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(hohes Surren)
(Knall) (Schreibmaschinentippen)
(mysteriöse Klaviertöne)
(Töne klingen aus)
(Regenprasseln)
(Prasseln wird lauter)
(Autohupe)
(dumpfes Donnergrollen)
(leiser, unverständlicher Gesang)
(Türklingel)
(Gesang wird klarer)
(Gesang endet) (Regen plätschert)
(langes Donnergrollen)
(atmet schwer aus)
(auf Arabisch) Glaubst du, das stimmt, was Samira letzte Woche gesagt hat?
Was?
Das mit den Seelen...
dass sie manchmal nicht begreifen wollen, dass sie tot sind.
Und umherirren.
Ja.
Und dass sie Geleit brauchen...
um aus ihrer Verirrung herauszufinden?
Ja.
Was heißt das, Geleit?
Jemanden, der an ihrer Stelle sein könnte.
Sie müssen sich spiegeln können...
um loszulassen.
Warum?
Naja, es ist eine Art Gleichnis.
Was bedeutet es?
Wir müssen begreifen...
dass wir niemals ganz allein sind.
Djamila, komm.
Guten Morgen.
- Guten Morgen. - Guten Morgen.
Frühstück.
(Kind weint)
Frühstück ist fertig. Kommt ihr?
Ich nähe noch dein Kleid fertig.
Danke dafür.
(klopft)
Frühstück.
Kommst du?
(Geschirrklappern) (Kind brabbelt)
(Unterhaltungen auf Arabisch)
(Frau) So ihr Lieben.
Uns allen Gesundheit und Glück. Guten Appetit.
(alle) Guten Appetit.
(Kind weint)
- Danke. - Gerne.
(Baby schreit)
Ich muss heute zum Jobcenter.
Du auch?
Ich warte noch.
Wie lange willst du noch warten?
Bis es soweit ist.
Na hoffentlich.
Bist du meine Mutter?
(seufzt)
(Blätterrascheln) (Specht trommelt)
(Regenprasseln)
(Mann auf Polnisch) Nein, nicht so viel, wie ich brauche.
Nein, wir schwänzen alle zusammen morgen um acht Uhr.
Ja.
Ja.
Ja.
Wirklich, ich bin anderer Meinung.
(Frau 2) Bis später!
(rhythmische, kuriose Streichmusik)
(Verkehrslärm) (lautes Hupen)
(Bremsen quietschen)
(Straßenbahn klingelt)
(Donnergrollen)
(wehmütige Klavierklänge setzen ein)
(Tür schlägt zu)
(Junge) Adresse stimmt, ja.
Genau, einmal Pho-Suppe. Vegan.
(Frau 2 ruft) Hallo!
(Junge) Hallo.
Und eine extra Portion Reis.
- Ja, habe ich? - Und einmal Sommerrollen.
- Kommt noch was dazu? - Und Stäbchen.
- Geht gleich raus. - Danke.
(elektrisches Piepen)
(auf Englisch) Ok, Leute, ich bin soweit.
- Besorgen wir es ihnen. - Bewachst du die Queen?
Ja klar. Ich decke die Queen.
(Gamer sprechen auf Arabisch und Englisch)
(Junge und Gamer sprechen auf Englisch)
(ächzt)
(Sprühen)
(Frau 3) Die Agenda dieser Zielgruppe erscheinen nach wie vor schwammig.
Sind diese Individuen daran interessiert,
an Transformationsprozessen der Gesellschaft teilzunehmen?
Und sind sie potenzielle Konsumenten von fortschrittlichen Produkten?
Oder geht die Reise weiter zurück? In eine Situation,
in der für diese Zielgruppe von nicht unbeträchtlicher Größe
ein frisches Bewusstsein für gesellschaftliche Erneuerungen
erst geschaffen werden muss?
Das Zweite. Darum geht es hier doch.
Was?
Wie ihr redet.
Wie denn?
Toll, aber ihr reformuliert eigentlich nur die Problemstellung.
Wir sind nicht fertig.
Aber es hört doch keiner zu.
Stimmt doch gar nicht.
(Frau 4) Kannst du bitte geduldiger sein?
Es geht um grob gerechnet zwei Milliarden Menschen,
die zurückgezogen, in hoher Konzentration
an den ausgefranzten Rändern von Ballungszentren leben,
wo sie abgekoppelt sind.
Von politischen,
also sozialen und ökonomischen Entwicklungen ihres Landes,
und sich haltlos fühlen.
Denn... wer schert sich schon um sie.
- (Frau 4) Niemand. - Exakt genau.
Niemand schert sich.
(Handy vibriert) (sanfte, trabende Streichmusik)
Ja?
Und was brauchen haltlose Menschen?
Halt.
Und wie verschafft man sich Halt?
- Entschuldige bitte. - Ah ja.
(Frau 3) Durch positive Ziele.
Aufgabe ist, diese Menschen zu motivieren, sich mit der Zukunft zu beschäftigen.
Ohne, dass sie Angst davor bekommen.
(Mann) Genau, aber wie soll das gehen?
Das mit der Angst.
Wo doch allen ständig die Apokalypse prophezeit wird.
(Frau 3) Die Statistik sagt, diese Leute sind der Sache gegenüber indifferent.
Ja, das ist der einfache Fall, aber viele sind dagegen.
Wogegen jetzt?
Dagegen, das Desaster aufzuhalten oder wenigstens einzudämmen.
Du redest wie ein SPD-Abgeordneter.
(Frau 5, auf Englisch) Oh, nein!
Ausgerechnet jetzt!
Hallo, Abdu!
Ich hab nicht viel Zeit. Worum geht's?
(Hupen) (stöhnt genervt)
- (wiederholtes Hupen) - Hey, hier läuft eine Vorstellung! Leute!
Vorsicht, Vorsicht, Vorsicht!
(Mann) Ich will diese bräsige, bockige Meute da draußen
unter Druck setzen.
Ich will, dass sie gestresst sind von ihrer Ignoranz und nicht
am Narrativ des Gutmenschunternehmers weiter rumbasteln.
Daran beißen wir uns hier die Zähne aus. (Handyklingeln)
(Frau 5, auf Deutsch) Ja? Simone. Kann ich dich zurückrufen?
- Nein. - (Simone spricht)
Das geht jetzt echt nicht. Ich ruf zurück, ja?
Okay, ciao.
(Musik setzt sich mit helleren Tönen fort)
(auf Englisch) Das war das Ministerium.
Die, die den Bau hier finanzieren.
Gut.
Nein, überhaupt nicht gut.
Seit fünf Wochen sollte hier eine Baustelle in vollem Gange sein.
Mit allem Drum und Dran.
20 Arbeiter, Betonmischer, Fördergeräte.
Aber wir haben doch angefangen.
Sie meinen das?
Sie haben doch gesehen, was da draußen los ist.
Die Kinder brauchen dieses Haus.
Was wollen Sie?
Ich möchte, dass Sie aufhören, mich anzulügen.
Wenn wir die Termine nicht einhalten,
können wir das Theater nicht im Januar eröffnen.
Dann bekommen wir Probleme mit der Förderung.
Und dann bekommen Sie auch kein Geld.
Was wir machen müssen,
ist seriöse Informationen in unseriöse Medien ballern.
Eine Info-Doppelseite in 'ner Super-Illu.
Einen Aufklärungsspot im Dschungelcamp.
Einen Podcast, den Helene Fischer und Billie Eilish liken.
Deshalb gibt es von uns ab sofort keine Domain, keine Promotion-Website.
Und zwar so lange nicht, bis wir aufgeräumt haben.
Mit der Haltlosigkeit, der Indifferenz und dem ganzen Dagegensein.
(Jugendliche) Frieda, na endlich.
(unverständliches Stimmengewirr)
(Frieda, angestrengt) Ist echt eng hier.
(heiteres Gelächter)
(Frieda lallt) Die Frau an der Bar war betrunken.
(alle kichern) (Türhämmern)
(Jugendlicher) Ich muss echt mal.
(alle sarkastisch) Ich auch!
(Jugendlicher 2) Frieda.
Acid?
Ein Gruß aus der Küche.
Wie spät ist es?
(alle langsam) Tick, tack, tick, tack.
(kuriose, klimpernde Musik)
(im schnelleren Tempo) Tick, tack, tick, tack.
(amüsiertes Gelächter)
(Junge, auf Englisch) Lauf!
(Gamer 3) Lauf! Höher!
Strike!
(ächzt schmerzerfüllt)
(Gamer sprechen übereinander)
(seufzt)
(Frau 5) Simone, ja, entschuldige.
Aber ich war mit diesem Bauunternehmer unterwegs und der ist so unmöglich.
(unverständliche Stimme am Telefon)
Was?
Sind die verrückt geworden? Wir haben schon angefangen zu bauen.
Ja.
Ich weiß, aber schneller geht es nicht.
Wir sind hier in Ostafrika und nicht in Dubai.
Das müssen wir umdrehen. Ich komme ja jetzt.
- Naja, heute. - (Simone spricht unverständlich)
Ja, ich bin auf dem Weg zum Flughafen, wieso?
Ja, okay. Ich warte.
(Frau 6 auf Englisch) Was ist los?
Sie wollen die Finanzierung aufschieben.
(auf Deutsch) Jo, Milena Engels hier.
Nein, ich bin keine Angestellte des Ministeriums,
aber alle Projekte, die ich betreue, werden vom Ministerium finanziert.
Ja.
Bitte nicht schon wieder bei... Hallo?
(prustet ernüchtert)
(Telefonansage auf Englisch)
Haben wir noch genug Geld, um mit dem Projekt weiterzumachen?
Nicht viel. Definitiv nicht genug.
Was ist mit mir?
Sei unbesorgt...
Ich packe dich auf eine andere Gehaltsliste.
Ich mache das schon.
(Telefonansage)
(pulsierende Technobeats setzen ein)
(Regenprasseln) (wehmütige Musik setzt sich fort)
Das ist meiner.
(Sprecher) Alle, die ihren wahren Reichtum noch nicht gefunden haben...
(gedämpfte Technobeats) (klimpernde, hoffnungsvolle Harfenklänge)
Wann tanzen wir?
(Friedas Stimme hallt)
Ich brauch noch einen Moment.
- Ich auch. - Ich auch.
(Jugendlicher 3) Ist ziemlich schön hier, an der Bar. Mit euch.
Mit euch ist's immer am schönsten.
Egal wo.
Kann man wohl sagen.
Alles genauso lassen.
Jetzt.
(alle imitieren Technobeat)
(Beats werden lauter)
(lautes Flugzeugdröhnen)
(Menschen husten und übergeben sich)
(Sprecher) In diesem Zustand bist du mit etwas Unermesslichem
und Unzerstörbarem verbunden.
(quiekt schmerzerfüllt)
(ächzt und atmet schwer)
(auf- und absteigende Klaviertöne)
(Gamer rufen durcheinander auf Englisch)
(spricht auf Englisch)
(Gamer schreien) (Türklingel)
(spricht auf Englisch) (mehrfaches Klingeln)
- Hallo. - Hallo.
Vorsicht! Unten halten.
Gut, danke.
Ähm, Moment! Barzahlung.
- Bitte? - 21,60 Euro.
Die Kreditkarte hat nicht funktioniert.
Ähm...
(ruft) Jon!
(Gamer sprechen gehetzt)
(spricht auf Englisch) (Türklopfen)
(Streichmusik wird dramatischer)
- Stimmt so. - Danke.
(Jon schreit auf Englisch)
(Gamer ruft frustriert auf Englisch)
(Jon, leise) Scheiße. Scheiße.
Fuck!
(Gamer rufen auf Englisch)
(elektronisches Pochen)
(Musik bricht ab)
(schweres Einatmen)
(Tür quietscht)
(LKW brummt)
(Motorbrummen)
(Hupen) (Bremsen quietschen)
(lauter Knall) (metallisches Scheppern)
(ächzt verkrampft)
(ächzt scherzerfüllt)
(ächzt laut)
(lauter Knall) (Schreie)
(sphärisches Dröhnen) (Gamer schreien frustriert)
(Gamer spricht auf Englisch)
(Ansage im Spiel auf Englisch)
(Gamer sprechen durcheinander)
(seufzt ernüchtert) Scheiße.
(atmet zittrig)
(metallisches Scheppern)
(atmet tief) (Passagiere atmen nervös)
(Donnergrollen)
(Schlüssel klimpern)
(Schuhe quietschen)
(dumpfe Schritte)
(Flaschen klirren)
(seufzt)
(Donnergrollen im Hintergrund)
(Tür schließt)
(atmet zischend ein)
(Computerstimme) Hi, Tim. Willst du spielen?
(sanfte, helle Klänge)
(Sprecher) In der Wildnis Südnorwegens
kämpfen Polarfüchse darum, genug Nahrung zu finden.
Durch den Klimawandel sind vor allem kleine Nagetiere, die Beute der Füchse,
seltener geworden.
Wenn wir ein wärmeres, instabileres Klima bekommen,
bei dem der Schnee schmilzt und sich Eis...
(ruhige ambientale Musik)
(Borddurchsage auf Englisch)
(Jugendliche summen)
(Musik verklingt)
(Summen wird lauter)
(rhythmische elektronische Klänge)
Wo hin jetzt?
(Jugendlicher 4) Na, zu Bells natürlich.
(Frieda) Ich muss nach Hause.
(Bells) Gott, warum denn?
Ich glaub, ich muss schlafen.
Wir sind seit Donnerstag unterwegs.
- Jetzt ist Samstag. - Aber erst Samstagmorgen.
Leute, Frieda ist selber groß.
- Okay, dann bringen wir dich jetzt heim. - Mhm.
(Jugendlicher 3) Frieda will nach Hause, also bringen wir sie nach Hause.
(alle murmeln durcheinander) Nach Hause.
(spannungsgeladene ambientale Musik)
(alle mehrmals) Sicher, sicher?
Sicher? Sicher? Sicher?
Sicher. Ist nur mein Herz in euren Händen.
(alle, gerührt) Oh.
(spannungsgeladene Musik)
(hektisches Klimpern)
(sich überlagernde Stimmen) Tick, tack, tick, tack.
(Musik baut sich dramatisch auf)
(Musik wird rasant lauter)
(schreit laut)
(Musik verklingt)
Frieda?
Frieda?
(Tür öffnet sich)
(Frau 5) Ich dusche jetzt kurz und komm dann ins Büro.
(unverständliche Stimme am Handy)
Was ist passiert?
(Frieda atmet unruhig)
(Frieda) Maja.
(holt tief Luft)
(seufzt)
(auf Arabisch) Endlich.
(dröhnende sphärische Klänge)
(lange vibrierende, gläserne Klänge)
(Löffel kratzt)
(schlürft)
(Musik bricht ab)
(dynamische Streichmusik)
(Musik wird lauter)
(schräge, unheilvolle Töne)
(Tür quietscht)
(Tür fällt zu)
(dumpfes Poltern)
(Tür öffnet sich)
(Tür fällt zu)
(Stühlerücken)
(Musik klingt langsam aus)
(Ball prallt auf)
(auf Arabisch) Was ist mit dir?
Ich hab nicht gut geschlafen, entschuldige.
Ich hab geträumt, Mama...
ich wär ein Pferd.
Ich rannte.
Ich fand es schön. Ich hatte gar kein Ziel.
Und dann saß ich plötzlich auf dem Pferd und wollte es beruhigen,
aber es wurde immer wilder.
(Junge) Da war ein gutes Restaurant.
Der Chefkoch stand persönlich vor der Tür und rief:
"Hierher, hierher! Lecker!"
Und das Pferd...
(wiehert schrill und imitiert Traben)
(schnauft erleichtert)
Wann ist der Termin?
Hat doch noch nie geklappt.
(im Singsang) Wir bleiben hier...
bis in alle Ewigkeit.
Nicht ewig.
Ewigkeit ist relativ.
Kann schon sein...
(prustet abschätzig)
Aber heute hab ich Hoffnung.
Warum?
Der Sturm gestern Nacht hat etwas mitgebracht.
(langer gläserner Klang)
Antje, was soll ich sagen?
Ich bin eben gelandet und jetzt fahr ich mit der Polizei zu den Angehörigen.
- Und wann kommst du zu uns? - (schnauft) In einer Stunde?
Was? So spät erst?
Sei doch froh, dass ich überhaupt wieder da bin.
(Antje spricht unverständlich)
Ja, ich meld mich später.
(Türklingel)
(heller, gläserner Klang)
(stumme Szene) (verträumtes Funkeln)
(Tim) Georg, ich kauf dir das nicht ab.
Ihr seid das beste Paar, das die Welt je hatte.
Jeder nimmt euch als Beispiel.
Ihr habt als Einzige alles überstanden.
Kinder, Fremdgehen, Therapie,
Wechseljahre, Brustkrebs, Hämorrhoiden.
(auf Wienerisch) Ganz genau. Ich bin auch stolz drauf.
Aber jetzt ist Schluss. Bin schon ausgezogen.
- Was? So schnell? - Wieso schnell?
Nach 26 Jahren?
Ich hab mein halbes Leben mit dieser Frau verbracht.
Inklusive drei Kindern, zwei Insolvenzen, 7 000 Schreianfällen.
Mir kann keiner vorwerfen, ich hätte nicht alles gegeben.
Was ist denn passiert?
Nix ist passiert.
Das ist ja das Problem.
Du kannst ja selbst mal drauf achten.
Wenn deine Frau nach Hause kommt und du bist schon daheim.
Wie begrüßt sie dich?
Begrüßt sie dich überhaupt?
Nimmt sie sich einen Moment?
Schaut sie dich an?
Zeigt sie dir, dass sie sich freut, dass du da bist?
Gibt's wenigstens aufmerksamen Blickkontakt?
Kriegst du einen Kuss? Wenn ja, was für einen?
Einen, der sagt: "Fass mich ja nicht an" oder einen, der sagt:
"Komm, Brüderchen, lass die Kirche im Dorf mit deinen Romantikattacken"?
Oder ist der Kuss Anlass zu Texten wie: "Du riechst komisch.
Schatz, du solltest wieder mal duschen"?
Egal, welche Version. Wenn es jahrelang zwischen diesen Möglichkeiten variiert,
sei dir gewiss: Das ist nicht der Mensch, dessen Gehhilfe du eines Morgens
aus der Kammer ziehen möchtest, um danach seinen Brei anzurühren.
Na guck, da ist sie schon.
- Ich geh immer ran, wenn sie anruft. - Go for it.
Ja?
Wir müssen Abendessen, zusammen.
(verdutzt) Wir beide?
Nein, wir alle.
- Alle vier. - Ach so.
Meinetwegen fünf.
Ja, vier oder fünf?
Ach, ist doch B-Woche. Also vier.
Okay, heute?
- Ja, aber du musst kochen. - Ich kann nicht kochen.
Doch... Mirácoli.
Sehr witzig.
Dann bestell halt was, beim Asiaten.
Oder nee, beim Griechen.
Oder nee, lieber Sushi.
- Ach, mach was, du willst. - Auf jeden Fall.
Milena, kannst du...
- Wenn ich eh unterwegs bin... - Ciao.
- Du bist krass. - Na, und?
Wann hattest du denn das letzte Mal Sex?
- (bläst Luft aus) - (Milena) Keine Ahnung.
(prustet) Silvester.
(Therapeutin) Was widerstrebt Ihnen?
Ich will nicht immer Erwartungen erfüllen müssen.
Und wenn Sie die Erwartungen als Wünsche umdefinieren?
Ja, schon klar. Das ist, was Tim immer sagt,
dass es nicht um Erwartungen geht, sondern Wünsche.
Und?
Weiß nicht. Ich will auch keine Wunscherfüllungsmaschine sein.
Das mit der Maschine haben Sie jetzt hinzugefügt.
Halten Sie mich für bindungsunfähig oder so was?
Fast jeder, der kommt, hat Probleme mit seiner Bindungsfähigkeit.
Ist alles in Ordnung?
Ich hab so einen Hautausschlag.
Sie haben bei unserer ersten Sitzung gesagt,
dass Sie inzwischen die Annäherungen Ihres Mannes
oft als anstrengend,
manchmal sogar lästig oder belästigend empfinden,
und gleichzeitig das Gefühl hätten,
dass Sie sich dafür schlecht fühlen oder schämen müssen.
Naja, das ist...
Wenn er so kommt und mich dann umarmen will,
kommt jedes Mal so 'ne zweideutige Note mit ins Spiel
und dann will ich das nicht.
Und warum wollen Sie das nicht?
Es wirkt wie so ein Programmpunkt, den man abhaken muss.
Und seit wann ist das so?
Ich weiß nicht. Es hat sich so entwickelt.
Und da ist kein Ereignis, an das Sie sich erinnern, das...
- Doch natürlich, die Kinder. - Ja.
Also, als die Kinder auf die Welt kamen.
Sie meinen, als Sie die Kinder auf die Welt brachten.
Ja.
Das waren ja auch gleich zwei.
Ich dachte, ich könnte das alles und dann...
konnte ich es doch nicht so gut.
Was genau?
Die Verantwortung tragen.
Ich fühlte mich so allein damit.
Ja, das ist eine Erfahrung, die jede Mutter macht
und die oft große, manchmal traumatische Konsequenzen hat.
Der Übergang von Macht zu Ohnmacht.
Wie?
Die Macht, das eigene Leben frei zu gestalten,
weicht einer umfassenden Ohnmacht
angesichts der Erkenntnis, dass die Frau für eine bedrohlich lang erscheinende Zeit
nicht mehr selbstbestimmt wird leben können.
(schluchzt) Ja, gut. Aber da müssen ja alle durch.
Das ist jetzt fast 18 Jahre her. Die Kinder sind erwachsen.
Sie haben sich aber bis heute, scheint es, nicht mit dem Problem auseinandergesetzt.
Wenn es sich traumatisch ausformt,
kann solch ein Problem tief in unser Verhaltensmuster eingreifen.
(Milena seufzt)
Wie ist denn die Geburt Ihrer Kinder verlaufen?
Von den Zwillingen, furchtbar.
Die kamen einfach nicht raus.
Schließlich musste ein Notkaiserschnitt gemacht werden.
Dann ist irgendwas mit der Anästhesie schiefgelaufen.
Ich habe plötzlich bis zum Hals nichts mehr gespürt.
Ich war komplett gelähmt.
Ich konnte nicht mal mehr schlucken.
Ich dachte...
ich würde ersticken.
Dann hab ich plötzlich alles nur noch von oben gesehen.
Von oben?
Mhm.
So, als wär ich schon da oben, unter der Decke, raus aus meinem Körper.
Also, ich war da oben.
Und konnte mir alles von da aus anschauen.
(sanfte, helle Klänge)
Das war in Ordnung so.
Gar nicht schlimm.
(tirilierende Flötenklänge)
(sphärische Klänge)
Mein Körper war da unten.
Und meine Kinder.
Und Tim.
Ihr Mann war dabei?
Ja, natürlich.
Wo ist der überhaupt?
Erinnern Sie sich, wie Sie heruntergekommen sind von da oben?
Oder wann?
Oder ob überhaupt?
(lautes Türklingeln)
Das ist er.
Es ist Viertel nach Sechs, der ist doch bescheuert.
(Tür öffnet sich) Tag, Herr Engels.
Tut mir total leid, ich hab mich verschätzt.
Wollen Sie kurz ablegen und zur Ruhe kommen?
Fertig, bin ganz ruhig.
Gut. Dann nehmen Sie doch Platz.
Hey.
(Rascheln)
Die Frage stellt man normalerweise zu Beginn einer Paartherapie,
aber ich habe sie mir für heute aufgespart.
Sind Sie ursprünglich zu mir gekommen,
um zusammen zu bleiben oder um sich zu trennen?
(nachdenklich trabende Musik)
Zusammen bleiben natürlich.
(Zischen)
(mehrfaches Türklingeln)
(Türklingeln)
- Hi, Tim. - Hi, Godfrey.
H i, Tim.
Sind wir dran?
Ist nicht gerade B-Woche?
- Können wir reinkommen? - Ach so, ja, klar.
Ich weiß,
ich falle mit der Tür ins Haus, aber...
Ich muss nach Nairobi, dringend, gleich morgen Früh.
Aha, hast du mit Millie gesprochen?
Nein, es...
(auf Englisch) Ich habe keine Wahl.
Alles klar.
(schnauft verblüfft)
(auf Haussa) Kennst ihn ja. Das wird schon.
Wird schon.
(Tim) Oh, nee. Nee!
(Geschirrklirren)
(auf Englisch) Alles wird gut.
(schnelle Klaviertöne)
(seufzt)
(Zischen) (Tim würgt)
Ich kann's eben nicht.
Scheiß Mirácoli!
Na, ich hab's nicht erlaubt.
(Zischen)
(Musik bricht ab)
Und, Dio, was geht ab?
Ich hab einen neuen Song.
(bläst Luft aus) Ah ja?
(singt) Is this the real life?
Is this just fantasy?
- Caught in a landslide. - Den kenn ich.
No escape from reality.
Open your eyes, look up to the sky.
Ja, ciao. (Tür fällt laut zu)
(Milena) Jetzt hab ich 'ne Abteilungskrise ausgelöst,
weil ich mir auf eigene Faust 'nen Flug gebucht hab,
den zu besorgen dem gesamten Ministerium unmöglich war.
Economy, Mittelplatz, 500 Euro.
Worin besteht die Krise?
Es ist nicht erstattbar. Ich bleib auf den Kosten sitzen.
Das ist tragisch.
Hallo.
Mama!
Was machst du denn hier?
(singt) I'm just a poor boy.
I need no sympathy.
Na, Dio Baby.
Ist dein Papa wieder ausgebüxt?
- Er muss nach Hause. - Nach Kenia?
(seufzt)
Hm, mamma mia, ich verstehe.
Guter Nebeneffekt.
Mein kleiner Dio-Schatz sitzt plötzlich in der Küche.
(Dio lacht)
Was hast du gesagt?
- Hm? - Mamma mia?
Das sagt man so, wenn man sich freut zum Beispiel.
(Dio singt) Oh mamma mia, mamma mia...
- Alles in Ordnung? - Ich bin so verspannt hier.
- Has a devil put aside for me... - Es ist übrigens nicht tragisch,
was mir da zugemutet wird, sondern symptomatisch und demütigend.
Meinst du dem Fatzke von Lehmbruck würde es jemals passieren?
Der ist Staatssekretär, du bist Freelancer*in.
Er ist ein Mann und ich seine Lakai*in.
Lakai*in, ist das nicht genderoffen?
Nee, aber Lackaffe.
Also, ich bin kein Lackaffe.
Nicht du, der.
- Dann küss mich doch mal zur Begrüßung. - Wo sind die Kinder?
Also eins sitzt da.
- Ich bin da! - Ja, hurra.
Und der Rest?
- In ihren Zimmern? - Wolltest du dich nicht darum kümmern?
Ich hab sie angerufen und nicht erreicht. Also hab ich 'ne SMS geschickt.
Wie spätmodern.
Mal an die Tür geklopft?
- Das mach ich schon lange nicht. - Nicht zu fassen.
- Jon? - Ja?
Kommst du gleich zum Essen?
Okay.
Geht doch.
Frieda.
Tolle Idee, alleine bei brennender Kerze einschlafen.
Tochter erstickt, Mutter verhaftet, Wohnung abgebrannt, Ehe geschieden.
(bläst)
Wir haben keine Hausratsversicherung, wir haben gar keine Versicherung.
Wir kriegen nicht mal Rente.
Wir sind sinnlos selbstständig.
Die Kinder werden nie Geld verdienen, weil sie gar nicht wissen, wie das geht.
Alle ruiniert wegen Abwesenheit von Verantwortung.
(auf Englisch) Was machst du hier?
Kannst du nicht mal Deutsch mit deiner Mutter sprechen?
Ich weiß, in Kanada.
Da war alles viel toller und hier ist es so furchtbar.
Was ist los?
Bitte komm, Frieda, das ist wirklich wichtig.
Dein Vater hat gekocht.
Aber irgendwas anderes wird doch passiert sein in vier Tagen mütterlicher Absenz.
- Frieda! - Hey.
Du hast die Wohnung nicht verlassen, seit ich abgereist bin?
Das war ein Tournament Battle.
Dafür trainierst du, dann spielst und schläfst du.
Mhm. Was gibt's denn?
Nudeln.
Einfach so, ohne alles?
(Handy klingelt)
Ja, ich kann jetzt nicht.
- (Stimme am Telefon) - Leg es ihm auf den Tisch.
Er muss es heute Abend noch unterschreiben.
Dann fahr ins Borchardt oder in den Grill und knall's ihm auf den Schnitzelteller.
Ja, ich mein's ernst. Ciao.
Sorry.
Ist da Butter dran?
Nee.
Tim, ich bin allergisch gegen Laktose, das weißt du doch seit 20 Jahren.
Willst du nicht mal wissen, ob ich gewonnen hab?
Hast du gewonnen?
Ja.
Gratuliere.
Danke.
(leises Donnergrollen)
Hört mal zu.
Ich möchte, dass wir wieder ins Gespräch kommen.
Ich hab mir viele Gedanken gemacht.
- Ich kannte nicht mal ihren Nachnamen. - Hm?
Maja.
Ich kannte nicht mal ihren Nachnamen. Du?
Wir wussten nichts über sie.
- Keiner von uns. - Komm, so war es nun auch wieder nicht.
Ich hatte eine Beziehung zu ihr.
Du bist doch immer abgehauen, damit sie dich nicht vollquatscht.
Stimmt doch gar nicht.
Das hast du selbst zu mir gesagt, dass man sie bloß nichts fragen soll,
weil sie sonst einen Redeschwall auf dir ausschüttet.
Naja, ein bisschen war es ja auch so.
Ja, und jetzt sie tot!
Jetzt sollte uns mal klar werden,
in was für einem kaputten Zustand wir unser Leben führen.
Total abgespalten.
Von der Welt, von den Menschen, voneinander sowieso.
Genau deswegen sitzen wir jetzt hier.
Wir sind das Musterbeispiel einer Familie, an der diese Welt zugrunde geht.
Wir leben egoistisch und ignorant und verschwenderisch und vulgär.
Wir heizen mit Gas, das wir verteufeln.
Wir haben ein Ferienhaus, wo keiner hin will.
Mama steigt fünfmal im Monat ins Flugzeug,
während Papa in die Welt rausposaunt, dass Fliegen strafbar sein soll.
Wir nutzen hemmungslos alle privileges,
die weiße, reiche Mehrfachverdiener in der westlichen Welt genießen.
Wir bestellen Biowein bei Amazon, weil der Weinladen ums Eck pleiteging.
Der ging pleite, weil alle Biowein bei Amazon bestellen.
- Das ist so fucked up. - Wir bestellen ständig Essen, ich auch.
Papa bestellt seine Zigaretten und sogar die Jointblättchen bei den Fahrradsklaven.
Wir sind der Grund, warum die Welt am Arsch ist.
Nicht die anderen, über die wir ständig abkotzen.
Wir!
(dynamische, elektronische Musik)
Wir sind der Grund, warum die Welt am Abgrund steht.
Nicht die anderen, auf die wir immer alles schieben wollen.
Wir!
Wir leben egoistisch und ignorant und verschwenderisch und vulgär.
Nach wie vor nutzen wir hemmungslos alle Privilegien,
die der westlichen Welt vorbehalten sind.
Und unterstellen, dass es immer die anderen sind,
derentwegen unser Planet am Abgrund steht.
Diese anderen, das sind wir selbst.
Es ist an der Zeit, dass wir endlich Verantwortung übernehmen.
In unserem ganz persönlichen, privaten, intimen Lebensraum.
In jeder erdenklichen Situation unserer Alltagssphäre.
Weil nur wir es sind, die es vermasselt haben.
Und weil nur wir es sind,
die jetzt und nicht morgen alles ändern müssen.
Wir sind der Grund, warum die Welt am Abgrund steht.
Nicht die anderen. Wir!
(Signal ertönt)
(Musik verklingt)
(Sachbearbeiterin) Ich hab 'ne Reihe von Angeboten.
Pförtnerdienst, Fahrbereitschaft, Gastronomie machen Sie ja nicht mehr.
Aber auch was viel Besseres. Hier.
Medizinisch-technische Assistentin in 'ner HNO-Praxis.
Die würden Sie nehmen, mit Ihrer arabischen Expertise.
(verneinend) Mm-mmh.
(seufzt) Ich weiß, ich weiß.
Sie wollen Haushälterin. Auf Teufel komm raus.
Dann nehmen Sie halt den hier.
Verdienen weniger, keine Entwicklungschancen.
Eine einzige Sackgasse.
Sie sind weit über Durchschnitt gebildet.
Sie sprechen drei Sprachen fließend.
Sie waren medizinische Fachkraft in Aleppo und wollen trotzdem lieber putzen?
Leute wie Sie machen mich wahnsinnig.
Das mach ich.
Das machen Sie nicht.
Doch.
(unruhige Streichmusik) (Türklingeln)
Guten Tag. Hallo.
Hallo.
Hatten wir im Budget nicht mal einen anderen Betrag angesetzt?
Oh Gott, da habe ich ja instinktiv schon genau das Richtige getan.
Ich hatte schon im Voraus einen Antrag auf Budgetlinienüberschreitung gestellt.
Kommt ihr?
Du, ich muss jetzt.
Ja, ich weiß, das musst du jetzt alleine machen.
Dafür komme ich morgen um halb neun zu dir und dann schreiben wir das zusammen.
Okay?
- (Dio singt) Is this the real life? - Ja, danke, liebe Antje.
- Is this just fantasy? - Entschuldigung.
- Farrah? - Farrah.
- Milena. - Freut mich.
Mich auch. Und das ist Dio.
- Hallo, Dio. - No escape from reality.
- Bohemian Rhapsody. (schnaubt) - Hm.
Alles in Ordnung?
Ja, das ist Heilerde. Ich habe ein bisschen Reizdarm.
(Frieda) Hallo.
- Ich bin Frieda. - Farrah.
- Farrah. Schöner Name. - Hm.
(Milena) Und das ist Jon. Friedas Zwillingsbruder.
Ähm...
- Hallo. - Hallo.
(Milena) Und Tim.
Das ist Farrah.
- Hallo. - Hallo.
Hättest du nicht heute mal die Hose wechseln können?
- Wieso? - Guck doch mal, wie du aussiehst.
Wie denn? So wie immer.
- Ja, eben. - Mama!
Ist doch wahr. Wir gehen doch zu 'ner Beerdigung.
Ja, genau. Schwarz.
Egal.
Schön, Sie kennenzulernen.
Wir müssen zu 'ner Bestattung.
Deshalb sehen wir so aus und sind ein bisschen durcheinander.
- Ah. - Ja.
Äh, danke.
Also, setzt euch doch mal alle hin.
Der Vorteil für Sie ist, dass Sie den seltenen Moment erleben,
wo man uns alle fünf an einem Ort zu sehen bekommt.
Das ist wirklich eine Rarität.
- Gut. - Es gibt viel zu sagen zu unserer Familie.
Also, wie sie so tickt oder was wir für Abläufe haben.
Ja, weil wir haben keine Abläufe.
Wir sind eine typische deutsche, dysfunktionale Familie,
wo jeder sein eigenes Süppchen kocht und sich einen Scheiß um den anderen schert.
(Tim schnaubt ungläubig)
(Farrah) Ähm...
Das tut mir leid.
Sie sprechen so gut Deutsch.
Wie kommt es?
(Farrah) Wir sind ein sprachbegabtes Volk.
Die Syrer, allgemein, ja?
Ja.
Aber mein Mann hat deutsche Literatur studiert.
Ich lebe also seit 20 Jahren mit der deutschen Sprache.
- Aha. - Hm.
Wie lange sind Sie schon in Deutschland?
Seit knapp fünf Jahren.
Und Ihre Familie? Ich meine, haben Sie Kinder?
(Türklingeln)
Oh Gott, ich glaub, das ist schon das Taxi.
Ist nicht dein Ernst?
(Donnergrollen)
(Tim) Komm, schnell!
(Frieda) Wir sind zu spät, ich glaub's nicht!
(andächtiger liturgischer Gesang)
(Tür öffnet sich dumpf)
(Pfarrer auf Polnisch) Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt.
Aus dem Johannesevangelium.
Mit dem Tod hat er und haben wir die Chance, diese Zeit neu zu verstehen.
(lautes Poltern)
(Milena stöhnt)
(Pfarrer) Jesus Christus sagt:
"Ich bin die Auferstehung und das Leben."
Komm her.
(Pfarrer) Maja war oft vor dem Gottesdienst hier,
um frische Blumen für den Altar zu bringen.
Wie ich wissen auch Sie, wie engagiert und verbunden
Maja mit dem Leben und ihrer Umgebung war.
(liturgischer Gesang setzt sich fort)
(Donnergrollen)
(Gesang verklingt)
Mein Beileid.
Beileid.
(Tim) Mein Beileid.
(Jon) Beileid.
Mein Beileid.
- Beileid. - (Milena schluchzt)
Mein herzliches Beileid.
Mein Beileid.
Es tut mir so leid.
Mein herzliches Beileid.
(spricht auf Polnisch)
- Wie bitte? - Wer sind Sie?
(schwermütige ambientale Musik)
(Milena atmet schwer)
(schnelle, dramatische Klaviermusik)
(hallende Schritte)
(atmet tief)
(Fahrradklingeln)
(Milena im Sprechgesang) Wer bin ich?
Was weiß ich.
Ich bin ich.
Die bin ich nicht.
Wer ich nicht bin, bin ich halt nicht.
Wer bin ich?
Was weiß ich?
Ich bin ich.
Die bin ich nicht.
Wer ich nicht bin, bin ich halt nicht.
Ich bin ich.
Die bin ich nicht.
Ich bin da.
Oder da?
Oder da?
(Musik intensiviert sich)
Ich bin hier.
Ich bin noch da, ist gar nicht wahr.
Ich bin da.
Oder da? (Handy klingelt)
(Milena) Hallo. Hallo?
Natürlich, das krieg ich hin.
Kein Problem. Ja. Schon erledigt.
Ja klar, mach ich gerne.
Nicht für mich.
Auch nicht für dich.
(Jubelschreie)
Das bin ich nicht.
(geflüstert) Bin ich nicht.
(Musik baut sich dramatisch auf)
(lacht aufgeregt)
(schriller Schrei)
(zischende Stimmen)
(Musik verklingt)
(sie atmet erschöpft, stöhnt)
(Stimmen flüstern zischend) Zeig dich. Zeig dich. Zeig dich.
Ich bin du. Du bist ich.
Du bist ich. Du bist ich. Du bist ich.
Ich bin du. Ich bin du. Zeig dich.
(lautes Donnergrollen)
(dynamische Streichmusik)
(helle sphärische Klänge)
(dumpfe Schreie und Tumult)
(bedrohliche Streichertöne)
(sie atmet zittrig)
(panische Schreie)
(Schreie werden intensiver) (atmet stockend)
(Schreie enden)
(atmet zittrig)
(atmet schwer aus)
(atmet zittrig weiter)
(sphärische Klänge intensivieren sich)
(zittriges Atmen endet) (langer, ruhiger Klang)
(auf Arabisch) Schau.
Ich halte deine Hände, als wären wir tief vertraut...
aber ich kenne dich doch gar nicht mehr.
Wir kennen uns schon immer.
Das weißt du doch.
(getragene Harfenklänge)
Uns kann nichts trennen.
Wir sind ineinander gewachsen, wie Bäume,
die ganz nah beieinander stehen
und deren Wurzeln ein unentwirrbares unterirdisches Geflecht gewoben haben.
Aber da ist doch eine Wand.
Eine Wand zwischen uns.
Ich weiß.
Aber ich werde hindurchkommen, durch die Wand. Ich schwöre es.
(Junge quakt)
(leichtes Rauschen)
Karim.
(Harfenklänge setzen sich fort)
(Skateboard klackt)
(Musik verklingt)
(Boden knarzt) (Schlüssel klimpern)
Hallo, Jon.
Hallo.
Äh, Farrah.
Dein Zimmer ist abgeschlossen.
- Soll ich da nicht rein? - Nein.
Also, äh...
ich weiß nicht.
(Schlüssel scheppern im Schloss)
(atmet erschrocken ein)
Ya 'iilahi.
(Jon) Was heißt das?
Ach du liebe Güte.
Ja.
(Farrah) Ah, du hast...
ein VR.
Kennst du das?
Ja, ein bisschen.
(Jon) Woher?
Was spielst du?
Transportal.
(Tür schließt)
(sphärisches Dröhnen)
(atmet verblüfft ein)
(lauteres Dröhnen)
(Farrah) Das ist schön.
Beweg deinen Kopf.
Ah ja.
(dunkles sphärisches Dröhnen)
Hier.
Damit bewegst du dich.
Wie denn?
So.
Ah.
So nach links und so nach rechts.
Du musst diese Elemente sammeln.
So.
Und der Gatebuilderin zuspielen.
- Sie? - Ja.
(sphärischer Sound)
- (helle elektronische Töne) - Strike.
(sie schnaubt erstaunt)
(Farrah) Man muss dieses Tor da ausfüllen, ja?
Ja.
- Wie viele Spieler hat eine Mannschaft? - Vier.
Das ist ein Demo.
Wenn du richtig spielst, wird jeder Spieler von einer Person,
die irgendwo auf der Welt gerade online ist, gesteuert.
Ja, das kenne ich.
- Woher? - Von meinem Sohn.
Ach ja, dein Sohn.
- Wie alt ist er? - 17.
Ach krass.
Ich auch.
Ich weiß.
(sphärisches Dröhnen)
Was ist jetzt los?
(Jon) Ach so, das ist so 'n Gimmick.
Dass am Ende des Spiels die Sieger die Besiegten durchs Tor führen.
Wohin?
Meist bloß in eine andere Liga.
(dynamische Streichmusik)
Kannst du mir das beibringen, das Spiel?
Na klar.
(dynamische rhythmische Beats setzen ein)
(Streichmusik wird angespannter)
(Hupen) (Verkehrslärm)
(Rad rattert) (dumpfe Trommelrhythmen)
(metallisches Scheppern)
(hoher anhaltender Piepton)
(atmet gehetzt)
(Trommeln und Musik verklingen)
Bin zu spät. Ich sollte meine Tochter abholen.
- Wie war der Name? - Engels.
Tim Engels.
Ich war letzte Woche bereits beim Vorgespräch.
Frieda? Ja. Nicht so schlimm, Herr Engels.
- Die OP hat länger gedauert als erwartet. - Warum?
Frieda.
- Frieda. - Entschuldigung.
- Ich bin der Vater. - Bitte warten Sie im Warteraum.
(TV) In der Beratung hat die Person,
die einen Schwangerschaftsabbruch erwägt, Rechte.
Sie darf nicht in eine bestimmte Richtung gedrängt werden.
Die Frau entscheidet also selbst darüber, was mit ihrem Körper geschieht.
Herr Engels? Sie müssten hier bitte unterschreiben.
Warum? Schon wieder?
Ihre Tochter ist minderjährig, oder?
Ach so, ja.
Immer noch. Kaum zu glauben.
Die meisten Eltern sehen es andersrum.
Oder so.
Hallo, mein Schatz.
Hallo, Papa.
Guten Tag. Moment, bitte.
Sie müssen das ernst nehmen.
Wir hatten große Schwierigkeiten, die Blutung zu stoppen,
weil Sie uns verschwiegen haben, welche Substanzen Sie konsumieren.
Wenn ich nicht Ihre Vertrauensperson diesbezüglich bin, wer dann?
- Ja? - Ich fühl mich sehr schwach.
Darf ich bitte gehen?
Natürlich.
Komm.
Danke.
- Ist sie... - Sprechen Sie mit ihr.
Wiedersehen.
(leichtes Regenprasseln) (U-Bahn-Rattern)
Wie geht's?
Ganz okay.
Können wir bitte nach Hause?
Was machst du da?
Ich ruf uns ein Taxi.
Taxis streiken heute doch.
Im Ernst?
Wie bist du denn hergekommen?
(leises Brummen)
Die Frau in der Praxis meinte, es gab Komplikationen.
Können wir jetzt bitte nicht darüber reden?
Was war denn?
Ist das von dir?
Der Claim, ja.
- Was ist ein Claim nochmal? - Na, das da.
Wieso läufst du eigentlich immer noch rum, wie so ein linker Intellektueller,
wenn du seit Jahren für Firmen arbeitest, die den Planeten kaputt machen?
- Was soll 'n das jetzt? - Sag doch mal.
Frieda, ich muss und will dieses Gespräch nicht schon wieder führen.
Das ist deine neue Standardantwort auf jede Art von Kritik geworden.
Ernstzunehmende Kritiker*innen werfen einen vertiefenden Blick
auf den Gegenstand ihrer Kritik,
bevor sie substanzlose Pauschalurteile raushauen.
Der Gegenstand heißt Tim Engels, sitzt neben mir und ist mein Vater.
Hm.
Okay, "vertiefender Blick", hier:
Der Laden, für den du dich verausgabst,
ist ein neoliberales Rollkommando mit Ökotarnung,
der seit Jahren einen finstereren Kompromiss nach dem anderen eingeht.
Was ist los? Bist du in die DKP eingetreten?
Die was?
Du redest wie 'ne stalinistische Propagandachefin.
Ich stell dir Fragen. Du meintest immer, ich soll dir Löcher in den Bauch fragen.
Jetzt gibst du mir keine Antworten mehr.
(Bahnansage) Ausstieg links.
(er schnaubt)
(sie schnaubt)
(U-Bahn-Türen öffnen sich)
(Bahnhofsdurchsage) (unverständliches Stimmengewirr)
Typ!
(spannungsvolle elektronische Beats)
(dunkles rhythmisches Pochen setzt ein)
(kühles Rauschen)
(hallendes Donnern)
(elektronisches Surren)
(tranceartige Technomusik)
(Knistern und Krachen)
(Wasser plätschert)
(Frieda atmet schwer)
(hektisches Rattern)
(marschierende Schritte)
(Frieda schreit)
(hüpfende hellere Klänge) (Jubelschreie)
(Schuss) (hallendes Gelächter)
(aufsteigendes Dröhnen)
(hallendes Hauchen)
(aufsteigendes Dröhnen)
(Musik verklingt)
(Klopfen)
(Farrah) Frieda?
(stärkeres Klopfen)
Frieda, alles in Ordnung?
(Frieda) Ja.
Kommst du irgendwann raus?
Ich muss noch das Bad putzen.
Wartest du deshalb auf mich?
Ja. Du duschst schon seit anderthalb Stunden.
Ich hab Eistee mitgebracht.
Willst du?
(kuriose, zuckende Streichmusik)
Naja, es tut weh.
Hier.
Und hast du Abschied genommen?
(Musik wird verträumter)
Ich weiß nicht.
Willst du?
Was meinst du damit?
(stumm)
(Donnergrollen)
Bist du bereit?
Ja.
(sanfte, glitzernde Klänge)
(Musik wird mystischer)
Also.
Denk an das Wesen, das du noch nicht bereit warst, in Empfang zu nehmen.
Erklär ihm, warum.
Sei voller Liebe.
Es wird dich verstehen.
(Musik schwillt spannungsvoll an)
(dumpfes Pochen)
(Pochen wird heller) (schräg aufsteigende Klänge)
(Musik klingt langsam aus)
(Mitbewohnerin spricht auf Arabisch)
- (auf Arabisch) Hallo. - Hey.
(Regenprasseln)
(leise) Hey.
- Hallo. - Hallo.
Na, hast du Bekanntschaft mit der Lampe gemacht?
Ja.
- Wow. - Nice.
Macht ihr das alle, das mit dem Licht?
(alle) Ja, mhm.
Ja, natürlich.
Farrah spinnt.
Aber die Lampe ist gut.
(zügige Schritte)
(Milena) Irgendwer muss in der Lage sein, dieses Geld wieder einzusetzen.
- Es war bewilligt. - Ja, aber als Sonderposten.
Wir hätten es dieses Jahr ausgeben müssen.
Das wird aber nicht klappen, weil der Bau so langsam vorankommt.
Wenn wir es aber nicht ausgeben, fehlt's es uns nächstes Jahr im Haushalt.
Verstehen Sie diese Logik?
- Ja, klar. - Na klar, sagt er.
Wieso lösen solche zu Tode bürokratisierten Zustände
beim Nachwuchs keine Wutanfälle aus?
Gernot ist 45 und der neue Ressortleiter.
Dann hat er sich ja gut gehalten.
Danke, gleichfalls.
Kannst du mal kurz nehmen?
- Alles in Ordnung? - Ja.
Eine Bindehautentzündung, geht wieder weg.
(atmet aus) Das kriege ich von diesem Irrsinn hier.
Ihr Problem ist ein ganz normaler Vorgang der praktischen Entwicklungspolitik.
Eine Förderung kann doch nicht bewilligt und dann ohne Vorwarnung abgezogen werden.
- Wenn sie nicht abgerufen wurde, schon. - Das ist für uns der Supergau.
Wenn bewilligtes Geld bis zum Jahresende nicht ausgegeben wurde,
wird das Gesamtbudget im nächsten Jahr reduziert.
(unverständliches Gemurmel)
Oh oh, Seine Durchlaucht.
(im Singsang) Huhu.
Ich versuch mal mein Glück.
(prustet)
Diese Schuhe zerstören meine Füße.
Sag mal deine Handynummer.
(lacht auf)
Ja, genau.
(singt) 0190 332 332.
- Sehr witzig. - Streng dich mal ein bisschen an.
Wie heißt du nochmal?
Gernot.
Wie mein Onkel. Kennst du den Wortstamm?
Nee.
"Ger" kommt von Speer und "Not" von Knoton.
Das heißt Schwingen.
Ah ja?
Speerschwingen, Gernot.
(sie lacht)
(lacht)
- Also, Milena, du weißt doch, wie's läuft. - Wieso duzen wir uns eigentlich?
Doch ein schlechter Zeitpunkt.
Er kann jetzt nicht.
(Milena) Warum?
Die haben gerade Krise.
Aber ich hab 'ne Idee.
Also, Frau Engels,
wir konstruieren ein neues Projekt aus dem alten und rückdatieren es.
Dann kommt's in die nächste Haushaltssitzung.
Was, wann?
- Das ist in einer Woche. - Schaffst du das?
- Was? - Den Antrag nochmal stellen.
(stockend) Den ganzen Antrag?
Nochmal alles von vorne?
Na, was nun? Wollen Sie Ihr Theater im Slum bauen oder nicht?
Also, Antje, wir stellen den Antrag mit allem Drum und Dran nochmal.
Und du musst Jolene und den bescheuerten Bauunternehmer anrufen.
- Alles nochmal neu? - Ja, genau.
Wir brauchen alle Unterlagen noch mal mit neuem Datum.
Mhm, ja.
Ja, okay, bis dann.
(prustet)
Kaffee?
Lieber Tee.
(Milena) Schwarz, grün, bunt?
Ich habe Tee mitgebracht. Wollen Sie probieren?
Oh, ich dachte, wir duzen uns.
Gerne.
Milena.
Farrah.
Ich dachte, wir sagen uns, wer wir sind,
woher wir kommen und was uns bewegt.
Gut.
Jetzt?
(Handy klingelt)
Jetzt.
Gut.
Ich bin 1985 geboren worden,
in Damaskus.
Das war eine Zeit,
als der Geburtendurchschnitt in Syrien noch bei sieben Kindern pro Familie war.
- (Milena) Sieben? - Ja.
Aber meine Eltern haben nur eins bekommen, mich.
Gleich darauf ist mein Vater gestorben.
(Milena) Oh.
(Farrah) Ich erinnere mich gar nicht an ihn.
Aber was meine Mutter mir über ihn erzählt hat,
kann es sein, dass ich Glück im Unglück hatte.
Sie hatte sich in den Kopf gesetzt, dass ich studiere, Wissenschaft mache.
Sie war Krankenschwester und fing in einer psychiatrischen Klinik an.
Und so habe ich schon jung mein Lebensthema gefunden.
Psychische Erkrankung.
So sagt man hier offiziell, aber...
ich bin nicht einer Schule oder Richtung verschrieben.
Es gibt überall interessantes Wissen.
Als ich meinen Mann auf eine Forschungsreise nach Österreich
begleitet habe, bin ich ausgerechnet dort auf ein ganz neues Forschungsfeld,
also eine Quelle der Erkenntnis, gestoßen.
Mhm. Und welche?
Das erzähle ich dir ein anderes Mal.
Später.
Aber warum bist du hier und deine Familie nicht?
(atmet ein)
Warum putzt du anstatt 'ne eigene Praxis zu haben?
Ich habe hier keine... Lizenz.
Ich bekäme gar keine Genehmigung, hier eine Praxis zu eröffnen.
Auf jeden Fall,
als der arabische Frühling ausbrach,
sind wir auf die Straße gegangen.
Und glaubten wirklich, dass eine Erneuerung des Systems möglich wäre,
dass das Regime, also Assad, umdenken oder abdanken würde.
Der Frühling ist überall anders verlaufen.
In Syrien besonders schlecht.
(Schüsse) (Schreie)
Wir mussten in die Geburtsstadt meines Mannes fliehen.
In den Norden, nach Aleppo.
Dort konnten die Zwillinge noch zur Schule gehen.
Ich arbeitete in einem Krankenhaus, das bombardiert wurde.
(dumpfe Explosion) (Glas zerbirst)
Als schließlich unser Haus getroffen wurde,
wurde es vor allem für Karim, meinen Mann, gefährlich.
Wir wussten, dass er auf dem Radar des Geheimdienstes war.
Und wir mussten uns auf dem Land, im Norden, verstecken.
Es war zu riskant für ihn und die Kinder, ins Ausland zu fliehen.
Aber gleichzeitig hatten wir irgendwann...
kaum mehr zu essen und keine Perspektive.
Also habe ich es allein gemacht.
Die Flucht?
(dynamische Streichmusik)
Wie denn?
(holt tief Luft und seufzt)
Mit Lastwagen
und Schiff
und dann zu Fuß.
Und ich habe Glück gehabt.
(unheilvolle Klänge)
Nur weil ich hier bin, können sie überleben.
(Streichmusik intensiviert sich)
(Farrah flüstert auf Arabisch)
(flüstert auf Arabisch)
(Musik klingt langsam aus)
(Donnergrollen)
Komm mal her.
Wow.
- Was ist das? - Das ist unsere Wohnung.
(lacht auf) Und das?
Das ist dein Zimmer.
Ach, schön.
- Und das? - Das ist Papas Zimmer.
Mhm.
Und das?
Das ist Tims Zimmer.
Aber Tim und ich schlafen doch eigentlich im gleichen Bett.
Ja, du kannst doch rüber gehen zu ihm, wenn du willst.
Aber, so muss ich ja immer durch Godfreys Zimmer laufen, wenn ich bei Tim sein will.
Ja.
Tim kann ja auch zu dir kommen.
Und Papa.
Ja.
Klar.
(Regenprasseln) (Donnergrollen)
(schnelle Schritte)
Entschuldigung, Entschuldigung. Ich hab einfach... zu viel Zeug.
Also, was wollen wir Ihrer Meinung nach mit der übrigen Viertelstunde anfangen?
Viertelstunde?
17:45 Uhr, Ihr Termin war um 5.
Oh Gott, vielleicht geh ich einfach wieder.
Nein, nein, schlagen Sie was vor.
(stockt und seufzt)
Kann ich jetzt nicht.
Vielleicht reden wir über dieses Muster, Ihre Neigung zur Verspätung.
Das ist nicht mehr abzuschaffen.
Bin seit meiner Geburt so, da war ich auch schon zwei Wochen zu spät.
Dadurch entgeht Ihnen aber einiges.
- Vielleicht will ich das ja so. - Ach so?
Nee, Quatsch, ich...
Ich find's furchtbar, aber ich krieg's nicht hin. Ich...
Ich versuch, den Eindruck zu erwecken, als interessiere mich etwas nicht so sehr.
Warum?
(seufzt nervös) Ja...
Wahrscheinlich um einen Sicherheitsabstand zu haben.
Einen Sicherheitsabstand zu was?
Zu den Leuten.
Ich bin gern eindrücklich, aber nicht verbindlich.
Ich hinterlasse gern Spuren.
Will sie aber nicht verantworten.
Das klingt wie ein Text, den Sie vorher aufgeschrieben haben.
Ja, ich bin 'ne Textmaschine und Sie sind nicht meine erste Therapeutin.
Was erwarten Sie sich von unseren Sitzungen?
Können Sie das inzwischen genauer sagen?
(atmet aus)
(schnaubt)
Ich bin so viel unsicherer als die meisten Leute denken.
Das ist einerseits praktisch, andererseits...
fühle ich mich nicht gesehen.
Das würde ich gerne ändern.
Die Unsicherheit oder die Tatsache, dass die Leute Sie falsch einschätzen?
Ja, "die Leute" ist vielleicht ein bisschen ungenau.
Präzisieren Sie es. Wen meinen Sie?
Millie natürlich.
Ihre Frau soll Ihre Unsicherheiten besser erkennen, um das zu heilen.
Ja, es würde von selbst passieren, wenn sie sich mehr für mich interessieren würde.
Können Sie das ein bisschen genauer erläutern?
- Was jetzt? - Was Sie sich wünschen, von Ihrer Frau.
(schnaubt)
Ja. (rhythmische rockige Musik)
Also...
Dass sie mich anschaut.
Fragen stellt.
Nichts voraussetzt.
Mich... checkt.
Also, wahrnimmt.
Als Freund.
Vertrauten.
Als Typ, als Mann.
Als Objekt auch.
Als Körper.
(angestrengtes Atmen)
(im Sprechgesang) Wo ist es hin? Das Ding
Es war einmal mein Körper
Es ist so schwer, so zu tun Als hätt ich keinen Leib mehr
Subjekt, Objekt
Wird's nicht gecheckt Dann gibt es keinen Ort hier
Für Sucht und Flucht ist keiner da Und übrig bleibt ein Haustier
(alle) Bodycheck, Check, Check, Bodycheck
Check, Check, Check, Bodycheck
Check, Check, Bodycheck, Check, Check
Bodycheck
Check, Check
Gib's mir zurück
Das gute Stück ist immerhin mein Körper
Bin doch kein Klon
Testosteron Ich glaub sofort, das war's schon
(Jubelschreie)
Bin nur noch Wind, ein Kind Das will 'nen Gutenachtkuss
Schlaf ein, wach auf
Und schrei Ich brauche Optimismus
(dramatisch aufsteigende Trompetenklänge)
(Donnergrollen)
(Musik steigert sich)
(stumm)
(Tim) Jon?
(ruft) Jon!
(Musik bricht ab) (sphärisches Dröhnen)
(Farrah ächzt)
(Jon) Jetzt pass zurück.
(Farrah ächzt)
(Jon ächzt) Gut. Jetzt du.
Und Doppelpass.
(sie ächzt)
Und Strike.
(sie atmet erschöpft)
(Jubelpfiffe aus dem Computer)
Also ich brauch eine Pause.
(schnauft)
Das ist ja richtig anstrengend.
Naja.
Danke, dass du die besorgt hast.
Ach, gab's bei Ebay für 'n Fuchs. Ich musste nur das eine Glas reparieren.
- Fuchs? - Fuffi.
- Fuffi? - 50.
- Cent? - Euro.
Puh.
Kein Problem. Ich hab beim letzten Turnier 2 000 Dollar Prämie gewonnen.
2 000?
(Computer piept)
- Ich lass dich kurz. - Nein.
(Computer piept)
Ist sie das, von der du erzählt hast?
Na dann...
(ruhige, verträumte Klänge)
(lange mystische Streicherklänge)
(Tippen)
(Tippen)
(Tippen)
(Türklingeln)
(Computer piept)
(Türklingeln)
Ich mach nicht die Tür auf, solange du nicht geantwortet hast.
(wiederholtes Türklingeln)
(sanfte Klaviermusik)
(Türklingeln)
- Das muss Papa sein. - Entschuldige, Dio.
(wiederholtes Türklingeln)
(schnauft verlegen)
- Guten Tag. - Guten Tag.
Hello, Jon.
Hallo, Godfrey.
(auf Englisch) Ich klingle schon 'ne Weile.
Entschuldigung, wir waren abgelenkt.
Kein Problem.
(auf Deutsch) Bis bald.
(gefühlvolle Streichmusik)
(Tür fällt ins Schloss) (Musik endet)
(Aufzugssurren)
Is this the real life? Is this just fantasy?
Caught in a landslide
No escape from reality
("Bohemian Rhapsody" setzt im Hintergrund ein)
Open your eyes
Look up to the skies and see
I'm just a poor boy
- (sanftes Blubbern) - I need no sympathy
Because I'm easy come, easy go
Little high, little low
- Any way the wind blows - (Luftrauschen)
Doesn't really matter to me
To me
(elektrisches Zischen)
(hallender Knall)
Mama, just killed a man
Put a gun against his head
Pulled my trigger Now he's dead
Mama, life had just begun
But now I've gone and thrown it all away
- Mama, ooh - (sphärisches Rauschen)
(schreckt auf)
Didn't mean to make you cry
I sometimes wish I'd never been born at all
(kräftiges Beben)
(atmet fest aus)
(Godfrey auf Haussa) Schnall dich bitte an, Dio.
(ächzt)
(Reifenquietschen im Zeitraffer)
(verzerrter Verkehrslärm)
I see a little silhouetto of a man
Scaramouche, Scaramouche Will you do the Fandango?
Thunderbolt and lightning Very, very frightening me
- Galileo - Galileo
- Galileo, Galileo Figaro - Galileo, Galileo Figaro
- Magnifico - Oh-oh-oh-oh
I'm just a poor boy, nobody loves me
He's just a poor boy from a poor family
Spare him his life from this monstrosity
(Gegenstände fallen versetzt zu Boden)
Easy come, easy go, will you let me go?
Bismillah, no
- We will not let you go - Let him go
- Bismillah - We will not let you go
Let him go
- Bismillah - We will not let you go
- Will not let you go - Let me go
Never, never, never, never let me go
No, no, no, no, no, no, no
- Oh, mamma mia, mamma mia - Mamma mia, let me go
Beelzebub has a devil put aside for me
For me, for me
(Jubelschreie)
(Musik bricht ab) (dumpfe Jubelschreie)
(Regenprasseln)
(auf Englisch) Dio, komm.
(dynamische Streichmusik)
(Karim) "UN leiten 30 Millionen Dollar für humanitäre Zwecke an Syrien weiter."
(Arabisch) Die begreifen gar nichts.
- Sollen sie es sein lassen? - Natürlich.
Erst wenn das halbe Land verhungert ist, wird sich irgendwas bewegen.
Die UN ist eine nutzlose durchbürokratisierte Monstrosität.
Und wird uns im Stich lassen, so wie die restliche dumme arme Welt.
Karim!
Entschuldige.
- Es kotzt mich alles an. - Ich weiß.
- Wenn bald nichts passiert, raste ich aus. - Es wird was passieren. Ich versprech es.
- Deine Hoffnung reicht uns nicht. - Das muss sie aber!
Warum? Schau uns an. Wir sind doch tot hier drin.
Schluss jetzt!
Wage es nicht, so etwas zu sagen.
(holt tief Luft)
Es ist ein schwerer Weg,
aber wir werden ihn gehen.
Ich komme voran.
(Jugendliche 3) Du dorthin. Genau, da rüber. Ja, sehr gut.
Und du dort.
Alles gut?
Gut. Wir müssen uns beeilen, wir haben nur noch 'ne halbe Stunde.
(Klettergeschirr klirrt)
(Autos rauschen vorbei)
(Reißverschluss) Fester?
Nicht vergessen, das Team klettert hinten runter.
Okay, ready?
Eine nach der anderen!
(lautes Hupen)
(leises Motorenbrummen)
(Sirene nähert sich)
(mehrfaches Hupen) (Sirenenlärm)
Achtung, sie kommen.
(Hupen) (Sirene hört auf)
Foto!
(kuriose, unruhige Klänge)
(Reporter) Eine Gruppe jugendlicher Aktivisten hat heute Vormittag...
(Jugendlicher 3) Das Banner. Das sieht so echt aus.
Ey, Leute, die ganze Welt kann uns grad sehen.
Unter dem Motto, eure Ignoranz ist unser Totentanz
hängten Sie sich im morgendlichen Berufsverkehr...
(alle kichern)
Es kam niemand zu schaden.
Die überwiegend minderjährigen Aktivisten
wurden nach Feststellung ihrer Personalien wieder auf freien Fuß gesetzt.
Im Senat wurde...
- Crazy. - Megaheftig.
Wir haben's einfach geschafft.
Keiner der angetretenen Redner wollte sich in der Sache festlegen.
- (Jugendlicher 4) Kann ich in deinen... - (Jugendlicher 3) Geht es so?
(Fahrgast) Also ich freu mich richtig auf die Party.
(Durchsage) Nächste Station, Hauptbahnhof.
Ausstieg links.
- Was willst du? - Ich glaub, wir müssen raus.
Hey, Bro, komm, wir müssen hier raus.
(spöttisches Gelächter)
(Staubsaugerlärm)
Oh, ich komme später.
Nein, komm rein!
Nur ganz kurz!
Fertig.
Farrah?
(im Singsang) Ja?
Ich glaube, ich habe eine... Störung.
Ah ja?
Eine Sex-Störung.
Hm.
Wieso glaubst du das?
Ich will keinen.
- Sex? - Ja.
Aber Sex kann schön sein.
Ja, das hab ich auch schon mal irgendwo gehört.
Was hast du denn schon für Erfahrungen gemacht?
Nicht so viel.
Einmal vor anderthalb Jahren
und der andere vor drei Monaten.
Und schon war ich schwanger.
Aber war es schön, der Sex?
Nee.
Warum nicht?
(holt tief Luft)
Weil ich 'ne Sex-Störung hab.
Das leuchtet ein.
Ja, oder?
Also...
Erstmal muss man seine Wünsche und Sehnsüchte überhaupt kennen.
Kennst du deine? Denkst du jemals an Sex?
Ja, okay, ich denke dran.
Und woran denkst du dann?
Ich bin irgendwie... (Tür öffnet sich)
(Milena spricht auf Englisch)
Jolene! Ich habe es dir jetzt schon dreimal erklärt.
Dir, dem Architekten und Sheena!
Wenn ich es bis heute Abend nicht habe, bekommen wir kein Geld.
Nein. Das ist unsere letzte Chance!
Wir haben jede Frist verpasst, seit dem Prozessbeginn vor einem Jahr.
Und ich fühle mich schrecklich dabei.
Keiner im Ministerium wird mich mehr ernst nehmen,
wenn wir es diesmal nicht rechtzeitig hinbekommen.
Okay? Danke!
(schreit und schlägt auf Arbeitsplatte)
- Kann ich helfen? - Nein.
Weißt du, ich...
(sie atmet zittrig)
Ja?
(sie schluchzt)
(sie atmet bebend)
(Milena) Oh je, oh je.
(lacht verlegen)
(schluchzt) Ich schaff das schon.
(schnappt nach Luft)
(schluchzt)
(wimmert)
(quiekt)
(weint lauter)
(schluchzend) Entschuldigung.
(atmet langsamer)
Oh.
- Hallo, Mama. - (schluchzt) Hallo.
- Alles klar? - Alles super.
Hat der Kühlschrank dich angerufen?
Was gibt's denn, mein Schatz?
"Mein Schatz"?
Das hast du ewig nicht mehr zu mir gesagt.
Bist ja trotzdem mein Schatz.
(trocken) Ah.
Ja, weil Farrah jetzt da steht.
Jetzt spielst du die liebe Mutter,
die du eigentlich gar nicht bist.
Weil du denkst, das ist es, was das Publikum sehen will.
(Milena) Ah, verdammt.
Dann hau doch endlich ab.
Du blöde, bescheuerte, beschissene Kuh,
die nur meckern kann.
Seit 17 Jahren meckerst du mich an
und nimmst nichts zur Kenntnis, was man für dich tut.
Du hast überhaupt keine Ahnung, wie schwer es war, dich großzuziehen
und dieses ständige Genöle auszuhalten
und immer ausdauernd und liebevoll
und geduldig dagegen zu halten.
Und trotzdem hast du immer weiter gemeckert und gemeckert
und gemeckert.
Ist ja so süß, die kleine freche Frieda.
Immer dagegen, immer provozieren, ganz der Papa.
Von wegen! Schon mal darüber nachgedacht, warum ich die ganze Zeit Streit suche?
Ich kann's kaum erwarten, dass du deinen faulen Hintern
aus dem Haus herausschiebst und nicht wieder kommst!
- ...wichtiger als deine Tochter. - Dann wird dieser elende
negative Dauerschiss, den du seit deiner Geburt auf mich abfeuerst, ein Ende haben!
Dann kannst du dich ja weiter mit deinem Papi treffen,
mit dem du dich so viel besser verstehst als mit mir,
obwohl er sich einen Scheiß um dich gekümmert hat, als du klein warst!
Ich hab dich nächtelang durch die Wohnung getragen, jahrelang!
Ich hab dir die Windeln gewechselt,
weil du noch mit fünf zu faul warst, aufs Klo zu gehen.
Ich hab die Schularbeiten mit dir gemacht, die du nie, nie, nie machen wolltest! Ich!
Das ist dir doch das Wichtigste: Performance, Performance, Performance!
(kreischt)
(kreischt)
(dumpferes Kreischen)
(Computer piept)
(stampfende Schritte)
(Tür knallt zu)
(Schritte entfernen sich)
Und was ist dabei rausgekommen?
Dass du nix über mich weißt und nix an mir verstehst.
(atmet stockend ein und schnaubt)
Nicht mal, dass ich gerade ein Kind abgetrieben hab, weißt du.
(Tür knallt zu)
(ungläubig) Was?
(Tür quietscht)
(ruhige, verträumte Klänge)
(lange, mystische Streicherklänge)
(Luftbrausen)
(schnauft verblüfft)
(dunkle Klavierklänge setzen ein)
(Luftbrausen)
(Musik schwillt an)
(Musik wird aufgeweckter)
(Luftbrausen)
(er schreckt auf)
(lacht überwältigt)
(Luftbrausen)
(Musik baut sich dramatisch auf)
(zügige Trommelschläge)
(Plätschern)
(Wasserrauschen)
(elektronische, drollige Klänge)
(kurzes Donnergrollen)
(Musik wird dynamischer) (sphärische, zischende Klänge setzen ein)
(Musik klingt langsam aus)
Wir haben versucht, das Reaktive all dieser Denkfiguren loszuwerden
und unsere Fantasie nicht darauf zu lenken,
wie wir zukünftiges Leben besser bedienen, sondern, wie wir es neu erfinden können.
Tim?
Wir reden hier von den sogenannten Arbeitsbedingungen.
In der neuen Zukunft sind Leben und Arbeiten integral.
Weil du ermächtigt bist, deinen Arbeitsraum zu kreieren, variieren und interpretieren.
Und weil du weißt, was es braucht, dich in das Ganze produktiv einzufügen,
ohne dahinter zu verschwinden.
Arbeit als Identitätsstifter wird abgeschafft.
Und unser vielfältiges Tun wird Bestandteil eines schwarmintelligenten Daseins.
Wir ist der Schwarm.
Du warst gut heute.
Wie meistens.
Du auch.
- Wie selten. - (sie lacht sanft)
Was machen wir mit dem angefangenen Abend?
Es ist elf.
Ja eben.
Ich bring dich nach Hause?
Ja, ist doch schon mal was.
(rhythmische rockige Musik)
Kleines Wettrennen?
Da lang.
(Männer) Es ist rot!
(Tim brüllt)
(sie ächzt)
(sie schreckt auf und lacht)
(sie quiekt) Oh Mann, nein!
(Sirene)
- Oh, nee. - Oh, nee.
Bitte nicht.
Guten Abend, die Herrschaften.
"Herrschaften" sagt sich so schnell, aber wir sind ein Herr und eine Dame.
(schnaubt) Herrlich dämlicher Spruch.
Wir brauchen keine Nachhilfe in Geschlechterkunde.
Sie brauchen welche, im Beachten der Straßenverkehrsordnung.
- Ah ja? - Die Ampel war nicht mal mehr kirschgrün.
Nee, einfach nur rot.
Ja, und jetzt?
120 Euro Verwarnungsgeld und ein Punkt im Register.
Das ist nicht Ihr Ernst.
Nicht meiner, aber seiner.
Sie mag, wenn's sich reimt, besonders beim Gendern.
Das finden wir jetzt aber nicht so angemessen, oder?
Dann hätt ich jetzt gerne Ihre Ausweispapiere.
- Hey, Mann, stopp! - Moment!
(wiederholtes Hupen)
(Motor heult auf)
(Sirene)
(dramatisch aufsteigende Trompetenklänge)
(Donnergrollen)
(Sirene)
(Bremsen quietschen)
(Musik steigert sich)
(beide kichern)
(Musik verklingt)
Hier wohnst du?
Ja, da.
Komm.
Warte mal.
Was ist?
Ja, es ist alles toll, was wir hier machen. Aber...
Weißt du, das ist eigentlich das, was mir in meiner Ehe so fehlt.
Hm.
Vielleicht ein Grund, woanders nicht drauf zu verzichten?
(lacht auf)
Ja, aber ich will's ja wieder hinkriegen.
Wegen der Liebe?
Wegen der Liebe.
Dann soll es so sein.
Nacht, Nacht.
(bedrückende Harfenmusik)
(Schlüssel klimpern)
(Schuhe quietschen)
Millie?
(Tür knarzt)
(atmet flach)
(schnaubt)
(Musik setzt sich fort)
(stöhnt sanft)
Millie?
(Musik endet)
(sie murrt kurz)
Nein.
Was ist denn?
Es muss alles anders werden.
Ja, ich steh für Erneuerung.
Tim.
Ich kann nicht mehr.
Ich kann immer.
Nicht jetzt Witze machen, bitte.
Ich möchte endlich hinkriegen...
dass wir...
(sanfte, angespannte Klänge)
(atmet nervös)
(singende Flötentöne)
(sphärisches Zischen)
Nee, nee, nee.
Du bleibst jetzt hier.
Du kannst doch nicht immer davonlaufen.
Jeden noch so abgefuckten Business-Fuzzi seifst du ein.
Du hältst den unsympathischsten Typen die aberwitzigsten Vorträge,
um ihnen dein Produkt anzudrehen.
Aber wenn deine Frau mit dir über die für dich vielleicht läppischen,
für sie aber existenziellen Probleme ihres Alltags reden will,
der unser Alltag ist und damit auch deiner,
nur zur Erinnerung, dann haust du ab.
Das ist dir zu viel, ne? Bloß nicht vor der eigenen Pipi-Tür kehren.
Dafür reicht dann nicht die smarte Superrhetorik.
Die geht nämlich schön Gassi, wenn's ums Eingemachte geht!
Aber wenn du mal was brauchst, ne?
Wenn du mal so bedürftig bist,
dann muss alles sofort, sofort passieren!
Schnell, schnell, Konsum, Konsum, Liebe, Liebe, Liebe!
Bedienen, bedienen, bedienen! Da muss ich das sofort können und erfüllen!
(überspitzt) Ja!
Sonst wird sie angeschmissen, die Beschwerdemaschine.
Von morgens bis abends beschwerst du dich
über zu wenig hiervon, zu wenig davon,
zu wenig Kuschelchen, zu wenig Nähe, zu wenig Geborgenheit!
Ich bin nicht deine Mutti, Mann!
Bleib stehen!
Bleib stehen!
(lauter Aufprall)
(schnauft kurz)
- (er ächzt) - (sie kichert)
Ja, das macht dir Spaß, hä?
Weil Klein-Milena was geschnallt hat, endlich.
Welcher Groschen ist da jetzt gefallen?
Dass du von deiner Arbeit total überfordert bist?
Dass du eigentlich eine aufopferungsvolle Mutter sein wolltest
und dann plötzlich alles nicht konntest?
Dass deinen Kindern ihre Eltern vollkommen egal sind?
Dass du deinen Mann seit 17 Jahren behandelst, als wär's dein öder Halbbruder,
der zwar Kohle ranschleppt, aber sonst nichts zu bieten hat.
Den man mitschleift, wenn man als Paar gut aussehen will,
aber nicht mitnimmt auf die Reisen ins Ungewisse,
weil man die alle immer und unbedingt alleine machen muss,
selbstermächtigungs- und emanzipationsbedingt.
Und vor allem, weil der erste und letzte feministische Gedanke
am Ende doch ein rein egozentrischer ist.
In deiner Welt ist Feminismus einfach nur das Abo auf die Vollgas, supernarzisstische
your own personal fucking Milena-Selbstfindungs-ich-meins-meiner-
meine-meine-meine-ich-ich-ich-ich-ich- und-tausendmal-nur-ich-Abfahrt!
(Nachbarin) Sag mal, tickt ihr noch ganz richtig?
Geht ficken,
mit Angucken,
dann ist Ruhe.
(Tür fällt laut zu)
(Schritte entfernen sich)
(Regenprasseln)
(kühle, ambientale Klänge)
(heller Gesang harmoniert mit Klängen)
(ambientale Klänge werden dramatischer)
(Türsurren)
Was?
(atmet zittrig)
(schluchzt)
Hallo, Tim? Hier ist Farrah.
(elektronisch pulsierende Klänge)
Ja, sie ist hier, du musst dir keine Sorgen machen.
Ja?
Ja, wenn du willst.
Ich kann jetzt nicht so weit weggehen.
Aber...
gleich um die Ecke gibt es einen Späti.
(Tim) Man fällt immer wieder in die gleichen Muster, also wir.
(seufzt) Dabei machen wir ja sogar Therapie und alles.
Es ist so mühsam.
Ich weiß auch nicht.
Das ist ein wirklich großes Durcheinander.
Du musst es sortieren.
Was ist jetzt, bist du Putzfrau oder Therapeutin?
Also, irgendwie ist alles anders bei uns zu Hause, seit du da bist.
Ich glaube, es hat nicht so viel mit mir zu tun.
Ihr seid alle an einem Punkt, an dem sich etwas ändern muss.
Etwas Grundsätzliches.
Du auch.
Ihr seid euch fremd geworden.
Aber ihr habt Angst, über die Gründe zu sprechen.
Vielleicht, weil ihr sie selbst noch nicht ganz verstanden habt?
Schlaumeier.
(schnaubt) Bitte?
Ja, es mag ja alles sein, aber...
Was schlägt du vor?
(Farrah) Das ist eine Schnellfrequenz-LED-Lampe,
die von einem österreichischen Psychologen
und einem deutschen Neurologen entwickelt wurde.
Wenn du dich entspannst, die Augen schließt und dich von ihr anstrahlen lässt,
dringt das flackernde Licht durch deine Augenlieder auf die Netzhaut
und löst neuronale Impulse in deine Synapsenstruktur aus.
Dadurch wird unter anderem eine Drüse an der Rückseite des Mittelhirns aktiviert,
deren Ausschüttungen der Mensch
besonders bei zwei Ereignissen in seinem Leben braucht.
Bei der Geburt und beim Sterben.
Was wird da ausgeschüttet?
Ein Cocktail aus Substanzen,
die entscheidende heißt DMT.
Das ist doch 'ne Droge.
Man kann das als Wirkstoff konsumieren, muss man aber nicht,
weil unser Körper die Substanz selbst ausschütten kann
und dabei auch noch angemessen dosiert.
Und was löst die Substanz aus?
Sie stärkt unsere Bereitschaft, loszulassen.
Sie gibt uns Gelegenheit, unser Leben mit gesundem Abstand zu betrachten.
Sie führt uns zurück zu unseren Grundzuständen.
Vertrauen.
Offenheit.
Liebe.
(schnaubt) Wow, sonst noch was?
Sie befähigt uns in Situationen,
die unser Vorstellungsvermögen überfordern, das Unbegreifliche erträglich zu machen.
Wie bei Nahtoderfahrungen?
Genau.
Es kann sein wie eine künstlich stimulierte Nahtoderfahrung.
Nur weil man da draufstarrt?
Die Augen bleiben geschlossen.
Schlaumeier.
(er schnaubt)
(kuriose ambientale Musik)
(atmet unruhig)
(nervöses Atmen)
(helle hüpfende Klänge setzen ein)
(atmet tief ein)
(Musik schwillt spannungsvoll an)
(Musik flacht ab) (helle verspielte Töne)
(Musik klingt langsam aus)
(dunkle, hüpfende Klänge)
(aufsteigende kuriose Klänge)
(Handy vibriert)
- Simone? - Millie, wo bist du denn?
(Verkehrslärm)
(Milena) Hallo.
In die Ministergärten, bitte.
(spannungsgeladene Musik)
- Ach, hallo, Frau Engels. - Es tut mir leid.
Ich komme nie zu spät, also wirklich nie, nie, nie.
Vielleicht haben Sie gewusst, dass es heute eine eher unerfreuliche Sitzung wird.
Warum?
Weil Ihr Antrag nicht angenommen wurde.
Was?
Ich dachte, das wäre nur noch 'ne Formalität.
Wir haben so viele Löcher zu stopfen.
Ja, und was heißt das jetzt?
Das heißt, dass wir die Förderung Ihrer Initiative einstellen.
(schnauft ungläubig)
Das ist das erfolgreichste Kulturprojekt der ganzen Region.
Das Programm, mit dem Sie sich so gern geschmückt haben.
Seit 15 Jahren produzieren wir mit hunderten von Kindern und Jugendlichen
richtig lustige und pädagogische Theaterstücke.
- Ich weiß. - Sie müssen ihr Leben überdenken.
Ihre Normen, ihre überkommenen Träume.
Ich weiß. Das Projekt ist einzigartig
und ich bewundere Ihre Ausdauer, aber ich verstehe nicht,
warum Sie nicht längst beim Auswärtigen Amt vorstellig geworden sind.
(Musik verklingt) (Donnergrollen)
(leise Unterhaltungen)
Morgen.
Tim.
Morgen, Sam.
Morgen.
Kommst du bitte mal kurz?
(auf Japanisch) Werfen Sie immer einen genauen Blick auf die Daten.
Das ist Michelle, das ist Chao.
(Tim) Freude.
Ja, was gibt's? Seid ihr die Neuen für die Herbstkampagne?
Nein.
Tim, Open Mind hat entschieden, dass deine Zeit bei der Firma beendet ist.
Michelle und Chao werden ab nächsten Monat deine Abteilung übernehmen.
Wir wünschen uns einen fließenden Übergang und bitten dich,
die beiden in die laufenden Kampagnen einzuführen.
(er gluckst kurz)
(lacht kurz) Was?
Du bist entlassen.
Wow.
(Schritte nähern sich)
Was machst du hier?
Du weichst mir aus.
- Nein. - Doch.
Ich weiß auch warum.
Wovon redest du? Was soll das?
Du willst nicht hingehen.
- Wohin? - Zu deiner Verabredung.
Nächste Woche. Dreamhack Convention.
Angst ist ein unfairer Konkurrent,
wenn du auf der Suche nach emotionaler Verbindung bist.
Deine Angst will dich nämlich ganz für sich allein haben.
Aber willst du auch allein mit deiner Angst bleiben?
(schnaubt kurz)
(hektisch klimpernde Musik)
(getragene Streichmusik setzt ein)
(Musik flacht ab)
(Türöffner surrt)
Hallo.
Familienrat?
Hallo.
- Hallo. - Hallo.
(Musik klingt langsam aus)
Ich wusste nicht, ob ihr kommt, wenn ich euch vorher sage,
dass ich euch an meinen Tisch setzen möchte.
Ich weiß nicht, wie's weitergeht.
Ich auch nicht.
Ich auch nicht.
Sehr gut.
Dann könnt ihr nun endlich anfangen, zu euch zurückzufinden.
Zu euch als Gruppe und als Familie.
Hier beginnt ein neues Kapitel,
in dem ihr euch alles sagt, was ihr bisher verschwiegen habt.
Und euch ohne Vorwurf,
ohne Taktik,
einander zeigt.
(Schritte entfernen sich)
(atmet tief ein)
Ich fang an.
(heller langanhaltender Klang)
(Tim) Okay.
Und ich lauf nicht wieder weg.
(gefühlvolle Streichmusik)
(Donnergrollen)
(unruhig pochende sphärische Klänge)
(Geschirr klirrt leise)
(unverständliche leise Gespräche)
(Tür öffnet sich)
(Tür schließt)
(Tim ächzt)
(Jon schnieft)
Hört zu.
Ihr müsst mir einen Gefallen tun.
Einen großen.
Ich brauche euch, für eine Sitzung mit dem Licht.
Eine Gruppensitzung.
Okay.
Am 26., also in einer Woche.
Hier?
Nein, bei euch.
Alle fünf?
(Farrah) Nein, Dio nicht.
Es ist sehr wichtig.
Ihr müsst es mir versprechen.
In Ordnung?
(alle) Ja.
Vorher müsst ihr ein paar Aufgaben erledigen.
Ich wünsche mir, dass ihr das Spiel kennenlernt,
mit dem Jon in die Champions League aufsteigen wird.
Das Videospiel?
VR, Mama!
(Farrah) Ja. Und ich wünsche mir,
dass ihr Frieda einmal begleitet,
wenn sie mit ihren Freunden durch die Nacht tanzt.
(Musik wird angespannter)
- (Milena) Hi. - H i.
(aufsteigende Streichmusik setzt ein)
(Musik setzt sich fort)
(elektronische, hüpfende setzen ein)
Ready?
(hektische elektronische Beats)
(sphärisches Dröhnen)
(Musik wird leiser und verklingt)
- Jolene? - Milena!
(lacht) Rate, wo ich bin.
Ich weiß nicht, wo bist du?
- Ich bin hier. - In Nairobi?
Warum hast du nichts gesagt?
Kannst du kommen und wir essen zusammen zu Abend?
Leider kann ich nicht!
Ich bin unterwegs mit meiner Tante und Freunden.
Können wir uns dann morgen treffen?
Ich muss dir etwas Wichtiges sagen.
Ich dir auch! Ich dir auch!
Lass uns um 9 Uhr am Kamkunji treffen.
- Ja gut. - Gute Nacht.
- Gute Nacht, Jolene. - (Jolene lacht)
- Und hab Spaß! - Tschüss.
(Jolene und ihre Freunde lachen)
(Gläser klimpern leise) (Verkehrsrauschen)
(seufzt)
(leise, unverständliche Gespräche)
(Milena atmet aus)
(auf Englisch) Überleg es dir.
Oh Gott.
(holt Luft)
(Godfrey lacht auf; auf Englisch) Milena, wusste gar nicht, dass du auch hier bist.
In Nairobi, meine ich.
Ja, ich bin...
öfter hier.
Ähm...
Hör zu, ich möchte...
Ich muss mal mit dir sprechen.
Etwas... ausführlicher.
(atmet schwer)
Gut.
(stößt Luft aus)
Worum geht es denn?
Dafür hätte ich gern etwas mehr Zeit.
Ich muss wieder zurück.
Hierher, nach Nairobi, und zwar dauerhaft.
Ich krieg einen viel besseren Job, bei der UNESCO.
Ich muss das machen.
Verstehe.
Und Dio?
Das weiß ich nicht.
Das wollte ich besprechen.
(lacht trocken) Nein, du willst mir sagen,
dass ich jetzt die volle Verantwortung übernehmen muss. Nicht wahr?
Er kann auch mit mir kommen. Aber dann reißen wir ihn aus seiner Welt.
Er liebt seine Schule, seine Freunde, er hat bessere Chancen.
Das weißt du alles.
Ich hab also gar keine Wahl, oder?
(seufzt)
Ich hab bisher keine Wahl gehabt.
Du hast unser Kind in Deutschland bekommen und erwartet,
dass wir uns gemeinsam um Dio kümmern. Also bin ich nach Berlin gezogen.
Ich habe meine Heimat verlassen, mein ganzes Leben, für Dio.
Und für dich.
Und seitdem stehe ich jede zweite Woche
wie ein Bittsteller vor dir,
der Frau, die mich loswerden will
und deinem Mann, der mich lächerlich findet.
(atmet scharf aus)
Aber er ist unser gemeinsames Kind.
Und nicht ein lästiges Ding, das ich angeschleppt habe.
Aber weißt du, selbst in einer komplizierten Situation wie dieser,
in der niemand wirklich schuld ist,
fühle ich mich immer als der, der Probleme macht
und du tust, als wärst du die, die sie lösen muss.
Ist doch so.
(seufzt ernüchtert)
Ich liebe Dio genauso wie du,
aber mein Leben in Berlin ist, von Dio abgesehen,
einsam und leer.
In Nairobi bin ich ein anderer Mensch,
lebendig, inspiriert,
sogar humorvoll.
Vielleicht sogar noch genau der, in den du dich mal verlieben konntest.
Aber wenn ich in Berlin bleibe, wird dieser Mensch in mir verschwinden.
Also müssen wir überlegen, was getan werden kann.
Schaffst du es, mit mir dieses schwierige Thema zu klären,
ohne dabei eine überhebliche, arrogante Haltung einzunehmen?
Jetzt bin ich die Kolonialtante?
Ich werde nicht zulassen, dass du mich überheblich oder arrogant nennst.
(lacht abschätzig)
Die Rechnung bitte.
(er schnauft ungläubig)
Ihr seid der Inbegriff der historischen Verbiegung.
Ihr produziert für euer Gewissen ständig gute Neuigkeiten,
aber letztendlich wollt ihr keine Begegnung auf Augenhöhe.
Ihr wisst gar nicht, was das heißt in Bezug auf diesen Kontinent.
Ihr habt es nie gelernt.
Als wär's Teil eurer DNA,
die seit Generationen immer fester
an falschen, ignoranten Prinzipien festhält.
Insofern ist das hier auch nicht wirklich ein Gespräch,
sondern einfach nur eine Bestätigung des Status Quo.
Das heißt, dass du erst gar keinen Dialog suchst oder willst.
Vielleicht schreiben wir uns besser.
Oder du überlässt es deinen Anwälten.
(zaghafte, bedrückende Harfenmusik)
(dumpfe Verkehrsgeräusche)
(gedämpftes Hupen)
(gedämpftes Hupen)
(Motorbrummen)
(Musik wird leiser)
(Straßenlärm)
- Wie geht es dir? - Gut! Und dir?
Naja.
Nicht so gut.
Na komm, erzähl. Was ist los?
(Auto hupt kurz)
Jolene, ich habe wirklich schlechte Neuigkeiten.
Wirklich? Ich hab ziemlich gute Neuigkeiten!
Sag nicht, du bist schwanger.
- (lacht) - Bist du's?
Nein, nein, nein.
- Wage es nicht! - (kichert)
Und was jetzt,
zuerst die guten oder schlechten Neuigkeiten?
Die schlechten vor den guten, damit die guten die schlechten heilen.
- Sie haben die Finanzierung gestrichen. - Wie bitte?
Meine Finanzierung.
Komplett.
Das macht meine Neuigkeiten sogar noch besser!
Wie meinst du das?
Wir haben das ganze Geld verloren!
Ich werde den Bau des Theaters nicht finanzieren können.
Milena! Das musst du nicht!
Wir haben einen Geldgeber gefunden! Hier, in Nairobi!
- Ihr... was? - Ja!
Ich habe doch schon eine Weile Networking betrieben.
Mit einem Club von Jungunternehmern, die in coole Projekte investieren.
Und ich habe eine Frau gefunden,
die eine App-Entwicklungsfirma leitet.
Und rate mal was.
Sie hat gerade 80 000 Dollar überwiesen.
80 000?
Was?
- Wann? - Vor zwei Tagen!
Als du letzte Nacht anriefst, beschlossen wir deshalb,
dass wir dich ein bisschen überraschen können...
mit einer Einweihungsparty!
(alle jubeln)
Hey!
Leute, was macht ihr hier?
- Hey. - Hey.
(alle reden ausgelassen durcheinander)
H i!
(fröhliches Durcheinander)
(Jolene auf Kiswahili) Begrüßt bitte unsere Freundin!
(alle nacheinander) Hi!
(lachend) Hi!
(ruft auf Englisch) Kommt her, lasst uns was trinken!
(alle jubeln und klatschen)
(Jubelrufe)
(Freudengesang auf Kiswahili)
(alle singen und jubeln)
(leises rhythmisches Trommeln)
(Milena auf Englisch) Gut.
Los.
(alle) Uh...
(alle rufen auf Kiswahili)
(lacht zufrieden)
Gut.
(hoffnungsvolle Flötenklänge) (alle lachen ausgelassen)
(Flugzeugdröhnen)
(unverständliches Stimmengewirr)
(Tim) Und wie war's?
Ich muss jetzt erstmal nicht mehr nach Nairobi reisen.
Echt? Warum nicht?
Weil die mich nicht mehr brauchen.
Ist das nur unerfreulich oder auch ein bisschen das Gegenteil?
(sie schnaubt kurz)
Wie lief's bei dir?
Da gab's neun Konkurrent*innen,
alle entweder PoC,
Frauen, queer, Männer Anfang 30.
Zu solchen Vorstellungsgesprächen muss ich gar nicht mehr hingehen.
Wieso nicht?
Keine Chance.
Zu Recht.
(verspielte elektronische Musik)
(schräge hohe Klänge)
(rhythmisches Pochen setzt ein)
Wenn du jetzt schräg durchläufst...
(Milena) Und wie kann ich mich bewegen?
Zurück zum Greifen und dann...
- Zuerst müssen sie die Elemente sammeln. - Ah.
(sie lacht)
(Jon) Und jetzt beide vorwärts.
- (Milena) So? - (Jon) Ja.
(erfreut) Oh.
Du spielst zurück.
(Jubelrufe)
(Musik wird lauter)
(ausgelassenes Gejubel)
(Musik wird heller)
Ich hole sie in zwei Tagen wieder ab, ja?
Ja, das reicht. Vielen, vielen Dank.
(Musik setzt sich fort)
(atmet aufgeregt aus)
(Musik klingt hallend aus)
(sanftes Regenprasseln)
Ich habe die Leuchten für euch eingestellt,
damit ich sie alle gleichzeitig anmachen kann.
Farrah, was machen wir in dieser Sitzung?
Worum geht es?
(Farrah holt tief Luft)
Ich möchte, dass ihr mir ganz und gar vertraut.
Und euch fallen lasst.
Zuerst müssen wir das da trinken.
Was ist das eigentlich?
Bereit?
(leises Surren)
(dumpfe mystische Klänge)
(Bittgesang auf Arabisch)
(Farrah singt weiter)
(unheilvolle, kühle Klänge)
(Lehrerin spricht unverständlich)
(Farrah singt weiter)
(Bittgesang endet)
(spannungsgeladene Musik) (Donnergrollen)
(Donnergrollen und Regenprasseln)
(Lehrerin) Und ihr seht bei Aufgabe B,
soll man sich angucken, den Mader und das Wildschwein...
(Tür quietscht)
(Tür fällt laut zu)
(Tür öffnet sich laut)
(Tür fällt laut zu)
Guten Tag.
- Hallo. - (leise) Guten Tag.
(auf Arabisch) Was soll das? Wer sind diese Leute?
(Wind säuselt)
(Windsäuseln verstärkt sich)
Farrah?
Sag doch mal was.
Was machen wir hier?
(sie atmet nervös)
(auf Arabisch) Es ist soweit.
- Nein, nein... - Doch.
Sie sind unser Geleit.
(Musik steigert sich spannungsvoll)
(dumpfes Beben)
(dumpfes Dröhnen)
(lautes Bersten)
(versetztes Bersten)
Farrah!
(auf Deutsch) Ihr wisst, was zu tun ist.
(lautes Grollen)
(beklemmende Streicherklänge)
(Wasserrauschen verklingt) (Wasser blubbert)
(dumpfe bedrohliche Klänge)
(aufsteigende Streicher)
(Wasser gluckert)
(rasch aufsteigendes Rauschen)
(Farrah atmet schwer)
(Stille)
(schweres Atmen) (Baby weint)
(Donnergrollen)
(Stille)
(schweres Husten) (leise Unterhaltungen)
(dumpfes metallisches Knarzen)
(Stille)
(auf Arabisch) Was haben wir uns angetan?
Was? Oh Gott...
Warum?
(lautes Husten)
(gepresstes Husten) (Frau jammert leise)
(Stille)
(Baby kreischt) (Wind pfeift)
(lautes Grollen)
(Mann würgt und übergibt sich)
(Baby kreischt weiter)
Was ist los?
Ich muss mal hier raus.
Komm schnell wieder.
(Stille)
(auf Arabisch) Was willst du?
(Mann schimpft) (Wind pfeift)
(chaotisches Stimmengewirr)
(Husten und Würgen)
(sie atmet schwer)
(sie würgt angestrengt)
(Mann auf Arabisch) Bist du verrückt? Willst du dich umbringen?
(lauter Knall) (Angstschreie)
(metallisches Krachen) (panisches Durcheinander)
(Aufprall) (Schreie)
(Stille)
(ächzt schmerzerfüllt)
(hysterisches Durcheinander)
(metallisches Krachen)
(lautes Poltern)
(panische Schreie)
(Metallkette rasselt)
Hilf uns! Mach auf!
(Farrah ächzt laut)
Karim!
Alia, Bader!
Mama!
(schreit unverständlich)
(Alia) Mama! Mama!
(Stille)
(dumpfes metallisches Knarzen)
(metallisches Rattern)
(unverständliche Zurufe)
Lass uns hier raus!
Komm nach oben, schnell!
(unverständliche Schreie)
(Schreie verstummen)
(dumpfes metallisches Rattern)
(Blubbern) (dumpfer Schrei)
(Stille)
(leises Gluckern)
(stumm)
(Stille)
(leises dumpfes Gluckern)
(spannungsvoll zuckende Streichmusik)
(dumpfes Zischen)
(Grollen)
(Musik schwillt gefühlvoll an)
(zaghafte Harfenklänge setzen ein)
(Musik baut sich allmählich auf)
(Musik wird hoffnungsvoller)
(Musik wird dramatischer)
(beunruhigende, dunkle Klänge)
Mama?
(unheilvolle schrille Klänge)
(unverständliche dumpfe Rufe)
(Farrah kreischt dumpf)
(unheilvolle Klänge steigern sich) (hektisches Pochen)
(gedämpfter Schrei)
(langer lauter Schrei)
(elektrisches Zischen)
(Schrei wird gequälter)
(Schrei verstummt)
(panischer Schrei) (Klänge steigern sich dramatisch)
(Schrei und Musik brechen ab)
(hektisches schnelles Atmen)
("Bohemian Rhapsody" setzt ein)
So you think you can stone me And spit in my eye?
(Musik spielt gedämpft im Hintergrund)
(Musik verklingt)
So you think...
(Melina und Farrah ringen nach Luft)
Oh...
Can't do this to me, baby
(leiser) Just gotta get out Just gotta get right outta here
(alle husten)
(Musik setzt sich leise fort)
Ooh
Ooh, yeah
Ooh, yeah
It's everything that matters
Anyone can see
It's everything that matters
It's everything that matters
To me
Anywhere the wind blows
(Musik verklingt mit einem Gong)
(Bittgesang auf Arabisch)
(schnelle singende Harfenklänge)
Untertitel: Anna Langenreither u.a. Eurotape 2025
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