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SERGIO CITTI GEWIDMET
DER INTELLEKTUELLE MUT VON WAHRHEIT UND POLITIK
SIND ZWEI UNVEREINBARE DINGE IN ITALIEN.
PIER PAOLO PASOLINI
Die kommunistischen Zugewinne vom 15. Juni
kann man in einfachen Fakten zusammenfassen:
11 Millionen Stimmen von 34,5 Millionen gingen an die KPI.
Von 27 % auf 32,5 %.
Jeder dritte Italiener wählte am 15. Juni die Kommunisten.
Bisher bekamen die Kommunisten etwas mehr als eine von vier Stimmen,
also ein großer Fortschritt.
Enrico Berlinguer unterstrich von Anfang an zu Recht,
dass es der größte Wahlerfolg der Kommunisten
von der Befreiung bis heute war, also in 30 Jahren.
Die Italiener wollen eine Veränderung
und gaben deutlich die Richtung an.
Und sie werden nicht umkehren.
Paolo, du hast mich schon bezahlt.
Wirst du vergesslich?
Nimm das auch.
Du behandelst mich gern wie eine Hure.
Was sagst du da, Pino? Du weißt, so denke ich nicht.
Aber da du ständig davon redest, wann lässt du mich schauspielern?
Wie gesagt, hätte ich dich früher getroffen,
wärst du schon in einem Film.
-Es gab so viele Rollen für dich. -Ja, klar.
Der Film ist nicht fertig. Gib mir eine Rolle. Wieso nicht?
-Ich schneide ihn schon. Er ist fertig. -Klar…
Ich glaube, du verarschst mich. Bring mich nach Hause, los.
Mama, he?
Was machst du hier?
Komm, gehen wir ins Bett.
Komm schon.
Hier.
Hier.
Gib her, komm schon.
So.
So ist gut.
So. Alles gut? Was?
Gute Nacht.
Hey, Leute, wir haben sie geschlagen!
Wir werden nicht wie Christdemo…
-Guten Morgen, Pier Paolo. -Guten Morgen, Lieber.
Also, Leute, habt ihr das Material gesehen?
-Ja, wir haben alles gesehen. -Aber nur einmal.
Und? Was haltet ihr davon?
Es ist ein starker Film, sehr kraftvoll.
Steht der Titel fest?
Für mich ist der Titel Salò,
auch wenn es immer noch
Die 120 Tage von Sodom von de Sade sind.
Am Ende heißt er Salò, oder die 120 Tage von Sodom.
Ich habe die Partyszene bemerkt.
Sie tanzen sogar mit.
-Mit der ganzen Crew, oder? -Ja.
Aber ich weiß nicht, wo Sie sie haben wollen.
Am Ende des Films?
Sie könnte das Ende sein.
Ich möchte, dass der Film mit jeder Menge roter Fahnen endet.
Ja, ich weiß, was Sie denken.
Ich habe diese roten Fahnen noch nicht gefilmt.
Wenn nötig, können wir sie einkopieren.
Sagt man das so?
Sie wollen rote Fahnen auf einer Party voller Faschisten?
Ich will es nur verstehen.
Ja, ich weiß. Es wird heißen, ich provoziere. Na und?
Ich bin daran gewöhnt, ist mir egal.
Auf einem Platz voller junger Menschen
kann niemand einen Arbeiter von einem Studenten unterscheiden,
einen Faschisten von einem Antifaschisten.
Das war 1968 möglich.
Pier Paolo.
Gott, ist das hier ein Saustall.
Mist, der blöde Hund ist immer hier! Amede', schmeiß ihn raus.
Wir spielen um Geld, los!
Nun, mein lieber Bauer,
dank der Hundeklöten kommst du leicht an 15.
30 Punkte, du hattest 95.
-125 und du gewinnst. -Genau.
Es gibt ein Problem. -Was?
-Du bist ein Arsch, jeder weiß es. -Ja?
Ich setze 10.000 Lire, lach doch mal.
Wieder? Er macht es absichtlich, damit das Geld mich ablenkt.
Weg mit dem Geld, Arschloch!
Wenn du für 10.000 ausrastest, bist du ein Vollblut-Bauer!
Du wirst nie gewinnen.
Aus dem Weg, ich schaffe es.
Du willst nicht drei Eier haben.
Mit dreien könnte ich deine Schwester anmachen.
Falls ihr das reicht.
Anto', du magst Frauen mit Schnurrbart.
Frauen mit Schnurrhaaren.
Warum schaust du ihr Fell an? Sahst du ihre Titten?
-Hat sie davon auch drei? -Nerv nicht.
Laber du nur.
Ist mir egal. Wir reden später.
Ruhe, er konzentriert sich.
Sieht aus, als würde er sich in die Hose machen.
Da! Der Weltmeister!
Vorsichtig mit den Bauern, sie reißen dir den Arsch auf.
Gib mir das Geld.
-Jungs, eine Runde? -Nein, wir sind pleite.
Leih dir was von Pino. Er gewann was.
Ich habe Geld. Was sagst du da?
Bist du nicht der Typ mit dem reichen Freund?
-Lass mich. Was sagst du da? -Junge.
Ich kenne Pasolini besser als du. Zu meiner Zeit waren es 1.000 Lira.
Aber er zahlt dir 20.000. Oder irre ich mich da? Ja?
Hey, wer zum Teufel bist du? Willst du Ärger?
Was willst du? Mich verprügeln?
Soll ich mir in die Hose machen? Setz dich, Junge!
Sieh, was die drei kleinen Arschlöcher wollen.
Und, Leute? Was sollen wir tun?
Nichts. Nichts ist passiert. Entspann dich.
Nachdem sie Liebe gemacht haben, gehen die Jugendlichen nach Hause,
aber sie leben alle in derselben Gegend.
Einer von ihnen warf eine Bombe in die Stazione Termini,
Es ist unklar, ob er Anarchist oder Faschist ist.
Die anderen, betrunken und inspiriert von Monstern,
die ihre Zeitgenossen verschlangen, folgen ihm.
Die Bombe explodierte, und 100 Menschen wurden getötet,
ihre Leichen aufgeschichtet in einem Meer aus Blut,
das zwischen dem zerrissenen Fleisch, Bänken und Bahnsteigen fließt.
Am meisten erstaunen mich die Kommunisten.
Ich kämpfte mein Leben lang gegen Kommunisten,
aber respektierte sie immer.
Selbst wenn wir uns mit den Partisanen gegenseitig umbrachten, zerfleischten…
Sogar in den Zeiten der glorreichen und tragischen Republik Salò.
Wisst ihr, warum? Weil wir glaubten, und sie auch.
Jetzt ist es anders.
Die Kommunisten haben die Sowjetunion verraten,
und sie ergaben sich völlig dem amerikanischen Imperialismus.
Ich sage, dass die Kommunisten,
diese Rasse des Abschaums,
die von der Oktoberrevolution zur Sekte von Coca-Cola wechselt,
heute, wie immer,
heute mehr denn je, unsere Feinde sind.
Kameraden… Glaubt! Gehorcht! Kämpft!
-Diese Dreckstücke! -Wann können wir gehen?
Es heißt Questo è Cefis. Genauso. Liest sich wie ein Polizeibericht.
Es ist eine endlose Liste von Cefis' Verbrechen, seiner Firmen,
der Menschen, die er wie Marionetten benutzt.
Ja, es ist wie ein Polizeibericht. Sagte ich doch.
Es ist alles dokumentiert:
Namen, Nachnamen, Daten, politische Verbindungen,
Beträge bis zur letzten Lira.
Eugenio Cefis, Präsident von Montedison, wird zum geheimen Meister des Landes.
Es scheint unglaublich, aber so ist es.
Diese Ex-Partisanen und katholischen Hurensöhne
haben zusammen mit den Ex-Faschisten
und mit dem Segen der Christdemokraten
ein Machtsystem errichtet, schlimmer als jede Diktatur.
Und sie planten das wahrscheinlich bereits während des Befreiungskriegs.
Das Buch verschwand sofort aus den Buchläden,
und sogar aus der Nationalbibliothek, ich habe nur eine Fotokopie.
Soweit ich weiß, ermittelt niemand.
Das ist sehr seltsam,
denn das Buch ist wie ein langer, anonymer Brief.
Es ist die reinste Denunziation, die Geste eines Schakals.
Der Autor wendet sich direkt an die Behörden.
Ich weiß nur,
dass dieser Giorgio Steimetz nicht existiert.
Es ist das Pseudonym von jemandem, der alles über Cefis weiß.
Ich suche ihn überall.
Ich weiß nicht mal, was ich schreibe.
Ich mache weiter, als wäre ich von einem Dämon besessen.
Ich schrieb bereits über 400 Seiten und könnte 2.000 füllen, vielleicht mehr.
Irgendwann brauche ich deine Hilfe, Alberto.
Den Titel kann ich dir sagen. Petrolio.
-Wann drehst du den Film? -Schon bald.
Und was ist deine Rolle?
-Zwölf, notier's. Wie steht es? -Neunzig.
Neunzig, ich gab dir einen 50-Punkte-Vorsprung.
Du hast es verpatzt. Willst du noch 20?
Deinetwegen hab ich's verpatzt, hol den Ball.
-Du willst die 20 Punkte? -Welche Punkte? Vergiss es!
Also der Film? Was machst du?
Ich spiele einen Jungen.
Wolltest du eine alte Frau sein? Worum geht es?
-Es ist ein Western. -Ein Western?
Darfst du auch schießen?
Klar, was für ein Western wäre es sonst?
Mit deinem ganzen Scheiß wird das ein Indianergemetzel.
-Glaubst du mir nicht? -Hör mal, Pasolini…
Der hat jedem Jungen in Rom diesen Scheiß übers Filmen erzählt.
Du bist der Einzige, der das noch glaubt.
Wer zuletzt lacht, lacht am besten.
Holst du dir einen runter oder spielst du?
Du lenkst mich ab.
-Das machst du jedes Mal. Scheiße. -Ich habe keine Zeit zu verlieren.
Fügst du bitte sechs Punkte hinzu? Danke.
-Soll ich, Pi'? -Klar, addiere sie.
Sechs Punkte für mich.
Sieh mal, wer da ist!
Pa', erinnerst du dich an mich? Antonio, Pinna Antonio.
-Wohnung drei. -Ich erinnere mich.
-Wie geht's, Antonio? -Es ist lange her.
-Susanna? -Meiner Mutter geht's gut, danke.
Macht sie noch diesen Nachtisch? "Gubbana"?
Ja. "Gubana", mit nur einem B.
Der war lecker, Jungs.
Herrlich, so etwas habe ich noch nie gegessen!
Du siehst gut aus, Antonio, immer noch jung.
-Ohne Arbeit altert man nicht. -Arbeitslos?
Ich mache Gelegenheitsjobs.
Spielst du noch Fußball?
Warum? Willst du ein Spiel?
Schnappt ihn euch!
Wunderschön! Los!
Nein!
Mann. Wie zum Teufel kann man auf diesem Boden spielen?
Das Problem ist der Arsch, der uns nicht ranlässt.
Paolo, schaff die zwei Arschgeigen hier weg.
-Lass uns mitspielen. -Bleib ruhig.
Antonio, beruhige dich. Ich lasse euch spielen.
Aber nicht jetzt, später.
-Wir wollen Spaß haben. -Ich verliere nicht gern.
-Ich auch nicht. -Sieht nicht so aus. Los geht's.
-Los, in die Mitte. -Vergiss es.
Es gibt immer etwas. Ich gehe eine rauchen.
Kommst du, oder was?
Warum machen wir nichts?
Ist etwas passiert? Gibt's ein Problem?
-Bist du pleite? -Nein, ich habe Geld.
Aber hier passiert nichts.
Nichts, kein Raub, keine Entführung. Ist das möglich?
Wir steigen auf. Wir haben neue Partner.
Wichtige Leute.
Wir dürfen nicht mehr wie Hühnerdiebe aussehen.
-Wir müssen uns hohe Ziele setzen. -Hoch? Wie hoch?
Wer weiß?
Hoch, hoch, hoch.
-Es gibt praktisch keine Grenzen. -Ja?
Scheiße! Mir ist allerdings etwas klar geworden.
Es geht mich zwar nichts an, aber ich schlafe nicht.
Ich habe gesehen, dass du in der Parioli-Gruppe warst.
Und die nehmen gern eine Nase, oder? Was?
Kümmere dich um deinen Kram.
Ich sage ja nur.
-Ich habe um nichts gebeten. -Ja, kümmer dich um deinen Kram.
Vergiss mich nicht, ich bin hier.
Wo findest du so einen Fahrer wie mich?
Seht euch das an!
Se', das ist kein Auto, das ist eine Rakete.
Ein Laserstrahl, verdammt!
-Wem gehört es? -Pasolini.
Weißt du was?
Zylinderkopf runter, Vergaser wechseln, und dann geht er ab.
Besser als ein Ferrari. Sieh nur diese Linien.
Wie eine Frau. Ich würde ihn ficken, so schön ist er.
-Klaust du ihn? -Wovon redest du?
-Für wen ist das? -Für mich, stell's ab.
Pa', was ist Technicolor?
Ich fahre da oft vorbei. Da drehen sie Filme, oder?
Nicht ganz.
Dort werden Filme entwickelt und kopiert.
-Wie heißt der Film, den du drehst? -Salò?
Was heißt das?
Eine Republik, die die Faschisten nach Kriegsende erfanden.
Sie wollten sie zur Hauptstadt Italiens machen.
-Salò. -Ja, Salò.
So hieß sie? Schrecklicher Name.
Warum?
Er ist nichtssagend.
Zu kurz, wie "comò" für eine Kommode.
So heißt auch eine Stadt.
-Comò? -Nein, Como.
-Wirklich? -Ja.
Stimmt, du hast recht.
Seht ihr? Er hat dieses Jahr nichts gewonnen.
Ja, aber nächstes Jahr.
-Bedenkt man, dass sie gewannen… -Wer ist denn da?
Mensch, der Drecksack bringt ihn nach Hause.
-Bis dann. -Du rufst mich an wie immer, was?
-Ja, du darfst mich nicht anrufen. -Gut.
Ciao, Pa'. Hey! Was hast du gemacht?
-Was ist? -Du hast einen Platten.
-Oh Gott! -Hast du einen Ersatzreifen?
-Ich mach das schnell. -Ja, es ist alles im Kofferraum.
Schaffst du das?
Die haben mich richtig wütend gemacht.
Pino. Was machst du? Schämst du dich nicht?
Seid ihr betrunken?
Du tauchst zu Hause mit dieser Schwuchtel auf.
Haut ab, ihr beide!
Nein, er soll abhauen.
Fast fertig, keine Sorge, ich gehe schon.
Ich rede nicht mit dir, sondern mit diesem Arsch von Freund.
-Ihr macht uns beide sauer! -Verpiss dich!
Maria, komm und sieh!
Dein Sohn ist hier mit der Schwuchtel Pasolini.
Die machen nur einen auf dicke Hose.
Pino, komm sofort hoch!
Schau, was du mir angetan hast!
Wag es nicht, mich nach dieser Bloßstellung anzurufen.
Verpiss dich endlich.
Komm nie wieder hierher! Leck mich.
Die Massaker waren immer das Werk desselben Volkes.
Die Bombe in Piazza Fontana wurde den Linksextremisten untergeschoben.
Dann die Brescia- und Italicus-Massaker, als sie die Faschisten beschuldigten,
um schnellstmöglich
die antifaschistische Unschuld wiederzuerlangen.
-Verzeihung. -Schon gut.
Hör zu, Pier Paolo, da ist ein Mann am Telefon.
Ich bin nicht sicher, wie er heißt. Könnte es Steimetz sein?
Steimetz? Giorgio Steimetz?
Ich glaube schon. Sage ich, du bist nicht da?
Nein, ich rede mit ihm. Ich nehm's hier an.
Ja, hallo?
Ja. Welch wunderbare Überraschung.
Ich weiß nicht, wer Ihnen das gesagt hat, aber ja.
Ich würde Sie gerne kennenlernen.
Ja.
Ja, ich habe Ihr Buch gelesen und möchte es besprechen.
Bis dann.
Ich habe Ihr Buch nicht. Ich habe nur eine Fotokopie.
Über ein Buch,
vielleicht mit Ihrem Autogramm, würde ich mich sehr freuen.
Tut mir leid, ich habe selbst keins.
-Es war ausverkauft? -Anscheinend ja.
Ich stelle mir vor, was Sie schreiben,
mit dieser beeindruckenden Sorgfalt, ist alles wahr.
Sonst hätte Cefis Sie wegen Verleumdung angezeigt.
-Und Sie wurden nicht angezeigt? -Nein.
-Nicht, dass ich wüsste. -Cefis auch nicht, soviel ich weiß.
Keine Ahnung, das müssen Sie ihn fragen.
Warum haben Sie es auf Cefis abgesehen?
Ich will nicht unhöflich sein, ich schrieb nur, was ich sagen musste.
Warum interessiert Sie mein Buch so?
Ich arbeite auch an der Cefis-Geschichte.
Für mich ist Cefis der perfekte Dämon des heutigen Italiens.
Sie können sich also vorstellen, wie gierig ich Ihr Buch gelesen habe.
Was genau schreiben Sie denn? Einen Roman? Drehen Sie einen Film?
Ich habe hunderte Seiten geschrieben, aber ich weiß nicht, ob es ein Roman
oder ein Essay oder was auch immer ist.
Es ist wie ein Albtraum, der langsam Form annimmt.
Und ich habe keine Ahnung, was daraus wird.
Wollen Sie es veröffentlichen?
Vorerst nicht.
Denn wenn ich das täte,
gewänne es keine literarischen Preise.
Falls dieses Buch erscheint, soll es ein Erdbeben auslösen.
Machen Sie sich nichts vor.
Meinen Sie?
Nun ja,
wenn Ihr Buch, das Verbrechen auflistet,
noch nicht die Aufmerksamkeit der Behörden auf sich zog,
muss Cefis' Macht größer sein, als ich mir vorstellen kann.
Nein?
Ich weiß nicht mehr über Cefis, als was ich geschrieben habe.
Wer hat Ihnen all das erzählt?
Jemand, der Interesse daran hatte, es mir zu sagen.
Wollen Sie mir nicht mehr erzählen?
Nein. Was würde es bringen?
Ich, Sie, alle in diesem Land, wir sind Zwerge.
Bei allem Respekt, natürlich.
Ich bin nicht beleidigt, ich war immer auf der Seite der Zwerge.
Ich weiß.
Sie sind Kommunist, ich nicht. Ich komme aus einer anderen Welt.
Wir haben uns nichts mehr zu sagen. Auf Wiedersehen.
Gab Elvio Fachinelli Ihnen meine Nummer?
Warum fragen Sie noch?
Ich sprach gestern mit ihm. Aber er war es nicht.
-Woher haben Sie meine Nummer? -Sie stand im Telefonbuch.
Da stehe ich seit Jahren nicht drin.
Ich nutze seit Jahren das gleiche Buch.
-Ich muss los. Auf Wiedersehen. -Ich würde Sie gern wiedersehen.
Nächsten Dienstag?
Zur gleichen Zeit. Ich warte hier.
Nein, nein, antworten Sie nicht. Kommen Sie, wenn Sie können.
Auf Wiedersehen.
Auf Wiedersehen.
Und wer bist du?
Hallo.
-Das Mädchen? -Meine Nichte.
-Sie sind wohl zufällig hier. -Es gibt keinen Zufall.
-Was hat unser Freund vor? -Er schreibt ein Buch.
-Was für ein Buch? -Ich weiß nicht.
Eins der Dinge, die er tut, intellektuelles Zeug.
Was fragte er Sie?
Woher ich meine Informationen habe.
-Haben Sie es ihm gesagt? -Was meinen Sie?
Ich habe nur eine Frage gestellt.
-Ich sitze tief in der Scheiße. -Ihre Sprache!
Ich werde ihm wohl nichts sagen. Kann ich jetzt gehen?
Kannst du Verstecken spielen?
Ich habe es versucht, aber ich bin nicht gut darin.
Ich werde immer sofort erwischt.
Kameraden, wie ihr seht,
ist dies eine äußerst heikle Operation,
aber auch eine ziemlich anspruchsvolle.
Unser Kamerad soll uns erklären, was passiert.
Wisst ihr, was Selbstverstümmelung ist?
Unter bestimmten Umständen kann eine selbst zugefügte Wunde
eine tödliche Waffe sein.
Wenn man schwach ist,
was wir im Moment zweifellos sind,
sollten wir die Schwäche ausnutzen,
um die öffentliche Meinung auf unsere Seite zu ziehen.
Versteht ihr?
Gut. Kommen wir zu den Details.
Übermorgen gibt es eine Demo der Kommunisten,
und sie führt an unserer Fakultät vorbei.
Sie werden nicht widerstehen können, sie anzuzünden.
Wirklich?
Wirklich.
Und wisst ihr, warum?
Weil wir sie dazu zwingen.
So drehen wir die Situation zu unseren Gunsten um.
Ist das klar?
Kämpft! Hart! Ohne Angst!
Kämpft! Hart! Ohne Angst!
Faschisten, Bourgeoisie.
Nein zur Schule der Herrschenden!
Nein zur Schule der Herrschenden!
Halt, Polizei! Keine Bewegung.
Wer sind Sie?
Kannst du nicht lesen? Dein Vorgesetzter, hau ab!
-Was ist das? -Rosario, zieh das Arschloch ab.
-Was soll der Scheiß? -Komm, ich erkläre es dir!
Nein zur Schule der Herrschenden!
Nein zur Schule der Herrschenden!
Tod den Faschisten!
Faschisten, schämt euch! Ab in die Gosse!
Du schuldest mir 10.000, ich habe gewonnen.
Ich ziehe mich erst an.
Hast du es eilig? Ich bezahle dich, keine Sorge!
-Und mein Anteil? -Deiner?
8.000 für dich und 2.000 für mich.
Haben wir nicht gesagt. Ein Eis wäre zu viel.
So ein Mistkerl! Pi', gibst du mir 2.000?
Hätte ich die Wette gewonnen, gerne.
-Ich habe 10.000 verloren. Also? -Gehen wir ein Eis essen.
Ach, wusstet ihr, dass Pasolini einen Film über euch dreht?
Über uns?
Ja, über die Faschisten in Salò. Über Jungs wie euch.
Ihr wusstet es nicht? Genau wie ihr.
-Er wagt es, die Schwuchtel? -Woher weißt du das? Spielst du mit?
Er ist schon fertig, ich kam zu spät.
Ich kannte ihn noch nicht.
Sie kopieren ihn gerade. Ratet mal, wo?
Bei uns in der Nähe, bei Technicolor.
Weißt du noch, wie oft wir fragten:
"Was machen die bei Technicolor?"
Das tun sie, sie machen Filme.
Wissen Sie, woher ich wusste, dass Sie kommen?
Ich beschloss es vor 30 Minuten.
Entschuldigen Sie bitte.
Diese beiden Damen sind Stammkundinnen.
Sie sitzen immer hier. Könnten Sie den Tisch wechseln?
-Kein Problem. -Danke, sehr nett von Ihnen.
Vielen Dank, Herr Pasolini. Ich habe alle Ihre Filme gesehen.
Danke.
Hast du gesehen?
Er ist ziemlich skandalös.
Sie sind umgezogen.
Ich verliere sie, was soll ich tun?
Ich mache Ihnen einen Vorschlag.
In meinem Buch verwende ich ein paar Passagen aus Ihrem Buch.
Ich kopiere sie Wort für Wort.
Sagen wir, ich bin ein Plagiator.
Ich schreibe schamlos von Ihnen ab.
-Keine Sorge, ich höre sie. -Wissen Sie, warum?
Damit Sie mich verklagen können, wenn mein Buch erscheint.
Ihr Buch ist ja verschwunden, damit niemand untersuchen konnte,
was Cefis trieb.
Übernehme ich einige Passagen unverändert, haben Sie die Chance, mich zu verklagen.
So erfährt jeder von Ihrem Buch, und die Behörden müssen ermitteln.
Verstehen Sie, was ich meine?
Wer sagt, Ihr Buch verschwindet nicht auch?
Dann tun sie mir einen Gefallen.
Erfolg ist ein Unheil, aber mit positiven Seiten.
Im Gegensatz zu Ihnen habe ich einen gewissen Ruf.
Mein Name ist ein Synonym für Skandal.
Ich glaube nicht, dass der Präsident von Montedison Skandale mag.
Sie verstehen nicht, mit wem wir es zu tun haben.
Cefis war mehr als ehrgeizig,
also hatte er nicht die Schwächen des Ehrgeizigen.
Sein Leben, sein Aussehen, sein Verhalten waren grau,
oder, besser gesagt, asketisch.
Cefis war wohl nicht berechnend,
er häufte lediglich an und gestaltete seine Bestimmung,
seiner Natur folgend.
Cefis kam nicht voran, er häufte an.
Er stieg nicht auf, er expandierte.
Was willst du? Hör auf, mir zu folgen!
Ich will dich nie wiedersehen! Verstehst du nicht? Scheißkerl!
Was meinst du? Sie gehört dir. Passt wie angegossen.
Ich weiß, wie viel kostet sie?
Keine Sorge. Wir können uns einigen.
-Ciao, Remo. -Ciao, Alfre'. Was brauchst du?
Sechs mittelalterliche Rüstungen, ja?
Sechs mittelalterliche Rüstungen.
Ich kenne da jemanden.
-Ja! Wen? -Den Eisenhändler.
Was für ein Clown. Wer bist du denn?
-Und wer bist du? -Erfreut. Ich bin Alfredo Lotti.
Ich bin Regisseur.
Du weißt nicht, mit wem du hier redest.
Er könnte dir mal einen Oscar verschaffen.
Du bist lustig. Ein echter Römer.
-Dein Gesicht ist unglaublich. Im Ernst. -Was meinst du?
-Hast du mal an Schauspiel gedacht? -Ich und schauspielern?
Ja, habe ich. Warum nicht, wenn's gut bezahlt wird?
Hier, meine Telefonnummer.
Ruf mich an. Ich habe eine Rolle für dich.
Ich plane gerade einen Film. Ja?
-Ciao, Remo. -Ciao, Alfre'.
-Ich meine es ernst. -Ich melde mich.
5.000, das ist ein Schnäppchen.
-Fünftausend? -Ganz ruhig, war ein Versuch!
Lass uns ein wenig feilschen.
Se', ein Kinderspiel. Ganz leicht. Franco und Giuseppe.
Macht Platz.
-Wie viele sind es? -Wir haben alle genommen.
Steht da "Salò" drauf?
Sollten wir auch lesen? Wir haben alle genommen.
Gut, legt sie da hin.
Warum sehen wir uns den Film nicht an?
Ich hasse Pasolinis Filme. Du weißt, wen ich mag.
"Die Leute sind Kinder, die Stadt ist krank.
Andere haben die Pflicht, sich zu kümmern, zu erziehen,
unsere Pflicht ist es, zu unterdrücken!
Unterdrückung ist unsere Impfung, Unterdrückung ist Zivilisation!"
Nein, kein Applaus.
Kein Applaus. Etwas Bescheidenheit. An die Arbeit!
Du gehst uns auf den Sack mit Gian Maria Volonté.
-Was ist mit Bob De Niro? -De Niro?
Gian Maria bläst Bob De Niro weg! Was für ein Mann!
Sieh ihn dir an.
Sergio, ich frage mich, wie viel wir für diese Filmdosen haben wollen.
Ich muss darüber nachdenken.
Hör zu, Se', wir haben Pino nichts gesagt.
Aber er hat uns angestiftet.
Wir müssen es ihm sagen.
Keine Sorge. Der ist jetzt Schauspieler.
Ja, ein Schauspieler. Er ist der Einzige, der das glaubt.
Der hat sich einen Regisseur geangelt, der ihn arbeiten lässt.
"Als das Auto
auf der alten Straße nach Ostia losfuhr,
sagte der Mann mir, er kenne einen schönen Ort
vor… nein, hinter einem Fußballfeld.
An einem bestimmten Punkt fuhr das Auto
in die falsche Richtung auf das Feld zu."
Stopp! Nein! Das war falsch.
Was heißt "der falsche Weg"? Was steht im Drehbuch?
"Das Auto fuhr in eine andere Richtung."
-Was habe ich gesagt? -Du sagtest "falsche"!
-Ist das nicht dasselbe? -Nein, ist es nicht!
Lern es auswendig.
Schauspieler müssen auswendig lernen.
REGISSEUR
Wie sagt man? "Nicht die hellste Kerze."
Na gut, noch mal. Action!
Il prezzo da pagare, Vorsprache Pelosi, die fünfte.
Alfredo.
Sergio ist hier. Beeilt euch.
Ich komme.
Ciao, Sergio.
-Wie geht's? -Was glaubst du denn?
Ein Schrank wäre besser. Warum bist du an ihm interessiert?
-Ich kapier's nicht. -Was willst du?
Kümmere dich um deinen eigenen Scheiß. Wir mögen es so.
Natürlich tue ich immer, was mein Produzent sagt.
Hast du den Stoff?
Später.
-Später? -Geh mir nicht auf die Nerven. Später.
Du hast es versprochen.
Fass mich nicht an!
Fass meine Hand nicht an.
Du darfst sie nicht berühren, kapiert?
Braver Junge.
Willst du das?
Willst du das? Willst du was davon?
Es ist gut. Es ist gut.
Schenk deinem Onkel ein Lächeln. Hier.
Willst du das?
Du bist widerlich. Du bist schmutzig.
Staub, so wie du!
Du bist widerlich, weißt du?
Du widerst Gott an und sogar deine Mutter!
Ziehst du dir alles rein? Oh ja, du magst es.
Komm, zeig mir, wie du es reinziehst.
Koksen, koksen, koksen. Das ist es!
Du bist niederträchtig.
Du widerst mich an, du bist total mies.
Verdammt!
Was willst du? Oh.
Was machen die da unten?
Nichts, keine Sorge. Ich kümmere mich darum.
Was machen die da unten? Komm schon, sag.
Einmal reicht. Kokse und hau ab.
Einmal, nicht zweimal. Kokse und hau ab.
Die Leute, mit denen ich arbeiten muss!
-Leute! -Er ist ein Arsch! Du nervst!
Pasolini, was können Sie uns sagen? Verlangten sie Lösegeld?
-Hat jemand was gestohlen? -Gibt es Verdächtige?
Man sagte es mir vor einer Stunde.
Bei Technicolor wurden Negative gestohlen,
-auch welche von Salò. -Können Sie die zurück bekommen?
Ich gehe jetzt zum Produzenten. Mehr kann ich nicht sagen.
-Wann wissen Sie mehr? -Gibt's Verdächtige?
Das ist peinlich. Keine Ahnung. Das reicht, danke.
Pasolini…
Sie verlangen zwei Milliarden.
Praktisch die Kosten des Films.
Sie drehen einen sehr schwierigen Film,
aber ich stehe voll hinter Ihnen.
Ich habe ihnen gesagt, wir können höchstens 50 Millionen zahlen.
Sie haben vollkommen recht,
und selbst 50 Millionen sind zu viel.
Es ist ein schwerer Schlag.
Ich habe ein Zwischenpositiv bestellt,
um neue Negative daraus zu machen.
Aber ein paar Szenen verlieren wir doch.
Zum Beispiel?
Das Fest, das Sie am Ende wollten.
-Mit den roten Flaggen. -Ein Fest?
Ich erinnere mich nicht an ein Fest im Drehbuch.
Es fiel mir beim Drehen ein, aber ich komme ohne aus.
Wir filmen zwei tanzende Jungs,
und der Film endet mit einem Hoffnungsschimmer.
Obwohl ich das Wort Hoffnung hasse.
Meine Dame.
-Auf Wiedersehen. Danke fürs Kommen. -Danke.
-Hoffentlich sehen wir uns bald wieder. -Bis zum nächsten Mal. Danke für alles.
-Danke. -Sehr freundlich von Ihnen, danke.
Ich traf einen Regisseur, der will, dass ich schauspielere.
-Und das warst nicht du. -Ach ja?
Ja.
In ein paar Tagen unterschreibe ich den Vertrag.
Wie ist es gelaufen?
Nun, es war etwas chaotisch. Egal.
Schlimmer als die Schule. Ein wahrer Kampf.
Kannst du mir ein bisschen helfen?
Ja, aber nicht heute.
Willst du wissen, was ich spiele?
Ich spiele den Jungen, der eine Schwuchtel tötet.
"Ich packte ihn an den Haaren und trat ihm in die Genitalien.
Nach dem Schlag brach die Planke entzwei,
und ich schlug ihn mit einem Stück davon in meiner Hand,
bis er hinfiel."
Ist das ein Geständnis?
Wem sollst du das sagen?
Sagte ich doch.
Ich spiele einen Jungen, der eine Schwuchtel tötet.
Aber dann bringt mich die Polizei zum Revier.
Ich muss gestehen, sonst stecke ich in der Scheiße.
Gut, mach weiter.
"Er lag auf dem Boden und blieb liegen, als ich mit seinem Auto wegfuhr.
Aber ich habe ihn dort nicht gesehen.
Ich wäre nicht so dumm gewesen, ihn zu überfahren."
Oh, Pa', es läuft gut mit dir.
Ich weiß, ich konnte es nicht.
Aber das ist nicht deine Stimme. Du sagst, was die Polizei will.
-Ich verstehe nicht. -So redest du nicht!
Aber ich bin es doch nicht! Ich spiele nur.
-Aber das ist unglaubwürdig. -Bin ich etwa kein Schauspieler?
Nein! Du wärst ein toller Schauspieler. Aber du musst du selbst sein.
Aber so bist du nicht.
Diese Aussage hat dir die Polizei in den Mund gelegt.
Du gestehst nicht, du sagst, was die Polizei will.
Der Film ist nicht gut, oder?
Viel schlimmer als nicht gut, Pino.
Komm, es ist spät.
Bist du etwa eifersüchtig, weil ich mit einem anderen drehe?
Gib es zu!
Paolo, da ist dieser Mann mit dem seltsamen Namen, Steimetz.
-Willst du mit ihm reden? -Ja.
Guten Morgen.
Das habe ich nicht erwartet.
Natürlich. Sagen Sie mir, wo. Am üblichen Ort?
Nein.
In Ordnung.
Wo immer Sie wollen.
Mattei wurde von der CIA getötet, im Verbund mit den Franzosen.
Er bedrohte die Interessen der Ölgesellschaften im Nahen Osten.
Die Mafia sabotierte sein Flugzeug, die Familie von Stefano Bontate.
Er wurde wohl von Cefis organisiert, aber nicht nur von ihm.
Der Verbindungsmann zur Mafia war nicht Cefis,
aber ein weiterer ENI-Vizepräsident, Senator Gaetano Verdotto.
Irgendwann bekriegten sich Verdotto und Cefis im Innern der ENI.
In dieser Geschichte gibt es leider keine Guten.
Woher haben Sie Ihre Informationen? Können Sie es mir sagen?
Verdotto diktierte es mir.
Er wollte Cefis Probleme bereiten.
Cefis ist mächtiger als je. Verdotto musste ins Ausland fliehen.
Verstehen Sie, mit wem wir es zu tun haben?
Schon eine Weile, aber ich habe keine Beweise.
Sie schon.
Nein, ich habe nichts, nicht mal mein Leben.
Wovor haben Sie Angst?
Seit dem Buch sitzt mir der Geheimdienst im Nacken.
Er untersteht auch Cefis.
Damit Sie sein Netzwerk verstehen,
sage ich Ihnen etwas, das noch niemand weiß.
Letztes Jahr gründete Cefis eine Freimaurerloge.
Die Mitglieder sind Politiker aller Parteien, Militärs,
selbst Leute aus dem Vatikan.
Die Loge heißt Propaganda 2, sie nennen sie P2.
Diese Informationen sind für mich sehr kostbar.
Mein Buch wird Gerechtigkeit für Sie erlangen.
An die glaube ich nicht mehr.
Unser Land ist korrupt, viel korrupter, als Sie denken.
Nein, schauen Sie,
es gibt viel mehr saubere Menschen, als Sie denken.
Spielen Sie nicht den Kommunisten.
Wir sind Italiener, wir sind alle Kinder von Don Abbondio!
Wir sind Feiglinge. Nein, schlimmer, Opportunisten!
-Darf ich Sie etwas fragen? -Natürlich.
-Haben Sie keine Angst? -Nein.
Warum nicht?
Mein Leben ist nicht wichtiger als Ihres oder das anderer Leute.
Es stimmt, Sie sind wirklich verrückt.
-Ich kann Ihnen nur Glück wünschen. -Danke.
Es war mir ein Vergnügen.
Ebenso.
Männer wie Troya beeinflussen das Parlament.
Sie ziehen die Fäden in den Ministerien,
händigen Uniformen an dumme, aber treue Diener aus.
Sie könnten ein Fußballteam kaufen,
damit es die Meisterschaft gewinnt.
Das Festival von Sanremo verpfänden,
ganze Zeitungen und Plattenfirmen kaufen.
Behalten Sie das Wechselgeld.
Willkommen, guten Abend.
-Guten Abend. -Verzeihung.
Mein Auto hatte eine Panne.
-Glückwunsch. -Willkommen.
Anto'.
Wie bist du angezogen? Wo gehst du hin?
-Zur Taufe, wohin sonst? -Hier sind wichtige Leute.
-Was stimmt denn nicht? -Alles.
-Du lässt mich also nicht rein? -Nein.
-Spinnst du? -Willkommen.
Man kann den Mann aus dem Vorort holen.
Wie kriegt man den Vorort aus dem Mann raus?
-Wie schon? -Wer ist das?
Lass mich nicht blöd aussehen, sei still.
-Sei brav und hau ab. -Kann ich da hingehen?
Ja, geh in die Strafecke.
-Guten Abend. -Glückwunsch.
Danke. Guten Abend, Herr Anwalt.
Anwalt? Der ist ein Kredithai.
Halt die Klappe, ja?
Du gehst mir auf die Eier, sei still!
Wir warten nur noch auf Sie.
-Schwört ihr Satan ab? -Ja.
Entsagt ihr der Sünde, um dem Gottessohn zu gefallen?
Ja.
Wollt ihr, dass Rosa getauft wird,
im Glauben der Kirche, zu der wir uns alle bekennen?
Ja, das wollen wir.
Rosa, ich taufe dich im Namen des Vaters
und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Nun brauche ich wieder ein Taxi.
Da ist ein Taxi.
Wie kommen wir nach Hause? Per Post?
Wie wär's damit?
Ist das deins? Seit wann hast du das?
-Rate mal. -Du Arschloch.
Das ist das Auto meiner Träume.
Das ist mir scheißegal, wenn du es wissen willst.
So ist es immer. Perlen vor die Säue.
Da ist der Prinz.
Wo gehst du hin?
Ich habe einen Termin. Sind wir verheiratet?
Was zum Teufel soll ich mit dem Auto?
-Nimm es mit nach Hause. -Hör schon auf.
Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul.
-Das Auto gehört dir, du Arsch. -Hör auf. Sag, was ich tun soll.
-Was zum Teufel… -Es läuft auf deinen Namen.
Komm schon, Se'! Was sagst du da?
-Ist das Leben schön? -Antonio Pinna, das bin ich!
-Danke, Se'! -Bis bald, Anto'.
Meine Güte.
Komm her, damit ich's dir geben kann.
Meine Güte!
Dieser Roman hat wenig Sinn in meinem Leben,
wie Romane oder Gedichte, die man als junger Mann schreibt.
Es ist kein Ausruf: "Ach Menschen, ich existiere",
sondern die Präambel zu einem Testament.
Zeugnis des wenigen Wissens, das man ansammelt,
und es ist ganz anders, als man es sich vorgestellt hat.
Dein Pier Paolo.
Graziella.
Kopiere das alles und bring es dann zu Moravia.
Danke.
Wir wollten uns noch mal bedanken,
dass Sie zur Taufe kamen.
Es war uns eine Ehre.
Eine große Ehre.
Gefiel Ihnen die Bonbonnière?
Ein schönes Geschenk.
Was das Problem angeht, das Sie letztens erwähnten…
Ich habe die Nachricht verstanden.
Wir kümmern uns darum.
Wie?
Auf unsere Art.
Was bedeutet "unsere Art"?
Ihre Feinde sind unsere Feinde.
Und wir kümmern uns um die Feinde.
Weil Sie Wichtigeres zu tun haben.
Das stimmt.
Aber wir haben Sie um nichts gebeten, klar?
Natürlich. Ich weiß.
Komm, Schatz.
-Verabschiede dich von dem Herrn. -Auf Wiedersehen, mein Herr.
Auf Wiedersehen, gnädige Frau, und küssen Sie das Baby.
-Von mir. -Danke.
Wir küssen Ihre Hände, mein Herr.
Panunzio, komm her.
-Du hast alles gehört? -Was wollen Sie tun?
Ich? Nichts. Sie machen alles.
-Sind sie zuverlässig? -Sah er aus wie ein Komödiant?
Sie sind verrückt geworden.
Panunzio, Verrückte können nützlich sein.
Die tun Dinge, die wir nie tun würden.
-Er ist weltberühmt! -Er hat es so gewollt.
Pi', kannst du mir 10.000 leihen?
Wieso bist du immer pleite? Du schuldest mir schon zehn, oder?
Das macht zusammen 20.
Und wann kriege ich das Geld zurück?
Du hast doch keine Lira.
Wenn du mir zehn leihst, bekommst du Montag 100.
-Ist dein Bruder betrunken? -Nein, er meint es ernst.
Am Montag kriegen wir für einen Auftrag einen Haufen Geld.
Sagen wir es ihm?
Idiot, das hast du schon!
-Was habe ich ihm gesagt? -Du hast ein Spatzenhirn.
Wovon redet ihr?
Der Film deines Kumpels, wir haben ihn.
-Gehst du aus? -Ja, Mama.
Komm her, komm zu mir.
Sag schon. Wie heißt der Junge?
Pino.
Erzähl mir von ihm.
Er ist unschuldig, aber nicht lange.
Warum sagst du das?
-Weil ich es fühlen kann. -Bist du sicher?
Ja, Mama.
Meinst du, er wird dich auch verraten?
Ich glaube schon.
Also liebt er dich nicht?
Nur die, die dich lieben, können dich verraten.
Lass uns zurückkehren, Pier Paolo.
Ich flehe dich an. Kehren wir zurück.
-Es ist zu spät, Mama. -Warum?
Weil nirgendwo ein Platz für mich ist.
Was werde ich ohne dich tun?
Du wirst immer bei mir sein, Mama!
-Ich habe nicht deinen Mut. -Oh nein.
Du hast noch viel mehr.
Keine andere Frau hätte meine Mutter sein können.
-Ich habe Angst. -Nein.
Keine Angst, Mama.
Pa', sie haben alles allein gemacht. Ich habe nichts getan, glaubst du mir?
Warum sollte ich das nicht?
Zwei Milliarden! Was für Arschlöcher!
Nur denen konnte so eine Zahl einfallen.
Aber drei Millionen wären angemessen, oder?
Ich meine… für Auslagen, oder?
Das Geld ist unter der Matte.
Se'! Sergio!
-Wer ist da? -Franco und Giuseppe, die Brüder.
Erinnerst du dich?
Ihr habt mich erschreckt. Was wollt ihr um diese Uhrzeit?
Komm runter, wir müssen reden.
Ich kann es wirklich nicht glauben.
Einfach unglaublich!
Hör zu, ich rede nicht um den heißen Brei herum.
Wir warten noch auf die Milliarden.
Wir haben unsere Arbeit erledigt, gib uns den Film zurück.
Wir verkaufen ihn.
Wir kriegen weniger, aber wenigstens etwas.
Was soll ich sagen? Du hast recht.
Ihr habt die Arbeit erledigt.
Ich gebe euch alles zurück, kein Problem.
Se', nichts für ungut.
Wir sind pleite. Wir brauchen das Geld. Du verstehst?
Wenn es um Geld geht, sollte man nicht scherzen.
Es gehört euch, keine Frage.
Was machst du da? Oh.
Wo gehst du hin?
-Du gehst nicht mit leeren Händen! -Ich will nichts, lass mich in Ruhe!
Komm her! Du wolltest den Film?
-Guten Morgen. -Guten Morgen.
-Entschuldigen Sie die Verspätung. -Kein Problem.
Keine Sorge, es dauert nicht lange.
Lassen Sie sich Zeit.
Warum "Salò"?
Sie fragen, warum ich Salò gemacht habe?
Nein.
Würden Sie den Filmtitel ändern?
-Zumindest in Frankreich? -Warum?
"Salò" klingt auf Französisch wie "salaud".
Ich verstehe nicht. Was bedeutet es auf Französisch?
Du Scheißkerl.
Super! Das ist perfekt.
Es ist eine Geschichte über Hurensöhne. Ich rede von einer Bourgeoisie.
Ich rede von einer Bourgeoisie, die Faschismus nutzt,
um Besitz vom Volk zu ergreifen, total.
Körperlich, so wie… es die Konsumgesellschaft tut.
Verstehen Sie mich?
-Konsumieren. -Ja, sagt man das so?
-Konsumgesellschaft. -Ja.
Aber Herr Pasolini, heute gibt die Konsumgesellschaft
den Menschen Essen, Kleidung,
ein besseres Leben als in der Vergangenheit.
Das ist das Problem.
Heute sind die Leute reicher.
Aber Armut ist kein Übel.
Die Leute sind reicher, wissen aber nicht mehr, wer sie sind.
Ihnen fehlen Identität, Persönlichkeit.
-Verstehen Sie, was ich meine? -Menschen haben keine Identität mehr.
-Genau. -Sind Opfer der Konsumgesellschaft.
Genau.
-Ärmer wären sie besser dran? -Ja.
Das sagte die Kirche immer.
-Jetzt sind es Linke wie Sie. -Ich bin ein Linker.
-Ich auch. -Ich weiß.
Wir verstehen uns. Ich bin Linker. Aber zugunsten des Fortschritts.
Doch heutzutage wird Fortschritt durch Mode repräsentiert,
durch Reichtum, durch Luxus.
Durch alles, was überflüssig ist.
Halten Sie das für Fortschritt?
Die Logik verstehe ich, aber…
Ist es nicht zuerst nötig, dass jeder
Gesundheitsversorgung hat, Essen, Kleidung und zur Schule gehen kann?
Nein. Einen Moment.
Ich bin gegen die Schule.
-Verstehen Sie? -Gegen die Schule?
Heute ist Schule nichts weiter als eine Initiation
ins Leben des Kleinbürgertums.
Dort lernt man unnütze, dumme, falsche,
moralistische Dinge.
Ich weiß, jetzt sagen Sie, ich sei kein Linker,
aber für mich ist die Grundschule
mehr als ausreichend für einen… Wie sagt man? Einen Arbeiter.
Aber Schule ist der soziale Aufstieg.
-Sie ist der grundlegende Wert. -Nein, hören Sie mir zu.
Die Illusion, dass die Kinder der Arbeiter die Schule durchlaufen,
ist für mich ein Verbrechen, es ist ein Verbrechen.
Das können Sie nicht sagen. Schule ist ein wertvolles Gut.
-Sie entdeckten die Vorstädte Roms. -Ja.
Sie gaben einem Volk eine Stimme, das es nicht gab.
Gaben ihnen Identität und Würde. Nun lassen Sie sie im Stich.
-Nein! -Ja, Sie lassen sie fallen.
Warum tun Sie das?
Weil sie nicht rein und naiv sind wie damals.
-Sie haben Ihre Meinung geändert. -Italien hat sich verändert.
Heute gibt es keinen Unterschied mehr
zwischen der jungen Bourgeoisie von Parioli
oder Leuten wie Accattone.
-Accattone. -Ja.
Junge Leute von heute…
Es gibt keinen Unterschied zwischen ihnen,
sie haben keinen inneren Konflikt mehr.
Sie haben nicht mehr die Möglichkeit,
zwischen Gut und Böse zu wählen.
Also haben sie es vergessen.
Etwas sehr Wichtiges.
Wissen Sie was? Die Barmherzigkeit.
-Ihre Sicht ist sehr pessimistisch. -Ja.
Aber es ist die Wahrheit.
Es ist die Wahrheit in Italien.
Nein, auf der ganzen Welt, nicht nur in Italien.
Das denke und fühle ich.
Das mit den Arbeiterkindern und der Schule hat mich nicht überzeugt.
Warum nicht?
Die Arbeiterkinder würden
anmaßend
oder frustriert werden.
Die Schule wird sie nur ihres Unwissens bewusst machen.
-Sehen Sie mal. -Ja, das erwähnten Sie.
WER MICH LIEBT, FOLGT MIR
Das ist die Religion unserer Zeit.
Der Christus des Vatikans hat verloren. Das hier hat gewonnen.
Mir fehlt etwas sehr Wichtiges, bei dem, was Sie sagten.
Toleranz.
"Es ist für einen Mann unerträglich, toleriert zu werden." Vorsicht!
Das sagte nicht ich, sondern ein Franzose.
-Jean Cocteau. -Genau, Jean Cocteau.
Alles in Ordnung?
Geht es Ihnen gut?
Herr Pasolini?
Ja, mir geht es gut.
Ich muss los. Es ist spät, ich muss gehen.
Ja, natürlich. Danke für das Interview.
Reicht es für einen Artikel?
Ja.
Seien Sie ehrlich.
Erschien es Ihnen logisch, was ich sagte?
Natürlich. Es war sehr interessant. Warum fragen Sie das?
Weil ich müde bin,
es wirklich satt habe, immer dasselbe zu sagen,
und für einen Verrückten, einen Kranken gehalten zu werden.
Das ist alles. Danke.
Danke Ihnen.
-Auf Wiedersehen und danke. -Danke.
Ciao.
Was will er?
-Wenn er Ärger sucht, hier ist er. -Lass ihn ausreden.
-Ciao, Pino. -Ciao, Pa'.
-Krieg ich meinen Film zurück? -Sie fragten sich gerade, wie.
Nicht wie letztes Mal, hoffe ich.
-Wir hatten ein Problem. -Wollt ihr mehr Geld?
Wir würden nicht Nein sagen.
Hör nicht auf ihn, er scherzt. Du kennst sie nicht. Sind gute Jungs.
-Wo und wann? -Morgen, wo du willst.
Ich fahre morgen weg, in einer Woche bin ich zurück.
Am 1. November, ja?
Es ist ein Feiertag, abends.
-Wann bringst du das Geld? -Am 1. November.
-In Ordnung. Wo? -Am Wasserflughafen in Ostia.
Da ist ein Fußballfeld, zwischen den Hütten, leicht zu finden.
Nimm deine Brille ab, Pier Paolo.
Zieh sie wieder an.
Oh Gott.
Wer ist da? Was ist passiert?
Was ist? Wer ist da?
-Polizei, aufmachen! -Was ist?
Die Polizei?
-Ihr Sohn hat Pasolini getötet. -Oh Gott.
Bitte schreien Sie jetzt nicht.
-Ich erkläre Ihnen alles. -Ja.
Er überfuhr ihn mit dem Auto, Pasolinis Auto natürlich.
Aber es war Selbstverteidigung.
Pasolini hat ihn angegriffen.
Und Pino ist minderjährig, keine Sorge.
Oh mein Gott!
Ich bin sein Verteidiger.
Unterschreiben Sie einfach mein Mandat.
Aber wir müssen hier weg.
Es wird nur so wimmeln von Richtern, Polizisten, Journalisten.
Ich bringe Sie in Sicherheit.
Machen Sie sich fertig.
Nein danke.
Hier ist Gabriele.
Offiziell ist er Ihr Cousin.
Sie bleiben bei ihm, solange es nötig ist.
Bitte.
Moment, ich muss mit Ihnen reden.
Bleiben Sie ruhig, verstanden?
Alles ist unter Kontrolle.
Ich kümmere mich um Pino.
Kein Gericht wird ihn verurteilen.
Jeder wusste, dass Pasolini früher oder später so endet.
Aber ich schäme mich. Wie kann ich noch zur Arbeit gehen?
Mach dir keine Sorgen. Ich besorge dir eine andere Stelle.
Hier, nimm das.
Keine Sorge.
Geh schlafen.
Wir fangen hier an und dann all die anderen.
Gebt ihnen keine Zeit zu reagieren. Das macht es nur schlimmer für sie.
Raus!
Was macht ihr hier?
Das Treffen ist nicht hier.
Habt ihr den Film dabei?
-Hast du das Geld dabei? -Ja.
-Was ist mit euch? -Wir geben dir den Film.
Wir können nichts damit anfangen.
Aber es gibt noch etwas. Hast du das vergessen?
-Was redest du da? -Ich rede von gar nichts.
Neulich hast du uns kalt erwischt.
-Nun sehen wir, ob du ein Mann bist. -Er ist eine Schwuchtel.
Scheiße! Wir arbeiten, und ihr wollt Streit.
-Kommt nur, ich bin bereit. -Wir auch.
Steig ein, Pino, los.
-Schau. Fick dich! -Los geht's!
-Einen Moment. Diese Arschlöcher! -Steig ein!
Pa', keine Sorge wegen der Idioten. Sie wollen Streit.
Du verprügelst sie so wie letztes Mal.
-Musst du mich nicht verprügeln? -Ich? Warum sollte ich?
Weil alles so geschrieben steht. Du solltest es auswendig lernen.
Du bist kein Schauspieler und hast es nicht getan.
Wovon redest du?
Der Junge, der die Schwuchtel tötete, das warst du, Pino.
Aber das war ein Film.
Du bist doch ein Regisseur.
Dieses Mal bin ich nicht der Regisseur.
Wer ist heute Abend Regisseur?
Ich verstehe dich nicht.
-Wirklich nicht? -Ich schwöre bei Gott.
Du bist ein guter Junge.
Ganz ruhig.
Tötet ihn nicht.
Er muss am Boden sein, aber am Leben.
Wir müssen ihn verprügeln, aber nicht übertreiben.
Keine Messer, Schlagringe oder Schläger.
Macht's mit den Händen, aber brecht ihm nichts.
-Verstanden? -Sollen wir ihn verprügeln?
Drück dich klarer aus.
Verprügelt ihn nicht zu sehr. Er ist ein Kumpel.
Wir erteilen ihm eine Lektion.
Er zahlte nicht wie vereinbart.
Er wollte mit euch über Nichtigkeiten verhandeln.
Er hat uns verarscht.
Jetzt kriegt er die Rechnung. Ganz einfach.
Gehen wir.
Was? Habt ihr noch nie gekokst?
Hilf ihm.
Fünf gegen einen, das ist unfair.
Er wird 50, aber er kämpft immer noch.
Vielleicht macht er sie fertig.
Scheiß Pasolini!
Er war mal auf der Suche nach Strichjungen am Kolosseum,
als zwei Soldaten auf ihn losgingen.
Sie klauten seinen Geldbeutel, er war sauer,
schlug sie blutig und nahm ihre Portemonnaies.
Das tat weh.
Zieh dir was rein.
Schon wieder? Du bist besessen. Das mache ich nicht.
Komm, es ist gut. Probier's.
Ich habe eh Herzrasen. Von dem Scheiß werde ich ohnmächtig.
Was macht das schon? Versuch's heute Abend.
Ich bin nicht eine, die du vögeln willst.
-Heute Abend kokst du. -Nein.
-Nie und nimmer. -Verärgere mich nicht!
Spinnst du? Fass mich nicht an!
-Gib mir den Scheiß. -Komm schon!
Hier.
-Zufrieden? -Was für ein Schwachkopf du bist.
Pfui Teufel, du beschissener Junkie!
Leckst du nicht? Nichts verschwenden.
Wo zum Teufel sind sie?
-Was für ein Arschloch du bist! -Wo sind sie?
-Woher soll ich das wissen? -Gott, so ein Mist.
-Ist er tot? -Bist du verrückt?
Wenn ja, werden sie uns töten. Lass mich mal hören.
Er atmet. Gehen wir.
Hey! Er ist aufgewacht, los!
Pier Paolo…
-Was ist los, Mama? -Entschuldigung.
Ich träumte von Guido. Er rief mich an.
"Mama, hilf mir! Hilfe!"
Da waren furchtbare Männer, die ihn zu Tode prügelten.
Keine Angst, Mama.
Du bist hier bei mir, keine Sorge.
Was für ein Albtraum!
Ich habe so lange nicht mehr von deinem Bruder geträumt.
-Beruhige dich. -Ja.
-Ja. -Bleib hier bei mir.
Wir sind's, Se'! Er ist weichgeklopft.
Ich gehe vor und zeige euch, wo er ist.
Warum?
-Wir müssen ihn überfahren. -Was?
Fahr schon los.
Bist du verrückt, Se'?
-Wo gehst du hin? -Das war nicht abgemacht.
-Er sollte nur verprügelt werden. -Wo willst du hin?
Komm her! Wo gehst du hin? Dafür wirst du büßen!
Feigling!
He! Kokain verdirbt dir das Hirn.
Hör auf! Wir wollten ihn nur verprügeln.
Halt, Sergio!
Du machst mein Auto kaputt, die Ölwanne.
Stopp!
Was hab ich mit all dem zu tun?
Du kommst mit.
Oder nein. Ich fahre mit dir.
Mein Auto in dieser Gegend?
Damit es kaputtgeht? Du spinnst. Ich komme nicht, es ist brandneu.
Nimm was, geh uns nicht auf den Sack.
So was mache ich nicht!
Auf meinem Planeten Kokse nur ich
Man zwingt mich
Prinz! Was redest du da?
Wie hat Pelosi das gemacht? Der Idiot kann nicht mal fahren.
Das klappt nicht, das glaubt keiner. Pinos Geständnis geht nicht durch.
Se'! Bist du völlig weggetreten?
Was machst du? Ich will nichts davon wissen!
Ich war nie hier. Ich fahre mit meinem Auto nach Hause.
-Deinem Auto? -Ja.
Wir haben dir das Auto für diesen Job gegeben.
Verstehst du? Dein Auto sieht aus wie das von Pasolini.
Es muss aussehen, als hätte Pelosi ihn getötet.
Was redest du da? Ist das ein Witz? Komm schon!
Er hat Bärenkräfte. Der schafft es. Wir bringen ihn ins Krankenhaus.
-Ihr wollt ihn doch nicht töten? -Leute, er kommt zu sich.
-Schlag ihn noch mal k. o.! -Nein!
Mama!
Mama!
Anto', wir stecken in der Scheiße, verstanden?
Verstehst du das? Das Auto ist auf dich zugelassen.
Du wirst der Erste sein, den sie schnappen.
Aber mich werden sie zuerst töten. Verstehst du das, Anto'?
Anto', ich habe keine Freunde.
Du bist mein einziger, oder?
-Ich flehe dich an. -Ich kann das nicht.
-Hol uns aus der Scheiße. -Nein.
-Bitte. -Nein, ich kann nicht.
Mach schon. Du bist der Richtige dafür.
-Was soll ich tun? -Du sitzt da und folgst meiner Hand.
-Folge nur meiner Hand. -Was soll ich tun?
-Fahr über ihn drüber. -Was?
Folge nur meiner Hand. Du wirst nichts sehen, verstanden?
Ich übernehme das Sehen. Vertrau mir, Anto'!
Achte auf meine Hand. Fahr los.
Fahr rückwärts, los.
Anto', vertrau mir! Ich sehe zu!
Los, gehen wir!
Gut gemacht.
Gut so. Vorwärts.
Vorwärts. Andere Richtung.
Vorwärts, in die andere Richtung.
Hey, Sohn!
Sohn! Du bist ein Mann geworden.
Ein echter Mann, verstehst du?
Hör mir zu.
Du musst nichts erfinden, ja?
Du hast dir eingeprägt, wie es lief.
Ich meine es ernst.
Sag einfach deinen Text auf, und alles wird gut.
Dein Anwalt ist der Beste!
Deine Eltern und deine Schwester sind bei uns.
In Sicherheit.
Verstanden?
-Verstanden? -Ja.
Ich hab's verstanden.
Was machst du da?
-Wo ist mein Auto? -Hinter dem Baum.
Du weißt, was du tun musst?
-Soll er ins Casal del Marmo? -Da übergeben wir ihn den Kollegen.
Ich bringe Pelosi mit Pasolinis Auto zu unseren Freunden.
Du fährst im Rückwärtsgang über ihn.
Aber ohne das Lenkrad anzufassen.
Und dann verschwinde hier, ja?
Wir reden morgen. Ich rufe dich an.
Ciao, Anto'.
Anto', ich bin Einzelkind.
Bis heute Abend hatte ich keinen Bruder.
Bruder, Scheiße. Wir haben ihn getötet.
-Ihn überfahren, Bruder. -Sei still.
Steig auf, und lass uns nach Hause fahren.
Dann vergessen wir alles. Es ist nie passiert. Los!
Stoppt die Blutung. Das Auto darf nicht schmutzig werden.
Wem gehört das? Dir oder ihm?
-Ich weiß nicht. -Wasch dich.
Habt ihr alles gesehen? Ihr habt nichts verpasst?
Gut. Jetzt vergesst alles.
Hier ist nichts passiert.
Eine Schwuchtel starb. Ein Perverser, der kleine Jungs vögelte.
Wen interessiert das?
Will jemand weinen?
Ihr könnt wieder ins Bett gehen. Ich kenne jeden. Jeden von euch.
Und wenn irgendjemand lebensmüde ist,
muss er nur seinen Mund aufmachen.
Gute Nacht.
Und jetzt verschwindet von hier.
Pa', hast du wirklich keinen Hunger?
Ich habe vorhin mit Ninetto gegessen.
Ich muss weitermachen, sonst kommen wir zu spät.
Es ist ja noch nicht Mitternacht.
Sind Sie Pier Paolo Pasolini?
Ich merke mir Gesichter gut. Sie sind es.
-Sagen Sie nicht Nein! -Und wer bist du?
Ich heiße Francesco.
-Francesco? -Francesco, ja.
-Darf ich Sie was fragen? -Natürlich.
Sie schrieben im Corriere della Sera,
Sie wollen die Schulpflicht abschaffen.
Ja, aber es ist viel komplizierter.
Sie denken sicher viel komplizierter, aber wissen Sie, woher ich das weiß?
Ich weiß es, da ich zur Schule ging und viel lernte.
Ich bekam Kopfschmerzen.
Furchtbare Kopfschmerzen,
aber ich schaffte es an die Uni,
obwohl mein Vater Arbeiter und meine Mutter Hausfrau ist.
Ist das falsch?
Was studierst du?
Sie haben die Frage nicht beantwortet. Sollte ich etwa nicht an die Uni gehen?
-France', komm her und lass das. -Ich komme, Papa.
Ich spreche mit Pasolini. Kennst du Pasolini?
Geh besser zu deinen Eltern zurück.
Ich will Ihnen nur eins sagen, Signor Pasolini.
Wäre ich nicht in der Schule gewesen, wäre ich tot.
Bemerkten Sie meine Aussprache?
Ja, natürlich habe ich das.
Gut. Mir ist es auch bewusst.
Ich weiß, dass ich lispele
und dass ich kurzsichtig und kein Stecher bin.
Also frage ich Sie,
wie wäre mein Leben wohl ohne Schule?
Hör zu, Francesco, was ich im Corriere della Sera sagte,
bezog sich nicht auf dich.
Du bist ein ganz besonderer Mensch, und bleib es.
Danke. Das ist ein tolles Kompliment. Sie sind auch ein ganz besonderer Mensch.
Ciao und viel Glück.
France', los, verzieh dich!
Ist das Ihr Sohn?
-Nein. -Trotzdem ist er Ihnen sehr ähnlich.
-Noch eine letzte Frage? -Natürlich.
Bekomme ich ein Autogramm?
Warum?
Ich will es im Geldbeutel behalten, das bringt sicher Glück.
-Hast du einen Stift? -Natürlich. Hier.
Danke.
-Hier. -Vielen Dank.
Warte, Papa! Papa, komm, lass uns zurückgehen.
Was für ein Verrückter.
Morgen, Herr Kollege.
Heute ist dein Glückstag.
Ich habe ein Mandat von der Familie. Geh nach Hause schlafen.
Ich zog an seinen Haaren.
Dann trat ich ihm in die Eier.
Und dann nahm ich eine… Wie heißt das?
Eine Holzplanke.
Damit schlug ich ihm auf den Kopf.
Dann brach die verdammte Planke.
Und er schnappte sie sich.
Er fing an, auf mich einzuprügeln, der Hurensohn.
Er warf mich zu Boden.
Er hat mir die Nase gebrochen!
Ich war voller Blut.
Ich konnte absolut nichts sehen.
Er schlug auf mich ein.
Voller Wucht!
Moment mal. Hat er sich selbst verprügelt?
-Wie hast du die Oberhand gewonnen? -Keine Ahnung. Ich habe ihn nicht getötet!
Ich bin unschuldig! Das hat nichts mit mir zu tun!
Ich überfuhr ihn nicht.
Ich kann nicht mal fahren!
Ich kann nicht mal Auto fahren!
Pino, red keinen Scheiß.
Kannst du dich an nichts anderes erinnern?
Wer sind Sie? Was wollen Sie von mir?
Wer ich bin?
Ich bin dein Anwalt.
Ich sprach mit deinen Eltern.
Alles in Ordnung, keine Sorge.
Ich mache mir keine Sorgen. Sie wollen mich austricksen, Scheißkerl!
Was schreist du hier rum?
Halt den Mund!
Halt den Mund.
Was passiert mit deinen Eltern, wenn du weiterredest?
Denk mal nach.
Ich will kein Wort mehr von dir hören.
Du warst allein, verstehst du?
Da war sonst niemand.
Und du bist gefahren.
Ist das klar?
Leute, die Aussage ist da.
Alles aufgeschrieben.
Es ist alles da.
Sie müssen es nur abschreiben.
Wie Sie sehen,
schafft er es nicht.
Wir müssen es ihm vorlesen.
-Damit er unterschreiben kann. -Das geht auch ohne?
Es dauert nicht lange, keine Sorge.
"Ich packte ihn an den Haaren
und trat ihm in die Genitalien.
Dann nahm ich eine Holzplanke, die da lag,
und schlug ihm damit auf den Kopf.
Nach dem Schlag brach die Planke entzwei,
und ich schlug ihn mit dem Stück in meiner Hand.
Ich schlug ihn mit dem gleichen Stück Holz,
bis er hinfiel."
Eines habe ich verstanden.
Die verfolgte Person, die zu Fuß floh,
war Pier Paolo Pasolini, der Dichter.
Und er oder sie oder wer auch immer,
die ihm nachliefen, diese Männer ohne Gesichter,
wussten nicht, was sie taten
und wussten nicht, wer Pasolini war.
Vielleicht war es jemand, den er kannte, oder auch jemand,
der dazu beigetragen hatte, eine Situation herbeizuführen,
aus der Menschen hervorgehen, die so etwas tun.
Wer nicht weiß, wer Pasolini war,
wer nicht weiß, was er tat, muss aufgeklärt werden.
Ihr wisst, wer Pier Paolo Pasolini war und wofür er stand.
Aber ich wiederhole es noch mal,
um mich ein bisschen zu trösten über seinen grausamen Tod.
Ich will euch sagen, was wir verloren haben.
Wir, seine Freunde, ihr,
im Grunde alle Italiener.
Mit Pier Paolo Pasolini…
Mit Pier Paolo Pasolini verloren wir vor allem einen Mann,
der zutiefst gut, freundlich und sanft war,
einen Mann mit einer Seele, die immer nach Höherem strebte.
Einen Mann, der Gewalt hasste.
Ja, es gibt viele gute Menschen, aber nicht viele wie Pasolini.
So bald werden wir auf dieser Erde keinen wie ihn wiedersehen.
Untertitel von: Heike Wessels
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