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Original subtitles

Es sah so aus, als ob Sie sich... Dass ich mich vor den Zug werfen wollte?

Ich brauche ein bisschen frischen Wind.

Wenn Sie erlauben.

Dann ist ja gut.

Sind Sie sicher, dass alles in Ordnung ist mit Ihnen?

Bei wem ist schon alles in Ordnung?

Mein Gott, ich wollte Ihnen nicht zu nahe treten.

Dann ist ja gut.

Hast noch mal Glück gehabt.

Frau Nierack.

Du hast Nerven?

Schön, dich zu sehen, Eva.

Was willst du? Ich will dich zum Essen einladen.

Ich traue mich nicht gleich in mein Haus.

Was in deinen vier Wänden passiert ist, tut mir sehr leid.

Aber wenn du glaubst, du kannst mich jetzt zum Essen einladen, nachdem du

nicht mehr gemeldet hast... Ich dachte, wir sind uns einig, dass das was

Einmaliges war zwischen uns.

Ja, eben.

Eva, wenn ich dich nicht einladen darf, zahlt eben jeder für sich.

Ah, und danach?

Danach wird es bestimmt wieder einmalig.

Ein verlockendes Angebot.

Ich sage trotzdem nein.

Darf ich mich zu Ihnen setzen?

Ach Gott.

Mein Lebensritter.

Bitte.

Da kann ich mich ja jetzt bedanken.

Für Ihre übertriebene Fürsorge.

Einen, der sich wirklich umbringen will.

Kann man nicht davon abhalten.

Wahrscheinlich nicht.

Trinken Sie mit?

Ja, gern.

Sie tragen zwei Ringe. Sind Sie verwitwet?

Mein alter Papa.

So wie das hier.

Sind Sie Hotelgast? Nein.

Ich habe ein Ferienhaus hier ganz in der Nähe. Oben am Hang.

Und Sie?

Ich wohne hier im Hotel.

Ich habe hier meinen Wachturm.

Am besten Sie bringen gleich noch einen halben. So wie das hier.

Was macht man in so einem Ferienhaus?

Wahrscheinlich Ferien, logisch. Ich nicht, ich muss arbeiten.

Ich muss einen rechtshistorischen Aufsatz für eine Juristenzeitung

Zum Thema Eherecht.

Geht vor allem um Scheidungsrecht.

Sind Sie Anwalt?

Immer im Einsatz, was?

Ich mache es aus und stecke es weg, wenn es Sie stört.

Rechtshistorisch.

Rückschau.

Rückschau ist wichtig.

Wenn auch nicht zeitgemäß.

Ich mache mir kaum noch den Mund auf, um Sätze zur Jetztzeit zu sagen.

Weil die Jetztzeit mich ständig das Wort abschneidet.

Bin ich ganz sicher, ob ich Sie richtig verstehe.

Unwichtig. Es ist doch zu früh.

Zu früh? Wofür? Um über den Zeitkreis zu reden, da brauche ich noch ein paar

Gläser.

Das muss ja nüchtern sein, täglich mit Scheidungssachen konfrontiert zu werden.

Bringt Sie das nicht in Versuchung, die Ehe für undurchführbar zu halten?

Versuchung ist nicht das richtige Wort.

Eher Gewissheit.

Nehmen Sie das Kaninchenverlier, das ist sehr gut hier.

Dann nehme ich das Filetto di Manzo Medium.

Ja, nehme ich auch.

Blutig. Benissimo, grazie.

Was ist mit der Liebe?

Der großen?

Ich glaube an die Verliebtheit.

An diesen schönen, kurzen Moment.

Und im halben Jahr bin ich genau in den Fuss gesessen.

Mit einer Frau, die mir auf Handen gekommen ist.

Oder ich ihr.

Nichts Schlimmes.

Kein Drama.

Man verliebt sich und man trennt sich.

Du bist das Ding heute.

Bin ich das?

Du wirkst wie ein Arzt, der eine schlimme Diagnose stellen muss und nicht

wie er es dem Patienten beibringen soll.

Du hast vielleicht eine Idee.

Das Kaninchenfilet ist ausgezeichnet, findest du nicht?

Ja.

Halten wir uns ans Kaninchen.

Ich bin sicher kein Mann für lange Beziehungen.

Aber es ist nie leicht, sich mit Anstand zu trennen.

Sind Sie Junggeselle?

Ja, überzeugter.

Mir ist die Heimat gewesen.

Wer? Die Ehe.

Tatsächlich.

Für mich ist sie schlicht eine Überforderung der menschlichen Natur.

Wenn Sie meinen?

Es hat sich totgelaufen.

Das ist die Wendung, die ich von meinen Klienten am häufigsten höre.

Und darauf schließe ich, dass die menschliche Natur sich nach Abwechslung

und nicht an Gewohnheit gewöhnt.

Was ist denn so schlecht an Gewohnheit?

An Vertrautheit?

An Verantwortung übernehmen? Treue?

Sowas läuft sich doch nicht durch.

Ich wollte Ihnen nicht zu nahe treten. Ich weiß natürlich, dass es auch

glückliche Ehen gibt. Interessiert mich nicht. Verzeihung, ich dachte, das wäre

unser Thema.

Menschliche Natur?

Ja. Alles genetisch bedingt? Ja? Alles entschuldigt?

Guckt euch die Affen an. Die schließen keine Ehen.

Die bleiben mobil.

Die Wissenschaft zeigt einwandfrei, wie wenig Freiraum uns die Gene lassen.

Sogar Schwachsinn ist erlernbar. Das sehen Sie doch jeden Tag.

Die Wahrheit liegt wahrscheinlich irgendwo in der Mitte.

Versuchen Sie mich bitte mit der Mitte. Dazu bin ich zu alt.

Statistisch gesehen reden Paare im Schnitt neun Minuten miteinander.

Pro Tag. Ja, ich kenne die Statistiken.

Wie ist das bei Ihnen, wenn Sie sich mal wieder trennen?

Erleichterung oder Trauer?

Es kommt schon mal zu Tränen.

Vor allem, wenn eine Frau mehr von mir erwartet, als ich investieren kann.

Was schreiben Sie denn da auf?

Worte, auf die ich allergisch reagiere.

Investieren im Zusammenhang mit Gefühlen zum Beispiel.

Da kicke ich dicke.

Hier. Sehen Sie.

Nehmt mal Leute, die sehen es.

Dann sehen Sie ihn auch hin.

Ich weiß, wo du bist.

Sprich mit mir.

Komm vorbei.

Ich bin im Iran.

Entschuldigen Sie.

Wir essen warmstellen lassen.

Tja, das stimmt.

Meine Frau ist mir vor ein paar Monaten gestorben.

Ich spreche immer noch mit ihr.

Ich habe ihr Handy nicht abgemeldet, um ihre Stimme auf dem E -Box zu hören.

Ich schreibe ihr Briefe.

Das Pathologische.

Bin ich ein Spinner?

Nein.

Nein, wenn es Ihnen nicht hilft.

Es war genau die Idee, die Sie für unmöglich halten.

Nicht für unmöglich, aber eben für sehr selten.

Darf ich Sie was fragen?

Warum haben Sie vorher zu zahm gerufen? Um mich selbst zu ermahnen.

Ich will nicht zum Wahnsinn dieser Welt freundlich nicken.

Ich will nicht dumm und milder werden.

Was meinen Sie denn mit Wahnsinn der Welt?

Alles, was ich mir hier in dieses Heft einschreibe.

Scheinen die Welt ja zu hassen.

Inzwischen ja.

Sie sollten sich öffnen.

Für eine neue Beziehung.

Beziehung, auch so ein Wort.

Mein Gott, dann eben für eine neue Liebe.

So, da sind Sie ja Experte.

Vielleicht können Sie mir einen Tipp geben.

Wie haben Sie zum Beispiel Ihre Traninchenfrau kennengelernt?

Das war so.

Zur Mittagspause gehe ich immer von meiner Kanzlei in den Park.

Meine Großmutter hatte auch so ein Gebet.

Das fand ich ungeheuer beeindruckend als kleines Mädchen, dass sie ihre Zähne

nachts in ein Glas legen konnte.

Sie sah ganz unheimlich aus, wenn sie gelächelt hat, nachdem sie ihre Zähne

herausgenommen hatte.

Hätten Sie Lust, mit mir einen Campari trinken zu gehen?

Warum eigentlich nicht?

Warum eigentlich nicht?

Hat sie später nach unserem Drink nochmal gesagt.

Als ich sie gefragt habe, wollen wir uns wiedersehen.

Es ist sogar natürlich, dass man der Gelegenheit nachgibt.

Naturtrieb. Bei Hunden vielleicht.

Bei Menschen zeugt das von Verrohung.

Ein der hat schnelles zur Sache kommen.

Ich sage Ihnen mal was.

Nur das Zögern ist human.

Sie halten mich für oberflächlich.

Für unsensibel.

Ich frage mich, wohin ich mich noch wünschen könnte auf diesem grausigen

Planeten.

Trinken wir noch einen halben?

Wir sollten jetzt lieber gehen.

Noch einen halben. Ich komme die Kurven zum Haus nicht mehr hoch. Ach.

Noch können Sie fahren.

Nein, tut mir leid.

Wo kommen Sie?

Einen kleinen halben. Ihr Konto -Pfeffer wurde.

Machen wir halbe halbe.

Na mal, sind Sie völlig durchgeknallt?

Sie wissen doch, ich bin potenzieller Selbstmörder.

Na, komm, gehen Sie schlafen. Ich habe genug von Ihnen.

Hey, komm, geben Sie mir den Schlüssel her.

Sie kriegen ihn nur, wenn ich Sie zu Fuß begleiten darf.

Ich brauche frische Luft.

Das tut uns beiden gut.

Erst den Schlüssel.

Sag mal, sind Sie komplett bescheuert? Geben Sie mir den Schlüssel.

Kleiner Scherz.

Sie wollen doch auch noch nicht alleine sein.

Das spüre ich doch.

Ah ja?

Und Sie sind Psychologe?

Musiker.

Am Winterthurer Stadthorchester.

Da habe ich auch meine Frau kennengelernt.

Was spielen Sie denn?

Pico -Luftlöte?

Kontrabass. Genau.

Das ist ja nicht mit anzusehen. Komm, gehen Sie her. Nein, ich habe Sie

gezwungen. Also bin ich auch fürs Gepäck verantwortlich.

Ich darf mich gar nicht umbringen.

Dann würde ja niemand mehr an Sie denken.

Dann würde sie endgültig sterben.

Sind da sonst keiner, der an Sie denkt?

Normalerweise verblasst die Erinnerung ja halbwegs schnell.

Dagegen will ich ankämpfen.

Für mich lebt sie.

Ich weiß nicht, ob Sie das verstehen.

Das verstehe ich schon, aber das Leben... Ja, ich weiß.

Das Leben geht weiter.

Aber das ist ja eine Banalität.

Es gibt nichts Traurigeres als eine Zahnbürste, die einsam im Becher steht.

Woran ist Ihre Frau gestorben?

Krebs?

Hatte sie einen Unfall?

Hat sie sich umgebracht?

Noch vor ein paar Monaten.

Zu Allerheiligen.

War sie da unten, im Kurhotel.

Ah ja?

Die Frau, von der ich ihn erzählt habe, auch.

Sie hätten sich begegnen können.

Wollen Sie nicht lieber umkehren?

Man soll nichts Angefangenes abbrechen.

Das Gewitter ist noch weit entfernt.

Es muss das Herz bei jedem Lebensrufe bereit zum Abschied sein und neu

Sich in Tapferkeit und ohne Trauer in andere neue Bindungen zu geben.

Hermann Hesse

Meine Frau hat dieses Gedicht geliebt.

Ich habe es immer für kitsch gehalten.

Jetzt bin ich doch froh, dass ich Sie mitgenommen habe.

Wieso? Vor kurzem habe ich meinen Freund und Mitbewohner hier tot aufgefunden.

Hat er sich umgebracht?

Nee, Herzklappenfehler. Das Tragische an der Geschichte, er hatte gerade die

Frau seines Lebens gefunden.

Vorher war er krankhaft gehemmt gewesen, wie er mir gestand.

Ich bringe Ihnen ein Handtuch.

Was zu trinken, wäre mir lieber.

Hier auf diesem Sofa habe ich ihn gefunden.

Zusammengekrümmt.

Ameisen.

Fliegenschwärme auf und drauf.

Boah, das war grauenhaft.

Kommen Sie.

Setzen Sie sich.

Wollen Sie auch was trinken?

Ich bitte darum.

Guck mal, wie seine Freundin einen Film entwickelt, der noch in seiner Kamera

war.

Als er die Fotos ansah, war sie entsetzt.

Sie zeigten ausnahmslos eine ältere Dame, nackt, in den obszönsten Posen

auf diesem Sofa.

Wer war diese Frau?

Keiner aus unserem Bekanntenkreis hatte die vorher gesehen.

Schwer vorstellbar, aber anscheinend führte mein Freund ein ausschweifendes

Doppelleben. So ist es mit der menschlichen Natur.

Nein, nein.

Er hatte Angst.

Er hatte Angst, seiner Auserwählten ein ungeschickter Mann zu sein.

Er bestellt eine Dame vom Fach für Übungszwecken.

Und als sie ihn drastisch animiert hat, vergeht ihm die Wurst.

Aber wie kommt er aus der Sache raus?

Ich will dich doch noch fotografieren.

Genau so wird es gewesen sein. Ich bin beeindruckt.

Der Freund war ein anständiger Kerl.

Der Beweis für Liebe und Treue.

Prost. Prost.

Haben Sie noch eine Flasche?

Vielleicht im Teller.

Lebensrufe. Dort zum Abschätzern nochmal beginnen.

Wie ist eigentlich Ihre...

Freundin. Valerie, warum?

Nur so, damit ich es mir besser vorstellen kann.

Und Ihre verstorbene Frau?

Bettina.

Freundin, komm, setz dich zu mir in den Kamin.

Wie lange stehen Sie denn schon da?

Ich wollte Ihnen vorschlagen, ich könnte Ihnen ja morgen noch mal auf den Nerven

gehen.

Wieder zum Essen?

Ja.

18 Uhr?

Sind Sie ganz vom Hotel?

Nein, ich werde nur eine Sekunde. Nein, dann Sie dürfen hier nicht parkieren.

Dort drüben ist der öffentliche Platz. Nein, bitte.

Hallo?

Ich habe einen Brief für einen Gast.

Zimmernummer steht drauf.

Gut. Legen Sie einfach auf den Tresen.

Vielen Dank.

Ich komme runter.

Sie

sind

blass?

Wie geht es Ihnen?

So, so, lala.

Hab drin reservieren lassen.

Wieso nur lala?

Weil ich total verkatert bin.

Hab heute nichts auf die Reihe gekriegt.

Zwei Absätze hab ich geschrieben.

Völlig verlorener Tag.

Ich glaube, Sie haben mehr Freude, wenn Sie heute alleine sind.

Das ist nicht Ihr Ernst. Willst du bleiben?

Mein voller Ernst.

Ich hab mich auf den Abend mit Ihnen gefreut.

Gefreut? Ja.

Wirklich? Wirklich.

Na, worauf warten wir?

Sie haben doch reserviert.

Für mich heute nur Wasser.

Voluntieri. Ah, se volete, signori, oggi ce l 'abbiamo il filetto di coniglio.

Zweimal?

Benissimo, grazie.

War sie eigentlich zur Kur drüben?

Wer? Die Kaninchenfrau.

Nervenprobleme, vegetative Labilität.

Ich glaube, dass Sie nicht wirklich an meiner Ferien interessiert sind.

Warum glauben Sie das?

Was fragen Sie noch, Sie glühender Verfechter der großen Liebe? Die Liebe

braucht nicht verfochten zu werden.

Genauso wenig wie die Sonne. Die ist da und die ist nicht da.

Also, wir waren bei der ersten Begegnung im Park.

Wie ging das weiter mit Ihrer...

Amelie. Valerie, sie hieß Valerie.

Na ja, ich... Ich stelle mir das ganz gerne plastisch vor. Wie sah sie aus?

Na ja, sie hatte ein schönes, hübsches Gesicht.

Und so Haare, die... Na jedenfalls traf man es eine Woche später wie verabredet

wieder. An derselben Stelle.

Süß. Nein, trostlos, Herr Doktor.

Betrachten Sie die Dinge immer so oberflächlich?

Nur wenn mich eine attraktive Frau verwirrt.

Aber Sie haben recht, es ist trostlos.

Liedlos trifft es noch eher.

Woher wissen Sie, dass ich einen Doktortitel habe?

Es gibt Suchmaschinen im Internet.

Und was machen Sie beruflich?

Ich schlage vor, dass wir darauf verzichten, uns gegenseitig

Dann verraten Sie mir wenigstens Ihren Namen.

Für die Suchmaschine.

Sie sind verheiratet?

Es packte mir, dass sie gebunden war. Ich fühlte mich freier so und

herausgefordert da.

Irgendwas ging von ihr aus, was mich faszinierte. Irgendein Geheimnis.

Das hat mich unwahrscheinlich angemacht.

Und noch was hat mich angezogen.

Sie ging so auf die 40 zu, schätze ich.

Ein Alter, in dem die Frauen meiner Erfahrung nach die optimale Genussreife

haben.

Was denn?

Finden Sie den Ausdruck abstoßend? Auf Aprikosen und Käse angewandt?

Durchaus nicht.

Beziehen Sie weiter.

Na ja, jedenfalls war sie... Reif?

Ja.

Meine Gedanken kreisten täglich um sie, was eigentlich unüblich ist für mich.

Gemein gilt sowas als Verliebtheit.

Ach was.

Wahrscheinlich nicht verliebter als ein Jagdhund ins Wild.

Aber er hat es ja dann sicher bald erlegt.

Der Jagdhund, das Wild, meine ich.

Nee, ganz so leicht hat sie es mir nicht gemacht. Was den Reiz natürlich noch

steigerte.

Wissen Sie, was ich schön finde?

Nein, was?

Dass Sie nichts forcieren.

Das würde ich aber gerne.

Haben Sie Geduld?

Wieder am Mittwoch?

Vielleicht habe ich bald mehr Zeit für Sie.

Ist das ein Versprechen?

Sagen wir eine Option.

Sie hat Ihnen also in Aussicht gestellt, bald mehr Zeit für Sie zu haben.

Der Ehemann muss ja ein Volltrottel gewesen sein.

Nein, von dem hat sie immer nur mit höchstem Respekt gesprochen.

Sie war in dem Bett.

War fantastisch.

Sie war, wie soll ich das sagen, auf eine reservierte Weise leidenschaftlich.

Als schreie sie nach innen.

Ich habe noch nie erlebt sowas.

Darf ich Ihnen das Du anbieten?

Ich heiße Thomas.

Felix.

Und sonst war nichts, außer Sex.

Wie meinen Sie das?

Pado, wie meinst du das?

Ein guter Sex reicht doch.

Du fühlst doch nicht mit deiner Maschine, sondern mit einem Menschen.

Allerdings, Gott sei Dank.

Aber muss man sich für so ein Sexabenteuer mit Problemen belasten?

Was heißt belasten?

Jeder hat nun mal Probleme, Sorgen, Ängste.

Du denkst an deine Frau.

Valerie war gesund.

Oder weißt du das?

Hast du sie gefragt?

Nein, aber was kommt aus heiterem Himmel?

Sie hatte plötzlich immer mal wieder Kopfschmerzen.

Ich habe das aufs Wetter zurückgeführt, auf Stress, auf eine mögliche

Schwangerschaft.

Bis sie mich eines Tages verzerrt sah.

Wir sind sofort zum Arzt gegangen.

Ich vermute ein Astrophytom aus den sternförmigen Stützfällen des Gehirns.

Der Tumor muss unbedingt operiert werden.

Wie gut oder bösartig er ist, kann man erst nach der Operation beurteilen.

Meine Frau blieb geradezu gespenstisch gelassen.

Sie ließ ein Klavierstimmer kommen.

Als wäre es jetzt das Dringlichste.

Vielen Dank.

Ich möchte ihre Beine küssen, gnädige Frau.

Langsam, bis ganz nach oben.

Ich möchte ihre Beine küssen, gnädige Frau.

Langsam, bis ganz nach oben.

Du bist zu langsam.

Ja, ich kann mich nicht konzentrieren.

Es kommt mir vor... Was, als würdest du schon üben für meine Trauerfeier?

Da wir schon bei Geschmacklosigkeiten sind, da ist die Nachricht für dich noch

nicht abgehört.

Was für eine Nachricht? Von wem?

Von deinem Klavierstimmer, denke ich.

Ich möchte ihre Beine küssen, gnädige Frau.

Langsam.

Bis ganz nach oben.

Ich weiß nicht, was daran so lustig ist.

Komm, ist doch rührend.

Gnädige Frau.

Deine Beine will er küssen.

Langsam. Bis ganz nach oben.

Wie kommt du auf die Idee?

Hast du ihn irgendwie ermuntert?

Nicht, dass ich wüsste.

Du scheinst dich noch darüber zu freuen.

Ist doch ein nettes Kompliment.

Nett? Diese offene Aufforderung zum Tanz?

Ich muss ihn ja nicht annehmen.

Mein Gott, das ist ein junger Mann, bei dem die Hormone durchtreten.

Der will doch ganz was anderes stimmen.

Dieses scheiß Parier.

Die Gedanken sind frei.

Willst du mich eifersüchtig machen?

Bist du doch schon die ganze Zeit.

Weißt du, seit ich von meinem Tumor weiß, da kommt mir fast alles irgendwie

harmlos und lustig vor.

Ich verstehe.

Ich habe mir oft gewünscht, von dir nicht immer verstanden zu werden.

Verstehe ich auch.

Natürlich war meine Eifersucht lächerlich.

Eifersucht ist immer lächerlich.

Klar, wenn man von Kaninchen zu Kaninchen hoppelt, kennt man keine

Ich finde es ein bisschen unfair, mir vorzuwerfen, dass ich noch nicht die

fürs Leben gefunden habe.

Suchst du denn?

Jedenfalls verging damals kein Tag ohne Angst um sie.

Nachts lag ich stundenlang wach.

Mach doch Licht, wenn du nicht schlafen kannst.

Mich stört's nicht.

Gib doch zu, dass du Angst um mich hast.

Ich kann dich doch damit nicht auch noch belasten.

Lass es mich doch nicht.

Lieb mich, dann geht es mir gut.

Schon nach unserem ersten Mal hattest du heiße Hunger.

Du bist nicht krank.

Bin ich auch nicht.

Ich habe nur einen Stern im Kopf, der strahlt und will in mir bleiben.

Und wenn du dich einfach nicht operieren lässt?

Dann sterbe ich todsicher.

Die alten Trager.

Haben ihre Tote mit Musik, Tanz und Gelächter bestattet. Weil sie den Leiden

Lebens entkommen sind.

Das müsstest du auch machen. Für mich tanzen.

Dein Verstand. Ich werde tanzen.

Wenn du geheilt bist.

Mit mir?

Mit dir.

Fast beneide ich dich um eure Liebe.

Beneiden?

Die Zeit bis zur Operation war die Hölle.

Das kannst du überhaupt nicht nachempfinden.

Wahrscheinlich starb ich nur unter Messer.

Warum sagst du sowas?

Mein Stern?

Ich glaube, der ist einfach von außen nach innen gewandert, weil ich ihm nicht

gefolgt bin, meinem guten Stern.

Was du für Ideen hast.

Er wird sich wehren.

Nein, das wird er nicht.

Doch, das wird er.

Aber wenn nicht... Was dann?

Dann muss alles anders werden.

Was alles?

Weiß auch nicht.

Alles Gute.

Kann ich Sie

kurz

unter vier Augen sprechen?

Also, der Tumor Ihrer Frau, der hat sich zwar nicht als absolut gutartig

herausgestellt, aber, wie wir Mediziner sagen, als noch gutartig. Der hat auch

nicht gestreut.

Was heißt das?

Das ist gut.

Das sind gute Nachrichten.

Heißt das, dass meine Frau wieder völlig gesund wird?

Wir werden das beobachten müssen.

Alles ist gut.

Du wirst gesund.

Schlaf, Bübchen, liebes Bübchen, schlaf ein.

Ich bin so groß und du bist so klein.

Schließ deine Euglein, bist ja so müde.

Mutti gibt Obacht, dass nichts geschieht.

Du bist so ein schrecklich nervöses Kind.

Dein Kopf war schon dreimal kaputt. Und wenn ich ihn noch mal zerschlagen finde,

dann mache ich es nicht mehr gut.

Das

ist eine traurige

Geschichte.

Wieso? Sie ist doch gut ausgegangen.

Aber offensichtlich nur für eine kurze Frist.

Woran ist sie denn schließlich gestorben?

Ist der Tumor zurückgekehrt?

Das mit dem guten Stern, dem sie hätte folgen sollen.

Musste dir das nicht zu denken geben?

Schon.

Aber ich habe gedacht, der Stern, das wäre ich.

Unsere Ehe.

Jetzt sage ich dir mal was.

Im Ernst, als Freund.

Du musst dich innerlich von ihr lösen.

Alles andere wäre selbstverschwörerisch.

Stell dir vor, sie hätte dich betrogen.

Mit irgend so einem Halodri.

Mit einem wie mir.

Ich meine, sie hätte doch wirklich was mit diesem Klavierstimme anfangen

Hättest du die Größe gehabt, ihr zu verzeihen?

Warum nicht?

Außerdem habe ich immer gewusst, dass sie mir innerlich treu gewesen war.

Ein anderer Fall ist natürlich, ob ich ihm verziehen hätte.

Es wäre ihm wahrscheinlich herzlich egal gewesen.

Nicht, wenn ich ihn umgebracht hätte.

Was war eigentlich der Grund dafür, dass deine... Valerie?

Dass die fremdgegangen ist?

Na, ich?

Schön mit dir.

Schöner als mit deinem Mann?

Nicht schöner.

Anders.

Was für ein Mensch ist er?

Ein guter.

Warum fragst du?

Nur so.

Ich versuche mir vorzustellen, was für eine Art von Beziehung er führt.

Eine lange Beziehung.

Liebst du ihn so, wie du nicht lebst?

Dich liebe ich mehr so im Vorübergehen.

Und das tut mir gut.

Das war alles so leicht mit ihr.

Leicht?

Wie leicht?

Ja.

So leicht.

Ja, sehr schön.

Warum hast du eigentlich in letzter Zeit so viel mehr Zeit für mich?

Ich wohne momentan bei meiner Schwester.

Warum das denn?

Nur so.

Nur so?

Du fliegst von zu Hause aus, ohne mir was zu sagen?

Weiß dein Mann von mir?

Warum machst du das?

Warum gefährdest du deine Ehe?

Ich habe einfach mal Zeit für mich gebraucht. Das hat nichts mit dir zu

Keine Angst.

Ich habe keine Angst.

Dann ist ja gut.

In dieser Nacht schlief ich fast wütend.

Heftig mit ihr.

Ohne Vorspiel.

Und ihr hat es gefallen.

Deine Bettgeschichten interessieren mich nicht.

Wir gehen wieder zu Fuß.

Schreiben Sie es auf mein Zimmer, Zimmer 4.

Gerade Frauen, die in festen Händen sind und sich durchaus geborgen fühlen, die

brauchen auch was anderes.

Ich meine, die Bettflasche, die ist solide, strahlt gemütliche Wärme aus,

romantischer, knisternder ist das Feuer.

Ich verstehe.

Was meinst du?

Kam deine Valerie aus einer intakten oder einer verlotterten Ehe?

Ich habe es nicht herausgefunden. Sie wollte ja nie darüber reden.

Meine Frau hat sich nach der Operation verändert.

Sie wurde immer unberechenbarer.

Willst du welche zum Nachtisch?

Ich habe nur Angst, dass sie schon vorher aus sind.

Entschuldigung, haben Sie noch frische Himbeeren?

Ja.

Glauben Sie, ich könnte einen Teller bekommen?

So einfach ist das.

Was soll das?

Wieso ziehst du in ein Apartment?

Das habe ich dir doch gesagt.

Ich will mal eine Zeit lang allein sein.

Zu mir kommen.

Wenn dir das nicht genügt als Erklärung?

Nein.

Tut es nicht.

Dann frag mich doch gleich, ob ich einen Liebhaber habe.

Hast du einen Liebhaber?

Wenn ich einen hätte, glaubst du, ich würde es dir sagen?

Warum nicht?

Weil du zusammenbrechen würdest.

Und das würde dich stören, ja?

Ich liebe

dich.

Vertrau mir einfach.

Ich vertraue dir.

Ist da mal ein Lädchen drin oder bist du reingefallen?

Valerie?

Ich bin gleich bei dir.

Was ist denn los?

Nichts. Lass mich bitte einen Moment allein.

Kann ich irgendwas tun?

Lass mich allein!

Vielleicht hat sie sich zerrissen gefühlt.

Vielleicht hat sie ihren Mann immer noch geliebt.

Ja, und wenn schon.

Sie hat genau gewusst, worauf sie sich mit mir einlässt. Sie hat es gewollt,

hat es sogar genossen.

Frauen können ganz schön brutal sein.

Valerie hat mich zum Beispiel über Allerheiligen ins Crewhotel bestellt.

Und sich mir dort dann verweigert, mich am langen Arm verhungern lassen.

Wer weiß, vielleicht hat sie sich ja inzwischen den anderen angelacht.

Oder sie wollte sich mit ihrem Mann versöhnen.

Die Affäre mit dir gestehen. Warum verteidigst du sie? Du kennst sie ja gar

nicht.

Und du bist einfach hingedackelt, ja?

Ja, aber nur um Schluss mit ihr zu machen.

Thomas, das ist Eva.

Guten Tag.

Eva ist Atemtherapeutin hier im Hotel.

Sie hat mir in den letzten Wochen sehr geholfen. Jetzt übertreiben Sie aber.

Doch, wirklich.

Was ist denn mit deinem Finger passiert?

Ach,

ich bin gestolpert. Im Wald über eine Wurzel.

Ist er gebrochen?

Nur verstaucht, nichts Schlimmeres.

Wollen wir nachher eine Kleinigkeit essen gehen? Ja.

Ich hole noch schnell meine Sachen.

Sind Sie öfter hier in der Gegend? Ja, sehr oft. Ich habe ein Ferienhaus gleich

da am Hang.

Und Sie, Sie arbeiten schon länger hier?

Knapp, ja.

Und, gefällt es Ihnen?

Ja, sehr.

Ich hoffe, die Pause ist gleich zu Ende.

Schade.

Sind Sie denn länger hier?

Eigentlich wollte ich morgen abreisen, aber das lässt sich im Notfall ändern.

Im Notfall.

Schon am nächsten Tag stand sie vor meiner Tür.

Dabei wusste sie ja von Valerie und mir.

Hallo?

Hallo? Ich sag dir, Frauen kennen keine schwesterliche Rücksicht, wenn sie einen

Mann begehren.

Sie war ein glühender Vulkan.

Oh!

Wird irgendeine Frau ins Bett gehen, ohne die Dache mit Valerie anständig

beendet zu haben?

Das ist meine Richtung.

Obwohl ich das ein Scheißdreck angehe.

Ich habe mit dir Schluss gemacht, bevor ich mit Eva geschlafen habe.

Und jetzt hau ab, du Arschloch, verschwinde!

Wie hast du mir den Schluss gemacht?

Das will ich genau wissen, du.

Wissen, was interessiert dich das?

Hau ab!

Ich höre.

Nur wenn du dich danach vom Acker machst.

Ich will dir noch was sagen.

Ja, was denn?

Dass du was ganz Besonderes für mich bist.

Und dass ich diesen Augenblick gerne für immer festhalten würde.

Lügner.

Ich gefällt dir gerade.

Ich finde sie ganz nett.

Ganz nett?

Wolltest du mir sagen?

Peter, ich will jetzt hier die schöne Stimmung nicht zerstören.

Ich wusste gar nicht, dass du so feige bist.

Alle Männer sind feige.

Ich bin auch mit auf ihr Zimmer gegangen.

Und dort wusste ich, wenn ich es jetzt nicht schaffen würde zu reden, dann

ich es nie schaffen.

Ich werde es verkraften.

Was? Was du mir eröffnen möchtest.

Komm, setz dich noch mal zu mir.

Valerie ist es besser.

Für uns beide.

Ich bin nicht der Richtige für dich.

Aber es fehlt es.

Das wusstest du von Anfang an.

Natürlich. Ich wollte es dir schon erzählen.

Flieg. Wir haben nie wieder was voneinander gehört.

Wahrscheinlich ist sie zu ihrem Mann zurück.

Das machen die meisten, wenn sie mit mir fertig sind.

Sollte ein Männer geben, die ihre Frauen tröstend in die Arme nehmen.

Wenn sie nach so einer bitteren Enttäuschung völlig verheult wieder

zurückkommen.

Du hast sie nie wieder gesehen?

Nein, und jetzt hau ab.

Du wirst ja meine Geschichte auch anhören.

Bis zu Ende.

Ob du willst oder nicht.

Du bist irre.

Du bist komplett irre.

Sie kehrte zu mir zurück.

Aber nur um mir mitzuteilen,

Sie würde auf ärztliches Anraten zur Kur fahren.

Und sie würde sich freuen, wenn ich sie besuchen käme.

Für lebensmüde.

Schön, dass du gekommen bist.

Du hast wieder die ganze Nacht mit den Zähnen geknirscht.

Oh, es tut mir leid.

Warum hast du mich nicht geweckt?

Habe ich ja mehrfach.

Man war kurz Ruhe.

Und dann hat es so weit geknirscht.

Du weißt das im Rechen, aber ich steigere innere Unruhe.

Was beruhigt dich denn so?

Keine Ahnung.

Gar nichts.

Ja, aber ich muss auch schlafen können.

Es war Ihre Idee, drüben im Milano nachzufragen, ob noch ein Zimmer frei

Es war auch Ihre Idee, dass ich mir ein Fernrohr kaufte, um Sie beobachten und

Dir auf diese Weise nahe sein zu können.

Einmal haben wir dann noch zu Abend gegessen.

Frische Himbeeren. Ich weiß, die Himbeeren zuerst.

Einen Dreck weißt Du!

Bist Du fertig?

Bitte schlafen gehen.

Für alle Heiligen bin ich dann früher als gewöhnlich aufgestanden.

Von einer seltsamen Unruhe befallen.

Sie tauchte nicht auf.

Sie war auf den nassen Fliesen im Hallenbad ausgerutscht.

Und mit dem Kopf auf den Beckenrand geschlagen.

Dann hat sie ins Krankenhaus gebracht.

Ich bin sofort hin.

Sie lag schon im Koma.

Schloss die Augen aber erst, als meine Hand in ihrer lag.

Felix, das alles tut mir leid.

Und ich hoffe, dass du irgendwann drüber herkommen wirst.

Ja.

Das hoffe ich auch.

Kennst du die Ballade Die Füße am Feuer von Konrad Ferdinand Mayer? Ja, wir

haben die irgendwann in der Schule durchgenommen.

Aber ich kann mich nur noch an einen Detail erinnern, dass die Haare eines

Mannes grau wurden, über Nacht.

Ein Detail ist das nicht.

Seine Haare wären grau, weil er einen Rat des französischen Königs

der seine Frau zu Tode folterte. Ja, indem er ihre Füße ins Feuer steckt. Um

zum Verrat an den Mann zu zwingen.

Irgendwann begreift der Gast wen er vor sich hat.

Das ist grauenhaft.

So ist das bei ihm.

Und als sie sich am Morgen trennen, lobt er vor der Knecht die Klugheit seines

Gastgebers, die ihm kein Haar gekrümmt habe, da er wisse, dass er des größten

Königs eigen sei.

Der andere spricht.

Du sagst, dem größten König eigen, heut

ward sein Dienst mir schwer.

Gemordet hast du teuflisch mir mein Weib und lebst.

Mein ist die Rache, redet Gott.

Bist du auch so großzügig gewesen, den man leben zu lassen?

Der, der die Frau genommen hat?

Ich bin nicht verheiratet.

Ich würde ihn mit dem Schürhacken totschlagen, ihn in den Kamin schmeißen

zu sehen, wie er qualvoll verbrennt.

Was sagt der Jurist?

Kommt man da ins Gefängnis oder nicht?

Das sind ja nur Umstände.

Wenn die Tat spontan geschieht?

Spontan, vorsätzlich. Ich glaube, es ist ein Mann, der von Rache getrieben wird,

der denkt an sowas.

Vielleicht will er sich ja selbst umbringen.

Erst den einen töten, dann sich selbst.

Dann gäbe es aber keinen mehr, der an seine Frau denkt.

Dann wäre auch sie endgültig gestorben.

Du bist ein guter Zuhörer.

Hast aber nichts begriffen.

Vergiss nicht, Türen und Fenster gut zu verriegeln.

Eva. Eva.

Ich muss dich was fragen. Ich habe jemanden kennengelernt. Mal wieder.

Ja, einen Mann. Ich habe einen Mann kennengelernt.

Thomas, in fünf Minuten ist Arbeit. Valeries Ehemann.

Valeries Mann ist hier.

Ja, er war hier drüben in Milano.

Ja, und?

Weißt du, was es ihr geworden ist? Sie ist wirklich hier gestorben. Was?

Zu Allerheiligen im Heimbad. Hat er das behauptet? Ja, hat er.

Jetzt krieg dich mal wieder ein.

Valerie lebt.

Und wieso erzählt er dann, dass sie im Hallenbad ausgerutscht ist und im

Krankenhaus gestorben ist? Ich meine, wir kommen von so einer perversen Idee.

Naja, sie ist gestürzt.

Also doch.

Ja, aber sie hat sich mit dem Finger verstaucht.

Das war im Wald, weil sie über eine Wurzel gestolpert ist.

Ja, sie wollte dir halt nicht den wahren Grund sagen.

Sie hat an diesem Tag endgültig mit ihm Schluss gemacht und ihm den Ring

zurückgegeben.

Weißt du eigentlich, was du Valerie damals angetan hast?

Wieso ich?

Eure Affäre hat sie dermaßen aus der Bahn geworfen, und als du sie dann

abserviert hast... Abserviert? Eva, sie hat es akzeptiert.

Akzeptiert? Verzweifelt war sie. Ich musste sie in den Arm nehmen und

obwohl ich wahrscheinlich noch nach dir roch.

Wenn ich mich nicht irre, hast du dich höchst bereitwillig mit mir vergnügt,

oder?

Bei dir kann man sich leicht vergessen.

Und das tut manchmal ganz gut, auch wenn es nicht lange anhält.

Valerie hat die Trennung nie verschmerzt.

Warum nicht? Sie wusste von Anfang an, dass es nicht ewig dauern würde zwischen

uns.

Ich meine nicht eure Trennung.

Ich meine die von ihrem Mann.

Und warum ist sie dann nicht zu ihm zurück?

Wenn sie ihn so geliebt hat?

Geliebt? Was verstehst du davon?

So eine Liebe wie zwischen Felix und Valerie werden du und ich nie erleben.

Sieh doch das an.

Was hast du von mir?

Was willst du hier?

Wie bist du reingekommen?

Ich habe dem Zimmermädchen gesagt, ich möchte meine Frau überraschen.

Ich habe ihr mein neues Weiß gezeigt, ein bisschen Geld gegeben.

Weißt du, wie man sowas nennt?

Stalking. Ich werde wohl mit der Frau, mit der ich immer noch verheiratet bin,

ein paar Worte reden dürfen. Nein, das darfst du nicht.

Ich habe dir gesagt, du sollst mich in Ruhe lassen.

Ich will deine Briefe, Mails und SMS -Nachrichten nicht.

Wie konntest du dich nur mit dieser Giraffe einlassen?

Mit was?

Mit diesem Anwalt.

Du weißt über ihn Bescheid.

Ich habe die beiden letzten Abende mit ihm verbracht.

Und wenn er mir noch einmal über den Weg läuft,

Bring ich ihn um.

Ich möchte mich jetzt bitte anziehen. Lass mich allein und geh jetzt.

Du hast uns damals zu Allerheiligen beide hierher bestellt.

Dein Mann und dein Liebhaber.

Wolltest dir wohl alle Optionen offen halten.

Warum haben wir es nicht gleich zu dritt getrieben? Hör auf, das ist unter

deinem Niveau. Und unter deinem Niveau ist es, dass du dir eine Wohnung

hast. Und ich habe mich mit deinem Liebhaber zu treffen.

Dem du wiederum erzählt hast, du wärst zu deiner angeblichen Schwester gezogen.

Ich hätte nie gedacht, dass du es so verloren sein kannst.

Hast du dich hier eingeschlichen, um mich zu beschimpfen?

Groß ist er ja.

Stattlich.

Das ist natürlich was anderes als ich, ja.

Komm mal auf.

Es tut mir weh, wenn du dich so demütigst. Den, den anderen. Mir liebt

der Schwächere und demütigt sich.

Glaubst du wirklich, du liebst mich mehr als ich dich?

Ist es nicht so?

Du hast doch keine Ahnung.

Warum kommst du nicht zu mir zurück?

Es wird nie wieder so sein wie früher.

Das macht nichts.

Was glaubst du, wie mir zumute war, als das mit Thomas begann?

In dem Zustand konnte ich mich dir nicht vermuten. Es hätte dich krank gemacht

und mich auch.

Ich bin nicht so kleinlich, wie du denkst. Das sehe ich.

Du willst meinen ehemaligen Liebhaber umbringen.

Du verfolgst mich mit Mails, mit Anrufen und sogar mit einem Brief, in dem du

mit Selbstmord drohst, nur um mich zu erpressen.

Denkst du, es ist mir nicht ernst damit?

Dann mach doch zu, Felix.

Ich will nicht länger leiden.

Ich will leben.

Du willst also, dass ich mich umbringe?

Kann ich Ihnen helfen?

Soll ich einen Arzt rufen?

Bitte.

Ich habe diesen Mann so geliebt.

Es ist besser, ich rufe einen Arzt. Sollen Sie einfach sehen, ich komme

wieder.

Ich habe ihn so geliebt und jetzt bringt er sich um.

Signore, scusi, solo perios, bitte.

Nur für Hotel Gäste, bitte.

Hallo?

Signore, bitte, Sie können da drüben parkieren, da ist öffentliche

Bitte, Sie sehen hier falsch, Sie müssen umparkieren.

Verflinde!

Halt!

Lass mich in Ruhe!

Mensch, Felix, hör auf!

Wir haben die Akten studiert, den Beschuldigten zur Person und zur Sache

und nun die Plädoyers der Staatsanwaltschaft, der geschädigten

der Verteidigung gehört.

Die Anträge der Parteien liegen weit auseinander.

Das Gericht wird sich nun zurückziehen und über die Qualifikation der Tat und

die dafür angemessene Bestrafung beraten. Dies wird einige Zeit in

nehmen. Ich bitte Sie, sich um 14 Uhr wieder hier einzufinden.

Wir werden Ihnen dann das Urteil mündlich eröffnen und kurz begründen.

Wenn du weniger als zwei Jahre bekommst, wird die Strafe zur Bewährung

ausgesprochen. Ja, ich weiß.

Ich werde jetzt gehen und nicht bis zum Schluss bleiben.

Was machst du jetzt mit deinem Leben?

Mach's gut, Felix.

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