All language subtitles for Circeo.S01E03.Episodio.03.1080p.WEBMux.ITA.E-AC3.ODINO

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Original subtitles

DIE SERIE BERUHT AUF WAHREN BEGEBENHEITEN.

ZU NARRATIVEN ZWECKEN WURDEN TEILE GEÄNDERT.

ÄHNLICHKEITEN SIND ZUFÄLLIG.

LATINA, 30. JUNI 1976, 1. TAG DER VERHANDLUNG

Viel Glück, Fräulein.

Danke.

Für viele junge Menschen findet heute die Abiturprüfung statt.

Für Donatella Colasanti, die die Schule abgebrochen hat,

fängt heute der Prozess gegen ihre Peiniger an.

Donatella sah ihre Peiniger das letzte Mal vor neun Monaten,

als sie sie im Kofferraum eines Fiat 127 ließen,

zusammen mit der Leiche von Rosaria Lopez.

Vor Gericht stehen Angelo Izzo und Gianni Guido.

Von Andrea Ghira fehlt noch jede Spur.

In seiner Villa fanden die Gräueltaten statt.

Die Strategien sind klar.

Eine aggressive Verteidigung für Izzo und eine gemäßigtere für Guido.

Ghira hat nur einen Pflichtverteidiger.

Der Anwalt des Familienunternehmens kam hinzu.

Immer die gleiche Einstellung: "Wir müssen uns nicht verteidigen."

Und Andrea Ghira ist zufällig verschwunden.

Und das Gericht?

Von den sieben Geschworenen sind drei Männer und vier Frauen.

Komisch ist, dass alle Frauen Grundschullehrerinnen sind.

- Ist das gut für uns? - Ich hoffe ja.

Was die anderen mutmaßlichen Beteiligten angeht,

wie Carlo, der den Mädchen eine Falle stellte,

und die anderen, die einen Zettel auf dem Auto hinterließen,

wurden die Beschuldigungen gegen sie fallengelassen.

Sie werden versuchen, das Verfahren zu stoppen.

Ausnahmen, Formfehler... Das wird ihr erster Schritt sein.

Ich versuche, das zu antizipieren.

Da wäre das Protokoll, wonach Ghira als flüchtig gilt.

- Gut. - Und Rosarias Obduktionsbericht.

Die Verteidigung betrachtet ihn als ungültig,

weil die Verteidigung nicht anwesend war.

Sie werden die Gerichtszuständigkeit anfechten.

Sie könnten einwenden, dass Donatella nun volljährig ist,

der Anwalt der Zivilpartei sollte von ihr kommen, nicht von den Eltern.

Dann müsste ich medizinische Kosten anführen.

Das passt mir auch nicht.

- Es scheint mir unangemessen. - Ja, aber...

Unser Strafgesetz hält wenig von nicht quantifizierbarem Material.

Dann werden sie psychiatrische Gutachten beantragen.

Das wird für uns am schwierigsten.

Der Prozess des Jahres könnte aufgeschoben werden.

Er wird heute im Schwurgericht von Latina eröffnet.

Der Richter könnte den Anträgen

auf psychiatrische Gutachten stattgeben.

Dadurch würde der Prozess bis zum Herbst ausgesetzt.

Das wäre ein großer Vorteil für die Verteidigung.

Je mehr Zeit vergeht, desto mehr gerät die Tat in Vergessenheit.

In diesem Prozess gibt es Geschworene,

was viel bedeutet.

Mir ist schlecht.

Mach das Fenster auf.

Atme gut durch.

Tief durchatmen.

Geht es dir besser?

Die Vorstellung, sie wieder zu sehen, macht mir Angst.

Das glaube ich.

Aber du bist jetzt diejenige, die frei ist.

Sie sind im Knast.

Denkst du daran, Donatella?

Lebenslang für Izzo!

Lebenslang für Guido!

Lebenslang für Ghira!

Lebenslang für Izzo!

Lebenslang für Guido!

Lebenslang für Ghira!

Filme sie, los.

Guido, Izzo, Ghira

sind die Norm.

Sie sind das Resultat des Patriarchats.

Kämpfen wir zusammen für Donatella!

Kämpfen wir zusammen für Donatella!

Kämpfen wir zusammen für Donatella!

Der Prozess fängt in einer halben Stunde an.

Wie Sie sehen, gibt es viele Schaulustige.

Es sind vor allem sehr viele Frauen aus ganz Italien da.

Sie wollen diese Verhandlung sehen, die eine symbolische Kraft hat.

Nicht nur die Täter stehen vor Gericht,

sondern ein Machtsystem und eine Mentalität.

Wir kämpfen zusammen für Donatella!

Wir kämpfen zusammen für Donatella!

Gerechtigkeit für Rosaria! Gerechtigkeit für Rosaria!

Olga Lopez, sind Ihre Eltern nicht da?

Sie schaffen es nicht, sie anzusehen. Wir Kinder sind hier.

Die Verhandlung soll nicht verschoben werden.

Das sind Mörder, keine Irren.

Und die Entschädigung? Die Familien haben 30 Mio. angeboten...

Das haben wir abgelehnt. Wir wollen Gerechtigkeit.

Luciano, Sie waren mit Rosaria verlobt.

Stimmt es, dass Sie gestritten hatten und sie dann zum Circeo ging?

Wir haben uns am Tag zuvor wegen einer Kleinigkeit gestritten.

Sie fand mich nicht und ging mit Freundinnen aus.

- Wie kommt es, dass Sie hier sind? - Ich mochte Rosaria.

Das geht auch mich etwas an.

Es sind so viele Leute da.

Sie sind für dich da.

Wir gehen erhobenen Hauptes rein.

Anwalt Revel, ein Kommentar zu Ihrem Mandanten.

Mein Mandant, Gianni Guido, und seine Familie,

haben Vertrauen in die Justiz.

Wir sind sicher, dass das Schwurgericht in Latina

für einen fairen Prozess sorgt.

Da ist sie.

Los, los.

- Donatella, hast du etwas zu sagen? - Wie geht es dir?

Woran denkst du?

Dass ich lebe und Rosaria tot ist.

Verzeihen Sie. Verzeihung.

Wir kämpfen zusammen für Donatella.

Wir kämpfen zusammen für Donatella.

- Wir stehen dir bei. - Alles Gute, Donatella!

- Donatella. - Guten Tag.

Alles Gute, Schatz. Es wird gut laufen.

- Wir warten noch ein bisschen hier. - Alles Gute, Donatella.

- Hallo, Donatella. Mach's gut. - He, hallo.

- Haben Sie gesehen, was da los ist? - Ja.

Donatella, komm.

Das ist Maria Causarano,

die großartige Anwältin der Familie Lopez.

- Hallo. - Freut mich.

- Alles Gute. - Danke.

Komm, wir sitzen dort.

- Guten Tag. - Guten Tag.

Die Familie Ghira drückt ihr Verständnis und Beileid aus.

Wer? Wer sind Sie?

Herr Budini, Anwalt der Familie Ghira.

- Ich wollte... - Danke. Komm.

Ich dachte, er sei der Richter. Tut mir leid.

Das ist nicht schlimm.

Haben die jetzt gesehen, dass ich ihm die Hand gegeben habe?

Nicht, dass die das falsch sehen.

Nein, das war nur Höflichkeit. Mach dir keine Sorgen.

- Ein neuer Anwalt. - So sieht es aus.

Wird sie das packen?

Ja.

Bringen Sie die Angeklagten rein.

Sie können dir nichts mehr antun.

Dreckstück.

- Und der andere? - Das erfahren wir gleich.

Herr Vorsitzender,

ich bin Rechtsanwalt Revel, Gerichtsstand Rom.

Ich bitte das Gericht, eine Erklärung meines Mandanten vorlesen zu dürfen.

Herr Guido Giovanni beruft sich auf sein Recht, nicht anwesend zu sein.

Feigling!

Ruhe!

- Wie kann das sein? - Ja, er hat das Recht dazu.

So ein Schwein.

Herr Vorsitzender, ich bin Anwalt Budini, Gerichtsstand Rom.

Ich wurde von meinem Mandanten, Andrea Ghira, per Brief beauftragt,

den ich hiermit überreiche.

- Wo wurde der Brief abgeschickt? - Das weiß ich nicht.

Ein Blick auf die Briefmarke hilft.

Der wurde von Piazza Bologna abgeschickt.

Es gibt zwei Möglichkeiten.

Entweder ist der Brief falsch, dann können Sie ihn nicht vertreten.

Oder der Brief ist echt.

Das würde heißen, dass Andrea Ghira letzte Woche durch Rom spazierte.

Siehst du, er ist in Rom.

Ja, aber denk nicht an ihn.

Die beiden anderen gehören bestraft.

Ruhe im Saal!

Herr Vorsitzender, ich möchte auf etwas aufmerksam machen.

Am 12. Mai wurde Frau Colasanti volljährig.

Sie ist volljährig, meine Herrschaften.

Danke, Herr Kollege, aber als die Tat begangen wurde,

war sie minderjährig.

Das ist nicht der Punkt. Sie kann nun selbst Zivilklägerin sein.

Die Eltern haben nicht das Recht dazu, diese Anwälte zu behalten.

Nein, Herr Vorsitzender, der Kollege versteht das falsch.

Herr und Frau Colasanti

sind nicht nur als Vormund teil der Zivilpartei,

sondern auch aufgrund des materiellen Schadens,

den sie erlitten.

Meinen Sie damit die Entschädigung für die Entjungferung?

Nein, ich meine die 745 000 Lire medizinische Kosten

für die medizinische Betreuung der Tochter nach der Tat.

Das Schwurgericht von Latina lehnt den Einwand der Verteidigung ab.

Die Zusammensetzung der Zivilparteien wird akzeptiert.

- Was heißt das? Ist das gut? - Wenn er ablehnt, ist es immer gut.

Herr Vorsitzender,

was die territoriale Zuständigkeit angeht,

gilt es noch zu beweisen, dass das Mädchen am Circeo starb.

Nein, einige Obduktionsberichte zeigen das Gegenteil.

Ich führe das näher aus.

Das Schwurgericht Latina

lehnt den Einwand der Unzuständigkeit des Gerichts ab

und ordnet an, fortzufahren.

Was Ghira angeht,

sollte im Protokoll "nicht gefunden" stehen und nicht "flüchtig".

Das Gericht lehnt ab.

Was den Obduktionsbericht angeht, ist seine Gültigkeit fragwürdig.

Das Gericht lehnt das ab.

Herr Vorsitzender, ich beantrage,

eine zusammenfassende Argumentation der Verteidigung vorlegen zu dürfen.

Das Gericht lehnt das ab.

Wir machen fünf Minuten Pause.

Herr Vorsitzender, mein Mandant möchte den Saal verlassen.

Herr Vorsitzender,

verzeihen Sie.

Ich fühle mich hier nicht mehr sicher.

Ruhe!

Ruhe!

Die Stimmung hier setzt ihm zu.

Aufhören.

Es reicht.

Etwas mehr Respekt. Wir sind nicht auf dem Markt.

- Wir vertagen auf morgen. - Das kommt ihnen entgegen.

Sagen Sie Ihren Freundinnen, sie sollen ruhig sein.

Sie unterstützen uns. Ich kontrolliere sie nicht.

Irgendjemand muss sie kontrollieren.

Tina. Tina.

Ihr müsst sie etwas bremsen.

Sie hören auf ihre Gefühle.

Du weißt, was auf dem Spiel steht. Ihr sollt nur etwas ruhiger sein.

Der Druck der Öffentlichkeit ist bei solchen Fällen wichtig.

Aber das Verfahren darf nicht platzen.

Ich verstehe dich. Aber weißt du, was auf dem Spiel steht?

Diese Frauen sind für Donatella hier.

Aber sie sind auch für die Frauen hier,

denen man nie zugehört hat.

Sie wollen, dass man sie hört.

Ich muss an Donatella denken.

Donatella, der erste Tag ist immer am schlimmsten.

Aber dann geht es besser.

Weil es wirklich besser läuft oder weil man sich daran gewöhnt?

Beides.

Eine Verhandlung...

ist kein Wettrennen.

Es ist eher wie ein Marathon. Man muss seine Energie sparen.

Man geht einen Tag nach dem anderen an

und meistert jeden einzelnen.

Auch wenn es heute anstrengend war, es ist gut gelaufen.

Und das psychiatrische Gutachten?

Darum kümmern wir uns morgen.

Jetzt haben wir uns eine Dusche,

ein Abendessen und vielleicht sogar ein Tiramisu verdient.

Machen wir unseren Check-in.

- Schaffst du es? - Ja.

Danke.

He.

Geht es dir etwas besser?

Gut. Ich gehe schon mal vor. Wenn du bereit bist, kommst du essen.

Ich warte auf dich.

- Guten Abend. - He, du bist ja auch hier.

Was für ein Zufall.

Ich gehe mir die Haare föhnen. Bis nachher.

- Was zum Teufel machst du hier? - Wie ihr bin ich hier näher am Ziel.

- Du bist uns gefolgt. - Jetzt beleidigst du mich.

Lass sie hier in Ruhe.

Glaubst du, es wäre clever von mir, anderen zu sagen, dass ihr hier seid?

Eine Zigarette?

Nein.

Wie schön sie ist.

LATINA, 1. JULI 1976

Herr Vorsitzender, meine Herrschaften.

Ich würde gerne einen Brief meines Mandanten vorlesen.

Es hat ihn sehr mitgenommen,

wie er im Gerichtssaal empfangen wurde.

Jeder kann sehen,

unter welchen turbulenten Bedingungen dieser Prozess stattfindet.

Wir sind dem extremen Druck

der öffentlichen Meinung ausgeliefert.

Und die wird schamlos

von den mächtigen, staatlichen Sendern unterstützt.

Ruhe!

Die Aggressivität der Öffentlichkeit gelangte in diesen Saal.

Die hier ausgeübte moralische Aggression

ist inakzeptabel.

Man droht uns mit körperlicher Gewalt.

Ruhe!

Ruhe!

Aufgrund der Gewaltandrohung

wurde mein Mandant dazu gezwungen, den Raum zu verlassen.

Damit spricht man ihm sein Recht ab, sich zu verteidigen.

Wir fürchten, dass in der hasserfüllten Atmosphäre,

voller Vorurteile...

Weder das Gericht...

So kann weder das Gericht ruhig arbeiten,

noch kann sich der Angeklagte gebührend verteidigen.

Daher stellen wir heute einen Befangenheitsantrag.

Das ist die Strategie der Verteidigung:

Sie stellt Herrn Izzo als gefährdet und die Stimmung als vergiftet dar

und stellt einen Befangenheitsantrag.

Sie wollen, dass der Prozess verlegt wird.

Das würde bedeuteten, dass alles von vorn anfängt.

Wie vorausgesehen,

reagierte das Publikum wütend auf den Antrag.

- Weißt du, was das bedeutet? - Es ist schwer, sie zu beruhigen.

Ihr seid eine Bewegung, kein Wolfsrudel.

Ihr könnt doch Richtlinien vorgeben.

- Wir stacheln sie nicht dazu an. - Das reicht nicht.

Willst du mit ihnen reden?

Entschuldigt, Mädels.

- Ruhe! - Verzeihung, könnt ihr kurz zuhören?

- Versteht ihr, was da passiert? - Klar, doch...

Es ist nicht leicht, sich den Stuss anzuhören.

Ich weiß, für mich auch nicht.

- Und für Donatella erst recht nicht. - Wir sind für sie hier.

Ich weiß, dass euch viel daran liegt. Ohne euch gäbe es den Prozess nicht.

Zumindest nicht so.

Wir hätten nach nur neun Monaten keinen Prozess gehabt.

Aber wegen euch könnte es vorbei sein,

bevor es zur Verhandlung kommt.

- Ja. - Die wollen doch nur provozieren.

- Die können nicht alles abblasen. - Bist du Anwältin, oder was?

Ich bin eine.

Und genau so wird es kommen.

An ihrer Stelle würde ich es auch so machen.

Ich würde alles nach Rom verlegen, wo ich Freunde habe,

und einen Prozess hinter verschlossenen Türen fordern,

um das bestmögliche Resultat zu erhalten, ohne Frauen und Presse.

Der Antrag auf Verlegung wurde schon gemacht.

Aber es bleibt uns noch Zeit, bevor sie ihn zulassen.

Wir haben noch eine Chance.

Lassen wir uns auf ihre Spielchen nicht ein.

Wir sind stärker.

Und jetzt wird es richtig hart.

Heute und morgen werden wir alles Mögliche hören.

Stellt euch vor, wie sehr es sie nervt,

wenn wir ihre Pläne durchkreuzen.

Was Gianni Guido angeht,

gibt es ernste und fundierte Hinweise,

die auf eine Geisteskrankheit deuten.

Als Kind litt er unter ständigem Erbrechen.

Er hatte höheres Fieber als normal.

Er hatte Azetonämie-Krisen.

- Was ist das? - Eine Übersäuerung bei Kindern.

- Vorpubertäre Cephalalgia. - Kopfschmerzen.

Bronchitis, Tonsillitis, Appendizitiden.

Ironie ist jetzt nicht angebracht.

Wir werden aufzeigen,

dass dieser Mann körperlich krank und geistig unzurechnungsfähig ist.

Hinzukommen etliche Verkehrsunfälle,

in denen sich der Junge den Kopf anschlug.

Das führte zu Schädelverletzungen, die Amnesien hervorriefen.

Diese Amnesie hinderte ihn nicht daran,

einen Monat vor der Tat die Bestnote in Analysis zu erhalten.

Kommen wir zur Kernaussage des Berichts: eine überzählige Rippe.

Herr Guido hat eine überzählige Rippe.

Das hat man beim Röntgen entdeckt.

Die überzählige Rippe

übt einen vaskulären Druck auf den Nacken aus.

Und das kann zu neurologischen Beschwerden führen.

Aufgrund der überzähligen Rippe wurde er von der Wehrpflicht befreit.

Und wegen der überzähligen Rippe

leidet mein Mandant unter starker Müdigkeit,

die ihn hin und wieder überfällt.

Ist es nicht so, dass er das Auto geparkt hat,

während Donatella und Rosaria im Kofferraum lagen,

weil ihn eine pathologische Müdigkeit überkam?

Und ist es nicht so, dass er ein Nickerchen machte,

während der 36 Stunden, in denen die Mädchen in der Villa waren?

Steht nicht in den Akten, dass er dem Untersuchungsrichter,

während des ersten Verhörs entgegengähnte?

Selbst ein abgebrühter Verbrecher verblasst,

wenn ein Richter ihn in die Mangel nimmt.

Er errötet oder fällt sogar in Ohnmacht.

Aber meine Herrschaften,

er gähnt nicht.

Bitte, bitte. Nein.

Ruhe!

Danke, Anwalt Revel.

Wenn Sie fertig sind, geben Sie die Unterlagen in die Akten,

damit das Gericht sie einsehen kann.

Herr Anwalt, was halten Sie vom psychiatrischen Gutachten?

Die Zulassung des Gutachtens

würde zur Verschiebung des Verfahrens führen.

Diese Gefahr gilt es auf jeden Fall abzuwenden.

Donatella, was hältst du davon?

Wenn die irre sind, ist es vorbei.

- Was meinst du damit? - Komm, gehen wir.

Donatella, antworte.

Donatella...

- Was darf es sein? - Ich will einen Kaffee? Und du?

Du isst nichts mehr? Ich habe einen tollen Schokoladekuchen.

Nein, danke, Michela.

- Ich will nichts mehr. - In Ordnung.

Hast du Lust, spazieren zu gehen?

Wir sind am Meer. Es ist keiner hier.

Nein, ich muss arbeiten, morgen bin ich dran.

- Du bereitest dich seit Monaten vor. - Ja, eben.

Ich bereite mich seit Monaten auf morgen vor. Es ist zu wichtig.

Ich kann dich verstehen.

Als ich zur Schule ging, war ich am Abend vor einem Test auch nervös.

Aber ich war nicht so eine Streberin wie du.

- Hallo, was gibt es Leckeres? - Risotto und Spaghetti mit Muscheln.

Sie sagen,

Angelo Izzo habe zu zwei verschiedenen Zeitpunkten

eine Therapie gemacht.

Aber sehen Sie sich die Daten an.

Denn da stimmt etwas nicht...

Was sagst du da?

Sie müssen die Abiturprüfung wiederholen.

Eine verrückte Geschichte,

in der einer vorgab, Prüfer zu sein.

Und er überzeugte eine Nonne aus Vigevano,

alle Umschläge aufzumachen und reinzugucken.

- Die arme Nonne. - Ja, und arme Schüler.

Zum Glück habe ich die Schule abgebrochen.

Der Prozess ist schlimm, aber eine Prüfung noch mal...

- Ich wusste es, gib mir den Apparat. - Warte.

- Ich gebe dir nichts. - Lässt du mich reden?

- Was gibt es? - Ich habe ihn darum gebeten.

Warum ist das schlimm?

Ich sage dir, warum, und du siehst es morgen selbst in der Presse.

- Die sind nicht für die Zeitungen. - Hängst du die bei dir auf?

Hör doch auf.

Los, komm.

- Danke fürs Eis. - Gehen wir!

Wusstest du,

dass die Abschlussprüfungen ungültig sind?

- Woher weißt du das? - Ich lese auch Zeitungen.

Dann solltest du auch wissen,

dass derjenige, der dich fotografiert oder interviewt, damit Geld verdient.

- Ja, klar... - Es stimmt.

- Du bist jetzt bekannt. - Klar.

Aber aus dem falschen Grund.

- So wie die Nonne aus Vigevano. - Wer?

Ach, nichts. Vergiss es.

Es tut mir leid, wenn ich dich vorhin angebrüllt habe.

Gehen wir essen, und du erzählst mir das mit den Prüfungen.

Was ist passiert?

Gestern bewahrte das Publikum im Saal die Fassung.

Es ist fraglich, ob es heute auch so sein wird.

Es wird ein intensiver Tag

im Schwurgericht von Latina.

Nach den Anwälten von Gianni Guido

werden die Anwälte von Angelo Izzo versuchen,

ihren Mandaten für unzurechnungsfähig zu erklären.

Wenn psychiatrische Gutachten erstellt werden dürfen,

wird die Verhandlung ausgesetzt und verschoben.

Bitte, Herr Anwalt.

Herr Vorsitzender, sehr geehrte Geschworenen,

Die Krankengeschichte meines Mandanten, Angelo Izzo,

ist eine Tragödie.

Aber in gewisser Hinsicht ist sie auch außergewöhnlich.

Sieben verrückte Verwandte in 111 Jahren.

Die Wurzeln dieses unglückseligen Sprösslings

sind erblich vorbelastet.

Die ganze Verwandtschaft, linear und kollateral,

leidet unter geistigen Krankheiten.

Ich danke Ihnen.

Anwältin Capogrossi, bitte.

Meiner Kollegin und mir fiel auf,

dass der "Sprössling" auch heute abwesend ist.

Wir kennen seine Ängste ja nun.

Aber wir haben seinen Stammbaum,

der bis zur Einheit Italiens zurückreicht.

Wenn wir uns diese 111 Jahre genauer ansehen, merken wir,

dass von den sieben angeblich verrückten Verwandten,

sechs nicht direkt mit ihm verwandt waren,

sondern nur kollateral.

Sie haben also nichts mit dem "Sprössling" zu tun.

Bleibt nur noch einer, nein, eine übrig.

Argia Formichella.

Sie war die Schwester der Oma väterlicherseits des "Sprösslings".

Diese wurde 1928 für zwei Wochen

in eine psychiatrische Klinik eingewiesen,

und zwar für ungezügeltes Masturbieren.

Kommen wir auf die Psychotherapie zu sprechen,

derer sich der "Sprössling" zwei Mal unterzog.

Achten Sie auf die Daten, die sind entscheidend.

Vor zwei Jahren, im März 1974,

machte sich der "Sprössling" der Vergewaltigung schuldig.

Die verlief gleich, gleiche Locktechnik,

Gruppengewalt, Bedrohung mit einer Pistole,

und das in der Wohnung eines Herrn Parboni.

Erinnern Sie sich an "Carlo"?

Izzo wird nicht verhaftet.

Es war eine Gruppenvergewaltigung, davon stirbt ja keiner.

Die Eltern zahlten ihm eine Psychotherapie,

vom 22. Oktober bis zum 30. November,

nach den Angaben des Arztes.

Er muss sich wohl getäuscht haben.

Denn am 5. November

beging der "Sprössling" wieder eine Sexualstraftat,

wieder mit dem guten Freund Carlo,

aber diesmal in seinem Landhaus.

Ich frage mich,

wie der Arzt die Therapie bis zum 30. durchführen konnte,

wenn Herr Izzo am 23. verhaftet wurde.

Er muss sich wohl geirrt haben.

Herr Izzo wird also am 23. November verhaftet.

Er wird zu zwei Jahren und sechs Monaten verurteilt.

Nach fünf Monaten kommt er auf Bewährung frei.

Die Eltern zahlen noch eine Psychotherapie für ihn.

Und zwar vom 11. Juni bis zum 2. Juli.

Aber es sollte keine angebliche Geisteskrankheit behandelt werden.

Die hat der "Sprössling" damals nicht angeführt.

Es war ja keiner gestorben und daher nicht notwendig.

Nein, meine Damen und Herren,

sondern um sich vom Schock des Gefängnisses zu erholen.

Hätten sie ihn nicht aus dem Gefängnis entlassen,

würden wir heute nicht um Rosaria trauern.

Aber eine musste sterben,

um diese kaltblütige Bande zu stoppen.

Und es stehen nur zwei davon vor Gericht.

Wo ist Ghira?

Wo sind die anderen?

Herr Vorsitzender, Verzeihung.

Ich möchte darauf hinweisen, dass nur der Geisteszustand zur Tatzeit zählt.

Nicht, wie es 20 Jahre zuvor oder einen Tag später um sie stand.

Als die Herren Izzo und Guido die Mädchen entführten,

schlugen, vergewaltigten, verletzten und töteten,

waren sie bei Sinnen und geistesgegenwärtig, danke.

Verzeihen Sie, sie wurden nicht entführt.

Die Mädchen gingen freiwillig mit zur Villa.

Ach so, wir sind freiwillig mit?

Damit sie mich zwei Tage schlagen können. Was erlaubst du dir?

Zwei Tage sperrten sie uns ein.

Ihr widert mich an.

Willst du die Verhandlung abbrechen?

- Donatella, antworte. - Donatella.

- Donatella. - Na, gut.

Fotografiert mich.

Wollt ihr ein Foto, auf dem ich weine? Na dann, los.

Passt es euch so? Fotografiert mich.

Was ist mit dir? Fotografierst du mich nicht?

Passen dir Tränen nicht?

- Donatella, beruhige dich. - Und du!

Warum hast du geschwiegen?

Warum hast du meinem Vater nicht alles gesagt?

Dann wäre Rosaria jetzt am Leben.

Ich habe euch gedeckt. Ich dachte, ihr hättet Spaß.

Verzeih mir.

Es reicht. Bitte, aufhören.

Nein, lass mich in Ruhe rauchen. Ich bin nicht gut drauf.

Ich will nur wissen, wie es Donatella geht.

Sie schläft jetzt zum Glück.

Es war hart für sie.

Sie hat mich richtig fertiggemacht.

Ich bin es gewohnt.

Die Leute bespucken, treten mich.

Aber so scheiße habe ich mich nie gefühlt.

Ja, sie schafft es, dass wir uns alle schlecht fühlen.

Und du? Wie geht es dir?

Wie einer, die morgen alles riskiert.

Für morgen kann ich nichts tun.

Aber ich weiß, wo sie hier das Bier lagern.

Du kannst jetzt sowieso nicht schlafen.

Wir trinken schön ein Bier zusammen und gehen ins Bett,

ohne an den "Sprössling" zu denken.

Dem hast du es gezeigt, gratuliere.

Weißt du, was mich wütend macht?

Dass wir im besten Fall zwei Männer verurteilen.

Wo ist der Dritte?

Wo sind die anderen?

Wo sind die, die sie gedeckt haben?

Diese Leute finden es normal, Mädchen zu vergewaltigen, einfach so.

Mal kurz vor einer Prüfung

oder nach dem Abendessen bei den Eltern.

In einem der vielen Zweitwohnsitze.

Und dann das scheiß Viertel.

Aus welchem Viertel bist du?

Keine persönlichen Fragen.

Ihr sagt doch, das Persönliche sei politisch.

Aber Privates ist nicht öffentlich.

Es geht nicht mal ums Viertel.

Es ist ein übergreifendes Problem der Geschlechter.

- Echt jetzt? - Ja.

Du hörst dich an wie das Kommuniqué der Journalisten heute.

Hast du es gelesen?

Die sagen, männliche Journalisten konzentrierten sich zu sehr

auf makabre Details der Tat, statt auf humane und politische Aspekte.

- Ist es nicht so? - Nein.

Nicht für alle.

Und die Fotos, die du gestern von ihr gemacht hast?

- Hast du sie in der Presse gesehen? - Heute nicht.

Und morgen?

Ich schicke sie niemandem mehr.

Ist die Zigarette persönlich oder privat?

- Die ist kollektiv. - Kollektiv.

Sind sie sehr wütend?

Du weißt ja, Frauen greift man nicht an,

schon gar nicht vor Journalisten.

Ja, aber sie ist noch sehr jung.

Ich weiß. Das habe ich ihnen auch gesagt.

Keine Sorge, sie haben ihr verziehen.

Was haben sie ihr verziehen? Dass sie so ist, wie sie ist?

- Nein... - Oder dass sie so wütend ist?

Hör auf, wir stehen auf der gleichen Seite.

Eine schwierige Seite, was immer man macht, ist falsch.

Das darf nicht wahr sein.

Ada, wie schön Sie zu sehen.

Hallo, Gioia. Teresa.

- Was machst du hier, Mama? - Es ist ein wichtiger Tag für dich.

Ich wollte dabei sein und auch Donatella grüßen.

Ich lese über euch in der Presse. Ihr macht eine tolle Arbeit.

Freut mich, dass auch du das kapierst.

Feminismus ist ein Massenphänomen.

- Ich muss arbeiten gehen. - Bitte, gehe ruhig.

Meine Mutter will dich grüßen

Donatella.

Freut mich.

LATINA, 6. JULI 1976

Was kostet den Geschworenen ein psychiatrisches Gutachten?

Wenn daraus hervorgeht, dass sie gesund sind, geht der Prozess weiter.

Wenn sie unzurechnungsfähig sind,

haben Sie einen großen Rechtsfehler vermieden.

Guido Giovanni leidet unter einer Pathologie,

und das aus medizinischer Sicht wegen der überzähligen Rippe.

Der Antrag auf ein psychologisches Gutachten für Angelo Izzo...

An diesem Morgen

stellte die Verteidigung im Gericht von Latina wieder Anträge

und trug mutmaßliche Beweise vor.

Das Gericht hat sich zurückgezogen, um eine Entscheidung zu treffen.

Es wird wohl lange dauern,

um das erste wichtige Urteil zu treffen.

Wird die Verhandlung ausgesetzt,

um psychiatrische Gutachten anzufordern?

- Essen wir was? - In Ordnung.

- Geht es dir gut? - Ja.

- Auf Wiedersehen. - Bis später.

- Wo ist meine Mutter? - Ich soll dich von ihr grüßen.

Eine Frau bot ihr an, sie nach Rom zu fahren.

Ich sagte ihr, sie soll mitfahren. Mit dem Zug dauert es ewig.

Das war gut so.

Teresa, früher oder später musst du...

Ja, später.

Ich kann ihr nicht verzeihen.

Wofür? Dass sie so ist, wie sie ist?

Ach, komm. Das ist nicht das Gleiche.

Warum nicht?

Du hast dich scheiße benommen.

Das weißt du.

Du warst noch jung, als du eine Wut auf sie entwickelt hast.

Du hattest sicher Gründe.

Aber jetzt bist du erwachsen. Und sie ist bald eine alte Frau.

Gehen wir ins Café?

Tschüss, Mädels.

Herr Anwalt, gestatten Sie eine Frage?

Sind immer so zuvorkommend.

Wenn ich helfen kann. Bitte.

Herr Mangia, die Geschworenen beraten seit drei Stunden.

Es scheint eine schwere Entscheidung zu sein.

- Was sagen Sie dazu? - Was soll ich sagen?

Die Stimmung ist explosiv.

Meine Autoreifen sind zerstochen worden.

Ich fand Drohbriefe auf meiner Windschutzscheibe.

- Und was stand darin? - "Opportunist.

Du verteidigst einen Mörder für Geld."

Was für Geld? Der arme Ingenieur hatte nur eine Wohnung.

Er verkaufte sie, um die Familien zu entschädigen.

Aber die lehnten das ab.

4 Mio. für die Colasanti und 8 Mio. die Lopez,

eine Wohnung ist mehr wert.

- Aber das Geld wurde abgelehnt. - Ich will es kurz machen.

- Der Sohn sollte Priester werden... - Angelo Izzo ein Priester?

Nein, dessen Bruder.

Und dann wären da auch die Schwestern.

Die zwei Mädchen können nicht mehr raus, ohne beleidigt zu werden.

Was hätte ich tun sollen? Ist das menschlich?

- Sie verteidigen ihn gratis? - Was soll die Frage?

Ich meine nur. Die Kanzlei Tarsitano verteidigt Frau Colasanti umsonst.

- Können Sie das bestätigen? - Ich bestätige.

Sagen Sie, Sie sind doch Fotograf.

Machen Sie Fotos, statt Fragen zu stellen.

Weitere Fragen? Nein? Gut, danke.

Gib mir eine Zigarette.

Der war wütend.

Das Gericht ist zu folgendem Schluss gekommen:

In Bezug auf Anträge der Verteidigung von Guido Giovanni und Izzo Angelo,

die ein Gutachten des geistigen Zustandes der Angeklagten fordern,

wurde nach Anhörung der Zivilpartei

und des Staatsanwalts Folgendes beschlossen.

Was Herrn Guido betrifft,

finden wir, dass die Symptome, die die Verteidigung aufzählte,

und sein krankhaftes Verhalten,

weder gravierend noch genügend fundiert sind,

um ein psychiatrisches Gutachten zu rechtfertigen.

Denn sie sind keine Störung der geistigen Gesundheit.

Was Herrn Izzo angeht,

sind die aufgeführten Anomalien seines Verhaltens

teil der Persönlichkeit und des Charakters des Angeklagten.

Sie beeinflussen seine Zurechnungsfähigkeit nicht.

Der Antrag auf psychiatrische Gutachten wird abgelehnt.

Jawohl!

- Er lehnt ab? - Ja.

Sind wir hier im Theater?

Das darf nicht sein, Herr Vorsitzender.

Das gehört ins Protokoll.

- So was macht man nicht im Gericht. - Na ja.

Wir vertagen auf morgen.

Eine überraschende Wende in Latina.

Das Gericht lehnt den Antrag auf psychiatrische Gutachten ab.

Unerwarteterweise wird die Verhandlung fortgeführt.

Etwas mehr Anstand, wir sind in einem Gerichtssaal.

Und Sie sollten das wissen. Schämen Sie sich.

Jetzt kommt der schwierigste Teil für Donatella.

In den nächsten Tagen

wird sie die schlimmsten 36 Stunden ihres Lebens

vor Gericht noch einmal durchleben müssen.

- Auf Wiedersehen, Teresa. - Bis morgen.

- Teresa. - Ja?

- Wir müssen es in der Villa machen. - Was?

Ihre Aussage. Nur so können wir sicher sein.

Sie soll zum Circeo?

Nein. Nein, Maria.

Izzo und Guido werden nicht da sein.

Und wir sind bei ihr.

Es macht einen anderen Eindruck auf die Geschworenen.

Ich kann sie nicht um so was bitten.

Das verstehe ich.

Ich mache es.

CIRCEO, 8. JULI 1976

Cesare, die Kamera, los.

- Donatella. - Donatella, eine Frage.

- Wie ist es für dich, hier zu sein? - Was erwartest du?

Was würde Rosaria sagen?

Bitte, eine Frage: Hatten Sie erwartet, zurückzukehren?

Woran erinnerst du dich?

An alles, aber sie muss es Ihnen nicht erzählen. Bitte.

Ich helfe Ihnen.

- Nur einen Kommentar. - Einen Kommentar.

Warum mussten wir hierherkommen?

Ich weiß nicht, ob ich das schaffe.

Keiner ging davon aus, dass es für sie leicht sein würde,

an den Ort zurückkehren, wo alles passiert ist.

Es scheint nun noch schwieriger für sie zu sein, als angenommen.

Wird sie ihre Aussage machen können?

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