.
Ich brauchte frische Luft. Gute Nacht.
Es tut mir leid wegen...
...wegen vorhin.
Aber...
Dieser Hass.
Ich habe, ich habe so viel Hass in mir.
Ich begegne ihnen... im Dorf.
Auf dem Friedhof.
Ich verkünde ihnen das Evangelium.
Aber alles in mir schreit: Ihr sollt tot sein!
Ich hasse euch.
Bitte... vergessen Sie, was Sie gehört haben.
Bitte.
Warten Sie!
Ich will jetzt wissen, was hier los ist im Dorf.
Was ist zwischen Ihnen und den Hofmanns?
Warum haben Sie mich benutzt?
Ich hab ein Recht darauf, das zu erfahren.
Sie haben ihn denunziert.
(Spannende Musik)
Deswegen haben Sie Walter Hofmann nicht gesegnet.
Es ist so schön, dass Sie da sind.
Gute Nacht.
Gute Nacht!
Guten Morgen! - Guten Morgen!
Schon so früh? - Ja!
Die Gräber müssen schön sein.
Und Walters Grab? Kriegt das kein Wasser?
Ach, bei den vielen Stücken, da weiß man ja gar nicht, wer wo liegt.
Sie wissen gar nicht, ob der Walter da liegt?
Ja. Die Gisela, die ist schlau.
Immer ein schlaues Mädchen gewesen.
An Walter Hofmann?
Mein Sohn ist tot.
Das ist ein Brief für Walter.
Was haben die Amis mit Walter?
Das Visum!
Gott sei Dank!
(Dynamische Musik)
Walter?
Gisela!
Gisela!
(Dynamische Musik)
Zieh die aus! Die gehört dem Sohn vom Pfarrer!
Los, zieh die Jacke aus! Zieh sie aus!
Das ist Martins Jacke! Weißt du, was du getan hast!
Rühren Sie meinen Sohn nicht an!
Das Visum ist da!
Und Sie werden ihn nicht aufhalten. - Ich will nicht nach Amerika.
Du wolltest das! - Aber Junge, willst du ins Gefängnis?
Ich will, dass es endlich aufhört.
Bitte zeigen Sie ihn nicht an.
Walter!
(Musik)
Ist alles gut. Ist alles gut.
Und du hast nichts gesagt die ganze Zeit.
Und Sie? Haben Sie es auch gewusst?
Ich will aber nicht! - Hier können wir nicht mehr bleiben.
Ich will aber! - Es geht nicht darum, was wir wollen!
Geh mit den Schuhen vom Bett runter!
(Dynamische Musik)
Wartet schon mal da vorne. Ich muss noch zum Pfarrer.
(Ruhige Musik)
Ich will mich verabschieden.
Wir können hier nicht bleiben.
Es ist zu viel passiert.
Ich danke Ihnen für alles.
(Ruhige Musik)
Ich muss das allein machen.
(Traurige Musik)
Du...
...bist nicht tot?
Bitte vergeben Sie mir.
Ich...
...kann das nicht.
Wenn ich es doch nur ungeschehen machen könnte.
Das kann man nicht.
(Traurige Musik)
Lieber Gott, es tut mir so leid.
(Traurige Musik)
Ihr könnt nicht weg! Ihr habt mit der Sache nichts zu tun!
Ihr habt euch hier schon was aufgebaut.
Wir werden hier nie heimisch. Wir müssen woandershin.
Hi! You want Bubblegum?
Are you leaving? - Wir müssen.
I'm going to Frankfurt. If you want...
Come on!
(Hoffnungsvolle Musik)
Eins, zwei, drei und hopp!
(Hoffnungsvolle Musik)
Ich schreib dir!
(Musik)
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