All language subtitles for About.A.Girl.German.2014.AC3.DVDRiP.x264-ETM

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Original subtitles

(Regen rauscht, es donnert)

(Mädchen) Ich hab manchmal diesen komischen Traum:

Im Himmel spielt eine Band.

Kurt Cobain und Jimi Hendrix an den Gitarren und Amy Winehouse singt dazu.

Sie haben neue Songs drauf, die noch keiner kennt.

Immer wenn sie auf ihrer Wolke loslegen, regnet es auf der Erde in Strömen.

Und wenn man ganz still steht,

kann man durch das Geräusch des Regens ihre Songs hören.

Na ja, ehrlich gesagt hör ich im Regen meistens gar nichts.

Außer meinen eigenen Gedanken.

Eigentlich kann ich Regen nicht ausstehen.

Da muss ich immer an den Tag denken, an dem meine Mutter beschlossen hat,

dass mein Vater das letzte Mal fremdgegangen ist.

Ich hab noch an den Weihnachtsmann geglaubt.

- Können wir drüber reden? - Hau ab, du Arsch!

Mein Vater sagte immer: "Guck nicht hin, dann passiert nichts Schlimmes."

Nicht meine Gitarre.

Mit sechs glaubt man so was einfach.

Obwohl ich mich schon gefragt hab,

wie der fette Typ durch den Kamin passen soll.

Was die Erwachsenen erzählen, ist eh alles gelogen.

Es wird alles gut.

Hab ich doch gesagt: schon wieder gelogen.

(laute Rockmusik)

An dem Tag hab ich kapiert: Das Leben ist kein Kindergeburtstag.

Meins auf jeden Fall.

(ruhige Gitarrenmusik)

Das ist meine Mutter.

Seit ihr Buchladen pleite ist, verkauft sie nutzloses Zeug auf eBay.

So schnell wie sie ist noch keiner Powerseller geworden.

(genervt) Das ist Volker, ihr neuer Freund.

(er stöhnt auf)

Früher hatte ich nichts gegen Vegetarier.

Jetzt schon.

Der da ist Captain O.

In echt heißt er Oscar und ist mein Bruder.

Bloß weil er sechs Wochen zu früh kam, darf er allen auf die Nerven gehen.

Meine Oma ist die Allerbeste.

Ihr Jimi heißt Jesus.

Ständig sagt sie, dass er auch mich liebt.

Aber mir ist der Altersunterschied zu groß.

Die Blonde ist Isa, meine beste Freundin.

Na ja, eigentlich meine einzige.

Wir kennen uns seit dem Kindergarten, als Körbchengröße noch kein Thema war.

Die sind schon wieder gewachsen, ich muss irgendwas dagegen tun.

Die Jungs sind alle verknallt in sie. Neben ihr bin ich quasi unsichtbar.

(Sirene) (mit verzerrter Stimme) Achtung!

Gut geschlafen?

Ach, wer bin ich?

Ah, da steht's ja: Charleen.

(Lehrer) Da du weißt, wie du heißt,

erklär doch mal, was Linus vorrechnet.

Ähm...

Das hab ich mir gedacht.

Linus, das war herausragend, inspirierend.

Vielen Dank.

Das Universum kann jederzeit runterfallen.

Zack! Und wir sind alle platt.

Wer konzentriert sich da auf Mathe?

Wie war's Wochenende?

- Hell, dunkel, hell, dunkel, Montag. - Rede ich mit dir?

Ich lad dich in der Pause auf ein Eis ein.

- Leck mich, Tim. - Klar, gern. Wann?

Am Arsch, du Arsch.

- Zicke! - Angearscht!

Warum muss sich alles verändern?

Du wachst auf und hast tausend Probleme: Jungs, Pickel, Wirtschaftskrise...

Gleich ist Bio. Nicht dass wieder was dazwischenkommt.

Früher hatte ich nichts gegen Bio.

Jetzt schon.

Wärst du netter zu ihm, bekämst du ein kostenloses Notenupgrade.

- Als Familienmitglied. - Ich will nicht drüber reden.

Was ist eigentlich mit dir los?

Ich weiß auch nicht, ich bin irgendwie mies drauf in letzter Zeit.

- Ich sollte mich vielleicht umbringen. - (lachend) Gute Idee.

Ich muss mal, kommst du mit?

Dann bis gleich, Sumpfralle.

Bis dann, Ballermannbarbie.

Seit ich mein Berufspraktikum mache,

frag ich mich, warum ich mir den ganzen Ärger überhaupt antun soll.

Erwachsenwerden und so. Man muss nicht jeden Scheiß mitmachen.

Buh!

Tote Leute sehen so glücklich und zufrieden aus.

Bis morgen.

Weiß man's?

(melancholische Gitarrenmusik)

Spielen sie da oben wirklich Rock 'n' Roll,

sollte die Musik hier unten so laut sein,

dass man seine Gedanken nicht mehr hört.

Charleen! Was um alles in der Welt machst du da?

Im Regen stehen, das sieht man doch!

Hör auf mit dem Quatsch! Du holst dir noch den Tod.

Au!

Ärger in der Schule?

Nee.

- Stress mit Isa? - Nein, auch nicht.

- Liebeskummer? - Nein.

Dann ist es dieses Praktikum. Hättest du nicht mal was Normales machen können?

Aua, Mama.

Ich geh in die Badewanne.

Ich hab dich lieb, Mama.

- Bist du schwanger? - Nein!

(Tür knallt zu)

Ich hab eine Entscheidung getroffen. Einfach so.

War gar nicht schwer.

(melancholische Gitarrenmusik)

(Klopfen) (Mutter) Charleen?

Ja? Was ist denn?

- Ist alles okay da drinnen? - Ja...

Schwimm nicht zu weit raus.

Hat man sich einmal für was entschieden, muss man es auch durchziehen.

Ich bin konsequent in solchen Dingen.

(Musik wird lauter)

(Brummen)

(sie schreit)

(Musik verklingt)

(regelmäßiges Piepen)

Mama?

Ja?

Was ist passiert, Mama?

Tu nicht so, als könntest du dich nicht erinnern.

(Mutter schluchzt)

Ich sag dem Arzt Bescheid, dass du aufgewacht bist.

Scheiße...

Ich bin nicht davon ausgegangen, dass ich das jemandem erklären muss.

(sie schluchzt)

(Automat rattert)

(Automat piepst)

Nein, nein, nein!

Entschuldigung, aber das Gepiepse den ganzen Tag...

- Bini? - Bitte?

Kai!

Abendessen.

Einmal der Selbstmörderteller. Mit Plastikbesteck.

- Wo ist meine Mutter? - Die sitzt draußen und heult.

Denkst du, sie feiert eine Party?

Was passiert denn jetzt mit mir?

Drei Monate Geschlossene, schätze ich mal.

Das Übliche halt.

In der Psychiatrie wird sie vollgepumpt mit Drogen und Medikamenten.

Ich weiß, dass sie Hilfe braucht,

aber kann sie nicht weiter zu Hause bleiben?

Kai, du musst mir helfen.

Wie damals auf dem Schulhof?

Wenn der dicke Klaus sich auf dich draufsetzten wollte.

Du bist sicher eine tolle Mutter.

Aber es gibt Vorschriften.

Es sei denn... Aber das hast du jetzt nicht von mir.

...du bezeugst, dass es ein Unfall war, dann darf sie nach Hause.

Aber deine Tochter muss eine Therapie machen.

Ja.

Okay.

Ich kenn da jemanden.

Er ist ein bisschen eigenwillig...

aber er ist der Beste.

Den sozialpsychiatrischen Dienst muss ich trotzdem informieren.

Gehst du mal mit mir essen?

Danke.

Willst du darüber reden?

(laute Musik)

(Musik bricht ab)

Wo fahren wir eigentlich hin?

Zu jemandem, der dir helfen soll.

Ich brauch keine Hilfe.

Pass auf! (lautes Hupen)

Was ist so schrecklich an deinem Leben?

"Ich hab dich lieb, aber mir ist nach Sterben."

Das war's dann, oder was?

Sollten wir alle weinend an deinem Grab stehen?

Hast du dir mal unser restliches Leben vorgestellt?

Ich hab mir nichts vorgestellt, wollte nur meine Ruhe!

Dass ich da nicht drauf gekommen bin! Endlich verstehe ich dich!

Es hatte nichts mit dir zu tun!

Jetzt geht's mir besser.

(Motor heult auf, Reifen quietschen)

Können wir nicht so tun, als wäre das alles nicht passiert?

Wir kommen wegen meiner Tochter.

- Quacksalber! - Klappe, Groddeck.

Er hält sich für was Besonderes.

- Wir hatten telefoniert. - Ja.

Du denkst, du bist ein Wellensittich.

Kleiner Scherz. Du hast versucht, dich umzubringen.

Hältst du dich auch für was Besonderes?

- Nein. Wieso? - Na ja...

Mit 15 kann man eine Menge Spaß haben.

Aber du möchtest lieber tot sein.

- Findest du das normal? - Ich bin eben nicht normal.

Eigentlich ist tot sein auch nichts Besonderes. Passiert jedem mal.

Warum willst du dich umbringen?

Will ich doch gar nicht mehr.

(mit vollem Mund) Haben Sie gehört? Das ist gut, das ist was Positives.

Das klingt nach einem Fortschritt.

Versprichst du deiner Mutter und mir,

keine weiteren Selbstmordversuche zu unternehmen?

(laut seufzend) Von mir aus...

- Ich verspreche... - Halt, stopp.

Einen kleinen Moment.

(Klicken)

Kannst loslegen.

Hab's mir anders überlegt.

- Bitte, Charleen. - Lassen Sie nur. Sie schafft das schon.

(seufzend) Na gut...

Ich verspreche, dass ich mich nicht mehr umbringen werde. Reicht das?

- Sehr gut. - Sehr gut.

(Spulen)

Na gut... Ich verspreche, dass ich mich nicht mehr umbringen werde.

(Klicken) Na, wie hört sich das für dich an?

- Wie meine Stimme? - Faszinierend, nicht wahr?

Ich möchte kurz allein mit deiner Mutter sprechen.

(seufzt leise)

Hi.

Linus! Mensch...

- Na? - Was machst du hier?

Äh... nichts... Meine Mutter hat bei ihrer letzten Sitzung was vergessen.

Verstehe.

Mal ehrlich: Dass du zum Psychodoktor gehst, das wundert mich nicht.

Ist mir auch total egal.

Wenn du Hilfe brauchst, weil du in Sport nur eine Zwei hast...

Tapezier ja nicht die Schule damit voll, dass du mich hier gesehen hast.

Ich bin rein zufällig hier, klar?

- Total klar. - Also lass mich in Ruhe.

Warum geht deine Mutter zum Kindertherapeuten?

Lass mich in Ruhe! Das sind fünf Worte. Was ist daran so schwer zu verstehen?

Es sind nur vier.

Was ist mit deinem Kopf passiert?

Ich hatte einen großen Gedanken.

(ruhiger Popsong mit Gitarre)

(Brummen)

- Verzieh dich. - Ich soll gucken, wie's dir geht.

- Wo ist mein Zimmerschlüssel? - Hat Mama.

- Und? Wie geht's dir? - Hau ab!

(Oscar) Alles okay, Mama. Sie ist genauso ätzend wie immer.

(flotte poppige Musik)

(Musik bricht abrupt ab)

Hi!

Hast du auch noch was für den Flohmarkt?

Ich bin doch schwanger, Mama.

Was?

War ein Witz. Wir machen doch gerade Witze, oder?

Hör auf, mich so anzustarren. (Türklingel)

(Mutter) Ich geh schon.

Tu das Ding weg oder du kannst dich Captain Autsch nennen.

Au! Das hat wehgetan.

Es trifft keinen Unschuldigen.

Ich hab gar nichts gemacht.

Hallihallo.

- Geht's dir wieder besser? - Wieso?

Wegen deinem Unfall. Wie ist das denn nur passiert?

Sie kann sich nicht erinnern.

Aber es geht schon wieder, hm? Charleen?

Gibt's kein richtiges Brot?

Doch, aber kein Brotmesser mehr.

Oscar!

Ich soll sie doch normal behandeln.

Jetzt reicht's. Wo willst du hin?

Aufs Klo. Willst du mit?

- Sie ist kompliziert zurzeit. - Ich kenn das.

Du warst auch nicht immer erwachsen.

Kannst du mal mit ihr reden?

Du weißt doch, dass sie mich hasst.

Und Holger, wie geht's Ihnen denn so?

Mama, er heißt Volker.

Gut, danke. Gut.

(Türklingel)

Gehst du kurz?

(Windspiel klimpert)

Ich bin Ariane Richter vom sozialpsychiatrischen Dienst.

Und du bist Charleen?

Nee, da sind Sie falsch, die wohnt nebenan.

Liegt aber im Krankenhaus, Selbstmordversuch.

- Hier steht... - Das passiert öfter.

Ihre Mutter hat Dyskalkulie, verwechselt Hausnummern.

Ach so, ja dann... Entschuldige die Störung.

Und was ist dir passiert?

Bin beim Einrad-Basketball hingeknallt.

Ich geh ins Bett, ich hab keinen Hunger.

Jetzt komm bitte zurück. Das ist für uns alle nicht einfach.

- Wer war das überhaupt? - Zeugen Jehovas.

(Handyklingeln) Charleen?

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Scheiße, bin ich froh, deine Stimme zu hören. Bist du okay?

Klar bin ich okay.

Du gehst mit deinem Föhn in die Badewanne. Was soll da klar sein?

Du weißt das?

Sag mal, spinnst du eigentlich komplett?

Du wolltest doch nicht wirklich sterben?

- So richtig echt? - Natürlich nicht.

Ich wollte schwerbehindert überleben.

Ich mach mir Megavorwürfe.

Hätte ich gewusst, du meinst das ernst...

Warum hast du nichts gesagt?

Hab ich doch. Was hätte ich noch sagen sollen?

Keine Ahnung, vielleicht:

"Isa, wir haben uns ewige Freundschaft geschworen,

wollten uns immer alles erzählen: erster Kuss und erstes Mal.

Aber ich hab's mir jetzt anders überlegt.

Sorry, schönes Restleben noch."

So wie beste Freundinnen.

Warum hast du das gemacht?

Da war die ganze Zeit dieser Gedanke in meinem Kopf.

Nichts mehr fühlen, nichts mehr denken, einfach nicht mehr da sein.

Eigentlich war die Vorfreude das Beste daran.

Mein Herz, das hat so laut geklopft

wie noch nie.

Ich hab mich irgendwie total lebendig gefühlt.

Hätte ich nicht im richtigen Moment angerufen...

Wegen dir hab ich jetzt den Stress.

Du hast echt eine spezielle Art, Danke zu sagen.

Soll ich vorbeikommen?

Ist gerade nicht gut.

Hey.

Jetzt mach dir keine Sorgen. Wir sehen uns, Arschkeks.

Blöde Kuh.

Hey, "Blöde Kuh" hatten wir schon.

Ich weiß. Mir fällt gerade nichts Besseres ein.

- (Klopfen) - Nein!

Was machst denn du für Sachen?

Hast uns einen Schrecken eingejagt.

Okay, ich geb's zu:

Die Geschichte mit meinem Vater ist etwas anders gelaufen.

(laute Rockmusik)

Ich bleib ein paar Tage.

(ruhige Gitarrenmusik)

(Knochen knacken)

Hey, Morgen.

Alles klar?

Ich mein, geht's dir besser?

Als Nächstes fragt er bestimmt, ob ich schon meine Tage kriege.

Er hat meinen Selbstmordversuch verpasst

und tut jetzt so, als interessiert er sich für mich.

Jetzt guckt er garantiert, als wäre die Welt ein einziges Mysterium.

Deine Mutter möchte, dass wir reden.

(Musik wird lauter)

Morgen.

Mama, kann ich reinkommen?

Da ist Volker drin.

Kann der woanders das Bad blockieren?

Willst du deinen Biolehrer nackt sehen? Ich frag ihn, ob er dich reinlässt.

Wie ekelig, jetzt hab ich diese Bilder in meinem Kopf.

Oscar!

Was das Bad angeht, hab ich auch unschöne Bilder im Kopf.

Wieso muss ich in die Schule und die nicht?

Viel zu lernen du noch hast, junger Skywalker.

- Voll unfair. - Vergiss deine Brotdose nicht.

Die liegt auf dem Küchentisch. Und Tschüss.

- (Vater summt Star-Trek-Melodie) - Star Wars, Papa.

Nicht Star Trek.

Äh, kann ich duschen?

Wenn du Mamas Biolehrer mal nackt sehen möchtest...

Ich hab mit ihm geredet, zufrieden?

(Tür knallt zu)

(Türklingel)

Hallo, Charleen. Du spielst also Einrad-Basketball?

Die Sportart gibt's wirklich.

Mich gibt's auch wirklich. Ich prüfe, wie es dir nach dem Suizidversuch geht

und ob deine Familie sich um dich kümmert.

Sonst müsste ich befürworten, dass man dich in einer Einrichtung unterbringt.

Charleen?

Sind deine Eltern da?

- Waren das wieder die Zeugen Jehovas? - So was in der Art.

Ja, bitte?

Ich bin Ariane Richter vom sozialpsychiatrischen Dienst...

Oh, hallo...

Sie sind Charleens Vater?

Äh, ja. Ich bin der Jeff.

Mein Name ist Richter, Sie sind die Mutter?

Ja, guten Tag.

Ich hoffe, Sie sind nicht zu beschäftigt und haben einen Moment Zeit?

- Hallo. Schatz... - Ja, mach's gut.

Bin spät dran.

Immer diese kleinen Planeten, die Ärger machen.

- (Richter) Und... wer war das? - Äh, das war mein Freund.

Sie haben hier so eine Art freie Wohngemeinschaft?

Nein, Charleens Vater und ich leben getrennt.

Wie war das für dich, als deine Eltern sich getrennt haben?

Mir egal.

- Was macht der für Musik? - Gar keine mehr, der ist tot.

Und der?

- Sie kennen nicht mal Jimi Hendrix? - Ach, der ist das.

- Ist der nicht auch tot? - An der eigenen Kotze erstickt.

- Tot? - Mhm...

Wie ist jetzt dein Verhältnis zu deinem Vater?

Der ist auch gestorben. Jedenfalls für mich.

Von dem weiß ich, dass er nicht mehr lebt.

- Erstaunlich. - Deine Eltern haben sich oft gestritten?

Der hat sich mit einer Schrotflinte das Hirn weggepustet.

Falls Sie das aufschreiben wollen.

Auf Wiedersehen.

Hast du ihr irgendwas Dummes erzählt?

Warum muss ich was Dummes erzählt haben? Vielleicht lag's an euch.

Ist dir klar, was auf dem Spiel steht?

Legst du dich mit dieser Frau an, landest du in der Psychiatrie.

Es geht hier um dich! Dein Leben geht weiter, zum Glück.

Wir sind für dich da,

aber du musst kapieren, dass deine Taten Konsequenzen haben.

Morgen gehst du wieder in die Schule. Normalität wird dir guttun.

Wo wir gerade von Normalität sprechen: Dein Berufspraktikum ist sofort beendet.

- (stöhnt) - Punkt.

Warum nimmt sie immer alles so persönlich?

Es gibt gute Tage, beschissene Tage und Kakao-Tage.

Heute ist ein Kakao-Tag.

Hallo, Herr Pfarrer.

- Hallo, Herr Pfarrer! - Hallo, Charleen.

(Pfeifen) Schön, dich so munter zu sehen.

Wir haben über dich gesprochen.

Der Herr Pfarrer behauptet steif und fest:

Selbstmörder kommen nicht in den Himmel.

Sie wissen genau, dass ich das so nicht gesagt habe.

Na ja, so oder so ähnlich. Lesen Sie's noch mal nach.

Sie muss immer das letzte Wort haben.

Gott ist auch eine Frau.

Woher weißt du das?

Och... das hab ich doch bloß so gesagt.

Nein, ich mein das mit dem...

Ach, du meinst das mit dem Badeunfall.

Ich bin alt, aber nicht blöd.

Man kriegt so einiges mit, wenn andere einen für taub halten.

Du hast schon immer komische Ideen gehabt.

Und viele davon auch ausprobiert.

Aber jetzt bist du zu weit gegangen.

Der Himmel kann noch auf dich warten.

Woher weißt du, dass es einen Himmel gibt?

Kennst du jemanden, der schon mal da war?

Dein Leben ist ein Geschenk.

- Und Geschenke wirft man nicht weg. - Geschenke kann man umtauschen.

Du sagst selbst andauernd, dass du's leid bist.

Ich kenne mehr Menschen auf dem Friedhof

als in der Nachbarschaft.

Außerdem wartet dein Großvater auf mich.

- Und ich warte auf meinen Kakao. - Ach.

Scheiße, wenn ein Plan nicht funktioniert.

Das haben deine Eltern auch gedacht.

Spring nächstes Mal vom Hochhaus, das funktioniert ohne Föhn.

Charleen?

Ist alles in Ordnung?

Schön, dass du wieder da bist.

Entschuldigung.

Good morning.

Good morning, Mrs Erdmann.

Hey, da bist du ja wieder.

(Frau Erdmann) Take out your books.

Tolle Freundin.

- Hä? - (Frau Erdmann) Page 45.

Kaum hast du meine Geschichte gehört, weiß es die ganze Schule.

Ich hab niemandem was erzählt.

Wärst du mal online, wüsstest du,

dass dein Bruder euer Familienleben im Internet ausbreitet.

Ich bring ihn um.

Machen wir noch was?

Ich muss zu meinem dämlichen Therapeuten.

- Und morgen? - Ja, mal sehen, vielleicht.

Ich will aber nicht drüber reden.

Tschüss Hupenuschi. (lautes Hupen)

Hey. (Tür knarzt)

- Soll ich dich zum Psycho-Doc fahren? - Erzählst du mir überhaupt noch was?

(Jeff) Ich weiß, du willst nicht reden.

Kannst du mir wenigstens ein Zeichen geben?

Heißt das Ja oder Nein?

Tschüss.

- So eine Verabschiedung? - Ich find's nicht mehr lustig.

- Seit wann das denn? - Seit jetzt.

(Dosen klappern)

(Reifen quietschen)

(lauter werdender Pfeifton)

(dramatische Orgelakkorde)

(Linus) Es ist unmöglich, sich den Ellenbogen abzulecken.

(Therapeut) Ich werde das jetzt nicht ausprobieren.

Als Kind dachte ich, man kann mich nicht sehen, wenn ich keinen sehen kann.

Du warst mal ein Kind? Noch mehr Sensationen?

Deine Mutter muss vergesslich sein. Oder bist du wegen deinem Vater hier?

Darf ich mal bitte?

Danke.

Charleen...

Setz dich doch.

Du und Linus, ihr kennt euch?

Was geht Sie das an?

Du hast recht. Tut mir leid.

- Dieser blöde Streber. - Wie bitte?

- Nichts, vergessen Sie's. - Gut.

Also...

Versuchst du mal, dich am Ellenbogen zu lecken?

Nein.

Schade.

Dann reden wir eben...

über deinen Suizidversuch.

Deswegen bist du ja schließlich hier.

Das Wort "Suizid" benutzen nur Leute,

die "sich frisch machen", wenn sie müssen.

Und du bringst die Dinge auf den Punkt?

Du sprichst die Wahrheit, auch wenn's wehtut?

Ich bin konsequent in solchen Dingen.

Gut.

- Hast du Schuldgefühle? - Nö.

- Alpträume? - Nein.

- Schämst du dich? - Auch nicht.

- Denkst du, du hast versagt? - Wieso das denn?

- Du hast es ja nicht geschafft, oder? - Das war eine spontane Idee.

Hm...

Du bist nicht blöd, Charleen.

Aber ich bin auch nicht blöd.

Das hier hat keinen Sinn, wenn du nicht ehrlich bist.

Schon klar.

In nicht mal einer Minute hast du mich viermal angelogen.

Fangen wir noch mal von vorne an?

Okay, ist ja gut, von mir aus.

Ja, ich hab Schuldgefühle und Albträume.

Ich schäme mich, weil mein "Suizidversuch" eine Lachnummer war.

Aber Linus ist trotzdem ein blöder Streber.

Ehrlichkeit ist erfrischend, oder?

- Sie haben auch schon gelogen. - Ja, kann sein.

Aber um mich geht es hier ja nicht.

Worüber möchtest du gerne reden?

Über nichts, mir geht's gut. Schätze, ich bin geheilt.

Ich bin Ihnen total dankbar, echt.

Könntest du das mit dem Ellenbogen ausprobieren? Aus Dankbarkeit.

(laute Rockmusik)

(stumme Szene mit Musik)

(stumme Szene mit Musik)

Wenn es geklappt hätte, wäre ich jetzt seit fünf Tagen tot.

Seit 113 Stunden.

Das sind 6780 Minuten.

Fühlt sich merkwürdig an, noch hier zu sein.

Wie das Bonusprogramm auf einer DVD.

Hallo, jemand zu Hause?

Danke.

Willst du ihn telegrafisch explodieren lassen oder warum starrst du den an?

- Telepathisch heißt das. - Wie auch immer.

Ich find ihn irgendwie...

interessant.

Für Hirnforscher und Psychiater vielleicht.

Kannst du mal nicht über Leute herziehen?

Das ist unsere Lieblingsbeschäftigung.

Das macht Spaß.

Er ist eben seltsam.

Ich finde seltsame Leute interessant,

so wie ich Nacktmulls im Zoo interessant finde.

- Was ist ein Nacktmull? - Ein Hamster ohne Haare.

- Auf so was stehst du? - Du kannst mich mal.

Madame hat mal wieder schlechte Laune.

Jetzt warte doch mal, ich hab's doch nicht so gemeint.

Hey, Isa.

Hey, Paula. Na, alles klar?

(melancholische Gitarrenmusik)

Würdest du es gut finden,

wenn man dich fotografiert, während du tot auf der Straße rumliegst?

Immerhin besser, als ignoriert zu werden.

Da hast du auch wieder recht.

(schmatzt)

(lauter werdender Pfeifton)

(dramatische Orgelakkorde)

Wusstest du, dass das Eigelb mehr Eiweiß enthält als das Eiweiß?

Klar, das weiß doch jeder.

Wussten Sie, dass ein Cornflakeskarton nahrhafter ist als die Cornflakes darin?

Das Leben steckt voller Überraschungen.

Schön, dass du trotz deiner Heilung gekommen bist.

Das Leben steckt voller Überraschungen.

Soll ich mich wieder an irgendwelchen Körperteilen ablecken?

Wir machen heute ein Spiel.

Ein Spiel, ein Spiel.

Ganz einfach: Ich sage ein Wort

und du sagst, was dir spontan dazu einfällt.

Ohne groß nachzudenken. Na, was meinst du?

- Von mir aus. - Gut.

Fangen wir an: Montag.

Montag.

Das Spiel funktioniert besser, wenn du nicht dasselbe Wort sagst.

- Okay? - Okay.

Gut. Dienstag.

Dazu fällt mir nichts ein.

- Komm schon. - Das ist albern.

- Das Erste, was dir einfällt. - (seufzt laut)

- Dienstags ist eine Doppelstunde Mathe. - Nur ein Wort.

Einfach? Das ist verdammt kompliziert.

Das kommt dir nur so vor. Januar.

- Februar. - Sehr gut.

- Sommer. - Winter.

- Tag. - Nacht.

- Hund. - Katze.

- Hase. - Igel.

Selbstmord.

Keine Ahnung.

- Irgendwas? - Keine Ahnung.

Dir fällt bestimmt was ein.

(lautes Krachen)

(Papagei kräht)

Was kommt nach dem Tod?

Wahrscheinlich gar nichts, was weiß ich.

- Und wenn doch? - Himmel, Hölle, Wiedergeburt.

- Suchen Sie sich was aus. - Was hast du dir erhofft?

Wenn man jung stirbt...

dann bleibt man für immer jung.

Aber auch für immer tot.

Falls du schwer verletzt bist: Ich glaub an Schicksal.

Falls du tot bist: Ich sag in der Schule Bescheid.

Du glaubst an Prädestination?

Ist doch egal, wie man das nennt.

- Was hat dein Schicksal heute noch vor? - Nach Hause gehen.

Verrückt, meins auch.

Du bist nicht so besonders, wie du denkst.

- Nimmst du den Bus? - Kann schon sein.

- Du hältst mich also für einen Streber? - Jepp.

Moment, woher weißt du das?

Das fällt unter die ärztliche Schweigepflicht.

Keine Ahnung, was du meinst.

Das denk ich immer, wenn du was vorrechnest.

Warum machst du das?

Keiner achtet auf tote Tiere, die so rumliegen.

Was machst du mit den Fotos?

- Die kleb ich in ein Album. - Mich hast du nicht fotografiert.

Du lagst auch nicht tot überm Zaun.

Hör mal, können wir in der Schule einfach so weitermachen wie immer?

Du weißt schon, jeder macht sein Ding.

- Klar. - Cool.

Bist du jetzt sauer?

Nee, aber mein Fahrrad steht noch bei Dr. Frei.

(Lachen)

Na, wie war's?

Warum muss ich 'ne Therapie machen? Ich bin der einzig Normale hier.

Wir haben nur etwas Spaß.

Ich wurde gewaltsam dazu gezwungen.

Ich würde andere Sachen mit dir machen!

2000 Stück hab ich ergattert, ein Superschnäppchen.

- Da mach ich 200 % Gewinn! - Was haltet ihr davon?

- Er hält sich für den Hahn im Korb. - Die Stelle war noch frei.

Wir können dich nicht verstehen. Sprich lauter, Holger.

Volker, ich heiße Volker!

Ich bin nicht mit euch verwandt, ich bin adoptiert.

Wir lieben dich trotzdem!

(Poltern)

Mama?

Mama?

- (Schwester) Gewonnen. - Hä?

Ich hab mit dem Doktor gewettet, dass du wieder hier auftauchst.

- Wir sind nicht wegen mir hier. - Trotzdem gewonnen!

Blöde Kuh.

Hab ich gehört.

Blöde Kuh.

Guck mal.

Dabei hat er Windeln wechseln immer gehasst.

Geht schon wieder.

Ist alles ein bisschen viel gerade.

Hey.

Keine Sorge, deine Mutter kann nach Hause.

- Sie muss sich nur schonen. - Gut.

Was?

Das ist mein Exmann Jeff.

- Hallo, Exmann Jeff. - Was ist passiert?

Nichts. Alles okay, Papa.

- Wie läuft's mit dir und Dr. Frei? - Der hat sie nicht mehr alle.

Wir spielen Spiele, deren Regeln nicht mal er kennt.

- Ich soll mir die Ellenbogen lecken. - Das klingt nach ihm.

Sorry, ich muss leider. Mach's gut, Bini.

Meld dich mal, ich lad dich zum Essen ein.

- Was? - Bini?

- Ich kenn ihn aus dem Kindergarten. - Der ist scharf auf dich, Mama.

Ein ausgesprochen netter Mann.

Und attraktiv ist er auch.

Und Arzt.

- Mama. - Anders als dieser Holger.

Der heißt Volker, Oma. Aber ansonsten hast du recht.

Hey, Volker hat jede Menge Stärken.

- Welche sollen das sein? - Das geht dich nichts an.

So empfindlich, Bini, wenn's um Volki geht?

- Ich bin überhaupt nicht empfindlich. - Bist du doch.

(lauter werdender Pfeifton)

(dramatische Orgelakkorde)

(Bremsen quietschen, Metall scheppert)

(Dr. Frei) Charleen?

Wir können anfangen.

Was ist so schlimm am Erwachsenwerden? In Stichworten.

Wieder so ein Spiel, wo ich mir am Ende blöd vorkomme?

- Ich will dich verstehen. - So ein Schwachsinn.

Dieser Schwachsinn ist Teil deiner Therapie.

Wir machen das wegen dir, schon vergessen?

Blöd, blöd, blöd.

Stichwort Nummer 1: Erwachsene sind unendlich peinlich.

Hm...

Ich habe übrigens Frau Richter kennengelernt.

Sie will ihrem Namen alle Ehre machen.

Ich schreibe ein Gutachten für sie. Rat mal, über wen.

- Ich sag jetzt nichts mehr. - Wie du magst.

Das wird bestimmt lustig.

(Vogelgezwitscher)

(stumme Szene)

(fröhliche Popmusik)

Die Wahrscheinlichkeit, am Frühstück zu ersticken, liegt bei 1:250 000.

Dass einem ein Flugzeug auf den Kopf fällt: 1:25 Millionen.

Und es ist noch viel unwahrscheinlicher, einen Sechser im Lotto zu haben.

Uns kann also nicht viel passieren. Aber wenn das Schicksal gegen uns ist...

Dann knacken wir den Jackpot.

(Bremsen quietschen)

(Musik bricht abrupt ab)

Wie hast du's eigentlich versucht?

- Was versucht? - Na...

Dich umzubringen.

Hab ich gar nicht.

Wieso machst du dann eine Therapie?

Meine Eltern wollen, dass ich meine Wut und Angst kontrolliere.

Sie halten das für eine Art Reparatur.

Was würdest du tun, wenn du ewig leben könntest?

Nichts mehr.

Weil's egal wäre.

Und du, wenn du wüsstest, dass es morgen vorbei ist?

Nichts mehr, weil's egal wäre.

Bin ich dir egal?

Du bist echt ein komischer Typ.

Du nicht, oder was?

(ruhige Akustikgitarren-Musik)

Nein. Oh, nein! Nein, Charleen.

Hör auf, Mama.

- Ist alles in Ordnung, ich bin okay. - Gott sei Dank, ich bin so froh.

Ich hab schon das Schlimmste befürchtet.

Weißt du eigentlich, wie spät es ist?

Oscar, Volker und dein Vater suchen dich überall!

Was denkst du dir nur? Und wieso liegst du hier im Garten rum?

Keine Ahnung.

- (seufzt laut) - Aber es ist alles in Ordnung.

Ich hab dich lieb, Mama.

Ich weiß, was passiert ist, als du das das letzte Mal gesagt hast.

So was Dummes mach ich nie wieder.

Gibt Dr. Frei dir Medikamente?

Was ist passiert?

- Es geht ihr gut. - (außer Atem) Gott sei Dank.

Wo hast du überhaupt gesteckt?

Ich bin einfach nur so rumgelaufen.

Spinnst du? Wir dachten, du springst von einer Brücke oder vor die S-Bahn.

- Wir haben Angst um dich! - Du? Seit wann das denn?

- Ach, komm. Das ist nicht fair. - Bis vor Kurzem war ich dir scheißegal.

Du machst das nur, weil du hoffst, dass Mama dich zurücknimmt!

Hast ja recht. Ich bin das Arschloch hier.

Bring das nächste Mal einfach mich um. Ich hab keinen Bock, dich zu überleben.

Ich hab die Schnauze voll. Ich geh ins Bett.

Bist du verliebt?

(Lachen)

- Morgen. - Morgen.

So, jeder nimmt sich bitte einen Penis und ein Präservativ,

das er oder sie noch nicht...

Ich wiederhole: ...noch nicht auspackt.

Dominik.

Gibt's die auch in XXL?

- Alles in Ordnung? - Alles bestens.

(Volker) Sehr originell, Tim.

- Der ist aber ein bisschen klein, oder? - Du nervst.

Wir kommen jetzt langsam wieder zur Ruhe.

- Verlass dich nicht auf den Nacktmull. - Du nervst.

Sehr aufregend.

- Das interessiert dich nicht? - Quatsch deine neue Freundin voll.

Oder schnapp dir einen dieser Typen und tu's endlich, aber lass mich in...

Ruhe!

- Du blöde Fotze. - Ruhe, verdammt noch mal!

Ihr beide helft nachher beim Aufräumen.

Vielen Dank auch!

Glaubst du, mir macht das Spaß?

- Hast du gesehen? - Ja, sie hat voll...

Hey.

Hey. Ist was Besonderes?

Muss was Besonderes sein?

- Ich dachte... - Ich dachte, wir hätten eine Abmachung.

In der Schule... du weißt schon.

Tut mir leid.

Nein, der Spasti und das Biest. Was geht denn hier?

Halt die Klappe, wenn Erwachsene miteinander reden.

Wir stören? Verstehe.

Erklärt er gerade,

wie das mit den Raketen und schwarzen Löchern funktioniert?

Siehst du? Genau das mein ich.

Rakete, schwarzes Loch...

(stöhnt) Linus, das ist so faszinierend.

- Spinnst du? - Auseinander.

- Aber sie hat angefangen. - Ich will nichts hören. In die Klasse.

(poppige Gitarrenmusik)

(gackert)

(ruhiges Popduett)

(Handyklingeln)

Verwählt.

(Handyklingeln)

- Ich will nicht mit dir reden. - Ich bin's, Linus.

Was? Ähm...

Ich dachte, du wärst Isa.

Was willst du?

Ich dachte, wir könnten uns treffen.

Hallo?

Du kannst nicht einfach so anrufen.

Wenn du nichts mehr mit mir zu tun haben willst...

Okay, schon gut.

Warum nicht? Treffen wir uns.

- Aber ich hab schlechte Laune. - Kein Problem.

- Ich könnte bei dir vorbeikommen. - Nee, auf keinen Fall. Ich komm zu dir.

Hallo, Charleen?

(Tür fällt ins Schloss)

(fröhliche Gitarrenmusik)

(Passantin) Hey!

(Bremsen quietschen) Hey.

- Bist du nicht zu Hause? - (keucht)

(Stufen knarzen)

Gefällt's dir?

- Wohnt ihr hier ganz allein? - Mhm...

Nur du und deine Eltern?

Die brauchen viel Platz, um sich nicht zu begegnen.

Mein Opa war Schwede.

Jetzt verstehe ich, warum du zum Frei gehst.

(Rascheln)

Das ist Archie.

(Hamster fiept) Mit vollem Namen Archimedes.

Ich hatte auch mal einen Hamster.

Meine Oma ist draufgetreten.

Aus Versehen. War das erste Foto für mein Album.

Archie hat einiges überlebt,

er ist hart im Nehmen.

Bin ich das erste Mädchen, das du hier reinlässt?

Das mit dem Föhn funktioniert gar nicht.

(fiept)

- Das ist viel zu heiß für ihn. - Das ist lauwarm.

Das ist trotzdem eine Scheißidee.

- Willst du die Wahrheit wissen? - Du musst mir nichts beweisen.

Es passiert doch gar nichts.

- Nimm deinen Goldfisch. - Wo ist der Unterschied?

(Hamster fiept)

(Föhn bläst)

Können wir nicht was anderes machen? Ins Kino gehen oder so?

Ich hab keine Lust darauf.

Wenn du deine Haustiere ermorden willst, dann ohne mich.

- Der bewegt sich nicht mehr. - Archie?

(fernes Glockenläuten)

Er ist tot.

Total sinnlos.

Scheiße.

War ja nicht deine Idee.

(Hamster fiept) Archie?

Archie.

Ich wusste, du bist hart im Nehmen.

Mach nie wieder so einen Quatsch.

Du auch nicht.

Gehen wir trotzdem mal ins Kino?

Sie hat sich total verändert. Es ist einfach nicht mehr so wie früher.

Jetzt hab ich nicht mal mehr eine beste Freundin. Außer dir natürlich.

(fröhliche Swingmusik)

- Was ist denn jetzt los? - Na, komm schon.

Die Musiker sind alle tot, das magst du doch.

(außer Atem) Gut, dass die Lieder früher so kurz waren.

Länger hätte ich's nicht ausgehalten.

Oma, du bist topfit.

Weißt du, Charleen, dein Großvater war ein begnadeter Tänzer.

Er fehlt dir schlimm, was?

(leise) Ja.

Willst du eigentlich immer noch sterben?

Nee, keine Angst.

Will ich nicht mehr.

(beschwingte Gitarrenmusik)

(Stofftier quäkt)

Du erlaubst ihr, ins Kino zu gehen?

Ja, tu ich.

Und?

Find ich gut, hab ein gutes Gefühl.

Wegen Charleen.

Du nicht?

Was willst du jetzt hören?

Wir leben nicht in einer deiner Schneekugeln,

wo das Wetter von allein wieder gut wird.

(Charleen räuspert sich)

Ich bin dann weg, okay?

- Was ist mit dir los? - Ich wusste es.

Meine Mutter will's natürlich ganz genau wissen.

Ich geh nicht mit Isa ins Kino, sondern mit einem Jungen aus meiner Klasse.

Ich hab überhaupt keine Lust mehr,

ins Kino zu gehen, weil ich scheiße aussehe.

Darum hab ich die Tüte auf dem Kopf. Können wir uns das nicht sparen?

- Okay, tschüss. - Du lässt sie einfach so gehen?

Hau schon ab. Du siehst stark aus.

- Wie heißt der Kerl? - Tschüss, Papa.

Jetzt hab ich kein gutes Gefühl mehr.

(melancholische Gitarrenmusik)

(Telefonwahlton)

(stumme Szene mit Musik)

(stumme Szene, Musik verklingt)

(Wasser tropft)

(Tor quietscht)

- Deine Gitarre kann nichts dafür. - Das ist deine Gitarre. Schon vergessen?

(spielt traurige Melodie)

Warum machst du das?

Weil ich nicht weiß, was ich sagen soll.

Ich würde dich gern trösten.

Ich bin nicht sehr gut in solchen Dingen.

Im Wehtun bist du definitiv besser.

(spielt traurige Melodie)

(Charleen) Glaubst du, dass es einen Himmel gibt?

Ich weiß nicht.

Vielleicht sind wir ja schon längst da, genau hier...

wo wir gerade sind.

(Türklingel)

(räuspert sich) Guten Tag, ich möchte mit Ihnen über Charleen sprechen.

Passt es gerade?

(seufzend) Ehrlich gesagt, nein.

Charleen hat einen Mitschüler tätlich angegriffen.

- Wie bitte? - Was?

Sie hat ihn mehrfach attackiert.

Stimmt das?

- Ist das wahr? - Tim hätte noch viel mehr verdient.

Charleen wäre vorübergehend in einem anderen Umfeld besser untergebracht.

Was soll das denn heißen?

- Es gibt Einrichtungen für solche Fälle. - Charleen ist ein Fall?

Als Alleinerziehende sind Sie mit der Situation überfordert,

ihre Lebensumstände scheinen mir insgesamt ziemlich durcheinander

und es geht um das Wohl des Kindes.

- Charleen ist 15. - Fünfzehndreiviertel.

Erinnern Sie sich nicht, wie es war mit 15?

Man wacht eines Morgens auf und hat tausend Probleme:

Jungs, Pickel, die Wirtschaftskrise...

Niemand versteht einen, man selbst versteht nichts.

Alle reden von Liebe, man weiß nicht, was das sein soll.

Alles fühlt sich dunkel und sinnlos an.

- (Türklingel) - (Volker) Ich geh schon.

Linus, was machst denn du hier?

Äh, ich wollte nur mit...

Verstehe, der Zeitpunkt ist bloß etwas ungünstig.

- Aber ich muss unbedingt... - Ja.

Wir haben einen Trauerfall, es tut mir leid.

(Mutter) Sie glauben,

wenn ein Kind sich umbringen will, hat man was falsch gemacht.

Ja, klar. Ich hab jede Menge falsch gemacht.

Ich hab mich in den Sänger der Schulband verliebt und wurde von ihm schwanger.

Ich hab geglaubt, dass man von Liebe allein leben kann.

Und ich hab...

Ich hab Charleen ins Bad gehen lassen, obwohl ich ein komisches Gefühl hatte.

Als Mutter hat man oft ein komisches Gefühl.

X-mal am Tag muss man entscheiden, ob man sein Kind beschützt

oder zulässt, dass es sich wehtut.

Das verstehen Sie nicht, weil für Sie Ordnung wichtiger ist als Liebe

und Kontrolle besser als Vertrauen.

Sie meinen uns zu kennen,

weil Sie Ihre Nase sogar in unsere Mülltonne stecken.

- Mama. - Das ist eine alberne Unterstellung...

Sie wissen überhaupt nichts über uns!

Heute Nacht ist meine Mutter gestorben.

Und ich muss hier sitzen und Ihre Vorurteile ertragen.

Es ist sehr schwer, damit klarzukommen, dass Charleen sich umbringen wollte.

Aber wir alle hier versuchen, sie zu verstehen...

und ihr zu zeigen, dass wir sie lieben.

Jetzt noch mal schön langsam zum Mitschreiben:

Ich sperre meine Tochter nicht ein.

Sie wird mit dem Leben klarkommen,

sie hat ein Zuhause und eine Familie und wird nirgendwo hingehen.

Im Gegensatz zu Ihnen.

(sie schnieft)

(Tor quietscht und klappert)

Ich hoffe, ich hab das Richtige getan.

Jetzt kommt's auf dich an.

Ich weiß, Mama.

(Reifen quietschen)

(Holz knackt)

Ich... ich bin froh, dass du nicht tot bist.

- Wieso das denn? - Na ja...

Letztes Mal hattest du gar keinen Grund.

Du versetzt mich und ich bring mich um?

So war das nicht gemeint.

Ich wollte mich entschuldigen wegen gestern, ich konnte nicht.

Anrufen oder ans Telefon gehen konntest du auch nicht, ja?

- Jetzt warte doch mal. - Was?

Es tut mir leid.

(atmet laut aus)

Schon gut.

Und was war das mit dem Kuss?

(Pfeifen und lautes Krachen)

Das mit dem Kuss, das hatte nichts zu bedeuten.

Ich wollte wissen, wie Küssen ist. Man weiß nie, ob man morgen noch lebt.

Weißt du, Linus, ich... ich mag dich echt gern,

aber du bist nicht ganz richtig im Kopf.

Bin ich vielleicht auch nicht, wer ist das schon? Aber...

Mir geht's im Moment nicht gut, ich hab eigene Probleme.

Wir sollten in Zukunft so tun wie in der Schule.

Jeder macht sein Ding.

Jetzt guck nicht so. Stell dir vor, ich wär gestorben, das funktioniert.

Mach's gut.

Du auch.

Was? Was guckt ihr so?

- Was war denn los? - Alles klar?

Lasst mich. Und du bist das Allerletzte.

Du hast die Sache mit Tim der Richter erzählt, du Arschloch.

"Das Leben geht weiter", sagt man, wenn was Schlimmes passiert.

Ich würde mein Leben am liebsten mal anhalten, auf Pause drücken.

So lange, bis ich weiß, wie es überhaupt weitergehen soll.

Wir müssen uns wegen der Beerdigung Gedanken machen.

Habt ihr mal darüber gesprochen?

Für eine Erdbestattung haben wir nur ein paar Tage Zeit.

(sie schluchzt)

Alles okay?

Ja, danke, ist alles okay. Ich brauch nur einen Moment.

Wir sollten die Leute benachrichtigen und mit dem Pfarrer sprechen.

Bitte nicht jetzt.

Ich meine, ich... wenn du... ich kann...

- Soll ich das machen? - Bitte, Holger, nicht jetzt.

Was ist denn?

(Volker) Ich interessiere dich nicht, du weißt nicht mal meinen Namen.

(Mutter) Mach kein Theater!

- Ich mach nie Theater! - Weil du dich aus allem heraushältst.

Neben dir und deiner Tochter ist kein Platz für wen anderen!

- Wolltest du sie deshalb loswerden? - Was?

Warum hast du Charleen sonst angeschwärzt?

Wegen mir hätte sie Tim gern k. o. schlagen können.

Ich kann diesen Dreckskerl genauso wenig leiden wie sie.

Dass du mir das überhaupt zutraust!

Dann macht das mit uns hier sowieso keinen Sinn mehr.

Warte! Du kannst jetzt nicht gehen.

Warum?

Weil Mama dich braucht.

Ich versteh zwar nicht, warum sie auf Typen wie dich oder meinen Vater steht,

aber sie liebt dich trotzdem.

Du kannst ja in zwei Wochen abhauen oder in zwei Monaten.

Aber nicht jetzt.

Was ist mit dir? Du willst mich gar nicht loswerden?

Wir sehen uns doch sowieso in Bio. Also was soll's?

(Türklingel)

Menstruation, Migräne, Magersucht. Such dir was aus.

Sie will nicht mit dir reden.

Tut mir leid.

Was willst du?

Charleen schickt mich. Sie will sich entschuldigen.

Jetzt ist sie endgültig übergeschnappt.

Voilà.

(Mädchen) Komm schon.

- (Charleen) Ich hab's verbockt, was? - (Isa) Kann man so sagen.

Ich wollte ja mit dir reden, aber ich konnte nicht.

Dann hätte ich's nicht mehr machen können.

Ich war so wütend und unglücklich,

ich wollte was tun, damit alle das sehen.

Das ergibt keinen Sinn, oder?

Oma ist gestorben.

Was?

- Oh Mann, das tut mir voll leid. - Nein, mir tut's leid.

Ich war gemein und unfair und es tut mir wirklich leid.

Ist ja gut.

- Verzeihst du mir? - Na klar.

Alles?

Ich hab Linus geküsst.

Oh Mann, ich wusste es.

- Schlimm? - War's für dich etwa nicht schlimm?

Nee, war's nicht.

Aber das hab ich auch wieder verbockt.

Was macht die denn hier?

Ich hab auch jemanden geküsst und es war nicht schlimm.

Du bist schwul?

Oh Mann.

Ich blinde Kuh, da hätte ich selbst drauf kommen können.

Kommst du zur Beerdigung?

Klar komm ich.

Hi.

Setz dich. Ich hab ein paar wirklich wichtige Dinge zu tun.

- Schweigen kannst du ohne mich. - Was ist mit Ihnen los?

- Ich muss Gutachten schreiben. - Für Ihre Frau Richter?

Mich konnte sie ja nicht in die Irrenanstalt stecken.

Weil ich über dich noch keins geschrieben habe.

Könntest du jetzt einfach wie sonst stumm dasitzen? Danke.

Passen Sie auf: Bring ich mich noch mal um, sind Sie schuld.

Na gut, ich verspreche, dass ich mich nicht mehr umbringen werde. Reicht das?

Sie können mich mal.

Fünf,

vier,

drei,

zwei,

eins...

Können wir reden?

Menschen können ins Weltall fliegen, Wolkenkratzer bauen,

mit Frittenfett Autos fahren lassen...

Und dann: zack...

sind sie einfach tot.

Ohne dass man was dagegen tun kann?

Weißt du, ich glaube, es ist genau umgekehrt.

Nur weil wir wissen, dass wir sterben, tun wir all diese Dinge.

Der Tod führt uns vor Augen, dass das Leben ein Geschenk ist.

Das sagt meine Oma auch immer.

Sie ist gestorben.

Vorgestern.

Das tut mir leid.

Das hör ich in letzter Zeit ständig. Hilft nur nichts.

Fühlt sich trotzdem alles sinnlos an.

- Was würde denn Sinn machen? - Dass sie noch lebt, dass sie ewig lebt.

Wünschst du dir das wirklich?

- Warum nicht? - Weil's dann egal wäre.

- Das hat auch schon mal jemand gesagt. - Mhm...

- Ich weiß auch wer. - Was?

Woher?

Das fällt leider... unter die ärztliche Schweigepflicht.

Aber frag ihn doch selbst.

(Türklingel)

Ja, bitte?

Hallo?

Ich bin's.

Wer ist ich?

Charleen.

- Ich will nicht mit dir reden. - Ich muss dir was sagen.

Hallo?

Linus?

Linus?

Ich kann doch nicht einfach so aufgeben.

Man muss konsequent sein in solchen Dingen.

Linus?

Ich hab mich geirrt.

Das wollte ich dir sagen.

Ich lag total falsch. Ich will nicht, dass jeder sein Ding macht.

Ich will, dass wir Dinge zusammen machen.

Auf dem Schulhof sitzen, Cornflakespackungen aufessen,

mit dem Einkaufswagen Kamikaze fahren...

Du bist der Jackpot, verstehst du?

Du bist das Beste, was mir passieren konnte.

Du bist mir so was von überhaupt nicht egal.

So sehr, dass es manchmal wehtut.

(Surren)

Meine Mutter darf das auf keinen Fall erfahren, niemals.

Ist eh klar.

(leise Gitarrenklänge)

Zwischen schlafen und wach sein gibt es diesen kurzen, magischen Moment.

Du machst die Augen auf.

Du bist noch da, die Welt ist noch da. Und alles ist gut und in Ordnung.

Und dann trifft dich die Wirklichkeit.

Mit voller Wucht.

(Pfarrer) Nun müssen wir endgültig Abschied nehmen.

Emmi hat uns verlassen.

Doch es gibt Trost für uns:

die Erinnerung an sie,

die Hoffnung auf das Unbekannte und den Glauben an Gottes Güte.

Aus der Erde sind wir genommen, zur Erde sollen wir wieder werden.

Erde zu Erde,

Asche zu Asche,

Staub zu Staub.

Ruhe in Frieden.

(traurige Gitarrenklänge)

Ob sie uns jetzt sehen kann?

Ganz bestimmt.

Wenn sie könnte, würde sie uns ein Zeichen geben.

(Handyklingeln)

Entschuldigung.

(fröhliche Gitarrenmusik)

Wie geht's dir?

Schon viel besser als noch vor ein paar Tagen.

Und dir?

Tausendmal besser als jemals.

Wisst ihr, was wirklich konsequent ist?

Nicht immer konsequent zu sein.

Der Weihnachtsmann kommt wohl nicht durch den Kamin. Aber ich glaub an ihn.

Erwachsen werden ist kein Kindergeburtstag. Aber mal ehrlich:

Jeden Tag bunte Papphüte, Blinde Kuh und Wiener Würstchen?

Ich weiß, dass ich irgendwann mal sterben muss. Passiert jedem.

Das ist wohl so was wie der Clou an der Sache mit dem Leben.

Weißt du, was das Gegenteil von Tod ist?

Komm. Komm!

(Charleen juchzt laut)

(Musik läuft weiter)

Untertitel: Andreas Gründel u. a. Eurotape Media Services GmbH 2015

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