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Original subtitles

DIE RACHE DER CAMORRA

Hey Tonì! Bringen Sie mir bitte das Obst!

- Aniè! - Pasqualino?

- Was ist? - Bereite den kleinen Karren vor.

Hey! Der Strohhut! Mein Strohhut!

Halt! Haltet ihn! Er hat meinen Hut geklaut!

Haltet ihn! Mein Strohhut!

Bruno!

Junger Mann, wen suchen Sie denn?

- Zieh weiter... - Signora Scognamiglio.

Weiter vorn, beim großen Eingangstor, Nummer 86.

- Ja, gut so! - Hauen wir ab! Hauen wir ab!

- Signora, kümmern Sie sich um Ihre Sachen. - Los, laufen Sie, na los!

So ein Trottel, hat sich den Koffer klauen lassen...

Machen Sie sich keine Sorgen, Signora.

Wenn sie zurückkommen, sagen Sie denen, dass Nicola Bellizzi...

... im Haus der Signora Scognamiglio auf sie wartet, in Ordnung?

Moment mal...

Wollen wir um 'ne leckere Pizza wetten, dass Sie den Koffer nicht wiederfinden?

Ach, warum nicht? Bestellen Sie schon mal die Pizza...

- Dann reden wir drüber. - Ist gut.

- Peppì, eine schön belegte Pizza, bitte. - Wie hätten Sie die Pizza gern?

Mit Tomatensauce und schön durch.

- Wer ist da? - Nicola Bellizzi.

- Anwalt Santopadre schickt mich. - Ein achtbarer Mensch.

- Guten Morgen, Signora. - Guten Morgen.

Ich komme wegen des Zimmers zur Untermiete.

- Kennen Sie den Preis? - Ja, und ich bin damit einverstanden.

Hören Sie...

... die Bezahlung erfolgt im Voraus. Fünf Lire im Monat. Das verstehen Sie doch?

Das verstehe ich. Wenn Sie sich einen Fremden ins Haus holen...

... tun Sie das ja sicher nicht aus Gemeinnutz.

Also gut. Machen Sie es sich gemütlich.

Hier entlang. Nein, nicht da. Hier ist es.

Hier, das ist es.

Kommen Sie herein.

- Und ab wann brauchen Sie es? - Ab sofort.

Sofort? Herrgott, hier haben's aber alle eilig...

- Haben Sie kein Gepäck bei sich? - Das kommt noch. Man bringt es mir gleich.

Danke.

- Das ist mein Koffer. - Ich gehe schon.

Ich komme. Bin gleich da. Einen Moment...

- Wohnt Nicola Bellizzi hier? - Vielleicht.

Komm rein und klau ja nichts.

Stell ihn hier ab.

Entschuldigen Sie vielmals, es war ein Versehen.

Wir haben Sie erst wiedererkannt, als wir den Koffer geöffnet haben.

Wir waren noch zu klein, als Sie ein „Scugnizzo“ waren...

... und den werten Namen „Rote Mütze“ trugen.

Außerdem sind Sie ja jetzt ein Mann.

- Wie heißt du? - Pasquale Scalzo, zu Ihren Diensten.

Pasqualì...

Ich habe das Viertel gewechselt, damit man mich vergisst.

„Rote Mütze“ ist tot.

Nur die Mütze ist noch übrig, als Erinnerung.

Es bedurfte 6 Jahre Erziehungsanstalt, um zu begreifen, dass in dieser scheiß Welt...

... Gnade und Gerechtigkeit nichts wert sind!

Ich wurde dumm geboren, so wie du. Aber ich will vernünftig werden.

- Verstehst du? - Nein.

Komm, zieh Leine.

Hör mal, ich habe um eine Pizza gewettet, und da ich gewonnen habe, lass sie dir geben.

Geh und iss auf mein Wohl.

Wenn einer verloren hat, kann's nur „Raffaele, die Leiche“ sein.

Der verliert immer. Wie auch immer, vielen Dank.

Wir essen sie auf Ihr Wohl. Wir haben 'nen Mordshunger.

Ich glaub, ich werf den aus dem Haus, und zwar ganz prompt.

Aber Mama, was haben Sie erwartet? Einen alten, sabbernden Kerl?

Hör mal, Nannì, mein Mädchen...

Ich vermiete aus finanziellen Gründen...

... und nicht, um dir einen Zeitvertreib ins Haus zu holen.

Sollte ich merken, dass du auch nur mit ihm redest...

... beiß ich dir so ins Gesicht, dass dir ein Leben lang eine Narbe davon bleibt.

Mama, ich habe ihm noch nicht einmal ins Gesicht gesehen.

Aber wenn er mir gefällt...

... schnapp ich ihn mir.

Das heißt wohl, er ist'n hübscher Junge.

Ihr Habenichtse! Ihr Halunken! Ihr Blutsauger!

Pizzabäcker, eine Pizza für diese Ratten.

Dass Ihr alle daran ersticken möget!

Im Hals soll's euch steckenbleiben!

Zum Henker mit euch verlausten Halunken und Habenichtsen!

Verzieht euch! Na los! Verzieht euch!

Pascà, gibst du mir ein Stück von der Pizza?

Hey! Ihr könnt schreien! Er ist aufgewacht!

Wer möchte eisenhaltiges Wasser? Wer möchte eisenhaltiges Wasser?

Hier gibt's Wasser!

Klippfisch ist besser als normaler Fisch!

Hey Don Gaetano! Vielen Dank auch!

Graf Schwanz ist aufgewacht! Jetzt dürfen wir reden!

Warum soll ich ruhig sein? Verzieh dich!

Jetzt dürfen wir plaudern! Wir dürfen auch kacken!

- Wieso Ärger einheimsen? - Was denn?

Irgendwann kriege ich mich mit dem noch in die Wolle.

Einen schönen Teller Spaghetti. Mit etwas mehr Soße.

- Halten Sie den Kopf still! - Ich rühr mich doch nicht!

Sie sollen sich auch nicht rühren!

Sind die Schäfer aber schön...

- Hast du mitgekriegt, was passiert ist? - Was denn?

Nunziatina wurde verführt und sitzen gelassen.

Hier gibt's tolle Tintenfische! Frische Tintenfische!

Kommt her und kauft sie euch! Kommt, nur zu!

Kauft Pfirsiche! Pfirsiche! Kauft Pfirsiche! Kauft!

Kauft! Kauft!

Guten Tag, lasst mich vorbei...

Tut euch nicht weh!

Donna Amà, bringen Sie mir die Krawatte.

Die rote, in der Farbe des Blutes.

Don Gaetà, ziehen Sie doch heute Morgen die Gepunktete an.

Das sieht netter aus.

- Heute Morgen will ich Ihnen gefallen. - Fein.

Sehen Sie, wie gut Ihnen das steht?

- Ja, ja... - Sie sind so schön, Don Gaetà...

Apropos, Gigino, „der Aasgeier“, ist da.

- Haben Sie die Rechnung gemacht? - Und ob.

Er muss noch 221 Mal ins linke Auge gespuckt werden...

... und 24 Mal ins rechte Auge.

Heute Morgen...

- ... ist mir nach dem rechten Auge. - Dann sind das 24 Male.

- Sie haben wohl ein eisernes Gedächtnis. - Da sagen Sie was Wahres...

So, fertig.

Eines Tages kriegt der Heilige Anton noch 'nen Koller, Don Gaetà.

- Guten Tag, Donna Amà. - Schönen Tag, Don Gaetà.

Was willst du von mir, Mann? Nein, hab ich nicht.

- Ach, komm schon. - Nein.

Dann mach doch, ist mir doch egal.

Ach, hör doch auf!

- Guten Tag, Don Gaetano. - Guten Tag.

- Guten Tag. - Guten Tag.

Guten Tag, Don Gaetà, ich bin bereit.

Links oder rechts?

Don Gaetà, kann ich einen 10%igen Erlass des morgendlichen Bespuckens bekommen?

- Don Gaetà... - Nein.

Ich bitte Sie.

Gigino, wissen Sie, wie man mich nennt? Oder nicht?

Don Gaetà, hier, Ihr kleines Patenkind. Sehen Sie, wie er gewachsen ist.

Hey Kleiner, du hast aber ein tolles Schwänzchen. Brav.

- Danke, Don Gaetà. - Don Gaetano „Eisenherz“.

Und wie nennt man dich, nachdem du für den Delegierten Aiossa rumspioniert hast?

Aiossa?

Nun, man nennt mich Gigino, „der Aasgeier“, oder anders gesagt „der Schandkerl“.

Und du glaubst, dass Gaetano „Eisenherz“ dir 10% der Strafe erlässt...

... die er Gigino, „dem Aasgeier“ wegen Infamie auferlegt hat?

- Ja. - Nein.

Ich bring mich um, Don Gaetano. Ich nehm Ihnen den morgendlichen Spaß.

Dann werde ich deine Schuld an deinen Sohn weitergeben.

- Don Gaetà... Don Gaetà, warten Sie... - Mach's gut...

Vier! Zwei! Sechs!

Auf geht's! Wer bietet? Alle zusammen?

- Los! Drei! Sechs! Fünf! - Sechs! Sieben!

- Eins! Zwei! Vier! - Vier! Sechs! Sieben!

Acht!

Auf! Wer bietet? Na los, kommt schon!

Acht! Neun! Dir zeig ich's!

Vier! Sechs! Sieben!

Los, noch mal! Auf, wer bietet?

Vier! Eins! Drei! Sechs! Fünf...

- Und, was macht er? - Er gewinnt. Er besiegt sie alle.

Hast du ihn genau gesehen? Bist du sicher? Denn ich weiß nicht, was er macht.

- Guten Tag, Don Gaetà. - Guten Tag, Don Gaetà.

Hier drin ist einer, der ohne Ihre Erlaubnis „Morra“ spielt.

Was sollen wir tun?

Das sehen wir noch.

Ist gut.

- Seien Sie gegrüßt, Donna Marì. - Guten Tag, Don Gaetà.

- Don Gaetà, wie geht's? - Guten Tag.

Marì, gib Don Gaetà eine schöne frische Miesmuschel.

- Alles für Don Gaetà. - Ganz frisch.

- Die haben wir heute Morgen gefischt. - Das ist ja was Feines.

- Möchten Sie etwas Zitrone? - Ja, mach mal ein bisschen was drauf.

- So hier. - Und auch noch 'ne schöne Messermuschel.

Denn Don Gaetà verdient alles.

- Möchten Sie noch eine? - Das reicht. Danke, Donna Marì.

- Die sind gut, was? - Gut...

- Schönen Tag noch. - Ihnen auch, Don Gaetà.

Vier! Neun! Sieben! Sechs! Acht!

Sechs!

- Guten Tag, Don Gaetano. - Don Gaetano.

Seien Sie gegrüßt.

Ich werde spielen.

In Ordnung. Ein Groschen.

Geizhälse spielen um einen Groschen.

Eine Lira. Hast du so viel?

- Ist das ein Angebot oder ein Befehl? - Aber nein, ich mache nie Angebote.

Ich verzeihe dir, weil du mich nicht kennst.

Na gut. Ist gut, eine Lira soll mir recht sein.

Spielen wir.

- Neun! Acht! Sieben! Vier! Zwei! - Fünf! Vier! Vier! Zwei! Drei!

- Zwei! Zwei! Sieben! Neun! Zwei! Zwei! - Acht! Drei! Vier!

Vier! Sieben! Sechs! Fünf!

Hey!

Nein...

Sie schulden mir noch eine Lira.

Hier, du Habenichts.

Sie haben mich nicht beleidigt.

Im Gegenteil, ich möchte mich auf Ihre Stufe stellen.

Jungs, nehmt das Geld und esst auch was für mich mit.

Ein Geschenk an das Elend von Nicola Bellizzi.

Es bleibt aber noch die Ohrfeige.

Wann immer Sie möchten. Ich stehe zur Verfügung.

Ich werde Sie genau informieren.

Hey Freundchen. Es ist das zweite Mal, dass ich dich jetzt erwische.

Ziehst du jetzt mal Leine?

Wie soll ich dir es sagen? Die Herrschaften möchten nicht von dir belästigt werden!

Du hast echt einen Dickschädel!

- Viciè, lass ihn in Ruhe. - Verzeihen Sie, Donna Lucia.

- Aber ich kann nicht... - Lass ihn, sagte ich!

- Verzeihung. - Und bring mir zwei Schaumgebäcke.

Kleiner, hier. Und jetzt verschwinde. Komm, geh.

Ja, ja, geh schon.

Luisè, wenn ein Mann sich mit dir verabredet und sich dann verspätet...

... betrügt er dich gerade oder er hat es vor, denk daran!

Ich werd's mir merken, aber das, was mir fehlt, um eifersüchtig zu sein...

... ist ein Mann, der mich gern hat...

Kleines, wenn du nicht langsam aufwachst, schimmelt es noch zwischen deinen Beinen.

Wenn du einen hübschen Kerl siehst, musst du ihn mit den Augen verschlingen.

Du musst lächeln, klar? Du wirkst auf mich wie die Unbefleckte Empfängnis.

Mensch! Ich warte nicht länger. Ich bin niemandes Dienerin. Gehen wir.

- Guten Tag. Wohin gehst du? - Ich gehe.

- Ich warte schon zu lange auf Sie. - Ganz ruhig, Donna Lucia.

Ich bringe dich um, wenn du dich nicht wieder an deinen Platz setzt.

Komm, gehen wir. Na komm.

- Guten Tag, Don Gaetano. Wie geht's? - Guten Tag.

Seien Sie gegrüßt.

- Don Gaetà, ich muss Sie um etwas bitten. - Kleiner, zieh Leine!

Ich habe eine Ladung Mehl, Don Gaetà.

Ich benötige Ihre Anwesenheit, weil man sie mir nicht bezahlen will.

- In Ordnung. - Einer ist Salierno, Don Gaetà.

Er lässt wissen, dass er nur mit Ihnen reden will.

- Hat er es dir gesagt? - Persönlich.

Es ist ein König. Er verschwindet...

... und kommt wieder.

Sie verstehen? Die Bäcker warten.

- Und wann brauchen Sie es? - Ganz dringend, Don Gaetà.

Verstehen Sie, je eher man es uns zurückgibt, desto besser.

Hinter Ihnen ist ein hübscher Kerl. Der gefällt mir sehr.

- Bring mir einen Anislikör. - Sofort.

Das kommt nicht in Frage. Er ist zu schön für dich.

Da haben wir's. Sehen Sie, was für ein Pech ich habe?

- Don Gaetà, wir warten auf Ihr Eingreifen. - Gut, ich regle das.

- Guten Tag. - Guten Tag.

- Entschuldigen Sie. - Sie gestatten?

- Was gibt's? - Verzeihen Sie, Don Gaetà.

Sie müssen mich entschuldigen, aber...

... seit einigen Tagen steigt ein Student meiner Frau Maria nach.

Wenn er nicht damit aufhört, schneid ich ihm, mit Ihrer Erlaubnis, das Gesicht auf.

- So schaffe ich ihn aus dem Weg. - Und wenn ich nein sage?

Ist gut. Ich gehorche Ihnen.

- Dann bin ich gezwungen, mich zu töten. - Nicht doch...

Du bist jung.

- Du musst leben, wenn du kannst. - Ist gut. Ist gut.

- Okay, ich gestatte dir den Rasiermesserhieb. - Danke.

- Aber... keine Leichen, okay? - Geht klar.

- Ich will in meinem Viertel Ordnung haben. - Keine Sorge. Vielen Dank, Don Gaetà.

- Mach's gut. - Machen Sie's gut.

Hast du dich beruhigt?

Passt gut auf...

Was ist mit dir?

Sprich! Was ist passiert? Ich kann dich nicht so sehen.

Lucì...

Vielleicht sitzt hinter dir mein Tod.

Was sagst du da? Warum?

Weil ich ein „Guappo“ bin. Und so soll es sein.

Komm, geh. Geh nach Hause.

Beeil dich. Ich warte zu Hause auf dich.

Kutscher, bist du frei?

- Wer ist das? Den pack ich mir. - Du gehst nirgendwohin. Bleib locker.

Ganz sachte. Pass lieber auf.

Don Gaetà, die Polizei.

Wenn du nicht auf den Knast stehst, mach dasselbe wie ich.

Ist besser für uns beide.

Entschuldigt, darf ich Ihnen eine Limonade spendieren?

- Also, eigentlich wäre ich an der Reihe. - Aber nein, das ist mein Viertel.

Tu deine Hände von mir weg, bleib mir vom Leib.

Das ist ein Fehler Ihrerseits.

Es ist eine Unehre, während es mir eine Freude ist, einen auszugeben.

- Sie bringen mich durcheinander. - Natürlich seid ihr unbewaffnet, huh?

Wer hat denn da gesprochen?

- Ich nicht. - Ich habe gesprochen.

Ach, entschuldigen Sie.

Aber wie sagt man so schön: Fettärsche haben nichts zu sagen.

Ich nehme dich nicht wegen Beleidigung fest.

Ich warte, bis ich dich lebenslänglich hinter Gitter schicken kann.

Delegierter, Sie wiederholen mir das ständig, aber das ist nur leeres Geschwätz.

Und ihr anderen „Stummen“ landet alle auf dem Friedhof oder im Knast.

Na los, ihr Ganoven. Hände hoch. Lasst mich euch durchsuchen.

Fangen Sie bei den Eiern an. Aber sachte, denn sie tun mir weh.

Aufgrund der nächtlichen Überbeanspruchung...

Wissen Sie, Lucia ist eine verdammt heiße Frau.

Sie mag verdammt heiß sein, aber ich habe sie als Prostituierte registriert.

- Und Sie sind als Schandkerl registriert! - Das ist eine Ehre für mich.

Seien Sie ehrlich: Ich habe Ihnen das Leben gerettet, huh?

Dieser ehrenwerte Herr wollte Sie gerade töten, was?

Ein Wort von Ihnen, und ich sorge dafür, dass Sie ihm nie wieder begegnen.

Nehmen Sie die Hände von mir!

Da ist nichts gewesen.

Gaetano ist mein Freund.

Er ist wie ein Bruder für mich und ich möchte ihn jeden Tag sehen.

Ich sollte dich auch für diese Worte büßen lassen.

Zieht jetzt eure Jacketts an.

Ein „Guappo“ läuft niemals unbekleidet herum.

Lasst uns gehen.

Kommissar...

- Junge, wieso hast du das getan? - Keine Sorge, Sie sind mir nichts schuldig.

- Ich ticke so wie Sie. - Ach ja? Komm, steig auf.

Es ist besser, wenn ich dich aufkläre.

Mein Territorium erstreckt sich von der Eisenbahn bis zum Gesundheitswesen.

Bis zur Via Foria und der Via Miracoli.

In diesem Teil Neapels bläst selbst der Wind mit meiner Erlaubnis, bei aller Bescheidenheit.

Aber es ist mühsam, denn wir haben eine delikate Ordnung...

... da das Gesetz nicht geschrieben, sondern von mündlicher Natur ist.

Richter und Angeklagter sind von morgens bis abends mit dem Tod konfrontiert.

Don Gaetà, ich möchte kein Gesetz brechen.

Ich möchte leben.

Dir gefällt es zu spielen, huh?

Sagen wir es mal so, dass ich im Moment nichts anderes machen kann.

- Darum muss ich mich arrangieren. - Dann spiel eben.

Aber nimm's mir nicht übel: Ich möchte dir einen Rat geben.

Sprechen Sie nur.

Ich lasse dich „Morra“, „Zecchinetta“ spielen und keiner wird dich anfassen...

... aber spiele nicht um einen Groschen.

Wenn du wirklich was verdienen willst, spiel um eine Lira oder lass es sein.

Das ist nur zu wahr. Aber wie sagt man so schön:

„Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen.“

Ganz sachte, du darfst die Klingel nicht läuten lassen.

Bist wohl kein so guter Taschendieb.

Komm her... Wenn ich dich erwische, schneid ich dir das Ohr ab.

Na, komm schon, du Blödmann!

Los, fester! Komm, zeig's ihm!

Bring ihn um! Na los!

Hab keine Angst.

Sonst schlitzt der dich auf.

Bring ihn um! Auf!

Schau ihm ins Gesicht. Hab keine Angst. Ich zeig's dir. Na komm. So geht das.

Erst zurück und dann vor. Na komm.

Komm, beweg dich schon!

- Don Gaetà, guten Tag. - Guten Tag.

Sieh mal... Es sieht aus wie ein Spiel, ist es aber nicht.

Siehst du? Messer sind eine Kunst für sich.

Man lernt es von Kindesbeinen an.

Es ist wie beim Wort: Weißt du es zu verwenden, bist du ein Poet.

Weißt du's nicht zu gebrauchen, bist du'n Scheißdreck.

Siehst du?

Die sollten aber in diesem Alter auch schreiben lernen.

Ach, vergiss das. Sieh mal den ganz Kleinen: Der ist wirklich Gold wert.

Gib's ihm, Salvatò! Gib's ihm!

Jungs, nehmt diese hier. Macht mal ernst.

Fasst die nicht an!

Du Lump!

Nicht nur, dass du dich bezahlen lässt, um das Töten zu lehren....

... jetzt willst du auch noch ihr Blut sehen?

Verzeiht, Don Gaetà. Aber was zu viel ist, ist zu viel.

Nicò...

Der Alte ist so wie du. Er gehört zu mir.

Aber ich verzeih dir, da du's nicht wissen konntest.

Dir bringe ich bei zu...

- Rühr dich nicht! - Wer bist du?

Rühr dich nicht!

Ich gehöre zu Don Gaetà! Du darfst mich nicht anfassen!

- Ich hatte seine Erlaubnis! - Dann geh dich bei ihm bedanken!

Helfen Sie mir!

Bringen Sie mich nicht ins Krankenhaus! Klopfen Sie an die Tür dort!

Ich will, dass die Hure sieht, wie man mich ihretwegen zugerichtet hat!

Ich hole Hilfe. Er soll sich nicht bewegen.

Wenn ihn mein Mann sieht, tötet er mich! Nein, ich kann nicht!

Schaffen Sie ihn weg! Schaffen Sie ihn weg!

Er ist auch ein Geschöpf Gottes.

Heilige Mutter! Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Was passiert hier nur? Was hat er mir da angetan?

- Hol noch eins. - Nein!

- Oh, mein Gott! - Stirb uns nicht davon!

Komm, Junge. Bitte halt durch!

- Hey? - Wer ist da?

Ich bin's.

Was machst du da?

Na komm. Schlaf bei mir.

Dass uns keiner hört, sonst wirft man uns beide raus.

- Leg dich ins Bett und schlaf. - Und Sie, Don Nicò?

Mach dir keine Sorgen um mich. Ich habe zu tun.

- Können Sie etwa lesen? - Ja, ich kann lesen. Aber schlaf jetzt, auf!

Gute Nacht.

Das Wort an Anwalt Bellizzi vom Kollegium der Verteidiger.

- Wer ist da? - Hier ist Nannina.

Die Tochter von Signora Scognamiglio.

Verzeihen Sie, dass ich Sie zu solch später Zeit störe, aber es ist dringend.

Warten Sie, bis ich mich vorzeigbar gemacht habe.

Pasqualino, geh unters Bett! Mach schnell!

- Moment... - Los, schnell.

- Darf ich reinkommen? - Bitte, bitte.

Seien Sie unbesorgt. Meine Mutter hat einen tiefen Schlaf.

Wissen Sie, wieso ich bei Ihnen angeklopft habe?

Ehrlich gesagt, nein.

Aber das war okay von Ihnen.

Sie wohnen schon seit zwei Wochen bei uns, und ich habe Sie noch nicht richtig gesehen.

Da habe ich zu mir gesagt:

Entweder ist er hübsch oder ein richtiges Ekelpaket.

Und jetzt, da Sie mich gesehen haben, was denken Sie, huh?

Sie sind kein Ekelpaket, aber auch nicht gerade ein Naturwunder.

Hey, hey! Da haben Sie wohl was missverstanden.

Sie waren es, die sich undeutlich ausgedrückt hat.

Hey, wenn Sie mich umwerben möchten, können Sie es ruhig tun.

Aber mich befingern, das hat noch keiner getan.

Bevor Sie mich nachts küssen, müssen Sie noch 'ne Weile schmachten.

Einen Uni-Abschluss machen, eine gewisse Position haben.

Wer sind Sie überhaupt, aus welchen Verhältnissen stammen Sie?

Was für Absichten haben Sie? Wer gibt Ihnen Geld zum Studieren?

- Was sind das für Flecken auf Ihrem Hemd? - Blut.

- Blut... - Nein, keine Sorge.

Heute Nacht weint keiner wegen mir. Ich habe ein Menschenleben gerettet.

Nein, ich glaube Ihnen nicht.

Oh... Geh, geh...

27... 28... Geh, geh...

Ach, großer Gott...

Nein, du steigst nicht ab und mischst dich nicht ein.

- Sprecht, Don Gaetà. - Guten Tag.

Diese Ladung dort...

... war die nicht für das Boot von Don Raffaele reserviert?

Ja.

Irre ich mich oder beladet ihr gerade die Karren von „Drei-Eier-Carluccio“?

Don Gaetà, glauben Sie mir, Carluccio hat mich gelinkt und behauptet...

... es seien die Karren von Don Raffaele. Ich bin ja kein Hellseher...

In diesem Fall, da das dort nicht Raffaele ist...

... mein Wort darauf...

... schnappt euch die Ladung von Carluccio...

... und packt sie auf die Karren von Don Raffaele. Klar?

Don Gaetà, ich stehe Ihnen zu Diensten. Sie sind mein Herr.

Aber wer sagt Don Carluccio das mit dem Entladen?

Ich verkaufe Mehl. Ich habe 18 Kinder.

Tun Sie es für die Madonna.

Ich habe mich nur bei Ihrem Anblick in die Hosen geschissen.

Dann wechseln Sie sich die Hosen und machen Sie sich keine Sorgen.

- Hey, seien Sie gegrüßt, Don Gaetà. - Grüß Gott.

Ach, du heiliger Bimbam! Welch Ehre heute Morgen!

- Es ist nur mir eine Ehre. - Möchten Sie spielen? Es ist mir eine Ehre.

Sie gestatten?

Auf Ihr Wohl!

Oh, verzeihen Sie... Möchten Sie etwas trinken?

Wieso möchten Sie mir diese Schmach antun?

Sie wissen ja, wie sehr ich Sie verehre.

Wenn Sie sich so verhalten, beleidigen Sie mich.

Nein, um Himmels Willen! Es ist nicht meine Absicht, Sie zu beleidigen.

Noch nie hat jemand den Wein von „Drei-Eier-Carluccio“ abgelehnt.

Don Carlù...

Wenn Sie fertig ausgetrunken...

... und aufgehört haben, Blödsinn zu reden...

... packen Sie Ihre Ladung und laden Sie sie auf die Karren von Don Raffaele.

Und beeilen Sie sich, denn ich habe heute Morgen keine Zeit zu vergeuden.

Heute Morgen, Männer, Karren und Kühe, mache ich eines:

Hey, du Aasgeier!

Du Stück Scheiße! Verdammte Drecksau!

Hey, schau mir ins Gesicht!

Du mieser Gauner!

Don Gaetà, versohlen wir diesen Drecksäcken mal richtig den Hintern.

Jetzt gibt's Haue... Hab's kommen sehen.

Du Aas! Du Aas!

Aufhören, Don Gaetà! Aufhören!

Aufhören!

Sie haben recht.

Lassen Sie sich das Mehl aufladen.

Danke.

Aber misch dich das nächste Mal nicht ein.

Raffaele! Lad auf!

- Don Gaetà, Ihr Hut... - Danke.

Tue ich Ihnen weh? Brennt es?

Legt man etwa so 'nen Verband an? Siehst du nicht, dass der zu locker sitzt?

Geh, geh, ich mach das.

Stehen Sie auf...

Machen Sie sich keine Sorgen, ich mach das selbst. Danke.

Nimm ein sauberes Hemd.

Danke.

Wir sehen uns, Nicò.

Ja...

Vielen Dank, Donna Lucia.

Wiedersehen, Don Gaetano.

- Warten Sie, ich begleite Sie. - Mach's gut.

- Hast du jetzt fertig rumgehurt? - Ich bin so.

Wenn's dir nicht passt, kannst du gehen! Verstanden? Der Weg ist frei!

Pass auf, ich schneid dir sonst das Gesicht auf!

Machst du auf „Guappo“ mit mir? Das ist mein Zuhause und ich tu, was...

Hör mal, Kleine, ich bezahle hier alles. Du bist mein Weib.

Ohne mich bist du nichts, hast du das kapiert?

Du zahlst, das stimmt. Dann zahl eben nicht mehr und zieh Leine!

Bist eifersüchtig, huh?

Du Schurke...

Aber die anderen seh ich mir nicht mal an. Du bist mein Kerl.

Hey Junge...

Hübscher Junge?

Komm mit und ich lass dich Spaß haben.

- Ach, geh doch. - Na komm.

- Lass bleiben. - Was hast du?

- Ich mach es ganz billig. - Lass gut sein.

- Ich hab eine schöne Stube. - Geh zu deinen Kameraden.

Hey Kleine! Komm mit uns mit! Lass den sausen!

Ja, gut. Der will ja eh nicht. Ich komm mit!

Er will mich umbringen! Helft mir! Hilfe!

Komm her! Hab keine Angst! Ich tu dir nichts!

Komm her! Da ist nichts! Marì!

- Ich bin's... - Hey Pascà... Was ist passiert?

Unter Ihrem Haus sind fünf junge Männer, die auf Sie warten.

- Die haben schlechte Absichten. - Ach, und wer sind die?

Ich kenne sie nicht. Das müssen Leute vom Markt sein.

- Was machen Sie? Gehen Sie hin? - Wenn die mich suchen...

... und mich heute nicht kriegen, dann eben morgen.

- Ist besser, wenn ich's gleich hinter mir hab. - Aber Obacht, die räumen Sie aus dem Weg.

Pascà, wenn du nicht jeden Tag um dein Leben und die Freiheit kämpfst...

... lässt dich Neapel nicht am Leben.

Nehmen Sie das...

Was wollen Sie sonst machen?

Es ist besser, wenn ich unbewaffnet hingehe. Ich möchte niemanden umbringen.

Wenn es Ehrenmänner sind, kommen sie ohne Messer zurecht.

Ich bin unbewaffnet.

Wenn ihr unbewaffnet seid, werft die Messer weg.

Du bist es, der noch keine Ehre hat.

Und misch dich nicht ein, du Stück Scheiße!

Dir zeigen wir's, du Drecksau! Kümmer dich um deinen Kram!

- Das soll dir eine Lehre sein... - Dir wird es noch vergehen...

Hast du kapiert, du Penner?

- Hast du dir wehgetan? - Ach, das tut doch nicht weh.

Dem Haufen Scheiße haben wir's ordentlich gegeben.

- Das wird ihm eine Lehre sein. - Ja, genau.

- Das hat er sich echt verdient. - Dieses Stück Scheiße...

- Pack mit an! - Ruf jemanden!

- Don Viciè, Don Viciè, kommen Sie her! - Oh, mein Gott!

Nannì, was tust du?

Also?

Nicola ist heute Nacht nicht heimgekommen.

Ja, und?

Da ist etwas passiert. Ich fühle es.

- Was geht dich das an? - Tut es aber!

Ich mag ihn.

Ich hab mich heimlich verliebt und jetzt ist es angerichtet.

Es ist angerichtet?

Sei ehrlich: Willst du, dass ich aus Schande oder an gebrochenem Herzen sterbe?

Na los, entscheide dich, Kleines!

Mama, ich bin noch so, wie Sie mich gemacht haben.

- Aber ich kann nicht mehr. - Aber dann...

Du willst also, dass ich in Ohnmacht falle? Oh, Mutter Gottes...

In Ohnmacht fallen tut uns beiden gut.

Verzeihen Sie, dass ich verschwunden bin, aber ich zog es vor, Sie nicht zu belästigen.

Ich habe alles noch in jener Nacht erfahren.

Man hat mir zu verstehen gegeben, nicht einzuschreiten.

Und ich habe die Befehle befolgt, zu deinem und zu meinem Wohl.

Ich habe an dich gedacht.

Und ich habe alles ins Reine gebracht.

Trink...

Für mich ist das alles noch ein Rätsel.

- Ich hab's keinem an Respekt fehlen lassen. - Nicò, du kennst doch diese Stadt.

Um gut leben zu können, muss man die Regeln befolgen.

Freundschaft reicht nicht aus.

Es bedarf auch...

Es bedarf auch einer Demutshaltung.

- Ich verstehe nicht. - Du wirst schon verstehen.

Du wirst es allmählich verstehen, Nicò.

Einer von den Typen ist tot.

Man hat ihn in jener Nacht getötet, weißt du das?

Ich schwöre auf mein Leben, dass ich nichts davon weiß.

- Ich habe mich unbewaffnet gestellt. - Weiß ich, weiß ich.

Du hast dich wie ein Mann verhalten.

Und das hat dich gerettet.

- Wer sind die denn? - Nicò, nicht, dass sie dich hören.

Das sind Freunde.

Das sind Freunde. Keine Diskussion.

Hör auf mich...

Nimm ihre Freundschaft an. Und keiner wird dich je wieder anfassen.

Du erhältst Schutz und Befehle, Rechte und Pflichten.

Du bekommst und wirst geben.

- Don Gaetà, ich... - Es ist zu spät, Nicò.

Es gibt keine Zeit mehr.

Sonst bezahlen wir beide...

Nicò, wer arm geboren wird, braucht im Leben stets einen „Patrone“.

Komm, sie erwarten uns. Na los.

Wohin gehen wir denn?

Der, der gerade reingekommen ist, ist der „Prence“. Nur wenige kennen ihn.

Er hat sehr viele Leute getötet, aber nicht mit dem Messer.

Er hat sie mit Gift getötet.

Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes, Amen.

Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Amen.

Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes, Amen.

Hier darf man alles sagen, außerhalb von hier nichts.

Wer hier spricht, lebt, wer draußen spricht, stirbt.

Ich spreche für Gaetano Fungillo, genannt „Eisenherz“...

... der in diese ehrenwerte und neugeformte Gesellschaft aufgenommen wurde.

Vor drei Jahren.

Er hat sich demütig dafür bei uns entschuldigt...

... dass er sich mit einem jungen Mann angefreundet hat...

... der weder Verwandte hat, noch Schutz genießt.

Don Gaetano ist hier mit seinem Freund, von dem er sagt, es sei ein guter Kerl...

... und bittet, dass dieser aufgenommen werden möge.

Die Informationen über ihn sind gut. Er verhält sich gut, ist mutig und ehrenwert.

Es antwortet für ihn Gaetano „Eisenherz“, mit dem Blutritual.

Tretet vor.

Sprich nach, was ich dir sage.

Was begehren Sie?

Ich wünsche, „Picciotto Onorato“ werden zu dürfen.

Ich wünsche, „Picciotto Onorato“ werden zu dürfen.

Was bedeutet „Picciotto Onorato“?

„Picciotto Onorato“ bedeutet, Diener der Camorristi zu sein...

„Picciotto Onorato“ bedeutet, Diener der Camorristi zu sein.

Mit Honig im Mund und dem Rasiermesser im Herzen.

Mit Honig im Mund und dem Rasiermesser im Herzen.

Und wieso?

Den Honig braucht man, um Angelegenheiten zu versüßen...

... und das Rasiermesser, um die Schande zu vertreiben.

Ich begehre, meiner Pflicht nachkommen zu dürfen.

Küssen Sie jetzt die Hand des Anführers und beide Hände des „Prence“.

Mir...

Jetzt sind Sie unser Blutsbruder. Im Leben sowie im Tod.

Ich erkläre Sie zum „Picciotto“, losgelöst von den ehrenhaften Jungen.

Verstehen Sie, der will heiraten.

Was soll ich da tun?

Wer war das? Was ist passiert?

Blut!

Geben Sie mir doch die Zeit, es auf die Teller zu tun...

- Hey! Peppì... - Was gibt's?

Willst du den kaufen? Der ist aus Gold.

Ich kann dir einen Teller Nudeln geben, gut?

Ja, klar, ist gut.

Iss nicht alles selbst auf. Wir wollen auch was.

Sie möchten also zwei Teller, huh?

Oh, guten Tag, Don Nicò. Zu Ihren Diensten. Befehlen Sie.

Möchten Sie etwas essen?

Tun Sie sich keinen Zwang an. Stets zu Ihren Diensten.

Sie wissen das ja. Sie sind...

Wenn du schon stiehlst, lass dich zumindest richtig bezahlen.

Dummkopf!

- Nun... - Ist doch richtig, oder?

Ja, ja...

Donna Lucia, tun Sie mir den Gefallen. Ich bin die Frau vom „Verrückten Vincenzo“.

Mein Mann möchte einen Weinkeller eröffnen.

Sagen Sie doch Don Gaetano, er möge ein gutes Wort einlegen.

Donna Carmè, ich kann mit Don Gaetano über alles reden, mit Ausnahme von so was.

Sie wissen ja, wie er ist. Ich verspreche Ihnen nichts.

Danke.

- Donna Lucia! - Ach, Sie sind's...

- Guten Tag. - Guten Tag, Don Nicò.

Wissen Sie, dass ich wegen Ihnen ordentlich Dresche bekommen hab?

Wegen mir?

- Donna Lucia, erklären Sie mir das? - Ach, Sie wissen das ganz genau.

Überflüssig, dass ich Ihnen den Namen sage.

- Er ist eifersüchtig auf Sie. - Sie scherzen wohl?

Sie...

Sie existieren für Nicola Bellizzi als Frau nicht einmal.

Nichts für ungut!

Selbst wenn Sie so nackt wären, wie Ihre Mutter sie schuf...

... würde ich Sie mit keinem Finger anfassen.

Sie mich? Was bilden Sie sich ein? Ich verschmähe Sie!

Tolle Nudeln! Tolle Nudeln!

ALLES GEHT VORBEI

Der Boss ist draußen.

Das reicht.

- Wir machen das ein anderes Mal fertig. - Zu Befehl, Don Gaetà.

- In Gehorsam, Don Antò. - Meine ganze Hingabe, Don Antò.

- Stets zu Diensten, Don Antò. - Ihr Diener, Don Antò.

- Zu Ihren Diensten, Don Antò. - Verfügen Sie über mich, Don Antò.

- Erlauben Sie, Don Antò? - Stets zu Ihren Diensten, Don Antò.

Don Antò, gestatten Sie, dass ich Ihre Hände küsse?

Don Antò, hier sind Ihre Kinder. Was Sie auch wollen, ich stehe zu Diensten.

Geht jetzt, geht. Macht's gut. Geht schon.

Danke, Don Antò. Einen schönen Tag noch.

Don Antò, zu Ihren Diensten. Haben Sie Befehle?

Man hat mir gesagt, dass Vincenzo Esposito, „der Verrückte“...

... seinen Beruf wechseln möchte, genau genommen...

... möchte er sogar zwei Berufe ausüben.

Er möchte einen Weinkeller oberhalb der Via Miracoli eröffnen.

- Wissen Sie etwas davon? - Nein, nein.

Diese Art von Informationen müssen Sie mir geben.

Und nicht ich Ihnen.

Sie haben recht. Entschuldigen Sie vielmals.

Richten Sie ihm aus, dass er weiterhin als Clown agieren soll.

Den Wein sollen die Weinhändler verkaufen.

Und er soll begreifen, dass er mir nicht auf den Sack gehen soll!

Und meinen Jungs genauso wenig. Ist das klar?

Machen Sie sich keine Sorgen.

Ich zeige Ihnen, dass ich es nicht an Respekt fehlen lasse.

Hey ho! Hey ho! Hey ho! Hört mir mal zu: Kommt mich besuchen!

Ich habe einen neuen Laden eröffnet im Vico Scassacocchie und da geht's richtig rund.

Hey ho! Hey ho! Hey ho! Macht mit, Leute! Hey ho!

Hey ho! Hey ho! Hey ho...

Achtung!

Hergehört!

Hey Leute! Ich werfe gleich den Stock in die Meute!

Achtung!

Hergehört!

Ich habe alles: Käse, Nudeln, Speck, Öl, Eier, Schinken...

... Ricotta, Provolone und Mozzarella! Sachen, die frisch aus Cardito kommen!

Alter Wein, neuer Wein, Bier, Essig, säuerlich und gut, Marsala, Marzaletta!

Sie werden prompt und angemessen bedient, zu fairen Preisen und auf freundliche Art!

Beeilt euch alle, ihr Lieben! Achtung! Hergehört!

Jetzt lassen wir's ordentlich krachen in diesem Viertel!

Auf geht's! Marsch!

Und ab! Hey ho! Hey ho! Hey ho...

Diesen Wein bezahlt ihr nicht! Der geht aufs Haus!

Dieser Wein ist rein! Wenn man ihn trinkt...

- ... stinkt man wie ein Schwein! - Erfrischt er ungemein!

Mit diesem Wein lässt sich überwintern, wenn man ihn trinkt, dann brennt einem...

- Der Hintern! - Der Hals...

Hier, trink du auch. Dieser Wein aus Fuorigrotta...

... macht dich entweder munter, oder zieht dir die Hosen runter.

Don Gaetà...

Das ist nur Wasser.

Nein!

Don Gaetano!

Verdammt noch mal! Es reicht!

Es reicht!

Wo kommst du denn her?

- Da schleppen die einfach einen her... - Musik! Musik!

Was ist denn?

Ich genehmige mir noch einen, das juckt ja eh keinen.

Hey, Mensch, ist das schön! Ist das schön! Siehst du?

Hey! Was soll das? Bist wohl besoffen? Trink was.

Jesus, der ist ja besoffen! Dann trink ich halt...

Hey, was macht ihr da? Wo kommt ihr denn her?

Jetzt seid mal etwas leise...

- Wer ist da? - Ich.

- Hat man nach mir gefragt? - Ja.

- Wer? - Donna Lucia. Den ganzen Tag.

- Lucia? - Sie ist nicht da.

- Und wo ist sie? Wo ist sie hin? - Weiß nicht. Ich warte auch auf sie.

Luisella, es ist besser, wenn du die Wahrheit sagst.

Ich schwöre es auf die Madonna. Ich weiß nicht.

Sprich. Es ist besser für dich.

Das ist nicht die richtige Nacht für so was.

- Sie sucht Sie bei Nicola Bellizzi zu Hause. - Und wo ist das?

Im Vicolo della Salute 64.

Bei Scognamiglio.

Vielleicht, Don Gaetà.

Eine Taube, ein Schmetterling ist hier vorbeigekommen...

... und hat mir versichert, dass Vincenzo, „der Verrückte“...

... aus Camorra-spezifischen Gründen von deinem Geliebten getötet worden ist.

Erkennst du es wieder?

Nein.

Ich schon.

Es gehört Gaetano Fungillo, genannt „Eisenherz“.

Man hat es aus dem Körper von Vincenzo gezogen.

Das ist ein sehr bekanntes Messer.

Das ist nur eine Schandtat!

Eben.

Es sind Schandtaten, die Mörder lebenslang in den Knast befördern.

Und es sind auch Schandtaten, die sie immer wieder retten.

Jetzt, Donna Lucia, bist du dran, dich schandhaft zu verhalten.

Wenn du Gaetano frei haben willst...

... weißt du, was du zu tun hast.

Und du musst es heute Nacht tun.

Denn ich stehe nicht zu deiner Verfügung.

Ich bin über den Büchern eingeschlafen. Ich war einfach zu müde.

Warum hast du mir nicht gesagt, dass du studieren willst?

Weil unter den Leuten, die nichts besitzen...

... der, der studiert, als Trottel durchgeht.

Weil er sich einbildet, sein Leben ändern zu können.

Und du bildest dir ein, dein Leben ändern zu können?

Ja.

Möchten Sie die Wahrheit hören? Ich bin „Guappo“, damit ich studieren kann.

Ich habe das Viertel gewechselt, weil man sich lustig über mich machte.

Man nannte mich den „Studenten“, um mich zu beleidigen.

Ja...

Ja, ich weiß, ein anderer wäre jetzt schon Anwalt.

Aber ich habe nachts gelernt, unter der Laterne.

Ich habe mich dabei versteckt, mich fast geschämt, ob meiner Wissbegierde.

Als ob ich jeden Abend einen Verrat an den Armen begehen würde.

Aber ein Verrat, der ein Leben wert ist, Don Gaetano. Mein Leben!

Du weißt es nicht...

... aber heute Nacht hast du mir bewiesen, dass du wirklich ein Freund bist.

- Was meinen Sie damit? - Das weiß ich.

Und ich werde mich dafür erkenntlich zeigen.

Von heute an...

... wer dich anrührt, rührt auch mich an.

Du wirst Anwalt, koste es, was es wolle. Mein Wort drauf.

Ich danke Ihnen, Don Gaetano, aber ich möchte das Gesetz kennenlernen.

Zu groß ist mein Durst nach Gerechtigkeit, um Anwalt zu werden, ohne es zu verdienen.

Nicò, geh schlafen.

Wir sehen uns morgen. Nein, wir sehen uns am besten nicht.

Denk du ans Studieren. Um den Rest kümmere ich mich.

- Gute Nacht. - Was ist mit Ihnen passiert?

Das ist nichts.

So was geht vorbei.

DAS LEBEN IST EIN RECHT UND KEINE MILDE GABE.

Wo bist du gewesen, du Hure? Sprich schon!

Sag ich nicht! Entweder du vertraust mir oder es ist für immer vorbei!

- Wenn du es mir nicht sagst, dann... - Nein!

Diesmal verdiene ich keine.

- Ich schwör's bei der Madonna von Pompeji. - Dann rede! Wer war es?

- Was haben sie dir angetan? - Umarme mich... Umarme mich ganz fest.

Tu mir weh.

Nein! Nein...

Aiossa?

Nein!

Warte! Lass uns Liebe machen.

Lass mich nicht so zurück.

Gott, das ist doch nicht zu fassen. Diese Nervensägen am frühen Morgen.

Kommissar, glauben Sie wirklich, der kommt? Ich sage, dass er nicht kommt.

Wollen wir um einen Babà oder ein Blätterteiggebäck wetten?

Wenn du wetten willst, musst du entweder 10 Blätterteiggebäcke einsetzen oder nichts.

Los, gehen wir ihn verhaften, hören Sie auf mich.

Dein Pech ist, dass du Bulle bist und den Guappo nicht verstehst.

- Dann bin ich Bulle, und? - Aber ich bin auch Guappo.

Und ich muss ihn in flagranti erwischen, um ihn des versuchten Mordes anzuklagen.

Mit euren Zeugenaussagen.

Und Bingo!

Und wenn Gaetano Sie wirklich tötet, Kommissar?

Dann hab ich immer noch die Genugtuung, ihn lebenslang eingebuchtet zu haben.

Ich werde verrückt! Sie riskieren Ihr Leben für eine Genugtuung...

- ... die Sie nicht mal genießen können? - Hey! Verschrei's nicht, du Unglücksbringer!

Aiossa!

Du Hahnrei!

Na, schieß doch, wenn du ein Eisenherz hast!

Haltet ihn fest!

Das war's jetzt mit dir...

Jetzt bist du kein Guappo mehr, du bist ein Lebenslänglicher!

Und ich, ich bin am Leben!

Bringt ihn rauf!

Steckt ihn in die Zelle, wo ich seine Geliebte, die Hure, gebumst habe!

Ich bring dich um! Ich bring dich um!

Ich verleihe heute in Neapel, am 14. September 1891...

... Nicola Bellizzi, von unbekannter Herkunft, den Doktor der Rechtswissenschaften.

- Glückwunsch, Kollege. Gehen Sie nur. - Danke für Ihr Wohlwollen.

Glückwunsch, Herr Anwalt!

- Gib mir deine Bücher, ich trag sie für dich. - Ja...

„Rote Mütze“!

- Pasqualì... - Entschuldigen Sie, Herr Anwalt.

Im Namen aller bitte ich Sie, unser bescheidenes Geschenk anzunehmen.

Worum geht's?

Mein Onkel, Luigino, „die Kakerlake“ ist wegen Diebstahls im Gefängnis.

Er beabsichtigt, sich von Ihnen verteidigen zu lassen.

Pasqualì, ich hoffe nur, dass ich dich nie verteidigen muss.

Danke, Herr Anwalt. Aber einer wie ich muss auf kurz oder lang ins Gefängnis.

- Ciao... - Machen Sie's gut.

- Das ist mein erster Mandant. - Bravo...

Aber wehe, wenn er nicht freigesprochen wird...

Also...

Hier, friss!

Lass hören! Lass hören!

Sag mir die Namen! Sag mir die Namen!

Du Aas!

Sprich, du Aas!

Gib her.

Hier, du Drecksau! Nimm das!

Hier...

Nun bist du in meinen Händen.

Das war's jetzt damit, dich wie ein Arschloch zu verhalten!

Jetzt amüsierst du dich nicht mehr, huh? Du Clown!

Trink schon!

Wir haben's nicht eilig.

Ich habe alle Zeit der Welt.

Also...

Du willst nicht reden, huh?

Wenn du wissen willst...

... wer Vincenzo, „den Verrückten“ getötet hat...

- Du kannst nicht mehr, was? - Dann musst du dich nackt...

... auf meinen Schwanz setzen, denn ich ficke dich in den Arsch...

Nimm das!

Mach du weiter...

Hey, der hat nicht geredet. Jetzt bist du dran!

- Ich? - Ja.

- Was hab ich damit zu tun? - Komm, lass hören.

Tun Sie mir aber nichts. Ich...

- Huh? - Wirklich, ich...

- Lass hören... - Ja, gut, aber ganz sachte.

- Carmè! Carmè! - Gigi! Gigi!

Keine Sorge! Keine Sorge, Gigi!

Das Wort an Anwalt Bellizzi von der Verteidigung.

Alles Gute, Herr Anwalt, alles Gute.

Donna Lucia, gestatten Sie? Ich habe noch Schulden bei Don Gaetano.

- In Form von 300 Mal Spucke ins Gesicht. - Zieh Leine!

Hören Sie, Donna Lucia, ich möchte diese Schuld bei Ihnen begleichen.

Donna Lucia, Donna Lucia, spucken Sie mir ins Gesicht.

Zieh Leine, Carugnone! Gaetano spuckt dich an, wenn er rauskommt.

Und wenn er nicht rauskommt? Bei wem begleiche ich dann die Schuld?

Dann bete, dass er rauskommt!

Mit der Bitte, Gerechtigkeit und nicht Rache walten zu lassen...

... appelliere ich auch an Ihr Gewissen als Bürger.

Mein erstes Plädoyer damit beendend, erlauben Sie mir...

... auf eine der beiden Waagschalen, die als Symbol für Gerechtigkeit stehen...

... eine rote Mütze draufzulegen. Das ist sie.

Diese Mütze trug ich auf dem Haupt, als ich als Scugnizzo lebte.

Sie war mein Erkennungsmerkmal, das Symbol meiner Gewalt.

Heute entledige ich mich ihr, in der Hoffnung, dass wenn Sie sich gnädig erweisen mögen...

... eines Tages auch Luigi Esposito und all diese Scugnizzi, die mir zuhören...

... ihre Mützen und Messer auf dieselbe Waagschale werfen können...

... um in einer gerechteren und menschlicheren Stadt zu leben...

... in der die Gerechtigkeit nicht mehr wie die Göttin Fortuna die Augen verbunden hat.

Danke fürs Zuhören.

Das Gericht zieht sich zur Beratung zurück.

Herr Anwalt?

- Herr Anwalt? - Raus.

- Herr Anwalt? - Los, nach draußen.

Raus.

Die Herrschaften, nach draußen, los.

Herr Anwalt, das war eine sehr schöne Rede.

Auch wenn man mich verurteilt, geht mir das am Arsch vorbei!

Den Drecksäcken haben Sie gesagt, was sie verdienen!

- Auf, das reicht! - Langsam, immer schön sachte!

- Los, weg hier. - Lass das!

Lassen Sie sie in Ruhe. Sie gehört zu mir.

- Herr Anwalt... - Donna Lucia, was machen Sie hier?

Nehmen Sie diesen Zettel. Er ist für Gaetano.

Lassen Sie ihn ihm zukommen.

Machen Sie sich keine Sorgen.

Entschuldige, lieber Kollege. Ich hab noch einen Prozess.

Wir sehen uns später.

Was meinen Sie, Herr Anwalt? Kommen sie raus? Nein?

Das ist ein Haufen Drecksäcke! Los, lasst uns klauen gehen!

Hey Nannì!

Hast du mich gehört?

Nein, mir hat der Mut gefehlt. Wir sehen uns später.

Wartest du nicht das Urteil ab?

Denn solltest du den Prozess verlieren, dann fall ich in Ohnmacht.

Herr Anwalt...

Ich habe zugehört. Sie haben sehr gut gesprochen.

Danke, aber es hat nichts gebracht. Sie werden sie trotzdem verurteilen.

Vielleicht. Aber mir gefällt Ihre Art der Verteidigung.

Gewisse Dinge müssen gesagt werden. Bravo!

- Ja... - Anwalt Bellizzi!

Sie auch hier? Wie geht's?

Nannì, das ist der Journalist De Santis.

Ein Journalist, dem die Probleme unserer Stadt sehr am Herzen liegen.

Ja, wir kennen diese Artikel. Sehr skandalträchtig, sehr skandalträchtig.

Sie möchten wohl nicht Karriere machen, mein Freund. Wollen wir gehen?

Kommen Sie. Sie werden etwas sehen, das nur in dieser Stadt geschehen kann.

Also, Herr Marchese, Sie sprachen von meinen Artikeln...

Nannì, ich wusste es. Diese Leute haben eine andere Denke als wir.

Was tangiert dich das, Nicò?

- Es war schwer, diese Einladung zu erhalten. - Wie hast du's angestellt?

Ich war mit der Tochter des Marchese auf der Schule.

Benji, was ist mit dir los heute Morgen? Du bist so unruhig. Komm, Junge, komm.

Du bist Anwalt und musst dir einen Namen machen.

Junge, na komm schon. Greif an!

Na los, mach schon!

Los, Miststück! Greif an, na komm!

Sieh doch, wie aggressiv der ist. Der ist ja putzig.

- Was für eine schöne Bestie... - Ja, beiß schön...

Ein schönes Exemplar, was? Ich habe ihn in Agnano gekauft.

Hat mich auch ordentlich was gekostet.

Prachtvoll...

Sieh doch nur, was für ein toller Hund...

Ist der aber schön. So mannhaft...

- Danke, die Herrschaften, danke. - Nein!

- Was tust du? - Lass mich...

Zeig das Metallstück, dass du in der Jacke versteckt hast!

- Gib her! - Was für'n Metallstück?

Ich kenne den Trick. Deshalb griff dich der Hund nicht an.

Willst du dir deine Brötchen verdienen, tu's mit sauberen, freien Händen!

Das ist ja nicht zu fassen! Unerhört!

Er hatte ein Metallstück...

Nicò!

Nicò, jetzt bleib mal kurz stehen! Hör mir mal zu...

Wie stehen wir denn nur da?

Jetzt warte, wohin gehst du?

Ach, lass mich doch in Ruhe.

Nicò, wenn du ein Guappo sein willst, bin ich nicht für dich gemacht.

Jawohl, denn heute hast du dich wie ein Guappo vor wichtigen Leuten verhalten.

Ich bin mit einem Anwalt verlobt, vergiss das nicht.

Nannì... ich bin eben so. Entweder das oder nichts.

Die Sache ist, dass ich dich sehr gern hab und du nutzt es aus.

Mach dir keine Sorgen, Kleines.

Wirst sehen, ich kann Anwalt sein, auch ohne diese Leute.

Exzellenz, was machen Sie denn hier drin?

Zu Ihren Diensten, Don Antò.

Ich habe vom Unglück erfahren, aber ich hätte nicht gedacht...

... Sie so früh hier drin zu sehen.

Nehmen Sie meinen Platz. Da ist es kühler und sauberer.

Aber nein. Dir steht dein Platz zu. Lass gut sein. Ich nehme diesen hier.

Papè, du gehst da hin. Cicillo, du in die Ecke.

Und Catiello, der der Jüngste ist, in die Nähe des Kübels.

Eine große Infamie ist verübt worden.

Ehrenwerte und unschuldige Männer sind ins Gefängnis gesteckt worden.

Aber keinerlei Gerechtigkeit bleibt stehen.

Auch nicht unsere! Der Schandkerl muss sterben!

Irgendjemand wird früher oder später für Gerechtigkeit sorgen.

Wer unser Rächer sein wird, kann jetzt noch keiner sagen.

Aber den Namen des Schandkerls sollen alle erfahren!

Es ist Gigino, „der Aasgeier“.

Die Dinge laufen gut für dich.

Lucia hält sich gut.

Lucia ist für mich gestorben.

Auch Nicola kommt zu seiner Ehre.

Er hat eine Menge Kameraden freibekommen.

Er kann dich gemeinsam mit so einem alten politischen Schwafler verteidigen.

Aber die Verantwortung muss komplett bei ihm liegen.

Denn er ist der Sohn der großen Mutter.

Don Antò, ich bitte Sie nur um eine Gnade: Das Leben von Aiossa.

- Verweigern Sie sie mir nicht. - Überlass ihn mir.

Du hast deine Pflicht schon getan.

Deshalb ist die Ehre im Ganzen bei dir.

Aber Aiossa darf nicht ehrenvoll sterben. Und er darf nicht jetzt sterben.

Können Sie es sich nicht vorstellen?

Ja und nein. Ich denke, es handelt sich um Gaetano.

Sprechen Sie.

Ehrlich gesagt habe ich mir erlaubt, Sie hierher zu bestellen, damit Sie sprechen.

Der gute oder schlechte Ausgang des Prozesses liegt nunmehr in Ihrer Hand.

- Verstehen Sie? - Nein.

Nur Ihre Aussage kann ihn retten.

Und ich soll erzählen, was Aiossa mir angetan hat?

- Entscheiden Sie. - Hat Gaetano Sie darum gebeten?

Nein.

Auch in den Prozessakten ist keine Spur von der Wahrheit.

Aiossa behauptet, Gaetano habe ihn auf Befehl der Camorra versucht zu töten.

Stattdessen hat Gaetano ihn aus Ehre versucht zu töten.

Und Sie wissen das.

Aber er sagt nichts! Er schweigt, entlastet sich nicht und verurteilt sich somit!

Nun, wenn er nicht geredet hat, warum sollte ich dann reden?

Weil Sie ihn gern haben! Aus Liebe!

Sie verlangen von mir zu sterben, um meinen Kerl zu befreien.

Wenn er dann frei käme, würde Gaetano mich umbringen.

Das, was Aiossa mir angetan hat, ist eine Schande für mich.

Aber wenn es ganz Neapel erfahren würde, wäre es eine Beleidigung für ihn.

Und einer wie Gaetano erträgt gewisse Affronts nicht.

Er ist kein Anwalt, er ist ein Guappo!

Die Guappi haben zwar ihre Ehre, aber auch ein Herz, Donna Lucia!

Aus Liebe geht man Risiken ein!

Was nützt ein Geliebter, der sein Leben im Knast verbringen muss?

Es reicht...

Sagen Sie nichts mehr.

- Wollen wir gehen, Donna Lucia? - Ja, gehen wir.

Geh aus dem Weg, lass uns vorbei. Hey, ganz ruhig. Dürfen wir vorbei?

- Junge, aus dem Weg. - Hey!

Die Verhandlung wird wiederaufgenommen. Lasst den Angeklagten eintreten!

Herr Vorsitzender, ich beantrage, die Aussage des Delegierten Aiossa zu hören.

Lasst den Delegierten Aiossa eintreten!

Ruhe! Oder ich lasse den Saal räumen!

- Du dreckiges Stück Scheiße! - Ganz ruhig, Gaetano!

Angeklagter, geben Sie Ruhe!

Geben Sie Ruhe!

Delegierter, bestätigen Sie Ihre Aussage aus dem Ermittlungsverfahren?

- Ja, Euer Ehren. - Haben Sie etwas hinzuzufügen?

Ich möchte präzisieren, dass nach den jüngsten Festnahmen von Camorristen...

... und der Aussage von Luigi Scarpetta, besser bekannt...

Als Gigino, „der Aasgeier“!

Ruhe! Ruhe!

Man hat alle Mitglieder des sogenannten „Tribunals der Camorra“ ergreifen können.

Euer Ehren, Herrschaften der Jury...

... erlauben Sie mir sogleich dem Zeugen eine Frage zu stellen.

Bitte, Senator.

Dieser Luigi Scarpetta, ist der drin oder draußen?

Er ist frei.

Also, wenn er frei ist, kann er kein Camorrist sein.

Und wenn er kein Camorrist ist, kann er nicht wissen...

... was dieses sogenannte „Tribunal der Camorra“ beschlossen hat.

Und ob es existiert, nicht wahr, Herr Vorsitzender?

Delegierter Aiossa...

Antworten Sie bitte dem Vorsitzenden und sehen nicht mich an.

Ja... Ja, Euer Ehren.

Seit wie vielen Jahren gehören Sie der Polizei an?

- Seit 6 Jahren. - Antworten Sie dem Vorsitzenden, sagte ich.

Und bevor Sie Bulle... Verzeihung, Polizist wurden...

- ... welche Tätigkeit übten Sie da aus? - Ich war arbeitslos.

Und während dieser Zeit haben Sie da eine der folgenden Straftaten begangen?

Körperverletzung, versuchter Mord, Schmuggel, Bedrohung mit einer Waffe?

Alle!

Könnten Sie das bitte wiederholen?

Ruhe!

Alle, Herr Vorsitzender.

Alle?

Folglich vertritt und verteidigt hier das Gesetz...

... und klagt Gaetano Fungillo an, einer, der selbst ein gewöhnlicher Krimineller ist!

Das versteht sich doch!

Dem Staat ist klar geworden, dass, um die Camorra zu bekämpfen...

... es notwendig war, sachkundige Leute an die Waffen zu lassen!

- Also Camorristen! - Ich bin nie der Camorra beigetreten.

Man wollte dich nicht dabeihaben.

Also ist es reiner Zufall, dass Sie nicht auf der Anklagebank sitzen?

Es ist reiner Zufall, dass ich nicht auf dem Friedhof bin!

Denn Gaetano Fungillo hat versucht, mich auf Befehl der Camorra zu töten!

Sie sehen mich als ihren einzig wahren Feind an.

Zu Protokoll. Zu Protokoll, bitte.

Delegierter Aiossa, kennen Sie Lucia Esposito?

Sie ist die Geliebte von Gaetano Fungillo.

Wie? Ich habe das nicht genau verstanden.

- Die Geliebte von Gaetano Fungillo. - Sagen Sie's dem Herrn Vorsitzenden.

- Sprechen Sie zu mir. Antworten Sie mir. - Ja, Euer Ehren.

Und wann war das letzte Mal, dass Sie sie gesehen haben?

Ich erinnere mich nicht.

- Wie? - Ich erinnere mich nicht!

Herr Vorsitzender...

Herr Vorsitzender...

Lucia Esposito ist in diesem Saal anwesend!

Ich appelliere an Ihre Verfügungsgewalt...

... damit sie sogleich mit dem Zeugen konfrontiert wird.

Haben Sie gehört, Herr Richter? Lucia Esposito ist im Saal.

- Wollen wir sie anhören? - Sicher, Herr Vorsitzender.

Art. 479 des Gesetzbuchs sieht das vor.

Also gut. Gerichtsschreiber? Rufen Sie Lucia Esposito aus.

- Lucia Esposito! - Anwesend.

- Sind Sie Lucia Esposito? - Ja.

Dann sprechen Sie mir nach: Ich schwöre, die Wahrheit zu sagen.

- Ich schwöre, die Wahrheit zu sagen. - Die ganze Wahrheit.

- Die ganze Wahrheit. - Nichts als die Wahrheit.

- Nichts als die Wahrheit. - Sagen Sie: „Ich schwöre es“.

Ich schwöre es.

Haben Sie etwas der Aussage des Delegierten Aiossa hinzuzufügen?

- Ja, Euer Ehren. - Dann sprechen Sie.

Man nahm mich in der Nacht des 13. fest und am 14. geschah die Verletzung.

- Stimmt das? - Ich nahm sie wegen Ermittlungen fest.

Bezüglich des Mordes an Vincenzo, „dem Verrückten“.

Es wurde gesagt, es sei Gaetano Fungillo gewesen...

... und ich war auf der Suche nach einem Beweis. Vergebens.

- Wie lange dauerte die Ermittlung? - Weniger als eine Stunde.

- Das ist nicht wahr! - Bleiben Sie ruhig! Ganz ruhig!

Er sagte, er habe Beweise gegen meinen Geliebten.

Ja, ich habe einen Geliebten und schäme mich nicht, es vor allen zu sagen!

Seid still!

Ruhe!

Signora, das sind Ihre Angelegenheiten. Die gehen uns nichts an.

Ja, richtig. Es waren ihre Angelegenheiten, Herr Vorsitzender.

Aber nun sind es die Angelegenheiten aller!

Aiossa schlug mir vor, Beweise zu beseitigen, die er behauptete zu haben...

... die er aber nicht hatte, zu Lasten meines Geliebten im Tausch...

Im Tausch womit?

Mich von diesem Schwein besudeln zu lassen!

Das ist nicht wahr, Herr Vorsitzender! Es sind die Worte einer aktenkundigen Frau!

Und du bist ein aktenkundiger Schandkerl!

Du Schwein!

Wie eine Dumme, aus Angst, Gaetano zu verlieren, habe ich zugesagt.

Seid still! Ruhe! Still sein!

Vorsitzender, ich beantrage, den Angeklagten auch wegen Verunglimpfung anzuklagen.

Staatsanwalt, eins nach dem anderen, sonst werd ich hier noch verrückt.

Euer Ehren, um eine Frau wie die hier anwesende Zeugin zu besitzen...

... bedarf es nicht, einen Mörder frei zu lassen.

Es reicht eine Lira!

Herr Vorsitzender, dann frage ich, zählt das Wort einer Frau wie mir?

Dort oben steht: „Vor dem Gesetz sind alle gleich“!

Ja, aber Sie müssen genauer sein, belegen, was Sie sagen.

Denn im Moment ist nur eine Sache sicher.

Dass Fungillo versucht hat, den Delegierten Aiossa zu töten.

Dann soll er sein Hemd ausziehen!

Ich habe ihn in die Schulter gebissen und bin sicher, man sieht den Abdruck noch!

Schon gut, und wo soll, nennen wir's mal so, der „körperliche Kontakt“ passiert sein?

- Was? - Nun ja, der Verkehr...

Ich bin in eine Arrestzelle gepackt worden.

Ich wurde auf einen Dreckstisch gelegt und festgenagelt, genau wie Jesus Christus.

Ich wurde geöffnet und aufgeschlitzt wie ein Zicklein.

An der Wand in der Zelle stand mit Fingernägeln und Blut geschrieben:

„Das Leben ist ein Recht und keine milde Gabe.“

Ich habe hinzugefügt: „Das ist nicht wahr.“

- Gehen Sie doch nachsehen! - Also, was mich betrifft, reicht das.

- Haben Sie noch etwas hinzuzufügen? - Nein. Nein.

Dann können Sie gehen. Gerichtsschreiber, begleiten Sie sie.

Herr Vorsitzender...

... ich stelle folgenden Antrag für das weitere Procedere:

Erstens, eine Überprüfung von Aiossas Rechtslage.

Zweitens, dass das Gericht die Arrestzelle inspizieren lässt, von der die Zeugin sprach...

... um Klarheit darüber zu erlangen, wer von den beiden Zeugen lügt.

Ob Aiossa oder Lucia Esposito.

Es geht letztens darum, zu ermitteln...

... ob der Angeklagte auf Befehl der Camorra auf Aiossa schoss...

... oder aus Gründen der Ehre.

Denn Leben und Freiheit Gaetano Fungillos hängen von dem Tatmotiv ab!

Es gilt in erster Linie festzustellen, Herr Vorsitzender...

... ob die Aussage einer Frau aus dem Volk...

... von der eines rehabilitierten Verbrechers entkräftet werden kann...

... den eine Regierung, zwar gerechtfertigt von der politischen Lage vor 10 Jahren...

... an die Führung eines Polizeireviers in einem neuralgischen Punkt Neapels setzte.

Aber primär geht es darum, Herr Vorsitzender, mit dem Urteil ein für allemal zu statuieren...

... dass Kriminalität nicht mit noch größerer Kriminalität bekämpft werden kann!

Sie muss vielmehr mit dem sachlichen Urteil der Justiz ausgerottet werden!

Bravo, mein Junge. Bravo. Du warst eindrucksvoll.

Hat mir gut gefallen. Wirklich gut. Hätte ich nicht erwartet.

Herr Vorsitzender, die Ausführungen des Anwalts Bellizzi sind etwas schwach.

Aber die Regierung macht Druck, um sich dieser ehemaligen Verbrecher zu entledigen.

Verraten, Sie mir mal, was wir tun sollen, ja oder nein?

Erklären Sie sich.

- Klagen wir ihn wegen Falschaussage an. - Ist gut, ist gut.

Im Namen von Umberto I., in Gottes Gnaden und dem Wille der Nation, König von Italien...

... befindet dieses Gericht unter Anwendung der Art. 311ff StGB den Delegierten Aiossa...

... schuldig bezüglich der Falschaussage und ordnet seine sofortige Festnahme an.

- Was? - Wachen!

- Was? Ich, der stets der Justiz gedient hat? - Bringt ihn fort.

- Bringen Sie mich nicht ins Gefängnis! - Wegbringen.

Dort bringt man mich um! Die erwarten mich schon!

Die Geschworenen mögen sich zurückziehen...

... um ein Urteil im Prozess gegen Gaetano Fungillo zu fällen.

Das Gericht zieht sich zurück.

Na komm, Gaetano, vielleicht haben wir es ja geschafft.

Der Anwalt ist da.

Verschwinde.

Freispruch...

Wann kommt er raus?

- Sobald er sie sieht, bringt er sie um. - Natürlich, er muss sie töten.

Warum?

Weil ein Mann, wenn er ein Mann ist, nicht eine bumst, auf der Aiossa gelegen hat.

Außerdem, Jungs, seien wir doch mal ehrlich, es ist schöner, wenn er sie gleich umbringt.

Und sich dann davonmacht.

Willkommen zurück, Don Gaetà.

Hier ist dein Messer.

Gehen wir nach Hause.

Wer ist das zu dieser Stunde? Oh, mein Gott! Kommen Sie rein.

Ganz sachte, immer langsam, langsam. Setzen Sie sich. Setzen Sie sich.

Oh, mein Gott! Du heilige Mutter Gottes! Herr Anwalt, Herr Anwalt!

Was ist? Was ist passiert?

Helfen Sie mir. Helfen Sie mir. Sie wollen mich töten.

In Ihrer Position dürfen Sie nur eines tun:

Mich beschützen und einen Mord verhindern.

Ich habe meiner Frau gesagt, ich käme zu Ihnen, um mich zu retten.

- Ach, zieh Leine! - Nein, nein, Sie sind Anwalt.

Sie sind ein Mann des Gesetzes, sie dürfen mich nicht wegschicken.

Holen Sie vielmehr die Wachen und lassen Sie mich von ihnen ins Krankenhaus bringen.

- Ich gehe einen Arzt holen. - Warten Sie! Wohin gehen Sie?

Laufen Sie nicht davon!

Ich sterbe nicht. Ich bin wie eine Viper. Ich habe sieben Leben wie die Katzen!

Das habe ich mir in der Tat verdient.

Du rührst dich nicht von hier. Warte.

Man hat ihn zu dir reinkommen sehen, ist es wahr?

Ja.

Er muss heute Nacht noch sterben.

Das sind die Befehle, Nicò.

Nicht in meiner Kanzlei.

Ich hole ihn und bringe ihn ins Krankenhaus.

Nein, du bringst ihn um. Ich kann nicht.

Hier gibt es zwei Gesetze: Unsere und die ihrige.

Aber ich muss heute Nacht auf der Seite der ihrigen sein.

Passiere, was passieren mag, aber hier bin ich Anwalt Bellizzi, verstanden?

Das ist nur zu richtig.

Nicò, beten wir zur Madonna, dass Gigino, „der Aasgeier“, verbluten mag...

... ehe die Wachen auftauchen. Andernfalls...

In Ordnung.

Mach so, wie du denkst.

Komm, gehen wir.

Für wen beten Sie?

Ich bete für die Seele von Nicola Bellizzi.

Wussten Sie, dass Gigino, „der Aasgeier“, sich bester Gesundheit erfreut?

Ja, ich weiß. Er ist auf der Insel. Er atmet noch für den Moment.

Wer hat ihn gerettet?

Wer hat für Nicola Bellizzi, genannt „Rote Mütze“, gebürgt?

Ich!

Also, wessen Aufgabe ist es, das Urteil...

... gegenüber „Rote Mütze“ gemäß unserer Gesetze zu vollstrecken?

Meine.

Aber Nicola Bellizzi ist mein Freund. Und er ist ein „Guappo Onorato“.

Du weigerst dich?

Ja, und ich erlaube keinem, ihn umzubringen!

Die Madonna möge dich begleiten, mein Junge.

Fahren wir.

Los, fahr schon.

Gib mir die Waffe.

Passen Sie auf!

Kommt doch her, ihr miesen Schweine!

Kommt doch her, ihr Aasgeier!

Nannì, ich muss dich verlassen, zu deinem Wohl.

Was sollen diese Worte? Was habe ich dir getan?

Du nichts. Du hast mich gern gehabt und ich dich auch.

Aber...

Nicò, wenn eine andere Frau im Spiel ist, dann red Klartext. Mach nicht auf Philosoph.

Weißt du, warum Gaetano „Eisenherz“ getötet worden ist?

Was geht uns das an? Was hat das mit mir zu tun?

Gaetano ist gestorben, weil er sich geweigert hat, mich zu töten.

Er ist gestorben...

... um meine kleine Anwaltskanzlei zu verteidigen.

Meine Zukunft als Mensch.

Aber wer erbärmlich geboren wird, kann nicht glücklich sterben.

Ich habe versucht, anders zu werden, aber um es zu schaffen, wurde ich Camorrist.

Nannì, ich...

... ich wurde zum Tode verurteilt, weil ich nicht gehorcht habe.

Nein...

- Nein, das ist nicht wahr. - Es ist wahr, es ist wahr.

Daher gebe ich dir mein Versprechen zurück.

Auch wenn ich mich nun fühle, als würde ich sterben.

Ich habe nicht das Recht, dich in meine Tragödie mit hineinzuziehen.

Nein! Du bist mittlerweile mein Schicksal. Ich will dich trotzdem.

Ja, ich heirate einen Camorristen. Aber verlass mich nicht.

Sonst bringe ich mich um. Das schwöre ich bei der Madonna.

- Hey, ihr Turteltäubchen. Das ist so süß! - Liebt ihr euch, huh? Ja, das ist aber schön.

- Ihr macht's richtig. - Ja, so ist es richtig.

Ich frage mich...

... ob einer von euch wirklich dieses unser Neapel kennt?

Nicht das Neapel von Via Caracciolo oder Toledo.

- Das andere Neapel. - Welches Neapel denn, Herr Anwalt?

Jenes Neapel, Herrschaften des Gerichts...

... in dem Pasquale Scalzo gelebt hat...

... über den Sie heute ein Urteil fällen müssen wegen wiederholten Diebstahls und Nötigung.

Wenn Sie es wirklich kennen würden...

... würden Sie sich nicht als Richter eines armen Jungens fühlen...

... sondern Richter jener Regierung, die die Pflicht haben sollte...

... zumindest zu wissen, wie viele Geschöpfe ihr ganzes Leben auf der Straße schlafen.

Sie schlagen sich mit Ach und Krach durch.

Wer ist verantwortlich für den Moder, für Gassen ohne Kanalisation, ohne Wasser...

... in denen dieser neapolitanische Pöbel verrottet? Wer?

Wer weint, wer protestiert für die Kinder, die 12 Stunden täglich arbeiten?

Für zwei Groschen am Tag!

Wer empört sich darüber, wenn in den Gassen Neapels...

... die einzigen Schulen, die existieren, die Schulen der Diebe sind?

Keiner....

Keiner!

Und die Camorra selbst, wie entsteht sie überhaupt?

Doch nur wegen dieser mangelhaften Ausübung der Macht.

Aus dem Misstrauen in die Justiz!

Nein, die Camorra lässt sich nicht ausrotten, indem man sie verfolgt.

Im Gegenteil, sie ernährt sich durch die Bestrafungen.

Denn in der Verwahrlosung, in der das andere Neapel lebt...

... nimmt die Camorra zu!

Und wer nicht gehorcht, stirbt!

Sie...

Wenn Sie Pasquale Scalzo verurteilen...

... bestrafen Sie ihn nicht damit...

... sondern machen aus ihm einen Camorristen.

Sie befördern ihn zum „Giovanotto Onorato“.

Zeigen Sie sich demzufolge nachgiebig mit ihm...

... ehe er lernt, dass man Diebstahl bestraft, aber diejenigen nie bezahlen werden...

... und die auch Sie nicht bestrafen können, die das Elend der armen Leute ausnutzen...

... und von dunklen und brutalen Gesetzen beschützt werden.

Sie hat überall einen anderen Namen, aber hier heißt sie „Camorra“!

Ruhe!

Ich bin fertig.

Das Gericht zieht sich zurück, um sich zu beraten.

- Was denkst du? - Ich weiß nicht so recht.

- Also, ich teile das. - Meine Glückwünsche, Kollege.

Herr Anwalt?

Herr Anwalt?

Was ist?

Kommen Sie, ich muss mit Ihnen reden.

Weinst du etwa?

Ein paar Monate und du kommst frei. Kopf hoch, okay?

Nicò, du auch, Kopf hoch...

Du? Sie haben dich geschickt?

Lasst es sie wissen! Ich habe ihn getötet!

Ich habe ihn getötet! Lasst es sie wissen!

Ich habe ihn getötet!

Hey Kollege...

- Was ist passiert? - Wachen! Wachen!

- Er ist voller Blut. - Herr Anwalt!

- Nicò, zeig her. - Was hat man Ihnen angetan?

- Was hat man Ihnen angetan, Herr Anwalt? - Verflucht, was hast du nur getan?

- Nicò, setz dich. - Holt einen Arzt! Holt einen Arzt!

Nicht bewegen...

Esposito, Carmela.

Gargiulo, Giovanni.

Russo, Antonio.

Russo, Giacomo.

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