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NETFLIX PRÄSENTIERT
Also, wenn man fragt, würden die meisten Knockemstiff, Ohio,
oder Coal Creek, West Virginia,
wohl gar nicht auf der Karte finden.
Aber es gibt sie trotzdem, das garantiere ich.
Wie und warum es dazu kam, dass so viele Leute aus den zwei Nestern
miteinander zu tun haben, liegt viel an unserer Geschichte.
Manche würden sagen aus purem Zufall, andere schwören, es war Gottes Absicht.
Ich würde sagen, so wie alles ablief, war es ein bisschen von beidem.
1957 brauchte man ungefähr zehn Stunden,
um von Coal Creek zu einer Papierfabrikstadt
im Süden Ohios namens Meade zu fahren.
Von Meade war es dann nur noch ein Katzensprung nach Knockemstiff.
400 Menschen lebten zu der Zeit in Knockemstiff,
fast alle blutsverwandt
durch das ein oder andere verfluchte Unglück,
sei es Lust, Not oder einfach Unwissenheit.
Die Russells mieteten seit neun Jahren ein Haus auf den Mitchell Flats.
Aber für die meisten Nachbarn blieben sie Außenseiter.
Hey, Dad.
Ich nehme dich heute mit raus.
Vor Jahren hatte Willard ein verwittertes Kreuz zusammengebaut,
über einem umgestürzten Baum in einer Lichtung hinter seinem Haus.
Jeden Morgen und Abend sprach er dort mit Gott.
Seinem Sohn schien es, als kämpfte er ständig gegen den Teufel.
Jetzt bete. Erzähl ihm, was heute war.
Und denk dran, sei ehrlich.
Red keinen Mist, das merkt er.
Wenn er betete, wanderten seine Gedanken oft zurück
zum Krieg im Südpazifik und jenem Tag, als er und ein paar andere Soldaten
die Leiche von Gunnery Sergeant Miller Jones fanden.
SALOMONEN, SÜDPAZIFIK. 12 JAHRE ZUVOR
Ach du Scheiße.
Fuck.
Was steht da?
Miller Jones.
Fuck!
-Wir müssen was tun. -Die Japsen ließen ihn einfach hängen.
Nächster Halt, Meade, Ohio.
Bitte.
Danke.
Kurz bevor Willard sich verliebte,
traf auch der Mann, dem er den Platz wegnahm, seine Frau.
-Tut mir leid. Schlüssel vergessen. -Schon gut. Der Typ am Fenster.
Also, was darf es sein?
Schinken-Käse.
Schinken-Käse.
-Okay. -Sie sind neu, oder?
So offensichtlich? Mein Bruder hat mir kürzlich den Job besorgt.
Schinken-Käse.
Sie machen Fotos?
In den kommenden Jahren würde Carl Sandy "den Köder" nennen
und sie ihn "den Schützen".
Nur wenn ich ein Lächeln sehe, für das es sich lohnt.
Und beide ihre Opfer "die Models".
Ich überlege es mir.
Was möchten Sie?
Das Tagesgericht ist Hackbraten.
Nur Kaffee und einen Donut.
Danke.
-Sieht wirklich gut aus. -Nein!
Raus. Ich habe es schon mal gesagt.
-Nächstes Mal hole ich die Cops. -Ich bin Christ.
-Verzeihung. -Scheiß Heiden!
Ich mache draußen Pause.
Schon gut.
Ist ja gut!
Danke. Gott segne Sie.
Brauchen Sie noch was?
Nein, danke.
Das war nett, was Sie da getan haben.
Manche brauchen eben ab und zu Hilfe.
Verstehen Sie?
Ja.
-Kommen Sie aus dem Krieg heim? -Ich bin nur auf der Durchreise.
Nach West Virginia.
Ich komme aus Coal Creek.
Schade. Sie haben ein nettes Gesicht.
Na dann...
Hat mich gefreut.
Ja, mich auch.
Stimmt es, dass die Japsen ihre Toten essen?
-Wo hast du denn das her? -Stand in der Zeitung.
Gott, das ist echt gut.
Ich habe noch drei.
-Ja? -Ja.
Ich habe noch was, Onkel Earskell.
Das hier ist angeblich die Waffe, mit der Hitler sich die Kugel gegeben hat.
Du verscheißerst einen immer noch.
-Meinst du, der Typ hat gelogen? -Ja.
Aber ein schönes Geschenk.
-Ja. -Danke.
-Es ist eine deutsche. -Eine Luger.
Ach, du bist da!
Gott, ich habe mir solche Sorgen gemacht.
Es war nicht so schlimm.
Ehrlich nicht, Mama.
Ich würde mit dir auf Knien Jesus danken.
Aber du riechst nach Alkohol.
Ja, ich weiß.
Aber ich musste feiern.
Ich bin verliebt.
Wie heißt sie?
Ich kenne ihren Namen nicht.
Earskell.
Du kennst ihn nicht?
-Ich gab ihr einen Dollar Trinkgeld. -Wie bitte?
Für eine Tasse Kaffee?
Das vergisst sie nicht.
Ich weiß, du magst diese Kellnerin.
Oh, aber ich möchte dir ein Mädchen aus der Kirche vorstellen.
Ich will nicht in die Kirche, Mama.
Ruh dich aus.
Morgen früh geht es dir besser.
Obwohl er schon beim Anblick eines Kreuzes an Miller Jones dachte,
erzählte er keinem von dem gekreuzigten Marine.
-Willkommen. -Willard.
Ich bat Helen, sich zu uns zu setzen.
Nur zu, Helen.
Hi, wie geht's?
-Willard ist seit kurzem zurück. Helen... -Willkommen daheim.
Es sind erst vier Tage.
Willard wusste nichts von Emmas Versprechen an Gott,
ihn im Austausch für eine sichere Heimkehr mit Helen Hatton zu verheiraten.
Ihre Familie war bei einem Hausbrand umgekommen
und das arme Ding nun ganz allein.
Großer Gott.
-Es ist heiß, oder? -Amen.
Und es wird noch heißer.
Heute werden zwei Jungs aus Topperville den Gottesdienst leiten.
Alles klar.
Und sie haben eine gute Botschaft.
Also, holen wir sie. Kommt, Jungs.
Heißen wir sie willkommen.
-Willkommen, Jungs. -Willkommen.
Siehst du den im Rollstuhl?
Trank zu viel Strychnin oder Frostschutz und kann deshalb nicht laufen.
Schön. Danke fürs Kommen.
Sie stellen ihr Schicksal auf die Probe. Für mich geht das zu weit.
Danke, Reverend.
Ich bin Roy Laferty.
Das ist mein Cousin, Theodore.
Nun wird der Heilige Geist diese Kirche besuchen,
die seinen heiligen Namen trägt.
Bist du gebadet
Im Blut
Los, Theodore.
Wovor habt ihr am meisten Angst?
Wenn es Ratten sind, wird Satan sie euch zuhauf schicken.
Genau, Junge. Hast recht.
Brüder und Schwestern...
...Ihr liegt da und seht sie an euch nagen.
Ihr könnt keinen Finger heben.
Und es wird nie aufhören.
Nicht in einer Million Jahren in der Ewigkeit.
Rechnet gar nicht erst.
Komm, Herr.
Kein Kopf ist groß genug, um so ein Elend auszurechnen!
Ja?
Brüder und Schwestern, kein Mensch war je so bösartig.
Nicht mal Hitler
fielen solche Dinge ein, mit denen Satan die Sünder
am Jüngsten Tag bezahlen lässt!
Ja!
-Ganz recht, meine Freunde! -Ja, Sir, lobet den Herrn!
Amen.
Ich will euch etwas sagen.
Bevor ich den Heiligen Geist fand...
...hatte ich Todesangst vor Spinnen.
Stimmt's, Theodore?
Ich war ein Kümmerling und versteckte mich unter Mutters Rock.
Spinnen krabbelten durch meine Träume,
legten Eier in meine Albträume.
Sie webten...
...ihre Netz überall...
...und lauerten.
Ich hatte ständig Angst, ob wach oder im Schlaf, egal.
Das ist die Hölle, Brüder und Schwestern!
-Lobet den Herrn! -Stimmt.
Diese Teufel ließen mir keine Ruhe!
Amen!
Erst, als der Herr mir Kraft gab!
Amen!
Brüder und Schwestern...
Seht her!
Der Herr behütet mich jetzt.
Amen!
Lasst euch das gesagt sein!
Der Geist wird euch die Ängste nehmen, wenn ihr willens seid.
Das mit den Spinnen war eine nette Idee.
Ich werde heute kein Auge zutun.
Wäre Helen nur mit uns gegangen.
Vielleicht wäre sie es, wenn du sie mehr beachtet hättest.
Der richtige Mann würde ihr ein gutes Leben bieten.
Emma hatte Angst, es würde etwas Schlimmes passieren,
wenn sie ihr Versprechen nicht hielt.
Helen traf an dem Tag tatsächlich ihren zukünftigen Mann.
Segnen Sie mich, Reverend. Segnen Sie mich.
Und Willards Gedanken waren schon meilenweit weg.
Bin gleich da.
Ich hab's nicht eilig.
-Wenn das nicht.... -Ich kenne Ihren Namen nicht.
Charlotte, Hühnchen mit Erbsen.
Bin gleich wieder da.
Ich bin Anwalt.
Immobilien sind nicht mein Geschäft.
Aber mir gehören ein paar in Meade, Knockemstiff.
Langfristige Investitionen.
Hier sind keine Waschbecken, Mr. Dunlap.
Es gibt kein fließendes Wasser. Draußen ist ein Brunnen.
Was meinst du, Arvin?
Obwohl er seit Jahren nicht mit Gott sprach,
kein Bittgesuch, kein Wort der Lobpreisung,
seit er den gekreuzigten Marine gesehen hatte,
verspürte Willard den Drang, mit seinem Schöpfer ins Reine zu kommen,
bevor seiner Familie etwas zustieß.
Kurz bevor die Kinder kamen
Und es im Zimmer ganz still war
Hörte ich jemanden nach mir rufen:
"Komm rauf
Meine kleine Bessie"
-Wo warst du? -Ich habe mir das Land angesehen.
Was denkst du?
Es ist schön.
Die Miete scheint mir fair.
Wenn wir sparen, können wir es vermutlich kaufen.
Wäre das nicht toll?
Arvin hätte ein eigenes Zuhause.
Das hatte ich nie.
Es läuft gut, Mama.
Wir fanden ein Haus in einem Tal namens Knockemstiff.
Arvin wurde gerade eins und hat jetzt viel Rasen zum Spielen.
Wir sparen Geld, um das Haus zu kaufen.
Es wird also eine Weile knapp.
Wir holen dich sobald es geht.
Dein Sohn, Willard.
PS:
Ich will wieder beten.
"Wir holen dich sobald es geht.
Dein Sohn, Willard.
PS: Ich will wieder beten."
Du passt auf Lenora auf?
Aber ja. Gib sie mir. Wo wollt ihr denn hin?
Nur ein bisschen rumfahren.
Mal raus aus dem kleinen Haus.
Sie wusste nicht, dass sie Lenora nie wiedersehen würde.
Sieben Jahre später fand man Helens Leiche im Wald vergraben.
Gehen wir spazieren.
Beten draußen und bewundern die Bäume.
Wie du willst, Roy, aber was ist mit Theodore?
Theodore bleibt im Auto.
Genau. Nur keine Sorge wegen mir.
Ich mache ein Nickerchen.
Nur du und ich, Liebes.
1957 war Arvin Eugene Russell neun Jahre alt.
Er war als Einziger im Schulbus nicht mit jemandem verwandt.
Drei Tage zuvor war er wieder mit einem Veilchen heimgekommen.
Ich nehme dich heute mit raus.
Sie wollen was einzahlen, Sir?
Schon das zweite Mal. Die Scheißer ziehen ihn dauernd auf. Das ist falsch.
Die Jungs mögen größer sein.
Aber wenn wieder einer anfängt, will ich, dass du es beendest.
Verstehst du?
Ja, Sir.
Jetzt bete. Erzähl ihm, was heute war.
Und denk dran, sei ehrlich. Red keinen Mist.
Das merkt er.
Teufel, ein Erweckungstreffen.
Jetzt könnten wir seine Alte besuchen.
Dad?
Die Zeit gehört dem Herrn und keinem anderen, klar?
-Die hält mir sicher das Bett warm. -Halt die Klappe, Lucas.
Würdest du die etwa verschmähen?
Komm, du blöder Scheißkerl. Das Ding wird schwer.
Trotz Arvins Befürchtungen gingen die Wilderer nicht zu seinem Haus.
Ich wollte still sein
Und überlegen
Was du gesagt hast
Kurz bevor die Lampen angingen
Kurz bevor
Die Kinder kamen
Und es im Zimmer ganz still war
Hörte ich jemanden nach mir rufen
"Komm rauf, meine kleine..."
-Arvin. -"...Bessie"
Arvin.
Arvin, ich fahre tanken.
Lieg nicht den ganzen Tag wie eine Katze faul rum.
Runter, Jack.
Kann Jack mit?
Komm schon, Jack.
Hey.
Bringst du Zucker mit?
GEMISCHTWARENLADEN
Kurbel das Fenster hoch.
Arschloch!
-Scheiße. Immer mit der Ruhe! -Der bringt ihn um!
Hey! Komm, lass ihn los!
Du bringst ihn um!
Scheiße!
Stubbs, komm raus, Mann!
Los, verschwinde schon!
Hau bloß ab!
Weißt du noch, was ich gesagt habe über die Jungs im Bus, die dich schlagen?
Das meinte ich. Du musst nur die richtige Zeit wählen.
Ja, Sir.
Es gibt viele nichtsnutzige Scheißkerle.
Mehr als 100?
Ja, wenn nicht mehr.
Wie wäre ein Schokoriegel?
Wir brauchen auch Zucker für Mama.
Arvin dachte oft an diesen Tag.
Für ihn war es der beste mit seinem Vater.
Welchen Schokoriegel willst du?
Einen Charleston Chew.
Mama?
Mama?
Mama?
Mama?
Dad!
Mama!
Nein! Charlotte!
Hörst du? Charlotte!
-Was heißt das? -Die Testergebnisse sind nicht gut.
Das Morphium dämpft den Schmerz, aber wir können den Krebs nicht zerstören.
Reden wir unten.
Die Ärzte können deiner Mom nicht helfen.
Aber er kann sie retten. Ja, wenn wir nur fest genug beten.
Der Herr kann alles, wenn du ihn nur richtig bittest.
Okay?
Falte die Hände und bete mit allem Ernst.
Herr, bitte rette meine Frau.
Zerstöre den Krebs in ihr, Herr.
Wir brauchen deine Hilfe, Herr.
Wir brauchen deine Hilfe, und ich weiß, dass du es kannst.
Du kannst es.
Bitte, Herr, bitte.
Bete, verdammt.
Soll deine Mama sterben?
Nein, Sir.
Dann bete.
Herr, bitte rette meine Mama!
Säubere den Krebs in ihr!
Hilf uns!
Du betest jetzt!
-Hörst du? -Ja, Herr.
Rette meine Mama, Herr!
Bitte säubere den Krebs in ihr!
Und weine nicht, hörst du?
Weine nicht.
Bete mit allem Ernst.
Herr, verschone meine Frau!
Nimm sie mir nicht weg.
Nimm sie mir nicht weg.
Nimm sie mir nicht weg.
Alles wird gut. Gott wird uns erhören.
Er kümmert sich um Mama.
Alles in Ordnung?
Wir haben hinten Zimmer, falls du Gesellschaft brauchst.
Schon gut.
Ihm kam in den Sinn, dass womöglich mehr erwartet wurde
als nur seine Gebete und Ernsthaftigkeit.
Gott neigte dazu, Menschen um Opfer zu bitten,
als Beweis für ihren Glauben.
Dad, nein!
Dad, nein!
Dad, nein!
Dad!
Herr, das ist der Hund meines Jungen.
Wir liebten ihn.
Er liebte ihn.
Jetzt nimm du ihn.
Bring ihn zurück!
Du rettest Charlotte!
Alles wird gut, Arvin.
Alles wird gut.
Wir könnten doch wegfahren.
Deine Grandma in Coal Creek besuchen.
Du lernst Onkel Earskell kennen.
Und das Mädchen, das bei ihnen lebt. Es ist etwas jünger als du.
Vielleicht bleiben wir eine Weile.
Arvin?
Wärst du nur hier, Jack.
Wenn Dad schläft...
...hole ich dich runter und begrabe dich richtig.
So wie Mama.
Ich mache das nicht mehr, hörst du?
Ich bete nicht.
Hörst du?
Ich mache das nicht mehr.
Hörst du?
Man kann als Gesetzeshüter Geld machen, wenn man aufpasst und nicht gierig wird.
Ich will raus aus meinem Haus, Lee.
Ich sagte doch, Süße, es ist nur eine Frage der Zeit.
Dann keine Parkplätze mehr.
Keine Pepsi-Becher. Nur ein großes Bett.
Ja.
Die Leute hier mögen mich.
Das weißt du, Schatz.
Ja.
Ich werde gewählt.
Krieg ein... gemütliches Haus in Brewer Heights.
Siehst du es?
Das war gut.
-Ist alles im Becher? -Ja.
Irgendeine Streife in Knockemstiff? Over.
Deputy Bodecker, sind Sie in der Gegend? Es kam ein Anruf von Hank.
-Fuck. -Sehen Sie da mal nach?
-Kann ich mit? -Bist du verrückt?
Hast du mir nicht zugehört? Ich muss an die Wahl denken.
Und?
Es geht hoffentlich nicht um die verdammten Spanner.
Schön wär's. Es geht um den Daddy des Jungen.
Was ist, Junge?
Er ist tot.
Heute wurde auch seine arme Mama beerdigt. Es ist eine Schande.
-Hast du Blut im Gesicht? -Nein.
Jemand hat einen Kuchen gebracht.
-Da ist er. -Himmel.
Was riecht hier so?
Verdammt, Junge.
-Was zum Teufel ist das? -Ein Gebetsbaum.
Gebetsbaum?
Ja.
Aber er nützt nichts.
Lenora?
Mama kommt, Lenora.
Hey, schon gut.
Ist alles gut.
Abendessen.
Ich habe den Heiligen Geist in mir! Ich will ihn einsetzen.
Herr!
Sprich!
Roy?
Ich habe überlegt...
Vielleicht will der Herr, dass du raus ans Licht kommst.
Wie kannst du Gott da drin nahe sein?
Er mag keine dunklen Orte.
Roy?
Roy war bei einer Predigt von einer Spinne gebissen worden.
Sein Kopf war auf Kürbisgröße angeschwollen.
Na dann.
Guten Appetit.
In der Zeit, bis die Schwellung abklang,
kam er zu der Überzeugung, dass der Herr prüfen wolle,
ob er für etwas Größeres bereit war.
Zwei Wochen blieb er im Schrank und wartete auf eine Antwort.
Er roch schlimmer als ein Truckstop-Scheißhaus.
Herr, bist du das?
Nein, ich hab keine Angst!
Wir vertraue auf dich!
Ehre sei Gott!
Ich höre dich! Ja, ich bin hier.
Helen. Wie schön, dich zu sehen, Liebes.
Es ist eine Weile her, oder?
Ist alles in Ordnung?
Ja, jetzt schon.
Roy hat sich endlich wieder im Griff.
Schön zu hören.
"PS: Ich will wieder beten."
Du passt auf Lenora auf?
Aber ja. Gib sie mir. Wo wollt ihr denn hin?
Nur ein bisschen rumfahren.
Mal raus aus dem kleinen Haus.
Na siehst du.
Ja.
Der Platz sieht doch gut aus, oder?
Ja.
Der Herr ist hier, Schatz.
Ich spüre ihn.
Gott liebt dich, Helen.
Lenora…
Gott...
Ich hörte dein Wort.
Helen.
Ich erwecke dich.
Mit Gottes Gnade in mir...
...erwecke ich dich.
Komm zurück!
Gott!
Es ist an der Zeit!
Erwecke sie! Komm zurück!
Komm zurück, Geist! Erwecke sie!
Gott!
Erwe...
Gott!
Erwecke sie!
Komm schon!
Jetzt komm, erwe...
Ich könnte zur Polizei gehen und von dem Unfall erzählen.
Du stachst deiner Frau in den Hals, um sie wiederzuerwecken,
und begrubst dann ihre Leiche.
Das ist kein Unfall.
Das ist ein Irrer, der seine Frau getötet hat.
Fahr weiter nach Süden.
Wenn wir die Highways meiden, passiert uns nichts.
Wo sind wir, Roy?
Roy?
Roy?
Roy?
-Wo willst du hin? -Coal Creek, West Virginia.
Wir fahren dich nah genug.
Ich bin Carl, das ist Sandy.
Ist sie nicht toll?
Ich weiß das zu schätzen.
Warum nehmen manche keine Fremden mit?
Anderen zu helfen, ist doch was Gutes.
-Sie klingen wie ein Christ. -Carl unterrichtete in der Sonntagsschule.
Nicht wahr, Baby?
Das stimmt.
Das stimmt.
Wie heißt du?
Roy.
Roy Laferty.
Was ist in West Virginia, Roy?
Ich besuche da meine Tochter.
Kumpel, aufwachen.
Hey, na los.
Ich will dir was zeigen.
-Was? -Ich tu dir hier was Gutes, Kumpel.
Na komm.
Ich tu dir was Gutes, Kumpel.
Ich will deine hässliche Visage neben einer hübschen Lady ablichten.
Na komm, sie mag schlaksige Kerle wie dich. Komm schon.
Was geht hier vor, Mister?
Ach, komm. Um Himmels willen.
Sperr die Ohren auf.
Du vögelst meine Frau und ich mache davon Fotos.
Ihre Frau?
Na los.
So was habe ich noch nie gehört.
-Ich dachte, Sie wären ein guter Christ. -Klappe und runter mit den Fetzen.
Ich habe einiges hinter mir.
Sollen Sie diese Hände wirklich berühren?
Komm, Schatz.
Wir machen ein paar Fotos, dann lässt uns der dumme Kerl in Ruhe.
Frau...
...sieh mich an.
Du tust, was ich sage, du Scheißkerl.
Nein.
Oh Gott.
Carl, fahren wir lieber.
-Vergiss es. -Mir ist kalt.
Ja, es ist kalt.
Roy sah zu den vorbeiziehenden Wolken und fragte sich, ob so der Tod wäre.
Man schwebt einfach davon.
Er predigte seit Jahren vom Tod, wusste aber nicht, wie er war.
Nur noch eins.
Und was?
Sie heißt Lenora.
Wovon redest du da?
Meine kleine Tochter.
Lenor...
Es war die Anfangszeit des Paares,
und Carl arbeitete noch an den Einzelheiten.
Verflucht.
Er musste seine Models besser auswählen, damit Sandy an Bord blieb.
Mach von da unten Bilder, solange das Licht gut ist.
COAL CREEK, WEST VIRGINIA. 1957
Guten Tag, Ma'am.
-Sind Sie Emma Russell? -Ja.
Unterschreiben Sie hier und der Junge gehört Ihnen.
Gut. Geben Sie her.
Arvin?
Gib mir die schwere Tasche.
Oh Schatz, wir sind so froh, dass du da bist.
Das ist dein...
...Onkel Earskell.
Hallo.
Das ist Lenora.
Lenora ist deine Stiefschwester.
Hi, Arvin.
Hi.
Los geht's.
Und los geht's.
-Alles Gute zum Geburtstag, Arvin. -Alles Gute, Schatz.
-Alles Gute zum Geburtstag. -Oh nein.
Zum Geburtstag viel Glück!
Alles Gute zum Geburtstag.
Gut.
Wünsch dir was, bevor die Kerze abbrennt.
Sieht toll aus, der Kuchen.
-Arvin. -Schon gut, gleich.
Danke.
Also, das gehörte deinem Daddy.
Was ist das?
Die Waffe von Willard.
Fand es Zeit, sie weiterzugeben.
Das ist eine deutsche Luger, hat er aus dem Krieg mitgebracht.
Ich habe keine Verwendung für Handfeuerwaffen.
Er wollte sicher, dass du sie hast.
Das ist das beste Geschenk. Danke, Onkel Earskell.
Schrotflinten sind das Richtige.
Kann sein, aber ich habe sonst nichts von ihm.
Also danke.
Die Zeit vergeht.
Runter mit dir.
Die Jungs in der Schule hänselten Lenora
wegen ihrer Frömmigkeit und des verkniffenen Gesichts.
Du bräuchtest einen Sack überm Kopf, damit ich einen Ständer kriege.
Gene Dinwoodie, Tommy Matson und Orville Buckman
trieben sie beim Müllcontainer in die Enge.
Hast sicher deinen Bruder gevögelt.
Bitte aufhören! Stopp!
Verdammt!
-Lasst mich los! -Hör auf!
Runter von mir! Fuck!
Arvin liebte sie wie eine Schwester und beschützte sie um jeden Preis.
Egal, wie das Wetter war,
Lenora besuchte nach der Schule das Grab ihrer Mutter.
Manchmal las sie sogar laut aus der Bibel und dachte, ihre Mutter hörte zu.
Obwohl er fürs Beten nichts übrig hatte, fuhr Arvin sie oft hin und blieb bei ihr.
Arvin?
Ein Wunder, dass du nicht ins Krankenhaus musst.
Es gibt viele nichtsnutzige Scheißkerle.
Gott, Arvin, das sagst du fast schon seit ich dich kenne.
Weil es wahr ist.
Bete doch für sie. Würde das jemandem schaden?
Das tust du schon zu Genüge, und was bringt es dir?
Weißt du, was gut wäre?
Wenn du nicht mehr allein hinter der Schule rumläufst.
Scheiß Gene Genewood.
Fragst du dich je...
...wie wir als Waisen im selben Haus landeten?
Nein.
Und du bist vielleicht gar keine Waise.
Was die Leute hier angeht, lebt dein Daddy noch und ist putzmunter.
Wahrscheinlich kommt er bald über den Hügel gehüpft.
Das hoffe ich.
Ich bete jeden Tag dafür.
Auch wenn er was getan hat?
Ich habe ihm bereits vergeben.
Wir fangen neu an.
Das ist verrückt.
Ist es nicht.
Und dein Vater?
Was soll mit ihm sein?
Ich weiß, was er getan hat.
Na ja.
Vergib ihm, wenn er zurückkommen könnte.
Ach, sei still. Das wird nie passieren.
-Tut mir leid, dass ich davon anfing. -Schon gut.
Ich bin dankbar, dass du mich immer begleitest.
Bestimmt wärst du lieber woanders.
Wir sind Familie. Wir müssen aufeinander achten.
Lenora! Arvin!
Kommt her!
Ich bin eine Weile weg.
Ich bete für Sie.
Inzwischen...
...übernimmt der Sohn meiner Schwester aus Tennessee für mich.
Er hat gerade die Bibelschule abgeschlossen.
Ich wäre euch dankbar, wenn ihr ihn herzlich aufnehmt.
Sag deiner Grandma, zur nächsten Messe soll jeder ein Gericht mitbringen.
Natürlich.
Welche Ausbildung planst du?
Cliff Baker sagt, er kann mich bei den Asphaltierern
auf dem Greenbrier-Abschnitt der Route 60 unterbringen.
-Ja. -Schätze, ich mache das. Du?
Mein alter Herr nagelt mich hier fest. Vermutlich besser als Vietnam.
Ja, vermutlich.
Alle sagen, es schmeckt ihnen, wie sie mache, aber...
Dann mache ihm ein großes Steak.
Das kann ich mir doch nicht leisten.
Mach dir keine Sorgen. Er ist nur ein Prediger.
Alle sagen, dass sie keiner so gut macht wie du.
Also Hühnerleber.
Freut mich.
Freut mich, Sie kennenzulernen.
Schön, Sie kennenzulernen.
Freut mich.
Freut mich.
Emma war eine der besten Köchinnen im Bezirk.
Wenn Leute ihr Essen lobten,
sagte sie, sie konnte kein Ei braten, bis sie den Herrn fand.
Und dass er ihr die Hand führte und alles gut werden ließ.
Alles klar.
Liebe geht durch den Magen.
Nimm die Mütze ab, du weißt doch.
Hallo.
Schön, Sie kennenzulernen, Reverend. Emma Russell.
Gleichfalls. Was haben Sie da?
Während Preston Teagardin den Hühnerlebersaft im Mund schwenkte,
regte sich in ihm eine Predigt.
Gesegnet sei
wer nach Rechtschaffenheit hungert und dürstet.
Ich hoffe, es schmeckt.
Preston gefiel es, wie die Leute ihm an den Lippen hingen.
Er war dankbar, dass seine Mutter vor Jahren entschied,
dass er Prediger würde.
Mit den Fäusten gewann er nie,
aber er konnte das Buch der Offenbarung im Schlaf aufsagen.
Freunde...
...ohne Zweifel...
...sind wir alle hier bescheidene Leute.
Amen.
Ihr seid alle sehr nett.
Ich danke euch herzlich für das Willkommen.
Ja.
Aber Freunde...
...die arme Seele,
die die Hühnerleber auf der alten Platte brachte...
Darüber möchte ich vor dem Essen kurz predigen.
Klar... haben manche mehr Geld als andere.
Ich sehe
hier auf dem Tisch viel weißes und rotes Fleisch.
Und ich vermute, dass die Leute, von denen es ist,
manchmal reichlich gut essen.
Aber arme Leute... müssen bringen, was sie sich leisten können.
Die Organe da...
...sind ein Zeichen...
...das mir sagt, dass ich als neuer Prediger dieser Kirche
mich opfern sollte,
damit ihr alle was von dem guten Fleisch habt.
Genau das werde ich tun, Freunde.
Ich esse die Organe.
Weil ich mich immer an Jesus orientiere, wenn er mir die Chance gibt.
Und heute segnet er mich mit einer Chance, in seine Fußstapfen zu treten.
Amen.
Keine Sorge wegen dem aufgeblasenen Sack.
Ich wette, der hat keinen Heller.
So eine Blamage. Ich wäre am liebsten unter den Tisch gekrochen.
-Ich rede mit ihm. -Nein, Arvin.
Lass das.
So einen Prediger wollte ich nicht.
Der ist gar kein Prediger. Der ist so schlimm wie die im Radio.
Sicher wollte er die Hühnerleber nur für sich.
Deshalb tat er das.
Er hat sie doch verschlungen.
Rede nicht so, Arvin.
Prediger Teagardin ist hier, weil Gott ihn geschickt hat.
Der Prediger protzt etwas.
Kommst du nicht?
Nein, ich muss noch was erledigen.
Geht das nicht, nachdem ich bei Mama war?
Nein, ich komme wieder.
Na geh.
...stehen kurz vor einem Durchbruch.
Gott sagte, in den nächsten Jahren stehen wir kurz vor dem Paradies.
Aber es stimmt etwas nicht.
Und ich sage euch, wir brauchen Gebetskraft
und spirituelle Kraft.
In Südvietnam kämpfen Soldaten mit Waffen.
Aber unser Geist...
Wer ist da draußen?
Lenora Laferty, Prediger Teagardin.
Hast du geweint?
Es ist nichts.
Ich werde nur manchmal traurig.
In der Schule werde ich gehänselt und nächstes Jahr bin ich ganz allein.
In deinem Alter war ich wie du. Angefüllt mit Gott.
Einige Kinder... waren hart zu mir.
Was taten Sie dagegen?
Na ja.
Es war eine harte Zeit. Aber die waren nur eifersüchtig.
Neid bringt das Schlimmste im Menschen zum Vorschein.
Vor allem bei jungen Leuten.
Ich weiß nicht, ob du irgendwo hin musst.
Aber... fahren wir doch eine Runde.
Es gibt da einen ruhigen Ort, an dem ich gern bete.
Wie sein Vater vor Jahren
achtete Arvin auf den richtigen Zeitpunkt.
Er wusste, seine Chancen standen besser,
wenn er sich nicht alle Schweine auf einmal vorknöpfte.
Was war das?
Nichts. Ist wohl nicht ganz zu.
Runter mit dem Schlüpfer.
Mach die Tür zu.
Hoffe, es lohnt sich.
Du Stück Scheiße!
Hör auf!
Arschloch!
Orville, starte mal. Es sind nicht die Zündkerzen.
Nein.
Hey, Gene, noch ein Twinkie?
Nein, danke.
Hey, warte!
Warte! Es tut mir leid!
Willst du das Scheißding jetzt?
Willst du den Twinkie? Ja?
Nein!
Rührst du meine Schwester noch mal an, bringe ich dich um.
Ist das klar?
Ja.
-Ist das klar? -Tut mir leid.
Hier spüren wir den Herrn, oder?
Nett, dass Sie so weit fahren.
Lenora.
Hast du dich wirklich dem Herrn geöffnet...
...bei Prediger Sykes oder einem anderen Prediger?
Einmal...
...hat Reverend Sykes mit mir geweint.
Das meine ich nicht.
Hast du dich je gezeigt, wie der Herr dich schuf?
In meinem Evakostüm? Nein.
-Nicht? -Nein.
Dich so zu zeigen, wie der Herr seine ersten Kinder schuf,
heißt, sich ihm wirklich zuzuwenden.
Und ihn Zeuge werden zu lassen, das ist Mut in Reinform.
Ich soll mich ausziehen?
Komm und bete.
Herr, Lenora zeigt sich dir.
Sieh sie dir an, Herr, wie du sie erschaffen hast.
Sie zeigt sich dir jetzt.
Gib ihr die Kraft.
Wir sind zusammen...
...vor dem Herrn.
Amen.
Amen.
-Tut mir leid, dass ich nicht da war. -Schon gut.
Du hast sicher auch andere Dinge zu tun.
Ich kann ab jetzt allein herkommen.
Wie ihre Mutter vor Jahren
spürte Lenora nun dieselbe Kraft, die Helen zu Roy Laferty hingezogen hatte.
Das Mädchen wollte die Liebe fassen, die vom Prediger ausging.
MEADE, OHIO. 3 MONATE SPÄTER
Dreiunddreißig nach Athens, 50 nach Clarksville.
Neunundsiebzig Nord nach Pittsburgh.
33, 50, 79.
33, 50, 79.
33, 50, 79.
Leck mich, Carl!
Scheiße.
Scheiße.
Es war Sommer 1965,
und das Paar bereitete sich auf seinen 14. Roadtrip vor.
Carl hatte längst entschieden,
dass junge, gut aussehende Anhalter das Beste seien.
Was zum Henker läuft hier?
Konnte nicht schlafen.
Du gingst raus, weil...
Wollte das Auto früh packen.
Wir packen nicht früh, Sandy.
-Vögelst du rum? -Nein.
-Arbeit? -Nein.
Ich muss morgen geschäftlich in die Stadt.
Denkst du, ich will mit lauter Taschen rumfahren?
Du kaufst bloß eine Kamera.
Ich komme ja schon, verdammt!
-Ich breche die Tür auf. -Himmel!
-Du siehst übel aus. -Ich habe geschlafen.
Was willst du?
Was suchst du?
Poltere nicht so durch meine Küche.
-Hast du was Süßes? -Nahm Jane dir den Alkohol weg?
Fährst du wohin?
Geht dich zwar nichts an, großer Bruder, aber ich fahre in Urlaub.
North Carolina.
Was willst du, Lee?
Ich kriege viele Anrufe wegen Mädchen, die im Tecumseh gevögelt werden.
Auch dein Name fiel ein paar Mal.
Schwachsinn.
Es steht bald die nächste Wahl an.
Und der alte Matthew tut alles, damit ich schlecht aussehe.
Ist Carl dein Zuhälter? Der fette Scheißkerl?
Nein, er macht Lieferungen.
Lieferungen?
Für wen?
Was weiß ich?
Er macht Geld, um das ich dich nicht bitten muss.
Ist es Leroy?
Verzieh dich, Lee.
Der kriegt, was er verdient.
Halt dich einfach bis nach der Wahl zurück, klar?
Tu bloß nicht so unschuldig.
Ich bin hier das Gesetz, Schwesterchen.
Und das ist entscheidend.
Cody Hamilton,
ein 20-jähriger Tischler, der früh morgens in West Virginia angelte.
Was zum Teufel treibst du, Sandy?
Hey, Lee. Sandy hat frei.
Die Hälfte dieses Lochs ist Leroys Privatbereich.
Ich sehe mir die Hurenräume an.
Da ist nichts, Lee.
Lass mich vorbei.
Gesetzeshüter.
Wenn der Mann, der dir extra Geld gibt, fragt, warum du so rot wie ein Baby bist,
sag ihm, wer die Hure ist.
Bodecker glaubte, Menschen seien wie Hunde:
Fingen sie erst an zu graben, hörten sie nicht mehr auf.
Erst würde es heißen, der Sheriff hätte eine Hure zur Schwester.
Dann kämen die Bestechungen und der andere Mist, der sich anhäufte,
seit er die Marke trug.
Und wenn er nicht aufpasste,
erfuhr irgendwann jemand von seinen Geschäften mit Leroy.
Mein Junge.
Ist lange her.
-Was darf's sein? -Kaffee. Ich bleibe nicht lange.
-Neues Spielzeug? -Eine englische Waffe.
Echt selten. Sie braucht spezielle Kugeln.
Nicht zurückverfolgbar.
Nicht zurückverfolgbar.
Tut mir leid!
Es heißt, der Sheriff hat ein Auge auf die Mädels von Tecumseh.
Das kostet mich mein Geld.
Verliere ich Geld, kostet es dich deinen Anteil.
Es hatte nichts mit dir zu tun.
Jetzt schon.
Bobo, vemöbelst du je einen, der mir Geld einbringt?
Nein.
Kam mir nie in den Sinn, wenn ich so überlege.
Der Typ, der gegen mich antritt, erzählt rum,
ich würde bei Sandy ein Auge zudrücken.
Bobo, iss nicht meine Reste.
Gib mir den Umschlag.
Du schuldest mir was.
Meine Verluste in der Bar.
Schwachsinn.
Da verlierst du nichts.
Ach ja?
Und das weißt du, weil du ein Schisser bist,
wie alle meine Handlanger?
Oder weil ganz Meade weiß, dass du käuflich bist?
Das kriegst du pro Woche, bis wir quitt sind.
Und jetzt raus aus meinem Diner.
Bodecker wusste, Leroy und sein Laufbursche Bobo
würden ihn töten, wenn er noch mehr Ärger machte.
Er musste an die Wahl denken und konnte sich keine Bürde leisten.
Meine Bar ist tabu und deine Hurenschwester auch, verstanden?
Danke fürs Anhalten.
-Wie heißt du, Süßer? -Private Gary Matthew Bryson.
Ein schöner Name.
Du klingst wie beim Appell.
Entspann dich.
-Was ist dein Rufname? -Gary.
So hieß mein Vater. Zu Hause bin ich Gary Matthew.
-Matthew ist aus der Bibel, oder? -Alles ist aus der Bibel, Schatz.
Matthew ist einer der Apostel.
Du wusstest, dass dein Name aus der Bibel stammt, oder?
Wir gingen nicht oft in die Kirche.
Aber du bist getauft?
Natürlich.
Wir sind keine Heiden. Ich weiß nur nicht viel über die Bibel.
Gut.
Gott weiß, wo einer landet, der nicht errettet wurde.
Zurzeit wohl in Vietnam.
Wunderschön, oder?
All die hohen, hohen Bäume.
Ein schönes Bild.
Allerdings.
Du bist nett, Gary.
Danke fürs Mittagessen.
Dann essen wir mal.
Was willst du, Gary?
Fleischwurst.
Fleischwurst?
Käse auch?
Ja, bitte.
Okay.
Danke.
Hier, Schatz.
Gary?
Nein, danke.
Du trinkst nicht?
Ich vertrage es nicht. Bringt mich immer in Schwierigkeiten.
Komm schon.
Du meinst, du willst mit so einer Hübschen nichts trinken?
Ach, zum Teufel.
Ja.
Da wird man wach.
-Hier. -Nein, trink du noch mal.
-Prost. -Prost.
Ich weiß was.
Da wir uns wohl nicht mehr sehen, halten wir das für die Nachwelt fest.
-Ein Foto? -Ganz genau.
-Ich bin dabei. -So ist es richtig.
Weißt du was, Private?
Leg dich doch auf die Seite auf die Decke.
So?
Genau so.
Jetzt nimm die Flasche, als hättest du sie die ganze Zeit gehabt.
Wie ist das?
-Du döst bei Ferlin. -Ich mag den Gospel-Mist nicht.
Wir taten ihm was Gutes.
Er wäre sowieso in Vietnam erschossen worden.
-Verflucht. Er war nur ein Model. -Ich sagte doch, ich mag das nicht mehr.
Ich hasse es, wie manche weinen.
Du weißt das nicht zu schätzen, aber Tränen kommen gut auf Fotos.
Sandy verstand nicht,
dass in seiner Art zur denken das die einzig wahre Religion war.
Nur in Gegenwart des Todes
spürte er die Gegenwart von etwas wie Gott.
Nein!
Bitte!
Fass nicht... Fass ja nicht die Kamera an, Junge.
Das kranke Arschloch.
Gehen wir doch in ein Motel.
Essen Steak und spannen ein, zwei Tage aus.
Wie klingt das?
Private Gary Matthew Bryson wird sich nicht Fort Eustis melden.
Aber er ist nicht feige, er wurde getötet.
Getötet?
Begraben am Mechums River, West Virginia, zerhackt in einem Koffer.
-Ich muss mit meinem Vorgesetzten reden. -Ich rede mit keinem sonst.
Ich kenne Fälle aus meiner Lektüre über Sünde,
da wurde jemand so krank...
...wegen einer Sünde,
die er beging und für so schwerwiegend hielt, dass er...
...Einbildungen bekam.
Vor langer Zeit las ich eine Geschichte über... Leute.
Arme Leute.
Die konnten kaum schreiben...
...und hielten sich für den Präsidenten...
...oder...
oder einen Hollywood-Star wie Ava Gardner.
Ich verstehe nicht, wovon du sprichst.
Das gehört dazu.
Im Buch steht...
...sie können nicht... verstehen.
Überleg mal.
Wie...
...könnte ich der Daddy sein,
wo wir doch nur Zeit mit dem Herrn verbrachten?
Lange Nacht?
Hab wieder in Elder Stubbs Garage Karten gespielt.
Diesmal gewonnen?
Nein, eher nicht.
Hab Fred Dinwoodie da gesehen.
Sein Junge ist fast geheilt.
Du hättest dich etwas zurückhalten können.
Seitdem lässt er Lenora in Ruhe.
Er und seine feigen Kumpels.
Ich sehe mal nach ihr. Es geht ihr nicht so gut.
Pass auf sie auf, wenn wir in der Kirche sind.
Lenora bat Arvin nicht mehr, sie zu Helens Grab zu begleiten.
Es störte ihn nicht.
Er dachte dann immer an Willard und den Gebetsbaum
und seinen armen Hund Jack.
Außerdem hatte er jetzt einen Job als Straßenarbeiter
und musste Geld verdienen.
Ich habe die Kirche noch nie versäumt.
Ich schäme mich so.
Dafür gibt es keinen Grund.
Der Herr vergibt dir sicher den einen versäumten Sonntag.
Jesus hatte bestimmt auch mal einen schlechten Morgen.
Ich hab dich lieb.
Fahren wir doch ans Grab deiner Mama, wenn es dir besser geht.
Klingt das gut?
Die Bibel
erzählt von vielen guten Männern und Frauen,
die an Wahnvorstellungen leiden.
Eva im Garten Eden.
Noah, nackt, betrunken,
beschämt seine Familie.
Das Götzenbild in der Wüste, dem die Juden huldigten.
Selbst der Herr Jesus erlebte in der Wüste Wahnvorstellungen,
die er nur durch seinen Glauben
und seine Stärke überwand.
Gelobt sei Jesus.
Der Wahn des Herrn in der Wüste war ein Spiel...
...des sogenannten "Teufels".
Was der Herr erlebte,
war eine Täuschung, die ihn abgehalten hätte, uns zu retten!
Aber er fiel nicht darauf rein!
Unsere Wahnvorstellungen sind es,
die uns zu Sündern machen.
Eine Mutter oder Ehefrau für etwas vermeintlich Gesagtes zu schlagen.
Seine Arbeit oder die Sonntagsmesse zu versäumen.
Ja. Du sagst es.
Ein Mädchen hegt Gefühle für einen Kerl und schenkt ihm ihr Heiligstes.
Wahnvorstellungen!
Ihr schmäht den Herrn in eurem Verstand und Herzen
wegen eines Unrechts, das euch jemand angetan hat.
Stimmt.
Du meinst, du weißt nicht mehr, was wir in deinem Auto alles getan haben?
Ich meine, du bist verrückt.
Kommst in das Haus Gottes und redest so einen Müll.
Ich gebe dir den Rat...
...es irgendwie loszuwerden.
Denn sonst...
...lebst du als Hurenmutter...
...mit ihrem kleinen Bastard
im Haus der armen alten Frau, die dich großgezogen hat.
Denk wenigstens an sie.
Sie wird vor Scham sterben.
Na komm.
Komm schon.
Lenora wusste plötzlich, dass es ein Fehler war.
Grandma würde sich nicht schämen. Ihr und ihrem Baby würde es gutgehen.
Oh mein Gott!
Nein!
Grandma!
Grandma!
Nein!
Grandma!
Grandma!
Niemand würde wissen, dass es kein Selbstmord
und sie am Ende im Reinen mit ihrem Schöpfer war.
Oh Herr.
Es gibt Dinge, die wir nicht verstehen.
Aber nimm sie in deine Arme.
Will nicht jemand... ein Gebet sagen oder...
Muss mit dir reden, Arvin.
-Bis dann, Kumpel. -Ja.
Bis morgen.
Worüber?
Es...
Es geht um Lenora.
Was ist mit ihr?
Ich kam hierher statt zu euch nach Hause, um deine Großmutter zu schonen.
"Schonen"? Was meinst du?
Na ja...
Dudley vom Bestatter...
Ich kenne keinen Dudley.
Er ist ein Säufer, aber kein Lügner.
Wusstest du, dass Lenora schwanger war?
So ein Blödsinn.
Der Scheißkerl lügt.
Ich sage dir, Dudley ist kein Lügner.
Er kam privat zu mir, damit deine Familie es weiß.
Er schien mir ehrlich.
Ich wollte nicht an was rühren. Das war nicht meine Absicht.
Der Prediger sprach kein Wort für sie.
Nicht für Leute, die sich umbringen.
Onkel…
Arvin wollte sich so gern von ihnen verabschieden.
Aber besser sie wussten nichts, wenn der Sheriff nach ihm suchte.
Kümmere dich gut um Grandma.
Seit der Beerdigung ist sie kaum aufgestanden.
Ja.
Grandma braucht dich.
Alles klar?
Liebe Grandma,
ich schreibe dir, weil ich mich nicht persönlich verabschieden kann.
Ich liebe dich und werde nie vergessen, was du für mich getan hast.
Was ich tun werde, tue ich,
weil ich es muss und nicht weil ich es will.
Bitte suche nicht nach mir.
In Liebe, dein Enkel,
Arvin.
Verzeihung.
Verzeihung, Prediger?
Zeit für einen Sünder?
Ich habe Unrecht getan und will dem Herrn beichten.
Dafür bin ich da.
Ich beging…
...lustvolle Taten.
Ja.
Das kann ein großes Problem sein, besonders für junge Leute.
Erzähl mir davon.
Ich habe eine hübsche Frau.
Die tut alles, was ich verlange.
Aber ich behandle sie schlecht.
Du sagst "alles". Was meinst du damit?
Genau das.
Manchmal bläst sie mir einen...
...mit dem Mund.
Ich stehe so drauf, dass ich es erzwinge.
Hat sie je auf dich gekotzt?
Die haben so einen Auslöser im Rachen.
Das ist nicht mein Problem.
Und was dann, Junge?
Der Typ, mit dem ich arbeite, hat eine Tochter.
Blutjung, erst in die Highschool gekommen.
Eines Tages fuhr ich mit ihr in den Wald
und ich...
...machte sie mir willens.
Hat sie sich gewehrt?
Nein.
Das Problem ist...
...ich konnte nicht genug bekommen.
Ich fuhr andauernd mit ihr dorthin.
Ich zog sie aus.
Aber bevor wir anfingen, ließ ich sie beten.
Warum setzt du nicht die Mütze ab?
Manchmal behielt ich sogar ihr Höschen.
Und ich...
...roch dran, als sie mit dem Rad wegfuhr.
Dann ließ ich mir von meiner Hure von Frau
einen Kuchen backen, als gäbe es was zu feiern.
Was zum Teufel soll das?
Hast du mir nachspioniert?
Ich habe Sie in den letzten Wochen beobachtet.
Sie kriegen nicht genug von dem Reaster-Mädchen.
Machten Sie das auch mit meiner Lenora?
Also...
Mrs. Russells Junge?
Gut.
Tu nichts, was du bereust.
Warum legst du nicht die Waffe weg und wir reden über alles.
Reden Sie ruhig.
Es war nicht meine Schuld.
Und Lenora...
...war wie dieses Reaster-Mädchen.
Sie ließ nicht ab.
Aber du sollst wissen, dass ich...
Ich bete jeden Abend für die Seele dieses Mädchens.
Auch für die Seele ihres Babys?
Damit hatte ich nichts zu tun.
-Sie sagte mir, es sei von einem Jungen... -Lüg mich nicht an!
Lügen...
Die Lügen...
...kommen von ihr.
Sie bildete sich ein, ich sei der Vater.
Und ich kümmere mich um alles.
Verdammt, Junge!
Hör mir zu!
Ich übernehme nicht die Schuld für einen Bastard.
Es würde mich ruinieren.
Das verstehst du doch?
Verdammt.
Hör mir zu, Junge.
Sie hatte...
...Wahnideen.
Sie war verrückt.
Verstehst du?
Nein, sie war nur einsam.
Nein, Mann.
Bitte, Gott!
Bitte, Gott!
Fuck.
Fuck!
Scheiße.
Scheiße.
Er musste weg von diesem Ort und jedem, den er je Zuhause nannte.
Aber er spürte plötzlich eine Kraft, die ihn nach Knockemstiff zurückzog.
Egal, was noch geschah,
er musste berichtigen, was sein Vater tat und ihm immer noch zusetzte.
Komm schon.
Fuck.
Morgen, Lee.
Hey, Bobo.
Es ist noch früh, tut mir leid.
Ich war auf dem Weg zur Arbeit und wollte mit dir reden.
Mir geht die Waffe nicht aus dem Kopf.
Ich mache Rühreier. Willst du?
Ja.
-Ich nehme auch Kaffee, wenn du hast. -Gleich.
Ist Leroy da?
Er ist oben.
Die Pistole liegt im Esszimmer.
Schickes Teil.
Ein schönes Stück.
Würdest du sie mir verkaufen?
Ich habe sie noch nicht lange.
Aber alles hat wohl seinen Preis.
Was ich nie hinkriege, sind die Kaffeelöffel und das Wasser.
Nimmt man mehr Wasser
oder mehr Kaffeelöffel?
"Bobo, erledige das."
Und er erledigt es.
Er ist einfach.
Du auch.
Carl?
Ich sehe ihn.
Carl?
-Wir wissen nicht mal, wo er hinwill. -Carl?
Verdammt, Carl.
Er will nach Ohio. Keiner von zu Hause. Das ist deine Regel.
Mal hören, wo er hinwill, Sandy.
Morgen.
-Wo willst du hin? -Meade, Ohio. Kennen Sie das?
Die Papierfabrikstadt?
Ja, genau.
Da fahren wir durch.
Was willst du in Meade?
-Nur ein Besuch. -Hast du da Familie?
Nein, aber ich hab da früher gelebt.
Hat sich bestimmt kaum verändert. Ist so bei Kleinstädten.
Wo wohnt ihr?
Chesterfield.
Wir fahren nach Chicago, Illinois.
Wir nehmen gern Fremde mit. Lernen neue Leute kennen, oder, Schatz?
Aber klar.
Scheiße.
Meine Blase will nicht mehr wie früher.
Ich muss hier anhalten und irgendwo pissen.
Ist das okay?
Klar.
Irgendwo rechts müsste eine Straße kommen.
-Hier? -Nein, etwas weiter.
Weiter. Langsam. Bieg hier rein.
Gut.
Genau hier.
Ja, das passt.
Dauert nicht lang.
Mist.
Mann, das wird ein schöner Sonnenuntergang.
Du musst kurz Geduld haben, während ich Fotos mache.
Gib mir den Schlüssel.
Keine Sorge, wir haben Fusel hinten und...
...Sandy ist sehr gesellig.
Sandy kam der Gedanke, Carl zu töten und mit dem Jungen abzuhauen.
Er war jung, aber sie könnte trotzdem was draus machen.
Pass auf, Junge. Warum...
Scheiße.
Nein! Beruhige dich, bitte!
-Ich will Sie nicht erschießen. Waffe weg. -Tut mir so leid!
-Carl, Sandalen oder Absätze? -Absätze.
Serienmörder sind nicht sehr vertrauensvoll.
Carl hatte zudem die Eigenschaft, wahnsinnig paranoid zu sein.
Sandys Verhalten vor der Abreise machte ihn unruhig.
Er fand es besser, wenn nur er eine geladene Waffe hat.
Die arme Sandy hatte keine Chance.
In ihrer Waffe waren nur Platzpatronen.
Jim Lacey.
New Burlington, Indiana.
Carl hatte nie ein symmetrischeres Gesicht fotografiert.
An dem Foto lag ihm viel. Jim war ihr Erster gewesen.
Sheriff Bodecker? Deputy Howser hier. Kommen. Over.
Sheriff? Ein Farmer meldete einen Doppelmord nahe der 506.
Ich brauche Sie.
Tut mir leid. Das ist übel.
-Was meinst du? -Es sind Ihre Schwester und ihr Mann.
Carl bekam zwei Schüsse ab, Sandy einen.
Sieht nach neun Millimeter aus.
Sandy feuerte einmal, aber sie hatte nur Platzpatronen.
Mein Gott.
Lee?
Lass mich kurz mit ihr allein.
Sie war schon immer gestört.
Aber wie Lee es sah, war Carl schuld an ihrem Abstieg.
Trotz allem war sie seine kleine Schwester.
Aber der Sheriff dachte auch an seine eigene Lage.
Er dachte an das Foto von ihr
und was die Leute noch finden könnten, wenn er ihnen nicht zuvorkäme.
Reverend Roy Laferty,
Durham, North Carolina.
Obwohl der arme Wichser als Model völlig wertlos war,
bestand Carl darauf, sowohl seine Erfolge als auch Misserfolge zu dokumentieren.
Howdy.
Du bist wohl auf Reisen.
-Ja. -Wo willst du hin?
Auf dem Hügel gab es früher ein Haus und eine Scheune.
Gehörte einem Anwalt. Kennen Sie es?
Klar doch. Oben in den Mitchell Flats.
Steht es noch?
Ich fasse es nicht.
Du bist der Russell-Junge?
Ich kam hier vorbei und wollte mir das alte Haus ansehen.
Ich sage es ungern, aber es brannte vor ein paar Jahren ab.
Waren wohl Jugendliche.
Seit deiner Familie wohnte da keiner mehr.
Wo ich schon da bin, kann ich auch raufgehen.
Klar, geh einfach über Clarences Weide. Er wird nichts dagegen haben.
Ich habe Ihnen nie gedankt für die Nacht, als mein Dad starb.
Sie waren sehr nett zu mir, und das habe ich nie vergessen.
Dein Gesicht war mit Kuchen verschmiert. Der verdammte Bodecker hielt es für Blut.
Weißt du noch?
Ich weiß noch alles von der Nacht.
So einen Gesetzeshüter wollte ich nicht.
Aber schade um seine Schwester.
-Warum? Was ist passiert? -Sie und ihr Mann wurden tot aufgefunden.
Nicht weit von Meade.
Komm auf dem Rückweg vorbei. Wir trinken ein Bier zusammen.
Das mache ich.
Lee, ein Anruf von Sheriff Thompson aus Lewisburg, West Virginia.
Sie sollen schnellstens zurückrufen.
Ja, hier wurde vor zwei Tagen ein Mann erschossen.
Ein Prediger.
Der Schütze war vermutlich ein Junge, der aus Ihrer Gegend stammt.
Tatsächlich?
-Wie hat er ihn getötet? -Mit ein paar Schüssen.
Pistole. Vermutlich eine Luger, die der Junge besitzt.
-Das ist eine Neun-Millimeter? -Genau.
Wie heißt der Junge, sagten Sie?
Ich sagte es gar nicht, aber er heißt Arvin Russell.
Seine Eltern starben dort oben bei Ihnen.
Vater beging Selbstmord. Er lebte hier bei Großmutter und Onkel.
Ich halte den Jungen nicht für gefährlich.
Was ich so höre, hat der Prediger den Tod wohl verdient.
Hat er ein Auto?
Könnte sein.
Er hat einen alten verrosteten Chevy 3100, Baujahr '54.
Weiß nicht, ob er damit so weit kommt.
Er könnte inzwischen auch trampen.
Dunkle Haare, sieht nicht schlecht aus, still.
Wer begräbt Jack?
Ich weiß nicht.
Weiß nicht, wer das Ding anfassen will.
Weißt du, Junge.
Mein Daddy hat nie so was gemacht wie deiner.
Aber er hat mich, meine Mama und Schwester verlassen.
Er fuhr eines Morgens zur Schuhfabrik und kam nie zurück.
Man konnte den armseligen Arsch nur vergessen.
Manche wurden nur geboren, um begraben zu werden.
Arvin dachte an die Tage vor dem Tod seiner Mutter,
wie Willard unbedingt wollte, dass sie lebt.
Sein Vater hätte alles getan, um sie zu retten.
Scheiß auf das Blut, den Gestank, die Hitze und Insekten.
Alles.
Sagte Arvin zu sich.
Und plötzlich wurde ihm in der Kirche seines Vaters klar,
dass er keine Wahl gehabt hatte,
dass Willard dorthin musste, wo Charlotte hinging.
Arvin Russell!
Ich weiß, du bist da unten.
Hier ist Sheriff Bodecker!
Ich habe ein paar Fragen.
Tut mir leid!
Ein Vogel hat mich erschreckt.
Ich will dir nicht wehtun.
Und ich weiß, du mir auch nicht.
Komm raus, damit wir reden können!
Okay.
Ich dachte mir, dass du hierher kommst.
Weißt du noch, als du mich hergeholt hast?
Was dein Daddy getan hat, war furchtbar.
Verdammt, Junge, leg dich nicht mit mir an!
Legen Sie die Waffe weg, Sheriff! Ich habe Sie im Visier.
Kann ich nicht, Junge.
Legen Sie sie hin und treten Sie zurück!
Was?
Legen Sie sie hin und treten Sie zurück!
Damit du mich tötest, wie meine Schwester und den Prediger in West Virginia?
Ich bin kein schlechter Mensch.
Der Prediger war niemand Gutes.
Er hat meine Schwester so verletzt, dass sie sich umbrachte.
Ich hatte keine Wahl.
Ich sage es nicht gern, aber Ihre Schwester...
...und ihr Mann waren auch nicht gut!
Ich habe ein Foto hier, auf dem sie einen Toten umarmt.
Ohne Waffe zeige ich es Ihnen.
Ich hatte keine Wahl.
Sie wollten mich umbringen.
Ich flehte sie an, die Waffe wegzulegen.
Tut mir leid.
Obwohl es Arvin wie Stunden vorkam,
dass er dem Sheriff zuhörte, wie er um sein Leben rang,
brauchte der Mann nur Minuten, bis er starb.
...in Südvietnam. Es gab ein...
Danke, Mister. Ich dachte nicht, dass jemand anhält.
Harter Tag, was?
...gehen tiefer in einen Krieg.
Ja.
Wo willst du hin?
Weiß noch nicht. Wo fahren Sie hin?
Cincinnati.
-Cincinnati? -Ist das okay?
Präsident Johnson kam heute...
Ja, da hoch wollte ich.
...Pressekonferenz im Weißen Haus seine Entscheidung bekanntgeben,
die Zahl der US-Truppen in Südvietnam deutlich aufzustocken.
Den Grund erklärte er mit diesen historischen Worten:
Wir werden die Kommunisten überzeugen...
...dass uns weder Waffengewalt noch eine überlegene Macht besiegen wird.
Sie sind nicht leicht zu überzeugen.
Arvin wollte nicht neben einem Fremden einschlafen.
Und während er sich krampfhaft wachhielt, wanderten seine Gedanken.
Vielleicht würde die Polizei erkennen, dass er Gutes getan hat.
Vielleicht würde ihm vergeben.
Und er könnte sogar Grandma und Onkel Earskell wiedersehen.
Vielleicht wäre das auch zu riskant.
Was ist passiert?
Aber er könnte ja ein Mädchen kennenlernen und eine Familie gründen wie sein Daddy.
Er wusste nicht, ob er sich rückwärts oder vorwärts bewegte.
Aber wo er auch war, es fühlte sich besser an als Knockemstiff.
Kein Kämpfen, kein Schreien, kein Schmerz.
Dann kam ihm der Gedanke, Soldat zu werden.
Er wusste nicht mehr, ob er nun an sich oder an Willard dachte.
Er wollte nicht in den Krieg wie sein Vater.
Aber er konnte gut kämpfen.
Vielleicht gehörte er ja dahin.
Grandma würde sagen, er solle beten, und er würde lachen.
Aber vielleicht wusste sie mehr als er.
Im Moment brauchte er nur Schlaf
und schätzte sich glücklich, dass ihn jemand mitnahm.
Schließlich werden wir Schritte unternehmen...
NACH DEM ROMAN VON DONALD RAY POLLOCK
Untertitel von: Claire Roth
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