Afrikaans
Akan
Albanian
Amharic
Arabic
Armenian
Azerbaijani
Basque
Belarusian
Bemba
Bengali
Bihari
Bosnian
Breton
Bulgarian
Cambodian
Catalan
Cebuano
Cherokee
Chichewa
Chinese (Simplified)
Chinese (Traditional)
Corsican
Croatian
Czech
Danish
Dutch
English
Esperanto
Estonian
Ewe
Faroese
Filipino
Finnish
French
Frisian
Ga
Galician
Georgian
Greek
Guarani
Gujarati
Haitian Creole
Hausa
Hawaiian
Hebrew
Hindi
Hmong
Hungarian
Icelandic
Igbo
Indonesian
Interlingua
Irish
Italian
Japanese
Javanese
Kannada
Kazakh
Kinyarwanda
Kirundi
Kongo
Korean
Krio (Sierra Leone)
Kurdish
Kurdish (Soranî)
Kyrgyz
Laothian
Latin
Latvian
Lingala
Lithuanian
Lozi
Luganda
Luo
Luxembourgish
Macedonian
Malagasy
Malay
Malayalam
Maltese
Maori
Marathi
Mauritian Creole
Moldavian
Mongolian
Myanmar (Burmese)
Montenegrin
Nepali
Nigerian Pidgin
Northern Sotho
Norwegian
Norwegian (Nynorsk)
Occitan
Oriya
Oromo
Pashto
Persian
Polish
Portuguese (Portugal)
Punjabi
Quechua
Romanian
Romansh
Runyakitara
Russian
Samoan
Scots Gaelic
Serbian
Serbo-Croatian
Sesotho
Setswana
Seychellois Creole
Shona
Sindhi
Sinhalese
Slovak
Slovenian
Somali
Spanish (Latin American)
Sundanese
Swahili
Swedish
Tajik
Tamil
Tatar
Telugu
Thai
Tigrinya
Tonga
Tshiluba
Tumbuka
Turkish
Turkmen
Twi
Uighur
Ukrainian
Urdu
Uzbek
Vietnamese
Welsh
Wolof
Xhosa
Yiddish
Yoruba
Zulu
EINE LIEBESGESCHICHTE
Ihr Kaffee.
Bitte. Auf Wiedersehen. - Danke.
Komm, mein Kleiner.
Hallo. Hier ist Edith. Ich komme heute nicht, ich fühle mich nicht so gut.
Tut mir leid. Es ist nichts Ernstes, bloß eine Erkältung.
Ich bin Montag wieder da.
Edi.
Oh, du bist schon da.
Gehst du? - Nein.
Ich bin gerade erst angekommen. - Okay.
Ja, ich...
Noch immer mit dem Rad unterwegs?
Ja.
Und du?
Nein.
Nicht mit dem Rad, nein. - Natürlich nicht.
Deine Blumen. Die Blumen.
Oh, ja.
Ich wusste nicht, ob du überhaupt kommst.
Ich wollte dich anrufen und dir Bescheid sagen.
Aber ich telefoniere nicht gern. - Das weiß ich.
Warst du schon an seinem Grab?
Ja.
Sieht schön aus.
Ich gebe mein Bestes. - Ja.
Ich hatte schon befürchtet, es würde wie eine Baustelle aussehen.
Nein.
Nein, zum Glück nicht.
Wir sollen also jetzt hier warten?
Ja, ich glaube schon.
Du hast dich kein bisschen verändert.
Sieh bloß nicht genauer hin.
Es sieht noch so aus wie vor zehn Jahren.
Der Baum ist weg...
an seinem Grab. - Ja.
Der hatte irgendeine Krankheit oder so.
Ja.
Ich dachte, es läge an dem Gift. - Nein, damit hat es nichts zu tun.
Gut.
Wie viele Gräber müssen denn weg?
Ich habe keine Ahnung.
Werden wir sicher bald erfahren.
Möchtest du was? - Wie?
Kaffee, Tee, Wasser? - Oh, nein, nein, nein. Danke.
Okay, danke.
Es fällt mir schwer. - Ach...
warten wir ab, was sie zu sagen haben. - Nein, ich...
Ich meine, hier mit dir zu warten, dabei haben wir uns seit Jahren nicht gesehen.
Ich weiß nicht, wie es dir geht. Du weißt nicht, wie es mir geht.
Ich weiß nicht, was ich sagen soll und ich muss pinkeln.
Vielleicht solltest du dann besser gehen.
Pinkeln gehen, meine ich.
Ja.
Gar nicht so schlecht.
Weißt du, was ich komisch finde?
Dass Dinge nur geschehen, wenn es keine Rolle mehr spielt.
Wenn man es nicht mehr braucht.
Redest du von mir?
Also...
spielt es für dich keine Rolle, ob ich da bin?
Das sage ich nicht.
So klingt es aber.
So meine ich es aber nicht. Ich meine es im positiven Sinne.
Dass...
dass man merkt, dass es auch ohne geht. Man braucht es nicht mehr.
Das ist doch positiv, oder?
Freust du dich, dass ich da bin, oder nicht? - Ja, ich freue mich sehr, dass du da bist.
Okay. - Dass wir zusammen hier sind.
Gestrandet sozusagen. - Du fühlst dich gestrandet?
Ja.
Und...
Was war das?
Was ist passiert? - Ist er in Ordnung?
Komm mal her.
Ist er in Ordnung? - Keine Ahnung.
Der 31. Dezember 2012.
Das ist lange her, oder?
Der 31. Dezember 2012...
um 10 nach 7.
10 nach 7? - Die Tür ging zu.
Ich blickte auf die Uhr. 10 nach 7.
Das habe ich nie vergessen.
Was hast du an dem Abend eigentlich gemacht?
Oder weißt du es nicht mehr? - Doch.
Natürlich weiß ich es noch.
Ich fuhr zu...
Mutters Strandhaus. Es war kurz vor Mitternacht.
Ich hielt bei einer Tankstelle an, wollte dich anrufen, aber dann...
dachte ich, du blöder Idiot.
Wer fährt schon an so einem Tag weg und ruft dann um Mitternacht an?
Also habe ich nicht angerufen.
Weißt du, was mir aufgefallen ist?
Wie oft man Dinge macht, die man eigentlich nicht machen will.
Sprichst du von dem Abend? - Nein, nein... Ich meine...
Ich meine, ja, wahrscheinlich.
Du brauchst dich nicht zu entschuldigen. - Tue ich nicht. Es ist eher...
eine späte Einsicht. Ich meine...
wir enden letztendlich alle am selben Ort.
Wir machen Dinge, die wir lieber nicht machen...
oder lassen Dinge sein, die wir lieber machen würden.
Witzig. Es bringt dich zum Lachen. Witzig, oder?
So was von dir zu hören, finde ich witzig.
Es bringt dich zum Lachen. Urkomisch.
Es ist doch witzig, oder?
Bist du gekränkt? - Nein.
Du bist doch jetzt nicht beleidigt.
Wo willst du hin?
Ich brauche frische Luft.
Aber sie können jeden Moment kommen.
Willst du nicht rangehen? - Nein.
Nicht wichtig?
Findest du es nicht skurril...
dass wir uns nach all den Jahren hier wiedersehen?
Ich schon, ich finde das skurril.
Eine Ironie des Schicksals, oder?
Ich habe nicht darüber nachgedacht.
Du siehst mich zum ersten Mal seit zehn Jahren...
hier, an diesem Ort.
Und du hast nicht darüber nachgedacht?
Unglaublich.
Hast du über irgendwas nachgedacht? - Was meinst du?
Über diesen Brief zum Beispiel? - Warten wir erstmal ab, was sie zu sagen haben.
Über die Optionen, die Kosten... - Die Kosten?
Ja, die Kosten.
Wir reden von Jacob und du redest von Geld?
Tut mir leid, so meinte ich das nicht.
Das weißt du auch.
Lächerlich zu glauben, ich hätte es so gemeint.
Edi?
Edi? - Ich bin am Verhungern.
Hier.
Früher warst du süchtig danach.
Ich versuche, es zu reduzieren.
Wusstest du, dass ich süchtig nach Schlaftabletten war?
Der Arzt meinte, sie seien ungefährlich.
Es wäre normal für eine Frau in meiner Situation.
Ganz normal nach allem, was ich durchgemacht hätte.
Das ist doch beruhigend, oder?
Dass die Sucht nicht außer Kontrolle geraten wird.
Aber von wegen.
Weißt du, was das Schlimmste an einer Sucht ist?
Dass man sie so schwer wieder loswird? - Dass man sie so schnell entwickelt.
Es passiert, bevor man es merkt.
Man beginnt mit einer halben, dann noch einer und einer ganzen.
Nicht jeden Abend, natürlich nur, wenn es wirklich nötig ist.
Und es ist wirklich nötig.
So viele Dinge werden zunehmend wirklich nötig.
Dinge in Fläschchen...
oder in praktischen Blisterstreifen.
Ehe man sich versieht, nimmt man jeden Abend eine.
Lange habe ich gehofft, ich könnte das alles hinter mir lassen...
und von vorne anfangen.
Das ist natürlich Quatsch.
Es wird nie mehr, wie es war. Was man auch macht, neues Haus, neue...
Freunde, neuer Job.
Ist es das, was du willst?
Du nicht?
Alles löschen und neu anfangen.
Ja, aber wo soll man anfangen?
Wo? - An welcher Stelle würdest du anfangen?
Was willst du löschen und woher weißt du, dass das, was dann kommt, besser ist?
Das ist eine idiotische Frage.
Tut mir leid.
Er fehlt mir.
Er fehlt mir so sehr wie damals. Ist das verrückt?
Und fehlt er dir?
Ich denke jeden Tag an ihn, wenn du das meinst.
Ich meine, ob er dir noch fehlt.
Ich weiß nicht genau, was mir fehlen soll.
Er fehlt dir also nicht?
Ich habe mich damit abgefunden.
Dass er nicht mehr da ist? - Nein, dass er mir jeden Tag fehlt.
Dass ich jeden Tag an ihn denke.
Leiden macht süchtig. Dafür sollte es Entzugskliniken geben...
mit Zwangseinweisung.
Klingt ein wenig verrückt, oder?
Es klingt kalt.
Distanziert.
Als ginge es dich nichts an.
Ja, es klingt wie die Meinung von jemandem, den es nicht betrifft.
So eine ganz beiläufige Meinung.
Die Vorstellung, man hätte die Kontrolle über sein Leben...
und auch über sein Leiden.
Ja, aber es stimmt dennoch.
Glaubst du nicht?
Bis zu einer... - Nein, das glaube ich nicht. Nein.
Glaubst du, was du tust oder lässt, spielt eine Rolle?
Dass du belohnt oder bestraft wirst?
Was lerne ich daraus? Zum Kotzen diese Frage.
Was lerne ich daraus? Nichts.
Dass das Leben manchmal scheiße ist, für einige Leute so richtig scheiße...
aus vollkommen unerklärbaren Gründen.
Warum hast du über zehn Jahre nichts von dir hören lassen?
Oder möchtest du lieber erklären, warum du gegangen bist?
Das weißt du ganz genau.
Eine kurze Erklärung könnte nicht schaden. - Okay.
Macht es einen Unterschied, ob ich es erkläre oder sage, dass es mir leidtut?
Manchmal ist es gut zu wissen, dass man von Anfang an recht hatte.
Okay, tut mir leid.
Es tut mir leid.
Geht es dir jetzt besser?
Wow, du hast wirklich darüber nachgedacht, was?
Ich weiß es nicht.
Bald, denke ich.
Ja, ich rufe zurück.
Okay. Okay. Tschüs.
Kalt, oder? - Ja.
Entschuldige, ich war ein wenig...
Es sieht nach Regen aus. Schrecklich.
Ja.
Früher mochtest du Regen.
War jemand hier während ich weg war? - Nein.
Weißt du was?
Was machst du? - Ich rufe sie an.
Warum? - Warum nicht?
Wir können doch noch etwas warten.
Wir warten schon eine Stunde. - Bist du in Eile?
Darum geht es nicht.
Hier ist der Friedhof von Vianden.
Wir können Ihren Anruf leider nicht entgegennehmen.
Sie erreichen uns montags bis freitags...
Das ist doch seltsam, oder?
Es ist seltsam...
dass bei den Gräbern keine Grabarbeiten zu sehen sind...
und dass da kein Schild mit Informationen hängt. Das ist seltsam.
Er liegt da in diesem Mist seit...
zehn Jahren.
Kannst du dir das vorstellen? - So darfst du das nicht sehen.
Du hast recht.
Er liegt ja nicht wirklich da, oder? - Was?
Er liegt da nicht wirklich.
Wenn er nicht da liegt, wer dann? - Du weißt, was ich meine.
Du hast dich kein bisschen verändert.
In all den Jahren nicht ein bisschen. - Ich versuche nur, es anders zu sehen.
Blödsinn. Du versuchst, nicht hinzusehen.
So wie immer. - Jetzt geht das wieder los.
Ja, lauf nur wieder weg.
Was soll ich tun? Soll ich zurückschießen?
Nein, dann muss ich mein Bild von dir zu sehr revidieren.
Ist was passiert? Ist was passiert, als ich weg war?
Es ist sehr viel passiert, als du weg warst.
Nein, ich meine, als ich gerade weg war. - Das meinst du?
Ja. - Gerade? Nein, da ist nichts passiert.
Eigentlich finde ich es nicht so toll, dass du da bist.
Gut, dann sollte ich vielleicht besser gehen. - Ja, das kannst du gut.
Was willst du? Willst du, dass ich bleibe?
Wenn du das willst, sag es einfach.
Gut.
Feigling. - Nein, nein. Das machst du jetzt nicht.
Es tut mir leid. Entschuldigung.
Nicht mit mir. - Ich sagte Entschuldigung.
Nein. Das ist nicht in Ordnung. Lass mich.
Es tut mir leid. Es tut mir leid. Es tut mir leid.
Es tut mir leid. - Was willst du? Was willst...
Was ich will? - Was willst du?
Oh, was ich will?
Hör auf. - Du bist so dünn.
Nein, nein, wirklich? - Du hast total abgenommen. Isst du nichts?
Okay. Hör auf.
Ein Mann allein, der nicht auf sich achtet.
Du solltest mehr essen, nicht zu viel trinken.
Sagt dir das keiner? - Doch, doch.
Sicher deine Mutter. - Nein, meine Frau.
Meine Frau.
Kennst du sie schon lange?
Etwa zwei Jahre.
In all der Zeit hat deine Mutter mir nichts davon gesagt.
Sie wollte dich wohl nicht verletzen.
Wie reizend.
Rücksichtsvoll.
Ich hasse Glück.
Glückliche Menschen.
Sie sehen so...
glücklich aus.
Was siehst du, wenn du mich anschaust?
Du lachst? Witzig. Fühlst du dich jetzt besser?
Bitte nicht, keine tiefgründigen, psychologischen Analysen.
Ich habe nur gefragt, was du siehst, wenn du mich anschaust.
Was soll ich denn sehen? - Was siehst du?
Ich sehe nur Mängel.
Was nicht da ist, aber da sein sollte. Eine Geschichte, eine Vergangenheit.
Eine gescheiterte Vergangenheit.
Hauptsächlich das. Eine gescheiterte Vergangenheit.
Eine gescheiterte Geschichte. - Das siehst du.
Das stimmt doch auch. Wir sind eine gescheiterte Geschichte.
Tut mir leid, dass ich es nicht anders sehen kann.
Wusstest du, dass ich ein Buch schreibe?
Ein Buch?
Du schreibst ein Buch? - Ja.
Was für ein Buch?
Einfach ein Buch.
Ein Sachbuch? - Nein.
Einen Roman. - Also...
Nein. Zum Teil schon, aber...
Wusste nicht, dass du solche Ambitionen hast.
Willst du wissen, worum es geht?
Okay, es geht um einen Mann.
Man könnte sagen, dass ich das bin oder teilweise oder was auch immer.
Aber es geht um einen Mann...
und es geht um einen Jungen. - Ich will es nicht wissen.
Und eines Morgens wacht der Mann auf und bemerkt...
dass er nicht...
Ich sagte, ich will es nicht wissen.
Ich will nur meine Geschichte erzählen. - Wie kommst du dazu...
über so eine private Angelegenheit zu schreiben?
Die Welt ist voll davon. - Großer Gott.
Wird es jetzt Weltliteratur?
Ich verstehe deinen Zynismus. - Das ist kein Zynismus.
Ich finde das armselig. Seine Trauer so zur Schau zu stellen, ist doch armselig.
Ich will es einfach nur einordnen.
Einordnen. Warum müssen wir denn alles im Leben einordnen?
Man klappt das Buch zu...
und kann es ins Regal stellen.
Mein Leben ist kein Buch, das man ins Regal stellen kann.
Wenn ich tot bin, dann vielleicht, ja.
Du lebst lieber in deiner Trauer. - Ja, vielleicht.
Lieber das, als sie Leuten zu verkaufen, die 15 Euro zahlen, wenn man Glück hat.
Das ist von seinem Rad, oder?
Willst du das für dein Buch wissen?
Eine kleine nette Anekdote über deine verrückte Ex.
Ich habe noch weitere auf Lager, mit pikanten Details.
Gut für den Buchverkauf.
Ich habe nicht erwartet, dass du dich darüber freust.
Gut. - Ja.
Doch irgendwie...
schreibe ich es auch für dich.
Oder für uns jedenfalls.
Okay.
Verrate mir:
Was ist dieses Uns?
Was sind wir beide zusammen aus deiner Sicht?
Wir sind...
ein Mann und eine Frau, die ein Kind verloren haben.
Oder vielleicht sollte ich sagen, die erst ein Kind verloren haben...
und dann sich.
Oder die ein Kind verloren haben und dann sich selbst...
und schließlich einander.
Ja. Das ist eine sehr...
klare und präzise Zusammenfassung von uns. Ja.
Spürt man nur Trauer, wenn man an jemanden denkt...
an eine Person, die man so unglaublich innig geliebt hat...
und wird diese Trauer nicht durch irgendetwas anderes abgelöst...
dann macht man doch etwas total falsch, oder?
Ich bin voller Trauer.
Ich habe ein Recht darauf. Ich habe ein Kind verloren. Wir haben ein Kind verloren.
Dann hat man ein Recht auf Trauer. - Was wenn da noch ein anderes Kind wäre?
Müsste es dann sein ganzes Leben seine trauernden Eltern ertragen?
Nur weil sie meinen, sie hätten ein Recht darauf?
Ich habe kein anderes Kind. - Ja, aber was wäre wenn?
Ja.
Weißt du noch, als jemand meinte, wir sollten uns ein neues Kind zulegen.
Ein neues zulegen.
Als handele es sich um eine neue Katze.
Vielleicht hätten wir das tun sollen.
Wird es denn besser, wenn man nicht weitermacht? Nein.
Wird es besser, wenn man weitermacht?
Einen Versuch ist es wert, oder?
Du bist Vater.
Du bist Vater eines anderen Kindes, oder?
Welche Rolle spielt das?
Bist du der Vater eines anderen Kindes? - Welche Rolle spielt das?
Ist es ein Junge oder ein Mädchen? - Da ist kein anderes Kind.
Noch nicht.
Val ist schwanger. - Val?
Ja, so heißt sie. Valerie. Val.
Sie heißt Valerie. - Ja.
Und Valerie ist schwanger? - Ja.
Von dir? - Ja.
Wie alt ist sie?
Wen kümmert das? - Jung natürlich.
Jung. Optimistisch.
Glücklich. Deine Mutter ist sicher ganz vernarrt in sie.
Gott bist du verbittert. - Ja, woran liegt das wohl?
Du glaubst, du wärst die Einzige, die Schmerz und Trauer empfindet.
Es war stets deine Geschichte, dein Drama, dein Leiden, dein Verlust.
Als hätte ich nichts damit zu tun. Gar nichts.
Du hast nicht gesehen, wie er überfahren wurde. Du warst nicht da, als es passiert ist!
Nein, ich habe es nicht gesehen. Ich war nicht dabei.
Ich war im Büro und habe irgendeinen Scheiß getippt.
Nein, ich habe es nicht gesehen, aber ich habe es gefühlt! Ich fühle es!
Ich fühle es!
Hier drin!
Als ich nach Holland kam, bin ich viel laufen gegangen.
Um den Schmerz zu lindern, diesen schlimmen Schmerz...
im Bauch und in der Brust.
Ich rannte kilometerweit und hatte keine Ahnung, wohin ich lief.
Ich setzte einen Fuß vor den anderen.
Doch zum Glück wartete am Ende des Weges...
eine junge Frau auf dich.
Sie öffnete die Arme und nahm dich mit in ihr schönes Haus.
Und ja...
da wusstest du, du bist angekommen.
Nach Jahren und Jahren des Laufens...
warst du endlich dort, wo du sein solltest.
Zu Hause.
Bei Valerie.
Und ehe du dich versahst...
erwartete deine schöne, kleine, glückliche Frau ein Kind.
Und da dachtest du plötzlich: Moment mal.
Früher hatte ich irgendwo mal einen Sohn...
den ein Autofahrer tragischerweise überfahren hat...
der mit 80 km/h durch die Straße gerast ist.
Ja, das war traurig, doch zum Glück geht das Leben ja weiter.
Und in diesem Kopf...
nahm eine geniale Idee Gestalt an.
Ich schreibe ein Buch darüber.
Ja, ein Buch über mich und meinen Sohn und wie schwer es alles war.
Obwohl du ganz schön tief in deinem Gehirn graben musstest...
weil du dich fast nicht mehr erinnern konntest, wie das alles eigentlich passiert ist.
Vielleicht kann ich, deine jämmerliche Ex-Frau, dir mit den Details aushelfen...
denn bei mir hat das nie aufgehört, nie.
Jeder Augenblick...
jede Einzelheit...
alles...
alles...
alles ist in diesem Kopf gespeichert.
Perfekt erhalten.
Tut mir leid.
Du bist sauer, weil ich gegangen bin. - Ja.
Du hast mich im Stich gelassen. Das ist Tatsache.
Ja, ich bin an Silvester um 10 nach 7 mit zwei Koffern gegangen.
Das ist Tatsache. - Ja.
Lass uns noch mal alle Tatsachen durchgehen, okay?
Weißt du noch, was ich anhatte?
Wie das Wetter war? - Ein rotes Sweatshirt.
Ein gutes Gedächtnis für Details.
Fast das Gedächtnis eines Autors. - Soll ich mich wieder entschuldigen?
Möchtest du das? - Es tut mir leid.
Sehr nobel. Es tut dir leid. - Tut es dir leid?
Was soll mir leidtun? - Du hast nichts getan.
Stimmt, ich habe nichts getan. - Genau.
Wie meinst du das? - Ich bin am Silvesterabend...
um 10 nach 7 mit zwei Koffern gegangen.
Und du hast nicht versucht, mich davon abzuhalten.
Bravo. Du hast nichts getan.
Unglaublich, wie du die Dinge verdrehst. Noch immer.
Einfach unglaublich, wie du dich in Selbstmitleid suhlst.
Du weißt nicht, wovon du da redest.
Kein Wort von dir, ganze zehn Jahre.
Und dann das. - Was?
Dann...
das.
Ich hatte gehofft, die Dinge hätten sich verändert.
Du hättest dich verändert.
Und du? - Ich habe mich verändert.
Ich habe mich sehr verändert. - Ich mich auch.
In gewisser Weise.
Ich habe mich damit abgefunden, was mir widerfahren ist.
Entschuldige, uns.
Nicht, dass ich es akzeptiere oder verstehe...
aber ich habe mich damit abgefunden, dass dies mein Leben ist.
Ich mache Dinge.
Ich habe Freunde, einen Job.
Ich gehe ins Kino und nehme meine Studenten mit ins Museum.
Das ist alles ganz normal.
Wie ein normales Leben, meine ich.
Ich stehe auf.
Ich frühstücke.
Ich lese die Zeitung.
Ich kann über das Weltgeschehen mitreden.
Ich mache mit. Ich gebe mein Bestes.
Ich mache mit.
Willst du für den Rest deines Lebens so weitermachen?
Ich verstehe dich nicht. - Warum musst du mich verstehen?
Weil wir eine gemeinsame Vergangenheit haben, eine Geschichte teilen.
Das wird immer so bleiben, egal, was wir tun.
Und ich möchte einen Schlussstrich ziehen und zwar gemeinsam.
Einen Schlussstrich ziehen? - Ja.
Metaphern sind dein Ding. Das finde ich wirklich.
Einen Schlussstrich ziehen.
Ich merke, dass du jetzt Schriftsteller bist.
Ich dachte, die Schriftstellerei sei etwas...
was man sein ganzes Leben lang in sich trägt, was man nicht ablegen kann.
Ich wusste nicht, dass man...
noch mit Mitte 50 entdecken kann, dass man ein Schriftsteller ist.
Gut zu wissen, dass dies möglich ist. Dass sogar aus mir...
noch etwas werden kann. Ich das noch entdecken kann.
Was hast du vor? - Ich gehe.
Vielleicht könntest du dir mal was anderes ausdenken.
Auf meiner Fahrt hierher war ich in Gedanken...
bei dir. Ich dachte daran, wie wir uns vor 20 Jahren kennengelernt haben.
Ich weiß noch, dass du hier ein kleines Grübchen in der Wange hattest.
Genau hier, wenn du gelächelt hast und...
Ich wollte dir sagen, dass ich mich daran erinnere.
Ich wollte dir sagen, wie sehr ich diese Erinnerung...
an dich und dein Lächeln geliebt habe.
Ja, da ist es.
Ich konnte den Wagen nicht starten.
Der Wagen startet zwar, aber ich konnte nicht.
Weißt du?
Ich habe den Verwalter getroffen und ihm den Brief gezeigt und er sagte...
dass sie tatsächlich...
ein paar Gräber beseitigen würden, aber das seien alte...
vom Anfang des 20. Jahrhunderts und dass es...
darüber einen Artikel in der Lokalzeitung gegeben hätte.
Es hätte ihm schlaflose Nächte bereitet.
Du hasst mich, oder?
Nein. - Wenn du mich nicht hasst, was dann?
Du willst, dass ich sage, ich würde dich noch lieben...
damit du sagten kannst:
Ich weiß nicht.
Bin ich so? - Ja.
So möchte ich nicht sein.
Willst du irgendwo hin?
Sicher?
Ich kann dich fahren.
Willst du nach Hause? - Nein, nicht zu mir nach Hause.
Was willst du dann?
Ich will hierbleiben. - Gut.
Ich möchte, dass du sagst, dass am Ende alles gut wird.
Am Ende wird alles gut.
Ja.
Ja, auf meinem Sterbebett.
Ist das witzig? - Verdammt witzig.
Ja.
Ich habe manchmal das Gefühl...
dass mein Kopf voll von allerlei Dingen ist, die ich nicht...
Die du nicht vergessen kannst?
Die ich nicht vergessen darf. - Ja.
Danke.
Ich weiß noch, ich kam ins Krankenhaus...
durch die Glasschiebetür...
und es wirkte wie in einem Supermarkt.
In der Eingangshalle gab es ein Restaurant mit Tischen und Stühlen.
Wir sagten, wir würden dort...
mit Jacob in einer Woche sitzen...
und Eis essen oder so.
Weißt du noch?
Ja.
Er ist bei jedem meiner Schritte dabei.
Er ist da, überall.
Manchmal wenn ich einen Mann mit einem Jungen auf dem Rad sehe...
oder beim Fussball spielen, oder beim Schwimmen im Meer...
denke ich: Bin ich dieser Mann, ist er dieser Junge?
Du weißt schon.
Wird es für immer so bleiben?
Was hat Weitermachen für einen Sinn?
Es regnet nicht mehr.
Wollen wir spazieren gehen?
Ja. - Gut.
Weisst du noch, als ich dich gefragt habe...
denkst du, diese Dinge passieren aus einem bestimmten Grund.
Du hast mich angesehen, als würde ich spinnen.
Und sagtest, diese Dinge passieren nicht aus einem bestimmten Grund.
Es gibt keinen Sinn dahinter, sondern sie geschehen einfach nur so... willkürlich.
Das war dein Standpunkt. Und...
dieser Standpunkt...
hat mich so runtergezogen, dass ich keine Luft mehr bekam.
Ja, tut mir leid. So bin ich nun mal.
Das glaube ich nicht.
Ich sehe Leute, die Schlimmeres erlebt haben...
und damit leben können.
Und sie sagen, sie seien glücklich.
Und ich sehe, dass sie glücklich sind.
Dann frage ich mich...
was ich falsch mache, was mit mir nicht stimmt.
Verstehst du? - Ja.
Warum bist du gegangen?
Warum an jenem Abend?
Ich konnte es nicht.
Ich konnte das nicht.
Frohes neues Jahr, die letzten Sekunden bis Mitternacht runterzählen.
Anstoßen, dich ansehen, dich küssen.
Ich konnte das nicht.
Ich weiß noch, wie die Tür mit einem leisen Klicken ins Schloss fiel.
Als würdest du zur Arbeit gehen oder noch was einkaufen...
als würdest du gleich zurückkommen.
Und dann startete der Wagen.
Ich zählte, 30 Sekunden und dann fuhr der Wagen los.
30 Sekunden, um es dir anders zu überlegen.
Ich zählte weiter, 15 Sekunden, dann war der Wagen nicht mehr zu hören.
Ich blickte auf die Uhr, 10 Minuten nach 7.
Es stimmt, was du sagst. Ich habe nichts getan.
Ich habe dich einfach gehen lassen.
Mit zwei Koffern in der Hand am Silvesterabend.
Es war...
so schwer wegzufahren, so verdammt schwer.
An jeder Kreuzung dachte ich: Fahr zurück, fahr zurück.
An jeder Ampel: Fahr zurück, fahr zurück.
Doch ich konnte es nicht. Ich konnte es einfach nicht.
Ich saß den ganzen Abend am Fenster, im Dunkeln.
Ich musste an die letzten Augenblicke mit Jacob im Krankenhaus denken.
Du an der einen Seite seines Bettes ich an der anderen...
und jemand sagte: Wir schalten die Geräte ab.
Wie lange haben wir noch?
Ein paar Minuten.
Eine Viertelstunde.
Ich dachte, dies sei nicht der Moment für Tränen.
Ich drückte ihn fest an mich.
Zum ersten Mal seit Wochen drückte ich ihn an mich.
Ohne Schläuche an seinem Körper. Ohne dieses...
saugende Geräusch des Beatmungsgeräts, ohne das Piepen des Monitors.
Nur er und ich.
Ich spürte, wie seine Brust auf und ab ging...
und seine Finger in meinen.
Warmes Blut, pulsierendes Blut.
Nur ich und er.
Die Welt stand still.
Irgendwie war es ein vollkommener Moment.
Ich und er.
Neun Minuten.
Letztendlich waren es neun Minuten.
Wie kamst du auf die Idee mit diesem Brief?
In der Zeitung stand etwas über...
alte Gräber, die weg sollten, und der Aufruhr darüber.
Und das mit dem Boden?
Das war beim alten Gaswerk.
Beides stand auf derselben Seite.
Ich weiß, du hältst mich für verrückt. - Ja.
Ja.
Hast du Hilfe bekommen? Auch wenn du das nie wolltest.
Ich war überall.
Bei Psychologen, Therapeuten.
Sie sagten alle dasselbe. Ja, es sei schwer.
Es würde nie mehr so sein, wie es war.
Ja.
Ich möchte wieder glücklich sein. Ist das zu viel verlangt?
Nein, finde ich nicht.
Ich will jemanden haben, der mich rettet.
So funktioniert das nicht. - Du hast leicht reden.
Du wurdest gerettet.
Du hast eine neue Frau und bald ein neues Kind.
Willst du wissen, was mich wirklich gerettet hat? - Ja.
Ja? Wirklich?
Versprich, nicht zu lachen.
Versprich es. - Ich lache nicht.
Versprich es. - Versprochen.
Okay.
Ich habe angefangen zu singen.
Du sagtest... Es ist lustig. Okay.
Ja, das ist schon lustig.
Bist du einem Kirchenchor beigetreten?
Also, es ist ein Chor. Es ist ein Chor.
Es ist ein Chor.
Ich liebe die Vorstellung von dir in einem Chor.
Das ist nett von dir. Okay, also, ich...
Wir proben in einer Schule.
Und eines Tages... Das ist wirklich geschehen.
Eines Tages war ich zu früh und ich stand dort...
und wartete auf die anderen.
Und ich hörte diesen Mann singen...
und er hatte eine wunderschöne Stimme.
So eine Stimme, die einen erbeben lässt, die man im ganzen Körper spürt.
Es war, als würde ich selbst singen, verstehst du?
Es war...
Und plötzlich dachte ich:
Und wenn es das jetzt ist?
Ja? Wenn es jetzt nichts Besseres, nichts Schöneres...
als das gibt? Wenn es das jetzt ist?
Okay? Und ich.... - Das ist doch schrecklich.
Nein, aber...
Es wäre eine Erleichterung, in gewissem Sinne. Ich meine...
nicht...
etwas anderes zu wollen, nichts anderes zu erwarten.
Das ist es jetzt. - Das ist doch absurd.
Glücklich zu sein, weil da nichts mehr kommt. Keine Erwartungen mehr.
Das ist doch irgendwie beruhigend. - Aber nicht sehr hoffnungsvoll.
Was willst du? Hoffnung oder Frieden?
Beides.
Du hörtest diesen Mann singen und dachtest:
Was wäre, wenn alles so bleibt, wie es jetzt ist?
Ja. - Was dann?
Dann hätte ich... meinen Frieden, verstehst du?
Ja.
Das glaube ich nicht.
Es ist egal, ob du es glaubst oder nicht. So war es jedenfalls.
Ich hasse das.
Diese Art von Geschichten, die einige einfach erleben.
Geschichten, die nicht logisch sind, die einem selbst nie passieren.
Dieser Gedanke, dass man erst das Licht sehen muss.
Nur sagt einem keiner, wie das gehen soll.
Singst du oft? - Etwa einmal die Woche.
Und du? - Nein.
Du hast für ihn gesungen.
Weißt du noch? - Ja.
Als er ein Baby war. - Ja.
Und auch im Krankenhaus.
Ich habe im Krankenhaus gesungen?
Ja.
Weißt du noch?
Am Tag, als er gestorben ist.
Und...
ich habe dich umarmt und du ihn.
Deine Lippen waren an seiner Stirn und sie haben sich bewegt.
Und du hast für ihn gesungen und...
Ich konnte nicht hören, was, aber...
Weißt du nicht mehr?
Bist du dir sicher? - Ja.
Ja, ja.
Alles in Ordnung?
Ja, ich will weg.
Jetzt?
Ja, jetzt. - Jetzt sofort?
Ja, jetzt sofort. - Weil ich das gesagt habe?
Nein, nein. Es liegt...
an allem, an allem, was heute war.
Ich will jetzt einfach hier weg und nach Hause.
Soll ich dich fahren? - Nein, ich will allein nach Hause.
Okay.
Ich möchte dich nicht so zurücklassen.
Es tut mir so leid, Lucas.
Das musst du mir glauben. Es tut mir wirklich leid.
Ich will dich nicht so zurücklassen. - Es ist okay.
Kann ich was für dich tun? - Nein, nichts. Danke.
Gar nichts? - Vielleicht mich in den Arm nehmen.
Can't find what you're looking for?
Get subtitles in any language from opensubtitles.com, and translate them here.