All language subtitles for Der Tatortreiniger - S03E03 - Carpe Diem.deu

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Original subtitles

Untertitel: Norddeutscher Rundfunk 2014

* Musikthema: Tatortreiniger *

Moin.

(dumpf) Sie sind der Tatortreiniger? Ja. Bin ich.

Hier entlang.

(dumpf) Das Büro da, ganz am Ende.

Kollege Zettmann. Herzinfarkt.

Ja, hat mein Chef mir schon gesagt,

dass man den Toten nicht gleich gefunden hat.

Dass der da schon länger ... 14 Tage.

Wie kann das denn sein.

Wieso hat den die Putzkolonne nicht gefunden?

Das müssen Sie beim Leiter des Reinigungsdienstes fragen.

Das muss doch fürchterlich gestunken haben. Und wie.

Moin. Moin.

Mein Büro ist gegenüber. War kaum noch auszuhalten.

Ja aber, da mal eben rüber zu gehen und zu gucken,

ob da noch alles in Ordnung ist, so ein Impuls ...

Was hätte da nicht in Ordnung sein sollen?

Naja, Ihr Kollege ... Jetzt werden Sie mal nicht frech.

Wir sind ein Amt, kein betreutes Wohnen.

Wenn sich jeder in alles einmischen würde, dann aber 'Gute Nacht'.

Stimmt, wenn das jeder machen würde.

Ein Büro ist ein Arbeitsort.

Und ein Herzinfarkt ist, hart gesagt, privat.

Insofern - durfte er es gar nicht.

Aber in so einer Situation wird man beide Augen zudrücken.

Ja, zumindest die von Herrn Zettmann. Ist wirklich tragisch.

Er hatte auch noch Resturlaub.

Aha.

Ja, gut.

Dann warten Sie kurz hier, ich hole gerade mal den Schlüssel.

Spacken.

Wau!

* Klopfen *

Moin.

Ihre Nummer bitte. Schotte, Reinigungsfirma Lausig.

Ihre Nummer bitte

0, 1, 7, 4, 3, 2, 1, 8, 5 ...

Ihre Wartenummer.

Ach so, ja, das ist ein Missverständnis. Ich bin hier ...

Sie müssen eine Nummer ziehen, die wird aufgerufen, dann kommen Sie ...

Nee, nee, nee, ich bin ... Nein, auch Sie sind keine Extrawurst.

Hey. Entschuldigung.

Da lang. Da lang.

Ich sage dir, wir sind von da gekommen.

Ich sage dir, das ist falsch.

Moin. Moin. Morgen.

Eine Frage: Haben Sie da etwa eine Leiche drin?

Richtig. Und da gibt es auch kein Vertun.

Das geht nicht. Sie dürfen keine Leiche mitbringen.

Wir bringen sie ja weg. Sind Sie dazu befugt?

Ja, sicher. Wir machen das schon eine Weile.

Hier. Unterschrieben von Tobias Zettmann. Der Neffe.

Also, der Sohn der Schwester. Der Neffe.

* Stöhnen *

* Watscheln und Entengackern *

Es sieht folgendermaßen aus.

Nach Paragraph 462 gehört die Leiche hier zum Haus.

Das bedeutet, dass Sie eine offizielle Bestätigung brauchen,

dass Sie befugt sind, die Leiche mitzunehmen.

6. Stock, Zimmer 22. Da melden Sie sich.

Sie brauchen außerdem 2 gültige Lichtbilder.

Im Passbildbildformat. Ja, aber ... Der Automat ist unten.

Sollen wir auch ein Bild von uns gemeinsam machen? Nein.

So ein Quatschbild. So eins, wo wir ...

Gottseidank, ich dachte schon, Sie kommen nicht mehr. Bitte?!

Sie wollten doch einen Schlüssel holen.

Ach so, jaja. War noch niemand da? Nee.

Am besten wäre es, Sie holen sich den Schlüssel bei Herrn Zettmann.

Ich dachte, der ist tot? Ach so, ja, richtig.

Das ist tragisch, wirklich tragisch.

Also, ich habe gerade Pause, aber die Kollegin, gehen Sie einfach ...

Nee, da war ich schon.

Die hat mir gesagt, ich muss eine Nummer ziehen.

Normalerweise schon.

Aber in Ihrem Fall ...

(undeutlich Flüsternd) nehmen Sie den Zettel und gehen Sie da einfach rein.

(Undeutlich) Einfach so? Einfach so. Danke. Keine Ursache.

Ihre Nummer bitte?

Nee, Ihr Kollege ...

(Unverständlich)

(Leise) Ein Kollege von Ihnen hat mir den Zettel gegeben. Wie?

Sie müssen eine Nummer ziehen. Nee, muss ich nicht.

Doch, müssen Sie. Nee, muss ich nicht.

Dann gehe ich eben wieder. Dann gehen Sie eben wieder.

Hier, müssen Sie unterschreiben. Auftragsrücknahme.

Ich kann gar nichts unterschreiben, wenn ich nicht weiß worum es geht.

Ihre Nummer bitte.

* Scheppern *

Davon geht das auch nicht schneller.

Eher langsamer. Mann.

* Handyklingelton "Tatort" *

Ja, Chef, zackig ist hier nicht.

Nee, ich habe ein kleines Problem.

Ich kriege den Schlüssel nicht. Ja.

Wah? Ohh!

* Niesen *

Kurzer Dienstweg.

* Fliegensurren *

Moin. Moin.

Moin. Moin.

Was vergessen? Nee.

Wir müssen Herrn Zettmann mal eben zwischenlagern.

Kein Problem. Ich bin ja hier.

Falls jemand anderes auftaucht ... Zum Beispiel Bestatter Hontemann ...

Alles klar. Das ist unsere Leiche. Ich passe auf. Versprochen.

Der läuft uns schon nicht weg.

Hu, uh, uh ...

Uh, uh, uh ...

Ein bisschen Angst könnten Sie schon haben.

Könnte ich. Muss ich aber nicht.

Es gehört sich, sich vor Geistern zu fürchten.

Warum sollte man sich fürchten. Außer 'hu, uh' können die nichts.

Zweitens, glaub ich nicht an Geister.

Und was bin ich dann?

Ein merkwürdiger Gedanke, der mir durch den Kopf geht.

Fühlt sich eher wie Geist an.

Könnte es nicht doch sein, dass ... Bestimmt nicht.

Ich dachte gerade, wie Sie am Schreibtisch gesessen haben.

Wenn ich was anderes denke, sind Sie weg. Mehr ist es nicht.

Aber warum reden Sie dann mit mir? Mache ich ja gar nicht.

Und warum denken Sie an mich?

Ich habe mir überlegt, wie das so ist, jeden Tag ins Büro zu gehen.

Für mich wäre das nichts.

Aber vielleicht haben Sie das gern gemacht.

Nein, für mich war das auch nichts.

Mit 21 habe ich hier angefangen. Es sollte nur vorübergehend sein.

Bis das Eigentliche käme, so das mit Sinn und Freude und so weiter.

Aber dann war erst mal Hochzeit, Kinder, Hausbau ...

Irgendwann hatte ich mein 18-jähriges Dienstjubiläum.

Aber es war sicher nicht alles nur schrecklich, oder?

Nein, nein, nicht schrecklich, einfach eben falsch.

Gehört das zu mir? Mhm.

Ein Finger? Äh, nee.

Ist das etwa ...? Nein, das ist aber nicht ... Mhm.

Ist das demütigend. Mhm.

Naja.

Dann kam mein 25-jähriges Dienstjubiläum.

Ich wusste, dass alle Züge abgefahren waren.

Ich hatte nur noch ein Ziel: Durchhalten bis zur Rente.

Mit 63.

Ich hab gespart wie ein Wahnsinniger.

Bei jedem Kaffee, den ich mir verkniff, dachte ich,

er würde besser schmecken auf einer Piazza in Rom.

Auf einem Kreuzfahrtschiff oder im Cafe.

Zu wissen, ich habe den Tag vor mir, den nächsten und übernächsten.

Wenn ich in Rente gehe, hat meine Rente noch

ungefähr den Gegenwert von einem Brühwürfel.

Ich stelle mir das nicht rosig vor. Das ist mein Tacker - gewesen.

Mit dem habe ich getackert.

Ja, habe ich mir fast schon gedacht.

Ein ganz normaler Tacker. Ja, ich habe auch so einen.

Komisch.

Ich habe Hunger.

Kann das denn sein, dass ich Hunger habe?

Nee. Das, das liegt nur daran, dass ich gerade Hunger habe.

Ein Spiegelei.

Das wäre wundervoll.

Ja, Spiegelei ist gut. Mach ich mir nachher eins.

Das ist eine solche Scheiße.

Jahrelang keine Eier wegen Cholesterin,

und dann sterb ich an Herzinfarkt.

Anstatt mit Kollegen in der Kantine Königsberger Klopse zu essen

habe ich hier auf Radieschen rumgekaut.

Andere saufen, fressen und rauchen und werden 100. Dumm gelaufen, ne?

Nicht dumm gelaufen, ungerecht gelaufen.

Ich habe die Schnauze voll.

Ich will das Spiegelei, die Kreuzfahrt und Champagner!

Ich will mich wieder verlieben ... Jetzt ist Schluss.

Das war mein Bonsai.

Den hätte ich mit nach Hause genommen.

Ich wollte ihn einpflanzen. Aus dem wäre noch ein großer Baum geworden.

Ich war so nah dran.

2 Monate, 4 Wochen und 5 Tage. Ich hatte mich so gefreut.

Aufs Leben. Ich wollte doch noch ... Jetzt ist Schluss.

Aber ich ... Ich auch! Ich habe meine eigenen Probleme ...

... mein eigenes verkacktes Leben.

Ich werde nicht sentimental, nur weil einer tot umgefallen ist.

Vielleicht warst du ja so'n Beamtenarsch.

So war ich nicht. Kann ja sein.

Aber du musst jetzt verschwinden.

Was passiert denn jetzt mit mir? Weiß ich auch nicht.

Hast du an irgendetwas geglaubt? Ja. Aber nicht so konkret.

Muss man gebeichtet haben, um eine Chance aufs Paradies zu haben?

Keine Ahnung. Aber man muss bestimmt 'ne Nummer ziehen.

Und es gibt eine lange Wartschlange.

Wo soll ich denn ...? Weiß ich auch nicht.

Frag dich durch. Da gibt's bestimmt 'nen Info-Engel.

Ich möchte hier bleiben. Nix. Jetzt ist Schluss.

Vati muss arbeiten. Also, ab ins Körbchen.

Das ist gemein. Ja.

Sterben tut entsetzlich weh. Die Unterhaltung ist beendet.

Der Schwamm ist echt schrecklich.

Herzinfarkt, da denkt man: zack und weg. Wo hab ich die Bürste?

Am Anfang, da denkst du noch ... Was esse ich heute Abend?

... vielleicht eine Magenkolik. Spiegelei ist gut.

Dann breitet sich der Schmerz aus. Dazu Bratkartoffeln.

Diese Atemnot, die Lungenflügel ... Ich glaube, ich hab keine mehr.

... blähen sich auf. Fahre ich eben in den Supermarkt.

Diese gellende Hitze ... Dann ein schönes kaltes Bier.

Und dieses Gefühl, die Eingeweide verkochen und dann ...

Hau ich das alles in die Pfanne.

Das nennt man den Vernichtungsschmerz.

Danach gibt's Champions-League.

Dann fällt man in Ohnmacht. Sonst mache ich nix.

Nur um aufzuwachen und zu spüren ... Feierabend.

Den werde ich genießen.

Gott, ich will nicht. Ich will einfach nur Spaß. Hilfe.

Und du haust jetzt mal ab.

Irgendwann passiert's dir auch.

Was ist denn das für ein merkwürdiger Fleck?

Sieht nicht gut aus.

Damit würde ich zum Hautarzt gehen.

Das is 'n Leberfleck, den habe ich schon immer. Ab!

War der auch immer schon so groß? Ja. Ich frage ja nur.

Normalerweise sind Leberflecken regelmäßig.

Aber das da franst am Rand richtig aus.

Ich finde, der sieht ganz normal aus.

Der daneben war auch schon immer da? Der zweite? Ja, der daneben.

Ach, der kleine? Na, so klein ist der nicht. Doch!

Und was ist mit denen am Hintern?

Ich bin ein bisschen unterzuckert. Ah ...

Unterzucker, das ist ja oft eine Folge von Überzucker - Diabetes.

Das wiederum kann ein Zeichen sein für Leberzirrhose.

Nee, ich bin kerngesund, werd 100 Jahre alt.

Außer du wirst von einem Hai gefressen.

Warum sollte ausgerechnet ich gefressen werden?

Zur falschen Zeit im falschen Wasser. Nee, ist nicht sehr wahrscheinlich.

Aber wenn, ist es umso schlimmer.

Wenn du unter dir den Schatten siehst.

Du denkst noch, was ist denn das.

Dann hörst du das Krachen des Knochens.

Oh Gott, ich werde gefressen.

Dann wünschst du dir die Leberzirrhose.

Wobei das natürlich auch sehr schmerzhaft ist.

Erfrieren soll ja sehr angenehm sein. Unangenehm beim Erfrieren ist das ...

Die Kälte, ne? Ja, diese entsetzliche Kälte.

Andererseits ist Verbrennen auch nicht viel besser.

Zum Glück ist beides nicht wahrscheinlicher,

als von einem Hai gefressen zu werden.

Sondern? Sondern was?

Ah, ein Stromschlag beim Wechseln einer Glühbirne.

Nee, das mach ich, seit ich 7 Jahre alt bin.

Also doch Krebs? Nee. Parkinson? Quatsch.

Gehirntumor? Nein, ach Gott.

Verschlucken einer Giftspinne. Ausgerechnet hier.

Das kann ja sein, ...

... dass man im Zoo an einem Gänseblümchen riecht.

Dass man Niesen muss, das Gleichgewicht verliert

und dann ins Bärengehege fällt.

Das kann sein, ist aber eben nicht sehr wahrscheinlich.

Was wäre denn wahrscheinlich? Weiß auch nicht, irgendwas Normales.

Also Herzinfarkt?

Ja, wenn dann eher so was.

Was zu Herzinfarkt passen würde, ist, dass dir so heiß ist.

Mir ist heiß, weil ich arbeite.

So blass im Gesicht. Guck dich mal selber an.

Dein Atem ist so komisch. Jetzt hör doch mal auf damit.

Was ist das für 'ne Scheiße. Hast du in die Hose gemacht?

Nein. Das ist normal bei Herzinfarkt. Ist mir auch passiert.

Wie alt bist du eigentlich ... Scheiße. ... geworden?

Jetzt passiert's! Scheiße. Oh! Ah.

Das war es.

Quatsch!

Nein, nein.

Wenn doch?

Ist doch absurd. Ich bin Mitte 40.

Das Beste kommt doch noch. Und wenn nicht? Keine Panik.

Was wäre denn das Beste gewesen? Merle.

Die Merle.

Um die hätte ich kämpfen müssen.

Ich dachte, ist eh zwecklos.

So eine Frau wie die, kriege ich sowieso nicht.

Jetzt keine Panik. Ausatmen und einatmen.

Nicht mehr atmen.

Jetzt halt doch mal die Fresse! Ich sterb jetzt hier nicht.

Jedenfalls nicht so. Ich hab das verstanden.

Das is 'n Warnschuss, 'n kleiner Warnschuss.

Ich werde doch jetzt hier nicht einfach ...

Ich kann doch nicht einfach abkratzen, jetzt. Doch nicht so.

Ich will heute Abend Champions-League gucken.

Ich wollte doch noch Gleitschirmfliegen,

mit dem Maserati fahren und Merle noch mal sehen.

Ich will Merle ...

Ah, Scheiße.

Wenn das hier gut ausgeht, rufe ich sie an

und sage ihr, dass ich sie heiraten will.

Dass ich mein Leben änder.

Ich höre auf mit dem ganzen Putzerscheiß.

Dann mache ich mein Abitur nach und studier noch irgendwas.

Irgendwas auf das sie vielleicht stolz sein kann.

Dann machen wir ein Kind.

Wenn das gut ausgeht, fange ich noch mal ganz von vorn an.

Da mache ich noch was Richtiges mit meinem Leben. Was Tolles.

* Tuten *

* Handyklingelton "Tatort" *

Hallo. * Hallo, hier ist Merle.*

* Du hast angerufen? * Ja, ich?

* Ja, hast du nicht gerade angerufen? *

Ja, doch.

* Und nur so, oder ...? *

Nee. Ich wollte ... nee ...

* Was denn? *

Ich hab mich verwählt. Ich wollte eigentlich den Merlin.

* Ach, okay. Na, na dann ... *

Nee, jetzt habe ich dich ja schon mal. Wie geht es dir denn?

* Gut. *

Freut mich.

* Ja, also dann mach's gut. * (Legt auf)

Nee, warte mal. Merle?

Wir waren in der falschen Schlange und ich musste noch auf Toilette.

Und auf ... Das ist falsch geklebt. Du bist auch falsch geklebt.

Die Dame sagte, dass muss vorn befestigt werden.

Du hast es hinten draufgeklebt.

Kommt auf die Perspektive an.

Aus der Leichenperspektive ist es hinten.

Aber es geht um die Laufrichtung.

Wenn ich da lang laufe ist hier hinten und da vorne.

Aber das ändert sich ja ständig. Aber doch nicht für dich.

Wo ich laufe, ist vorne. So ist das immer. Stimmt.

Was ist? Jetzt hast du den Kopf.

Ja und? Normalerweise habe ich den Kopf.

Dann hast du mal die Füße. Wir sollten es so machen, wie immer.

Dreht doch die Leiche um, dann stimmt es wieder.

Komm, wir drehen die Leiche um. Der Sarg bleibt zu.

Los jetzt.

Also dann ...

Man sieht sich.

Wenn das mal keinen Ärger gibt.

* Musikthema: Tatortreiniger *

Copyright Untertitel: NDR 2014

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