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* Klaviermusik *
* Frauenstimme summt zur Melodie. *
Lotte Brendel Paul Seligmann
Walter Gropius Friedl Dicker
Was machen die da?
(um) Die spinnen doch.
Komm, hinterher!
Lotte, Warte.
Warte!
Komm, hinterher.
He.
* Gejohle und Lachen *
Vater wartet mit Oelkers auf dich.
Das sind Bauhäusler.
Komm jetzt, wir gehen.
Lotte! Lotte, hör auf oder ich kriege auf der Stelle mein Kind.
Hörst du auf! Oder ich sag's zu Hause.
Komm zu uns. Na, komm schon.
Der Rock war frisch gewaschen.
An dir ist wirklich ein Junge verloren gegangen.
Ich will da nicht rein. Der ist ekelhaft.
Keine Diskussion. - Wo bleibst du denn?
* Lautes Uhren-ticken *
Ihre Frau Mutter hat mir gesagt, dass Sie
leidenschaftlich gerne zeichnen und malen.
Reine Zeitverschwendung.
Sie hat das Lyzeum bis zur mittleren Reife absolviert
und war auf der Berufsvorbereitungsschule.
Sie ist mir eine große Hilfe im Büro.
Der Kopf ist gut...
aber zu eigenwillig.
(Vater) Herr Oelkers möchte,
dass wir sein Haus in der Kunstschulstraße
mit neuen Fenstern und Türen und einem neuen Dachstuhl ausrüsten.
Tja.
Was sagst du dazu, Lotte?
* Wiederholter dumpfer Uhren-schlag *
* Es klopft. *
Hallo.
Hier. Steck's gut weg.
Morgen ist Generalstreik. Pass auf dich auf.
Wenn er fragt, du bist bei Tante Enna.
Die ist krank und liegt im Bett.
Was hat sie denn?
Nichts. Das sollst du nur sagen.
Wie erwachsen du geworden bist.
Schlaf gut. Gute Nacht.
(Lehrer) "Andre zu der Menschheit Qualen,
verlegen wieder sich aufs Malen
und beschmieren ohne Ende, viele schöne Leinenwände."
Haare sollen das sein?
Ich sehe nur Stroh, nichts als Stroh.
Und statt Augen, da haben Sie Knopflöcher gezeichnet.
Wir sind doch hier, um zu lernen
nicht weil wir's schon können.
Wenn Sie dann bitte zum Ende kommen würden.
Und nehmen Sie Ihre Bilder mit.
Ich ertrinke in Ihren Elaboraten.
(Demonstranten) Nie wieder Krieg!
Nieder mit den Kapp-Putschisten! Nie wieder Krieg!
* Trillerpfeife *
* Schuss *
Halt, stehenbleiben!
* Menge ruft durcheinander. *
* Entfernter Schuss *
Was sehen Sie?
* Hundegebell *
Sehr artig.
Wer hat Ihnen das erlaubt?
Als hätten Sie 'nen alten Meister verschluckt.
Das ist frech und arrogant.
War nicht so gemeint.
Ich hab früher selber so Sachen gemalt.
Sind Sie Maler?
Ich studiere am Bauhaus.
Ach so. Einer von den Irren.
Finden Sie es etwa Kunst, wenn man die Werke toter Maler kopiert?
Wie soll's denn Kunst werden,
wenn man noch nicht mal das Handwerk beherrscht.
Malen ist Salonkunst. Schön, aber tot.
Wozu brauchen wir Kunstwerke, die nichts mit dem Leben zu tun haben?
Hier. Die Welt verändert sich.
Die Kunst muss Antworten geben.
Wie können wir unser Leben wieder verlangsamen
und schöne Dinge für alle herstellen,
nicht nur für ein paar reiche Säcke?
Fragen über Fragen und keine Antworten, du Ärmster.
Wir sind beim Du?
Ich bin übrigens Paul.
Weißt du was die Leute übers Bauhaus sagen?
Nein, was denn?
Na ja. Dass ihr Kommunisten seid,
und dass ihr's nicht so genau habt mit den Sitten.
Nacktbaden und jeder mit jedem.
Ja, das ist eine sehr harte Ausbildung.
Erste Stunde Kommunismus, zweite Stunde Nacktbaden
und dann gleich Doppelstunde jeder mit jedem.
Zeigst du's mir?
Das Bauhaus?
Da sind wir.
Das sittenlose, gemeingefährliche Bauhaus.
Komm, wir müssen zum Hintereingang.
Hallo.
Paul. - Paul.
* Laute Küsse *
Wir haben uns Sorgen gemacht.
Du warst plötzlich weg.
Alles in Ordnung.
Ich saß mit dieser Dame in einem Hinterhof fest.
Es hieß, ihr seid verhaftet worden? Nein.
Das ist übrigens Juppi.
Anni, Dörte... Lotte.
Komm wir gehen in die Mensa. Vielleicht gibt's ja Neuigkeiten.
Komm, Juppi.
* Stimmengewirr *
Ist heiß.
Lasst es euch schmecken.
* Eine Tür fällt zu. *
Darf ich kurz um Ihre Aufmerksamkeit bitten.
Vielen Dank.
Das ist Gropius, der Schulleiter. Und der Glatzkopf ist Itten,
sein Stellvertreter.
Ich möchte Sie darauf hinweisen,
dass wir hier an der Schule keine offene politische Agitation
für die eine oder die andere Seite dulden.
Die Agitation erfolgt doch an dieser Schule ausschließlich von links.
* Buhrufe *
Was denn?
Wenn Sie mir mit ihrem Zwischenruf nicht
das Gegenteil beweisen wollten,
dann haben Sie sich gerade selbst widerlegt.
In der Presse und in der Bürgerschaft
sind wir derzeit großen Anfeindungen ausgesetzt.
Wenn Sie dann noch keulenschwingend über den Theaterplatz ziehen,
wird das Bauhaus schnell wieder Geschichte sein.
Draußen wankt die Republik
und wir sollen hier drinnen die Pinsel halten?
Ich möchte nicht mit Ihnen diskutieren.
Kunst hat eine gesellschaftliche Aufgabe,
aber muss sich auf ihre Mittel besinnen.
Sind wir uns da einig?
(alle) Ja, Herr Gropius.
Vielen Dank.
Ich wünsche guten Appetit.
Du kannst nicht Gropius widersprechen.
Wenn er Unrecht hat...
Sag mal, Lotte, willst du dich bewerben oder warum bist du hier?
Schenk ich dir.
Danke.
Das ist übrigens Friedl.
Lotte.
Komm, ich zeig dir was.
Was macht ihr?
Geht dich gar nichts an. Setz dich Friedl.
Komm Lotte.
Die Studenten kommen aus der ganzen Welt ans Bauhaus.
Und wie du siehst, kommen sie sogar aus dem Weltall.
Der Mond.
Hallo. Na, mein Freund?
Hast du gar keine Hände?
Nein, aber Füße mit denen ich dir in den Arsch treten kann.
Er ist sehr unhöflich und eingebildet.
Ich entschuldige mich für ihn.
Oh la la, Mademoiselle Porcelaine. Enchante.
Da lob ich mir doch den Saturn.
Er hat Hände und ist sehr viel umgänglicher, nicht wahr?
Komm meinen Ringen nicht zu nahe, Menschling!
Das Bauhaus verbindet Kunst und Handwerk,
Du kannst frei wählen: Tischlern, töpfern, weben, malen,
Bildhauerei, Metallgestaltung, was du willst.
Dieses Konzept ist einmalig in der Welt.
Der ist von mir.
Ich bin noch nicht ganz zufrieden.
Der Schwerpunkt ist noch zu weit hinten.
Was ist, wenn du...
Guck mal, du könntest die Beine schräg machen.
Und dann würde ich's zapfen, dann ist es stabiler.
Mein Vater ist Zimmermann.
Ich bin praktisch in einer Tischlerei aufgewachsen.
Willst du Möbeltischler werden?
Nee, Architekt.
Es gibt zwar noch keinen Unterricht,
aber Gropius beteiligt uns an den Hausbauten.
Das ist der Entwurf von Gropius
für eine Villa in Berlin. Haus Sommerfeld.
Das Holz ist aus einem alten Dreimaster und hier...
kommt mein Stuhl hin.
Alle Studenten dürfen für das Haus etwas entwerfen.
Kommst du morgen wieder, Lotte?
Ich zeig dir den Unterricht von Itten.
Beginnt um acht. Mhm.
Und jetzt zeig ich dir die Ateliers.
Hier. Vergiss deine Mappe nicht.
Lotte?
Mensch, wo warst du denn? Wir haben uns solche Sorgen gemacht.
Vater ist bei der Polizei gewesen.
Was soll denn passiert sein?
Wo bist du gewesen?
Ich saß in einem Hinterhof fest.
Fünf Stunden? In einem Hinterhof?
Ein junger Mann vom Bauhaus
hat mir geholfen und die Schule gezeigt.
Im Bauhaus? In diesem Kommunistenverein?
Kommt dieser Dreck aus deinem Malkurs?
Nein. Das hab ich selbst gemacht.
Hier werden jetzt andere Seiten aufgezogen.
Ab sofort arbeitest du ganze Tage in meinem Büro!
Und das Haus verlässt du nur noch, wenn ich es dir sage!
Mit diesem Dreck ist jetzt Schluss! Ein für alle Mal!
* Er hustet *
* Melancholische Musik *
Das sind die Stundenzettel und Lieferscheine von Oelkers Haus.
Das muss bis heute Abend fakturiert werden.
Lotte?
Hm?
Wenn du Post wegbringst, bring mir Zigaretten mit
und eine Schachtel Zündhölzer.
Du sollst doch nicht mehr rauchen.
* Der Vater unterdrückt ein Husten. *
(Irm leise) Was wollen Sie?
Ich suche Lotte. Ist die hier?
Ja, die müsste eigentlich oben sein.
* Dialog nicht zu verstehen. *
* Bretter werden gesägt. *
Ich geh doch jetzt schnell.
Da ist Besuch für dich. Wer ist denn der komische Vogel?
Ich weiß nicht.
Was machst du denn hier?
Hallo, Lotte.
Ich wollte dich zu einer Spazierfahrt überreden?
Hat Paul dich geschickt?
Paul? Hmh.
Nö. Ich bin im eigenen Auftrag hier.
Wir können uns ans Wasser setzen.
Komm. Ich muss eh zur Post, das liegt auf dem Weg.
Ich hab Brot dabei und Äpfel.
* Klaviermusik und Summen *
Und... Und Paul? Wie geht's Paul?
Äh. Paul, Paul, Paul. Nee, ich kenn doch gar keinen Paul.
Friedl, ich kann nicht aufhören, ans Bauhaus zu denken.
Komm!
Ist das eine Kamera?
Ja.
Deine? Ja.
Darf ich mal?
Danke.
Ich war vorher in Wien auf der Fotoschule.
Jetzt experimentiere ich am Bauhaus.
Ich dokumentiere die Arbeit in den Werkstätten.
Und mach viel Eigenes. Muss ich dir mal zeigen.
Gehen wir schwimmen?
Ich hab gar nichts dabei.
Du kannst mein Handtuch mitbenutzen, komm.
Wenn du reinkommst, verrate ich dir,
was Paul dir ausrichten lässt.
Ah... ah.
Na los, komm!
Oh Gott, ist das kalt.
Hat dich das Bauhaus so schockiert, dass du nicht mehr wiederkommst?
Nee, mein Vater reißt mir den Kopf ab.
Den Kopf? Mhm.
Das ist ja interessant.
Ach finde ja, die meisten Menschen
haben zu viel Angst vor eingebildeten Konsequenzen.
Ach, Lotte. Den Kuss sollte ich dir von Paul ausrichten.
Warte. Was kann ich denn machen, um ans Bauhaus zu kommen?
Du brauchst eine Mappe mit Zeichnungen.
Du malst doch.
Paul sagt, du kannst tischlern.
Entwürfe und Modelle sind immer gut.
* Anschwellende Musik *
Wer hat denn die Fotos gemacht?
Friedl Dicker.
Bei den Schülern stehen Sie ja wohl hoch im Kurs.
Auch bei Herrn Seligmann.
Sie werden sicherlich verstehen, dass ich mich dadurch
nicht beeinflussen lassen kann.
Es ist eine reine Begabungsprüfung.
Künstlerisch eigenwillig. Handwerklich stark.
Ihre Mappe ragt aus der Menge der Bewerbungen heraus.
Wo haben Sie gelernt zu tischlern?
Bei meinem Vater.
Nun, Fräulein Brendel, wir bemühen uns hier
um ein angemessenes Geschlechterverhältnis
und es bewerben sich zurzeit sehr viele Frauen.
Es tut mir leid, aber ich kann Ihnen nichts versprechen.
Ich kann Ihnen nicht einmal Hoffnungen machen.
Denn die Entscheidung liegt beim Meisterrat.
Ach, da ist sie ja. Vielen Dank.
Sie können den nächsten reinschicken.
Vielen Dank, Fräulein Brendel.
Das akzeptieren wir nicht. Deine Mappe ist fabelhaft.
Wir holen uns eine zweite Meinung von Schlemmer.
Am Ende entscheidet eh der Meisterrat.
Paul, hol kurz Luft und lass Lotte mal erzählen.
Ja, er... er hat gesagt, dass es so viele Frauen gibt,
die sich bewerben, und er mir keine Hoffnung machen kann,
auch wenn meine Mappe herausragt.
Ja, aber Lotte, das ist doch keine Ablehnung.
Gropius hält sich immer ein Türchen offen.
Der ist ein Diplomat.
An deiner Mappe kommen sie nicht vorbei, ganz sicher.
So. Und jetzt trinken wir erstmal einen.
Auf das Glück, das man auch haben muss.
* Klaviermusik *
(flüsternd) ist probeweise vom Rat aufgenommen.
Ja! Ja!
Na, wer schreibt dir?
Was ist das?
Ich kann weiter für dich arbeiten.
Die meisten Kurse sind früh am Morgen.
Viele machen das so.
(Mutter) Das ist nicht dein Ernst, Lotte.
Aber es schadet euch doch nicht und ich lerne.
Das Geld ist schneller wertlos als ich neues heranschaffen kann
und Madame malt jetzt zur Freude
für 180 Mark im Monat bei den Kommunisten!
Dann schlage ich vor, dass du deine Sachen packst!
Das Schulgeld ist sicher ein Klacks für dich!
(Mutter) Gustav! Du schmeißt nicht unsere Tochter aus dem Haus!
Hast du das gewusst?
Mutter hat damit nichts zu tun.
Ich werd ans Bauhaus gehen.
Wenn du glaubst,
dass du diese Entscheidung alleine treffen kannst, gut.
Aber wenn du jetzt gehst, dann gehst du für immer.
(Mutter) Bitte.
* Husten *
Lotte, Lotte, warte.
Lotte, warte!
Wenn du jetzt gehst, dann war's das.
Dich wird keiner wieder nach Hause holen.
Das glaube ich auch nicht.
Wo willst du denn hin? Willst du unter der Brücke schlafen?
Lotte, du könntest alles haben von Vater.
Ich könnte alles haben? Er verbietet mir sogar das Malen,
vom Tischlern ganz zu schweigen, Irm.
Hat's geholfen? Nein. Beides hast du gemacht.
Eine Frau die tischlert, das ist doch...
das ist doch wie ein trainierter Zirkusaffe.
Komm rein. Komm wieder rein. Lotte!
Entschuldige dich bei Vater und alles ist gut.
* Getragene Streichmusik *
(Anni) Ich finde ihre Ideen aber ganz gut.
Ja, es ist gut. Da kann ich ja auch gar nichts dagegen sagen.
Aber sie hat es einfach nicht.
* Dialog nicht zu verstehen. *
Lotte?
Was machst du hier?
Ist alles in Ordnung?
Ich wurde angenommen.
Aber das ist doch großartig!
Mein Vater hat mich rausgeschmissen.
Ich weiß nicht, wo ich hin soll.
Heute kommst du erst mal zu mir.
Lotte...
Paul. Paul, ich glaube, es ist besser, sie kommt zu mir.
Du bist am Bauhaus, Lotte.
* Lotte schnieft. *
Aber Juppi schnarcht.
* Beschwingte Klaviermusik *
(Itten) Guten Morgen.
(alle) Morgen.
Was soll das sein?
Ein guter Morgen klingt anders.
Zu lange gefeiert gestern?
(alle) Nein, Herr Itten.
Bitte stellen Sie sich alle mal aufrecht hin.
Lockern Sie Ihre müden Glieder aus.
Kennen Sie die Vier-Sieben-Acht-Atmung?
Nein? Schließen Sie mal Ihre Augen,
legen Sie die Zungenspitze hinter der oberen Zahnreihe
locker an den Gaumen.
Die Lippen leicht geöffnet
und atmen Sie tief durch die Nase ein.
Zählen Sie dabei bis vier.
Halten Sie nun die Luft an und zählen dabei bis sieben.
Lassen Sie die alte Luft nun ausströmen
und zählen Sie dabei bis acht.
Also, wir machen's zusammen.
* Gruppe atmet hörbar aus. *
Mazdaznan.
Der Gedanke, der alles meistert.
Setzen Sie sich.
So, sehr geehrte angehende Künstler.
Oder wie soll ich Sie nennen?
Warum sind Sie eigentlich in diesem Irrenhaus
und nicht an einer richtigen Kunsthochschule?
Sie wissen doch sicher, was man über das Bauhaus sagt:
Ein Sammelbecken von Spinnern und Klecksern.
Bunte Quadrate, Dreiecke und Kreise.
Das konnten Sie doch alles mit drei Jahren?
Oder etwa nicht?
Wollen Sie Künstler werden?
Vielleicht.
Lassen Sie uns doch mal sehen, ob ein Künstler in Ihnen steckt.
Zeichnen Sie mir den Krieg.
Ich... Sie wollen nicht?
Haben Sie es sich doch anders überlegt?
Sie wollen doch lieber kein Risiko eingehen?
Jemand unter uns, der sich in der Lage fühlt?
Trauen Sie sich.
...will's doch versuchen.
Sie wollen es versuchen?
Mhm.
Waren Sie im Krieg?
Nein.
Wie wollen Sie den Krieg denn dann zeichnen?
Na, jetzt wird's interessant, bitte.
* Anschwellende bedrohliche Musik *
Das reicht, danke.
Hören Sie auf!
* Musik bricht ab. *
* Lotte atmet schwer. *
Wenn Sie auf dieser Schule bleiben wollen -
und das gilt für alle -
dann werden wir Sie zu Handwerkern erziehen.
Weg mit dieser anmaßenden Unterscheidung
zwischen Handwerk und Kunst.
Wenn der liebe Gott so will,
dann wird Kunst eines Tages aus Ihren Händen erblühen.
Kunst, die aus tiefster Intuition entsteht.
Nun zu Ihrem Bild, Fräulein Brendel.
* Sanfte Klaviermusik *
Ich bin beeindruckt.
Man möchte fast glauben, dass Sie selbst Erlebtes wiedergeben.
Kommen wir nun zu einer ersten praktischen Übung.
Jeder nimmt sich ein Stück Kreide und eine Staffelei.
Wenn das der Preis der Freiheit ist, dann musst du ihn eben zahlen.
Deine Familie wird sich schon wieder einkriegen.
Lotte, wegen dem Zimmer...
Ich wollt's mir eigentlich freihalten zum Arbeiten,
aber bleib erstmal.
Ganz lieb, Anni, aber ich kann dir nichts zahlen.
Mein Erspartes reicht für einmal Schuldgeld
und etwas essen.
Hast du dich denn schon auf eine Freigeldstelle beworben?
Nein.
Das ist ein Stipendium.
Das ist das allererste was du jetzt machst.
Du lässt dich auf die Bewerberliste setzen.
Oder du kannst auch was herstellen.
Ein Spielzeug, was Nützliches zum Verkauf.
Ich kenne niemanden, der davon leben kann, Friedl.
Meine Puppen Verkauf ich ganz gut.
Oder wie Ilse,
die hat ein Kinderbuch für Ravensburger entworfen.
Kontakte zu Verlagen hat Anni.
Mit einer Ullstein als Mutter,
ist Anni mit einem goldenen Löffel im Mund geboren.
So gehen ihre Geldsorgen nicht weg.
Du brauchst Arbeit, Lotte.
Wie war's bei Itten?
Er hat sie gelobt. Stell dir vor.
Ey! Welche Pappnase hat hier einen Hetzartikel
ans Brett gehangen?
Hängen Sie das wieder hin.
Eine Liste von allen Ausländern und Juden am Bauhaus.
Mit uns dreien.
Hängen Sie das wieder hin!
Kann ich nicht mit meinem großdeutschen Gewissen vereinbaren.
Ich werde das melden.
Das hat Konsequenzen. - Mach doch.
Wenn Sie das nächste Mal Ausländer-Listen erstellen,
lassen Sie die Österreicher und Ungarn weg.
Genau. Die zählen doch auch zum großdeutschen Reich.
* Friedl lacht. *
Hilfe! Wir haben die bösen Listen.
* Gelächter *
Die Volkszeitung schreibt über das Bauhaus
"Eine Kunst oder irgendwelche praktische
oder künstlerische Befähigung
muss denen abgesprochen werden,
die alte Konservenbüchsen auftürmen."
Auch nicht, wenn's deutsche Konserven sind?
Das ist nicht näher bestimmt.
Lotte.
(Dörte) "Scherben, Tuch- und Papierfetzen
zu einem irren Chaos zusammensetzen."
Boah, ey!
Für mich?
"Und sowas an einer öffentlich finanzierten
staatlichen Lehranstalt zu dulden."
Hast du's selbst gemacht?
Paul, hörst du eigentlich zu?
Ja.
"Man kann das nur als Ausdruck des geistigen Bazillenkriegs
des Judentums gegen die deutsche Kultur werten
und folglich ausmerzen."
Das ist wunderschön.
Ich will das nicht hören. Das macht mir schlechte Laune.
Gib mal her.
Ah!
Ohhhh!
Wie schade um das schöne Scheißpapier.
(Dörte) Um Gottes willen.
Lotte?
Hm?
Was ist eigentlich deine Haltung?
Wie? Was ist meine Haltung?
Deine politische Haltung natürlich.
Na, also ich bin dagegen.
Du bist dagegen? wogegen?
Gegen die Anfeindung gegen das Bauhaus.
Ach, da bist du dagegen.
Das ist gut. Da haben wir ja Glück gehabt.
Aber wie beurteilst du die politische Lage?
Was wird denn das, Dörte? Eine Gewissensprüfung?
Ich wüsste gerne, wo sie politisch steht.
Hier so, vor allen?
Wollen wir mal was singen?
Eine sehr gute Idee.
Sehr verehrte Damen und Herren Lotte?
Eine Welturaufführung von Schuberts...
Gehen wir spazieren?
Winterreise auf dem Banjo!
Ich kam mir gerade so dumm vor.
Alle kennen sich mit Politik und Kunst aus.
Hör nicht auf das Gerede der anderen.
Und Dörte, die ist immer so kratzig.
Du, ich muss dir was sagen.
Mhm?
Ähm... Ich...
* Sanfte Klavier- und Streichmusik *
Warte.
(Schlemmer) Der Mensch bleibt unser Thema,
wenn alle Gewissheiten schwinden.
Er ist das Maß aller Dinge.
Es geht nicht darum, die Illusion einer zweiten Natur
auf der Bühne vorzutäuschen.
Gut, Frau Brendel. Danke.
Sondern darum, Spielräume für die schaffende Phantasie zu eröffnen.
(Grunow) Und wir beginnen. Die Farbe Rot, bitte.
* Disharmonisches Klavierspiel *
(alle) Ah!
Schneller!
Die Leere.
Wunderschön.
Angst!
* Dumpfer Ton *
Und die Farbe Lila.
Lachen!
* Die Gruppe lacht. *
Wunderbar.
Wir sehen uns später.
Sehr schön.
Großartig. Das gefällt mir.
Das wirst du bestimmt verkaufen.
* Sanfte Musik *
Geh noch nicht.
Doch. Nein.
Ich schaff das sonst alles nicht rechtzeitig.
Na gut. Auch wenn's schmerzhaft ist,
dass du meine Liebe zurückweist, ich geb dich frei.
Aber vorher mach ich uns schnell was zu essen, ja?
Hab ich erzählt, dass ich in Van Doesburgs Dej Stil Kurs war?
Nein.
Nächstes Mal musst du mitkommen.
Er schimpft auf das Bauhaus,
die ganze Gefühlsduselei und den Expressionismus.
Er sagt, nicht dem Handwerk,
sondern der Industrie gehört die Zukunft.
Die Funktion liefert das Kriterium für die Gestaltung.
Apropos Gestalten.
Hättest du nicht Lust zu mir zu ziehen?
Platz wär ja genug.
Ja, wenn ich darf?
Wo ist der Werkstattschlüssel?
* Klavier- und Streichmusik *
Danke.
So.
Und dann bräuchte das Segelschiff
natürlich noch einen Leuchtturm.
So...
So.
Und dann kann man
aus dem Segelschiff eine Ballerina werden lassen.
Da haben Sie ja eine ganze Welt erschaffen.
Hübsch, Fräulein Brendel. Sehr hübsch.
Man könnt auch mehrere Kästen kombinieren,
dann hat man noch viel mehr Motive.
Ließen sich auch zwei Größen herstellen?
Ich meine ein Spiel mit mehr Klötzchen.
Ja. Das ginge sicherlich.
Und?
Ich bin sehr angetan.
Das sagten Sie schon. Heißt das, Sie kaufen es?
* Der Mann lacht. *
Ganz die Frau Mama.
Also ich denke, dass es dafür einen Markt gibt.
Das Spiel ist gut gemacht.
Auch die Packung ist dabei.
Was würde mich denn so ein Spiel kosten,
bei einer kleinen Serie von 100 Stück?
Inklusive Konfektionierung und Verpackung natürlich.
Na ja, dann müsste ich die Materialien kaufen...
Sie haben's noch gar nicht kalkuliert?
Um ganz offen zu sprechen, Herr Kemper.
Wir treffen uns auch noch mit anderen Kunden.
Ravensburger hat Interesse,
Rosenberg...
Wenn Sie allerdings einen Vorschuss leisten könnten,
sähe die Sache natürlich anders aus.
Dann lassen Sie uns das Pferd doch mal von hinten aufzäumen.
Ich sage Ihnen, was das Ganze hier im Laden kosten darf
und was meine Gewinnbeteiligung dabei ist.
Der Rest ist dann Ihre Sache.
Auf Lotte, die jetzt mehr Geld verdient als wir alle zusammen.
* Swing Musik *
Auf die Kohle! Auf den Zaster!
Auf dich, Lotte!
* Sanfte Klavier- und Streichmusik *
(Itten) Sie haben den Vorkurs mit Bravour bestanden
und haben sich, wie wir hörten,
bereits mit kleinen Produktentwürfen behauptet,
so dass Sie kein Stipendium mehr brauchen.
Das ist viel mehr, als wir von einer Vorkursschülerin erwarten.
Glückwunsch.
Sie würden gerne in der Tischlerei lernen?
Mhm.
Das wird leider nicht gehen.
Sie beherrschen die Holzbearbeitung sicher.
Als Frau sind Sie hier eine Ausnahme,
aber die Konkurrenz um die wenigen Plätze ist groß.
Und es gibt männliche Mitbewerber, die durch ihre Leistung
und auch durch ihre Vorbildung, die Nase vorn haben.
Wir möchten Ihnen raten, in die Weberei zu gehen.
Meine Entwürfe lassen sich nur in der Werkstatt verwirklichen.
Nicht in der Weberei.
Es ist wissenschaftlich erwiesen,
dass Frauen ihre Stärke im zweidimensionalen haben.
Bleiben Sie bei der Fläche.
Das ist quasi Ihre natürliche Bestimmung.
Vielleicht ist das Handwerk
eine viel zu frühe Festlegung.
Unsere Schule hat eine klare programmatische Ausrichtung.
Ich lasse mir nicht vorschreiben, wie ich meine...
Ich bitte Sie. ...Studenten berate.
Besser wir vertagen diese Diskussion.
Fräulein Brendel, leider können wir Ihnen
keinen Platz in der Tischlerei anbieten,
aber brauchen in der Weberei fähige Studenten wie Sie.
Und die Produkte von dort werden für die Bedeutung
und die Wirkung des Bauhauses noch ganz entscheidend sein.
Die da oben spinnen. Wieso?
Alle Frauen sollen in die Weberei.
Lotte darf nicht in die Tischlerei, ich nicht in die Wandmalerei.
Du willst freiwillig zum Frauenhasser Cascar?
Was heißt das?
Er hat den Ausschluss aller Frauen gefordert.
Wann hat er das gefordert?
Woher wisst ihr das?
(Juppi) In einer Meisterratssitzung,
wurde über das Frauenproblem diskutiert.
Welches Frauenproblem?
Der Landtag berät über den Etat der Schule,
Gropius steht unter Beschuss.
Ein Kritikpunkt: Frauen nehmen Männern die Plätze weg.
Wir euch die Plätze wegnehmen?
Nicht meine Meinung. Meine auch nicht.
Ich soll in der Weberei,
weil Politiker aufs Bauhaus hetzen?
Lotte, verstehst du nicht?
Nein, versteh ich nicht.
Es geht um was Großes. Es geht um...
Lotte.
Lotte !
Wir verlangen, unsere Werkstattwünsche zu berücksichtigen.
In Tischlerei und Wandmalerei ist noch Platz.
Es geht hier nicht um Platz, Fräulein Helm.
Bitte.
Wenn wir Sie in die gewünschten Werkstätten ließen,
müssten Sie Ihre Prüfung vor einer Handwerksinnung ablegen.
Ich weiß nicht, ob die Innung Frauen überhaupt akzeptiert.
Jetzt schieben Sie's auf die Innung?
Was ist denn Ihre Haltung?
Es ist die Realität,
die wir anerkennen müssen.
Es geht doch - unabhängig vom Geschlecht -
um unsere Stärken und Talente.
Trauen Sie mir bitte zu, die zu erkennen und zu beurteilen.
Bevor wir in die Weberei gehen, verlassen wir das Bauhaus.
Es macht wirklich große Freude von allen Seiten angefeindet zu werden.
Jetzt auch von Ihnen.
Es geht hier nicht um Anfeindung.
Es geht uns darum, ob wir an dieser Schule
unseren Interessen folgen können, wie die Männer auch.
Das ist ja wohl zu viel verlangt, oder Herr Gropius?
Ich schätze Ihre Willensstärke, meine Damen.
Die Zuteilung der Werkstattplätze wird im Meisterrat entschieden.
Ich werde mich für Sie einsetzen.
Machen Sie sich keine großen Hoffnungen.
Die Herren sind ähnlich kompromisslos wie Sie.
Jetzt entschuldigen Sie mich bitte.
Sonst gibt es hier bald gar kein Bauhaus mehr.
Ich verspreche Ihnen:
* Buhrufe *
Wenn wir bei der Landtagswahl eine Mehrheit erringen,
werden wir dieser Institution der Schande den Garaus machen!
Frauen und Ausländer
haben auf unseren Hochschulen nichts zu suchen.
Das, meine Freunde, ist rückwärtsgewandtes
und reaktionäres Denken!
Dieses Land braucht eine Erneuerung.
Männer wie Sie, haben Deutschland an den Rande des Abgrunds geführt.
Ja. genau.
Es sind die Frauen gewesen, die an der Heimatfront
dafür gesorgt haben, dass Deutschland überlebt.
Sie verdienen die gleichen Rechte wie Männer.
Das Wahlrecht ist erst der Anfang.
Die Sogenannte Trennung der Geschlechter ist eine...
eine altmodische Denkweise.
Mein Name ist Hans Gross und ich studiere selbst am Bauhaus.
Ich möchte ein paar Worte zum Kunstbegriff sagen,
die mir sehr am Herzen liegen.
Wirkliche Kunst ist an Volk und Nation gebunden...
Guten Tag, die Herren.
- Guten Tag. - Hallo.
Lotte, sag bloß, du hast dich bei Gropius durchgesetzt.
Wonach sieht's denn aus?
Das freut mich und es tut mir leid,
dich im Stich gelassen zu haben.
Ich hab nur an die Schule gedacht
und verstehe, wenn du sauer auf mich bist.
Ich bin ja hier.
Woran arbeitest du?
Gropius möchte in Zukunft
auch architektonische Entwürfe ausstellen.
Sieht doch gut aus.
Ja? Nee.
Du könntest es zu einer Seite hin öffnen.
Ein U?
Oder sogar ein L.
Mit großen Fenstern, wie auf dem Foto,
das du mir neulich gezeigt hast.
Aber wie kriegst du die fehlende Wohnfläche zurück?
Oder noch ein Geschoss.
Du könntest es überkragen lassen
und hast eine überdachte Veranda.
Oder zurückspringen lassen.
Dann hast du eine Dachterrasse
und einen traumhaften Blick auf den Park.
Weißt du was?
Wir entwerfen es zusammen.
Wir bauen ein Haus. Hast du Lust?
Ich hab noch eine bessere Idee.
Wir bauen gleich eine ganze Stadt!
Du wolltest mir doch noch was erzählen.
Ach so, ich hab eine neue Idee für ein Kinderzimmer.
Ja, und? Ich bin neugierig.
Lass mich mal kurz runter.
Warum? Lass mich runter.
Hallo Irm.
Hallo.
Wie geht's dir? Und deinem Kind?
Komm nach Hause.
Das kann ich nicht.
Vater gibt dir noch eine Chance.
Eine letzte.
Und Mutter würdest du auch glücklich machen.
Aber das Studium ist wichtig für mich.
Es geht jetzt mal nicht um dich,
sondern um die Familie und um die Tischlerei.
Alles könnte so sein, wie's war.
Ich könnte weiter für Vater arbeiten,
aber darum geht's ihm nicht.
Er will über mich bestimmen, Irm.
Nur weil ich eine Frau bin.
Ich bin doch ein eigener Mensch.
Ich hab doch das Recht, mein Leben zu führen,
wie ich will. Du doch auch.
Wir Frauen können doch jetzt mitgestalten.
Vater wird es irgendwann verstehen.
Die Welt hat sich verändert.
Nein. Du hast dich verändert.
Und zwar zum Schlechten.
Aber wir können doch frei sein, was ist denn so schlimm daran?
Spar dir in Zukunft die Tinte.
Ist ja doch nicht ernst gemeint.
Du hast die richtige Entscheidung getroffen.
Vielleicht werden Sie's irgendwann verstehen.
Komm.
(Gross) Ich werde das der Schulleitung melden!
(Menge) Raus mit Gross! Raus mit Gross!
Gross versucht sich schon wieder als Politiker.
Du hast noch nie gut gezeichnet!
Raus mit Gross! Raus mit Gross! Raus mit Gross! Raus mit Gross!
Schluss damit! Ruhe im Saal!
Ich muss doch sehr bitten.
Herr Gross, Sie sind klug.
Sie wissen, dass Ihre gestrigen Einlassungen
zum Kunstbegriff gegen die Prinzipien
dieser Schule gerichtet sind.
Sie haben uns geschadet.
Ich erwarte eine klare und öffentliche Distanzierung.
Wenn das so ist,
dann erkläre ich meinen Austritt aus dieser Institution.
Ich kann nur jeden aufrechten
deutschen Mitschüler dazu auffordern,
es mir gleichzutun!
Diese Schule wird geschlossen, dafür werde ich sorgen.
Diese Schule hat keine Daseinsberechtigung!
Ich hatte schon Angst, dass keiner übrig bleibt.
* Lachen *
Liebe Kollegen, die Lage ist ernst.
Unsere politischen Gegner spüren Aufwind
und es ist kein Zufall, dass dieser Eklat jetzt stattfindet.
In Zeiten der zunehmenden Inflation
müssen wir beweisen, dass wir unser Geld wert sind.
Und darum plane ich eine große Ausstellung.
Wir werden, liebe Kollegen, ein neues Haus bauen.
Ein Musterhaus. Und zwar drüben am Horn.
Und alle Werkstätten werden daran beteiligt sein.
Sie werden mit neuester Technik arbeiten
und wo nötig, diese erfinden.
Kunst und Technik, liebe Kollegen,
eine neue Einheit.
Sie werden Tag und Nacht arbeiten, denn von Ihrer Arbeit hängt ab,
ob diese Schule eine Zukunft hat.
Vielen Dank.
Schönen guten Abend zusammen.
(alle) Guten Abend.
Lassen Sie sich bitte nicht von der Arbeit abhalten.
Ah ja, die Wiege, sehr schön.
(flüsternd) Pst, der Papst und seine Kardinäle.
Ein bisschen Rietveld, aber durchaus eigenwillig.
Sehr gut.
Das sind die Elemente für das Kinderzimmer?
Ich hab den Entwurf noch mal geändert.
Jetzt lassen sich die Kisten unterschiedlich gruppieren.
So rum kann man was reintun.
Andersrum ist es eine Bank.
So ist es ein Tisch mit mehreren Bänken.
Und... ähm... hier könnte man
mit mehreren Kästchen eine Treppe bauen.
Außerdem kann ich eine Eisenbahn draus machen.
Mit mehreren Waggons.
So.
Hier ist ein Fenster.
Könnte man Puppentheater drin spielen.
Und wenn man die Kisten nicht mehr braucht,
passen sie genau hier unten.
In die Regale rein.
Beeindruckend, Fräulein Brendel. Wirklich beeindruckend.
Na, da hat sich ja einiges getan, Herr Seligmann.
Ja. Ich habe noch mal ganz neu drüber nachgedacht,
mit Fräulein Brendel gemeinsam.
Sehr schön.
Um die Dinge richtig zu gestalten,
müssen wir ihr Wesen durchdringen,
ihren Zweck erforschen und ihre Funktion bestimmen.
Das gilt für einen Stuhl ebenso wie für einen Tisch oder ein Haus.
Es freut mich sehr zu sehen, dass Sie genau das tun.
Weiter so.
Herr Muche, meine Herren.
Hm.
Ja...
und nein.
Aber Ihr Schwung, sei er auch aus Wahn geboren,
ist der Nerv unserer Ausstellung.
Ich bin bereit, ich mache mit.
Missratene Gestaltung ist das traurige Resultat unseres Versagens,
menschliche Grundbedürfnisse zu erkennen.
Sie noch vor Wirtschaftlichkeit
und industrieller Herstellbarkeit zu stellen.
Das Haus Am Horn ist der Versuch,
den Anforderungen an gute Gestaltung gerecht zu werden.
"Viel Feind, viel Ehr", sagen die Soldaten.
Ich habe meine Zweifel, ob das stimmt.
Ich will nicht beleidigt klingen,
aber wir hatten in den letzten vier Jahren
sehr viele Feinde und sehr wenig Ehr'.
Dieses Musterhaus und alle darin ausgestellten Produkte
werden die vielen leidenschaftlichen Kritiker des Bauhauses hoffentlich
ein wenig gnädiger stimmen.
Wir sind jedenfalls sehr stolz auf unsere Arbeit.
Und nun treten Sie ein
und urteilen Sie selbst. Bitte schön.
Ich habe mich für Beton und Stahl entschieden
und durch die Verwendung vorgefertigter Wandelemente
verkürze ich die Bauzeit.
Ich finde, es wirkt mediterran.
Findest du nicht, Schatz?
Man spürt förmlich die Hitze.
This chair is splendid.
What is it made from?
The wood is... ähm,
beech... Buche.
This fabric we made in our own mill.
Gibt es die Sachen auch in Mädchenfarbe?
Ähm, man könnte natürlich andere Farben nehmen.
Ich hab mich für die Grundfarben entschieden,
wegen der psychologischen Wirkung von Farben.
Und bei kleinen Kindern...
Nein! Was ist das denn Tolles?
Niedlich.
Fräulein Brendel? Ja.
Ihr Kinderzimmer entwickelt sich zum Verkaufsschlager.
Ich hatte schon eine Anfrage von Zeiss,
die suchen Möbel für ihren Werkskindergarten.
Und jetzt kommen Sie mal mit. Ja.
Herr Volland? Darf ich Ihnen Fräulein Brendel vorstellen?
Sie arbeitet eng mit Herrn Seligmann zusammen.
Das Kinderzimmer ist...
Herr Volland ist Möbelfabrikant und an einem Kauf interessiert.
Das Kinderzimmer ist von mir.
Ja, das... entschuldigen Sie mich bitte.
Ich hab noch Pressetermine.
Wissen Sie, ich denke dabei nicht nur an Privatwohnungen,
sondern viel mehr an Kindergärten.
Die Regale müssten dann noch
an die Örtlichkeiten angepasst werden.
Das wär alles möglich.
Die Maße sind genau abgestimmt.
Es funktioniert so, zwei Kisten...
Hab ich verstanden.
Wichtig ist, dass da noch zwei, drei Fächer obendrauf kommen.
Für Sachen außerhalb der Reichweite von Kindern.
Passen Sie mal auf, ich geb Ihnen mal meine Karte.
Danke schön. Sie können auch eine haben.
Ich werde meiner Sekretärin sagen,
dass Sie sich melden und dann setzen wir zwei
uns mal zusammen
und besprechen die Details, nicht wahr?
Dresden ist ja nicht weit.
War mir eine Ehre.
Ja. Mir auch.
Wirklich beeindruckende Arbeit, Herr Seligmann.
Die Dame.
Der Dank gebührt aber auch Fräulein Brendel.
"Sie arbeitet eng mit Herrn Seligmann zusammen."
Das Kinderzimmer ist von mir!
Gropius weiß ja auch...
Das macht es ja noch viel schlimmer!
Dieser Fettsack, der mich wie Luft behandelt.
Wenn ich einem Menschen auf dieser ganzen Welt
mein Kinderzimmer nicht verkaufe, dann Volland-Vollidiot!
Ja, er ist bescheuert.
Er hat noch nicht mal das Konzept verstanden.
Du hast ihm kein einziges Mal widersprochen.
"Hervorragende Arbeit, Herr Seligmann.
Danke schön, wie nett von Ihnen."
Aber der Fettsack ist doch völlig egal.
Jetzt freu dich doch!
Du wirst richtig Geld verdienen
und das ist alles deins. Nicht meins.
Das ist unsere Eintrittskarte.
Walter und Helen Ludwig. Papierfabrikanten aus Berlin.
Das Ehepaar Ludwig möchte ein Haus bauen.
Nicht sofort, aber sie haben ein Seegrundstück bei Berlin gekauft
und fanden unseren Entwurf sehr inspirierend.
Sie würden uns gerne in Berlin treffen.
Das ist unsere gemeinsame Zukunft.
In einem halben Jahr bin ich fertig und du in einem Jahr.
Wir gehen nach Berlin und gründen ein Büro.
Wir nennen uns "Brendel & Seligmann",
oder "Seligmann & Brendel",
oder "Seligmann & Seligmann".
Unser Traum wird wahr.
Wir werden Häuser bauen und Möbel entwerfen.
* Klavier- und Streichmusik *
Ach, ich liebe diesen See.
Insbesondere das Grundstück.
Momentan stehen da auch nur ein paar Pinien
und ein Gartenhäuschen,
aber immer wenn ich da bin,
dann filme ich mich an die Cote d' Azur versetzt.
Zu beachten ist, den Charme
nicht durch plumpe Bebauung zu zerstören.
Ich hab mich ja so gefreut, dass Sie sich gemeldet haben.
Im Grunde war's ja nur so dahin gesagt,
aber jetzt endlich hab ich ihn so weit,
dass er loslegen will.
Er ist so ein Bauhaus-Enthusiast.
So. Da bin ich. Entschuldigen Sie die Verspätung.
Gnädige Frau.
Brendel.
Herr Seligmann.
Darling, was hältst du davon,
wenn ihr draußen Kaffee trinkt.
Und ich lasse mir die Entwürfe von Herrn Seligmann zeigen.
Die Entwürfe sind auch von mir.
Ich hätte schon Erläuterungen dazu.
Ach so, das wusste ich nicht.
Verzeihen Sie meinen Vorstoß.
Liebling, ich bin auch neugierig. Was denkst du wohl?
Ja. ja, wunderbar, dann eben hier.
Ist alles in Ordnung?
Da. Das sind natürlich nur erste Annäherungen.
Wir haben es den Gegebenheiten des Ortes angepasst.
Natürlich vor allem der Hanglage.
Womit wir eins gleich klarstellen:
Das hier wird unser Schlafzimmer
und nicht dein Arbeitszimmer.
Ja. Unser Bauhaus am See.
Also ich muss sagen,
der Anblick ist imposant.
Ey, Lotterich, wir wollen dich abholen.
Oh nee, du bist ja noch gar nicht richtig angezogen?
Du siehst aus wie ein Mädchen.
Los! Hopp! Hopp, hopp, hopp! Was ist denn?
Was ist mit dir?
Ich glaub, ich bin schwanger.
Mir ist die ganze Zeit zum Speien
und meine Periode ist ausgeblieben.
Ich wollte ja immer Kinder, aber doch noch nicht jetzt.
Vielleicht darf ich nicht weiter am Bauhaus studieren
Mein Geld würde auch nicht reichen.
Das Kind würde genau vor meiner Gesellenprüfung kommen.
Wie soll denn das gehen?
Das wird sich schon finden.
Weiß Paul denn Bescheid?
Und ich weiß nicht, wie ich es ihm sagen soll.
Ihr seid ein tolles Paar. Paul liebt dich.
So,
Lotte,
jetzt versprichst du mir mal eins:
Sei nicht so dumm wie ich.
So eine Abtreibung, das ist nicht schön.
Mit dem einen Bein stehst du im Gefängnis
und mit dem anderen im Grab.
Der Franz, der hat mich...
der hat mich angefleht,
dass ich's wegmachen soll.
Der dachte, dass wir nicht mehr zusammen arbeiten können,
dass wir keine Künstler mehr sind und uns zu Spießern verwandeln.
Was ist, wenn's bei Paul genauso wird?
Dann schickst du ihn in die Wüste.
Genau.
So, und jetzt machen wir erst mal einen Kerl aus dir.
So einen mit einem richtig dicken Bauch.
Zack.
Bart! Komm mit!
* Swing Musik *
Lotte, komm. Das wird schön.
Itten!
(alle) Itten!
Muche!
(alle) Muche!
Gropius!
Gropius!
(alle) Gropius! Gropius! Gropius! Gropius
Vielen Dank. Danke. Bevor wir zum ekstatischen Teil übergehen,
gestatten Sie mir noch ein paar ernste Worte.
Seit dem Wahlsieg der Rechten im Februar
ist der Wind, der uns entgegenweht,
mit jedem Tag eisiger geworden.
Buh! Buh! Buh!
Sie kennen die neuesten Ankündigungen.
50% weniger Geld.
Das ist eine Katastrophe!
Ja!
Damit das hier keine Trauerfeier wird:
Ich bin schon seit einiger Zeit mit einigen Städten im Gespräch,
dass wir diese Schule an einem neuen Ort
auf ein gänzlich neues Niveau heben werden.
Das Bauhaus, liebe Kollegen, wird weiterleben.
Und das feiern wir jetzt!
* Swing Musik *
Paul?
Na.
Paul.
Kommst du mal kurz mit?
Ich bin ein anständiges Mädchen.
Ich lass mich nicht einfach vernaschen.
Ich will mit dir reden.
Und schwupps hab ich deine Finger unterm Rock.
P au“
Tritt ihm in die Eier, wenn er zudringlich wird.
Ich bin schwanger.
Deswegen der Bauch? Was wird's denn?
Nein. Ich bin wirklich schwanger.
Nein. Können wir bitte ernsthaft bleiben!
Es tut mir leid.
Lotte, ich...
Ich...
Lotte.
Lotte.
* Sanfte Klaviermusik *
Wir werden einen kleinen Lotterich haben
oder eine kleine Pauline.
Wie soll ich das denn schaffen?
Weißt du, seitdem es dich gibt,
da gibt's kein Ich und kein Du mehr.
Es gibt nur noch ein Wir.
Wir schaffen das, Lotte.
* Lotte schluchzt. *
Was ist los?
Es wird Dessau.
Das Bauhaus geht nach Dessau.
Dessau?
Weißt du, was das ist?
Das ist der Schulneubau.
Dazu kommen Häuser für die Meister.
Und die Stadt gibt Riesen-Summen dafür aus.
Fantastisch, oder?
Ja, sieht gut aus.
Schade, dass wir nicht mehr dabei sind.
Gropius möchte, dass ich mit nach Dessau gehe.
Er möchte, dass ich die Bauführung übernehme.
Weißt du, was das für uns bedeutet?
Durch meine Stelle verdienen wir richtig Geld.
Das bedeutet Freiheit, Lotte.
Ja, und Berlin?
Unser gemeinsames Büro?
Was ist mit unseren Plänen?
Was ist mit der Villa für die Ludwigs?
Es bleibt natürlich dabei.
Sobald Dessau fertig gebaut ist, gehen wir nach Berlin.
Besser hätte es gar nicht kommen können.
Das ist eine Riesenchance.
Stören wir bei der Familienplanung?
Nee, ist schon erledigt. Setzt euch.
Na, ist da schon was los?
Es schläft.
In einer Blase voll mit warmem Wasser, wie schön.
So, und jetzt drücken wir uns mal richtig,
bevor ich nach Wien gehe.
Ich werde euch unendlich und noch mehr und noch mehr und...
und so weiter vermissen.
Kommt mal her.
Schreib uns mal.
Ja.
* Klavier- und Streichmusik *
(Gedämpft) Lotte?
Hallo!
* Es klopft. *
Kann mir mal jemand aufmachen?
Lotte, bist du da?
Hallo?
* Es klopft weiter. *
Hallo?
Mama'.!
Marie? Was ist los, kleine Maus? Hm?
Hallo, da seid ihr ja.
Ich hab den Schlüssel vergessen.
Wie spät ist es denn?
Ja, so was, vier Uhr.
Komm wir gehen jetzt schlafen.
Wir mussten noch fertig werden.
Ins Bett.
* Marie plappert- *
So.
Schläft sie schon?
Fast.
Seit Marie komm ich nicht mehr zum Arbeiten.
Bei dir?
Ich dachte, ihr seid schon fertig?
Ach so, nee.
Wonach riechst denn du?
Ähm.
Schweiß und Alkohol?
Der Kiefernwald um die Meisterhäuser,
der bleibt jetzt doch stehen.
Kein Spießergarten um das Haus.
Das bricht mit so vielen Gewohnheiten des Bauens,
das wird einen Aufschrei geben, das sag ich dir.
Hast du gar nicht geschlafen?
Ich hab die Sachen für die Ludwigs fertig gemacht.
Neuen Grundriss für den zweiten Stock
und die Entwürfe fürs Bad.
Das hab ich dir doch gesagt, die Ludwigs haben abgesagt.
Das hast du mir nicht gesagt.
Bei der Eröffnung, können sie uns leider nicht treffen.
Ich schlag mir die Nächte um die Ohren.
Ich dachte, ich hätt's dir gesagt.
Wenn dieser Zirkus vorbei ist,
dann wird alles besser.
Ich versprech's dir.
Kommst du'?
* Klavier- und Streichmusik *
Bevor wir das Bauhaus gleich festlich eröffnen,
gestatten Sie mir noch eine persönliche Liebeserklärung.
Liebe Ise, bitte nicht enttäuscht sein,
aber es geht um Stahlbeton und Glas.
* Gelächter *
Eine Kombination, die leichte Konstruktionen
von wesenloser Stofflichkeit erlaubt,
der ich eine große Laufbahn Voraussage.
Darf ich mal.
Stahlbeton wird die Architektur entfesseln
und die Liebe der modernen Baumeister gewinnen.
Was machst du hier?
Davon bin ich überzeugt.
Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit
und nun folgen Sie mir bitte.
Paul ist stolz wie Bolle. Aber das kann er auch sein.
Er hat Tag und Nacht geschuftet. Ich hab ihn gar nicht mehr gesehen.
Er hat über nichts anderes mehr gesprochen.
Es gibt ein Skelett aus Stahlbeton
und die Glasfassade ist praktisch nur davor gehängt.
Dadurch wird alles so leicht und transparent.
Wir müssen mal rumgehen,
um die asymmetrische Konstruktion zu sehen.
Und Juppi, der übernimmt den Vorkurs?
Ja. Ich werde Gunta in der Weberei helfen.
Sag mal, hast du schon die Meisterhäuser gesehen?
Nee, aber ich bin gespannt wie ein Flitzebogen.
Ich würde da auch am liebsten einziehen.
Komm, wir gehen in die Aula.
Du musst unbedingt Dörtes Farbgestaltung
und Marcels Stahlrohrbestuhlung sehen.
Schlemmer plant eine große Tanzaufführung.
Oh, ist das schön.
Und Lotte, wie laufen eure Pläne?
Wie geht's der Kleinen?
Ähm, Marie geht's gut, Berlin nicht so.
Paul hat die letzten zwei Jahre
immer auf der Baustelle gearbeitet.
Sag mal, Ihr habt den Auftrag für die Villa?
Hat mir Anni erzählt.
Nein, wir haben den Auftrag noch nicht.
Ich ändere gerade ganz viel.
Und wir haben wohl die Frau auf unserer Seite.
Die ist auch sehr begeistert.
Wenn ihr die Frau habt, dann habt ihr's auch geschafft.
Wenn sich die Herren Professoren
bitte für ein Foto aufstellen könnten.
Sehr gerne.
Gunta! Jetzt komm her!
Typisch Frau. Immer zu spät.
So, die Dame bitte in die Mitte.
Das will die Dame aber nicht.
Paul? Paul! Ja.
Herr Kandinsky, bisschen nach links, bitte.
Herr Klee, Herr Feininger,
bitte noch ein bisschen zusammenrücken.
Paul zwischen den Meistern. Der hat's wirklich geschafft.
Ja, sieht gut aus.
Moment.
So, die Dame jetzt noch bitte aus dem Bild - und...
Tschüss Latte. Tschüss.
* Entferntes Lachen und Tanzmusik *
(Anni) Jetzt lass doch bitte.
Geht ihr schon?
Einen Tanz können wir doch noch.
Ja';?
Ich kann nicht mehr.
Ich hole Marie morgen gegen elf ab, in Ordnung?
Ja, sicher.
Du, Juppi hat erzählt, dass Paul die Bauleitung
in der Weißenhofsiedlung übernehmen wird?
Wir reden morgen.
Viel Spaß noch.
Du siehst fabelhaft aus.
H. Komm.
* Tanzmusik wird lauter *
Friedl? Hast du Paul gesehen?
Nee.
Ach so, doch. War der nicht oben?
Danke.
* Tanzmusik wird leiser. *
* Stöhnen *
* Melancholische Streichmusik *
Lotte !
Lotte !
Lotte, warte!
Fass mich nicht an!
Lotte.
Anni.
* Lotte schluchzt. *
Komm rein. Komm.
Was ist denn passiert?
Setz dich erstmal hin.
Komm.
Ich mach die einen Tee.
Bin gleich wieder da.
* Getragene Klavier- und Streichmusik *
* Musik schwillt an. *
Lotte, können wir reden?
Nein.
Mach das nicht, Lotte!
Wie lange geht die Geschichte schon?
Noch nicht so lang.
Hör auf zu lügen.
Es wurde jeden Abend später.
Ich mochte kaum noch mit unserem Kram ankommen.
Sag mir, was ich tun soll. Bitte.
Nichts. Gar nichts.
Es ist vorbei.
* Getragene Klavier- und Streichmusik *
* Musik über lautlosem Weinen. *
* Lotte atmet schwer. *
Also ich finde, Sie haben unsere Wünsche gut umgesetzt.
Wo ist eigentlich Ihr Mann?
Der betreut zurzeit in Weißenhof den Bau einer Villa.
Zehn Häuser, zehn Architekten. die geplante Ausstellung.
Wir hörten davon.
Da sollten wir auch mal hin.
Künstlerischer Leiter ist Mies van der Rohe.
Und wann wird er zurück sein?
Wie sieht das weitere Vorgehen aus?
Da müsste ich mit ihm reden,
aber wir können uns da ganz nach Ihnen richten.
Ja, haben Sie denn eine Bauvoranfrage gestellt?
Ist der Entwurf von einem Statiker geprüft worden?
Ja, beides. Der Statiker sieht keine Schwierigkeiten.
Das Gutachten steht aber noch aus.
Gut.
Also, ich sage Ihnen mal was meine Vorstellung ist.
Ich würde... oder wir würden gerne nächstes Jahr bauen.
Sie haben ja Ihre Firmen, Ihre Handwerker,
mit denen Sie zusammenarbeiten.
Ich brauche eine genaue Kostenaufstellung,
einen Zeitplan
und einen Zahlungsplan.
Ja, nächstes Jahr ist in Ordnung.
Ich stürze mich gleich in die Arbeit.
Gut.
(Anni) Sei nicht so unfassbar stur.
Frag Paul.
Ich hab fast den gesamten Entwurf alleine gemacht.
Das seh ich nicht ein.
Aber Süße, du hast einfach weder Ahnung
von der technischen noch von der geschäftlichen Seite.
Ich soll ihn wieder in mein Schlafzimmer lassen,
weil der Bauherr das gerne so möchte?
Ich schaffe das auch allein.
Er muss ja nicht gleich wieder in dein Schlafzimmer zurück.
* Ruhige Musik vom Grammofon *
Ja, so jetzt versuch mal.
Schön von oben.
Ja, sehr gut.
Ich möchte gerne Architektur studieren.
Ich kenne und schätze
Ihren Ehrgeiz und Ihre Durchsetzungsstärke,
Frau Seligmann, aber...
Wie steht's denn mit Paul und Ihnen?
Äh.
Schon gut. Ich verstehe.
Es tut mir leid, das zu hören.
Ich kenne das.
Meine erste Frau hat mich schon kurz
nach der Geburt unserer Tochter
gegen einen besseren ausgetauscht.
Man kann leicht daran zerbrechen.
Also falls Sie mal einen Gesprächspartner brauchen.
Danke. Das ist sehr nett. Ich komme vielleicht drauf zurück.
Architektur? Ja.
Geht's um Ihre Villa, ja?
Mhm.
Wie sind Sie mit dem Bauherren verblieben?
Herr Ludwig möchte im nächsten Jahr bauen.
Jetzt geht es um die Vorbereitung.
Sie haben vielleicht munkeln hören,
dass ich mich aus dem Bauhaus zurückziehen werde?
Ja.
Hannes? Hannes, komm mal bitte.
Hannes, ich möchte dir Lotte Seligmann vorstellen.
Grüß Gott. Grüß Gott.
Hannes Meyer wird die Baulehre übernehmen.
Frau Seligmann hat bei mir studiert,
möchte sich jetzt in Architektur fortbilden.
Sie gibt Unterricht im Vorkurs.
Ich lege Sie dir wärmstens ans Herz.
Ihr solltet euch unterhalten.
Tja. Natürlich.
Na, dann trinken wir was, ja?
Ich hab jetzt die Grundrisse fertig und die Ausmaße festgelegt.
Und wie berechne ich den Materialbedarf der Zwischenräume?
Das ist eine einfache Volumenberechnung.
Und die unterschiedlichen Materialanteile?
(Rufe draußen) Ey, was machst du hier?
Ihr werdet schon sehen, was ihr davon habt!
Haut ab! Schert euch weg!
Du Sau! Du!
Was ist das hier für ein Dreck, hä?
- Haut ab! - Sag mal!
Schert euch weg! Haut ab! Haut ab!
Ey!
Verschwindet, verdammt nochmal.
Haut ab!
* Bedrohliche Musik *
Juppi.
Juppi.
Du blutest ja.
Du sollst mich loslassen!
Brennt's sehr?
Geht schon.
* Tür fällt zu. *
So'ne Saubande.
Ach Juppi.
Na, ist doch wahr.
Du, ich... ähm... ich glaub, ich muss los.
Danke. Wir sehen uns nachher, ja?
Frag nicht.
Lotte, darf ich mich kurz setzen?
Muss sowieso gerade gehen.
Hast du mit den Ludwigs schon begonnen?
Ich komm zurecht. Ich brauche deine Hilfe nicht.
Ich hab gehört, Gropius baut
für ein Unternehmerpärchen aus Berlin.
Ein Seegrundstück.
Vielleicht ist es auch nur Zufall,
aber ich dachte, ich Sag's dir.
Von wem gehört?
Ariel. Der ist jetzt gerade öfters bei Gropius im Büro.
Weißt du, wie die Bauherren heißen?
Nein. Aber ich kann fragen.
* Rufzeichen *
Wer ist da bitte?
Lotte Seligmann, die Architektin.
Frau Seligmann. Mein Mann ist leider nicht da.
Ich warte noch auf Rückmeldung
zu den Angeboten, Bauanfragen
und den technischen Plänen, die ich ihnen zugeschickt habe.
Ja, ich habe damit nichts zu tun.
Mein Mann hat es sich leider anders überlegt.
Er will im Moment nicht mehr bauen.
* Besetztton *
Kann ich Ihnen helfen?
Lotte Seligmann, für Herrn oder Frau Ludwig.
Einen Moment. Danke.
Frau Seligmann, ich bin überrascht. Hatten wir eine Verabredung?
Sie haben Gropius beauftragt? Ach.
Wir hatten eine Absprache.
Ich habe mich in Arbeit und Unkosten gestürzt.
Ich rechtfertige mich hier nicht.
Die Aufrisspläne, die Gutachten, der Statiker,
die technischen Zeichnungen, die Kostenschätzungen...
Frau Seligmann, wir haben keinen Vertrag miteinander.
Gehen Sie bitte.
Sie können hier nicht so reinplatzen.
Ist es die Qualität meiner Arbeit?
Hat Ihnen der Entwurf doch nicht gefallen?
Ist der andere besser?
Ich könnte es besser akzeptieren,
wenn ich wüsste, woran's liegt.
Ist es, weil ich eine Frau bin?
Sie hätten immerhin sagen können,
dass es die Villa von einer Gropius-Schülerin ist.
Frau Seligmann, was machen Sie da?
Was soll das Modell da?
Bauen Sie gerade zufällig eine Villa in Potsdam?
Für ein Ehepaar Ludwig?
Was? ja. Ja. wieso?
Weil ich seit zwei Jahren das gleiche mache.
Die Ludwigs. Grundstück am Templiner See. Hanglage.
Ich verstehe nicht.
Sie nehmen mir gerade den Auftrag weg.
Ich wusste nicht, dass wir Konkurrenten sind.
Das Vorhaben wird von meinem Mitarbeiter Petermann betreut.
Ich habe Ihnen gegenüber sogar den Namen erwähnt!
Mein Wort sollte Ihnen eigentlich genügen, Frau Seligmann.
* Ruhige Klavier- und Streichmusik *
Schultze-Naumburg ist wirklich ein unglaublicher Idiot.
Er versucht den Expressionisten
körperlichen und geistigen Kretinismus nachzuweisen,
indem er ihre Menschenbilder
mit den Aufnahmen von Behinderten vergleicht.
Und? Schläft?
Mhm.
Tja, dein Mann ist ziemlich verzweifelt.
Er hat die Geschichte mit Dörte jedenfalls beendet
und er kann für einige Zeit zu Ariel ins Prellerhaus ziehen.
Ich werde die Wohnung wohl kaum halten können.
(Juppi) Also, ich hab mir da Gedanken gemacht.
Finanziell gibt's da mehrere Möglichkeiten.
Wir gründen gerade eine Bauhaus GmbH.
Dein Kinderzimmer ließe sich darüber an den Mann bringen.
Die Lampe, dein Klötzchenspiel...
Wolltest du ihr nicht...
Ja, ja. Jetzt lass mich doch mal ausreden.
Also, ich hab mit Gropius gesprochen.
Er möchte dir anbieten, als Honorarkraft
den Vorkurs in Materialkunde zu unterrichten.
Wir sind jetzt schon bei 18 Wochenstunden
und brauchen dringend Verstärkung.
Das ist geschickt.
Ich mag die Formen.
Wer ist denn der Architekt?
Ja hier.
Sie? Sehr schön.
Gut. Wir führen die Materialstudien nächste Woche fort,
mit dem Thema Kontraste.
Sie sollen gegensätzliche Materialeigenschaften
in einem Objekt kombinieren
und dann ins Gleichgewicht bringen, ja?
In der Wahl der Materialien, ob Metall, Holz, Glas,
Papier, Stoff, sind Sie völlig frei,
aber bitte beschränken Sie sich auf zwei, maximal drei.
Da bin ich ja mal gespannt, was daraus wird.
* Es klopft. *
Ja.
Äh, Verzeihung. Lotte?
Gropius möchte, dass du zu ihm in den Präsentationsraum kommst.
Ich soll hier weitermachen.
Was will er?
Ich weiß nicht.
* Es klopft. *
Ja.
Treten Sie bitte ein.
Frau Seligmann.
Nachdem ich ganz unfreiwillig
mir einige Tage mit Ihrem Modell das Büro geteilt habe,
und nachdem meine Wut über Ihr Verhalten verflogen ist,
hab ich mich mit den Ludwigs in Verbindung gesetzt
und auf folgenden Kompromiss geeinigt.
Und ich hoffe sehr, dass Ihnen Ihr Dickschädel
nicht dabei im Wege steht, die Vorzüge daran zu erkennen.
Ihr Entwurf ist gut.
Er ist dem Entwurf
des hochgelobten Kollegen Petermann sogar überlegen.
Ich wäre ein schlechter Architekt,
wenn ich das nicht neidlos anerkennen würde.
Ich möchte Ihnen, in Absprache mit den Bauherren, vorschlagen,
ihren Entwurf in Kooperation mit meinem Büro umzusetzen.
Sie bleiben die alleinige Architektin
und nutzen die Ressourcen meines Büros.
Ist mit Ihnen alles in Ordnung?
* Frauenstimme summt zu Streichmusik *
(Anni) Jetzt gibt's Eis, Marie.
(Marie) Ja, Eis!
Guck mal, da.
Ist meine Schuld.
Er sollte deinen Triumph hautnah miterleben.
Wir können ja schon mal Kaffee und Kuchen holen.
Mit Sahne?
Hallo.
Gratulation.
Anni konnte den Mund nicht halten.
Danke, dass du mich gewarnt hast.
Mama'.!
Hey Opa.
Das ist ein deutsches Café.
Juden sind hier unerwünscht.
Mach'n Abflug Opa!
Ist in Ordnung. Ist in Ordnung.
Na, wen haben wir denn da?
Bitte kommen Sie.
Ein judenfreund! Na sieh mal an.
Oder bist du selbst einer?
Das tut mir leid.
Hier.
* SA-Männer lachen. *
(SA-Mann) Los, wir hauen ab.
Ist alles in Ordnung?
Ja. Ist nichts passiert.
Was passiert, wenn dieser Abschaum die Wahlen gewinnt?
Dann bin ich weg aus Deutschland.
Dann geh ich nach Palästina.
...und dann der Rumpf und die steckt man so zusammen.
Blödsinn, so rum.
Was ist das denn?
...die kleine Figur auch noch auf den
Zug setzen und so, tu tu tu.
Ja, das sind die Männer, von denen ich vorher geredet hab.
Die kann man hier so draufstecken.
* Marie lacht. *
Und da können wir dem...
der hat dann ganz viel auf dem Schoß. Schau.
So. Jetzt sieht der gar nichts mehr. Guck.
* Marie plappert- *
* Marie lacht. *
Hier.
Ich kann das auch.
Mach's gut.
Tschüss, Papa.
Bis nächste Woche.
Das war wirklich ein wunderschöner Tag.
Ich hab die Zeit mit euch sehr genossen.
Ja, ich auch.
Mach's gut.
* Ruhige Klavier- und Streichmusik *
* Musik schwillt an. *
Es folgten drei glückliche Jahre in Dessau,
in denen Paul und ich uns als Paar
und in der Arbeit wieder zusammenrauften.
Der Bau der Villa Ludwig verzögerte sich.
Und als es dann endlich soweit war,
kamen die Nazis in Dessau an die Macht.
Sie durchsuchten das Bauhaus
und schikanierten unsere Arbeit.
Dann strichen sie alle Mittel und schlossen die Schule ganz.
Sie wollten auf das flache Dach
ein ordentliches deutsches Spitzdach setzen.
(Hitler über Lautsprecher)
"...der erste Generalappell der politischen Leiter
der nationalsozialistischen Partei.
200.000 Männer sind nun versammelt."
Ich hatte Angst um Marie und auch um Paul.
* Getragene Klavier- und Streichmusik *
Zum Trotz der neuen Machthaber feierten wir
noch ein großes Abschiedsfest.
Es dauerte den ganzen Tag und die Nacht über.
Und als wir uns für ein letztes Foto versammelten,
da wussten wir, dass wir uns so nie wieder sehen würden.
Viele mussten fliehen, wurden von den Nazis vertrieben,
verfolgt, oder in Auschwitz ermordet.
Einige zogen sich aus allem zurück,
andere arrangierten sich mit den Nazis,
oder arbeiteten für sie.
Die Geschichte des Bauhauses ging aber weiter.
Gropius, Mies van der Rohe, Marcel Breuer,
Anni Albers und viele andere gingen nach Amerika.
Sie schufen bedeutende Bauwerke, lehrten an Kunst- und Designschulen
und verbreiteten so die Idee des Bauhauses in der ganzen Welt.
Paul, Marie und ich flüchteten nach Israel
und halfen, die weiße Stadt aufzubauen.
Die Frauen im Bauhaus
standen ihren männlichen Kollegen in nichts nach.
Trotzdem blieben ihnen die Möglichkeiten
zur Entfaltung ihrer Talente
und die Anerkennung für ihre Leistung verwehrt.
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(Mann) Lass uns darüber reden, was du in Zukunft machen wirst.
Ein Plan, der nicht abenteuerlich ist.
Und den du wirklich durchführen kannst.
Du bist 24 und kannst nicht weiter in den Tag hineinleben.
Entweder findest du einen Mann, den du heiratest.
Da kannst du, wenn er nichts dagegen hat,
in deiner Freizeit ja auch weiter malen. Oder...
Du musst dir eine Stellung suchen.
Gouvernante oder Lehrerin.
Paula, ich glaube nicht,
dass du eine gottbegnadete Künstlerin 1. Ranges wirst.
Aber Frauen können keine Malerinnen werden.
Du traust es mir nicht zu, aber ich.
* Musik *
Können Sie anhalten? Den Rest gehe ich alleine.
Brr.
* Musik *
Es ist erfreulich, wie Sie sich den Formen hingeben. Schön.
* Klingeln *
* Klingeln *
(räuspert sich)
Das ist nicht genau genug.
Die Aufgabe des Malers ist, die Natur exakt nachzubilden.
Präzision. Genauigkeit. - Mhm.
Das ist das, was alles zusammenhält.
Alles andere sind nur Schmierereien von Dilettanten.
Mhm.
* Klingeln *
(Kühe muhen)
Ein famoser Mann, der Mackensen.
Ja.
Paula.
Paula Becker. - Ich weiß. Clara Westhoff.
Also dann.
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