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Die Kunst des Verlierens studiert man täglich.

So vieles scheint bloß geschaffen, um verloren zu gehen

und so ist sein Verlust nicht unerträglich.

Verliere etwas, Tag für Tag.

Akzeptier’ den Aufruhr um verlorene Schlüssel,

um die falsch verbrachte Stunde.

Die Kunst des Verlierens studiert man täglich.

Zwei Verse?

Es wirkt unvollständig.

Beobachtungen in Zeilen gepresst.

Das Gedicht endet genau da, wo es eigentlich an Kraft zunehmen sollte.

Es tut mir leid.

Nein. Nein, du hast Recht, Cal.

Ich bin erschöpft.

Ich mache eine Reise.

Die geographische Heilung.

Fantastisch, nur dass man sich selbst nicht entkommt.

Nun, wir werden sehen.

Fremde Länder... Hier komme ich einfach nicht weiter.

Und ich komme hier nicht weiter.

Ich kann mir das Leben nicht vorstellen

ohne deine wöchentlichen Angriffe auf meine Gedichte und meine Tugend.

Tugend? Das ist gut. Wirklich gut.

Gehen wir.

Hör zu, Lowell.

Sollte mir etwas zustoßen, während ich weg bin,

dann schreibst du meine Grabrede.

Und du musst darin sagen,

ich war der einsamste Mensch, der jemals lebte.

Um Himmels Willen, Elizabeth,

warum um alles in der Welt sagst du so etwas?

Ach, weißt du, Cal...

Nur ein flüchtiges Abgleiten in melancholische

Dramatik vor der ersten Libation des Tages.

- Plaza? - Sicher.

Haben wir den Äquator bereits überquert?

In etwa einer Minute ist es soweit. Ich läute die Glocke.

- Vielen Dank. - Gerne.

- Haben wir es verpasst? - Ich befürchte, ja.

Aber viel gab es nicht zu versäumen, nur ein leichter Schubs.

Wie sind wir so schnell hierher gelangt?

Geradezu unziemlich, diese Hast...

Danke.

BERUF:...

DICHTERIN

Siehst du sie?

Da ist sie.

Elizabeth Bishop! Willkommen in Brasilien.

- Danke. - Elizabeth.

Wie geht es dir, Mary?

Noch nie besser.

Der Verkehr war grauenhaft.

Wir dachten, wir verpassen dich.

Lota ist gefahren wie eine Wahnsinnige.

Na los, gehen wir, Ladies!

Willkommen in Samambaia.

- Joaninha! - Hallo.

Das ist die amerikanische Dichterin Elizabeth Bishop.

Das ist Joaninha, mein schützender Engel, meine schwarze Schwester.

Willkommen!

- Miss... - Elizabeth.

Willkommen in unserem Heim.

- Sie heißt dich willkommen. - Danke.

Es heißt: "Obrigada".

Obrigada.

Entschuldigt mich.

- Hallo, Jungs, wie geht es voran? - Hallo, Dona Lota.

Das ist das neue Haus, das Lota für uns baut.

Ohne mich seid ihr so verloren wie ein Furz in einer Reithose!

Ganz anders als in Vassar, was?

Sieht ganz danach aus.

Wie geht es deinen Eltern?

Wir reden nicht miteinander.

Was ist denn passiert?

Ich lebe mit einer Frau zusammen.

Sie wissen es?

Sie haben es herausgefunden.

Für sie bin ich gestorben.

Das tut mir leid.

Das ist jetzt mein Zuhause.

Das ist ein Maria Leontina.

Lotas Lieblings-Malerin.

Wie ist es hier?

In Rio sind wir diskret.

Aber hier oben stört uns kaum jemand.

Ich denke, es liegt jenseits ihrer Vorstellungskraft. - Meiner auch...

Oh, nein. Nein, nein. Nein, Sie müssen das nicht machen!

Mary...

Nein, Joana, das musst du nicht machen.

Sie macht das lieber selbst.

Danke.

Du tanzt noch?

Ich trainiere noch.

Scheint dich sehr gut in Form zu halten.

Oh Elizabeth, bitte.

Jedenfalls... Das gehört alles dir.

Das Zimmer meine ich.

Mary! Na los, gehen wir rauf!

Das bin ich!

Ich habe es entworfen, ganz allein. Jeden einzelnen Zentimeter.

Siehst du die Steine? Ich habe das Moos dran gelassen.

Ist es dir aufgefallen? Der Verlauf der Decke

folgt dem Lauf der Berge.

War sicher eine Menge Arbeit.

Es war eine Menge Spaß, Elizabeth.

Es ist, als wäre man im Freien, findest du nicht?

Was für ein bezaubernder Kater.

Hat er einen Namen?

Nein, er ist nur ein Streuner.

- Was hat sie für ein Problem? - Gar keins.

Gar keins.

Komm her, ich möchte dir etwas zeigen.

Also, das ist wunderbar!

Sieht aus wie eine moderne Skulptur. Du solltest es genau so lassen!

Es soll genau so sein.

Es ist nur für drei Tage.

So lange wirst du es doch mit einer alten Freundin von mir aushalten.

Zählt heute schon als Tag eins?

Wie nah wart ihr euch auf dem College?

Wir waren beide sehr beschäftigt damit, uns zu verstellen,

während wir uns zueinander hingezogen fühlten.

Oder wir dachten zumindest, die jeweils andere sei es.

Nun, das beantwortet die Frage kein bisschen.

Nein. Wir haben’s nicht getan.

Aber es fehlte nicht viel.

Sie ist so blasiert.

Sie ist hochnäsig und abweisend.

Sie ist schüchtern.

Brillant.

Hintergründig humorvoll.

Gefährlich.

Gefährlich?

Da war dieser Junge... Er war verrückt nach ihr.

Ich weiß nicht, was sie ihm angetan hat.

Aber er schickte ihr eine Postkarte, auf der stand:

"Fahr zur Hölle, Elizabeth!"

Mein Gott, ich bin tief beeindruckt!

Und dann hat er sich umgebracht.

Gibst du mir bitte den Reis?

- Darf ich? - Nein...

Aber das ist ein sehr guter Bordeaux. - Nicht heute, danke.

Möchtest du vielleicht Wasser, Elizabeth?

Kann man das Wasser hier denn trinken?

Oh ja, es stammt aus unserer Quelle.

- Und ist es Mineralwasser? - Nein, es ist Frischwasser.

Carlos, bitte.

Das ist Farofa. Typisch brasilianisches Essen. Köstlich.

- Bon Appetit. - Bon Appetit.

Hey. Sie schieben das Beste ja weg.

Ich bin allergisch gegen Nüsse.

Das könnte ein Problem werden in Brasilien.

Und Rio? Gefällt es Ihnen?

Nun, ich habe nicht viel davon gesehen, aber es

erschien mir ein wenig wie eine Mischung aus Mexico City und Miami.

Ein Toast!

Auf das Einstandsessen

im außergewöhnlichsten Haus von Petropolis.

Niemand außer dir hätte das geschafft, Lota!

Prost!

Nein, nein, nein! Tu das nicht!

Kein Anstoßen mit Wasser! Das bringt Unglück!

Prost!

Glaubt mir, es bringt mehr Unglück, wenn es kein Wasser ist...

Es ist so friedlich an der Decke.

Es ist der Place de la Concorde.

Der kleine Kristallleuchter ist erloschen.

Der Brunnen liegt in Dunkelheit, keine Menschenseele ist im Park.

Ich kann nicht glauben, dass Sie das kennen.

Ich mag ein Politiker sein, aber das heißt nicht,

ich könnte Poesie nicht ebenso lieben wie die Macht.

Wir müssen unter die Tapete gehen,

um den Insekten-Gladiator zu sehen,

wie er kämpft mit Netz und Dreizack...

Aber ich habe vergessen, wie es endet.

Bitte.

Nein, ich kann nicht.

- Bitte, Miss Bishop. - Ich bedaure, aber ich kann nicht.

Und den Brunnen und den Platz verlassen,

ach, könnten wir doch dort oben schlafen.

Bravo!

Danke.

Entschuldige.

Warum hast du dein Gedicht nicht beendet, als Carlos dich darum bat?

Er hat dich bewundert. Das war unhöflich.

- Ich bin keine Darstellerin. - Nein.

Du bist gebieterisch und abgehoben.

Und trinkst guten Whisky, wenn du allein bist.

Es tut mir leid...

Schön...

Nicht jeder kann so stolz auf seine Arbeit sein, wie du es bist!

Nein, wirklich, ich finde es so bewundernswert:

"Ich habe es alles selbst gestaltet, jeden Zentimeter davon."

Und ich?

Ich höre eins meiner Gedichte und fühle mich beschämt.

"Beobachtungen in Zeilen gepresst."

Wunderschöne Beobachtungen, festgehalten in perfekten Zeilen.

Deshalb sollte man Autoren wohl lieber nicht begegnen.

Gute Nacht, seltsame Frau.

Was hat sie gesagt?

Sie hat sich entschuldigt.

Und was hast du gesagt?

Vielleicht habe ich ein wenig vorschnell geurteilt.

Wie du selbst sagtest... Sie ist wirklich schüchtern.

Also eine Versöhnungskuss-Situation...

So was in der Art. Nur ohne den Kuss. Gute Nacht.

Gute Nacht.

Guten Morgen.

Ich denke, ich sollte ein bisschen was von Rio sehen,

bevor mein Schiff ablegt. - Wieso denn das?

Ich meine, du hattest recht.

Rio ist auch nur eine weitere schäbige Stadt

voller schwitzender Cucarachas.

Ich fahre dich.

Wohnen kannst du in unserem Appartement an der Copacabana.

Ich zeige dir Rio.

Nein. Danke. Ich denke, es ist das Beste,

wenn ich mir ein Hotel bei den Docks nehme.

Unsinn. Setz dich und frühstücke erst einmal.

Warum bleibst du nicht eine Weile hier?

Nimm das nächste Schiff. Das würde dir gut tun.

- Lota... - Was?

Nein. Danke. Es ist alles geplant.

Tja, sehen wir, wie du dich nach dem Frühstück fühlst.

Ich fahre dich.

Danke.

Lota.

Oh, Mary, was?

Oh mein Gott.

Willst du wirklich Capoeira tanzen? Wirklich?

Ich zeig dir den Capoeira!

Himmel, was habe ich getan?

Sie hätte sterben können.

Da sie eine Ausländerin ist, füllen Sie bitte dieses Formular aus.

Willst du mich immer noch küssen?

Auf gar keinen Fall. Du siehst aus wie ein tollwütiger Kürbis.

Tja, du wirst hierbleiben müssen über Nacht.

Und dann noch ein paar Tage bei uns.

Ich bleibe bei ihr.

Okay.

Sind auch Kaschufrüchte dabei?

Nein.

Das funktioniert nur einmal.

Guter Trick.

War ja auch mein Trick, minha flor.

"Minha flor", was bedeutet das?

Wortwörtlich "meine Blume". Aber es bedeutet "Schätzchen",

"Süße",

"Liebling".

Danke.

Ist die von Calder?

Wirklich gut. Ja, ist sie.

Schau mal, wen ich dir hier bringe.

Danke, Mary.

Nun...

Das nächste Schiff legt erst wieder in drei Wochen ab.

Also leb dich ein.

Was bedeutet "Abaixo o Govêrno"?

"Abaixo".

"Abaixo".

"Abaixo o Govêrno": nieder mit der Regierung.

Bist du verwandt mit José Eduardo de Macedo Soares?

José Eduardo.

Er schlief mit meiner Mutter, neun Monate, bevor ich geboren wurde.

Zumindest hast du einen Vater.

Das ist fragwürdig.

Er wollte einen Sohn, er bekam mich.

Dann wollte er eine Tochter, die heiratet und ihm Enkelkinder schenkt.

Das bin ich auch nicht, also Ende der Geschichte.

Mein Vater starb, als ich acht Monate alt war.

Immerhin hattest du eine Mutter.

Nur bis ich fünf war.

Dann wurde sie in eine psychiatrische Klinik gebracht.

Ist sie noch am Leben?

Nein.

- Zeit für die Geschenke! - Geschenke!

Malus neue Kollektion.

Wenn es dir nicht gefällt, kann ich... - Nein!

Ich liebe es! Es ist exquisit.

Es tut mir leid, ich hatte keine Zeit, es einzupacken.

Es ist von einem unserer besten Dichter. Manoel Bandeira.

Es ist wunderbar. Danke, Carlos.

Wer weiß, vielleicht kehrst du eines Tages nach Brasilien zurück

und übersetzt es.

Danke.

Alles Gute.

Woher konntest du wissen, dass ich Racine liebe?

Wie könntest du das nicht?

Nun, mein Französisch ist nicht mehr, was es mal war.

Meins ist gut, ich übersetze es dir.

Und noch etwas.

Lota, die kann ich nicht annehmen. - Bitte.

Beleidige mich nicht.

Für deine Reise.

Die meisten Leute vergessen, ihre mitzunehmen, wenn sie reisen.

Danke, Mary.

Ich denke, das Geburtstagskind sollte einen Toast ausbringen.

- Nein, nein... - Nur ein Tröpfchen, keine Sorge.

- Eine Rede! - Eine Rede!

Eine Rede.

Ein Hoch auf den Felsen

gleich unter uns, der diesem Haus Halt gibt.

Und auf alles im Leben, das erscheint, als sei es unerreichbar,

aber doch nicht unmöglich ist.

Darauf trinke ich!

Zum Wohl!

Ich mag den Calder an dir.

Du hättest ihn behalten sollen.

Vielleicht mache ich das ja.

Ich möchte, dass du bleibst.

Und Mary?

Wir sind gute Freundinnen. Wir lieben einander.

Aber im Grunde genommen sind wir Zimmergenossinnen.

Weiß Mary, dass ihr "Zimmergenossinnen" seid?

Sicher weiß sie das.

Möglicherweise will sie es nicht zugeben.

Was ist das?

Eulen.

Ich werde gehen.

Ich fahre nach Hause, damit du das hier klären kannst.

Mary, dein Zuhause ist hier!

Dann schick sie weg!

Ich kann nicht.

Du kennst sie nicht! Sie macht alles kaputt!

So war sie schon auf dem College.

Lass uns ein Baby adoptieren.

Du kaufst mir ein Baby,

damit du eine Affäre mit einer anderen Frau haben kannst?

Das wolltest du doch immer!

Das ist die Lösung, die du mir anbietest? - Ja.

Das ist die Lösung, die du mir anbietest? - Hör auf!

Hör auf! Beruhige dich!

Hör auf damit!

Himmel...

Ist Mary einfach gegangen?

Ja.

Nach Rio.

Um darüber nachzudenken, was sie tun soll.

- Ich fühle mich schrecklich. - Weshalb?

Sie ist eine meiner ältesten Freundinnen!

Was für ein Leben kann man erwarten,

wenn man Freundschaft über Liebe stellt?

Eines, das sich nicht derart schnell verändert...

Komm her.

Komm her.

Ich bin so verliebt in dich, Elizabeth.

Ich sollte dich warnen, ich bin...

Wenn ich nicht gerade betrunken bin,

bin ich wirklich schüchtern.

Und hinzu kommt,

Liebe ist nichts, woran ich...

Dona Lota, Sie waren viel zu nahe!

Da hat’s eine Leitung erwischt.

Die muss repariert werden.

Und das hier wird dein Atelier.

Ich setze es genau dort oben auf dieses Plateau.

Deine Aussicht wird fantastisch sein.

Du sprengst einen Berg, damit ich eine bessere Aussicht habe?

Ist das Mindeste, was ich tun konnte.

Wo hast du Architektur studiert?

Ich wurde als Architektin geboren.

Ich nehme dein Angebot an.

Das freut mich wirklich, Mary.

Das Leben wäre nicht das gleiche ohne dich hier.

Komm schon!

Ich habe keine andere Wahl.

Natürlich hast du die. Aber das ist die beste Wahl.

Wir finden ein wunderschönes, kleines Mädchen,

wir ziehen es gemeinsam auf. Als Familie.

Nein. Du verstehst mich nicht.

Ich meinte, ich habe keine andere Wahl, als dich zu lieben.

Oh, Mary. Ich liebe dich auch, Mary.

Ich liebe dich auch.

Warte, warte, warte! Warte.

Siehst du, wie verbunden wir immer noch sind?

Vielleicht gehe ich besser zurück nach New York,

bis du und Mary wisst, was ihr wirklich wollt.

- Ich weiß, was ich will. - Ja.

Du willst einfach alles und jeden!

Ich will alles, was ich haben kann, natürlich.

Ich werde niemals eigene Kinder haben.

Und du willst, dass ich mich Konventionen unterwerfe

- oder der Eifersucht, was auch immer das ist -

und eine Frau verstoße, die ich geliebt habe,

die eine Familie für uns aufbauen will? Wieso?

Lota, ein Kind bleibt für immer.

Nein, wir sind für immer.

Wir sind für immer.

Du musst ein wenig Vertrauen haben.

Nicht alle Dinge sind so brüchig.

Brüchig?

Nicht alle Dinge zerschlagen sich oder zerbrechen.

Manche Dinge werden stärker.

Wie hast du gelernt, so gut Englisch zu sprechen?

Ich habe deine Gedichte gelesen, Liebes.

Wie denn sonst?

Komm her.

Gefällt es dir?

Nun, es ist nur noch eine Stadt voller schwitzender Cucarachas.

Vielleicht so?

Oder lieber so?

Ich denke, lieber weiter.

- Kürzer? - Nein. So ist es gut.

- Ja, gut so. - Du bist der Boss.

Trés, trés chic. Und sehr tropisch.

Ihr seht bezaubernd aus!

Bitte kommt mit.

- Zum Wohl! - Prost!

Danke.

Was?

Komm schon, was ist denn?

Was?

Was?

Es schaut doch überhaupt niemand.

Hey, Mr. Mario!

Kommt schon, lächelt in die Kamera.

Winkt mal!

Und jetzt dreht mich mal im Kreis!

Das ist toll!

Wir sollten gehen.

Siehst du?

Ich bin so froh, dass die Bäume noch da sind.

Deshalb musste ich den Berg wegsprengen.

In New York habe ich in einer dunklen Schachtel geschrieben.

Aber jetzt nicht mehr.

Jetzt hast du Sonnenlicht.

Von hier bis da hinten!

Komm herein, komm herein, meine Blume.

Es ist perfekt.

Es gehört allein dir.

Dann schreib ich lieber was Gutes.

- Ich bin sicher, das wirst du! - Danke.

Es ist himmlisch.

- Wie gefallen dir die Blumen? - Wirklich schön.

Irgendwelche Neuigkeiten wegen des Babys?

Joanna ist auf der Suche.

Okay.

Ein Brief. Von Robert Lowell.

Hat er nicht den Pulitzer-Preis gewonnen?

Ja.

Ich vermisse ihn schrecklich.

Wir trafen uns immer recht häufig,

damit er meine Arbeit in Stücke reißen konnte.

Und wo haben diese Treffen stattgefunden?

Nein.

So war das nicht, Lota...

Mein Gott...

Nein, wir trafen uns immer beim Bootsteich im Central Park.

Lustig.

Ich kenne diesen Bootsteich sehr gut.

Mein Vater ging mit mir dorthin, als ich jung war.

Du kennst doch mein kleines Boot? Es war ein Geschenk von ihm.

Aber er hatte auch ein richtiges. Wir gingen oft segeln.

Wie dem auch sei. Boote waren alles, was wir gemeinsam hatten.

Silber...

Silbern...

Silberne Sterne in deinem...

Sternschnuppen.

Die Sternschnuppen in deinem langen Haar.

Die Sternschnuppen in deinem schwarzen Haar.

Die Sternschnuppen in deinem schwarzen Haar sich sammeln,

in glitzernden Formen oder...

Schwarzes Haar sammelt sich,

so glatt, so weich.

Cookie!

Hast du weiße Haare entdeckt?

Wie kleine Sternschnuppen, rar und wunderschön.

Die Sternschnuppen in deinem schwarzen Haar,

in glitzernden Formen sammeln sich da...

Das war persönlich!

Du hast es in der Küche liegen lassen.

Nein, ich hab es in der Küche vergessen!

Wenn ich möchte, dass du etwas liest, dann zeige ich es dir.

Es war nicht fertig.

Ich liebe es.

Es ist umwerfend.

Mach das noch mal.

Mach das noch mal!

Ich denke, er sollte da drüben hin.

Nein, Cookie, weißt du nicht mehr? Er soll hierher.

So hast du mehr Bewegungsfreiheit, sobald du die Kartons aufmachst.

Hierher, Jungs. Der Schreibtisch kommt hierher.

In die Mitte. Nach links und noch weiter nach hinten.

Genau da. Perfekt!

Lass sehen...

Zufrieden?

Es ist ein schöner Tisch.

Danke, Dona Lota.

Bezahlen kannst du später, Miss Bishop.

Wir sind hier fertig.

Elizabeth.

Ist schon gut, ich bin nicht betrunken.

Ich weine nur auf Englisch.

Cookie.

Cookie!

Cookie getränkt in Alkohol.

Okay. Wir bringen dich zurück ins Haus, okay?

Mary! Nimm einen Arm, bitte!

Am liebsten reiße ich ihn gleich ab!

Ich sagte doch, ich vertrage nichts.

Wirklich? Wer hätte das nur gedacht?

Halt den Mund, Mary!

Du riechst gut.

Wie heißt diese Medizin noch mal, die einen abhält, zu trinken?

Antabuse?

Richtig.

Kann man das kaufen in diesem gottverlassenen Land hier?

Natürlich.

- Ich muss das wieder nehmen. - Ich denke auch.

Hab ich dir jemals erzählt, dass ich Babys hasse?

Ich hatte keine Ahnung.

Was für eine Schande, du wärst so eine gute Mutter.

Grässliche Dinger.

Und wer wirst du sein für dieses Baby?

Ich werde seine Grandma.

Grandma Lota. Und du wirst seine Grandma Cookie.

Grandma?

Nein.

Nein.

Ich werde sein Tantchen.

Angeheiratet.

Und ich werde Mom sein.

Okay.

Vielleicht ist das keine so gute Idee. - Doch, sicher!

Mama, sie sind da!

Joana, was, wenn sie ihre Meinung ändert?

Keine Sorge, das wird sie nicht.

Das ist einfach nicht richtig.

Wenn ihr das Mädchen nicht nehmt, geben sie es trotzdem weg.

Oder es verhungert hier. Ihr tut der Frau einen Gefallen.

Einen großen Gefallen.

Sei achtsam.

- Sie hat acht Kinder? - Ja, acht.

Und ich glaube, sie ist wieder schwanger.

Was für ein hübsches Mädchen.

Ich hoffe, das ist genug.

Danke.

Joana, bitte halte meine Börse.

Hallo.

Hallo!

Hilfe!

Hilfe!

Hilfe!

Hilfe!

Hilfe!

Hilfe!

Bleib stehen!

- Mom! - Was machst du denn hier?

Mom!

Mommy!

Mommy! Mommy!

Was für ein hübsches Mädchen!

Ihr Name ist Clara.

Clara. Ein schöner Name.

Bist du gut vorbereitet, Dindinha? Du wirst die Nächste sein.

Gerade noch davongekommen.

Schon gut, komm zu deiner Grandma.

Bleib ruhig, Liebes, Babys weinen nun mal.

Hey, meine Süße!

Carlos, du machst ihr ja Angst!

Gib mir die Flasche.

Gib mir die Flasche.

Scheiße nochmal, Cookie!

"In dieser verkehrten Welt, wo links immer rechts ist...

"Wo Schatten die wahren Körper sind und wir wach bleiben..."

Wo?

"Wo die Himmel flach sind und die See sich wölbt..."

...und du mich liebst.

"In dieser verkehrten Welt, wo links immer rechts ist,

wo Schatten die wahren Körper sind,

und wo wir wach bleiben die ganze Nacht."

"So stellen wir uns das Wissen vor:

dunkel, klar, strömend, unendlich frei.

Dem kalten, harten Schlund der Welt entrissen,

entfährt es auf ewig dem steinernen Busen,

fließend und fliehend."

Tu so, als würdest du auf einem wilden Fluss treiben

und hättest große Angst.

Hilfe! Jetzt zeig mal, wie du Angst hast!

Sehr gut!

Da ist ein Telegramm für dich gekommen.

Oh, du siehst aus wie ein Löwe!

- Ich bin gleich wieder da, okay? - Okay.

Mach es auf!

Nein, ich kann nicht, ich...

Telegramme bedeuten immer schlechte Nachrichten. - Her damit!

Nicht!

- Ich mach’s auf! - Nein! Liebling!

- Bitte! - Lass das!

- Nicht aufmachen! - Hör auf!

Schluss jetzt! Ich mache es auf.

- Cookie. - Was?

Du machst mir Angst.

Du hast den Pulitzer bekommen.

Für "North and South"!

Du hast den Pulitzer-Preis gewonnen!

Später, danke.

Miss Elizabeth Bishop, Botschafter James Clamenton

und seine Frau Mrs. Maridan.

Miss Bishop, es ist wirklich ein Privileg,

Sie heute Abend bei uns zu haben.

Vielen Dank. Es ist eine Ehre, hier zu sein.

Sollen wir?

Als ich aufs College ging und lange auf blieb,

wurde ich dafür bestraft, Bohème zu sein.

Hier in Brasilien bleiben alle lange wach.

Und Ihr bestes Bier trägt den Namen "Bohemian".

Ich habe mich mein Leben lang fremd gefühlt.

Hier in Brasilien bin ich eine Fremde.

Ich wurde jung zur Waise und fühlte mich immer heimatlos.

So weit entfernt von Amerika sollte ich mich noch fremder fühlen,

noch heimatloser.

Doch Sie behandeln mich wie eine Schwester.

Und ich habe mich niemals irgendwo mehr Zuhause gefühlt.

In meinem ganzen Leben nicht. Danke.

Jetzt hast du den Pulitzer.

Was erwartest du mehr vom Leben?

Den Nobelpreis für Literatur!

Was ist mit dir, Carlos? Was willst du?

Ich will Präsident werden. Präsident von Brasilien.

Nur von Brasilien?

Tatsächlich habe ich heute den ersten Schritt gemacht.

Wie denn das, Carlos?

Die UDN Partei hat mich gebeten,

ihr Gouverneurskandidat zu werden.

Und ich habe angenommen. Es wird morgen bekanntgegeben.

Ich hoffe, du gewinnst.

Danke!

- Trinken wir auf... - Trinken wir...

auf den zukünftigen Gouverneur des Staates Guanabara. - Cheers!

- Danke. - Aber sicher.

Carlos!

- José Eduardo. - Botschafter.

- Guten Abend, José Eduardo. - Entschuldigt mich.

- Entschuldigt einen Moment. - Angenehme Überraschung.

Miss Bishop.

Entschuldigen Sie mich.

José Eduardo. Es ist mir eine Ehre.

Danke.

Wusstest du, dass er auch kommt? - Natürlich nicht!

Mir gefiel "North and South" wirklich gut.

Nochmals vielen Dank.

Und ich bin außerdem so froh,

dass der Geschmack meiner Tochter

bezüglich Amerikanerinnen sich verbessert.

Du kannst froh sein, einen Vater zu haben!

Hör auf damit, Cookie, okay?

Das ist eben der Vater, den du hast.

Wenn du nicht aufhörst,

bekommst du noch diesen Korken ins Auge. - Nein!

Ja, ich mach das! Ich mach das! - Nein!

Das tat wirklich weh!

Das? Das war noch gar nichts.

Dann mach nur weiter. Zeig mir mehr...

Oh mein Gott!

Wenn das keine Party ist.

Ich habe noch nie mit einer Pulitzer-Preisträgerin geschlafen.

Ich glaube, ich hatte schon mehr als genug.

Einen kleinen Schluck. Nur wir beide...

Du hast schon mit der ganzen Stadt gefeiert... Ich bin dran.

Hallo?

Cal?

Cal, wer soll denn diesen Anruf bezahlen?

Ja, ja, das war heute Abend.

"Präzise Beobachtung, kombiniert mit frei fließender Imagination..."

Ich denk drüber nach.

Ist immerhin besser als "Beobachtungen in Zeilen gepresst".

Ja, das hast du! Doch, das hast du gesagt!

Hör auf, es zu bestreiten.

Das hat er? Er hat dich angerufen?

Lota!

Liebling.

Kannst du das glauben? Aldous Huxley liebt mein Buch!

Ich liebe dein Buch auch.

Ich habe ein Gedicht für dich geschrieben.

Möchtest du es hören?

"So nah, so nah, bleiben sich die Liebenden des Nachts.

Drehen sich gemeinsam während des Schlafs...

So nah wie zwei Seiten in einem Buch

lesen sie einander in der Dunkelheit.

Und jede weiß alles, was die andere weiß.

Auswendig gelernt, von Kopf bis Fuß."

Gefällt es dir?

Lota?

Ich liebe dich, Lota.

Stell dir vor, Carlos will, dass ich... - Entschuldige, Liebling,

ich bin mitten drin hier.

Lota!

Der New Yorker will, dass ich

regelmäßig Gedichte für sie schreibe.

Wow! Das ist fantastisch. Und bezahlen die auch richtig gut?

Ja, ja, es ist alles fabelhaft.

Also, wo liegt das Problem?

Ich weiß auch nicht.

- Es ist eine Verpflichtung. - Und so was magst du nicht.

Ich bin bereits dem Pessimismus verpflichtet.

Pessimisten werden niemals enttäuscht.

Tja, Carlos will, dass ich nach Rio komme

und ihm bei seiner Kampagne helfe.

Er will nur dein Geld.

Tut mir leid...

- Das war vollkommen überflüssig. - Und nicht wahr!

Nein. Nicht wahr.

HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH, GOUVERNEUR LACERDA

Meine Idee war, ein Gedicht zu schreiben

über eine meiner liebsten brasilianischen Redensarten.

Oh, das ist... Didinha, hör zu.

Also:

"Es ist wahr, du bist die Königin dunkler Kokosnuss-Plätzchen,

doch trotzdem steckt deine Kuh fest im Morast.

Du sagst mir, ich soll einen Zweig für dich brechen,

doch sitzt dabei selbst auf trockenem Fleisch!

Du hast ständig die Sardinen in deine Richtung gezogen

und doch an meiner Büchse gezerrt, als wärst du ein Glöckner!

Doch jetzt hat sich das Blatt gewendet und selbst der Urubu,

der vorbeifliegt, scheißt dir auf den Kopf.

Du selbst hast gesagt: 'Hat ein anderer Pfeffer im Auge,

ist das so süß erfrischend!' Also, dir helfen? Nein...

Amiga! Geh und kämm einen Affen!"

Ist alles in Ordnung?

Carlos, was hast du mit den Landstreifen neben der Straße vor?

Das weiß ich noch nicht.

Ich meine, ich habe einige Ideen, aber

ich habe noch nichts entschieden.

Warum machst du nicht einen Park daraus?

Bist du verrückt geworden?

Ich meine nicht einfach irgendeinen Park.

Nein, ich meine so etwas wie den Central Park.

Nein, Lota, das würde ein Vermögen kosten.

Wusstest du, dass mehr Schießpulver verwendet wurde,

um den Central Park zu schaffen,

als während des gesamten Bürgerkrieges?

Unmöglich.

Carlos, alles ist möglich, wenn man nur genug Arsch in der Hose hat!

Ich weiß, du erneuerst das Abwassersystem.

Aber daran wird sich kein Mensch erinnern!

Es ist nichts Sichtbares.

Schenke den Menschen einen wunderschönen Park.

Wo sie mit ihren Familien hingehen können.

Um zu spielen, sich zu entspannen, sie selbst zu sein.

Dann schreibst du Geschichte, wie du sie verdienst!

Hier. Such dir eine aus.

Ich glaube, ich mag die Blaue.

Ich auch.

Ist besser für ein Treffen mit dem Gouverneur.

Ihm gefallen meine Ideen! Und wir werden diesen Park bauen.

- Du bist umwerfend! - Ich weiß!

Ich bekomme die Verantwortung für alle kreativen Entscheidungen

und die Aufsicht über den gesamten Bau des Parks!

Ich freue mich so sehr für dich!

- Darauf müssen wir trinken. - Ja.

Ich werde Mary bitten, mit mir zusammenzuarbeiten.

Sie braucht das Geld und

ich brauche jemanden, dem ich vertraue.

Es ist da, Lota!

Großartig! Mary, hol bitte erst den von hinten raus!

- Den da hinten. - Nein, beide! Vorsicht damit.

- Vorsichtig! - Sie sind da drüben.

Danke.

Ein Teich für Modell-Boote? Bist du verrückt?

Wer kommt denn auf so eine Idee?

Genau darum geht es!

Es ist die Gelegenheit, den Menschen etwas Neues zu geben.

Anstatt dem ewig gleichen Fußballfeld-Mist.

Ich regiere nicht für mich oder meine Freunde, sondern für alle!

Unsinn! Du regierst nur für dich.

Du willst nur Präsident werden!

Lass uns nicht wegen Kleinigkeiten streiten.

Einverstanden! Bauen wir den Modelboot-Teich und Schluss!

Hallo, Elizabeth.

Ich grüße dich, Carlos, es ist schön, dich zu sehen. - Hey!

Hey, Cookie.

- Ist alles in Ordnung? - Ja.

- Mary. - Hallo, Elizabeth.

Ich habe etwas mitgebracht.

Oh. Danke. Danke, aber...

Mary hat sich bereits ums Mittagessen gekümmert.

Möchtest du nicht doch etwas essen?

Ich habe keinen Hunger.

Dann gehe ich jetzt schlafen.

- Gute Nacht. - Gute Nacht.

Ich verstehe diese Leute nicht.

Drei Gläser von Ihrem besten Cachaça, bitte.

Kommt sofort.

Möchte noch jemand?

Bitte gehen Sie durch den Park, wenn’s Ihnen nichts ausmacht.

Ich wohne 43. Straße und Madison Avenue.

Elizabeth!

Was ist denn passiert?

Der männliche Bizeps

führt mich zurück zum eisernen Griff der lesbischen Liebe...

Lass sie runter, ich kümmere mich jetzt um sie.

Darf ich vorstellen? Mein nubischer Prinz und Retter, Lota.

Ihn, der mich aus dem Fegefeuer der Langeweile rettete.

Danke.

Warte.

Langsam!

Na komm.

Vorsichtig.

Hallo, Tante Elizabeth!

Hallo, Schätzchen!

Wie war die Schule?

Ich hasse es, die Neue zu sein!

Nun, du wirst bald wieder in Samambaia sein.

Ich mag es nicht, wenn Mommy arbeitet.

Clara! Essen ist fertig. Komm, mein Engel.

Du musst jetzt zum Essen gehen.

Trinkst du wieder mal Whisky?

Ist sie eingeschlafen?

Ausgeknipst wie eine Lampe.

Hast du Clara gesagt, dass ich trinke?

Jeder weiß, dass du trinkst.

Clara nicht. Hast du es ihr gesagt? - Bitte, bitte, bitte!

Lasst uns nicht das Abendessen verderben.

Vielleicht hat sie nur etwas mitgehört.

Kinder haben große Ohren.

Sie hätte nichts hören dürfen.

Sie ist ein Kind und ich hab sie furchtbar gern.

Es wäre mir lieb, du würdest sie nicht gegen mich aufstacheln.

Ich bin besorgt,

weil meine Tochter unter dem gleichen Dach lebt

wie eine Trinkerin. - Mary, das reicht jetzt!

Gemäßigter“ Präsident tritt zurück, „Linker“ Vizepräsident übernimmt das Amt

Elitär!

Alles, was neu ist

oder was sie noch nicht kennen, nennen sie elitär!

DONA LOTA UND IHR ELITÄRER PARK

Dieses Land verdient dich nicht.

Vielleicht sollten wir Brasilien verlassen.

Die Leute reden ständig von einem Putsch...

Genau das brauchen wir!

Ich kann nicht glauben, dass du das sagst!

Dieser Präsident ist ein Desaster!

Selbst wenn! Er ist demokratisch gewählt worden.

Es muss ein geregeltes Verfahren geben.

Das ist das Verfahren, Elizabeth! Wir sind in Südamerika!

Willst du unter einem kommunistischen Regime leben?

Na?

Vielleicht wäre es gut, einmal Urlaub zu machen...

Wie kannst du mich nur derart erniedrigen? - Was?

Urlaub. Jetzt?

- Na ja, eigentlich dachte ich nur... - Warum auch nicht?

Immerhin schreibe ich ja auch keine großartige Poesie!

Ich bin ja nur eine glorifizierte Gärtnerin!

Ich lasse mein Land nicht im Stich. Oder meinen Park!

General Castelo Branco wurde zum

Übergangspräsidenten Brasiliens ernannt

und löst damit den gewählten Präsidenten Joao Goulart ab,

der heute Morgen in einem Militär-Putsch gestürzt wurde.

Der Putsch wurde durch fünf Gouverneure unterstützt,

unter ihnen Carlos Lacerda.

Joana?

Lota! Hast du es gehört? Geht es dir gut?

Mir geht es gut. Alles ist bestens.

Wo bist du?

Ich bin im Palast mit Carlos.

Im Palast?

Ja. Wir feiern.

Meine Damen und Herren,

die Gewinnerin des nationalen Buchpreises, Elizabeth Bishop.

Wie Tom Jobim sagt: "Brasilien ist nichts für Anfänger."

Wie kann jemand an einem Ort leben, wo Briefmarken ungeleimt sind,

Seife schmilzt, kaum dass man sie benutzen kann,

wo Flüsse zu schnell ins Meer fließen?

Ich wünschte, ich könnte sie verstehen,

diese unerträgliche Freude, die Brasilianer haben.

Diesen ständigen Drang, zu feiern.

Und dann diese Melancholie, dieses Drama,

diese Extravaganz, diese Hingabe.

Für eine Nordamerikanerin,

insbesondere eine wie mich, steht das...

...steht das in keinem Verhältnis.

Es ist wie das Kennedy-Attentat. Solche Wehklage, solche...

Solche Ergüsse von Trauer jederorts...

Von Pförtnern, Taxifahrern, Putzfrauen...

Weshalb?

Was genau habt ihr verloren?

Doch als der Militärputsch sich ereignete

und ihr eure Freiheit verloren habt...

Ich war da. Ich habe es gesehen.

Ihr habt einfach weiter Fußball am Strand gespielt.

Je länger man an einem Ort bleibt, desto weniger versteht man ihn.

Nun.

Wie dem auch sei.

Danke für Ihr Kommen. Habt Spaß. Ich weiß, das werdet ihr.

Bon Appetit.

Das sind die Leute, mit denen ich arbeite.

Ich finde das nicht komisch.

- Tut mir leid, ich bin abgeschweift. - Betrunken bist du!

Das stimmt nicht.

Du willst, dass ich nachsichtig mit dir bin. Das bin ich nicht.

Für mich ist Nachsicht ein Mangel an Wertschätzung.

Ein Zeichen der Verachtung.

Geh besser nach Samambaia zurück und nüchtere aus.

Cal.

Kannst du den Vogel sehen?

Ich habe ein Angebot von der New York University,

im Herbst ein Seminar zu leiten.

Tatsächlich?

Es wären nur ein paar Monate und ich denke, es könnte Spaß machen.

Unmöglich. Ich brauche dich hier.

Bleib noch einen Tag.

Cookie, du weißt, das kann ich nicht.

Was ist mit unserem Garten? Der braucht dringend deine Hilfe.

Wir sehen uns am Freitag zu deinem Geburtstag!

Herzlichen Glückwunsch, Tante Elizabeth.

- Danke, Clara. - Gern geschehen.

- Meine Glückwünsche, Elizabeth. - Vielen Dank, Mary.

Das hier schickt dein Freund Lowell.

Danke.

Hier. Bitte.

Lota musste in der Stadt bleiben wegen eines Treffens mit Lacerda.

Sie kommt, sobald sie kann.

- Sagst du noch Gute Nacht? - Gute Nacht, Tante Elizabeth.

Gute Nacht, Liebes.

Cookie!

Cookie?

Cookie!

Cookie!

Cookie!

Cookie!

Ich trinke nicht, weil alles daneben geht, Lota.

Ich will einfach trinken, in jeder Minute an jedem Tag.

Dass alles aus der Bahn läuft, ist nur die Entschuldigung,

die ich immer gebraucht habe.

Aber warum?

Wenn ich nicht habe, was ich will,

bin ich einsam und traurig.

Und wenn ich bekomme, was ich will,

bin ich überzeugt, es zu verlieren.

Und darauf zu warten, ist unerträglich.

Ich glaube, ich kaufe dir auch so einen Hut.

Dich ganz allein für mich zu haben hier in Ouro Preto,

war das schönste Geburtstagsgeschenk.

Warte.

So soll das Licht im Park auch sein.

Das würde so magisch sein.

Es wird magisch sein. Warte nur ab.

Übrigens, wenn wir zurückgehen, will ich,

dass du ein Buch über den Park schreibst.

Lota. Ich habe über das Angebot der NYU nachgedacht,

ein Semester lang zu unterrichten.

Ich sagte doch, ich brauche dich.

Aber es wäre nur für ein Semester.

Und du kannst mich besuchen und... - Warte!

Hast du den Job schon angenommen?

- Antworte mir! Hast du? - Ja.

Also kamst du mit zu dieser Reise im Wissen, dass du mich verlässt?

Ich verlasse dich nicht. Es ist nur für ein Semester!

Du wagst es, nach allem, was ich dir gegeben habe?

Du...

Du forderst Verständnis, doch du gibst keins zurück!

Du willst geliebt werden, doch du weichst immer nur aus!

Ich weiche nicht aus.

Also ist es keine Strategie. Du bist einfach nur gleichgültig!

Das ist nicht wahr.

Ist dir klar, dass du nie gesagt hast "Ich liebe dich"?

Du kannst von jemandem, der in der Wüste aufwuchs, nicht erwarten,

dass er schwimmt wie ein Fisch.

Was für eine schöne Ausdrucksweise!

Für mich ist das eben nicht...

Tatsächlich habe ich es einmal gesagt. - Ach? Wann?

Als du schliefst, nach der Pulitzer-Verleihu...

Während ich schlief? Dann vielen Dank!

Das ist brüllend komisch, es...

Poetische Gerechtigkeit!

Immerhin hab ich die verdammte Dichterin bekommen, oder eher nicht!

Lota. Bitte mach keine Szene. Es ist nur ein Semester.

Glaubst du wirklich daran, dass du das hinkriegst?

Ein ganzes Semester ohne mich, die dich bei der Stange hält?

Du wirst dich derart betrinken,

dass du nicht mehr weißt, wo du unterrichtest!

Du willst ohne mich leben?

Dazu bist du nicht stark genug! Ohne mich überlebst du nicht!

Tu das nicht.

Okay... So wird das ablaufen. Nur die erste Woche...

Ich schreibe ein Gedicht, ein Sonnet,

darüber, wie man eine Liebesbeziehung versaut.

Aber nur eine Seite, denn das dauert nicht besonders lange.

Sehr gut. Genauso.

Lauf weg, wie du es immer tust! Du Säuferin!

Nein, danke.

Sie packte zwei Taschen,

gab Joana einen Abschiedskuss und

und fuhr zum Flughafen.

Ich habe sie nicht nur angegriffen, ich habe sie gedemütigt.

Das war mein Fehler.

Dein Fehler wäre, ihr jetzt nachzulaufen.

Du solltest dir etwas Stolz bewahren und stark sein.

Ich weiß nicht, vielleicht hast du recht.

Deswegen hat sie sich in mich verliebt, richtig?

Am Ende einer Liaison gibt es wirklich nur zwei Heilmittel.

Und zwar?

Eins ist, den Schmerz zu ertragen, bis er vorübergeht.

"Zeit heilt alle Wunden", et cetera, et cetera...

Das andere ist, die alten Erinnerungen aufzulösen

in großzügigen Dosen von Alkohol,

während man tüchtig Unzucht treibt mit allem, was sich bewegt.

Die Wahrheit ist, ich bin glücklich, hier zu sein, Cal.

Und so froh, dich zu sehen.

Aber ich vermisse sie.

Manches geht einfach ins Blut.

RIO VERDIENT DEN FLAMENGO PARK

Sein erster Artikel nach dem Infarkt.

Hast du ihn im Krankenhaus besucht?

Nein.

Mary, gib mir bitte die Zeichnungen.

Danke. Schau, Carlos.

Sie werden 45 Meter hoch.

Die Idee ist, Mondschein nachzuempfinden.

So werden sie aussehen.

Lota, das wird atemberaubend.

Und sehr romantisch, nicht wahr...

Miss Elizabeth Bishop.

- Das Kollegium. - Es freut mich, Sie kennenzulernen.

Es freut mich auch, Sie zu treffen.

- Willkommen in New York. - Vielen Dank.

Ich weiß eigentlich gar nicht, was ich hier tue.

Denn ich glaube eigentlich nicht wirklich,

dass man jemandem beibringen kann, Poesie zu schreiben.

Was ich tun kann, ist, das Auge des Poeten zu schulen.

Hübsche Wohnung.

Es braucht noch eine Menge Arbeit. - Hier.

Meine Damen und Herren,

die Frau, die so hart gearbeitet hat,

um diesen Traum Wirklichkeit werden zu lassen:

Lota de Macedo Soares.

Ich danke Ihnen allen für Ihr Kommen.

Das Exil ist nur ein Luxus für jene, die stehlen, bevor sie gehen.

Das habe ich vergessen zu tun.

Brauchst du einen Ort, wo du bleiben kannst?

Nein. Guter Gott, nein, alles bestens. Danke dir.

Ich kann nie mehr ein öffentliches Amt bekleiden, aber ich bin hier.

Am Leben.

Dieser Tage muss man das als Glück betrachten.

Ich habe Neuigkeiten von Freunden aus Rio.

- Lota ist in einem Hospital. - In was für einem Hospital?

Sie wollte den Park in eine Stiftung umwandeln.

Um ihn vor der Regierung zu bewahren und... - Das weiß ich.

- Was für eine Art Hospital? - Sie scheiterte.

- Das Militär drängte sie beiseite. - Was für ein Hospital?

Eine Nervenheilanstalt... Wegen Depression und Zusammenbruch.

Meine liebste Cookie.

Ich weiß, ich war grob,

doch sicherlich ist genügend Zeit vergangen,

dass du mir verziehen hast.

Ich habe deinen Rat bezüglich meines Vaters letztlich angenommen.

Und ich bin dir so dankbar für diesen Rat.

Bitte, beantwortest du einen meiner Briefe?

Nur einen.

Wie geht es dir?

Mary, ich brauche morgen einen Karton.

So groß.

Ich will ihr ein Geschenk schicken.

Hast du den Karton dabei?

Warum bist du hier?

Warum hast du mir nicht gesagt, was passiert ist? Wo ist sie?

Sie darf dich nicht sehen, Elizabeth! Sie darf dich nicht sehen!

Nimm deine Hände von mir.

Senhor, sind Sie Lotas Arzt?

Ja, das bin ich.

Ich bin Elizabeth Bishop. Wie geht es ihr?

Sie ist immer noch sehr depressiv.

Ich möchte sie sehen.

Sie beginnt gerade erst, sich zu erholen

und jetzt willst du ihr all das erneut antun?

Sie braucht viel Ruhe, keinen Stress.

Ihr Name wühlt sie immer sehr auf.

Warum fahren Sie nicht lieber Heim und ruhen sich etwas aus?

Wir beide lieben Lota, also sag mir ehrlich, liegt das alles an mir?

Dieses eine Mal geht es nicht nur um dich.

Wie kann jemand allen Ernstes nur so von sich überzeugt sein?

Aber sie denkt, du wärst der Grund...

Und auch das Heilmittel.

Sie ist besessen davon, dass du zurückkommst.

Sie stellt sich vor, wie du ihr durch das hindurch hilfst.

So wie sie dir durch deinen Alkoholismus hindurch half.

"Hindurch" würde heißen, ich hätte ihn bereits hinter mir...

Wenn du zurückkommst, geht es ihr vielleicht ein wenig besser.

Aber solltest du gehen, bricht sie wieder zusammen.

Noch schlimmer.

Und dann wird es deine Schuld sein.

Fahren Sie bitte an die Seite!

Blödmann!

Los, wir gehen am Bootsteich spielen!

Danke.

Sie war hier.

Ja.

Und du hast es mir nicht mal gesagt!

Der Arzt hat es nicht erlaubt.

- Hallo? - Hallo, Cookie.

Lota!

- Wie geht es dir? - Viel besser.

Danke.

Ich möchte kommen und dich besuchen.

Geht es dir gut genug, um zu reisen?

Aber natürlich! Ich hatte nur eine kleine Entgleisung.

Aber jetzt ist alles wieder genau wie vorher.

Da wären wir.

Du solltest mich das für dich tragen lassen. - Ist schon gut.

Du bist sicher durstig. Ich habe heute Morgen Eistee gemacht.

Hier.

Danke.

Du... Du hast nie auf meine Briefe geantwortet.

Ich habe niemals welche erhalten.

Das ist unmöglich, ich habe Dutzende geschickt.

Mary...

Nein.

Nein, Liebling.

Nicht jetzt.

LIEBESGEDICHTE

Diese Verse und deine Lippen wiegen mich in den Schlaf...

In Liebe, Margaret.

Lota?

Lota?

Lota!

Lota!

Lota!

Lota!

Die Kunst des Verlierens studiert man täglich.

So vieles scheint bloß geschaffen, um verloren zu gehen

und so ist sein Verlust nicht unerträglich.

Lerne zu verlieren, Tag für Tag.

Akzeptiere den Aufruhr um Schlüssel, die verloren gehen,

um die falsch verbrachte Stunde.

Die Kunst des Verlierens studiert man täglich.

Dann übe dich, verliere mehr, verliere schneller.

Orte, Namen, und auch die Reise, die dir wähnte.

Nichts davon ist unerträglich.

Ich verlor die Uhr meiner Mutter, und doch... Das letzte,

oder beinahe letzte Haus, von den dreien, die ich liebte, schwand.

Die Kunst des Verlierens studiert man täglich.

Ich verlor zwei Städte, die ich liebte, doch weiter,

Königreiche, die einst mein, verlor zwei Flüsse, einen Kontinent.

Ich vermisse sie, doch es war nicht unerträglich.

Selbst dich zu verlieren, deine scherzhaften Worte;

eine Geste, die ich liebte.

Selbst hier wird’s wahr sein. Es ist erwiesen.

Die Kunst des Verlierens studiert man doch täglich.

Auch wenn’s dir vorkommt, als - schreib’s auf! - wär’s unerträglich.

"Wenige Frauen schreiben große Poesie.

Nur vier stehen auf einer Stufe mit unseren besten Männern:

Emily Dickinson, Marianne Moore, Elizabeth Bishop und Sylvia Plath."

- Robert Lowell

"Lieber würde ich als '16. Poet' bezeichnet werden,

ohne Bezug auf mein Geschlecht,

denn als eine von vier Frauen

- selbst wenn diese anderen drei ziemlich gut sind."

- Elizabeth Bishop

Elizabeth Bishop starb im Jahr 1979 in den Vereinigten Staaten.

Sie gilt als eine der wichtigsten englischsprachigen Dichterinnen.

Im Jahr 2012 erklärte die UNESCO

die Stadt Rio de Janeiro zum Weltkulturerbe.

Der Flamengo Park ist eine ihrer Hauptattraktionen.

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