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Original subtitles

J45. Da wissen Sie wieder mal mehr als ich.

Warten.

Adler, was ist?

Bleibt es dabei, dass Sie morgen aussteigen?

Ich hoffe.

Sie werden versuchen, nach Belgien durchzukommen.

Berufen Sie es nicht.

Wollen Sie etwa mit?

Nein, ich würde es nicht schaffen mit meinem Bein.

Die ganze Flucht.

Aber ich habe eine Bitte an Sie, Baben. Ja?

Meine Mutter lebt noch in Leipzig.

Sie weiß nichts mehr von mir, seit ich in Gefangenschaft bin. Ich habe ihr nie

geschrieben. Ich wollte sie nicht in Schwierigkeiten bringen.

Ihre Flucht wird sie doch durch Frankreich führen.

Ja.

Gewöhnliche Briefe aus den besetzten Gebieten kommen in Deutschland an.

Sie werden nur selten von der Zensur geöffnet. Das weiß ich. Gut, ich werde

schreiben.

Schreiben Sie ihr.

Dass ich lebe, wo ich bin. Herr Rasse.

Frau Gustav Adler.

Leipzig. Dort für Straße 73.

Gut.

Danke, Barton. Ich wusste, dass Sie... Sie wissen gar nichts. Am wenigsten, ob

ich es schaffen werde.

Viel Glück, Mädchen.

Im Morgengrauen des 17.

Dezember 1953 wurde über Belgien, unweit von Brüssel, aus einer alliierten

Bomberflotte, die von einem Nachtangriff auf das Ruhrgebiet zurückkehrte, eine

Maschine herausgesorgt.

Die Viermotorige explodierte.

Die Besatzung starb in der Luft.

Nur dem amerikanischen Leutnant Philip Sturges gelang es, mit dem Fallsturm

abzuspringen.

50 Meter aufwärts. Ein Boot.

Flach hineinlegen.

Ich bringe sie hinüber.

Drüber ein Dorf.

Metro Lebrun.

Hat sie irgendjemand gesehen?

Nein, ich glaube nicht.

Amerikaner? Ja.

Air Force? Ja.

Wo sind sie runtergekommen?

Zwei Meilen von hier an einem Waldrand.

Man hat mich verfolgt, aber ich bin ihnen entkommen.

Sie sind in Sicherheit.

Sie sind bei Freunden. Verstehen Sie? Bei Freunden.

Ihr Name?

Philipp Sturges.

Lebrun.

Sie wagen Ihr Leben für uns. Es ist nur recht und billig, wenn ich meines für

Ihres wage.

Sie kommen. Sie kommen.

Lala.

Die belgischen Kinder lieben die Freiheit.

Die belgischen Kinder lieben die Freiheit.

Ich werde den Brunnen in die Tafel legen.

Das ist gut, was ich mir gesagt habe.

Kann ich den Schwanz schlagen?

Ich habe den Arm in der Ecke.

Da bin ich das hier.

Nicht reden.

Nicht schlafen.

Warten.

So, dann, Monsieur, du.

Wollen Sie sich setzen, Mister?

Wie ist Ihr Name?

Philipp Sturgeon.

Amerikaner? Ja.

Sind Angehörige der amerikanischen Luftwaffe?

Ja, einer britischen Bomberstaffel zugeteilt. Welcher?

Verzeihung. Der Name Ihres Kommandeurs?

Verzeihung, Monsieur, diese Fragen darf ich nicht beantworten.

Wollen Sie etwas trinken?

Bitte.

Hören Sie, Mr. Sturges, Sie werden ein paar Fragen beantworten müssen. Ich kann

Ihnen das nicht ersparen.

Die militärische Geheimhaltung hat hier und jetzt keinen Sinn.

Hier ist ein Fragebogen.

Überlegen Sie sich die Antworten genau und schreiben Sie sie auf.

Hier ist ein Beispiel.

Was sind das für Fragen?

Beschreiben Sie den Weg von der amerikanischen Botschaft in London zum

Corner?

Welche Theaterstücke laufen zurzeit in London?

Wie hoch sind die Postgebühren eines Überseebriefes nach Amerika?

Sagen Sie, zweifeln Sie überhaupt daran, dass ich jemals in England war?

Nehmen Sie einen Schluck.

Danke.

Was ist die Riverline?

Die Flusslinie, Mr. Sturges.

Davon haben Sie doch gehört.

Darüber sind Sie doch unterrichtet.

Eine Organisation, die Leute wie Sie, abgeschossene Flieger und flohende

Kriegsgefangene, in Not geratene Patrioten in Sicherheit bringt.

Quer durch Belgien, quer durch Frankreich, über die Pyrenäengrenze nach

und Portugal.

Ja, das weiß ich.

Der Weg dahin besteht aus zahllosen Teilstrecken. 10 Kilometer, 20, 50.

Für alle diese Etappen sind die verschiedenen Leute zuständig.

Bürger, Mr. Sturgis.

Männer, Frauen, Studenten.

Halbe Kinder manchmal, die alle mit ihrem Leben spielen.

Ja, ich begreife.

Können Sie sich vorstellen, wie neugierig die Deutschen darauf sind,

Flusslinie kennenzulernen?

Und deren Vorhandensein Sie natürlich längst gehört haben.

Wie würden Sie jetzt wohl anstellen, die Deutschen?

Auf die einfachste Weise.

Indem Sie einen Agenten in eine amerikanische Uniform stecken, mit

Papieren versorgen und mit einer hübschen Geschichte.

So einfach ist das, Mr. Sturges.

Wenn ich ein Agent wäre, wüsste ich ja jetzt schon genug, um Sie an den Galgen

zu bringen.

Mich ja, aber sonst niemanden.

Und ich bin schnell ersetzt.

Schmeckt er Ihnen?

Ich beziehe ihn auf Südfrankreich.

Füllen Sie das aus.

Es wird geprüft werden.

Es ist die einzige Möglichkeit, uns vor Verrat zu schützen.

Haben Sie.

Na, habe ich alle Fragen richtig beantwortet?

Wissen Sie, wir teilen alle Leute, mit denen wir zu tun haben, in Kategorien

ein. 100 Prozent, 80 Prozent oder mit Vorbehalt angenommen oder mit großem

Vorbehalt. Und wie viele Punkte habe ich?

80.

Wie? Nicht mehr?

Sie sind kein feindlicher Agent, aber Sie sind ein Amateur, mein Freund.

Kein Berufssoldat.

Sie sind Akademiker, nicht wahr? Ja.

Tja, wissen Sie, wir müssen uns vor Dingen fürchten, die Sie im privaten

auszeichnen. Ihre Fähigkeit zu denken, zu urteilen, Ihre Gefühlsregungen,

Mitleid. Das alles werden Sie haben. Es wird unbrauchbar sein.

Wir fordern nur eines von Ihnen und das unbedingt.

Gehorsam.

Verstehen Sie mich richtig?

Linden. Gehorsam.

Sie werden jede Anweisung ausführen müssen, ob sie Ihnen vernünftig scheint

nicht, und von wem sie auch kommt.

Es ist Ihnen nicht erlaubt, darüber nachzudenken.

Ich verstehe.

Ich werde das gerne tun.

Auf jeden Fall muss ich Ihnen einen Eid abnehmen.

Lesen Sie das durch.

Und wenn Sie es gelesen haben...

Schwören Sie bei Gott, dass Sie tun werden, was man von Ihnen verlangt.

Wenn Sie es beschworen haben, haben Sie keinen eigenen Willen mehr.

Es fordert von Ihnen, wenn nötig, zu töten oder zu sterben.

Was passiert denn jetzt hier? Meine Aufgabe ist hier zu Ende.

Gehen Sie da hinten zu dem Wagen. Nehmen Sie die Schaufel.

Helfen Sie mit Aufladen.

Alles Gute.

Danke schön.

Alles Gute.

Ich habe

gesagt,

Sie sehen nicht so aus, als ob Sie schon öfters Kieft geschippt hätten.

Machen Sie sich beide fertig.

Es geht weiter. Ich hole Sie gleich ab.

Sind Sie auch Amerikaner?

Ich hoffe, ich enttäusche Sie nicht. Ich bin Engländer.

Wo kommen Sie denn her?

Kennen Sie Brügge?

Liegt irgendwo im Norden, glaube ich.

Hübsches altes Städtchen, was für Amerikaner. Wenn Sie nach dem Krieg mal

Gegend kommen, sei es Ihnen empfohlen.

Auch abgeschossen?

Nein, Infanterie.

Bei Dünkirchen haben Sie mich erwischt. Sie waren in Gefangenschaft?

Bis vor acht Tagen.

Da habe ich dem Lagerkommandanten sein Auto repariert.

Ich habe Spielen da von der 20 gebracht.

Ich hoffe, der Arm hat es wieder inzwischen.

Jedenfalls freue ich mich.

Sind wir die einzigen hier?

Ja, die anderen sind echt.

Ja, was geschieht denn jetzt?

Fragen sind verboten. Hat man Ihnen das nicht gesagt?

Ja, aber man wüsste es gern.

Wissen Sie, wie man uns nennt hier?

Pakete.

Pakete? Ja, wie bei der Post.

Pakete zum Weiterbefördern.

Nur sind wir nicht gegen Bruch und Diebstahl versichert.

Ah, da kommt er ja.

Also es geht weiter.

Schade.

Nein, nein.

Wer läuft, macht sich verdächtig.

Sie würden sofort auf sich schießen. Aber wir müssen wir nicht. Was, laufen?

keinem Fall.

Aber das ist doch meine Tochter. Das geht doch nicht.

Hey,

stopp!

Zigarette? Dokument. Auf Papier.

Alle, alle.

Sie hat zum ersten Mal gesehen, wie ein Mensch getötet wurde.

Das ist es.

Sie hat ein Recht darauf zu weinen.

Man sieht es und begreift es nicht.

Man begreift es nie, aber man gewöhnt sich dran.

Was wir uns vorwerfen müssen, sondern nicht tun.

Wie alt ist sie?

Fünfzehn. Warum weinen Sie die einen das, was Sie tun?

Sie hat es herausbekommen, ohne dass ich es wollte.

Ein solches Kind durfte doch nicht.

Sie wollte helfen.

Auch helfen.

Ihnen helfen.

Und sie hat es ja auch getan.

Ja, das hat sie.

Wie macht man einen Menschen fröhlich?

Dass er wieder lacht. Wie macht man das?

Wollen Sie denn das?

Ich bin ganz versessen darauf.

Nur weiß ich nicht, wie ich es anstellen soll.

Mein Onkel pflegte in solchen Fällen, immer mit den Ohren zu wackeln.

Aber das kann ich nicht, obwohl er behauptet, das sei schwere Faulheit. Ich

hatte schon die richtigen Ohren dafür.

Und er sagte zu mir, Junge, du siehst so komisch aus. Wenn du bei Zeiten lernen

musst, kommst du seit, sonst bist du verloren.

Sie sehen gar nicht komisch aus.

Da hast du nicht genau geguckt. Nicht auf meine Beine, die sind so dünn und so

lang. Schon in der Schule hat man mich immer nur den Reier genannt.

Deshalb gehe ich auch so gern in Fischrestaurants.

Ich habe es geschafft.

Sie lacht.

Haben Sie Verwandte?

Wie meinen Sie das?

Bringen Sie sie weg.

Versparen Sie ihr, dass man sie vielleicht doch erwischt.

So, es ist spät.

Sie haben doch sicher einen Verschlag für uns.

Boden oder Keller.

Kommen Sie.

Ich leite Ihnen die Lampe hier.

Und schönen Dank nochmal.

Wofür? Sie war so verzweifelt.

Haben Sie Zigaretten?

Nein.

Aber seien Sie vorsichtig mit dem Anzünden.

Keine Sorge.

Ich muss Sie wahrscheinlich um vier Uhr wecken.

Gut. Versuchen Sie zu schlafen. Gute Nacht.

Gute Nacht, gute Nacht.

Gute Nacht ist gut.

Können Sie schlafen jetzt?

Ja, Sie nicht?

Nein, ich... Haben Sie eine Zigarette für mich?

Dankeschön.

Schlecht auszuhalten, diese Gefahr.

Wenn Sie nicht gewesen wären, ich wäre einfach weggerannt, blindlings, ohne

nachzudenken.

So entsetzt war ich.

Ja, das habe ich gemerkt.

Sie waren absolut ruhig.

Doch.

Den Eindruck machten Sie.

Wenn Sie nicht gewesen wären, ich... Ach, hören Sie ab.

Sie waren absolut kaltblütig.

Nein, das war ich nicht.

Ich habe genauso viel Angst wie Sie und jeder andere.

Nur finde ich es beschämend, menschenunwürdig, dieses Gefühl.

Deshalb gehe ich auf die Gefahr zu. Ich stelle die Angst, um nicht von ihr

gestellt zu werden. Und das hilft meistens.

Ganz lustig hier.

Ich ziehe zwar Dachbödenkellern vor, aber dieser hier kriegt sie schon

Ganz gemütlich.

Es hat mir sehr gefallen, wie Sie mit dem Mädchen umgegangen sind.

Ja, es ist reizend.

Ist ja nichts Außergewöhnliches, diese Folge für junge Mädchen.

Also tun Sie, was Sie wollen. Ich gehe jetzt schlafen.

Es ist vier Uhr.

Kommen Sie bitte herauf.

Ein Kamerad von Ihnen.

Hallo?

Ja, da sind wir ja drei.

Ich bin froh, dass ich nicht mehr allein bin.

Sie haben geschlafen?

Ich beneide Sie.

Ich habe in den letzten 24 Stunden kein Auge zugetan.

Alpakid. Wie?

Auch Amerikaner?

Er ist. Ich bin Engländer.

Ich bin Captain Flores.

Barton.

Sturges?

Wissen Sie, wo wir eigentlich sind?

Keine Ahnung.

Und Sie sagen es einem auch nicht.

Wie lange müssen wir hier warten?

Keine Ahnung.

Guten Morgen.

Die verdammte Geheimnistuerei kotzt mich an.

Sind die eigentlich verlässlich?

Wenn ich hier heil rauskomme, dann baue ich der Jungfrau Maria eine Kapelle.

Aber wir kommen nicht heil hier raus.

Ich glaube es nicht.

Bitte kommen Sie.

Ich muss Sie jetzt verlassen.

Sie gehen da hinten an dem Kanal entlang, bis Sie an eine Schleuse

Dort in dem kleinen Holzchen werden Sie abgeholt.

Kennwort Reier.

Tja, warte.

Nicht schlecht, was? Wir sollen ja ganz offen durch die Gegend marschieren.

Na und?

Na, mir ist nicht wohl dabei.

Ach, bei dem Wetter heute.

Gucken Sie sich doch mal den Himmel an.

Machen wir, dass wir in diese verdammte Schleuse kommen.

Er ist sehr nervös. Sie nicht?

Warum?

Ein herrlicher Treffpunkt, wenn Sie mich fragen. Ein vollkommen blödsinniger

Treffpunkt. Die Schleuse wird doch bewacht.

Na, wo ist hier jemand?

Sie müssen doch zugeben, dass wir hier so schnell wie möglich wieder

verschwinden müssen.

Warten müssen wir hier, ob es uns gefällt oder nicht.

Wer versteht, was wir mangeln?

Ich. Ein bisschen.

Na, dann gehen Sie mal an.

Da.

Sie sind irrsinnig. Weg damit!

Wissen Sie denn nicht, dass wir keine Waffen tragen dürfen? Ich denke nicht

dran. Ich bin nicht eine Wehrlos, wissen Sie?

Haben Sie noch was bei sich?

Amerikanische Zigaretten.

Was glauben Sie eigentlich, wer Sie sind?

Wer weiß das schon genau?

Tut mir leid, dass ich Ihnen wehtun musste.

Wollen wir es vergessen?

Ach.

Ken Voss?

Ah ja.

Bitte kommen Sie.

Excusez, Monsieur.

Es gibt nur diese Suppe.

Aber jetzt kommt ein Schatoune neuf. Dein Papa immer so gerne.

Mein Mann.

Excusez.

Es war vor zwei Jahren.

Louise, neue Gläser. Oui, Maman.

Mach doch ein bisschen Musik.

Merci.

Ah, Janetta bist du ja.

Maman, ich habe mich nur rasch umgezogen. Du siehst reizend aus.

Ja, wirklich.

Sehr reizend.

Sie ist die Hübscheste von uns.

Bitte. Danke.

Die Gegenwart, Monsieur.

Bleibt den Frauen viel schuldig.

Wissen Sie, wie viele junge Leute es in diesem Ort noch gibt? Sehr wenige.

Sie sind weg.

Weggebracht.

Auch mein Mann.

Ich weiß nicht, wo er geblieben ist.

Ist ja auch kein Wunder, dass Sie die alle nachlaufen.

Lass doch.

Ich mit meinen Hüften.

Die hast du, aber du verstehst es, die Blicke abzuleiten.

Und sie weiß wohin.

Maman, ich bitte dich, Jeannette. Bitte schenken Sie gleich ein.

Kein Mann wird etwas daran finden.

Die Zeit.

Unsere Zeit nimmt auf die Frauen keine Rücksicht. Sie kümmert sich nicht darum,

was... Sie empfinden, es ist doch ganz natürlich, was Sie empfinden.

Das natürlichste von der Welt.

Kein Mann wird sich darüber beschweren.

Oh, danke.

Bitte wollt ihr ihm nicht helfen?

Oh ja.

Bitte.

Dankeschön. Ich hoffe, Sie mögen Rotwein.

Bis mal.

Wir hatten schon Amerikaner hier, die wussten gar nicht, was Rotwein ist. Du

übertreibst, Mama.

Natürlich, Mama. Du weißt doch, der kleine rothaarige. Wie mein Willi. Er

Rotwein wie Wasser und dann begann er, amerikanische Lieder zu singen. Noch

nicht so am Fenster.

Wir mussten ihn zurückhalten. Obwohl er eine hübsche Stimme hatte.

Ich hoffe, Sie werden nicht singen. Ich verspreche es Ihnen.

Ohne wenigstens so ganz leise.

Ja.

Haben Sie alle Ihre Gläser? Ja.

Dann heiße ich Sie noch mal herzlich willkommen.

Was sagen Sie dazu? Die sind ja phänomenal.

Wir danken Ihnen sehr herzlich, Madame.

Ihnen und Ihren reizenden Töchtern.

Mit einem solchen Empfang haben wir nicht gerechnet. Haben wir nicht rechnen

können.

Monsieur, das ist doch das Mindeste, was wir tun können. Dafür zu sorgen, dass

Sie sich wohlfühlen. Und das ist uns noch immer gelungen.

Wollen die Herren tanzen?

Aber selbstverständlich.

Natürlich, Janett.

Sie antwortet immer zuerst. Mein Mann kann es nicht verstehen.

Weil Sie doch alle so reizend sind, das müssen Sie doch sagen.

Aber ja, nicht nur die Töchter. Oh, nein, nein, nein, ich bin zu alt,

Oh, mais vous êtes bien gentil.

Sie werden doch Marianne nicht stehen lassen.

Nein?

Wollen Sie nicht auch schlafen gehen?

Sie nutzen Ihre Chance nicht.

Ich würde gerne noch ein wenig bei Ihnen bleiben, wenn Sie erlauben.

Oh, oui, oui.

Je suis enchantée.

A votre santé.

A la santé du monde, dieser...

Wunderbaren Welt.

Es ist hübsch, hier mit Ihnen zu sitzen, eine Stimmung zu teilen mit einem, der

Jugend ist nicht sehr wählerisch heute.

Das soll heißen?

Sie neigt dazu, sie ist bereit.

Sich beim Passionsspiel selber zu betrügen.

Sie meinen, man sollte keine Obstbäume fehlen, weil eine Schar Kinder nach

Brennholz schreit?

Ist das, was Sie meinen?

Ja.

Diese beliebte Form der Unehrlichkeit, sie gibt dem Betrüger das Gefühl,

großmütig zu sein, bis er dahinter kommt.

Dass nichts mehr übrig bleibt.

Weder Holz noch Früchte.

Ja, ich liebe meine Töchter, nur... Sie haben den Mut verloren zu warten.

Hey, Frues!

Sie gehen voraus.

Bitte gehen Sie langsam.

Wenn Sie aus dem Haus kommen, rechts am Ende der Straße ist eine Kirche.

Sie ist offen.

Frues, wach auf, es ist Zeit!

Ich bin ja schon da.

Dass Ihnen nichts passiert.

Ich werde aufpassen.

Hier raus auf die Straße?

Es ist doch heller Tag.

Urlaubs vorbei, Captain.

Sehr witzig.

Ist das in Ordnung so?

Ja. Na schön, gehen wir spazieren.

30 Meter Abstand.

Na, danke, Frau.

War das nicht ziemlich leichtsinnig? Was?

War das in dem Zigarettenladen?

Können Sie denn Deutsch überhaupt?

Ja. Die lachten. Können Sie es so gut?

Recht gut, ja.

Hübsche Kirche.

Ja, ausgesprochen hübsch.

Wenn wir nur richtig hier sind.

Es kümmert sich niemand um uns.

Was führt Sie hierher?

Gottvertrauen, würde ich sagen.

Dann folgen Sie mir.

Es ist doch schon zwei Uhr.

Wir müssen Geduld haben.

Dieses Sitzen und Warten bringt mich um.

Was schreiben Sie da eigentlich?

Gedichte, nichts weiter.

Gedichte?

Sie handeln jedenfalls gegen die Vorschrift. Das ist streng verboten zu

schreiben, Notizen zu machen.

Ich weiß, ich weiß.

Tja, das hat ja auch keinen Sinn.

Es sei denn, man könnte nach Hause schreiben.

Wollen Sie?

Briefumschläge. Schon frankiert. Ein umsichtiger Mann, der Pfarrer.

Wollen Sie?

Gehen Sie zum Teufel, Major.

Was der Pfarrer nicht hören sollte.

Ein deutsches Auto.

Sie kommen manchmal und fragen.

Im Pfarrhaus findet man nachts leichter als die Bürgermeisterin.

Kommen Sie herein?

Sie sind ausgestiegen.

Was tun wir jetzt?

Wo kann man raus? Irgendwo muss man doch hier raus.

Sie sind doch auf solche Fälle vorbereitet. Nein, ich gehe runter.

Sie wissen wirklich nicht, was Sie hier vorhaben?

Einen Hinterausgang gibt es nicht? Nein.

Sie

fahren

weg.

Er hat es geschafft.

Sie haben nach dem Weg gefragt.

Haben Sie ihn gewusst?

Ungefähr. Aber offenbar habe ich glaubhaft gewirkt. Sie sind

Aber Sie kennen den Weg doch so wenig wie ich.

Ich bin Major in der Infanterie, Captain Schur.

Und eins haben wir Erzsoldaten der stolzen Luftwaffe verreut. Wir können

viel besser orientieren.

Das ist er.

Na ja, dann geht's ja weiter.

Wir haben... Oh, pardon, Herr Pfarrer.

Ich sah die Kerle auf das Haus zufahren. Ich selber stand so 50 Meter entfernt

im Garten.

Oh, la, la.

Die steigen aus.

Die klopfen an die Haustür.

Und auf eine Weise, die wir gar nicht gerne haben.

Und auch zu einer Zeit, die wir gar nicht mögen. Halb drei Uhr morgens.

Ich dachte, was wird er jetzt machen?

Und was hat er gemacht?

Er hat gebetet.

Er sieht ja auch noch ganz blass aus.

Aber die Kirche will ja dabei sein.

Sie muss ja dabei sein.

Sie kann ja nichts auslassen.

Aber seine Gebete, falls er gebetet hat, haben doch genützt.

Woher wissen Sie, dass es nicht seine Gebete waren?

Na sowas. Sie sind gut.

Er hat doch Angst gehabt.

Etwas ganz Natürliches, auch für einen Pfarrer.

Sie standen abseits im Garten und konnten nicht gesehen werden, nein?

Nein. Warum sind Sie denn nicht hingegangen? Die Leute wollten den Weg

Den hätten Sie doch viel besser beschreiben können als ich.

Waren Sie das an der Raustür? Ja.

Alle Achtung, das war eine Leistung. Was soll denn das ganze Gerede? Wir

verlieren nur Zeit.

Los doch.

Besten Dank, Herr Pfarrer.

Gott sei mit Ihnen.

René! René, sieh!

Wo ist der Reiher?

Der Reiher ist nicht da. Mach deinen Arm sehen.

Man hört ja nichts. Wir müssen weg.

Aber es kommt doch keiner. Sie verfolgen uns nicht. Sie müssen weg, sag ich.

Er kommt schon nach.

Er weiß ja Bescheid.

Die Fabrik dahin.

Ohne den Eier geht es nicht. Geh doch nicht zurück, Mensch.

Ist doch sein Fehler.

Ich gehe nicht ohne ihn.

Verdammt, dann gehe ich allein.

Los, kommen Sie.

Wir haben doch gar keine Möglichkeit.

Sie haben ihn erwischt.

Hängen Sie so an ihm?

Ich kann nur sagen, wie ich mir vorkomme.

Verlassen.

Er war einfach so etwas wie ein Halt, wenigstens für mich.

Ich kann es nicht genau beschreiben, aber ich komme mir vor, als hätte ich

im Stich gelassen.

Reden Sie keinen Unsinn. Doch, wir sind doch weggerannt, ohne uns umzusehen.

Kommen Sie.

Ich kann nicht hier bleiben.

Ich muss sehen, was mit ihm ist. Das können Sie nicht. Ich gehe mir wie ein

Schwein vor.

Mir gefällt das auch nicht.

Das können Sie nicht.

Ich kann Sie nicht gehen lassen.

Da, gucken Sie.

Da.

Na Gott sei Dank, Sie sind ihn auch entwischt.

Der Junge hat fast geweint.

Aber Sie nicht.

Ich hielt es für verrückt, stehen zu bleiben.

Denken Sie, ich hielt es für verrückt, wegzurennen.

Das war das Erste, was er mich fragte. Warum rennen Sie nicht?

Und was sagten Sie?

Die Wahrheit.

Was die Wahrheit?

Ich habe gesagt, die haben Angst.

Die hattet ihr doch.

Ja, und haben Sie ihm auch gesagt, warum wir Angst haben?

Ich habe ihn gefragt, aber weiß, dass seine Landsleute französische Männer von

den Straßen wegholten, um sich nach Deutschland in die Fabriken zu schicken.

Was sagte er?

Das hat ihn gekränkt.

Wir machen das nicht, sagt er.

Wir sind Fronttruppe.

Wir haben damit nichts zu tun.

Und ich sollte euch wann gleich wieder zurückholen. Aber ich habe natürlich

nichts mehr von euch gefunden, außer Leben.

Wollt ihr eine deutsche Zigarette? Danke.

Die Kästen habe ich auch schon.

Ehrlich gesagt, deren Verpflegung ist bedeutend schlechter als unsere.

Sie haben eine Art, mit den Deutschen umzugehen.

Sind Sie wirklich so kaltblütig?

Wie bringen Sie das fertig? Ich verstehe das einfach nicht.

Er schafft es eben. Er bringt es eben fertig.

Jedenfalls bin ich froh, dass Sie wieder bei uns sind.

Vive la France!

Vive la France!

Wollen Sie nicht, dass ich es sehe?

Natürlich nicht.

Aber es interessiert mich.

Die Garage ist für Sie.

Neu?

Auch in unserer Situation nicht.

Wir sind ein ganz eiskalter Land.

Ich habe nie in meinem Leben so intensiv gelebt wie jetzt auf unserer Flucht

durch Frankreich.

Immer in dem Bewusstsein, dass jeder Augenblick der letzte sein kann.

Wer ist da?

Drei Menschen, die den Weg suchen.

Der Chor des Südens?

Ach so.

Komm.

Schön,

oder?

Schön hin, schön her.

Hauptsache, da drüben sind die Pyrenäen. Und dass wir den Dreck in ein paar

Tagen hinter uns haben.

Wir müssen uns beeilen. Bis Blais sind es zwei Stunden.

Seien Sie herzlich willkommen.

Ich bitte Sie, sehr leise zu sein, weil wir durch das Zimmer meines Vaters gehen

müssen. Er ist alt und wir müssen Rücksicht nehmen.

Ich möchte nicht, dass er gestört wird.

Ich habe Ihnen noch nicht gesagt, wer ich bin.

Mein Name ist Marie.

Ich bin wach.

Aber dann musst du mir etwas versprechen, Papa.

Dafür schläfst du morgen Frühlinge, ja?

Das werde ich nicht tun.

Am Morgen fangen meine Gedanken an zu arbeiten.

Hast du heute etwas geschrieben? Bist du weitergekommen?

Sehr wenig.

Aber gefällt es dir?

Bist du zufrieden?

Zufrieden. Was hast du geschrieben?

Ich habe geschrieben über das Blatt eines Baumes, tief im Laub, im Licht

durchfluchten Dunkel.

Jede Bewegung, verstehst du, jede Regung eines Vogels, jeder Windhauch gibt dem

Licht Raum.

Und das Blatt wird davon berührt.

Das Blatt fühlt das Licht wie die Seele.

Über ein Blatt habe ich geschrieben, den ganzen Tag.

Sonst nichts.

Und die Nacht kommt und ich kühle wie die Berührung deiner Stirn.

Und mit ihr die Einsamkeit meines Blattes.

Unsere Gäste warten.

Ich bin alt und töricht und bereit zu haken.

Papa.

Monsieur, wer ist der rangälteste Offizier unter Ihnen?

Ich. Gut.

Ich werde Ihnen jetzt die wichtigsten Anweisungen geben. Alles andere hat bis

morgen Zeit.

Sie werden dort oben auf dem Dachboden kampieren. Wir haben da so eine Art

Rumpelkammer. Früher war es ein Kornspeicher. Als Kinder haben wir da

gespielt.

Kommen Sie.

Bitte.

Es gibt keinen Zugang hier herauf außer diesen, es sei denn dort die Tür. Da

draußen ist eine Plattform, von der eine Leiter zur Erde führt. Seit meiner

Kindheit ist diese Tür nie mehr geöffnet worden.

Kein Mensch im Bläs darf davon wissen.

Und sie darf auch nur in der größten Gefahr und im äußersten Notfall

werden, Monsieur.

Verstanden. Das ist die erste Regel.

Dieses Entlüftungsrohr hier führt durch das Zimmer meines Vaters, dicht an

seinem Bett vorbei.

Wenn an das Rohr geklopft wird, bedeutet es, dass mein Vater Besuch bekommt.

Franzosen... Manchmal auch Deutsche.

Wir halten es nämlich für klug, auch Deutsche zu empfangen.

Vollkommen richtig, es ist klug. Und wenn geklopft wird, dann verhalten Sie

bitte still und sprechen nicht, bis Ihnen gesagt wird, dass der Besuch weg

Das ist die zweite Regel.

Und die dritte?

Wenn aber das Klopfen wiederholt werden sollte, dann bedeutet es, dass jemand

hier heraufkommt. Verstehen Sie?

Dann verlassen Sie den Raum durch diese Außentür hier. Treten auf die Plattform

und steigen über die Leiter hinunter. Sollen wir gesehen werden?

Wenn dann noch für einen Augenblick auf der Plattform. Sobald Sie unten sind,

befinden Sie sich in Sicherheit. Das sei denn, es sind Feinde im Hof.

An der Hofmauer finden Sie einen Holzstoß, von dem auch Sie die Mauer

überklettern können. Dann folgen Sie rechts einem kleinen Wassergraben, bis

an einen Steg kommen.

Etwa nach 100 Metern stoßen Sie auf eine Stelle, wo der Graben von Gebüsch

überwuchert ist.

Dort warten Sie auf mich.

Wie lange?

Höchstens eine Stunde.

Wenn ich nicht komme.

Dann gehen Sie nach Virag Saint -Just.

Rue Fauré 12, Kennwort ist Pyramiden.

Morgen früh werde ich Ihnen weitere Einzelheiten sagen, Monsieur.

Aber jetzt werde ich erstmal in die Küche gehen und etwas zu essen richten.

Sie kommen aus einem deutschen Gefangenenlager?

Sie kennen unsere Vorgeschichten?

Aber natürlich, Mitterbaden.

Hübscher Vogel.

Ihnen gefällt sie wohl auch, oder?

Die Leiter bleibt?

Ja. Wir denken eine Leiter, die so zum Besteigen einlädt. Die benutzt man

nicht.

Darf ich die Ecke dann nehmen?

Bitte.

Ist immer unruhig, wenn der Dachboden besetzt ist.

Und Sie?

Denken Sie nicht an die Gefahr?

Aber natürlich.

Finden Sie das komisch?

Nein.

Nein, ich denke daran, was wir für Sie sein müssen.

Gespenster.

Sie aus dem Dunkeln auftauchen und wieder im Dunkeln verschwinden.

Nein, nein, so sehe ich das nicht.

Morgen.

Bonjour, Monsieur.

Das Frühstück.

Darf ich?

Wir haben Glück gehabt.

Im Winter sind unsere Hühner zwar nicht fleißig, aber sehen Sie... Sie verwöhnen

uns. Geh früh, erst aufwachen.

Frühstück gibt's.

Oh, was habe ich?

Lassen Sie das Geschirr immer auf dem Teebrett. Im Notfall schieben Sie es

irgendwo unter die alten Sachen. Da fällt es nicht auf.

Und vergessen Sie auch nicht, diesen runden Tisch dann nach dem Essen wieder

umzukippen. Geben Sie Acht, er ist ein bisschen wackelig.

Sie werden hier wahrscheinlich doch etwas länger bleiben müssen, als

war. Warten wir auf etwas Besonderes? Ja.

Auf etwas anderes, als auf die gewöhnlichen Vorbereitungen zum

Ja. Aber ins Verhör dürfen Sie mich nicht nehmen.

Trotzdem müssen Sie darauf vorbereitet sein, diesen Dachboden innerhalb 60

Sekunden verlassen zu können.

Das müssen Sie üben.

Mit anderen Worten, Monsieur, Sie müssen immer in Bereitschaft sein.

Da liegt ein Kartenspiel.

Vertreiben Sie sich damit die Zeit, wenn Sie Lust haben.

Aber bitte spielen Sie niemals auf dem Tisch, sondern immer nur auf dem Boden.

Auf dem blanken Boden, Monsieur.

Rollen Sie den Teppich zurück.

Und im Notfall steckt einer von Ihnen, bitte entscheiden Sie wer, die

Spielkarten, die er gerade in der Hand hat, in seine Tasche. Dann kommt der

Teppich wieder an seinen Platz.

Wird er etwa abermals zurückgeschlagen, ist, was sich darunter findet, der

unvollständige Rest einer längst vergessenen Partie.

Haben Sie das begriffen?

Vollkommen. Der Zweck ist folgender.

Sie sollen imstande sein, in möglichst weniger als einer Minute durch diese

Bodentür dort hinaus zu gehen. Sie dürfen nicht die geringste Spur

Auf keinen Fall dürfen Sie Lärm machen.

Und auf keinen Fall dürfen Sie gesehen werden.

So, als ob Sie nie da gewesen wären.

Wie gespendet.

Also, jetzt wissen Sie Bescheid und ich muss gehen. Ich habe noch andere Schüler

zu unterrichten. Ich bin nämlich Lehrerin.

Und vergessen Sie nicht zu üben.

Die Witwen sollten ihre Männer beweinen und die Pfarrer sollten predigen.

Die Bauern flügen, die Lastwagenfahrer Lastwagen fahren.

Und die jungen Mädchen sollten tanzen.

Sie müssen aber auf diese makabre Art Indianer spielen.

Sie müssen Angst haben, schlecht schlafen und vom Gefängnis träumen.

Das ist doch was verkehrt, oder?

Sie brauchen ja nicht mitzutun, die Witwen, die Pfarrer und die kleinen

Was zwingt Sie dazu?

Die Verantwortung, mein Lieber.

Verantwortung ist ein hartes Brot, das zum sauren Wein gegessen werden muss.

Fress, Vogel, oder stirb.

Huck, ich habe gesprochen.

Wie wäre es mit ein bisschen Poker?

Die Winne werden nach dem Krieg ausbezahlt.

Fangen Sie mit.

Entrez, je vous en prie.

Mon père aimerait vous dire bonjour.

Vielleicht wird es die Obligation geben, mir ein zweites Buch zu bieten.

Vielen Dank, Herr Präsident.

Vielen Dank, Herr Präsident.

Es war nichts Wichtiges.

Also.

Was ist das hier?

Er schreibt Gedichte.

Und das hier ist eins von Ihnen?

Nur, was mir so eingefallen ist... Lesen Sie es mir vor?

Wenn Sie wollen.

Ich will mich unter Bäumen schlafen legen und kein Soldat mehr sein.

Ist mir so eingefallen vorhin. Vielleicht habe ich es auch irgendwo

Spürt ja keine Rolle.

Und weiter?

Vielleicht ist es die Wahrheit.

Kann ich den Zettel bitte behalten?

Es ist nicht gut, wenn hier oben etwas Handgeschriebenes herumliegt.

Für den Fall einer Durchsuchung könnte es gefährlich sein.

Übrigens, das war eben der Adjutant des hiesigen Ortskommandeurs. Er kommt ab

und zu zu Papa, um sich ein paar Bücher auszuleihen. Wollen Sie?

Behalten Sie es.

Mein Vater würde sich gerne mit Ihnen unterhalten, mit jedem von Ihnen.

Machen Sie ihm vielleicht heute Abend die Freude?

Aber gern.

Nun, ohn Sterblichkeit bist du ganz mein.

Du strahlst mir durch die Binde meine Augen mit Glanz der tausendfachen Sonne

zu. Es wachsen Flügel mir an beiden Schultern, durch stille Ätherräume

mein Geist. Und wie ein Schiff vom Hauch des Winds entführt, die muntre

Hafenstadt versinken sieht, so geht mir dämmernd alles Leben unter.

Jetzt unterscheide ich Farben noch und Formen, und jetzt liegt Nebel.

Ach, wie die Nachtveole lieblich duftet.

Spürst du es nicht?

Es sind Lefkoin und Melken.

Kleist, ist das ein deutscher Dichter?

Der Triumph der Insubordination, ist das deutsch? Ich habe kurz vor dem Krieg in

Paris einen jungen französischen Schauspieler der Komödie kennengelernt.

Lieblingswunsch war einmal in Homburg zu spielen.

Er hat sich nicht gestoßen an den Staub mit allen feinen Brandenburgs.

Er wollte einfach kleines Wortes sprechen. Die Worte eines Dichters, der

Gefühl lebte, dass Glücklichsein etwas Außerordentliches ist. Etwas

fast Unmögliches, nur für den Moment Erlaubtes.

Ich finde Ihre Kenntnis der deutschen Literatur remarcabel.

Sehr remarcabel.

Die Vorfahren meiner Mutter stammen aus diesem Lande.

Ich spreche die Sprache genau wie meine eigene.

Aber... Mir scheint, Sie kennen die Literatur besser als ich.

Das sollte ich wohl. Ich habe früher einmal deutsche Literatur gelehrt als

Fach. Aber ich spreche das Deutsche mit einem unverkennbaren französischen

Akzent. Ich glaube, das tun Sie mit Absicht.

Mag sein.

Ja, dann bleiben Sie noch.

Ich habe da ein Band. Hier, den hier.

Alte Stiche von New York.

Das wird Sie als Amerikaner interessieren.

Was wissen Sie von ihm?

Wir sind... Wir kennen uns seit... Er ist sehr zurückhaltend, wissen Sie?

Wir haben in den Tagen der Flucht wenig von früher gesprochen.

Eigentlich nichts.

Er ist sehr zurückhaltend.

Absichtlich?

Als ob er was zu verbergen hätte?

Daran habe ich noch gar nicht gedacht.

Es ist wohl seine Art.

Ich kannte einmal einen solchen Mann.

Er war, oder vielmehr, ich glaube, der sei mein Freund.

Mein bester Freund, zwei Jahre lang.

Und dann geschah etwas.

Gleichgültig was.

Es hatte natürlich mit Weibern zu tun. Und mit Geld.

Das hieß doch immer, Geld und Weiber.

Wir waren jung damals.

Aber nicht nur mit Geld und mit Weibern, sondern auch mit...

Mit Ehre.

Ja.

Mit Ehre.

Ja, was wollte ich denn sagen?

Also wie gesagt, dann geschah etwas.

Gleich fühlte ich was.

Ein Verrat, könnte man sagen.

Etwas, das mich veranlasste, über diese zwei Jahre zurückzublicken und mir

darüber klar zu werden, dass ich von meinem Freund gar nichts wusste.

Gar nichts.

Gefallen Ihnen die Stiche?

Oh ja, sehr.

Dieser Manier hat schon meinem Vater gehört.

Er ist mir sehr kostbar.

Mein Freund hieß Weidbrecht.

Es war in Leipzig.

Ich habe doch deutsche Literatur studiert.

Aber schließlich und endlich, was liegt schon daran?

Deshalb rege ich mich mit meinen Erinnerungen auf.

Warum?

Habe ich dir in Homburg vorgelesen.

Das war alles zu Beginn des Jahrhunderts.

Vor gut 40 Jahren.

Sollen wir früh was wecken?

Warten wir noch. Philipp ist auch noch unten.

Vorher ist schlecht seit sechs Stunden.

Er flüchtet in den Schlaf.

Er flüchtet warum?

Er hat Angst, wieder an seinem Bomber zu sitzen. Er fürchtet den Tod.

Seinen eigenen und den, den er anderen zufügen soll.

Das macht ihm manchmal wünschen, dass unsere Flucht nicht gelingt.

Obwohl er das Gegenteil sagt.

Und Sie selbst?

Fürchten Sie den Tod nicht?

Was sollte ich fürchten?

Eine Zurückprüfung aus dieser Welt und ihren wenigen Freuden und ihrer

Lärmdunkelheit.

Die Wiederkehr zu einem Licht, einer Klarheit, die uns in der Kinderzeit

vertraut war und die uns nun vertraut ist, wann immer wir einen Baum ansehen,

den Himmel oder einen Berg oder einen Menschen.

Was ist denn los, Philipp? Komm, setz dich.

Welche Bedeutung hat der Name Weitbrecht für Ihren Vater?

Der Mann aus Leipzig.

Hat er von ihm gesprochen?

Ich weiß sehr wenig.

Nur, dass er ein Freund war, aus dem ein Feind wurde.

Ist er noch am Leben?

Am Leben aber nein.

Schon lange nicht mehr. Weitbrecht ist vor Verdun gefallen.

Aber das ist kein gutes Gesprächsthema für meinen Vater.

Das lähmt seine Arbeitskraft.

Wir erwarten heute Nacht einen Neuen.

Bereiten Sie einen Schlafplatz vor und bleiben Sie auf, um ihn zu empfangen.

Gewiss.

Kurz nach Mitternacht werde ich das Haus verlassen, um ihn zu holen.

Wenn alles gut geht, bin ich um 1 .10 Uhr zurück.

Hoffentlich findet er den Treffpunkt.

Der Mann ist allein.

Und es ist sehr schwer, den Weg zu finden.

Es kann also Verzögerungen geben.

Ich werde mit Ihnen gehen.

Seltsam.

Seitdem wir hier sind, scheint mir der Krieg viel entrückt.

Ich meine, unser Quartier hat etwas Friedvolles.

Und Sie?

Ich?

Was habe ich damit zu tun?

Mehr als ich sagen kann.

Einfach Sie anzusehen und Sie sprechen zu hören, gibt mir das Gefühl des

Friedvollen.

Dass ich meine Hand ausstrecken kann, um die Ihre zu ergreifen.

Ziehen Sie Ihre Hand nicht weg.

Nein.

Nie.

Sie dürfen mich das nicht fragen.

Ich frage Sie aber.

Bitte nicht heute Nacht.

Warum nicht?

Weil... Weil ich heute Nacht urteilsunfähig bin.

Und vielleicht auch Sie.

Sie erwarten sicher, dass ich Sie über mich aufkläre. Ich bin britischer

Abwehroffizier. Ich bin mit Instruktionen über Frankreich

Mein Auftrag ist ausgeführt. Das ist alles.

Nehmen Sie Platz, Mademoiselle.

Danke, nein.

Ich weiß genau, meine Herren, Sie finden mein Metier wahrscheinlich etwas

suspekt.

Man gewöhnt sich daran, auf diese kurzweilige Art am Krieg teilzunehmen.

Beispiel wird kaum jemand von Ihnen das Vergnügen haben, demnächst bei unserer

charmanten Gastgeberin wieder aufzutauchen.

Bei mir besteht die Möglichkeit.

Ich hoffe es jedenfalls.

Nun, zunächst werden Sie ja erstmal ein paar Tage bei uns verweilen, Major.

Und die Herren werden Sie über die Regeln orientieren.

Wieso? Ich denke, jetzt kann es losgehen. Wir haben doch nur auf ihn

Nein, noch nicht.

Die Vorbereitungen für den Grenzübertritt sind dadurch, dass wir

warten mussten, hinfällig.

Wir müssen erst alles neu organisieren.

Der Zeitplan wird unabänderlich sein, in jedem Falle. Sobald Tag und Stunde

bestimmt sind, müssen Sie weiter.

Die Schwierigkeit besteht darin, dass schon andere Leute da sind und warten,

nach Ihnen kommen und an Ihre Stelle rücken.

Verstehe vollkommen.

Sind Sie auf Ihrem Fluchtsweg fußmüde geworden, Herr Burton?

Oh, wegen meiner Stockes hier. Das ist ein alter Freund von mir. Der begleitet

mich überall hin.

Wird man Sie dieser Marotte wegen draußen nicht leichter identifizieren?

Kaum, denn im Laufe der Jahre habe ich gelernt, damit auf verschiedene Weise

umzugehen. Zum Beispiel auch auf diese Art hier.

Die Theorie dieser Besessenen ist nämlich folgende.

Der Westenwirt, falls er diesen Krieg gewinnen sollte, seine Stärke nicht

gebrauchen, um sich zu sichern.

Major Weiberton, können Sie einmal runterkommen? Aber gern, Mademoiselle.

So.

Bitte, Mademoiselle.

Sie sind neu in der Flusslinie, Major.

Sie haben Ihren Eid noch nicht geleistet.

Bitte, ich stehe zur Verfügung.

Bitte sprechen Sie mir nach.

Ich schwöre... Ich schwöre... Bei Gott und der Ehre meines Vaterlandes... Bei

Gott und der Ehre meines Vaterlandes...

Den Befehlen der Organisation, ohne eigenes Urteil, unbedingt gehorsam zu

leisten? Den Befehlen der Organisation, ohne eigenes Urteil, unbedingt gehorsam

zu leisten.

Auch wenn man von mir fordert, zu töten oder zu sterben? Auch wenn man von mir

fordert, zu töten oder zu sterben.

Danke, Mita.

Zu solchen Absurditäten führt uns kollektives Denken.

Aber es muss leider sein.

Ich bemerke, Major, dass wir den Eid ohne jedes Gefühl abgelegt haben.

Gefühl verlangen Sie?

Ist denn eine dienstliche Verpflichtung bindender, wenn man es mit zugeschnürter

Kehle eingeht?

Der alte Hass, die Deutschen scheinen mir.

Aber ohne die notwendige Kühle.

Ich mag Männer nicht, die sich von Gefühlen leiten lassen.

Dann tun sie es auch der Gefahr gegenüber.

Aber das Mädchen ist in Ordnung.

Manchmal wirkt sie wie ein lebendiges Denkmal mit der Fahne Frankreichs in der

Hand.

Das Bemerkensbild an diesem Ort scheint mir, dass der unmittelbare und aktive

Zweck, von hier weg und weiter zu kommen, so klar umrissen ist, so völlig

vorbereitet durch Sie, dass er schon so gut wie erreicht ist.

Wir können ihn vergessen.

Sie können ruhig eine Pause einlegen.

Eine Schöpfersche Pause, wenn Sie wollen.

Diese Formulierung ist im Zusammenhang mit unserer Tätigkeit etwas absurd.

Aber vielleicht haben Sie recht.

Vielleicht ist es gut, wenn wir ein wenig über uns selbst nachdenken und...

über die Welt, sagen Sie es ruhig. Klingt gar nicht pathetisch.

Über eine Welt, in der nie zuvor das Wissen des Menschen seiner Weisheit so

überflügelt hat.

Warum sollte Pierre Chassaigne sie als Feind betrachten?

Immerhin ist da eine Art misstrauischer Wachsamkeit.

Für ihn weiß ich zu viel über Deutschland.

Kostet eins.

Ja, ich gehe mit.

Mal weitersehen.

Monsieur, ich habe Ihnen eine Nachricht zu bringen.

Ist was passiert?

Sie müssen uns verlassen.

Noch heute Nacht.

Die Krate, die Sie benutzen sollten, ist nicht mehr sicher.

Die Deutschen befahren Sie seit ein paar Stunden.

Sie müssen also zum Treffpunkt 46, nach Virac Saint -Gilles.

Das sind 43 Kilometer.

Sie haben zwischen 1 Uhr und 1 .15 Uhr zu erscheinen. Nicht früher und nicht

später. Ich werde jetzt ins Nachbardorf gehen und versuchen, einen Wagen für Sie

zu bekommen.

Dreiviertelstunden werden wir für den Weg brauchen.

Und zum Wagen drei Minuten.

Also letzter Termin, 0 .27 Uhr.

Verzeihen Sie, ich weiß, dass es riskant ist, etwas mit so wenig Spielraum zu

unternehmen. Aber wir leben alle in einer Welt, in der wir eingewilligt

uns von der Uhr narren zu lassen.

Und verschieben auf morgen geht nicht?

Nein. Ihre Nachfolger sind ja schon auf dem Weg.

Und es wäre eine Katastrophe, wenn Sie mit ihnen zusammentreffen.

Ich gehe also.

Bitte stecken Sie das auch dazu.

Es darf hier kein Papier herumliegen.

Jetzt würde ich ausnahmsweise gern ein Spielchen machen.

Richtig, es ist besser, als fortwährend auf die Uhr zu starren. Achtung, ein

getarnter Routinier. Er wird uns sicher im letzten Moment noch reinlegen.

Na, meine Herren, was spielen wir denn, Sönn -Poker? Oh, Poker, ich habe heute

bestimmt Glück.

Oh nein.

Die Einzelne, bitte.

Wie viele Punkte hat Major Barton bekommen?

Man hat ihn nur unter großem Vorbehalt aufgenommen.

Er hatte nie Angst vor den Deutschen.

Wir bewunderten ihn.

Ich bewunderte ihn.

Und?

Dann... Es war in einer Pfarrei, da nahm er sich Briefumschläge weg, steckte es

in seine Tasche.

Ich habe nicht weiter darüber nachgedacht, keinen Verdacht gehabt,

heute... Sprechen Sie weiter.

Heute...

nachdem uns Marie den Fluchtweg erklärt hatte, da schrieb er.

Da schrieb er, ich habe es gesehen, einen Brief, er beendete ihn gerade.

Und dann fand ich bei seinen Sachen einen von diesen Briefumschlägen.

Frankiert.

Mit einer Adresse in Leipzig.

Leipzig?

Mein Freund, was Sie mir da sagen, wundert mich nicht bei dem Mann.

Marie wird, wenn sie kommt, hier durch ihr Zimmer gehen.

Sie werden sie warnen.

Es wird vielleicht notwendig sein, dass sie die anderen verständigt. Um das

Weitere brauchen Sie sich nicht mehr zu kümmern.

Gehen Sie jetzt hinauf.

Mir scheint, mit dem Wagen hat es nicht geklappt.

Philipp, dein Einsatz.

Dieses Mädchen hat Schneid.

Es muss doch höllisch sein, alles allein zu tun, was sie zu tun hat.

Hier, zwei bitte.

Ich auch.

Ja.

Prostet euch.

Drei. Drei und noch zwei dazu.

Noch zwei, bitte.

Philipp, wo bist du mit den Gedanken?

Kostet dich drei und zwei.

Die drei und zwei. Zwölf, 22.

Es wird Zeit, dass sie kommt. So, dann wollen wir mal sehen, was haben Sie

Dieses und vier Köstli.

Also los. Nein.

Nein, es ist etwas dazwischen gekommen.

Etwas ganz Unvorhergesehenes.

Bitte setzen Sie sich.

Alle!

Spielen Sie weiter!

Major Wyburton. Ja?

Sie haben gehorsam geschworen.

Töten Sie diesen Mann.

Er ist ein deutscher Agent.

Durch die Tür, die zum Hof rausgeht.

Beeilen Sie sich.

Steigen Sie über die Mauer. Laufen Sie zum Dorfende, zum südlichen Dorfende.

Dort wartet der Wagen.

Hier, die Parole ist Pyramiden.

Philipp wird Ihnen alles erklären.

Meine Herren,

Sie werden da oben einen Toten finden.

Er muss weggeschafft werden.

Barton?

Was ist dir geschehen?

Sie kennen diesen Mann? Das ist der britische Major William Barton von den

Ozean.

Nein. Das ist unmöglich.

Das ist unmöglich. Kein Zweifel, Mademoiselle. Ich habe mehrere Monate

Zypern mit ihm gedient.

Es darf nicht möglich sein.

Brendan.

Also?

Ich werde ihm morgen antworten.

Bitte nicht heute.

Nicht heute.

Wie geht es jetzt weiter, Mademoiselle?

Es gibt keinen Zugang hier herauf außer diesem.

Es sei denn dort die Tür.

Da draußen ist eine Plattform.

von der eine Leiter zur Erde führt.

Seit meiner Kindheit ist diese Tür nicht mehr geöffnet worden. Kein Mensch in

Blaze darf davon bitten. Sie darf auch nur in der größten Gefahr zum äußersten

Notfall aufgemacht werden.

Das ist die erste Regel.

Das Entlüftungsrohr führt durch das Zimmer meines Vaters,

dicht an seinem Bett vorbei.

Wenn an das Rohr geklopft wird, bekommt mein Vater Besuch.

Franzosen, manchmal auch Deutsche.

Wir halten es für klug, auch Deutsche zu empfangen.

Und wenn geklopft wird, verhalten Sie sich bitte still, bis der Besuch weg

Das ist die zweite Regel, Monsieur.

Wenn aber das Klopfen wiederholt werden sollte, dann bedeutet es, dass jemand

hier heraufkommt. Dann verlassen Sie den Raum durch diese Außentür dort.

Treten auf die Plattform und steigen die Leiter hinunter.

An der Hofmauer finden Sie einen Holzstoß, von dem aus Sie die Mauer

überklettern können.

Dann folgen sie rechts einem kleinen Wassergraben, bis sie an einen Steg

Steg kommen.

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