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DIE SERIE BERUHT AUF WAHREN BEGEBENHEITEN.
ZU NARRATIVEN ZWECKEN WURDEN TEILE GEÄNDERT.
ÄHNLICHKEITEN SIND ZUFÄLLIG.
ROM, 1. OKTOBER 1975, 3:30 UHR
Lassen Sie mich durch. Verzeihung.
Verzeihung, lassen Sie mich durch.
Lassen Sie mich durch, bitte. Leute, bitte.
Hier.
Beeil dich.
Beeil dich.
36 STUNDEN ZUVOR
29. SEPTEMBER 1975, 15:25 UHR
- Wie sehe ich aus? - Schön, aber nicht durchsichtig.
- Sind wir nicht spät dran? - Carlo wird schon nicht abhauen.
Der ist süß, nicht? Auch die anderen sind nicht schlecht.
Auch Stefano mit seinen Glubschaugen.
Die sehen aus wie aus einem Fotoroman.
Donatella, umarme mich.
Ich will mit dir um die Welt reisen. Komm mit mir nach New York.
Das geht nicht, Liebling.
Ich kann Rosaria nicht allein lassen, meine dumme Freundin.
Ich bin doch ziemlich perfekt, oder?
Nach der Schule bewerbe ich mich bei "Grand Hotel".
- Ja. - Klar, die warten dort nur auf dich.
- Hast du nichts Besseres zu tun? - Bewirb dich bei "Die Absteige".
- Nadia ist da. - Sie konnte doch kommen.
- Komm, mach auf. - Sag ja nicht "bitte".
Rosaria, hilfst du mir?
Wie siehst du denn aus? Warum nicht gleich im Pyjama?
Ich wollte nur kurz Hallo sagen.
Ich kann nicht mit. Ich habe Bauchschmerzen.
Aber die sind zu dritt. Was sagen wir denen?
Ich leih dir was.
Nein, echt. Ich glaube, ich kriege meine Tage.
- Ach, komm. - So was kannst du nicht verpassen.
Die sind nicht wie die Jungs im Viertel.
Die sind nett, gut erzogen. Die haben sogar ein Auto.
Ja, und im Kino? Sobald das Licht ausgeht, sind sie alle gleich.
Okay, mach, was du willst.
Los, sonst kommen wir zu spät.
Na? Ihr habt ja eben schön gesungen.
- Ihr seid schick, wo geht es hin? - Wir gehen nur spazieren.
- Und das Zimmer lässt du so? - Ich räum's nachher auf.
Ich mache heute Cannelloni.
- Komm nicht spät... - Ciao, Mama.
Kalt schmecken die nicht.
- Tschüss, Frau Colasanti. - Tschüss, Süße.
- Tarsitano sagt, das passt so nicht. - Was passt nicht?
Es geht um die Movimento Sociale und um Verleumdung.
- Das müssen wir anders angehen. - Und jetzt? Fange ich von vorn an?
Ja, leider. Los geht's.
Die Italicus-Akten brauchen wir heute, Capogrossi.
Die sind seit gestern Abend bereit.
Die sind auf Marisas Schreibtisch.
Ich arbeite an der CGIL-Berufung.
Entschuldigen Sie.
Ich bräuchte Notizen fürs Plädoyer im Colomba-Fall.
Sie hat viel Arbeit, ich kann mich darum kümmern.
- Die sind morgen Früh bereit. - Danke.
Ich wollte nur nett sein, Streberin.
Hallo?
Du sollst mich hier nicht anrufen.
Ja, Mama. Ich sagte doch, dass ich komme.
- Ich muss arbeiten. Ciao. - Frau Capogrossi?
Im Warteraum ist eine junge Frau für Sie.
- Adele. Hallo. - Es tut mir leid.
Ich wusste nicht, wohin ich gehen sollte.
Adele.
Sieh mich an.
Ist es wieder passiert?
Wann?
Vor Kurzem.
Es wird immer schlimmer.
Ich...
Ich kann nicht mehr.
Ich will nur noch, dass es aufhört.
Es war richtig, zu mir zu kommen.
Warte hier, ich hole meine Sachen.
29. SEPTEMBER 1975, 16:15 UHR
Ich habe wegen Luciano ein schlechtes Gewissen.
Wir hatten einen dummen Streit, jetzt gehe ich mit denen aus.
Du und dein Luciano.
Wir gehen doch nur ins Kino.
Wenn sie kommen.
- Haben die uns sitzen lassen? - Sieht so aus.
Idioten.
- Was machen wir? Gehen wir zu Nadia. - Spinnst du? Nein.
Warten wir noch ein bisschen. Sonst gehen wir eben allein ins Kino.
Dann denken wir uns was aus, die macht sich sonst über uns lustig.
Warte mal.
Da sind sie.
- Carlo ist nicht dabei. - Vielleicht kommt er später.
Entschuldigt die Verspätung. Es tut uns sehr leid.
- Wir verzeihen euch, nur diesmal. - Küsschen?
Ich dachte, ihr wärt zu dritt.
Nadia ging es nicht gut. Sie konnte nicht kommen.
- Und Carlo? - Der ist in der Villa am Meer.
In Lavinio.
Er macht eine Party mit Schulfreunden
und hat uns eingeladen.
Aber jetzt sind wir hier. Worauf habt ihr Lust?
Wir wollten doch ins Kino.
Aber bei dem schönen Wetter wäre es schade, drinnen zu bleiben.
Um 20:00 Uhr müssen wir zu Hause sein.
Wenn es keinen Stau gibt, dauert es eine halbe Stunde.
Versprochen. Ehrenwort.
Wenn es nur eine halbe Stunde dauert.
Was sage ich meinen Eltern, wenn es spät wird?
Entschuldigt kurz, meine Zigaretten sind im Auto.
Während wir sie holen, denkt ihr darüber nach, und entscheidet.
Aber wenn ihr uns im Stich lasst, sterben wir vor Schmerz.
- Angelo, die machen nicht mit. - Wird das nicht zu spät?
Spinnst du? Heute bin ich nicht Angelo.
- Ich bin Stefano. - Ich weiß.
Jetzt ist 16:00 Uhr, die Fahrt dauert.
Eine halbe Stunde Verspätung geht doch.
- Ich weiß nicht. - Okay.
Los, hole deine Zigaretten.
Wir machen nie was. Wenn wir mal zu einer Party können.
- Und dann auch noch bei Carlo. - Und?
Gehen wir ans Meer?
Sagt bitte nicht nein.
- Um 20:00 Uhr sind wir zu Hause. - Okay.
- Du bist die Beste. - Ich weiß.
Bitte schön.
Vorsicht, Gianni fährt schnell.
Hallo.
- Hallo, kannst du Gioia rufen? - Ja.
Komm, wir warten dort.
Also ich benutze die Spirale, auch wenn Mauro nicht will.
Er sagt, er passt auf.
- Ich traue ihm nicht. - Warum will er nicht?
Der Draht stört ihn.
- Er hat Angst, steckenzubleiben. - Was für ein Idiot.
Sei doch ruhig.
Ich weiß, dass du Angst hast.
Aber für die Anzeige brauchen wir eine Untersuchung.
Es dauert nicht lange.
Hier sind nur Verbündete. Du brauchst keine Angst haben.
Ein Wunder, dass Teresa um die Uhrzeit nicht arbeitet.
Vielleicht lädt sie mich zum Kaffee ein.
Ein anderes Mal.
Das ist Adele.
- Freut mich. - Ebenso. Ich bin Gioia. Kommt rein.
- Tut das weh? - Ein bisschen.
Ich bin fast fertig.
- Was machst du? Studierst du? - Pädagogik.
- Ich bin im ersten Jahr. - Das ist schön.
- Magst du Kinder gern? - Ja, sehr.
Ich passte früher auf den Sohn meiner Schwester auf, Matteo.
Dann musste ich aufhören.
Wir sind fertig. Du kannst dich anziehen.
Es tut mir leid.
Ich habe das falsche Thema angesprochen, nicht?
War es der Mann deiner Schwester?
Ich dachte, es würde aufhören, wenn ich nicht mehr zu ihnen gehe.
Aber...
heute ist er zu uns gekommen.
Er wusste, dass meine Eltern nicht da waren.
Das hört jetzt auf, wenn du ihn anzeigst.
Ja, und dann?
Er hat gedroht, zu sagen, dass ich schuld bin,
dass ich ihn dazu ermutige.
Das sagen sie alle.
Damit will er dich einschüchtern.
Damit du ihn nicht anzeigst.
Aber jetzt musst du ihn nicht mehr ertragen.
Es ist vorbei. Ich verspreche es dir.
Wisst ihr schon, was ihr nach der Schule machen wollt?
Ich will Sängerin oder Schauspielerin werden.
Mal sehen.
Was willst du später machen, Rosaria?
Weiß nicht.
Sie will auch Schauspielerin werden, aber steht auf Theater.
Und warum Theater?
Ich weiß nicht. Ich mag Geschichten.
- Ja? Welche magst du am liebsten? - Romeo und Julia.
- Das ist auch mein Lieblingsstück. - Unglaublich.
Jetzt hör auf.
- Wie weit ist es noch? - Wir sind bald da.
Vor 15 Minuten hast du das Gleiche gesagt.
- Ja, von wegen eine halbe Stunde. - Das war nur eine grobe Schätzung.
Lavinio!
- Du bist daran vorbeigefahren. - Ja, das Haus ist weiter vorn.
- Wir müssen heute Abend zurück. - Ja, wir auch. Keine Sorge.
Was machen wir? Bitten wir sie, zurückzufahren?
He, Gianni, gib doch zu, dass du dich verfahren hast.
Ja. Ich habe mich verfahren. Zufrieden?
Hättest du doch gleich sagen können. Was für ein Lügner.
Aber jetzt weiß ich wieder, wo ich bin. Wir sind fast da.
Teresa.
- Hier. - Danke.
- Und Adele? - Die füllt das Formular aus.
Wenn das den Staatsanwalt nicht überzeugt.
Im Bericht steht alles.
- Was soll ich sagen? - Lass uns morgen essen gehen.
Komm schon. Gehen wir es mal gemütlich an. Machen wir blau.
Ich muss mit Adele zum Staatsanwalt, dann esse ich bei meinen Eltern.
Dann hat deine Mutter es endlich geschafft.
Nach der Arbeit, dem Fieber, der ausgelaufenen Waschmaschine
hatte ich keine Ausreden mehr.
- Versuche es mit dem Erdbeben. - Das nächste Mal mache ich das.
Ich sehe nach, ob sie fertig ist, und schicke sie dir.
29. SEPTEMBER 1975, 17:50 UHR
Fräulein.
- Und, hat es sich gelohnt? - Wie schön.
Sie sind nicht da. Aber Carlo sagte mir, wo die Schlüssel sind.
- Guter Carlo. - Und die Party?
Carlo und die anderen sind sicher baden gegangen.
- Gehen wir zu ihnen. - Wir haben keine Badesachen.
Nächstes Mal organisieren wir das.
Das Wasser ist hier besser als in Ostia.
Gefunden!
Kommt ihr?
Willkommen.
Ach, komm. Das war doch nur Spaß.
Mal sehen, ob Carlo und die anderen
uns was zu trinken übriggelassen haben.
Können wir den Garten sehen?
Fühlt euch wie zu Hause.
Du hattest recht. Das ist besser als Kino.
Und besser als Fotoromane. Was für ein schöner Ort.
Wenn die uns nett finden, haben wir tolle neue Freunde.
Schade, dass wir in einer Stunde nach Rom zurückmüssen.
Stefano schmeißt sich ziemlich an mich ran.
Jetzt kriege ich den mit den Glubschaugen.
- Nein, Carlo kommt doch bald. - Schlechte Nachrichten.
Es ist nur die übrig.
Dir ist ja kalt. Warte.
Bitte.
Ich gebe dir mein Jackett.
Was ist hier für eine Stimmung?
Darf ich um diesen Tanz bitten, Fräulein?
Danke.
Tanzen kannst du.
- Wie geht es dir? - Geht so.
Aber Gioia ist nett.
Wir sehen uns morgen um 8:30 Uhr im Gericht.
Wir reden mit Claudio Alcesti, ein toller Staatsanwalt.
Er ist ein guter Mensch.
Er wird uns sagen, wie wir vorgehen sollen.
In Ordnung.
Sag deinen Eltern nichts, wenn du jetzt nach Hause gehst.
Es ist zu früh, und du hast heute schon viel getan.
Du kannst später mit ihnen reden.
Wir gehen aber bald, okay?
Deine Freundin hat es nicht so eilig.
Hat dir schon mal jemand gesagt, dass du schön bist?
Du hast was.
Vielleicht etwas flachbrüstig.
Aber wie heißt es so schön? Klein, aber fein.
Soll das ein Kompliment ein?
Wenn du auf unnahbar machst, macht mich das noch mehr an.
Wo sind denn Carlo und die anderen?
Vergiss Carlo, ich bin doch da.
- Gibst du mir einen Kuss? - Nein.
Nur einen.
- Nein, ich will nicht. - Nicht mal auf die Backe?
Wenn ich es mache, lässt du mich dann in Ruhe?
Versprochen.
- Leck mich. - Es hat dir doch gefallen.
- Machen wir's noch mal? Ein kleiner. - Nein.
- Komm mit mir nach oben. - Lass mich.
Lass mich los.
- Jetzt ziere dich nicht so. - Nein.
- Es gefällt dir doch. - Was machst du da?
Nichts, wir spielen.
- Alles okay? Hat er dir wehgetan? - Gianni, was ist passiert?
- Es ist nichts passiert. - Es ist nichts passiert.
Was denn? Wollen wir den schönen Tag versauen?
- Wir gehen heim. - Ach, ja? Wie denn?
Zu Fuß dauert es eine Weile nach Rom.
Wenn ihr uns nicht fahrt, trampen wir.
- Gehen wir, Rosaria. - Schön brav sein.
Ist das ein Witz?
Setzt euch. Los!
Siehst du? Sie sind schon wieder zurück.
Seid schön brav, dann passiert euch nichts.
Noch einen, Teo...
Das ist schon der zweite auf Kredit.
Ja, schreib's auf. Du weißt ja, dass ich irgendwann zahle.
Ja, klar...
Das sind schlechte Zeiten, Kollege.
Ich habe nicht vor, heute Nacht durch die Kneipen zu ziehen.
Dann geh heim, Marignani.
Ich mache heute sicher ein Bild.
- He, Teo. Gib mir eine Zigarette. - Auch noch?
Du gibst nie auf, was?
Glaub mir, heute Nacht tut sich nichts.
Weißt du, was dein Problem ist, Marignani?
Du bist zu pessimistisch.
Schönes ist dem vorbehalten, der daran glaubt.
Verdammte Scheiße.
Okay, mach's gut, Saverio.
- Hallo, Paparazzo. - Hallo, Enrico. Wie geht's?
Du kennst meine Arbeit. Weißt du, was passiert, wenn einer nicht zahlt?
- Muss ich es dir erklären? - Ich zahle.
- Morgen zahle ich. - Morgen.
Morgen also. Ich finde dich.
Ich finde euch alle.
Schönen Abend, Saverio.
Hier, den gebe ich aus.
Danke, Teo.
Was wollt ihr von uns?
Lasst uns gehen. Wir sagen nichts.
Gehen lassen? Von wegen.
Habt ihr noch nie was vom Marseille-Clan gehört?
Wir haben Bulgari entführt.
Sagt euch das nichts?
- Wir haben ihn entführt. - Aber wir sind nicht reich.
Bringt uns bitte nach Hause. Unsere Eltern suchen uns sicher...
Ruhe!
Also.
Bald kommt Jacques.
Er ist unser Boss.
Der sagt uns, was mit euch passiert.
Macht keinen Lärm.
Aufstehen!
Aufstehen, sagte ich. Los.
Los.
Los, jetzt.
Geh schon.
Los, jetzt. Kommt.
Los, jetzt!
Rein da.
Beweg dich.
Da rein, sagte ich.
Geh.
Behalte sie. Ich muss los.
- Und du gehst wirklich? - Freust du dich nicht?
Du bist doch in guter Gesellschaft. Amüsiere dich.
Aufmachen.
29. SEPTEMBER 1975, 19 UHR.
Wegen Ihnen habe ich ein schlechtes Gewissen.
Sie sind die Einzige, die nach mir geht.
- Ich gehe auch bald. - Sie sind einfach keine Romanella.
- Was ist eine "Romanella"? - Sie kennen das Wort nicht?
- Sie sind doch die Römerin. - Ich habe es nie gehört.
Das sagt man, wenn jemand nur oberflächlich gut arbeitet,
sodass es gut aussieht.
Dann bin ich dazu schlicht nicht fähig.
Das weiß ich, und ich merke es mir.
Entschuldigen Sie, ich muss morgen Vormittag freinehmen.
Sie haben nicht eine Stunde gefehlt, seit Sie hier sind.
Es sind wohl keine persönlichen Gründe.
Ich helfe einer Frau,
Anzeige wegen sexueller Nötigung zu erstatten.
Es wird meine Arbeit nicht beeinträchtigen.
- Nehmen Sie den ganzen Tag frei. - Das ist nicht nötig.
Teresa, ich brauche Anwälte, keine Rechtsverdreher.
Sie glauben an den Beruf, darum sind Sie hier.
Wenn Sie der Frau helfen wollen, tun Sie es.
- In Ordnung? - Danke.
Machen Sie die Lichter aus, wenn Sie gehen.
In Ordnung.
Heute kriegt sie was zu hören. Und ihr mischt euch nicht ein.
Es ist erst kurz vor 21:00 Uhr. Sie kommt bald.
Für dich ist das okay.
Du schläfst bis 10:00 Uhr und gibst vor, zu lernen.
Mein Wecker klingelt um 5:30 Uhr.
Was will er von mir?
Bitte.
Ich habe Hunger. Können wir nicht essen?
Noch nicht.
Da ist er ja.
- Was ist deine Ausrede? - Es tut mir wirklich leid.
Ich habe mit Freunden gelernt, und die Zeit verging so schnell.
- Es tut mir wirklich sehr leid. - Setz dich.
Bitte, Sie können servieren.
Ja, ich habe mit Nadia geredet. Sie wollten ins Kino.
Aber ihr ging es nicht gut und sie ist nicht mit.
Ja, natürlich. Lassen wir die Leitung lieber frei.
Wer etwas erfährt, informiert den anderen.
Danke.
Rosarias Schwester hat Rosaria zum letzten Mal heute Nachmittag gesehen.
Es sei nicht ihre Art, zu spät zu kommen.
Wen rufen wir jetzt an?
Wir suchen sie jetzt. Komm.
Wir fangen beim Kino an.
Du bleibst hier, falls jemand anruft. Okay?
Wir finden sie, Mama.
29. SEPTEMBER 1975, 23:55 UHR
Hey, das hat aber gedauert. Bist du zu Fuß gekommen?
Hör mir auf. Mein Vater hat mich über die Prüfungen ausgefragt.
- Oje, Gianni ist zurück. - Wessen Stimme war das dann vorhin?
- Da ist noch einer. - Ich will nach Hause.
Wir kommen heim, keine Angst.
- Versprich es. - Ja.
- Und, hattest du deinen Spaß? - Ja.
- Ja? Hast du es gemacht? - Ich sagte doch, ich hatte Spaß.
Ich wusste doch, dass du es nicht schaffst.
Eine der beiden müssen wir entjungfern.
30. SEPTEMBER 1975, 8:20 UHR
- Hallo? - Saverio, bist du wach?
Marcello, wie schön, deine Stimme zu hören.
Das ist mal was Neues. Baggerst du mich an?
Nein, dein Anruf kommt wie gerufen. Sag mir, dass du was für mich hast.
Claudia Cardinale, heute Abend im The Mill.
Das ist viel wert, wenn nur du sie erwischst,
sonst kriegst du nichts.
Danke, das habe ich gebraucht.
Ich bin kein Wohltätigkeitsverein. Du kriegst sie exklusiv.
Ich erwarte gute Arbeit, wie nur du sie lieferst.
Keine Sorge, mit meinem Foto wirst du Direktor bei "Novella 2000".
Ja, klar. Mach's gut, Saverio.
Ciao.
- Teresa, da bin ich. - Guten Tag.
Danke fürs Kommen. Sie sind ja so beschäftigt.
Keine Sorge.
Was Sie mir erzählt haben, ist furchtbar.
Danke, dass Sie an mich gedacht haben.
Adele hätte schon hier sein sollen.
Jetzt ist erst 8:40 Uhr.
Sie kommt sicher gleich.
Es gibt nichts Neues.
Aber wir haben so viele informiert wie möglich:
Nachbarn, Freunde, alle.
Und alle suchen sie.
Komm her.
Wir werden sie finden.
Wir finden sie.
Leider habe ich ein Meeting in der Sechsten Kammer.
Holen Sie mich, wenn sie kommt. Ja?
- Sicher. Danke, bis bald. - Bis bald.
Ich habe sie zu Hause angerufen. Die Mutter war dran.
Adele hatte ihr alles erzählt.
Und sie hat sie überzeugt, keine Anzeige zu erstatten.
Das war mein Fehler. Ich hätte sie nicht nach Hause gehen lassen sollen.
Du konntest sie nicht gefangen halten.
Weißt du, was die Mutter gesagt hat?
"Ich wünsche Ihnen eine gute Karriere,
aber nicht auf Kosten meiner Tochter."
Es tut mir leid. Aber ein bisschen verstehe ich Adele.
Inwiefern?
Das weißt du doch. Frauen wie sie werden in die Mangel genommen.
Der Anwalt wird sagen, dass sie es so gewollt hat.
Die Leute reden über sie. Es ist nicht leicht.
Und was machen wir dann? Niemanden anzeigen, wie früher?
- Teresa, was machst du da? - Tut mir leid.
Ich mache das. Was habe ich dir beigebracht?
So ist es brav. Soll ich noch was bringen?
- Nein, danke. - In Ordnung.
- Tut mir leid. - Schon gut.
Ich hatte dieses Mal dran geglaubt.
Sei nicht so streng zu dir.
Du kannst sie nicht alle retten. Es ist einfach so.
Mir würde eine erst mal reichen.
Ich lasse mich gern zum Essen einladen.
Aber du wolltest doch zu deinen Eltern.
Ich habe abgesagt.
Das Erdbeben? Hast du echt das Erdbeben als Ausrede genommen?
Ich weiß, dass es dir egal ist.
Aber ein Typ starrt dich die ganze Zeit an. Links.
Stimmt, es ist mir egal.
- Und wie läuft es mit Sappelli? - Was hat der damit zu tun?
Sappelli ist ein Freund.
Er wollte mich heute Abend hierher einladen.
Er kommt mit den Leuten von "Il Manifesto".
- Ich weiß auch nicht. - Klar willst du.
Du musst ihn doch mal im Bett testen, oder?
Seit wann gibst du mir solche Tipps? Du bist ewig mit Alessandro zusammen.
Ja, eben. Genieße deine Freiheit.
Nennt er dich noch "Mäuschen"?
Ja, auch er ist mein Mäuschen.
- Ihr seid füreinander gemacht. - Wir denken uns Namen aus.
Namen?
Das war erst nur ein Spaß. Aber wir überlegen es uns.
- Dann werde ich also Tante? - Wir denken darüber nach.
Das wird das verwöhnteste Mädchen der Welt.
Bist du sicher, dass es ein Mädchen wird?
Klar.
- Aldo, die Rechnung, bitte. - Kommt gleich.
Einige Mädchen vom Kollektiv machen bei uns eine Versammlung.
Willst du kommen?
Geht es um feministische Bewusstseinswerdung?
Nein, ich will dir eine Kollegin von dir vorstellen.
- Tina. - Lagostena Bassi.
Ja, gerne. Ich habe von ihr gehört.
30. SEPTEMBER 1975, 17:10 UHR.
Ich kann nicht mehr.
Du musst Wasser trinken.
Was machen wir jetzt?
- Da sind wir, Fräulein. - Seht mal, was...
Was, zum Teufel, habt ihr gemacht?
Was hast du gemacht?
- Mann! - Scheiße, das ist nicht euer Haus.
Kannst du das reparieren, oder was? Los, du blöde Kuh. Komm.
Reg dich ab.
Behandelt man so Frauen?
Gib mir die Pistole.
Es tut mir leid, was passiert ist.
Wie heißt ihr?
Ich Donatella und sie Rosaria.
Freut mich. Ich heiße Jacques.
Macht euch keine Sorgen. Ihr dürft bald heim.
Wirklich?
Was haben sie dir angetan?
Ja, natürlich kommt ihr heim.
Aber erst kommst du mit mir mit.
- Nein. - Komm jetzt.
- Nein. - Geh aus dem Weg.
Geh aus dem Weg.
Nein, bitte nicht. Rosaria.
Halte still.
Halte still.
Lass mich.
Gehen wir.
Hilfe!
Hilfe! Ich will nicht!
Aber leider ist es nicht so.
Ihr glaubt, ihr seid Personen, aber es stimmt nicht.
Wenn ihr vergewaltigt werdet,
bestraft das Gesetz den Mann dafür,
gegen die öffentliche Moral verstoßen zu haben,
nicht dafür, eine Person verletzt zu haben.
Und was seid ihr? Was sind wir?
Nichts. Höchstens ein Objekt.
Das Objekt der öffentlichen Moral.
- Das sind faschistische Gesetze. - Jawohl, aber nicht nur.
Die Gesetze wurden von Männern gemacht,
ohne Beteiligung der Frauen.
Diese Gesetze gehören geändert, und zwar von uns Frauen.
- Ich stelle sie dir vor. - Warte, bis sie fertig ist.
Ich habe noch etwas Zeit.
- Sie ist stark. - Sie wird dir gefallen.
Das ist meine Freundin, Teresa Capogrossi.
- Frau Anwältin. - Freut mich.
Ebenso.
Ich weiß, dass sie Rechtsbeistand für Frauen von Pompeo Magno leisten.
Ich halte das für meine Pflicht. Wir können uns duzen.
Du bist in der Kanzlei von Tarsitano, nicht?
- Ja. - Ich kenne Fausto.
Es ist toll, mit ihm zu arbeiten, wenn du fleißig bist.
- Es hat Vor- und Nachteile. - Ja, sicher.
Teresa kämpft auch für Frauen.
Ich versuche es.
Ich bin an einem Fall dran
und hätte mit der jungen Frau heute Morgen zum Staatsanwalt müssen.
- Sie hat es sich anders überlegt - Ich weiß, das passiert oft.
Ein bisschen zu oft.
Wenn niemand Anzeige erstattet, ändert sich nichts.
Um etwas zu ändern, braucht man auch den richtigen Fall.
- Wie bei Marcellino. - Ich erinnere mich daran.
Ich hatte es im "L'Espresso" gelesen.
- War das Ihr Fall? Dein Fall? - Sorry, aber wer ist Marcellino?
Marcellino ist ein Kind, das nach einem Unfall gelähmt war.
Da er der Sohn eines Arbeiters war,
sprach ihm der Richter nur zwei Lire zu.
Er hatte sein zukünftiges Leben als Arbeiter quantifiziert.
Als müsste ein Arbeiterkind unbedingt Arbeiter werden.
Genau, aber heute will man das Gesetz wegen des Falls ändern,
weil er Aufsehen erregte.
Der Fall deiner jungen Frau ist leider kein Einzelfall.
Man braucht was Besonderes.
Man braucht eine Stimme, die für alle spricht,
wenn man die Rechtsprechung bei Vergewaltigungen ändern will.
Ich schaffe es nicht.
Bitte, bitte.
30. SEPTEMBER 1975, 21:30 UHR
Ich sagte ja, ich finde euch alle.
- Das Geld? - Lass mich arbeiten.
Wie soll ich sonst zahlen?
So denkst du an mich, wenn du Luft holst.
Ich gebe dir noch zwei Tage, weil ich dich nett finde.
- Los, leg sie rein. - Los.
Los.
Bereit?
Ja.
Gut.
Schieb rein. Schieb.
Mensch.
So.
- Mann, waren die schwer. - Ruhe.
Hier sind zwei Tote.
Ich wusste nicht,
dass die ganze Redaktion von "Il Manifesto" da ist.
- Ja, fast. - Ist noch jemand vor Ort?
- Darf ich? - Das ist eine politische Mission.
Wir warten auf den Boxkampf zwischen Ali und Frazier.
- Wie lange wollt ihr noch bleiben? - Was denn?
- Teresa, rede du mit ihnen. - Was soll sie sagen?
Um Mitternacht schmeiße ich euch alle raus.
Das sagst du seit 10 Jahren, wir sind immer noch da.
Stimmt.
Jetzt ist er sauer.
Sappelli, es gibt immer eine gute Ausrede,
um der Arbeit fernzubleiben.
Wir arbeiten.
Ja.
Ali muss gewinnen.
Sonst kann er Foreman nicht herausfordern.
Foreman will ein guter Christ sein.
Er will ihn gleich k.o. schlagen, damit er nicht leidet.
Wenn Ali gewinnt, gehen wir dann mal Abendessen?
Und wenn er verliert?
Wenn er verliert... lädst du mich zum Abendessen ein.
Dann trösten wir einander.
Mal sehen.
30. SEPTEMBER 1975, 23:00 UHR.
- Ich sterbe vor Hunger. - Wem sagst du das?
Wenn wir Zeit haben, können wir was essen gehen.
Die laufen uns nicht weg.
Nein, ich gehe heim. Ich bin todmüde.
Wir treffen uns später mit den anderen.
Du bist doch scheiße.
Hau ab, Mann.
Warum ruft keiner an?
Wenn sie verletzt in einem Krankenhaus läge...
wüssten wir es.
Verstanden, wir nähern uns.
Wir haben eine Beschreibung.
- Rodrigo. - Hallo, Saverio.
Was hast du? Wie siehst du aus?
Ach, ich hätte Claudia Cardinale exklusiv fotografieren können.
Claudia Cardinale? Wo?
Im Hotel The Mill. Beeil dich, und du erwischst sie noch.
Warum bist du hier?
Dort ist einer, dem ich Geld schulde. Wenn er mich sieht, bin ich tot.
- Aber ich gebe dir den Tipp gern. - Aber nicht umsonst, stimmt's?
Wenn ich es dir sage, höre ich wenigstens den Polizeifunk.
Ob Diva oder jemand, der ermordet wurde, es bringt alles Geld.
Die Diva ist aber besser. Danke, Saverio.
- Wofür? - Für den Tipp.
Einheit 16, hört ihr?
Ja, Zentrale. Los.
Alarm, möglicher Raubüberfall eines Juweliers.
1. OKTOBER 1975, 3:10 UHR
Stefano.
Stefano.
Stefano.
- Stefano. - Mama, was ist?
Es tut mir leid. Aber auf der Straße hört man komische Geräusche.
Kannst du mal nachsehen?
Warte, ich sehe gleich nach.
Wer ist da?
An alle Einheiten.
In der Viale Pola miaut eine Katze in einem Kofferraum.
Ich wiederhole. An alle Einheiten. Viale Pola.
Ein weißer Fiat 127, Kennzeichen Rom H16917.
- Eine Katze miaut im Kofferraum. - Von wegen, eine Katze.
Warte, ich habe nichts verstanden. Wiederhole das.
Viale Pola.
In Ordnung, danke. Tschüss.
- Wieder ein Verbrechen? - Ja.
- Warum musst du immer ran? - Diesmal lohnt es sich vielleicht.
Ruf den Chefredakteur an. Er soll mir auf der Titelseite Platz lassen.
Angeblich ist in der Viale Pola ein Mädchen in einem Kofferraum.
Was? Was ist denn passiert?
Ich weiß es nicht. Ein Mädchen oder zwei. Es war nicht so klar.
- Ich sehe mir das kurz an. - Geh nur.
Lass uns wissen, was ist.
Auf jeden Fall mischen sich die Amerikaner
in unsere Angelegenheiten ein, wegen der üblichen Politiker.
Wenn das nicht wieder...
- Wo gehst du hin? - Entschuldige mich.
- Was ist denn passiert? - Ich habe nichts gesehen.
1. OKTOBER 1975, 3:30 UHR
- Weiß man inzwischen mehr? - Nein, nichts.
Zur Seite.
Zur Seite. Lassen Sie mich durch.
Lassen Sie mich durch.
Zur Seite.
Hier.
Los, beeil dich.
Geh mal zur Seite. Lass uns arbeiten.
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