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Vielen Dank.
Mann genug?
Komm, lass uns ein, zwei Flaschen Wein besorgen und bei mir zu Hause Sex haben.
Heute nicht.
Ich fahre nach Bergenstadt, Grenzgang machen.
Da bringen sich diese ja keine zehn Pferde hin. Das hast du gesagt.
Eine Flucht im Kreis.
Du und deine Tradition.
Glaubst du wirklich an diese Verbundenheit, ja?
Wald, Heimat und kühles Bier?
Grenzgang.
Wasser.
Zeit in Berlin.
Thomas?
Thomas! Hör da an!
Siehst du, du bist unabkömmlich in Berlin. Jetzt bist du doch da.
Das ist Frau Bamberger.
Ihr Mann hat die Anwaltskanzlei direkt bei uns gegenüber.
Du kennst doch den Jürgen noch von der Schule.
Ist er offen hier?
Ja, zugeweist zwecks Eheschließung.
Das ist mein Sohn Daniel.
Hallo, Mama.
Weidmann, freut mich.
Heimkehrer.
Ich bin so bewusst.
Es gibt Schlimmeres.
Als was?
Keine Ahnung.
Im Grenzgang passiert manchmal was, was sonst nicht passiert.
Zum Beispiel Dinge zu begreifen, die man eigentlich schon immer gewusst oder
geahnt hat.
Geht das auch dazu?
Was ist denn das?
Was ist?
Muss ich meine Medizin noch nehmen?
Nein, hast du schon.
Mama, du hast noch Wasser in der Tasse.
Pass auf.
Du tropfst.
Da waren doch wieder welche im Haus, oder?
Niemand war im Haus.
Willst du nicht ein bisschen in den Garten gehen? Es ist schön in der Sonne.
Was ist passiert?
Erstmal herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag.
Allerdings sind die leider nicht von mir.
Sprechen wir hier draußen vor der Tür?
Was war mit Daniel?
Sie haben ihn an dir runtergehauen.
Hast du ihn geschlagen?
Nein.
Ohrfeige.
Daniel hat Tommy Endler erpresst.
Da wurden jüngere Mitschüler geschubst, unter Druck gesetzt und Schutzgeld von
ihnen verlangt.
Ich habe den ganzen Vormittag bei seinem Rektor verbracht.
Hast du Daniel auch gefragt, was passiert ist?
Um was geht es, Kerstin?
Vorwürfe?
Gut, dann rede du mit ihm.
Ist er neu?
Okay, ich hatte es nicht vor, aber wenn du willst.
Wir werden den Unterhalt neu berechnen. Schon klar, es gibt eine Reform des
Unterhaltsrechts und... Und was?
Andrea ist schwanger.
Kerstin, ich will, dass Daniel zu den Enders rübergeht und sich entschuldigt.
Das sind meine Nachbarn.
Daniel?
Daniel?
Was halten Sie von der Sache?
Kommt Ihnen das nicht komisch vor?
Komisch wäre nicht mein Wort. Nicht, wenn sowas in meiner Klasse passiert.
Na, wie auch immer.
Mit dem Vater von Daniel, Jürgen Bamberger, bin ich in derselben
Männergesellschaft, Rheinstraße.
Er macht dies ja den Moor.
Kennen Sie einander eigentlich?
Wie man sich halt so kennt hier.
Er, die Mutter.
Daniel!
Heute Grenzgang, weil die Türen alle offen stehen, wie bei den Zigeunern.
Grenzgang ist erst in zwei Wochen.
Außerdem stehen da nicht die Türen offen, sondern alle Leute laufen zum
Festplatz.
Kannst du dich noch erinnern?
Wie du uns immer besucht hast, an Grenzgarten.
Können Sie die Mutter übernehmen?
Was soll ich ihr sagen?
Ja, dass ihr Sohn sich gewissermaßen artgerecht, aber unkorrekt verhalten hat
und dass wir uns Konsequenzen vorbehalten.
Artgerecht?
Ich würde mich interessieren, wie Sie mit 16 waren.
Unauffällig.
Gib einen aus.
Herzlichen Glückwunsch.
Zählt nicht.
Zählt nicht was?
Gratulieren ohne angucken.
Soll ich wieder gehen?
Irgendwann wirst du mir das erklären müssen, was da passiert ist.
Was war an der Schule?
Starb mir nichts an.
Ärger war an der Schule. Scheiß war an der Schule.
Scheiß war an der Schule. Und welcher Scheiß? Was willst du überhaupt noch
wissen? Dein Ex -Mag hat sie doch längst erzählt.
Los, da will dir jemand gratulieren.
Ich weiß, dass die Situation für dich hier unten im Keller nicht so gut ist.
Aber Oma schlagt immer nicht nachts alleine aufs Klo.
Es ist für uns alle das Beste, dass Oma in meinem Zimmer wohnt.
Ja?
Ja, schönen guten Abend. Thomas Weidmann am Apparat.
Moment mal.
Mutter.
Mutter, Mutter.
Gute Nacht.
Sind die Rollenläden alle unten?
Ja, ich kümmere mich darum. Es ist alles in Ordnung.
Kopfschmerzen sind es wieder.
Leg dich doch bitte hin.
Ja?
Ja, tut mir leid, dass ich so spät anrufe. Ich nehme an, Sie wissen
Als Daniels Klassenlehrer versichere ich Ihnen, dass ich ihn sehr mag.
Er ist ein sympathischer Kerl, eher still und sehr klug.
Und ich werde das Gefühl nicht los, dass das ein Teil seines Problems sein
könnte.
Seine Intelligenz gehört ihm irgendwie noch nicht ganz. Er sich irgendwie
voraus. Und deswegen tut er Dinge, die ihn stärker und selbstsicherer
lassen, als er eigentlich ist, ja?
Meinen Sie das?
Ja.
Es ist irgendwie meine Pflicht, ihn als Klassenlehrer, meine ich.
Ja, ja.
Ihr Ex -Mann hat heute mit unserem Schulleiter mit Granitzny gesprochen.
Wenn Sie wollen, stehe ich Ihnen zur Verfügung.
Um Sie in Kenntnis zu setzen über das weitere Vorgehen.
Gut. Ich melde mich, wenn ich Zeit habe.
Danke jedenfalls, dass Sie mir Bescheid gesagt haben.
Gerne.
Gute Nacht.
Hör zu, ich glaub, du hast es, ich bin nicht halbsicher.
Wie kommt das?
Nimm dich vorbei, du meine Nacht.
Du hast auf einmal meine Frau abgesehen.
Die Blümchen sind von ihm, oder?
Wir praktizieren also für den Rest des Abends das Prinzip getrennte Stockwerke.
Soll ich mich noch mit hinlegen?
Ich habe Papa gesehen.
Auf der Bank.
Ist gut, Daniel. Du musst jetzt schlafen.
Auf der Bank beim Wehr.
Papa und deine Frau, die haben geschmust.
Hat Papa dich auch gesehen?
Weiß ich nicht. Ich bin weggelaufen.
Was wird jetzt?
Jetzt wo Grenzgang ist, hat Papa keine Zeit dafür.
Vielleicht habe ich mich ja verguckt.
Nein, hast du nicht.
24 Grad blauer Himmel und Sonnenschein. Der Zeit hatte heute nur mal wieder
raus. Das Gefühl von Wärme auf der Haut.
Schlechter.
Was wir in den letzten zwei Tagen gesprochen haben, das geht auf einen
Bierdeckel.
Ich suche noch einen Weg, Entschuldigung zu sagen, der nicht bescheuert klingt.
Lass es doch.
Wir kämpfen ganz Bergenstadt, ihr Liebe! Frau! Ihr Liebe!
Frau! Ihr Liebe!
Frau!
Aber nur noch zweimal und dann gehen wir wirklich nach Hause.
Ich warte an der Brücke auf dich.
Okay.
Versprochen? Ja.
Bitte schön.
Und noch eine Morgenbrezel frisch von heute weg.
Wahnsinn, wie schnell die letzten sieben Jahre wieder vergangen sind. Jetzt sind
wir schon wieder so weit.
Aber wir stehen offensichtlich noch nicht kurz und fahren der
Dinge.
13 ,50 Euro wären es dann.
Wo steht denn Ihr Wagen?
Wieder von der Werkstatt.
Kommen Sie, ich nehme Sie mit.
Ich klaue immer die CDs meiner Tochter, um auf dem Laufenden zu bleiben.
Mein Sohn hört ja keine Musik.
Warum hört Ihr Sohn keine Musik?
Ich weiß, er interessiert sich für Sterne, für etwas.
Naja, im Moment interessiert er sich nur für wenig.
Waren die beiden nicht mal ineinander verliebt, Ihr Sohn und meine Tochter?
aber schon ein paar Jahre her.
Wirklich nett von Ihnen.
Herzlichen Glückwunsch.
Ich weiß, dass Sie gestern Geburtstag hatten. Ich für die Mitgliederliste bei
den Riessteigfrauen.
Der wie viele?
Nein, das lieber nicht. Der 41 ist nicht so schlimm.
Danke. Tschüss.
Mit den dunkleren Seiten sind sie auch neu.
16 Grad waren es draußen auf der Fensterbank.
Gestern waren es noch 20.
So ist das im Spätsommer.
Schwankung.
Bei uns zu Hause hat es sicher auch geregnet.
Der arme Hans.
Wieso der arme Hans? In dem flechten Wetter?
Früher hat dein Bruder immer die Nachtstünste gemacht.
Und dann noch bei uns den Rasen gemäht.
Ganze Wiese.
Am Weiher.
Einmal hat er den Rasen gemäht. Einmal hat mein Bruder den Rasen gemäht.
Aber genauso wie du spricht er bis heute davon, als ob er dafür einen Orden
verdient hätte.
Soll ich es dir ein bisschen klein schneiden?
Weißt du noch, wie Schmitz Wilhelm immer zu uns an den Zaun gekommen ist,
wenn wir im Garten gearbeitet haben?
Wollt ihr Eier?
Das hat er nur gefragt.
Zum Ende des nächsten Schuljahres brauchen wir einen neuen,
Schulleiter.
Haben Sie Interesse?
Nein.
Habe ich mir fast gedacht.
Bonus des Jamais, oder so ähnlich, wie der Kerl immer sagt. Richtig.
Haben Sie nicht auch manchmal das Gefühl, zu groß zu sein für die
der Sie leben?
Ja, Gott weiht man. Verschonen Sie mich mit Ihrem Pseudo -gehaltvollen
Nachfragen.
Wollen Sie stellvertretender Schulleiter werden, ja oder nein?
Was ist Ihr Plan?
Hier in aller Stille eingehen?
Sie haben noch 20 Jahre vor sich. Viel Spaß.
Sie haben ja nicht mal eine Frau.
Spieglein, Spieglein an der Wand, wo ist meine Taille? Ach, Quatsch.
Wissen Sie, was meine Tochter zu mir gesagt hat?
Warum willst du eigentlich unbedingt Bilder aussehen, als du bist? Frech,
Aber das ist ja nicht so.
Ja, das ist gut.
Kennen Sie eigentlich das Gefühl, von den eigenen Kindern abgehängt zu werden?
Ich meine, die werden ja nicht nur erwachsen.
Die holen nicht bloß auf. Die kennen sich besser aus in unserer Zeit.
Verstehen Sie?
Also, blödes Beispiel, aber neulich, da saßen wir zu dritt.
Was sehr selten vorkommt bei uns beim Abendbrot.
Irgendwie, wahrscheinlich, vor meiner Tochter fällt das Stichwort Pärchenclub.
Wissen Sie, was ein Pärchenclub ist?
Ich wusste es jenseits nicht.
Also sage ich zu meinem Mann, unter was von Wegen, Hans -Peter, Mensch, wir
könnten doch auch mal wieder was zusammen unternehmen. Und meine Tochter
vor Lachen vom Stuhl.
Was hat Sie eigentlich nach Bergenstadt verschlagen?
Das war vor 21 Jahren.
Da habe ich eine Freundin besucht übers Wochenende.
Ja, die wohnt gar nicht mehr hier.
Lassen Sie mich raten.
Ja, einer der Wettläufer hat mir gefallen.
Verliebt dich nicht in einen Hiesigen, hat sie damals gesagt.
Auch auf die Gefahr hin, dass ich unsensibel bin, aber... Ich habe sie
angerufen, weil ich sie was fragen wollte.
Woran haben Sie gemerkt, dass Ihre Ehe nicht halten wird?
Wollen Sie eine ehrliche Antwort?
Sie spüren das einfach.
Und dann eines Tages wirst du mit Gewalt drauf gestoßen. Und dir fällt auf, dass
du es eigentlich schon lange gewusst hast.
Ich biete Ihnen das Du an.
Claudia.
Kerstin.
Würdest du mich in einen Pärchenclub begleiten?
Was sagst du zu dem vorigen Ereignis?
Hast du was getrunken?
Spricht für komisch.
Also?
Hast du was bei deinem Vater?
Ja, und ich soll nicht darüber reden. Nicht mit dir.
Weißt du, mein Tommi ist älter und hat sich entschuldigt.
Ja, ich war bei den Enders und hab mich entschuldigt. Und jetzt Schluss.
Wie viele Frauen wirst du wohl glücklich machen?
Also genau genommen bin ich ja, bin ich ja eigentlich dein allererstes Opfer.
Geh ins Bett.
Du spinnst da.
Komm, ich helfe dir.
Ich mach das alleine.
Jetzt, wo ich Werbung am Boden lege, hat sogar mein Sohn da dran mit mir. Weißt
du eigentlich, ob das ein Mädchen oder ein Junge war?
Nein, interessiert mich auch überhaupt nicht. Was interessiert dich denn
eigentlich?
Mädchen, hast du eine Freundin?
Sag doch mal, hast du eine Freundin? Oder bist du schwul?
Kannst du mir doch erzählen.
Ist ja nicht schlimm.
Ich war 16, als ich meinen ersten Freund hatte.
Deine Mutter war nämlich gar nicht so unpopulär.
Weißt du das eigentlich?
Lieg dich hier drin.
Und bleib hier noch einmal auf.
Tut mir leid, Daniel.
Wie viel Grad hat es?
Mutter, beeilst du dich?
Mutter, beeil dich!
Kannst du mir sagen, wer die Männer waren heute Nacht? Welche Männer?
Ich habe schon gedacht, sie haben dich mitgenommen.
Wer, Monsieur?
Ich erlaube mir, Sie ein Monsieur zu nennen, weil Ihr Name mir eher ein
französisches Charles zu sein scheint, denn in Englisch ist Charles.
Da täusche ich mich. Heißen Sie am Ende wirklich so, Charles B.? So wie ich
tatsächlich Victoria heiße?
Wenn Sie gestatten, würde ich das gerne herausfinden.
Weißt du eigentlich, dass ich Geburtstag hatte?
Erinnerst du dich, wie wir immer gefeiert?
Weidmann?
Guten Tag, Herr Weidmann, hier ist Werner, die Mutter von Daniel.
Ja, guten Tag.
Meine Mutter ist beim Arzt. Ich hätte genau jetzt zwei Stunden Zeit, um zu
über Daniel.
In den Garten stecken sie aber viel Arbeit.
Ich habe uns einen Kaffee gemacht.
Ich denke, mein Ex -Mann hat es sinnvoll.
Daniel wächst seit sieben Jahren in Umständen, auf die ihm nicht besonders
tut.
Das ist ja, wofür er nichts kann.
Sie meinen, dann kann er auch nichts für das, was er getan hat.
Ich kann es mir einfach nicht erklären.
Ich kenne Tommi Endler. Wir waren mal Nachbarn von meiner Scheidung. Am
Heinköppel. Sie arbeiten nicht?
Zurzeit nicht.
Das Bild hat meine Mutter.
Das kann ja auch nicht die Erklärung sein.
Oder... Was meinen Sie damit?
Sie sind mir keine Erklärung schuldig.
Sie haben in Köln studiert.
Sport mit Schwerpunkt Tanz.
Was haben Sie mir damals erzählt?
Sie haben ein gutes Gedächtnis.
Das Gedächtnis war mein Thema an der Uni.
Historisches Gedächtnis als Medium kollektiver Selbsttäuschung.
Sozusagen als...
Institutionalisierte falsche Erinnerung.
Wieso jetzt falsche Erinnerung?
Nehmen wir an, ich hätte mich getäuscht.
Wir sind gar nicht vor sieben Jahren zusammen in Kleiberg hochgewandert.
Ich hätte mit einer anderen Person gesprochen und Sie ebenfalls mit einer
anderen.
Aber jetzt sage ich Ihnen, dass ich es gewesen bin.
Und Sie erinnern sich.
Undeutlich.
Je mehr ich erzähle, desto überzeugter sind sie, dass ihre Erinnerungen und
meine zueinander passen.
Aber wir beide können uns täuschen.
Sie hatten einen hellen Anzug an und Schuhe, wie sie kein Mensch zum Mann
anträgt.
Der Betreuer meiner Habilitation konnte mit der These auch nicht viel anfangen.
Dann bin ich zurückgekommen.
Nach Bergenstadt.
Und hier geblieben.
Mir ist damals etwas zugestoßen und ich habe nicht dagegen gestimmt, sondern der
Veränderung nachgegeben.
Weißt du, dass du auf dem Weg bist, gerade eine ganz schön bescheuerte Figur
abzugeben?
Sei ein Mann, willst du als nächstes sagen? Ja, sei ein Mann, warum nicht?
Ich bin Professor Schlegelberg.
Weißt du, was ich nicht verstehe?
Du hast doch immer gewusst, dass Schlegelberg als typischer Historiker
Antitheoretiker ist. Ich habe geglaubt, dass ich ihn überzeugen kann.
Was, das hast du wirklich eine Ernstes geglaubt, ja?
Du hast immer gesagt, Wissenschaft ist ein Wabonspiel.
Die Reise nach Jerusalem und zu sehen, dass du im richtigen Moment deinen
Hintern auf einen freien Platz setzt.
Ob da irgendwo ein freier Platz für dich ist, das bestimmen andere. Deine Worte.
Ein Hoch auf meine Worte.
Bitte.
Ich kann mit Selbstmitglied nicht umgehen.
Du hast immer noch dein Staatsexamen.
Ich kann kleinen Migranten Kindern Deutsch beibringen.
Du meinst, ich soll ein Lied pfeifen und einfach von vorne anfangen? Nein, sei
traurig, sauer, wütend, frustriert. Das ist dein gutes Recht, aber erlaub der
Sache nicht, dein Leben zu zerstören.
Entschuldige, ich habe gestern Abend viel zu viel geredet. Störe ich dich?
Nein, ist nur... Ich wollte nur was dazu sagen.
Also, verstehe mich bitte nicht falsch, aber... Ich liebe meinen Mann. Das ist
keine Floskel. Wir führen eine glückliche Ehe.
Aber vor ein paar Wochen stand ich im Bad vorm Spiegel und dachte mit einem
Mal... Ich führe keine Ehe. Ich meine, ich liebe meinen Mann und mein Mann
mich.
Aber mein Mann ist nie da.
Claudia, ich denke, ich bin die Falsche für das Thema.
Ja, schon in Ordnung. Aber verstehst du nicht trotzdem, dass ich nicht Abend für
Abend zu Hause sitze und darauf warten will, bis ich irgendwann so müde bin zum
Warten? Ich meine, wir sind 40 und das Leben läuft an uns vorbei hier in
Bergenstadt.
Ich habe nämlich beschlossen, ich möchte nicht leiden.
Wir gehen keine Verpflichtung ein.
Alles kann, nichts muss, das ist das Motto.
Du, ich denke, das ist nichts für mich.
Ich habe das Gefühl, es ist genau das Richtige.
Der Petermann hat recht.
Dein Kopfschmerzen.
Es geht zwar nicht mehr weiter.
Kanntest du eigentlich die große Wiese oben bei Schmitzweihe?
Da war mehr Sonne als unten, ja?
Samstags kam Schmitz Wilhelm vorbei, wenn dein Bruder der Hans gemäht hat.
Ja.
Der hat gefragt, holt er Eier?
Holt er Eier?
Seine Frau ist oft krank gewesen.
Schmitz Wilhelm hat die Wiese gemäht. Ein paar Mal hat der Hans ihm geholfen.
Aber nicht so oft wie ich. Du warst immer weg.
In Köln.
Ich weiß
nicht, ob diese Formulierung ganz ideal war, aber wir sehen so ein bisschen, was
er damit meint.
Mindestens die Augenhöhe können wir hier tatsächlich wiedererkennen.
Dr. Petermann will, dass Oma für ein paar Tage in die Klinik geht.
CT machen und wegen ihren Kopfschmerzen.
Dafür muss man nur nicht in die Klinik.
Reine Geldverschwendung.
Ich will nämlich einfach für ein paar Tage entlasten, meine Auszeit schaffen.
Brauchst du das?
Daniel, ich weiß überhaupt nichts mehr über dich.
Ich weiß nicht, wie du zu mir stehst, wie du zu deinem Vater stehst.
Sind wir schuld drin, dass du Jüngere spielermobbst?
Das bringt keinen.
Verstehst du das nicht?
Wir leben hier beide unter einem Dach. Und ich habe verdammt nochmal das Recht
darauf, zu wissen, was mit dir los ist.
Ihr habt das so geregelt nach der Trennung.
Und jetzt hast du doch Oma, die du bemutern kannst.
Schön, dass du gekommen bist.
Wie war die Fahrt?
Wie jedes Mal, wenn ich zu meinen Eltern fahre.
Geht's dem Kind gut?
Das Kind wächst.
Und meine Ängste werden nicht kleiner.
Hätte ich nicht gedacht.
Entschuldigung, können wir noch zwei Rotwein haben?
Und noch einen Grappa.
Kannst du mit deinem Mann drüber sprechen?
Ja.
Und was machen deine Internetbekanntschaften?
Deine Ehe lässt mir keine andere Wahl, mich jetzt mit einer Viktoria zu
Viktoria?
Klingt... Reng.
Muss das sein?
Die Alternative wäre die Mutter eines Schülers.
Bergenstädter Geschichten.
Eine gescheiterte Ehe hinter sich, eine pflegebedürftige Mutter im Haus und ein
Sohn auf dem Scheideweg zwischen Selbstständigkeit und Verkorgtheit.
Tja, aber das sind alles noch keine Hindernisse.
Stimmt, ja.
Was ist das eigentlich zwischen uns?
Wir sind sieben Jahre getrennt.
Ich habe dir wehgetan damals, weil ich einfach alles hinter mir abgebrochen
habe.
Und du hast dich nicht zurückgezogen.
Wie schaffst du das?
Schadet dir das?
Ich weiß nicht.
Manchmal denke ich mir, ich habe Angst vor der Verwandlung in das Klischee des
alleinstehenden Studienrats.
Vor der schrittweisen Transformation in eine geile Kröte.
In das Objekt von Schülerspott und besorgt getuschelten Bemerkungen unter
Kollegen.
Du bist mein einziger Beweis dafür, dass ich noch liebenswert bin.
Das trifft ja mal wieder voll mit Leid.
Und was ist es für dich?
Es lässt sich in keine Form erfassen, was wir tun und warum.
Das hast du damals gesagt zu deinen Studenten.
Nee, du kannst mich nicht fragen.
Komm.
Natürlich kriege ich noch Fragen.
Ja.
Keine Notnagelbeziehung?
Kein Sex?
Deshalb bin ich dieses Mal hier.
Um dir das zu sagen.
Hör endlich auf mit diesen Eskapaden. Wir werden endlich mal erwachsen.
Aha.
Du willst, dass ich mich dem wirklichen Leben, den Frauen, stelle.
Ohne doppelten Boden.
Du Verschwender.
Will ich nie mehr wiedersehen.
Granitzi hat mir übrigens die Stelle als Stellvertreter angeboten.
Ich hab gesagt, die kann er sich in den Arsch heben.
Oder einen anderen Loser damit belohnen.
Du bist der einzig wirkliche Freund, den ich habe, weißt du das?
Das ist die Nummer von meinem Sohn. Ja.
Ich komme nach, Mutter. Bin gleich da.
Und bitte nach unserer Spalte.
Sie wollen herausfinden, ob irgendwelche innere Blutungen vorliegen.
Eventuell gibt es sogar ein Zusammenhang mit der Blasenentzündung, die du erst
hattest. Und dann wollen wir noch eine Süßigkeitsbilanzierung machen.
Das grenzenlose Gewitter.
Guten Tag.
Frau.
Lisa Werner.
Frau Werner, hallo.
Kerstin Werner hier. Ich... Also, ich störe Sie nicht.
Ich wollte mich bedanken für die Margeriten.
Die sind nicht von mir.
Aber die sind nicht von Ihnen.
Scheint es noch einen Verehrer zu geben.
Oh, halt mir.
Ja, dann... Dann würde ich Sie nicht länger aufhalten.
Ja.
Auf Wiederhören.
Auf Wiederhören.
Schade. Sie werden verstehen, dass ich das Aussehen, welches ich mir für Sie zu
geben gedenke, nicht öffentlich zu Markte tragen kann.
Folglich bestelle ich Sie an einen Ort, wo derlei Auffälligkeiten nicht
auffallen.
Wo derlei Auffälligkeiten nicht auffallen.
Ich auch.
Da werden wir einen schönen Eindruck hinterlassen, wenn wir da ankommen und
gleich auf dem Klo verschwinden.
Stimmt.
Die Kunden, habe ich im Internet gelesen, die kommen größtenteils aus
und Wiesbaden, also die Einheimischen Gaming Club kaum.
Für meinen Schatz, der noch im Büro sitzt und ich ganz toll lieb habe,
ich mir You Make Me Feel von Aretha Franklin.
Warum sagt sie denn das nicht, wenn man nach Hause kommt?
Schönes Kleid.
Ja, das habe ich noch ändern lassen beim Schneider in der Rheinstraße. Der
türkische Schneider in der Rheinstraße? Jemals? Kennst du die?
Du lässt ja wahrscheinlich nicht so viele Sachen ändern.
Was willst du damit sagen?
Gar nichts. Es kam jetzt einfach nur so. Sag doch, was du willst.
Komm mir nicht mit dem Quatsch mit dem türkischen Schneider. Ich weiß nicht,
du meinst.
Du willst da gar nicht hin.
Habe ich recht? Du bereust es jetzt schon.
Ich hatte angerufen.
Immer herein.
Hallo.
Ich bin die Gabi.
Claudia.
Kerstin.
Ja, das ist unser kuscheliges Fohem.
Hier kann man sich umziehen, wenn man möchte.
Ah, da hat niemand nach dir gefragt.
Gut.
Ich würde eigentlich gern so bleiben.
Ja, das sieht doch auch sehr hübsch aus.
Hier ist die Bar.
Das ist Gerd.
Mein Mann.
So, das ist die Claudia und das ist die Kerstin.
Ich finde, du machst uns da jetzt mal einen flotten Kiroyalben.
Willst du dir denn mal diese Paris angucken?
Na, dann komm doch mal mit.
Möchtest du noch einen Wodka?
Geht aufs Haus.
Machst du mir zwei Bordeaux?
Sieht besser nie, oder?
Ungewohnt.
Und dir? Gefällt es dir hier?
Ich war Fernfahrer.
Aber nach dem zweiten Bandscheibenvorfall ging das nicht mehr.
Der Zock, den sie mir angeboten haben, ging auch nicht.
Zu viel Sitz.
Ich gehe jetzt.
Warum denn?
Ja.
Schreib mir nicht mehr, Viktoria.
Es ist eine Sinusvenen -Kombose.
Tut mir leid, dass ich Ihnen in den letzten Tagen nichts genaueres sagen
aber wir haben die Blutung erst heute Morgen im Verlaufs -CT feststellen
Genauer gesagt, wir haben ein geplatztes Blutgerinnsel gesehen.
Von der verstopften Vene vorher, da kamen wahrscheinlich auch die
Wir versuchen nun, das Blut zu verdünnen und die Durchlässigkeit der Vene wieder
herzustellen, was riskant ist, da die Blutung ziemlich groß ist.
Daher auch der schlechte Zustand ihrer Mutter.
Aber wir tun natürlich alles, was möglich ist. Frau Werner, das ist ja
Mama? Ich wollte dir was sagen.
Du bist ja jetzt ziemlich beschäftigt mit Oma.
Du bist ja irgendwie mindestens fünf Stunden im Krankenhaus.
Und ich denke darüber nach, zu Papa zu ziehen.
Was?
Was willst du da? Eine neue Familie mit einem kleinen Geschwister?
Ich denke, ich werde das machen.
Immer da, wo es leicht ist, ne?
Immer schön da, wo es nicht schwierig ist.
Jetzt du, Papa.
Die ganzen Jahre wolltest du da nicht hin, was soll das?
Arme Mama, du tust mir jetzt richtig leid.
Kommst du mal in deine blöde Überheblichkeit lachen?
Gibt es zwischen uns beiden überhaupt noch irgendwas, das funktioniert?
Bist du nachher zum Elternsprecher? Nein.
Ich denke, die Sache hat sich erledigt.
Kanetzny hat mit ihm gesprochen. Er geht davon aus, dass er keine Dummheiten
gemacht hat.
Ja, dann liegt es jetzt an uns, dafür zu sorgen, dass er sich auch dran hält.
Das ist doch keine Achtung, dass er zu dir zu verschwinden.
Er wohnt bei mir und du schon seit Jahren.
Man muss ihn ernst nehmen, das predigst du doch immer.
Das ist doch alles halb so schlimm. Womöglich braucht er im Moment endlich
seinen Vater.
Verstehst du, zwischen uns war nicht viel los in den letzten Jahren. Zwischen
mir und ihm auch nicht. Warum fällt es mir denn am Rücken?
Kerstin, es ist seine Entscheidung.
Er spricht sie.
Juristisch gewählt.
Großartig.
Was machst denn du hier? Grenzgang? Ein Kinderschreck oder was?
Was heißt Moa?
Wie geht es deiner Mutter?
Warum meldest du dich nicht?
Bist du sauer, bloß weil ich mich amüsiert habe?
Darum geht es gar nicht.
Es ist nur, ich... Ich habe mir das die ganze Zeit gewünscht.
Was hast du dir gewünscht?
Du hast mich schon verstanden.
Also wenn du es genau wissen willst, dann... Ich weiß nicht, ich glaube
Ich habe gedacht, du könntest eine Gleichgesinnte
sein.
Ich habe nicht eine Frau.
Also, das ist nicht böse gemeint.
Denk doch nochmal drüber nach. Nee.
Es wird schon wieder.
Willst du was sagen, Mutter?
Morgen bringe ich frische Nachthemden.
Ich erinnere mich an Spitzville.
Wie er immer zu uns an den Zaun kam, als wir im Garten gearbeitet haben. Nur wir
beide.
Niederhans.
Wollt ihr Eier, hat er gesagt?
Wollt ihr Eier?
Was weißt du?
Vielleicht ist ja meine Erinnerung falsch.
Und ich habe mich getäuscht.
Nimm mal an, mein Bruder hätte mitgearbeitet.
Er war es, der im Garten neben dir stand.
Und er war es, der den Rasen gemäht hat.
Aber gerne.
Es kann bald zu Ende gehen.
Weil wissen Sie das?
Gefühl.
Viele Jahre.
Ich muss jetzt los.
Elternsprechtag.
Mutter? Ich geh dann mal.
Ja, ist drin.
Oh,
das war knapp.
Sie interessieren sich für Fußball?
Nein.
Bänderspiel ist ein Gesellschaftsereignis.
Ein nationaler Grenzgang, da interessiert man sich nicht, da ist man
dabei.
Und?
Elternsprechtag beendet.
Ja.
Und die Eltern von Daniel Bamberger waren nicht da.
Haben Sie Kinder?
Nein.
Dann wissen Sie auch nicht, wie schwierig das manchmal ist.
Kinder wollen das, was sie wollen, immer ein bisschen mehr, als ihre Eltern es
nicht wollen.
Verstehen Sie das?
Ja.
Und Sie?
Was wissen Sie über die historischen Wurzeln des Grenzgangs?
Den Grenzstreitigkeiten der Nachbargemeinden?
Den regelmäßig durchgeführten Grenzbegehungen, denen der Moor dafür
sollte, dass sich keiner an den Grenzsteinen zu schaffen gemacht hat?
Bis dann daraus ein Volksfest wurde zugunsten von Wandern,
Trinken, Partnersuche.
Und so weiter.
Und warum alle sieben Jahre?
So lange dauert es.
Zwischendrin.
Hören Sie? Nein.
Das waren sie jetzt nicht wirklich.
Ich weiß nicht, wo sie wohnen, aber ich denke, wir beide haben denselben
Heimweg.
Ich warte hier auf meinen Sohn.
Also sind nur noch zwei übrig.
Was? Zwei übrig?
Zwei Mohikaner, Sie und ich.
Ist es bei Ihnen schon so weit?
Oh, oh, das war klar.
Darf ich mal etwas Persönliches erwähnen?
Warum ist es in einem Ort wie Bergenstadt eigentlich nicht möglich,
geregelte Sexualität zu leben?
Ohne Beziehung.
Gibt es sonst nichts mehr im Angebot?
Warum versuchen Sie es nicht mal im Internet?
Das machen viele hier, habe ich mir sagen lassen.
Mein Gott.
Vor ein paar Tagen habe ich Marlene Dietrichs verdorbene Cousine getroffen.
Keine Sorge, sie war über 40.
Jetzt sagen Sie mir nicht, ich muss erst ein Frosch sein, damit Sie mich zum
Prinzen küssen.
Die einsamen Frauen dieser Welt.
Womöglich liegt es am Foto.
Aha.
Konjak?
Warum verbringen Sie eigentlich Ihr halbes Leben in der Schule?
Und ich rede jetzt nicht von der Arbeit, sondern von all den Wochenenden und
Abenden in Ihrem Liegestuhl und dem Cognac.
Das ist wenigstens ein guter.
Es ist das, was man in dieser Gegend bekommt.
Hoffentlich reicht es für Sie, Herr Dr.
Weidmann.
Und Sie interessieren sich nicht wirklich für dieses Amt?
Das Ende schaue ich mir zu Hause an.
Ich schlage Ihnen eine Wette vor.
Wenn Deutschland gewinnt, sind Sie nächstes Jahr stellvertretender
Wette angenommen.
Komm noch rein.
Geht's jetzt los?
Halt die Probe für morgen Abend.
Ich würde Ihnen gerne sprechen, nur kurz.
In Deutschland.
Daniel, tut mir leid.
Komm wieder mit nach Hause, bitte.
Nach Hause?
In mein Kellerzimmer.
Du wohnst doch bei mir.
Konrad? Ja?
Kann ich mal kurz Ihr Bad benutzen?
Schmeckt Ihnen der Wein?
Sie sind jetzt wahrscheinlich nicht gekommen, um über Ihren
Sohn zu sprechen, oder?
Nein, ich denke nicht.
Daniel ist nicht verkorkst.
Er ist nur 16.
Könnten Sie darauf verzichten, zu erfahren, was mich in diesem Club
hat?
Und könnten Sie auch darauf verzichten, mir so nahe zu kommen, um zu
erkennen, was für ein Mensch ich eigentlich bin?
Sie meinen, ob ich mich so verhalten könnte, als befinden wir uns immer noch
diesem Club?
Wo die einzig relevante Frage lautet, wie mögen Sie es am liebsten?
Es liegt nichts Beschämendes darin, allein zu sein.
Das glauben Sie nicht wirklich?
Nein.
Stimmt aber trotzdem.
Ich bin allein.
Und ich bin neugierig.
Wenn ich gehen soll, dann müssen Sie das einfach nur sagen.
Ich will nicht, dass wir gehen.
Dann über Megalo?
Ja.
Meine Mutter?
Ist die nicht zu Hause?
Ich warte.
Nein, ist schon okay.
Ich kann auch mitkommen.
Rufst du mich an, wenn du mich brauchst, ja?
Kann sie mich hören?
Nein.
Es ist gut, dass du bei ihr sitzt.
Du kannst nichts falsch machen.
Du musst klingeln, wenn du Hilfe brauchst.
Sieht so jung aus.
Ja.
Man verändert sich.
Wo kommst denn du her?
Was ist passiert?
Es war bei ihr immer.
Sie war nicht allein.
Sie ist einfach eingeschlafen.
Jetzt wo Grenzgang losgeht, wird wahrscheinlich niemand zu ihrer
kommen können.
Ich fahre euch nach Hause.
Ich lasse dich bei der Beerdigung nicht im Stich machen.
Entspannt.
Ich warte, damit du anrufst.
Ich weiß, dass es dauern kann.
Es war schön mit uns.
Ich hoffe nur, dass du es nicht bereust.
Auch wenn ich das in Anbetracht der Situation verstehen würde.
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