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(Ruhige Musik)
Irgendjemand hat mal gesagt:
Glück ist nur eine Frage der richtigen Perspektive.
Gefällt mir. Ich meine, hey,
wer hat in meinem Alter schon einen eigenen Fahrdienst?
Wer fährt mit 20 Litern privatem Sauerstoff durch die Gegend?
(Das Baby quengelt.)
(Helle Klaviermusik)
(Nachdenkliche Musik)
Grüezi.
Grüezi. - Grüezi. Wohin soll's denn gehen?
Erst ein paar Tage klettern ins Tessin zum Aufwärmen
und dann muss ich für zwei Wochen ins Trainingscamp.
Okay. Danke schön.
Wieso hast du eigentlich ein Handy, wenn du nie drangehst?
Mama, ich arbeite. Was gibt's denn so Dringendes?
Ich kann Lea nicht erreichen. Auf der Station weiß auch keiner was.
Na und, ist sie halt shoppen? Oder sie will mal ihre Ruhe?
Könnt ich sogar verstehen. - Was soll das denn heißen?
Nichts, vergiss es einfach. Die taucht schon wieder auf.
Wenn du was weißt, dann würdest du's mir doch sagen, oder?
Als Erste, Mama.
(Metalmusik)
(Metalmusik aus Kopfhörern)
Wusstest du, dass - statistisch gesehen - Mukoviszidose-Kranke
eine höhere Lebensqualität haben als Medizinstudenten?
Was?! - Schon gut, was nur ein Witz.
Für Notfälle gibt es immer noch die Parallelwelt.
In der Parallelwelt ist alles anders.
Da kann ich machen, was ich will.
In der Parallelwelt bin ich frei.
(Leichte, trippelnde Musik)
(Sie keucht.)
Brauchst du Hilfe?
Geht schon. - Wir haben leider keinen Aufzug.
Macht doch nichts. In zwei Stunden komm ich da locker rauf.
(Sie atmet schwer.)
(SMS-Eingangston)
(Sauerstoff strömt geräuschvoll ein.)
(Handyläuten)
Bloch?
Heiner Bloch? Hier ist Rita Oswaldt. Die Schwester von Lea.
Der Muko, den du entjungfert hast.
Und, was gibt's? Ist sie tot?
Nein. Aber nicht auf ihrem Zimmer.
Ich dachte, du könntest mir weiterhelfen.
Bei mir ist sie nicht. Ich komm grad aus dem OP.
Dann könntest du ja mal bei ihr vorbeischauen.
Nur, dass sie keinen Unsinn macht. - Weißt du, wie lang das her ist?
Ich schon. Und du?
Ich kann versuchen, nachher noch mal vorbeizuschauen.
Aber versprechen kann ich nichts.
Das hätte mich auch erschüttert. Danke trotzdem.
(Sie keucht laut.)
Lea Oswaldt? Ich bin Michaela Orff. Wir haben telefoniert.
(Huster) 'tschuldigung.
Das macht doch nichts. Gibt's hier keinen Aufzug?
N-n. Kleine Fehlplanung meinerseits.
(Handyläuten)
Wollen Sie nicht rangehen?
Jetzt lieber nicht. Kann ich noch schnell was klären?
Natürlich.
Jetzt bräuchte ich vielleicht doch Hilfe.
Ich hab nämlich mein Ladegerät vergessen.
(Sie sprechen Vietnamesisch.)
Ich kümmer mich drum. - Danke.
(Ruhige Musik)
Bleiben Sie sitzen. Hallo.
Sie sind jung.
Und ist das jetzt gut oder schlecht für mich?
Sagen Sie's mir.
Ich bin mindestens gefühlte 100, falls Sie das beruhigt.
Das glaub ich Ihnen. Ich habe Ihre Unterlagen gelesen.
Gut. Dann sind wir beide ja schnell fertig.
Na, na, ein paar Dinge möchte ich von Ihnen schon noch wissen.
Sie haben mir doch gesagt, ich hab grünes Licht?
Haben Sie auch. Im Prinzip jedenfalls.
Und ohne Prinzip?
Vor der endgültigen Entscheidung muss der Arzt sich
noch ein persönliches Bild von Ihnen machen.
Das ist Teil des Protokolls. Anders geht es leider nicht.
Bei dem Schritt, den Sie vorhaben, ist es besser,
man redet einmal zu viel darüber, als einmal zu wenig.
Finden Sie nicht auch?
Na, das kommt ganz auf das Ergebnis drauf an.
Sie sind sich Ihrer Sache sehr sicher.
Ich kenne meine Optionen, sagen wir mal so.
Sie glauben, diese Option ist die einzige,
die für Sie noch in Betracht kommt?
Warum wollen Sie sterben, Lea?
Weil ich sowieso sterben werde.
Vielleicht nicht heute oder morgen, aber spätestens in ein paar Monaten.
Warum soll ich mich noch länger quälen?
Ich weiß, wie das Ende bei Mukoviszidose aussieht,
ich hab's selbst gesehen.
Ich leb mit dieser Scheißkrankheit, und ich hab keine Lust mehr.
Sie sagen, Sie wissen, wie das Ende bei Mukoviszidose aussieht.
Denken Sie dabei an Ihren Bruder?
Auch, ja.
Ihr Bruder ist zwei Wochen nach der Lungentransplantation gestorben.
Er hatte die Nase voll. Genauso wie ich.
Haben Sie sich deshalb nicht auf die Warteliste
für eine Transplantation setzen lassen?
Eine Lungentransplantation würde jetzt nichts mehr bringen.
Vor ein, zwei Jahren wäre das vielleicht noch anders gewesen.
Warum haben Sie es sich nicht noch mal überlegt?
Keine Ahnung.
Vielleicht war ich einfach zu beschäftigt damit, zu leben?
Haben Sie eine Patientenverfügung?
Hab ich. Wenn ich ins Koma falle, ist Feierabend.
Allerdings würd ich gern verhindern, dass es so weit kommt, weil ...
... langsam zu ersticken find ich ehrlich gesagt ziemlich zum Kotzen.
Was sagen Ihre Eltern dazu, dass Sie hier sind?
Meinen Vater hab ich das letzte Mal gesehen, da war ich zwei Monate alt.
Und meine Mutter würde ihre eigene Lunge spenden,
wenn sie mich damit retten könnte.
Weiß Ihre Mutter denn, wie schlecht es um Sie steht?
Sie haben keine Kinder, oder?
Kann ... kann vielleicht jemand ...
Kann vielleicht jemand das Fenster aufmachen?
Hier drin ... hier drin geht man ja ...
(Nachdenkliche Musik)
So ist es gut!
Das ist meine tapfere Lea.
Das macht die Lunge weit. Ja, das macht sie ganz weit.
Siehst du, da sind wir. Wir haben's geschafft.
(Entfernte Vogelschreie)
Benji! Rita!
(Gelächter)
(Vergnügte Schreie)
(Musik und Stimmen entfernen sich und verstummen.)
(Frau:) Geht's wieder besser?
Dr. Seydlitz hat schon seinen nächsten Termin.
Aber er schreibt Ihnen das Rezept.
Ich will übermorgen. An meinem Geburtstag.
Kommen Sie allein oder wird Sie jemand begleiten?
Das weiß ich noch nicht. Hängt nicht von mir ab.
Ich hab's ihnen noch nicht gesagt.
Lea, ...
... ich rate Ihnen dringend, dass Sie mit Ihrer Familie reden.
Sie sind noch so jung.
Will ich ja.
(Ruhige Musik, entferntes Bellen)
Mama?
Lea?
(Sie macht die Musik aus.)
Ach, du bist es.
Mama, was wird das denn hier?
Ich hab Lea ein Fahrrad besorgt. Als Geschenk. Für ihren Geburtstag.
Ich will, dass sie nach der Transplantation
schnell wieder in Form kommt.
Deswegen mach ich hier alles neu. Mit dieser Antibakterienfarbe.
Ich weiß, ich hätte dich vorher fragen sollen, aber ...
Du bist doch nie hier!
Ich hab wirklich gedacht, es macht dir nichts aus!
(SMS-Eingangston)
Zürich?
Was will sie denn in Zürich?
(Beklemmende Musik)
(Mailbox:) Hallo Heiner, Über- raschung, hier ist noch mal Rita.
Erst mal vielen Dank für gar nichts. Jedenfalls wissen wir jetzt,
wo Lea ist und fahren alle zur großen Geburtstagsparty nach Zürich.
Vielleicht kannst du dir ja denken, was das heißt.
Also, ich wünsch dir noch 'n schönes Leben.
(Langsame Musik)
Lässt du mich bitte vorne sitzen?
Ich brauche die Beinfreiheit wegen meiner Athrose.
Wenn ich hinten sitze, wird mir schlecht.
(Klopfen)
Bist du die mit dem Ladegerät?
Die ohne Ladegerät trifft's besser.
Siehst aus, als wärst du ziemlich im Arsch.
Hast du damit 'n Problem?
Ist es schlimm genug, dass es für 'n Termin reicht?
Was denn für 'n Termin?
Deswegen bist du doch hier, oder?
Und warum bist du hier? Weil dich keiner ausstehen kann?
Vielleicht weil ich keinen ausstehen kann.
Klingt arrogant.
Ist aber 'ne Krankheit. - Aber keine, an der man stirbt.
Nur weil ich nicht von selber ab- nippel, geht's mir lange nicht gut.
Versuch's mal in der Klapse, du irrer Typ!
Da nehmen die dich mit Handkuss!
(Sie hustet.)
Manchmal ist Muko wie Magie. Ich kenn sonst jedenfalls niemanden,
der sich mit seinem Bruder auf telepathisch unterhalten konnte.
Ein Blick, und er hat genau gewusst,
wo in meinem Körper es mir gerade weh tut.
Hey Mama, natürlich warst du nicht grade begeistert,
als ich mit Benji zum Zelten an die Ostsee bin.
Richtig: Wir haben uns die ganze Nacht Gruselgeschichten erzählt.
(Wellenrauschen)
Morgens um fünf sind wir raus
und haben uns den Sonnenaufgang angeschaut.
Wir haben gezittert wie die Mäuse,
weil der Sand unter unseren Füßen so kalt war. Aber das war mir egal.
Mukomagie eben. Gehört ab sofort ins Lexikon.
(Handyläuten)
(SMS-Eingangston)
(Ruhige Musik)
(Unverständliche Rufe)
Entschuldigung, brauchst du die Spritze noch?
Oder wie wär's mit den Pillen? - Wieso?
Hast du Durchfall? - Ja. Hier drin. Die ganze Zeit.
Du bist echt krank, weißt du das?
Ja, weiß ich. Sag das mal den Leuten von deinem Verein.
Hier. Damit du auf Sendung bleibst.
(SMS-Eingangston)
(Handyläuten)
Lea? - Du bist in Zürich?
Ja, ist das nicht ein Zufall?
Sehr komisch.
Was für eine Art Geburtstagsfeier wird das denn genau?
Woher weißt du das überhaupt?
Von 'nem Vögelchen. Mit schwarzen Fingernägeln.
Hallo?
Da gibt's diese Cocktails, weißt du? Die einen so richtig umhauen.
Das ist ein Scherz, oder?
Ja, genau. Darüber lach ich dann morgen Mittag.
Warum interessiert dich das überhaupt?
Ich will dich sehen.
Ich weiß aber nicht, ob ich dich sehen will.
Sieh's doch mal so:
Die Gelegenheit kommt vielleicht so schnell nicht wieder.
Ich denk drüber nach.
Scheiße.
(Angestrengter Laut)
(Klopfen) Lea?
Hallo Mama, schön, dass ihr da seid.
Macht ihr bitte die Tür zu?
Lea, was ... - Nichts sagen. Einfach zuhören.
Und lasst das Licht aus. Bitte.
Setzt euch.
Wie alles anfing.
(Langsame Gitarrenmusik)
(Lea räuspert sich.)
Danke, dass ihr gekommen seid.
Morgen Mittag werde ich ...
... sterben.
Ich trink so ein Medikament, bei dem ich einfach einschlafen werde,
und ich fänd's schön, wenn ich dabei nicht a ...
Also, wenn ihr dabei wärt.
(flüsternd:) Nein. Nein.
Nein, nein, nein, nein. Das kommt überhaupt nicht infrage!
Du hast mir vielleicht einen Schreck eingejagt!
Du kannst das doch nicht ernst meinen.
Du hast dich da in irgendwas verrannt!
Ich werde sterben, Mama, kapier das endlich.
Ich hab einen Kuchen gebacken.
Der muss jetzt in den Kühlschrank.
Ja ...
Irgendjemand wird sich jetzt wohl mal um die Zimmer kümmern müssen.
Wir sollen dir morgen dabei zusehen, wie du dich umbringst?
Und davor fressen wir Torte am See?
Zum Beispiel, ja.
Ohne Scheiß?
Ohne Scheiß.
Wie bist du überhaupt hergekommen? - Dreimal darfst du raten.
Sag jetzt nicht, Oma? - Selber fahren ging nicht mehr.
Also hat Oma was organisiert. - Super.
Ich geh mal kurz kotzen.
(SMS-Eingangston)
Lea? - Das ist ja wohl voll daneben!
Ich meine, was denkst du dir überhaupt dabei,
hier einfach so aufzukreuzen und mir zu sagen, ich will dich sehen?
Dann kannst du dir ja vielleicht denken,
dass ich grade andere Probleme hab!
Sag mir jetzt, was du von mir willst, oder lass mich in Ruhe!
(Lea atmet schwer.)
(Ruhige Musik)
Ich hab sogar deinen Rollstuhl mitgenommen.
Ich hab gedacht, wir unternehmen irgendwas.
Können wir ja auch. Hab ich sogar gehofft.
Setz dich doch.
Ich hasse den Rollstuhl. - Glaubst du, das weiß ich nicht?
Du denkst wohl, ich weiß überhaupt nicht, was in dir vorgeht.
Du hättest mich nie fahren lassen, wenn ich dir davon erzählt hätte.
Weil das die idiotischste Idee ist, die ich je gehört habe!
Ist aber auch nicht so, als ob ich erst seit gestern drüber nachdenke.
Weißt du, wie oft ich versucht hab, es dir zu sagen?
Du hast nur Angst. - Hast du meine Werte gesehen?
Du hast Angst vor der OP, kein Wunder!
Das macht doch alles überhaupt keinen Sinn mehr!
Es muss bei dir nicht laufen wie bei Benji.
Nein, Mama ... - Du hast dieses Bild im Kopf.
Wenn ich das mach, können die Leber und Niere gleich mit austauschen.
Das sind keine Chancen.
Ich werd nicht alles wegwerfen! - Mama ...
Zeig mir mal eine Mutter, die das fertigbringt!
Mama, ...
.., ich will dir echt nicht weh tun.
Auch wenn sich das jetzt vielleicht für dich grade so anfühlt.
Aber ich brauch dich jetzt. Ich schaff das nicht ohne dich.
(Unbehagliche Musik)
Wie macht man das, ohne dass dir dabei die Puste ausgeht?
Wenn dich dein Mann verlässt und lieber in Chile
einen Kajakverleih aufmacht, zusammen mit einer Frau,
die Barfuß heißt, und die Barfuß-Kinder sind gesund,
die eigenen aber nicht?
Lea? Hallo.
Siehst du, das ... hast du jetzt davon, den ...
Den Anblick hättest dir auch sparen können ...
Sag doch so was nicht. Siehst gut aus.
Also. Da bin ich. Kannst loslegen.
Du kommst gleich zur Sache, was?
Ich hab nicht so viel Zeit.
Ah, das trifft sich. Ich muss um vier wieder in Frankfurt sein.
Ich hab so etwa eine halbe Stunde, um dich zur Vernunft zu bringen.
Dann war deine Reise leider umsonst. - Umsonst?
Weißt du, was mich der Scheiß an Sprit kostet?
Weißt du, was mich der Scheiß an Gebühren kostet?
Will ich gar nicht wissen.
Ich hätt nicht gedacht, dass ich dich noch mal wiedersehe.
Da sind wir schon mal zu zweit. Lea, ich ...
Falls das jetzt 'ne Entschuldigung werden soll,
du brauchst dich nicht erklären.
Du hattest deine kleine Muko- Freundin, ich meinen Chirurgen ...
Du gehörst in ein Krankenhaus. - Da komm ich grad her.
Ach. Und da gehst du lieber in ein Hotelzimmer,
wo sie dich einschläfern wie einen Dobermann.
Ist kein Hotelzimmer. Jedenfalls soweit ich das weiß.
Warum hast du mir nichts gesagt, ich ...
Hätte das was geändert?
Fahr mal zurück zu deinen Patienten, Heiner.
Ich brauch nicht noch 'n Arzt.
(Ruhige Musik)
(Klopfen)
Ja?
Frau Oswaldt?
Ich bin Michaela Orff.
Ich bin mir sicher, Sie wissen,
dass Sie eine außergewöhnliche Tochter haben.
Da haben Sie recht.
Lebendig ist sie mir allerdings lieber.
Wollen wir das nicht zusammen mit Lea besprechen?
Sie sitzt draußen und wartet auf Sie.
Vielleicht machen Sie erst mal Ihre Hausaufgaben!
Dann wüssten Sie, dass Lea durchaus noch eine Chance hat.
Und so lange sie die hat, werde ich um sie kämpfen.
Frau Oswaldt, wenn wir uns nicht absolut sicher wären,
dass Lea aussichtslos krank ist, ich würde hier nicht stehen.
Das können Sie mir glauben.
Lea ...
Könntest du diese Frau bitte aufklären?
Könntest du ihr bitte sagen, dass du durchaus noch Möglichkeiten hast?
Nein, Mama. Kann ich nicht.
Und die Transplantation? Die neue Lunge?
Wird's nicht geben.
Was soll das heißen?
Dein Zustand kann sich wieder bessern,
das haben wir beide oft genug erlebt.
Du willst es einfach nicht kapieren. - Was gibt es denn da zu kapieren?
Ich steh nicht auf der Liste, Mama.
Ich hab den Antrag nie unterschrieben. Okay?
Es tut mir leid, aber es ist zu spät.
(leise:) Das hast du nicht getan.
Sag mal, was willst du denn?
Irgendwer muss ja schließlich auf dich aufpassen.
Lass mich in Ruhe.
Damit du wieder nur vor allem wegrennst?
Mama, ich hab doch bald nur noch dich!
Nein, das ist zu viel! Das ist zu viel!
Das ist zu viel, das ist einfach zu viel!
(Schluchzen)
Es ist gut, es ist ... schon wieder vorbei.
Entschuldige.
Hab ich Benji jemals zu was gedrängt?
Ich weiß nicht.
Nein.
Du kannst jetzt ruhig ... ruhig wieder gehen.
Mir passiert schon nichts.
Mir wär's aber lieber, du kommst mit!
Ich kann sie jetzt noch nicht sehen, das ...
Das geht einfach nicht.
Es geht nicht.
Was soll ich denn jetzt machen?
Wenn Mama nicht dabei ist, dann ...
... kann ich auch gleich von der Brücke springen.
Ich fürchte, ...
... diese Entscheidung musst du ganz in dir alleine finden.
Ich kann mich noch genau erinnern, wie Dieter damals zu mir kam.
Kurz nach deiner Diagnose.
(Sie atmet geräuschvoll aus.)
Wie kannst du deine Familie im Stich lassen,
hab ich ihn gefragt.
Wie kannst du ihnen das antun?
Wie kannst du mir das antun?
Ich habe ihm das nie verziehen.
Bis heute nicht.
Aber ... wer weiß schon,
was das mit ihm gemacht hätten, wenn er geblieben wäre.
Was für einen Vater ihr dann gehabt hättet.
Ich geh mal kurz kotzen.
(Handyläuten)
Also, bitte. Amüsier mich!
Du kannst doch eh nirgendwo hin.
Vielleicht gehen wir beide ja dabei drauf.
Ich zieh mir was an.
Fertig.
Schöne Bilder.
Besonders das von mir.
Wenn ich male, hab ich endlich mal Ruhe im Kopf. Ist wie beim Joggen.
Machst du das mit jeder so, die neben dir einzieht?
Ja, aber keine Angst, ich steh nicht auf Todkranke.
(Kecke Musik)
Ein Taxi für die kleine Hustinette, bitte!
Aber pronto!
(Stimmungsvolle Musik)
Hier. Gab leider keine Sahne.
Ich hab ihnen gesagt, du nimmst, was du kriegen kannst.
Ist die Masche so was wie dein Geheimrezept?
Damit krieg ich sie reihenweise.
Und deswegen machst du auch nichts anderes außer malen und joggen?
Ist doch wie Urlaub.
Besonders für die anderen.
Bist du wirklich hier, weil du einen Termin willst?
Ich hab keinen bekommen.
Dann spring doch einfach vor einen Zug.
Vielleicht mach ich das auch.
Das fänd ich ehrlich gesagt ziemlich schade.
Und 'n paar andere bestimmt auch.
Was für andere?
Weiß nicht, deine Eltern zum Beispiel?
Meine Mutter hat sich die Pulsadern aufgeschlitzt.
Ich hab sie gefunden, da war ich zehn.
Das ist der Mississippi.
Und das ist der Nil.
Der Mississippi war zuerst da. Und dann kam der Nil.
Und dann wurde der Mississippi noch 'n bisschen länger.
Dann hast du aber in Erdkunde damals nicht aufgepasst.
Der Nil ist nämlich ein bisschen länger als der Mississippi.
Du bist ja ein richtig kleiner Klugscheißer!
Und du ein richtig amtlicher Psycho.
Mein Vater wohnt auf der anderen Seite vom See.
Ist so ein Macker von der Botschaft.
Der glaubt immer noch an den nächsten Zaubertrank,
der kommt und alles gutmacht. - Na, das ist doch schön.
Zumindest glaubt er noch an dich.
Ja.
Keine Ahnung, woher er das nimmt.
(Bedrückende Musik)
Lust auf 'ne kleine Bootsfahrt?
Ich hab gehört, der Zürichsee ist um diese Jahreszeit
einfach unwiderstehlich.
(Ruhige Musik)
(Vogelschreie)
(Möwengeschrei)
Ja, wir ... fahren gleich los.
Okay. Ja, alles klar.
Ist nur meine Schwester. Ich brauch den Rollstuhl.
Hier, du Nervkröte.
Mütze.
(Entspannte Musik)
# You will return to me
# Once love has set you free
He!
# Lovers have no doubt
Halt!
(Unverständlich)
# Romantic comedy
# You will return to me
# Sorrows breed alone
# But faith will bring you home
# Can shake off your disguise
# Untell all you lies
# You will return to me
# Once you can clearly see
# Dye your dress in white
# Stangers reunite
# It is not overdue
# I will return to you
# Without words to say
# I can only pray
# You shake off your disguise
# Untell all your lies
Wie wär's, wenn du einfach mitkommst?
Das geht leider nicht.
Das mit uns, das wär sowieso nichts geworden.
(Schiffshorn)
# But hold
# Is it childrens play
Mach's gut, du Glückspilz.
# Are we here to stay
# For eternity
# Uh ...
Weißt du, was ich jetzt für mein Leben gern machen würde?
Noch einmal Schnitzel essen.
Mhm.
Brauchst du deinen Schlüssel? - Ja.
Den hat schon jemand abgeholt.
Ich hab's für dich gebügelt.
Danke.
Weißt du noch, wann wir das gekauft haben?
Na klar. Was glaubst du, warum ich's ausgesucht hab?
Das war in Mailand.
Wir waren da mit Konstanze und ihren Eltern.
Und du, du wolltest unbedingt damit in den Dom!
Da haben sie dich natürlich nicht reingelassen.
No, no, no, non c'è possibile, signorina. No, no ... Oder so.
Ja. Genau.
Und dann hat der Vater von Konstanze seine Hose ausgezogen ...
.., und stand da draußen in Boxer- shorts rum, damit ich reinkonnte.
Der hatte vielleicht O-Beine. - Stimmt!
Und weißt du, was ich mir dann gedacht hab?
Ihr mit eurer Scheißprüderie. Ich lauf jetzt hier im Dom rum,
und dafür habt ihr draußen 'n halbnackten Mann stehen.
(Sie lachen herzhaft.)
Was soll ich denn machen ohne dich?
Weiterleben.
(Ruhige Musik)
Und? - Siehst so scheiße aus wie vorher.
Nur hübscher.
(tonlos:) Komm her.
Wo fahren wir denn überhaupt hin?
Keine Sorge. Ich hab uns was organisiert.
(Ruhige Musik)
(Entferntes Streitgespräch)
(Gespräche und Besteckklappern im Hintergrund)
Ich dachte, du musst so furchtbar dringend zurück?
Scheiß drauf!
Ah. Heiner Bloch. - Ah.
Hallo.
Und wer sind Sie? - Ich ...
Das ist kompliziert. - Na ja, nein, ich bin Arzt.
Er hat Lea mal operiert. - Ah.
Polypen. - Ja.
(Unverständliche Rufe)
(Atmosphärische Musik)
Mein letztes Schnitzel.
Deine letzte Bootsfahrt.
Nie wieder Treppen steigen.
Nie wieder Zimmer aufräumen.
Nie wieder Stress mit der Krankenkasse.
Okay.
Nie wieder Liebeskummer.
Nie wieder Angst vorm Ersticken. - Okay, das reicht jetzt, ja?
Guten Appetit. - Guten Appetit.
Na, wollt ihr nicht was erzählen?
Ich will ja nicht an Langeweile sterben.
Du wirst noch vom Blitz erschlagen,
wenn du den Mund so voll nimmst. - Auch gut.
Also ...
An Benjis 14. Geburtstag ... - Nein ...
Also, äh, Benji wollte unbedingt Dreadlocks.
Und Lea, die ja sein Schatten war, musste natürlich mit zum Friseur.
Lea hatte damals diese feinen Haare, diese ganz feinen Haare,
die eben so leicht verfilzen.
Stunden später kommen sie wieder nach Hause,
beide mit exakt der gleichen Frisur. Zwei hübsche kleine Wischmops.
Und dann gibt es zwei Erkenntnisse.
Erstens: Die Dreadlocks, die ziepen an der Kopfhaut.
Zweitens, die lassen sich nicht einfach auskämmen.
Lea hat geschrien wie am Spieß. Zwei volle Tage.
So lange hat es nämlich gebraucht,
bis die Dreadlocks wieder draußen waren.
Und Benji, ... der hat mit seinem schlechten Gewissen
gleich am nächsten Tag alles abrasiert.
Und hatte dann 'ne Glatze. (Lachen)
Du kannst jetzt noch nicht nach Hause, das ist dir doch klar, oder?
(Ruhige Klaviermusik)
Welche Etage?
Erste, bitte.
(leise:) Bleibst du noch für die Nacht?
(Glockenläuten)
(alle singen:) Recht viel Glück, recht viel Glück,
wünschen wir heut zum Geburtstagsfest.
Recht viel Glück, recht viel Glück,
wünschen wir der Lea heut.
Denn die Lea ist die Beste,
und so bringen wir zum Feste,
einen Strauß, einen Strauß,
und jetzt ist das Liedchen aus.
(Schweres Husten und Röcheln)
Lea?
Lea!
(Schnelles, hektisches Atmen)
(Düstere Musik)
Wir sehen uns unten.
Du bist echt der größte Sturkopf, den ich kenne.
Ich kann da jetzt nicht mit.
(Die Tür fällt ins Schloss.)
In meinem Zimmer liegt noch was für meine Mutter.
Können Sie ihr das nachher bitte sagen?
Mach ich gern.
Fertig.
Wenn du lieber hier bleibst, ich würd's verstehen.
Hallo, Lea. - Hallo.
Freut mich, dass Sie alle da sind.
Hallo. - Guten Tag.
Ich geb Ihnen jetzt das Medikament zur Beruhigung des Magens.
Die Wirkung setzt nach circa 20 Minuten ein.
Sie können Ihre Meinung immer noch ändern.
Bis zuletzt.
Und dann ist da noch etwas.
Die Einnahme des Mittels, die nehmen wir für gewöhnlich auf Video auf.
Nur zur Absicherung. Wenn Sie wollen, können wir aber darauf verzichten.
Schon okay. Wenn's danach nicht auf Youtube läuft.
Gut. Dann bräuchte ich jetzt bitte Ihren Ausweis.
Wegen der Formalitäten.
Das geht nicht. - Warum nicht?
Weil ich den zerschnitten hab.
Dann haben jetzt ein Problem. - Wieso?
Ich brauche ein polizeiliches Dokument.
Zum Nachweis Ihrer Identität.
Den können Sie ja wohl von mir bekommen.
Ich fürchte, es wird der Staats- anwaltschaft leider nicht reichen.
Hier, reicht das?
Du weißt ja, dass ich nichts wegschmeißen kann.
Gut. Dann lass ich Sie jetzt allein.
Macht mal bitte jemand das Fenster auf?
Hier drin kriegt man ja keine Luft.
(Entferntes Stimmengewirr)
(Ruhige Musik)
(Die Tür wird geöffnet.)
Lea, ich frage Sie jetzt ein letztes Mal.
Wollen Sie das wirklich tun?
Ist das wirklich Ihr freier Wille?
Ist Ihnen bewusst, dass wir hier vom Ende Ihres Lebens reden?
Ka ... Kann ich vorher noch mal kurz aufs Klo?
Natürlich.
Mama, es tut mir so leid, dass ich euch da mit reingezogen hab.
Ich hab ehrlich gedacht, so ist es für uns alle am leichtesten ...
Das weiß ich doch.
Du versprichst mir nur, dass du nichts tust,
was du nicht tun willst. Du kannst immer noch zurück.
Wir fahren einfach heim, und alles wird wieder gut.
(Unbehagliche Musik)
Alles wieder tipptopp. Bloß 'ne kleine Panikattacke.
Muss es denn hier drin sein?
Kann ich das Mittel nicht auch woanders nehmen?
Woran haben Sie denn gedacht?
(Ruhige, langsame Musik)
(Entferntes Hundegebell)
Treib Mama nicht in den Wahnsinn, okay?
Bis gleich.
Danke, Mama.
(Ruhige, sphärische Musik)
(Ruhiges, schwächerwerdendes Atmen)
Rita, machst du die Kamera an? - Ja.
Okay, dann komm ich jetzt.
So.
Lea, und jetzt ... jetzt wünsch dir was.
SWR 2016
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