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Was suchst du hier? Scher dich raus.
Was ist mit dem Kind?
Tot.
Ist es noch in ihrem Leib?
Nein. Da drüben.
Wer seid Ihr?
Es war tot. Das ist ein Untoter.
Nein, ich habe ihm was von meiner Seele eingehaucht. Er ist kein Untoter.
Nimm das Kind an dich und behüte es.
Ich werde es beizeiten abholen.
Und Weib, wenn du es nicht mehr hast, schneide ich dir den Kopf ab.
Ich halte Wort.
Gott ist mein Zeuge, Herr. Es war tot, und dann hat dieser Mann
ihm was von seiner Seele gegeben.
Hat er das gesagt? Ihm etwas von der Seele gegeben?
Ja.
Gib es mir.
Er hat gesagt, er schneidet mir den Kopf ab, wenn ich es hergebe.
Und ich schneide ihn dir ab, wenn du es mir nicht gibst.
Gib es mir!
Und jetzt scher dich raus und mach die Tür zu.
Vergib mir.
Jetzt lass unsere Seelen in Wettstreit miteinander treten.
Ist Sydal wenigstens verletzt?
Nein. Er kann noch nicht weit sein. Ich kam zu spät.
Nimmst du das Kind auf?
Es kann beim Schmied aufwachsen.
Und?
Er ist schwächlich. Wenn er den Winter überstehen soll,
muss er eiserne Härte beweisen.
So soll es ohne Namen bleiben. Und wenn es im Frühjahr noch am Leben ist,
so soll es „Isenhart“ heißen.
Wo hast du deinen Kopf, Isenhart? Komm!
Hier.
Jetzt hör mir mal zu! Das sind Töchter aus dem Hause Laurin.
An so etwas darf einer wie du nicht einmal denken! Weitermachen!
Was gaffst du meine Schwester an?
Ihr beide kennt euch ja. Das ist mein Sohn Konrad.
Chlodio, Isenhart wird dir ab jetzt nur noch nachmittags zur Verfügung stehen.
Walther von Ascisberg wird die beiden unterrichten.
Du wirst etwas bekommen, was nur den Geistlichen
oder einem Nobile vorbehalten ist. Nämlich Bildung. Das ist ein großes Privileg.
Was genau ist ein Privileg?
Dieses Wort stammt aus einer Sprache, die du jetzt lernen wirst: Latein.
Das Vorherrschen eines dieser Säfte bestimmt auch das seelische Temperament.
Hat er zu viel Blut, sprechen wir von einem lebhaften Sanguiniker.
Der träge Phlegmatiker leidet unter zu viel Schleim. Herrscht die gelbe Galle vor,
ist es ein Choleriker, bei einem Übermaß an schwarzer Galle ein Melancholiker.
Gebt mir einen festen Punkt im All, und ich werde die Welt aus den Angeln heben,
hat Archimedes gesagt.
War er ein Krieger?
Nein, er war ein Gelehrter.
Die Hebelwirkung erlaubt uns, mit geringem Aufwand
große Kraft zu erzeugen. Genug für heute.
Et habeo clades.
Claves.
Et habeo claves.
Eins! Zwei!
Schlag nicht wie ein Mädchen! Verdammt noch mal!
Man, pass auf! Ich will dich schreien hören!
Steht da was Verbotenes drin?
Ja. Nein.
Sag schon, was steht da drin?
Das ist „Lancelot“ von Chrétien de Troyes.
Anna! Bleib stehen! Mein Vater schlägt mich grün und blau.
Nein, nein, nein.
Nein, da gehen wir nicht lang. - Doch! Ich darf bestimmen.
Für mich?
Er ist wunderschön, Isenhart.
Es ist ein Hochzeitsgeschenk.
Du weißt davon?
Konrad hat es erzählt. Es wird dir gut gehen bei ihm, bei Oliver von Schündeler.
Meinst du?
Konrad sagt, er hat Beziehungen zu den Staufern, und er besitzt Ländereien.
Mit 42 Lenzen auf dem Buckel. Von Schündeler ist ein alter Mann.
Ich will nicht seine Frau werden.
Oliver von Schündeler erwartet eine Jungfrau.
Anna, ich will nicht nur derjenige sein, der dich...
Manchmal kannst du ein richtiger Simpel sein, Isenhart.
Ich bin ein Unfreier, Anna.
Bevor ich einen anderen heirate, fliehe ich.
Ihr werdet zufrieden sein. Seht her. Waren aus der ganzen, weiten Welt.
Feinstes Tuch aus Brügge.
Das hier, das dürfte die holden Damen interessieren.
Eine Prise täglich davon hilft gegen die Magerkeit, man nimmt schneller zu
und gewinnt spielend jene Formen, die man sich wünscht.
Lüge, alles Lüge. Bei mir hat dieses Mittel nur zur Verstopfung geführt.
Verehrtes Fräulein von Laurin, hier eine Kostprobe für Euch.
Wollt Ihr sie versuchen?
Du schuldest mir Geld, Alexander von Westheim!
Zur sechsten Stunde?
Ja.
Jetzt verschlägt es ihm die Sprache, dem Juden!
Aber ich sagte Euch auch, dass es nur wirkt, wenn man drei Tage nicht sündigt.
Welch außergewöhnliche Schönheit die Tochter von Laurin ziert.
Da ist dieses Mittel nicht von Nöten.
Der Herr ist der Anfang und das Ende, sein Wille wohnt auch den Jahreszeiten inne.
Im Frühjahr sprießen die Pflanzen, um im Sommer zu erblühen.
Sie verfärben sich im Herbst und werden im Winter welk,
Und um wieder von vorne zu beginnen, das Alpha und das Omega.
Ich glaube, dass die Bäume ihre Blätter abwerfen,
damit sie im Winter nicht verdursten.
Von all deinen Ideen in den letzten Jahren ist das die verrückteste.
Wie in aller Welt kommst du auf so was?
Wenn man im Sommer ein Blatt in der Hand zerdrückt,
dann fließt Saft aus dem Blatt.
Aber im Herbst verdorren die Blätter an den Bäumen.
Das führt zu der Frage, wo der Saft geblieben ist.
Und?
Na ja, im Frühjahr nimmt der Baum das Wasser aus dem Boden auf,
er leitet es weiter an die Blätter.
Und im Winter nimmt er das Wasser wieder in sich auf,
damit er nicht verdurstet.
Das ist allein auf Gottes Wirken zurückzuführen und sonst nichts!
Sind Bäume etwa Wesen? Haben sie Muskeln, wohnt ihnen ein Geist inne?
Können sie Saft anziehen?
Warum nicht? Sie können ja auch das Wasser an die Blätter weitergeben,
und deshalb...
Und deshalb wirst du als Strafe für deine ketzerischen Reden
bis Schlag sieben die Bußpsalme rezitieren.
Heute? Das geht heute nicht.
Und jetzt bis Schlag acht.
Anna?
Anna?
Anna!
Nun. Hier hat er angesetzt. Bis hier hin.
Ein Fingerglied tief, und dann hat er nachgesetzt. Von rechts nach links.
Müsst Ihr sie berühren?
Nun, was ich hier berühre, Isenhart, ist nicht Anna.
Was sie ausmacht, ist in ihrer Seele. Und die ist aufgefahren zum Schöpfer.
Ich untersuche nur ihre Hülle, ihre sterbliche, die Form.
Hier hat er angesetzt, bis er gemerkt hat,
dass er die Klinge nicht tief genug führt.
Ist das wirklich wichtig?
Ich weiß nicht. Jemandem, der das öfter tut, wäre das allerdings nicht unterlaufen.
Vielleicht war es sein erster Mord.
Die Haut hier hat er ihr aufgeschlitzt, aber bei den Rippen, bei den Rippen,
da hat er kein Messer benutzt. Nein, das sind keine Schnittwunden.
Er hat sie... ja, er hat zertrümmert. Aber warum?
Das dürft Ihr nicht! - Oh doch, ich muss sogar.
Kein Samen.
Er hat sie nicht missbraucht.
Es war niemand, der Anna begehrt hat,
sondern ihr Herz.
Isenhart,
der Mörder hat Anna das Herz entnommen.
Der Mörder meiner Schwester. Wir haben ihn.
Wir haben ihn.
Holt die Wachen.
Ruhe!
Hast du meine Tochter angerührt?
Rede!
Bitte, ich habe nichts damit zu tun.
Ich würde niemals Hand an Eure Tochter legen. Gott ist mein Zeuge.
Was ist in dich gefahren?
Ich habe diesen Stein Eurer Tochter zum Geschenk gemacht.
Ich habe die Einfassung geschmiedet.
Ein Geschenk?
Wo hast du den her?
Ihr würdet es nicht glauben.
Isenhart, bring ein Eisen zum Glühen.
Halt, wartet.
Wilbrand von Maulbronn. Von ihm habe ich den Bernstein.
Vom Erzbischof.
Für diese Anmaßung soll er brennen.
Ich schwöre es, Herr. Ich schwöre es. Wilbrand von Maulbronn hat ihn mir gegeben.
Erzbischof Wilbrand hat es auf deine Ländereien abgesehen.
Er wird jede Kleinigkeit nutzen. Und er steht unter dem Schutz des Kaisers.
Nun, übergebt mir den fahrenden Händler, Sigimund von Laurin,
und ich werde ihm die Wahrheit entlocken.
Er bezichtigt Euch, ihm diesen Bernstein hier gegeben zu haben.
Er gehörte meiner Tochter.
Und Ihr schenkt diesem Mann Glauben?
Ich schenke ihm gar nichts.
Ich denke, er will billige Rache an mir üben. Er hat meinen Kämmerer betrogen,
ich habe ihn von meinen Ländereinen jagen lassen.
Ich kann Euch versichern, dass ich mit diesem Juden keinen Handel getrieben habe.
Das ist für Eure Anmaßung, mich des Mordes an Eurer Tochter zu bezichtigen!
Konrad, nicht wahr?
Nun, tretet weg.
Das wird er niemals auf sich sitzenlassen.
Darauf hat Wilbrand von Maulbronn nur gewartet.
Das war mein Fehler, ich hätte dich nicht mitnehmen dürfen.
Auf die Knie.
Betet.
Möge Gott dem Wahrhaftigen von Euch Kraft geben.
Wer von euch beiden als erster die Arme sinken lässt,
wird von Gott des Unrechts bezichtigt.
Bitte, Herr, lass mich nicht im Stich, ich bitte dich, strafe nicht den Falschen.
Gott hat sein Urteil gefällt.
Ich bin der Falsche! Ihr tötet den falschen Mann!
Herr, bitte, lasst Gnade ergehen!
Endlich ist Ruhe.
Warum wird ihm das Atmen gestattet? Verlängert das nicht sein Leiden?
Er wird bald erfroren sein, Isenhart. Das Rohr ist nicht zum Atmen bestimmt.
Wenn die Seele sich vom Herz löst und über den Mund in den Himmel fährt,
darf sie nicht daran gehindert werden.
Warum?
Weil er sonst ein Wiedergänger wird, der sein Grab verlässt
und uns heimsucht, um Rache zu üben.
Was hat er euch berichtet?
Wilbrand von Maulbronn fordert deine Herausgabe.
Was habt ihr ihm gesagt?
Ich hab ihm gesagt, dass er dazu an mir vorbei muss.
Konrad, zu mir!
Du kümmerst dich um deine Mutter und deine Schwester.
Isenhart! Du weichst nicht von seiner Seite.
Wenn das Tor fällt, dann flieht ihr zusammen.
Fürst, wenn Ihr die Burg übergebt, zwingt Ihr Maulbronn zur Nachsicht.
Ich bin nur Gott und Kaiser Untertan.
Spannt die Bogen!
Feuer!
Vater, wir brauchen jeden Mann!
Ich bin nicht dein Vater, Isenhart.
Ich habe dich aufgezogen, aber ich bin nicht dein Vater!
Was? Was?
Wer ist mein Vater?
Das willst du nicht wissen!
Feuer!
Jetzt!
Das Tor ist gefallen. Sie sind da.
Mutter.
Hilfe!
Sophia? Sophia!
Hat er dich verletzt?
Raus! Flieht durch den Wolfsgang. Und da wartet ihr!
Raus!
Konrad!
Ich werde Eurem Sohn ein faires Gericht halten und Eure Frau und Tochter
zu einem guten Preis verkaufen, dass sie bei guten Menschen Dienst tun.
Kommt! Wir schaffen das.
Da sind sie.
Kommt.
Konrad! - Kommt.
Was ist passiert?
Er muss versorgt werden. Wir können so nicht reiten!
Wir haben keine Zeit!
Wo sind Mutter und Vater?
Wo sind sie? Wo? Wo sind sie? Nein!
Wir können nicht zurück. Wir müssen weiter!
Los! - Mutter!
Reitet weiter! Ich halte sie auf.
Isenhart, komm! - Verschwinde.
Isenhart, tu das nicht! Komm einfach mit uns
Verschwinde!
Ist der Wolfsgang noch unbesetzt?
Burg Laurin ist gefallen.
Was?
Und Sigimund?
Verschwindet! Geht weg von hier. In die Nähe von Spira.
Da wird Wilbrand von Maulbronn euch nicht finden.
Seht nur, wer kommt!
Hier. Mein Bruderherz.
Geht es dir gut?
Ja. Und dir?
Jetzt, da ihr da seid.
Schön, euch wieder zu sehen, Isenhart..
Seid gegrüßt, mein Freund!
Lass mich runter.
Konrad! Lass die Finger von ihr.
Der ist für dich.
Wie lange bleibt ihr?
Wir müssen morgen zurück nach Spira.
Ich glaube, ich hab einen.
Kannst du mir helfen?
Sachte, sachte.
Eins, zwei... Jetzt.
Vielleicht haben wir ihn im Schlaf überrascht.
Vom Schlaf zum Tod ist es nur ein kleiner Weg.
Ist von Aristoteles.
Liebe, das ist eine Seele in zwei Körpern.
Ich finde, das ist das Schönste, was er gesagt hat.
Hab ich gelesen.
Wachmänner der Stadt Spira, was ist passiert?
Meine Tochter...
Was ist passiert?
Eine der Kühe ist trächtig. Johanna, meine Tochter,
hat die Nacht bei ihr verbracht.
Ich sehe sie mir jetzt näher an.
Mit wem war sie zusammen?
Mit niemandem! Johanna war Jungfrau!
Man hat ihr das Herz herausgeschnitten.
Mein Freund muss das machen. Wie sollen wir sonst rausfinden,
ob er sie geschändet hat?
Er hat sich nicht an Eurer Tochter vergangen und jetzt verlassen alle den Stall,
die nichts mit der Toten zu tun haben.
Los, raus hier!
Komm, verschwinde.
Zwei Einstiche.
Was macht Ihr da?
Ich will rausfinden, ob sie sich gewehrt hat.
Aber unter den Nägeln ist kein Blut und auch keine Haut.
Was macht das für einen Unterschied? Tot ist sie trotzdem.
Es verrät uns, ob sie ihren Mörder vielleicht gekannt hat.
Ob er ihr so nahe kommen konnte, weil sie ihm vertraut hat.
Wer seid Ihr?
Man hat meinen Herrn und mich gerufen.
Günther von Martensen ist Medicus der Stadt Spira.
Ich bin sein Adlatus, Henning von der Braake, Und Ihr?
Konrad. Wachmann der Stadt Spira.
Ich bin Isenhart.
Wir sind als Wachmänner angestellt und zufällig hier vorbei gekommen.
Ihr werdet nicht mehr gebraucht. Ich untersuche die Tote jetzt.
Du bist die Mutter? - Ja.
Hast du sie gefunden? - Der Wachmann hat sie schon untersucht.
Ach so? Und was habt Ihr festgestellt? Dass sie tot ist?
Johanna hat sich gewehrt, ich habe in ihrer Hand rote Haare gefunden,
also suchen wir einen Rothaarigen.
Er hat sie mit zwei Stichen in den Kopf getötet.
Die Wunden findet Ihr im Nacken. Es ging ihm nicht um Begierde,
das arme Mädchen ist unberührt. Er wollte das Herz.
Dazu hat er den Oberkörper mit einem Messer aufgeschnitten
und die linke Brust amputiert.
Die Rippenbögen wurden mit einem grobzahnigen Instrument getrennt.
Einer Säge vermutlich.
Und er hat ihr Herz mitgenommen.
Wieso geht ihr weg? Was soll ich jetzt machen?
Ihr könnt Eure Tochter beisetzen.
Sag, arbeitet hier jemand mit roten Haaren? Oder war vielleicht ein Fremder hier?
Ein Mann war hier. Ein Mann mit roten Haaren und mit einem Arm.
Kennt Ihr ihn?
Nein. Er hat auch nicht seinen Namen genannt.
Er hat nur gesagt, dass er über den Rhein will und nach Württemberg reist.
Wir könnten ihn noch kriegen.
Er hat ein paar Stunden Vorsprung. Und er ist nach Süden unterwegs.
Nein, ich glaube, er reist nach Norden.
Weil er Suchtrupps damit in die falsche Richtung führt.
Ja. Und wenn er nach Norden reist, ist Spira die nächste Station.
Na dann, auf nach Spira. - Auf nach Spira.
Habt ihr einen rothaarigen Reiter gesehen, der die Stadt betreten hat?
Ja. Vor zwei Stunden.
Und er hat die Stadt nicht wieder verlassen?
Nein.
Schließt alle Tore!
Los, schließt die Tore. Los! Los!
He, war heute ein rothaariger Mann heute hier?
Meldet es den Wachen, wenn Ihr einen rothaarigen Mann mit einem Arm seht.
Alle Tore sind verschlossen und werden bewacht.
Gut. Schwärmt aus und sucht diesen Mann!
Durchsucht jedes Wirthaus, jede Herberge, jede Scheune!
He! Raus hier!
Ja, ja. Ich geh ja schon.
Alexander von Westheim hat Anna nicht ermordet.
Er hatte den Bernstein.
Den auch Wilbrand von Maulbronn hätte haben können.
Westheim wollte seine Haut retten. Er hat gelogen.
Wir haben eine Art von Muster.
Was?
Der Täter hat sich nicht an ihnen vergangen. Und er hat beiden das Herz geraubt.
Er hat ihnen das Herz rausgerissen.
Aber warum. Warum?
Innerhalb der Tat sind das zwei identische Vorgehensweisen,
und das ist eine Art Muster, ein vorgezeichneter Weg, nach dem er tötet.
Und wenn der Mörder ein und derselbe gewesen ist,
dann kann Alexander von Westheim Anna nicht ermordet haben.
Und dann haben wir einen Unschuldigen lebendig begraben.
Es war ein Gottesurteil.
Er ist nirgends zu finden.
Wir waren in jedem Wirtshaus, jeder Herberge.
Er hat Spira betreten und nicht wieder verlassen.
Aber er ist trotzdem unauffindbar. Als ob ihn der Erdboden verschluckt hätte.
Er muss hier irgendwo sein. Wir müssen ihn finden.
Konrad! Ihr wart doch letzte Woche bei den Aussätzigen?
Ja, genau.
Wenn dir noch nichts Wichtiges abgefallen ist, kannst du reinkommen.
Nein, nein. Das geht nicht. Nein...
Lauch und Gartenkerbel. Das habe ich von den Arabern gelernt.
Aber das sind unsere Feinde!
Sicher, ja. Ich habe es eben von ihnen gelernt,
bevor sie unsere Feinde geworden sind.
Isenhart, schon wieder auf den Beinen?
Hat Euer Adlatus schon was gefunden?
Nein. Henning ist im Stadtarchiv.
Isenhart.
Gut, dass Ihr da seid.
Kommt mit.
Kommt. Seht, was ich gefunden habe.
Hier: Spira, im Jahre des Herrn 1193...
...hat sich am 24. Tage des Septembers ein Mord ereignet...
Ihr überrascht mich, und das nicht zum ersten Mal.
Ein Wachmann, der lesen kann. Noch dazu Latein.
Günstige Umstände.
Gewiss...
Vor einem Jahr gab es unten am Rheinufer einen Kampf,
bei dem ein gewisser Michael von Bremen einen Mann getötet hat.
Von Bremen hat nur einen Arm und feuerrotes Haar.
Den Arm soll er in der Schlacht von Doryläum verloren haben.
Ich bin sicher, das ist der Mann, den wir suchen. Er ist Burgherr zu Tarup.
Ist in dem Bericht erwähnt, von wann bis wann sich Michael von Bremen
hier aufgehalten hat?
Ja. Wieso?
Wenn es stimmt, was ich denke, dann gab es in diesem Zeitraum
einen unaufgeklärten Mord an einer Jungfrau.
Natürlich.
Hier.
Herz entnommen.
Und zwar nur zwei Tage nach der Auseinandersetzung von Bremens
am Rheinufer... - Mörder unbekannt.
Wenn er nicht wahnsinnig ist... Was ist, wenn er vom Teufel besessen ist?
Ausgraben? Nein!
Konrad.
Nein! Man darf Verstorbene nicht ausgraben.
Man versündigt sich damit an ihrem ewigen Schlaf,
und sie werden einen heimsuchen.
Das nehmen wir in Kauf.
Und wenn man euch dabei erwischt, dann werdet ihr brennen. Ohne mich!
Das reicht!
Wie wurde sie ermordet? Sieh nach!
Na toll, Isenhart. Jetzt kommt auch noch Leichenschändung dazu.
Vier Einstiche am Hinterkopf.
Reiten wir nach Tarup.
Anna hat er die Kehle durchgeschnitten. Danach hat er seine Methode verfeinert.
Du meinst, er lernt dazu?
Ja. Das Mädchen vom Friedhof hat er mit vier Stichen in den Hinterkopf getötet,
aber die Tote im Heu mit nur mehr zweien.
Glaubt ihr, er frisst sie? Die Herzen, mein ich.
Im Orient gibt es Geschichten, die davon erzählen,
dass man all die guten Eigenschaften seines Gegners in sich aufnimmt,
wenn man sein Herz isst.
Das kann auch nur diesen Gottlosen einfallen.
Und was erwartet er sich dann von drei jungen Frauen? Kraft wohl kaum.
Jungfräulichkeit vielleicht.
Obwohl? Natürlich! Du hast Recht. Alle drei waren Jungfrauen.
Jedenfalls konnte er davon ausgehen.
Bleibt die Frage, warum tötet er die Unbefleckten.
Warum will er das Herz der Reinen.
Ich habe über seiner Art zu töten von einem Muster gesprochen.
Das Gleiche gilt für die, die er tötet Sie sind jung, sie sind unberührt und...
...weiblich.
Eine hinterhältige Waffe, solch eine Armbrust.
Man sollte sie nicht gegen Christen richten.
Der, den wir jagen, ist kein Christ. Die Leute sagen,
oben in Tarup laufen seit 91 die Toten herum.
Die Leute reden viel.
Viele aus dem Gesinde des Fürsten von Tarup sind damals verhungert.
Die überlebt haben, haben die Toten gefressen.
Der Fürst selbst hat drei Herzen verzehrt.
Eines dieser Herzen gehörte einem Hünen.
Ein Mann so groß und stark, wie man ihn niemals wieder gesehen hat.
Daraufhin ist etwas Seltsames passiert.
Der Fürst konnte so schnell laufen wie ein Pferd. Und er konnte Eisen verbiegen.
Blödsinn.
Er war viel kräftiger als zuvor. Dieser Fürst war Michael von Bremen.
Der Einarmige.
Tarup.
Wir teilen uns auf.
Gut.
In der Hungersnot haben sie sich hier gegenseitig aufgefressen.
Könntest du dir vorstellen, ich mein, wenn du eine Woche lang
nichts gegessen hättest und wir wären allein...
Ich glaub nicht, dass du schmeckst, Konrad.
Gut zu wissen.
Hierher!
Was habt ihr?
Hier ist ein Zugang!
Dann lasst uns reingehen.
Günther!
Ja?
Das ist großartig.
Was für ein Wissen.
Dafür hat er sich an Gottes Werk vergangen.
Was ist das?
Vielleicht der Weg, den das Blut in unserem Körper nimmt.
Er untersucht den Aufbau des menschlichen Körpers.
Und dazu mordet er? Aus Neugier?
Nein, wir haben keine ausgeweideten Opfer.
Das ist krank. Der Mann ist ein Ungeheuer.
Es ist nur ungeheuerlich, weil die Kirche es verbietet.
Es sind Geschöpfe Gottes, auch im Tod, und er hat kein Recht...
Ihre Seelen waren bereits aufgestiegen, Konrad.
Die Toten hatten keine Verwendung mehr für ihre sterbliche Hülle.
Das stimmt, Konrad.
Bewunderst du diesen Schlächter etwa?
Natürlich nicht!
Aber ich habe Verständnis. Verständnis für wissenschaftliche Neugier.
Das hier ist Fortschritt. Das ist gezeichnete Zukunft.
Dieser Mann verfügt über ein unschätzbar wertvolles Wissen.
Er könnte Kranke und Verletzte bestimmt weit besser behandeln
als ein Geistlicher mit seiner 4-Säfte-Theorie.
Aber er hat gesündigt. Es ist nicht Gottes Wille,
dass man sich an seinen Geschöpfen vergeht.
Wer sagt denn das?
Na, die Kirche.
Diese Zeichnungen geben Antworten auf wichtige Fragen.
Aber wir leben in einer Zeit, in der wir uns mit allem abfinden müssen.
In der nicht gefragt werden darf, in der alles,
was geschieht, der Wille Gottes ist.
Aber so ist es doch. - Nein!
Der Wille Gottes ist doch keine abschließende Erklärung für alles.
Der Wille Gottes erklärt nicht, warum die Bäume im Herbst ihr Laub verlieren.
Wenn wir die Vögel und ihre Flugbewegungen nur genau genug studieren würden,
vielleicht wären wir dann eines Tages selbst in der Lage zu fliegen.
Aber dieser Gedanke ist ja verboten!
Weil sie sonst verdursten würden.
Was?
Ja. Die Bäume. Sie werfen ihr Laub ab, weil sie sonst verdursten würden.
Ich weiß, das klingt unsinnig.
Überhaupt nicht. Es ist die sinnfälligste Erklärung überhaupt.
Wir jagen keinen Wahnsinnigen, wir jagen einen Gelehrten.
Vielleicht sogar ein Genie.
Was habt Ihr in meinem Haus zu suchen?
Ihr findet nur einen Arm gegen Euch, aber drei Herzen.
Er ist da runter.
Blut.
Und da ist noch mehr.
Wenn es keinen anderen Ausgang gibt, muss er hier wieder vorbei.
Ich bleib hier.
Entschuldigung.
Günther, seit vorsichtig. Er kann hier überall lauern.
Lasst uns oben weiter suchen.
Er hat sich selbst gerichtet.
Komm, Isenhart. Hier können wir nichts mehr ausrichten.
Warum hat er sich erhängt? Das begreife ich nicht.
In Spira hätte man ihn für seine Verbrechen gevierteilt.
Gestorben wäre er also sowieso.
Jedenfalls ist der Mord an deiner Schwester jetzt gesühnt.
Ich werde Eure Gesellschaft vermissen.
Das beruht auf Gegenseitigkeit.
Ein Stück des Weges kann ich euch noch begleiten.
Was machen wir hier?
Nur eine kurze Rast.
Hieronymus? Maria!
Sie sind da!
Sophia von Laurin, Henning von der Braake.
Guten Tag.
Lasst sehen, was ihr alles mitgebracht habt.
Schön, dich zu sehen.
Getreide, Feuersteine...
...Salz, getrockneter Fisch, Mehl und Dörrobst. Gut.
Ihr mögt ihn sehr.
Wir sind zusammen aufgewachsen. Und der Pinkepank hat ihn groß gezogen.
Er ist Waise?
Seine Herkunft liegt im Dunkeln.
Er ist ein Untoter.
Untot?
Ja.
Wie meinst du das? - Na, er wurde tot ge....
Wieso gehst du nicht und fütterst die Hühner?
Tratsch, nichts weiter.
Wer ist sein Vater?
Warum interessiert Euch das?
Isenhart beherrscht nicht nur Lesen und Schreiben.
Die meisten Menschen sind nicht in der Lage,
über ihr eigenes Leben hinaus in die Welt zu blicken. Er schon.
Ich weiß, und Ihr?
Wir müssen los.
Sein Name war Michael von Bremen.
Ja.
Er hat auch bei Doryläum gekämpft.
Er hat bei Doryläum seinen Arm verloren.
Woher wusstet ihr, dass der Täter rote Haare hat?
Eines der Opfer hat sich gewehrt.
Diese Zeichnungen haben wir bei Michael von Bremen gefunden.
Ihr verdächtigt einen anderen.
Ja.
Aber der hatte keine roten Haare.
Bist du je einem Wiedergänger begegnet?
Nein.
Dann ist es jetzt vielleicht bald soweit.
Was haltet Ihr da an Euer Auge?
Eine Linse.
Das ist keine Linse. Linsen kann man essen?
Nein, es ist ein Beryll, ein Bergkristall in der Form einer Linse.
Er vergrößert die Dinge, wenn man hindurch schaut.
Meine Augen lassen nach, weißt du? Hier, sieh selbst.
Vielleicht wird man ihn sich eines Tages vor die Augen hängen, diesen Beryll.
Michael von Bremen war es nicht.
Wir suchen jemanden, der sich tarnt.
Der für einen Mord die Farbe seiner Haare verändert.
Hier.
Die Nichtexistenz Gottes?
Ja. Das hat ein besonderer Mann geschrieben.
Die Welt in ihrem wahren Gefüge kann nur erfassen,
wer Gott als Erklärung für etwas verneint, denn mit Gott ist nichts erklärt.
Wer also eine Frage damit beantwortet, das es sich um Gottes Wirken handelt,
weiß es nur nicht besser. Der Weg zur Erkenntnis wird gesäumt von Neugierde
und Wissenschaft und nicht von Glaube und Dogma.
Wissenschaft heißt Bewegung, Glaube Stillstand,
denn Glaube gibt sich mit Unwissenheit zufrieden.
Sydal von Friedberg hat es geschrieben.
Die Nichtexistenz Gottes.
Hier hat er sie geschrieben. Hast du je von ihm gehört?
Nein.
Wir kannten uns. Wir waren zusammen auf dem Kreuzzug nach Jerusalem.
Nach der Schlacht von Doryläum, Michael von Bremen war schwer verletzt,
und Sydal zog nach Toledo in Iberien. Und von dort kam er als ein anderer zurück.
Was heißt ein Anderer?
Er war vom Glauben abgefallen, Sydal war ein Gottloser geworden,
dem jede Aussicht auf ein ewiges Leben genommen war.
Dann begann er zu töten. Jungfrauen, deren Herz er nahm.
Er hat das Gleiche getan, was der Mörder von Anna auch getan hat?
Ja. Konrad!
Warum? Walther, redet!
Er hat es mir nicht verraten. Du bist ihm auch schon mal begegnet.
Du verdankst ihm nämlich dein Leben.
Ich glaube, das müsste ich wohl wissen.
Nein, das kannst du nicht mehr wissen. Du wurdest tot geboren.
Du hast das Jenseits schon gesehen.
Was?
Kurz nach deiner Geburt hat dir ein Mann den Atem des Lebens eingehaucht,
und dein Herz hat wieder zu schlagen begonnen.
Das ist Hexerei.
Oh nein! Nicht unbedingt.
Deine leibliche Mutter, sie starb bei der Geburt,
ich habe dich zur Burg Laurin gebracht, und der Schmied hat dich aufgezogen.
Dein Leben aber verdankst du diesem Mann.
Sydal von Friedberg. - Ja.
Warum hat er das getan?
Er war dein Vater, Isenhart.
Isenhart?
Und wer war meine Mutter?
Wer war meine Mutter?
Ihr Name war Loretta.
Ich habe sie... Sie war eine Magd.
Sydal von Friedberg hat sie vergewaltigt, und sie starb nach deiner Geburt.
Isenhart, es...
Der Sohn einer Bestie.
Was ist das?
Ich weiß es nicht. Ich weiß nicht, was er uns damit sagen wollte.
Ich weiß es nicht.
Also Toledo? Dir ist klar, dass wir Monate unterwegs sein werden?
Mein Vater war dort, bevor er zum Mörder wurde.
Was erhoffst du dort zu finden?
Ich muss wissen, ob wir einem Geist nachjagen, der mein Vater ist.
Was ist das Motiv? Warum diese Morde?
Michael von Bremen konnten wir nicht mehr befragen.
Und du glaubst, Toledo gibt dir die Antworten?
Er kam als ein Anderer aus Toledo zurück. Dort liegt die Lösung.
Mein Vater und Annas Tod, das hängt miteinander zusammen.
Isenhart.
Was ist in Doryläum passiert? Ihr seid nicht einfach so heimgekehrt, richtig?
Ich muss es wissen.
Michael von Bremen verlor in der Schlacht seinen Arm,
er war dem Tode näher als dem Leben.
Er hatte deinem Vater im Kampf das Leben gerettet,
und so fühlte der sich für von Bremen verantwortlich.
Ein Medicus der Seldschuken war ihr Gefangener,
er bot an, von Bremen zu helfen,
wenn man ihm dafür die Freiheit schenkte.
Er verlangte dafür das Herz eines Gefallenen, eines kräftigen Mannes.
Ihr gerietet in Streit mit meinem Vater.
Ja. Am nächsten Tag waren Sydal und der Medicus verschwunden,
und einem der Gefallenen fehlte das Herz.
Ist mein Vater mit diesem Medicus nach Toledo gegangen?
Ja.
Wie war sein Name?
Ibn Al-Hariq.
Gibt es noch mehr Wahrheiten, die Ihr mir verheimlicht habt?
Nein.
Isenhart.
Ich habe es von...
Mein Vater hat es mir gegeben.
Es schützt seinen Träger.
Und da ich keinen leiblichen Sohn habe...
Möge es dich schützen auf deiner Reise nach Toledo.
Sophia! Isenhart und Konrad sind da. Komm mit mir!
Einmal, da hat mir Anna vom Markt eine Muschel mitgebracht.
Wenn man die ans Ohr gehalten hat, dann konnte man das Meer rauschen hören.
Natürlich weiß ich nicht, ob das stimmt, ich war noch nie am Meer. Aber...
Es rauscht. - Ja.
So soll sich das Meer anhören.
Isenhart, wenn du die Wahl hättest, wo würdest du leben wollen?
Hier oder am Meer?
Im Morgen.
Im Morgen.
Denkst du noch oft an Anna?
Immer, wenn ich dich sehe.
Aber du bist nicht Anna.
Vergiss mich nicht.
Wie sollte ich so viel Anmut vergessen?
Welche Anmut? Die Anmut ihres Hinterns?
Wie kannst du nur so grob sein?
Isenhart, du hast deinen Vater zweimal verloren und ich würde bis ans Ende
der Welt reiten, um noch eine Stunde mit meinem zu haben,
während deiner irgendwo da draußen ist.
Geh nach Toledo.
Warte nicht, geh gleich, geh und füge dich nirgends, ja? Füg dich nirgends.
Finde zumindest du deinen Frieden.
Wir sollten los.
Und pass mir auf meinen Stümper von Bruder auf.
Das verspreche ich dir.
Und auf dich auch.
Was hatten die hier verloren?
Kinderkreuzzug. Sie sind dem Glauben gefolgt und nicht dem Wissen.
Siehst du das?
Ich kann vor Hunger nichts sehen.
Mauren und Juden. Und Christen. Und sie fallen nicht übereinander her.
Du hast Recht, ich mag die Stadt auch nicht.
Ich brauche Brot. Ich hab solchen Hunger.
Brot, mein Freund, bitte. Brot, probierst du, bitte. Danke mein Herr.
Da Olive. Bitte kostet. Bitte kostet vor Kauf. Sehr gut. Sehr gut, wirklich.
Ich habe Durst.
Durst? Bitte, bitte, Orange. Bitte. Gut gegen Durst. Sehr gut.
Danke, mein Freund, danke.
Mein Freund, du musst die Frucht erst schälen, man isst die Schale nicht mit.
Ibn Al-Hariq, lebt der noch in Toledo?
Wer?
Nicht so schnell!
Freunde.
Er hat sich oft in der Festung aufgehalten.
Von dieser Kreuzung aus könnt Ihr sie sehen.
Muselmanen.
Wer seid Ihr, und was sucht Ihr hier?
Wir sind Konrad von Laurin und Isenhart von Laurin.
Wir suchen Ibn Al-Hariq. Wir müssen mit ihm sprechen.
Gebt Eure Waffen ab.
Wir brauchen unsere Waffen, um ein paar Ungläubigen den Kopf abzuschlagen.
Wer hat Euch gesagt, wo Ihr Ibn Al-Hariq finden könnt?
Irgendein Händler.
Sein Name.
Den wissen wir nicht.
Tötet sie.
Nein! Ich bin Isenhart, der Sohn von Sydal von Friedberg.
Lasst sie los.
Das untote Kind.
Mein Herr, Ibn Al-Hariq ist vor zwei Jahren von uns gegangen.
Er war ein großer Philosoph und ein noch größerer Arzt,
aber Eure weite Reise habt Ihr sicher nicht ohne Grund unternommen.
Ich bin wegen meines Vaters hier, wegen Sydal von Friedberg.
Nach dem Kreuzzug ist er mit Eurem Herrn hierher gekommen.
Und nachdem er ins Heilige Deutsche Reich zurückgekehrt ist,
hat er begonnen, Frauen zu ermorden.
Sehr schlimm, was passiert ist.
Was ist hier geschehen, bevor mein Vater von hier abgereist ist?
Ihre Gespräche haben sich um die menschliche Seele gedreht.
Um die Frage, ob sie unsterblich ist und darum, wo sich ihr Sitz befindet.
Im Herzen?
Das war wohl ihrer beider Überzeugung, aber natürlich gab es keine Gewissheit.
Ich erinnere mich sehr gut, dass es sie fast krank machte.
Sie glaubten, dass das, was uns ausmacht, das „Ich“,
dass dieses „Ich“ sich in der Seele befindet oder sie sogar ist.
Gekettet an eine sterbliche Hülle, so hat Euer Vater es genannt.
Dachten Al-Hariq und mein Vater, dass man die Seele sehen kann?
Nein, nein, nein, sie meinten, sie sei unsichtbar,
zumindest für das menschliche Auge.
Und in den Gesprächen, ging es da auch um Reinheit?
Ja, je reiner die Seele, desto wertvoller. So sagten sie.
Warum ist mein Vater von hier abgereist?
Sie gerieten in Streit miteinander. Leider.
Euer Vater hat eine Grenze übertreten, versteht Ihr? Er war besessen.
Mein Vater wollte die Seele selbst erforschen.
Er wollte eine Seele beim Entweichen sehen.
Ja.
Was ist das hier alles?
Ein Austausch zwischen Abendland und Morgenland. Ein Basar des Wissens.
Die Gelehrten sind übrigens von der Meinung abgerückt,
dass die Seele sich im Herzen befindet. - Sondern?
Im Gehirn, hinter den Augen.
Hier gibt es auch Medici?
Hier kommen diejenigen her, die keine Hoffnung mehr haben.
Und Gelehrte können an ihnen neue Methoden und Salben erforschen.
Diese Kammer gehört Euch, solange Ihr bleiben wollt.
Dieser Knoten, wie nennt Ihr ihn?
Das ist ein Kreuzlaufknoten. Er kommt aus der Seefahrt.
Euer Name ist Isenhart?
Das ist richtig, ja. Und Ihr?
Ich habe Euer Gespräch mit Khamud gehört.
Kanntet Ihr meinen Vater?
Oh ja. Euer Vater lebt.
Mein Vater lebt? Mir wurde gesagt, mein Vater sei tot.
Walther von Ascisberg, nicht wahr?
Warum sollte Walther von Ascisberg...
...lügen? Walther hat Sydal damals nicht erschlagen, er hat ihn gestellt.
Und unter drei Bedingungen am Leben gelassen.
Was für Bedingungen?
Dass er niemals wieder seinen Fuß in das Deutsche Reich setzt.
Dass er dem Morden abschwört und sich niemals seinem Sohn gegenüber
als sein Vater offenbaren wird.
Isenhart, du glaubst nicht, was ich... - Ich habe gerade...
Wilbrand von Maulbronn. Was macht der hier?
Innerhalb dieser Mauern wird die Waffe von niemandem geführt außer mir.
Wenn es also etwas zu klären gibt, klärt es außerhalb.
Wilbrand von Maulbronn. - Lass dich nicht provozieren!
Ihr seht mich verwundert, Euch lebend anzutreffen, junger Laurin.
Diese Schande könnt Ihr morgen früh auswetzen, bei Sonnenaufgang vor dem Tor.
Ihr und ich, wenn Ihr dazu Manns genug seid.
Was willst du, Bastard?
Ich habe noch nie einen Toten auf zwei Beinen gesehen.
Interessanter Ort hier. Man erfährt so viel über den Sitz der Seele.
Endlich, Isenhart. Jetzt kann sich Wilbrand von Maulbronn nicht mehr
hinter seinem Heer verstecken.
Was hat er hier überhaupt zu suchen? Hier in Toledo? In der Puente?
Keine Ahnung.
Das ist doch kein Zufall. Erst war mein Vater hier, jetzt Wilbrand.
Was verschlägt den Erbischof von Maulbronn genau hierher?
Immer treffen wir ihn an Orten, an denen gestorben wird.
Vielleicht lass ich ihn ja solange am Leben, dass du ihn noch selbst fragen kannst.
Er wird nicht so lange warten, Konrad. Er wird nicht so lange warten.
Was ist los?
Konrad von Laurin!
Es ist die Klinge meines Vaters, die Ihr spürt.
Raus!
Du holst die Pferde! Ich hol die Waffen.
Nein, du holst die Pferde! Ich hol die Waffen.
Konrad!
Was hatte Wilbrand in Toledo zu suchen?
Ich weiß nicht. Du hast ihn ja umgebracht, bevor wir ihn fragen konnten.
Aber dein Vater lebt. Vielleicht hat er die Morde begangen?
Oder jemand, der ihm nacheifert. Es gibt nur Einen, den wir fragen können.
Und das ist Walther.
Gerhard.
Walther von Ascisberg ist tot.
Was?
Wann?
Seit einem Monat. Er hatte in Spira zu tun.
Auf seinem Rückweg muss er erschlagen worden sein.
Man hat Walther von Ascisberg tot am Wegesrand gefunden.
Und der Mörder?
Sprich!
Was hatte er überhaupt in Spira zu erledigen?
Ich weiß es nicht. Nur, dass es einen Mord an einem jungen Mönch gab.
Mein Herr wollte den Leichnam persönlich in Augenschein nehmen.
Man hat ihm das Herz herausgerissen?
Woher wisst Ihr das?
Ein Mönch passt nicht in das, was du ein „Muster“ nennst.
Seitdem das Zölibat beschlossen wurde, ist auch ein Mönch unbefleckt. Rein.
Dies alles gehört jetzt Euch, Isenhart.
Walther von Ascisberg hat Euch zu seinem alleinigen Erben bestimmt.
Wo habt Ihr Euren Herrn zur Ruhe gebettet?
Ihr hättet es nötiger gebraucht.
Wer hätte einen Grund gehabt?
Der Täter tarnt sich. Er gibt vor, rote Haare zu haben. Aber sie sind braun.
Damit scheidet Wilbrand aus.
Du denkst, der Mörder läuft noch frei herum.
Sophia, ich glaube, da kommt jemand.
Oh Gott, es ist Isenhart und Konrad.
Wie siehst du denn aus?
Ich kümmere mich sofort um dich. Komm.
Wo ist Vater Hieronymus?
Er ist sehr krank. Du kannst jetzt nicht zu ihm.
Komm. Du musst auch gewaschen werden.
Reimar von Vogt macht mir seit einigen Wochen den Hof.
Er hätte keine bessere Wahl treffen können.
Ich gehe und füttere die Hühner.
Was hast du ihr gesagt?
Ich hab ihr gesagt, dass ich ihr Glück mit ihrem zukünftigen Mann wünsche.
Du Dummkopf! Du bist blind und taub. Sie will dich.
Ich weiß. Ich weiß. Ich weiß...
Was ist los?
Ich bin nicht der richtige Mann für sie. Sophia hat einen besseren verdient.
Isenhart, manchmal bist du richtig dumm.
Manchmal fühl' mich wie eine Insel ohne Verbindung zum Festland.
Und es gibt keine Brücke und keinen Fährmann, der mich übersetzen kann.
Sie hat einen besseren verdient.
Vater, wir sind wieder zurück.
Isenhart.
Wie geht es euch?
Ich habe eine Frage, Vater. Ihr seid doch zur See gefahren. Richtig?
Das stimmt, aber das ist lange her, ich war noch ein Springinsfeld.
Kennt Ihr einen Kreuzlaufknoten?
Ja. - Könnt Ihr einen für mich binden?
Isenhart...
Versucht es.
Probiert es mit einer Hand...
Tut mir den Gefallen, Vater.
Das geht nicht. Der Kreuzlaufknoten...
Schon gut, schon gut. - ...ist zu aufwändig.
Warum soll ich das machen?
Weil Michael von Bremen ein Einarmiger war.
Also hat ihn jemand erhängt...
Meinst du das?
Wir waren zu viert in Tarup. Henning war die ganze Zeit bei Konrad und mir.
Nur Günther von Martensen hat ihn töten können.
Aber wozu?
Die Frage ist: was weiß Henning von den Morden seines Meisters?
Seid gegrüßt.
Der Medicus und sein Adlatus haben die Stadt schon vor Monaten verlassen.
Günther von Martensen war schwer krank.
Sie wollten zur Leprahöhle nach Maulbronn.
Maulbronn.
Der tote Mönch, den Walther von Ascisberg untersuchen wollte,
er hatte zwei tiefe Stichverletzungen am Hinterkopf, richtig?
Nur eine. Woher wisst Ihr das?
Es gibt einen Zusammenhang mit einem anderen Mord.
Henning von der Braake?
Isenhart war hier, richtig?
Ja.
Isenhart!
Du lebst, ich bin froh, dich zu sehen.
Was ist mit Konrad? Ich hoffe, er ist wohlauf.
Keine Sorge. Aber nachdem wir eine Ewigkeit unterwegs waren,
wollte er sich erstmal nicht mehr in den Sattel schwingen.
Du hast recht, es ist eine Ewigkeit her. Kommt!
Ich habe gehört, dass Günther erkrankt ist. Wie geht es ihm?
Der Schnitter wird Günther holen. Und nun wird er mit seinem Weg zum Herrn
einem Experiment dienlich sein.
Komm. Komm.
Zur Seite!
Das haben wir alles geschaffen, während du fort warst.
Günther.
Henning.
Schau, wer da ist.
Isenhart,
ist eine Freude, dich zu sehen.
Sie sind alle weg.
Sei nicht traurig. Ich bin neugierig wie ein kleines Kind.
Was sind das für Liegen?
Gib auf ihn Acht!
Es sind Todkranke, sie kommen her, um zu sterben, und ich nehme sie auf
und pflege sie bis zum Ende.
Diese Liegen über dem Wasser...
...die Seile. Ich habe das schon einmal gesehen.
Die Zeichnung eines Mannes, der erst seinen Glauben verloren hat
und dann nach dem Sitz der Seele sucht. - Ja, Sydal von Friedberg. Ja.
Du kanntest Sydal von Friedberg?
Nein, Günther kannte ihn. Sie begegneten sich in einem Ort in Iberien.
In Toledo. Konrad und ich waren dort.
Ja. Du warst dort. Auf dem Basar des Wissens.
Sag mir, ist es wirklich so wundervoll, wie Günther mir immer erzählt hat?
Von Gelehrten, die befreit von Herkunft und Religion nach Wissen streben,
sich austauschen?
Es war beeindruckend.
Und ist es so, dass es die einzigen Schranken, die es dort gibt,
diejenigen des Geistes sind und nicht der Kirche?
Ja, Religion spielt dort kaum eine Rolle.
Was für ein Fortschritt.
Was weiß Günther von Sydal von Friedberg?
Eine ganze Menge.
Er hat mir zum Beispiel erzählt, dass Sydal es nicht duldete,
wenn man seine Gedanken beschränkte.
Der Frauen ermordete.
Es ist soweit. Er stirbt.
Jetzt ist deine Seele auf die Reise gegangen.
Und erlöst.
Auf dem Weg in eine bessere Welt, wenn es sie gibt.
Hast du den Faden gesehen? - Hab ich gesehen.
Dass er angehoben wurde? Hast du das gesehen?
Im Augenblick des Todes.
In dem Moment des Todes wurde Günther leichter.
Die Seele.
Die Seele.
Wie viel Gramm?
45. - Immer?
Immer.
Und bei den Hunden?
Nicht ein Gramm.
Gab es eine, die man sehen konnte?
Wir haben es mit Wasser versucht, aber aus den Mündern der Verstorbenen
sind keine Luftblasen ausgetreten.
Vielleicht entweicht sie nicht durch den Mund.
Habt ihr es mit Rauch versucht?
Auch das. Ohne Erfolg.
Ich muss jetzt Günther herrichten.
Natürlich.
Isenhart!
Das haben wir doch schon mal bei Michael von Bremen gesehen.
Dieselbe Schrift.
Ja.
Schau!
Das ist von Michael von Bremen. Das ist identisch.
Günther oder Henning. Einer muss es in Tarup hinterlegt haben,
damit wir darauf stoßen.
Und du dachtest, es sei ein Genie.
So viel Besuch.
Ihr wollt schon gehen?
Was weißt du über den Mord an Anna von Laurin?
Lass sie los!
Weg mit dem Dolch!
Lass sie los!
Weg mit dem Dolch, oder ich nehme ihr ihre Schönheit.
Rede nicht so viel, Simon!
Aufhören!
Ihr erlaubt?
Mörder!
Und jetzt zu dir!
Nein!
Er weiß doch noch nicht mal, wer er ist.
Mörder!
Mein Schwert. Gib mir mein Schwert!
Haltet sie auf!
Wo sind wir?
Im Kloster Maulbronn.
In der Falle.
Auf die Knie!
Konrad?
Das ist unmöglich.
Leider nicht.
Wollt Ihr Euch immer noch mit mir messen?
Wenn Euer Mut sich verdoppelt hat und Ihr Euch inzwischen mannsgenug fühlt,
mit einem nahezu Blinden zu kämpfen - jederzeit.
Ihr untersteht meiner Gerichtsbarkeit.
Aber morgen wird Kardinal Ernst von Regensburg zu mir kommen,
und er soll dem Gericht über euch beiwohnen.
Und was wirft man uns vor?
Dass wir die Burg meines Vaters gegen Euch verteidigt haben?
Dass Ihr in Toledo versucht habt, mich zu ermorden.
Dann kann man uns genauso gut gleich hinrichten.
Nicht so hitzig, Konrad von Laurin, nicht so hitzig.
Morgen kommt der Kardinal von Regensburg nach Maulbronn.
Und er soll dem Gericht über Euch beiwohnen,
das Euch dem Tode überantworten wird.
Wo ist Sophia von Laurin?
In meinen Gemächern.
Dort soll sie mir etwas zur Hand gehen.
Hier kannst du verrotten!
Isenhart?
Ich bin hier.
Vielleicht war es unser Schicksal, dass es genau so enden soll.
Was tust du? Gräbst du?
Unter der Steinplatte ist Wasser.
Die Steinplatten sind zu schwer, die kannst du alleine nicht heben.
Aber gebt mir einen festen Punkt im All,
und ich hebele dir die Welt aus den Angeln.
Archimedes und das Hebelgesetz, was Walther uns gelehrt hat. Du erinnerst dich?
Nein.
Wie viele hast du geöffnet?
Viele.
Bei lebendigem Leib? - Natürlich nicht.
Ich empfinde keine Freude am Quälen.
Du und ich, wir sind von derselben Art. Wir beide stehen außerhalb unserer Zeit.
Sydal von Friedberg hat den Anfang gemacht, damals in Toledo.
Ich setze seine Arbeit fort.
Schon lange. Günther hat mir erst assistiert und jetzt von Hainfeld.
Aber, was könnten wir beide zusammen bewirken.
Günther war dein Schüler?
Ich weiß, dass die Theorie von den vier Lebenssäften falsch ist.
Wenn man Kranke nach ihr behandelt, dann kann man ihnen schaden,
sie vielleicht sogar töten.
Willst du dieses Wissen nicht mit mir teilen, neues erwerben?
Es gibt noch so viel zu erforschen, zu entdecken.
Was ist so amüsant?
Dein Wissen, das ist ein unglaublicher Schatz.
Dein Licht würde das meines Vaters um ein Vielfaches überstrahlen.
Aber das wird nicht passieren.
Denn du kannst dein Wissen mit niemandem teilen. Sie würden dich verbrennen.
Morgen atme ich deine Seele, Isenhart. Und dann bist du in mir.
Was hat Wilbrand von Maulbronn mit alldem zu tun?
Ein Zweckbündnis. Ich wollte die Seele erforschen, Wilbrand wollte sie haben.
Er hat sie bekommen.
Was heißt das, er hat sie bekommen?
Er hat sie eingeatmet. 45 Gramm. Hast du das schon vergessen?
Hast du das schon vergessen?
Diese hier habe ich ihm nicht gegeben.
Ihre Hülle war von außergewöhnlicher Schönheit. Anna von Laurin.
Mörder!
Wilbrand von Maulbronn hat sie bestimmt. Ihre Seele wollte er.
Er hat den Bernstein an den Händler weiter gegeben.
Anna wäre nie ein Leid angetan worden, wenn ich gewusst hätte,
wie viel Schmerz man dir damit zufügt, Isenhart.
Wenn ich Herr über Leben und Tod wäre, ich würde sie dir zum Geschenk machen.
Wer hat sie getötet?
Wer ist da?
Mörder.
Willst du die Seele erforschen, muss der Tod eintreten.
Was? So viel zerstörte Leben für deine Neugier?
Einige zerstörte Leben für viele erfüllte.
Der Tod einiger weniger kann den Tod vieler anderer verhindern, Isenhart.
Erst wenn man uns den Typhus und die Pocken untersuchen lässt,
wenn man uns nicht ständig daran hindert,
Gottes Schöpfung genauer zu untersuchen, erst dann können wir helfen.
Schmerzen lindern. Vielleicht sogar dem Tod trotzen.
Wenn wir nicht einige, wenige opfern, dann ist es,
als ob wir Tausende töten würden, denen wir dann nicht mehr helfen können.
Wer von uns beiden ist jetzt menschlicher? Gerechter?
Wozu wollte Wilbrand die Seelen einatmen?
Begreifst du das nicht?
Das Wesen der Seele. Darum geht es.
Unsterblichkeit.
Ein uralter Menschheitstraum, Isenhart. Unbefristetes Leben.
Was könnte ein Genie wie Aristoteles in der doppelten
oder dreifachen Lebensspanne leisten?
Unsterblich sind nur die Visionen, die wir hinterlassen und die Seele.
Ist das so?
Wie alt ist denn Wilbrand von Maulbronn?
Ich weiß nicht. - 76.
Er ist 76 und bewegt sich wie ein Mann Mitte dreißig.
Was soll das sein? Zufall?
Genau das.
So, Zufall. Meinst du, dass Sydal von Friedberg am Morgen deiner Geburt
rein zufällig aufgetaucht ist? Er war auf der Flucht vor Walther von Ascisberg,
er wusste, dass seine Zeit knapp bemessen war, er wusste, dass Walther ihn früher
oder später töten würde. Und deswegen wollte er etwas hinterlassen
und weiterleben in gewissem Sinne.
Etwas von den Seelen, die er geamtet hat, lebt auch in dir,
Isenhart, und in mir.
Sydal hat zwei Kinder gezeugt. Zwei Knaben. Beide hat er nach der Geburt geküsst.
Beide wuchsen bei „Vätern“ auf. Der eine bei einem Schmied,
der andere bei einem Medicus.
Wir sind nicht nur Seelenverwandte, Isenhart.
Ernst von Regensburg hat Maulbronn erreicht und das Kloster besetzt.
Um der Seelen willen gemordet? Ist es das, was Ihr mir sagen wollt?
Ja.
Das sind schwere Vorwürfe, die Ihr da erhebt.
Wilbrand, mein Freund,
ist es doch höchst fraglich, dass Ihr von den Taten Eures Gastes,
Henning von der Braake, in den Verliesen Eures Hauses nichts gewusst habt.
Ich schwöre es.
Das ehrt Euch.
Dennoch kann ich zu keinem klaren Urteil kommen.
Es sei denn, es sei denn, Ihr verlangt ein Gottesurteil.
Siegen Wilbrand von Maulbronn und Henning von der Braake,
sind die Anschuldigungen gegen sie als Lügen entlarvt.
Siegen aber Isenhart und Konrad von Laurin, ist Henning von der Braake
der Ketzerei überführt, und er und Wilbrand von Maulbronn werden
die Strafe Gottes erleiden. Um die Besitztümer und Ländereien von Maulbronn
werde ich mich dann höchstselbst kümmern.
Ich fordere das Gottesurteil.
Dann soll das Gottesurteil entscheiden.
Sag mir, wo sie stehen,
und ich werde sie erschlagen.
Heute nicht, mein Freund.
Heute nicht.
Lass deine Wut meine Hand führen.
Du bist nicht unsterblich.
Nein. Nein! Isenhart, nicht!
Nicht! Nicht!
Ich will dich nicht töten! Wozu?
Wozu?
Wir sind Halbbrüder! Wir haben denselben Vater!
Wir beide, wir tragen ihn in uns! Isenhart!
Wir beide stehen außerhalb unserer Zeit.
Das ist eine Illusion.
Wir sind in dieser Zeit gefangen, ob wir wollen oder nicht.
Nein.
Nein. Bleib hier!
Bleib hier.
Und wirst du dem Weg deines Vaters folgen?
Das muss ich nicht.
Ich bin angekommen.
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