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* tiefe Atemzüge *
* Herzschlag, leises Blubbern *
* ruhige Musik *
* geheimnisvolle Musik *
* leises Herzklopfen *
* geheimnisvolle Musik *
* Donnerschlag *
* geheimnisvolle Musik *
* Donner *
* Stöhnen *
(Mann:) Ja
* Donner *
* schweres Atmen *
Was macht 'n der Bua eigentlich so?
Na ja
Nix.
L werd den monatlichen Betrag a bissl erhöhen.
Er könnt ja auf einem von meinen Schiffen arbeiten.
L hupf noch g'schwind in den See.
* Donner *
* leises Regenprasseln *
* Donner *
* Ziege meckert. *
* aufgeregtes Atmen *
* heftiges Regenprasseln auf dem Dach *
* Donner *
* aufgeregtes Atmen *
Juhu!
Puh.
* aufgeregte Rufe *
* Scheppern *
Was is 'n?
* Regen presse! n *
* betrübte Blasmusik *
Verzeihung.
Verzeihung.
* Musik endet. *
* Vogelrufe *
Der Preininger Lois war ein guter Mann.
Er hat viel für die Gemeinde getan.
Schon als kleiner Bub
...ist er gern in den See gesprungen.
Am letzten Sonntag zum allerletzten Mal.
Im Namen des Vaters
...und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
(alle:) Amen.
* betrübte Blasmusik *
* Ziege meckert. *
* Vogelzwitschern, Gackern *
Franzl?
Geh, Franz.
Zeig mir mal deine Händ'.
* Er reiht sich die Hände. *
Du kannst ned im Wald arbeiten.
Der Preininger ist gegangen.
Dir bleibt als Lohn nur die Bedienung im Goldenen Leopold.
Ich hab ein bissl nach'dacht.
Es gibt da einen, der hat a Trafik in Wien.
L hab ihm telegrafiert. Otto Trsnjek.
Und woher kennst du den? - Ah
Der hat einen Sommer hier verplanscht.
Wie soll i sagen? War heiß, und wir waren
...rechtjung und dumm im Schädel.
Das war lang bevor du mir in den Schoß g'fallen bist.
Aha. Und was heißt das jetzt?
Das heißt, du machst dich morgen auf den Weg nach Wien.
Nach Wien? Morgen?
Bestimmt ned.
* Herzklopfen *
(Mutter:) Franz!
* Hahn kräht. *
Franz!
In einer Stund' geht der Zug!
* Vogelzwitschern *
Franz!
* Blubbern *
So, komm jetzt.
* Lok pfeift. *
* treibende Klaviermusik *
(Mutter:) Schnell!
Du musst mir jede Woche 3 Ansichtskart'n schreiben!
* treibende Klaviermusik, melancholische Streichmusik *
(Mädchen, flüstert:) Ma, is der fesch.
* Kichern *
* melancholische Streichmusik *
* Lok pfeift. *
* helles Läuten *
* Durchsagen *
(Zeitungsverkäufer:) Gigantische Brandkatastrophe!
* Stimmengewirr *
Gigantische Brandkatastrophe!
Gigantische Brandkatastrophe!
Wien hat keine Rotunde mehr!
* Bellen *
(Frau:) Anna! Anna!
(Verkäufer:) Wien hat Rotunde verloren!
* Pfiff *
Ist Ihnen nicht gut, junger Mann?
Es ist so laut und stinkt. Vom Kanal vielleicht.
Das ist nicht der Kanal. Das sind die Zeiten.
Faulige Zeiten sind das nämlich.
Bist von weit her'kommen?
Von daheim.
Gehst am besten gleich wieder zurück.
* Bellen *
Man g'wöhnt sich an alles.
* Lok pfeift. *
* Jahrmarktmusik, Stimmengewirr *
* Wiehern *
(Kutschen) So, da samma. Brr!
(Mann:) Suche Arbeit, liebe Leute.
* Autohwuwpe *
* Jahrmarktmusik, Stimmengewirr *
Guten Tag.
* Klingel *
Servus, Franzl.
Woher wissen 8' denn, wer ich bin?
Wer sollst denn sonst sein.
Spät bist dran. Is ja schon fast Mittag.
Sie sind der Otto Trsnjek.
Wer sollen 8' auch sonst sein.
Genau.
Ja.
Das sind meine Bekannten.
Meine Freunde.
(murmelt:) Ja
Am liebsten würd ich alle behalten, aber ich geb sie her.
Jeden Tag. Und weißt, warum?
Weil ich Trafikant bin.
Und immer Trafikant sein werd.
Bis der Herrgott die Rollo runterlasst.
* Klingel * Küss die Hand, Frau Doktor.
Ein Packerl Gloriette. - Bitte sehr, bitte gleich.
Das ist übrigens mein neuer Mitarbeiter.
Der Franzl.
* angespannte Musik *
* dumpfes Herzklopfen, Atemgeräusche *
* sanfte Musik *
Franz?
Mei, lieb.
Grüße an den Herrn Gemahl.
Frau Doktor.
Na, Zigaretten Schön und gut.
Aber wahre Kultur - und ich rede von Rauchkultur -,
die beginnt ganz woanders.
Schau mal her da.
Das
...sind echte Havannas.
* atmosphärische Musik *
Ja. Hab ich mir
...für besondere Kundschaften
...kommen lassen.
Die sich etwas Exquisites leisten
...wollen - oder können.
So teuer? - Ja, das ist feinste lmportware.
G'hören oft gewendet, damit sie
...nicht trocken werden, und das ist eine von deinen Aufgaben.
Erst der Verkauf
...von solchen Zigarren
macht aus einer stinknormalen Trafik einen Tempel.
Sowohl des Genusses als auch des Geistes.
Ist das soweit nachvollziehbar für dich?
Fein. Dann nimmst jetzt den Rucksack und und kommst mit.
Eine schlechte Zigarre,
die schmeckt nach Pferdemist.
Eine gute Zigarre schmeckt nach Tabak.
Aber eine sehr gute,
die schmeckt nach der Welt.
So, da kannst dich waschen.
Da kannst schlafen.
Und das Klo?
Außenklo ist in der Wirtschaft vis-ä-vis.
Schlüssel hängt neben der Eingangstür.
Was ist da drin?
Das geht dich gar nix an, rein gar nix.
* Klingel *
Kundschaft.
So, du ziehst dir rasch was Ziviles an,
und dann fangsft an bei mir.
Als Trafikant.
(laut) Küss die Hand, gnä' Frau! - Grüß Gott.
Na, was darf's denn sein? - Haben S' Ägyptische?
Ägyptische, freilich.
Bitte sehr.
So, einmal die Neue Freie Presse, Herr Studienrat.
Zum Rauchen kann ich Sie nicht verführen?
Darf's sonst noch was sein? - Nein, danke.
Wiederschauen. - Wiedersehauen, Herr Studienrat.
(seufzt:) Ah ja
* Tür wird geschlossen. *
Merk dir die Kunden, Franzl.
Präg dir ihre Gewohnheiten und Vorlieben ein.
Ja. Das Kapital des Trafikanten, das ist sein Gedächtnis.
Und lies die Zeitung.
Jeden Tag.
Das ist unser Kerngeschäft. Nicht eine oder zwei, sondern alle.
Natürlich nicht von vom bis hinten, nur die großen Artikel.
* Klingel * Küss die Hand. was darf's sein?
Grüß Gott. - Hallo.
Was ist los? Willst du die jungen Damen nicht bedienen?
Da drüben sind die Schulhefte und die Stifte.
Einmal die Nationalzeitung.
Die gibt's hier nicht.
Was soll das heißen?
Nationalsozialistische Zeitungen sind doch wieder erlaubt.
Ah ja?
(Mädchen:) Ja, das Will ich auch.
Das passt super zu meinem neuen Federpennal.
Bei mir aber nicht.
Dich hol'ma noch von deinem hohen Ross.
Da kannst du Gift drauf nehmen. - Wünsche auch einen schönen Tag.
(Mädchen:) Aber ich dachte, man darf bei der Schularbeit
nicht mit einem Bleistift schreiben. - Stimmt. Nimm eine Füllfeder.
* Jemand pfeift vor sich hin. *
Ich wohn ja nur ein paar Häuser weiter.
Ebenerdig.
Aber kochen mag i nix, da geh'ma da rein.
Da kannst dir dann auch gleich das Außenklo
Jö, schau, der Rote Egon.
Zehn Sekunden - pünktlich -, nachdem i zug'sperrt hab.
A Schachtel Sport und die Rote Fahne.
Ja, was geht dich meine Mittagspause an, heast.
* Klingel *
* Er ächzt. *
Was da wieder drinsteht, an Weltfrieden und Gerechtigkeit.
Red du nur, Trsnjek.
Die Revolution wird kommen, und zwar bald.
Jaja.
Das Wechselgeld kriegst morgen. Für dich sperr i jetzt nimmer auf.
Mahlzeit.
* Rattern eines Motors *
Grüß Sie Gott. Zweimal Menü Szegediner Gulasch.
Wohl bekomm's.
Dank' schön.
* Stimmengewirr *
(Mann:) Zahlen, bitte.
Und? Wie geht's deiner Mutter?
Eigentlich wie immer.
Aha. Wie immer?
Na ja. Sehr erschöpfende Auskunft.
Na ja
Die hat's auch ned leicht.
Und, hat's wen?
Wie, wen?
Einen Beschützer.
In Zeiten wie diesen.
Glaub ned. Der Preininger is ja ersoffen.
Aha.
(Mann:) Noch ein Bier, bitte.
* Bellen *
* atmosphärische Musik *
"Liebe Mama. Die Arbeit ist interessant."
"Otto Trsnjek lässt dich grüßen."
"Wie geht es dir? Mir geht es gut."
"Dein Franz."
* sanfte, verspielte Musik *
* düstere Musik, geräuschvolles Atmen *
* Schwanschnaüem *
* atmosphärische Musik *
* bedrohliche Musik *
* unheimliche Musik *
(hallend:) Was darf's denn sonst sein?
* unheilvolle Musik *
* Bellen *
* Musik endet. *
* Bellen von draußen *
* Zeitungsverkäufer, ein Kind ruft etwas. *
* Klingel *
Morgen, Herr Professor. - Guten Morgen.
Trabuccos, wie immer?
Zwei Schachteln, bitte.
Und eine Neue Freie Presse.
Das ist übrigens der Franz.
Der kommt ausm Salzkammergut und hat noch viel zu lernen.
Das Salzkammergut - SEHR schön.
Danke.
Auf Wiedersehen.
Wiedersehen. - Schönen Tag, Herr Professor.
Das ist übrigens der Professor Sigmund Freud.
Von dem hast sicher schon g'hört.
Professor Freud?
Der Deppendoktor.
Weltberühmt ist er.
Er richtet den Leuten den Kopf wieder grad.
Also, innerlich.
Zumindest denen, die sich's leisten können.
Eine Stunde bei dem kostet so viel
wie ein halbes Schrebergartengrundstück.
Seine Zigarren!
* Autohupe *
Herr Professor!
Ihre Zigarren. - Oh.
Verbindlichsten Dank.
Bitte, das ist doch selbstverständlich.
Selbstverständlich ist heutzutage gar nichts mehr.
Aber danke.
Darf ich Sie ein Stück begleiten?
Darf ich Sie was fragen, Herr Professor?
Kommt drauf an.
Stimmt es, dass Sie den Leuten ihren Schädel graderichten?
* Freud lacht leise. *
Wer sagt das?
Der Otto Trsnjek. Innerlich, meint er.
Charmant ausgedrückt.
Ja, manchmal, wenn wir Glück haben, meine Patienten und ich.
Die Leute legen sich halt bei mir auf die Couch
und beginnen zu reden.
Ja. Es ginge auch im Stehen, aber im Liegen ist es bequemer.
Kl\ingt gemütlich.
Die Wahrheit ist selten gemütlich.
So, da wohn ich.
Darf ich um meine Zigarren bitten?
Besten Dank.
Ich werd mir alle Ihre Bücher kaufen und sie studieren.
Um Himmels willen.
Hast du nichts Besseres zu tun? Du bist jung!
Geh an die frische Luft, amüsier dich.
Such dir ein Mädchen. - Ein Mädchen?
Wenn das so einfach wär.
Bisher ist das den allermeisten gelungen.
Das heißt nicht, dass es mir gelingt.
Und? Warum ausgerechnet dir nicht?
Da, wo i herkomm, versteht man was von Holzwirtschaft.
Aber von der Liebe
Das ist nichts Außergewöhnliches.
Von der Liebe versteht niemand irgendetwas.
Nicht einmal Sie? * Freud lacht. *
Die Leut' verlieben sich doch andauernd.
Man muss das Wasser nicht verstehen, um hineinzuspringen.
Ich wünsche noch einen angenehmen Tag.
Auf Wiedersehen.
* sanft treibende Klaviermusik *
Schauen 8' alles in Ruhe durch. Sind wieder a paar neue dabei.
* Schnipsen *
Neutral einpacken, bitte. - Selbstverständlich.
Stimmt so.
Danke verbindlichst, Herr Ingenieur.
Auf Wiederschauen! - Auf Wiederschauen!
(leise:) Wiederschauen.
So.
Schreib dir das hinter deine Ohren.
Diskretion ist in so einem Fall das Allerwichtigste.
Was für einem Fall?
Im Fall der zärtlichen Magazine, Herrgott noch mal.
Ein Trafikant
...verkauft Genuss.
Und Lust.
Und manchmal halt auch Laster.
Hm?
* Stimmengewirr, gemütliche Musik *
(Männer:) Ja!
Sehr schön.
* Jubel * Na hallo!
Höher! Los!
Guten Tag.
Ich bin der Franz Huchel vom Attersee.
Ich möcht Sie zu einer Karussellfahrt einladen.
(Akzent) Karussell nein, aber schießen möcht ich bitte schön.
* Stimmengewirr, gemütliche Jahrmarktmusik *
* Wiehern *
Wu, tot, schon wieder!
Und jetzt du.
Schießen kannst ned, aber ein schönes Popscherl hast.
Komm.
* Lachen, Jubel *
* gemütliche Musik *
Mh, bin ich satt jetzt.
Teilen wir noch ein Bier?
Beppo! - Ah?
* Sie sprechen tschechisch. *
Hm? - Ist aus Böhmen, wie ich.
Welches Alter hast?
17.
Macht nichts. Jetzt tanzen. - Nein.
Komm! - Ich kann nicht.
* verführerische Melodie *
Mh Spür ich da unten was? - 'tschuldigung.
Warum Entschuldigung? Ist schönes Kompliment.
(mehrere:) Bravo! - (Mann:) Zehn Minuten Pause!
So.
Haben wir getanzt, haben wir gesoffen
...und was machen jetzt?
* sphärische Musik, Herzklopfen *
Burschi? Geht's dir gut?
* Stimmengewirr *
Ich hab noch zweieinhalb Schilling.
Das sind entweder vier Krügerl Bier
oder zwei Runden auf dem Karussell.
Gleich wieder da, Burschi.
* Stimmengewirr, Kinderrufe *
* Sie tuscheln und kichern. *
* Jahrmarktmusik *
Was Is, trink'ma noch was? - Nee.
Nix mehr? Danke.
* leises Stimmengewirr *
Ich bin der Franz Huchel vom Attersee.
Was is mit dem?
(Mann:) Seid ihr wirklich alle da? - (Kinder:) Jaaa!
Und wofür brauch ich den Prügel? - Für das Krokodil!
Genau. Aber wir haben keines da. - Achtung, hinter dir!
...: -, ' ". ./ .--'-.--_\ //,-. - . . . \ , ' ' ' "" .' ' \ - '
So, du bleibst da! Jetzt gibst den Kopf in die Höh'.
Noch einmal? - Jaaa!
So., du bleibst da unten. wir - Achtung!
Das gibt's doch nicht!
Aufhören!
(Kasperl:) Bleib - unten. Runter - mit- dir!
Hör auf! - Aber hallo!
(Kind:) He, gib das zurück!
(Mutter:) ”Hier ist jetzt, wo die letzten Gäste fort sind,
"Er kann ja auch nichts dafür,
wenn einer ausgerechnet bei Gewitter in ihn hineinspringt."
* ruhige Musik *
"Wie kommst du nur auf so seltsame Sachen?"
"Dass die Wahrheit selten gemütlich ist
und dass man das Wasser
\nicht verstehen muss, um hineiinzuepringen?"
"Du hast dich doch nicht etwa verliebt?"
* zittriges Atmen *
* leises Stöhnen *
* Er stöhnt laut. *
* unheilvolle Musik *
* geräuschvolles Atmen aus dem Off *
* Musik spitzt sich zu. *
* bedrohliche Musik *
(Mutter, entfernt) Franz!
Franz!
* Herzklopfen, geräuschvolles Atmen *
* Franz schreit. *
* Herzklopfen, düstere Musik *
* unverständliche Rufe über Wasser *
(von draußen:) Wer war das?
(laut) Wer beschmiert bitte meine Fassad'?
* wütende Ausrufe *
(brüllt:) Rotzbua, komm raus da!
Du Krüppel!
Ah, kommt der junge Mann auch schon aus seinem Loch!
VVasislos? - Machst halt die Augen auf.
Blut
Blut - Schweineblut!
Von unserem freundlichen Nachbarn Rosshuber persönlich hingeschmiert.
(Frau:) Was zu beweisen wäre.
Und außerdem ist das Blut ned von einer Sau,
sondern von einem Hendl, das sieht ja wohl jeder.
* Gelächter * Das is doch mir wurscht!
Aber wer ist so gehirntot
und beschmiert die Fassad' von andere Leut'?
Und wer tragt schon sein halbes Leben das Hakenkreuz
unterm Revers und wart', dass er's hervorkehren kann?
Was unter meinem Kragen steckt, geht dich einen Scheißdreck an!
Ah ja? Dieser Mensch,
also dieser sogenannte Fleischhacker,
der hat Blut an seinen Händ'
und die schwarze Gemeinheit in seinem Herzen.
Und jetzt
...sag i dir noch was, Rosshuber.
L habe für dieses Land
...meinen Fuß 1917 in einem
...dreckigen, stinkigen Loch g'lassen.
Und einer is mir noch 'blieben.
Ein bissl hüftsteif.
* aufgeregtes Atmen *
Aber für einen Arschtritt langt er noch allerweil.
Lass doch den Judenfreund.
(lacht) Ja. Feig!
Ist er auch noch. Feig!
Was schauts 'n so?
Habts a feuchte Wohnung oder was?
* Tuscheln *
Und du wischt das jetzt weg, und zwar schnell!
Warum hat die Frau vom Fleischhauer Sie einen Judenfreund g'nannt?
Weil sie Scheiße im Hirn haben. Alle beide.
Weil sie neidisch sind. Weil i mehr Kundschaft hab.
Ja
Ich bedien halt auch Sozialisten wie den da.
Und Juden, warum auch nicht. - Apropos Juden, da kommt der Freud.
Grüß Sie Gott, Herr Professor. - Guten Tag.
Grüß Gott. - Na?
Wie immer, Herr Professor? - Wie immer, ja.
Und?
Hast du schon Erfolg gehabt bei den Frauen?
Teils, teils.
Was heißt das? - Ich hab eine gefunden.
Gratuliere.
Du verlierst nicht gern Zeit, hm?
Aber sie ist mir wieder davong'laufen.
Ja, das passiert. Dann kommt eine andere.
Aber so eine wird nie mehr kommen.
Sie hat die schönste Zahnlücke der Welt.
Ich verstehe.
Jetzt leidest du, aber ich kann dich beruhigen:
Dieses Leiden ist heilbar. - Das glaub ich nicht.
Können Sie mir keinen Rat geben? - Ja, also bitte.
Der Herr Professor hat Besseres zu tun,
als einem dahergelaufenen Rotzbuben einen Rat zu geben.
Vielleicht braucht so ein junger Mann
einen Rat am dringendsten.
Ich verschreibe dir jetzt drei Rezepte, mündlich.
Das erste gegen dein Kopfweh:
Hör auf, über die Liebe nachzudenken.
Das zweite gegen dein Bauchweh
...und die quälenden Träume:
Leg dir Papier und Feder neben das Bett
und schreib sofort nach dem Aufwachen
Drittes Rezept:
gegen dein Herzweh.
Hol dir das Mädchen zurück.
Oder vergiss sie.
Das geht leider beides nicht.
Warum?
Darf ich mal auf Ihre Couch, Herr Professor?
Was willst du denn auf meiner Couch?
Das weiß ich nicht.
Aber wenn ich drauflieg, werd ich's rausfinden.
Danke.
Ich wünsche noch einen guten Tag.
Wiederschauen, Herr Professor! - Wiederschauen.
* sanfte Musik *
"Hoyo de Monterrey."
"Von tapferen Männern geerntet
und von schönen Frauen in zarter Handarbeit
auf dem Oberschenkel gerollt."
* sanfte Musik *
* sanft treibende Musik *
Mama?
Mama!
* unheimliches Frauenlachen *
(Kasperl:) Komm her, du Schöne!
* dreckiges Lachen *
Spür ich da unten was?
Ist schönes Kompliment!
* geräuschvolles Atmen *
* Sie lacht. *
* unheilvolle Musik *
* Musik endet, sie lacht weiter. *
(leise:) Fenster
* Er murmelt etwas. *
...ist ein Kasperltheater.
Seit einer halben Stunde sitzt er jetzt da.
Immerhin hat er einen Schal.
* Husten * (Frau:) Wer sitzt da?
Du sollst nicht so viel rauchen.
Wer von uns beiden hustet, du oder ich?
Begreifst du nicht? Mama verträgt den Rauch nicht.
Die Prothese
* Uhr schlägt. *
* leises Klappern der Zähne, gurgelnder Laut *
Danke.
Ich hätt sie von einem Tischler machen lassen sollen
anstatt von einem Arzt- oder gleich von einem Grabsteinschleifer.
Es hat schon wieder ein Patient abgesagt.
Immerhin kommen noch die aus dem Ausland.
Auf diese Weise hab ich etwas mehr Zeit zum Schreiben.
Wenn ich mich nur etwas besser konzentrieren könnte.
Du müsstest dich mehr bewegen. Dann bewegt sich auch dein Geist.
Deshalb rauche ich heute draußen.
* Husten *
* Autohupe *
Guten Abend. - Herr Professor.
Für mich? - Mhm.
Oh Danke.
Mmh - Es ist eine Hoya de Monteney.
Eine aromatische Habano.
Leicht im Geschmack.
Aber elegant und komplex.
Von tapferen Männern geerntet
...und von schönen Frauen in zarter Handarbeit
auf dem Oberschenkel gerollt. * Freud lacht. *
Also, was willst du? Brauchst du wieder einen Rat?
Jetzt ist bald Winter.
Ich hab meine Träume aufg'schrieben, sofern ich mich erinner.
Aber es wird ned besser.
Ich tanz mit dem schönsten Mädel der Welt.
Und im nächsten Moment is' weg. Verschwunden. Nie da g'wesen.
Mit den Frauen ist es wie mit den Zigarren.
Wenn man zu fest an ihnen zieht, verweigern sie den Genuss.
Aber ich hab ja nicht einmal an ihr gezogen!
Ich hab sie nicht einmal berührt. Nur mit ihr getanzt.
Aha
* Seufzen *
Es ist Winter. Mit seiner Gesundheit spielt man nicht.
Mein Alter hat jede Gesundheit längst hinter sich gelassen.
Aber nicht den selbstgestrickten Schal meiner Mama.
Und du weißt nicht, wie sie heißt und wo sie wohnt, deine Zahnlücke?
Und du kennst auch niemanden, der sie kennt?
Mhm.
* beschwingte Musik von drinnen, Stimmen, Klatschen *
Grüß Gott.
Kann ich helfen?
Im Herbst war da ein Rummel.
Ich bin da mit einem böhmischen Mädel g'sessen.
Sie hat tschechisch mit Ihnen g'sprochen.
Erinnern Sie sich? - Kommt drauf an.
Ich hätt wirklich nur 3 kleine Frage.
Muss sehr, sehr kleine Frage sein.
Komm.
Ich brauche ihre Adresse.
Das mit Erinnerung geht gerade ganz schwer.
Is' jetzt leichter?
Mh
Warum muss so billige Flittchen sein?
Sie ist nicht billig.
Weiß ich anderes.
* Kampflaute *
* leiser Schrei *
Warum immer so rabiat wegen Weiber?
Dürft i jetzt vielleicht doch die Adresse haben?
Stur wie Ochs.
Zweite Bezirk.
Rotensterngasse.
Immer Ratten nach. Hausnummer elf.
(leise:) Danke.
* ruhige Klaviermusik *
* lauter Streit von drinnen *
* Ein Baby weint. *
'tschuldigung.
* Grunzen *
Wohnt da vielleicht 3 junge Frau aus Böhmen?
Danke.
* Baby weint. *
* lauter Streit im anderen Raum *
* melancholische Streichmusik *
* leises Stimmengewirr *
* Jemand hustet. *
'tschuldigung, wohnt da 3 junge Frau aus Böhmen?
Ah, der Burschi mit dem schönen Popscherl.
Darfst mir bezahlen ein Essen und ein Krügerl Bier, Burschi.
So, ein Krügerl Bier.
Mh Gut.
Sehr zum Wohle.
Danke für Einladung, Burschi.
L heiß Franz. - Stimmt, und bist von Attersee.
Und du?
Anezka.
* leises Stimmengewirr *
Komme ich aus Dobrovice.
Wunderschönes Dorf.
Das sich an Hügel schmiegt wie an dunkle Liebhaber.
Schmeckt's ned?
Doch, doch.
Geld hast aber schon, oder? - Ja, freilich! Was sonst?
Und was arbeitest du? - Einmal dies, einmal das.
Kindermädchen, Köchin helf ich in Haushalt.
Und all die anderen Frauen? - Alles Böhminnen.
Schöne Frauen, alle miteinander.
Problem nur:
keine behördliche Genehmigung.
Manche gehen Kavaliere animieren.
Aber das ist nicht für mich. Ah
Kavalier - ob arm oder reich - ist nicht immer Kavalier.
Verstehst? - Ja.
Ich glaub, das versteh i.
* Sie seufzt. *
Und jetzt will ich dich, Burschi.
* ruhige Klaviermusik *
* gefühlvolle Streichmusik *
* Klingel *
* Er stöhnt. *
Nein * Sie lacht sanft. *
Warte, i&ch mach.
So Hier.
(stöhnt:) Ja
Ja
* Stöhnen, schweres Atmen *
* Er stöhnt auf. *
* Sie lacht. *
Anezka!
Ah!
Ich geb dir!
* Sie lacht. *
Au! Bumm - tot!
* Lachen *
Was hast gemacht mit Nase?
* gefühlvolle Klaviermusik * Mich geprügelt. Wegen dir.
Wegen mir? Ist wahr? - Mhm.
* schweres Atmen *
Warum bist du damals weggelaufen?
Manchmal musst weglaufen, manchmal musst bleiben.
Das heißt Leben.
Kann schon sein. aber - Pscht.
Nicht so viel reden.
Lieber noch mal vögeln.
Ist sowieso schnell gegangen erstes Mal.
* Sie lacht. *
* ruhige Klaviermusik, Stimmen aus Zimmer *
* Er hustet. *
* Er klopft. *
Ist nicht da. Arbeiten.
Schon wieder? Und morgen?
Ist auch morgen nicht da. Und ganze Woche.
Kannst dalassen.
* Bellen, Baby weint. *
(Mutter:) "Mein lieber Franzl."
”Vielen Dank für deine schöne Weihnachtskarte."
So, mal schauen Bissi nach rechts noch.
"Das Foto hat der Pfarrer gemacht."
"Zum Dank, dass ich ihm Apfelstrudel gebracht hab."
Da is' gut. Und jetzt musst lächeln, Gretl.
"Von Herzen wünsch ich dir ein frohes Weihnachtsfest."
* Wind pfeift. * (lacht) Ah!
"Und ein gesegnetes neues Jahr."
Kruze-
"Deine Mama. PS: Schmutzige Hosen kannst du mir schicken."
Ich glaubi es iist schön;
* Wind pfeift, sie lacht. *
"PPS: Bist du noch verliebt?"
* ruhige Musik *
"Liebe Mama."
“Jetzt ist Weihnachten schon wieder vorbei,
und iich bin schon eine Weile hiier in der Stadt"
"Aber mir kommt alles immer fremder vor."
”Vielleicht ist das ganze Leben so."
"Man entfernt sich von Geburt an
und mit jedem einzelnen Tag ein bisschen weiter weg von sich."
“Bis man sich gar nicht mehr aus-kennt"
"Kann es sein, dass es wirklich so ist?"
"Fragt mit vielen Grüßen dein Franz."
"PS: Meine Hosen sind nicht schmutzig."
"PPS: Ich bin noch immer verliebt."
* Autohupe *
* Autohupe *
Was 'n los mit dir? Schaust ja elend aus.
Bewegst dich wie ein alter Mann.
Wenn's so weitergeht, kannst bald Rente beantragen.
Grüß Sie Gott, Herr Professor.
Guten Tag.
Mit bestem Dank zurück.
Er ist frisch gewaschen und gebügelt und duftet wie eine Rosenhecke.
Die Damen haben ihr Bestes gegeben.
Sagen Sie ihnen, herzlichen Dank.
Was ist denn mit dir?
Hast du sie nicht wiedergefunden?
Doch.
Sie heißt Anezka.
Eine Böhmin?
(leise:) Ja.
Aus einem Dorf, das an einen Hügel geschmiegt ist.
Wie an einen dunklen Liebhaber.
Ein Hügel wie ein dunkler Liebhaber.
Die böhmische Küche ist ja wirklich ganz wunderbar.
Ja.
Wunderbar.
Du bist etwas einsilbig heute.
Was ist denn geschehen?
Mit dir und dieser Anezka?
Ich hab sie berührt.
Das war das Schönste, was ich je erlebt habe.
Da freu ich mich.
Ich hoffe, sie hat dich ebenfalls berührt.
Oh ja.
Und dann ist sie verschwunden.
Schon wieder?
Ich hab alles versucht, aber
Ihre Zigarren, Herr Professor.
Oh. Das hätt ich jetzt fast vergessen.
Danke.
Ich wünsche noch einen schönen Tag.
Wiedersehen. - Auf Wiedersehen, Herr Professor.
So.
Du hörst mir jetzt einmal genau zu, Bub.
Eine Frau lässt man nicht einfach gehen.
Diesen Fehler hab ich selber einmal gemacht.
Ich gebe dir hiermit frei.
Du gehst jetzt
...stellst dich vor ihr Haus
...und wartest, bis du sie sieht - und wenn sie kommt,
und sie kommt mit einem anderen daher,
dann derschlagst ihn mit einem nassen Putzfetzen.
Soll i dir 3 Kruck'n mitgeben, hm? - Nein, danke.
Ja. * Sausegeräusch *
* Eine Tür knarrt. *
* Klaviermusik von drinnen *
Wennst Wurzeln schlagen willst, mach das woanders.
Ein Programm, bitte. - Einen Schilling.
Freie Platzwahl, keine Pause viel Vergnügen.
* Klatschen von drinnen *
* Tür wird geöffnet, Gelächter von drinnen. *
Lieber Gott, mach mich stumm, dass ich nicht nach Dachau kumm.
* Gong, Gelächter *
Lieber Gott, mach mich taub, dass ich an unsre Zukunft glaub.
Lieber Gott, mach mich blind, dass ich alles herrlich find.
* Gelächter *
Bin ich erst stumm und taub und blind
(Frau:) Bitte, was darf's sein? - Ein Bier.
* Schellen, Trommel * # Da-da-da-da
* Trommelwirbel *
* triumphale Musik, Gelächter *
(Hitler imitierend:) Ich bin der deutsche Reichskanzler.
* Gelächter *
Und habe Hunger.
Wie ein Wolf.
Man serviere mir
...meine österreichische Heimat. * lechzende Laute *
* flotte Musik *
* Musik endet. *
* Schlag *
Ich werde jetzt Österreich verspeisen.
Ersticken sollst dran!
* Gelächter *
* Unverständliche Silben *
* gequälte Laute *
* Husten *
Platz!
* Gelächter *
* Er winselt. *
(Frau, sanft) Braver Adi. Lieber Adi.
* grummelnde Laute *
* Er ächzt. *
* Gelächter *
* lustige Musik, Applaus *
Meine Damen und Herren.
Eine Weltsensation.
Inmitten der endlosen Weiten der Prärie.
Wo der Kojote heult, der Adler seine Kreise zieht
und die Büffelherden grasen, haben wir sie gefunden.
Nackt und schutzlos
...ohne Tabus, ohne Scham.
Begrüßen Sie heute Abend hier und jetzt:
N'Tschina, die scheue Schönheit aus dem Indianerland.
* Trommelmusik * # Heyo, heyo
* Pfiff *
# Heyo, heyo, heyo
# Heyo, heyo, heyo.
# Heyo, heyo, heyo.
* verführerische Musik, Pfiff *
* Applaus *
# Heyo, heyo, heyo.
# Hoya. heyo. heyo * Pfiff *
* beschwingte Klaviermusik *
* Gelächter *
* Sie lacht leise. *
Bleib stehen, oder i schlitz dich auf!
* Schmerzensschrei *
* jammernde Laute *
* gefühlvolle Musik *
Steck's weg, Heinzi!
Ich Kenn den.
Muss ich reden mit ihm.
Allein.
L kenn dich ned.
Und es wär g'scheiter, wenn wir uns nie kennenlernen.
Hast mich verstanden?
Hab ich dich schon gesehen.
Bist mir heimlich nachgegangen.
War schön, das Programm?
Was ist mit dir und dem Heinzi?
Ist Kollege. Macht Spaß und Kabarett.
Nicht nur Messer in der Hos'n, stimmt's?
Mache haben was in Hose, manche nicht.
Wer blöd fragt, kriegt blöde Antwort, Burschi.
Ich heiß nicht Burschi. Ich heiß Franz.
Ich geb dir drei Schilling, wenn du mir noch mal deinen Arsch zeigst.
Gleich da, im Hof.
'Tschuldigung.
* melancholische Streichmusik *
Muss jeder leben, Burschi.
* greller Frauenschrei *
* greller Frauenschrei in der Ferne *
* düstere Musik *
(unter Wasser:) Burschi!
* Er atmet aufgeregt. *
Anezka!
* unheilvolle Musik *
(englischer Akzent) Ich schäme mich für alles.
Für meine Beine, für mein Neck.
Meine Schweißflecken unter die Achseln.
Ich schäme mich für alles, was ich habe, was ich tue,
was ich bin.
Haben Sie nicht auch manchmal Lust?
Empfinden Sie nicht auch manchmal eine Art Lustgefühl?
Mrs Buccleton.
Ich empfinde Lust beim Essen.
For example
...große Stücke von Torte.
Wissen Sie, Mrs Buccleton, Lust und Scham sind Geschwister.
Bei Ihnen scheint mir eines dieser beiden Geschwister
...etwas verkümmert.
Meinen Sie? - (lacht) Ja.
Ja, das meine ich.
But what can I do, um das arme Ding zu seinem Recht zu helfen?
Hören Sie auf, Torten zu essen.
* Uhr schlägt. *
Wie lange bist du schon auf der Bank gesessen?
Weiß ned Vielleicht zwei Stunden.
Bist du noch nie auf den Gedanken gekommen zu läuten?
Das würde ei'iniige-s vereinfachen
Auf den Gedanken schon,
aber ich hab mich nicht getraut, Sie zu stören.
Wenn du mich störst, dann sag ich dir das schon.
Es Es ist eine eine ganz wunderbare Zigarre.
Du lässt dir unsere Begegnungen ja einiges kosten.
(Mann:) Neueste Meldung:
Sonntag Volksabstimmung über Österreichs Freiheit.
Vielleicht ist die Liebe nichts für mich.
Oder vielleicht bin ich nichts für die Liebe.
* Kirchenglocken *
Liebst du sie denn, diese Anezka?
Oder sprechen wir von deiner Libido?
Meiner was?
Sie schafft ebenso viel Freude wie Leid und
...hat bei den Männern - vereinfacht gesprochen -
Auch bei Ihnen? * Freud lacht leise. *
Meine Libido ist längst überwunden.
Die Herren, entschuldigen bitte. Aber es ist wegen der Bomben.
Und anderer von der Stadtverwaltung nicht tolerierbarer Gegenstände.
Was denn für Gegenstände?
Kann man nicht sagen.
Das stellt sich erst heraus, wenn man einen findet.
Liebe Libido
Ich weiß es nicht.
Eigentlich weiß ich gar nix.
Immerhin. Das ist die erste Stufe im steilen Stiegenhaus der Weisheit.
* entfernter Sprechchor *
Jetzt marschiert Hitler in Wien ein.
Und die Bevölkerung wird ihn begeistert begrüßen.
Österreich liegt vor ihm wie a Riesenschnitzel,
und er wird's mit Heißhunger verspeisen.
* entfernter Sprechchor *
* düstere Musik *
Mh
* bedrohliche Musik *
* hektisches Atmen *
(entfernt) Hör auf, über die Liebe nachzudenken.
(Hitler, entfernt) Sieg Heil! * Menge jubelt. *
* bedrohliche Musik *
* Stimmen von draußen *
Der Professor liegt in dem Boot.
* Durcheinanderreden, Gerangel von draußen *
(Durchsage:) "Heute morgen um 5 Uhr 30
haben die deutschen Truppen die Grenze überschritten."
"Ohne Widerstand der österreichischen Armee
rücken sie auf die Hauptstadt Wien vor."
Da oben! Da is er!
Kommts, gemma!
(Frau:) Was macht 'n der da oben?
(Mann:) Ja, was macht 'n der? - (Mann:) Komm runter!
* düstere Musik *
* leises Stimmengewirr *
(Mann:) Komm runter vom Dach jetzt!
(Mann, liest) "Es lebe Österreich."
Die Freiheit eines Volkes braucht die Freiheit seiner Herzen."
* düstere Musik *
* erschrockene Laute, Schreie *
* Er ächzt. *
(leise:) Danke.
(brüllt:) Weg!
* Schreie *
"Durch das Eingreifen einiger beherzter Wiener Bürger
wurde gestern ein feiger Ansch\lag
auf die neue Geistesfreiheit vereitelt."
"Der in gewissen Kreisen als 'Roter Egon'
berüchtigte Bolschewist Hubert Panstingl
entrollte auf dem Dach eines Mietshauses ein Transparent,
das unser Reich und unser Volk
auf das Unflätigste verunglimpfen wollte."
"Mutige Hausbewohner und Passanten
ersuchten den Mann um Aushändigung des Transparents."
"Darauf bedrohte er sie mit einer Waffe"?
"Und verlor das Gleichgewicht."
Ist alles erlogen.
* melancholische Musik *
"Liebe Mama."
"Bei uns in Wien ist es schön."
"Überall blüht es, die Parks sehen aus wie auf Ansichtskarten."
"Und aus jedem Pferdeapfel sprießt eine Himmelschüssel."
Lass sie mir schön grüßen.
”Die Leute sind ganz verrückt,
rennen herum wie kopflose Hendln und kennen sich nicht aus."
(Mann:) Das werd i dir zeigen! - (Mann:) Was?
Ja, heast, schleich di doch.
Hallo, hallo!
* Durcheinanderreden *
"Wenn du mich fragst, liegt das nicht nur am Frühling,
"Es sind komische Zeiten gerade."
"Oder vielleicht war das immer so, und ich hab es nur nicht bemerkt."
"Bis vor Kurzem war ich nur ein Kind."
"Und jetzt bin ich noch kein Mann. Darin liegt die ganze Misere."
(Mutter:) "Mein lieber Franzl."
"Stell dir vor, sogar in Wirtshaus und Schule hängt jetzt der Hitler."
"Dabei weiß man noch gar nicht, was die beiden voneinander halten."
”Der Bürgermeister ist jetzt ein Nazi."
"Überhaupt wollen auf einmal alle Nazis sein."
”Der Förster rennt mit leuchtend roter Armbinde im Wald herum
und wundert sich, dass er nichts mehr schießt."
"Ach, Franzl mein lieber Bub."
"Wo soll das alles hinführen?"
"Der Preininger ist tot
und du bist so weit weg."
Herr Leopold!
Dem Obersturmbannführer wird das ned g'fallen.
Obersturm-was?
Obersturmbannführer Garleitner aus Linz.
Mit dem bin i nämlich
Aha.
"Manchmal lieg ich im Bett und wein in den Polster hinein."
"Weil niemand mehr da ist, auf den ich aufpassen könnt."
* heitere Jahrmarktmusik *
* bedrohliche Musik *
(Mutter, entfernt) Franz!
* heftiges Atmen *
* Zugrat'tem *
Anezkaaa!
* Scheppern und Klirren *
* unverständliche Rufe *
(Mann draußen, brüllt: ) Heil Hitler! * Er läuft weg. *
* angespannte Musik *
* langsame Klaviermusik *
* Er ächzt. *
* angespannte Musik *
* sentimentale Streichmusik *
* entferntes Bellen *
* Er ächzt. *
* entferntes Wiehern *
Danke. - Bitte schön.
* Stimmengewirr von draußen *
* Bremsen quietschen. *
Interessant, wie wenig man einen Tag lang reden kann.
Herr Trsnjek?
Wir haben schon g'schlossen.
Das stört uns ned.
Ich bin beauftragt, Sie zu verhaften
wegen Besitz und Verbreitung pornografischer Druckerzeugnisse.
(anderer Mann:) Wo versteckst die Wichsheftln?
Die Hobelbroschür'? - Versteck hab i gar nix.
Versteh.
"Bückware" nennt man das ja auch, ned wahr?
Also, Kollege, dann bückst dich einfach.
* Ächzen *
Interessant. Wem verkaufst 'n so was?
Deinen jüdischen und kommunistischen Freunden?
Die Heftln g'hören mir. - Du haltst deine Gosch'n.
Ich hab sie gekauft
Du sollst deine Gosch'n halten, du Trottel.
Na, wir sind nicht am Kasernenhof.
Wer wird 'n seinen Lehrbuben so anschreien?
* Schrei *
Otto!
* angestrengtes Atmen *
Du bist mein Lehrbua.
Und deswegen machst du jetzt genau das, was i dir sag.
Du setzt dich hin und haltst deine Gosch'n.
Ja? Lass mich - Aber
Du sollst mich lassen.
* düstere Musik *
* unheilvolle Musik *
Wo bist 'n her?
Vom Attersee. - Wirklich?
Ich auch. Schön is es da.
Mh
Die Zeiten sind halt so, Burschi.
Du verbaust dir ja nur die Zukunft.
Ich heiß ned Burschi, ich heiß Franz Huchel.
* Auto springt an. *
Wird man hier nicht mehr bedient?
Selbstverständlich, Herr Juristikar.
"Liebe Mama. Diesmal muss ich dir etwas Unangenehmes berichten."
"Der Otto Trsnjek ist nämlich krank geworden."
"Leber vielleicht - oder die Nieren. Oder eine andere Innerei."
"Jedenfalls ist er ein paar Tage im Spital,
und es muss abgewartet werden."
* Autohupe *
Grüß Gott.
Grüß Sie, Frau Feitham.
Die Illustrierte Wochenpost und
...ein Schachterle, bitte schön. - Gern.
...-. . .. - - .. - . -- . - .- „
Was hat man sonst vom Leben als ein bissl Genuss?
Da haben 8' recht, Herr Franz. Ich komm eh grad vom Friedhof.
Wo ist denn der Trsnjek? - Verreist, aber kommt bald wieder.
Wissen Sie vielleicht, wo man Leute hinbringt, die verhaftet wurden?
* langsame Klaviermusik *
* Klingel *
* langsame Klaviermusik *
Grüß Gott. - Heil Hitler.
Ich hätt gern was über den Aufenthaltsort
des unschuldigen, nichtsdestotrotz verhafteten
oder verschleppten Trafikanten Otto Trsnjek gewusst.
Auskünfte dieser Art werden nicht erteilt.
Aber - Nix "aber".
Und jetzt gehst besser, sonst bleibst für länger hier.
Könnten Sie wenigstens diese Krücken weiterleiten?
Er braucht sie dringend.
Kann ich mich drauf verlassen? - Heil Hitler.
.\
* Autohupe *
* Türklingel *
Sie wünschen, bitte?
Ich hätt gern den Herrn Professor g'sprochen.
Mein Mann ordiniert nicht mehr. - Deshalb komm ich nicht.
Sondern sozusagen als näherer Bekannter?
Wie bitte?
Er hat g'sagt, ich soll klingeln beim nächsten Mal.
Es ist dringend. - Schon in Ordnung, Mama. Bitte.
* Klaviermusik von drinnen *
Du hast Besuch, Papa.
Einen Augenblick.
Ah! Franz!
Wollen wir einen kleinen Spaziergang machen?
Gerne, Herr Professor.
Du solltest nicht mehr außer Haus gehen.
Warum denn nicht?
Das weißt du ganz genau. - Nein, das weiß ich nicht.
Ich muss unbedingt an die frische Luft, Martha,
sonst versteinere ich allmählich.
Dann finde ich mich, ohne groß aufzufallen,
in meiner eigenen Antiquitätensam mdung wieder.
In London könntest du frei spazieren gehen.
(stöhnt:) Ach
Lass mich mit London in Ruh.
Was führt dich denn zu mir?
Wieder die Böhmin? - Nein.
Nicht einmal die Krücken hat er mitnehmen dürfen.
Trinkst du Kaffee? - Heute schon.
Bitte.
* Geschirrklappern *
Grüß Gott.
Herr Professor, gemma heut lieber etwas abseits, ja?
Kommen S' bitte mit, danke.
* Räuspern *
Was darf's sein? - Zwei Verlängerte, bitte.
Sehr gerne, Herr Professor. Kommt sofort.
Was hat Ihre Frau denn mit London gemeint?
Wollen Sie verreisen? - (lacht) "Verreisen" ist gut.
Meine beiden Damen wollen, dass wir auswandern.
Sie haben Angst. Vermutlich zu Recht.
Ja, aber Heimat ist Heimat, und zu Haus' ist zu Haus',
sagt meine Mama Emmen
Sie müssen sie kennenlernen. Sie würden sich gut vertragen.
Sie versteht auch viel von den Leuten und ihren Blödsinnigkeiten.
Sie hätten genug zum Reden.
Außerdem backt sie Erdäpfelstrudel.
Und zwar den einzig echten und richtigen.
Bitte sehr, zwei Verlängerte. Darf's auch eine Mehlspeis' sein?
Nein, danke.
Wo war ich gerade? - Beim
...einzig echten und richtigen Erdäpfelstrudel.
Sie macht ihn in der Eisenpfanne mit Butterschmalz,
mit oder ohne Linsen oder Grammeln - wie's Ihnen schmeckt.
Ich glaub, ich hab noch nie so viel geredet.
Sprich ruhig weiter, mein Freund.
Zuhören ist meine Spezialität.
Gut?
Sehr gut.
Ich will ja gar nicht fort.
* Stimmengewirr *
Verzeihung?
* hämmerndes Geräusch *
Verzeihung!
Verzeihung.
Verzeihung.
Verzeihung.
Genau!
* geräuschvolles Atmen *
* Herzklopfen *
* angespannte Musik *
* aufgeregtes Atmen *
Dicker Mann
...wie ein Beamter
Grüß Sie, Frau Doktor. - Guten Morgen.
Ich brauch einen Zigarettenspitz. - Ein Moment, bitte.
Den alten hat mir mein lieber Gatte ausm Mund g'schlagen.
Das ist aber nicht nett. - Nicht besonders.
Dafür hat er mir zwei Jackettkronen bezahlt.
Das ist nett.
Sehr schön.
Und noch eine Schachtel Gloriette. - Gern.
(leise:) Bitte sehr.
Stimmt so Franzl. Nicht wahr?
Besten Dank, Frau Doktor.
* Klingel *
* nachdenkliche Musik *
(Mann:) Heil Hitler. - (Frau:) Heil Hitler.
Du schon wieder! Ich hab Auskunftsverbot, das weißt du.
Die Krücken stehen noch immer da. Sie haben versprochen
Gar nix hab ich versprochen. Verschwind.
Oder willst auch in den Keller? - Da ist er also.
* angespannte Musik *
Jetzt lassen Sie mich sofort zum Herrn Trsnjek.
Burschi, Burschi
Hier ist einer, der will's ned kapieren.
* Schritte nähern sich. *
* Franz ächzt. *
* Schmerzenslaut *
Wisch dir 's Blut ausm G'sicht.
Am besten fahrst heim, zum Attersee.
Komm.
Schau, ich mein's doch gut mit dir.
* Baby weint. *
* erschrockener Laut *
* Stimmengewirr, Jahrmarktmusik *
"Ach, Mama."
"Oft bin ich traurig und weiß, warum."
"Oft bin ich auch traurig und weiß nicht, warum."
"Manchmal wünsch ich mich an den See zurück."
"Ich weiß, dass das nicht mehr so einfach geht."
"Ich hab schon zu viel gesehen und gehört und geschmeckt."
"Ich weiß noch nicht, wohin, aber es wird weitergehen."
"Und damit hör ich mit der Raunzerei auf."
"Ich trage nämlich die vorübergehende Verantwortung
eines geschäftsführenden Trafikanten."
Bitte schön. - "Und muss nach vorne schauen."
"Wenn du möchtest, Mama, sei stolz auf mich."
"Dein Franz."
Schönen Tag. - (Frau:) Wiedersehen.
* Bellen *
* entferntes Bellen *
* Kratzgeräusche *
* angespannte Musik *
* Vogelrufe *
* unheilvolle Musik *
(Mann, Off:) Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.
* Kirchenglocken *
* entfernte betrübte Blasmusik *
Servus, Franzl.
* entferntes Wiehern *
"Da geht ein Mädchen und steigt ins Riesenrad."
"Überall blitzen Hakenkreuze, und das Mädchen steigt immer höher."
"Plötzlich brechen die Wurzeln,
und das Riesenrad rollt über die Stadt und walzt alles nieder."
Was soll denn das sein?
Nichts. - Nichts?
Ich hab hier ein behördliches Paket für Sie.
Bitte hier quittieren.
Heil Hitler. - Danke, Ihnen auch.
Erlauben wir uns, Sie vom Ableben
...des Herrn Otto Trsnjek in Kenntnis zu setzen."
* gefühlvo'lle Musik *
"Herr T. ist in der Nacht zum 14. Mai
in der Gestapo-Leitzentrale einem Herzleiden erlegen."
”Die Bestattung durch die Stadt Wien fand auf dem Zentralfriedhof statt."
"Zu unserer Entlastung schicken wir Ihnen die persönlichen Wertsachen."
* gefühlvolle Musik *
* Autohupe *
Was willst?
Der Otto Trsnjek ist tot.
* Fliegensurren *
Ihr habts seine Trafik beschmiert und verwüstet.
Ihr habts ihn beschimpft und ihn angezeigt.
Ihr habts ihn ermordet.
* Schmerzensschrei, die Frau kreischt. *
Eduard! Jetzt mach halt was!
Meine Mama hat immer g'sagt, ich hab zwei linke Händ'.
* Fliegensurren *
* Klaviermusik im Hintergrund *
Franz.
Was ist?
Ist etwas passiert?
Den Otto Trsnjek haben s' ermordet.
* Uhren'ücken *
Herr Professor
So sehr ich Sie vermissen werde, bitte fahren 8' nach London.
Ich danke dir für deinen Rat.
Ein guter Rat.
Wir werden Wien verlassen.
Ich muss dableiben und die Trafik weiterführen.
Natürlich musst du das.
Und sonst
...hält dich nichts und niemand in Wien?
* Uhren'ücken *
* Klaviermusik von drinnen *
Ist das Indianermädchen noch da? - Ihr Auftritt ist gleich vorbei.
Eintritt jetzt nur noch 50 Groschen.
* Pfiffe, Jubel *
Ein Schiff voller Juden geht unter.
Was ist daran schlimm?
Wissen Sie, wann das Indianermädchen kommt?
Einer konnte schwimmen. * Gelächter *
Was ist der Unterschied zwischen einem Juden und einem Tumor?
(Mann im Publikum-:) Keiner! - Doch, doch.
Ein Tumor könnte auch gutartig sein. * Gelächter *
* Gelächter von draußen *
Und nun können Sie sich freuen
auf den Magischen Massimo und seine bezaubernde Gehilfin.
* Applaus *
* Gelächter von draußen *
* erneuter Applaus *
(Mann:) Bravo!
Der Burschi!
Wohin ist Zahn gegangen?
Weiß nicht.
Schaust jetzt aus wie ich.
Deine ist schöner.
Wo is 'n der Heinzi?
Weg, mitgenommen.
Von Gestapo. - Warum?
Wegen Witze.
Hast du schon ein Paket bekommen?
Was für Paket?
* Klaviermusik von draußen *
Anezka
Ich hab mir überlegt, wir könnten doch weggehen.
Irgendwohin, wo's ruhig is.
Nach Böhmen von mir aus. Hinter den dunklen Hügel.
Oder ins Salzkammergut.
Die Mama hätt bestimmt nix dagegen.
Und wir könnten heiraten.
Einfach so.
Kann ich hier nicht weg.
* Schütte *
Bitte lassen 8' uns allein.
* Applaus *
(Mann:) Bravo!
* Gelächter *
Ach, so is das.
Ja, so ist das.
Das Leben so wie Leben ist.
Was für ein Leben?
* Applaus *
* langsame Klaviermusik *
* melancholische Streichmusik *
* Grillenzirpen *
(Mutter:) "Lieber Franzl."
"Dass es mit dem Mädel nicht recht klappen Will,
tut mir leid."
"Manchmal muss man das eine gehen lassen,
damit das andere kommen kann."
"Isst du auch genug?"
* Sie schnieft leise. *
"Mein lieber, lieber Bub."
"Ich hab dich immer in meinem Herzen."
"Deine Mama."
* melancholische Streichmusik *
* Sie schnieft. *
He, he, wohin so eilig?
Da hinein. - Zu wem?
Zum Herrn Professor Freud. - Wozu?
Ich bring ihm seine Theaterkarten. Burgtheater.
Für Juden gibt's ka Vorstellung. Ned heut und ned morgen.
Und jetzt schleich di.
* Ein Baby weint. *
* Klopfen, Klingel *
Franz. - Ist der Herr Professor wach?
Komm rein.
Franz.
Da.
* Klaviermusik im Hintergrund *
Warum steckst du denn in einer meiner Hosen?
Bin durch den Kohlenkeller.
Weil da draußen die Gestapo sitzt. - Die Gestapo?
Herr Professor
Eine für jetzt
...eine für die Reise
...und eine für England.
Ich danke dir.
(haucht:) Ah!
Hast du schon einmal
so etwas Herrliches, etwas so Wunderbares,
etwas in seiner Unvollkommenheit so Vollkommenes
zwischen deinen Zähnen gehabt?
* Er lacht. *
Na, dann ist es Zeit, mein Freund.
* Klaviermusik im Hintergrund *
Setz dich.
Auf die Couch? - Ja.
Alle unsere Sessel sind entweder
...schon verschifft,
oder sie werden bereits von irgendwelchen
...strammen Nationalistenhintern eingesessen.
Ich weiß nicht so recht, Herr Professor.
Ich hab das noch nie versucht.
Im Versuch schaffen sich die Welten neu.
* Klaviermusik im Hintergrund *
* Franz hustet leise. *
Mh
Gut.
Bitte sehr, die Herren. - Danke, Anna.
Vielleicht war das alles ein riesengroßer Irrtum.
Die Liebe ist immer ein Irrtum.
* leises Husten *
Als ich damals in den Zug g'stiegen bin,
da hat mir das Herz weh'tan.
Als mir Anezka das erste Mal davong'rennt ist,
hätten mich keine zehn Doktoren kufiieren können
Aber wenigstens hab ich g'wusst, was ich Will.
Jetzt ist der Schmerz fast weg, aber ich weiß gar nix mehr.
Ich fühl mich wie ein Boot ohne Ruder,
das blöd von da nach dort treibt.
Und meine Träume.
Ich weiß nicht, wo die herkommen.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass in meinem Kopf
solche merkwürdigen Sachen heranwachsen können.
Wir sind nicht nur auf die Welt gekommen,
um Antworten zu finden.
Sondern um Fragen zu stellen.
Und nur mit viel Mut oder Beharrlichkeit
...oder Dummheit
...am besten mit allem zusammen
...gelingt es uns hier und da
...ein Zeichen zu setzen.
Ein Zeichen.
* ruhige Musik *
Sie kommen doch wieder zurück aus England, Herr Professor.
Oder?
Herr Professor?
* ruhige Musik *
* lautes Pfeifgeräusch *
* Stimmengewirr *
* Ein Kind ruft seine Mutter. *
Anna Ich kann das alleine.
* Pfiff *
* Durchsage *
* Pfiff *
* Pfeifen der Lok *
(Mutter:) "Lieber Franzl."
"Erinnerst du dich an unseren Ausflugsdampfer Hannes?"
"Den haben sie neu gestrichen und umgetauft."
"Jetzt glänzt er wie ein gelutschtes Zucker!
"Wahrscheinlich ist damit die Heimkehr ins Reich gemeint."
"Allerdings ist gleich bei der ersten Fahrt
der Dieselmotor explodiert."
"Und man hat die Leute mit Booten ans Ufer bringen müssen."
"Wieso schreibst du nicht mehr, mein Bub?"
* Tür wird geöffnet. *
"Ist was passiert?"
Ich hab mich schon g'wundert,
warum man deinen Obersturmbannführer hier nie sieht.
Jetzt hab ich mich halt erkundigt.
Es gibt in ganz Oberösterreich
gar keinen Obersturmbannführer Garleitner.
Finger weg.
Ich kündige.
* metallisches Klappern *
* beschwingte Orchestermusik von der Schallplatte *
"Liebe Mutter."
"Denn ein Bub hat eine Mama, ein Mann hat eine Mutter."
"Ich hätte dir gern eine Karte geschickt,
aber gewisse Worte vertragen keine Bilder
und brauchen ein Kuvert."
"Gestern ist der Otto Trsnjek gestorben."
"Sein Herz ist einfach stehengeblieben."
"Vielleicht hat es nicht mehr mit gewollt mit der ganzen Zeit."
"Bitte, liebe Mama, sei nicht traurig."
"Oder bitte sei doch traurig."
"Der Otto Trsnjek hat es nämlich verdient."
"Dein Franz."
* heitere Orchestermusik *
* Klingel *
* düstere Musik *
* angespannte Klaviermusik *
* Kirchenglocken *
Das hat doch keinen Sinn mehr, Burschi.
Was Sinn hat und was nicht, wird sich erst herausstellen.
Im Übrigen heiß ich Franz. Franz Huchel.
Darf ich noch absperren?
Na ja, die Schlüssel kriegen dann eh wir.
* sanft treibende Musik *
* Klingel *
* düstere Musik *
”Die Geranien leuchten in der Nacht."
"Als es dämmert, erhebt sich der dunkle Liebhaber
und ist im selben Augenblick verschwunden."
"Auf einer Schaukel schwingt sich das böhmische Mädchen in die Luft."
"Ihr Kleid ist leicht und weiß wie Wolkenfetzen."
"Sie lacht und fällt mir mitten ins Herz."
* melancholische Streichmusik *
* Donner *
* Vogelzwitschern *
* Donner *
* entfernte heitere Orchestermusik *
* Musik wird deutlicher. *
* tiefe Atemzüge *
* ruhige Musik *
Untertitel: AUDIOZ
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