All language subtitles for Egon Schiele Exzess und Bestrafung.de

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Original subtitles

Ich habe mich hinsetzen m�ssen. Er wollte, dass ich das Kleid ausziehe.

Ich soll stillsitzen, die Beine spreizen. Aber die Str�mpfe sollte ich anbehalten.

Dann hat er mich durch den Spiegel angesehen und gezeichnet.

Und zu mir hat er gesagt, ich soll mich b�cken.

Doch die Str�mpfe sollte ich anbehalten. - Er hat meine Arme ber�hrt,

sie �ber meinen Kopf gelegt. Er hat mich immer angeschaut und nichts gesagt.

Durch einen Spiegel. - Mich hat er auch

durch einen Spiegel gezeichnet. Und dann hat er gesagt "Hol den Strumpf".

Von meinem Schenkel runtergestreift bis zum Knie. Dann hat er mich gezeichnet,

durch einen Spiegel.

Mich hat er auch durch einen Spiegel gezeichnet.

Uns hat er zu zweit gezeichnet. Er will, dass wir uns umarmen.

Und zu mir hat er gesagt, ich soll mich b�cken.

Einmal hat er mich umarmt und sich selber dabei gezeichnet.

Wei�t du, ich trink am liebsten, wenn's drau�en regnet.

Dann hat man n�mlich vor sich selber die Entschuldigung,

dass man drinnen auch ein bisschen nass ist.

Und du? Was ist?

Bitte, darf ich reinkommen? Es ist so kalt.

Ich hab's nicht mehr ausgehalten. Da bin ich weg.

Ich versteh nicht, wer ist das? Kennst du sie?

Ich wei� nicht. - Was soll das hei�en "weg"? Von wo?

Von zu Hause. Es ist immer schlimmer geworden.

Ich hab's nicht mehr ausgehalten. - Was hast du nicht mehr ausgehalten?

Sie soll sich erst einmal hinsetzen.

Sie sind so streng. Ich darf nirgends hingehen,

nur in die Schule. Und auch da holen sie mich ab.

Es ist wie im Gef�ngnis. Ich kann das nicht mehr.

Sie muss sich was Trockenes anziehen. - Ich will nicht mehr zur�ck!

Gib ihr was von dir. - Wie hei�t du denn?

Tatjana.

Kennst du sie?

Mitten in der Nacht, da bin ich weggelaufen.

Auf keinen Fall kann sie dableiben. Das geht nicht.

Wo soll sie denn hin? - Ich will nicht mehr zur�ck.

Ich will zu meiner Gro�mutter. - Bei dem Wetter kann man

sie nicht wegschicken. - Wo ist denn deine Gro�mutter?

In Wien. Ich will morgen hinfahren.

Hast du schon mal daran gedacht, dass ihre Eltern sie suchen

und die Polizei rufen? - Aber sie kann sich doch hier aufw�rmen.

Ich bin den ganzen Tag nicht zu Haus gewesen.

Gleich von der Schule weg. - Ich will keine Schwierigkeiten kriegen.

Was sollen wir schon f�r Schwierigkeiten bekommen?

Bitte, helfen Sie mir.

Lass sie doch auf dem Sofa schlafen. - Nein.

Bitte. - Das ist doch viel zu kalt.

Aber wir k�nnen sie doch nicht wegjagen.

Dann muss sie eben bei mir schlafen. - Gut, und ich schlafe auf dem Sofa.

Bitte, nur heute Nacht. Morgen fahre ich nach Wien.

Morgen, ganz fr�h. - Also ich schlafe auf dem Sofa.

Kennst du wen von denen? - Nein, ich glaub nicht.

Na, dein Zug kommt ja schon.

Deine Gro�mutter, wei� die, dass du kommen wirst?

Nein. Ich glaub nicht. Nein.

Kannst du denn bleiben, bei ihr?

Ich glaub schon.

Und wo wohnt sie in Wien? - In Mauer, am Rosenh�gel.

Wird das lange dauern? - Wahrscheinlich.

Ich bleib vielleicht �ber Nacht. - Hm. Wir fahren also heute nicht zur�ck?

Sicher nicht. Es wird l�nger dauern. - Ich warte dann im Hotel auf dich.

Was? - Ich warte dann im Hotel!

In welchem Hotel? - Im Parkhotel, wie immer.

Gut, ich komme dann sp�ter auch hin. - Hm.

Und wann fahren wir zur�ck? - Morgen fr�h, mit dem 7 Uhr 30, Gleis 6.

Und gehst du dann gleich zu Reininghaus?

Wann wirst du denn kommen? Sag doch, wann kommst du so ungef�hr?

Ich wei� nicht. Kommt darauf an, wie lange es bei Reininghaus dauert.

Hast du ein bisschen Geld f�r mich? Ich brauch was f�rs Hotel

und f�r die R�ckreise, wenn du nicht kommst.

Allerhand ist das. Der hat 120 verlangt. Stellen Sie sich das vor!

Schmeckt das? - Ja. Kosten Sie einmal. Ausgezeichnet.

Aber ich warne Sie... - Es ist exquisit.

Die Mahlzeit schleppte sich weiter wie immer.

Man war gerade beim Nachtisch angelangt, als meine Blicke

von einer Bewegung ergriffen und mitgenommen wurden,

die im Hintergrund des Saals im Halbdunkel vor sich ging.

"Ich wei� nicht, ob ich eine Bewegung machte oder einen Laut von mir gab...

w�hrend sie langsam und teilnahmslos

durch den nun frei gewordenen Raum vor�berging."

Was tr�umst du? - Rilke.

Ein Zitat aus dem "Malte Laurids Brigge".

Das hier...

Alles das hier...

Der Salon, das Silber,

das M�dchen... - Welches M�dchen?

"Des Gro�kanzlers Reventlow Tochter." - Was meinst du?

"Die seit anderthalb hundert Jahren zu Roskilde ruht."

Das verstehe ich nicht.

Das macht nichts.

"Da entstand wieder jene merkw�rdige Stille,

und wieder fing ein Glas zu zittern an.

Und dort begann ich aus Angst und Hilflosigkeit zu weinen.

Pl�tzlich wurde es k�hl und hell �ber meinen weinenden Augen.

Ich dr�ckte sie, um nichts sehen zu m�ssen,

�ber den Tr�nen zu."

F�r mein Haus auf der Linkstra�e, wie gesagt.

Du musst dir den Saal einmal anschauen. Ich k�nnte mir sehr gut

drei bis vier monumental-dekorative Wandbilder vorstellen.

Das ist wirklich eine gro�artige Idee. - Gro�figurige Kompositionen

mit einem erotischen Thema. - Danke!

Egon, hier!

Bei ihrer Gro�mutter wollte sie nicht bleiben.

Sie hat es sich anders �berlegt und will jetzt wieder zur�ck.

Wir haben im Hotel auf Sie gewartet. - Hast du Papier und die Farben besorgt?

Ui, das hab ich vergessen. Kriegen wir das nicht in Neulengbach?

Die Farben schon, aber kein Papier.

Gr�� Gott, ich bin Egon Schiele. Ich wohne hier.

Korvettenkapit�n von Mossig. Entschuldigen Sie,

dass ich einfach herkomme. - Nat�rlich, ich habe Sie schon erwartet.

Man hat mir gesagt... Ich habe geh�rt... Das hei�t, Nachbarn haben mir gesagt...

Wegen lhrer Tochter Tatjana? - Korrekt. Ich habe erfahren,

dass sie sich bei Ihnen aufh�lt. Ist das richtig?

Ja, das stimmt. Es ist mir sehr unangenehm, aber...

es ist ja nichts passiert. - Das hoffe ich sehr!

Kann sie vielleicht mit mir kommen?

Ich meine, Sie kommen sonst in Schwierigkeiten.

Ich habe n�mlich schon Anzeige erstattet. - Anzeige?

Aber es ist doch gar nichts passiert.

Immerhin Verf�hrung einer Minderj�hrigen. Das musste ich annehmen.

Das ist doch Unsinn. Bitte, �berzeugen Sie sich.

Ich werde Ihnen das erkl�ren.

Ich wohne hier mit meiner Freundin, ein Modell, meine Lebensgef�hrtin.

Vally. Sie war immer dabei. Sie kann das bezeugen.

Sie hat mit der Tatjana im Schlafzimmer geschlafen.

Von Verf�hrung einer Minderj�hrigen kann �berhaupt keine Rede sein.

Sie ist mit uns nach Wien gefahren. Sie wollte zu ihrer Gro�mutter.

Ach, zur Gro�mutter. Das wussten wir nicht.

Ach, deshalb war sie so lange weg.

Na ja, dann hat sich ja alles aufgekl�rt.

Sie ist halt so impulsiv, m�ssen Sie wissen.

Sofort einen Arzt! Sehen Sie nicht? Ein Arzt muss her!

Und eine Hebamme.

Es muss jemand die Jungfr�ulichkeit feststellen.

Sofort und an Ort und Stelle. Aber zuerst einen Arzt!

Ich bin in allen Gesch�ften gewesen.

Ich hab das Papier. Aber die Farben hab ich nicht gekriegt.

Ich hei�e Tatjana Georgette Anna von Mossig.

Ich bin 15 Jahre alt.

Waren Sie in der Nacht vom 12. auf den 13. Oktober

im Haus vom Egon Schiele?

Aber das wissen Sie doch schon. - Waren Sie allein mit Herrn Schiele?

Nein. Da war noch diese Frau.

K�nnen Sie beschreiben, was an dem Abend geschehen ist?

Ich war v�llig durchn�sst und hab gefroren.

Diese Frau hat mich in ihr Zimmer gef�hrt und ich durfte mich in ihr Bett legen.

Der Herr Schiele ist dann auch noch reingekommen.

Hat der Herr Schiele Sie ber�hrt?

Meinen Sie, ob er mich gek�sst hat? - Hat er Sie gek�sst?

Ja.

Wir wollen nur mal nachschauen, was Sie wirklich hier machen.

Sie haben doch nichts dagegen, oder? - Nein, bitte kommen Sie rein.

Da haben sich n�mlich Eltern beschwert.

Eltern von Minderj�hrigen, Sie verstehen. - M�dchen und so...

Na ja, wissen Sie M�dchen, nicht? - Warum beschwert?

Sie sollen Zeichnungen angefertigt haben. Anst��ige.

Na, herumliegen lassen halt. - Ihnen zug�nglich gemacht haben.

Gezeigt haben Sie sie ihnen halt. - Da haben wir's ja.

Jetzt zeigen Sie uns schon mal das Ganze. - Das verstehe ich nicht.

Na, da haben wir ja auch noch was. Na also.

Am besten wir nehmen das Ganze gleich mit. - Das haben wir uns doch gleich gedacht.

Wenn ich eine Tochter h�tte und die... - Also wenn Sie wollen, k�nnen Sie...

Sie kommen am besten gleich mit! Nicht? - Da k�nnen Sie gleich

mit dem Herrn Amtsgerichtsrat reden. - Ja, der will sowieso mit Ihnen reden,

hat er gesagt. - Der Herr Amtsgerichtsrat Dr. Stovel.

Kennen Sie den Herrn Amtsgerichtsrat?

Ich bin f�r niemanden zu sprechen. - Herr Amtsgerichtsrat!

Was sag ich, wo Sie hingegangen sind? - Meinetwegen nach Hause.

Sagen Sie den Leuten, ich bin nach Hause gegangen.

Arretiert? Aber wieso denn arretiert?

Wo sind sie denn hin? - Na ja, zwei Gendarmen halt.

Sie haben ihn mitgenommen. Und eine dicke Mappe mit Bildern auch.

Aber wieso denn? Was hat er denn getan?

Ach, Fr�ulein, da wird er halt dem Herrn Richter

vielleicht ein paar verkaufen wollen. - Ach, was mache ich denn nur?

Mein Gott, da muss sofort was geschehen!

Es ist niemand mehr da, aber wieso ist denn niemand mehr da?

Es ist alles geschlossen, niemand da. Der Herr Amtsgerichtsrat

kommt erst morgen fr�h wieder. - Ich...

Ich m�chte eine Anzeige zur�ckziehen. - Anzeige?

Hier muss alles seine Ordnung haben. Anzeige zur�ckziehen?

Das kann nur der Herr Amtsgerichtsrat pers�nlich entscheiden.

Ja, ist der Herr Amtsgerichtsrat morgen fr�h bestimmt wieder da?

Ja, morgen fr�h. Morgen fr�h wieder. Sehr zu Diensten, habe die Ehre.

Das soll Suppe sein? - Klopf an, wenn du fertig bist.

Pornographie, aber in dieser Scheu�lichkeit.

Nackte Pornographie.

Grausig phantastische Karikaturen.

Gespensterhafte Lemuren mit blutigen Spinnenfingern.

Verst�mmelte, halb verweste Leichen.

Eine Gefahr f�r die Jugend.

Pervers, abartig.

Das alles sind Kinder.

Was die sich dabei gedacht haben?

Das soll aufgewischt sein? Schweineschmiere ist das!

Nur herumwischen, sofort! Und sauber, das sag ich dir!

Das tut mir leid, Herr Korvettenkapit�n. Dazu ist es jetzt leider zu sp�t.

Ich muss selber Anklage erheben aufgrund der Indizien

und des vorgefundenen Materials. Das ist ja erschreckend.

Hier muss der Staatsanwalt einschreiten.

Als Vertreter der Gesellschaft ist es unsere Pflicht.

Ich dachte, wenn ich die Anzeige zur�ckziehe...

Ich wollte dem Mann nur helfen. - Leider zu sp�t, Herr Korvettenkapit�n.

Aber ich darf sagen, wie sehr ich lhre Haltung bewundere.

Nicht alle Eltern denken da so frei wie Sie.

Ich hab alles versucht. Jetzt kann ich auch nichts mehr machen.

Sie haben Egon arretiert. Gestern haben sie ihn geholt

und ins Gef�ngnis gesteckt. Es muss sofort etwas geschehen.

Ich kann nichts f�r ihn tun. - Sie lassen mich nicht einmal zu ihm.

Aber ihr m�sst mir helfen. Lhr m�sst!

Sch�men soll er sich. Dass er uns das antut.

Dass er uns das antut! - H�r doch auf, das hilft nichts.

Du selbst wolltest immer, dass er Maler wird.

Dabei war gar nichts mit dem M�dchen, �berhaupt nichts. Die Leute l�gen.

Die war einfach von zu Hause ausgerissen und hat uns gebeten,

ob sie eine Nacht bei uns bleiben darf. - Wir brauchen einen Anwalt.

Er ist im Gef�ngnis. Jemand muss einen Anwalt besorgen.

Nat�rlich eine M�dchengeschichte! - Nein, nichts mit einem M�dchen. Nichts!

Alle sind sie verlogen, keinem kann man trauen.

Und wenn Roessler nicht da ist, fahren wir zu Benesch.

Der wei� sicher jemand. - Wenn der auch nicht da ist, was dann?

Irgendeiner wird schon da sein. Das gibt's ja nicht.

Drei Weiber machen sich jetzt auf den Weg durch Wien und suchen jemand,

der sich um Egon Schiele k�mmert.

Am 13. April 1912 arretiert und verhaftet und hinter Schloss und Riegel geworfen,

im Bezirksgef�ngnis Neulengbach. Warum?

Warum eigentlich? Warum �berhaupt? Ich wei� es nicht.

Und ich kriege keine Antwort auf meine Fragen.

Kein Schrei hallt durch Wien, weil sie mich verhaftet haben.

Weil keiner wei�, dass sie mich verhaftet haben

und verschwinden lie�en wie durch eine Fallt�r.

Und wenn sie es w�ssten? W�rde sich da einer,

ein Einziger aufregen?

Es r�hrt sich niemand! - Dann klopf noch einmal!

Scheinbar sind sie alle weg.

W�rde irgendjemand helfen?

Gustav Klimt, Arthur Roessler vielleicht. Benesch nat�rlich.

Aber all die anderen? Mein Gott, die w�rden den Schwanz einziehen

und sich d�nn machen.

Eine gemeine, niedertr�chtige, vulg�re,

dreckige, erb�rmliche, sch�ndliche H�lle, in die sie mich hier geworfen haben.

Na, was ist denn jetzt? Was hat er denn gesagt, der Benesch?

Er hat mit dem Reininghaus gesprochen. Der Reininghaus wird sich drum k�mmern.

Und wie soll's dann weitergehen?

Der Reininghaus will einen gewissen Dr. Weiser beauftragen,

Rechtsbeistand zu leisten. In den n�chsten Tagen schon wird er sich drum k�mmern.

In den n�chsten Tagen erst?

Egon!

Egon!

Egon!

Vally!

Vally! Hier bin ich!

Egon, ich hab f�r dich Orangen!

Ich schmei� sie dir rauf, Egon.

Eine Orange.

Diese Orange.

Die Orange war das einzige Licht.

Die Anklage muss in allen Punkten

hieb- und stichfest sein. Da darf uns keiner an den Karren fahren.

Hat der H�ftling eigentlich Widerstand geleistet bei der Haussuchung?

Nein. Eigentlich nicht. Er hat sich widerstandslos abf�hren lassen.

Merkw�rdig. Vielleicht wei� der Mensch wirklich nicht,

um was es dabei geht.

Wer ist eigentlich diese Person,

die ihn da besucht? - Ein fr�heres Modell von Klimt.

Sie ist ein exquisites, aber verderbtes Frauenzimmer.

Sie ist gut, aber sie verzehrt dich, wenn du ihr nachgibst.

Sie kann dich gro� machen und sie kann dich zugrunde richten.

Willst du sie haben? Ich schenk sie dir.

Sie hei�t Vally.

Sie ist schon seit 2 Jahren bei mir. Gef�llt sie dir?

Du brauchst jemand, der sich um dich k�mmert.

Vielleicht schl�ft er nur. - Wir k�nnen ja nachschauen.

Ich hab doch den Schl�ssel.

Na also, was hab ich gesagt? Er ist nicht zu Hause.

Aber es muss doch wer da sein. Das gibt's ja nicht.

Jetzt hab ich kein Geld mehr. Hast du noch was?

Nein.

Umsonst.

Und jetzt wei� ich auch nicht mehr weiter.

Vielleicht ist er zum Heurigen nach M�dling. Da f�hrt er immer hin.

Hier ist es wirklich wundersch�n.

Ja, der Himmel, die Luft, das Licht.

Oh, wenn's nur immer so w�re.

Was ist denn los?

Nichts ist los, was soll schon los sein?

Hm?

Du.

Wir bleiben jetzt hier und warten, bis was kommt.

Ja. Irgendwas wird schon kommen. Du wirst sehen.

Nichts kommt.

Stehen Sie auf, h�ren Sie? Besuch f�r dich!

Ich hab so eine Sehnsucht nach dir gehabt.

Es ist mir gelungen. Ich hab das Haus in Neulengbach gemietet.

Ein kleines Haus am S�dabhang des Buchbergs gelegen.

Mit einem h�bschen Garten, drei hellen ger�umigen Zimmern,

K�che und Vorraum.

Links die Ausl�ufer des Wienerwalds, geradeaus,

auf dem bewaldeten H�gel, das Schloss Neulengbach,

rechts der Haspelwald, der Beginn des Tullnerfeldes.

Der Anzug ist viel zu eng mit dem ganzen Geld drin.

Schau dir das an! Der Herr Reininghaus hat einfach alles bezahlt.

Keine Angst. Wenn wir von hier wegfahren, passt er bestimmt wieder.

Jetzt sind wir endlich wo zu Haus.

Wenn ihr noch einen Wein wollt, ich hab drau�en noch einen.

Willst du auch einen Wein? - Gern.

Mein Papa w�rde mich umbringen, wenn er das alles w�sste.

Wieso? - Mama nicht.

Wieso nicht? Wenn er was w�sste?

Alles. Das alles.

Ich hei�e Tatjana. Ich wei�, wer Sie sind.

Sehen Sie den Katalog?

Ich war unl�ngst im K�nstlerhaus. Stellen Sie auch dort aus?

So weit bin ich noch nicht.

Ich bin noch nicht bekannt genug, um dort auszustellen.

Schauen Sie her. Ich hab den Katalog gekauft.

Wollen Sie ihn anschauen?

Ich hab solche Sehnsucht nach dir gehabt.

Du musst ordentlich essen, hm?

Ich werde dir frisches Gem�se bringen und Fr�chte.

Ich hab deine Malsachen dabei.

Mein Gott, hab ich auf dich gewartet.

Was ist denn los?

Warum ist keiner da? - Mein Gott, ich...

Die haben mich einfach dabehalten. Der Richter war nicht da.

Die haben mich einfach dabehalten. - Ich durfte nicht zu dir.

Die haben mich nicht gelassen. Man braucht eine Besuchserlaubnis dazu.

Verstehst du? Und der Richter war andauernd besch�ftigt.

Ich habe den ganzen Tag im Vorzimmer gewartet.

Und dann bin ich nach Wien gefahren zu deiner Mama.

Gerti war auch da. Wir wollten uns gleich an R�ssler wenden.

Aber er ist in der Sommerfrische. Er war nicht zu Haus.

Wenigstens Benesch war da. Er hat gleich telefoniert mit dem Reininghaus.

Der will dir einen Anwalt besorgen. Dr. Weiser hei�t der.

Er wird dich in ein paar Tagen besuchen. - In ein paar Tagen?

Ja. Du musst noch Geduld haben.

Ein bisschen Geduld. Ich bin ja bei dir.

Wir alle, wir alle denken an dich. Du...

Sag's. Sag's noch einmal, was du grad gesagt hast.

Ich will das wissen. Schreib das auf.

Ich sage heute, am 8. April 1912,

dass ich in niemanden verliebt bin.

Vally.

Gewiss, ich hab Bilder gemacht, die schrecklich sind,

Gewiss, ich hab Bilder gemacht, die schrecklich sind,

aber glaubt man, ich tat das gern? Nur um als Spie�erschreck zu wirken, nein.

Aber die Sehnsucht hat ihre Gespenster.

Solche Gespenster malte ich durchaus nicht zu meinem Vergn�gen.

Es war ein Muss. Haben die Erwachsenen es vergessen,

wie verdorben, das hei�t sexuell triebhaft

und aufgeregt sie selbst als Kinder waren? Haben sie vergessen,

wie die f�rchterliche Leidenschaft in ihnen brannte und auch qu�lte,

als sie noch Kinder waren.

Ich hab das nicht vergessen, denn ich habe entsetzlich darunter gelitten.

Sag's. Sag's noch einmal, was du grad gesagt hast.

Ich will's wissen. Schreib's auf!

Vally, was ist 'n los?

Tats�chlich beobachte ich die k�rperliche Bewegung von Bergen, Wasser,

B�umen und Blumen.

�berall erinnert man sich an �hnliche Bewegungen im menschlichen K�rper,

�hnliche Regungen von Freuden und Leiden in den Pflanzen...

innige.

Und mit dem Wesen und Herz empfindet man einen herbstlichen Baum im Sommer.

Diese Wehmut m�chte ich malen.

In allem, was ich anschaue, sehe ich auch schon das Vergangene.

Ich kann mir jetzt schon vorstellen, wie es im Herbst hier aussehen wird.

Die ganze Landschaft wird sterben. In Gelb und in Orange

und in einem strahlenden Braun, das man �berall riechen wird k�nnen.

Geh! Geh weg!

Mein Gott, sag doch was, Egon.

Unrecht, Gewalt,

Magenschmerzen innen, in der Seele...

Iodert, brennt und �chzt nach Kampf.

Brecht die Gewalt, eure Sprache,

eure Zeichen,

eure Macht.

Mein Gott, der redet ja v�llig verr�ckt! Egon.

Ich bin's. Schau mich an. Dr. Benesch ist hier.

Ich habe mit Dr. Stovel gesprochen. Er ist hier der Untersuchungsrichter.

Sag doch was.

Dr. Stovel.

Ein Doktor.

Was ist das f�r ein Mensch?

Was ist das f�r eine Gemeinheit?

Mich zu treten, mich zu erniedrigen.

Ein Mensch, der eine Freude daran hat. - Bitte beruhigen Sie sich doch.

Ein Doktor.

Ein Mensch, der studiert hat.

Ein Gebildeter, der in Kunstausstellungen und Museen geht.

In Kirchen! Ins Theater.

Er duldet...

dass man mich in einen K�fig sperrt!

Erwin, bitte.

Da ist er doch, meine Kinder. Jetzt kommen wir in den gro�en Saal.

Da ist mein Beethoven. Der Gigant Typheus.

Die Fresken hat Klimt gemalt, zu Ehren von Max Klingers monumentalem Beethoven.

"Das Beethovenfries". "Die Sehnsucht nach dem Gl�ck".

"Die Leiden der schwachen Menschheit",

die Bitten dieser an den wohlger�steten Starken.

"Der Gigant Typheus".

"Unkeuschheit, Wollust, Unm��igkeit".

Die Sehnsucht nach Gl�ck findet Stellung in der Poesie.

Die Sehns�chte und W�nsche der Menschen fliegen dar�ber hinweg.

Solche Orgien, das hat man noch auf keiner Wiener Ausstellung gezeigt.

Guten Abend, Herr Geheimrat.

So ziemlich die �belsten Frauenzimmer, die ich je gesehen habe.

So ziemlich die �belsten Frauenzimmer, die ich je gesehen habe.

Aber da h�rt sich doch alles auf! - Eine glatte Unversch�mtheit.

Was ist denn das? - Was ist denn was?

Gib das her! - Liegende mit gespreizten Beinen.

Gib das sofort her! - Aber das ist ja widerlich!

Das... das brauchen wir f�rs Gericht! - Nackte Pornographie

und in dieser Scheu�lichkeit. Das ist ja direkt pervers.

Und so was bringst du mit nach Haus. Warum eigentlich, Erwin?

Zu deinem Privatvergn�gen? - Das geh�rt zu den Ermittlungen.

Das ist der Fall Schiele. Das... Das brauchen wir vor Gericht.

Regen dich diese Bilder auf, Erwin? Ich meine, schaust du sie dir heimlich an?

Das ist Kunst. Davon verstehst du nichts.

Ein solcher K�nstler ist ein gequ�lter Mensch.

Bleibt die Frage nach der Immoralit�t der Bilder,

die eindeutig zur Pornographie tendieren.

Angeklagter, wenn Sie auf lhrer Unschuld beharren,

wie beurteilen Sie selbst lhre Erzeugnisse?

Es ist ein Skandal, eine fast nicht zu glaubende Rohheit,

Gemeinheit und gro�e, gro�e Dummheit.

Es ist eine Kulturschande, eine Schande f�r �sterreich.

Dass einem K�nstler in seinem Vaterland so etwas passieren kann.

Ich leugne es nicht.

Ich habe Zeichnungen und Aquarelle gemacht, die erotisch sind.

Aber es sind doch immer Kunstwerke. Das kann ich sagen.

Und Leute, die davon was verstehen, die werden es gern best�tigen.

Haben andere K�nstler keine erotischen Bilder gemacht?

Aber eingesperrt hat man deshalb nicht einen K�nstler.

Viele, viele ber�hmte K�nstlernamen k�nnte ich nennen, auch den von Klimt.

Aber ich will mich damit gar nicht entschuldigen.

Das w�re meiner nicht w�rdig. Ich leugne also auch nicht.

Als unwahr erkl�re ich aber, dass ich Kindern

solche Zeichnungen absichtlich gezeigt habe.

Dass ich Kinder verdorben habe.

Wird das denn so weitergehen? Ich kann seit Tagen nichts arbeiten,

nicht mal ein Backpapier habe ich. Ich hab Kopfweh, bin gefesselt.

Will mir niemand helfen?

Wenn ich meine Ausstellung machen k�nnte, w�re ich drau�en!

Aber nein, ich kann nicht einmal zeichnen. Also muss ich schreiben.

Mir Geld ausleihen, jetzt, in den allerbesten Jahren und Tagen,

wo ich arbeiten will. Welche Zeiten.

Soll ich Kaufmann werden oder Verk�ufer? Wer wird mir helfen?

Ich kann keine Leinwand kaufen, will malen, hab keine Farben!

Warum soll ich zu alldem still sein? Ich bin �u�erst empfindlich,

und all diese Leute wissen absolut nicht, wie sie sich benehmen sollen,

dem K�nstler gegen�ber.

Waren Sie nicht ein Modell von Klimt? - Ja, er hat mich fr�her oft gezeichnet.

Ja, ich hab Sie doch gleich erkannt.

Wissen Sie, im Nebenzimmer da h�ngen Sie schon.

Ein wahres Meisterwerk von Klimt.

Tut mir leid, mein Fr�ulein.

Auf Wiedersehen.

Und Sie machen das wirklich gerne?

Ich meine, so Modell stehen.

Ist das aufregend?

Sie verstehen schon. Regt Sie das auf?

Wissen Sie, ich w�rde ja gern ein Blatt kaufen,

vielleicht auch sogar zwei.

Ich bin n�mlich ein leidenschaftlicher Sammler erotischer Kunst.

Aber versuchen Sie's einmal bei Dr. Kosinski.

Er wohnt direkt �ber mir.

Sie brauchen nur dem Klavierspiel nachzugehen.

Das ist seine Frau Gemahlin.

Man hat Sie soeben avisiert, mein Kind.

Ich muss sagen, eine �berraschung.

Keine Angst, mein Kind. Meine Frau kann uns nicht st�ren.

Sie ist gel�hmt. Sie sitzt den ganzen Tag am Klavier,

im Rollstuhl.

Also, was ist?

Ich muss sagen, das Original �bertrifft das Abbild.

Ich werde drei Bl�tter nehmen.

Was hast du? - Nichts.

Warum weinst du denn? - Ich wei� es nicht.

Tatjana Georgette Anna von Mossig.

Bleiben Sie bei lhrer Aussage vom 13. April 1912?

Nein. Das war alles ganz anders.

Ich hab's mir �berlegt.

Soll das hei�en, Sie ziehen lhre Aussage zur�ck?

Ja. Ich ziehe meine Aussage zur�ck.

Gef�ngnis von 3 Tagen, zu Recht erkannt,

gilt durch die Untersuchungshaft von 24 Tagen als verb��t.

Das ist das Blatt, das zum Unheil f�r Sie geworden ist.

Es soll Ihnen wehtun. Es soll Sie befreien.

Gratuliere zum Urteil. Sie sind endlich frei.

Was muss das f�r ein Gef�hl f�r Sie sein? - Sch�n, dass Sie da sind. Wo ist Vally?

Sie wartet mit ihrer Frau Mama am Bahnhof. Lhre Frau Mama wollte nicht so direkt

am Gef�ngnis da... Wissen Sie? - Ja, ja.

Mein Sohn im Gef�ngnis! Dass man sich nur sch�men muss.

Eine Schande! - Es wird schon wieder.

Es wird schon wieder. - Im Gef�ngnis wie ein Verbrecher!

So weit ist es gekommen! Statt dass er mich unterst�tzt...

wie Melanie oder Gerti.

Sag doch was, Egon. So sag doch was.

Meinst du, das ist leicht gewesen, f�r mich als Mutter? Das alles.

F�r dich? - Sehen Sie, so ist er. So ist er.

Er wird eine Zeit lang verreisen und alles vergessen.

Was wird er vergessen? Er soll doch selbst was sagen.

Er kann doch f�r sich selber reden.

Wenn er doch wenigstens was verdienen w�rde. Wie Klimt!

Oder andere Maler.

Es wird schon.

Wenn er erst wieder in Wien ist, im neuen Atelier, in Hietzing.

Bl�ttert zur�ck in euren Tageb�chern.

War da nicht immer um den Fr�hling eine Zeit,

da das ausbrechende Jahr euch wie ein Vorwurf betraf?

Es war Lust zum Frohsinn in euch und doch,

wenn ihr hinaustratet in das ger�umige Freie...

und ihr wurdet unsicher im Weitergehen wie auf einem Schiffe.

W�hrend ihr wartet, dass eure Seele teilnehme,

empfandet ihr pl�tzlich eurer Glieder Gewicht.

Und etwas wie die M�glichkeit, krank zu werden,

drang in euer offenes Vorgef�hl.

Aber ein Vogel klang und war allein und verleugnete euch.

Ach, h�ttet ihr m�ssen gestorben sein. Vielleicht.

Vielleicht ist das neu, dass wir das �berstehen,

das Jahr und die Liebe.

Bl�ten und Fr�chte sind reif, wenn sie fallen.

Was ist?

Dieses Bild.

Was ist mit dem Bild?

Es macht mir Angst.

Wie hei�t es?

"Der Tod und das M�dchen".

Ich liebe dich. Ich kann's nicht anders sagen.

Ich lieb dich doch auch. Und kann's auch nicht anders sagen.

Du h�rst mir �berhaupt nicht zu. Der Zins ist f�llig,

eine Schneiderrechnung. Der Zahnarzt will auch nicht l�nger warten.

Wie stellst du dir das eigentlich vor? Alle wollen sie ihr Geld.

Du, Vally, ich geh jetzt ins Kino. - Nimmst du mich mit?

Das geht nicht. Ich hab nur eine Karte bekommen.

Es war alles ausverkauft. - Schade. Ich w�re so gern mitgegangen.

Wei�t du was? Ich gehe morgen mit dir ins Kino.

Schaue ich mir den Film halt zweimal an, hm? Servus.

Extraausgabe!

Extraausgabe!

�sterreich-Ungarn hat Serbien den Krieg erkl�rt!

Extraausgabe!

Haben Sie noch ein Billet f�r mich? - Freilich. So viel Sie wollen, Fr�ulein.

Ja, aber... Ich hab gerade geh�rt, es ist alles ausverkauft.

Nein, nein. - Ja. Dann geben Sie mir halt eins.

So, danke. - Danke sch�n.

Welche von den beiden ist es?

M�ssen wir jetzt dar�ber reden? Es ist schon so sp�t.

Ich will's aber wissen.

Vally, ich wei� es selber nicht. Es ist doch alles ganz anders.

Vielleicht Edith.

Ich wei� auch nicht, wie ich es dir erkl�ren soll.

Lass uns zusammenbleiben.

Ich will... will nicht, dass...

Es ist alles vorbei.

Vally, Vally, du...

Lass uns wenigstens einmal im Jahr fortfahren. Zusammen.

Irgendwohin. Hm? Dass wir zusammen sind.

Ich will dich nicht verlieren.

Bleib bei mir.

Ich hab es von Anfang an geahnt. Und dann das Bild noch.

Was ist mit dem Bild? - Es hat mir solche...

solche Angst gemacht.

Ich bin...

in niemanden...

verliebt.

Ich bin nur ein...

Modell.

Mein fester Wille ist, zu dir zu halten, mag kommen, was will.

Da will ich die Ehe von Anfang an rein beginnen.

Ich will dir keine Vorschriften machen. Ich hab dich lieb.

Ich hab den Glauben an dich. Du bist mir mehr als meine Familie.

Sch�tz das nicht gering ein, denn ich liebe sie sehr.

Ich will tun und lassen, was du willst, bis ich wei�,

dass du mir nichts Unm�gliches zumutest, das unter meiner W�rde w�re.

Man k�nnte meinen, dass du mit den H�nden etwas sagen wolltest.

Wieso? Wie meinst du das? - Die eine Hand k�nnte ein "E" sein.

F�r Edith. - Ja, und?

Und die andere ein "A". F�r Adele, glaub ich.

Jetzt bin ich nackt.

Warum hast du das wei�e Kleid ausgezogen? - Warum nicht?

Weil ich dich nicht mehr sehen kann.

Liebe Edith. Ich freue mich, dass Sie da sind.

K�ss die Hand, Adele.

19, weiblich. Syphilis. Letztes Stadium.

Es ist einfach zu sp�t behandelt worden. Auch zu sp�t erkannt.

Wer denkt das bei einer Krankenschwester? - Ich glaube, es war Scharlach.

Ich kann mich irren, aber es war Scharlach.

Na, wie gro� sind wir denn? 1,78.

Gewicht: 72 Kilo.

Darf ich? Ganz gute F��e, Infanterie. Und der in die Schreibstube.

Schiele, Egon, Leo, Adolf.

Hier. - Ist er da oder nicht?

Ich h�re nichts! Lauter! - Vortreten.

Ja, ich bin hier. - Warum haben Sie's nicht gleich gesagt?

Gr��e: 1,82. - 1,82.

Lunge gut. Mandeln schlecht.

Keine H�morriden.

Ein bisschen l�dierte Leber. - L�dierte Leber.

Gewicht: 71 Kilo hat er. - 71.

Lymphdr�sen sind gut. Abtreten.

Und gut. - Na, was haben wir da alles?

Ein bisschen blutarm. Ganz gute Statur.

Guten Morgen, guten Morgen. - Spreizfu�.

Das ist wirklich sehr gut. - Unglaublich.

Dienst hinter den Linien, Wach- oder Schreibstubendienst.

Niedertr�chtig diese Zeit ohne Ende.

Jetzt, wo ich mit meinen Bildern herau�en w�re,

am Boden kriechen zu m�ssen und stumpfsinnig Bewachung zu �ben.

In einer ganz gemeinen einj�hrigen freiwilligen Abteilung bin ich.

Abteilung Marsch!

War's sch�n im Hotel? - Ja, leidlich.

Gehst du viel aus? Schaust du dir alles an? - Ja.

Den Hradschin und die Moldau. - Ja. Da war ich schon mit dem Leutnant.

Ein Leutnant, was f�r ein Leutnant? - Der Leutnant Wakasch,

der wohnt auch im Hotel. - Wie kommst 'n du zu dem?

Er hat sich vorgestellt und hat gefragt, ob er mich begleiten darf,

wenn ich allein bin. - Hast du ihm gesagt,

dass du verheiratet bist? Dass du mit mir verheiratet bist?

Aber ja, Egon. Er hat ganz sch�chtern und bescheiden gefragt,

ob er mich begleiten darf und ob mein Mann auch nichts dagegen h�tte.

Ja, und er hat nach dir gefragt. Was du machst und so.

Hast du ihm gesagt, dass ich ein Gemeiner bin und hier im Dreck rumw�hle?

Ach, Egon. - Na ja, Leutnant.

Der Hradschin ist sehr sch�n.

Wie sieht er denn aus? - Wer jetzt,

der Hradschin oder der Leutnant?

Ach, Edith. Ich wei� nicht, du bist auf einmal so fremd.

Du musst mir immer alles erz�hlen.

Du bist der einzige Mensch in der Welt, zu dem ich Vertrauen habe.

Egon, wegen dem Leutnant, da gibt es nichts zu sagen.

Ein bisschen verliebt ist er halt, das ist alles.

Ein bisschen verliebt? Und da ist nichts zum Sagen?

Du bist vielleicht auch ein bisschen verliebt in ihn?

Siehst du, so ist es mir gegangen, die ganze Zeit. Mit der Vally,

und nie hast du was gesagt. Und mit den Zeichnungen und den Modellen.

Und nie hast du was gesagt. Und jetzt auf einmal.

Nein, mit dem Leutnant, das k�nnt ich nicht.

Auch wenn ich's wollte. Ich bin deine Frau, Egon.

Das bisschen verliebt sein. - "Wenn du wolltest".

Wenn ich weg bin, willst du vielleicht.

Du meinst, du k�nntest mit dem Leutnant? - Ich wei� nicht.

Ich will auch nicht dar�ber nachdenken. Kann sein.

Kann aber auch nicht sein.

Ich wei� nicht.

Pl�tzlich verlegt nach Neuhaus. Stopp. Unvorhergesehener Aufbruch nach Neuhaus.

Werde dort Hotel pr�ferieren. Stopp.

Konnte dich nicht mehr erreichen. Stopp. In Liebe. Stopp.

Erwarte dich dringend Neuhaus. Stopp.

Erinnere Gespr�ch Kaserne. Stopp.

Bitte komme sofort Neuhaus. Stopp. Bist die Gr��te, Liebste.

Gr��e, ich umarme dich. Stopp. Erwarte dich dringend.

Nimm den n�chsten Zug, heute noch. Stopp.

Erwarte dich Bahnhofshotel.

Der Kunstkritiker, Herr Seligmann, schreibt:

Der Kunstkritiker, Herr Seligmann, schreibt:

"Die grausig phantastischen Karikaturen von Egon Schiele.

Gespensterhafte Lemuren mit blutigen Spinnenfingern.

Verst�mmelte, halb verweste Leichen." Die neue freie Presse:

"Leider verwendet er seine ungew�hnlichen F�higkeiten

ausschlie�lich zur Herstellung entsetzlich manierierter,

perverser Karikaturen."

Mein Gott, es ist nicht zu fassen. Die vielen Leute.

Ich begreife es gar nicht. - Wie die Irren sind sie,

die aus dem Irrenhaus rauskommen. Als ob sie es pl�tzlich kapieren t�ten.

Das h�ttest du viel fr�her und billiger haben k�nnen,

wenn du gleich mit der Familie angefangen h�ttest.

Na ja, Spie�er sind sie halt alle.

�brigens, das Bild ist angekauft. Die Frau Gemahlin mit dem grauen Rock

der �sterreichischen Staatsgalerie. Es geh�rt ein Zettel drauf!

15.000 Kronen gesamt, bis jetzt. Es k�nnen 20 werden, leicht.

Sie werden's halt auch anlegen wollen, das viele Geld.

Was kriegt man denn jetzt schon, im Krieg?

Also ich habe einen Wein mitgebracht, ein Landwein.

Wenn du einmal fort bist, dann m�ssen die ganzen Leute...

Au�er, es bringt jemand Margarine mit.

Es ist die Pest drau�en, in ganz Wien, eine schwere Grippe.

Die nennt sich die "Spanische Grippe". Man muss vorsichtig sein.

Sie haben ganz Recht.

Mir schwebt was Gro�es vor. Ich hab auch schon eine Idee.

Was haben Sie denn da auf der Staffelei? - Ein Geheimnis.

Sie wissen, das Schweben liegt mir. Jeden Schwebenden zieht es hinauf.

Und meine Familie m�chte ich in die Weite entschweben lassen. Waagerecht.

Wie meinen Sie denn das?

Ganz anders als Kokoschka damals mit seiner "Windsbraut".

Bei mir schwebt das Paar dem irdischen Elend davon.

Ins Gl�ck, wenn Sie wollen. - Ein sch�ner Gedanke.

Ich wei�, was Sie denken. In drei Monaten ist es so weit.

Dann k�nnen Sie das Kind in natura sehen.

Die tote Stadt, nicht? Das war doch in der Ausstellung.

Ja, aber ich arbeite noch dran. Der Gr�nwald hat's gekauft.

Das Ende der Stadt soll noch deutlich als Dunkel herausragen.

Wie der Bug eines Schiffes.

Unter dem wei�en Himmel, jetzt sehe ich die schwarze Stadt wieder,

die immer gleich geblieben ist. In ihr gehen die Stubenhocker-H�usler wie immer.

Die Armen, Arme, so arme.

Das rauschrote Herbstlaub riecht ihnen gleich.

Wie wohl ist aber der Herbst in diesem Wind-Winterland.

H�rst du was?

Hm.

Es hat mich vor den Kopf gesto�en.

Egon, ich lieb dich.

Ich lieb dich.

Edith... Um Gottes willen!

Komm.

Ich mach dir einen hei�en Tee. Mit Rum.

Und Zitrone.

Brauchst du einen Wickel?

Du musst sofort zum Arzt.

Bis daher ist er gekommen. Und dann ist er aufgehoben worden.

Ja, das Fieber. Jeden Morgen sammeln sie jetzt die Leichen ein.

Absolute Bettruhe.

Gibt es noch mehr Kranke in diesem Haus? - Nein.

Der Wickel muss alle Stunden erneuert werden. K�nnen Sie das?

Ja.

Dass halt nicht noch eine Lungenentz�ndung dazukommt.

Jetzt gehe ich Kohlen holen. Hm?

Dann heizen wir ein. Dann ist es ganz warm.

Selber vordr�ngen! Sich einfach vorzudr�ngen!

Mein Gott! Wir haben nichts gewusst davon. - Wir wollten auf Besuch reinschauen.

Ja, wie lang hat sie denn schon Fieber? - Warum hast du uns nicht holen lassen?

War der Arzt schon da? - Sag doch was, wie war denn die Nacht?

Was sagt er denn? - Hat sie hohes Fieber? Sag doch was.

Wenn ich nur w�sste, wo man jetzt die Kohlen herbekommt.

Sie darf nicht sterben.

Mein Gott. Ich lebe durch sie.

Du musst schlafen. Du kannst nicht Tag und Nacht hier sitzen.

Du ruinierst dich ja. Komm schlafen.

27. Oktober...

1918.

Ich hab...

ich hab dich...

unendlich lieb.

Ich liebe dich immer mehr.

Grenzenlos.

Ma�Ios.

Deine Edith.

Egon, du musst dich angesteckt haben.

Wahrscheinlich hat er sie gek�sst. Immer ist er so unvorsichtig.

Es war doch eh nichts mehr zu machen.

In Wien sterben die Leute wie die Fliegen. Alles ist gef�hrlich.

Eigentlich h�tten wir erst gar nicht kommen sollen.

Egon, willst du uns nicht begr��en? Gr�mst du dich sehr?

So sag doch was, Egon.

Du musst essen, Egon. Du brauchst Kraft.

Du kannst doch nichts �ndern.

Es geht jetzt um dich!

Ein Begr�bnis erster Klasse.

Es steht Ihnen nat�rlich frei, eigene Bekleidung zur Verf�gung zu stellen.

Hier... nein, hier

ist der Text f�r die Todesanzeige.

Er ist sehr gut.

Wir ziehen ihr besser das neue Spitzenkleid an.

Es sind alle zum Begr�bnis gegangen. Sie kommen bald wieder.

Da kommen sie. Sie kommen direkt am Haus vorbei.

Jetzt sind sie direkt unter uns.

Sie sind vorbei.

Jetzt ist der Krieg aus und ich muss gehen.

Was ist?

Was ist mit dem Krieg?

Egon?

Egon.

So sag doch was.

Egon!

Halt! Der Egon!

Halt!

Der Egon ist tot!

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